Für eine Medaille Afritz am See in Sochi umgesiedelt, unbelohnt, zerstört

Es wird in Österreich nun sehr gejubelt, über die ersten gewonnenen Medaillen in Sochi, vor allem über die Abfahrtsgoldmedaille – die Kronjuwelen in Österreich … Es würde heute nicht wundern in Österreich Schlagzeilen zu lesen zu bekommen, wie „Wir sind Medaille“.

Sochi Arbeiter näht sich Mund aus Protest zu - Welt-deWährend die Schlagzeilen der Wahrheit entsprechend lauten müßten: „Wir sind Ignoranz„.

Was hier über die Kronjuwelen geschrieben wird, ist stellvertretend und beispielhaft für jede Olympia-Medaille geschrieben. Matthias Mayer ist nur stellvertretend und beispielhaft für die Sportler und Sportlerinnen hier genannt, deren Leistungen derart bejubelt werden, die von jedweder Verantwortung freigesprochen sind – als wären sie alle Vollentmündigte und einem Regime der Vormundschaft unterworfen …

Zwangsräumung und Zerstörung eines Haus einer Familie mit Kleinkindern

Die Zwangsräumung und die Zerstörung des Hauses dieser Familie mit kleinen Kindern …

Wahrscheinlich muß man die Dimension der Zerstörung wegen einer vierzehntägigen Veranstaltung auf ein handfestes und verstehbares Beispiel herunterbrechen, damit in diesem Österreich verstanden wird, wie groß das Ausmaß der Zerstörung ist, was die Zerstörung beispielsweise für Menschen aktuell in Sochi bedeutet.

Matthias Mayer wohnt in Kärnten, Afritz am See. Afritz am See hat rund 1500 Einwohner und Einwohnerinnen. Bereits in China, um ein Beispiel aus der jüngsten aus der Vergangenheit anzuführen, wurden für Olympia Tausende von Menschen zwangsumgesiedelt, offiell wurde zugegeben, 6.000 Menschen zwangsumgesiedelt zu haben, das heißt ganz Afritz am See verschwand für Olympia viermal vom Erdboden. Nicht anders wird es in Brasilien für Fußball-WM und Olympia sein: geschätzte 170.000 Menschen sollen dort von gewaltsamen Räumungen betroffen sein – Einhundertdreizehnmal Afritz am See …

Sochi Stundenlohn 1 Euro 16 Cent

90 Prozent gar nicht oder nur teilweise den Lohn bekommen haben. Stundenlohn 1,16 Euro.

Und auch in Sochi ist es nicht anders. Ohne Entschädigungen. Das heißt Raub. Rund 2.000 Familien wurden umgesiedelt. So viele Familien gibt es in Afritz am See nicht. Da müssen noch umliegende Dörfer mit umgesiedelt werden, um auf diese Zahl zu kommen.

Wahrscheinlich muß in Zeiten, in denen olympische Ringe die einzigen funktionierenden Synapsen sind, besonders veranschaulicht werden, was es heißt, wenn das eigene Haus geraubt wird, aus dem eigenen Haus vertrieben zu werden, zu sehen, wie das eigene Haus zerstört wird. Ein Haus läßt sich nicht so leicht bauen, auch in Afritz am See. Wie viele auch in Afritz am See werden ein Leben dafür aufgewendet haben, um zu einem eigenen Haus zu kommen, und ein Leben ist dafür noch zu wenig. Auch in Afritz in See werden Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Schwiegergroßeltern, Brüder und Schwestern beim Bau auf die eine oder andere Art mitgeholfen haben, befreundete Maurer und Installateure und Dachdeckerinnen im Pfusch den eigenen Hausbau erst möglich gemacht haben.

Sochi Wir werden einen Hubschrauber brauchen

Zugang zum Wohnhaus eine Lücke im Beton.

Und dann kommt Matthias Mayer und sagt, er möchte eine Medaille gewinnen, aber das Haus stört, das Haus muß weg. Selbstverständlich ist Matthias Mayer ein guter Mensch und verspricht, ist doch Olympia die große Veranstaltung der Versöhnung und der Verbrüderung aller Menschen auf dieser Welt und also auch in Afritz am See, dann mit der Goldmedaille einmal vorbeizukommen, mit der dann das Kleinkind, das soeben seines Elternhauses beraubt wurde, ein wenig spielen darf. Und vielleicht hält er das Versprechen sogar ein, anders als jene in Sochi, die nicht nur versprochen haben, sondern verpflichtet gewesen waren und sind, Löhne zu bezahlen …

2000 Familien umgesiedelt in Sochi

2000 Familien sind bereits umgesiedelt worden. Doch einige, deren Wohnungen zerstört wurden, haben nichts bekommen.

Tausende von Arbeitern in Sochi, die nicht ihren kompletten Lohn erhielten, sollen es wohl als Lohn empfinden, Matthias Mayer gesehen haben zu dürfen, wie er der Goldmedaille entgegengefahren ist, sein ganzer Lohn soll wohl auch ihr komplettierter Lohn sein, und wenn die Tausenden von Arbeitern noch kein Haus in Afritz am See haben, weil sie ohne Lohn keines bauen können, für die wird Matthias Mayer einen Trost haben, gebildet wie gerade österreichische Sportler und Sportlerinnen sind, wird er sie mit Rilke trösten können: Wer jetzt kein Haus hat, der braucht koans mehr …

Siebenhundertundvier Arbeiter in Sochi, die gar keinen Lohn noch erhielten, dafür aber nicht wenige von ihnen bereits abgeschoben sein dürften … Mehr Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen dürfte es in Afritz am See wohl nicht geben. Ganz Afritz am See ohne Lohn … Ob eine Gold-Medaille so viel Olympia in Afritz am Seewert ist, um damit eine Suppenküche für ganz Afritz am See einzurichten?

Würde in Afritz am See, würde Kärnten, würde in Österreich noch gejubelt werden über die Medaille von Matthias Mayer, würde das alles, was in Sochi passiert, in Afritz am See passiert sein? Zwangsumsiedlungen, Zerstörungen, Raub, unbezahlte Arbeit, kriminell niedrige Stundenlöhne. Gibt es in Afritz am See überhaupt einen Hügel, auf dem Matthias Mayer der Goldmedaille entgegenfahren hätte können?

Andreas Mölzer kann durchaus Respekt fordern, auch für andere Parteien, aber es muß schon eine neonazistische sein

„Die rechtsextreme ungarische Partei Jobbik darf nach einem rechtskräftigen Gerichtsurteil als ’neonazistisch‘ bezeichnet werden.“

Wäre Andreas Mölzer der Richter gewesen, das Urteil wäre wohl recht anders ausgefallen, denn ist er nicht ein schollenweit dafür bekannter Mann, vorurteilsfrei und genauer als je wer sonst zu prüfen, ehe er etwas sagt oder schreibt. Wie mit jeder Ausgabe der ZZ der freiheitlichen Gemein-Schaft nicht nur Andreas Mölzer, sondern die gesamte Beleg-Schaft der „Zur Zeit“ die Bestätigung vorlegen, vorurteilsfrei und genauer als je ein Medium sonst zu prüfen, ehe etwas veröffentlicht wird. Und weil sie stets und alles vorurteilsfrei prüfen, ist bei ihnen immer alles ganz anders ist, ob in Ungarn, ob in Oradour, Frankreich, ob …

Andreas Mölzer - Respekt - JobbikVielen und zugleich viel zu wenigen wird es nicht unrecht sein, daß Andreas Mölzer nicht auch noch Richter ist, sondern ein bloßer Wahlkandidat, der aber nicht gewählt werden muß, im Gegensatz zu einer Richterin, die weder von einer angeklagten noch von einer klagenden Partei ausgesucht werden kann. Daher kann hier auch mit keinem mölzerischen Urteil über die Jobbik-Partei aufgewartet werden, aber mit seiner auf der FPÖ-Site veröffentlichten Meinung:

„Zum Abschneiden von Jobbik erklärte der freiheitliche Europa-Abgeordnete, dass diese Partei im neuen ungarischen Parlament ein starkes rechtes Korrektiv sein werde. ‚Jobbik ist demokratisch legitimiert und das ist zu respektieren. Insbesondere wird man sich anschauen müssen, ob die von linken Mainstream-Medien geäußerten Vorwürfe einer genaueren und vorurteilsfreien Überprüfung stand halten. Jedenfalls ist Jobbik ein politischer Faktor geworden, mit dem man in Ungarn rechnen muss‘, schloss Mölzer.“

Andreas Mölzer - FPÖ und Jobbik

“Ja, es besteht die Möglichkeit zur engeren Zusammenarbeit zwischen der FPÖ und Jobbik. Beide Parteien vertreten eine sehr ähnliche Ideologie; besonders was die EU-Skepsis und die Ablehnung der Masseneinwanderung angeht sind wir einer Meinung. Darum hoffe ich, daß Jobbik bei den ungarischen Wahlen im nächsten April erfolgreich abschneiden wird.”

Ein Gerichtsurteil darüber, ob Jobbik eine neonazistische Partei genannt werden dürfe oder nicht, war notwendig geworden, weil Jobbik einen Historiker klagte, der in einer Sendung diese Partei eine „neonazistische“ nannte, „weil sie einen Kult um den mit Hitler verbündeten ‚Reichsverweser‘ Miklos Horthy betreibe.“

Wäre Andreas Mölzer der Richter in dieser Verhandlung gewesen, hätte der Anwalt von Jobbik in einer abschließenden Rede sich direkt an Richter Mölzer wenden können, um eine Verurteilung des Historikers zu erwirken. Vielleicht hätte der Verteidiger geendet mit:

Euer Ehren, ehe Sie Ihr Urteil fällen, rufen Sie sich selbst noch als Zeugen auf. Wenn Miklós Horthy von Jobbik verehrt wird, dann verehrt sie auch im Einklang mit Ihrem Magazin, Euer Ehren, damit bloß den „größten magyarischen Staatsmann des 20. Jahrhunderts“ … Wenn Miklós Horthy in Ihrem Österreich ein derart großes Ansehen genießt, kann Ihr Urteil, Euer Ehren, nur eines gegen den Historiker sein.

Aber Andreas Mölzer war nicht der Richter …

Vizepräsident Andreas Mölzer spricht - Deák térre hiv a Jobbik

Andreas Mölzer, freiheitlicher ZZler, im Ungarn von Jobbik: „Vizepräsident“

So ist der Historiker schlußendlich einer Verurteilung entgangen. Vielleicht wäre László Karsai von einem Richter Mölzer gar nicht verurteilt worden. Ist Andreas Mölzer nicht auch dafür schollenweit bekannt, recht milde zu sein. Möglicherweise hätte Andreas Mölzer dem Historiker einfach ein paar dieser vorurteilsfreien und auf Wahrheitsgehalt hin genau geprüften Schriften der ZZ-Mannschaft der freiheitlichen Gemeinschaft zum Lesen aufgetragen, um László Karsai vor weiteren Verhandlungen zu bewahren, denn Verhandlungen sind doch immer etwas Unangenehmes, Aufwendiges, sogar dann, wenn sie gewonnen werden.

Damit aber László Karsai nicht noch einer anderen Partei, in Ungarn vorhalten kann, eine neonazistische zu sein, nur weil sie sich dem Kult um Horthy möglicherweise noch anschließen könnte, um ihn also davor zu bewahren, je wieder vor ein Gericht gezerrt zu werden, könnte Andreas Mölzer ihm jetzt schnell noch die freiheitlichen Schriften als Beleg des hohen Ansehens, das der Reichsverweser international in Österreich genießt, schicken, vielleicht, für den Anfang einmal jene, die angesprochen sind in:

Freiheitliche „Zur Zeit“ sucht den „größten ungarischen Staatsmann“ und findet im 20. Jahrhundert dafür Miklós Horthy

Freiheitliche rühmen in der Zeit des Gedenkes der Novemberpogrome Miklós Horthy

„Die Presse“ wirbt für eines freiheitlichen ZZlers revisionistische Geschichtsschreibung

Faschistische Partei ist für freiheitlichen ZZler eine sozialistische

„Damit es nicht ein zweites Palästina wird – Ungarn – eine Arier-Kolonie? – den Magyaren“

„Lieber H.“err – Satire, wie sie freiheitliche ZZler lieben

ZZler Erich Körner-Lakatos – Kein Anstand und keine Höflichkeit gegen das deutsche Reich und Adolf Hitler

„Die Bevölkerung“ wird wieder mit freiheitlicher Naturfälschung „belästigt“

Es muß auf das, was wieder einmal in der „Zur Zeit“ der freiheitlichen Gemein-Schaft geschrieben wird, inhaltlich nicht eingegangen werden, denn auf Unkenntnis und Respektlosigkeit muß nicht eingegangen werden …

Es kann nur festgestellt werden, daß die freiheitliche Gemein-Schaft auch in bezug auf Natur keine Ahnung hat, sie mit Unkenntnis wie in so vielem geschlagen ist. Diese Annahme aber, die freiheitliche Gemein-Schaft wäre unwissend, nicht nur in bezug auf die Natur, wäre beinahe eine freundliche Sicht auf die freiheitliche Gemein-Schaft …

FPÖ Zur Zeit 6-7-2014 Wiederbelästigung mit Naturfälschung

„Zur Zeit 6-7/2014“: Wiederbelästigung mit Naturfälschung.

Selbstverständlich ist der freiheitlichen Gemein-Schaft die Vielfalt der gesamten und nicht nur menschlichen Natur bekannt, weiß sie sehr wohl, daß auch der Mensch nicht gegen seine Natur handelt. Und dennoch kann es die freiheitliche Gemein-Schaft nicht lassen, „die Bevölkerung“ mit ihrer Propaganda bar jedweder Wahrheit, ohne Redlichkeit und Anständigkeit zu „belästigen“.

Blankes Erstaunen aber ruft ständig hervor, daß diese freiheitliche Gemein-Schaft der Fälschungen für deren „Belästigungen“ von der „Bevölkerung“ mit viel zu vielen Wahlstimmen nach wie vor belohnt wird, während die freiheitliche Gemein-Schaft eine tatsächlich absolut unwählbare ist. Für die Unwählbarkeit stehen prototypisch die Mölzers mit ihrer ZZ-Mannschaft, wobei sich diese nicht nur federführend der Naturfälschung verschrieben haben …

NS Recht unerträglich muß es für die ZZ-Mannschaft der freiheitlichen Gemein-Schaft gesinnungsgemäß noch zusätzlich sein, wenn der weiße Mann mit einem schwarzen Menschen ebenfalls der Natur gemäß sich austauscht, schwarze Menschen und weiße Menschen der Natur gemäß zueinanderfinden …

Hans Neuenfels am Ende in der Josefstadt angekommen – Eine Klamotte

Für eine Premiere war es ein schwacher und vor allem kurzer Applaus. Freilich, es gab einige Bravo-Rufe. Aber das Josefstadt-Publikum ist ein gesittetes Publikum. Vielleicht mehr noch, ein freundliches Publikum, jedenfalls dann, wenn es gilt, eine Premiere zu retten. Das Publikum hat durch die wenigen Bravo-Rufe den Abend als Premiere gerettet, in die Erinnerung wird sich dieses Bühnentun als eine Premierenvorstellung schleichen.

Hans Neuenfels am Ende angekommen - In der JosefstadtDas Publikum also hat in der Josefstadt die Premiere gegeben. Eine halbe Premiere. Zu einer ganzen Premiere gehören auch die Buh-Rufe. Die gab es nicht. Vielleicht, weil das Bühnentun derart langweilig war, daß es nur Gähnen verursachte, aber Gähnen ist im Theater nicht zu hören. Ob das Publikum beim Schlußapplaus durchweg gähnte, dafür hätte jedes einzelne Gesicht im Publikum betrachtet werden müssen, um das festzustellen zu können. Es wäre möglicherweise überhaupt spannender gewesen, während der gesamten Vorstellung die Gesichter im Publikum zu betrachten, das Publikum zu beobachten, statt auf die Bühne zu starren, auf der nichts passierte, was spannend zu nennen ist. Vielleicht hat sogar Helmuth Lohner weggeschaut – aus Scham aber, und das wäre ihm hoch anzurechnen, nicht in die Gesichter des Publikums -, um nicht sehen zu müssen, was er da auf der Bühne tut. Bei einem Schauspieler gehörte sich zu schreiben: was er da auf der Bühne spielt. Es muß eingestanden werden, seit Jahrzehnten nicht zu verstehen, wie Helmuth Lohner als Schauspieler sein Leben finanziell sichern konnte, als Statist, gut, die werden gebraucht, von einem Statisten wird auch nicht höchste Schauspielkunst erwartet. Seit Jahrzehnten aber nur blankes Erstaunen darüber, daß Helmuth Lohner als großer Schauspieler gilt.

Heute wird Helmuth Lohner in Kritiken der Tageszeitungen für seinen Valmont gelobt – ob die alle nicht in der gestrigen Vorstellung waren? Gestern mußte von Beginn weg, beim Zusehen des lohnerischen Tuns auf der Bühne, durchweg gedacht werden, wo ist der Mensch, der erklären kann, weshalb Helmuth Lohner als ganz großer Schauspieler, und nicht einfach als überaus gut beschäftigter Statist …

Elisabeth Trissenaar als Merteuil … vielleicht hat sie sich nur von Helmuth Lohner anstecken, sich auf die Höhe seines Tuns ziehen lassen, jedenfalls auch sie eine Garantin dafür, daß es allemal spannender gewesen wäre, in die Gesichter des Publikums zu schauen, um nicht sehen zu müssen, was sie da auf der Bühne tut.

Die dritte Person dieses Quartetts ist Heiner Müller, der Autor des Textes, der für das gestrige Bühnentun ausgewählt wurde, über dessen Schreiben einmal wer sagte: „saurer Kitsch“.

Und die vierte Person ist Hans Neuenfels, am Ende angekommen, am Ende in der Josefstadt angekommen. Von Eliabeth Trissenaar und von Helmuth Lohner kann zumindest gesagt werden, sie haben auf der Bühne etwas getan, aber was hat Hans Neuenfels als Tunleiter getan?

„Regie-Rebell“ Hans Neuenfels am Ende in der Josefstadt angekommen. In der Josefstadt ein „Regie-Rebell“. Am Ende. Vielleicht ist es gestern das gewesen: ein persönliches Endspiel von Hans Neuenfels, inszeniert aber ohne zu inszenieren. Ein Regie-Rebell endet in der Josefstadt. Das ist eine Klamotte.

Eine Klamotte war das gestrige Bühnentun allerdings nicht, auch wenn Hans Neuenfels meint, Quartett könne, habe Heiner Müller gesagt, auch als Klamotte gespielt werden. Dafür hätte es für den frauenspielenden Valmont allein schon und vor allem eine andere Besetzung – um große Namen zu nennen, die dem Josefstadt-Quartett geläufig sind – geben müssen: Peter Alexander oder Heinz Rühmann statt Helmuth Lohner.

Es gab für Hans Neuenfels, als er schweren Ganges zum Schluß auf die Bühne kam, keinen aufbrausenden Applaus, wie es übrigens auch weder für Helmuth Lohner noch für Elisabeth Trissenaar je einen aufbrausenden noch tobenden Applaus gab. So schleppend wie sein Gang ist, so schleppend war insgesamt das gestrige Bühnentun …  Gehen und Denken, wie von manchen gesagt wird, vor allem von Thomas Bernhard, hängen zusammen, und das Denken von Hans Neuenfels scheint sehr gebrechlich schon geworden zu sein, unfähig nahezu dafür, neu zu denken, Quartett neu zu denken. Wie dem Programmheft zu entnehmen ist, rechnet es sich Hans Neuenfels hoch an, ältere Schauspieler genommen zu haben, aber er machte nur nach, was Heiner Müller selbst ihm schon vormachte, als er die Merteuil mit der vierundachtzigjährigen Marianne Hoppe besetzte, freilich in einer unvergleich spannenderen Konstellation, da er ihr einen um Jahrzehnte jüngeren Valmont zur Seite stellte. Und wie ist es um die Besetzung von Merteuil mit Elisabeth Trissenaar bestellt? Nun, ab einem gewissen Alter geht niemand mehr gerne ohne Vertraute außer Haus, ist der Schutz, den Angetraute bieten, das Wichtigste, wird die Sicherheit eines Bunkers zum Lebensentscheidenden, der vor allem Neuen schützende Bunker Josefstadt, der das Theater in der Josefstadt seit jeher ist, in dem nun – aufgetragen die Patinafarbe Moderne – auch gestrige „Regie-Rebellen“ ihr Ausgedinge …

Der freiheitlichen Gemein-Schaft Zur Zeit erteilt SS-Regiment in Oradour die Absolution

Wäre die ZZ der freiheitlichen Gemein-Schaft nicht das Medium des freiheitlichen Personals von He.-Chr. Strache aufwärts bis beispielsweise zu den Mölzers, müßte über dieses Magazin kein Wort geschrieben werden, denn es darf über niemanden nur deshalb geurteilt werden, ein Hobby zu haben, und das Hobby der ZZ ist eben die Vergangenheit, genauer, das Erschreiben einer ganz eigenen und also gesinnungstreuen Geschichte der Vergangenheit …

Zur Zeit - freiheitliche Gegenwart ist VergangenheitEs müßte sogar nichts über das freiheitliche Personal von He-Chr. Strache aufwärts bis beispielsweise Norbert Hofer geschrieben werden, handelte es sich bloß um einen Verein, der auf einer deutschdeutschen Scholle sich bequem niedergelassen hat und abgeschlossen, nichts von der Welt wissen wollend, für sich lebt und seinem obsessiven Hobby der Vergangenheitsschau nachgeht …

Es ist gesinungsgemäß ein derartiger Verein, aber einer – und deshalb kann weder die freiheitliche ZZ noch ihre freiheitliche Gemein-Schaft insgesamt unberücksichtigt bleiben – der bei Wahlen kandidiert, und es in Österreich zu viele gibt, die ein derartiges Hobby als politisches Programm immer noch mißverstehen und nach wie vor als wählbar ansehen …

Zur Zeit - Quelle RevisionismusIn der aktuellen Ausgabe 5-2014 der freiheitlichen ZZ wird wieder einmal der Versuch unternommen, die SS als eine Unschuldige hinzustellen, der SS die Absolution zu erteilen. Diesmal wird dafür das Massaker in Oradour bemüht.

Und was für Quellen führt die freiheitliche ZZ dafür ins Feld?

In der ersten Zeile bereits dieser „Richtigstellung von Jochen Weber“ wird genannt: Walter Held als Historiker und Oberstleutnant a. D.: „Verharmlosung des Holocaust […] verurteilt wurde.“

Zur Zeit Quelle Walter HeldDie zweite Quelle in „Oradour war ganz anders“ ist das Buch „‚Die Wahrheit über Oradour‘ des französischen Historikers Vincent Reynouard“, der selbst über sich schreibt: „Ich bin kein Historiker“. Verurteilt in einer Verhandlung wegen „Billigung eines Kriegsverbrechens“. Sein Buch ist nach seiner eigenen Angabe auf Deutsch erschienen im „Druffel Verlag“: ein nationaler Verlag, der gegründet wurde von dem ehemaligen stellvertretenden Reichspressechef der NSDAP und SS-Obersturmbannführer Helmut Sündermann …

Das also sind die Quellen, von denen die ZZ der freiheitlichen Gemein-Schaft annimmt, damit könne sie Geschichte gesinnungsgemäß richtigstellen …

Zur Zeit Quelle Druffel Vowinckel VerlagWer nun meinen mag, gut, es mag ein nicht unbedingt redlicher Blick auf die Vergangenheit sein, das sei halt ein harmloses Hobby, übersieht dabei eines, es bleibt nicht dabei. Gerade auch wieder diese aktuelle Ausgabe der freiheitlichen ZZ mit mehreren Artikeln über, falsch, gegen Roma belegen, Gegenwart ist für die freiheitliche Gemein-Schaft Vergangenheit und Vergangenheit ist für die freiheitliche Gemein-Schaft Gegenwart …

Das dünne Eis der Demokratie von Wirtschaft und freiheitlicher Gemein-Schaft

Die Lösung für Wirtschaftskammer und für die freiheitliche Gemein-Schaft ist also ein Demonstrationsverbot. Das zeigt gut auf deren Kompetenzen nicht nur in der Ursachenforschung. Von der Wirtschaftskammer ist im Grunde keine andere Reaktion zu erwarten gewesen, denn die von der Wirtschaftskammer vertretene Wirtschaft versteht Demokratie nicht und versteht nichts von Demokratie. Die Wirtschaft setzt rücksichtlslos auf alles, was Gewinne bringen könnte. Kaum gehen aber Scheiben zu Bruch, bricht der Wirtschaft in der Sekunde das Eis der Demokratie ein.

He-Chr Strache auf dem Ball der GetreuenEs ist nicht so, daß von der freiheitlichen Gemein-Schaft in bezug auf Demokratie je viel zu erwarten war noch ist noch zu erwarten je noch sein wird, nur die freiheitliche Gemein-Schaft redet derart viel über Demokratie und verlangt derart viel Demokratie, daß nicht wenige in diesem Land meinen, es handle sich tatsächlich um eine Gemein-Schaft, die dermaßen um die Demokratie besorgt, bemüht  … Kaum aber weht der freiheitlichen Gemein-Schaft demokratische Kritik ein wenig zu scharf, bricht auch ihr Eis der Demokratie ein, schneller als ein Glas zu Bruch gehen kann.

He.-Chr. Strache habe zwar gegenüber der Hauptvertreterin der gutter press in Österreich, also gegenüber der „Neuen Kronenzeitung“ gemeint, das Demonstrationsverbot würde dann auch für Burschenschaften gelten … Im Verschleiern ist die freiheitliche Gemein-Schaft gesinnungsgemäß ganz groß; He.-Chr. Strache weiß aber genau, die für Mai 2014 geplante Veranstaltung der Burschenschaften wird nicht „Demonstration“ genannt werden, und würde der Auftritt der Burschenschaften in der Innenstadt dann verboten werden, würde die freiheitliche Gemein-Schaft wieder nach Demokratie und Freiheit für sich brüllen, jammern, klagen, blärren und behaupten, es sei ja keine Demonstration, sondern ein „Fest der Freiheit“, die die Burschenschaften …

Aber nicht einmal im Verschleiern ist die freiheitliche Gemein-Schaft tatsächlich groß. Denn, wenn He.-Chr. Strache im selben Artikel sagt, der Akadamikerball sei ein Ball der FPÖ und nicht der Burschenschaften, so ist das nichts Neues. Und auf etwas, was He-Chr. Strache sagt, kann mit etwas Altem geantwortet werden, mit dem HInweis darauf, was vor über einem Jahr bereits geschrieben wurde:

Das alte Personal – in zwei Vereinen organisiert – ist auch heuer für Wkr-Ball alias Akademikerball federführend verantwortlich.

Der Wkr-Ball ist immer schon ein Ball der freiheitlichen Gemein-Schaft, der Akademiker-Ball ist immer schon ein Ball der Burschen- und Mädelschaften, das ist klar, trotz aller angestrengten und aufwendigen Bemühungen um Verschleierungen. Wenn also He.-Chr. Strache nun im Februar 2014 sagt, es sei ein Ball der freiheitlichen Gemein-Schaft, sagt er die Wahrheit und sagt zugleich doch nicht die Wahrheit, oder er weiß, mit einer gewissen Nachsicht betrachtet, einfach nicht, in welcher Gemein-Schaft er ist. Bei einer derartigen Ureinheit zwischen freiheitlicher Gemein-Schaft und Burschen- und Mädelschaften kann eine Unterscheidung nicht mehr getroffen werden, selbst vom Obmann dieser Ureinheit. Die Wahrheit wäre wohl gewesen, hätte He.-Chr. Strache gesagt, der Wkr-Ball ist der Ball der Mädel- und Burschenschaften ist der Akademikerball der freiheitlichen Gemein-Schaft ist der Ball der Getreuen von Schaften, die auf Wahlstimmzetteln als Freiheitliche behördlich geführt werden …

NS Und unter dem eingebrochenen Eis der Demokratie von dieser Schaft schwimmt die Scholle, auf der diese Schaft sitzt und von einem elitären Reich träumt, das endlich diese von der Schaft ungewollte Demokratie gänzlich …

Auch die Schreibstaffel würde sich in eine Norbert-Steger-Demonstration „Wehret den Anfängen!“ einreihen

Darf recht stark angenommen werden, wird gelesen, was die Schreibstaffel seit und um den letzten Akademikerball herum so recht alles gegen Verharmlosung und gegen Verhetzung schrieb und damit durchaus brauchbare Kommentare für Transparente …

Schreibstaffel Unzensuriert schreibt sich Transparente selbst

„Schusswaffengebrauch Muss tödlich erfolgen Sonst nur Probleme keine Warnschüsse“ – „Das sind aber sehr viele Aber in 5Minuten Standgerichten ist es in angemessener Zeit zu schaffen“

Es war mehr ein Vorschlag an Norbert Steger als Ausdruck einer Hoffnung, er möge seinem Kommentar als Reaktion auf eine Glosse von Hannes Uhl im Kurier eine zweite Handlung folgen lassen, und zwar das Organisieren einer Demonstration gegen Verharmlosung und gegen Verhetzung. Diesem Vorschlag einer stegerischen Demonstration „Wehret den Anfängen!“ wurden Entwürfe für Transparente beigegeben …

Uwe Scheuch auf dem Ball der GetreuenUm die Transparente der Schreibstaffel müßte sich Norbert Steger, wie gesagt, nicht mehr kümmern, denn diese hat bereits Texte für Transparente massenweise gebunkert, und was die Stegerischen besonders freuen wird, es sind durchweg Texte im Gesinnungsgleichklang …

Höchste Zustimmung und Unterstützung für Norbert Steger – „Wehret den Anfängen!“

Der briefliche Aufruf vom ehemaligen Vizekanzler Dr. Norbert Steger gegen Verharmlosung und gegen Verhetzung kann und muß ungeteilt unterstützt werden, denn er bestätigt, wie notwendig es ist, gegen Verharmlosung und gegen Verhetzung aufzutreten …

Es ist zu hoffen, daß Norbert Steger es nicht nur bei dem einen brieflichen Aufruf beläßt, sondern auch Taten folgen läßt, beispielsweise an der Spitze einer Demonstration schon bald vor das Parlament, vor den Wiener Landtag zieht, um gegen von Mandatarinnen und Mandataren betriebenen Verharmlosungen und Verhetzungen zu protestieren, mit all jenen, die in diesem Österreich für ihr Auftreten gegen Verharmlosung und Verhetzung so recht gut bekannt sind, ach, so viele Namen, wer könnte diese alle aufzählen …

Gegen Verharmlosung und Verhetzung - Norber Steger geht freiheitlich wehrend den Anfängen voran

Ein paar Vorschläge für Transparente, die Norbert Steger und die Seinen auf den Demonstrationen gegen Verharmlosung und gegen Verhetzung herzeigen könnten.

Darum zusammengefaßt: Norbert Steger könnte eine Demonstration gegen Verharmlosung und Verhetzung mit der gesamten Mannschaft der freiheitlichen Zur Zeit, mit der gesamten Schreibstaffel und Kommentarstaffel der Unzensuriert, und diese Demonstration gegen Verharmlosung und Verhetzung könnte Norbert Steger nicht nur einmal in Wien organisieren, sondern neunmal, also in jedem Bundesland dieses Staates …

Was für eindrucksvolle weil alles zur Kenntlichkeit bringende Demonstrationen würden das sein, an der Spitze Norbert Steger und mit ihm Seite an Seite all jene, die in diesem Land nicht schweigen, wenn es um Verharmlosung und Verhetzung geht, sondern unbeirrt das Wort ergreifen.

NS Die Texte auf den vorgeschlagenen Transparenten für die stegerische Demonstration gegen Verharmlosung und gegen Verhetzung sind alle hier in voller Länge abrufbar.

Norbert Steger steht zu seiner jüdischen Adoptionsfamilie: „Ich selbst hab‘ mit ihnen aber nur den Namen gemeinsam.“

Wenn einer aus der freiheitlichen Gemein-Schaft über Geschichte schreibt, wird es immer seltsam ungenau, oder richtiger, gesinnungsgemäß genau, sogar dann, wenn es um die eigene Familiengeschichte geht.

Norbert Steger bestätigt das aktuell mit seinem Einsatz für den Säbeltanz der freiheitlichen Gemein-Schaft. Er greift auf die eigene Familiengeschichte zurück, wohl um zu bekräftigen, was für ein ehrbarer Kämpfer er doch für die Demokratie sei, und vor allem, was für ein unverdächtiger Kämpfer er sei für …

Norbert Steger scheint es mühelos von der Hand zu gehen, mit Daten ebenso großzügig umgehen zu können, wie es von der Unzensuriert der freiheitlichen Gemein-Schaft her bekannt ist, der er seinen Brief an Hannes Uhl zur Veröffentlichung übergab. Oder so gesinnungsgemäß wie die Kameraden und Kameradinnen der freiheitlichen ZZ ..

Norbert Steger und seine jüdische Familie - Mit ihnen nur den Namen gemeinsam

„Der Großvater war ein jüdischer Bankier mit ausgeprägter Neigung zum Antisemitismus, der Vater ’niemals Parteimitglied‘ und doch in der NSDAP – wie viele Vizekanzler hat Österreich?“ Und diese Frage aktualisiert: Wie viele Vizekanzler a.D. hat Österreich?

Sollte wer Norbert Steger treffen und ein Gespräch nicht so recht … Vielleicht sind diese Fragen dafür hilfreich:

Wann verlor der Großvater das Vermögen? Erst von den Nazis gestohlen oder doch schon in den 1920er Jahren? Was haben Sie jetzt mit der jüdischen Familie plötzlich gemeinsam, also mit Ihrer Adoptionsfamilie, mit der Sie einst nur den Namen Steger gemeinsam haben wollten?

Ein roter Straßenkreuzer in Kärnten

Wie liefen damals – um die letzten 1960er und frühen 1970er Jahre herum – die Kinder armer Eltern im Dorf zusammen, um einen roten Straßenkreuzer zu bestaunen, mit dem der Arzt vorfuhr, und wie sehr hofften die armen Kinder stets, wenn der rote Straßenkreuzer ihr Dorf wieder verließ, daß bald wer krank würde, um wieder den roten Straßenkreuzer bestaunen zu können. Denn der Arzt kam aus einem anderen Ort. Und in ihrem Dorf hatte niemand einen zum Freund, der mit einem Straßenkreuzer einfach zu Besuch kommen konnte, höchstens in einem Puch 500, in einem Auto, das sogar bei armen Kindern kein Erstaunen mehr hervorrief, vielleicht auch, weil sie den Namen aussprechen konnten, ohne dabei zu stottern.

Eine arme Kindheit in KärntenAber der Name des Straßenkreuzers … Sie wußten nicht die Marke, nicht die Type, für die armen Kinder war es eben ein amerikanischer Straßenkreuzer – zu der Zeit das vorherrschende Wort für Wunder … Wie überhaupt damals die armen Kinder wenig wußten, sie wußten nicht einmal, wer noch alles mit keinem goldenen Löffel aufwuchs, sie wußten nicht, wie gut es ihnen eigentlich ging, denn sie mußten nicht mit Eltern und Geschwistern zu fünft in einem Zimmer mit tausenden Medikamenten schlafen. Sie hofften nur, bald wieder das Wunder sehen zu dürfen.

Die Kinder von damals, viele von ihnen heute wohl schon in Pension, sagten, würden sie gefragt werden, wahrscheinlich, das Wunder sei ein Cadillac gewesen, und manche von ihnen würden immer noch verlegen und unsicher darüber, ob sie das Wunder richtig aussprechen, rasch murmeln: es könnte ein Kadilack …