Etwas über Relikte: Donald Trump, Diktator ohne Diktatur, Kim Jong-un, Diktator mit Diktatur

Und wieder eine Bombe. Diesmal in Österreich.

„Kriegsbombe explodiert – 60.000 Tote“

Wieder Evakuierungen. Wieder enorm hohe Kosten. Wieder Absperrungen, wieder Umleitungen, wieder Verkehrsumleitungen, wieder Einstellung des öffentlichen Verkehrs …

Aber keine, wieder keine Rufe, Österreich zuzupollern,

Der Terror hat Österreich besiegt.

gegen die tatsächliche Gefahr durch Bomben, die in Österreich, über die in Österreich täglich Menschen laufen müssen, tägliche Todesgefahr, und kein Mensch weiß, wo überall die Bomben sind, wo überall diese explodieren können, keine Möglichkeiten die Bomben überwachen zu können, keine Möglichkeit, die Bomben belauschen zu können, keine Möglichkeit, der Bomben Explosionspläne rechtzeitig entdecken zu können, wie auch, Bomben reden nicht, morden nur gleich, ohne vorher mittels Smartphones …

Aber keine, wieder keine Rufe, nach Schutz und Sicherheit. Es herrscht Gleichgültigkeit gegen die Bomben. Mehr. Die Bomben werden geliebt. Liebevoll werden die Bomben „Relikt“ genannt. Relikt, als wären Bomben wertvolle Zeuginnen einer untergegangenen aber zu bewahrenden Zeit. Überbleibsel, wie Restl’n auf Tellern nach einem Fest, bei deren Anblick am nächsten Morgen schon die Erinnerung an das vergangene Fest einsetzt, mit seliger Wehmut, es gedauert wird, daß es vorbei ist, mit Dankbarkeit, es erlebt zu haben.

Aber keine, weiter keine Rufe, gegen die Bomben, die weltweit …

Immerhin, könnte gesagt werden, wird nicht geschrieben, Kim Jong-un und Donald Trump drohen mit Relikten die gegenseitige Vernichtung an.  Was es aber nicht in die Schlagzeilen schafft, ist, sie meinen damit nicht ihre eigene Vernichtung, sondern die Vernichtung der anderen, Donald Trump wähnt sich persönlich sicher vor einer nordkoreanischen Bombe, Kim Jong-un wähnt sich persönlich sicher vor einer amerikanischen Bombe, beide meinen, auch nach Bombenexplosionen weiterzuleben, sterben sollen bloß die anderen Amerikaner, sterben sollen bloß die anderen Nordkoreanerinnen. Und wenn einmal Bomben in den Vereinigten Staaten und in Nordkorea explodiert sind, wo überall in der Welt werden dann weitere Bomben explodieren, Menschen sterben.

Was es aber nicht in die Schlagzeilen schafft, daß zwei Männer Menschen mit Mord bedrohen, Mord androhen, weltweit öffentlich, ohne Gefahr zu laufen, wegen Morddrohungen angeklagt zu werden, ins Gefängnis geschmissen zu werden.

Im Gegenteil.

Dem einen Diktator ohne Diktatur, wie Eliot Weinberger Donald Trump nennt, bringt der österreichische Bundespräsident artig einen Brief eines Kindes mit, ganz wie es einmal in Österreich gewesen war oder wohl auch noch ist, wenn der Bundespräsident in einem Alpendorf empfangen, vom Bürgermeister begrüßt wird, neben dem ein Kind steht mit einem Blumenstrauß, den es brav dem Bundespräsidenten überreichen darf, nachdem es dem Bundespräsidenten ein Gedicht aufgesagt hat.

Den Diktator mit Diktatur, wie Kim Jong-un zu bezeichnen ist, um wenigstens einen Unterschied zwischen diesen beiden Männern benennen zu können, jagen die Menschen in Nordkorea nicht und nicht mit einem nassen Fetzen aus dem Regierungspalast. Sie hätten ihn erst gar nicht in den Palast lassen dürfen, er wäre gar nicht erst in den Palast gekommen, wäre bereits sein Großvater oder sein Vater aus dem Palast geworfen worden, dem sogar in Österreich mit einer Ausstellung der Hof gemacht wurde …

Es ist tatsächlich verharmlosend, Bomben, die immer noch Menschen töten können, Jahrzehnte später nach ihrem Abwurf sogar noch, Relikt zu nennen. Was tatsächliche Relikte sind, zeigen aktuell exemplarisch der Diktator ohne Diktatur und der Diktator mit Diktatur her: ihr Denken. Sie zeigen Reste des Denkens. Überbleibsel des Denkens. Und, wer auf Denkreste reduziert ist, wird nur noch von einer Regung beherrscht: von der Gier zu morden. Oder, es kann auch gesagt werden, dieses Denken ist eine Bombe, und ebenfalls kein harmloses Relikt, über dessen Fund sich die Archäologie freuen könnte, ist noch eine Bombe, die neben den anderen Bomben auch in der österreichischen Erde …

Donald Trump und Kim Jong-un schnallen nicht sich, aber weltweit allen anderen Menschen Bombengürtel um, und die Menschen tragen sie gleichgültig, viele vielleicht auch in der wohligen Annahme, so ein Bombengürtel ist der letzte Schrei …

… es wird auch der letzte Schrei gewesen sein, wenn weiter mit Relikten das Schicksal von allen bestimmt, zugelassen wird, daß Relikte …

Bomben

 

„Wir sind das Volk“: Der globalisierte Dummschrei der gefährlichsten Sorte

Als die DDR unter den Rufen „Wir sind das Volk“ endlich und endgültig zusammenbrach, hatte das Skandieren von „Wir sind das Volk“ durchaus seinen Witz und mehr noch durchaus seine konkrete Berechtigung, denn die DDR nannte sich eine „Volksrepublik“ …

We the people - Globalized most dangerous stupid sayingIm Grunde aber ist „Wir sind das Volk“ nichts anderes als ein globalisierter Dummschrei. Zumeist mehr gefährlich als förderlich. Wie dumm und wie gefährlich wird gerade aktuell von über 270.000 Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrer Unterzeichnung einer Petition bewiesen, wieder einmal bewiesen, die die Entfernung eines einzelnen Menschen aus ihrer Gesellschaft, die die Deportation eines einzelnen Menschen aus den USA verlangen. Mit einer Petition, die eingeleitet wird mit „We the people …“ und deren letzter Satz ebenfalls mit „We the people …“

Es wird nicht viel, genauer, nichts über diesen bestimmten Menschen gewußt, außer, was so nebenher mitbekommen wurde, in letzter Zeit, irgendwelche Aufregungen um Autorennen, Drogen … Vor beinahe sechzig Jahren kam ein amerikanischer Film in die Kinos – „Rebel without a Cause“, dessen deutschsprachiger Titel heute seine Berechtigung erhält, bezogen aber auf diese Petition: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Es geht in diesem Film auch um Autorennen. Autorennen, Drogen – der Hauptdarsteller, heute noch kultisch verehrt, James Dean … Mit überhöhter Geschwindigkeit, aber nicht im Film, in den Tod …

Und nun wollen über 270.000 Menschen, vereint unter der Dummschrift „Wir, das Volk“ einen einzelnen Menschen deportieren, aus ihrer Gesellschaft entfernen, der nichts anderes macht, als eine amerikanische Ikone vormachte, der von niemandem sonst beinflußt sein kann, als von ebendiesem amerikanischen Filmheiligen …

Bedarf es je eines weiteren Beweises, wie höchst gefährlich, wie abgrundtief dumm dieser globalisierte Schrei „Wir sind das Volk“ …

Aber es gibt nach wie vor Staaten, die unter dem Ruf „Wir sind das Volk“ endlich und endgültig zusammenbrechen müssen, weil in diesen Staaten der Ruf „Wir sind das Volk“ durchaus seinen Witz und mehr noch durchaus seine Berechtigung hat … Beispielsweise Nordkorea. Denn Nordkorea nennt sich eine Volksrepublik …