Volkskanzler unter dem Einfluß von Hayek

Beim Lesen über die Netzwerke des österreichischen Adels wieder einmal auf Männer der Wirtschaftswissenschaft gestoßen, die auch im Heute noch Einfluß, besonders August von Hayek …

So sehr der Regierung Dollfuß Erfolg beschieden war, in Österreich ein autoritäres Regime zu errichten, so sehr versagte sie auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Regierung stand hier unter dem Einfluss des Ludwig von Mises (Ludwig Heinrich Edler von Mises) Kreises, dem u. a. die Wirtschaftswissenschaftler Friedrich August von Hayek […]

Die Regierung des „Volkskanzlers“ also „stand unter dem Einfluss“ dieses wirtschaftswissenschaftlichen Kreises, und

Sie standen für einen Kurs der Hartwährungspolitik, Haushaltsgleichgewicht, steuerlichen Entlastung für Unternehmen und einer Sozialabbaupolitik. Auf Mises Anregung erfolgte eine Erhöhung der Massensteuern. So ging das Jahr 1934 als ein Jahr erheblicher Steuer- und Gebührenerhöhungen in die Geschichte ein. Die Arbeitslosigkeit kletterte 1934 auf einen Rekordwert von 770.000 Betroffenen. „Aus blühenden Industriezentren wurden sterbende Städte: In Wiener Neustadt waren 60 Prozent arbeitslos, Steyr wurde zum Armenhaus Österreichs.“ „Die Arbeitslosen vom Marienthal“ wurden zum wissenschaftlich fundierten Zeugnis des wirtschaftlichen und persönlichen Elends: „Die Ansprüche an das Leben werden immer mehr zurückgeschraubt … die Energie, die noch bleibt, wird auf das Aufrechterhalten des immer kleiner werdenden Lebensraumes konzentriert … Am Ende dieser Reihe stehen Verzweiflung und Verfall.“ Von der Arbeitslosigkeit waren weniger die Frauen als die Männer betroffen. Die Betriebe hatten in der Krise schnell reagiert, die Männer entlassen und Frauen eingestellt. Frauenarbeit war billiger. Österreichs Kreditwürdigkeit war gegenüber anderen Staaten, wie Deutschland, Schweiz und England gering. So musste Österreich einen Zinssatz von durchschnittlich 14,9%, Deutschland hingegen nur 9,5%, die Schweiz 6,5% und England 6,3% zahlen. Industrielle Großinvestitionen blieben dadurch aus. Die USA als Hauptgläubiger der Welt begannen die Auslandsschulden einzutreiben.

Der Idee Schuschniggs, den Schilling deutlich abzuwerten, um die Exportwirtschaft wieder anzukurbeln, erteilten Nationalbankpräsident Viktor Kienböck und Finanzminister Ludwig Draxler eine Abfuhr. Man wollte sich vom Goldstandard nicht entfernen und die Hartwährungspolitik beibehalten. Man war der Überzeugung, dass die große Krise durch den Vertrauensverlust in das internationale Kreditsystem entstanden war. Für Kienböck war der Währungssektor das Fundament für eine „geordnete Wirtschaft“. Die größte Gefahr für eine stabile Währung sah er in der mangelnden Ausgabendisziplin des Staates. Deshalb wurde eine restriktive Finanzpolitik verfolgt und an einer harten Währung festgehalten. Damit verbunden waren Lohndisziplin, Abbau „unfinanzierbarer“ Leistungen im Bereich der Arbeitslosenfürsorge, Sparsamkeit bei öffentlichen Ausgaben. Mit der Wirtschaftskrise ging auch eine Krise der Sozialpolitik einher. Die Errungenschaften der Ersten Republik auf diesem Gebiet wollte man, da man sie mit der Sozialdemokratischen Partei in Verbindung brachte, abschaffen. So wurden die Arbeitslosenunterstützungen weitgehend eingeschränkt (1937 bekam nur mehr jeder zweite Arbeitslose eine Unterstützung). Es wurde ein „Freiwilliger Arbeitsdienst“ eingeführt, um v.a. die Jugend in Beschäftigung zu halten: Für einen Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es somit oft nur zwei Alternativen, entweder ohne Unterstützung zu bleiben, oder zumindest Beschäftigung und damit Unterkunft und Verpflegung zu bekommen. Auch mit dem Modell einer „Innenkolonisation“ wurde experimentiert: Man erhoffte sich damit eine Rückkehr zum Bauernstand, die Wiederverbindung des Menschen mit dem Boden. Dies brachte zwar eine Existenzmöglichkeit, doch das Verhältnis zwischen Arbeit und Ertrag, die Rentabilität, war gering. Außerdem waren die Lebensverhältnisse in diesen Notsiedlungen prekär, viel schlechter als in den angeprangerten Proletariersiedlungen. Bestimmungen für die im öffentlichen Dienst stehenden verheirateten weiblichen Bediensteten sahen ein Ausscheiden vor, wenn der Mann ebenfalls hier beschäftigt war. Nur Armee und Polizei blieben im „Ständestaat“ vom Sparkurs ausgenommen. Eine Arbeitsanleihe (1935) und eine Investitionsanleihe (1937) wurden nur zum kleinen Teil dafür verwendet, der große Teil hingegen zum Stopfen der Budgetlöcher. Dass die Wirtschaftskrise durchaus auch anders überwunden hätte werden können, zeigen die Beispiele aus Großbritannien, Schweden und den USA. In Großbritannien wurden veraltete Industrieanlagen abgebaut, die Wohnbautätigkeit gefördert, Exportgarantien abgegeben, um Exportsteigerungen zu erzielen und es wurden Industrieansiedlungen unter Steuererleichterungen in von der Krise besonders betroffenen Gebieten durchgeführt. Per Albin Hansson (Schweden) scheute sich nicht, die Staatsschulden zugunsten einer Beschäftigungspolitik auszuweiten. Unter dem US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt wurde die Abwertung des Dollars eingeleitet, mit dem Ziel, die Arbeitslosigkeit zu senken.

Kurz ist es her, daß ein Jünger von Hayek Präsident ward geworden, zu dem nichts mehr zu sagen ist, als bereits

August von Hayek selbst wird sich wohl nicht als Jünger von einem der „gewalttätigsten Diktatoren der Geschichte Lateinamerikas“ gesehen haben, und einer, der „Ideengeber“ ist, also Hayek, versteht sich menschgemäß mehr als einer, dem zu folgen ist, wie ihm eben zum Beispiel ein …

Nicht kurz ist es her, daß eine Jüngerin von Hayek eine Kandidatin für eine Partei ist, die in Österreich nicht nur eine Parlamentspartei zu bleiben sich erhofft, sondern auch wieder für sich erträumt, Regierungspartei zu werden, und diesmal sogar den Traum träumt, dem im Traum selbst die Unmöglichkeit der Verwirklichung beschieden wird, die nächste Regierung in Österreich anzuführen.

Und diese hayeksche Jüngerin arbeitete, es heißt „federführend“, mit an dem Wirtschaftsprogramm dieser Partei, für die sie kandidiert und hofft, nach der Nationalratswahl am 29. September 2024 einen Stuhl im österreichischen Parlament zu bekommen, vielleicht träumt sie gar von einem Stuhl als Ministerin … Das Wirtschaftsprogramm liege, so sie am „Dienstag bei einer Pressekonferenz“, vor und werde „derzeit noch etwas feingetunt“. „Die ehemalige Vizepräsidentin des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) kandidiert auf Platz sechs der Bundesliste und in Tirol auf Platz zwei.“ Die für diese Partei „frühere Innsbrucker Gemeinderätin, die nach Jahrzehnten ein politisches Comeback feiere, arbeitete an dem neuen Programm mit.“ „Sie nehme an,“ ihr „Bundesparteiobmann“ werde in seinem ORF-‚Sommergespräch‘ am 19. August bereits das ein oder andere daraus präsentieren und dann beim offiziellen“ „Wahlkampfauftakt Anfang September in Graz auch daraus referieren“, so sie „bei dem Pressegespräch in Innsbruck“.

Ein Bundesparteiobmann unter dem Einfluß einer Hayek-Jüngerin —

Zur Jüngerin Hayeks fällt unweigerlich ein weiteres Land Lateinamerikas ein – Honduras, in der sie eine Rolle innehatte. Und nur zur und doch nicht unwichtigen Erinnerung soll ein wenig aus einem Artikel aus „amerika21“ vom 29. Dezember 2022 zitiert werden:

Ohne die Narco-Diktatur hätten die ZEDE niemals eingerichtet werden können. Das Projekt trat 2013 mit der Veröffentlichung des Gesetzes 120-2013 im Amtsblatt La Gaceta in Kraft. Ein weiteres Gesetz installierte das Komitee für die Übernahme bewährter Praktiken (CAMP), das ist die Regierung der ZEDE. Darin sollten 21 Personen zusammenarbeiten, von denen nur vier aus Honduras stammen, die übrigen kamen aus anderen Ländern, vor allem aus Europa. Das CAMP wurde von [Jüngerin] aus Österreich, der Präsidentin des dortigen Hayek-Instituts, geleitet. Außerdem wurde per Gesetz die Gestalt des Technischen Sekretärs der ZEDE etabliert. Mit diesen Komponenten wurde 2017 die erste ZEDE gegründet, ZEDE Próspera. Sie verfügt über ein eigenes Gebiet auf den Bay Islands [vor der honduranischen Nordküste] und strebt derzeit den Aufbau von elf weiteren ZEDE-Projekten in Honduras an. Anfang 2023 präsentierten sie ihren ersten Wohn- und Bürokomplex: das Projekt Duna Ressorts.

Der Staat Honduras ist eine freie, souveräne und unabhängige Republik. Auf der Grundlage der Verfassung der Republik Honduras ist es unmöglich, die nationale Souveränität, das Territorium, die Grenzgebiete, die Küstengebiete, die Gebiete indigener Völker oder die Gebiete nicht-indigener Bevölkerung in irgendeiner Form abzutreten. Verfassungsrechtlich ist es völlig inakzeptabel, die nationale Souveränität in all ihren Dimensionen aufzugeben. Dazu gehören unter anderem wirtschaftliche, politische, territoriale und kulturelle Souveränität und die Souveränität über die Staatssymbole. Für die ZEDE wurde deshalb 2012 die Verfassung der Republik geändert, um gegen alles, was ich erwähnt habe, verstoßen zu können. Das bedeutet, dass die ZEDE alle Formen der Souveränität in Honduras mit legalen, aber keineswegs legitimen, Argumenten angreifen können. Denn die Bevölkerung von Honduras wurde bei der Durchsetzung dieses Projekts niemals konsultiert.

Aus diesem Grund hat Arcah erklärt, dass die ZEDE das größte extraktivistische Projekt des Kontinents sind, denn sie können alles enthalten, vom Bergbau bis zu agroindustriellen Parks, privaten Städten, internationalen Logistikzentren und allem, was in Artikel 2 des Gesetzes über die ZEDE steht. Damit könnten sie 65 Prozent des Staatsgebiets für sich beanspruchen und in Zukunft ihre Unabhängigkeit als ein weiteres Land erklären, wodurch der Staat Honduras allmählich verschwinden würde. Die Vorgehensweise ähnelt dem, was ein Parasit in einem Körper tut, indem er ihn von innen auffrisst, bis er stirbt. Es handelt sich um kleine Territorien, die wachsen, und am Ende wird die gesamte honduranische Bevölkerung als solche aufhören zu existieren. In den ZEDE geht nämlich auch die Nationalität verloren. Es gibt dort ein neues System von Dokumenten, Ausweispapieren, Geburtsurkunden, Zollunterlagen und Steuerunterlagen, die nichts mehr mit Honduras zu tun haben.

Grundlegend für die ZEDE ist auch, dass es sich um autonome Zonen handelt, die nicht mehr zum honduranischen Staat gehören. Dort haben weder die Vereinten Nationen, noch ein Parlament oder ein internationales Gericht etwas zu sagen, weil es sich um ein völlig privates Gebiet außerhalb des honduranischen Territoriums handelt.

Das Projekt der Privatstädte wurde 2010 in Honduras von transnationalen Investoren vorgestellt. Ausgehend von dem Gedanken, dass Honduras ein extrem verarmtes Land ist, schlugen sie eine Art Motor vor, der die Wirtschaft und den industriellen Produktionsprozess in Honduras beschleunigen soll. Honduras ist kein Industrieland, sondern ein Agrarland. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass das ZEDE-Projekt im Zusammenhang mit dem Staatsstreich von 2009 ins Leben gerufen wurde. Die honduranischen Privatstädte sind Laboratorien für Governance, für politische und wirtschaftliche Modelle, die in anderen Teilen der Welt noch nie ausprobiert wurden. Sie gehen sogar über den kapitalistischen Ansatz hinaus und sprengen die bisherigen Grenzen und Möglichkeiten des Handels und des Marktes. Ein klares Beispiel dafür ist das europäische libertäre Modell, das auf Murray Rothbard zurückgeht. Er schlägt unter anderem vor, dass alles um uns herum zu Geld gemacht werden kann. Alles um uns herum kann verkauft werden, und alles um uns herum kann gehandelt werden. Das ist der Grundgedanke der privaten Städte.

Dort haben weder die Vereinten Nationen, noch ein Parlament oder ein internationales Gericht etwas zu sagen, weil es sich um ein völlig privates Gebiet außerhalb des honduranischen Territoriums handelt. Das Projekt wurde international als eine sehr umfassende Zone für Investitionen präsentiert, in der jeder von überall her seinen Platz finden kann. Es ist wichtig zu betonen, dass sich mehrere transnationale Unternehmen mit großen Summen daran beteiligt haben. Ein Beispiel ist das Unternehmen Meta, zu dem jetzt auch Facebook gehört. So hat Mark Zuckerberg zum Beispiel Investitionen in die ZEDE Próspera getätigt. Es gibt auch Investitionen und ideologische Einflüsse von Elon Musk, der vor kurzem Twitter übernommen hat und von weiteren Unternehmen wie PayPal, acht europäischen Bitcoin-Unternehmen, Erdöl-Unternehmen, dem Architekturbüro Zaha Hadid, der Apolo Gruppe. Etliche große transnationale Unternehmen sind beteiligt.

Die rechten Regierungen in Honduras förderten die Gründung von „libertären“ Unternehmerstädten, den sogenannten „Zonen für Beschäftigung und Entwicklung“ (ZEDE). Nach massiven Protesten der Bevölkerung gegen diese totalkapitalistischen Enklaven wurde Anfang 2022 unter der neuen progressiven Regierung von Xiomara Castro ein Sonderbeauftragter für die Abwicklung der ZEDE ernannt und der Nationalkongress hob das ZEDE-Gesetz von 2013 auf.

Und wie wird „ZEDE“ in Österreich recht gar philosophisch dargestellt? Auf der Website von „Philosophicum Lech“, dessen Intendanz Österreichs gar bedeutsamster Philosoph innehat, ist am 23. August 2024 zu lesen über die Vortragende, über die Jüngerin, sie ist

Vorsitzende des Board of Trustees von ZEDE, Honduras, einer NGO für die Etablierung von Wirtschaftszonen zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Als „NGO“ hat der Bundesparteiobmann der Partei, für die Barbara Kolm nun kandidiert, auch eine Bruderschaft bezeichnet, die kein Mensch sonst als „NGO“ bezeichnen würde, außer eben deren Gesinnungsschwestern.

In den Räumen eines Immobilienimperiums in Österreich wurde einst, und die Jüngerin Hayeks war auch hier wieder mit dabei, ein „Rising Star Business-Netzwerk Club Tirol“ gegründet, das ist abschließend doch zu erwähnen, um zu zeigen, wie kurz das alles währt, von welch kurzer Dauer das alles ist, was von Menschen dieser Gesinnung geschaffen wird; von dem Imperium ist nichts geblieben außer …

Ein Mann von nachgesagtem Einfluß äußerte in diesem Sommer 2024 so etwas wie einen Aufruf: „Spielen wir also nicht mit. Spielen Sie da nicht mit.“ Wie wahr seine Äußerung, getätigt auf einer Bühne an ein Publikum, das nicht mitspielt, sondern, wie es in Theatern üblich ist, nur zusieht; so war es kein Appell, so war es nicht einmal ein Aufruf, so war es kaum eine Äußerung, sondern lediglich eine Feststellung für das, was auf Bühnen passiert, die einen spielen, die anderen sehen zu.

Und es wird zu erleben sein, kaum daß der September 2024 vorüber sein wird, daß wieder mitgespielt und wieder zugesehen werden wird — bei der Wende zu alles hin

Netzwerke

Am 20. August 2024 wieder einmal im falschesten Moment oder zum rechtesten Zeitpunkt den Fernsehapparat eingeschaltet, um folgende Geschichtsvorstellung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs zu hören, in der Sendung „Erbe Österreich“ mit Karl Hohenlohe, der diesmal zum idyllischen Besuch bei der Familie Piatti, in ihrem Schloß, in dem die Mutter der Astrologie zugetan, die Tochter Menschen mit ihrem „Heilssingen“ beglückt:

Berichtsstimme aus dem Off: Als sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die russischen Soldaten durch das von der deutschen Armee verwüstete Osteuropa Loosdorf näherten, um auch Österreich vom Nationalsozialismus zu befreien, versuchte der Großvater des heutigen Besitzers, Ferdinand Piatti, die Sammlung zu verstecken, wie sich sein Sohn in einer Willkommen-Österreich-Sendung 1996 erinnert:

Manfred Piatti: Man kann sich vorstellen, daß hier im Frontgebiet einiges passiert ist. Die Rote Armee hat hier sofort die Wehrmacht vertrieben und ein Divisionsstab hat sich hier eingenistet. Mein Vater hat, bevor er weg ist, durch belgische Kriegsgefangene im Keller das Porzellan in Kisten verpacken lassen, diese Kisten vergraben lassen. Die Russen haben das nach einiger Zeit gefunden und aus Wut und Zorn, daß der Besitzer nicht zu finden war, haben sie die Porzellansammlung, das was man hier sieht, ist der Rest davon, eben zu Scherben zertrümmert.

Karl Hohenlohe: Wer hat das dann ins Leben gerufen?

Verena Piatti: Das war der Großvater von Alfons, Ferdinand Piatti. Er hat nach dem Krieg das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Museum eingerichtet.

Karl Hohenlohe: Das ist er?

Alfons Piatti: Das ist er zum Beispiel ja. Auf dem Bild sieht man, er hat ja auch schon mit Afrika zu tun gehabt.

Karl Hohenlohe: Wer ist das?

Alfons Piatti: Das war irgendein Häuptling oder König, den er empfangen hat, weil mein Großvater war sehr politisch tätig, gesellschaftlich tätig […]

Karl Hohenlohe: Warum hat dein Großvater mitten im Weinviertel plötzlich, er macht ein Museum? Das ist ja ein Entschluß, du mußt quasi dein privates Haus aufmachen, du mußt Leute herlocken. Wieso, war das auch eine finanzielle Überlegung, warum hat er das gemacht?

Alfons Piatti: Eine finanzielle Überlegung war es ganz sicher nicht, ist es auch bis heute gar nicht wirklich. Aber er hat es gemacht, er war Soldat, also Offizier im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Und wie er zurückgekommen ist, nach dem oder während des Zweiten Weltriegs, war Loosdorf verwüstet, zerstört, kaputt, er hat ein Zimmer so belassen, wie er es vorgefunden hat, da wurde nichts restauriert, alles was kaputt war, Boden, Decke, und alles so gelassen. Und das war so die Grundidee, das zu transportieren, an Leute, die das sehen wollen, wie hat das ausgeschaut damals, damit das nicht vergessen wird.

Karl Hohenlohe: Das heißt, das ist wie ein bissel eingefrorene Zeit.

Alfons Piatti: Ja. Das hast du schön gesagt, genau. Eingefrorene Zeit. So kann man das sagen.

„Belgische Kriegsgefangene“ haben also für den „sehr politisch“ und „gesellschaftlich“ tätigen Großvater sein Familienporzellan verpackt und vergraben. „Damit das nicht vergessen wird“, wie das Enkelkind des Offiziers in zwei Weltkriegen sagt, also die Verwüstung, Zerstörung, die Familienporzellanscherben, Wut und Zorn von den Eingenisteten … „Damit das nicht vergessen wird.“ Das „Scherbenzimmer“ der …

Auf der Website der Piatti ist am 22. August 2024 hierzu zu lesen:

Die Familie musste im 2. Weltkrieg vor den Russen fliehen. Vorher wurde das wertvolle Porzellan im Keller von Schloss Loosdorf als Versteck eingemauert. Das Versteck wurde an die russischen Besatzer verraten und daraufhin mit unvorstellbarer Zerstörungswut in tausende Scherben zerschlagen. Alle Scherben wurden nach Rückkehr der Familie eingesammelt und in dem sog. „Scherbenzimmer” im Museum aufgelegt.

Wie recht doch das Enkelkind des Ferdinand Piatti hat, damit das nicht vergessen wird, etwa das, auf das auf der Website vergessen wird, daß „belgische Kriegsgefangene“ …

Damit auch das nicht vergessen wird, von dem in dieser hohenloheischen Idylle nicht erzählt wird, soll es hier erzählt sein, mit Zitaten aus „Österreichs Adel: Heimwehren, Widerstand gegen das NS-Regime Rudolf Graf Hoyos, Ferdinand Graf Piatti, Georg Graf Thurn-Valsassina“ von Manfred Stadler:

Ferdinand Piatti schrieb einen Brief an seinen Freund, den Staatssekretär der „Vaterländischen Front“, Guido Zernatto, in welchem er vorschlug, die Idee des Heimatschutzes wieder entstehen zu lassen: „In den Wehrformationen lag echte Begeisterung, ein wesentlicher Teil der Jugend von 17-30 Jahren stand in ihnen und schließlich habe der Hasch. (Anm.: Heimatschutz) alle politischen Schattierungen angezogen. Ich halte die heutige Form der V.F. (Anm.: „Vaterländische Front“) mit ihren 3,000.000 Mitgliedern für die Durchführung absolut ungeeignet, es sei denn es würde sich aus dieser unförmigen, unbeweglichen & unzuverlässigen Masse, ein Kern von verhältnismässig wenigen Männern herausschälen lassen, welche die Eigenschaften der alten Wehrformation aufweisen. Nicht das ich für das Wort Wehrformation eintrete (die Zeit ist für Waffen ausserhalb des Militärs auf jedenfall ungeeignet) nur auf den Geist, die Idee, den Elan lege ich Wert. War es nicht ganz etwas einzigartiges um diese prachtvolle Gesinnung dieser Männer? Alles hätten diese Leute hergegeben für die Idee & diese Menschen sind zum überwiegenden Teil noch immer zu haben, die Verbindung hat man ja noch immer mit ihnen … Es ist jammerschade, dass diese Bewegung nicht in vollster Blüte ist. Ich glaube, dass wenn sich dieser Geist voll erhalten hätte, würde der Naz. Sozialismus nicht annähernd diese Rolle spielen, diesen Anhang haben. So wie in Italien der Faschio, in Deutschland der Naz. Soz., wäre hier der Heimatschutz & es würden die meisten keine Veranlassung haben einer neuen Form des „Neuen“ nachzulaufen, respektive der Nachbar (Anm.: Italien, Deutschland) sich nicht verpflichtet fühlen uns eine für unser Land niemals passende Art der autoritären Führung aufoktruieren zu sollen. Gibt es die Möglichkeit noch einmal von Frischen diese 3 notwendigen Voraussetzungen zu schaffen?

Ob das Wort Heimatschutz das Richtige ist, weiss ich nicht, vorallem dürfte aber das Wort Faschismus nicht hervor gehoben werden, da letzterer Begriff der Arbeiterschaft durch Jahre als ihr grösster Feind (zwar sehr zu Unrecht) & als Inbegriff der Unterdrückung aufgezeigt wurde.

„Vor allem aber“ dürfe „das Wort Faschismus nicht hervor gehoben werden“, schreibt der Großvater an Guido Zernatto, dem auch die „Zigeunerfrage“ ein rechtes Anliegen zur Lösung

Wie heutig schlägt Ferdinand Piatti „Heimatschutz“ und nicht „Faschismus“ vor, will dem „Faschismus“ die Maske „Heimatschutz“ überziehen, „Heimatschutz“, für das weiter und wieder ein Wort des „Richtigen“ gesucht wird, und manche scheinen es wieder gefunden zu haben: „sichere Heimat“ etwa … Heimatsicherheit ist dem Großvater nicht eingefallen, oder Heimatsicherung, vielleicht, weil Sicherungen durchbrennen können und zu viele doch, die Befürchtung, wissen, was dann passiert, wenn Sicherungen durchgebrannt sind — Dunkelheit, Finsternis …

Rudolf Hoyos, Ferdinand Piatti und Georg Thurn-Valsassina waren miteinander durch viele Netzwerke, die eng geknüpft waren, verbunden: Verwandtschaft, Freunde, Heimwehren, „Vereinigung katholischer Edelleute in Österreich“, „Vaterländische Front“ und „Österreichische Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“. Hoyos und Piatti waren Mitglieder im Malteser-Ritter-Orden. Rudolf Hoyos hatte noch Mitgliedschaften im „Jockey-Club für Österreich“, in der „Viribus unitis“, im „Reit- und Polo-Klub“ und in der „Leo-Gesellschaft“. Ende der 1920er Jahre waren die drei Grafen als Kommandanten in den Heimwehren, Hoyos und Piatti in Niederösterreich, Thurn-Valsassinain Kärnten, zu finden und schließlich an den Februarkämpfen und an der Niederschlagung des NS-Putsches 1934 beteiligt. Nach dem Ersten Weltkrieg waren sie christlichsozial, ab ihrem Eintritt in die Heimwehren faschistisch orientiert. In der „Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“ fanden Rudolf Hoyos und Ferdinand Piatti ein reiches Betätigungsfeld. In dieser Gesellschaft bekleideten sie mehrere Funktionen und veröffentlichten in den„Mitteilungen der Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“zahlreiche Artikel. Politische Aufgabengebiete bekamen Hoyos, Piatti und Thurn-Valsassinac innerhalb der „Vaterländischen Front“: Rudolf Hoyos hatte hier die höchsten Funktionen als Vorsitzender des Staatsrates und Präsident des Bundestages inne. Ferdinand Piatti war Bundeswirtschaftsrat in der Sektion Land-und Forstwirtschaft, Mitglied des Bundestages, des Budget-und Finanzausschusses und des Sozialpolitischen Ausschusses. Georg Thurn-Valsassina war Staatsrat, im Außenpolitischen Ausschuss und Bundesjugendführer von „Jung-Vaterland“. In dieser Funktion veröffentlichte er auch zahlreiche Artikel in den Organen der Arbeitsgemeinschaften der österreichischen Jugendverbände. Rudolf Hoyos war Legitimist. Piatti und Thurn-Valsassina standen den legitimistischen Organisationen nahe. Beim „Anschluss“ sprachen sich Hoyos und Piatti für die Vereinigung mit dem Deutschen Reich aus. Rudolf Hoyos und Georg Thurn-Valsassina wurden mehrmals von der Gestapo verhaftet. Ferdinand Piatti wurde nicht verhaftet, da er politisch im „Ständestaat“ nicht so exponiert gewesen war. Piatti nahm als Offizier der Deutschen Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil (bis Sommer 1943). Auch Rudolf Hoyos wurde zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und war für die Assentierung von Pferden zuständig (bis Juli 1944). Hoyos und Piatti hatten im Krieg den Tod ihrer Söhne zu beklagen (Hoyoseinen, Piatti zwei Söhne). Im adeligen Widerstandsnetzwerk fanden sich Ferdinand Piatti und seine Frau Anna („Widerstandsgruppe Helfenberg“ von Peter Revertera).

Stellvertretend für den österreichischen Adel gaben die Grafen Rudolf Abensperg und Traun, Rudolf Hoyos, Max Coreth, Ferdinand Piatti und Peter Revertera folgende Erklärung ab: „Bewegten Herzens sind wir alle Zeugen grössten geschichtlichen Geschehens gewesen. Freudig begrüssen wir die glückliche Beendigung des unseligen Bruderstreites und das durch des Führers Tat geschaffene grosse einige deutsche Vaterland. Seit unvordenklichen Zeiten war der deutsche Adel Österreichs gewohnt, seine Pflicht gegenüber Volk und Vaterland restlos zu erfüllen. Er stand in vorderster Front, hat auf fast allen Schlachtfeldern geblutet … in allen Zweigen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft seinen Mann gestellt. Eingedenk dieser grossen, heiligen Tradition erklären wir es als unsere selbstverständliche Pflicht, als deutsche Edelmänner … zu Volk und Reich zu stehen und damit seinem grossen Einiger und Führer Adolf Hitler volksverbunden und bodenverwurzelt die Treue zu halten. In diesem Sinn ergeht unsere Aufforderung an den gesamten österreichischen Adel, sich nicht nur am 10. April zu Volk, Reich und Führer zu bekennen, sondern auch … alle Kräfte in den Dienst des Aufbaues des erneuerten Deutsch-Österreich als Glied des nationalsozialistischen deutschen Reiches und seiner segensreichen Zukunftsgestaltung zu stellen.“ „Fünf Vertreter des Oesterreichischen Adels erschienen gestern bei Gauleiter Bürckelund brachten in einer Erklärung (Anm.: die eben zitierte) die Bereitwilligkeit zum Ausdruck, Seite an Seite mit Bürgern, Bauern und Arbeitern in neubesiegelter Volksgemeinschaft ihre Pflicht zu tun, in einer Stunde, die nach tausendjährigem Hader den heissen Wunsch aller Deutschen verwirklicht und erfüllt: Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ Unterschrift  (unleserlich) Rudolf Graf Abensperg und Traun Max Graf Coreth Rudolf Graf Hoyos Ferdinand Graf Piatti Peter Graf Revertera
Am gleichen Tag (24. März 1938) wendete sich Rudolf Hoyos in einer Rede zu den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Hoyos`schen Gutsbetriebe:„Im Einvernehmen mit unserem Gutsherrn, meinem Vater, und über dessen Auftrag richte ich heute in ernster schicksalshafter Stunde die folgenden Worte an Euch: „Bewegten Herzens … (Anm.: siehe die ersten zwei Sätze der vorher zitierten „Erklärung“). Im Sinne des Führers und seiner Bewegung … gilt es nun nach alter Gewohnheit ganze Arbeit zu leisten … Wir haben einen schweren oft verkannten Kampf gegen demokratische Korruption, gegen Eigennutz, gegen antinationales marxistisches Denken, gegen Wirtschaftsverderbnis, gegen Zerreissung des Volksganzen in Klassen und Parteien geführt … Wir freuen uns, dass nun nach dem historischen Umbruche auch unsere ursprünglichen Kampfziele im jungen nationalsozialistischen Deutschösterreich glückliche Erfüllung finden sollen. Unter den neuen Fahnen wollen wir in wohlgeordneter sozialer Zusammenarbeit opfermutige treue Mitkämpfer und Mitarbeiter sein. Unser Bekenntnis zu Volk, Reich und Führer, unser ganzes starkes Wollen werden wir Schulter an Schulter am 10. April, am Tag der Abstimmung des deutschen Volkes durch ein klares und offenes Ja besiegeln.  H e i l  H i t le r ! ” Wien, am 24. März 1938 (Unterschrift) Rudolf Graf Hoyos

Angesichts der Weltwirtschaftskrise und den daraus resultierenden Problemen, wäre eine Zusammenarbeit der beiden Großparteien von größter Wichtigkeit gewesen. Mit den Arbeitslosen stiegen die Zahl der Unzufriedenen und das soziale Elend. Wirtschaft und Industrie drängten auf Lösungen. Die von der österreichischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen (Großbauprojekte und Stützung der Preise für landwirtschaftliche Produkte) zur Bewältigung der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit blieben wirkungslos, da man an der Hartwährungs-und Sparpolitik festhielt. Dass es durchaus auch anders gegangen wäre, haben Länder, wie Großbritannien, Schweden und die USA vorgezeigt. Mussolini hatte mit dem italienischen Faschismus einen politischen „Erfolgsweg“ (Vernichtung des politischen Gegners, Wirtschaftsaufschwung) eingeschlagen, der vielen Staaten Europas mit instabilen politischen Verhältnissen und wirtschaftlichen Problemen nachahmenswert schien, so auch Österreich. Der „Duce“ hatte, seine politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgend, zunehmend in der österreichischen Innenpolitik mitgemischt und Dollfuß gedrängt, sein Erfolgsmodell auch in Österreich zu installieren, damit die Demokratie zu beenden und die Sozialdemokratie zu zerschlagen. Die Auflösung des Parlaments und die Februarkämpfe hatten Dollfuß dabei in die Hände gespielt. Die Heimwehren waren, zusammen mit Einheiten des Bundesheeres und der Exekutive, an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt. Sie (die Heimwehren) und die in ihnen wirkenden Adeligen vertraten einen faschistischen Kurs („Korneuburger Eid“). Dieser wurde nun auch eingeschlagen.

An den adeligen Netzen wird, kann einfach wie kurz gesagt werden, weiter gesponnen, wie es auch die Lostorffer Sommergespräche 2024 nahelegen. Wenn auch die Zitate zu Ferdinand Piatti den Eindruck erwecken, es ginge um ihn und seine Familie,

es ginge um die Vergangenheit, es ginge um den Adel,

so nur höchstens in einer Hinsicht, daß es nicht vergessen wird, damit es nicht vergessen ist, womit die Forderung seines Enkelkindes erfüllt sein sollte.

Worum es aber tatsächlich geht, ist die Gegenwart, für die Männer der Wirtschaftswissenschaft stehen, die in diesem Buch von Manfred Stadler über den österreichischen Adel auch genannt werden, die damals einen großen und also katastrophalen Einfluß auf die kanzlerdiktatorische Regierung in Österreich hatten, und eine Anbeterin dieser ökonomischen Zugerichtetheit könnte bald schon — dazu aber, weil es wesentlich für Gegenwart und Zukunft, ist ein eigenes Kapitel vonnöten …

Einst Pflichtlektüre in einer Volkskanzl

So weit wird es wohl nicht gehen, daß aus den Lehrplänen die Evolution, das Periodensystem der Elemente, Energiequellen verschwinden, wie in einem Land, das dennoch weiter als Demokratie verkauft wird, eine mit der sich noch weiter zu verbinden, kurz ist es her, auch der Österreichs Staatsspitze ein heißer Wunsch

Dies ist nicht das einzige Land, dessen Führer

beispielsweise die Evolution nicht mehr zu unterrichten wünscht

Und was in einem weiteren Land, das von seinem Führer auch weiter als Demokratie verkauft wird, alles nicht mehr, dies alles aufzuzählen, ist nicht notwendig, ein paar Klicks genügen, um auch über diesen Führer alles zu erfahren, was ihm keine Schule der Menschen mehr sein will.

Und seit es diesen Führer in einem weiteren Land gibt, ist manches zur Pflichtlektüre geworden, gewiß aber auch einiges,

das mit Bestimmtheit je keine Pflichtlektüre in der chinesischen Kolonie, aber, das würde nicht überraschen, auf einen Index

Und was auf einen Index kommt, ist im harmlosen Fall, wenn es denn so genannt werden darf, ein Aus-den-Regalen-Nehmen von Büchern mit finanziellen Einbußen für die Schreibenden,

im schlimmsten Fall zum Verbrennen, das für die Schreibenden selbst lebensbedrohlich werden kann, mit tödlichen Folgen.

Bei dem einen und anderem oben erwähnten Land setzt sich, auch in Österreich, die Begrifflichkeit durch, von „illiberalen Demokratien“ zu sprechen, wie zur Eigenberuhigung, „illiberal“ aber doch weiter „Demokratien“, mit denen sich zu verbinden, „Demokratien“ aber noch „liberale“ keine Verbiegung ihrer Demokratien, deren Gewissen weiter unbefleckt bleiben können. Von „liberaler Demokratie“ zu sprechen ist zum einen ein gedankenloses Nachsprechen der „Illiberalen“, die die Marke „illiberale Demokratie“ aufbrachten, eine „illiberale Demokratie“ ist keine Demokratie, und das hilflose Entgegentreten mit „liberaler Demokratie“ ist im Grunde schon die Aufgabe der Demokratie.

Denn. Demokratie ist Demokratie, ohne Beiwort, ohne Beschränkung, ohne Einhegung, sonst ist sie keine Demokratie.

Es gibt auch in Österreich

Begehren, noch bescheiden als Empfehlungen,

Anpreisungen als „Fundgrube“,

aber wenn die Volkskanzl kommen sollte, wieder gemacht und wieder nicht gewählt, dann könnte es auch zu Pflichtlektüren kommen; von den möglichen Spielplänen wurde schon erzählt …

Für die Erwachsenen in der Nacht zum Genuß auf der Bühne das „Melodrama Theodor Körner“ mit weberischen Gassenhauer und für Schüler als Pflichtlektüre; und wenn das Lehrpersonal modern, dann die Pflichtlektüre für Schülerinnen mit den Schwertmelodien von Carl Maria von Weber

Wenn dies eines Tages, stellen Sie sich vor, dies eines Tages an österreichischen Schulen, stellen Sie sich vor, Pflichtlektüre, dann ist es nicht unvorstellbar, daß es in Österreich so weit kommen kann, wie es jetzt schon in den illiberalen und also demokratielosen Staaten gekommen ist, auch in den Schulen …

Oberjäger. (Wickelt sich fest in seinen Mantel und legt sich bei dem Wachtfeuer nieder.) Der Lieutenant hat Recht ! Schlaft, daß morgen die Schwerter nicht bleiern wiegen. Gute Nacht !
Einzelne Reiter. (Durcheinander.) Gute Nacht !
Körner. (Tritt, sobald die Musik verklungen, vollständig gerüstet aus der letzten Coulisse links, geht, die Arme verschränkt, langsamen Schrittes zum Wachtfeuer, wo er im tiefsten Ernste die Schläfer betrachtet.) Wie sie so ruhig schlafen ! — — — — — — —
Ehe die Sonne ihre Höhe erreicht, ist Mancher der Erde entrückt ; Mancher steht vor seinem Richter, — Mancher ! – Mancher ! — — — — — Die üppige Blüthe kraftvoller Jugend ist für Viele zum Grabe gereift ; — Mancher, den jetzt ich noch, ein Bildnis der Vollendung, schaue, wird morgen verstümmelt auf dem Felde liegen, und unter den Hufen unserer Rosse den erlösenden Tod herbeisehnen ! — — — — — Und sie schlafen ! — — — — —

Hier schaue her, armes Vaterland, suche Hoffnung auf der Stirne dieser Schläfer ! Tritt her, herzlose Tyrannei, tritt her und zittere vor der strafenden Nemesis : Schau‘ auf diesen Mund, der eine Stunde vor der Schlacht lächend köstlicher Küsse gedenkt, sieh‘ diese Linke die gramgebeugte Eltern von sich drängt, während die tapfere Rechte an Schwertesgriff sich trotzend ballt !

Ja, Vaterland, deine Sache ist gerecht : Dieser Schläfer Handwerk ist blutig, doch schuldig sind sie nicht; sie wirst Du nimmer fragen, himmlische Gerechtigkeit : „Wer hieß Euch morden ?“ Nimmer wirst Du fragen : „Wieviel des Blutes klebte an Euren Schwertern ?“ — — Wer, den Fuß im Grabe, schlafen kann, wer in dem letzten Traume dieser Welt seiner Lieben gedenkt und abwehrend nach dem Schwerte greift, wer lächeln kann, wenn schon die Posaunen zum Gerichte rufen und der giftige Odem der Verwesung ihn umgibt, der kann nicht schuldig sein : Er siegt in der gerechten Sache, oder geht unter als Held ! — — Legt dem jungen Löwen Ketten an, — er wird sie tragen, dann wird er sie brechen, wie morsche Stränge, und Wehe dem, der der erwachten Natur entgegentritt: Mit seinem Leben muß die Tyrannei er zahlen !

Ein weiser Schöpfer gab dem Thiere den Drang nach Freiheit, — soll der Mensch sich knechten lassen ? –

Soll er im eisernen Joche Gesetze gehorchen, die eine fremde Hand dictirt?

Nein, nein, das willst Du nicht, Schöpfer des Löwen ; Du hast auch diese Brust geschaffen, Du kenn’st ihr Drängen und richtest nicht, wenn für Freiheit und Recht alle Saaten mit Blut getränkt, Du richtest nicht, selbst wenn eine Welt darüber zu Schanden ginge. — — — — — — — — — — —
Dem großen Werke habt Ihr Euch geweiht, frei wollt Ihr leben oder sterben den Helden auf den Trümmern einer Nation : So kämpfet denn, wie Männer, siegt oder fallet als Helden, und Euer Schlaf wird der der Unschuld sein, möge er auch währen bis zu dem jüngsten Tag ; — Ihr lebt und werdet ewig leben in dem Herzen einer dankbaren Nachwelt !

(Kleine Pause, während welcher Körner tief ergriffen nach dem Vordergrunde geht.)

Die Nacht ist schon weit vorgerückt und noch finde ich keine Ruhe !

(Setzt sich an den Fuß der Eiche und legt den Ezakow ab.)

Das Herz ist mir so voll, trübe Bilder beengen die Brust : Ich weiß nicht was, aber ich fühle ein Etwas in mir, das mich zur Wehmuth stimmt. — — Ist es Furcht ? — — Nein, nein: Bis jetzt habe ich sie nicht gekannt, warum sollte sie denn heute Raum gewinnen ? — — — Ist es der Gedanke an das Elternhaus ? — — Was mögen sie machen ? Wird der Vater, wie sonst, noch bei der Lampe sitzen und in Büchern und Acten sich vertiefen, oder ist er im Geiste bei seinem Theodor?

Wird die Mutter die Sorge um den Sohn im Schlafe vergessen haben, oder sitzt sie weinend auf ihrem Lager ? — — — Und Toni ? — — (Starrt gedankenvoll vor sich hin, fährt dann plötzlich betroffen in die Höhe.) Wer ruft ? Wer nennt meinen Namen ? — — — — — Niemand ? — — — Ich hörte deutlich „Theodor“ rufen und, wie mir schien, von lieber Stimme ! — — Giebt es Ahnungen ? (Kleine Pause, dreht sich dann erschrocken rasch um.) Ich komme ! Wer ruft ? (Geht suchend nach dem Hintergrunde, kehrt dann in den Vordergrund zurück; erschrickt plötzlich und ruft mit schmerzvoller Sehnsucht.) Toni ! — — — — — — (Mit unheimlichem Gefühle.) Keine Antwort ? — — — — Sollte es ein Lebewohl gewesen sein ? — — — — Dunkle Gottheit, darf die Seele den Leib verlassen, um den Geliebten zu umschweben ? — — — — — Giebt es Ahnungen ? — — — — — — — —

(Gefaßt, mit Gefühl.) Sollte es ein letzter Gruß gewesen sein, so lebet wohl, alle meine Lieben, lebt wohl und zürnt mir nicht : Ich konnte euch den Schmerz nicht sparen ! – Nicht jugendlicher Uebermuth zwang mir aus Euren Armen, nicht war es die Ehrfurcht, die mir die Leyer entriß und mit dem Schwerte mich waffnete, nein, es war ein heiliges Drängen, es war die Vaterlandsliebe, die mich in’s Feld geführt !

(Der Morgen dämmert.)

Die Erde, die unseren Hermann trug, war deutsche Erde, und deutsch soll sie sein, so lange ein deutscher Arm noch ringen kann : Für Deutschlands Freiheit zerschellte ich die Leyer, für Deutschlands Freiheit muß ich siegen oder bluten !

(Klopft auf die Brust.) Es ist hinweg, ich athme wieder frei ! (Setzt sich wieder an den Fuß der Eiche, und blickt gedankenvoll in die nach und nach emporsteigende Sonne.)

„Ahnungsgrauend, todesmuthig;
„Bricht der große Morgen an ;
„Und die Sonne kalt und blutig,
„ Leuchtet uns’rer blut’gen Bahn.
„In der nächsten Stunde Schooße
„Liegt das Schicksal einer Welt :
„Und es zittern schon die Loose,
„Und der eh’rne Würfel fällt !“

(Kleine Pause.)

Jetzt brichst du dir Bahn, hehres Licht ; rein, wie die Gottheit selbst, tritt’st du aus dem Nebelschleier neidischer Wolken und kündigst uns so freundlich die Gnade der allwaltenden Liebe ; doch, wenn dein Lauf vollendet, wirst du trüben Blickes scheidende Grüße auf ein Feld der Verwüstung senden, trauernd wirst du bleiche Lippen zum Abschiede küssen, um dann mit dem Schleier der Nacht das blutige Werk der eitlen Welt zu decken` — — — — — Vielleicht sind es auch meine Lippen, die du küssest ! — — — — —

(Er lehnt sich gegen den Eichbaum und nimmt aus der Brusttasche ein Notizbuch, in dem er liest und blättert; nach kleiner Pause schreibt er mit mehrfachen Unterbrechungen:

Es ist dies die Dichtung des Schwertliedes; eine säuselnde Musik hinter der Scene (conf. Partitut Kro. 5) begleitet den allmählig begeisterter werdenden Dichter mit der bekannten Melodie des Schwertlieds; um die in der Handlung entstehende Leere nicht zu fühlbar werden zu lassen, ist das Erwachen des Tages in möglichster Pracht und Ausdehnung zu geben, als: Sonnenaufgang, entferntes Glockengeläute; nach zwei Versen schweigt die Musik.)

(Trompetensignal hinter der Scene.)

(Körner wird weder durch das Signal, noch durch die Unterhaltung der erwachenden Reiter gestört, und dichtet ruhig weiter.)

Oberjäger. Heda ! Auf ! Der Hahn hat gekräht !
Alle. (Erheben sich dehnend und streckend.)
2 r Reiter. Das war ein göttlicher Schlaf !
4 r Reiter: Davon weiß ich just nichts zu sagen : Meine Knochen sind wie gerädert !
3 r Reiter: Das gewöhnt sich, Kleiner ! Der Schlaf war prächtig, nur ein Bischen kurz !
1 r Reiter. Gar nicht des Niederlegens werth !
Oberjäger. Kein Wunder, wenn man bis gegen Morgen tollt ; — doch jetzt zur Fütterung : Erst das Pferd und dann der Mann, das ist Reiter-Manier.
Alle. (Durch die letzte Coulisse links ab.)
(Kleine Pause, während welcher die Melodie des Schwertliedes von oben sich wiederholt ; nach einem Verse schweigt die Musik.)

„Der Freischütz“ am Jahrestag der Befreiung Europas

Am Jahrestag wurde zur Feier der Befreiung Europas „Der Freischütz“ uraufgeführt.

Es ist also nicht gleichgültig, was an einem bestimmten Tag gegeben wird, was an einem bestimmten Tag mit einer bestimmten Aufführung vermittelt werden will; was wohl die Wiener Staatsoper am Tag der Befreiung vermitteln möchte? „Der Freischütz“ wurde von ihr am Tag der Befreiung nicht aufgeführt, sondern —

„Der Freischütz“ wurde nicht am Tag der Befreiung vom industriellen massenmörderischen Nationalsozialismus gegeben, sondern am 18. Juni 1821 in Berlin, am Jahrestag der Schlacht von Waterloo 1815, als Feier von der Befreiung von einem kriegsmassenmörderischen Diktator. Und mit welcher Oper sonst hätten sie den Jahrestag der Befreiung feiern können, als eben mit dieser Oper, die, so heißt es, die „deutsche Oper“ begründete, die als die „erste deutsche Nationaloper“ bezeichnet wird, zu der vor rund einhundertachtzig Jahren die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ schrieb:

„Kinds und Webers Freischütz ist aber auch eine echt deutsche Oper. Ja, man kann in gewisser Hinsicht sagen, sie hat in sich selbst die erste in jeder Beziehung rein deutsche Nationaloper hingestellt. Die älteren Erscheinungen im Gebiete der deutschen Oper (natürlich ist hier nur von den bedeutenden die Rede) hatten fast alle irgendetwas Fremdartiges, Nichtdeutsches an sich, sei es in der Musik oder in den Büchern.“

Zum „Freischützen“ fällt Ludwig Börne vor rund zweihundert Jahren dies ein:

Es ist eine Deutsche volkstümliche Musik, wie wir doch eigentlich noch gar keine haben.

Wer kein Vaterland hat, erfinde sich eins! Die Deutschen haben es versucht auf allerlei Weise […] und seit dem Freischützen tun sie es auch mit der Musik. Sie wollen einen Hut haben, unter den man alle deutschen Köpfe bringe. Man mag es den Armen hingehen lassen, dass sie sich mit solchen Vaterlandssurrogaten gütlich tun.

Dieses „Vaterlandssurrogat“ wird nun, mehr als zweihundert Jahre später, in Bregenz gegeben, die Premiere war am 17. Juli 2024 — desselben Tages wird der „Welt-Emoji-Tag“ gefeiert …

Es wird vielleicht bald die Zeit kommen, wenn die Volkskanzl hinter verschlossenen Türen ungewählt ausgemacht, in der Carl Maria von Weber selbst

auf der Bühne zu erleben sein wird, wenn die Werke zu Theodor Körner Wiederauferstehung feiern werden,

die namensgleiche Oper in der Wiener Staatsoper,

die namensgleiche „biographische Handlung“ im Burgtheater, in der dann Carl Maria von Weber als eine der „stummen Personen“ —

und das namensgleiche Melodrama in der Volksoper

Carl Maria von Weber als „stumme Person“ in der „biographischen Handlung“ braucht nicht zu reden, es sprechen in dieser für ihn seine Noten, die er geschrieben zum „Schwertlied“; es waren dies nicht die einzigen Noten, die er körnerischen Gedichten beisetzte. Wie er wohl reagiert hätte, wäre er im Melodrama gesessen und hätte seine „Schwertlied“-Noten gesungen gehört, aber ungenannt, nicht einmal als „stumme Person“ angeführt, hätte er die Bühne gestürmt, unter Rufen „Das Schwertlied bin ich!“?

Vielleicht hätte er, Carl Maria von Weber, auch geklagt, seine „Lützows wilde Jagd“ fehle in diesem Melodrama der Reiter, Lützows reitenden Jägern

Zuschauerraum und Scene gleichen genau dem Burgtheater zu Wien am Abend des 31. Dezember 1812 bei der historischen ersten Vorstellung von Körner’s „ Zriny „. Man giebt, möglichst treu und Art nachahmend, gerade die letzte (siebente) Scene des letzten Aktes. Man hat sich vorzustellen, dass die Tragödie zum ersten Male aufgeführt wird. Die vorhergehenden Akte haben die volle Symphathie des erwartungsvollen Publikums gefunden, das bereits bewegt und zum Enthusiasmus angeregt ist. Unter grösster Stille hebt sich der Vorhang.

So beginnt die „biographische Handlung“. Und wenn es wieder aufgeführt wird, wird wohl bald die Forderung erhoben werden, den ganzen „Zriny“ auch zu geben, statt das Stück von einem späteren Dichter, der die

Anna und Olga gehen nach dem Begräbnis des Vaters nachhause; Professor Robert Schuster, ihr Onkel, bleibt im Hintergrund, ist noch nicht zu sehen; aber man sieht das Burgtheater im Nebel

Burg bloß von außen — Aus dem Burgtheater ist er, Körner, gekommen, oder, wie es in der „biographischen Handlung“ geschrieben, in seinen Worten:

Ich bin aus Oestreich’s Kaiserstadt gekommen, so wie ich dorten Lützows Ruf vernommen, dem Freiheitskampfe hab‘ ich mich geweiht, in ihm zu sterben seht Ihr mich bereit.

Zu was er gerufen, das verschweigt er nicht.

Und daß, wenn Deutschland einig blieb, es einer Welt Gesetze schrieb“. Doch wollen wir im Tod und Leben des eignen Muthes uns erfreu’n. „Und mögen gold’ne Schurken beben, und sich vor Kraft und Tugend scheu’n und mit der Feigheit Schwindeldreh’n vor dem erwachten Volke steh’n – es kommt die Zeit zur guten Sache, zur Freiheit, zum Tyrannnentod. Du wirst die Feinde doch erschlagen, dein deutsches Land befrei’n! Liegt auch der Tag noch Jahre weit,“ es kommt die Zeit, die rechte Zeit, „die rechte Zeit zur guten Sache“, zur Freiheit, zum Tyrannentod. Du treuer Gott, verwalt‘ es gut!“ „Und färbt die deutschen Ströme roth mit Sclavenblut und freiem Blut im Kampfe für das höchste Gut! Du treuer Gott, verwalt‘ es gut.“

Kaum daß die Rede von der bregenzerischen Bühne herab beginnt, ist es auch schon vorbei mit dem Zuhören, verleitet die Vorfreude auf den „Freischützen“ am „Welt-Emoji-Tag“dazu, mit Carl Maria von Weber und Theodor Körner in die Vergangenheit der Gegenwart … Von der Rede aber wird doch etwas im Gedächtnis bleiben: „Das mit dem Dirigenten. Das hat schon was. Wenn man da am Pult steht und alle machen genau das, was sie machen sollen.“ Und auch das, die Einführung des Redenden durch den „Teufel“: „Doch wen sehe ich denn dort? Ist das der neue Dirigent? Ach quatsch, der Bundespräsident.“

„Entdeutschen“

Was für ein Witz!

Was für ein Witz auch dieser Ein-Satz-Witz doch ist. Der unbedingt zu erzählen ist:

Harald Vilimsky liest Gerald Grosz, um „seinen Horizont doch deutlich zu erweitern“.

Die Pointe in diesem einsätzigen Witz

„seinen Horizont doch deutlich zu erweitern.“

ist von Hararld Vilimsky selbst, so viel Ehre, ihn als Urheber zu nennen, darf ihm unumwunden zugestanden werden.

Ein Meister des Witzes ist gesinnungsgemäß Gerald Grosz,

der Brunnen des Witzes, aus dem ganze Bücher des Witzes, dessen Pointen er mit seinem Knicker zuspitzt, heraussprudeln, hochgepumpt vom Wolfgang Dvorak-Stocker, der die hochgepumpten Witze eimerweise in Bücher gießt, und wenn

Wolfgang Dvorak-Stocker mal keine Eimer voll Bücherwitze aus dem Brunnen zieht, versucht er sich selbst als Witzeschreiber

daß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.

mit einem Horizont, der an den von Harald Vilimsky nicht heranreicht, obgleich sie beide, Vilimsky wie Dvorak-Stocker aus demselben Brunnen der Horizonterweiterung schöpfen, aber Dvorak-Stocker dürfte im Gegensatz von Vilimsky Nietzsche gar nicht kennen, gar nie gelesen haben, der schreibt:

Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen. —

Das, worin man die nationalen Unterschiede findet, ist viel mehr, als man bis jetzt eingesehen hat, nur der Unterschied verschiedener Culturstufen und zum geringsten Theile etwas Bleibendes (und auch dies nicht in einem strengen Sinne). Deshalb ist alles Argumentiren aus dem National-Charakter so wenig verpflichtend für Den, welcher an der Umschaffung der Überzeugungen, das heißt an der Cultur arbeitet. Erwägt man zum Beispiel was Alles schon deutsch gewesen ist, so wird man die theoretische Frage: was ist deutsch? sofort durch die Gegenfrage verbessern: „was ist jetzt deutsch?“ — und jeder gute Deutsche wird sie practisch, gerade durch Überwindung seiner deutschen Eigenschaften, lösen.

Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedesmal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab: bleibt es bestehen, verkümmert es, so schliesst sich ein neuer Gürtel um seine Seele; die immer härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Hat ein Volk also sehr viel Festes, so ist dies ein Beweis, daß es versteinern will, und ganz und gar Monument werden möchte: wie es von einem bestimmten Zeitpuncte an das Ägypterthum war. Der also, welcher den Deutschen wohl will, mag für seinen Theil zusehen, wie er immer mehr aus dem, was deutsch ist, hinauswachse. Die Wendung zum Undeutschen ist deshalb immer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes gewesen.

1879, vor einhundertundvierundfünfzig Jahren schrieb dies Friedrich Nietzsche in seinem Buch, das von ihm bestimmt „für freie Geister“ … Es ist menschlich, allzumenschlich, als Freier von Geist kein Buch, das für freie Geister ist, je in die Hand nehmen zu wollen und noch weniger, es zu lesen.

Harald Vilimsky hingegen hat einen Merchandisingartikel erworben: die Nietzsche-Peitsche, die er als seine Zunge sich hat einsetzen lassen, und ganz in Bewunderung dieser von ihm selbst vorgenommenen Transplantation kann Petra Steger ihn dafür nur mit einem „Danke, lieber Harald!“ grüßen, und die der Zungenpeitscherei beiwohnenden Journalisten darüber ganz und gar in Wunderung erstarrend verbleibt den Journalistinnen nur eines, ergriffen dazu zu schweigen, der Peitschennummer angemessen dem Zungenpeitschenakrobaten und seiner ihn dabei assistierenden Truppe ernsthafte Fragen zu stellen.

Hans Rauscher hätte das als Rezension der Zungenpeitschennummer gar nicht mehr fragen müssen: „Was tun mit Vilimsky?“ Und auch seine Antwort hätte er nicht mehr schreiben müssen: „Frauenhasser mit Kalkül gehören konsequent bekämpft – nicht nur von den Frauensprecherinnen anderer Parteien.“ Am 19. Juli 2024. Denn. Auf die Frage wurde ja im Angesicht der Zungenpeitsche von den Journalistinnen unmißverständlich reagiert. Die Antwort gaben ja im Angesicht der Zungenpeitsche eindrucksvoll die Journalisten.

Es ist, und auch das ist Harald Vilimsky zuzugestehen, eine wahre Horizonterweiterung, den Untertanen zu lesen, eine wahre Quelle der Erkenntnis, Absatz für Absatz, Kapitel für Kapitel … Petra Steger würde wohl Gerald Grosz nach seiner Lesung einer Passage aus dem Untertanen mit seiner Hauptfigur als Vorgestalt und Nachgestalt mit Danke, lieber Gerald! zuwinken …

Allein schon der Beginn, nicht nur erkenntnisreich, nicht nur horizonterweiternd, sondern auch eine Freude des Lesens:

Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gnom und schielte her!

Leitformel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“

In der Pressekonferenz von Susanne Raab, Wolfgang Mazal und Johannes Klotz um ihre für sich genannte „österreichische Leitkultur“ wurde u. v. a. m. die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ sehr betont, deshalb wohl wird in dieser Vorstellung Susanne Raab von Elisabeth Wenger-Donig, Leiterin „Abteilung V/B/10 (Rückkehr, Reintegration und Qualitätsentwicklung)“ im Bundesministerium für Inneres, ständig als Frau „Bundesminister“ angesprochen, an diesem 25. Juli 2024.

Elisabeth Wenger-Donig, für die eine Bundesministerin ein „Bundesminister“ ist, spricht in dieser raabischen Vorstellung viel von Integration und mehr noch von Verpflichtung. Beim Lesen ihres Aufgabenbereiches aber stellt sich die Frage, wo soll die Integration, gar die „Verpflichtung Integration“ denn erfüllt werden? In Österreich selbst nicht, jedenfalls nach ihrem Aufgabenpflichtenheft, in dem „Rückkehr und Reintegration“ festgeschrieben .– in anderen Staaten also hat, sofern „Rückkehrende“ in diesen je schon einmal integriert gewesen sein sollten, und wenn sie nicht integriert gewesen sein sollten, dann wäre die „Reintegration“ eine Integration; soher ganz im Sinne von „Bundesminister“ Raab, soher hätte „Bundesminister“ Raab, wenn in der raabischen Veranstaltung von „Integration“ gesprochen wird, keine falsche Begrifflichkeit angewandt.

„Integration“ somit auf den Punkt gebracht, zu berechnen nach der wissenschaftlich erstellten christschwarzen Formel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“.

Für „Rückkehr“ wird jetzt oft ein Fremdwort verwendet, und das steht diesem Land gut an, ist es doch, wie Kunschaks Andenkenmann in dieser raabischen Vorstellung sagt, eine Tradition in diesem Land, offen zu sein für Neues, und wie offen es in diesem Land zugeht, das belegt das nun oft verwendete Fremdwort „Remigration“ … Für Neues offen zu sein, nachgerade ein Brauchtumsfest in diesem Land, wie etwa das Martinsfest, von dem der Andenkenmann in dieser raabischen Vorstellung auch erzählt.

Aufgaben
1. Leitlinien, Grundsätze und Koordination in Angelegenheiten der Rückkehr, einschließlich freiwilliger Rückkehr und Reintegration;
2. Fachaufsicht in Rückkehr- und Qualitätsfragen gegenüber dem BFA
3. Interministerielle Koordination einer gesamtstaatlichen Rückkehrpolitik
4. EU-Acquis im Bereich Rückkehr, einschließlich Koordination der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben und Zusammenarbeit mit EU-Mitgliedstaaten, Partnerstaaten, Agenturen und internationalen Organisationen in Rückkehrangelegenheiten sowie Kooperation mit GDISC
5. Fachliche Vertretung in nationalen, europäischen und internationalen Gremien und Arbeitsgruppen im Zusammenhang mit Rückkehrangelegenheiten
6. Angelegenheiten der Auswanderung von Fremden, Asylwerbern, Flüchtlingen und Kriegsvertriebenen

„Bundesminister“ Susanne Raab hat sich für diese Vorstellung den rechten Mann zur Seite gestellt. Wolfgang Mazal, der viele, viele Jahre „Vorsitzender der Wissenschaftlichen Begutachtungskommission beim Leopold-Kunschak-Preis“ – und wer,

wer könnte besser als er ein handelnder Zeuge gegen den Antisemitismus sein?

Denn auch der „Kampf gegen den Antisemitismus“ wurde in dieser Vorstellung von „Bundesminister“ Raab recht betont. Leopold Kunschak, der „österreichische Streicher“, Inbegriff der Antisemitin

Aber nicht nur dafür wird „Bundesminister“ Raab sich Wolfgang Mazal zur Seite geholt haben. „Bundesminister“ Raab ist ein umsichtiger, ein österreichisch brauchtumsgeeichter „Bundesminister“. Und wenn es um „Kürzungen“ geht, braucht ein „Bundesminister“ eine Expertin an der Seite, und es geht um „Kürzungen“, „Kürzungen“, „Kürzungen“ …

Auch dafür ist Wolfgang Mazal eine rechte Expertin, sozusagen eine Leitkulturfrau des Sozialen, wie erinnert werden darf, die auch schon beratend tätig für kurz gewesene Bundeskanzlerin war: „Um der Kürzung der Mindestsicherung in Österreich zu entgehen – Ein Rat“

Das Verhalten der Menschen wird in der Vorstellung der Leitkultur doch sehr betont, und Wolfgang Mazal auch dafür eine Expertin, eine gar weise Expertin, die mit Rat zur Seite stehen kann, wenn es darauf ankommt, wie einst unter der für kurz gewesenen Regierung: „Für mich wäre es wichtig, daß auch alle arbeitsrechtlichen Kollegen ein bißchen leiser treten.“

Und wer leiser tritt, braucht auch kein „Fleisch“, dann reichen auch „Kraut und Kartoffeln“, wie schon, und das gehört wohl zum bewahrenden Leitbrauchtum, Leopod Kunschak gütig riet.

Und nicht zu vergessen, Wolfgang Mazal mit einer sagenhaften Breite der Wissenschaftlichkeit, mit der Mazal die Regierungsverhandlung begleitete, jene die kurz —

Und was wäre eine Bioethik-Kommission denn für eine Bioethik-Kommission ohne Wolfgang Mazal?

So wie heutzutage gewußt wird, daß Streicher für Rabauken-Antisemitismus steht, wird heutzutage auch gewußt, daß nur ein Name genannt zu werden braucht, um zu wissen, daß es sich hierbei um Antisemitismus …

Und ein Mann, diesmal nicht in Österreich, tut sich dabei recht hervor, und zu dem Mann ist in diesen Tagen ein Mann aus Österreich,

Herr Bundesministerin, Chefin der Leiterin der Abteilung für Rückkehr und Reintegration, auf dem Weg, zu einem Mann, der, es ist noch nicht so lange her, in Wien zu Besuch war, um Herrn Bundeskanzlerin das Leitkulturelle zu erklären, ihm das „Gemischtrassige“ zu interpretieren.

Abschließend soll doch Wissenschaftlerin Mazal zitiert werden, mit dem was sie u. a. m. in dieser Pressekonferenz sagt:

Andere Orte des öffentlichen Raums sind aber auch Plätze im Stadtgebiet, wo man sich aufhält, sind Wälder, wo man als Jogger usw. sich mit einem gewissen Verhalten anderer rechnen können muß, damit das Zusammenleben funktioniert. […] Die Zivilgesellschaft ein ganz wichtiger Punkt, wo Werte erfahren werden. […] Primär zunächst einmal in der Familie transportiert werden, in einem weiteren Sinn Familie, das ist nicht nur Vater, Mutter, Kind, das ist von Großeltern, Onkel, Tanten, was auch immer dazugehört.

Die Olympe aus der patriotischen Mannschaft für die Nationalratswahl wird hierzu wohl nur zustimmend nicken können, daß zur Familie nicht nur „Vater, Mutter, Kind“ gehören, sondern auch „Großeltern, Onkel, Tanten“ und sich selber bestätigen, wie sehr ihr, Herrn Klubdirektorin, die Ehe aus 1811 besser gefalle als die jetzt „privilegierte Ehe“

Alles hin

Mit einem kleinen Gebirgsjäger präsentiert an diesem 24. Juli ’24 die patriotische Parlamentspartei Österreichs ihre „Mannschaft“ für die Nationalratswahl am 29. September 2024 in Österreich, und sie spricht dabei von einer „Wende“, daß gefragt werden kann: „Wende wohin?“ Die Antwort gibt sie selbst, so einfach wie kurz: „Wende hin“ …

In Österreich drückt „hin“ nicht die Richtung aus, weder räumlich noch zeitlich noch inhaltlich, sondern wie es in seiner gar nicht so geheimen Hymne „O, du lieber Augustin“ besungen wird: „Alles ist hin“. „Hin“ steht umgangssprachlich für: „verloren, weg, defekt, kaputt, unbrauchbar, erschöpft, tot“. Damit ist im Grunde alles gesagt, was diese „Mannschaft alles zu geben“ hat, jeher ihr Versprechen, „alles dafür zu geben“.

Dafür stehen namentlich, um lediglich einige aus dieser zwanzigköpfigen Mannschaft stellvertretend, exemplarisch vorzustellen.

Eine als Gebirgsjäger sie anführende Spitze, die eine compacte Verteidigerin der Festung auf dem Flachlande …

Hinter ihr gleich die Parteipolitkommissarin mit der für sie geforderten Sonderaufgabe Remigration.

Hinter ihr gleich einer, der recht weiß, wer Verantwortung und Schuld, wenn es darauf ankommt, auf sich zu nehmen hat.

An vierter Stelle schon die Parteipolitsagerin: „Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“

Hinter ihr gleich der Willkommensgrüßer

An sechster Stelle schon die Alles-für-den-freien-Markt, deren Team meint, sie klinge wie Zarah Leander, vielleicht zu oft auf Teeparties gewesen, auf denen vielleicht zu heiß diskutiert, wer die „wahren Barbaren“

An neunter Stelle ein Olympe, ein Solidarisierer, einer, dem die „Rechtslage aus 1811 besser gefällt„, der auch schon bei der letzten „Wende hin“ dabei war, mit am Verhandlungstisch saß, als eine, einfach wie kurz gesagt, Regierung der Veränderungen ausgemacht wurde.

An elfter Stelle ein Spitzensteuersatzmeister

An dreizehnter Stelle Der-von-der-identitären-Fahne-Begrüßte, der als ein so recht, recht Liberaler sie „erfrischend charmant“ findet, er eben einfach ein Spaziergänger der alten Mannschaft wenn die Korona bei Sonnenfinsternis

Gleich hinter ihm die Moderatorin am Meer, wo ihr der Gebirgsjäger ein „Fels in der Brandung“ …

An siebzehnter Stelle nicht der Umvolkungsvater, der Sohn, der Sohn … der Sohn, der recht mehr noch als sein Tate weiß über seine Parlamentspartei, die schon gewesen für kurz Regierungspartei

Es wird
Was es war
Die Wende
Alles hin

Patriotische Parlamentspartei zwischen „Haxenspreizer“ und „Peitsche“ – „Sollen sie alleine mit der Glocke bimmeln.“

Was war das noch für eine patriotische Parlamentspartei, die vor zehn Jahren, angeführt von Dagmar Belakowitsch, einen Entschließungsantrag im österreichischen Parlament einbrachte,

der „Haxenspreizer“ solle nicht mehr beworben und ausgeschenkt werden.

Zehn Jahre später enthält sich das patriotische Trio, angeführt von Harald Vilimsky, bei der Verabschiedung eines Gesetzes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen,

und das ist authentischer Patriotimus — wer mit der „Peitsche“ knallen will, kann nicht für ein Gesetz zur Bekämpfung von Gewalt stimmen. Einerseits.

Andererseits hätte das patriotische Trio dem Gesetz zur Bekämpfung von Gewalt durchaus zustimmen und dabei mit überkreuzten Fingern den Leitsatz ihrer Dagmar Belakowitsch beschwören können: „Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“

Was war das noch für eine patriotische Partei vor zehn Jahren,

als sie im österreichischen Parlament gegen den „Haxenspreizer“ auftrat,

es war die patriotische Partei zehn Jahre später, die nicht einen Entschließungsantrag für Frauen einbrachte,

es war die patriotische Partei, wie sie heute weiter gekannt wird, die vor zehn Jahren im österreichischen Parlament die Gewerkschaft mit „Haxenspreizer“ anschüttete …

Wolfgang Dvorak-Stocker: „[D]aß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.“

Der Mann, der am vorgestrigen 20. Juli in langen Hosen die touristische Gruppe auf dem Platz mit dem antifaschistischen Mahmal befehligte, dankte am 3. April ’24 artig Dr. Wolfgang Dvorak-Stocker vom

staatlich höchst ausgezeichneten Leopold-Stocker-Verlag in Österreich für die Besprechung des Buches

von dem Mann in langen Hosen als Reiseführer, dessen Namen belanglos ist, im Gegensatz zu dem steiermärkischen Verlagsmann, der nicht nur in das österreichische Parlament eingeladen wird, sondern für dessen Bücher auch der Präsident des Parlaments wirbt.

Es ist die gesinnungsgemäße Besprechung des Buches von einem bedeutungslosen Mann, die Dr. Wolfgang Dvorak-Stocker in seinem „Abendland“ unter Verwechslung von alt und neu der „neue[n] Ordnung“, auf die nicht weiter eingegangen zu werden braucht, abliefert, der selbst,

wenn es ihn zu einem Spaziergang drängt, ausgerüstet mit Regenschirm, sich solchen Gruppen anschließt, wie der vorgestrigen auf dem Platz mit dem antifaschistischen Mahnmal, der wohl gänzlich geschichtsvergessen

oder gänzlich absichtlich oder gänzlich absichtlich einer eigenen Geschichte frönend am 20. Juli der Platz mit dem antifaschistischen Mahnmal für ihre Demonstration genehmigt wurde, weil die für diese Genehmigung verantwortlichen Genehmigenden in der zuständigen österreichischen Behörde möglicherweise der Meinung sind, diese Gruppe präsentiere den neuen Antifaschismus, ganz nach dem tiefen Worte des für kurz gewesenen Innenministers …

Eines aus der Besprechung des Wolfgang Dvorak-Stocker ist doch zu zitieren, weil er damit doch noch einmal bestätigt, daß von dem reiseführenden Mann in langen Hosen nicht von einem „Vordenker“ gesprochen werden kann, wie erst unlängst eine Tageszeitung des österreichischen Medienstandards es tat, sondern er bloß ein Nachhechelnder ist.

Dabei ist die „Remigration“ bereits seit langem eine stehende Forderung rechter Parteien. Nicht nur die FPÖ und die AfD benutzen den Begriff, auch von Zeitungen und Zeitschriften wie „ZurZeit“, „Freilich“ oder den „Burschenschaftlichen Blättern“ (die von vielen CDU-Mitgliedern gelesen werden) wurde die Idee der Remigration bereits mehrfach aufgegriffen und präsentiert.

Wolfgang Dvorak-Stocker schreibt mit seiner Besprechung gegen das Berichtete an

[…] schreibt weiter: „Remigration ist, anders als von Medien und Altparteien-Politikern behauptet, kein Deportationsprogramm. Es finden keine Vertreibungen oder Willkürmaßnahmen statt. […]

und bestätigt unmittelbar anschließend zitierend, deshalb ist es zu zitieren, zugleich das Berichtete:

Abschiebungen finden ausschließlich bei ausreisepflichtigen Staatsbürgern statt.“

Der bedeutungslose Mann in langen Hosen als Reiseführer dankt untertänigst für die „interessanten Ergänzungen“ des Wolfgang Dvorak-Stocker, der „denkt auch einige Schritte weiter“ … Weiter als ein Nachhechelnder zu denken, sogar mehr als einige Schritte, nun ja, Wolfgang Dvorak-Stocker wird auch weiter denken als jener Mann, von dem er wieder ein Buch herausbrachte, über den seinen perfekten Untertanen

Man kann auch einen Schritt weiter über den von […] vorgestellten Plan hinausgehen und fordern, daß Personen, die sich legal in Deutschland oder Österreich aufhalten und sogar die hiesige Staatsbürgerschaft erworben haben, […] Schon diese Gedanken gehen weiter als der von […] vorgestellte und von Alice Weidel unterstützte Remigrationsplan –

daß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.

Ein „Vordenker“ ist Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker ebenfalls nicht zu nennen, aber auch nicht ein Nachdenker, wenn es u. v. a. m. um „deutscher werden“ geht, worauf in einem weiteren Kapitel noch zu sprechen kommen sein wird, ein Nachhechelnder, gerade einmal ein wenige Schritte Vorhechelnder für einen Mann ohne Bedeutung (for a man with no importance) als Reiseführer in langen Hosen, der vor allem Männern in kurzen Hosen vorsteht …

20. Juli in Wien – Demonstration der touristischen Vielfalt

Es bot sich an, an diesem Samstag, dem 20. Juli ’24, einen Spaziergang durch die Innere Stadt Wiens, durch den ersten Bezirk der Bundeshauptstadt Österreichs zu machen, einfach nur, wieder einmal zu schauen, was für Menschen Wien besuchen.

Es lohnte. Denn es gab viel zu sehen. Es war eine Demonstration der touristischen Vielfalt und scheinbar neuer touristischer Moden.

Alte Männer und alte Frauen, mit grauen langen Haaren und schon schwer zu Fuß, in Jacken mit der Aufschrift „Jesus Christus – Weg Wahrheit Leben“, erschöpft von der langen Anreise wohl auf Motorrädern, und wer weiß, von wo weit sie herkamen, wie weit ihr Fußmarsch in die Innere Stadt schon war, von dem Platz, auf dem sie ihre Maschinen abstellten. Sie gingen still vor sich hin, keine Gesänge, keine Sprüche.

Und dann gab es die Männer und Frauen einer Gruppe, die gemeinschaftlich angereist war, offensichtlich aus Deutschland, in einem Bus, vielleicht auch in einer Motorradkolonne oder in einem Konvoi kleiner Personenkraftwagen in Fahrgemeinschaften; eine Gruppe, die recht lange braucht, um sich zu akklimatisieren, sich zu orientieren, wo sie sind. Denn. Sie hielten sich schon längere Zeit in der Inneren Stadt Wiens auf und waren doch noch ganz in Deutschland: „Faeser raus“ riefen die Männer und Frauen dieser Gruppe, immer wieder „Faeser raus“, als wäre sie eine Demonstration, in Deutschland.

Es wurde leider verabsäumt, eine Frau oder einen Mann dieser Gruppe zu fragen, ob es sich bei einem solchen Ruf um eine neue touristische Mode handeln würde, um einander nicht zu verlieren, um sich in der besuchten fremden Stadt nicht zu verlieren. Der Mann in kurzen Hosen mit seinem akkuraten Scheitel und seinem abgeschirmten Unterleib hätte gefragt werden können, aber er hätte wohl geschwiegen. Denn. Das muß auch so eine neue touristische Mode sein, daß der Reiseführer, und es war ein Mann, sogar in langen Hosen, verkündet, ehe die Gruppe zur touristischen Besichtigung der ihr unbekannten Stadt aufbrechen, die Gruppe anweist, nicht zu sprechen, mit den Medien, das sei einzig wenigen Auserwählten der Gruppe vorbehalten, und der junge Mann in kurzen Hosen wäre wohl in Verlegenheit geraten, dürfe er mit keinem Menschen sprechen, der nicht zur Gruppe gehört, oder nur mit keinem Menschen der Medien. Auch das eine ganz neue Erfahrung, daß eine touristische Gruppe oder die Reiseführerin einer touristischen Gruppe meint, Medien würden sich für sie interessieren, sie bei ihrem touristischen Gang begleiten.

Der junge Mann in kurzen Hosen mit dem gescheitelten Kopf wäre wohl gleich zu seinem Reiseführer gelaufen, um sich zu erkundigen, ob er darf oder nicht. Es war gut, ihn nicht zu fragen, es ihm erspart zu haben, ihn in einen Gewissenskonflikt zu bringen. Aber auch etwas zu lange überlegt, ihn zu fragen oder ihn nicht zu fragen, denn schon ist sein Reiseführer da, nimmt ihm den Regenschirm ab, wirft diesen auf die Ladefläche, gibt dafür dem Mann in kurzen Hosen einen mit einem gelben Fetzen umwickelten Stock, betraut ihn offensichtlich mit einer neuen Aufgabe. Jetzt war klar, der Mann in kurzen Hosen kann nicht befragt werden. Es wäre zu viel für ihn gewesen, eine neue Aufgabe und dann auch noch eine Frage eines Menschen, von dem er nicht weiß, ist dieser von einem Medium oder wie er ein zum ersten Mal diese Stadt besuchender, jedenfalls keiner, das hätte er vielleicht selbst gleich erkannt, aus der Gruppe „Jesus Christus – Weg Wahrheit leben“

Der Regenschirm auf der Ladefläche des mitgeführten Kleinlastwagens bringt die Vermutung auf, ob diese Gruppe gemeinschaftlich eng beieinander hockend auf der Ladefläche ihres Kleinlastwagen nach Wien angereist waren, mit diesem direkt in die Innere Stadt geführt worden waren, um ihnen den langen Fußmarsch zu diesem Platz in die Innere Stadt zu ersparen, es ihnen leicht zu machen, verlangen doch touristische Menschen, ist neuerdings öfters zu hören, die größte Bequemlichkeit.

Mit dieser letzten Vermutung endete der Spaziergang durch die Innere Stadt Wiens am 20. Juli ’24; es war alles in allem ein doch recht kurzer Spaziergang – genug gesehen von scheinbar neuen touristischen Demonstrationsmoden. Mit der Vermutung wurde der Spaziergang beendet, diese Gruppe mit dem Kleinlastwagen müsse von ihrem Reiseführer wohl recht auf ihren Wienbesuch vorbereitet worden sein, denn sie schwenkten nur gelbe und schwarzen Fetzen, nackte schwarze und gelben Fetzen, auf denen kein einziges Symbol.

Wie lange sich — ein letzte Frage zu dem vor kurzem in der Innenstadt Gesehene, dabei längst schon wieder daheim in Ottakring — wohl diese touristische Mode halten wird, daß nicht die Reiseführerin einen Regenschirm in die Höhe hält, um die Gruppe beieinander zu halten, sondern die Geführten Fetzen auf Stöcken schwenken, um den Reiseführer nicht den Anschluß — —