„Vielleicht könnte Kickl mal ein Machtwort sprechen?“ „Hofer muss endlich klar gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus auftreten und sein Durchgriffsrecht nutzen.“

Das schreibt

Wenn Funktionäre einer designierten Kanzlerpartei von „scheissblatt“ reden und davon, Medien fertig zu machen, ist das nicht sehr staatstragend. Vielleicht könnte Kickl mal ein Machtwort sprechen?

Barbara Tóth auf der Konzernplattform X am 15. Jänner 2025: „Vielleicht könnte Kickl mal ein Machtwort sprechen?“

Er spricht ja,

„Die Systemparteien und die Systemmedien gehören zusammen, das ist wie bei siamesischen Zwillingen,“ sagte der FPÖ-Spitzenkandidat auf einer Wahlkampfveranstaltung im September. „Die einen, die Politiker, lügen wie gedruckt, und die anderen drucken die Lügen. Das ist die Arbeitsteilung in diesem System“. Seinen Zuhörenden legte Kickl mit seinen Worten vor allem eins nahe: Die rechte FPÖ könne dieses dubiose System zu Fall bringen[.]
M – Menschen Machen Medien, Till Schmidt, 10. Jänner 2025

Das erste Interview nach seinem Wahlsieg gab der österreichische FPÖ-Chef Herbert Kickl nicht dem öffentlich-rechtlichen ORF, auch nicht einem der herkömmlichen Privatsender in der Alpenrepublik. Stattdessen steuerte der extrem rechte Politiker das Gemeinschaftsstudio der Sender Auf1 und rtv an. Dort ließ er sich von den hoch erfreuten Moderatoren über fünf Minuten lang beweihräuchern für das Top-Ergebnis von fast 29 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl. Gesinnungsfreunde unter sich.

Man spottete über den „zwangsfinanzierten ORF“, und dass dessen Moderator Armin Wolf erstaunt darüber war, keinen FPÖ-Vertreter vor seine Kamera zu bekommen. Auf1-Chefredakteur Stefan Magnet verfiel gleich in den Kickl-Sprech und bezeichnete die vier anderen im Parlament vertretenen Parteien zusammen als „Einheitspartei“. Kickl lobte Auf1 und rtv als Beispiel von „Medienfreiheit“.
Frankfurter Rundschau, Patrick Guyton, 4. Oktober 2024

und so sprechen sie ihm nach, und er selbst spricht nach, was ihm vorgesprochen ward.

Das also von einem zu verlangen, der selbst keine Macht über sein Wort hat —

Das

Hofer muss endlich klar gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus auftreten und sein Durchgriffsrecht nutzen.

forderte Pamela Rendi-Wagner im November 2019 …

Mutet dies nicht seltsam an, daß ausgewiesene Nichtparteigängerinnen und auch Nichtparteigänger dieser identitären Partei immer wieder einmal von den Anführenden dieser patriotischen Partei etwas verlangen, daß diese gesinnungsgemäß gar nicht je zu leisten gewillt imstande sind, sie aber mit deren Forderung an die patriotic leader transportieren, diese, die patriotic leader, wären anders, als teilten sie die Gesinnung ihrer Partei, die sie anführen, ganz und gar nicht —

Wären sie, die patriotic leader, Hühner, könnte gefragt werden, was denn zuerst, das Ei oder die Henne … Aber es sind Hähne, und so erübrigt sich diese Frage, es sind die Hähne, die ihre Kloaken pressen … Es ist doch einmal wegen des schönes Bildes in Erinnerung zu rufen, wie befruchtet wird. Hahn und Henne sitzen im Stall auf einer Leiter, der Hahn preßt seine hintere Körperöffnung, die Kloake, fest auf die Kloake der Henne, und so gelangen in die Kloake der Henne die …

In diesem österreichischen Klima, in dem auch Menschen, die eine solche Partei der Hähne, darf angenommen werden, nicht wählen, von Hähnen verlangen, nein, im Konjunktiv ergeben nach einem „Machtwort“ fragen, und die auch wissen, wann einer Autorität, einer Macht der Worte, einer Märchenwortmacht nicht zu viele und vor allem keine sie lästigen Fragen gestellt werden dürfen,

das ist das österreichische Klima, das unwandelbare österreichische heiße Klima, das nur starke Hähne ausschwitzen kann, von denen alles ersehnt wird, von denen alles erhofft wird, daß sie alles für alle richten, daß sie alle für alle richten,

ja, das tun sie, sie richten, sie richten über alle, und sie richten alle nach ihrer Gesinnung her und sie richten alles nach ihrer Gesinnung aus …

„Überspitzt“

Mit den Aussagen des Abends konfrontiert reagiert die Pressestelle des FPÖ-Klubs für Tschank und Stefan so: „Wir haben anlässlich eines Stammtisches natürlich zum Teil etwas überspitzt formuliert[,]

ist in der Tageszeitung „Der Standard“ am 15. Jänner 2025 zu lesen, und zu hören ist desselben Tages Christian Hafenecker:

Und daß natürlich da zu manchen Äußerung kommt und das Ganze noch einmal in vertrauter Runde, da kann ich niemanden einen Vorwurf machen diesbezüglich, aber glauben Sie mir, das passiert auf der ÖVP-Seite genauso.

Es muß nicht zitiert werden, was Harald Stefan, der allenthalben als Justiziminister gehandelt, geredet hat, und nicht nur er, am 8. Jänner 2025

an einem Hinterzimmerstammtisch seiner patriotischen Partei in Simmering,

es schließt sich an, als wären dazwischen nicht zwanzig Jahre vergangen, was er in der Hofburg redete, das wird wohl auch „überspitzt formuliert“ gewesen sein,

weil es halt auch ein Stammtisch gewesen sein wird, sozusagen ein simmering’scher Hinterzimmerhofburgstammtisch —

ein Stammtisch mit einem überspitzten Vulgonamen: „Schillerkommers“

Gesangstreu geht es an solchen Stammtischen zu, damals in der Hofburg konnte Walter Sucher selbst noch mitsingen, etwa

„Das Lied der Deutschen“ —

treu, auch im Gesange, blieben ihm seine Kameraden auch an seinem Grabe —

Ob auch sie, die Frauen, von ihnen weltherrisch „Mädel“ gerufen, am Grabe treu sangen, was ihn in der Erde wärmen soll, hat er doch nicht auf sie vergessen, sie zu begrüßen;

Anschließend trat nochmals Ing. Sucher ans Rednerpult, was er zuvor vergessen hatte: Er begrüßte die Corps sowie die Mädelschaft Freya und bedankte sich beim Saaldienst, dem „Schild und Wehr gegen die gewaltbereite Linke“.

er muß wohl als glücklicher Mann angesehen werden, sich nur daran zu erinnern, wer zu begrüßen ist, und sonst alles vergessen zu lassen.

Und was er, Harald Stefan, immer so „überspitzt“ redet, wie seine Partei meint, weil es ja am Stammtisch in ‚trauter Runde, mag dieser in der Hofburg, mag dieser in Simmering stehen, ist beispielsweise auch dies:

In diese Realität wurden wir Deutsche, egal auf welchem Staatsgebiet, hineingestellt. Dann setzen wir unsere nationale Sendung in den verschiedensten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Organisationen noch effizienter um.

Er, Harald Stefan, hätte vielleicht nicht zu „überspitzt“ gegriffen, sondern zu „überschießend“, das ihm selbst geläufiger, das er beispielsweise verwendete,

als es um die Verschärfung des Verbotsgesetzes ging, vor etwas mehr als einem Jahr, als er es „überschießend“ nannte und gesinnungsgemäß seine identitäre Partei dagegen stimmte.

„Genauso“ passiere es, so Christian Hafenecker, auch auf der „ÖVP-Seite“, also solche Stammtischreden, wie sie Harald Stefan,

und nicht nur er aus seiner Partei hält, überspitzt, überschießend,

gesinnungsgemäß, als wäre das ihre Parole:

Wo zwei oder drei in uns’rem Namen reden, ist ein Stammtisch unter uns–

„… industriellem Ausmaß …“

Stefan Magnet kann darauf vertrauen, daß immer noch so viel Bildung auch in bezug auf geschichtliches Wissen vorhanden ist, es also verstanden wird, wenn er am 12. Jänner 2025 auf der Konzernplattform X von „industriellem …“

Es muß daher seine Gleichsetzung nicht ausführlich erklärt werden, um nachvollziehen zu können, was für einen Zweck er damit verfolgt, wenn er dieses Mittel einsetzt, er schreibt von INDUSTRIELLEM AUSMASS

Was ihn zu dieser geschichtlichen Bezugnahme in einem nicht zu vergleichenden Fall treibt, kann wohl nur darin die Ursache haben, daß es ihn gesinnungsgemäß schmerzt, quält, wem bis heute noch nicht die Verbrechen in „industriellem Ausmaß“ die Absolution erteilt wurde, die er und seine Gesinnungskameraderie so sehnlichst herbeiwünschen, nicht aufhören können, herbeizureden, herbeizuschreiben.

Gesinnungsgemäß hat sich Stefan Magnet auch damit es sich wieder einmal verdient, daß eine Partei, die nun zur Bundesregierungspartei gemacht werden soll, in seiner Anstalt „bezahlte Anzeigen“ schaltet für ihr Neujahrstreffen 18.

„Doch was kommt danach?“ Fragt Stefan Magnet an diesem Sonntag, 12. Jänner 2025, auch.

Er fragt nicht, was kommt, wenn diese Partei

eine Regierungspartei in Österreich wieder einmal sein wird,

vielleicht fragt er das deshalb nicht, weil er gesinnungsgemäß weiß, was dann kommen soll,

seine gesinnungsgemäße Weltvorstellungsarmut es ihm gerade noch vorzustellen erlaubt, heute sprechen, was jetzt gesinnungsgemäß für die Nacht, für die eine nächste Nacht feststeht, aber nicht darüber hinaus, nicht, was ihnen nach dem „Beschuss“–

Fest steht: Der Klima-Homo-Globalismus steht massiv unter Beschuss!

Doch was kommt danach?

Staatsoper Wien schenkt am 20. Apr. 25 zur 80. Wiederkehr einen Parsifal

Es ist nicht das erste Mal, daß Parsifal am 20. April in der Wiener Staatsoper zu hören ist, aber in diesem Jahr ’25 ist es für den Österreicher ein besonders Geschenk zum Geburtstag in zeitlich unmittelbarer Nähe zu seinem achtzigsten Selbstmordtag.

Die Wiener Staatsoper weiß eben, wie des Österreichers recht wichtige Tage zu begehen sind, nicht nur der 20. April, auch der 8. Mai

Lorenz’s interpretative move in identifying Hitler as Parsifal in his Parsifal book was not an original idea but an assimilation of propaganda in broader circulation, propaganda that Houston Stewart Chamberlain helped set into motion by hailing Hitler as a “god-sent benediction” to Germany nine years earlier. For Chamberlain, Hitler was a rare example of

a “luminous figure” (“Lichtgestalt”), and a

“w a h r e r   V o l k s m e n s c h” (“true human being of the people”), [29]

symbolic qualities reflected in the poster in the form of the downward-streaming light and the massive community of brown-shirted followers bearing Nazi flags and placed in a landscape suggestive of the Rhine Valley.

William Kinderman

According to the controversial biography of Wagner by Robert W. Gutman1, Parsifal, more than the Ring, was the gospel of National Socialism. Gutman interpreted this work in terms of Wagner’s later writings, the so-called regeneration essays. He writes, surveying the world from the heights of Monsalvat, the Grail community in Parsifal was alarmed to observe natural selection working against its distinctive Aryanism… The knights were confronted with an enemy gaining upon them every day. Here was the decisive racial crisis that grew into an uncompromising struggle for power….

Parsifal is an enactment of the Aryan’s plight, struggle and hope for redemption

Derrick Everett

Für den 30. April 2025, am Selbstmordtag des Österreichers, das ein Gedenktag ist, da es doch der einzige Tag im Leben dieses nationalsozialistischen Österreichers war, an dem er eine gute, eine anständige Tat beging: seinen Selbstmord, kündigt die Wiener Staatsoper ein Solokonzert von Michael Volle, der, so die Wiener Staatsoper,

einer der führenden Interpreten des deutschen Fachs, zu seinen Paraderollen zählen die Titelpartie in »Fliegendem Holländer«, Wotan/Wanderer im »Ring des Nibelungen«, Hans Sachs (»Die Meistersinger von Nürnberg«) und Amfortas (»Parsifal«)

sowie die Strauss-Partien des Barak (»Die Frau ohne Schatten«), Johanaan (»Salome«), Orest (»Elektra«) und Mandryka (»Arabella«),

an … Was der „führende Interpret des deutschen Fachs“ an diesem Abend zum Besten geben wird, ist zum heutigen Tag, 12. Jänner 2025, noch nicht bekannt, sein Programm werde, so die Wiener Staatsoper, bald bekanntgegeben werden … Wird es ein besinnliches Potpourri der Partien werden, die den Österreicher am Geburtstag und am Selbstmordtag auch gefreut hätten?

Im April 2025 wird in der Wiener Staatsoper auch „Die Zauberflöte“ gegeben … Ob noch wer am Leben, der beim „Unternehmen Zauberflöte“ dabei war, im April 1943? Ob noch wer am Leben und ob noch wer imstande, im nächsten April in „Die „Zauberflöte“ in anständig seliger Erinnerung an die Zeit in Minsk … Vielleicht aber haben sie ihre Erinnerungen an die „Operation Zauberflöte“ weitergeben, an ihre Nachkommen, und diese gehen nun mit den Erinnerungen ihrer Väter, ihrer Großmütter in die „Zauberflöte“ wie in das „Unternehmen Zauberflöte“, als wären sie nicht die Nachkommen, sondern ihre eigenen Großväter, Mütter …

Gestern abend: ‚Salome‘ von Strauss … Abscheuliche romantische Musik, von einer Rhetorik des Orchesters, die Sehnsucht nach Bellini weckt. Ebenso die Meistersinger – gleiche Ursachen auch der Schwächen: Indiskretion der Mittel und Eintönigkeit der Effekte, aufdringliches Insistieren, offenbare Unaufrichtigkeit … Von Grund auf unkünstlerisch, so etwas.

Das Strauss-Urteil von André Gide, und ebenfalls in seinem Tagebuch zum 25. Jänner 1908 ist zu lesen:

Rundfrage des ‚Berliner Tageblatts‘
Es handelt sich darum, anläßlich des fünfundzwanzigsten Jahrestages von Wagners Tod die ‚führenden Künstler und Intellektuellen ganz Europas nach ihrer Meinung über den Einfluß Wagners, insbesondere in Frankreich‘ zu befragen.
Ich antworte: ‚Ich verabscheue die Person und das Werk Wagners, diese leidenschaftliche Abneigung ist seit meiner Kindheit nur noch gewachsen. Dieses erstaunliche Genie erhebt weniger als es vernichtet. Es hat zahllosen Snobs, Literaten und Dummköpfen erlaubt zu meinen, sie liebten die Musik, und einigen Künstlern zu glauben, Genie läßt sich erlernen. Deutschland hat vielleicht nie etwas gleichzeitig so Großes und Barbarisches hervorgebracht.‘

Am 25. Jänner vor 117 Jahren spricht André Gide, als er zu Richard Wagner befragt wird, bereits vom Barbarischen und damit auch von André Gide der Werkkern erkannt, Jahrzehnte vor der Realisierung des Barbarischen in der Wirklichkeit —

die Person Wagner der Barbaren, das Werk Wagners der Barbarinnen, die nichts erheben, die stets alles und alle vernichten. Wagner, der Überbarbar der Barbarinnen mit einem barbarischen Werk in Schrift und Ton …

In „Eine schwere Entdeutschung“ von Bazon Brock ist 117 Jahre später wieder auch u. v. a. m. von „Rebarbarisierung, Parsifal“ zu lesen:

Als gegenwärtig bedeutendste Wagnerkenner und Regisseure im internationalen Format gaben sich Putin und sein Parteigänger Prigoschin im russisch-ukrainischen Krieg zu erkennen. Ganz dezidiert war die ideologische Ausrichtung der beiden in der Namensgebung ihrer Privatarmee als Wagner-Truppe zu erkennen. Sie inszenieren auf den ukrainischen Schlachtfeldern ein Wagnerfestival, das die Bedeutung von Bayreuth weit in den Schatten stellte.

Politik als große Opernregie wurde Markenzeichen deutscher Weltmission, in der sich jeder einen Platz an der Sonne sichern konnte, der bereit war, bedingungslos mitzuspielen. Der Gröwaz, der größte Wagnerkenner aller Zeiten, liefert bis heute die Rechtfertigung für Untergänge als imposante Götterdämmerungen – überzeugend verwirklicht von 1939 bis 1945 im Weltformat.

Hitler hatte schon mit dem „Unternehmen Walküre“ Wagner als größten Programmatiker für das Dritte Reich, ja schlechthin für Deutschland zu ehren gewusst. Wagners „Parsifal“ lieferte den nationalsozialistischen Rassengesetzen von 1935 das Konzept der Blutreinheit des Ariertums, an das heute noch z. B. von der AFD im Widerstand gegen die Durchmischung der Bevölkerung appelliert wird.

Auch zu Kaiser Wilhelms Zeiten lag schon der Gedanken nahe, Wagners Opern als reales Weltgeschehen mit dezenten Hinweisen auf die Ideologie des großen Musikmythologen zu etablieren – beispielsweise als Festungsanlage „Siegfriedlinie“ gegen die Kräfte des europäischen Westens im Ersten Weltkrieg.

Einen ganz eigentümlichen Typus heutige Wagnerbehuldigung […] Einerseits protestiert sie in Kassel vehement gegen antisemitische Äußerungen von Künstlern, um andererseits anschließend in festlicher Pelle nach Bayreuth zu pilgern und dort dem Radikalsten aller deutschen Antisemiten zu huldigen. Zu verstehen ist das nur, wenn man voraussetzt, dass […] jegliche historische Kenntnisse zum Werkschaffen von Wagner fehlen. Derartige Ahnungslosigkeit durch mangelnde Bildung kennzeichnet einen großen Teil heutige linker, grüner, roter und schwarzer Positionäre.

Die willentliche, intentionale Rebarbarisierung ist leider kein einzigartiger Unfall deutscher Geschichte. Wäre sie das, bräuchte man das Wissen um die Bedrohung nicht ständig wachzuhalten. Offenbar zwingt die innere Dynamik von Machtregimes, totalitär zu werden, alle Gesellschaften wenigstens einmal, hoffentlich nur einmal das Schicksal Deutschlands selber durchzustehen. Das ist ja bereits unübersehbar. Der deutschen Ideologie wird heute weltweit auch von kleineren Potentanten gehuldigt – in einem Ausmaß, dass demokratisch, liberal und rechtsstaatlich verfasste Gesellschaften weltweit nur noch eine rare Minderheit sind. Was tun? Wir Deutschen jedenfalls sollten das deutsche 20. Jahrhundert widerrufen und die von Nietzsche formulierte Aufgabe einer schweren Entdeutschung auf uns nehmen.

Es ist nicht verwunderlich, dies nur nebenher gesagt, daß das Attentat auf den Österreicher nicht gelang, lief es doch unter der wagnerisch-hitlerischen Parole „Unternehmen Walküre“, und ein Unternehmen mit einer übernommmenen Parole ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, einem solchen Unternehmen fehlt von Anfang an der absolute Wille zum Erfolg.

In Graz und um Graz herum wird das Ent-deutschen gesinnungsgemäß verstanden, etwas wieder in seinen Ausgangszustand zu bringen, also daß „Deutschland wieder jeden Tag etwas deutscher wird — und Österreich genauso“

Und das ist in Österreich letztlich die Aufgabe eines Hochkulturbetriebs wie eben auch der Wiener Staatsoper,

lange davor kommende Entwicklungen zu erahnen, zu erfüllen, was herrschaftlich gewünscht sein wird, und dementsprechend rechtzeitig zu programmieren, nicht nur zu erahnen, nicht nur zu erfühlen, sondern stets auch

seinen Teil beizutragen, es ständig wachzuhalten, es von Generation zu Generation weiterzutragen, und mit der Programmierung für 2025 hat die Wiener Staaatsoper wieder das Ihre rechtschaffen getan, so daß auch

um die Wiener Staatsoper herum und nicht nur in der Wiener Staatsoper „Weltverwandlung“ …

Die Wirtschaftsführer glaubten dafür Regieanweisungen bedeutender Musiker und Dichter im Format Bayreuths nutzen zu dürfen. Denn was nützen großartige Ideen der Weltverwandlung auf der Bühne, wenn die Kunden des Spektakels nicht auch mitspielen dürfen (fragte der von Heinrich Mann genauestens charakterisierte Untertan)?

Bazon Brock, Eine schwere Entdeutschung

Es gibt nun bereits viele Befürchtungen, was sich alles ändern wird, wenn es zu dieser identitärschwarzen Regierung denn kommen sollte, die Wiener Staatsoper braucht sich nicht zu fürchten, die Wiener Staatsoper wird nicht über Nacht ihr Programm ändern müssen, sie wird nicht gleich Körner in ihr Programm aufnehmen müssen, von einem Tag auf den anderen,

mit Richard Wagner hat die Wiener Staatsoper bereits und lange schon auch für solch eine Regierung das größte Programm aller Zeiten …

Aus Österreich

Bei Kleinkindern wird, vor allem wenn sie ein sogenanntes unanständiges Wort sagen, gleich gefragt, woher haben sie das bloß. Erziehungsberechtigte von Unmündigen sagen, wenn diese ein sogenanntes unanständiges Wort sagen, sofort, jedwede Schuld von sich weisend, von ihnen, ihren Erziehungsberechtigten, hätten sie das nicht …

Woher Alice Weidel das mit Nationalsozialismus und Adolf Hitler hat — aus Österreich, aus Österreich. Gesinnungsgemäß wie immer alles abstreitend werden die sie Erziehenden das von sich weisen, sie hätte es …

Gerade einmal fünf Monate war Alice Weidel, also in der AfD, als Rainer Wolbank nicht in einem identitären Organ, sondern in der Tageszeitung „Die Presse“ im Februar 2014 schrieb:

Der Nationalsozialismus hat mit dem Sozialismus mehr gemein […]

Keinen einzigen Monat noch war Alice Weidel, also in der AfD,

als in der Ausgabe 17/2013 des identitären Organs zu lesen war:

[…] Pfeilkreuzlern (eine sozialistische Massenpartei) […]

Fast elf Jahre war Alice Weidel, also in der AfD, als

Weidel zitiert Ignazio Silone: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘ Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus'“.

Jahre bevor Alice Weidel war, also in der AfD, haben das in Österreich schon einige sogenannte sehr hochgestellte Männer von sich gegeben … Zu dieser Zeit waren sie noch nicht die hochgestellten Männer in Österreich, aber dieses auf François Bondy zurückgehende Zitat wird ihnen wohl auch etwas geholfen haben, in höchste Staatsämter gelobt zu werden.

Zwölf Jahre ist Alice Weidel, also jetzt mehr oder weniger in der AfD, und es muß eingestanden werden, ihre Lernerfolge nicht so genau und umfassend zu verfolgen, was ihr sonst noch von Österreich alles gelehrt wurde …

ob sie beispielsweise schon mit dem grazerischen Stocker-Stoff durch ist,

oder mit dem hofburgischen Stefan-Stoff, oder …

Aber sie ist nicht die einzige, die in die österreichische Schule geht,

auch ein Parteikamerad, um einen doch zusätzlich beispielhaft zu nennen, von ihr hat seinen österreichischen Stoff gelernt, als er, da war er acht Jahre, also in der AfD, nicht alle einer verbrecherischen Organisation zu … und damit nur recht brav den von einem Österreichischen bereits nun vor fünfzehn Jahren aufgegebenen Stoff wiederholte, wofür dieser wohl recht bald die nächste Angelobung zur mehr oder weniger höchsten Staatsposition, die Österreich zu vergeben hat,

in eine Position, von der er, der weidelsche Parteikamerad, in Deutschland nicht einmal, einfach wie kurz gesagt, träumen kann, in eine solche befördert zu werden, mag er noch so ein gelehrig Erzogener des —

Als Zusammenfassung am Ende kann gesagt werden, die Partei dieser Kameradinnen und dieser Kameraden hat in diesen zwölf Jahren seit ihrer Gründung alles, was sie an Stoff brauchte, aus Österreich bekommen, besonders von einer Partei, und sie kann mittlerweile den Stoff derart in- und auswendig, daß sie sich mit Stolz erste Wiedergängerin auf ihren Ehrenschild schreiben darf,

erste Wiedergängerin einer österreichischen Partei, die selbst aber vor Jahrzehnten bereits ihren Sporn verdiente, erste …

Raus und Raus

An diesem Donnerstag, 9. Jänner 2025, fällt die Entscheidung leicht, auf den Ballhausplatz zu gehen, und nicht in den Musikverein,

und nicht in den Musikverein,

in dem, so die Befürchtung, noch und nur das gehört werden wird, was am 1. Jänner 2025 im Musikverein zur Mittagsstunde gespielt wurde, während das Orchester gemäß Programmzettel u. a. „Die Planeten“ spielt,

wird, so die Befürchtung, nur das gehört werden, was am 1. Jänner 2025 im Musikverein gespielt wurde: die Ouvertüre aus dem „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß, und während das Orchester spielt, was für den 9. Jänner 2025 auf dem Programmzettel steht, wird aber nur der „Zigeunerbaron“ gehört werden, wie ihn am 1. Jänner 2025 die sogenannte feine Gesellschaft mit sogenannten Staatsspitzen unter ihnen gehört haben, und während der „Zigeunerbaron“ gehört worden wäre,

an diesem 9. Jänner 2025, wenn in den Musikverein und nicht auf den Ballhausplatz gegangen wäre, hätte unentwegt daran gedacht werden müssen, mit welch einem Stolz und mit was für einer Aufregung berichtet wurde, an diesem 1. Jänner 2025 werde erstmals eine Komposition von einer Frau gespielt, auch wenn sie nicht jeder Tageszeitung eine Komponistin sein will, erstmals sei in das Programm des Neujahrskonzertes eine Komposition einer Frau aufgenommen worden, genauer, die Komposition eines Kindes von zwölf Jahren, an das hätte gedacht werden müssen, während der „Zigeunerbaron“ zu hören gewesen wäre, und das Orchester behauptete, es spiele das Programm vom 9. Jänner 2025, daß — mutig, oh mutig — die Komposition einer Zwölfjährigen als Komposition einer Frau stolz gefeiert wurde, ein einziger Walzer einer Zwölfjährigen im Neujahrskonzert, und daß es an diesem 1. Jänner 2025 ein zweites Neujahreskonzert gab, am späten Nachmittag, in der Mühlgasse, in der Frauen Kompositionen hauptsächlich von Frauen spielen durften, nicht nur einen einzigen Walzer von einer Unmündigen von zwölf Jahren, die herhalten muß für den Fortschritt in diesem Österreich, sogar im Neujahrskonzert werde schon, im Jahr 2025, eine einzige Komposition einer Frau gespielt, wenn sie nur ein „Wunderkind“ und nicht älter als zwölf …

Auf dem Ballhausplatz an diesem Abend des 9. Jänners 2025 fällt das breitest beworbene Motto für 2025 in Österreich ein: „Ganz Wien in Strauss und Braus“, unweigerlich verwandelt sich dieses Motto, vor dem Bundeskanzleramt, für ganz Wien, Österreich in: Raus und Raus

Es mag paradox erscheinen, da die einen noch nicht drinnen, bereits Raus und Raus anzustimmen, aber sie sind bereits zu weit drinnen, daß es noch genügte: Nicht und nicht hinein

Und zu sehen ist an diesem 9. Jänner 2025 auf dem Ballhausplatz vor dem Bundeskanzleramt ein kahler Baum, ein dürrer Baum als Zeichen der Zukunft Österreichs, das wird Österreich sein, wenn die versprochenen „5 gute[n] Jahre“ nie gewesen sein werden, fünf Jahre, einfach wie kurz gesagt, fünf Jahre vergangen sein werden, wie Jahre mit und ohne Versprechen eben vergehen, wird Österreich kahl, dürr, und der Baum vor dem Bundeskanzleramt als einziger blühen wird, wenn es nicht gerade Winter ist, es ihm klimatisch noch möglich sein wird, zu blühen, wenn es für den Baum nicht Winter sein wird, während ganzjährig Österreich im Winter …

Ich muß weg

Es könnte Michael Völker manchwer einen Vorwurf machen, er habe nicht die Quelle genannt, als er am 8. Jänner 2025 von „autoritären Anwandlungen“ schrieb, die er dem von einer Haus- und Hofkanzlerei Träumenden unterstellt, nur weil dieser keine Fragen zuläßt, also ganz nach State of the art in Österreich vor den Medien hintritt

Es war der Gebirgstraumgänger, der am 4. Jänner 2021 auf der Konzernplattform Meta schreibt:

Mein Kampfauftrag für 2021 lautet: „K[…] muss weg“! Es hat schon viel zu viele totalitäre Entwicklungen und autoritäre Anwandlungen gegeben.

Wenn der von einer Haus- und Hofkanzlerei Träumende sich selbst ernst nimmt, und einmal wirklich ganz ehrlich sein will, dann kann er nur eines tun, sich selbst und allen zurufen: „Ich muß weg!“

Aber es darf menschgemäß nicht nur beim Zurufen bleiben, wenn es von ihm tatsächlich ehrlich sein soll, dann muß er auch selbst weggehen, sich selbst entfernen, und es können ihm, so viel Empathie muß ihm entgegengebracht werden, dabei alle helfen, das „Ich muß weg“ rasch zu verwirklichen.

Was wäre das doch für ein heroischer „Kampfauftrag“ für 2025 an ihn selbst, wenn er das „Ich muß weg!“ für sich real umsetzte, vier Jahre später endlich realisierte, wer würde ihm nicht dafür Tribut zollen, und noch mehr Tribut, wenn es noch und schon im Jänner 2025 von ihm getan werden würde, er weg wäre, ein neues Leben begänne, vielleicht in den Bergen, als Bewohner eines Berghofs, mit all den schönen Aussichten auf Almen und Berge ringsum sein Steinhaus, endlich ohne lange Anfahrten, um in die Bergwände zu steigen. Vielleicht wäre das für ihn kein Ändern seines Lebens, kein Beginnen eines neuen Lebens, sondern, einfach wie kurz gesagt, eine Rückkehr in ein für ihn von ihm selbst als passend empfundenes Dasein …

„[P]asst zum Bild eines“ Österreichs „mit autoritären Anwandlungen“

An Selbstbewusstsein mangelt es dem FPÖ-Chef jedenfalls nicht, in seinem Auftritt ließ er verbal die Muskeln spielen, und es passt zum Bild eines Menschen mit autoritären Anwandlungen, dass keine Fragen zugelassen waren. Es gilt, was er spricht, daran soll niemand rütteln.

Das schreibt am 8. Jänner 2025 in der Tageszeitung des österreichischen Qualitätsstandards Michael Völker.

Das darf wohl als scharfe Kritik an diesem Menschen verstanden werden.

Nur, was für Anwandlungen sonst als autoritäre soll dieser Mensch in Österreich haben? Wurden nicht gerade in den letzten Jahren vermehrt Auftritte vor Medien von Menschen mit der Direktive „Keine Fragen zugelassen“ erlebt, deren Gesprochenes zu gelten hat, daran niemand zu rütteln hat?

Es können dafür Beispiele angeführt werden. Etwa eine Pressekonferenz von Klaudia Tanner, Verteidigungsministerin, am 17. Februar 2020: Keine Fragen zugelassen. Diese autoritäre Anwandlung erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, der Mann der Referenz an starke Männer, zum „Angebot für Fernseh- und Radiojournalisten, die OTS in Wort und Bild zu bekommen.“

Etwa im Mai 2022: „Köstinger war da seltener genannt worden, seit sie den Umstieg von Kurz zu Nehammer politisch überlebt hatte. Heute betonte sie in einer „persönlichen Erklärung“, bei der keine Fragen zugelassen waren[.]“

Etwa im Mai 2019: „Kanzler Kurz bleibt Antworten schuldig – keine Fragen zugelassen“ —

Etwa am 3. Jänner 2025: „Nach der Pressekonferenz mit Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger in der Parteizentrale am Wiener Heumarkt waren zwar keine Fragen zugelassen –“

Etwa im Mai 2019, auch bei Sobotka „keine Fragen zugelassen“

Etwa im Jänner 2023, Franz Schnabl: „Fragen waren im Anschluss an die Erklärung nicht erlaubt.“

Etwa im November 2024, Georg Dornauer: „Der Noch-Landeshauptmannstellvertreter machte in dem Statement, nach dem keine Fragen zugelassen waren[.]“

Etwa im Mai 2019, Rubina Möhring: „Derzeit ist die Empörung sehr groß, dass bei den Pressekonferenzen keine Fragen gestellt werden durften. Das ist schon sehr autoritär und geht einfach gar nicht. Kurz macht das genauso wie Strache, Hofer und Kickl. Und das ist das Gefährliche an dieser Praxis: Diese Überheblichkeit von Politikern gegenüber demokratischen Grundrechten. Ungarn ist sehr nahe.“

Und wurde nicht gerade in den letzten Tagen das „Keine Fragen“ zur Staatsdoktrin, wenn der Hofburginformationsbote zwar freundlich seine Verkündigungen den Medien diktierte, jedoch Fragen zu stellen nicht gewährt wird, ganz nach der scharfen Kritik von Michael Völker: „Es gilt, was er spricht, daran soll niemand rütteln.“

Es werden Ihnen selbst wohl noch viele weitere Auftritte von Menschen in hohen und höchsten verantwortungsvollen Positionen vor Medien einfallen, von denen Ihnen in Erinnerung geblieben sein wird, als das Bleibende, es waren keine Fragen zugelassen.

„Keine Fragen zugelassen“, auch ein Kriterium, das verstehen läßt, welchen Platz Österreich in puncto Pressefreiheit inzwischen international einnimmt, wie im Mai 2024 zu erfahren war: „Österreich steigt in puncto Pressefreiheit in Europa weiter ab“ —

Und ohne daß der Gebirgeläufer bereits in die Position gelangt ist, der Pressefreiheit in Österreich gänzlich den Garaus in orbánischer Manie zu machen —

Was für Anwandlungen sonst als autoritäre könnte der vor dem Einmarsch als Haus- und Hofkanzler sonst haben, als ebendiese, die ihm so reichlich in diesem Land vorgelebt …

Bei all dem ihm zum Vorbild in Österreich Vorgelebte, ist die Versuchung groß, das von Michael Völker heute Geschriebene ein wenig anzupassen, für Österreich passender zu formulieren — Patinnen dafür sind auch und nicht nur die oben erwähnten Beispielgeber:

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Österreich jedenfalls nicht, in seinem Auftritt läßt es verbal die Muskeln spielen, und es passt zum Bild eines Österreichs mit autoritären Anwandlungen, die keine Fragen zulassen. Es gilt, was es spricht, daran soll niemand rütteln.

Der Tod in seiner unerforschlichen Ungerechtigkeit bringt Stefan Magnet um sein Interview mit Ursula Haverbeck, Schildträgerin der „echten Demokratie“

Etwas mußte „Die Rechte“ nicht mehr einlösen: „Wir holen Ursula aus dem Knast.“ Darüber wird sie wohl nicht unfroh gewesen sein. Denn. Was kann die Rechte schon einlösen? Was sie kann, die Rechte, ist Versprechen durch Versprechen ablösen, so daß von ihr nicht eingelöste Versprechen durch so viele neue Versprechen ständig abgelöst werden, bis kein Mensch mehr diesen Haufen an Versprechungen überblicken kann, für keinen Menschen mehr je nachzuvollziehen ist, ob je ein Versprechen von ihr eingelöst wurde, je ein Versprechen von ihr gehalten wurde.

Im Fall Ursula Haverbeck löste der Tod das Versprechen ein, sie aus dem „Knast“ zu „holen“, genauer, der Tod erlöste sie von dem „Knast“,

wie am 20. November 2024 auf der Konzernplattform X, gelesen heute am 7. Jänner 2025, Stefan Magnet in seinem Nachruf auf sie, Ursula Haverbeck, schreibt, in seinem Nachruf, der im Grunde ein Vorruf ist, geschrieben von ihm bereits am 28. Juni 2024, verbreitet ebenfalls auf der Konzernplattform X

96jährige Ursula Haverbeck verstorben — unmittelbar vor Haftantritt Haverbeck wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, weil sie laut Gericht „Volksverhetzung begangen“ habe. Das Gericht warf ihr vor, den Holocaust zu leugnen. Jetzt ist Ursula Haverbeck tot. Sie verstarb, noch ehe sie die Haft antreten musste. Sie hatte mir ein Interview zugesagt, es hätte unmittelbar vor Haftantritt stattfinden sollen. Es sollte bei dem Interview nicht um verbotene Inhalte oder Geschichte gehen. Ich wollte als Journalist jene 96-Jährige sprechen lassen, der gerichtlich das Sprechen verboten wurde und die aufgrund der ihr attestierten Gefährlichkeit wiederholt ins Gefängnis sollte. Mich beschäftigt die Frage, die seit der Inquisition an Aktualität nicht verloren hat: Warum schwört der als Ketzer verfolgte nicht ab, um sein Leben zu retten? Warum setzte sich die als „Nazi-Oma“ (so titelte „Der Stern“) verspottete Frau dieser Verfolgung in vollem Bewusstsein aus? Haverbeck sagte schon 2007 vor dem Landgericht in Dortmund: „Wir leben gar nicht in einer echten Demokratie, was man schon daran erkennen kann, daß alle Angst haben. Die Herrscher haben vor dem Volk Angst, deshalb gibt es Maulkorbgesetze, und das Volk hat vor den Regierenden Angst, deshalb wagt es nicht zu sagen, was es denkt.“ Wie sehr die Justiz instrumentalisiert ist, sieht man auch daran, dass in anderen Fällen unverständliche Milde angewandt wird. Etwa bei Vergewaltigern, Mördern… oder beim Hamburger Cum-ex-Bankier Christian Olearius. Er soll einen Steuerschaden von 280 Millionen Euro verursacht haben. Das Gericht stellte das Verfahren einfach ein, weil der Mann zu hohen Bluthochdruck hätte…. bei Haverbeck war man nicht so gnädig. Ich wollte herausfinden, warum? Jetzt kann sie nicht mehr für sich sprechen und das Gericht kann beruhigt die Akten schreddern.

Er, Stefan Magnet, mußte seinen Vorruf vom 28. Juni 2024 nur recht wenig noch ausschmücken, um am 20. November 2024 aus diesem einen Nachruf zu ihrer treuewiglichen Ehrerbietung und für alle dieser Gesinnung ständigen Verwertung.

Ursula Haverbeck, habe ihm, Stefan Magnet, ein Interview zugesagt, aber der Tod, so gütig dieser gegen Ursula Haverbeck war, sie vor dem „Knast“ zu retten, so ungerecht war dieser zu Stefan Magnet, der von ihr keine Antworten mehr bekam, auf die ihn gar recht beschäftigenden Fragen zu „Inquisition“, „Ketzer“ …

Da Stefan Magnet dies von Ursula Haverbeck zitiert, darf angenommen werden, es findet seine ungeteilte Zustimmung: „„Wir leben gar nicht in einer echten Demokratie, was man schon daran erkennen kann, daß alle Angst haben.“

Ja, Ursula Haverbeck hat als ganz junger Mensch noch eine Zeit erlebt, die ihr wohl ihr gesamtes Leben das Ideal einer „echten Demokratie“ war, ein Ideal einer „echten Demokratie“, nach dem sich so viele sehnen, die die „echte Demokratie“ nur aus den schmucken Erzählungen ihrer Großmütter, ihrer Großväter kennen, diese „echte Demokratie“, in der alle keine Angst zu haben brauchten, in der alle sagen konnten, was sie dachten, weil ihnen gesagt wurde,

für das zu dieser „echten Demokratie“ sich bekennende Volk gibt es keine „Maulkorbgesetze“, was es gab, waren

andere Gesetze für Menschen, bei denen es gleichgültig war, was sie sagten, was sie dachten, bei denen es genügte, daß sie waren.

„Heute spricht …“ So lautet an diesem 7. Jänner 2025 eine Ankündigung von der magnetischen Anstalt. Das wissen die „echte[n] Männer und Frauen, Patrioten“

auch ohne einem schmucken Interview mit Ursula Haverbeck, wie es damals war, in der „echten Demokratie“, als es allerorten und allerzeiten verkündet ward: „Heute spricht …“ Ist dies nicht der größte Beleg,

daß damals, in der „echten Demokratie“, alle sagen durften, was sie alles sagten?

Ob es ihm, Stefan Magnet, in der bitteren Stunde, als er erfuhr, daß der Tod ihn um das Interview seines Lebens betrog, ein Trost war, Interviews geführt zu haben, mit zwar gesinnungsgemäß nicht so bedeutenden Persönlichkeiten wie Ursula Haverbeck,

aber doch Personen,

die ihm und seiner Anstalt ein Versprechen wohl sein werden, einst ebenso bedeutend zu werden, wie die gar arme „verspottete Frau“ Haverbeck —

„Die LGBTQ-Woke-Klima-Versager werden vertrieben.“: Stefan Magnet – Hofft er, Eisenbahnminister zu werden?

Es erübrigt sich vollkommen, auf das von Stefan Magnet am 6. Jänner 2025 Verbreitete einzugehen, bloß auf eines, das vermuten läßt, auch er möchte jetzt seine Belohnung für all das von ihm bisher gesinnungsgemäß Geleistete, vielleicht sieht er sich bereits als Eisenbahnminister …

Die LGBTQ-Woke-Klima-Versager werden vertrieben.

Vielleicht wird bereits am Vormittag des Dienstags, 7. Jänner 2025, zwischen ihm und seinem von ihm ersehnten Haus- und Hofkanzler Personelles sondiert, darf er, Magnet, ihm vortragen, weshalb er als Eisenbahnminister der Geeignete wäre, wie er es auf Schiene bringen würde, die Vertreibung.

Stefan Magnet, ein patriotisch weitsichtiger Mann, der sich eins mit seinem patriotischen Herrn wissen kann, dem doch selbst, wie bekannt, das Woke dermaßen quält.

Er, der künftige Haus- und Hofkanzler, wird vielleicht schon gar viele seiner Gänge in die Berge dafür genutzt haben, sich eine endgültige Lösung für die Wokefrage

Vielleicht wird des Haus-und-Hofkanzlerischen Stellungnahme in dieser magnetischen Anstalt an diesem Vormittag des Dienstags gar sein die Verkündigung, er habe für die Lösung der Wokefrage bereits seinen treuen Eisenbahnminister