ABraham a Sancta Clara

Von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse im ersten Bezirk von Wien ist es ein kurzer Fußweg bis zum Stephansplatz im selben Bezirk von Wien in der Republik Österreich, eine schwache Viertelstunde, zu wenig Zeit, um sich auf diesem kurzen Weg darüber im Klaren zu werden, ob es gerechtfertigt ist, zu verlangen, daß ganz Europa seine „Asylpolitik“ umzudenken hat, wie das geprüft werden kann, daß „nur jene Menschen nach Europa“ gelassen werden dürfen, die „sich wirklich an unsere europäischen Werte halten“, wie kann ein Mensch beweisen, sich an „unsere europäischen Werte“ zu halten, wenn er noch gar nicht in Europa ist, und woher kann dieser besonnene Mann, dem Pauschalierungen gewiß ein Greuel sind, der gewiß um die Gefahr der Kollektivhaftung Bescheid weiß, wissen, daß an der Demonstration auf dem Stephansplatz nur Asylantinnen, ausschließlich Asylanten „Tod den Juden“ …

Von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse auf dem viel zu kurzen Fußweg zum Stephansplatz, um sich auf diesem schon darüber im Klaren zu werden, was dieser Mann damit meint, er habe „überhaupt kein Verständnis mehr „für alle diese sogenannten Gutmenschen, die nicht verstehen, dass wir Leute in unser Land lassen, die dann schreien ‚Tod den Juden'“.

Der Weg von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse zum Stephansplatz ist viel zu kurz, um auf diesem Gang schon prüfen zu können, ob die „Asylpolitik“ allein von den von ihm „sogenannten Gutmenschen“ abhängt, ob es denn gar keine entsprechenden nationalen und internationalen Gesetze mehr gibt oder je gegeben hat, die das sogenannte Asylwesen regeln, nach denen Asyl zu gewähren und nicht zu gewähren ist, sondern es ausschließlich der Laune, der Willkür der „sogenannten Gutmenschen“ …

Auf diesem kurzen Fußweg von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse zum Stephansplatz in Wien im Staat Österreich können nur einige von den vielen Berichten und Kommentaren der letzten Tage einfallen, in denen Klage geführt wird, wie grauslich es nun zugehe, und es ist wahr, es geht tätlich grauslich zu, nicht nur in den sogenannten Social-Media-Kanälen, es geraten wird, „auf manchen Plattformen sogar weniger zu sein und gerade an besonders schlimmen Tagen vielleicht gar nicht reinzuschauen“ …

Der Fußweg ist zu kurz, schon in der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse angekommen, fehlt die Zeit ganz, auch noch zu überlegen, wie können in dieser Welt besonders schlimme Tage von nur schlimmen Tagen oder gar, einfach wie kurz gesagt, gute Tage von weder besonders schlimmen noch von schlimmen Tagen … Der Rat aber würde gerne befolgt werden, sogar überbefolgt werden, auf manchen Plattformen gar nicht zu sein, zum Beispiel auf TikTok, dafür mehr an den Orten des Geistigen, des Wahren, des Schönen, auch an den dem Wahren, Schönen und Guten verpflichteten digitalen Orten sich aufzuhalten — beispielsweise auf „Projekt Gutenberg-DE“. Nichts Schöneres auf der Welt, an jedem Tag, ohne darüber nachdenken zu müssen, ob es ein guter, ob es ein schlimmer, ob es ein besonders schlimmer Tag ist, in der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse auf „Projekt Gutenberg-DE“ Werke von ABraham a Sancta Clara zu lesen, in der Beruhigung, zu wissen, weder auf der Straße noch auf der Gasse noch im Digitalen ist er vergessen, wird sein Werk gepflegt, gehütet, findet sein Werk Verbreitung, wird vielleicht, wenn des Mannes Forderung nach einem Umdenken erfüllt ward, sogar sein Werk Prüfung für Menschen, die nach Europa kommen wollen, ob sie sich „halten an unsere europäischen Werte“ … und wenn sie seine Fabelpredigten auswendig hersagen können, Beweis, daß sie sich halten an „unsere europäischen Werte“, und so hereingelassen werden dürfen in das Europa der —

Die Lieb ist ein Dieb; ein Dieb ist gewest Judas, weil er Geld gestohlen; ein Diebin ist gewest die Rachel, weil sie ihrem Vatter die goldene Götzen-Bilder gestohlen; ein Dieb ist gewest der Achan, weil er bei Eroberung der Statt Jericho neben anderen einen Mantel gestohlen: aber noch ein grösserer Dieb ist die Lieb / dann dise stihlt denen Menschen gar die Vernunfft / und macht sie zu einem Narren / amantes, amentes. Amnon ein Sohn deß Davids hat sich dergestalten verliebt in sein Schwester die Thamar, daß er vor lauter Lieb ist kranck / und bethlägerig worden; es hat ihme weder Essen noch Trincken geschmeckt; das Gesicht ist ihme gantz und gar eingefallen / daß er ausgesehen / wie ein außgeblassene Sackpfeiffen; Tag und Nacht hat er geseufftzet nicht anderst / als wie ein ungeschmierte Hauß-Thür; er war dergestalten entzündt in der Lieb / daß er ohne Gefahr noch Schaden nicht hette können bei einem Stroh-Dach vorbei gehen; wol recht hat der Poët gesagt: Bacchus und der Weiber Garn/Machen vil zu lauter Narren.

Wie kann „Lieb“ auch anders als so beschrieben werden, die Diebin Liebe muß einfach mit Dieben verglichen sein, wie gut für ABraham a Sancta Clara, dafür jüdische Beispiele gefunden zu haben. Wie gut er doch dabei zu Ammon ist, er erzählt nicht mehr, daß Ammon Thamar vergewaltigte; wahrscheinlich ist für ABraham a Sancta Clara die Vergewaltigung der größte Beweis der „Lieb“ eines Mannes für eine Frau, und von einem Verbrechen will gerade in Wien, in Österreich kein Mensch etwas hören, so hat er es wohl deshalb verschwiegen, und, so wird seine Denke gewesen sein, der „Weiber Garn machen“ viele Männer zu, nein, nicht Narren, sondern zu Verbrechern, der „Weiber“ Eigenschuld an den an ihnen begangenen Verbrechen …

Er hält es überhaupt mit den „Narren“ … In „Ein Verlogner Narr.“ ist zu lesen, auch am 3. November 2023, auf „Projekt Gutenberg-DE“:

Jene Soldaten bei dem Grab deß HErrn / umb weilen ihnen die Juden wacker gespendiert / haben ein unverschambte Lug auff die Bahn gebracht daß nemblich die Jünger hätten den Leichnamb gestohlen / da sie unterdessen erfahren / daß er warhafftig von Todten aufferstanden: dise Gesellen haben umbs Geld gelogen; es seind aber einige so leichtsinnig / daß sie umbsonst / und umb nichts / als wäre es gar kein Sünd / die grösten Lugen aneinander knöpffen / ja sie halten es für ein Kunst / und wol anständige Manier / wann sie zur Vertreibung der Zeit / und zu Erweckung eines ungezähmten Gelächters wacker / und fast ohne Zahl / und ohne Zihl können auffschneiden / dencken aber nicht / was die Göttliche Schrifft sagt: Proverb. c. 12. Abominatio est Domino labia mendacia. Lugenhaffte Mäuler seind GOtt dem HErrn ein Greul.

In der vom Stephansplatz gerade einmal fünfzehn Minuten entfernten ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse der Beschluß, sich dafür Zeit zu nehmen, im Forschungsprojektendbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ zu lesen, in dem auch von den Werken zu lesen ist, die auf „Projekt Gutenberg-DE“ zwar nicht vorhanden, aber wohl angeführt, vielleicht um an Brauchbares zu erinnern, an Einsetzbares zu erinnern, auf das zurückgreifen zu können, besonders an Tagen, die besonders —

Seit 1677 war Abraham a Santa Clara Hofprediger. Ernannt wurde er von Kaiser Leopold I., jenem Habsburger, der zehn Jahre davor die Judenvertreibung befohlen hatte.

Nach dem Ausbruch der Pest 1679 in Wien machte Abraham a Santa Clara „Hexen“, Juden und Jüdinnen dafür verantwortlich. (Vgl. Abraham a Santa Clara, Pestpredigt. Merck‘s Wien) Das vierteilige Werk „Judas der Erz‐Schelm“, 1686‐1695, gilt als seinHauptwerk. Darin hetzt er gegen Juden und Jüdinnen, die als „gottlos, ehrlos, gewis senlos, heillos, tugendlos, treulos, vernunftlos, neidig, lasterhaft, unehrlich, sündhaft und als Abschaum“, (Vgl. Pape. In: Benz, Bd. 2/1, 2) bezeichnet werden. Im Zuge der „Zweiten Türkenbelagerung“ Wiens 1683 bezichtigte er abermals die Juden, dies verschuldet zu haben. Die antisemitische Predigt „Huy! Und Pfuy! Die Welt“ schrieb er knapp vor seinem Tod. Merkmal von Abraham a Santa Claras Judenfeindschaft sind die Vorurteile des „jüdischen Brunnenvergifters“ und des „Seuchenverursachers“. Literatur Christian Pape, Abraham a Sancta Clara. In: Wolfgang Benz (Hg.), Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Wolfgang Benz (Band 2/1 Personen A‐K) Berlin 2009.

ABraham a Sancta Clara hätte wohl mit seiner geheiligten Redegabe die Menschen dazu gebracht, in einer gewählteren Sprache das zu skandieren, was jetzt auf den Gassen, auch auf den digitalen Gassen, geschrien wird, das mit dem Jordan, also in lateinischer Sprache:

Flumine Jordani terguntur labe malisque corpora cum cedit, quod latet omnes nefas. Sic flamma assurgens totam furibunda per urbem 1421 Hebraeum purgat crimina saeva canum. Deucalioneis mundus purgatur ab undis Sicque iterum poenas igne furiente luit.

Das ist keine Vernichtungsphantasie, kein Ausrottungswille des ABraham a Sancta Clara, diese zum Skandieren aufgeschriebene Forderung nach der Auslöschung der jüdischen Menschen ist zu lesen, auch heute noch, im Jahr 2023, auf der Mauer des Hauses Jordangasse 2, vom Stephansplatz etwa acht Minuten Fußweg entfernt. Er, ABraham a Sancta Clara, wird diesen Tafelspruch wohl gekannt haben, ihm vielleicht sogar Ansporn für seine Schriften gegen jüdische Menschen gewesen sein, vielleicht in seines Beichtstuhl Holz eingeritzt gehabt haben —

ER, ABraham a Sancta Clara, war durch und durch ein Mann des Geistes, der auch wußte, nicht vergaß, gegen wen noch vorzugehen ist, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert, diese Menschen gemäß „europäischen Werten“ auserwählt zur …

„Dergleichen Lumpen-Gesind auch die Zigeuner seynd, welche nicht ohne großen Schaden und Diebstahl alle Länder ausreisen mit dem gedichten Vorwand, als kommen sie aus Egypten, und müssen 7 Jahr lang hin und her wandern zu einer Buß, weilen sie der seligsten Jungfrauen Mariä mit ihrem göttlichen Kind, als sie in Egypten geflohen, einmal die Herberg geweigert haben. Es ist aber solches ein lauteres Gedicht und bloße Schalkheit; dann diese Leut haben das Egpytenland ihr Lebenlang nie gesehen, sondern ist ein solches zusamm gerottes Lottersgesind von allerlei müssigen Leuten, welche denen armen Bauers-Leuten mehresten Theils sehr überlästig, mit Klauben und Rauben ihren Unterhalt suchen, und mit ihrem Wahrsagen den einfältigen Pöbel bethören. Wessenthalben gar wohl die Satzungen Kaisers Caroli V. zu Augsburg auf dem Reichstag Anno 1549 geboten, daß man dergleichen Müssiggeher in Deutschland auf keine Weis‘ gedulden solle. Diese und alle Müssiggeher ins gemein seynd des Judä Iscarioths des Erz-Schelm nahe Brüder und Anverwandte.“

Vom KL-Platz im ersten Bezirk von Wien ist es ein kurzer Fußweg bis zum Stephansplatz im selben Bezirk von Wien in der Republik Österreich, an die Acht …

„Ich war, ich bin ein Glied“

Wer nach Walter Flex sucht, auch wenn schwer vorstellbar, daß irgendwer noch nach Walter Flex sucht, wird ungewollt auf Walter Flex stoßen, wenn etwa auf der Suche nach „Was keiner wagt“, und wird dann zu lesen bekommen, beispielsweise das von dem „Flex-Kult im Nationalsozialismus“, das von der Anpreisung seines Bruders Konrad Buch „Walter Flex – Ein Lebensbild“,

Walter Flex ein Lebensbild. genannt der Heldensänger des großen Krieges von Bruder Konrad Flex – „walter flex, dichtete und sang als er 1914 in den krieg zog. er dichtete und sang draußen an der front unter donner der kanonen. zwischen den schlachten schrieb er sein ergreifendes buch wanderer zwischen beiden welten, bei seinem heldentode auf der insel desel fand man in seiner kartentasche ein kapitale seines geplanten romanes wolf eschenlohr. der krieg tötete nicht den dichter in ihm , sondern das erlbenis an der front ließ ihn in die höhe wachsen. walter flex wurde heldensänger des großen krieges. das stärkste und schönste aber in ihm blieb auch im kampfgewühl sein reines und reifes menschentum. von diesem menschentum erzählt uns dr. konrad flex , des dichters bruder in seinem lebensbild, warm herzlich und innig im ton. wir erleben den dichter im schoße seiner familie, seiner jugendheimat und begleiten ihn in die berufsausbildung, in den beruf nehmen an seinen dichterischen plänen , hoffnungen, erfolgen teil, gehen mit ihm an die front und werden zeugen seines heldenmütigen sterbens. der dichter und der bruder läßt uns ahnen von den innersten gottgewirkten triebkräften , die für den dichter im soldatengewand maßgebend waren.“

eines Buches, dem die Gunst des Erscheines nur in der Mordszeit der Nationalsozialisten zuteil werden konnte.

Manche, die jetzt den Namen Walter Flex nicht selbst lesen, sondern vorgelesen bekommen, dabei nur so nebenher zuhören, werden nicht an Dichtung denken und fragen: Walter?Flex? Von Walter gibt’s auch eine Flex? Nein, von der in Thüringen gegründeten Waffenfabrik Walther gibt es keine Flex, aber u. v. a. m. die „P38“ … und wenn von dem Unternehmen Walther selbst zu lesen ist, am 1. November 2023, auf seiner Website,

Eine dünne Mappe Alles
Was Fritz Walther aus den
Kriegswirren retten
In der Nähe von Ulm der Neustart
Die Geschichte Fritz Walther wie
Damals sein Vater vor dem Nichts
Eine kleine Schusterwerkstatt

werden manche an Dichtung denken und darangehen, wie es bei Lyrik üblich ist, versuchen zu interpretieren, Fragen zu stellen. Wie groß war das Gebäude, aus dem Walther die „dünne Mappe mit Konstruktionszeichnungen und die Rechte an über 80 Patenten aus den Kriegswirren retten konnte“, war es eines in einem industriellen Komplex, nah oder fern von Ulm, in Neuengamme?

Nun, da es geklärt ist, daß nicht von einer Flex der Walther-Werke mit ihren Pistolen die Rede ist, sondern von Walter-ohne-h-Flex, kann weiter von ihm und seines Bruders Dichtung —

Und dann kommt Walter Flex wieder hervor, Jahrzehnte nach den massenmörderischen Verwüstungen und dem Untergang der Nationalsozialistinnen, wenn von einem per Haftbefehl gesuchten alternativen Budenburschen zu lesen ist, im Oktober 2023,

berichtet wird von dem per Haftbefehl gesuchten Parallelgesellschaftlichen und seiner parallelgesellschaftlichen Burschenschaft, denen Walter Flex —

Wäre Walter Flex nicht 1917 in einem Lazarett gestorben, hätte er gelebt, um irgendwelche Jahre zu nennen, gelebt bis 1945, gelebt bis 1975, und hätte er nach 1917 keine einzige Zeile mehr geschrieben, er wäre wohl dennoch zum lebenden Aushängeschild des deutschen reiches geworden,

wohl auch aufgenommen in Gottes Liste der Begnadeten, ihm treuergeben für alle Zeilen, die er ihm gesinnungsgemäß schrieb bis 1917 —

Aber, das darf durchaus angenommen werden, dieses ihm zugerüstete Deutschland hätte ihn erst so recht zu seiner gesinnungsgemäßen Höchstform auflaufen lassen, zu seinen reifsten Versgeschenken an ihn, seinen Heimatvolke gemachten …

Die Gunst seiner Verbreitung hat Walter Flex nie verlassen, bis zum Heute herauf, wurde ihm nie entzogen, auch mit dem „Projekt Gutenberg-DE“, einem Projekt, das nicht der sogenannten Parallelgesellschaft zugeschlagen werden kann, wird ihm, Walter Flex, die Gunst erwiesen, ihn vor dem Vergessen zu bewahren,

dem Erinnern anheimzugeben, Lesende zu schenken, das, gerade in Österreich, ein Magazin als ihre gesinnungsgemäße Pflicht auf dessen Schild geschrieben hat, seiner gesinnungsgemäß recht liebsten Dichtung weiter die Verbreitung als Beitrag zu sichern, für künftige Wiedertage des …

„Wolf Eschenlohr“, eine der Schriften des Walter Flex, auf „Projekt Gutenberg-DE“ veröffentlicht, zu der sein Bruder Konrad eine Einleitung schrieb, ist zu lesen am 1. November 2023, aus der ein paar Zeilen doch zu zitieren sind:

Die Antwort, die der Dichter damals gab, läßt sich in Verbindung mit späteren Äußerungen wie folgt zusammenfassen: Wie der Einzelne, so sind auch die Völker auf dieser Erde vergänglich. Aber so wenig man von dem Menschen sagen kann, sein irdisches Leben sei zwecklos, weil es nicht ewig ist, so wenig kann man es von dem Volke. Bei den Völkern wie bei den Einzelnen liegt der Wert des Lebens nicht in der Dauer, sondern im Inhalt. Der höchste Lebensinhalt aber besteht für den Einzelnen wie für das Volk, das ja nichts ist als die Vielen in organischer Verknüpfung, in der Hingabe an die Gesamtheit. Der Zweck der Gesamtheit liegt darin, diese Hingabe zu ermöglichen und dadurch dem Einzelnen wie dem Volke den höchsten sittlichen Lebensinhalt zu geben. Die Erreichung dieses Zweckes ist unabhängig davon, daß die irdische Erscheinungsform des Volkes vergänglich ist. Darum behält die Hingabe ans Vaterland ihren Ewigkeitswert für Ich und Volk, ob auch das Vaterland untergeht. Dem gleichen Gedanken wird in der zweiten Bismarcknovelle Ausdruck gegeben: »Umsonst? Es mag enden, wie es will – Ihr werdet Euer Brandenburg! Brandenburg! nicht umsonst gejubelt haben. Hat nicht der tote Begriff Vaterland lebendige Schönheit und Taten gezeitigt? Haben nicht tausend junge Menschen durch tausend Stunden menschlichen Lebens nicht an Leichtes und Leeres und Arges gedacht, sondern sind mit warmen und festen Herzen durch Tage und Nächte gegangen? Kann eine Zeit ›umsonst‹ sein, die aus dem sprödesten der Stoffe, aus dem menschlichen, Kunstwerke gemacht und sie auch denen offenbart hat, die sie wie Barbaren zertrümmern mußten?« Auch diese Ideen gewannen durch den Krieg vertieftes Leben. Schon im »Wanderer« klingt das Wort vom Schwerttod der Völker an. In dem Briefe vom 28. April 1917 heißt es: »Was ich von der ›Ewigkeit des deutschen Volkes‹ und von der welterlösenden Sendung des Deutschtums geschrieben habe, … ist ein sittlicher Glaube, der sich selbst in der Niederlage oder, wie Ernst Wurche gesagt haben würde, im Heldentode eines Volkes verwirklichen kann.« Unter den Notizen zum »Wolf Eschenlohr« aber findet sich die Stelle: »Sieg oder Tod darf keine Phrase sein. Im Kampf um die gerechte Sache muß ein Volk auch den eigenen Tod erleiden können, ohne an der sittlichen Weltordnung irre zu werden.

Der Endsieg des bösen Prinzips ist nur ein scheinbarer, das gute Prinzip hat sich zum Höchsten eben im Tode entwickelt und seine feinste Blüte getrieben, um derentwillen das Volk geschaffen worden war.«

Will man den Gedankeninhalt des »Wolf Eschenlohr« in einen Satz zusammenfassen, so kann man wohl sagen: Er sollte das Siegeslied jenes »unbeugsamen und zu keiner Konzession bereiten Idealismus« werden, der in allem Grauen des Krieges, im Tode und selbst im Gedanken an den Untergang des eigenen Volkes den Ewigkeitsglauben an Gotteskindschaft und Menschenbruderschaft festhält.

Dr. Konrad Flex, im März 1919 in Eisenach

Eisenach, Eisenach,
immer wieder Eisenach
mit seiner Wart
weiter
und weiter rundum
mehr und immer mehr
aufwerfende Hügelchen

Und der in Eisenach Geborene läßt seinen Eschenlohr

Die schwarze Fahne mit dem grauweißen Kreuz war ihm nicht fremd. Er kannte sie gut, die alte Kriegsfahne der Burschenschaft aus verschollenen Revolutionsjahren. Sein Großvater hatte sie den Bundesbrüdern vorausgetragen in den Zeiten, als der Traum vom deutschen Reiche Hochverrat gewesen war. Erzählungen, gierig in frühesten Kindheitstagen aufgesogen, Altmännergeschichten von Bütteldiensten und Brudertreue, Festungshaft und Kerkermauern umwitterten sie wie ein uraltes Schlachtenbanner. Im Geiste sah er den Großvater als Jüngling durch die Straßen von Erlangen schreiten, die schwarzweiße Fahne in Händen und das schwarzrotgoldene Band als ein verbotenes und verhohlenes Heiligtum auf der blanken heißen Brust unter dem kühlen Hemde. Wolf Eschenlohrs Augen hafteten still an der alten Fahne wie in ratloser Verwunderung. Es sah sich an, als fragte er sie schweigsam und dringlich aus: Was willst du von uns? Was willst du heute von mir, du Kampf- und Leidenszeugin verklungener Zeiten? Nur einmal von zehn zu zehn Jahren entfaltete sich die Sturmfahne der Burschenschaft bei den Jubelfeiern des Bundes über der nachwachsenden Jugend als schweigsame Mahnung aus harter Vergangenheit. Alte Fahne, was hat deinen Schlaf mitten zwischen den Festen gestört? Was entrollst du mit einmal in festlosen Tagen Kreuz und schwarze Seide? Was willst du von uns? Wolf Eschenlohr wußte wohl, warum die Burschenschaft ihre Fahnen wie zu einer Jubelfeier entfaltete. Die Erlanger Arminia rüstete den Brüdern das Abschiedsfest, ehe sie zum Kampfe an die Grenzen zögen nach Osten und Westen und auf die Stahlplanken der deutschen Schiffe.

die Fahne befragen, erzählen von —

Wolf Eschenlohr hätte sich am liebsten losgerissen. Aber er fand keinen Vorwand. Der junge jüdische Student mit seiner gutmütigen spöttischen Fistelstimme war vor Jahr und Tag in Sekunda und Prima sein täglicher Umgang gewesen, mit dem er auf dem Schulweg bis in Hausflur und Garten hinein schülerhaft hitzige Streitreden über Gott und Unsterblichkeit getrieben hatte. Heute lüstete es ihn nicht nach Zergliederung und Verteidigung dessen, was er empfand. Aber schon schritt Hirschberg neben ihm auf dem alten Schulweg unter den Kastanien der Wallpromenade und sprach auf ihn ein. »Ich will dir was sagen, Eschenlohr. Ich weiß recht gut, wie’s in dir aussieht. Du bist noch zu heiß für eine kalte Dusche. Aber eins sag‘ ich dir trotzdem: vergiß auch die andern nicht!« »Welche andern?« Hirschberg blieb stehen und blinzelte Eschenlohr durch die verschwitzten Gläser seines schiefsitzenden Goldzwickers an. »Nu,« sagte er behaglich, »die andern eben, die Herrschaften, die sich’s jetzt schon an den Fingern ausrechnen, wieviel sie an dem Zinksarg verdienen, in dem sie uns wieder nach Hause schaffen. Selig sind, die leeren Herzens sind, denn sie werden volle Beutel haben. Selig sind die Kaltschnäuzigen, denn sie sind nicht totzukriegen. Selig sind die Idealisten, denn sie soll der Teufel holen!« »Pfui!« sagte Wolf Eschenlohr. Es war ihm, als hätte er einen Schlag empfangen. Die Augen wurden ihm groß und die Haut spannte sich über seinen Schläfen, daß das blaue Geäder sichtbar wurde. »Püh!« lächelte Hirschberg. »Ihr heizt das Blut jetzt mit Begeisterung. Die andern wissen, daß wir im Winter Wolle brauchen werden. Na, nichts für ungut, Eschenlohr! Ich bin noch der Alte. Du weißt, ich halte mir gern den Kopf kühl und bin auch bei Fieber für kalte Abreibungen.« »Du meldest dich doch auch freiwillig –?« fragte Eschenlohr mit beginnender Streitlust. »Jawohl, Verehrtester. Aber das Notwendige tun und sich dafür begeistern ist zweierlei. Übrigens stände mir das schöne Feuer auch schlecht, wenn ich jetzt da drinnen, hager und haarig, meine Affenähnlichkeit zur Schau stelle. Aber meine Sehnen und Knochen nehmen sie doch. Auf Wiedersehen, alter Junge. Du weißt, ein Schubiak bin ich nicht.

„Goldzwicker“ kosten Geld, wohl viel Geld, und woher es nehmen? Nun, davon erzählt Walter Flex in „Der Wanderer zwischen beiden Welten“, wie auch am 1. November 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu lesen:

Mein Blick fiel zufällig auf Ernst Wurche. Er saß still in seiner Ecke, aber seine hellen, frohen Augen spielten mit der Maisonne um die Wette über die aufgeschlagenen Seiten eines Büchleins, das ihm auf den Knien lag. Es war sein Neues Testament. »Ernstel, schläfst du?« neckte ich ihn, da er’s so ganz verschmähte, an unsern Gesprächen teilzunehmen. Er sah voll und herzlich auf. Dann rückte er mir mit einer raschen, fröhlichen Bewegung das schwarze Bändchen hin und tippte mit dem Finger auf eine Zeilenreihe. »Der mit der Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten«, las ich. Ich glaubte ihn zu verstehen. »Italien?« fragte ich. Er nickte und tippte auf eine andere Stelle. »Da ging hin einer mit Namen Judas Ischarioth und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten . . . .« Ich nickte ihm zu, da warf er rasch ein paar Blätter herum. »Und das wird das Ende sein!« Sein Zeigefinger lag auf dem kläglichen Wort des Verräters: »Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.« Und weiter: » Sie sprachen: Was geht uns das an! Da siehe du zu!« Keine Spur eines finsteren Eiferers lag in seinem offenen Blick und seiner frohen Gebärde. Seine Seele war weit und voll Sonne, und er las die Bibelstellen nicht anders als in dem hellen, starken Geiste, mit dem wir Kriegsfreiwilligen den Mondregenbogen an Gottes Himmel schauten, als wir nach Frankreich hinausfuhren. Sein Christentum war ganz Kraft und Leben. Die religiöse Erweckung aus Feigheit war ihm erbärmlich. Er hatte eine stille, herzliche Verachtung für das draußen und daheim wuchernde Angst-Christentum und die Gebetspanik der Feigen. Von ihnen sagte er einmal: »Sie suchen immer in Gottes Willen hineinzupfuschen. Gottes Wille ist ihnen nicht so heilig wie ihr bißchen Leben. Man sollte immer nur um Kraft beten. Der Mensch soll nach Gottes Hand greifen, nicht nach Pfennigen in seiner Hand.« Sein Gott war mit einem Schwerte gegürtet, und auch sein Christus trug wohl ein helles Schwert. wenn er mit ihm in den Kampf schritt. Zur Stunde sah er seine blanke Schneide gegen die verräterischen Bundesgenossen fliegen.

»Wie es dem Manne geziemt, in kräftiger Lebensmitte zuweilen an den Tod zu denken, so mag er auch in beschaulicher Stunde das sichere Ende seines Vaterlandes ins Auge fassen, damit er die Gegenwart desselben um so inbrünstiger liebe; denn alles ist vergänglich und dem Wechsel unterworfen auf dieser Erde. Oder sind nicht viel größere Nationen untergegangen, als wir sind? Oder wollt Ihr einst ein Dasein dahinschleppen wie der ewige Jude, der nicht sterben kann, dienstbar allen neu aufgeschossenen Völkern, er, der die Ägypter, die Griechen und Römer begraben hat?

Und auch seinen „Kriegsgesängen“ wird auf „Projekt Gutenberg-DE“ die Gunst erwiesen, weiter und wieder veröffentlicht, wie einst und jetzt, so ein Titel von ihm, wie einst und jetzt wieder weiter und weiter, für ein Gedicht, mit dem er sein neues Sein feiert: „Ich bin nicht mehr ich selbst. Ich war, ich bin ein Glied“ …

Die Entscheidung, dies Flex’sche zu ziterieren oder nicht zu zitieren, kann nur so ausfallen, es kann zitiert werden, aber nur noch doppelt durchgestrichen —

„Sie spielen unser Lied“

Es soll für einen Moment angenommen werden, Daniel Halemba habe im Mai 2023 mitbekommen, daß auf dem Heldenplatz in Wien Konstantin Wecker begleitet von den Wiener Symphonikerinnen „Was keiner wagt“ singt, wie schnell würde er dann wohl auf die Bude seiner Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg gelaufen sein, um auszurufen: „Sie spielen unser Lied“ … dabei mit seinem Smartphone fuchtelt, auf dem er das Video der Übertragung vom Heldenplatz wieder und wieder abspielt, es allen, die gerade auf der Bude sind, vorzuspielen, bis alle seine Budenburschen ebenso gerührt wie er — „Sie spielen unser Lied“ …

„Sie spielen unser Lied.“ Und damit hätte Daniel Halemba

und seine Budenburschen ihm recht … sie kennen „Was keiner wagt“, sie kennen es recht gut, schließlich hat es einer von ihnen geschrieben, Walter Flex, jedenfalls für die Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg hat es Walter Flex geschrieben, so verkündet es die Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg, gelesen wieder am 30. Oktober 2023, sie kennen es nur von Walter Flex, für sie hat es Walter Flex geschrieben, für ihre „Ehre – Freiheit – Vaterland seit 140 Jahren“

Und sollte sie, mag das noch so unwahrscheinlich, unmöglich klingen, darüber wer aufklären, „Was keiner wagt“ habe nicht Walter Flex geschrieben, sondern Lothar Zenetti, werden sie, die teutonischen Budenburschen, schon wissen, wie sie bei ihrer Wahrheit bleiben, auf ihre Wahrheit verharren, für ihre Wahrheit fechten, er, Walter Flex, habe das Pseudonym Lothar Zenetti …

Vielleicht haben sie, die Budenburschen, denen die Welt mit Walter Flex aufgehört hat, sich weiterzudrehen, inzwischen die Mädelschaft zu Linz darüber aufgeklärt, daß Lothar Zenetti nur ein Pseudonym und auch sie, die Mädelschaft,

den für sie gesinnungsgemäß wahren Namen Walter Flex für „Was keiner wagt“ anführen sollten …

So unwahrscheinlich mag das gar nicht sein, daß auch ein Daniel Halemba mit rechtem Interesse verfolgt, was auf dem Heldenplatz, was in Wien, was in Österreich geschieht, in der Erwartung eines teutonischen Gebirgsmessias, und sind nicht alle diese Gesinnungsaugen auf Österreich gerichtet, auf das Land, aus dem dem Volke ein Kanzler gemacht werden soll …

Oh, was wäre das ihnen für ein Kanzler, mehr als ein Volkskanzler, noch ein Versekanzler

So unwahrscheinlich mag das gar nicht sein, daß der Schaften größte Sorge, wo in Deutschland gibt es solch einen Balkon wie den in Österreich auf dem Heldenplatzlichen, für ihn, um einst zu verkünden Deutschlands Heimkehr

NS Und jetzt werden sich vielleicht manche fragen, wer ist Daniel Halemba, dieser alternative Budenbursche … Dazu reicht es, ein wenig aus einem Bericht zu zitieren, von „BR24“ vom 30. Oktober 2023:

Der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Halemba ist am Montagmorgen verhaftet worden. Es geht unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung. Inzwischen hat der Ermittlungsrichter den Haftbefehl gegen den 22-Jährigen aber außer Vollzug gesetzt. Er sieht keine Flucht- und Verdunklungsgefahr als gegeben. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Fall im Überblick. Wer ist Daniel Halemba? Daniel Halemba, 22 Jahre alt, wohnt seit 2021 in Würzburg, dort wurde er zum Kreisvorsitzenden der AfD gewählt. Als jüngster Abgeordneter überhaupt zog Halemba bei der Landtagswahl am 8. Oktober im Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld für die AfD in den neuen bayerischen Landtag ein. Halemba studiert derzeit Rechtswissenschaften an der Fernuni Hagen und gehört der umstrittenen Burschenschaft „Teutonia Prag“ in Würzburg an, bei der es im September eine Razzia gegeben hatte. Was wird Halemba vorgeworfen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Mitglieder der Burschenschaft – unter anderem wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Seit Freitag wurde Halemba per Haftbefehl gesucht und am Montagmorgen gegen 8.00 Uhr im Raum Stuttgart, in Kirchheim unter Teck festgenommen. Halembas Anwalt Dubravko Mandić teilte bereits am Samstag mit, an „sämtlichen Vorwürfen gegen die Mitglieder der Prager Teutonia“ sei nichts dran, er habe Beschwerde gegen den Haftbefehl eingelegt. Nach der Verhaftung seines Mandanten am Montagmorgen forderte Mandić vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof per Eilantrag, den Haftbefehl gegen Halemba zurückzuziehen. Halemba müsse die An- und Abreise in den Landtag gewährt werden. Was heißt das für die erste Sitzung des Landtags? Fehlt Daniel Halemba bei der konstituierenden Sitzung im Landtag, hat das für seinen Status als Abgeordneter und Fraktionsmitglied zunächst keine Auswirkung. Auch die Fraktionsstärke der AfD bleibt unverändert bei 32 Mitgliedern. Sollte Halemba aufgrund einer späteren strafrechtlichen Verurteilung sein Mandat verlieren oder zurückgeben müssen, würde ein AfD-Kandidat auf seinen Platz nachrücken. AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner forderte am Sonntag, Halembas Teilnahme an der Sitzung müsse ermöglicht werden. Die AfD-Fraktion habe das Recht, sich „in voller Fraktionsstärke mit allen Mitgliedern zu versammeln“.

Von Herkulesmissionen und Herkuleszielen

Viktor Orbán wußte das schon, ehe er nach Wien zum „Österreicher Karl Nehammer“ auf Besuch kam, er könne ihm, Nehammer, bedenkenlos die Wahrheit über sein Vorgehen ins Gesicht sagen, daß er, Orbán, immer „nach einem kulturellen Konzept“ vorgehe, und die, die es kennen und dafür sind, freuen sich diebisch darüber, daß er es auch von Wien aus weiter widerspruchslos verbreiten kann, im Beisein des … und so viel Diplomat ist Viktor Orbán doch noch, daß er weiß, wo welche Formulierungen zu verwenden sind, es ihm zur weiteren Verbreitung nützlicher ist, sein „kulturelles Konzept“ nicht überall in zwar auch dieser Formulierung enthaltenen Wahrheit so deutlich zu verkünden, wie in Tusnádfürdő.

Kurz ist her, genauer, am 10. Oktober 2023, als Recep Tayyip Erdoğan dem „Österreicher Karl Nehammer“ die Wahrheit persönlich ins Gesicht sagen kann, und der „Österreicher“ darüber wohl erfreut, diese Wahrheit persönlich ins Gesicht gesagt zu bekommen:

„We expect closer cooperation from Austria in the fight against terrorism,” Turkish President Recep Tayyip Erdogan said at a news conference with Austrian Chancellor Karl Nehammer.

Das ist die Wahrheit, die Erdoğan im Beisein von Nehammer sagt, für den Kampf gegen den Terrorismus zu sein, er sich von Österreich eine enge Zusammenarbeit erwarte, im Kampf gegen den Terrorismus. Er, Erdoğan, sagt also ihm, Nehammer, die Wahrheit ins Gesicht, und er, Erdoğan, wird für sich möglicherweise denken, er, Nehammer, wisse, da es ja nicht erst seit kurzem kein Geheimnis ist, gegen wen in enger Zusammenarbeit zu kämpfen sei, also nicht gegen die „Hamas“, weil die ist für Erdoğan keine „Terrorgruppe“, sondern eine „Befreiungsgruppe“ … Was Israel für Erdoğan ist, das hat er am 28. Oktober 2023 auf seiner Demonstration vor Hunderttausenden von Menschen auch in aller Wahrheit ausgesprochen:

„You are an occupier. You are a group, not a state.“

Israel ist für Erdoğan „kein Staat“, sondern eine „Gruppe“. Und das heißt, eine „Terrorgruppe“.

Von Österreich erwarte er sich, eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus, sagt Erdoğan rund zwei Wochen zuvor, als Karl Nehammer

Erdoğan als Vermittler? „Ziel ist es, eine Einflussnahme zu erwirken – insbesondere auf die Hamas, um sich für die Befreiung der Geiseln einzusetzen“, äußerte sich Nehammer im Hinblick auf das militärische und politische Gewicht der Türkei in der Region vor dem Treffen mit Erdoğan.

hofft, daß Erdoğan auf Hamas einwirke. Wer gegen Terrorismus kämpft, kämpft gegen Gruppen, gegen Terrorgruppen, und wer für Erdoğan eine Terrorgruppe und kein Staat ist, das hat er an diesem letzten Samstag wieder mehr als deutlich … Damit wird er auf den Staat Hamas seine enorme Einflußnahme —

Und Karl Nehammer? Nun, Karl Nehammer erwarte sich nicht, daß seine Ziele Wirklichkeit werden, er, Nehammer, hofft, so reflektiert ist Karl Nehammer, daß er weiß, er ist nicht in der Position, sich etwas zu erwarten können, ein Erdoğan kann sich etwas erwarten, ein Putin kann sich etwas erwarten, er, Nehammer, kann sich nur etwas erhoffen, aber die Hoffnung enttäuscht bekanntlich zuerst. Seit dem Besuch von Nehammer im April 2022 führt Putin mit seiner Gefolgschaft weiter Krieg, auch wenn er, Nehammer, hoffte, er, Putin, werde augenblicklich das nehammerische Ziel zu dem seinigen machen, kaum daß er, Nehammer, Putin in seinen Privaträumen sagt, der Krieg ist zu beenden, und den Krieg augenblicklich beenden. Erdoğan werde augenblicklich das nehammerische Ziel zu dem seinigen machen, kaum daß er, Nehammer, Erdoğan in seinem Palast besucht, und auf die Staat Hamas einwirken, wie es sich Nehammer erhoffte, und nun ist Israel für Erdoğan kein Staat, sondern eine Gruppe, gegen die zu kämpfen er, Erdoğan, sich erwarte von …

Am 10. Oktober 2023 spricht Karl Nehammer nicht nur über sein Treffen mit Erdoğan in einem Fernsehinterview, sondern auch von einer Herkules:

Interviewer: Außen- und auch Verteidigungsministerium wollen helfen, es wird u. a. eine Hercules-Maschine auch dann freigegeben, für jene die das Land verlassen wollen.

Karl Nehammer: Es wird eine Evakuierungsmission vorbereitet zwischen Außenministerium und Verteidigungsministerium, die Transportmaschine wird von Seiten des Bundesheeres zur Verfügung gestellt, das Außenministerium organisiert für die Österreicherinnen und Österreicher, die das Land verlassen wollen, diese Möglichkeit von Israel nach Zypern.

Interviewer: Heute steht ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan auf dem Programm […]

Karl Nehammer: […] Präsident Erdoğan war ein wichtiger Mittler […] er hat die Istanbuler Friedensgespräche ins Leben gerufen, er ist nach wie vor ein wichtiger Vermittler, wenn es darum geht das ukrainische Korn aus den Häfen zu bringen, um es eben der Welt zur Verfügung zu stellen. Präsident Erdoğan und die Türkei ist ein wichtiger geostrategischer Partner für Österreich […] daher war es mir jetzt wichtig, diese Beziehungen weiter zu entwickeln, neu zu starten, und es gibt auch gute Anzeichen, daß es gute Fortschritte gibt.

Von der „Hercules“-Maschine brauchte Karl Nehammer nicht zu hoffen, daß sie abhebt, nach Israel fliegt, um von dort Menschen nach Zypern zu fliegen, von der „Hercules“-Maschine konnte sich Karl Nehammer erwarten, daß sie abhebt, fliegt, bei der „Hercules“-Maschine war Karl Nehammer in der Position, sich von ihr etwas zu erwarten, ihr das anschaffen zu können, von ihr konnte Nehammer erwarten, ist er doch auch ihr Bundeskanzler, daß sie sein Ziel zu dem ihrigen macht — aber …

Es wurde in diesem Kapitel nun nicht wenig davon erzählt, was alles Karl Nehammer gesagt werden, etwa von einem Orbán, aber auch davon, wie die Antwort auf das Hoffen von Karl Nehammer ausfällt, etwa von einem Erdoğan, wie auf das Erwarten des Karl Nehammer, wo er etwas erwarten darf, reagiert wird, etwa von einer Hercules … Es wurde auch erzählt von den Missionen und Zielen des Karl Nehammer — Herkulesmissionen und Herkulesziele einer Hercules …

Von Putin allerdings ist keine Antwort auf das ihm von Karl Nehammer gesagte Hoffen bekannt, Putin machte und macht, einfach wie kurz gesagt, weiter wie von ihm bekannt und zu erwarten. Einen Bericht zu dieser von Putin Karl Nehammer gewährten Audienz gibt es, der noch zitiert sein will:

Chancellor Karl Nehammer met with Russian President Vladimir Putin in Moscow on Monday afternoon. “The chancellor, the first European Union (EU) head of government to travel to Russia since the outbreak of war, also wants to address Putin about the “war crimes” in Ukraine during the talks,” reported Austrian media, citing officials. The meeting took place at Putin’s residence in Novo-Ogaryovo (not in Kremlin), Russia’s state agency TASS said. About 60 minutes later, at 3 p.m., the conversation was over. A statement from the Federal Chancellery stated that the talks with Putin were straightforward, open and tough. “I addressed the serious war crimes in Bucha and other places and emphasized that everyone responsible for them must be held accountable,” the Chancellor said in a statement presumably largely written before the talks.
Nehammer then emphasized that the sanctions against Russia would remain in place and be tightened further as long as people died in Ukraine. The politician also called for so-called humanitarian corridors to bring drinking water and food to the besieged cities. “But my most important message to Putin was that this war must finally end.” 
For a country worth mentioning in para above the footnotes of European history and as a Putin critic, Austria’s Chancellor had set himself ambitious goals for his mission. These included a ceasefire and the establishment of exit corridors for Ukrainians affected by the war. Later he admitted that talks are the only way ahead with Kremlin. Austria prides its role as a mediator during the Cold War before 1980. However, analysts doubt whether Austria would still be able to function as a bridge-builder today. Russians know that the small country no longer has any weight in the EU. It is no brainer why Putin did not react.

„It is no brainer why Putin did not react.“ Warum Putin nicht reagierte, das zu verstehen, ist kein Problem, ist ein Klacks, ist ein Kinderspiel, das versteht sich von selbst … In einem deutschsprachigen Bericht in Wien wäre die Nicht-Reaktion von Vladimir Putin auf Karl Nehammer wohl zusammengefaßt worden mit: Net amoi ignorieren

Unzensuriert auf Nehammer-Niveau oder Nehammer auf Unzensuriert-Niveau

Das ist die Frage. Und, wer nun wen inspiriert, Karl Nehammer die identitär gesinnungsgemäß zensurierte Website oder

die identitär gesinnungsgemäß zensurierte Website Karl Nehammer, mußte augenblicklich gedacht werden, als auf ebendieser Website am 25. Oktober 2023 der Kommentar zur „ökologischen ‚Gemeinwohlklausel'“ des Fußballvereins Osnabrück gelesen wurde.

Faßt sie doch alles in ihre Kommentarschlagzeile, das von Karl Nehammer bereits bekannt und ihm wichtig ist, das ihm nicht „bestraft“ werden darf, das ihm im „Autoland“ erlaubt sein muss:

Schnitzel
Auto

Es wird, einfach wie kurz gesagt, eher so sein, daß Karl Nehammer nicht die gesinnungsgemäß zensurierte Website befruchtet und die gesinnungsgemäß identitär zensurierte Website nicht Karl Nehammer befruchtet, sondern Weltanschauliches ihre Formulierungen einander ähneln lassen.

Beinahe wollte als Überschrift geschrieben werden: Unzensuriert auf Bundeskanzler-Niveau oder Bundeskanzlerin auf Unzensuriert-Niveau. Dies jedoch wäre für die gesinnungsgemäß zensurierte Website zu viel des Zutrauens, und für Karl Nehammer zu viel an —

Zum Schluß nur. Es wird Sie nicht überraschen, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website auch diesmal so lange in der „Gemeinwohlklausel“ des Fußballvereins Osnabrück

Dabei fließen in die individuelle Berechnung unter anderem die Länge des Arbeitsweges, wie dieser zurückgelegt wird oder auch Aspekte wie vegane oder vegetarische Ernährungsgewohnheiten ein. Die Kompensation erfolgt, indem der entsprechende monetäre Wert direkt vom Gehalt des Arbeitnehmers abgezogen wird.

herumstochert, bis sie das für sie gesinnungsgemäß Brauchbare aufgabeln kann.

Was für die gesinnungsgemäß zensurierte Website nicht verwertbar ist, ist die Klarstellung vom Geschäftsführer des Fußballvereins Osnabrück:

Wer sich für die Klausel in seinem Arbeitsvertrag entscheidet, erhält bis zu 750 Euro mehr Gehalt pro Jahr. Aus diesem Betrag werden die Co2-Emissionen aus dem Arbeitsweg ausgeglichen – sofern vorhanden. Das Gehalt wird nicht als Extra-Posten ausgewiesen. Die Summe ist Teil des verhandelten Grundgehaltes.

Jeder Mitarbeiter, der die Klausel unterzeichnet hat, kann auf der Webseite des Umweltbundesamtes mit Hilfe eines Rechners seinen persönlichen Co2-Wert errechnen. Wie reise ich zur Arbeit an? Wie wohne und heize ich? Wie sieht meine Ernährung aus? Esse ich viel Fleisch oder Milchprodukte, wenig oder mittel? Abgesehen vom Arbeitsweg, den der VfL erfasst, können die Mitarbeiter freiwillig entscheiden, welche Emissionen sie angeben, welche nicht und ob, beziehungsweise wie viele sie davon kompensieren möchten. Die Mitarbeiter können die Gesamtzahl ihres Co2-Ausstoßes (in Tonnen) eigenständig an die Personalabteilung des VfL weitergeben oder nennen nur den Betrag.

Ein Beispiel, das Welling nennt: „Bewältigt ein Mitarbeiter täglich 20 Kilometer Arbeitsweg mit dem Auto – einem normalen Verbrenner -, ist sein ökologischer Fußabdruck in einem Jahr mit 52 Euro belastet.“ Dieses Geld würde dann von den zusätzlichen 750 Euro des Gehalts abgezogen.

NS Bei Osnabrück muß menschgemäß sofort an Erich Maria Remarque gedacht werden, der vor 125 Jahren in dieser Stadt geboren wurde, der mit einem seiner Romane heute noch weltberühmt ist, dessen dieser weltberühmte Roman eben erst wieder einmal verfilmt wurde, dessen Titel wohl allen geläufig ist, auch wenn sie den Roman selbst nie lasen, ein zur Volksweisheit gewordener Titel: Im Frieden nichts Neues

Kriege, zwei, nur zwei wieder, die momentan alle Aufmerksamkeit bannen, wobei einer schon, so beschränkt ist die Aufnahmefähigkeit der Berichte Erstellenden und der Berichte Konsumierenden, daß einer von diesen beiden Kriegen allmählich in Vergessenheit zu geraten droht

Remarque hat nichts mit dem Fußballverein zu tun und schon gar nicht mit der den „Klimawahn“ gesinnungsgemäß anprangernden Website, aber diese Website gehört zu einer Gesinnungsgemeinschaft, die jene ehrend zu Lesen empfiehlt, die Remarques „Welterfolg als Dreck und Beleidigung des Frontkämpfertums“ beschimpfen.

Und weil dies alles in diesem Gesinnungseintopf der

Schnitzelautoehre,
Kampfesstolz
Freiheitseierei gegen „Zöpferl-Diktatur und Kriegsrecht“

verrührt ist, kann ein Nachsatz zu dem vor 125 Jahren in Osnabrück Geborenen nicht ungeschrieben bleiben.

„Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit – Politik in Österreich“

Am Vorabend der patriotischen Heimatausmärsche

wird über eine Studie berichtet, nach der der „Rassismus in Österreich stark gestiegen“ ist.

Welcher Tag eignete sich daher vortrefflicher für das Erinnern an seinen Essay „Fragen der Zeit – Politik in Österreich“, den Robert Musil vor einhundertzehn Jahren schrieb, als ebendieser 26. Oktober 2023 …

Bloß der Nationalfeiertag eignet sich dafür, aus seinem Essay „Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit“ zu zitieren, aus 1921, den Robert Musil also vor einhundertundzwei Jahren, in diesem schreibt

Robert Musil, dessen Geburtstag am 6. November zu feiern ist, über die „Zeugung von „Tischrassen“, die, in Fortführung seiner Beurteilung des „Rassegedankens“, ebenfalls nichts anderes als Rassismus gebärten.

Und kaum, daß es zum Nationalfeiertag graut,

schreibt schon der gar gegenwärtige Bundespräsident dieses Österreichs eifrig:

Ein großer Tag, ein wichtiger Tag für unser Land und alle, die hier leben. Ich wünsche Ihnen einen schönen, einen friedlichen #Nationalfeiertag!

Wir feiern heute unsere Heimat. Wir feiern Österreich.

Es fällt zu „Tischrassen“ unweigerlich die Bundesverfassung dieses Österreichs ein, in der „Tischrassen“ fehlt, aber nicht „Rasse“, auch weiter an diesem 26. Oktober 2023

Einem weiteren Mann des sogenannten offiziellen Österreichs ist es kein Anliegen, die „Tischrassen“ in die Verfassung zu schreiben, ist er doch von Wichtigkeiten beseelt, die in die Verfassung zu schreiben ihm dringlich — zur „Rasse“ das „Bargeld“ …

Und wem dabei die Bundesverfassung des Landes einfällt, kommt nicht umhin, vor allem den Mann zu würdigen, der wie keine zweite Person in diesem Land in diese Verfassung vernarrt ist, die ihm, steht sie vor ihm, so schön und so elegant dünkt,

aber von ihm ein wenig gekränkt wird sie wohl sein, jedoch, vornehm wie sie ist, wird sie darüber schweigen, daß er sie stets um ein Jahrzehnt älter macht, als sie ist

Nun genug, wesentlich ist, was Robert Musil vor einhundertzehn Jahren über die „Tischrassen“ zu schreiben sich genötigt sah, wohl,

ihm unwohl dabei, in Anbetracht eines noch mehr und mehr um sich greifenden, eines grassierenden, eines gestiegenen und bis in die tiefsten Tiefen weiter und weiter steigenden —

Es ist mir ferne, mich über die Rassenfrage verbreiten zu wollen, aber um zu ihrer ethischen Bedeutung zu gelangen, ist es allerdings nötig, an die theoretische Eigenart des Rassegedankens anzuknüpfen.

Wenn sich von einem bestimmten Augenblick ab die Tische durch Zeugung statt durch Bestellung vermehren würden, so würden wir alsbald aus den jetzt lebenden Tischen (und zwar mit der gleichen Evidenz, mit der wir in einem Friesen den Friesen erkennen) die Rassen der vierbeinig-rechteckigen, der einbeinig-ovalen und dergleichen mehr Tischrassen entstehen sehn. Es wäre gar nichts geschehn, als daß je zwei Tische einen dritten zeugten, der ihnen nach einem bestimmten Mischungsgesetz der Eigenheiten ähnelte und die Eigenschaft besäße, sich in der gleichen Weise weiter fortzupflanzen. Daß dabei ein Teil der Eigenschaften während mehrerer Generationen bloß in den Keimanlagen weitergereicht werden kann, ohne sonst in Erscheinung zu treten, ändert gar nichts daran, daß sich alles nur zwischen und an Individuen abspielt. Bei der ganzen Angelegenheit hat die Rasse nichts zu tun, als daß sie schließlich da ist, weil sie gar nirgends anders sein kann; so wie der Regen da ist, wenn Tropfen vom Himmel fallen. Sie selbst hat keine andere Möglichkeit, in das reale Sein einzutreten, als durch die Individuen, und keine andere[n] Wirkungen als die Wirkungen von Individuen; eine solche Existenz ist aber eben eine nur gedachte, ein Kollektivbegriff. Natürlich gibt es Rassen, aber die Individuen bilden die Rasse.

Ist das der Sachverhalt, so ist seine Umkehrung durchaus nicht berechtigt, und diese fast theologische Verdrehung lautet: das Individuum wird von Rassen gebildet. Bekanntlich ist gerade diese Formel die des Alltagsgebrauchs.

Es bleibt nach ihr von einem Menschen so wenig übrig wie von einem Strumpf nach Abzug der sich verkreuzenden Maschen. Meist mag es ja nur eine Bequemlichkeit der Verständigung sein, wonach ein Mensch zuerst durch seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe gekennzeichnet wird – kann es die Familie X sein, warum also nicht auch die germanische Rasse? –, und es klingt uns heute schon fast natürlich, wenn Bismarck sagt, »das Fällen von Bäumen ist kein germanischer, sondern ein slawischer Zug«, oder ein jüdischer Kritiker von Wassermanns Buch Mein Weg als Deutscher und Jude behauptet, »es ist für einen Juden unmöglich, ein rein deutscher Künstler zu werden«: trotzdem ist es gerade in den harmlosen Fällen ein gefährliches Zugeständnis an eine lasterhafte Denkgewohnheit. Man kennt ja jene Literatur, die sie verursacht hat und von ihr verursacht wurde. Sie hat nicht Schädelindizes, Augenfarbe und Skelettproportionen, was nur wenig Menschen anlockt, zum Gegenstand, sondern Eigenschaften wie religiösen Sinn, Rechtlichkeit, staatsbildende Kraft, Wissenschaftlichkeit, Intuition, Kunstbegabung oder Toleranz des Denkens, von denen wir insgesamt kaum anzugeben wissen, worin sie bestehn, und spricht sie mit Hilfe eines anthropologischen Küchenlateins den angeblichen Rassen zu oder ab, weil sie glaubt, der Nation Würde durchs Ohr flößen zu können, wenn sie mit der Stimme der Jahrtausende vor ihr bauchredet.

Hier muß das Zitieren aus dem Essay von Robert Musil kurz unterbrochen werden, spricht er doch von dem „anthropologischen Küchenlatein“, das über einhundert Jahre später in Österreich immer noch gesprochen wird, am Stammtisch wie im Bundesministerium für „Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz“

Man wird nicht leugnen können, daß ein gut Teil unseres nationalen Idealismus in dieser Denkkrankheit besteht.

Wohin das führen muß, ist nicht schwer zu sehen. Wenn im Guten und Bösen für alles nicht der einzelne verantwortlich gemacht wird, sondern die Rasse, wirkt das genau so, wie wenn man sich immer auf einen anderen ausredet; die Folge ist nicht nur, daß Wahrhaftigkeit und intellektuelle Feinheit abstumpfen, sondern eine Entartung aller Keimzellen der Moral. Wo die Tugend durch Prädestination zum Nationaleigentum erklärt wird, ist der Weinberg des Herrn expropriiert, und niemand braucht fortab in ihm zu arbeiten. Es wird dem einzelnen vorgeschmeichelt, er besitze alles Wünschenswerte, so er sich nur auf die Tugenden seiner Rasse besinne: offenbar ein moralisches Schlaraffenland, unser glückliches Deutschland, wo die gebratenen Tugenden ins Maul fliegen!

Schwieriger scheint sich erkennen zu lassen, woher es kommt. Man sagt Antisemitismus, aber das ist fast nur ein anderes Wort für die Erscheinung selbst; das Wesentliche ist, daß sich hinter ihr ein echter Idealismus birgt, ein typischer Fall jenes regressiven Ideenbedürfnisses, das jeden Gedanken auf ältere, ewige, für erhaben geltende zurückbezieht statt ihn auszudenken; kurz eben das, was hierzulande für Idealismus gilt. Das erzeugt den Menschen mit dem festen Rezept und den erhaben einfachen Regeln, der sich des geistigen Erlebens überhebt, den Pharisäer. Es ist bei uns ein sonderbares und äußerst gefährliches Verhältnis entstanden: die Respektlosigkeit vor dem Geist im Namen des deutschen Geistes. Weite – und fast möchte man sagen die bestwilligen – Kreise unseres Volks haben es verlernt, eine Leistung nach ihrem Gehalt zu empfinden, und prüfen sie nur nach ihrer Herkunft und darauf, wie sie ins System der Vorurteile paßt; es wird das Weite am Engen gemessen, der mannigfaltige Geist an einer seiner Ausgeburten; die Aufmerksamkeit hat sich von den Werten zu ihren Nebenumständen abgewendet, von der Wirklichkeit zur Hypothese, und es hat sich derer, die zu folgen berufen sind, eine sektiererisch anmaßende Besserwisserei bemächtigt. Da mit etwas so Urtümlichem, wie es die Rasse ist, überdies nur urtümliche Tugenden verknüpft sein können, werden schließlich auch die Geister, welche sich des gleichen Bluts berühmen dürfen wie ihre Richter, nicht mehr ans Ohr der Nation gelassen, falls sie nicht so schreiben wie Herr Walter Bloem oder so denken wie Herr Hilthy [= Carl Hilty?], also nicht treu, tapfer, keusch sind und mit weiteren fünf deutschen Indianertugenden ihr Auslangen finden.

Auf diesem Wege des Idealismus ist der Rassengedanke zur deutschen Selbstbeschädigung geworden und saugt der Nation in jahrzehntelangem Mißbrauch das Mark aus.

„… der Michel erwacht …“

Am 1. April 1933 soll er in Wuppertal Mitinitiator einer der ersten Bücherverbrennungen in Deutschland gewesen sein. Als Autor spielte er in der Nazizeit kaum eine Rolle, aber er schrieb den Nazis nach dem Mund. So fabulierte er von der Überlegenheit der weißen Rasse. Seinen Roman „Brüderlichkeit“ verleugnete Bloem fortan und seine veränderte Sicht auf die Juden begründete er 1935 unter anderem folgendermaßen: Juden, für die er sich eingesetzt habe, nämlich „nationaldeutsche Juden“, gebe es nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz. 1921 war er bei einem Treffen einer Burschenschaftsvereinigung noch der einzige gewesen, der dagegen war, Juden auszuschließen.

Vor Hitlers Judenpolitik verschloss er die Augen. Als er in Berlin seinen jüdischen Zahnarzt mit dem gelben Stern auf dem Straßendamm gehen sah, sei er zwar errötet, aber habe sich gedacht: „Der Führer weiß, was er tut.“ Er rechtfertigte „Härte, Grausamkeit und Zerstörungswillen“ der Nazis.

Interessanterweise wurde er erst 1938, auf persönliche Intervention Goebbels, in die NSDAP aufgenommen. 1941 schrieb er in einem Gedicht „Mein Führer! In der Symphonie deines Werkes töne ich mit/so will kein Mißton sein./In der Kraft deines Schwertes bin auch ich enthalten./So will ich ein edles Stahlmolekül darin sein.“ Das Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 nannte er eine „Rattentat“.

Sie waren, wie Bloem, und übrigens auch Leo Weismantel, unter den 88 Schriftstellern, die am 26. Oktober 1933 in der Vossischen Zeitung Hitler „das Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ leisteten. Beschimpfte Erich Maria Remarques Welterfolg „Im Westen nichts Neues“ als Dreck und eine Beleidigung des Frontkämpfertums.

In einem offenen Brief im September 1932 wütete er auch gegen Heinrich Mann. Leute wie dieser sollten sich vorsehen: Michel sei erwacht und schicke sich an, „in seinem Hause Großreinemachen zu veranstalten“. Seine Rhetorik und seine Haltung näherten sich mehr der der Nazis an. Bloem wurde zu einem glühenden Hitler-Verehrer und freute sich auf die Herrschaft der Nazis.

Im Kapitel „Selektion der Geschichte in der freiheitlichen ZZ“ mußte von Walter Bloem schon einmal erzählt werden, so ist das oben Zitierte nichts Neues, sondern schon einmal zitiert worden, in ebendiesem Kapitel „Selektion“ …

Und nun ist Walter Bloem so viele, viele Kapitel später wieder Figur eines Kapitels, nicht aber, weil es von der „freiheitlichen ZZ“ etwas Neues zu berichten geben würde, das gesinnungsgemäß auch nicht möglich ist,

sondern weil von einer weiteren Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu erzählen ist, von dieser seltsamen Auswahl biographischer Angaben auf „Projekt Gutenberg-DE,

und auch das, kann mittlerweile gesagt werden, ist schon, nach etlichen Stichproben auf „Projekt Gutenberg-DE“, nichts Neues …

Wieder eine Selektion, diesmal in der Preisgabe der Biographie des Walter Bloem auf „Projekt Gutenberg-DE“, mehr als dies

Walter Julius Gustav Bloem wurde am 20. Juni 1868 in Elberfeld geboren und starb am 19. August 1951 in Lübeck. Er war ein deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Rechtsanwalt.

wird, ist am 25. Oktober 2023 zu lesen, auf „Projekt Gutenberg-DE“ von Walter Bloem nicht

Ein Nachruf

Sebastian Kurz hat selbstverständlich keinen Nachruf auf sich selbst geschrieben, sondern einen auf Christian Pilnacek. Am 21. Oktober 2023.

Christian Pilnacek war ein Beamter. Er war kein Politiker. Es ist daher bereits der Beginn falsch, der erste Satz „Politik ist …“

Solch ein erster Satz paßte in einen Nachruf auf eine Politikerin, aber nicht in einen Nachruf auf einen Beamten; so liest sich der Nachruf ab seinem ersten Satz bereits, als wäre es ein Nachruf auf einen Politiker, als würde er sich einen solchen Nachruf auf sich selbst wünschen, wenn er dereinst in fünfzig, sechzig, siebzig Jahren gestorben sein wird, den Sebastian Kurz vorsorglich Jahrzehnte zuvor in seinem wesentlichsten Lebensabschnitt selbst schreiben zu meinen muß.

„Er war ein wahrer Diener des Staates.“

„Seine Expertise, sein fundiertes Wissen sowie sein Dienst an der Republik haben …“

„Es ist zu hoffen, dass von […] nicht die falschen Vorwürfe gegen seine Person bleiben, sondern sein großes Wirken […].“

„Wir alle sollten ihm ein ehrendes Andenken bewahren und ihm für seine Verdienste um die Republik immer dankbar sein.“

Der Wunsch nach einem Denkmal klingt da durchaus mit. Und welcher Platz wäre geeigneter, ihm einen Stein aufzustellen, als auf dem Kahlenberg?

Bis es aber soweit ist, in vierzig, in fünfzig, in sechzig, in siebzig Jahren soll ihm sein Nachruf in seiner gegenwärtigen Lage schon einmal nutzbar sein.

Und zugleich ist dieser sein Nachruf sein Vermächtnis, das er bereits jetzt, fünfzig, sechzig, siebzig Jahre vor seinem tatsächlichen Ableben formuliert:

„Politik ist ein herausforderndes Geschäft und bringt viele an ihre Grenzen.“

Sein Vermächtnis also: „Politik ist ein herausforderndes Geschäft.“

Aber auch zugleich seine Bilanz: „Bringt viele an ihre Grenzen.“

Die „menschliche Komponente“, die Sebastian Kurz in seinem Vermächtnis seines geschäftlichen Wirkens, im Eingeständnis seiner „Grenzen“ einmahnt, wohl in der Hoffnung, sie werde ihm gerade jetzt entgegengebracht werden, hat er selbst immer wieder auf eine Weise die „menschliche Komponente“ — Kindern gegenüber etwa

Was für eine „menschliche Komponente“, Kindern in solchen Stätten

Die „menschliche Komponente“ einzumahnen, das mahnen vor allem Menschen der „Politik“ ein, wie etwa Peter Thiel,

mit dem Sebastian Kurz über die „menschliche Komponente“ wohl im recht regen und fruchtreichen Austausch, auf einem derart hohen Niveau, daß es etwa für einen Erhard Busek unmöglich war, dazu eingeladen zu werden, an solch einem thiel’schen politischen und kurz’schen geschäftlichen …

Und auch ein Heinrich Neisser wird auf eine Einladung eines Thiel vergeblich warten, wobei angenommen werden darf, daß er auf eine solche nicht

Und doch braucht gerade die „menschliche Komponente“ viele für sie Streitende, und es gibt, welch ein Segen, eine Person, die sich erst vor Kurzem empfahl, die dritte im Bunde sein, eingeladen zu werden vom politischen Thiel und vom geschäftlichen

Nachrichten und Nachrichten

Minuten vor Beginn der Fernsehhauptnachrichtensendung des rechtlich-öffentlichen Rundfunks Österreichs kann in einer Nachrichtensendung eines weiteren Fernsehsenders — ATV — dieses Interview gehört und gesehen werden, in dem der Angeklagte Sebastian Kurz sagt:

„Am heutigen Tag ist es vor allem der Tod von Christian Pilnacek, der mich extrem betroffen macht. Ich habe gestern Abend noch mit ihm telefoniert und wenige Stunden später hat er sich das Leben genommen.“

Das Erstaunen ist sehr groß, davon in der Fernsehhauptnachrichtensendung des rechtlich-öffentlichen Rundfunks Österreichs um 19.30 Uhr am 20. Oktober 2023 nichts zu sehen und nichts zu hören.

Es wird zwar über den Tod von Christian Pilnacek berichtet:

Dieser Prozeß gegen Sebastian Kurz, der ist heute auch durch eine tragische Botschaft überschattet worden. Auf Vormittag ist bekanntgeworden, dass der suspendierte Sektionschef des Justizministeriums, Christian Pilnacek, im Alter von 60 Jahren gestorben ist. Die Polizei hat Ermittlungen zu den näheren Umständen Pilnaceks aufgenommen. In der vergangenen Nacht wurde Pilnacek stark alkoholisiert als Geisterfahrer auf der Stockerauer Schnellstraße angehalten. Er mußte Führerschein und Auto abgeben, dann wurde er privat abgeholt. Was danach geschehen ist, wird nun vom Landeskriminalamt Niederösterreich ermittelt.

Kein Bericht aber von der Aussage des Sebastian Kurz, er, Christian Pilnacek, habe sich das Leben genommen. Auf der Website des rechtlich-öffentlichen Rundfunks Österreichs wird zwar, wie jetzt um 20.30 Uhr zu lesen ist, Sebastian Kurz erwähnt:

Bestürzung im Kurz-Prozess
Der frühere Bundeskanzler Kurz reagierte im Gerichtsprozess gegen ihn am Freitag mit Bestürzung. Vor der richterlichen Befragung bezüglich der Bestellung Thomas Schmids zum ÖBAG-Chef wies Kurz Richter Michael Radasztics auf das Ableben Pilnaceks hin. Er fände es „komisch“, das nicht zu erwähnen, denn „ich habe gestern Abend noch mit Pilnacek telefoniert“, so Kurz. „Ich habe das mit einiger Bestürzung eben auch gelesen“, antwortete der Vorsitzführende.

Und wieder kein Wort davon, daß Sebastian Kurz aussagt, er habe sich das Leben genommen; bloß, er, Kurz, habe gestern Abend noch mit Pilnacek telefoniert —

Ob der Grund des Verschweigens dieser Aussage von Sebastian Kurz durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs darein zu suchen ist, daß Sebastian Kurz für den Rundfunk keine verläßliche Quelle mehr ist? Dabei könnte der Rundfunk diesem Angeklagten doch vertrauen, immerhin war dieser einmal etwas, und er wird wohl immer noch, wie auch diese seine Aussage über einen Tod vermuten läßt, zu vielen Informationen Zugang haben, die in diesem Fall zu einem Wissen führen können, zu dem das Landeskriminalamt Niederösterreich erst nach einer Obduktion und nach langen Ermittlungen gelangen könnte.

Einerlei, welche Gründe der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs haben mag, diese gewichtige Aussage eines Angeklagten zu verschweigen, eines bleibt von dieser Viertelstunde Medienkonsum am Freitagabend über, erinnert wieder einmal daran, wie notwendig es ist, Nachrichten von vielen Medien für die Beurteilung eines Geschehens, eines Falles heranzuziehen, und niemals sich auf eine einzige Quelle zu verlassen.

„Diese Vorposten-Dichtung“

Eine weitere Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ und wieder, es muß wohl nicht mehr wiederholt werden, wie es um die biographischen Angaben auf dieser Website bestellt ist. Auf der zu

Strobl Hans Karl

am 19. Oktober 2023 angeboten ist:

Karl Hans Strobl wurde am 18. Januar 1877 in Iglau, Mähren geboren und starb am 10. März 1946 in Perchtoldsdorf bei Wien. Er war ein österreichischer Schriftsteller. Die Literaturwissenschaft zählt Strobl neben Gustav Meyrink und Hanns Heinz Ewers heute zu den »großen Drei der deutschen Phantastik nach 1900«.

Das Ergebnis der Stichprobe Ewers bereits aufgeschrieben …

Und nun das Ergebnis der Stichprobe Strobl, der ein Rechtfertigungsherz hatte, für den „Attentäter“, für den Mann seiner Gesinnung, der einen vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertierten Schriftsteller ermordet und seitdem als „erstes prominentes Opfer des Nationalsozialismus in Österreich“

Karl Hans Strobl, „Landesleiter der Reichsschrifttumskammer Wien“, wird es wohl recht, so recht recht warm um sein Herz gewesen sein, beim Lesen am 17. Jänner 1942 in den „Innsbrucker Nachrichten“ die deutschehrstolz befohlene Verpflichtung eines „Volkes zu dankbarer Treue“ gegen ihn —

„Ein Vorkämpfer des großdeutschen Gedankens — Zum 65. Geburtstag Karl Heinz Strobls“:

Aus dem Industriestädtchen Iglau, aus dem sudetendeutschen Kulturraum also, hat, unermüdlich für sein Volks- und Deutschtum streitend, der Dichter Karl Hans Strobl mit seinen Werken den Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden. Bei ihm decken sich Tat und Idee vollauf. Aus der alten Idee vom Reich, aus dem Boden der Heimat wuchs ihm die Kraft, das zu sagen, was er sah, erlebte und erlitt. Strobl, am 18. Jänner 1877 geboren, studierte Jura in Prag und schied kurz vor Kriegsausbruch 1914 aus dem Staatsdienst aus, um in Leipzig eine Zeitschrift herauszugeben. Reisen führten ihn in die verschiedensten Länder und Erdteile. Die Tätigkeit als Berichterstatter im Kriege wurde abgelöst durch das Leben als freier Schriftsteller, der unbeirrbar im deutschen Grenzland für sein Deutschtum eintrat. Der ehemalige tschechoslowakische Staat hat den Dichter 1934 aus seiner Heimat wegen „staatsgefährlicher Betätigung“ ausgewiesen. Seitdem lebt Strobl in der Nähe von Wien. Vor fünf Jahren erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Als Strobl 1902 mit seinem Roman „Die Vaclavbude“ zum erstenmal die nationalen Gegensätze der Deutschen und Tschechen gestaltete, als er „Die Flamänder von Prager“ (früher der „Schipkapaß“) und die Geschichte vom „Wirtshaus zum König Przemysl“ schrieb, da spitzten sich die Spannungen immer mehr zu. So ist schon zu frühen Zeiten dieser Dichter ein Vorkämpfer des großdeutschen Gedankens geworden und im gleichen Raum ist Strobls großer Roman „Die Fackel des Hus“ angesiedelt. Ebenso wie der dreibändige Roman „Bismarck“ ein großangelegtes Bekenntnis zum Deutschtum, zum Großdeutschen Reiche darstellt. So hat Strobl aus dem Erlebnis des Weltkrieges in seinem Bismarckwerk die Heraufkunft eines neuen Reiches geahnt, so hat er in vertiefter Form aus den frühen Volkstumskämpfen seiner Jugend- und Mannesjahre seine Erkenntnisse bezogen und folgerichtig danach gehandelt. Seine Erinnerung an diese Spanne in dem Buch „Verlorene Heimat“ geben Zeugnis von dem schweren Kampf des Sudetenlandes in den letzten Jahrzehnten. Neben diesen Dichtungen, die der Heimat und ihrem Lebenskampf dienen, gibt es mannigfache Romane mit überwältigender Fabulierlust und Freude an dem Geschehen erzählt. In die Nachbarschaft E. T. A. Hoffmanns gehören diese psychologisch vertieften Romane, auch die Kriminalromane wie „Prozeß Borowska“. In seinen letzten Dichtungen, dem „Kaiser Rotbart“, hat Strobl der Einheit des Reiches ein Denkmal gesetzt. In dem Roman aus den Bergen „Totenhorn-Südwand“ unterhält der Erzähler durch eine Liebesgeschichte. 1939 schrieb Strobl eine vorzügliche einfühlsame Studie über Schicksal, Gestalt und Seele einer Stadt in dem Essay „Prag“. Karl Hans Strobl, der 65jährige Dichter aus Iglau, hat seinem Volke zu allen Zeiten treu gedient. Seine Dichtungen atmen den Geist des sich selbst bewußten Deutschtums im Kampf an gefährdeter Stelle. Diese Vorposten-Dichtung für den großdeutschen Gedanken verpflichtet das deutsche Volk zu dankbarer Treue dem Dichter gegenüber. Heinz Grothe