„Fleisch, wir können die Bibel beim Wort nehmen.“

Für den HErrn ist der Mensch „Fleisch“, so steht es nicht nur in der Schlachter Bibel …

Das darf am 24. August 2025 während einer Pause auf einem Autohof weit nach Erfurt erfahren werden.

Irgendwer hat ein Autoradio extrem laut eingeschaltet, und alle auf dem Autohof sind der Übertragung des Gottesdienstes aus der katholischen St.-Elisabeth-Kirche in Gera ausgesetzt.

Freilich, es hätte die Pause abgekürzt werden können, um dieser biblischen Beschallung sofort entgehen zu können, aber sich vertreiben zu lassen, nur weil ein Mensch meint, allen ungefragt das Wort des HErrn, der IHm ein „Fleisch“ ist, zu verkünden, erscheint doch als eine zu große Aufmerksamkeit, und darüber hinaus stellt sich so etwas wie Dankbarkeit ein, einem Wunder beiwohnen zu dürfen, im 21. Jahrhundert auf einem Autohof, denn siehe, wahrlich: dem „Fleisch“ ward die Gabe gegeben, einen Radioapparat einzuschalten.

„Wir können die Bibel beim Wort nehmen.“ So spricht der Herr Pfarrer. Und das spricht der Herr Pfarrer in seiner Erläuterung der Lesung aus dem Buch Jesaja.

Ehe „Wir können die Bibel beim Wort nehmen.“ zu hören ist, ist über den gesamten Autohof die Lesung des Kapitels 66 zu vernehmen:

Stimme: Lesung aus dem Buch Jesaja. So spricht der HErr.

Ich kenne die Taten und Gedanken aller Nationen und Sprachen und komme, um sie zu versammeln. Und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. Ich stelle bei ihnen ein Zeichen auf und schicke von ihnen einige, die entronnen sind, zu den Nationen, zu den fernen Inseln, die noch keine Kunde von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden. Sie werden alle eure Brüder aus allen Nationen als Opfergabe für den HErrn herbeibringen, auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Kamelen zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem. So wie die Söhne Israels ihre Opfergabe in reinen Gefäßen zum Haus des HErrn bringen. Und auch aus ihnen nehme ich einige zu levitischen Priestern, so spricht der HErr. Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, von Bestand haben, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben. Und alles Fleisch wird einen Neumond nach dem anderen und einen Sabbat nach dem anderen kommen, um vor mir anzubeten. Und sie werden hinausgehen und schauen die Leichname derer, die von mir abtrünnig waren. Denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden allen Fleisch ein Greuel sein. Und alles Fleisch wird einen Neumond nach dem anderen und einen Sabbat nach dem anderen kommen, um vor mir anzubeten, so spricht der HErr. Wort des lebendigen Gottes.

„Fleisch“: Dank sei GOtt!

Und noch ein Wunder an diesem Sonntag des HErrn, Wunder über Wunder, denn siehe, wahrlich, dem „Fleisch“ war ein Mund gegeben, IHm zu danken. Und ein weiteres Wunder, Wunder über Wunder, die Vermehrung des Kapitels 66, das bis zu diesem Sonntag im Jahr ’25 mit „sie werden allen Fleisch ein Greuel sein.“ endete, aber an diesem Sonntag auf dem Autohof endet das Kapitel mit „Und alles Fleisch wird einen Neumond […] anzubeten, so spricht der HErr. Wort des lebendigen Gottes.“

Es gibt aber nicht nur diese Übersetzung des Kapitels 66, sondern weitere, und welche soll nun „beim Wort“ genommen werden? Ehe diese zitiert werden, soll doch der Herr Pfarrer, wie er auf dem Autohof gehört wird, seine Erläuterung vortragen:

Will man in einem Gespräch einigermaßen höflich seinen Ärger zum Ausdruck bringen, dann gelingt das am besten mit dem Satz: „Ich bin jetzt aber irritiert.“ Das ist so ein Signal an das Gegenüber, daß ich nicht mehr einfach folgen kann. Ich kann nicht mehr ganz Ohr sein, weil ich ganz Bauch bin, dort sammelt sich aller Ärger und Wut, vielleicht über eine Äußerung, oder irgendetwas macht mir jedenfalls zu schaffen, daß ich nicht mehr ganz Ohr sein kann. Ich bin irritiert. Manchmal läßt sich so eine Irritation beseitigen, stellt sich ein Mißverständnis vielleicht heraus, und das Gespräch kann weitergehen. Manchmal gelingt das freilich nicht. Die Irritation bleibt. Wir verstehen die Bibel als GOttes Wien in Menschen Wort. Und ausweichlich kommt es daher beim Verständnis dieses GOttes Wort in Menschen Wort zu Irritationen. Das hängt auch damit zusammen, daß dieses GOttes Wort aus einer anderen Zeit und Kultur zu uns spricht. Ich vergleich‘ die Bibel aber gern mit einer älteren Dame, die ich wohl sehr schätze ob ihrer Weisheit und Erfahrung, nur leider verstehe ich sie nicht immer. Ihre Sprache klingt zwar faszinierend, aber manchmal auch sehr schrullig und unverständlich. Sie benützt Worte, deren Bedeutung mir gar nicht zugänglich sind. So stelle ich mir das vor, diese Irritation durch die Bibel. Und gleichzeitig reizt es mich, sie zu verstehen, weil ich sie eben mag, diese Bibel. Heute, die Lesung der letzten Verse des Jesaja-Buches, die hatten kräftig Irriationspotential, das habe ich auch in den Gesichtern gesehen, hier in unserer Runde. Der Prophet Jesaja hat in seinen 66 Kapiteln harsche Gerichtsworte, die sich an die Feinde des Volkes GOttes richten, und wechselt unvermittelt zu ganz warmherzigen und trostreichen Versen, die dem unterdrückten Volk GOttes gelten. Und sind vor allem die Trostworte vertraut. Denken Sie nur an die von Händel im MEssias meisterhaft vertonten Worte: „Tröstet, tröstet mein Volk“. Bis heute atmen Menschen, wenn sie diese Musik, diese Worte hören, bei diesen Worten tief durch und fühlen sich in allem Weh und Ach verstanden. Und nun das Ende des Propheten Jesajas könnte gegensätzlicher nicht sein. Wir haben heute in der Lesung den Satz gehört: „Sie werden hinausgehen und die Leichen der Männer sehen, die mir abtrünnig geworden sind, denn ihr Wurm stirbt nicht und ihr Feuer erlischt nicht, und sie werden ein Abscheu sein für alles Fleisch.“ Höchst befremdlich, gruslich, höflich ausgedrückt: irritierend. Und dann noch beim Verlesen im Gottesdienst die Antwort der Gemeinde: „Dank sei GOtt.“ Da bleibt einem doch das Wort im Halse stecken. Solche Irritationen müssen aber nicht zum Abbruch des Gesprächs führen, also es mag nur die Vorurteile bestätigen, viel besser wäre es, um ein vertieftes Verständnis zu ringen, in diesem Fall für dieses erste Testament, die darin gereifte Erfahrung von GOttes Wort. Im jüdischen SynagogenGOttesdienst, wo der Prophet Jesaja eine ganz zentrale Rolle spielt, hat man eine ganz feine Finte für den Umgang damit gefunden. Dieser anstößige letzte Vers wird natürlich verlesen und dann wiederholt der Lektor noch einmal den Vers davor, da heißt es: „Und es wird geschehen, daß Neumond für Neumond und Sabbat für Sabbat alles Fleisch kommt, um sich vor mir niederzuwerfen, spricht der Herr. Das tun unsere jüdischen Schwestern und Brüder, weil dieser Vers genau den Sinn und Ziel des ganzen Jesaja-Buches auf den Punkt bringt. GOttes Hoffnung für sein Volk. So bleibt die notwendige Irritation und wird doch überwunden. Die Theologin Juliane Eckstein hat sich mit dieser Irritation näher auseinandergesetzt. Sie stammt aus der Nähe von Bautzen und ist als Bibelwissenschaftlerin tätig. Sie hat mir mit einem Artikel geholfen, mit dieser irritierenden Rede vom rächenden GOtt der Bibel ins Gespräch zu kommen. Als Kennerin des ersten Testaments hält sie den Ausdruck, dieser Rede vom rächenden GOtt für ein vertieftes Verständnis GOttes und unserer Welt sogar für notwendig. Leider wurde in der christlichen Auslegung viele jahrhundertelang dem angeblich strafenden GOtt des alten Testaments JEsu GOtt der Liebe entgegengesetzt. Heute müssen wir uns demütig eingestehen, daß ist Antijudaismus. In dessen Folge die jüdische Bevölkerung unterdrückt wurde, bis zu Pogromen, ja schließlich bis zum Holocaust. Juliane Eckstein schärft stattdessen den Blick, sie fragt gewissermaßen nach, was ist mit diesem GOttesbild gemeint, worauf zielt das ab, und ganz besonders wichtig, warum irritiert es uns. Als erstes legt sie den Rahmen frei, in dem die Bibel Rache und Vergebung verhandelt. Sie sagt, die biblische Vorstellung ist durch den Gedanken geprägt, daß alles Unrecht vor GOttes Gericht am Ende der Zeiten kommt. GOtt stellt sicher, daß Gewalttäterinnen und -täter den Konsequenzen ihres Tuns niemals entkommen können, nicht einmal durch einen rechtzeitigen Tod. Auf diesem Hintergrund verstehen wir, warum im ersten wie im neuen Testament, darauf bestanden wird, mein ist die Rache, ich will vergelten. Und dieser Gedanke der Rache ist für Täter wie für Mittwisser unangenehm. Daher offensichtlich unsere Irritation. Und zweitens zeigen die irritierenden Stellen der Bibel das Bild eines mächtigen GOttes, der fähig und willens ist, Gerechtigkeit herzustellen und Unrecht zu bestrafen, ein GOtt, der die Schwachen und Rechtlosen nicht allein läßt. Wer also biblische Rachetexte vermeidet oder bewußt ausläßt, unterdrückt wichtige [ein anfahrender Lastkraftwagen übertönt ein Wort] die Bibelwissenschaftlerin folgert, Rachegefühle, Gefühle, sind Ausdruck von Aggressionen, damit Zeichen von Lebenskraft. Sie zeugen von einem intakten Gerechtigkeitsempfinden. Und idealerweise leiten sie diese Kraft in Richtung der Schuldigen, statt auf sich selbst oder auf Unschuldige, noch Machtlosere. Wir können die Bibel beim Wort nehmen. Es gibt einen legitimen Rachedurst angesichts widerfahrenen Unrechts. Hören wir also solche Verse wie heute beim Propheten Jesaja, vom nicht sterbenden Wurm und nie erlöschendem Feuer und Abscheu in Solidarität mit den Opfern. Liebe Schwestern und Brüder, lassen wir uns irritieren, versuchen wir zu verstehen, auch wenn es zunächst unangenehm ist, daß bewahrt uns hoffentlich vor der Selbstgerechtigkeit, für die bei näherem Hinsehen gar kein Grund ist. In dieser Spur begreifen wir unseren eigenen Weg als Christinnen und Christen. Das Evangelium sagt, bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen, so irritiert auch JEsus immer wieder, die die IHm zuhören. Ringen wir darum, mit GOtttes Worten im Gespräch zu bleiben, Irritationen nachzugehen und zu einem vertieften Verständnis unserer Hoffnung und Rettung zu finden. Amen.

So erläutert der Herr Pfarrer, und er findet zu einer eigenen Übersetzung von dem, was er eben erst hörte,

Und sie werden hinausgehen und schauen die Leichname derer, die von mir abtrünnig waren. Denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden allen Fleisch ein Greuel sein.

ihm die Stimme wenige Minuten zuvor vekündete, und so spricht der Herr Pfarrer: „Sie werden hinausgehen und die Leichen der Männer sehen, die mir abtrünnig geworden sind, denn ihr Wurm stirbt nicht und ihr Feuer erlischt nicht, und sie werden ein Abscheu sein für alles Fleisch.“

Aus welchen Bibeln die Lesung und die Übersetzung des Herrn Pfarrers seien? Es scheint ein Gewürfle zu sein, etwas aus dieser, etwas aus jener, etwas aus eigener —

Die Übersetzung von ERF-Bibleserver, diese und die weiteren gelesen am 31. August 2025:

18 Ich weiß, was sie treiben, und kenne ihre Gedanken!« »Ich komme, um Menschen aller Völker und Sprachen zu versammeln. Von überall strömen sie herbei und sehen meine Größe und Macht. 19 Ich werde den Völkern ein deutliches Zeichen geben: Einige aus meinem Volk, die dem Gericht entronnen sind, sende ich in solche Länder, wo man noch nichts von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen hat. Sie werden nach Tarsis in Spanien reisen, zu den Libyern und Lydern, den berühmten Bogenschützen; sie werden zum Stamm der Tibarener am Schwarzen Meer vordringen und auch nach Griechenland, ja, bis zu den entferntesten Inseln und Küsten. Allen diesen Völkern sollen sie von meiner Größe und Macht erzählen. 20 Dann werden sie alle eure Brüder und Schwestern, die noch über die ganze Welt zerstreut sind, zurückbringen nach Jerusalem. Auf Pferden und in Wagen reisen sie, in Sänften werden sie getragen; auf Maultieren und Kamelen wird man sie nach Jerusalem führen. Wie ihr Israeliten eure Opfergaben in reinen Gefäßen zu meinem Tempel bringt, so bringen diese Völker die Menschen eures Volkes aus der ganzen Welt zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, um sie mir als Gabe zu weihen. 21 Auch aus diesen fremden Völkern wähle ich mir dann einige als Priester und Leviten aus. 22 So wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich schaffe, nie mehr vergehen, genauso wenig werden eure Nachkommen untergehen. Euer Volk wird für immer bestehen. Dafür bürge ich, der HERR. 23 Ich versichere euch: Jeden Monat am Neumondfest und auch an jedem Sabbat werden alle Menschen nach Jerusalem kommen, um mich dort im Tempel anzubeten. 24 Sie werden vor die Stadt hinausgehen und die Leichen jener Menschen sehen, die sich zu Lebzeiten gegen mich aufgelehnt haben. Ihr Anblick wird bei allen Abscheu und Entsetzen hervorrufen. Denn für diese Verdammten wird die Qual nie enden, sie brennen in ewigem Feuer.« 

In dieser Übersetzung sind es Menschen, werden die Menschen zum „Fleisch“, und in dieser Übersetzung sind es „Leichen jener Menschen […] gegen mich aufgelehnt haben“, „aufgelehnt“ und nicht nur „abtrünnig“, dafür aber: „für diese Verdammten wird die Qual nie enden, sie brennen in ewigem Feuer“.

In anderen Bibeln jedoch bleiben in der Übersetzung die Menschen „Fleisch“, etwa in der Elberfelder Bibel:

15 Denn siehe, der HERR kommt im Feuer, und wie der Sturmwind sind seine Wagen, um seinen Zorn auszulassen in Glut und sein Drohen in Feuerflammen. 16 Denn mit Feuer hält der HERR Gericht, mit seinem Schwert ⟨vollzieht er es⟩ an allem Fleisch, und die Erschlagenen des HERRN werden zahlreich sein. 17 Die sich weihen und die sich reinigen für die Gärten[11], dem einen nach, der[12] in der Mitte ist, die Schweinefleisch und Abscheuliches und Springmäuse essen: Allesamt werden sie ein Ende nehmen, spricht der HERR[13]. 18 Ich aber, ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken, und ich bin gekommen[14], alle Nationen und Sprachen zu versammeln. Und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Ich richte unter ihnen ein Zeichen auf und sende Entkommene von ihnen zu den Nationen, nach Tarsis, Put[15] und Lud,[16]⟨zu denen,⟩ die den Bogen spannen[17], nach Tubal und Jawan[18], zu den fernen Inseln, die die Kunde von mir nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen haben. Und sie verkünden meine Herrlichkeit unter den Nationen. 20 Und sie bringen alle eure Brüder aus allen Nationen als Opfergabe[19] für den HERRN, auf Pferden, auf ⟨offenen⟩ Wagen und ⟨in⟩ überdachten Wagen, auf Maultieren und auf Dromedaren zu meinem heiligen Berg, nach Jerusalem, spricht der HERR, ebenso wie die Söhne Israel das Speisopfer in einem reinen Gefäß zum Haus des HERRN bringen. 21 Und auch von ihnen nehme ich ⟨mir einige⟩ zu Priestern und zu Leviten, spricht der HERR. 22 Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht der HERR[20], so werden eure Nachkommen und euer Name bestehen. 23 Und es wird geschehen: Neumond für Neumond und Sabbat für Sabbat wird alles Fleisch kommen, um vor mir anzubeten[21], spricht der HERR. 24 Und sie werden hinausgehen und sich die Leichen der Menschen ansehen, die mit mir gebrochen haben. Denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht verlöschen, und sie werden ein Abscheu sein für alles Fleisch. 

In dieser Übersetzung ist das „Fleisch“ nicht „abtrünnig“ geworden, haben sich die Menschen nicht „aufgelehnt“, aber „gebrochen“ …

Fehlen darf die Lutherbibel, diese Übersetzung darf nicht fehlen:

18Ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken und komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19Und ich will ein Zeichen unter ihnen aufrichten und einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, nach Tarsis, nach Pul und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan und zu den fernen Inseln, wo man nichts von mir gehört hat und die meine Herrlichkeit nicht gesehen haben; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen. 20Und sie werden alle eure Brüder aus allen Völkern herbringen dem Herrn zum Weihgeschenk auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren nach Jerusalem zu meinem heiligen Berge, spricht der Herr, gleichwie die Israeliten die Opfergaben in reinem Gefäße zum Hause des Herrn bringen. 21Und ich will auch aus ihnen Priester und Leviten nehmen, spricht der Herr. 22Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, spricht der Herr, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben. 23Und alles Fleisch wird einen Neumond nach dem andern und einen Sabbat nach dem andern kommen, um vor mir anzubeten, spricht der Herr. 24Und sie werden hinausgehen und schauen die Leichname derer, die von mir abtrünnig waren; denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden allem Fleisch ein Gräuel sein.

Und eine Übersetzung noch, aus der Schlachter Bibel:

15 Denn siehe, der Herr wird im Feuer kommen und seine Streitwagen wie der Sturmwind, um seinen Zorn in Glut zu verwandeln und seine Drohungen in Feuerflammen. 16 Denn mit Feuer und mit seinem Schwert wird der Herr alles Fleisch richten; und die vom Herrn Erschlagenen werden eine große Menge sein. 17 Die sich heiligen und reinigen für die [Götzen-]Gärten, und einer anderen[2] nachlaufen, inmitten derer, welche Schweinefleisch, Mäuse und andere Greuel essen – alle zusammen sollen sie weggerafft werden! spricht der Herr.18 Ich aber [kenne] ihre Werke und Pläne. Es kommt die Zeit, alle Nationen und Sprachen zusammenzubringen, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Und ich will ein Zeichen an ihnen tun und aus ihrer Mitte Gerettete entsenden zu den Heidenvölkern nach Tarsis, Pul und Lud, die den Bogen spannen, nach Tubal und Jawan, nach den fernen Inseln, die noch nichts von mir gehört haben und meine Herrlichkeit nicht gesehen haben; und sie werden meine Herrlichkeit unter den Heidenvölkern verkündigen. 20 Und sie werden alle eure Brüder aus allen Heidenvölkern dem Herrn als Opfergabe herbeibringen auf Pferden und auf Wagen und in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren, zu meinem heiligen Berg, nach Jerusalem, spricht der Herr, gleichwie die Kinder Israels das Speisopfer in einem reinen Gefäß zum Haus des Herrn bringen. 21 Und ich werde auch von ihnen welche als Priester und Leviten nehmen, spricht der Herr. 22 Denn gleichwie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor meinem Angesicht bleiben werden, spricht der Herr, so soll auch euer Same und euer Name bestehen bleiben. 23 Und es wird geschehen, daß an jedem Neumond und an jedem Sabbat alles Fleisch sich einfinden wird, um vor mir anzubeten, spricht der Herr. 24 Und man wird hinausgehen und die Leichname der Leute anschauen, die von mir abgefallen sind; denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen; und sie werden ein Abscheu sein für alles Fleisch.

So viele Unterschiede in den Übersetzungen, nicht nur darin, ob die Menschen („Fleisch“) sich „aufgelehnt haben“ oder „abtrünnig geworden“ oder „abgefallen sind“ oder „gebrochen haben“, in der Bibel des Schlachter wird auch benannt, wer noch nicht des Herrn Herrlichkeit gesehen, noch nichts vom Herrn gehört hat, wem des Herrn Herrlichkeit zu verkünden ist: „den Heidenvölkern“.

Kiel ist nicht Wien

Weiterfahrt nach dem erzwungenen Kurzaufenthalt von etwa acht Minuten in Villach nach Deutschland, aber ohne Anfahrt von Erfurt, dafür drei Tage Lübeck, und dann schließlich Kiel …

Am Denkmal im „Hiroshimapark“ ist in diesem Sommer 2025 zu erkennen, daß Kiel nicht Wien ist, oder, daß Wien erst Kiel werden könnte, wenn es denn in Wien ein „zentrales Denkmal zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Roma und Sinti“ geben wird … eine „Standortsuche“ soll es, war im Frühjahr 2025 gesagt worden, bereits geben, am 8. April 2025 sagt Emmerich Gärtner-Horvath im österreichischen Parlament: „Die Errichtung einer nationalen Gedenkstätte für die ermordeten Roma und Sinti in Wien wird gemeinsam in Abstimmung des Nationalfonds und des Volksgruppenbeirates der Roma vorangetrieben.“ Es wird in Wien also noch dauern, bis es eine solche geben wird — in einem Jahr? zwei Jahren? drei Jahren? acht Jahren? n-Jahren?

In Kiel, und Kiel ist dafür nur ein Beispiel, gibt es einen zentralen Gedenkort bereits seit 1997 — Was in Wien schneller geht, wenngleich es hierbei zu einer Verzögerung kommt, denn es wird nicht schon 2024, sondern erst 2026 geschehen: Das Säubern und Herausputzen eines schöpferischen Nationalsozialisten, nämlich des Erschaffers des Denkmals am Platz des KL, mit dem er sich nebst dem Bürgermeister selbst als Person ein Denkmal …

Was Wien nicht und was Kiel bereits seit achtundzwanzig Jahren hat, ist nicht nur eine zentrale Gedenkstätte, sondern auch einen gänzlich anderen sprachlichen Umgang als der in Österreich nach wie vor gebräuchliche.

Hierfür im Vergleich Lackenbach mit Kiel.

In Kiel, auf dem Gedenkstein:

Zum Gedenken an die Sinti und Roma aus Schleswig-Holstein, die dem Völkermord der Nazis zum Opfer fielen

In Kiel, die Informationstafel zum Gedenkstein:

16. Mai 1940:
Beginn des Völkermordes an den Sinti und Roma durch die sogenannten „Mai-Deportationen“.
Die meisten der rund 2.500 schleswig-holsteinischen Sinti und Roma haben die Deportation in das besetzte Polen, die Vernichtungslager und Ghettos nicht überlebt.
Bis 1945 ermordeten die Nationalsozialisten in ganz Europa etwa eine halbe Million Sinti und Roma – Frauen, Männer und Kinder.

In Kiel wurde es geschafft, ohne das Wort „Zigeuner“ zu erinnern, in Lackenbach hingegen, wie in diesem August 2025 photographisch festgehalten, nach wie vor die Tafel:

SIE MUSSTEN LEIDEN UND STERBEN NUR WEIL SIE ANDERS WAREN
HIER STAND IN DER ZEIT VON von 1940 – 1945
DAS VON DEN NATIONALSOZIALISTEN ERRICHTETE „ZIGEUNERLAGER“

HIER STARBEN HUNDERTE UNTER QUALEN UND ENTBEHRUNGEN
VON HIER AUS WURDEN EINIGE TAUSEND „ZIGEUNER“IN IN VERNICHTUNGSLAGER DEPORTIERT
GEWIDMET VON DEM LAND BURGENLAND

Es wurde um eine Informationstafel ergänzt, und auch auf dieser in Anwesenheit der grünen Justizministerin enthüllten Informationstafel in 2021 unausweichlich „Zigeunerlager“ und auf der Website der Marktgemeinde Lackenbach hierzu, gelesen am 28. August 2025, über den „QR-Code“ auf der Informationstafel aufgerufen, nach wie vor unausweichlich und gebräuchlich in diesem Land: „Zigeuner“

Wie klug es in Kiel gehandhabt wird, also „Zigeuner“ in keiner Weise zu verwenden, weder auf dem Gedenkstein noch auf der Website, ist leicht verstehbar mit einem kurzen Blick auf die Geschichte von „Zigeunerlager“.

In dem Schnellbrief, den Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900–1945) am 29. Januar 1943 zur Deportation von Sinti:ze und Rom:nja „in ein Konzentrationslager“ versandte, hieß es u.a.: „Die Einweisung erfolgt […] familienweise in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz.“4 Die Verwendung des Begriffs ‚Zigeunerlager‘ dürfte kein Zufall gewesen sein, suggeriert er doch eine Fortsetzung der bis dahin praktizierten und gesellschaftlich weithin akzeptierten Isolationspolitik und, vor dem Hintergrund der Geschichte des Begriffs, eine vermeintliche Normalität.

‚Zigeunerlager‘ wird seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts im Deutschen, aber auch in anderen europäischen Sprachen mit verschiedenen semantischen Bedeutungen verwendet. Ursprünglich bezeichnete der Begriff einen Ort, an dem sich ‚Zigeuner‘ aufhielten, wenn sie auf Durchreise waren, oder einen Platz, auf dem sich ‚Zigeuner‘ mit ihren Wohnwagen niederließen. Seine erste Konjunktur erfuhr der Begriff in der Zeit der Romantik. In der Malerei waren ‚Zigeunerlager‘ beliebte Motive: Wagen, Pferde und Menschen wurden in der freien Natur, oft an Waldrändern oder in Waldlichtungen, situiert. Typische Beispiele sind etwa „Gypsy Camp“ aus dem Jahr 1807 des bedeutenden britischen Malers William Turner (1775–1851) oder das 1873 entstandene Gemälde „Zigeunerlager“ des in Europa weithin bekannten Ungarn Mihály von Munkácsy (1844–1900). Popularisiert wurde das Genre durch Postkarten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts eine rasante Verbreitung erfuhren.
Das Motiv des ‚Zigeunerlagers‘ symbolisierte die Sehnsucht nach Natur, Freiheit und Abenteuer und die Abkehr von der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Zwängen. Das ‚Zigeunerlager‘ wurde zu einem Ort außerhalb der Gesellschaft, womit zugleich diejenigen, die an derartigen Un-Orten lebten, als nicht dazugehörend, als Fremde und Heimatlose, markiert wurden. Auch in Literatur und Publizistik waren ‚Zigeunerlager‘ beliebte Motive, die immer wieder zur Kontrastierung von Zivilisiertheit versus Wildheit dienten.1
Neben romantisierende und verklärende Bilder traten bald abwertende Zuschreibungen
hinzu. Armut und Elend wurden mit dem Motiv des ‚Zigeunerlagers‘ verbunden, wie etwa bei Theodor Fontane (1819–1898): „Es war das Armenviertel … eine Art stabil gewordenes Zigeunerlager“ (1905).2 Das ‚Zigeunerlager‘ symbolisierte zudem eine Ansammlung  entindividualisierter und nicht kontrollierbarer Menschen. So heißt es in dem 1918 erschienenen Buch „Opfergang“ (S. 36) von Fritz von Unruh (1885–1970): „Wie in einem Zigeunerlager wimmelten Menschen und Tiere durcheinander.“ Das „Wörterbuch der deutschen Sprache – der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute“ gibt als gebräuchliche übertragene Bedeutung von ‚Zigeunerlager‘ die Bezeichnung für einen „Platz“ an, „der Menschen (vorübergehend) als Wohnstätte, Übernachtungsplatz o. Ä. dient und den Eindruck äußerer Unordnung bietet“.3

Auf der Website der Landesregierung Schleswig-Holstein zum „85. Jahrestag der Deportation von Sinti und Roma“ zu lesen: nicht einmal „Zigeuner“, dafür aber „Antiziganismus“. Und wenn „Zigeuner“ doch einmal auf dieser Website vorkommt, gelesen auch am 28. August 2025, dann nur in der Art:

… Immer wieder in der Geschichte waren Sinti und Roma Diskriminierungen ausgesetzt. Als „Zigeuner“ beschimpft, wurden sie aus ihren Berufen verdrängt und aus Städten oder Regionen vertrieben. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erlebten Sinti und Roma in ganz Europa systematische Verfolgung und Völkermord mit dem Ziel der totalen Vernichtung. …

„Als ‚Zigeuner‘ beschimpft“ … Hingegen in Lackenbach, also in Österreich bedenkenlose Verwendung von „Zigeuner“, bedenkenlose Verwendung von „Zigeunerlager“ … Die Festschreibung auf dem Mahnmal, daß sie „leiden und sterben mussten weil sie anders waren“, die Festschreibung auf dem Mahnmal „Zigeunerlager“ und „Zigeuner“, weist es als Mahnmal für den herrschenden Antiziganismus aus.

Und es kann in Österreich schon auch vorkommen, daß es zu viel Mühe macht, Anführungszeichen zu setzen, „Zigeunerlager“ und „Zigeuner“ wenigstens in Anführungszeichen zu setzen, in Salzburg

Und es ist für sie mit Verfolgung bis hin zur Ermordung in Europa nicht vorbei —

seit Jahrhunderten, wofür u. v. a. m. auch Martin Luther seinen biblisch weltlichen Beitrag von ausgesuchter Geistlichkeit

Es kann nur wiederholt werden, sie mußten nicht sterben, weil sie „anders waren“, sie wurden und werden verfolgt, sie wurden und werden ermordet, weil sie waren und sind. Hierzu kann nur einmal noch aus den „Kommentaren zur deutschen Rassengesetzgebung“ von Globke und Stuckart zitiert werden:

»Artfremdes Blut ist alles Blut, das nicht deutsches Blut noch dem deutschen Blut verwandt ist. Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und Zigeuner.«

Und die „Denkschrift zur Lösung der Zigeunerfrage“ verfaßt in diesem Bundesland, in dem Lackenbach

Und vor dreißig Jahren wurden wieder vier Menschen in diesem Land ermordet, und wieder nicht, weil sie „anders waren“, sondern einfach deshalb, weil sie waren.

Ihr Mörder, kurz wie einfach gesagt, beseelt davon wie die Nationalsozialistischen das Land „zigeunerfrei“ zu morden …

Am 15. November 2025 wird es wieder eine Gedenkveranstaltung bei diesem antiziganistischen Mahnmal in Lackenbach geben, und was wird dann über diese „Initiative der „Geschichtsvergessenheit“ auf der Website der burgenländischen Landesregierung zu lesen geben, wieder wie in den letzten Jahren so gänzlich anders als in Schleswig-Holstein? Über die im letzten Jahr ist am 28. August 2025 auf der Website des Portschylands zu lesen, mit folgendem Beginn:

LR Dorner: Gedenkfeier für Roma und Sinti in Lackenbach wichtige Initiative gegen Geschichtsvergessenheit

„Permanentes Erinnern an dunkelstes Kapitel unserer Geschichte unerlässlich“ – Dorner fordert konsequentes und geeintes Vorgehen gegen Antisemitismus in Europa

[…] „Zigeunerlagers“ […]

„Wir sind fast 90 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs und der Bezwingung des Nazi-Regimes damit konfrontiert, dass jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus antisemitischen und rassistischen Motiven auf offener Straße attackiert werden und Opfer brutaler Gewaltakte werden, wie letzte Woche in Amsterdam. Diese Auswüchse sind aufs Schärfste zu verurteilen – und dagegen und gegen Antisemitismus in jeglicher Form muss in Europa konsequent, rigoros und geeint vorgegangen werden“, betonte Dorner.

„Antiziganismus“, ein Wort, das nicht einmal vorkommt. Und über die Veranstaltung ein Jahr davor ist auf der Website der Landesregierung des Portschylands zu lesen, nach wie vor abrufbar, wie eben am 28. August 2025:

Das Erinnern an die nationalsozialistischen Gräuel darf nie enden, um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. “, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.
Das Anhaltelager in Lackenbach, ein zweckentfremdeter ehemaliger Gutshof der Esterhazy, war das größte nationalsozialistische Zigeunerlager der NS-Zeit auf österreichischem Boden. Es diente zur Ausgliederung der „biologischen Volksschädlinge“. Zudem hatte das Lager in Lackenbach auch die Funktion eines Durchganglagers für österreichische Roma und Sinti, sprich es diente als Lager für all jene Zigeuner, die vor ihrer Deportation in andere Konzentrations- und Vernichtungslager hier zusammengezogen wurden.

„Zigeunerlager“ wird nicht einmal in Anführungszeichen gesetzt, und auch „Zigeuner“ wird nicht einmal in Anführungszeichen gesetzt, daß die „biologischen Volksschädlinge“ unter Anführungszeichen gesetzt wurde, das, könnte gesagt werden, immerhin, aber es läßt auch eine andere Deutung zu, mit der Frage, ob denn tatsächlich bloß bedenkenlos agiert, geschrieben, gesprochen wird.

„Wie über Zigeuner geschrieben wird – einst und jetzt“, heißt ein Kapitel, das hierzu unweigerlich einfällt, in diesem auch zu lesen ist, wie „Zigeunerlager“ 1939 und wie „Zigeunerlager“ 2016 …

So viele bereits dazu geschriebene Kapitel fallen jetzt wieder ein, wird an Kiel und an das lackenbacherische Wien gedacht, die für sich einen Roman im Roman …

Es wäre bis zum 15. November 2025 noch genügend Zeit, wenigstens das sofort zu tun, in einem ersten Schritt die Tafel in Lackenbach zu ändern, um dieses Zwangslager als das zu benennen, was es tatsächlich war.

Zum Gedenken an Sintizze, Roma, Sinti und Romnja.
Sie mußten leiden und sterben, nur weil sie waren.
Hier stand in der Zeit von 1940-1945 das von dem nationalsozialistischen totalitären Verbrechensregime errichtete Konzentrationslager (Zwangsarbeitslager). In diesem starben Hunderte unter Qualen und Entbehrungen. Von hier aus wurden Tausende in die Vernichtungslager zur Ermordung im Völkermord des nationalsozialistischen Massenmordregimes deportiert.

Gewidmet von dem Land Burgenland




Pflicht

Auf dem Weg nach Kiel zwingt ein Radwechsel vor der Stadtpfarrkirche in Villach zu einem kurzen Aufenthalt. An einem Tag des Biertums und Brauchamts im Juli 2025. Während des Radwechsels stets vor Augen das „Kriegsdenkmal“ auf dem Kirchtagsturm. Vor zehn Jahren mußte schon einmal in Villach eine Pause eingelegt werden, auch damals war das „Kriegsdenkmal“ nicht zu übersehen, dieses von einem „aktiven NSDAP-Mitglied“ an die Kirche Geschlagene

In Kärnten bekannt wurde Kerndle 1923 zunächst als Bildhauer durch die Planung und Ausführung des Kriegerdenkmals an der Südseite des Turms der Stadtpfarrkirche St.Jakob, Villach, Kirchplatz 9 und 12, dessen Anlage bereits frühe faschistoide Züge aufweist. Weitere Kriegerdenkmäler lassen Einflüsse des nationalsozialistischen Gedankenguts erkennen.

Architekturzentrum Wien

Das „Kriegsdenkmal“ wurde inzwischen verändert, einer villacherischen „Erinnerungskultur“ gemäß verändert; so wird Villach fortan berühmt sein für Villacher Erinnerungskultur wie Villacher Fasching … Und wie wurde die „frühe faschistoide Züge“ aufweis[ende] Anlage“ verkleidet?

Am dritten Tage des herrschenden 80. Villacher Hochamts ist in „Mein Bezirk“ zu lesen, am 29. Juli 2025:

Text schon mal hinterfragt?
Friedliches Kriegsdenkmal am Stadtpfarrturm

Auf der Südseite des Turms befindet sich ein Denkmal, das aus dem Jahre 1923 stammt und an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. 2018 wurde es renoviert, da es deutliche Abnützungserscheinungen gezeigt hat. Was wenigen aufgefallen sein dürfte, ist, dass das Denkmal im Zuge dessen inhaltlich erweitert wurde. Zwei Gedenktafeln, die sich rechts der monumentalen Schwertspitze am Kirchturm befinden, wurden in ein großflächig getextetes Gedicht der 1904 verstorbenen jüdischen Dichterin Friederike Kempner eingebettet.

„Denn Friede ist Pflicht“

Der Text lautet: „Frieden. Immer kämpfen, immer streiten. Und das lohnt doch wahrlich nicht. Und das Recht hat viele Seiten. Und der Frieden, er ist Pflicht.“ „Mit diesen Zeilen wollen wir – gerade im sehr ernsten Kontext des Krieges – auf das Wichtigste überhaupt hinweisen: Frieden“, erklärt Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) auf Anfrage von MeinBezirk. Für das Konzept ist Architekt Roland Winkler verantwortlich. Die Gesamtkosten für Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Objekts haben sich im Jahr 2018 auf 25.000 Euro belaufen.

Wiki würdigt das Kunstwerk

Auch auf der Wikipedia-Seite über Friederike Kempner wird Winklers künstlerisch spektakuläre Kempner-Rezeption gewürdigt. „Zum Denkmal aus dem Jahre 1923 in seiner zeittypisch heroischen Ausführung gehören zwei alte, ebenfalls zeittypische Texttafeln. All das sollte bei der Sanierung erhalten bleiben (Denkmalschutz). Winkler bettete nun die alten Tafeln in einen großflächigen Steinhintergrund mit einem Text ein, der lange vor dem Ersten Weltkrieg verfasst wurde: einem Text von Friederike Kempner“, ist da zu lesen. Eine klare Ansage der Stadt Villach: „Wenn wir den Krieg aus Denkmalschutzgründen nicht vom Kirchturm entfernen können, betten wir ihn eben in Frieden ein“ – frei zitierte Mutmaßung von Peter Kleinrath. Auf Kempners Grabplatte am alten jüdischen Friedhof in Breslau steht übrigens passend dazu zu lesen: „Ihr Leben war geistiger Arbeit und Werken der Nächstenliebe geweiht.“

Kein Zitat, keine Mutmaßung, aber auf die „frei zitierte Mutmaßung von Peter Kleinrath“ könnte folgen: Wenn wir den Faschismus aus Denkmalschutzgründen nicht vom Kirchturm entfernen können, betten wir uns eben in ihm uns ein …

Was Roland Winkler veranlaßte, gerade einen Vers von Friederike Kempner zu nehmen, kann nur gemutmaßt werden, vielleicht war es der Begriff „Pflicht“, das die kerndleischen frühen nationalsozialistischen Worte in einem einzigen Wort

„Den Söhnen der Stadt, die im großen Krieg 1914-1918 für Heimat und Deutschtum ruhmwürdigen Todes gestorben sind, zu Ehr und Dank und ewigem Gedächtnis. Und alle, die je dieser Stadt entstammen, / Wird euer leuchtendes Vorbild entflammen / Zu Opfersinn und zu Heldenmut / Für Heimat und Volk, unser höchstes Gut.“

den Entstammten zum leuchtenden Vorbilde in Ehr zu entflammen im ewigen Gedächtnis Deutschtums

Vielleicht aber wollte Roland Winkler bloß, daß das Lachen nicht aufhören möge, und es ward viel gelacht worden über die Gedichte von Friederike Kempner; in einer Sitzung des Villacher Faschings wäre es wohl ein Kracher, ihre Gedichte und auch die Parodien ihrer Gedichte vorzutragen …

Einer aber nahm es zu ernst, er änderte seinen Geburtsnamen Kempner, weil sie „die schlechtesten je auf diesem Planeten bekanntgewordenen Verse“ geschrieben habe, und wohl auch deshalb, damit kein Mensch je mehr auf die Idee kommen könne, sie könnte seine „Tante“ …

Einer, so dichtete einst es Friederike Kempner, hat den „Frieden“ als „Pflicht“ aus seinen „reinen Händen“ anheimgegeben:

Der Zar

Aus des Zaren reinen Händen
Nimmt die Welt den Frieden an,
Und die Völker alle wie ein Mann
Ihm den reichsten Segen spenden.

Wollen all‘ die Waffen strecken,
Niemals sich mit Blut beflecken;
Denn was niemals vor ihm war,
Will und schafft der junge Zar.

Und es lächelt die Geschichte,
Sonst so ernsthaft im Gerichte.
Edler Zar, bist Gott gesandt,
Schaffst das größte Vaterland.

„Wollen all‘ die Waffen strecken, niemals sich mit Blut beflecken;“ … Für diesen Vers hat sich Roland Winkler nicht entschieden, vielleicht weil darin die „Pflicht“ fehlt? Die „Pflicht“, die in diesem Lande zu erfüllen, heilig ist. Wem die „Pflicht“ Ehr‘ und Treu‘ ist, diesen hat Friederike Kempner ein Denkmallied gesetzt:

Das Burschenlied

Die Poesie ist ein Gebiet,
Wo alle Blüten treiben.
Jetzt soll ich gar ein Burschenlied
Für die Studenten schreiben.
Wohlan, es sei, ich fange an,
Und schreib‘, so gut ich schreiben kann.

Ich lob‘ mir die Studentenschaft,
Die brav, fidel und bieder,
Mit hellem Geist und Mut und Kraft
Hoch hält die deutschen Lieder.
Mit Liedern zieht er in die Welt,
Ein solcher Bursche ist ein Held.

Im schmucken, reichgestickten Kleid,
Mit Humpen und mit Degen
Ist gern geseh’n er weit und breit,
Auf allen deutschen Wegen.

Ein solcher Bursche ist ein Held,
Er zieht als Sieger durch die Welt.

Und zeigt man ihm ein böses Weib,
Die Braut ihm zu ersetzen,
Weicht tausend Schritte er vom Leib,
Er läßt sich nichts verhetzen.
Mit achtzehn Jahr‘ hat er gefreit,
Und damals war er grundgescheit.

Studenten, unsere Zukunft einst
Hängt ab von eurem Werden,
Ob’s freund- und friedlich wird dereinst,
Ob’s heimlich wird auf Erden.
Und Eins noch hänget von euch ab,
Ob man lebendig muß ins Grab! –


Ob Nacht, ob Finsternis, ob Licht,
In eurer Hand wird’s liegen.
Vergeßt der großen Ahnen nicht,
Dann wird das Rechte siegen.
Die Burschenschaft, sie ist ein Held,
Und ihr gehört die ganze Welt.

Zu den „denkmalgeschützten“ Worten des Karl Maria Kerndle hätte der kempnerische Vers gepaßt, freilich auch zum ganzen Land weit über Kärnten hinaus: „Vergeßt der großen Ahnen nicht, dann wird das Rechte siegen. Die Burschenschaft, sie ist ein Held, und ihr gehört die ganze Welt.“

Lange nach dem Radwechsel, auf der raschen Weiterfahrt, Villach weit schon hinter sich gelassen, fallen doch noch die vor zehn Jahren gesehenen weiteren Tafeln auf der Villacher Kirche ein; was wohl aus diesen inzwischen geworden ist, ob sie noch hängen, ob sie wer mit Versen auch aus dem 19. Jahrhundert recht schon verziert hat, ob sie auch, wenn sie es noch nicht waren, nun denkmalgeschützt

die verslosen, aber mit so vielen Orten angeschriebenen Tafeln, wohin sie überall pflichtgemäß kamen, also bis vor 80 Jahren, es dann vor achtzig Jahren Schluß war mit „die ganze Welt“ …

O. Deutsch, verlorene Stimme

Selbstverständlich hat Oskar Deutsch seine Stimme nicht verloren, er wird weiter und weiter sprechen, er ist nicht stumm geworden, Oskar Deutsch wird nicht verstummen,

aber alles was er insbesondere ab dem 29. Juli 2025 hinkünftig sagen wird, zur österreichischen Politik, besonders zur identitären Partei, wie beispielsweise im Jänner 2025 zum Anlaß der Verleihung des großen goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik an ihn,

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), kritisiert die Entscheidung der ÖVP, Regierungsverhandlungen mit der FPÖ zu führen. Er verstehe „den 180-Grad-Schwenk“ der Partei nicht, sagte Deutsch am Donnerstag in einer Dankesrede. Von Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) bekam er das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik überreicht. Die Anwesenden ÖVP-Vertreter nahm der IKG-Präsident von seiner Kritik aus. Neben Edtstadler waren das von der ÖVP etwa Innenminister Gerhard Karner, Ex-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und der aktuelle Zweite Präsident des Nationalrats, Peter Haubner. Sie wüssten, wovon er rede, so Deutsch. Mit der FPÖ in der Regierung könnte nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch liberale Demokratie, Meinungsfreiheit und Medien Probleme bekommen.

wird sein, als wäre er stumm geworden, oder wenn es gehört werden sollte, wird es als stumpf abgetan werden, oder es wird nur mehr das zu hören sein, was er am 29. Juli 2025 im Interview mit Armin Wolf sagte, und nicht mehr zu hören sein wird, nicht mehr anzuhören sein wird oder gar je noch gehört werden wollen, was er je noch nach diesem 29. Juli 2025 zur österreichischen Politik, besonders zur patriotischen Partei zu sagen haben wird glauben zu müssen.

Es wird Oskar Deutsch gesehen werden, wie er spricht, zur Politik in Österreich, nicht das aber wird zu hören sein, die Menschen besonders in Österreich werden, wann immer und zu was immer Oskar Deutsch noch sprechen wird, das hören, was er am 29. Juli 2025 spricht:

Armin Wolf: Was allerdings auffällt, ist, die israelitische Kultusgemeinde in Österreich kritisiert die israelische Kriegsführung nie. Sie kritisiert allerdings sehr häufig die Kritik daran. Warum ist das so?
Oskar Deutsch: Weil wir überzeugt sind, daß es so richtig ist. Die Aufgabe jeder israelischen Regierung, ob das jetzt diese Regierung ist oder früher eine Regierung, die von anderen Leuten und von anderen Parteien geführt wurde, ist für die Sicherheit der israelischen Bevölkerung zu sorgen.
Armin Wolf: Aber sichert es die Existenz Israels und israelischer Bürger, wenn in Gaza 60.000 Menschen, davon nach allen Studien mindestens zwei drittel Zivilisten getötet werden, wenn hunderttausende Menschen dort Hunger leiden, wenn 90 % der Gebäude dort zerstört sind, wenn 2 Millionen Menschen vertrieben sind.
Oskar Deutsch: Also das wissen wir alles nicht.
Armin Wolf: Das wissen wir alles schon.
Oskar Deutsch: Meiner Information wissen wir das nicht. Das ist ein Kriegszustand und dieser Kriegszustand hätte, wie ich schon gesagt habe, hätte am 7. oder 8. Oktober schon beendet werden können von der Hamas. Und dieser Kriegszustand kann auch heute beendet werden. Wenn die Europäische Union, die österreichische Regierung und die gesamte Welt keinen Druck auf Israel machen würde, sondern Druck machen würde auf die Hamas, dann wäre die ganze Sache schon beendet.
Armin Wolf: Aber bedeutet das, solange die Hamas nicht kapituliert, ist für das israelische Militär alles erlaubt?
Oskar Deutsch: Das weiß ich nicht.
Oskar Deutsch: Ich sage nur, wir sind in Österreich, wir sind Österreicher und es ist sehr, sehr schwierig von der Ferne das zu beurteilen, aber die Aufgabe, Herr Wolf, jeder Regierung, sei es der israelischen Regierung, sei es die österreichische Regierung, sei die amerikanische Regierung oder die deutsche Regierung, ist ihre eigene Bevölkerung zu schützen.
Armin Wolf: Aber das bestreitet ja niemand.
Armin Wolf: Ja, das hatten wir schon, aber kann nicht beides wahr sein, daß die Hamas eine furchtbare Mörderbande ist und israelische Geisel nach wie vor gefangen hält, am 7. Oktober ein unfassbares Massaker verübt hat und daß eine rechtsextreme Regierung in Israel weit über ein legitimes Selbstverteidigungsrecht hinaus in Gaza permanent das Völkerrecht verletzt.
Oskar Deutsch: Also ich glaube, daß sie das nicht tun und es ist keine rechtsextreme Regierung. Äh, es sind vielleicht Leute dort in der Regierung, die man vielleicht dazu zählen könnte. Ja, aber die gesamte Regierung dann als rechtsextrem zu bezeichnen, ist falsch.
Armin Wolf: Aber Herr Präsident, es gibt einen Sicherheitsminister, der ist wegen rassistischer Verhetzung und Aufruf zum Terror rechtskräftig verurteilt worden. Es gibt einen Finanzminister, der erst heute wieder gesagt hat, der Gazastreifen ist ein integraler Partei Teil Israels und soll besetzt werden von Israel. Es gibt kein palästinensisches Volk und der nennt sich selber einen homophoben Faschisten.
Oskar Deutsch: Soweit ich weiß, nicht israelische Regierungslinie und das ist, na eben, und hat er mit den Finanzen zu tun und nichts mit was anderem.
Oskar Deutsch: Es ist natürlich, daß was in Europa, in der Welt passiert, fordert raus, daß man was antwortet. Ich sympathisiere überhaupt nicht mit dem Herrn Smotrich und mit dem anderen Herrn, Ben-Gvir, überhaupt nicht. Aber das ist ja das Schöne an Israel, das ist eine Demokratie, eine gelebte Demokratie. Dort gibt es jede 4 Jahre und wenn eine Koalition auseinanderbricht, sondern sogar öfter innerhalb einer Legislaturperiode, Wahlen und die Menschen können entscheiden, wer sie in der Knesset, im israelischen Parlament vertritt und dann wird eine Regierung gebildet. Die nächsten Wahlen sollen im November nächsten Jahres stattfinden und die israelische Bevölkerung und, wie gesagt, viele demonstrieren und es passt ihnen vieles nicht, kann dann was anderes entscheiden.
Armin Wolf: Aber Herr Präsident, daß Regierungen, die in den letzten Jahren ganz ganz wehement an der Seite Israels gestanden sind, die in der UNO nach dem 7. Oktober jede Verurteilung Israels abgelehnt haben wie Deutschland und Österreich, daß die jetzt sagen, Israel kann diesen Krieg so nicht weiterführen, und daß jemand wie der jüdische Publizist Paul Lendvai im Standard schreibt, ich zitiere: „Die von den rassistischen Rechtsextremisten dominierte Koalitionsregierung Netanjahus verwandelt durch ihren sinnlosen und grauenvollen Gaza-Krieg Israel immer mehr in einen Paria der internationalen Staatengemeinschaft.“ Das beeindruckt Sie alles nicht?
Oskar Deutsch: Was mich beeindruckt oder nicht, ist ja nicht wichtig.
Armin Wolf: Aber irren alle?
Oskar Deutsch: Wichtig ist, ich glaube, dass sie irren.
Oskar Deutsch: Es ist nicht richtig, daß die Leute in Gaza hungern sollen.
Armin Wolf: Aber sie hungern offensichtlich.
Oskar Deutsch: Das wissen wir nicht.
Armin Wolf: Aber warum sagen sie das immer wieder, Herr Präsident? Jede internationale Hilfsorganisation vom Roten Kreuz über die Caritas bis zur UNO sagt, daß es so ist, aber sie glauben es einfach nicht. Warum nicht?
Oskar Deutsch: Ich glaube, ich verstehe auch nicht das Rote Kreuz, dessen Aufgabe es ist, sich  um die Geiseln zu kümmern. Bis heute nicht bei den Geiseln waren und wir nicht wissen, wie der Gesundheitszustand ist. Und über die UNO, die permanent schon seit Jahrzehnten nichts anderes zu tun hat, als permanent Israel zu verurteilen. Das sind mir wirklich nicht ausschlaggebende Organisationen.

Selbstverständlich ist das nicht die Abschrift des gesamten Interviews, aber die Passagen zur gegenwärtigen Regierung unter Netanjahu in Israel, die in Zukunft zu hören sein werden, wenn Oskar Deutsch in Österreich sich kritisch äußern wird, in der Art wie im Jänner 2025 anläßlich der Ehrenzeichenverleihung an ihn.

In seiner Ausgabe Nr. 31 vom 25. Juli 2025 hat „Der Spiegel“ ein Interview mit dem früheren israelischen Premier Ehud Olmert unter dem Titel „Es reicht, wir haben genug getötet“ veröffentlicht, das Oskar Deutsch hätte lesen sollen, ehe er am 29. Juli 2025 nächtens seine Aussagen im österreichischen Fernsehen machte, vielleicht hat er es doch gelesen, und wenn er es gelesen haben sollte, hat es ihn nicht davon abgehalten, auszusagen, wie er aussagte, denn er, Oskar Deutsch, weiß alles und vor allem weiß er: „daß sie irren“. Es ist lohnenswert, das gesamte Interview zu lesen, hier sollen nur die Passagen zitiert werden, in denen sich Ehud Olmert zum derzeitigen Premier Benjamin Netanyahu äußert:

Olmert: Ich glaube nicht, dass irgendjemand in verantwortungsvoller Position einleuchtend erklären kann, was wir dort tun. Ich bin überzeugt, dass wir längst alles erreicht haben, was im Rahmen dieses Krieges erreichbar war, bereits vor einem Jahr.

Olmert: Spätens da hätten wir sagen müssen: Es reicht, wir haben genug getötet, wir haben genug zerstört, wir haben sie genug geschwächt. Da hätten wir die Regierung endlich die entscheidende Frage stellen müssen: Will sie wirklich die Geiseln zurückholen?

Olmert: Am 7. Oktober aber haben wir zugelassen, dass 1200 Menschen innerhalb von Israels Grenzen getötet und 251 entführt wurden. Aus Arroganz und Selbstgefälligkeit haben wir sie den Mördern ausgeliefert. Der Staat ist seiner grundlegendsten Verantwortung nicht nachgekommen.

Olmert: Es gibt dort viele Ereignisse, die man als Kriegsverbrechen verstehen kann. Ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Vor allem aber ist das ein illegitimer Krieg, der aus den persönlichen politischen Interessen des Premierministers geführt wird. In der Konsequenz sterben israelische Soldaten, möglicherweise verlieren weitere Geiseln ihr Leben, und viele unbeteiligte Palästinenser werden getötet. Das ist ein Verbrechen, das ist unentschuldbar.

Olmert: Ich möchte, dass Netanyahu in Israel angeklagt wird.

Olmert: Ich spreche von einem weiteren Verfahren, Netanyahu sollte angeklagt werden wegen der Verbrechen, die er täglich gegen den Staat Israel und das israelische Volk begeht.

Spiegel: Verteidigungsminister Israel Katz erklärte Anfang Juli, die Regierung wolle im Süden Gazas eine „humanitäre Stadt“ errichten, um zunächst 600.000 Menschen in einem Lager unterzubringen und von dort zur Ausreise zu drängen. Ist das der eigentliche Plan des Kriegs?

Olmert: Das ist ein widerwärtiger Plan und eine furchtbare Diskussion, die sofort beendet werden muss.

Olmert: Ich habe gesagt, dass es als Konzentrationslager interpretiert werden kann — und das ist doch nun wirklich schlimm genug. Menschen hinter Zäunen oder Mauern von der Außenwelt abzuschließen, ohne Bewegungsfreiheit, in der Hoffnung, sie von dort nach Indonesien, Libyen oder Äthiopien zu schicken und den restlichen Gazastreifen freizuräumen. Wofür? Für die Siedlungsfantasien von Smotrich, Ben-Gvir und Daniela Weiss …

Einen solchen Plan auch nur zu formulieren, ist ein Verbrechen — oder mindestens die Anstiftung zu einem Verbrechen.

Spiegel: Seit 2005 haben die Siedler einen Marsch durch die Institutionen angetreten, mittlerweile sitzen sie in der Politik und im Militär an den Hebeln der Macht.

Olmert: Sie haben schon vorher in der Armee gedient, in der Hoffnung, dass sie Gleichgewicht innerhalb der Gesellschaft verändern und ihren Lebenstraum eines Großisraels verwirklichen können. Ihr Engagement hat sich seither bloß noch verstärkt.

Spiegel: Im Westjordanland gibt es fast täglich gewalttätige Übergriffe radikaler Siedler auf Palästinenser, die für diese ohne Folgen bleiben. Wie kann das sein?

Olmert: Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Augen der israelischen Polizei, Armee und Regierung. Sie tun nichts, um die Angreifer zu stoppen. Im Gegenteil, sie sind ihre Komplizen. Ohne die Unterstützung öffentlicher Stellen wären diese „Hilltop Youth“ machtlos.

Mittlerweile gibt es neue Aussagen von Netanyahu, was er will, nämlich den gesamten Gazastreifen, hierzu sei auf die jüngsten Schlagzeilen aus August 2025 nur verwiesen, und auch an den Aussagen von Netanyahu gibt es Kritik und viele Bedenken in Israel, wer aber zurücktreten soll, ist für Netanyahu nicht Netanyahu, sondern jene, die das Vorhaben von Netanyahu kritisieren …

Das israelische Militär hat sich in der Vergangenheit gegen eine vollständige Besatzung des Gazastreifens ausgesprochen. Die Beseitigung sämtlicher Hamas-Tunnel und -Bunker könne Jahre dauern, beschrieb die „Times of Israel“ die Bedenken der Armeeführung. Auch könnten demnach Geiseln in Gefahr geraten und getötet werden, sollten israelische Truppen den Orten ihrer Gefangenschaft zu nahe kommen.

Den Medienberichten zufolge würde aber Netanjahu nunmehr dieses Risiko eingehen. „Es wird Militäreinsätze auch in Gebieten geben, in denen Geiseln festgehalten werden“, zitierte Ynet den Beamten weiter. „Wenn der Generalstabschef damit nicht einverstanden ist, dann soll er zurücktreten.“

Auch Hunderte israelische Ex-Sicherheitsbeamte, darunter ehemalige Geheimdienstchefs, meldeten sich am Montag zu Wort. Sie riefen US-Präsident Donald Trump auf, den Druck auf Israels Regierung zur Beendigung des Krieges zu erhöhen. Die Terrororganisation Hamas stelle „keine strategische Gefahr mehr für Israel“ dar, hieß es in dem in der Nacht auf Montag veröffentlichten Brief. Der Krieg sei nicht mehr gerecht. Zu den 550 Unterzeichnern gehören unter anderem drei ehemalige Chefs des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad, fünf ehemalige Leiter des Inlandsgeheimdiensts Schin Bet und der ehemalige Regierungschef Ehud Barak. Auch ehemalige hochrangige Mitglieder der Armee und Diplomaten unterschrieben die Erklärung.

„Wir stehen vor einer Niederlage“, warnte der ehemalige Mossad-Chef Tamir Pardo. Mehrere der Repräsentanten sagten, Israel werde von einer fundamentalistischen, extremistischen Regierung angeführt, die nicht mehr den Rückhalt der Mehrheit habe.

Dumont, Walter M. Weiss – „Kärnten, ein Reise-Taschenbuch“, das ein Führer an falsche Orte

Es gibt, wenn der Sommerurlaub bevorsteht, nach wie vor die Gewohnheit, in einer Buchhandlung in Reiseführern zu blättern, und manchmal wird in Reiseführern von Städten, Ländern geblättert, in die zu reisen niemals die Absicht besteht, es ist nicht einmal Neugier, manchmal ist es einfach Langeweile, ein anderes Mal wieder einfach die Zeit bis zum nächsten Termin zu überbrücken. Und so geschah es in diesem Juli 2025 aus dem Regal das „Reise-Taschenbuch“ von Walter M. Weiss, verlegt von Dumont, zu nehmen: „Kärnten“ …

Kärnten zu besuchen, in Kärnten auch nur einen Tag gar mit Übernachtung zu verbringen, ein nie darauf verschwendeter Gedanke. Um die Zeit bis zum nächsten Termin kürzer erscheinen zu lassen, wurde also „Kärnten“ von Walter M. Weiss aus dem Regal gezogen, und dieser Reiseführer führt wohin? An falsche Orte.

Wer mit diesem Reise-Taschenbuch in Kärnten unterwegs sein will, wird falsch geführt, so wird beispielsweise die Gedenktafel für Peter Turrini an der Volksschule in „St. Margarethen im Rosental“ vergeblich gesucht werden, denn Peter Turrini wurde nicht in „St. Margarethen im Rosental“ geboren, wie Walter M. Weiss schreibt, sondern in St. Margarethen im Lavanttal, und schon wer „St. Margarethen im Rosental“ sucht, wird diesen Ort nicht erreichen, heißt dieser doch entgegen der Schreibe von Walter M. Weiss St. Margareten im Rosental …

Ob die Ortstafeln in St. Margareten im Rosental zweisprachig sind, um das zu erfahren, müßte schon nach Kärnten gefahren werden, was aber zu erfahren ist, ohne Kärnten bereisen zu müssen, ist, daß die Website der Gemeinde St. Margareten im Rosental nicht zweisprachig ist, wie am 5. August 2025 festgestellt werden konnte, also nicht in deutscher und in slowenischer Sprache. Um genau zu sein, das Ergebnis der Suche auf dieser Website bringt zwei Treffer mit dem slowenischen Ortsnamen Šmarjeta v Rožu und einen slowenischen Satz: das Aviso zum „25-jährige[n] Bestandsjubiläum des Kulturverein St. Margareten-Abtei“ —

Peter Turrini ist nicht der einzige, den Walter M. Weiss — mit einem falschen Geburtsort — erwähnt, zu Peter Handke schreibt er:

„[…] für das dem Dichter 2019 der Literaturnobelpreis zuerkannt wurde. Eine Ehrung, die freilich aufgrund Handkes wiederholter Parteinahme für die serbischen Nationalisten während der Jugoslawienkriege auch heftige Kritik hervorrief.“

Das wird Walter M. Weiss noch in Erinnerung gewesen sein, nicht viel später als 2019 wird er wohl seinen Reiseführer geschrieben haben, ist doch die erste DuMont-Auflage aus 2021. Was aber vor Jahrhunderten, vor Jahrzehnten in Kärnten geschah, hat Walter M. Weiss nicht selbst erlebt, wie sollte er es also so genau beschreiben können, wie die „wiederholte Parteinahme für die serbischen Nationalisten“ von Peter Handke, die „auch heftige Kritik hervorrief.“

Ergötzlich werden wohl vor allem jene, die nichts von Antisemitismus lesen wollen, den Reiseführer von Walter M. Weiss finden, der zu Thomas von Villach schreibt:

Doch auch auf Kunstfreunde wartet in der Gegend vielerlei Ergötzliches. Gleich hinter Villach, nahe dem Dreiländereck Österreich-Slowenien-Italien an der Straße Richtung Kanal z. B. in Thörl-Maglern: Dort hinterließ Thomas von Villach, der große Tafel- und Wandmaler der Gotik, im späten 15. Jh. In einer nach außen hin schlichten Kirche eines seiner Hauptwerke – Chorfresken von berückender Formenvielfalt und Qualität. Im Zentrum des vielschichtigen ikonografischen Programms steht ein ‚lebendes Kreuz‘, das den Gläubigen seinerzeit die Geschichten vom Himmel und Hölle, Sünde und Erlösung, Altem und Neuen Testament eindrucksvoll nahe brachte.

Um auch den jüdischen Menschen das „berückende“ Werk von Thomas von Villach nahezubringen, in ihre Häuser, was für ein Service, zu bringen, freilich nicht alle „Geschichten“, sondern die von der „Hölle“, wurden sie „nicht einmal eine Generation nach Fertigstellung des Freskos“ aus Kärnten vertrieben“.

Sakralbauten vom Allerfeinsten
Stifte wie Millstatt, Ossiach, Viktring, Eberndorf und St. Paul oder romanische Dome wie jene in Gurk und Maria Saal … Kärnten ist gespickt mit kostenbarer Sakralarchitektur. Hinzu kommen, nicht minder altehrwürdig, unzählige kleinere Juwelen – Kirchen wie die von Thörl-Maglern, Karnburg und St. Peter am Bichl, Berg, Gajach oder Gerlamoos am Oberlauf der Drau.

Die St. Leonhardskirche im Nachbarort Treffling birgt einen der ältesten gotischen Flügelaltäre des Landes mit Bildern des Meisters Thomas von Villach.

Empfehlenswert ist ein Abstecher in den Nachbarort Tiffen, wo auf hohem Fels eine ehemals stark bewehrte, mit etlichen famosen Kunstwerken ausgestattete Kirche thront (u. a. Wandgemälde des berühmten Thomas von Villach).

Diesbezüglich das wohl verblüffendste Beispiel bietet der Weiler Gerlamoos. Sein Georgskirchlein wartet, halb im Wald versteckt und nur über einen Fußpfad zu erreichen, mit grandiosen Wandmalereien auf: einem Hauptwerk des Thomas von Villach, der hier um 1470 auf über 30 Bildfeldern die Georgslegende sowie Kindheit und Leiden Christi farbenreich […]

Die Schreibe von Walter M. Weiss „vom Allerfeinsten“, es wird ihm wohl wie eine Beschmutzung der „Sakralbauten“ vorgekommen sein müssen, Antisemitismus mit „kostbarer Sakralarchitektur“ zu verbinden, und ist es nicht auch Kritik, die Walter M. Weiss über die „Juwelen — Kirchen wie die von Thörl-Maglern“ schreibt, „Kritik vom Allerfeinsten“ …

Für gewöhnlich ebenfalls zugänglich sind der kleine Wappensaal mit weiteren 298 Wappen, der ob seiner zeitgenössischen Ausgestaltung heftig diskutierte Kolig-Saal sowie, wenn nicht gerade getagt wird, auch der Sitzungssaal des Landtags. Auf dessen Wänden hat Suitbert Lobisser ein Fries mit Szenen aus den schwierigen Jahren vor der Volksabstimmung von 1920 hinterlassen – jenem politischen Schlüsselereignis an das neuerdings unten, an der Nordseite des Hofes, eine Gedenkstätte erinnert.

Switbert Lobisser müssen „Szenen aus den schwierigen Jahren vor der Volksabstimmung von 1920“ noch ganz lebendig in Erinnerung gewesen sein, als er 1938 sein Fries „Kärntens Heimkehr ins Reich“ —

1934 überreichten illegal agierende Nationalsozialisten Adolf Hitler eine große Mappe mit Lobissers Holzschnitten, er selbst schrieb dazu in seiner Autobiographie: „Die Partei braucht Arbeiten aus meiner Hand.“[7] Innenminister Wilhelm Frick kam nach Klagenfurt, besichtigte Lobissers Fresko von 1928 und ordnete an, Lobisser solle den Rest des Raumes weiterbearbeiten. Joseph Goebbels kaufte von ihm genauso wie Rudolf Heß. 1940 beantwortete Lobisser selbst die Frage nach seiner Mitgliedschaft in der NSDAP mit „Ja“.[8]
1938 hatte Lobisser als Auftragswerk von Innenminister Frick den von ihm bereits 1928 ausgestalteten Sitzungssaal des Landtags weiter ausgemalt. Das Fresko trug den Titel Kärntens Heimkehr ins Reich. Unter den neuen Motiven befand sich auch der „Treueschwur“, in dem Männer und Frauen in Kärntner Tracht einer Hakenkreuz-Standarte mit Hitlergruß huldigen und den Anschluss Kärntens verherrlichen.[9]
Diese Motive wurden nach dem Zweiten Weltkrieg übertüncht, hinter Holzpaneelen versteckt und „vergessen“. Die „Wiederentdeckung“ im Sommer 2000 im Zuge von Restaurierungsarbeiten rief ein lebhaftes Medienecho hervor. Nach heftigen Kontroversen wurden die Fresken abgetragen. Nach einer Restaurierung sollten sie öffentlich ausgestellt werden.

So also ging es in den „schwierigen Jahren vor der Volksabstimmung von 1920“ in Kärnten zu, wahrheitsgemäß aufgezeichnet:

Männer und Frauen in Kärntner Tracht einer Hakenkreuz-Standarte mit Hitlergruß huldigen und den Anschluss Kärntens verherrlichen.

So viel „Ergötzliches“ in Kärnten, wen kann es verwundern, daß Menschen von weit her nach Kärnten kommen, etwa jener Mann aus Christchurch,

dem seine Bildungsreise auch nach Kärnten,

Klagenfurt,

in das Landhaus — Die Darstellung des Switbert Lobisser von Walter M. Weiss wird wohl ganz nach dem Geschmacke von Heinrich Moser sein, der selbst ein Herausgeber des „Lobisser Bergkirchen-Führer[s]“ ist und, wie am 5. August 2025 gelesen, eine Website zur Aktivierung von Switbert respektive Suitbert Lobisser betreibt …

Unser Ziel ist es, den Künstler Switbert Lobisser mit seinen Werken einer breiten Öffentlichkeit zu erhalten. Vor allem seine Werke, seine Arbeitsstätte und sein Andenken lebendig zu erhalten, damit auch künftige Generationen an seinem Werk und seinem Leben teilhaben können.

Die Galerie Magnet ist „DER“ Lobisser-Spezialist, ein Besuch in seiner Galerie ist auch außerhalb dieser Ausstellungszeiten zu empfehlen. Die Galerie Magnet ist in Völkermarkt […]

Es gibt keine Pressenotizen. Aber es wäre schön, wenn sich das künstlerische Leben Switbert Lobissers auch in der Öffentlichkeit manifestiert. Sorgen wir dafür!

Suitbert Lobisser ist nicht der einzige Kärntner, der in diesem Land seine Quellen sah, aber in solcher Konsequenz wie er haben nur wenige danach gelebt und geschaffen. Kein Thema in seinen Wandbildern, Aquarellen, Ölbildern, Zeichnungen und schon gar nicht in seinen Holzschnitten, das sich nicht direkt oder indirekt mit der Heimat auseinandergesetzt hätte. Nicht nur mit der Landschaft und den Menschen, die in ihr leben, sondern vor allem auch mit dem, was an Geheimnis in ihr geborgen ist, mit ihren Heiligen und Dämonischen, mit ihren Bräuchen und Lustbarkeiten, mit ihrem Heiteren und ihrem Ernsten. Es kam Lobisser kaum jemals in den Sinn, woanders malen zu wollen, und die wenigen Reisen in fremde Länder waren für ihn beinahe exotische Erfahrungen.

Selbstverständlich erwähnt Walter M. Weiss in seinem Reise-Taschenbuch auch Christine Lavant — „Autor und Verlag haben alle Informationen mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft“, anders kann es auch nicht sein, dieser Kärntenführer wäre ohne Christine Lavant doch recht unvollständig. Christine Lavant darin ganz ein Mensch aus Kärnten,

in der Wahl der Menschen,

mit denen sie vertrauten Umgang pflegte, etwa mit

Otto Scrinzi,

Ingeborg Teuffenbach,

die besondere Beziehung zu Werner Berg, der wirtschaftlich sich genötigt sah, der Auslandsorganisation der NSDAP beizutreten, der sich auch an Josef Weinheber wandte …

Josef Weinheber schreibt, bedrückt Werner Berg nicht auf einer Ausstellung Kärntner Malerei in Wien vertreten zu sehen: „Man sagte mir, Du seiest zu revolutionär. Du kannst Dich also freuen. Denn eine Künstlerbemühung, die nicht dauernd experimentiert, muss schließlich im Gewöhnlichen, um nicht zu sagen im Ordinären, stecken bleiben.“ Weinheber teilt Berg seine Absicht mit, ihm seinen neuestes Buch „Zur Sprache“ zu widmen.

Werner Berg lernt den jungen Dichter Michael Guttenbrunner kennen. Guttenbrunner setzt sich zusammen mit Johannes Linder, Kulturreferent der Landesregierung, unermüdlich für Werner Bergs Belange, vor allem für seine Einbürgerung, ein. So schreiben die beiden an die Abteilung „Staatsangehörigkeit“ der Landesregierung: „Unter den Malern Kärntens, die zu seiner künstlerischen Repräsentation zählen und berufen sind, im Ausland für das Wesen Kärntens Zeugenschaft abzulegen, nimmt Dr. Werner Berg eine besondere Stellung ein. Er hat, obwohl von auswärts gekommen, doch begabt mit einer feinen Witterung für die Hintergründigkeit der Landschaft, innerhalb derer er sich sowohl lebenswirklich als Bauer als auch geistig als Künstler angesiedelt hat, Bereiche aufzuspüren gewusst, wie vor ihm kein anderer Kärntner Maler.
Werner-Berg-Museum

Wohl nicht nur wegen seines „unermüdlich[en] Einsatzes für Werner Berg ist Johannes Lindner der Dank des amtlichen Kärntens gewiß, das seine im Landhaus zu Klagenfurt angeschlagenen Verse unvergessen hält.

„Wie wäre wohl ihr öffentlich literarischer Weg ohne Paula Grogger

Christine Lavant, darin ganz ein Mensch aus Österreich, wußte auch, wem sie sich nicht verschließen darf, und so war sie selbstverständlich auch auf dem Tonhof in Maria Saal — Maria Saal, für Peter Turrini wohl der wichtigere Ort als der Ort seiner Geburt im Lavanttal, Maria Saal, wo Peter Turrini seine Kindheit und seine Jugendzeit verbrachte, und nun Ehrenbürger dieses Ortes

Aufmacher

Es ist ein Leichtes, gegen die „Kronen Zeitung“ jede andere Tageszeitung in Österreich als Qualitätszeitung einzustufen, sogar die „Kleine Zeitung. Wie am 1. August 2025 die Aufmacher dieser zwei Tageszeitungen in der Gegenüberstellung:

„Schönheits-OP mit Asylgeld bezahlt – In Kärnten sind die Ritter los“ der Aufmacher der „Kronen Zeitung“ und

„Der mit der Sprache tanzte – Heute wäre Ernst Jandl 100 Jahre alt“ der Aufmacher der „Kleinen Zeitung“ mit der gesamten Wiedergabe seines Gedichtes „schtzngrmm“.

Es wurden am 1. August 2025 nicht alle Tageszeitungen in Österreich geblättert, vielleicht hat an diesem Tag eine österreichische Tageszeitung sogar ein weiteres Gedicht von Ernst Jandl auf die Titelseite gesetzt, und zwar

„Heldenplatz“, ein Gedicht, das in dieser Zeit, die Gegenwart genannt, ebenso auf die erste Seite …

Zu oft genügen die Aufmacher, und diese nicht nur in der Gegenüberstellung, im Vergleich, um, einfach wie kurz gesagt, auf einen Blick zu wissen, um wessen Medium und für wen, um was für eine Art von Papier —

„… glühender Patriot …“

Über Menschen, die gestorben sind, kann nur noch das Gute gesagt werden. Und über Felix Baumgartner wird nun nur noch das Gute gesagt und geschrieben, etwa auf der Konzernplattform X

„Ein glühender Patriot“ sei er gewesen,

so Hannes Amesbauer,

und auch Gerald Grosz weiß, was sich gehört, und schreibt nur Gutes über ihn,

wie auch Stefan Magnet über ihn nur das Gute zu schreiben weiß, über ihn, über den nur Gutes gesagt und geschrieben werden kann,

so gut wie es Herbert Kickl eben gesinnungsgemäß vom „leidenschaftliche[n] Patriot[en]“ zu schreiben vermag,

der für Udo Landbauer „Patriot und Vorreiter“,

der in Südtirol Norbert Hofer nachging, für den Felix Baumgartner „echter als jeder Mensch“ —

Und ein jeder Mensch, wenn gar solche Helden,

für die Felix Baumgartner ein „Held“ war, einer mit „Mut“, ein „kritischer Geist“,

wie sie selbst ausgestattet mit Mut des kritisches Geistes,

so viel Gutes zu schreiben wissen, ist davor bewahrt, daß je wer noch etwas Schlechtes über ihn schreiben oder sagen kann, es gar nichts Schlechtes mehr zu sagen oder zu schreiben gibt, ist doch mit allem Guten, das über ihn nun gesagt und geschrieben wird, alles gesagt und geschrieben, was zu ihm gesagt und geschrieben werden kann.

Sergius Pauser – dessen Werk dem und diesem Österreicher ein „Dreck“

Freilich war nicht das gesamte Werk von Sergius Pauser dem einen Österreicher ein „Dreck“, sondern ein bestimmtes Werk, ein Bild, das Belvedere-Bild. Dieses Bild der „Staatsvertragsunterzeichnung“ wollte er von einem anderen gemalt haben, und dieser Maler malte es dann auch;

wer hätte sich auch dem Willen eines Kanzlers widersetzen wollen, entgegenzustellen gewagt?

Auch für diesen Österreicher war das Werk von Sergius Pauser ein Dreck, genauer, in seiner gesinnungsgemäßen Diktion: „entartet“. Freilich nicht das gesamte Werk, sondern die 1938 ausgestellten Werke im „Haus der Deutschen Kunst“ in München.

Dieser Österreicher, auch ein Kanzler, soll über die ausgestellten Werke von Sergius Pauser einen „Wutanfall“ bekommen haben, darüber gibt es verschiedene Berichte, einmal, daß der Kanzler aus Österreich die Werke Pausers selbst von den Wänden gerissen haben soll, einmal, daß der Kanzler die Werke Pausers habe abhängen lassen sollen.

In der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1939 war Sergius Pauser allerdings wieder dabei, mit einem Bild von „Hilda Trenker“ …

Daß Sergius Pauser auch wußte, wie ihr Ehemann vorteilhaft zu malen ist, zeigt sein Bild aus 1938.

1942 lehnte er eine Berufung an die Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe ab. 1943–66 war er Leiter der Meisterschule für Portraitmalerei an der Wiener Akademie, der er 1945/46 auch interimistisch als Rektor vorstand.

So wird, ist am 16. Juli 2025 zu lesen, über Sergius Pauser auf der Website „Österreichische Galerie Belvedere“ informiert. Ein begnadeter Portraitmaler kann sich eben aussuchen, wo er arbeiten will, wo er lehren will. Davon ist auf der Website Sergius Pauser im „Lebenslauf“ nicht zu lesen, auch nicht bei Isabella Ackerl, von der auf der Website Sergius Pauser zu lesen ist, ebenfalls am 16. Juli 2025:

Dunkle Jahre

Die Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich veränderte zunächst nur wenig an Pausers Leben, wenn auch eine Reihe seiner Auftraggeber Österreich verlassen mußte. Noch erlebte er bei der Secessionsausstellung im Jahre 1938 einen großen Erfolg. Als er jedoch hörte, daß Hitler in der Münchner Ausstellung im Haus der Deutschen Kunst einen Wutanfall erlitten und alle seine Werke als „entartet“ bezeichnet hätte, stürzte ihn diese Affäre in eine tiefe Depression und Existenzangst. Als Maler sah er sich außerstande, auf Dauer anderswo zu leben und zu arbeiten. Gleichsam als Tarnung und Schutzschild begann Pauser, intensiver denn je in altmeisterlicher Technik zu arbeiten. Nach einer kurzen Kriegsdienstepisode übernahm er mit März 1943 die Leitung der Meisterschule für Bildnismalerei an der Wiener Akademie für bildende Künste. Sein Verhältnis zum Regime war sichtlich gespannt, denn 1944 wurde er mit anderen „Politisch Unzuverlässigen“ zu Schanzarbeiten nach Radkersburg kommandiert. Der Schauspieler Curd Jürgens (1915-1982), der ebenfalls die Ehre hatte, diesem Transport anzugehören, schrieb in seinen Erinnerungen: „… daß Sergius … recht viel Unangenehmes durchmachen mußte, da die SA-Bewacher mehr und mehr die Nerven verloren und dies an den Gefangenen ausließen.“

Und das Heeresgeschichtliche Museum in Wien stellt auf seiner Website am 30. April 2025 unter „Objekt des Monats Mai 2025“ die Information zur Verfügung:

Die künstlerische Karriere des Absolventen der Münchner und Wiener Akademie, Sergius Pauser, war ein stetiges Auf und Ab. Anfangs dem Expressionismus anhängend, wechselte er Ende der 1920er Jahre zur Neuen Sachlichkeit und drückte sich später mehr und mehr in aufgelockerter Malweise aus. In den 1930er Jahren stellte er in Deutschland, den USA und der Schweiz aus – mit Erfolg, wie zahlreiche österreichische und internationale Preise belegen.
Dem Nationalsozialismus passte sich Pauser stilistisch nicht an
– im Gegenteil: bei der Eröffnung einer Ausstellung im „Haus der Deutschen Kunst“ 1937 entfernte Adolf Hitler persönlich in einem Wutanfall seine Bilder von der Wand und bezeichnete selbige als „entartet“. Diese Affäre löste in Pauser heftige Existenzängste aus. Wie sich herausstellte nicht unbegründet, er wurde im Herbst 1944 mit fünftausend sogenannten „Politisch Unzuverlässigen“ in ein Schanz-Lager bei Bad Radkersburg gebracht.
Ab 1945 stellte Pauser wieder national und international aus und wurde vielfach ausgezeichnet. 1955 erteilte ihm die Bundesregierung den Auftrag, die feierliche Unterzeichnung des Staatsvertrages im Oberen Belvedere in einem Gemälde festzuhalten. Die erste Fassung wurde abgelehnt, aber dennoch vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst angekauft (heute Artothek des Bundes). Anschließend, über einen Auftrag sowohl der Stadt Wien als auch des Niederösterreichischen Landesmuseums, schuf Pauser eine zweite und dritte Fassung seiner an Ort und Stelle entstandenen Ölskizze in Form von Pastellskizzen. Das für die zeitgenössischen Regierungsmitglieder viel zu impressionistisch gestaltete Werk wurde von Bundeskanzler Julius Raab mit den höchst unstaatsmännischen Worten „Fahrts ab mit dem Dreck!“ abgelehnt. Den Auftrag für das Staatsvertragsgemälde erhielt schließlich Raabs „Leibmaler“ Robert Fuchs. Eine der beiden noch erhaltenen Pastellskizzen Pausers befindet sich heute in der Albertina, die andere konnte 2005 von der Witwe des Malers durch das HGM angekauft werden und wird hiermit zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. 

Rupert Feuchtmüller schreibt zu Sergius Pauser:

Doch man sprach nun einmal über Pausers Berufung. Immerhin hatte er 1942 den Baldur von Schirach-Preis erhalten. Schirach aber hatte ursprünglich, wie Anny Pauser berichtet, den Maler Andreas Patzelt protegiert. Eine Ausstellung im Künstlerhaus soll die Möglichkeit geboten haben, den Reichsstatthalter von seiner vorgefaßten Meinung abzubringen, er entschied sich für Pauser.

Ob der „Reichsstatthalter“ der Meinung war, das von Pauser sei Dreck? Das wird nicht gewußt.

Jedenfalls konnte er von seiner Meinung oder von seinem Willen abgebracht werden.

Rupert Feuchtmüller schreibt:

Trotz der Wertschätzung der Bilder Pausers, auch durch die Machthaber dieser Zeit, war seine Einstellung zum Regime nicht verborgen geblieben. So kam es, daß er im Herbst 1944 mit fünftausend sogenannten „Politisch Unzuverlässigen in ein Schanz-Lager bei Radkersburg gebracht wurde. Am 27. März 1945 tritt Pauser einen vierwöchigen Krankenurlaub an und erlebt das Kriegsende in seinem Haus in Waidhofen. Pauser, zuerst (1945) im allgemeinen Arbeitseinsatz in seiner Heimatstadt, dann von der russischen Besatzungsmacht als Künstler „entdeckt“, hatte dort die Aufgabe, unter militärischer Beaufsichtigung Lenin, Stalin und andere Persönlichkeiten nach Zeitungsausschnitten zu malen. Durch die Intervention des Wiener Stadtrates (Matejka) bei der zuständigen sowjetrussischen Militärdienststelle konnte er Waidhofen schließen verlassen.

Die „Staatsvertragsunterzeichnung“ malte Robert Fuchs, der „Leibmaler“ des Österreichers, der auch Kanzler war, ihn, den Kanzler, davon abzubringen, wagte wohl kein Mensch in seinem unmittelbaren Umfeld. Und Robert Fuchs war ihm doch eine ausgezeichnete Wahl. Wie genau und sachlich die „Österreichische Galerie Belvedere“ den Lebenslauf von Robert Fuchs zu beschreiben vermag, das ringt doch immer wieder Bewunderung ab …

„Nach dreijähriger Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt 1914/15 Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei J. Schmid, H. Tichy und R. Jettmar. Fortsetzung des Studiums 1918–24, u. a. bei R. Bacher. Ab 1933 Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Pressezeichner für die Zeitungen ‚Neue Freie Presse‘, ‚Wiener Tagblatt‘, ‚Wiener Montag‘ und ‚Die Wirtschaft‘. Fuchs widmete sich vor allem der Portrait-, Landschafts- und Figurenmalerei und blieb einer realistischen Kunstauffassung verbunden.“ [aus: Reiter, Cornelia (Bearb.)/ Koja, Stephan (Bearb.)/ Márkus, Hella (Bearb.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 1: A–F, hrsg. v. d. Österreichischen Galerie Belvedere, Wien 1993, S. 271]

Auf der Website „Haus der Geschichte Österreich“ ist ebenfalls am 16. Juli 2025 zu lesen:

1955: Staatsvertragsgemälde
Ein illegaler Nationalsozialist als Staatskünstler
Für den Ball der Stadt Wien 1937 fertigte der Maler Robert Fuchs Portraits der hochgestellten Ballgäste an, darunter auch eines des ehemaligen Justizministers Robert Winterstein, der als Vertreter der Schuschnigg-Regierung sofort nach dem „Anschluss“ am 15. März 1938 verhaftet und 1940 im KZ Buchenwald ermordet wurde. Während Winterstein in Haft saß, fertigte Robert Fuchs als langjähriger illegaler Nationalsozialist ein Wandgemälde für den Hauptsaal des Wiener Stadtkrugs, einem Treffpunkt illegaler Nazis an, das den Marsch der SA in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 darstellte. Sein berühmtestes Werk ist Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags im Oberen Belvedere 1955, das im Auftrag der Bundesregierung entstanden ist. Bundeskanzler Julius Raab, der ehemalige Handelsminister der letzten Schuschnigg-Regierung, entschied sich für die Version von Robert Fuchs und gegen den ursprünglichen Entwurf von Sergius Pauser.

Was in der Geschichte, soll in der Geschichte bleiben, tot und vergraben. Was aber leben bleiben soll, sind die recht guten Erinnerungen, beispielsweise diese der Tochter, zu lesen auf der Website „DENK*MAL Verein zur Pflege der Denkmäler und der lokalen Kultur in Neustift am Walde und Salmannsdorf“:

Prof. h. c. Robert Fuchs
Aus den Erinnerungen seiner Tochter Margarete Groiss
„1942 brachte uns Vati mit der Erzieherin wegen der Bombardierung des 2. Weltkriegs nach Kamegg am Kamp/NÖ zu den Fallmann’s (Bauern u. Mühlenbesitzer). Wir bewohnten ein Zimmer und eine Veranda. Er kam nur zum Wochenende zu uns und erlebte die grauslichen Bombenangriffe hautnah.
1947 zogen wir alle wieder nach Wien. Vati malte wieder fleißig in seinem Atelier und bekam allmählich wieder Porträtaufträge (vor allem Politiker und Prominente), daneben entstanden Kompositionen und er schuf auch kleine Plastiken (Raab-Kopf, Töchter, u.s.w.). 1955 kaufte er in Neustift am Walde ein schönes Haus mit großem Garten. 1955 bekam er auch den Auftrag, die Staatsvertragsunterzeichnung im Belvedere zu malen. Dieses Gemälde hängt heute im Bundeskanzleramt.“
„Vati hatte ein sehr geselliges Leben – jedes Wochenende wurden Gäste eingeladen (auch Bundeskanzler Raab war oft zu Gast). Vati war auch ein sehr beliebter „Haus u. Hofmaler” der Familie Franz Mayr-Mellnhof aus Fronleiten.
Im Künstlerklub „Alte Welt” in der Windmühlgasse wurden oft kleine Theaterstücke von ihm aufgeführt, in denen er selbst mitspielte. Vati war auch sehr naturverbunden. Er hatte herrliche Rosen im Garten, die er mit Liebe pflegte und malte. Bei verschiedenen Heurigen in Neustift war er ein gern gesehener Gast – obwohl er nicht mehr als höchstens zwei Vierteln genoss. Er besuchte oft Kamegg und Gars und malte wunderschöne Landschaften. Vati war immer voller Ideen – verfasste philosophische Schriften, und schuf einen Christuszyklus mit sehr großformatigen Bildern. Auch die „Weinberg-Muttergottes” stammt von ihm. Im 83. Lebensjahr wurde er dann schon sehr gebrechlich und als er nicht mehr malen konnte, freute ihn das Leben nicht mehr. Mit 84 Jahren starb er nach einem ausgefüllten und trotz allem schönen Leben.”

Pope and chippy – Museum Castelgandolfo

Wie berichtet wird, werde der Papst ab diesem Jahr wieder für eine gewisse Zeit vor allem im Sommer in das Museum Castelgandolfo jährlich übersiedelt werden. Die Entscheidung darüber, ob bei der jeweiligen Rückübersiedlung des Papstes von diesem Museum in das andere, in welchem er mehr oder weniger ganzjährig besuchbar ist, auch die Schaustücke,

zu denen u. a. das Bild „Papa e falegmene“ gehört, jährlich von einem Ort zum anderen mit übersiedelt werden, ist noch nicht gefallen, jedenfalls ist bis jetzt keine solche bekanntgegeben worden. Allerdings hängt es auch davon ab, ob diese aufgefunden werden. Nicht bestätigt ist ebenfalls ihre Verräumung. Für eine Mitnahme der Schaustücke, sollten sie denn gefunden werden, zu denen u. a. auch eine Informationstafel gehört, spräche, so soll es überlegt werden,

daß es den Besuchenden des inmitten von Rom überwiegend im Jahr Aufhältigen entscheidende Auskünfte fehlen würden, um ihren Besuch als einen ihr Wissen gemehrten in Erinnerung zu behalten.

Zur Erklärung des Bildes „Papa e falegmene“ (Pope and chippy) ist auf der Informationstafel zu lesen, was Thomas Bernhard vor bald fünfundvierzig Jahren auf Mallorca zu Museo di Castel gandolfo ausführte, ihm über das Museum hinaus dazu einfiel:

Das Palais vom Papst hat mich immer sehr beeindruckt, ist ja ein sehr einfaches, bis zum zweiten Stock hinauf feuchtes Gebäude, also sehr unklug gebaut. Und an der Rückseite vom Papstpalais wohnt ein Zimmermann. Direkt angebaut an das Haus von Castelgandolfo. Da ist die Kirche sehr raffiniert. Hat der Zimmermann sein Haus. Und da hängt, wie ich einmal vorbeigegangen bin, vor fünfzehn Jahren oder was, sind unten die päpstlichen Unterhosen gehängt, auf Wäscheleinen, und daneben war ein kleiner Zaun, wo dann die Hosen vom Zimmermann, auch Unterhosen. Ist ein sehr rauhes Klima dort, also die tragen auch schon im Herbst lange Unterhosen [mutande lunghe]. Das hat mir unglaublich imponiert, daß die Unterhosen vom Papst und von dem kleinen Zimmermann von Castel Gandolfo, der Sargtischler wahrscheinlich war, daß die nebeneinand im Wind flattern. Da habe ich mir gedacht, daß eigentlich die Kirche, wenn man näher hinschaut, immer von einer Raffinesse gewesen ist, die sowieso unübertrefflich ist, die hat das wieder hier vollzogen. Auf der einen Seite das Aristokratische, Zurückhaltende, Großartige, Pomphafte und nachher wieder alles Einheimsende, indem man sich in einer Weise verbrüdert, ganz bewußt, in der Architektur auch, wie in diesem Fall.

Der Papst und der Zimmermann. Es gibt eine Oper: „Zar und Zimmermann“. Man könnte ja einen zweiten Teil schreiben. Der Papst und der Zimmermann. Im ersten Akt, wenn der Vorhang aufgeht, flackern, flattern die Unterhosen vom Papst und dem Zimmermann in der Sonne. Ist ja alles, was auf der Welt ist, ist ein Schauspiel. Der Papst ist ja auch ein großer Schauspieler, unabhängig davon, daß er ein sehr niedriges Schauspiel gelernt hat, ist er jetzt natürlich einer der größten Darsteller. So ein Weltstück. Der Papst, der Ronald Reagan und der Breschnew, ist so wie der Bronner, der Farkas und der Wehle, auf einer etwas kleineren Stufe, aber im Grunde ist es ja auch eine Art Kabarett, das manchmal ins große Theater ausartet, aber da auch unerträglicherweise, muß es manchmal zusammenschrumpfen auf ein Kabarett, und da spielen ja immer alle Mächtigen sehr gut zusammen. Heute ist der Carter, der Reagan und der Wojtila. Da wars einmal der Duce, der Hitler und der Franco.

Jede Zeit hat ihre anderen Hauptdarsteller. Man sagt ja nicht umsonst Weltbühne, das hat ja alles seinen Sinn. Es ist alles ein großes Theater. Oder der böse Khomenei, von rechts tritt er auf. Und der kleine Kreisky von hinten. Die Pferde sind gesattelt. Ist alles ganz lustig. Ich scheine ja nicht auf, irgendwo am Schnürboden, zieht man irgendwo mit, man zieht ja nicht einmal allein an einem Prospekt, sondern da ziehen halt einige Millionen oder Milliarden, ziehen, und da bewegt sich irgendwie der Hintergrund. Aber die paar Figuren vorn geben ihr Salonstück. Und die Würde stellt halt der Papst dar, in seinem weißen Gewand, der Undurchschaubare, der kommt meistens aus dem Osten, also der Rote, der Dunkle, der Gefürchtete, das ist halt der Breschnew momentan, schon mit der sehr viel Altersbruch. Und dann irgendwie die lustige Figur, alles, das gibt’s. So ein Helmut Schmidt, so Zechkumpanen, so junge Gesellen, die da auftreten, ist ein Jedermannsspiel. Und die Bühne ist halt so abgeflacht rund wie die Weltkugel. Wenn man die Zeitung aufmacht, sieht man das Schauspiel. Deshalb sind Zeitungen ja wunderbar, weil da geht jeden Tag der Vorhang auf.