Verharmlosungsräderschlagende Werbung

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Nie weg vom Ursprung – Verharmlosung, die weitergeht

Menschgemäß gehört es wohl dazu, daß um die Osterwoche in der Werbung vor allem Eier vorkommen.

Ostern, das Fest der Eier.

Ostern, das Gedenken – jedenfalls wird es so verkauft – eines Martyriums vor etwa zweitausend Jahren.

Dabei ist Ostern das Martyrium der Gegenwart. Die Blutzeugen, also die Märtyrer dieses Martyriums: Küken.

Wie viele Küken werden wohl europaweit allein in der Osterwoche „geschreddert“, „vergast“? Allein in Deutschland sind es in einem Jahr fünfzig Millionen. In Österreich waren es in einem Jahr über neun Millionen. Das sind weit mehr, als in Österreich Menschen leben.

Und wie wird das in der Werbung dargestellt, diese harte und brutale Wirklichkeit?

Menschgemäß hat Werbung nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Werbung erzählt nichts von der harten und brutalen Wirklichkeit. Werbung erzählt nicht einmal etwas von der wahren Wirklichkeit der beworbenen Produkte.

Es könnte also unerwähnt bleiben. Das ist der Ursprung der Werbung, der eben weitergeht.

Und doch erzählt Werbung sehr viel, wenn auch ungewollt, von dieser harten und brutalen Menschenwirklichkeit.

Etwa die Werbung über Küken.

Ein gar lieber Mann mit großväterlichem Bart, wer will es ihm verübeln, antwortet einem Kind nicht mit der brutalen und harten Wirklichkeit, sagt also nicht, männliche Küken werden massenweise, also industriell ermordet, er vermeidet zu sagen, sie werden vergast, geschreddert, verharmlosend sagt er, sie werden normalerweise nicht großgezogen. Aber er spricht nicht zu dem Kind, die Empfänger seiner Antwort sind die Menschen vor den Fernsehapparaten, Erwachsene, Kinder werden wohl auch davor sitzen, aber vor allem Erwachsene sind seine Angesprochenen, und alle werden vor den Apparaten zu Kindern gemacht, die nicht mit der harten und brutalen Wirklichkeit erschreckt werden dürfen. Denn. Sie könnten überhaupt den Trieb zum Konsumieren verlieren. Und, bei Hahn im Glück, dürfen sie, keine Sorge, leben, die männlichen Küken – Herr über Leben und Tod, die tägliche Auferstehung Gottes in der Werbung, zu richten, wer leben und wer nicht leben darf, und siehe, sie gibt ihnen den Namen Hans, auf daß sie leben, bis …

Der industrielle Massenmord schön verpackt in der Formulierung, sie werden normalerweise nicht großgezogen …

Und es gibt für die industriell ermordeten männlichen Küken den harmlosen Begriff, der in dieser Werbung mit dem lieben Mann mit großväterlichem Bart nicht vorkommt: „Tagesküken“.

Tagesküken, das erinnert an Eintagsfliegen. Als hätte die Natur selbst für männliche Küken einen „normalen“ Lebenszyklus von wenigen Minuten bis höchstens ein paar Tage vorgesehen. Die Natur selbst Hähnen keinen längeres Leben zugedacht.

Tagesküken – so wird industrieller Massenmord dem Menschen leicht.

Und es wird dem Menschen Werbung mit industriellem Massenmord leicht.

Wie viele Firmen bieten „Tagesküken“ als Nahrung etwa für Katzen an. Und geworben wird hierfür mit „tiergerechter“ Nahrung. Auch dafür gibt es einen Begriff: „Barf“. Ach, und wie viele Mitläuferinnnen und Mitläufer gibt es, die freiwillig und ohne für sie selbst erkennbaren finanziellen Gewinn, Videos im Internet verbreiten, mit Ratschlägen zur tiergerechten Ernährung, so selbstverständlich von „Tagesküken“ als Nahrung für die geliebte Hauskatze sprechen, dabei sogar ethische Fragen ansprechen. Aber. Katzen sich selbst von Mäusen ernähren zu lassen. Wie schrecklich. Das ist doch unappetitlich. Was das doch für einen blutigen Dreck im schön reingeputzten Einfamilienhaus macht. Hingegen mit Tagesküken. Das ist ordentlich, sauber, können schön verpackt erworben und nach Hause gebracht werden, kein Blutstropfen auf dem blankgeputzten Boden. Und. Tagesküken, ein Leckerbissen für jede Katze.

Es schaudert, derartige Videos im Internet zu sehen. Wie Menschen, gar so um tiergerechte Behandlung besorgt, Ratschläge zur Tierernährung geben, etwa mit Tagesküken, also mit industriell massenweise ermordeten Tieren.

Sobald der Mensch verharmlosende Begriffe für sich findet, ist er bereit, jedwedes Lebewesen der industriellen Massenvernichtung auszusetzen. In der Vergangenheit und weiter in der Gegenwart.

Das ist die eine Verharmlosung, die direkt und unmittelbar in der Werbung zelebriert wird.

Und es gibt eine weitere Verharmlosung.

Diese Verharmlosung kommt zum Einsatz als Reaktion auf Kritik an einer Werbung, die Ungeheuerliches in sich birgt.

Etwa die Werbung für Knabbergebäck. Für dieses wird kein harmloser Name gefunden. Es wird einfach „Zigeunerräder“ genannt, seit Jahrzehnten. Und die Verharmlosung in diesem Fall ist die Antwort auf Kritik an einem solchen Produktnamen, an einer solchen Werbung für ein Produkt mit solch einem Namen. Ach, wie harmlos alles gedacht, so fällt die verharmlosende Antwort aus, nie sei daran gedacht, politisch Stellung zu beziehen, nie sei daran gedacht, beleidigen zu wollen, nie sei daran gedacht, gegen „Randgruppen“ und so weiter und so fort.

Zusammengefaßt. Zwei Verharmlosungen, die miteinander korrespondieren. Einerseits die Verharmlosung  direkt in der Werbung, also die liebliche Umschreibung eines industriellen Massenmordes, anderseits die Verharmlosung in der Antwort auf die Kritik auf ungeheuerliche Produktnamen mit dazugehöriger Werbung. Einerseits die Schonung des konsumierenden Menschen durch die Werbung, die nicht von der harten und brutalen Wirklichkeit zu ihm sprechen will, anderseits keine Schonung durch Produktnamen und dazugehöriger Werbung von Menschen, deren Vorfahren und Vorfahrinnen selbst durch industrielle Massenvernichtung ermordet wurden.

„Österreich in Angst! Wie viele Fs gibt es noch?“

Das ist eine Schlagzeile, die könnte vor allem die gleichnamige Umsonst jetzt bringen, und diese wäre nun einmal nicht unberechtigt. Wenn an das ganze Geschehen, besser, nein, schlechter, Nichtgeschehen um den zweifachen Mörder F gedacht wird, an das Nichthandeln vor den Morden.

Wie viele Fs laufen noch in Österreich herum? Vor allem von den Fs, die gekannt werden, von denen gewußt wird, sie könnten eines Tages ebenso mörderisch gefährlich werden, wie es jetzt der F im Steiermärkischen wurde. Es wäre gendergerecht, auch von den weiblichen Fs zu sprechen; aber statistisch gesehen nicht angebracht, und auch im Hinblick auf die Verhaltensauffälligkeit mit Bedrohungspotential in den „SM“ fallen Frauen nicht wirklich ins Gewicht. Es sind die Männer, es sind die Fs.

Es fallen die Kapitel ein, in denen von potentiellen Fs berichtet wird, von ihren blutrünstigen Phantasien …

„ich sags mal unzensuriert: 9mm, Kopfschuss, Steinigung, galgen, öffentlich zur schau stellen“

Franz Dinghofer sucht für IS Bombenziele in Österreich aus

„Begrabt sie bis zur Hüfte … und dann los.“

„Ich will Krieg“

„Jelinek eine Hinfahrkarte ins nächste Krematorium samt ‚bevorzugter‘ Behandlung“

„Schickt die Lesben, Schwulen und Perversen in den Steinbruch!“

„Haifisch auszuwildern“

„Unsere Hools“

Hoffnung „auf einen Stauffenberg gegen Angela Merkel, der genauer arbeitet als sein Vorgänger“

„Für Faymann und Merkel schon real ein Erdloch ausgehoben“

„Abgeschlachtet-Recht-so“

„Vierteilen“

„Hängt das Arschloch auf“

„Schießbefehl“

„Nackt, ins Straflager nach Sibirien!“

Das sind nicht alle Kapitel. Aber es reicht, um jetzt, wieder einmal, in diesem Land, in Österreich es tatsächlich mit der Angst … Es will gar nicht von Prozentsätzen der potentiellen Fs in Österreich gesprochen werden, wie es in dieser Woche Kurt Seinitz tat, als er davon schrieb, die Integration habe versagt …

Es gab schon einmal einen F, der in Österreich Angst und Schrecken verbreitete, der mordete, mit Bomben. Das war auch zu der Zeit, als sich eine Gemeinschaft in Österreich für eine nicht allzu lange Zeit in „F-Bewegung“ umbenannte … Und sie spielte dabei keine rühmliche Rolle, wie vielleicht doch noch erinnerlich, der damalige Obmann höchstpersönlich wollte die „Mörder“ aus dem Kreis der Ermordeten haben, nur nicht die „Bajuwarische Befreiungsarmee“, die, wie sich später herausstellte, aus einem Mann, aus einem F bestand.

Kann es Ironie genannt werden, daß der Name des Mannes, der im August 2017 in Charlottesville durch Überfahren eine Frau tötete, mit F beginnt? Der Anlaß war eine rechtsextreme Demonstration, die Frau, die er tötete, demonstrierte gegen Rechtsextremismus. Der Mann heißt – noch eine Ironie? – Fields … Felder. Es verband ihn anscheinend viel mit der Scholle, freilich mit der Scholle jenseits des Atlantiks, mit seinem starken Interesse an Hitler und Nazi-Deutschland.

Ist das noch eine Ironie, daß es im Zusammenhang mit dem nun zum Mörder gewordenen F im Steiermärkischen einen Vulgo-Namen „Wolfmichl“ … Kurt Seinitz schrieb in dieser Woche von der Type des „einsamen Wolf“, freilich, seine „einsamen Wölfe“, für die er nichts übrig hat, heißen nicht „Michl“ …

Wie viele Fs gibt es in Österreich

PS Es ist in diesen Kreisen recht beliebt, wenn ein Anschlag passiert, also von den seinitzschen „einsamen Wölfen“, Politiker und Politikerinnen schuldig zu sprechen … wie leicht könnte das auch bei den Fs der Vergangenheit und Gegenwart gemacht werden. Aber nicht einmal der Reflexmuskel erlaubt sich diese Schäbigkeit, diese Niedrigkeit und damit auch die gesinnungsgemäß dazugehörende Blutrünstigkeit …

„Nürnberg 2.0: Bewerbungen als Henker nehmen wir gerne an“

 

Stets bäuchlings, geschrieben in Österreich – Trilogie der Schmutzromane mit Epilogen und Appendix

Der dritte Roman stellte gar keine Fragen mehr. Befreit von allem. Auch davon, einen Klappentext noch zur Gänze eigens verfassen zu müssen. Denn. Dieser Roman nimmt sich, was er für seinen Klappentext zu benötigen meint, einfach aus dem von Demur,

Demur - Ein Schmutzroman - Bernhard Kraut - 2015

dem zweiten Schmutzroman, dessen Klappentext sich so ganz nebenher noch eine Korrektur gefallen lassen muß. Ist in diesem die Rede davon, der dritte und letzte Schmutzroman wird „Österreich“ heißen, ist nun sein Titel „Prono ever, geschrieben in Österreich“.

Prono ever geschrieben in Österreich - Roman - Bernhard Kraut

Ein genauerer – muß zugestanden werden – und passenderer und somit der einzig richtige Titel, auch deshalb, weil dieser ihn weder als einen positiven noch negativen Heimatroman ausweist. Denn. Stets bäuchlings ist trotz der in Österreich bevorzugten Körperstellung keine spezifisch österreichische Haltung und schon gar nicht eine ureigene österreichische Schöpfung, die einen Titel Österreich je rechtfertigte … das könnte bloß von einem Menschen geschrieben werden, der beispielsweise diesem Land in Liebe oder Haß oder in Haß und Liebe … Weder patriotischen noch nicht-patriotischen Menschen kann und wird dieser Roman je in irgendeiner Form …. Geschrieben in Österreich, das trifft es exakt.

Eine zweite Korrektur muß sich Demur gefallen lassen. Wirklichkeit wird durch Gegenwart ersetzt. Das trifft es auch genauer. Denn. Geschrieben von und vor allem, mehr, ausschließlich für die Gegenwart, und nicht für die Geschichte … Es ist tröstlich, eine zweite Niederlage und die Beschämung je nicht mehr erleben zu müssen, Material für die Aufarbeitung der … Von der Gegenwart irgendwo in der Welt aufgestellt, auf einem Flecken, der allein schon im Erdenzeitenlauf für eine lächerlich kurze und im Multiversum in nicht einmal meßbarer Zeit Österreich heißt, willkürlich, zufällig, bedeutungslos. Kein Zorn deshalb gegen die Gegenwart. Keine Dankbarkeit deshalb gegen die Gegenwart. Es ist ohne Belang. Es kann geblieben werden, wo auch immer, es kann weggegangen werden, von wo auch immer und wohin auch immer – es ist einerlei. Deshalb damit je zu hadern … das ist immer ein Grund, in der Sekunde das Leben aufzugeben.

Im Gegensatz zu Demur hat Stets bäuchlings, geschrieben in Österreich auch nichts mehr übrig für Veröffentlichungskonventionen, für Traditionen des Publizierens. Der dritte Schmutzroman verzichtet soher auch auf ein Titelblatt, und ebenfalls auf den Klappentext – die Gegenwart hat keine Vorderseite und keine Rückseite, keinen Schutzumschlag, sie schlägt als Wirklichkeit …

Es wird hier von einem zweiten und einem dritten Schmutzroman geschrieben. Dann muß, darf zurecht angenommen werden, es doch auch einen ersten Schmutzroman gegeben haben. Ja, den gibt es. Es ist „Gefangen, auch im Erinnern“.

Gefangen auch im Erinnern - Schmutzroman

Die erste Auflage war, wie zu erinnern ist, noch keine Schmutzausgabe – ganz traditonell und konventionell von einem Verlag herausgebracht und brav mit einer hehren Idee präsentiert im österreichischen Parlament … Die Fortschreibung aber dieses Romans, wie gelesen werden kann, ist bereits auf dem Weg zum Schmutzroman, nicht nur von seinem Inhalt her, sondern auch von seiner Nichtgestaltung, von dem Unwillen, für eine zweite und also erweiterte Auflage einen Verlag je noch …

So fügen sich nun diese drei Romane in der Auflösung zu einer Trilogie der Schmutzromane … Die Gegenwart stieg also noch einmal ein, zum dritten Mal, mit ihren Menschen, die aus dieser Gegenwart gekannt werden, die sie zu den Figuren ihres Romans machte. Die Gegenwart stieg auch wieder aus, zum dritten Mal. Es wird der Gegenwart aber kein vierter Einstieg mehr … Genug von dem Diktat der Gegenwart.

Es sind noch Romane diesseits der, auch dieser Gegenwart zu schreiben, vor allem der für Jahre unterbrochene Roman ohne einen, wie es traditionell und konventionell genannt wird, Inhalt, und in einer Sprache, die kein Mensch auf dieser Welt spricht, ist wieder hervorzuholen, zu einem Abschluß zu bringen – der erste wirkliche und begehbare Roman für alle Lebewesen … In 1155 Kapiteln Seiten erzählt die Gegenwart in Prono ever, written in Austria von einer Gegenwart, die naturgemäß, aber auch menschgemäß nicht die einzige ist, die es gibt, mit diesen ihren Menschen. Soher die angemessenste Form, einen Zeitroman noch zu schreiben, also nichts mehr zu konstruieren, nichts mehr zu erfinden, nichts mehr sich auszudenken, um etwas über die Gegenwart noch zu sagen, sondern es der Gegenwart zu überlassen.

Prono ever, geschrieben in Österreich war von seiner ersten Zeile an nie etwas anderes als ein Roman. Wenn auch fälschlicherweise angenommen wurde, es handle sich um einen „Blog“. Es wurde zwar die Technik verwendet, die üblicherweise für einen Blog verwendet wird, aber es wurde niemals daran gedacht, einen Blog zu schreiben, sondern immer nur daran, diesen Roman schreiben zu lassen. Wenn „Roman en carte postale“

Kraut Bernhard roman en carte postale

erschienen sein wird, mit dem dann endgültig die Technik, die sonst für Blogs verwendet wird, aus dem Haus geschafft sein wird, wird genauer verstanden werden können, weshalb diese Technik für diesen, aber nicht nur für diesen Roman ihren Reiz, mehr noch, ihre Notwendigkeit und Berechtigung hat. Zugleich muß noch geschrieben werden, daß Prono ever niemals, wie angenommen werden könnte, als Fortsetzungsroman gedacht war. Das hätte einer Zuversicht, aber auch eines Planes für Jahre bedurft. Das gibt es nicht. Die Zuversicht. Die Pläne. Die Jahre.

Das ist die Gegenwart. Und in dieser sind weitere, etwa die elende Gegenwart der Vorhaben, der zurückgestellten Werke, für deren Ausführungen noch Jahre oder Jahrzehnte veranschlagt werden, um beispielsweise vielleicht diesen noch, möglicherweise wenigstens noch diesen sprachlosen und inhaltslosen … Und was auch diesen Zeitroman zu einem Schmutzroman macht, ist menschgemäß zuerst die Gegenwart, die ihn schrieb, und dann auch die Technik, mit der seine 1155 Kapitel in ein Buch überführt wurden. Die Konvertierungsprogramme gehören ebenfalls zur Gegenwart und erzeugen durch die Fehler, wie sie durch die automatisierte Konvertierung passieren, ein weiteres Bild der Gegenwart. Von der Gestaltung her ist der Roman schmutzig, durch die automatisierte Konvertierung sind zahlreiche Fehler in den Roman gekommen, die es davor nicht gab.

Freilich. Alles hätte händisch bereinigt werden können. Die Fehler hätten händisch korrigiert werden können. Der Roman hätte händisch ansehnlich gestaltet werden können. Aber damit wäre bloß die schmutzige Gegenwart beschönigt und also verfälscht worden.

Es wurde eine ISBN-Nummer – 978-7375-3650-9 – angefordert, um unter dieser Prono ever, written in Austria für immer auffindbar und bestellbar zu machen … Das allerdings wäre absurd, die Gegenwart läßt sich unter keiner Nummer finden und bestellen. Mit einer Veröffentlichung von Stets bäuchlings als sogenanntes E-Book unter dieser Nummer bei diesem Unternehmen, bei dem die ISBN-Nummer erworben wurde, hätte wohl mit der Zeit Geld eingenommen werden können. Aber mit dieser Gegenwart, wie sie sich in Prono ever zeigt, will kein Geld verdient werden. Es ist eine Gegenwart, die nicht zu bestellen, sondern abzubestellen ist, und das geht nicht über eine Nummer, sondern …

Aber um etwas abbestellen zu können, ist es auch notwendig, es zu kennen, sich also in diese schmutzige Gegenwart zu begeben … Aus diesem Grunde ist es hier veröffentlicht – als Einstieg zum Ausstieg:

Trilogie der Schmutzromane

Gefangen, auch im Erinnern

Demur

Prono ever, written in AustriaProno ever written in Austria Epilogues - BK

Epiloge – Stets bäuchlings, geschrieben in Österreich

Appendix

Satzbuch der Tage des Herrn Underberg

Tagebuch Underberg - Unterberger AndreasEs hat nicht alles aus dieser Gegenwart Aufnahme gefunden. So fand ein langes Kapitel dieser Gegenwart der Diktate zu Aussagen von und zu einem Journalisten, der in Österreich einen gewissen Ruf hat, auch den, ein (ja sogar ein großer) Journalist zu sein, keinen Eingang … Auch deshalb, darf vermutet werden, weil dieses von den Schmutzromanen ohnehin durchgeschleust worden wäre – direkt zum Ausgang …

Trilogie der Schmutzromane mit Epilogen und Appendix

Demur – Ein Schmutzroman

Bei diesem Roman war es nicht notwendig, zu fragen, wer sollen die Figuren sein, wann und wie den Roman beginnen, wann und wie und mit wem den Roman enden lassen. Die Wirklichkeit sorgte für den Einstieg. Menschen, die aus dieser Wirklichkeit gekannt werden, sind die Figuren dieses Romans. Die Wirklichkeit sorgte auch für den Ausstieg. Im Gegensatz zum dritten und letzten Schmutzroman „Österreich“ will aber Demur – unsicher und zaghaft, noch nicht bereit, den letzten Schritt zu gehen, das Romanhafte also endgültig hinter sich zu lassen – sich selbst noch als Roman zu erkennen geben, mit dem Schluß, der das Rätsel löst, worum es sich bei Demur handelt, nämlich um einen Roman.

Demur - Ein Schmutzroman - Bernhard Kraut - 2015In 482 Kapiteln Seiten erzählt die Wirklichkeit in Demur von einer Wirklichkeit, die naturgemäß, aber auch menschgemäß nicht die einzige ist, die es gibt, mit diesen ihren Menschen. Soher die angemessenste Form, einen Zeitroman noch zu schreiben, also nichts mehr zu konstruieren, nichts mehr zu erfinden, nichts mehr sich auszudenken, um etwas über die Wirklichkeit noch zu sagen, sondern es der Wirklichkeit zu überlassen.

Demur war von seiner ersten Zeile an nie etwas anderes als ein Roman. Wenn auch fälschlicherweise angenommen wurde, es handle sich um einen „Blog“. Es wurde zwar die Technik verwendet, die üblicherweise für einen Blog verwendet wird, aber es wurde niemals daran gedacht, einen Blog zu schreiben, sondern immer nur daran, diesen Roman schreiben zu lassen. Wenn „Roman en carte postale“ erschienen sein wird, mit dem dann endgültig die Technik, die sonst für Blogs verwendet wird, aus dem Haus geschafft sein wird, wird genauer verstanden werden können, weshalb diese Technik für diesen, aber nicht nur für diesen Roman ihren Reiz, mehr noch, ihre Notwendigkeit und Berechtigung hat. Zugleich muß noch geschrieben werden, daß Demur niemals, wie angenommen werden könnte, als Fortsetzungsroman gedacht war. Das hätte einer Zuversicht, aber auch eines Planes für Jahre bedurft. Das gibt es nicht. Die Zuversicht. Die Pläne. Die Jahre.

Und was diesen Zeitroman zu einem Schmutzroman macht, ist menschgemäß zuerst die Wirklichkeit, die ihn schrieb, und dann auch die Technik, mit der seine 482 Kapitel in ein Buch überführt wurden. Die Konvertierungsprogramme gehören ebenfalls zur Wirklichkeit und erzeugen durch die Fehler, wie sie durch die automatisierte Konvertierung passieren, ein weiteres Bild der Wirklichkeit. Von der Gestaltung her ist der Roman schmutzig, durch die automatisierte Konvertierung sind zahlreiche Fehler in den Roman gekommen, die es davor nicht gab.

Freilich. Alles hätte händisch bereinigt werden können. Die Fehler hätten händisch korrigiert werden können. Der Roman hätte händisch ansehnlich gestaltet werden können. Aber damit wäre bloß die schmutzige Wirklichkeit beschönigt und also verfälscht worden.

Es wurde eine ISBN-Nummer – 978-7335-3649-3 – angefordert, um unter dieser Demur für immer auffindbar und bestellbar zu machen … Das allerdings wäre absurd, die Wirklichkeit läßt sich unter keiner Nummer finden und bestellen. Mit einer Veröffentlichung von Demur als sogenanntes E-Book unter dieser Nummer bei diesem Unternehmen, bei dem die ISBN-Nummer erworben wurde, hätte wohl mit der Zeit Geld eingenommen werden können. Aber mit dieser Wirklichkeit, wie sie sich in Demur zeigt, will kein Geld verdient werden.

Es ist eine Wirklichkeit, die nicht zu bestellen, sondern abzubestellen ist, und das geht nicht über eine Nummer, sondern …

Aber um etwas abbestellen zu können, ist es auch notwendig, es zu kennen, sich also in diese schmutzige Wirklichkeit zu begeben … Aus diesem Grunde ist Demur hier veröffentlicht – als Einstieg zum Ausstieg:

Demur – Ein Schmutzroman