„Wer am meisten brüllt, sind die Österreicher“

»6. – 11. September 1937. Noch klarer wird es am nächsten Tag. ›Das riesige Stadion ist schwach beleuchtet von Scheinwerfern, welche die massigen, unbewegten Bataillons der braun gekleideten SA gerade noch erkennen lassen.‹ Mittendurch ein Korridor vom Eingang des Stadions zur Tribüne des Führers. Der um Punkt acht erscheint. Rauschender Beifall, ›wer am meisten brüllt, sind die Österreicher‹. Zahllose Scheinwerfer gehen mit einem Schlag an, gen Himmel gerichtet. ›Tausend blaue Säulen umgeben ihn jetzt wie ein geheimnisvoller Käfig.‹«

„Wer am meisten brüllt, sind die Österreicher.“ 1937. Nürnberg.

Roberto Calasso zitiert Brasillach in seinem Buch „Das unnennbare Heute“ im Kapitel – „Wiener Gasgesellschaft“ …

Robert Brasillach, ein französischer Schriftsteller, der mit dem Reich kollaborierte, 1945 hingerichtet wurde.

Vor zweiundachtzig Jahren brüllten also die Österreicher am meisten, in Nürnberg, sie brüllten Adolf Hitler nicht nieder, das Brüllen war ihr Jubel für ihren Führer. Vor achtzig Jahren verkaufte die Wiener Gasgesellschaft jüdischen Menschen kein Gas mehr und vor einhundertzwölf Jahren wehte im Oberösterreichischen bereits die Hakenkreuzfahne …

Und was ist Brasillach geworden? Nun, dem kann wieder begegnet werden. In diesem Heute, einem Heute, das in Österreich ein recht benennbares Heute ist …

Vielleicht hat sich ein Innenminister, der seinen Stuhl nicht freiwillig räumte, sogar ein Buch von ihm mitgenommen, Gelegenheiten dafür wohl mehr als eine, etwa die auf dem Kongreß …

Hatte doch der einst montagsgemachte und kurz danach seinen Stuhl zu räumende Innenminister die Ehre, Referent zu sein, wie der Verleger von Brasillach …

Mit dem Verleger also die Ehre geteilt, auf einem Kongreß zu sprechen, mit einem Verleger, dem „Südtirol ein symbolischer Startpunkt für einen Eurofaschismus“ … mit einem Verleger die Ehre geteilt, gemeinsam einen Kongreß zu bespielen, der beseelt vom „Wiederbeleben des Faschismus“

Mit einem Verleger die Kongreßehre geteilt, der im Gegensatz zum zurzeitigen Obmann dieser Partei in Trauer ob des verlorenen Innenministerstuhls antwortet, aber dem nicht widerspricht: „Jeder Erfolg der FPÖ bringt uns dem Ziel näher: den Faschismus wiederbeleben.“

Übrigens, das nur kurz nebenher: Der zurzeitige Obmann wollte einst auch Innenminister werden … Ach, was wollte dieser nicht schon alles werden, auch Schutzherr von … geworden ist er schließlich, aber auch das nicht gewiß, ein Bauchredner oder eine Bauchrednerpuppe …

„Wie viele Intellektuelle seiner Generation zeigte sich Brasillach jedoch zunehmend von der dynamischen und vitalen Inszenierung des Faschismus beeindruckt.“

Das ist auf des Verlegers Seite zu lesen, kein Satz aber, der vor über achtzig Jahren geschrieben wurde, sondern im benennbaren Heute …

Brasillach beeindruckt in diesem gesinnungsgemäß benennbaren Heute auch eine so „normale Partei“ in Frankreich, wie die hoferische eine „normale Partei“ ist …

Kurz sich zu halten, das immer wieder sich vorsagen. Sonst noch eine Ausweitung dieses Kapitels, etwa auf Höcke – nein, dann müßte auch noch von dem jungen Mann erzählt werden, der seinen Stuhl nicht und nicht selber räumen wollte …

Daher. Um rasch zu einem kurzen Schluß zu kommen, nur noch festhalten: die Patriotismusformel der hoferischen Partei ist auch von Frankreich her recht gut ableitbar …