Kurz zur medialen Empathie

Es ist nicht zum ersten Mal, daß mediale Schlampigkeit identitären Mandatarinnen und Funktionären zum Vorteil gereicht, es ihnen leicht macht, sich als mediale Opfer darzustellen, wie nun eben wieder einmal der Fall Kurzmann es zeigt.

Der steirische Landtagspräsident III aus der identitären Partei kann nun, kurz zusammengefaßt, Richtigstellungen verlangen, mit Klagen drohen, und gesinnungsgemäß bekommt er auch von der gesinnungsgemäß zensurierten Website die größtmögliche kommentarliche Unterstützung gegen die Medien …

Durch diese mediale Schlampigkeit erfährt die identitäre Regierungspartei eine unfreiwillige Unterstützung in ihrer Wahrnehmung, das einzige Opfer zu sein, seit es Opfer gibt. Anstatt aber den Medien dafür zu danken, schickt sie Männer mit Rohrstöcken gegen Medien aus.

Und diese mediale Serienschlampigkeit kann durchaus zur Frage verleiten, ob es denn tatsächlich bloße Schlampigkeit ist, oder ob die Schlampigkeit vielleicht eine unbewußte Zustimmung zum identitären Reden und Schreiben ist, dem bewußt und offen nicht zugestimmt werden kann, die Schlampigkeit also eine unbewußte und höchst verquere Strategie, die identitäre Partei je als Opfer falscher Berichterstattung sich präsentieren lassen zu können, die Berichterstattung zum Vorteil der identitären Partei zurückgenommen werden muß, und damit die Empörung sich nicht mehr gegen das ungeheuerliche identitäre Reden und Schreiben richtet, sondern gegen die Berichterstattung …

Zugegeben, selbst ein höchst verquerer Gedanke, aber eine Serienschlampigkeit läßt durchaus danach fragen, was für unbewußte Prozesse laufen ab, die je eine schlampige Berichterstattung zum Vorteil der identitären Partei zeitigt, während bewußt und offen nicht zu ihrem Vorteil berichtet werden will.

Einerlei, wie es um die unbewußten Abläufe bestellt sein mag, die zu dieser Serienschlampigkeit …

Diese Schlampigkeit trägt gewiß dazu bei, daß Medien selbst das Argument ohne Not jenen liefern, die fortwährend sagen und schreiben, sie seien nichts anderes als eine „Lügenpresse“, also die beste Arbeit für jene, die ohne Wahrheitstugend sind, leisten.

Mediale Schlampigkeit, der leistungslose Lohn für Männer und Frauen vom Schlage Kurzmanns …

Nun gibt es also, kurz gesagt, diese Aufregung um das Wort „Quotenmohr“. Es betrifft einen bekannten Menschen, also einen, wie es gern gesagt wird, VIP. Eine Empörung aus medialer VIP-Empathie. Für einen „Quotenmohren“ hat, wie zu lesen ist, auch der zurzeitige Vizekanzler seine VIP-Empathie; er will sich, wird berichtet, bei ihm bei Kaffee und Kuchen entschuldigen. Und sein zurzeitiger Infrastrukturminister will wohl auch aus VIP-Empathie, daß Männer wie Kurzmann keine Karriere mehr …

Wären die in diesem Jahr in Italien mit einer Glock angeschossenen Menschen VIPS gewesen, vielleicht hätte der Generalsekretär dieser Partei dem Legaführer nicht mit Empathie zugejubelt, sondern den verletzten Menschen Genesungswünsche

Nun, Gerhard Kurzmann hat bereits Karriere gemacht. Und Kurzmann schrieb beispielsweise selbst von den „Zigeuner-Banden“ … „Zigeuner-Banden“ ist nicht Kurzmann fälschlich oder schlampig zugeordnet, sondern ist von ihm selbst geschrieben … „Zigeuner-Banden“, das sind der Öffentlichkeit keine VIPS, „Zigeuner-Banden“ können daher weder in der identitären Partei noch in den österreichischen Medien mit VIP-Empathie rechnen, sondern nur mit dem, was bereits ein Sektengründer vor 500 Jahren gegen „Zigeuner“ schrieb.

Kurzmann schrieb „Zigeuner-Banden“ in der ZZ der identitären Regierungspartei …

In der freiheitlichen Zur Zeit hält Gerhard Kurzmann seine Bettlerschale hin

Noch so ein Magazin, das recht förderlich ist, um in der identitären Regierungspartei Karriere zu machen. Aus ihr kommt beispielsweise der zurzeitige Bildungssprecher dieser Partei, der die Ehre auch hatte, mit am Verhandlungstisch für die zurzeitige Regierung in Österreich zu sitzen.

Ein Magazin, in der eine ganze Aula Platz hat, ein Schriftleiter sich nicht eingeengt zu fühlen braucht …

Gerd Honsik, Martin Pfeiffer – Fürsprecher und Verteidiger der freiheitlichen Nationalratspräsidenten

FPÖ Aula zur Zeit Kurzmann

Was für eine Gesinnungsanlage: mit Magazin und sogar einer Aula: so recht der Ort auch für noch einen Mann des wahren Worts:

Udo Ulfkotte in Aula und FPÖ-ZZ – „Fabriken der Desinformation“

So eine Aula ist geräumig, deshalb konnten in dieser auch schon Bilder ausgestellt werden, im letzten Jahr …

Übrigens, der zurzeitige Vizekanzler hat, ist zu lesen, seinen zurzeitigen Infrastrukturminister, auch wenn es dem wohl nur um Milderung der Aufregung und um VIP-Empathie ging, ein wenig zurechtgerückt in bezug auf weitere mögliche Karrieren, er, der zurzeitige Vizekanzler, zeigt Milde gegen … und das bringt noch einen Gedanken … Würde der zurzeitige Vizekanzer und mit ihm, kurz gesagt, sein zurzeitiger Rutenfreund Bundeskanzler nur ein drei Prozent der Milde und Großzügigkeit, die der zurzeitige Vizekanzler für seine Gesinnungskameradinnen aufbringt, aufzubringen imstande sein, Österreich wäre ein Paradies für Menschen, die nach Österreich kommen, und auch für die Menschen, die für Gerhard Kurzmann „Zigeuner-Banden“ sind.

Aber auch diese Aufregung wird bald, sehr bald nur noch rascheln, als Papier in irgendwelchen Aktenordnern, ganz nach der bewehrten österreichischen Tradition:

Von den österreichischen Gezeiten: Aufregung, Abregung, Belohnung.

Und wohl bald auch nicht einmal mehr als Papier rascheln – dank der Datenschutzgrundverordnung …

NS Damit es nicht heißt, es gäbe gar keine Empathie für Menschen dieser Partei. Mandatarinnen und Funktionäre der identitären Partei sind selbstverständlich Opfer, aber wessen Opfer sie tatsächlich sind, darüber wollen und können sie wohl nicht sprechen, es scheint ein Tabu zu sein, unter dem sie leiden. Sie sind Opfer ihrer eigenen Gedanken, wie es exemplarisch Gerhard Kurzmann einmal zum Ausdruck brachte, er habe, so wurde er von seinem Anwalt zitiert, nicht gedacht, das könne ein Tatbestand der Verhetzung …

Kurzmann, Taschner, Wurzer und das Spiel jeder Generation dieser Gesinnungsgemeinschaft

4 Gedanken zu „Kurz zur medialen Empathie

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