Kurz von der Brotrestesuppe

Der „österreichische Streicher“ aus der christlichsozialen Partei „riet den Arbeitern, sie sollten sich stattdessen an Kraut und Kartoffeln gütlich tun, wenn das Geld für Fleisch nicht reiche“ …

Der „österreichische Streicher“ aus der christlichsozialen Partei, der auch für viele Jahre Nationalratspräsident war, erscheint im Angesicht der türkis getupften christschwarzen Partei zumindest gegen die eigenen Leut‘ ein nahezu sozial eingestellter Mensch noch gewesen zu sein. Immerhin gestand er den Menschen noch „Kraut und Kartoffeln“ zu, nicht Krautreste und nicht Kartoffelreste, nicht Kartoffeln allein, nicht Kraut allein, sondern frische Kartoffeln und frisches Kraut …

Das köstingerische besetzte Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus hingegen nur noch „Brotreste“, nicht einmal mehr frisches Brot, sondern Brotreste, „altbackenes Brot“, und preist dieses an als „köstliches ‚Arme-Leute-Essen‘, geht einfach und ist super“ …

Es fehlte dazu nur noch die Getränkeempfehlung, köstlich zur Brotrestesuppe schmecke bloßes Wasser, das nicht nur, wie gar oft fälschlich angenommen, hervorragend mundet zu Fleischgerichten …

Mit den „Brotresten“ als „Arme-Leute-Essen“ hat es noch eine recht besondere Bewandtnis, eine, die an Opportunität respektive Opportunismus erinnert, von der kürzlich zu erzählen war.

Das Ministerium wies die Suppe allerdings als „köstliches Arme-Leute-Essen“ aus, zumindest bis Montag. Da änderte sich die Beschreibung des Posts plötzlich. Aus dem „Arme-Leute-Essen“ wurde plötzlich eine “einfache Mahlzeit”. Das zeigt der Bearbeitungsverlauf des Posts. Besonders interessant dazu ist der zeitliche Zusammenhang, dass ZackZack nur wenige Stunden zuvor Chats des ÖBAG-Chefs Thomas Schmid veröffentlichte, der sich über den „Pöbel“ ausließ.

So also wurde aus dem „Arme-Leute-Essen“ eine „einfache Mahlzeit“, wenn der Wiedergabe dieses „Bearbeitungsverlaufs des Posts“ durch „FPÖ Fails“ und „Zack Zack“ Korrektheit der Wiedergabe attestiert werden darf.

Von Thomas Schmid gibt es also weitere, einfach wie kurz gesagt, Beweise seiner Intellektualität …

Mit dem Dienstpass für Regierungsangehörige gibt er sich nicht zufrieden, er will seinen geschätzten Diplomatenpass vom BMF behalten. Doch es nützt nichts: „Wenn ich weiterhin Diplomatenpass haben will müssen wir das Gesetz ändern.“ Schmid gibt auf: „Da werden wir passen müssen. Das ist einfach vorbei.“ Als Schmid realisiert, dass er wie andere Menschen reisen wird müssen, ist er verzweifelt: „Oh Gott, reisen wie der Pöbel.“  Laure hat aber noch eine Idee: ÖVP-Großspender Schütz „hat auch einen roten Pass. Müssen mal fragen, wie der sich seinen Pass organisiert hat.“ Laure und Schmid vermuten, dass Schütz Honorarkonsul ist. Dessen Frau Eva soll deshalb konsultiert werden: „Das wäre ja ein Skandal. Der schon und ich nicht“, so Schmid, der nicht glauben kann, warum er leer ausgehen sollte.

Thomas Schmid hatte in seiner Zeit als Kabinettsmitarbeiter von ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger die Aufnahmeprüfung für den diplomatischen Dienst, das sogenannte Préalable abgelegt, war jedoch nie im diplomatischen Dienst tätig. In Diplomatenkreisen heißt es, Schmids Fremdsprachenkenntnisse seien so schlecht, dass er die Prüfung eigentlich nicht hätte bestehen dürfen – außer durch Schiebung. Wie weit entfernt Schmid von den Menschen, die seine Partei wählen sollen, zu sein scheint, zeigt sich auch in einem weiteren Gespräch nur zwei Tage später. Am 14. März 2019 muss Schmid einen lästigen Behördengang erledigen: er braucht für seine Bestellung zum Alleinvorstand der Beteiligungen der Republik in Höhe von rund 26 Milliarden Euro einen sauberen Strafregisterauszug. Den muss er freilich selbst holen. Als er sich mit Laure wegen Terminen koordiniert, lässt er sich über die anderen Wartenden aus: „Ich hasse euch dass ich da herkommen muss zu diesen Tieren für Strafregister.“  Laure erklärt ihrem Chef, dass der Auszug nicht ewig gelte und Schmid womöglich irgendwann wieder selbst zur Behörde müsse: „Der gilt nur 6 Monate.“ Schmid: „Ich weiß eh. Ich hasse das hier.“

Der Kanzler, den er, Schmid, als seinen Mann liebt, besuchte zu Weihnachten ’17 den „Suppenbus“ der Caritas. Diese Nachrichten, die sich der Kanzler bei seinem Besuch des Suppenbusses nur sich selbst in seinem Kopf möglicherweise schrieb, beim Anblick der Menschen, die auf eine Suppe warten, werden nie zu erfahren sein, und es ist äußerst fraglich, ob je irgendwer diese auch noch erfahren würde wollen, es nicht ohnehin schon mehr als genug ist, viele bereits sagen, mit dem Kanzler sagen, sich auf den Kanzler berufen: „Genug ist genug!“

Die von Thomas Schmid so eindrucksvoll zur Schau gestellte Intellektualität in jedweder Hinsicht ragt wahrlich heraus, prädistiniert ihn zum unbestrittenen Anführer eines jedweden Fußballfanklubs, sein Fußballfanklubvizeanführer könnte ebenso unbestritten Andreas Hanger, der Abgeordnete, sein, der Mann also, der in den letzten Wochen, einfach wie kurz gesagt, mit kraftvollen Auftritten ebenso seine Intellektualität, sein Wissen um erbrachte Leistungen etwa eines Thomas Schmid, seine fundierte psychiatrischen Ausbildung eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Es würde nicht verwundern, erhielte Andreas Hanger von Fußballfanklubs, die oft abgekürzt einfach Hooligans genannt werden, massenweise Ersuchen, ihr Anführer zu werden, allein schon seine Frisur mag ihnen genug an Qualifikation …

Was aus der Geschichte gelernt wurde – Raffinesse

Es ist die Vorstellung nicht von der Hand zu weisen, daß nationalsozialistische Gesinnungsgänger der Literatur in Gedichtsammlungen ihren Unterschlupf bis heute finden. In denen nationalsozialistische Gesinnungsgängerinnen der Literatur bis heute wohlbehütet sind, in denen sie als nichts anderes erscheinen, als ach, gar zarte Menschen des lyrischen Worts, gänzlich ohne Biographie.

Besonders in Anthologien, die bereits in ihren Titeln von Jahrhunderten sprechen, wie „Zeit und Ewigkeit – Tausend Jahre österreichische Lyrik“ etwa, oder eben auch „Der ewige Brunnen – Ein Hausbuch deutscher Dichtung – Gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners“ mit der Klappentextankündigung, „in den Gedichten spiegeln sich die Lebenserfahrungen aus acht Jahrhunderten“ …

In beiden Gedichtsammlungen, um diese zwei nur als Bespiele heranzuziehen, sind dieselben zu finden – Weinheber, Ginzkey, Mell

Durch die Jahrzehnte, freilich raffinierter geworden. Von „Zeit und Ewigkeit“ aus dem Claassen-Verlag, in der „2. völlig neu bearbeiteten und erweiterteren Auflage 1980“, zum „Hausbuch Der ewige Brunnen“ aus dem Verlag C. H. Beck, „4. Auflage der Jubiläumsausgabe, 2015, gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners, aktualisiert und erweitert von Albert von Schirnding“.

Durch die Jahrzehnte raffinierter geworden? Nein. Und Ja. Dies endgültig zu beantworten, vielleicht nicht möglich.

Albert von Schirnding schreibt in seinem Vorwort, „Ludwig Reiners hat seine bewunderswerte und überaus erfolgreiche Sammlung deutsche Gedichte 1955 …“ und „ein ‚Hausbuch‘ gehört (beinahe wie die Bibel) zum täglichen Dasein, ist möglichst immer griffbereit,“ und so weiter und so fort.

Ludwig Reiners, ein NSDAP-Mitglied mit vornehm vorgebrachten Antisemitismus, das ist von ihm, Schirnding, und vom Verlag, Beck, in diesem Buch nicht zu erfahren. Raffiniert? Vielleicht.

Raffiniert hingegen die schirndingsche Feststellung im Vorwort:

Der Bearbeiter sah sich der grundsätzliche Frage konfrontiert, ob es sich bei einer so umfangreichen lyrischen Sammlung eher um ein Nachschlagewerk oder eine Anthologie handelt. Wohl um beides; wo aber Konflikte bei den leitenden Auswahlkriterien auftraten, fiel die Entscheidung zugunsten der Qualität und einer gewissen Überzeitlichkeit. So wird man die „Wacht am Rhein“ in der Neuausgabe nicht mehr finden und hoffentlich auch nicht vermissen. Inzwischen ist man auch gegen manche Autoren, die trotz der ihnen im Dritten Reich zuteil gewordenen Förderung in den fünfziger Jahren noch immer angesehen waren, kritischer eingestellt. Begabungen wie Agnes Miegel oder Börries von Münchhausen sollen nicht ganz fehlen, sie waren aber meines Erachtens bei Reiners überrepräsentiert. Selbstverständlich haben Gedichte von Karl Bröger, Heinrich Lersch oder gar Edwin Erich Dwinger in einem Hausbuch deutscher Dichtung nichts mehr zu suchen.

Ach, die armen, armen Autorinnen, gegen ihren Willen, ach, die armen, so armen Autoren, wehrlos gegen die ihnen im Dritten Reich zuteil gewordene Förderung

Oh, wie „kritischer eingestellt“ hingegen etwa ein Medium der FPÖ in Österreich, die Jan Böhmermann vor Kurzem, um den Menschen in Deutschland konkret veranschaulichen zu können, mit welcher Partei in Deutschland die FPÖ zu vergleichen ist, die FPÖ mit der NPD verglich, wie kritischer hingegen also diese österreichische Gesinnungsgemeinschaft, wenn sie von „Verwicklungen mit dem NS-Regime“ schreibt …

Aber auch Ina Seidel, die er in seinem Vorwort nicht erwähnt, darf in solch einer Bibel nicht fehlen, so wie für ihn Agnes Miegel nicht fehlen darf …

Es würde das Kapitel über diese Hausbibel zu lang werden, würden alle erwähnt und angesprochen werden, die in dieser Sammlung …

Unerwähnt soll dennoch nicht ganz das eine oder andere noch bleiben.

Franz Karl Hatschi-Nazi Ginzkey mit seinem Lobgedicht auf Abraham a Sancta Clara, der selbst auch in dieser Hausbibel vorkommt: „Ein Mann, der mehr uns gab als nahm (wie schwer ist solcher Kunst Bestand), das war Herr Pater Abraham, auch Bruder Fabelhans genannt …“ Und was „Fabelhans“ gab, auch dem Nationalsozialismus, davon wurde in einem Kapitel bereits erzählt: „Zigeuner seynd des Judä Iscarioths nahe Brüder und Anverwandte – Dergleichen Lumpen-Gesind auch die Zigeuner seynd …“

Daß mit beiden Büchern der Zuneigung gefrönt wird, Gedichte auch von Unbekannten zu bringen, etwa dieses über Prinz Eugen, in der einen Bibel unter „Aus der Geschichte“, in der anderen Bibel unter „Soldatenlied“ …

„Wikipedia“ erzählt ebenfalls nichts im Beitrag über den „ewigen Brunnen“, daß Ludwig Reiners ein NSDAP-Mitglied war. Immerhin aber ist aus diesem Beitrag über den „ewigen Brunnen“ zu erfahren, daß vom Herausgeber neu aufgenommen wurde: Georg Britting — —

Georg Britting, ach …

Zu Ludwig Reiners gibt es einen eigenen Beitrag in der Enzyklopädie „Wikipedia“: „Während des Dritten Reiches war Reiners Mitglied der NSDAP, was auch seiner beruflichen Stellung geschuldet war.“

Oh, was einer beruflichen Stellung alles geschuldet ist …

Die Herausgeber von „Zeit noch Ewigkeit“ und auch von „Der ewige Brunnen“ fühlten wohl, eine Hausbibel ohne die „Todesfuge“ von Paul Celan wäre unvollständig. Aber so raffiniert war Ludwig Reiners noch nicht, die „Todesfuge“ in sein „Volksbuch deutscher Dichtung“ aufzunehmen, obgleich er es hätte kennen müssen. 1948 erstmals in „Der Sand aus den Urnen“ veröffentlicht, die „Todesfuge“, ein zweites Mal 1952 in „Mohn und Gedächtnis“, zweimal veröffentlicht also, bevor es zur ersten Veröffentlichung des Volksbuchs deutscher Dichtung

Ja, „Der ewige Brunnen“ wurde einst auch als „Volksbuch deutscher Dichtung“ betitelt, ehe es zum „Hausbuch“ wurde, das beinahe wie die Bibel

Im „Volksbuch deutscher Dichtung“ darf „Lili Marleen“ von Hans Leip – auch einer, der sich der Förderung im Dritten Reich nicht erwehren konnte – nicht fehlen, in der Rubrik „Aus der Geschichte“, auf Seite 533, auf Seite 535 dann die „Todesfuge“ unter „Aus der Geschichte“, auf Seite 543 als Abschluss von „Aus der Geschichte“ dann „An die Völker der Erde 1945“, dies wohl gedacht als Moral der Geschichte, was aus der Geschichte gelernt werden nur kann: Raffinesse …

Denn eine dermaßen raffinierte Einreihung des Nationalsozialismus zu den üblichen Verbrechen der Völker, eine derart raffinierte Schuldverteilung auf „alle Völker der Erde“ wurde noch nicht gelesen, eine derart raffinierte Eigenerhebung zum Opfer, eine derart raffinierte Verkleinerung der eigenen Taten zu den üblichen Taten der Völker wurde noch nicht gelesen, und noch einmal raffinierter auch dadurch, daß es ein Gedicht von Werner Bergengruen …

Völker der Erde, Ihr haltet Euer Gericht
Völker der Erde, vergeßt dieses Eine nicht:
Immer am lautesten hat sich der Unversuchte entrüstet,
immer der Ungestoßne gerühmt, daß er niemals gefallen.
Völker der Welt, der Ruf des Gerichts gilt uns Allen.
Alle verklagt das gemeinsam Verratne, gemeinsam Entweihte.
Völker, vernehmt mit uns Allen das göttliche: Metanoeite!

Alle sollen Buße tun. Wie muß dies einem NSDAP-Mitglied aus dem Herzen gesprochen haben, wie müssen Ludwig Reiners das 1955, als sein „Volksbuch“ zum ersten Mal erschien, und mit ihm so viele in Deutschland die Tränen wie aus Kübeln geflossen sein, beim Lesen dieses Gedichts in Erinnerung an ihre zwölf Jahre der Versuchung, an ihre zwölf Jahre des Gestoßenseins, an ihre zwölf Jahre der Folterung und des Leidens, Tränen eimerweise weiter fließen, beim heutigen Lesen dieses Gedichts, sie sich dabei an die Geschichten ihrer Großeltern, Eltern erinnern, an deren zwölfjährige Folterung, zwölfjähriges Leiden, zwölfjähriges Gestoßenseins, Versuchung …

Völker, Ihr zählt, was an Frevel in diesem Jahreszwölft geschehen.
Was gelitten wurde, hat keiner von Euch gesehen,
keiner die Taufe, darin wir getauft, die Buße, zu der wir erwählt,
und der Engel allein hat Striemen und Tränen gezählt.
Er nur vernahm durch Fanfarengeschmetter, Festrufe und Glockendröhnen
der Gefolterten Schreien, Angstseufzer und Todesstöhnen,
er nur den flatternden Herzschlag aus nächtlichen Höllenstunden,
er nur das Wimmen der Frau’n, denen die Männer verschwunden,
er nur den lauernden Schleichschritt um Fenster und Pforten,
er nur das Haßgelächter der Richter und Häftlingseskorten —
Völker der Welt, die der Ordnung des Schöpfers entglitt,
Völker, wir litten für Euch und für Verschuldungen mit.
Litten, behaust auf Europas uralter Schicksalsbühne,
litten stellvertretend für Alle ein Leiden der Sühne.
Völker der Welt, der Abfall war allen gemein:

PS „Alte Traditionen“ leben wieder auf, „im Stile Tschechows“, wie aus einer Programmankündigung für den 29. Jänner 2022 zu lesen ist, Ben Becker werde aus dem „Volksbuch Der Ewige Brunnen“ deutsche Verse sprechen, menschgemäß um einige durch ihn, Becker, als passend empfundene Gedichte erweitert, vielleicht um jene, die Albert von Schirnding nicht mehr … zu befreien, oh ehrenhaftes Ansinnen, von Verstaubtheit, die nur angeblich wie die Zeit nun so reif, aus Staub neues Leben zu erwecken

Dem Gedächinlsse Dr. Karl Luesers.

Karl Lueger war nicht nur für den Diktator Adolf Hitler ein Mann von recht besonderer Gesinnung, sondern auch für den Dollfuß-Nachfolger als Diktator, der gesinnungsgemäß bei der ganztägigen Feier zum 25. Todestag des Karl Lueger mit dabei war, mit Bekränzung des Karl-Lueger-Denkmals auf dem KL-Platz in Wien, Österreich, am 10. März 1935.

Karl Lueger, Bürgermeister der Diktaturen.

„Reichspost“ ließ es sich nicht nehmen, wieder nicht nehmen, darüber ausführlich zu berichten …

Das war gestern ein Tag der Weihe, gewidmet dem Andenken des großen Bürgermeisters. Er begann mit feierlichem Auftakt in der Votikvkirche und schloß mit einer überaus eindrucksvollen Huldigung und einem Treugelöbnis der akademischen Jugend für das geistige Vermächtnis Dr. Karl Luegers.

… und dies nicht nur deshalb, weil ihr Chefredakteur wieder mit von der Partie war, natürlich auch Leopold Kunschakeine Feier ohne antisemitsche Ausfälle, jedenfalls nach dem Bericht der „Reichspost“. Das macht diese Kundgebung nahezu zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung der Kundgebungen.

Es war also am 10. März 1935 die „Weihe zum Andenken eines großen Bürgermeisters“. Wie groß kann ein Bürgermeister denn gewesen sein, der in seiner Ausübung des Amtes krankheitsbedingt rund ein Drittel seiner Amtszeit beeinträchtigt war, als Bürgermeister fast völlig erblindet starb?

Das „geistige Vermächtnis Dr. Karl Luegers“ nahm der eine Diktator mit, nach Deutschland, aber nicht nur das von dem von der Erblindung Befallenen, sondern auch das von dem Alldeutschen, der sich schon „Führer“ nennen, mit „Heil“ grüßen ließ, dem bereits die Kornblume eine der Vorsehung war. So hatte dieser Diktator bereits alles in seinem in Österreich vollgestopften Geistesranzen, als er Österreich Richtung Deutschland verließ. Und der andere, ewig im Schatten von Dollfuß, wenngleich er viel länger herrschte, bekränzt am 10. März 1935 das Parteimal – ein doch denkwürdiger Tag, so ohne antisemitische Ausfälle, jedenfalls nach dem Bericht der „Reichspost“ …

Es könnte auch dieser Bericht der „Reichspost“ zur Gänze ausgebessert zitiert werden, aber so denkwürdig ist dieser Tag dennoch nicht. Aber wiedergegeben soll der Bericht der „Reichspost“ dennoch genau werden, als ausgespuckter Scan des Originals …

Dem Gedächinlsse Dr. Karl Luesers.

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Ser SunbeSfansIer frötofe mit erhobenen  ©röwurfingern unb bem ©rufe: „23i en, O e ft e r r e iröl“  (©türmifröer appIauS.)  Unter ben Klängen ber 23unbe§bhwne, bie bon ber  Kabelte ber ©aSWerfe gefbielt würbe unb bon ben 2ln*  Wefenben entbtöfeten $aubte§ mitgesungen Würbe, legte  oI§ erster ber 23unbeSfanaler ben Krona ber SSunbeä»  regierung, fobann ber ^Bürgermeister ben Krnna ber ©tobt  2Bien om Senfmal nieber. ^fenen folgten ©taatljefretör  3 e h n e r mit bem Krans be§ 23unbe§heere§, SanbeS»  faröleiter S e f cb f a mit bem Krona ber Sienftfteüen«  Organisation 2Bien, bie SBehrberhönbe unb biete anbete.  Ser feierliche 2tft Würbe mit bem Suegermarfrö, gefbielt  bon ber Kabelte ber ©trafeenbohner, abgeschlossen.  Die Seiet Her ditiftiiciien ^tHettet unH  ^nselteUten.  Um 8 Ufer früh fröon Wor ©taatSrat K u n f rö u f in  SScgleitung ber SSorftanb§mitg[ieber unb ber Seatrfsteitimg  be§ 2 iunbe§ dbröftliröer Strbeiter unb ätngeftetiter bor bem  Suegcrbenfmol erfrötenen unb hotte nach einer fursen 2 ln»  fbraröe, in ber er Sueger ot§ ben grofeen Ssrbeiterfrcunb  Würbigte, ouf bie ©tufen be§ Senfmalä einen möcht’gen  Sorbeerfroit 3 mit einer ©röleife in ben garben 2ßieit§  unb ber 9tuffrörift; „Sn unau§löfrölidbcr SanEborDeit ber  S3unb röriftliröer 2Irbeiter unb Stngefteüter“ niebecgelegt.  2lorömittag§ fanb im Seutfefeen aSoIfSiheoter eine  gestborfteltung be§ 2?oIf§stüde§ „Sueger“ fiott, 2?or 29e-  ginn feierte ©tootSrot K u n f rö 0 f Sr. Sueger ot§ onf>  ri-rötigen unb treuen greunb ber 2 trbeiterfröoft.  f et @eH^!Htiii9t0tni{tet0.  Ser abenb§ im grofeen KonaerthouSfaale bon bet  K2ß8. „2b 0 r i c a“ gemeinsam mit ber KOe©93.  „9b u b 0 I f i n tt“ unb ber KS©23. „20b a r c o»S a n u b t a“  beranftaltete ©ebörötniSfommerS gestaltete firö au einer  mächtigen Kunbgebnng ber fatholifdhen 2IEabemiferfröaft.  Ser grosse KonaerthauSfaal bot ein überaus feftliröe§  SBilb. Sie ©alerien aeiglen bie garben Oesterreichs ünb  ber ©tobt 2Bien, auf ber 23übne ftonb, bon iBoImen um=  ranft, bie 93iifte beS grossen ^Bürgermeisters, barüber baS  28abben 28ien§. Sie SPbustffobelle be§ gnfanterieregimentS  2br. 4 unter Seitung KobenmeifterS fBouSbertlS unb  ber ©öngetbunb „S r e i 3 e h n 1 1 n b e n“ unter Leitung  bon .ßofrat ißrof. ® 0 b e I gaben bem Kommers buref)  ihre ouSgeaeiröneten Sarbietungen eine feterliröe Um*  rahmung.  Sie langen Sifröreihen Waren bon ben ©tubenten  unb ber 2 tItherrenfchoft in garben befefet, bie ©alerien  gefüllt bon ben Samen unb ben übrtgrö ©ästen, unter  benen mein aahlreiröe engere greunbe unb ÜOtitarbeiter  Sr. SuegerS sah- ‚  2 tarö bem ©tnaug ber ©horgierten begrüfetc ber  ©enior ber „2torica“ KlemenS Sänger bie geftgöfte,  tnSbefonbere 23unbeSfanaIer Sr. @ rö u f rö n i g g, ©toatS*  fefretör Sr. 25erntet, ^Bürgermeister ©römife, bie  früheren SunbeSfonaler Sr. © n b e r unb 25 a u g 0 i n,  bie früheren 20tinifter Sr. ©aermaf, ^einl, Softor  2? a u e r, Sr. ^ e f rö unb gürft @ rö ö n b u r g*  .S 0 r t e n ft e t n, bie ©taatSröte Sr. g u n b e r, Softor  © la t f e*.§ 0 r ft enciu unb KunfröoE, 25iaebürger*  meifter Sr. K r e f f d, SttagiftratSbireftor Sr. t e fe*  maitSeber, 9tegierungSbireftor Sr. ©rölüffel*  berget, 25räfibent 2Srof. Krasser, 25rina grana  Jtofef bon unb au S i e rö t e n ft c t n, ©tabtfommanbant  ©eneralmofor ^ a f e I m a h r, 9teftor ber Sechnif  Sr. Kann, bie UniberfitätSbrofefforen Sr. 21 m f rö I e r,  Sr. 9t r 3 1, Sr. $ 0 11 n ft e i n e r, Sr. u n g, Softor  Kahr unb Sr. Krebs, Sombrebiger ©ngelhorbt,  aahlreiröe 25ertreter ber hohen Beamtenschaft unb ber  aStener Bürgerfröoft u. b. n.  Ser eigentliche geftaft Würbe eingeleitet mit bem  23. Bfolsu bon ©chubert. Worauf Bürgermeister ©römife  bte geftrebe hielt, in ber es ausführte:   „SBarum Besinnt ftefe bte fatbolifcbc alabeinifröe Sußenb  bon beute eines ©terBetageä? SBobl beabalb, roeti bie Seit  Starl Suegerä Slebnlicbteiten auftoeift mit unserer ©egentoart.  §eute toie bamaia steht bte tatbolifcbe  Sifabemiterfebaft in ben borberflen 2teiben  bea ctampfca für Beltgion unb Baterlanb.  SBie fpEte bie fgtbolifcbe atabemifebe Sugenb ber neunatger  Sabre nicht bem Btanne aufliegen, ber ber SBiebergeBurt beS  (briftlicban DeiterretebS madjtiger Berlünber roor. ©aben sie  boE) Balb, bafe Beiba bemfelBen giel auftreBten. Sueger tömpftc  für baa Stecht beä christlichen BoIfeS, baa Dtecbt, am großen  herrlichen Boterlanb mitBauen 30 bürfen, feinea (SeifteS §aucE)  in ben ©inrübtungen bea ©taatea sich spiegeln au fel;etu Unb  bie fatbolifcben Sltabemifer jener geit tömpften für ba§  primitiöfte Stecht in bem so gepriesenen Steebtaftaat: um bas  ber ©leichberechtigung. Sange sprach otan eS ilincn in  ber Ebsorifi 3U, oBer lange brauchte e§, Bia e§ sich auch in ber  Brajia 3ä0ernbcn ©chrittea burchfefetc, §eute noch ist biefer  Äampf nicht auagetömpft, in bem bie fatbolifcbe ©tubenten*  febaft mübfom borbrang, getragen bureb ihre ©eftnuuag, burd)  ben bobett ©ebtoung ihre Sbeaie unb unterftäfet bon SWönnern  bea öffentlichen SeBena, bon benen sich seiner in solchem tPtoßc  um bie ©nttoictlung ber Intboiifcljen Stubentenfebaft Berbienftc  ertoorBen bot tote Sr. Sueger, ber Bürgermeister ber ©tcibt  SBien.  Sueger mit feiner jungen oufftreBenben cbriftlicbeh BoHa»  Bewegung einerfeita unb bie tatboIijcBe «luDcntenfchaft anber*  feita ftonben einem bamala üBermüchügen geinb in hartem  Stingen gegenüber, ^ein SBunber, baß bie Beiben sich 3u finben  teußten, baß Sueger warmen §er3ena für ben Stampf ber @e*  finnungabertoanbten eintrat. 1899 stimmte er 3U, ©bcbnmitglieb  ber „Storka“ 3U toerben unb Balb aud) bet beiben anbereu  BerBinbungen.  Smmer toieber riet er ben BerBinbungen: „3Kan muß tu  Oesterreich österreichisch benfen unb banbeln.  Sie schönste beutfehe Sugenb ist bteSErcue.  SBabren ©ie bte Sireue bem österreichischen  Baterlanb unb bem christlichen BoIf!“  Sueger, ber BaWiot, »m ein guter deutscher unb gerabe  beabalB Ocftcrrcicfier burch unb burch. Sueger, ber ©brist, toar  ein solcher im Sßriöat* wie im öffentlichen SeBen. ©r ist uns  baa BorBilb, für unsere sbeaie, unsere religiöse UeBergeugung  unb unser öfterreichifchea Baterlanb eiu3utteten mit aEer ft.afi.  SKöge ea in aEe SBelt binauafchaEen: Sr. Starl Sueger, wir  Bletßen beinen gbealen treu, geeint für ©lauBe, greibeit unb  Oesterreich!  2Bübreitb ber lefeten ©äfee beS 23ürgermeifter§ er ­  strahlte bie iBüfte Sr. SuegerS im heüen Siefet ber ©cfeetri*  Werfer, unb SBeethobenS „Sie ^immel rühmen . . „, bon  ber ©ängerfchar 25rof. ^ahel§ meisterhaft gesungen, brauste  burrö ben ©oal. Sonn ergriff SunbcSfanaler Soitor  © rö u f rö u i g g boS 2Bort.  @a ist nidit solange her, führte ber Slanaler aua, baß man  nicht Wagte, einen BücfBlid in bie jüngste Bergangenbeit gu tun.  Slfan batte baa ©efübl, baß eä unöereinbar wäre mit betn  SBitten unserer neuen geit. ®aa toar ein gebier. Slnbere  toieberum, berBittcrt, mübe, baBen im Bitcfblies aEein sich er ­  schöpft unb bergeffen, .baß ea eine SlufgaBe beä SeBena ist, bfe  geit, auä ber man gewachsen ist, 3U meistern. Sluch baa toar  schlecht §eute ist eä una aber toobl aEen £Iar, beiß Wir einc^  schwere ©egenwart meistern unb una eine gufunft ergwingen  tooEen. Sa8 gebt aber nur bann, wenn toir erfennen, baß tote  an ber Bergangenbeit nicht borbeifeben sönnen. Sl u § ber  BerBtnbung ber alten unb ber neuen geti  toächft baa neue Oesterreich.  Sueger War ein Slämpfer unb baS SSagntS ist ihm ge*  lungen. $cute Betounbern toir feine Energie, feinen SJJut unb  feinen ©eist SBer nichta Wagt, gewinnt nichts! ®aS  müssen toir auch im neuen Oesterreich Wissen.  Unsere 5|äroBIeme Waren auch 3U Suegera geiten altueE ge»  toefc»n: ber Stampf um baa Bclenntnia gu Oesterreich, um bte  ©teEung ber österreichischen §auptftabt, um bie ©eüung  biefea igtüciea geistiger Stuliur in Europa.  Segen toir una mit ©tolg unb greube barüBer (Rechenschaft  ab, baß ber ©taube bercr, bie für Oesterreich baa Belenntnia  ablegten, burch ben SlBIauf ber geit nicht gutiefjt erschüttert  toerben sonnte. 28ir aEe baBen ein SBort gegeben. SBxr aEe  bertreten bie Slnficht baß ein gegeBenea SSort unter aEen Um»  stäuben gehalten toerben muß. SBir BaBen ea gegeben für  ©lauBe, Bol! unb Baterlanb. Unb im Slngeftcht ber Büste  Sr. Suegera foEcn toir una gum Borfafe nehmen: toir tooEcn  unser SBort nicht Brechen, nicht Buben toerben gleich, to 0 11 c n  prebigen unb sprechen bon unserm Oester»  r e t dj.“  Sofen&er SSeifall folgte ber 9lebe bcS KanglerS unb  mit 23egeifterung Würbe baS Sieb „2Benn alle untreu  Werben“ gesungen. Ser 2 Iu§ 3 ug ber ©feargierten befrötofe  bie imposante ©ebenffeier.  ❖  Ser Kommers, ber bon ber ,,95abag“ auf ©röoH«  felatten aufgenommen Würbe, Wirb heute rötrefe ben  2Biener 9tunbfunf berbreitet Werben.

„Innere Propaganda“

Gerade die Wiener Arbeiterführer Leopold Kunschak, der Chefredakteur der Reichspost, Friedrich Funder und der Wiener Finanzreferent Viktor Kienböck traten entschieden für die Monarchie ein. Diese Unterstützung trieb auf Seiten des CSP mit Herannahen des Kriegsendes immer dubiosere und radikalere Blüten. So fand am 2. Juli 1918 im Wiener Rathaus eine „vaterländische Massenkundgebung“ statt über die in der Reichspost ausführlich berichtet wurde. Demnach waren der Festsaal und der Arkadenhof „Schauplatz einer gewaltigen, machtvollen Kundgebung des christlichen Wien, die ein begeistertes Treuebekenntnis aller Schichten der Bevölkerung zu unserem Herrscherhause darstellte.“ 92 Ignaz Seipel und der Wiener Kardinal Pfiffl wohnten dieser Propagandaveranstaltung bei. Es gab zwei Festredner. Der eine war Leopold Kunschak, der andere Friedrich Funder. Beide übertrafen sich dabei in Lobhuldigungen für den Kaiser und seine Kaiserin. „Das gemeinsame Vertrauen zur Dynastie ist es, das die Völker der Habsburgermonarchie einigt. Wer die Krone schützt, der schützt Österreich, wer die Krone anrührt, der rührt Österreich an, wer Liebe und Vertrauen zur Dynastie in Österreich zerstören könnte, der würde Österreich zerstören,“ meinte etwa Funder. Und Kunschak erklärte: „Und doch will ich sagen, was unser Leitspruch in dieser trostlosen Zeit sein soll: Kopf hoch und ruhig Blut! Unsere Liebe zum Kaiser und zur Landesmutter darf nicht ins Wanken kommen!“93 In der Entschließung die an diesem Tag beschlossen wurde stand geschrieben: „Das unter Führung des Volksbundes versammelte christliche Volk von Wien bittet ihre Majestäten, die Gefühle unwandelbarer Treue und Ergebenheit … zu Füßen legen zu dürfen …“94

So beschreibt es Dr. Markus Benesch in seiner Dissertation, aus der bereits im Zusammenhang mit der Frage, was ist seit dem die Veränderung, zitiert wurde.

Die Frage, was ist seit dem die Veränderung, bleibt offen. Was jedoch gesagt werden kann, ist, wandelbar aber ist die christlichsoziale Partei – innerhalb von wenigen Wochen von einer Propagandistin der Monarchie zur —

Am 2. Juli 1918 in einer „vaterländischen Massenkundgebung“ der unbedingte Schwur zur habsburgischen Familie, also noch wenige Wochen vor dem absoluten Ende der Monarchie in Österreich, die christlichsoziale totale Gleichsetzung, Österreich ist die habsburgische Familie und die habsburgische Familie ist Österreich, die Liebeserklärung an die „Landesmutter“, also an die Habsburgische, für die Menschen nichts anderes sind als „Menschenmaterial“

Markus Benesch verweist auf den ausführlichen Bericht in der „Reichspost“, deren Bericht über eine ebenfalls im Wiener Rathaus abgehaltene Massenkundgebung im Juli 1918 bereits zitiert wurde, bei der auch wieder der spätere Nationalratspräsident dabei war, eine Massenkundgebung der Hetze, des Antisemitismus, der Halbwahrheiten.

Und auch die wenige Tage zuvor abgehaltene „vaterländische Massenkundgebung“ wieder eine, die nicht ohne Antisemitismus auskommt. Diesen Bericht der „Reichspost“, deren Chefredakteur ebenfalls Redner auf dieser Massenkundgebung war, zur Gänze zu zitieren, erscheint notwendig, um vermitteln zu können, was für eine christlichsoziale Propaganda noch wenige Wochen vor dem Ende eines massenmörderischen Krieges von ’14 bis ’18, ausgelöst durch die Einbildung einer einzigen Familie, Blutrache begehen zu müssen, betrieben wurde.

Unverändert seit damals das Wissen um den Wert der „inneren Propaganda“, die damals wie heute, einfach wie kurz gesagt, immer eine Unterstellung, ein Vorwurf an die Anderen, und wird doch stets nur selbst massiv betrieben, wofür keine Kosten gleicher welcher Art gescheut werden, wie der erst vor wenigen Monaten von der derzeitigen Regierung in Österreich für sich selbst erhöhte Werbeetat.

Koste es, was es wolle – Steuergeld.

Eine vaterländische Massenkundgebung in Wien
Eine Doppelversammlung des Volksbundes im Wiener Rathause
Gegen die feindlichen Ausstreuungen und Giftmischereien.

Die weiten Räume der Wiener Volkshalle und des Arkadenhofes im Rathause waren heute abend der Schauplatz einer gewaltigen, machtvollen Kundgebung  des christlichen Wien, die ein begeistertes Treuebekenntnis aller Schichten der Bevölkerung zu unserem Herrscherhause darstellte und eine entschiedene Abweisung aller versteckten und offenen Ausstreuungen war, die in der letzten Zeit täglich die Bevölkerung zu beunruhigen suchten. Es nahmen an der Versammlung mindestens 6000 Menschen teil; schon lange vor Versammlungsbeginn war die Halle mit Menschen erfüllt, so dicht, daß die Redner kaum noch das Podium erreichen konnten. Es mußte eine zweite Versammlung gleichzeitig im Hofe improvisiert werden, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen, die in der Volkshalle nicht Platz gefunden hatten.

Der Versammlung wohnte auch Kardinal-Fürsterzbischof Dr. Piffl bei. Univ.-Prof. Dr. Seipel eröffnete die Versammlung im Saale mit einer herzlichen Begrüßung der imposanten Volksmenge und erteilte sodann dem ersten Redner das Wort.

Chefredakteur Dr. Funder:

In diesem Weltkriege war Oesterreich-Ungarn militärisch und politisch vor die schwierigste Aufgabe unter allen Staaten gestellt. Im Osten hatte sich ein mächtiger slavischer Gegner erhoben, im Westen, Süden und Südosten im Bunde mit den Angelsachsen das Romanentum und es vereinigten sich mit England und Frankreich zur Zerstörung Oesterreichs Rußland im Namen der Slaven, Italien und Rumänien im Namen der Romanen. Während alle anderen Staaten als national geschlossene Einheiten für ein nationales Ideal in den Krieg zogen, schien es Oesterreichs Rolle zu sein, gegen das nationale Ideal aussichtlos kämpfen und dabei unterliegen zu müssen. Von Krakau bis Czernowitz, von Czernowitz bis zum Noten-Turm-Paß und zum Eisernen Tor, vom Eisernen Tor bis zur Drina und bis hinab nach Spizza, vom äußersten Süden Dalmatiens bis hinauf nach Görz und Gradiska und hinüber bis zum Gardasee rannte der Gegner mit dem Schlagwort der „nationalen Befreiung“ an und suchte damit alle diese Grenzgebiete in Brand zu stecken.

Heute wissen die Gegner, daß die Mittelmächte militärisch unbesiegbar sind (Beifall) und daß selbst der Anschlag, mit dem sie die Monarchie zu zerrütten gedachten, die Revolutionierung  der Nationalitäten, in dem erwarteten Haupterfolge fehlgegangen ist. Es hat Schurken und Judasse und viele von ihnen Verführte gegeben und gibt sie noch (Rufe: Leider!), aber das Herz Oesterreichs ist treu und rein geblieben (großer Beifall), das haben die Heldenregimenter der verschiedensten Nationen Oesterreichs auf hundert Schlachtfeldern bewiesen.

Als ich vor zehn Tagen unsere Linien an der Front bei Asiago entlang ging, sagte mir ein ungarischer Kommandant einer Sturmtruppe: „Ich bin Magyare, ein Szekler, und habe früher zeitlebens die Rumänen als unverläßliche Bürger gehaßt und verachtet, aber ich bekenne, ich war im Irrtum, und heute salutiere ich voll Ehrfurcht vor dem letzten meiner rumänischen Soldaten.  Das sind Kerle von Gold und Eisen!“ (Beifall.) Die Leute da draußen, die täglich dem Tode ins Auge sehen, sind nicht freigebig mit solchen Worten, denn sie wissen, was Treue und Verläßlichkeit heißt, so wie sie die Untreue hassen gelernt haben. Und wer in der zehnten Isonzoschlacht mitten im feindlichen Massenfeuer, in einer Hölle von Feuer und Rauch, tschechische Regimenter unerschütterlich vorgehen sah, freilich unter der Führung von Offizieren, die nicht von dem Geiste gewisser staatlicher tschechischer Mittel- und Hochschulen angefressen waren (Sehr richtig!), der weiß, daß auch in der Nation, auf die sich die feindliche Verführungskunst konzentriert, die Treue, Gott sei Dank, nicht in der Wurzel ausgerottet ist. Das soll im deutschen Wien von einem, der stolz ist, ein Deutscher zu sein, einmal gesagt sein! (Beifall) Die Berechnung der Feinde ist mißlungen. Richard v. Kralik sagt von Oesterreich, ihm liege das Geheimnisvolle alles ursprünglichen Lebens zugrunde, „es ist unzerstörbar wie jeder wahre Gedanke, es erhält sich durch seine echte, aus den Urgründen des Seins quellende Lebenskraft‘, weil es durch innere Naturnotwendigkeit geworden ist. Und der alte österreichische Publizist Sporschil sagt dies in einer 1847 erschienenen Schrift mit den Worten: „Oesterreich sei keineswegs ein Erzeugnis von tausend glücklichen Zufälligkeiten, sondern eine Schöpfung der Hand Gottes, welche die Weisheit seiner Regenten seit Jahrhunderten wunderbar unterstützt hat.“ Diese uralten Zusammenhänge fanden immer ihren stärksten Ausdruck und ihre Kraft in dem innigen vertrauensvollen Zusammenhange des Volkes mit der alten Dynastie. (Lebhaftes Zustimmung). Dann war Oesterreich immer am ’stärksten und, glorreichsten — unter Kaiser Leopold, Maria Theresia und Kaiser Franz — wenn die Zusammenhänge des Volkes mit der Dynastie am lebendigsten waren, und dann war es am schwächsten, wenn — wie in der Zeit der Erbteilungen — diese geistige Einheit gewichen schien. Die Monarchie gleicht einem kunstvollen Schrank, wie ihn die Meister des Gewerbes vergangener Jahrhunderte erfanden, mit zahllosen Lädchen, alle mir zu öffnen durch eine geheimnisvolle Feder. Drückt man an diese, so springen alle Läden auf und bieten ihren kostbaren Inhalt dar. Wer das Geheimnis dieser Feder nicht kennt, dem bleibt der Schrank verschlossen. Das gemeinsame Vertrauen zur Dynastie ist es, das den Inhalt der zahlreichen Läden und Lädchen der Habsburger Monarchie öffnet, und niemals hat diese Feder noch einem Habsburgischen Kaiser den Dienst versagt. (Beifall.) So haben wir auch in diesen Tagen, die so voll heftiger Kämpfe sind, wieder die Führer der noch so weitgetrennten Parteien ihren Weg zum Kaiser finden sehen, die Deutschen ebenso wie die Polen und Ukrainer. Tschechen und Slovenen, und selbst die Führer der Sozialdemokratie zollten der Krone den Tribut der Anerkennung ihrer unentbehrlichen Stellung in diesem Völkerstaate. Deshalb: Wer die Krone schützt, der schützt Oesterreich, wer die Krone anrührt, der rührt  Oesterreich an, wer Liebe und Vertrauen zur Krone und Dynastie in Oesterreich zerstören könnte, der würde Oesterreich zerstören» (Stürmische Zustimmung.)

Darauf aber kommt es jetzt den Feinden an, nachdem alle ihre anderen Angriffsmittel versagt haben! Man schreibt mit Recht oder Anrecht dem ertrunkenen englischen Generalissimus Lord Kitschner die Äußerung zu, Hand in Hand mit der militärischen Bekämpfung müsse die moralische Zermürbung des Gegners gehen: während man ihn an den äußeren Fronten mit den Waffen bekriege, müße man ihn an seiner inneren Front zu packen suchen durch die Organisation des Meldedienstes, durch Spionage, Ausnützung seiner inneren politischen Schwächen, durch Verbreitung falscher Nachrichten und durch Erschütterungen seines Selbstvertrauens. Man muß gestehen, England hat dieses Programm großartig und ohne mit seinen Mitteln sparsam zu sein, in die Tat umzusetzen versucht. Wir wissen, wie es ihm gelungen ist, Länder gegen den Willen der Mehrheit des Volkes in den Krieg hineinzuziehen, Portugal, Rumänien, Griechenland. Wir wissen auch, daß Lord Northcliffe mit der sogenannten inneren Propaganda in den feindlichen Ländern betraut worden ist und ihm dafür die Millionen des englischen Riesenschatzes zur Verfügung stehen, und wir kennen auch die britische Zähigkeit in der Ausführung ihrer Kriegspläne. Je mehr sich unsere Feinde überzeugten, daß sie Oesterreich-Ungarn militärisch nicht niederzuwerfen imstande seien, desto mehr lag es für sie nahe, ihre Hoffnungen auf diese ihre „innere Propaganda“ zu richten!

Was ist seit dem die Veränderung?

Einfach wie kurz ist die Frage, die beim Lesen der Geschichte der Zerrissenheit in Zeiten des Umbruchs der christlichsozialen Partei in Wien sich einstellt:

Was ist seit dem die Veränderung?

Die Geschichte der christlichsozialen Partei zwischen 1910 und 1934 schrieb Dr. Markus Benesch, der seine Karriere in der „Jungen ÖVP“ begann, von der „Jungen ÖVP“ in das „Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung“ als Kabinettschef des Bundesministers Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann.

Einfach wie kurz kann die Frage auch so gestellt werden:

Ist die Veränderung eine Zurückänderung?

Ist die Veränderung, von der der ehemalige Obmann der „JPV“ heute noch spricht, eine Rückänderung in die Zeit ab 1910 bis …

Einfach wie kurz kann die Frage auch so gestellt werden:

Ist die Dissertation von Markus Benesch dafür die Anleitung?

Also die Anleitung für die Rückänderung, die, großzügig gesehen, soher durchaus als eine Veränderung gesehen werden könnte, auch wenn nicht gesagt werden kann, was dabei die Veränderung ist, wenn nur zu etwas zurückgekehrt wird, das es schon einmal gab. Die von Markus Benesch geschriebene Geschichte der christlichsozialen Partei ab 1910 als eine vom ehemaligen Obmann der „Jungen ÖVP“ verwendete Bedienungsanleitung für ab 2017 bis …

Die Dissertation von Markus Benesch aus 2010 hatte noch den Titel: „Die Geschichte der Wiener christlichsozialen Partei zwischen dem Ende der Monarchie und dem Beginn des Ständestaates“. Dann als Buch veröffentlicht in 2013 mit dem Titel: „Die Wiener Christlichsoziale Partei 1910–1934: Eine Geschichte der Zerrissenheit in Zeiten des Umbruchs“. Es wäre vielleicht nicht uninteressant zu vergleichen, wie sehr Buch und Dissertation voneinander sich unterscheiden, ob es einen Menschen veranlaßte zu sagen, den Unterschied möchte er Klavier spielen können. Die verschiedenen Titel lassen bereits die Vermutung zu, die Dissertation die eines Historikers, das Buch das eines ÖVP-Bezirksrates, wie es auch als Resümee in mancher Rezension des Buches …

Deshalb soll hier das Buch außen vor gelassen, nur die Dissertation herangezogen sein, um einiger Beispiele aus dieser zu erzählen, wie sie vom ehemaligen Obmann als Bedienungsanleitung

Es sind sehr teure Wahlkämpfe zu führen.

Kunschak ergänzte den Bericht um einige Ausführungen über die Arbeiten und die Finanzierung des geplanten Lueger Denkmals. Auf Grund dieses Berichtes sah sich der Meidlinger Gemeinderat Josef Müller gleich zu Beginn des Parteitages veranlasst, eine wilde Attacke gegen Kunschak und andere Bezirksparteien – allen voran die Bezirksgruppe – Wieden zu reiten. „Von den guten Bezirken, ich erinnere da an Meidling, wird gar nichts erwähnt, darüber geht man zur Tagesordnung über. Aber weil wir 30 oder 40 Millionen beim Lueger Denkmal ausgegeben haben […]

Protokoll des Parteitages der Wiener Christlichsozialen Partei vom 13. und 14. 3. 1926, Archiv der Wiener Christlichsozialen Partei, Karton Nr. 109, S. 5

Ein sehr teurer Wahlkampf muß bereits jener von 1927 gewesen sein. Für diesen kam das 1926 fertiggestellte Kar-Lueger-Denkmal zum Einsatz, für das die christlichsoziale Partei „30 oder 40 Millionen ausgegeben“ hat, wie dem Protokoll des Parteitages vom März 1926 zu entnehmen ist.

Ein sehr teures Denkmal, und wofür? Nur, um ein Wahlkampfgoody zu haben. So reichlich dürften die Spenden nicht geflossen sein, die der von Leopold Kunschak angeführte Verein sammelte, jedenfalls viel zu wenig, wie es scheint, um das Denkmal errichten zu können, wenn seine Partei für das Denkmal selbst „30 oder 40 Millionen“ … Einerlei. Das belegt auch vom Finanziellen her, das Lueger-Denkmal ist nichts weiter als ein Parteidenkmal, ein Wahlkampffigur.

Das hätte es finanziell also auch billiger geben können, Karl Lueger als Wahlkampffigur, beispielsweise aus Pappmaché, mit dem Vorteil aufgrund des viel geringeren Gewichts der leichten Lagerung und leichten Hervorholung aus einem Magazin für Wahlkämpfe.

Karl Lueger, der Übervater der Christlichsozialen Partei, wurde in der Wiener Wahlpropaganda stark eingesetzt. In diesem Zusammenhang wurde eine eigene Wahlzeitschrift die „Wahrheit“ herausgegeben. Die Ausgabe vom 9. April zierte eine große Zeichnung an deren Spitze fast überdimensional auf einer Statue Lueger thronte. Flankiert wurde seine Statue von zwei Kopfportraits von Leopold Kunschak und Ignaz Seipel. Betitelt wurde diese Zeichnung mit den Worten: „In diesem Zeichen werden wir siegen“.

Dieses christlichsoziale Parteimal auch, kann durchaus gesagt werden, eine Anleitung für eine zweite Partei in Österreich, in dem Sinne, Parteidenkmäler zu errichten.

Was ist seit dem die Veränderung?

Das Wort „Bashing“ kam wohl noch nicht zum Einsatz, aber „Wien-Bashing“ wurde auch damals praktiziert, als erfolgsversprechendes christlichsoziales Rezept …

„Seit 13 Jahren“, stand dazu in einem CSP-Wahlaufruf in der Reichspost zu lesen, „regieren die Sozialdemokraten im Wiener Rathaus. Ihre Tätigkeit war eine Kette sozialistischer Experimente, die das Leben der einst so blühenden und glücklichen Luegerstadt an den Rand des Grabes gebracht haben…die Steuerpolitik wird von Hass und Demagogie diktiert, die Wohnbaupolitik löst die Wohnungsfürsorge nur für Parteifunktionäre …, das Schulwesen verwahrlost, das Verkehrswesen verödet, und der Zustand der Straßen ist ein Skandal. …“807 . Seipel, zu dem Zeitpunkt physisch verbraucht und krank, konnte in diesem Wahlkampf nicht als Redner oder Zugfigur eingesetzt werden. An seine Stelle trat der Kurzzeitkanzler Vaugoin. Vaugoin tourte durch die Wiener Bezirke und war alleine im April Hauptredner auf über 50 Großveranstaltungen. Überall machte er klar, dass eine Koalition mit den Sozialdemokraten für ihn nicht in Frage kam. In einer Wählerversammlung am 13 April 1932 in Erdberg erklärte er dazu: „Wenn heute noch jemand von den Möglichkeiten einer Koalition mit den Sozialdemokraten daherredet dann sage ich: Kein aufrechter Wiener und kein aufrechter Christlichsozialer kann dieses Wort in den Mund nehmen. So wie es keine Vereinigung von Feuer und Wasser geben kann, so wenig kann es eine Vereinigung von Christlichsozialen und Sozialdemokraten geben“808. Auch in diesem Wahlkampf wurde von Seiten der Christlichsozialen Partei Karl Lueger als altes Zugpferd bemüht. „Christlichsoziale Wiener, schart euch einig und geschlossen um die Fahne Luegers, des großen Volksbürgermeisters, der allein die Größe Wiens und das Glück seiner Bewohner begründet hat. Schart euch um die Fahne Luegers – helft sein Erbe lebendig zu machen, zu neuem Heil für unsere Stadt und eure Familien.“809

Was hat sich seit dem verändert?“ Verändert in dieser Partei, auf deren Parteitag vor bald einhundert Jahren, nämlich 1924, Leopold Kunschak dies sprach:

Der zweite Tag des Parteitages begann mit der Rede des Parteivorsitzenden. Insbesonders der erste Teil der Rede war von ihm emotional gestaltet. Dies lag sicherlich auch an dem Themenschwerpunkt, der von ihm gesetzt worden war, nämlich der Glöckel ́ sche Bildungs- und Schulpolitik, gegen die er heftig polemisierte. Er sprach in diesem Zusammenhang von anarchischen Zuständen an Wiens Schulen und einer allgemeinen Vernachlässigung der Bildungsaufgaben421 und verwies dabei auf die von der Wiener Stadtregierung forcierte Zurückdrängung der christlichen Elemente im Unterricht (vor allem das Morgengebet, aber auch das Aufhängen von christlichen Symbolen). Gleichzeitig vermied er es jedoch an dieser Stelle seiner Rede eine inhaltliche Totalopposition zum Ausdruck zu bringen und bekräftigte das grundsätzliche Bekenntnis seiner Partei sich an einer Reform des Wiener Schulwesens aktiv zu beteiligen. Der von Glöckel vorangetriebene Ausbau des Aufklärungsunterrichts in den Schulen scheint ihn auch als Person wirklich in Rage gebracht zu haben. Mit Bezug auf die verwendeten Materialien meinte er dazu: „Ich darf jetzt hier kurz noch auf eine zweite Erscheinung hinweisen. Das ist das Umsichgreifen einer Literatur, die als das Niedrigste bezeichnen werden muss … es auch unter den Literaten Schmutzfinken gibt und dass es unter den Literaten auch Leute gibt, die den Saustall mit dem Studierzimmer verwechseln …“422 Dann erklärte auch noch dazu: „Was uns mit Besorgnis erfüllen muss, ist der Umstand, dass solches Gelichter über den Rahmen des Bordells und der Herrenabende hinaus sich Geltung zu verschaffen vermag. Und was uns mit Entrüstung erfüllen muss ist, dass die Behörden selbst dann, wenn sie … auf die Gefahren einer solchen Literatur aufmerksam gemacht werden, nicht gegen die Schweineliteraten, sondern gegen die Jugend auftreten … Wir sehen also in Wien, wie sich hier auf dem Gebiete des Sittenlebens der Bewohner unserer Stadt…ein Unglück …erweist!“423

Die türkis getupfte christschwarze Partei auch, was die Bildungspolitik betrifft, in den Schlapfen des Leopold Kunschak, wie allein schon ihr und nicht einziger Kampf für das Aufhängen christlicher Symbole etwa …

Was Lehrerpostenbesetzungen betraf gab der Wiener Landesvorsitzende unumwunden zu von Zeit zu Zeit mit der SDAP und Glöckel Kompromisse schließen zu müssen. „Und dann müssen wir uns halt hinsetzen und miteinander beraten, wie wir möglichst viel herausbringen und dann muss zunächst mein Freund Rummelhardt anfangen rechtzeitig zu packeln und von langer Hand her mit dem Glöckel, mit dem Speiser zu reden. Und während der Verhandlungen sollen wir den Herrn Glöckel im Stadtschulrate abohrfeigen und im Gemeinderate den Herrn Speiser? Halten Sie das für möglich, ich glaube das geht nicht!“427

„Zu packeln“, um „möglichst viel herausbringen“ … Auch das hat sich nicht verändert, seit damals. Das „Packeln“ nicht beschränkt allein auf „Lehrerpostenbesetzungen“ …

Etwas hat sich doch verändert. Während Leopold Kunschak noch meinte, er glaube, das geht nicht, „Herrn Glöckel im Stadtschulrate abohrfeigen und im Gemeinderate den Herrn Speiser“, ist für einen Nationalratspräsidenten-Nachfolger von ihm eine vorstellbare Lösung, einer Frau eine aufzulegen, zumal diese doch selbst danach …

Übrigens, Otto Glöckel war u.v.a.m. bereits dafür, die Gesamtschule einzuführen. Glöckel war eben kein christlichsozialer Parteipolitiker … Markus Benesch gibt in seiner Dissertation zwar an, daß Otto Glöckel bis 1934 Stadtschulratspräsident war, aber er verrät nicht mehr, was ihm 1934 geschah; Otto Glöckel wurde 1934 im christlichsozialen Anhaltelager Wöllersdorf inhaftiert … und verstarb im Jahr darauf.

Auch nur nebenher: 1897 verlor Otto Glöckel, der sich gegen die „Diskriminierung von sozialdemokratischen Junglehrern“ einsetzte, wegen seiner Weltanschauung seine Arbeit; er wurde von Karl Lueger aus dem Schuldienst entlassen …

Was sind seit dem die Veränderungen?

Denken Sie dabei auch an die Medienarbeit. Wie Sie zurzeit praktiziert wird. Das Damalige, einfach wie kurz gesagt, als Anleitung:

Beim Thema Medienarbeit wurde erneut deutlich wie gespannt das Verhältnis der Christlichsozialen Partei zu den freien Printmedien war. Die Bezirkspartei Alsergrund ging dabei am Weitesten und forderte in einem eigens eingebrachten Antrag eine Revision des 523 Protokoll Parteitag 1926, erster Tag, S.48 524 Protokoll Parteitag 1926, erster Tag, S.54 525 Protokoll Parteitag 1926, erster Tag, S.54 225 Pressegesetzes durch die die Konfiszierung von Medien vereinfacht werden sollte. […] „Wir haben Blätter, die uns wertvolle, außerordentlich dankenswerte Dienste leisten, die aber bei jeder Gelegenheit bereit sind zuzugeben, dass sie keine Parteiblätter sind … Was eine grosse Partei braucht sind ist eine Presse, die nichts anderes kennt und tut, als die Ziele der Partei zu verfolgen.

Es ließen sich – wer die Muße dafür hat, möge dies tun – wohl noch weitere Beispiele aus der Geschichte der christlichsozialen Partei, wie sie Markus Benesch in seiner Dissertation niederlegte, ziehen, für die Beantwortung der zentralen Frage, was sind seit dem über den Wechsel der Farbe hinaus Veränderungen …

„Freiheit, die ich meine“

Selbstverständlich wird der derzeitige Bundeskanzler in Österreich zu Recht sagen können, er habe keinen Journalisten verhaften lassen, er habe die rüde Verhaftung des Journalisten durch die Polizei gar nicht gesehen, er sei zu diesem Zeitpunkt schon innerhalb des Gebäudes gewesen, an diesem Freitag, 21. Mai ’21.

Passiert aber ist tatsächlich die Verhaftung eines Journalisten, das tatsächlich äußerst rüde Vorgehen gegen einen Journalisten durch die Polizei aufgrund eines öffentlichen Auftritts des derzeitigen Bundeskanzlers in Salzburg, auch ein Landeshauptmann war dabei.

Es gibt davon Videos. Aus diesen Videos wurden ein paar Fotos gezogen, die auch zeigen, daß das rüde Vorgehen der Polizei gegen den Journalisten nicht erst begann, als der derzeitige Bundeskanzler bereits innerhalb des Gebäudes, dessen Eingang den eines Bunkes erinnert, verschwunden war, sondern bereits davor, also unter den Augen des derzeitigen Bundeskanzlers, im direkten Blickfeld des derzeitigen Bundeskanzlers.

Als gelernter Österreicher wird der zurzeitige Bundeskanzler zu Recht sagen können, er habe das gar nicht gesehen, er sei nicht involviert gewesen, es sei für ihn eine korrekte, anständige Tätigkeit, wie für viele vor ihm auch, gewesen, in die Öffentlichkeit zu treten, und wie einer aus seiner Partei vor ihm könnte er ebenfalls sagen: „Wir waren anständig.“

Er, der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich, könnte zu Recht auch darauf verweisen, was für ein „hohes Gut“ ihm die „Pressefreiheit“ sei, und das öffentlich, also nicht nur in einer Zwieschrift mit …

Als Beweis könnte er beispielsweise aus September ’18 vorlegen, wie sehr er sich vorsätzlich zur „Pressefreiheit“ bekennt:

Die #Verhaftung der österreichischen Journalisten […] bewegt viele. Nicht nur in Ö, sondern auch weltweit ist die #Pressefreiheit ein hohes Gut. Wir fordern daher eine schnelle Aufklärung […]

Der zurzeitige Bundeskanzler schreibt auf der Plattform des Unternehmens Twitter nicht von einem Journalisten, der in Österreich verhaftet wurde, sondern von der Verhaftung eines österreichischen Journalisten in der Türkei. Tiefblickend dabei sein Rechtschreibfehler, er schreibt von „Verhaftung der österreichischen Journalisten“ … Ja, mit Einzahl und Mehrzahl hat der zurzeitige Bundeskanzler seine rechte Not, wie bekannt ist.

Was für ein erneuertes Bekenntnis zur „Pressefreiheit, am 3. Mai ’21, vom zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich:

„Für uns ist klar, Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten ist in jeder Form inakzeptabel und zu verurteilen.“

Wie am 21. Mai 2021 sein Bekenntnis bestätigt wurde, was inakzeptabel und zu verurteilen ist, darf dennoch unter den Augen türkis getupften christschwarzen Personals geschehen …

Welche „Pressefreiheit“ der zurzeitige Bundeskanzler wohl meint, meint er sie so, wie einst ein Mann, mit dem ihn nicht nur die Liebe zur Verkleidung verbindet, „Freiheit“-die-Seine?

Wie schön am selben Tag der Bundespräsident in Österreich wieder einmal gesprochen hat, er hat sich lange Zeit genommen, aber es braucht eben seine Zeit, um Reden zu schreiben, die als historische Reden eingehen …

Er fragt u.a. in dieser seiner Mai-Rede,

Also: wir leben, – Gott sei Dank – in einer rechtsstaatlichen, liberalen Demokratie, die von einer starken Verfassung geschützt ist. Was bedeutet das? Niemand wird Sie verhaften, wenn Sie beim Essen die Füße auf den Tisch legen. Aber tun Sie es lieber nicht.

was es bedeute, in einer rechtsstaatlichen liberalen Demokratie, die von einer starken Verfassung geschützt ist, zu leben … Dazu kann nur der Wunsch geäußert werden, die starke Verfassung möge auch genügend Zeit zum Schützen haben, und nicht auch abgelenkt sein durch andere Sorgen, wie etwa der zurzeitige Bundeskanzler …

Wie wahr doch der Herr Bundespräsident spricht, „niemand wird Sie verhaften, wenn Sie beim Essen die Füße …“ oder, darf hinzugefügt werden, in türkisen Socken im Parlament herumschlürfen, als wären Sie im eigenen Hobbykeller

„Aber tun Sie es lieber nicht“, also Ihre Arbeit als österreichische Journalisten, als österreichische Journalistinnen könnten Sie verhaften werden, wenn Sie Ihrer journalistischen Arbeit unter den Augen des zurzeitigen Bundeskanzlers nachgehen …

Wie sagte der Mann, der für kurz gebende Vizekanzler, in dem Inselvideo, er wolle in Österreich eine Medienlandschaft nach dem orbánschen Vorbild …

Es soll mit einem Rat geschlossen werden, der vielleicht brauchbar ist: Wenn Sie Ihrer journalistischen Arbeit unbehelligt, unverhaftet nachgehen wollen, gehen Sie zu Terminen der türkis getupften christschwarzen Partei und besonders zu Terminen des zurzeitigen Bundeskanzlers nur in türkisen Socken, die schützen Sie mehr als ein Presseausweis …

„Wechsle nur deine Kleider, deine Sprache verwechselt keiner.“

Von ihm wurde seinerzeit erzählt, ohne es je bestätigt zu bekommen, er hätte sich, wenn notwendig, auch mehrmals an einem Tag umgezogen, um vor jedes Publikum je in der Kleidung hinzutreten, von der er meinte, am besten allein schon durch seine auf das jeweilige Publikum ausgerichtete Kleidung punkten zu können.

Das nur kurz nebenher gesagt: Von Woody Allen gibt es einen Film über einen Mann, der sich stets in das verwandelt, mit dem er meint, bei seinen Gegenüber am besten anzukommen, zu punkten.

Nun ist es bestätigt, daß er sich am Tag nicht nur einmal anzieht, auch mit seiner Kleidung sich ganz nach dem Publikum richtet, vor das er je hintritt.

Wie der gestrige Tag, 19. Mai ’21, es bestätigte, eine andere Kleidung zuerst für das Schweizerhaus als danach für die Staatsoper. Zum anschaulichen Vergleich als Bestätigung, daß es nicht üblich ist, sich mehrmals am Tage umzuziehen, um dem jeweiligen Publikum zu gefallen: Seine Begleiterin im Schweizerhaus wie in der Staatsoper in derselben Kleidung …

In der Schweizerhauskleidung rief er den „Tag der Freude“ aus, was er in der Staatsoperkleidung ausrief, nun, das wurde nicht gehört, es genügte zu sehen, daß er etwas anderes anhatte, als zuvor im Schweizerhaus desselben Tages.

Ob der 19. Mai ’21 nun auch jedes Jahr gefeiert werden wird, als „Tag der Freude“? Von ihm ist das durchaus erwartbar. Woran aber kann er sich an diesem Tag erfreuen? Daß er davon befreit wurde, was er selbst … Dann aber ist es höchstens wieder ein Tag der Selbstbühnenbefreudung, von denen es aber allein in den letzten Monaten schon mehr als genug …

Bis zum 19. Mai 2021 wurde angenommen, es könne in Österreich im Mai nur einen einzigen „Tag der Freude“ geben, aber mit dem Nacheiferer gibt es in Österreich nun vieles im Mai, das es davor nur einmal gab …

Zu dieser Kleidungswechselmanie aus Gefallsucht kommt ein Spruch in den Sinn, der einmal gelesen wurde, vielleicht in einem Buch, vielleicht auf einer Wand …

„Wechsle nur deine Kleider, deine Sprache verwechselt keiner.“

Eine Mutter weiß halt doch am besten um Talente, Möglichkeiten und Fähigkeiten ihres Kindes, was ihm zugetraut werden kann

Meine Mutter ist extrem traurig und besorgt. Sie sagt, sie hätte sich für mich etwas anderes gewünscht als die Politik und diesen Umgang.

Es bewahrheitet sich wieder einmal die Volksweisheit, eine Mutter weiß halt doch am besten, was ihrem Kinde zuzutrauen ist, eine Mutter weiß doch am besten um die Talente, die Fähigkeiten, die Möglichkeiten ihres Kindes.

Wie eben auch diese Mutter, die für ihr Kind sich „etwas anderes als die Politik gewünscht hätte“, weil sie eben um die Talente, die Möglichkeiten, Fähigkeiten ihres Kindes zu genau Bescheid weiß.

Politik gehört nicht zu den Talenten, Möglichkeiten und Fähigkeiten ihres Kindes.

Was sie sich wohl für ihr Kind gewünscht hätte?

Parteipolitik?

Wenn das ihr Wunsch für ihr Kind war, ist er ihr in Erfüllung gegangen. Denn. Parteipolitik ist von Politik so weit entfernt, wie Stillstand von Veränderung.

Sie könnte auch andere Wünsche für ihr Kind gehabt haben. Mütter haben für ihre Kinder nicht nur einen Plan, wodurch sie sich deutlich unterscheiden von der Parteipolitik, die nur einen Plan hat, einen einzigen und keinen zweiten Plan: Parteipolitik. Vielleicht hätte sie sich gewünscht, ihr Kind als Solo-Fistelstimme in einem Kirchenchor …

Wovor Mütter sich am meisten fürchten, heißt es, ihr Kind könnte in „schlechte Gesellschaft“ geraten. Darüber wird sie wohl immer noch „extrem traurig“ sein, wie konnte ihr Kind nur in dieses Umfeld

Und die Sorgen einer Mutter hören nie auf, wie alt ihr Kind auch je sein mag, die Sorgen einer Mutter enden nie. Und auch diese Mutter muß wohl weiter besorgt sein, darüber, welchen Umgang ihr Kind pflegt, jetzt etwa mit dem angeklagten Mann, dem es die Stange mit Fahne hält.

Mütter, heißt es, sind sehr selbstkritisch, hinterfragen ständig, was haben sie in der Erziehung ihres Kindes … Vielleicht ist diese Mutter traurig darüber, ihrem Kind nie den Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl richtig vermittelt haben zu können, und besorgt darüber, daß ihr Kind das nicht mehr erlernen wird.

Andreas Hanger zitiert meines Wissens nach Aussagen von Frau Krisper im U-Ausschuss, insofern ist das kein Anpatzen. Außer Frau Krisper geniert sich für ihre eigenen Aussagen, was vielleicht der Fall sein könnte. Sie hat ja in Richtung der Verfahrensrichterin gemeint, „die geht mir am Oasch!“. – Kurz sagt wirklich „Oasch“. – Darüber hinaus könnte ich Ihnen noch einige andere Formulierungen aufzählen, die ich für höchst problematisch finde.

In dieser Zeitung war vor bald einem Jahr zu lesen, daß Stephanie Krisper tatsächlich gesagt haben soll: „Die gehn mir am Oasch.“ Also mehr als eine Person würden ihr … und nicht nur eine Person, wie das parteipolitisch von Kurz „geht“ …

Vielleicht fragt sich die Mutter auch, ob sie für die Gesundheit ihres Kindes wirklich alles getan habe, ob sie es nicht versabsäumt habe, mit ihm öfters oder überhaupt zum Ohrenarzt gegangen zu sein.

Wie schön, gerade an einem Sonntag im Mai ’21, einen derart gehaltvollen Beitrag über Mütter und ihre Kinder lesen zu dürfen, das war wie ein zweiter Muttertag unmittelbar nach dem ersten Muttertagssonntag in diesem Mai, dieses Gespräch zwischen einem der Mutter liebevoll zugetanenen Familienkind und einer Journalistin, die nicht verriet, was ihre Mutter sich für sie …

Ja, Österreich, ist ein recht schönes Land, mit seinem Mai der zwei Muttertage, mit seinem Mai, der alle zwei Jahre zum Märchenmai ausgerufen wird, seit 2017 … eine noch junge, wenn dieses Wort dafür bereits verwendet werden darf, Tradition, vielleicht darf aber erst von einer Tradition gesprochen werden, wenn auch der Mai 2023 ein Märchenmai …

Büldln schaun

Es wird verstanden werden, wenn dieses Foto zum authentischesten Foto des Sebastian Kurz dereinst …

Denn ein authentischeres Foto des öffentlichen Sebastian Kurz wird in der verbleibenden Zeit nicht zu knipsen sein.

Sebastian Kurz steht mit einem Mann vor einem Bücherregal. Und diesem Mann ist klar, was einem Sebastian Kurz, wird mit ihm, Kurz, vor einem Bücherregal gestanden, nur gezeigt werden kann. Bücher sind es nicht, es sind Fotos.

Er wäre wohl mit ihm, Kurz, gar nicht vor das Bücherregal getreten, wären keine Fotos im Bücherregal zum Herzeigen gestanden.

Es ist dem Mann wohl nicht erst in der Sekunde vor dem Bücherregal klar geworden, zu welcher Type Sebastian Kurz zu zählen ist, nämlich zur Büldln-schaun-Type, die heutzutage beispielsweise besonders in den öffentlichen Verkehrsmitteln massenhaft beim Büldln schaun nicht in Büchern zu beobachten ist, sondern beim Wischn der Büldln auf dem Touchscreen ihres Smartphones.

Der Mann, der Sebastian Kurz nicht Bücher, sondern Fotos zeigt, gehört zum von Sebastian Kurz recht bevorzugten Umfeld, dem Sebastian Kurz die Stange mit Fahne hält.

So wie der für kurz Vizekanzler gebende Mann ein recht besonderes Umfeld hatte, hat auch der Mann, der Sebastian Kurz mit dem Büldln schaun wohl eine große Freude bereitete, ein besonders Umfeld, in dem sich auch ein Sebastian Kurz recht wohl zu fühlen scheint, wie sichtlich beim Büldln schaun, das nicht verwundert, verbindet sie doch einiges, den väterlichen Büldlzeiger mit dem Büldlschauer – was der eine, wird auch der …

Mit dem Justizsystem seines Landes liegt Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Clinch, seitdem er […] angeklagt wurde. Breitseiten schießt er regelmäßig gegen Staatsanwälte und Richter, aber nun hat er ganz oben angesetzt: bei der Neubesetzung des Justizministeriums. Doch damit hat er offenkundig überzogen.

Austria call

So werden es nun in Österreich wohl viele, wenn sie es denn im Gedächtnis behalten werden wollen oder können, im Gedächtnis behalten, daß es ein islamistischer Anschlag auf „Christchurch“ war, und es wird nun allen klar sein, daß es tatsächlich nur ein islamistischer Anschlag auf eine „Christchurch“ gewesen sein konnte, denn wer sonst würde auf eine „Christenkirche“ einen Anschlag verüben, als eben ein religiös motivierter Mensch …

Jedenfalls all jene, die die Berichte über den kurzischen Beitrag im „Christchurch Call lasen, etwa im „Kurier“, in der „Presse“, im „ORF“, in der „Tiroler Tageszeitung“, in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ …

Es war keine „Christenkirche“.

Es waren zwei Moscheen.

Und der Mörder war kein islamistischer Terrorist, der religiös motiviert tötete, sondern ein identitär bewegter Mann, der kurz vor seinem mörderischen Anschlag wohl als letzte Motivation einen austria call brauchte.

Sein austria call: eine Bildungsreise durch Österreich, von der im Kapitel Wer eine Bildungsreise tut, hat etwas zu schießen erzählt wurde.

So recht reich in Österreich endgebildet verließ er wieder Österreich, um dann mit seiner Waffe 51 Menschen zu ermorden und 50 Menschen zu verletzen. Auch seine Waffe profitierte wohl von seiner Bildungreise nach Österreich, nun erst wird es ihm möglich gewesen sein, sie mit einer Odal-Rune zu schmücken.

Von der „Umvolkung“ wird der Mörder vielleicht schon früher erfahren haben, ist von ihm doch bekannt, daß er recht oft in einschlägig bekannte virtuelle Gesinnungswelten reiste, um sein Manifest the great replacement je schreiben zu können.

Die Geschichte von der langen Wanderung, deren Ausgangspunkt die „Umvolkung“ und deren Endpunkt „der große Austausch“, wurde bereits in einem Kapitel erzählt.

Der identitär motivierte Mörder weiß aber auch, wie eben alle Männer und Frauen, denen, einfach wie kurz gesagt, Ehre und Treue nicht nur Wörter sind, was sich gehört, wem beispielsweise eine Spende gebührt. Aber auch der identitär bewegte Mann in Österreich weiß sich zu benehmen, Spendenden ist stets freundlich zu begegnen. Und wer weiß um höfliche Umgangsformen besser Bescheid als Menschen in Österreich, die es vorwiegend auf den Bällen lernen, in der Hofburg und anderswo …

Es sollen, so jedenfalls ein Gerücht, Menschen, die jetzt oft auf der Straße unter der Parole „Kurz muss weg“ marschieren, begeistert erzählen, wie höflich, wie vornehm der identitär bewegte Spendenempfänger sich verhält, wenn er mit ihnen ist, als wäre er so gewöhnlich, so einfach wie sie, und auch wenn er nicht in seiner Abendtracht mit ihnen auf der Straße ist, so ist es ihnen doch, als trüge er diese und als tanzte er in der Hofburg.

PS Beim „Christchurch Call“ soll es um „elimination of terrorist & violent extremist content online“ gehen. Auch hierbei nichts als eine Spurenverwischung, wenn allein an das viele Geld gedacht wird, daß auf die Plattformen geschaufelt wird, die für Hetze, Haß, Radikalisierungen genutzt werden, nicht nur Geld, also Steuergeld aus Österreich