„Deshalb muß ein Mensch mit richtigem Urteil die schätzen, welche einen Staat zu regieren verstehen, nicht die, welche regieren, ohne es zu verstehen.“

Auch 507 Jahre nach der Niederschrift seines Fürsten wird gerne und oft, bei jeder sich nur irgendwie auftuenden Gelegenheit, sofort gesagt, er habe seinen Machiavelli gelesen …

Der Mann habe seinen Machiavelli gelesen, und die Frau? Nie davon gehört, nie davon gelesen, sie habe ihren Machiavelli gelesen …

Kaum betritt also ein Mann die Bühne, der sich verhält, als hätte er seinen Machiavelli gelesen, wird von ihm gesagt, er habe seinen Machiavelli gelesen.

Gemeint ist damit nie das gesamte Werk von Machiavelli, sondern stets nur das eine Buch von ihm, das bekannt ist unter dem Titel Der Fürst – Machiavelli selbst nannte es anders: „Über Fürstenherrschaft“ …

Er habe seinen Machiavelli gelesen … Auch 507 Jahre später wird das immer noch so leichthin gesagt, wie auch immer noch gesagt wird, die Sonne gehe auf, auch wenn schon lange gewußt wird, daß das Aufgehen und das Untergehen der Sonne eine täglich gewollte und dem Menschen liebe Täuschung ist, es nicht die Wirklichkeit ist, daß die Sonne aufgehe und untergehe, und so verhält es sich auch mit dem, er habe seinen Machiavelli gelesen, es verhält sich auch mit ihm ganz anders, um das zu erkennen, würde es reichen, wenn der sogenannte gesamte Machiavelli gelesen werden würde, wenn die Zeit der Niederschrift „Über Fürstenherrschaft“ gänzlich einbezogen werden würde, wenn die persönlichen Umstände von Machiavelli berücksichtigt werden würden, die ihn veranlassten, dieses Buch zu schreiben, was er sich wohl erhoffte durch die „Zueignung an den erlauchten Lorenzo Sohn des Piero von Medici“ – eine Erlösung von diesem Zustand, „wie sehr zu Unrecht ich ein großes und andauerndes Mißgeschick ertragen muß“?

Wie die Technik der Macht einzusetzen ist, nun, das war schon davor bekannt, und war auch Machiavelli bekannt, er bringt es auch reichlich durch die geschichtliche Verweise, bis hinunter zum untergegangenen Rom. Das wäre also auch ohne „Über Fürstenherrschaft“ bekannt geblieben, durch die fünfhundertundsieben Jahre, die seitdem vergangen sind. Das aber in einem Buch zu lesen, das einst als „Fürstenspiegel“ eingereiht, wird eine Überraschung gewesen sein, so wie es beispielsweise vor einem Jahr eine Überraschung gewesen sein wird, kurz gesagt, ein Video …

1520 beschäftigt sich Machiavelli noch einmal mit „Fürstenherrschaft“, und schreibt vor fünfhundert Jahren die Novelle „Das Leben Castruccio Castracanis aus Lucca“. Auffällig daran bereits die Zueignung. Die Novelle ist nicht einem „erlauchten Sohn“ zugeeignet, sondern seinen „besten Freunden“ …

Darin führt Machiavelli aus, es ist Fortuna, die Herrschaft gibt und nimmt. Ohne Fortuna also keine Herrschaft. Mag ein Mann noch so viel seinen Machiavelli lesen, ja, täglich lesen, ein Leben lang, in der Frühe, wenn die Sonne, am Abend, wenn die Sonne …

„Ich bin überzeugt, der ganze Sachverhalt rührt daher, daß Fortuna, indem sie der Welt beweisen will, daß sie es ist, die die großen Männer macht und nicht deren eigene Klugheit, zu einer Zeit ihre Kräfte spielen läßt, zu der die Klugheit auf uns noch keinen Einfluß haben kann, so daß alles ihr zu danken sein.

Castruccio Castracani aus Lucca war ein solcher Fall; und er, gemäß den Zeiten, in denen er lebte, wie auch der Stadt, in der er zur Welt kam, bewerkstelligte Größtes und war, gleich den anderen, weder glücklicherer noch bekannterer Herkunft: wie man der Betrachtung seines Lebenslaufes entnehmen wird. Dieses Leben wollte ich den Menschen in Erinnerung bringen, da ich in ihm vieles gefunden zu haben glaube, das für Tugend und Fortuna gleichermaßen ein vollkommenes Beispiel bietet. Und ich wolle es euch widmen, die ihr mehr als andere meiner Bekannten Taten von großer Tüchtigkeit zu schätzen wißt.“

Im Gegensatz von Castruccio Castrancani aus Lucca, wie von Machiavelli beschrieben, muß ein Mann fünfhundert Jahre später nichts mehr einbringen, nichts Größtes mehr bewerkstelligen, fünfhundert Jahre später braucht er nur mehr groß tüchtig in der Werbung sein, braucht er nur mehr die Tugend des Scheins vollends zu bedienen, fünfhundert Jahre später braucht er nicht nur für seine Zeit und auch hinsichtlich vergangener Epochen keine Ausnahme mehr zu sein, um …

„Auch war er bewundernswert in Antwort und Kritik, entweder scharfsinnig oder von urbaner Gewandtheit. So finden sich viele Dinge von ihm scharfsinnig formuliert.

Versäumte Castruccio nicht, sich Freunde zu machen, wann immer es ihm möglich war, indem er alle Mittel beobachtete, die nötig sind, um Menschen für sich einzunehmen.

Wie er in kürzester Zeit all die Tugenden und Umgangsformen entwickelte, die sich in einem wahren Edelmann finden müssen.

Castruccio wurde römischer Senator, und viele weitere Ehren wurden ihm durch das römische Volk zuteil. Dieses Amt nahm Castruccio unter Aufbringung größten Pompes entgegen und legte eine Toga aus Brokat an, die vorne eine Aufschrift trug, welche lautete: Er ist der, den Gott will; und auf dem Rücken: Er wird der sein, den Gott wollen wird.

Es ließen sich noch viele andere Dinge berichten, die er gesagt hat, in denen allen man Geist und Würde erkennen könnte; mir aber sollen diese als Zeugnis seiner hervorragenden Eigenschaften genügen. Er lebte 44 Jahre und war Principe, was auch Fortuna ihm beschied.“

Fünfhundert Jahre später wäre es mehr als an der Zeit, sich nicht mehr damit zu beschäftigen, das nicht mehr nachzureden, daß irgendein tüchtiger Mann der Werbung mit ihrer einzigen Tugend des Scheins seinen Machiavelli gelesen habe, sondern die Menschen sollten fünfhundert Jahre später endlich selbst den gesamten Machiavelli lesen, um zu erkennen, mit wie wenig sie sich fünfhundert Jahre später zufriedengeben, fünfhundert Jahre später sie sich eigentlich mit einem Nichts begnügen. Für das, kurz gesagt, der Name eines Mannes wie kein anderer Name beispielhaft steht.

Wären in diesem Frühjahr ’20 die Buchhandlungen nicht für Wochen geschlossen gewesen, wäre nicht in diesem Frühjahr ’20 immer wieder auch das Nachgerede gehört worden, er – und wieder keine sie – habe seinen Machiavelli gelesen, es wäre wohl nicht das seit Jahrzehnten im Bücherregal abgestellte Leben Castruccio Castracanis aus Lucca genommen wurden, nur, um dann von der Polizei aus dem Park vertrieben zu werden …

Gerade in diesem Frühjahr ’20 mit seinen Fieberreden kann nicht darauf verzichtet werden, abschließend zu berichten, wie Fortuna die Herrschaft von Castruccio Castracanis aus Lucca wieder beendete, ihm wieder nahm, was sie ihm gegeben.

„Aber Fortuna, Feindin seines Ruhmes, nahm ihm das Leben gerade, als die Zeit gekommen war, es ihm zu gewähren, und machte den Plänen ein ende, die jener seit langem verwirklichen wollte, und die niemand anders als der Tod verhindern konnte. Castruccio hatte sich der den ganzen Tag währenden Schlacht verausgabt, als er an ihrem Ende, ganz erschöpft und schweißüberströmt, oberhalb des Tores von Fucecchio anhielt, um auf seine Leute zu warten, die aus dem siegreichen Kampf zurückkehrten, sie persönlich zu empfangen und zu danken, und sofort wieder bereit zu sein einzugreifen, wenn bei den Feinden irgend etwas geschehe, das sie irgendwo hätten neuerlichen Widerstand leisten lassen; hielt er es doch für die Pflicht eines guten Kapitäns, als erster aufzusitzen und als letzter aus dem Sattel zu gehen. So daß er, einem Wind ausgesetzt, der meist um Mittag vom Arno her aufkommt und gemeinhin der Gesundheit abträglich ist, völlig durchgefroren war; was er nicht weiter beachtete, war er doch ähnliche Strapazen gewöhnt, wurde Ursache seines Todes. Denn in der folgenden Nacht befiehl ihm ein extrem hohes Fieber; es stieg immer weiter, und da es von allen Ärzten als eine todbringende Erkrankung diagnostiziert wurde und er selber es spürte, rief er Pagolo Guinigi und sprach zu ihm mit den Worten: Wenn ich geglaubt hätte, mein Sohn, daß mir Fortuna inmitten der Lebensbahn den Weg zu jenem Ruhm abschneiden wollte, den ich mir bei so vielen glücklichen Erfolgen versprochen hätte, hätte ich mich weniger angestrengt und dir, wenn auch einen kleineren Staat,“ …

Fünfhundert Jahre später muß Fortuna nicht mehr so dramatisch auftreten, um einem Mann das wieder zu nehmen, was sie ihm gab. Es reicht vollauf, ihm ein wenig die Kraft für die Werbung zu nehmen, ihn ein bißchen weniger angestrengt werben zu lassen, und schon steht er ohne Toga in Brokat wieder da, nicht mehr als Kapitän, sitzt wieder als Ruderer im Boot …. Und das Getöse des Pompes? Das, was es im Grunde immer war: Wasserlärm durch Ruderschläge

Werbeagentur Team Österreich erlaubt Karl N. seine Nebenbeschäftigung im Innenministerium, wenn er die Prüfung schafft

Nachdem Karl N. es doch wagte, seiner Arbeitgeberin, der Werbeagentur Team Österreich, seine Nebenbeschäftigung im Innenministerium pflichtschuldig zu melden, hat seine Arbeitgeberin, die Werbeagentur Team Österreich, ihm ihre Erlaubnis zur Nebenbeschäftigung im Innenministerium unter der Voraussetzung in Aussicht gestellt, wenn er, Karl N., die Prüfung erfolgreich schafft.

Die von ihm positiv abzulegende Prüfung umfaßt eine einzige von ihm richtig zu beantwortende Frage.

Wo und wann hat er welche Landkarte zu verwenden?

Die erste Prüfung, wie seinem Personalakt in der Werbeagentur Team Österreich zu entnehmen ist, hat er nicht bestanden. In dieser hätte er die Frage nach dem Einsatz welcher Landkarte wann und wo in eigenen Worten zu beantworten gehabt.

Es wurde ihm trotz der ersten negativ ausgefallenen Prüfung eine zweite Chance eingeräumt.

Er darf noch einmal antreten, zu einem Multiple-Choice-Test. Also zu einer Prüfung, in der die richtige Antwort auf die einzige Frage lediglich aus mehreren vorgegebenen Antworten anzukreuzen ist, in diesem Fall hat er, Karl N., die Wahl zwischen zwei Antworten.

Ein Ergebnis der zweiten Prüfung liegt noch nicht vor. Es heißt, er grüble noch, welche der zwei vorgegebenen Antworten die richtige sein könnte.

Hat Karl N. seine Nebenbeschäftigung im Innenministerium seiner Arbeitgeberin, der Werbeagentur Team Österreich, schon gemeldet?

Diese Frage stellte sich bei seinem gestrigen Hintreten vor die Presse unweigerlich.

Worum es bei seinem Hintreten vor die Presse ging?

Das ist im Grunde unwesentlich.

Es ging um das, worum es in diesem Frühjahr ’20 sekündlich immer geht.

Das bleibt generell von seinen Hintritten vor der Presse übrig, die eine und einzig zu beantwortende Frage.

Hat Karl N. seine Arbeitgeberin, die Werbeagentur Team Österreich, über seine Nebenbeschäftigung im Innenministerium informiert?

Und wenn ja, hat seine Arbeitgeberin, die Werbeagentur Team Österreich, nach deren Compliance die Erlaubnis zu dieser seiner Nebenbeschäftigung im Innenministerium erteilen können?

PS Wer wohl, kurz gesagt, in der Werbeagentur Team Österreich, diese sonderliche Werbelinie ersonnen hat, für diese eigenwillige Werbelinie mit dem Hauptslogan „Mahnung“ letztverant…

Mit dabei einer, der um eine Stelle gesinnungsgemäß sich bewirbt – an der falschen Stelle

Während also der Bundespräsident seine der Hymne verpflichtete historische Rede hält, am 8. Mai ’20, ist am selben Tage an einer nicht sehr ansehnlichen Ecke in der Stadt ein Arbeitsloser mit dabei, um gesinnungsgemäß einer Badengehenden zu huldigen.

Sonst bewirbt er sich um eine Stelle. Er bereitet sich darauf recht brav vor. Recht schöne Deckblätter hat er für seine Bewerbungsunterlage schon gezeichnet, mit Überschriften, von denen er meint, diese werden seine Chance erhöhen, die Stelle ab dem Herbst ’20 zu bekommen. Er teilt seine Bewerbung ein zwischen „Holen wir unser Wien zurück“ und „Holen wir uns die echte Normalität zurück“ …

Nur, einfach wie kurz gesagt, er schickt seine Bewerbung an die falsche Stelle. Es gibt für ihn, auch für ihn, aber eine einzige offene Stelle, die zu bekommen, er durchaus hoffen darf. Einen Arbeitsplatz in Thüringen. Dorthin sollte er seine Unterlage zur Bewerbung schicken. Denn dort gibt es auch Männer und Frauen, die von „Holen wir unser Land zurück“ ganz von Sinnen sind, ohne aber zu wissen, von wo „unser Land zurück“ … Wenn einer wie dieser Stellensuchende schon weiß, von wo „unser Wien zurück“ geholt werden könne, so einer wird auch, könnte die ausschlaggebende Überlegung in Thüringen sein, für die Postenbesetzung durch ihn zu stimmen, erst recht ganz bestimmt wissen, von wo „unser Land zurück … Darüber hinaus macht einen wie diesen Bewerber zum ersten Kandidaten für die Postenbesetzung in Thüringen, daß er auch weiß, von wo „die echte Normalität zurück“ …

Das wird die Menschen in Wien freuen, wenn ein Arbeitsloser, für dessen Fähigkeiten in Wien es keinen Arbeitsplatz gibt, doch noch einen Arbeitsplatz bekommt, in Thüringen, für den es in Wien keine Arbeit gibt, da Wien in Wien ist und folglich kein Wien nach Wien zurückzuholen ist, und in Wien den Menschen die normale Normalität vollauf genügt, sie das Ungeheuer einer echten Normalität niemals mehr wecken wollen …

Eine längst fällige Studie

Die Reden von Alexander Van der Bellen sind insofern historisch zu nennen, weil sie historisch eingebettet eine historische Leistung darstellen, nach fünfundsiebzig Jahren am 8. Mai ’20, zwei Wörter, nur zwei Wörter, auch nach fünfundsiebzig Jahren zwei Wörter in einer offiziösen Rede nicht vorkommen zu lassen.

Es hat sechsundvierzig Jahre gebraucht, bis ein Bundeskanzler in Österreich, es hat beinahe ein halbes Jahrhundert gebraucht, bis ein österreichischer Bundeskanzler in einer offiziösen Rede im Parlament die Mitschuld von Österreicherinnen und Österreichern an den Massenverbrechen, an den Massenmorden des deutschen reiches einbekannte … freilich, daß ein Österreicher der Hauptschuldige daran war, daß ein zweiter Österreicher innerhalb von nur fünfundzwanzig Jahren auch zum Hauptschuldigen für den nächsten Weltkrieg wurde, davon sprach ’91 der Bundeskanzler nicht …

Wenn eines Tages, an einem 8. Mai vielleicht, ein Bundespräsident in Österreich in seiner offiziösen Rede endlich auch die zwei Wörter aussprechen wird, dann wird es keine historische Rede sein, sondern eine längst überfällige Rede. Bis diese zwei Wörter von einem österreichischen Bundespräsidenten oder von einem österreichischen Bundeskanzler gesprochen werden in einem sogenannten offiziellen Festakt, in einer sogenannten offiziellen Gedenkveranstaltung, werden wohl noch weitere fünfundzwanzig Jahre vergehen müssen. Auch wenn die Hoffnung zuerst enttäuscht, besonders in Österreich, auch mit einem Seitenblick auf die derzeitige Regierung, nebenbei gesagt, werden die zwei Wörter vielleicht schon in fünfzehn Jahren, in zwanzig Jahren ausgesprochen werden, wenn es in diesem Land eine Bundespräsidentin oder eine Bundeskanzlerin an einem 8. Mai die Rede zu halten haben wird, nicht eine Rede zum Gedenken, sondern eine Rede zum Handeln …

Die zwei Wörter:

Antiziganismus

Porajmos

Während also Alexander Van der Bellen seine historische Rede hält, historisch dadurch, zwei Wörter nicht aussprechen zu können, marschieren die Frauen und Mannen der Partei, die für kurz eine diesmal von Alexander Van der Bellen angelobte Regierungspartei wieder war, zu ihrem Denkmal … Mit dabei auch der Mann, den die identitäre Fahne bestens kennt, während er die Fahnenträgerinnen gar nicht kennt, und wenn ein Mann in Österreich es so glaubhaft verkünden kann, die Fahnenträger nicht zu kennen, so ein Mann muß in Österreich einfach wie kurz belohnt werden, mit einem hohen Staatsposten …

Alexander Van der Bellen dankt Richard Wadani in seiner Rede mit den zwei ausgelassenen Wörtern. Richard Wadani, der sich für die Errichtung des Denkmals zwischen Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei einsetzte, dort also, wo die Männer und Frauen der Partei zu ihrer Angelobung durch Alexander Van der Bellen gingen, die stets nur das Beste über dieses Denkmal …

Vielleicht sind es so einfach wie kurz nur Wissenslücken, die allein dafür verantwortlich sind, das zwei Wörter – Antiziganismus und Porajmos – den sogenannten Hohen und Höchsten im Staat zu keinem offiziellen Anlaß über die Lippen kommen? Vielleicht sind es so einfach wie kurz nur Wissenslücken, die die sogenannten Hohen und Höchsten im Land Wörter falsch verwenden lassen, wie zum Beispiel das Wort „Wiederaufbau“ …

Um diesem 8. Mai ’20 wurde auch über eine aktuelle Studie berichtet. Genauer. Am 9. Mai ’20 ist eine Presseaussendung von dem Nachrichtenmagazin „Profil“ zu lesen: „Schüler haben eklatante Wissenslücken zur NS-Zeit“ – 81 Prozent können ‚Antisemitismus‘ nicht definieren“ …

Vielleicht gibt es einmal eine solche Studie, in 46 oder 75 Jahren, eine Studie aber nicht nur zur NS-Zeit, sondern generell zur Zeitgeschichte, die auch das Wissen über die Zeit nach 1945 abfragt, das Wissen der sogenannten Hohen und Höchsten im Staat … wie würde wohl die Presseaussendung dazu lauten?

Vielleicht, dabei an die gegenwärtigen sogenannten Hohen und Höchsten Maß genommen …

Wien (OTS) – Das Nachrichtenmagazin berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über eine repräsentative Studie unter … zu deren Wissensstand über … Die Untersuchung offenbart eklatante Bildungslücken: … Prozent der schriftlich – und ohne Zeitlimit – befragten Schüler … entweder gar keine oder nur eine falsche Definition der Begriffe „Antiziganismus“, „Wiederaufbau“ nennen. Eine von vielen Antworten: „Gehört, aber keinen Plan.“

Dabei explizit im Regierungsprogramm.

Von dem Nachrichtenmagazin zur Studie befragt, verwiesen Schülerinnen und Schüler auf die umfassenden pädagogischen Bemühungen, etwa das Porajmos-Bildungsinstitut. Angesichts der dramatischen Ergebnisse kündigten Schüler aber an, sich dafür zu engagieren und einzusetzen, „dass für die Befragten dieser Studie sowohl in der Ausbildung als auch in der Fortbildung die Auseinandersetzung intensiviert werden muss“.

Gereicht nicht die Hand

Das werden so knappe Geschichten sein, die im Kleinwalsertal vielleicht noch lange erzählt werden, nicht im ganzen Kleinwalsertal, aber in der einen mittelberglerischen Familie, weil der Vater, der das erlebte, es seinen Kindern …

Als einmal, Corona I ging eben zu Ende, der Bundeskanzler kam, und er dem Vater die Hand reichen wollte.

Das wird der Mann erzählen, seinem Kind oder seinen Kindern, falls er ein Kind oder Kinder hat, vielleicht seinen Neffen und Nichten, falls er ein Onkel ist.

Er sei hinter dem Bundeskanzler gestanden. Plötzlich habe sich der Bundeskanzler umgedreht, habe ihn erblickt, den Vater und Onkel, und sofort habe er, der Bundeskanzler, seinen Arm angewinkelt und nach vorne schnellen lassen, wie es eben üblich sei, um einem Menschen zum Handgeben die Hand zu reichen, er aber, der Vater oder der Onkel, habe die ausgestreckte Hand des Bundeskanzlers nicht zum Handschlag ergriffen, sondern er, der Onkel oder der Vater, habe sich sofort abgewendet und sich vom Bundeskanzler wegbegeben, dieser, der Bundeskanzler, sei ihm, dem Vater oder dem Onkel, mit weiter angewinkelt gestrecktem Arm zum Händeschütteln bereiter Hand …

Was den Vater oder den Onkel dazu bewegen könnte, diese klitzekleine Geschichte immer wieder zu erzählen, seinem Kind und seinen Kindern, die diese nur einmal hören wollen, immer wieder seinen Neffen und Nichten, seinen Enkelkindern oder seinen Großnichten oder Großneffen, die bis zu deren Schuleintritt von dieser nicht genug …

Vielleicht mit einem gewissen Stolz, seine Hand nicht dem Bundeskanzler gereicht zu haben, nicht mehr auf diese Weise gerührt gewesen zu sein, wie einst ein Greißler stolz gerührt war, daß ihm die Hand reichte der Doktor

Zu einem Lied wird es die mittelberglerische Geschichte nicht bringen. Dabei hätte diese es durchaus verdient. Ein Lied mit dem Titel etwa: Gereicht nicht die Hand

So ein Lied könnte etwas Tröstliches haben, daß seit den Tagen des Doktors sich doch etwas geändert hätte, in Österreich … Auch wenn gewußt wird, daß das Tröstende nicht wahr ist.

Ohne Wahrheit ist ein Leben auszuhalten, aber nicht ohne Trost.

Trops dnu Tsneid nehciltneffö, Rutluk, Tsnuk rüf Retsinimsednub

Über den Coronatest von einem Testanten kann und darf bereits mehr berichtet werden.

Er hat einen negativen Test abgeliefert.

Dabei hatte er für diesen Test doch rund fünf Monate Zeit. Dennoch lieferte er einen negativ zu beurteilenden Test ab. Ein Ergebnis, das zu keinem weiteren Aufstieg berechtigt, im Grunde, das Verbleiben bereits äußerst fragwürdig … vielleicht darf er noch zu einem weiteren Coronatest antreten, der den ersten in den Sand gesetzten vergessen lassen könnte, sofern dieser tatsächlich je noch positiv ausfallen könnte …

Es heißt nun immer öfter, es würde sich bereits rächen, wie es sich jetzt in Zeiten von Corona I mehr und mehr zeigt, daß es kein Ministerium für Kunst und Kultur geben würde.

Seit dem 29. Jänner ’20 gibt es ein Ministerium für Kunst und Kultur. Was es nicht gibt, ist ein Minister für Kunst und Kultur. Auch wenn es diesen geben sollte, den Minister, der für Kunst, Kultur, für den öffentlichen Dienst und für den Sport zuständig, verantwortlich ist. Es ist nicht unüblich, dass in einem Ministerium mehrere sogenannte Geschäftsbereiche zusammengefaßt sind, es einen Minister, eine Ministerin in der Verantwortung für mehrere sogenannte Geschäftsbereiche gibt.

Unüblich an der Einteilung der Ministerien seit dem Jänner ’20 ist allerdings, dass einem Minister, den es nicht gibt, aber für Kunst und Kultur dem Gesetze nach geben sollte, eine Staatssekretärin aus der eigenen Partei beigestellt ist, während beispielsweise, wie es in Österreich seit Jahrzehnten wohl gängige Praxis, der Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie ein Staatssekretär von der zweiten Regierungspartei beigestellt ist.

Für den Coronatest wurden die Tweets des Werner Kogler herangezogen, und zwar vom 5. Jänner ’20 bis zum 13. Mai ’20. Alle seine Tweets wurden in den Collagen abgelegt. Und allein seine Tweets aus über vier Monaten bescheinigen nur eines, einen negativen Test vorgelegt zu haben.

Sie finden in diesen Tweets vielerlei. Vor allem Sport. Sport, Sport, Sport und noch mehr Sport. Das läßt die Vermutung aufkommen, Werner Kogler liest „Bundesminister für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport“ von rechts nach links:

Trops dnu Tsneid
nehciltneffö,
Rutluk, Tsnuk
rüf Retsinimsednub

Allenthalben fällt die Bezeichnung „Sportminister“ in den Tweets, Kultur- oder Kunstminister hingegen nicht …

Kunst kommt vor. Im weitesten Sinne. Etwa am 17. Jänner ’20, als der Tod von einem Künstler zu beklagen war. Werner Kogler steht hier nicht an, in einem Tweet sein Bedauern darüber …

Am 17. März ’20 ein Tweet, der den Eindruck erwecken könnte, diesen schreibt ein Minister für Kunst und Kultur; es tatsächlich aber schreibt ein Verkünder. Verkündet werden Maßnahmen für Kunst und Kultur, also das Planen von Maßnahmen …

Und ganz Sportminister, am 30. März ’20: „Keine einfache Zeit für Kinos und Kinofans. Wie ihr euer Lieblingskino trotzdem unterstützen könnt, erfährt ihr hier.“ Ein Retweet von ihm. Retweets dürften überhaupt seine Lieblinge sein.

Am 16. April ’20 ein Retweet der Ankündigung der für den 17. April angesetzten Pressekonferenz mit der Staatssekretärin aus der eigenen Partei. Und am 17. April ’20 ein Retweet, daß die Pressekonferenz stattgefunden hat, von der am 12. Mai ’20 die Staatssekretärin im Ö-1-Morgenjournal sagt: „

Renner: So viele Fragen. Ich fange einmal bei den Museen an. Vor ungefähr haben Sie deren Öffnung mit 15. Mai verkündet. Die Verordnung dazu hat fast einen Monat gebraucht. Wäre ein bisschen mehr Eile im Sinne der Planungssicherheit nicht angebracht gewesen.

Lunacek: Herr Renner, lassen Sie mich zuerst einmal sagen, dass es mir hier wirklich darum geht, Schritt für Schritt das Kulturleben wieder soweit zu bringen, daß Besucherinnen und Besucher, die Bevölkerung das wieder erleben kann, worauf ganz viele von uns oder alle wirklich dringend warten, nämlich Kultur und Kunst wieder live erleben zu können. Das analoge kulturelle Leben wieder in die Aufnahme zu bringen. Und da sind die Museen der erste Schritt. Wir haben schon vor einigen Wochen angekündigt, jetzt werden die Details erarbeitet und ab 15. Mai ist es möglich. Ich freue mich sehr, daß das wieder möglich sein wird, und ich ersuche auch ganz viele in der Bevölkerung, die Museen wieder zu besuchen, um all das, was uns jetzt abgegangen ist, tatsächlich wieder live erleben zu können. Insofern, so ist es jetzt. Ja, ab 15. Mai wird es wieder möglich sein, Museen zu besuchen. Da freue ich mich auch schon drauf.

Renner: Wissen Sie heute schon als anders als am 17. April in dieser berühmt berüchtigten Pressekonferenz, welche Bundesmuseen vielleicht doch früher als im Juli aufmachen wollen. Und gibt es mit den Häusern schon Absprachen für die geforderte Abgeltung der Mehrkosten durch die Corona-Auflagen.

Lunacek: Zuerst einmal zu den Kosten. Hier ist ganz klar, daß wir jetzt einmal die Liquidität absichern … Auch bemühen werde mit dem Finanzminister, mit dem Vizekanzler und anderen bemühen werde, für die Zeit, die vielleicht schwieriger werden wird, weil nicht so viele Touristen kommen, wie es in der Vergangenheit der Fall war, hier natürlich auch mithelfen bei der Finanzierung. Aber was die Öffnungen betrifft, da ist klar, das Untere Belvedere öffnet schon am 15. Mai, die Albertina und die Albertina Modern öffnet am 27. Mai, das Künstlerhaus am 27. Mai, Wien-Museum, Hermes-Villa am 29. Mai, Kunsthaus am 31. Mai, das Kunsthistorische Museum Ende Mai, das MAK am 1. Juni, aber auch in allen Bundesländern werden in diesen nächsten Tagen Museum eröffnet, ich erwähne die Hofburg in Innsbruck am 15. Mai …

Renner: Bevor wir jedes großes Museum im Land aufzählen, ich weiß schon, ich habe die Frage gestellt, da wird es wohl eine Internetseite geben müssen, um einen Überblick zu bekommen. Dahinter steht die Frage, wenn Kultur so wichtig ist für das gesellschaftliche Leben, wieso sagen dann nicht alle Museen, angeleitet von der Regierung, Hurra, wir machen auf, es tröpfelt vor sich hin, daß man es nicht versteht.

Lunacek: Aber Herr Renner, da gibt es sehr viel mehr Museen in Österreich, hunderte Museen, große, kleine, die alle in ihrer eigenen Verantwortung diese Schritte setzen. Die müssen dieses Dreieck von Schutz- und Gesundheitsregeln, von Freiheit und Eigenverantwortung und von Wirtschaftlichkeit und Anteil der Besucherinnen und Besucher einfach selbst abschätzen. Die Regierung kann nicht einfach hergehen und sagen, die müssen jetzt alle an einem Tag öffnen. Das würde ganz viel Proteste auslösen. Wirtschaftlich unter die Arme greifen, wir tun das schon. Diejenigen, die Förderungen von uns erhalten, da wird, wie ich schon erwähnt habe, zum Beispiel werden Jahresförderungen jetzt schon ausgezahlt. Wir tun eh, was möglich ist. Aber die Freiheit, die haben die Museen selbst, die gebe ich ihnen nicht vor. Das ist schon auch mein Zugang zur Politik, hier Eigenverantwortung und Freiheit zu ermöglichen. Auch die Kunstvermittlungsprogramme sind wieder möglich. Das heißt, Führungen sind möglich bis zu zehn Personen. Und auch Workshops. Das ist gerade auch für die Museen ein wichtiger Faktor. Mindestabstand ein Meter, mechanische Schutzvorrichtungen, da habe ich auch sehr gute Rückmeldungen von Museen.

Renner: Spricht man dieser Tage mit Kulturschaffenden oder hört ihre Reaktionen, dann kommt dieser Grundtenor. In der Corona-Krise müsse sich die Kultur ganz hinten anstellen. Verstehen Sie diesen Eindruck? Woher kommt der?

Lunacek: Ja, ich höre all das. Ich spreche mit ganz vielen. Ich kann ihnen sagen, ich arbeite ganz intensiv mit meinem Team, in der Sektion, mit dem Gesundheitsministerium. Und was die Öffnungen, die Lockerungen, die Möglichkeiten, was Aufführungen betrifft, so ist mein Plan, noch diese Woche ein Konzept vorzustellen, wie ein Stufenplan ausschauen könnte. Ich brauche noch ein paar Tage, weil es geht, wie schon erwähnt, dieses Dreieck von Schutz- und Gesundheitsregeln, Freiheit und Eigenverantwortung und Wirtschaftlichkeit. Muß so gut als möglich gewährleistet sein. Da arbeite ich daran.

Und so weiter und so fort …

Renner: Der Ärger in der Kulturszene ist riesengroß, insbesondere und gerade über Sie und die Grünen. Der Kaberettist Lukas Resetarits etwa hat Ihnen eine regelrechte Wutrede gehalten und diese in der gestrigen ZIB-2 begründet. Hören wir kurz einen Ausschnitt daraus.

Resetarits: Ich bin wütend, weil es eine Mißachtung unserer ganzen Branche ist, weil man uns so überhaupt ignoriert. Das ist eine gewisse Respektlosigkeit und das ist geradezu beleidigend. Die Verärgerung über die Grünen in der kompletten Szene, bei meinen Kolleginnen und Kollegen, rührt daher, daß …

Und so weiter und so fort.

Lunacek: Ich gebe wohl auch Fehler zu. Die Pressekonferenz damals war einfach zu früh und in dieser Form hätten wir sie so nicht stattfinden lassen sollen. Das ist keine Frage. Aber jetzt machen wir Nägel mit Köpfen.

Und so weiter und so fort.

Lunacek: Es geht hier auch um Dinge, wie Klimaschutz, der im Kulturprogramm verankert sein muss. Wir kämpfen darum jeden Tag, die Situation so zu bewältigen, dass auch die Bevölkerung sieht, dass diese grüne Handschrift da ist in dieser Regierung.

Abschließend noch eine kritische Stimme einer Künstlerin, die ihre Kritik in einem Brief an die Staatssekretärin formulierte, und nicht an den Minister für Kunst und Kultur, weil es diesen eben nicht gibt, obgleich es ihn geben sollte, aber Papier ist eben, nein, nicht geduldig, Papier saugt alles auf ….

„Allen voran ist es den Betroffenen wichtig, nicht als Bittsteller behandelt zu werden, sondern dass auf Augenhöhe mit ihnen gesprochen wird. Darüber hinaus wird ihnen in der gesamten Debatte nicht der Stellenwert gegeben, den sie als Repräsentanten und Repräsentantinnen des Kulturlandes Österreich verdienen.“

In Wahrheit ist dies kein Satz einer Künstlerin, sondern einer Politikerin aus dem Niederösterreichischen. Es scheint eine Doppel-Conférence von ihr und ihrem Parteifreund zu sein, mit dem sie schon lange eingeübt ist in solchen Auftritten, es sollte wohl eher gesprochen werden von Hintritten …

PS Ein Mann hat in Sachen Kultur und Kunst vor Jahren bereits einen endgültigen negativen Test abgegeben, zu einer Zeit also, als noch nicht die Rede davon war, der Elchtest könnte eines Tages Coronatest … An diesen hat die Parteipolitikerin aus seinen Reihen den Brief auch nicht zusätzlich geschrieben, wohl wissend, daß von ihm nichts …

Und dieser Mann, dem schon viele Tests ermöglicht wurden, aber alle negativ ausfielen, lässt wenig Hoffnung aufkommen, daß dem Minister für Kunst und Kultur, den es nicht gibt, ein zweiter Coronatest je noch positiv …

Coronatest

Das wird von Corona I bleiben.

Fortan wird der Elchtest, zuvor als Kindertest bezeichnet, Coronatest heißen.

PS Wer die ersten so zu benennenden Elchtests aus den Zeiten von Corona I bestanden haben wird, nicht bestanden haben wird, das wird noch eine Zeit in Anspruch nehmen, bis deren alle Testergebnisse endgültig auf dem Tisch …

Bei einigen Testantinnen, so viel kann bereits kurz gesagt werden, sieht es ganz danach aus, daß sie den Coronatest nicht bestehen …

Besonders einem Testanten, dazu bedarf es aber in keiner Weise der Kunst der Vorhersage, wird sein Coronatest kein positiver … mehr bereits darüber zu sagen, wäre jedoch, ohne die endgültige Auswertung abzuwarten, eine Kultur der Unkultur …

Jetzt noch d‘ Kerzn, dann sans Waach!

Von den ersten zwei Reden in Zeiten von Corona I wurde schon erzählt.

Das sind die Reden vom „Wiederaufbau“ …

Die dritte Rede soll in Erinnerung an den Dreiteiler „Mutig in die neuen Zeiten“ nun dem dritten Kapitel über die Reden in Zeiten von Corona I Inhalt sein. Drei Kapitel, deren Haupttitel „Mutig in die neuen Zeiten“ …

Das Kapitel über die zweite Rede hätte bereits genannt werden können: „Im Reich der Reblaus“ …

Über die dritte Rede, ein paar Tage später ebenfalls gehalten vom Büronachbarn am Ballhausplatz, am 8. Mai ’20, könnte in einem Kapitel unter der Überschrift „Alexander Van der Bellen kehrt heim“ oder „Und jetzt, Van der Bellen – jetzt noch d‘ Kerzen, dann sans Waach!“

Alexander Van der Bellen kehrt heim – in die christschwarze Partei, deren Wähler er einst war, und er findet sich in einer Zeit wieder, als es wohl tatsächlich notwendig war, zu appellieren, „an dieses Österreich zu glauben“ …

„Gerade in Zeiten so großer Herausforderungen ist es wichtig, an unser Österreich zu glauben.“

Denn. Es reicht ein Blick in die Ergebnisse der Umfragen durch die Jahrzehnte über die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer höhere Akzeptanz Österreichs als Nation, über das absolute Bekenntnis der Zugehörigkeit, die über die absolute Anerkennung Österreichs als „Heimatland“, um sagen zu können, ein derartiger Appell ist so notwendig wie ein K…

Die „großen Herausforderungen“, nun, kaum größer als die Herausforderungen etwa nach der Finanzkrise mit seinem BIP-Rückgang von 3,8 Prozent in 2009, und nun, für 2020 die Prognose von einem BIP-Rückgang von 5,5 Prozent – eine Steigerung der „großen Herausforderungen“ um 1,7 Prozent … Und dennoch im Zentrum, so auch gestern wieder in der gleichnamigen Fernsehsendung, das schaurigwohlige Bild von der „größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren“ … Was würde ein tatsächlicher Vergleich der 1930er Jahre mit den Zeiten von Corona I über die „großen Herausforderungen“ von 2020 aussagen? Würden für diesen Vergleich tatsächlich die konkreten Zahlen aus den 1930er Jahren in Österreich herangezogen werden: Die Arbeitslosigkeitsraten unter Berücksichtigung der „Ausgesteuerten“, die enormen Einbrüche bei den Exporten, der massive Niedergang der Industrieproduktion und so weiter und so weiter und so fort … Und das alles zusätzlich noch in äußert prekären politischen, gesellschaftspolitischen und weltanschaulichen Verhältnissen, die …

An welches „Österreich zu glauben“ also appelliert Alexander Van der Bellen? An dieses, das nun gar modern als „Team Österreich herausfordernd die Situation“ für sich …

„Waach“ gemacht müssen sie werden, für den Kraftakt der nun besonders geforderten „Solidarität“ – deren Lied auch Alexander Van der Bellen so herzerwärmend anstimmt …

„So sind wir.“ Und. „So sind wir nicht.“ Alexander Van der Bellen weiß einzuteilen.

Und. Wie es wirklich war, in den Zeiten von Corona I, wird in Jahren in Büchern zu lesen, vielleicht sogar in einer diesmal mit „So war es wirklich“ betitelten Fortsetzung … Bei dieser Rede von Alexander Van der Bellen und schon bei der Rede von seinem Büronachbarn fiel unweigerlich dieses Buch „Und keiner sang die ‚Reblaus‘. Die Wahrheit über Leopold Figl, Andreas Hofer und andere österreichische Mythen“ von Konrad Kramar und Georg Mayrhofer ein.

Alexander Van der Bellen mit seinem figlschen Appell und sein Büronachbar, für den Figl ein Vordenker …

„Die Geschichte von der Reblaus und dem österreichischen Staatsvertrag glaubt jeder über die berühmte Karikatur von E. H. Köhler mit der Bildunterschrift ‚Und jetzt, Raab – jetzt noch d‘ Reblaus, dann sans waach!‘ zu kennen. Diese Szene kann aber so gar nicht stattgefunden haben, ‚einfach aus dem Grund, dass an dem Abend, als die österreichische Delegation in Moskau den Staatsvertrag verhandelt hat, der arme alte und damals schon gesundheitlich schwer angeschlagene Außenminister Figl um 8 Uhr ins Bett gegangen ist, weil er wie üblich seine ziemlich hohe Dosis Alkohol bereits intus hatte und schlicht und einfach nicht mehr stehen konnte‘, erzählt Kramar und legt auch gleich die Quellen seines Wissens offen: ‚Sie finden das nicht nur in den Aufzeichnungen seines Widersachers, des SPÖ-Vizekanzlers Schärf, sie finden es in vielen Biografien über Figl – versteckt, ein bisschen unterspielt, aber es ist da. Figl ist am nächsten Tag in der Früh aufgestanden und hat gefragt: War irgendwas letzte Nacht?, und hat vom Schärf brühwarm serviert bekommen, ja, es war was, wir haben den Staatsvertrag ausverhandelt.‘

Im verklärten Blick auf die Vergangenheit wird alles besser, größer und heldenhafter. Um nationale Identität zu stiften, wird nur selten auf die trockenen Fakten der Geschichtsbücher verwiesen, viel öfter wird die Realität in anekdotischer Form serviert.“

Es wird schon fleißig gekocht, daß nach den servierten Gängen Unabhängigkeitserklärung, Staatsvertrag gleich der nächste Gang serviert werden kann: Corona I …

Dabei. Wie leicht es stets war und wie leicht es stets ist, den Strom abzudrehen, die Herdplatten kalt zu lassen, das Kochen von Mythensuppen einzustellen, davon erzählt auch das Buch von Konrad Kramar und Georg Mayrhofer …

„Um voreiliger Verehrung, etwa als ‚Aufdecker der Nation‘, entgegenzuwirken, geben sich Konrad Kramar und Georg Mayrhofer betont bescheiden. Den im Buch angeführten Wahrheiten haben sie keineswegs mühselig nachspüren müssen, sämtliche Quellen wären jederzeit und jedermann zugänglich, in den meisten Fällen sogar in erfolgreich publizierten Büchern nachzulesen. ‚Es will offensichtlich nur nicht wahrgenommen werden‘, so ihr Schlusswort.“

Es will offensichtlich nur nicht wahrgenommen werden …