Wenn Funktionäre einer designierten Kanzlerpartei von „scheissblatt“ reden und davon, Medien fertig zu machen, ist das nicht sehr staatstragend. Vielleicht könnte Kickl mal ein Machtwort sprechen?
„Die Systemparteien und die Systemmedien gehören zusammen, das ist wie bei siamesischen Zwillingen,“ sagte der FPÖ-Spitzenkandidat auf einer Wahlkampfveranstaltung im September. „Die einen, die Politiker, lügen wie gedruckt, und die anderen drucken die Lügen. Das ist die Arbeitsteilung in diesem System“. Seinen Zuhörenden legte Kickl mit seinen Worten vor allem eins nahe: Die rechte FPÖ könne dieses dubiose System zu Fall bringen[.] M – Menschen Machen Medien, Till Schmidt, 10. Jänner 2025
Das erste Interview nach seinem Wahlsieg gab der österreichische FPÖ-Chef Herbert Kickl nicht dem öffentlich-rechtlichen ORF, auch nicht einem der herkömmlichen Privatsender in der Alpenrepublik. Stattdessen steuerte der extrem rechte Politiker das Gemeinschaftsstudio der Sender Auf1 und rtv an. Dort ließ er sich von den hoch erfreuten Moderatoren über fünf Minuten lang beweihräuchern für das Top-Ergebnis von fast 29 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl. Gesinnungsfreunde unter sich.
Mutet dies nicht seltsam an, daß ausgewiesene Nichtparteigängerinnen und auch Nichtparteigänger dieser identitären Partei immer wieder einmal von den Anführenden dieser patriotischen Partei etwas verlangen, daß diese gesinnungsgemäß gar nicht je zu leisten gewillt imstande sind, sie aber mit deren Forderung an die patriotic leader transportieren, diese, die patriotic leader, wären anders, als teilten sie die Gesinnung ihrer Partei, die sie anführen, ganz und gar nicht —
Wären sie, die patriotic leader, Hühner, könnte gefragt werden, was denn zuerst, das Ei oder die Henne … Aber es sind Hähne, und so erübrigt sich diese Frage, es sind die Hähne, die ihre Kloaken pressen … Es ist doch einmal wegen des schönes Bildes in Erinnerung zu rufen, wie befruchtet wird. Hahn und Henne sitzen im Stall auf einer Leiter, der Hahn preßt seine hintere Körperöffnung, die Kloake, fest auf die Kloake der Henne, und so gelangen in die Kloake der Henne die …
Mit den Aussagen des Abends konfrontiert reagiert die Pressestelle des FPÖ-Klubs für Tschank und Stefan so: „Wir haben anlässlich eines Stammtisches natürlich zum Teil etwas überspitzt formuliert[,]
ist in der Tageszeitung „Der Standard“ am 15. Jänner 2025 zu lesen, und zu hören ist desselben Tages Christian Hafenecker:
Und daß natürlich da zu manchen Äußerung kommt und das Ganze noch einmal in vertrauter Runde, da kann ich niemanden einen Vorwurf machen diesbezüglich, aber glauben Sie mir, das passiert auf der ÖVP-Seite genauso.
Ob auch sie, die Frauen, von ihnen weltherrisch „Mädel“ gerufen, am Grabe treu sangen, was ihn in der Erde wärmen soll, hat er doch nicht auf sie vergessen, sie zu begrüßen;
er muß wohl als glücklicher Mann angesehen werden, sich nur daran zu erinnern, wer zu begrüßen ist, und sonst alles vergessen zu lassen.
Und was er, Harald Stefan, immer so „überspitzt“ redet, wie seine Partei meint, weil es ja am Stammtisch in ‚trauter Runde, mag dieser in der Hofburg, mag dieser in Simmering stehen, ist beispielsweise auch dies:
Er, Harald Stefan, hätte vielleicht nicht zu „überspitzt“ gegriffen, sondern zu „überschießend“, das ihm selbst geläufiger, das er beispielsweise verwendete,
Stefan Magnet kann darauf vertrauen, daß immer noch so viel Bildung auch in bezug auf geschichtliches Wissen vorhanden ist, es also verstanden wird, wenn er am 12. Jänner 2025 auf der Konzernplattform X von „industriellem …“
Es muß daher seine Gleichsetzung nicht ausführlich erklärt werden, um nachvollziehen zu können, was für einen Zweck er damit verfolgt, wenn er dieses Mittel einsetzt, er schreibt von INDUSTRIELLEM AUSMASS —
Was ihn zu dieser geschichtlichen Bezugnahme in einem nicht zu vergleichenden Fall treibt, kann wohl nur darin die Ursache haben, daß es ihn gesinnungsgemäß schmerzt, quält, wem bis heute noch nicht die Verbrechen in „industriellem Ausmaß“ die Absolution erteilt wurde, die er und seine Gesinnungskameraderie so sehnlichst herbeiwünschen, nicht aufhören können, herbeizureden, herbeizuschreiben.
seine gesinnungsgemäße Weltvorstellungsarmut es ihm gerade noch vorzustellen erlaubt, heute sprechen, was jetzt gesinnungsgemäß für die Nacht, für die eine nächste Nacht feststeht, aber nicht darüber hinaus, nicht, was ihnen nach dem „Beschuss“–
Es ist nicht das erste Mal, daß Parsifal am 20. April in der Wiener Staatsoper zu hören ist, aber in diesem Jahr ’25 ist es für den Österreicher ein besonders Geschenk zum Geburtstag in zeitlich unmittelbarer Nähe zu seinem achtzigsten Selbstmordtag.
Die Wiener Staatsoper weiß eben, wie des Österreichers recht wichtige Tage zu begehen sind, nicht nur der 20. April, auch der 8. Mai —
Lorenz’s interpretative move in identifying Hitler as Parsifal in his Parsifal book was not an original idea but an assimilation of propaganda in broader circulation, propaganda that Houston Stewart Chamberlain helped set into motion by hailing Hitler as a “god-sent benediction” to Germany nine years earlier. For Chamberlain, Hitler was a rare example of
symbolic qualities reflected in the poster in the form of the downward-streaming light and the massive community of brown-shirted followers bearing Nazi flags and placed in a landscape suggestive of the Rhine Valley.
William Kinderman
According to the controversial biography of Wagner by Robert W. Gutman1, Parsifal, more than the Ring, was the gospel of National Socialism. Gutman interpreted this work in terms of Wagner’s later writings, the so-called regeneration essays. He writes, surveying the world from the heights of Monsalvat, the Grail community in Parsifal was alarmed to observe natural selection working against its distinctive Aryanism… The knights were confronted with an enemy gaining upon them every day. Here was the decisive racial crisis that grew into an uncompromising struggle for power….
Gestern abend: ‚Salome‘ von Strauss … Abscheuliche romantische Musik, von einer Rhetorik des Orchesters, die Sehnsucht nach Bellini weckt. Ebenso die Meistersinger – gleiche Ursachen auch der Schwächen: Indiskretion der Mittel und Eintönigkeit der Effekte, aufdringliches Insistieren, offenbare Unaufrichtigkeit … Von Grund auf unkünstlerisch, so etwas.
Rundfrage des ‚Berliner Tageblatts‘ Es handelt sich darum, anläßlich des fünfundzwanzigsten Jahrestages von Wagners Tod die ‚führenden Künstler und Intellektuellen ganz Europas nach ihrer Meinung über den Einfluß Wagners, insbesondere in Frankreich‘ zu befragen. Ich antworte: ‚Ich verabscheue die Person und das Werk Wagners, diese leidenschaftliche Abneigung ist seit meiner Kindheit nur noch gewachsen. Dieses erstaunliche Genie erhebt weniger als es vernichtet. Es hat zahllosen Snobs, Literaten und Dummköpfen erlaubt zu meinen, sie liebten die Musik, und einigen Künstlern zu glauben, Genie läßt sich erlernen. Deutschland hat vielleicht nie etwas gleichzeitig so Großes und Barbarisches hervorgebracht.‘
Am 25. Jänner vor 117 Jahren spricht André Gide, als er zu Richard Wagner befragt wird, bereits vom Barbarischenund damit auch von André Gide der Werkkern erkannt, Jahrzehnte vor der Realisierung des Barbarischen in der Wirklichkeit —
Politik als große Opernregie wurde Markenzeichen deutscher Weltmission, in der sich jeder einen Platz an der Sonne sichern konnte, der bereit war, bedingungslos mitzuspielen. Der Gröwaz, der größte Wagnerkenner aller Zeiten, liefert bis heute die Rechtfertigung für Untergänge als imposante Götterdämmerungen – überzeugend verwirklicht von 1939 bis 1945 im Weltformat.
Auch zu Kaiser Wilhelms Zeiten lag schon der Gedanken nahe, Wagners Opern als reales Weltgeschehen mit dezenten Hinweisen auf die Ideologie des großen Musikmythologen zu etablieren – beispielsweise als Festungsanlage „Siegfriedlinie“ gegen die Kräfte des europäischen Westens im Ersten Weltkrieg.
Einen ganz eigentümlichen Typus heutige Wagnerbehuldigung […] Einerseits protestiert sie in Kassel vehement gegen antisemitische Äußerungen von Künstlern, um andererseits anschließend in festlicher Pelle nach Bayreuth zu pilgern und dort dem Radikalsten aller deutschen Antisemiten zu huldigen. Zu verstehen ist das nur, wenn man voraussetzt, dass […] jegliche historische Kenntnisse zum Werkschaffen von Wagner fehlen. Derartige Ahnungslosigkeit durch mangelnde Bildung kennzeichnet einen großen Teil heutige linker, grüner, roter und schwarzer Positionäre.
Die willentliche, intentionale Rebarbarisierung ist leider kein einzigartiger Unfall deutscher Geschichte. Wäre sie das, bräuchte man das Wissen um die Bedrohung nicht ständig wachzuhalten. Offenbar zwingt die innere Dynamik von Machtregimes, totalitär zu werden, alle Gesellschaften wenigstens einmal, hoffentlich nur einmal das Schicksal Deutschlands selber durchzustehen. Das ist ja bereits unübersehbar. Der deutschen Ideologie wird heute weltweit auch von kleineren Potentanten gehuldigt – in einem Ausmaß, dass demokratisch, liberal und rechtsstaatlich verfasste Gesellschaften weltweit nur noch eine rare Minderheit sind. Was tun? Wir Deutschen jedenfalls sollten das deutsche 20. Jahrhundert widerrufen und die von Nietzsche formulierte Aufgabe einer schweren Entdeutschung auf uns nehmen.
Es ist nicht verwunderlich, dies nur nebenher gesagt, daß das Attentat auf den Österreicher nicht gelang, lief es doch unter der wagnerisch-hitlerischen Parole „Unternehmen Walküre“, und ein Unternehmen mit einer übernommmenen Parole ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, einem solchen Unternehmen fehlt von Anfang an der absolute Wille zum Erfolg.
lange davor kommende Entwicklungen zu erahnen, zu erfüllen, was herrschaftlich gewünscht sein wird, und dementsprechend rechtzeitig zu programmieren, nicht nur zu erahnen, nicht nur zu erfühlen, sondern stets auch
Es gibt nun bereits viele Befürchtungen, was sich alles ändern wird, wenn es zu dieser identitärschwarzen Regierung denn kommen sollte, die Wiener Staatsoper braucht sich nicht zu fürchten, die Wiener Staatsoper wird nicht über Nacht ihr Programm ändern müssen, sie wird nicht gleich Körner in ihr Programm aufnehmen müssen, von einem Tag auf den anderen,
mit Richard Wagner hat die Wiener Staatsoper bereits und lange schon auch für solch eine Regierung das größte Programm aller Zeiten …
Bei Kleinkindern wird, vor allem wenn sie ein sogenanntes unanständiges Wort sagen, gleich gefragt, woher haben sie das bloß. Erziehungsberechtigte von Unmündigen sagen, wenn diese ein sogenanntes unanständiges Wort sagen, sofort, jedwede Schuld von sich weisend, von ihnen, ihren Erziehungsberechtigten, hätten sie das nicht …
Fast elf Jahre war Alice Weidel, also in der AfD, als
Weidel zitiert Ignazio Silone: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘ Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus'“.
Als Zusammenfassung am Ende kann gesagt werden, die Partei dieser Kameradinnen und dieser Kameraden hat in diesen zwölf Jahren seit ihrer Gründung alles, was sie an Stoff brauchte, aus Österreich bekommen, besonders von einer Partei, und sie kann mittlerweile den Stoff derart in- und auswendig, daß sie sich mit Stolz erste Wiedergängerin auf ihren Ehrenschild schreiben darf,
in dem, so die Befürchtung, noch und nur das gehört werden wird, was am 1. Jänner 2025 im Musikverein zur Mittagsstunde gespielt wurde, während das Orchester gemäß Programmzettel u. a. „Die Planeten“ spielt,
Es war der Gebirgstraumgänger, der am 4. Jänner 2021 auf der Konzernplattform Meta schreibt:
Mein Kampfauftrag für 2021 lautet: „K[…] muss weg“! Es hat schon viel zu viele totalitäre Entwicklungen und autoritäre Anwandlungen gegeben.
Wenn der von einer Haus- und Hofkanzlerei Träumende sich selbst ernst nimmt, und einmal wirklich ganz ehrlich sein will, dann kann er nur eines tun, sich selbst und allen zurufen: „Ich muß weg!“
Aber es darf menschgemäß nicht nur beim Zurufen bleiben, wenn es von ihm tatsächlich ehrlich sein soll, dann muß er auch selbst weggehen, sich selbst entfernen, und es können ihm, so viel Empathie muß ihm entgegengebracht werden, dabei alle helfen, das „Ich muß weg“ rasch zu verwirklichen.
Was wäre das doch für ein heroischer „Kampfauftrag“ für 2025 an ihn selbst, wenn er das „Ich muß weg!“ für sich real umsetzte, vier Jahre später endlich realisierte, wer würde ihm nicht dafür Tribut zollen, und noch mehr Tribut, wenn es noch und schon im Jänner 2025 von ihm getan werden würde, er weg wäre, ein neues Leben begänne, vielleicht in den Bergen, als Bewohner eines Berghofs, mit all den schönen Aussichten auf Almen und Berge ringsum sein Steinhaus, endlich ohne lange Anfahrten, um in die Bergwände zu steigen. Vielleicht wäre das für ihn kein Ändern seines Lebens, kein Beginnen eines neuen Lebens, sondern, einfach wie kurz gesagt, eine Rückkehr in ein für ihn von ihm selbst als passend empfundenes Dasein …
An Selbstbewusstsein mangelt es dem FPÖ-Chef jedenfalls nicht, in seinem Auftritt ließ er verbal die Muskeln spielen, und es passt zum Bild eines Menschen mit autoritären Anwandlungen, dass keine Fragen zugelassen waren. Es gilt, was er spricht, daran soll niemand rütteln.
Das schreibt am 8. Jänner 2025 in der Tageszeitung des österreichischen Qualitätsstandards Michael Völker.
Das darf wohl als scharfe Kritik an diesem Menschen verstanden werden.
Nur, was für Anwandlungen sonst als autoritäre soll dieser Mensch in Österreich haben? Wurden nicht gerade in den letzten Jahren vermehrt Auftritte vor Medien von Menschen mit der Direktive „Keine Fragen zugelassen“ erlebt, deren Gesprochenes zu gelten hat, daran niemand zu rütteln hat?
Etwa im Mai 2022: „Köstinger war da seltener genannt worden, seit sie den Umstieg von Kurz zu Nehammer politisch überlebt hatte. Heute betonte sie in einer „persönlichen Erklärung“, bei der keine Fragen zugelassen waren[.]“
Etwa im Mai 2019: „Kanzler Kurz bleibt Antworten schuldig – keine Fragen zugelassen“ —
Etwa am 3. Jänner 2025: „Nach der Pressekonferenz mit Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger in der Parteizentrale am Wiener Heumarkt waren zwar keine Fragen zugelassen –“
Etwa im Jänner 2023, Franz Schnabl: „Fragen waren im Anschluss an die Erklärung nicht erlaubt.“
Etwa im November 2024, Georg Dornauer: „Der Noch-Landeshauptmannstellvertreter machte in dem Statement, nach dem keine Fragen zugelassen waren[.]“
Etwa im Mai 2019, Rubina Möhring: „Derzeit ist die Empörung sehr groß, dass bei den Pressekonferenzen keine Fragen gestellt werden durften. Das ist schon sehr autoritär und geht einfach gar nicht. Kurz macht das genauso wie Strache, Hofer und Kickl. Und das ist das Gefährliche an dieser Praxis: Diese Überheblichkeit von Politikern gegenüber demokratischen Grundrechten. Ungarn ist sehr nahe.“
Und wurde nicht gerade in den letzten Tagen das „Keine Fragen“ zur Staatsdoktrin, wenn der Hofburginformationsbote zwar freundlich seine Verkündigungen den Medien diktierte, jedoch Fragen zu stellen nicht gewährt wird, ganz nach der scharfen Kritik von Michael Völker: „Es gilt, was er spricht, daran soll niemand rütteln.“
Es werden Ihnen selbst wohl noch viele weitere Auftritte von Menschen in hohen und höchsten verantwortungsvollen Positionen vor Medien einfallen, von denen Ihnen in Erinnerung geblieben sein wird, als das Bleibende, es waren keine Fragen zugelassen.
„Keine Fragen zugelassen“, auch ein Kriterium, das verstehen läßt, welchen Platz Österreich in puncto Pressefreiheit inzwischen international einnimmt, wie im Mai 2024 zu erfahren war: „Österreich steigt in puncto Pressefreiheit in Europa weiter ab“ —
Und ohne daß der Gebirgeläufer bereits in die Position gelangt ist, der Pressefreiheit in Österreich gänzlich den Garaus in orbánischer Manie zu machen —
Bei all dem ihm zum Vorbild in Österreich Vorgelebte, ist die Versuchung groß, das von Michael Völker heute Geschriebene ein wenig anzupassen, für Österreich passender zu formulieren — Patinnen dafür sind auch und nicht nur die oben erwähnten Beispielgeber:
An Selbstbewusstsein mangelt es dem Österreich jedenfalls nicht, in seinem Auftritt läßt es verbal die Muskeln spielen, und es passt zum Bild eines Österreichs mit autoritären Anwandlungen, die keine Fragen zulassen. Es gilt, was es spricht, daran soll niemand rütteln.
96jährige Ursula Haverbeck verstorben — unmittelbar vor Haftantritt Haverbeck wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, weil sie laut Gericht „Volksverhetzung begangen“ habe. Das Gericht warf ihr vor, den Holocaust zu leugnen. Jetzt ist Ursula Haverbeck tot. Sie verstarb, noch ehe sie die Haft antreten musste. Sie hatte mir ein Interview zugesagt, es hätte unmittelbar vor Haftantritt stattfinden sollen. Es sollte bei dem Interview nicht um verbotene Inhalte oder Geschichte gehen. Ich wollte als Journalist jene 96-Jährige sprechen lassen, der gerichtlich das Sprechen verboten wurde und die aufgrund der ihr attestierten Gefährlichkeit wiederholt ins Gefängnis sollte. Mich beschäftigt die Frage, die seit der Inquisition an Aktualität nicht verloren hat: Warum schwört der als Ketzer verfolgte nicht ab, um sein Leben zu retten? Warum setzte sich die als „Nazi-Oma“ (so titelte „Der Stern“) verspottete Frau dieser Verfolgung in vollem Bewusstsein aus? Haverbeck sagte schon 2007 vor dem Landgericht in Dortmund: „Wir leben gar nicht in einer echten Demokratie, was man schon daran erkennen kann, daß alle Angst haben. Die Herrscher haben vor dem Volk Angst, deshalb gibt es Maulkorbgesetze, und das Volk hat vor den Regierenden Angst, deshalb wagt es nicht zu sagen, was es denkt.“ Wie sehr die Justiz instrumentalisiert ist, sieht man auch daran, dass in anderen Fällen unverständliche Milde angewandt wird. Etwa bei Vergewaltigern, Mördern… oder beim Hamburger Cum-ex-Bankier Christian Olearius. Er soll einen Steuerschaden von 280 Millionen Euro verursacht haben. Das Gericht stellte das Verfahren einfach ein, weil der Mann zu hohen Bluthochdruck hätte…. bei Haverbeck war man nicht so gnädig. Ich wollte herausfinden, warum? Jetzt kann sie nicht mehr für sich sprechen und das Gericht kann beruhigt die Akten schreddern.
Ursula Haverbeck, habe ihm, Stefan Magnet, ein Interview zugesagt, aber der Tod, so gütig dieser gegen Ursula Haverbeck war, sie vor dem „Knast“ zu retten, so ungerecht war dieser zu Stefan Magnet, der von ihr keine Antworten mehr bekam, auf die ihn gar recht beschäftigenden Fragen zu „Inquisition“, „Ketzer“ …
Da Stefan Magnet dies von Ursula Haverbeck zitiert, darf angenommen werden, es findet seine ungeteilte Zustimmung: „„Wir leben gar nicht in einer echten Demokratie, was man schon daran erkennen kann, daß alle Angst haben.“
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