Karl Hans Strobl selbst wird, als er beispielsweise mit Goebbels und Seyss-Inquart gesinnungsheiter zusammenstand, als ihm 1943 offfensichtlich etwas Gesinnungsmäßes verliehen wurde, nicht gemeint haben, in schlechter Gesellschaft zu sein.
Sven Müller von „Thymos“ wird, als er am 9. August 2023 in diesem „Kvltvrmagazin“ seine Würdigung „Karl Hans Strobl – Dichter und Anwalt seines Volkes“ veröffentlichte, meinen, mit Karl Hans Strobl in guter Gesellschaft zu sein.
Manchmal braucht es Zeit, bis ein Mensch das Vermächtnis annehmen kann, das ihm hinterlassen wurde, so wird auch Martin Sellner noch Entwicklungszeit brauchen, um das von seinem desertierten „Lieblingsschauspieler“ hinterlassene „Vermächtnis“ anzunehmen, das Deserteur Oskar Werner selbst als sein „Vermächtnis“ bezeichnete: „Entscheidung vor Morgengrauen – Decision Before Dawn“.
Deshalb ist Martin Sellner noch nicht verloren, solange Oskar Werner sein „Lieblingsschauspieler“, solange „451“ an Oskar Werner erinnert und soher das Vermächtnis von Oskar Werner lebt, solange muß kein Mensch einen Artikel vorbereiten mit der Überschrift: „Wie wir Martin verloren haben“ —
NS „Extrem genial“ sei der Sohn, sagt der von „Reinhard“ interviewte Vater, der mit seiner Frau ein „großes Glück“ habe: „sie ist eine aufopferungsvolle und begeisterte Mutter“ …
Das Parlament erteilte der Universität Demokratie-Nachhilfe, brachten es FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker und der freiheitliche Wissenschaftssprecher Martin Graf am Tag nach der Veranstaltung auf den Punkt.
Schreibt am 18. Oktober 2023 die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Gesinnungsschaft und auf der Website der zur gesinnungsgemäßen Gesinnungsschaft gehörenden Partei ist zu lesen:
„Wir haben als Parlamentarier der Universität Nachhilfe in Demokratie, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gegeben und Götz Kubitschek im Freiheitlichen Parlamentsklub im Rahmen einer Podiumsdiskussion des Freiheitlichen Bildungsinstituts begrüßen dürfen.
„Aktion 451“ schmückt sich mit dem Bild von Oskar Werner, und schon muß mit dem Lachen begonnen werden, mit Oskar Werner, dem Deserteur wirbt „Aktion 451“ für ihre Gesinnungsschaft, mit der Oskar Werner nichts verbindet, wenn das eine Verbindung genannt werden kann, ihre Ablehnung.
Und das kommt bereits in einem Artikel aus dem „Profil“ vom 29. August 2009 zum Ausdruck: „Die wahren Kriegshelden: Wie prominente Österreicher dem NS-Terror widersetzten“, den zu ziterieren vollkommen ausreicht, um die lächerliche Verwechslung von Phantasie und Wirklichkeit dieser Gesinnungsschaft, um die lächerliche Verkehrung von Wirklichkeit und Einbildung — Sogar zu der Verfilmung des Buches, auf das sich „Aktion 451“ dieser Gesinnungsschaft meint beziehen zu müssen, hat Oskar Werner etwas zu sagen, er rückt Film und Wirklichkeit zurecht.
Oskar Werner litt zeitlebens unter dem Krieg. Nach Auskunft seines Biografen Robert Dachs gründete die Lebenskrankheit des berühmten Schauspielers, der Alkoholismus, nicht zuletzt in den traumatischen Erlebnissen dieser Jahre. Oskar Werner, der eigentlich Oskar Josef Bschließmayer hieß, wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Wien-Gumpendorf auf. Der Vater war Magazineur, die Mutter arbeitete in einer Damenhutfabrik. Die Ehe wurde früh geschieden. Dass Oskar Werner jemals ans Burgtheater kommen würde, war vorerst ein Traum, genährt von unzähligen Theaterbesuchen vom Stehplatz aus.
Im Oktober 1941 sprach Werner im Burgtheater vor und wurde im Alter von 18 Jahren das jüngste Ensemblemitglied, formell schon zur Wehrmacht eingezogen, für Vorstellungen jedoch beurlaubt. Der Dienst an der Front war ihm so erspart geblieben, doch wurde er tageweise zum Arbeitsdienst in ein Arbeitslager in Niederösterreich eingezogen, häufig auch zur Wache am Westbahnhof, wo er die Passagierscheine der abrückenden Soldaten prüfte und bei Gelegenheit wegen angeblicher Überfüllung des Zugs dem einen oder anderen Jungen seines Alters einen kleinen Aufschub an die Front verschaffte. Alles in ihm sträubte sich. In traumatischer Erinnerung blieb der Arbeitsdienst: Für mich ist die Uniform ein Sträflingsanzug, und behandelt haben s uns eh wie Sträflinge. ( ) Es war ein Klein-KZ. Ich musste Scheiße wegputzen und wurde immer sondergeschliffen; ich wollte mich umbringen, erzählte er Dachs. Um die Jahreswende 1941/42 wurde der Schauspieler zur Artillerieausbildung eingezogen und schwor sich, niemals auf einen Menschen zu schießen. Jeden Tag widerte es ihn mehr an. Ich war für sie wohl die Verkörperung des Ariers, darum benahm ich mich wie ein Idiot. Beim Morsen gab er Zettel weiter, auf denen er beliebige Punkte und Striche gezeichnet hatte, vor Pferden hatte er Angst. Im Frühjahr 1944 heiratete er seine Schauspielkollegin Elisabeth Kallina, im August kam ihre Tochter zur Welt. In diesem Jahr wurde das Wiener Arsenal, in dem Oskar Werner sich aufhielt, heftig bombardiert. Das Feuer, die Bomben, die Toten lösten bei Oskar Werner einen Nervenschock aus. Er bekam zwei Monate Genesungsurlaub und sollte danach an die Front geschickt werden.
Als Baden zu unsicher wurde, flüchtete die junge Familie, das Baby im Körbchen, zum Schrebergartenhäuschen einer Tante im Wienerwald, geriet jedoch mitten ins Artilleriefeuer und musste eineinhalb Tage, unter Beschuss zusammengekauert, vor der Hütte ausharren. Ich hätte uns umgebracht, wenn ich eine Waffe gehabt hätte. Ich bin 24 Stunden am elektrischen Stuhl gesessen mit meiner Familie. Und hab gewartet, dass der Volltreffer kommt, erinnerte sich Oskar Werner. Die Angst vor Gewittern hat ihn sein Leben lang gequält. Es war mir wie ein Bombenangriff, akustisch und optisch ist es dasselbe, erklärte Oskar Werner. Robert Dachs erinnert sich, dass sein Freund in solchen Situationen ein versteinertes Gesicht bekam, als sei der Krieg wieder gegenwärtig. Ein Amulett seiner Frau, das Fluchtamulett, legte der Schauspieler seit damals kaum noch ab. Er trug es selbst als sterbender Soldat in dem Film Der letzte Akt von G. W. Pabst. Als Künstler war es ihm ein Anliegen, die Schrecken des Kriegs der jungen Generation bewusst zu machen.
Eine klare Distanzierung der Muslime von Terror und Antisemitismus forderte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner heute, Mittwoch, im Rahmen der traditionellen Pressekonferenz zum Landesfeiertag im Stift Klosterneuburg: „Ich habe die klare Erwartung, dass auch die Muslime in Österreich diesen Hass und den Antisemitismus ablehnen.“ „Unsere Gedanken sind heute auch bei den Opfern des Terror-Angriffs der Hamas auf Israel“, hielt die Landeshauptfrau im Zuge der Pressekonferenz fest. Es handle sich hier um einen „Zivilisationsbruch“ und „einen Angriff auf unsere christlich-jüdischen Werte“, so Mikl-Leitner. „Wir stehen ganz klar an der Seite Israels und an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Österreich“, verwies sie in diesem Zusammenhang auch auf antisemitische Vorfälle in Österreich seit dem 7. Oktober. Gerade in derartig unsicheren Zeiten hätten die Religionsgemeinschaften „eine große Verantwortung, wenn es darum geht, für den friedlichen Zusammenhalt einzutreten“, hielt die Landeshauptfrau fest: „Ich erwarte mir daher auch von offizieller muslimischer Seite nicht nur klare Worte der Abgrenzung und Ablehnung, sondern auch aktive Überzeugungsarbeit in den Moscheen und Schulen.“
Johanna Mikl-Leitner beläßt es aber nicht dabei, nur zu fordern, in ihrer von HErrn gegebenen Verantwortung weiß sie, es muß Konsequenzen haben, und eine ihrer Konsequenzen, ebenfalls am 15. November 2023 wortmächtig verkündet, ist:
Die ÖVP NÖ hat eine „Null-Toleranz-Initiative“ mit Maßnahmen gegen Antisemitismus und für eine bessere Integration veröffentlicht. Gefordert werden u. a. strengere Regeln für den Erhalt der Staatsbürgerschaft und härtere Sanktionen bei Schulpflichtsverletzungen.
Und weil Johanna Mikl-Leitner um die Wichtigkeit der Schule weiß, weiß sie auch welche Konsequenzen in der Schule vonnöten sind,
Erweitert werden sollen laut dem Papier die Mitwirkungspflichten der Eltern an der schulischen Bildung ihrer Kinder. „Bei grobem Fehlverhalten, Mobbing oder Gewalt sowie mangelnder Integrationsbereitschaft“ sollen Lehrer-Eltern-Gespräche verpflichtend sein. Als Beispiel wurde u. a. „bewusste Verweigerung der Unterrichtssprache Deutsch trotz deren Kenntnis“ angeführt. Zudem sollen Eltern mit der Schulleitung und den Lehrkräften kooperieren müssen. Ebenso gefordert wird eine Umsetzungspflicht der im Lehrer-Eltern-Gespräch vereinbarten Maßnahmen, etwa Anti-Gewalt-Training oder schulpsychologische Beratung. Der Strafrahmen bei nachhaltigen Verletzungen oder Vernachlässigungen der Mitwirkungspflichten der Eltern soll von bisher maximal 440 Euro auf künftig mindestens 500 bis maximal 2.500 Euro erhöht werden. „Wir brauchen klarere Definitionen der Schulpflichten und strengere Sanktionen bei Schulpflichtsverletzungen“, sagte Mikl-Leitner. Wer „die gereichte Hand zur Integration in unsere Gemeinschaft nicht freiwillig annehmen will, muss finanziell empfindlich sanktioniert werden“. Strafzahlungen für Eltern integrationsunwilliger Familien seien eine „klare Botschaft, dass wir die Entwicklung von Gegengesellschaften in unserem Land nicht akzeptieren“.
Im Rahmen dieses Kurses zur Staatsbürgerschaftsprüfung soll – ebenso wie in der Schule – auch der Besuch einer KZ-Gedenkstätte verpflichtend sein. Bei Verurteilung wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung soll es kein Recht auf Einbürgerung geben, bei einem Schuldspruch wegen Verhetzung oder nach dem Verbotsgesetz soll Doppelstaatsbürgerinnen und -bürgern die österreichische Staatsbürgerschaft entzogen werden.
Es muß im Grunde zu dem, was die Kronen-Zeitung zur FPÖ bis zur Kenntlichkeit der FPÖ schreibt, nichts mehr hinzugefügt werden:
Angesichts der hohen Umfragewerte werden die Attacken der FPÖ gegen ihre Feindbilder immer geschmalzener. Die Blauen drohen Medien und wollen ihnen „Benehmen“ lehren. Es war wieder einmal eine Woche, in der die FPÖ allerlei Auffälligkeiten offenbarte. Da gibt es Oberösterreichs Vizechef Manfred Haimbuchner, der Journalisten und Islamisten in einen Topf wirft. Bei einer Bierzeltrede vor rund 1000 Besuchern in Micheldorf plärrte er in die Menge, wenn Herbert Kickl Kanzler werde, werde er „Journalisten und Islamisten wieder das Benehmen lehren“. Martin Glier, Pressesprecher von NÖ-Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer, richtete dem Kabarettisten Florian Scheuba über X (vormals Twitter) aus, dass dieser 2024 nur noch beim AMS auftreten könne (siehe unten). Quasi eine Ankündigung, wo kritische Persönlichkeiten unter einer FPÖ-Regierung arbeiten dürfen. Unterschied zwischen Bierzelt und Polit-Debatte Angesichts der Umfragen laufen die Blauen offenbar zur Höchstform auf, wenn es darum geht, die Medien anzugreifen. Das überrascht Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle wenig: „Medien und Asylwerber sind beliebte Feindbilder unter den FPÖ-Wählern.“ Haimbuchner meint auf „Krone“-Anfrage, er habe nicht „Islamisten mit Journalisten verglichen, sondern eine Zuspitzung vorgenommen“. Er gibt zwar zu, dass „jeder über sein Benehmen in jeder Form nachdenken sollte“. Aber der FPÖ-Politiker führt als Rechtfertigung für seine Attacken an, dass ein „Tonalitätsunterschied zwischen einer Parteiveranstaltung im Bierzelt und politischer Sachdiskussion erlaubt sein muss“. Auch dieses Verhaltensmuster sei typisch für die Blauen. „Regeln, die die FPÖ bei anderen geltend macht, gelten für sie selber nicht“, so Stainer-Hämmerle. Als Beispiel nennt die Politikexpertin den Burger-Sager von Kanzler Karl Nehammer (ÖVP). Auch der fiel während einer Parteiversammlung. Diesen Ausrutscher jedoch hat die FPÖ genüsslich ausgeschlachtet. Ähnliches passierte beim 24. Frauenmord. Als mutmaßlicher Täter gilt ein blauer Regionalpolitiker. Die FPÖ wollte partout nicht mit den Taten ihres Parteimitglieds in Verbindung gebracht werden und rief einige Redaktionen durch. Allerdings, wenn Täter nicht aus ihren Reihen kommen, ist die FPÖ alles andere als zimperlich. Hat der Täter Migrationshintergrund oder gehört er dem politischen Mitbewerb an, werden ganze Gruppen wie „die Ausländer“ oder „die Linken“ gleich mitverurteilt.
Johann Brandstätter (26. Juli 1934 in Gailberg, Kärnten) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen das Dollfuß-Regime in Deutsch-Österreich und ein Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung, der in der Kampfzeit während der Juli-Erhebung sein Leben für Freiheit und Meinungsrecht gab.
Ich gehe jetzt auf einen Katholischen Geistlichen ein. Der in Kirchenkreisen anerkannt als begnadeter Prediger. Dieser aber nicht den Kirchenvätern zuzuzählen ist. Und weil sein Name nach wie vor prominent besetzt aber er zu den Judenhassern par excellence gehört, ist es meine Pflicht, ihn hier vorzustellen. (Die Aufzeichnung basiert auf einem Vortrag am 16. November 2010 von Dr. Utz Podzeit: „Pfuy, schämt euch, ihr Juden!“ Abraham a Sancta Clara, 1644-1709, und die Irrtümer des Antijudaismus. Literatur: Loidl; Wistrich; Hollander) Des weiteren steht sein Denkmal in Lebensgröße, im Anschluss an Augustinerkirche, Albertina vor dem dortigen Eingang des Burggartens. Es ist an der Zeit, dort zumindest eine Tafel anzubringen, die Menschen über seine Vergehen aufklärt! (Hanuschgasse 3, 1010 Wien. Auf Wikipedia wird mit keinem Wort seine Judenhetze erwähnt) Abraham a Sancta Clara, der 1644 als Johann Ulrich Megerle im heutigen Kreenheinstetten geboren wurde, gilt als der bedeutendste katholische Prediger der Barockzeit. 1662 trat er im Kloster Maria Brunn bei Wien in den Orden der Augustiner-Barfüßer ein und nahm den Namen Abraham a Sancta Clara an. 1666 wurde er in Wien zum Priester geweiht. In Wien predigte er bis 1672 in fast allen Kirchen und Klöstern gegen die Laster der Zeit, gegen Völlerei, Trunksucht und Habgier und ermahnte seine Zuhörer zu einem Leben nach christlichen Grundsätzen. Gerne hörten ihm die Menschen bei seinen Predigten zu, denn der Stil P. Abrahams war durchaus auch unterhaltsam, wenn er etwa seine deftigen und satirischen Wortspiele eingefügt hat. Kaiser Leopold I. ernannte Abraham a Sancta Clara am 28. April 1677 zum Subprior und Hofprediger. Von da an verkehrte er in vornehmsten Kreisen, wobei er seine guten Beziehungen für soziale Werke nutzte. Man beschrieb seine Predigertätigkeit in vielfacher Weise: so war er ein gelehrter und berühmter Hofprediger, ein gefeierter, flammender, redegewaltiger und leidenschaftlicher Augustiner Hofprediger in Wien. Er war der kaiserliche Hofprediger nächst dem nachmaligen reformierten Bethaus in der Dorotheergasse. Mit einem Wort: er war des Kaisers berühmter Hofprediger. „Die Zitate über die Juden habe ich aus der Sekundärliteratur von Zeitgeschichtlern, Judaisten, Theologen und anderen Wissenschaftlern gesammelt, wie Peter Pulzer, Erika Weinzierl, Robert A. Kann, Werner Welzig, Karl Bertsche, Kurt Schubert, Friedrich Heer, und andere.“ (Der Vortragende Dr. Utz Podzeit) Eigenschaften „der Juden“ „Die Juden stinken.“ Sie sind stinkende Knoblauch- und Zwiebelmäuler. die Juden müssen Blut der Christen allezeit bei sich tragen, da sie sonst so hässlich, garstig und abscheulich stinken, dass keiner bei dem andern vor Gestank bleiben kann. „Die Juden sind Diebe.“ Sie sind Diebe, Wucherer, Betrüger, Münzfälscher, Zinswucherer, geldsüchtiges und wucherisches Gesindel, Geizhälse, und geldgierig. „Die Juden sind tugendlos.“ Sie sind unehrlich, boshaft, treulos, ehrlos, lasterhaft, Betrüger, Eidbrecher, übelste Missetäter, verbrecherisches Gesindel, verruchte Bösewichte, und ein verruchtes Gesindel. „Die Juden“ aus religiöser Sicht „Die Juden sind gottlos.“ Sie sind gottlose Hebräer und gottlose Juden, sie sind der Abschaum der Gottlosen. Sie sind Gotteslästerer und gewissenlos. Juden sind heillos. „Die Juden sind von Gott verflucht.“ Denn die Juden sind der Abschaum der Glaubenslosen, sie leben im Irrglauben, sie suchen den Himmel „außerhalb des rechten seligmachenden Glaubens“, die Juden glaubten zwar, aber nicht, was sie sollen. Sie sind von Gott verflucht. Die Juden sind ein ehedem auserwähltes Volk. „Die Juden“ als Gottesmörder und Feinde Die Juden sind „Gottes Sohnes Mörder“. Juden sind „die erklärten Feinde der Christenheit“. Sie sind die größten Feinde der Christen neben Satan, sie werden daher zu Recht verfolgt. Sie sind die schlimmsten Feinde der Christenheit. „Die Juden“ als Hostienschänder Die Juden sind Hostienschänder. Für Abraham a Sancta Clara war es eine Tatsache, dass Juden das Altarsakrament schänden. Er stellte die Juden so dar, als ob sie Hostien mit Messern und Pfriemen durchstechen würden, sodass viel Blut hin und her rinnt. Er berichtet davon, dass die Hebräer Hostien in Paris im Jahre 1290 auf einem glühenden Rost gebraten hätten, dass sie es in Böhmen mit Messern verwundet und in Nürnberg in einem Mörser zerstoßen hätten. Auch die bloße Konsumation einer Hostie durch einen Juden betrachtete Abraham a Sancta Clara als Hostienschändung. „Die Juden“ als Ritualmörder Die Juden sind Ritualmörder. Die Juden waren bevorzugte Opfer von Ritualmordbeschuldigungen. Schon in alter Zeit gab es Vorwürfe, dass sie anlässlich ihrer religiösen Feste Menschen rituell töten. So soll im Tempel von Jerusalem jährlich ein Grieche geopfert worden sein (Maier 2001: 362). Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts wird in Legenden verbreitet überliefert, dass Juden in der Osterzeit an christlichen Knaben Leiden und Tod Christi wiederholen. Ab dem 12./13. Jahrhundert führten solche fiktive Beschuldigungen zu Massenverfolgungen und Massakern an Jüdinnen und Juden (Schoeps 2000: 708). Die Ritualmordbeschuldigungen hielten sich auch in den folgenden Jahrhunderten am Leben. Kurt Schubert weist darauf hin, dass Abraham a Sancta Clara „von der Ritualmordbeschuldigung überzeugt (war), denn die Juden haben Christenblut notwendig und gebrauchen es auch“. Sie benötigen es für Rituale, Speisen, Getränke und auch gegen den stinkenden Körper. „Die Juden“ als Verursacher der Pest Die Juden sind die Verursacher der Pest. Die Behauptung, dass die Juden gemeinsam mit Hexen und Totengräbern für den Ausbruch der Pest verantwortlich seien, hat Abraham a Sancta Clara in seinem Werk ‚Mercks Wien‘ im Pestjahr 1679 veröffentlicht. Dort finden wir wörtlich: „Gar oft ein Gelehrter disputierte ganz sinnreich, von wem doch solche Pest herrühre, zumahlen bekannt ist, dass dergleichen Pestilenzische Seuch durch die bösen Feind, durch die Juden, durch die Totengraber, auch durch die Hexen verursacht worden.“ (In: Merks Wien 99, Huy u. Pfuy 105; Schubert 2003: 136; Heer 1998: 80; Weinzierl 1970: 484; Loidl 1941: 19; 30n79) Und in seinem Werk „Huy und Pfuy“ schreibt Abraham a Sancta Clara: „Dieses Gott sehr missfällige Gesind [‚Gesind‘] sei schon in früheren Zeiten Ursache der Pest gewesen. Habe man diese Schelmen [‚Schelmen‘] davongejagt, dann habe auch die Pest aufgehört.“ (In: Huy u. Pfuy; Loidl 1938: 291) „Solche irreführenden Behauptungen zeigten in der Folge, wie man sich denken kann, furchtbare Wirkungen. Sie führten zu Judenvertreibungen und –Ermordungen. Der chilenische Historiker Victor Farias weist darauf hin, dass Abraham a Sancta Clara ‚die Verbrennung von Juden als angebliche Urheber der damals grassierenden Pest’ für gerechtfertigt hielt.“ (Sendungsbewusstsein ohne Schuldeinsicht. Deutscher Geist. Zwei Neuerscheinungen zum Fall Heidegger. Von Michael Hauer; in: DIE ZEIT, 27.01.1989 Nr. 05)
Ein Psalm „Bedeutender Augustiner“ ist auch, ebenfalls am 9. November 2023 zu lesen, Martin Luther geschrieben – ja, das sind bedeutende Männer, die die Wahrheit wissen, über die Pest und und und
Seine Predigten waren kurzweilig, seine Worte oft derb: Abraham a Sancta Clara brachte im 17. Jahrhundert völlig neue Töne in die Kirche und begeisterte die Massen. Vor fast 300 Jahren, am 1. Dezember 1709, starb der Barockprediger in Wien. Er wird von vielen Experten als bedeutendster Theologe seiner Zeit gesehen.
Er lebte in einer Zeit von Prunk und Pracht, Elend und Seuchen. Während die Bevölkerung von der Pest dahingerafft wurde, gestaltete die katholische Kirche ihre Gotteshäuser immer prächtiger aus. Die Messe wurde auf Latein gelesen, das Volk blieb zweitrangig. Da machten die kurzweiligen Erzählungen und Späße, die Abraham a Sancta Clara an seiner Wirkungsstätte in Wien von der Kanzel schickte, schnell die Runde. Zugleich war er ein engagierter Seelsorger. „Als die Pest grassierte, hat er sich nicht zurückgezogen, sondern er hat den Menschen Mut zugesprochen“, sagt Berta Rudolf, die ein Leibertingen ein kleines Abraham-Museum betreibt. „Er hat dem Volk aufs Maul geschaut.“ Und er habe den Mut gehabt, auch die Mächtigem im Land zu kritisieren. „Er hat die Fresserei und die Sauferei kritisiert, die Verschwendungssucht und den Neid. Und er war dabei sehr, sehr scharfzüngig“, erzählt die Museumsleiterin
Es soll nicht gesagt werden können, und darum noch ein Kapitel zu Walter Bloem, es werde verschwiegen, was alles auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu Walter Bloem zu lesen ist. Es ist zu ihm mehr zu lesen als die dürftige, also reich verschwiegene biographische Angabe.
Freilich, dafür muß auf „Projekt Gutenberg-DE“ tief gegraben werden, und das erstaunt nicht, über Jahrzehnte war es opportun, alles, was von einer Person nicht öffentlich gemacht werden sollte, gemeint wurde, es öffentlich nicht zu sagen,, so tief zu vergraben, daß es, so die sonderliche Hoffnung in einer seltsamen Diensteifrigkeit für derartige Personen, auf ewig unauffindbar bleibe, und es ist bis heute herauf so geblieben, bis heute herauf wird das, was von einer Person öffentlich verschwiegen bleiben soll, auch, damit es unterirdisch weiter wirke, tief vergraben, eine leichte Zugänglichkeit verwehrt.
Aber, was vergraben ist, und mag es noch so tief vergraben sein, ist nicht aus der Welt, es ist bloß vergraben, und kann auch wieder ausgegraben werden. Nicht anders ist es mit Walter Bloem. Es müssen nur andere Schreibende, die auf „Projekt Gutenberg-DE“ ebenfalls veröffentlicht sind, gelesen werden, um das zu finden, was „Projekt Gutenberg-DE“ in seiner biographischen Vorstellung von Walter Bloem nicht so leicht zugänglich öffentlich verbreitet haben will.
Mit welcher Ausgrabung beginnen?
Mit dem Ausgraben der Fußnote, im Text von Erich Mühsam:
Ausgegraben aus dem „Lächeln der Mona Lisa“ von Kurt Tucholsky:
Unter den Milieuromanen der letzten Jahrzehnte gibt es zwei, die besonders großen Erfolg gehabt haben, wenn ich von dem seligen Stilgebauer absehe, der butterweichen Liberalismus mit angenehm erregender Pornographie zu vereinigen gewußt hat. Das sind Walter Bloems »Krasser Fuchs« und Poperts »Hellmuth Harringa«. Beide Bücher taugen nichts. Sie sind aber als sittengeschichtliche Dokumente nicht unbrauchbar. Bloem, ein überzeugungstreuer Mann, außer Walter Flex einer der ganz wenigen nationalen Literaten, die für ihre Idee im Kriege geradegestanden haben, gibt sanft Kritisches, das er für scharf hält.
Der Dichter weiß genau, wovon er schreibt. In seiner feinsinnigen Erzählung vom „Krassen Fuchs“ schildert er das Leben der Corpsstudenten in Marburg an der Lahn. In der bezaubernden hessischen Universitätsstadt gehörte er dem Corps Teutonia, in Leibzig dem Corps Lusatia an. Einzelheiten werden hier nicht verraten, um die Spannung nicht zu mindern. Aber die Schilderungen des fröhlichen, manchmal auch schmerzhaften Waffenstudententums und der liebevollen, aber (im Vergleich zur Gegenwart) harmlosen Liebeleien könnten authentischer nicht sein. Nach der Lektüre des ersten Kapitels wird der männliche, jugendliche Leser entweder so begeistert sein, daß er sich an seinem Studienort einen Bund sucht, oder er ist für die nationale Sache verloren.
Vorher waren schon Schwankbücher wie Jörg Wickrams »Rollwagenbüchlein« oder des Bruders Johannes Pauli »Schimpf und Ernst« (1522) Mode geworden: Bücher, die heitere oder moralische Anekdoten erzählen, die sich nicht um einen einzelnen Narren gruppierten: die damalige Reiselektüre, auf den Rollwagen mitzunehmen. Wobei zu bemerken ist, daß diese Reiselektüre unendlich gehaltvoller war als die heute verbreitete. Bruder Johannes Pauli ist ein belesener und witziger Mann, der ausgezeichnet zu erzählen vermag und unsere Stratz und Höcker überragt wie ein Kirchturm eine verkrüppelte Kiefer. Da liest man nun folgendes:
»Man zog einmal aus in einen Krieg mit großen Büchsen und mit viel Gewehren, wie es denn so Sitte ist; da stund ein Narr da und frage, was Lebens das wäre? Man sprach: Die ziehen in den Krieg! Der Narr sprach: Was tut man im Krieg? Man sprach: Man verbrennt Dörfer und gewinnt Städte und verdirbt Wein und Korn und schlägt einander tot. Der Narr sprach: Warum geschieht das? Sie sprachen: Damit man Friede mache! Da sprach der Narr: Es wäre besser, man machte vorher Frieden, damit solcher Schaden vermieden bliebe. Wenn es mir nachginge, so würde ich vor dem Schaden Frieden machen und nicht danach; darum so bin ich witziger als eure Herren.«
Hätten wir Deutschen vor dem Kriege Johannes Pauli als Reiselektüre gelesen an Stelle von Walter Bloems »Eisernem Jahr«: vielleicht wäre es nicht zum Kriege gekommen, und wir hätten uns dieses Narren Meinung zu Herzen genommen.
Franz Blei:
Man kann hundert Verehrer Walter Bloems viel leichter umbringen als überzeugen, daß Bloem keine Kunstwerke schreibt.
Weltbühne, 28. Februar 1933, vor neunzig Jahren, Carl von Ossietzky:
Es sind jetzt mehr als dreißig Jahre vergangen, daß Hermann Sudermann sein berühmtes Pamphlet über die »Verrohung in der Theaterkritik« veröffentlichte. Ein erfolgreicher Autor hatte den Ehrgeiz, auch als künstlerische Erscheinung hundertprozentig gewertet zu werden, und begann unvermittelt auf jene Kritiker loszudreschen, die seinen Anspruch anfochten. Sudermanns grober Vorstoß hatte eine Reihe glänzender Gegenschriften zur Folge; in den Kritiken Siegfried Jacobsohns zitterte noch lange die Erregung jener Auseinandersetzungen um die »Verrohung« nach. Heute sind wir in der glücklichen Lage, diese Kämpfe historisch betrachten zu können. Wir gestehen gern zu, daß die Berliner Theaterkritik damals einen Hitzegrad erreicht hatte, der uns heute unverständlich erscheint. Die Wilhelminische Ära, durch und durch apolitisch, gab ihre großen streitbaren Temperamente an die Sphären der Kunst und des Theaters ab. Das hat sich seitdem gründlich geändert. Heute wird alle polemische Veranlagung von der Politik aufgesogen, und wenn von den jungen Leuten noch welche zur Theaterkritik übergehen, so sind es die nazarenischen Gemüter. Aber seit ein paar Jahren kehren die Anklagen von Anno Sudermann verstärkt wieder. Sie lassen sich dahin zusammenfassen: das deutsche Drama wird von einer Clique machtgieriger und zumeist semitischer Kritiker tyrannisiert, die einen eisernen Ring um die großen Berliner Bühnen bilden und niemanden ranlassen, der ihren exklusiven volksfremden Anschauungen nicht entspricht und, vor allem, ihre Diktatur nicht anerkennt. Als Patrouillengänger in diesem Feldzug betätigt sich seit einiger Zeit der Romanschriftsteller Walter Bloem. Im Feuilleton der »Deutschen Allgemeinen Zeitung«, das ihm dafür zur Verfügung steht, hat er kürzlich einen Aufsatz veröffentlicht, »Wer hat das deutsche Theater ruiniert?«, und vor einigen Tagen hat er seine Behauptungen noch durch ein besonderes Nachwort zu konkretisieren versucht Wir wollen uns an letzteres halten, grade weil es sich bemüht, Belege zu erbringen. Wir halten Herrn Walter Bloem, der im vergangenen Sommer schon durch eine wuterfüllte Attacke gegen Heinrich Mann Aufsehen erregte, für keinen geeigneten Interpreten von Kunstanschauungen, die bisher angeblich niedergehalten wurden. Herr Bloem gehört als Romanautor zu jenen Glücklichen, denen ihre Mittelmäßigkeit nicht schadet, sondern nützt. Ein fleißiger, zäher Arbeiter, um dessen schweißtriefende Stirn die Muse einen Bogen macht. Ein braver Kerl, wird man sagen, wenn man sieht, wie er sich um sein Handwerk müht. Allerdings wird man ihm diese Bravheit nicht mehr zugestehen können, wenn er einen Schriftsteller vom Range Heinrich Manns, dem er nicht wert ist, die Schuhriemen zu lösen, anfällt, um ihn als schlechten Deutschen zu denunzieren. Ebenso wird man Herrn Bloems Anmaßung zurückweisen müssen, als Zensor und Retter des deutschen Theaters aufzutreten. Ihm fehlt dazu das Gewicht einer eignen Leistung. Wenn sich, sagen wir … Thomas Mann auf ein ihm fernes Gebiet begibt, so ist ihm mindestens ein respektvolles Auditorium sicher. Quod licet Jovi, non licet bovi … Herr Bloem begreift das nicht. Anstatt Fortuna, die Dirne, zu preisen, die ihm aus ihrem Füllhorn hunderttausend Leser beschert, während sie für Gottfried Benn zweihundert übrig hat, anstatt also sein freundliches Geschick zu segnen und die Klappe zu halten, gebärdet er sich als freiwilliger Literaturpolizist und strenger Cato. Was hat er vorzutragen? Der böse Internationalismus hat das »volksgemäße deutsche Drama« systematisch ruiniert. »Wer den Irrsinn der abgelaufenen Epoche deutscher Verstrickung nicht selber mit durchlebte, wird es nie begreifen: wir hatten kaum Helfer, am wenigsten in der Sphäre des deutschen Theaters. Für unser Volkstum einsam auf verlorenem Posten zu kämpfen, das war das grausam bittere Los der Ältern unter uns.« Volkstum –? Nun, wenn in »dem Irrsinn der abgelaufenen Epoche deutscher Verstrickung« ein Dichter das Volk gleichsam entdeckt und in seiner Gestik und seinen Reden belauscht hat, so ist das der Dichter des »Fuhrmann Henschel« und des »Hannele«. Was ist jedoch Gerhart Hauptmann für Herrn Bloem? »Zugehöriger des demokratisch-marxistischen Gesinnungskonzerns …« Es ist schwer, mit Cato zu streiten. Gut, der Dichter der »Weber« und des »Florian Geyer« hat nichts mit dem »volksgemäßen Drama« zu tun. Wer aber kann dafür in Anspruch genommen werden? Herr Bloem beschränkt sich Gott sei Dank nicht auf die bloße Behauptung. Er tritt mit einer langen Liste in die Arena und fügt zugleich alte Kritiken von Siegfried Jacobsohn und Alfred Kerr hinzu, um zu zeigen, wie niederträchtig die Kritikastersippe an seinen Dichterfürsten gehandelt hat. Man möchte im eignen Interesse Herrn Bloems seine Beweisführung gern unterdrücken. Indessen – Schonung ist nicht am Platze. Es kann nicht verschwiegen werden, daß die Reihe seiner klagenden Poetenschatten von Ernst von Wildenbruch eröffnet wird. Der alte Wildenbruch ist nicht von jüdisch-gallischen Rezensenten von hinten erdolcht worden, er ist einfach der Zeit erlegen. Er hat einem vorübergehenden Geschmack entsprochen, er hat seine Triumphe genossen – und dann war’s vorbei für immer. Sieht Herr Bloem wirklich die Aufgabe eines »volksgemäßen« Theaters in der Wiedererweckung Wildenbruchs? Herr Bloem ignoriert den erbarmungslos regulierenden Einfluß der Zeit. Die Konservativen von 1933 sind andre als die von 1910. Wir raten ihm dringend, sich doch einmal an den neuen Staatstheater-Dramaturgen Hanns Johst zu wenden und ihn aufzufordern, etwa die »Karolinger« oder die »Rabensteinerin« aus der Mottenkiste zu holen. Wahrscheinlich wird Herr Johst ihm eine Antwort geben, die an die herbe Kraft seiner eignen expressionistischen Frühzeit erinnert. Was aber Wildenbruch angeht, so sollte sein Entdecker vorsichtiger sein. Ernst von Wildenbruch, als Dramatiker von einer bergeversetzenden Naivität, ein leicht begeisterter Rhapsode fürstlicher und besonders hohenzollernscher Moritaten, war außerhalb seiner Kunst alles andre als ein Byzantiner. Er war ein Mann von durchaus liberalen Anschauungen, und wo es um öffentliche kunstpolitische Bekenntnisse ging, stellte er sich unerschrocken an die Seite seiner Kollegen von der »demokratisch-marxistischen« Observanz. Er hat niemals die Meinung vertreten, der Kunst müßten, zur Hebung der allgemeinen Volksmoral, von Staats wegen Daumenschrauben angelegt werden. Er hat den Feldzug gegen die Lex Heinze mitgemacht und eine Bewegung für die Aufhebung des § 175 mit seiner Unterschrift unterstützt also genau das getrieben, was die Rückwärtser von heute »Kulturbolschewismus« nennen. Der alte Wildenbruch würde heute als ein höchst zersetzendes Element gelten. Herr Bloem nennt weiter Joseph Lauff und Eberhard König. Wir wollen sie ruhen lassen, denn es wäre grausam, sie dem Rampenlicht auszusetzen. Wir wollen uns weder um die schwachen Dramen des herrlichen Lyrikers Liliencron streiten noch um Paul Ernsts sterbenslangweilige Tragödien. Es wird ärger, wenn Herr Bloem zu den von den Rezensenten Gemeuchelten auch Ludwig Thoma und Max Dreyer rechnet. So ahnungslos kann Herr Bloem nicht sein, als daß er nicht über das Autorenschicksal beider Bescheid wüßte. Ludwig Thoma, der niemals ein Dramatiker, sondern Novellist und Versemacher mit pamphletistischer Ader war, hat mit seinen Komödien über seinen Tod hinaus Beifall geerntet. Er gehörte als Bühnenschriftsteller zu den Erfolgreichen seiner Zeit, er ist von Unzähligen geliebt und bewundert worden, ein Vertreter der »demokratisch-marxistischen« Fraktion, nämlich Theodor Wolff, war es, der ihn vor rund fünfundzwanzig Jahren feierlich zum »bayrischen Aristophanes« ernannte; selbst Herr Bloem dürfte zugeben, daß das eine sehr milde Art von Befehdung darstellt. Ludwig Thoma hat als Bühnenautor eine Resonanz gefunden, die seinem genialen Zeitgenossen Frank Wedekind ganz und gar versagt geblieben ist. Auch Max Dreyers grobknochige Dramatik hat Reißer geliefert wie den »Probekandidaten«, aber ein hinreißender Appell an das Säkulum, das sind seine Theaterstücke wirklich nicht. Trotzdem sollte man den »Probekandidaten«, eine handfeste Persiflage der Schulreaktion um die Jahrhundertwende, heute ausgraben. Der Erfolg würde ähnlich sein wie der von Ludwig Thomas »Moral« im vergangenen Sommer – er würde Herrn Bloem keine Freude bereiten. Wenn der gemaßregelte Schulamtskandidat, der in einem muffigen Kleinstaat Schiffbruch erlitten hat, am Ende erkläre er würde dorthin gehen, wo Meinungsfreiheit in Wort und Schrift gewährleistet ist, nämlich nach Preußen, so wäre die aktuelle Beziehung zur Eklatanz hergestellt, und das ganze Theater würde vor Freude wiehern. Es hat bis jetzt noch keine klare Antwort gegeben auf die Frage, was »Kunstbolschewismus« eigentlich ist. Die Herren, die es wissen müßten, weichen voneinander ab. In der »Deutschen Zeitung« wird Georg Kaisers »Silbersee« zum Beispiel mit offensichtlichem Bemühen um Objektivität besprochen; aber auch deren Kritiker, Herr Mühr, scheint nicht zuverlässig, denn in Magdeburg protestieren die nationalen Verbände. Wer findet sich da noch zurecht? Auch gegen Justizirrtümer in der Kunst gibt es keine völlige Sicherung. Seit dem Beginn der naturalistischen Ära sind in Deutschland nicht mehr Talente verkannt worden als sonst auch. Und wir können mit einiger Sicherheit konstatieren: ein Genie war nicht darunter. Der »Irrsinn der abgelaufenen Epoche« hat wahrscheinlich weniger verbrochen als andre Zeiten, die Herrn Bloem wohl vernünftiger vorkommen, weil ihm ihr Regierungssystem besser zusagt. Das patriarchalische Regiment hat nicht gehindert, daß Kleist von Kotzebue und den Verfassern elender Ritterdramen gefressen wurde; in den Glanztagen bürgerlicher Tugenden kam Hebbel nicht zur Geltung, weil die Theater von Raupach und der Birch-Pfeiffer okkupiert waren. Wenn Herr Bloem jahrzehntealte Kritiken von Kerr heraussucht, um die ganze Scheußlichkeit des »demokratisch-marxistischen Gesinnungskonzerns« aufzuzeigen, so übersieht er dabei, wo diese Kritiken einmal gestanden haben, nämlich im Scherlschen »Tag«. Früher hatten manche Rechtsblätter, mochten sie sich im politischen Teil noch so orthodox gebärden, doch ein ausgeprägtes Kulturbewußtsein. Sie wollten wenigstens den Zusammenhang mit dem besten künstlerischen Geist der Zeit nicht verlieren. Die alte »Tägliche Rundschau«, die einer wüsten alldeutschen Tendenz verschrieben war, zeichnete sich durch einen besonders gepflegten und fortschrittlichen Theaterteil aus. Herr Bloem und seine Freunde, die es heute so darzustellen belieben, als hätten damals die Kunstbolschewiken Jacobsohn, Harden und Kerr in trauter Gemeinschaft ihre Gifttränke zur Beseitigung volksgemäßer deutscher Dichter gebraut, liefern nur ein albernes Zerrbild dieser Jahre. Der Anteil der Rechtspresse an den damaligen Kämpfen darf nicht verschwiegen werden, ebensowenig, daß ein Chorführer der naturalistischen Zeit der jetzt verstorbene Karl Strecker war, ein Mann von fester konservativer Überzeugung, der viel für Ibsen, Hauptmann und Dehmel getan hat. Aber diese personalen Dinge sind nur historisch beachtlich – sie verblassen neben der größern Frage: Wer hat das deutsche Theater ruiniert? Das behauptet Herr Bloem, nicht mehr und nicht weniger. Es spricht gegen die Zeit, daß man sich mit einer solchen Botokudenlegende ernsthaft auseinandersetzen muß. Mit dem Cato Bloem ist schwer zu disputieren: ihm fehlt jeglicher Sinn für Qualität. Uns liegt jeder Hauptmann-Byzantinismus fern. Aber wenn jemand behauptet: »Stofflich und weltanschaulich gehört er (Hauptmann) einer überwundenen Epoche an«, und wenn das kein junger Mensch schreibt, der sein Lebensrecht gegen die Großen einer schwindenden Zeit durchsetzen will, sondern ein saturierter sechzigjähriger Romanautor, der in jeder Zeile seiner Arbeiten unter der Epoche steht, die er stofflich und weltanschaulich verdonnert, so erübrigt sich weitere Argumentation, und sein substanzloses Gezeter gibt nur Anlaß zu einigen notwendigen Feststellungen. Es ist nicht wahr, daß das deutsche Theater sich heute wieder aus einer Epoche von Ruin und Verfall zu erholen beginnt. Diese letzten vier Jahrzehnte, von Hauptmann bis Brecht, von Rittner bis Krauss, von der Sorma zur Bergner, waren eine Zeit unerhörter Blüte, auf die Deutschland mit bestem Recht stolz sein kann. In dieser Zeit hat das deutsche Theater einen Rang behauptet, der in der Welt einzig war. Wahrscheinlich sind in dieser Zeit keine Dramen von Ewigkeitsbedeutung geschaffen worden – eine solche Bilanz des Bleibenden wird später gezogen werden müssen –, es handelt sich auch nicht darum, sondern um den Willen und das Streben zur höchsten Leistung. Was das deutsche Theater und die Theaterstadt Berlin besonders auszeichnete, das war die freudige Bereitheit, alle sich bietenden Werte aufzunehmen und selbständig zu verarbeiten, die kosmopolitische Aufgeschlossenheit, der Mangel an Borniertheit. Die Berliner Theaterkritik war durch ihre Schärfe oft herzlich unbeliebt, aber sie hat das qualitative Niveau im ganzen mit höchster Gewissenhaftigkeit gewahrt; sie hat immer, im Gegensatz etwa zur Pariser Kritik, die ganz in konventioneller Seichtheit dahintreibt, ein eignes markantes Gesicht gezeigt. Auch wir haben nicht die Verfallserscheinungen der letzten Jahre übersehen – es ist nicht der Zweck dieser Ausführungen zu schildern, wie aus Überreife Fäulnis wurde und warum nicht rechtzeitig genug Ablösung überalterter Menschen und Dinge erfolgte. Es gilt hier nur Zeugnis für eine Zeit abzugeben, die wir zum Teil miterlebt haben, und einen unberufenen Zensor zurückzuweisen, der sein eignes Minderwertigkeitsbewußtsein unter der Toga des Anklägers verhüllt. Die Kunst ist heute in die vierte Reihe gerückt. Die großen Entscheidungen werden auf einem andern Felde erfolgen. Aber es wäre feige und undankbar zugleich, wenn wir eine echte Leistung der jetzt zu Ende gehenden geschichtlichen Phase nicht gegen Schmähung schützen wollten. Herr Bloem kommt sich gewiß als hochnationaler Mann vor, wenn uns auch seine Gründe für diese Annahme verschlossen bleiben. Er teilt mit vielen andern gleicher Couleur die Blindheit für die wirklichen Werte, für die besten Produkte der Nation. Es erleichtert Herrn Bloems Position, daß er heute an der Seite der Mächtigen steht. Aber dadurch werden seine eignen Romane nicht belangvoller, und dadurch werden die Toten, die er herbeiruft, nicht lebendig. Er »grüßt mit erlöstem Aufatmen die Paniere des jungen Deutschland – für die heute Schaffenden«. Ein alter Irrtum, einen politischen Flaggenwechsel für die Eröffnung einer neuen Kunstepoche zu halten. Schließlich kommt es doch immer auf das Können an und nicht auf das Panier, und öfter noch als in den Sonnentagen der Macht ist die große Kunst im Kellerdunkel der Opposition gediehen. Seit zehn Jahren bemüht sich der Nationalismus, einen literarischen Koloß auszubrüten. Die Geduld in allen Ehren – aber herausgekommen ist dabei kein Kleist, sondern nur der fatale O.S.-Roman des Herrn Arnolt Bronnen, der in jeder Beziehung an der Grenze spielt. Herr Bloem sieht jetzt Herrliches heranreifen. Nun gut, bei Philippi sehn wir uns wieder!
Nachmittags bei Frau Förster-Nietzsche. Das Nietzsche-Archiv ist jetzt, wie sie selbst sagt, ›mitten in der Politik‹. Zu seinem Vorsteher haben sie einen Nazi-Professor Emge aus Jena berufen, einen Professor der Rechtsphilosophie, der sogar als Nazi-Minister in der thüringischen Regierung in Aussicht genommen ist. Im Archiv ist alles vom Diener bis zum Major hinauf Nazi. Nur sie selbst ist noch, wie sie sagt, deutschnational. Sie erzählte, wie Hitler sie besucht hat nach der Premiere von Mussolinis Stück im National-Theater. Während mehrere italienische Korrespondenten bei ihr saßen, habe er sich melden lassen und sei mit einem riesigen Blumenstrauß und begleitet von seinem Stabe bei ihr eingetreten. Es habe sich in Gegenwart der Italiener eine lebhafte politische Konversation entsponnen, bei der Hitler sich, wie sie sagt, in einer für ihr Gefühl unvorsichtigen Weise über Österreich und den Anschluß geäußert habe. Er habe betont, daß er den Anschluß nicht wünsche, weil Wien keine rein deutsche Stadt sei. Sie habe das nicht für richtig gehalten, daß er das vor den Ausländern sagte. In seinem Gefolge befand sich unter andren auch Schulze-Naumburg. Ich fragte sie, welchen Eindruck Hitler menschlich auf sie gemacht habe? Ob er nach ihrem Gefühl Format habe? Sie sagte: aufgefallen seien ihr vor allem seine Augen, die faszinierend seien und einen durch und durch blickten. Aber er habe mehr den Eindruck eines religiös als politisch bedeutenden Menschen auf sie gemacht. Den Eindruck, daß er ein großer Politiker sei, habe sie nicht gehabt. Winifred Wagner, die mit dem italienischen Botschafter Orsini-Baroni während der Goethe-Feiern bei ihr war, stehe auch den Nazis sehr nahe. Kurz, diese ganze Schicht des intellektuellen Deutschlands, das in der mehr goethischen, romantischen Periode seine Wurzeln hat, ist ganz Nazi-verseucht, ohne zu wissen warum. Das Nietzsche-Archiv hat von seinem Faschismus wenigstens einen materiellen Vorteil, indem Mussolini ihm, wie Frau Förster erzählte, gegen Ende des vorigen Jahres zwanzigtausend Lire überwiesen hat. Am nächsten Donnerstag hat sich die ›Kaiserin‹ Hermine bei ihr zum Tee angesagt; es wird ein ›Dichtertee‹, wie sie sagt: Börries Münchhausen liest Gedichte vor, und Walter Bloem ehrt das Fest durch seine Gegenwart. Man möchte weinen, wohin Nietzsche und das Nietzsche-Archiv gekommen sind! Noch eins: daß dieser alten, sechsundachtzigjährigen Frau der mächtigste Mann Deutschlands und die Frau des früheren Kaisers heute den Hof machen. Letzteres fast grotesk nach der Einstellung S. M. zu Nietzsche vor dem Kriege! Sie erzählt noch zu diesem Umschwung, daß die Offiziere des in Weimar garnisonierenden Reichswehr-Divisionsstabes ihr bei ihrer Herversetzung offiziell einen Antrittsbesuch machen. Wie war es in meiner Jugend in Potsdam, als ich mit Bernhard Stolberg und meinem Kreise Nietzsche las? Stolberg wurde deshalb von seinem Vater aus Potsdam fortgeholt und sechs Monate mit einem Pfarrer eingesperrt. Damals war Nietzsche Revolutionär und fast ebensosehr vaterlandsloser Geselle wie die Sozis. Das Gespräch, das in der kleinen guten Stube im ersten Stock vor sich ging, mit dem Blick durch die offene Verbindungstür nach dem Ecksofa, auf dem ich zum letzten Mal Nietzsche wie einen kranken Adler sitzen sah, machte mir einen tiefen Eindruck. Geheimnisvolles, undurchsichtiges Deutschland.
Robert Musil:
Es ist bei uns ein sonderbares und äußerst gefährliches Verhältnis entstanden: die Respektlosigkeit vor dem Geist im Namen des deutschen Geistes. Weite – und fast möchte man sagen die bestwilligen – Kreise unseres Volks haben es verlernt, eine Leistung nach ihrem Gehalt zu empfinden, und prüfen sie nur nach ihrer Herkunft und darauf, wie sie ins System der Vorurteile paßt; es wird das Weite am Engen gemessen, der mannigfaltige Geist an einer seiner Ausgeburten; die Aufmerksamkeit hat sich von den Werten zu ihren Nebenumständen abgewendet, von der Wirklichkeit zur Hypothese, und es hat sich derer, die zu folgen berufen sind, eine sektiererisch anmaßende Besserwisserei bemächtigt. Da mit etwas so Urtümlichem, wie es die Rasse ist, überdies nur urtümliche Tugenden verknüpft sein können, werden schließlich auch die Geister, welche sich des gleichen Bluts berühmen dürfen wie ihre Richter, nicht mehr ans Ohr der Nation gelassen, falls sie nicht so schreiben wie Herr Walter Bloem […], also nicht treu, tapfer, keusch sind und mit weiteren fünf deutschen Indianertugenden ihr Auslangen finden. Auf diesem Wege des Idealismus ist der Rassengedanke zur deutschen Selbstbeschädigung geworden und saugt der Nation in jahrzehntelangem Mißbrauch das Mark aus.
Was alles vorkommen kann. Herr Walter Bloem ist – wir haben lange warten müssen – nach Wien zu einer Vorlesung gekommen, die mit einem formvollendeten Überblick über Bloems Leben und Schaffen – denn das gibt es – eingeleitet wurde und zwar von einem deutschen Mann namens Wymetal. Der deutsche Dichter, der als Kompagnie- und Bataillonskommandant den ersten Vormarsch mitmachte, den Sturm auf das Fort Douomont führte, den Sommeübergang als erster forcierte – Wozu? erwuchs vor den Hörern in schöner menschlicher Klarheit. Lebhaft begrüßt, las hierauf Bloem ein Kapitel aus dem Alt-Würzburger Roman »Gottesferne«, der den Kampf eines Herrenmenschen, des Bischofs, gegen die Masse seiner Untertanen, das erwachende Bürgertum, schildert und so. Die eine Probe schon gab Wymetals Behauptung recht, der Bloem als historischen Romancier neben große Tote wie Konrad Ferdinand Meyer stellt. Hierauf zeigte sich Bloem von einer ganz neuen Seite, indem er »Mephisto und alle bösen Dämonen, die das deutsche Volk hart an den Abgrund gebracht« (ohne ‚hat‘), vor uns in furchtbarer, dunkler Gewalt erstehen machte. Denn Bloem, der Epiker, ist auch ein Dichter von hinreißender Rhetorik. Er ist kein in sich versponnener Lyriker. Er ruft sein Bekenntnis: »Ich bin ein deutscher Dichtersmann« aller Welt entgegen. Das kann auf die Entente und vollends auf Wymetal nicht ohne Eindruck bleiben. Wenn er aber auch mir es entgegenrufen wollte, würde ich ihm antworten, daß ich nie daran gezweifelt habe, da ich ja weiß, daß er sich eben dadurch die Freundschaft Wilhelms Il. zugezogen hat. Befremdend ist nur, daß man auf so etwas stolz sein kann und es aller Welt entgegenruft, anstatt in sich zu gehen, wobei man sich ja nicht geradezu in sich verspinnen müßte. Aber so ein deutscher Dichtersmann, der als erster den Sommeübergang forciert hat, ist ja nicht zu halten: Er schloß mit den aus dem Anblick der Ruine Ehrenbreitstein am Rhein, die jetzt das amerikanische Sternenbanner trägt, erwachsene Strophen: »Daß Deutschland wieder werde der Ehren breiter Stein!« Alle fühlten es, daß Bloem keine Zeile geschrieben hat, die er nicht im Innersten erlebte. Dem Dichter und Menschen galt der jubelnde Beifall. Ich frage mich vergebens, wie man es anstellt, im Innersten zu erleben, daß Deutschland wieder der Ehren breiter Stein werden soll. Man könnte doch höchstens schmerzlich bewegt sein, daß es durch die Art seines Kaisers und der ihm nacheifernden Untertanen, der deutschen Handelsmänner und der deutschen Dichtersmänner, zum Stein des Anstoßes in der Welt geworden ist.
Lessing, Theodor: „Feind im Land“:
Das Volk jauchzte zur Altane hinauf. Und wie schrieb unser edler deutscher Dichter Walter Bloem so schön von dieser Stunde? »Das sinkende Rot der Maiensonne spiegelte sich im Nasse der Perlen, emporgeweint aus Herzenstiefen deutscher Jünglinge und Jungfrauen. Klio aber, die Muse im purpurblutigen Gewand, schlug eine neue Seite auf im Schicksalsbuche der Menschheit und schrieb über das neue Blatt mit ehernem Griffel: › Die Wiedergeburt Europas.‹« – Dann verlangte das Volk Emil Blender, den Außenminister, und Sepp Schwarbel, den Kultusminister, zu sehn. Blender war bereit. Aber auch er sollte Brüderlichkeitsbeweise liefern. Er wählte sich Mannheimer zum Gegenspieler und bat diesen, mit auf den Balkon hinauszutreten. Mannheimer aber nahm das schämig auf und sagte: »Ich komme mir vor wie beim Kotillon die liebreizendste Dame, die von allen Seiten Sträußchen empfängt. Ich weiß nicht, warum wählen alle gerade mich. Wählen Sie doch einen Würdigeren. Ich habe schon Kuno Reißer zugesagt.« Blender aber bestand darauf, daß es just Mannheimer sein müsse. Wenn überhaupt schon mal die alberne Küsserei vorm Volke gespielt werden solle, dann sei ihm Mannheimer immerhin am sympathischsten. So hatte denn das Volk das seltene Schauspiel, zu sehen, wie das nationale Bankgeschäft in Gestalt Mannheimers und die nationale Politik in Gestalt Blenders einander küßten. Nur war Mannheimer, selbst bei dieser Gelegenheit, nicht zu bewegen, seine Zigarre aus dem Munde zu nehmen. Danach rief das Volk gebieterisch die Namen Jens Liebrecht und Baldur Tünnes. Aber Liebrecht war nirgends aufzufinden. Und dieser Umstand hätte die staatsrettende Aktion beinahe durchkreuzt. Baldur trat allein hinaus und sagte dem Volke, daß Liebrecht mit Vorbereitungen für die »Diktatur des Proletariates« viel zu beschäftigt sei, um im Augenblick erscheinen zu können. Es gelang ihm denn auch, die gefährlichste Klippe, das Nichterscheinen Liebrechts, mit Rosen zu verdecken, zumal noch viele andere Berühmtheiten, inländische wie ausländische, vor das Volk traten und ihm lebende Bilder der Erlösung und Versöhnung vor Augen stellten. So traten denn in dieser Stunde sämtliche Führer Europas zu Pazifismus und Kommunismus hinüber. Es blieb ihnen auch nichts andres übrig. Denn was sollten sie tun, angesichts der drohenden Gefahr, vom revolutionären Mob zertreten oder aufgeknüpft zu werden?
Mann, Heinrich: „Ein Zeitalter wird besichtigt“, 1923, vor einhundert Jahren:
Aus Anlaß der Kolonialausstellung 1931 wurde von Paris eine deutsche Delegation erbeten. Ihr gesellte sich ein gewisser Bloem, als unberufener Schriftsteller alt geworden, aber wenn eine nationale Bosheit ohne Hirn das Talent ersetzt, sah er seine Gelegenheit nahe. Im Krieg haben die Nationalsozialisten, die seinesgleichen kaltstellten – als nationale und soziale Gottesgeiseln genügten sie sich – ihm endlich doch einen seiner Sätze nachgedruckt: die Russen kämpften fanatisch, weil sie noch unter dem Tier ständen. Mit diesen Begriffen in einem mächtigen Schädel, kam das Individuum nach Paris mit, um mich zu beaufsichtigen, um Verletzungen der nationalen Würde nach Haus zu melden.
Einundfünfzig Funde auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu Walter Bloem, davon sind sehr viele Funde abzuziehen, die Walter Bloem selbst zum Ergebnis haben, mit seinem auf „Projekt Gutenberg-DE“ vorhandenem und veröffentlichten Buch „Mörderin?! – Roman eines Verteidigers“, abzuziehen sind auch die vielen Funde „Rheinisches Dichterbuch – Auszug“: bloße Hinweise Walter Bloems „Streikbrecher“ … So bleiben gerade einmal ein Dutzend Funde zu Walter Bloem über, Funde, die nicht gerade davon erzählen, daß Walter Bloem ein Schriftsteller von herausragender Bedeutung, aber die Funde in der Vergangenheit erzählen von der Gegenwart, aus der Walter Bloem vor zweiundsiebzig Jahren für immer …
Zwei Zitate noch.
Franz Bleibtreu:
Das Gerede von seinem heißen Gefecht bei Schloß Moncaux gehört zu den Phantasten des Romanschriftstellers Bloem, Hauptmann d. R., der nachher die »Trümmer« der 22. R. D. bei Trocy sah, die überhaupt nur 1200 verlor. – Dies Bataillon und Lotterer’s Art. wandten sich südwärts zum Ourcq nach Trocy; vier Bat. der 6. D. standen dort bereits seit 4. bei Betz, die 6. D. blieb dauernd am Ouvry, die 5. D. »nördlich der Marne«, wie ein Heerbericht Moltkes ausdrücklich angibt. Da also die Sage vom 3. K. am Morin erledigt, darf man sich nicht wundern, daß das Phantom des 2. und 4. K. am Gr. Morin gleichfalls sich in Dunst auflöst.
Und:
So sehr die Weite zu begrüßen ist, in die man mit ihr eintritt – selbst Meisterleistungen des Journalismus aus der »Frankfurter Zeitung« und anderen Blättern haben Platz gefunden – so wenig kann man es verstehen, wie Sudermann, Frenssen oder Bloem in eine engere Wahl von noch nicht dreißig deutschen Prosaisten geraten konnten.
Alles, was da ist, ist zum Nutzen des Menschen erschaffen. Das Singen der Vögel, das Springen der Hirsche, das Blöcken der Schaafe, das Brüllen der Ochsen, die Hitze des Feuers, das Rieseln des Wassers, der Seegen der Felder, der Regen der Wolken, das Licht der Sonne, der Glanz der Sterne, der Schatten der Wälder, das Gras der Wiesen, kurz, alles ist zum Dienst und Nutzen des Menschen bestimmt. Der Mensch ists der Herr der Schöpfung, und alle übrigen Geschöpfe sind ihm unterthan. Verdient diese Gnade keinen Dank gegen den Schöpfer?
Selbst die Thiere sind dankbar für erhaltene Wohlthaten.
Wie erkenntlich, wie anhänglich sind das Pferd, der Hund, und andere Hausthiere, für die Wohlthaten, welche der Mensch ihnen erweißt? Der Mensch allein, dieses mit Vernunft begabte Wesen, sollte undankbar seyn? Der Undank schmerzt sehr.
Hat dir Einer Dienste geleistet, so lohne es ihm mit Dank, und wirf ihn nicht weg, wenn er dir nicht mehr nützen kann, wie eine ausgepreßte Zitrone.
Selbst ein ABraham a Sancta Clara dieser Tage — und es gibt dessen zuhauf dieser Tage — würde an dieser biblischen Unterwerfung, die oben in der Auslegung der dankbar anzunehmenden Untertänigkeit dieses Predigers zitiert ist, gelesen am 5. November 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“, nichts zu ändern haben, es genauso predigen, vielleicht würde sie hinzufügen, einfügen, um recht aktuell und gar recht gegenwärtig sich zu geben:
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