Von Herkulesmissionen und Herkuleszielen

Viktor Orbán wußte das schon, ehe er nach Wien zum „Österreicher Karl Nehammer“ auf Besuch kam, er könne ihm, Nehammer, bedenkenlos die Wahrheit über sein Vorgehen ins Gesicht sagen, daß er, Orbán, immer „nach einem kulturellen Konzept“ vorgehe, und die, die es kennen und dafür sind, freuen sich diebisch darüber, daß er es auch von Wien aus weiter widerspruchslos verbreiten kann, im Beisein des … und so viel Diplomat ist Viktor Orbán doch noch, daß er weiß, wo welche Formulierungen zu verwenden sind, es ihm zur weiteren Verbreitung nützlicher ist, sein „kulturelles Konzept“ nicht überall in zwar auch dieser Formulierung enthaltenen Wahrheit so deutlich zu verkünden, wie in Tusnádfürdő.

Kurz ist her, genauer, am 10. Oktober 2023, als Recep Tayyip Erdoğan dem „Österreicher Karl Nehammer“ die Wahrheit persönlich ins Gesicht sagen kann, und der „Österreicher“ darüber wohl erfreut, diese Wahrheit persönlich ins Gesicht gesagt zu bekommen:

„We expect closer cooperation from Austria in the fight against terrorism,” Turkish President Recep Tayyip Erdogan said at a news conference with Austrian Chancellor Karl Nehammer.

Das ist die Wahrheit, die Erdoğan im Beisein von Nehammer sagt, für den Kampf gegen den Terrorismus zu sein, er sich von Österreich eine enge Zusammenarbeit erwarte, im Kampf gegen den Terrorismus. Er, Erdoğan, sagt also ihm, Nehammer, die Wahrheit ins Gesicht, und er, Erdoğan, wird für sich möglicherweise denken, er, Nehammer, wisse, da es ja nicht erst seit kurzem kein Geheimnis ist, gegen wen in enger Zusammenarbeit zu kämpfen sei, also nicht gegen die „Hamas“, weil die ist für Erdoğan keine „Terrorgruppe“, sondern eine „Befreiungsgruppe“ … Was Israel für Erdoğan ist, das hat er am 28. Oktober 2023 auf seiner Demonstration vor Hunderttausenden von Menschen auch in aller Wahrheit ausgesprochen:

„You are an occupier. You are a group, not a state.“

Israel ist für Erdoğan „kein Staat“, sondern eine „Gruppe“. Und das heißt, eine „Terrorgruppe“.

Von Österreich erwarte er sich, eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus, sagt Erdoğan rund zwei Wochen zuvor, als Karl Nehammer

Erdoğan als Vermittler? „Ziel ist es, eine Einflussnahme zu erwirken – insbesondere auf die Hamas, um sich für die Befreiung der Geiseln einzusetzen“, äußerte sich Nehammer im Hinblick auf das militärische und politische Gewicht der Türkei in der Region vor dem Treffen mit Erdoğan.

hofft, daß Erdoğan auf Hamas einwirke. Wer gegen Terrorismus kämpft, kämpft gegen Gruppen, gegen Terrorgruppen, und wer für Erdoğan eine Terrorgruppe und kein Staat ist, das hat er an diesem letzten Samstag wieder mehr als deutlich … Damit wird er auf den Staat Hamas seine enorme Einflußnahme —

Und Karl Nehammer? Nun, Karl Nehammer erwarte sich nicht, daß seine Ziele Wirklichkeit werden, er, Nehammer, hofft, so reflektiert ist Karl Nehammer, daß er weiß, er ist nicht in der Position, sich etwas zu erwarten können, ein Erdoğan kann sich etwas erwarten, ein Putin kann sich etwas erwarten, er, Nehammer, kann sich nur etwas erhoffen, aber die Hoffnung enttäuscht bekanntlich zuerst. Seit dem Besuch von Nehammer im April 2022 führt Putin mit seiner Gefolgschaft weiter Krieg, auch wenn er, Nehammer, hoffte, er, Putin, werde augenblicklich das nehammerische Ziel zu dem seinigen machen, kaum daß er, Nehammer, Putin in seinen Privaträumen sagt, der Krieg ist zu beenden, und den Krieg augenblicklich beenden. Erdoğan werde augenblicklich das nehammerische Ziel zu dem seinigen machen, kaum daß er, Nehammer, Erdoğan in seinem Palast besucht, und auf die Staat Hamas einwirken, wie es sich Nehammer erhoffte, und nun ist Israel für Erdoğan kein Staat, sondern eine Gruppe, gegen die zu kämpfen er, Erdoğan, sich erwarte von …

Am 10. Oktober 2023 spricht Karl Nehammer nicht nur über sein Treffen mit Erdoğan in einem Fernsehinterview, sondern auch von einer Herkules:

Interviewer: Außen- und auch Verteidigungsministerium wollen helfen, es wird u. a. eine Hercules-Maschine auch dann freigegeben, für jene die das Land verlassen wollen.

Karl Nehammer: Es wird eine Evakuierungsmission vorbereitet zwischen Außenministerium und Verteidigungsministerium, die Transportmaschine wird von Seiten des Bundesheeres zur Verfügung gestellt, das Außenministerium organisiert für die Österreicherinnen und Österreicher, die das Land verlassen wollen, diese Möglichkeit von Israel nach Zypern.

Interviewer: Heute steht ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan auf dem Programm […]

Karl Nehammer: […] Präsident Erdoğan war ein wichtiger Mittler […] er hat die Istanbuler Friedensgespräche ins Leben gerufen, er ist nach wie vor ein wichtiger Vermittler, wenn es darum geht das ukrainische Korn aus den Häfen zu bringen, um es eben der Welt zur Verfügung zu stellen. Präsident Erdoğan und die Türkei ist ein wichtiger geostrategischer Partner für Österreich […] daher war es mir jetzt wichtig, diese Beziehungen weiter zu entwickeln, neu zu starten, und es gibt auch gute Anzeichen, daß es gute Fortschritte gibt.

Von der „Hercules“-Maschine brauchte Karl Nehammer nicht zu hoffen, daß sie abhebt, nach Israel fliegt, um von dort Menschen nach Zypern zu fliegen, von der „Hercules“-Maschine konnte sich Karl Nehammer erwarten, daß sie abhebt, fliegt, bei der „Hercules“-Maschine war Karl Nehammer in der Position, sich von ihr etwas zu erwarten, ihr das anschaffen zu können, von ihr konnte Nehammer erwarten, ist er doch auch ihr Bundeskanzler, daß sie sein Ziel zu dem ihrigen macht — aber …

Es wurde in diesem Kapitel nun nicht wenig davon erzählt, was alles Karl Nehammer gesagt werden, etwa von einem Orbán, aber auch davon, wie die Antwort auf das Hoffen von Karl Nehammer ausfällt, etwa von einem Erdoğan, wie auf das Erwarten des Karl Nehammer, wo er etwas erwarten darf, reagiert wird, etwa von einer Hercules … Es wurde auch erzählt von den Missionen und Zielen des Karl Nehammer — Herkulesmissionen und Herkulesziele einer Hercules …

Von Putin allerdings ist keine Antwort auf das ihm von Karl Nehammer gesagte Hoffen bekannt, Putin machte und macht, einfach wie kurz gesagt, weiter wie von ihm bekannt und zu erwarten. Einen Bericht zu dieser von Putin Karl Nehammer gewährten Audienz gibt es, der noch zitiert sein will:

Chancellor Karl Nehammer met with Russian President Vladimir Putin in Moscow on Monday afternoon. “The chancellor, the first European Union (EU) head of government to travel to Russia since the outbreak of war, also wants to address Putin about the “war crimes” in Ukraine during the talks,” reported Austrian media, citing officials. The meeting took place at Putin’s residence in Novo-Ogaryovo (not in Kremlin), Russia’s state agency TASS said. About 60 minutes later, at 3 p.m., the conversation was over. A statement from the Federal Chancellery stated that the talks with Putin were straightforward, open and tough. “I addressed the serious war crimes in Bucha and other places and emphasized that everyone responsible for them must be held accountable,” the Chancellor said in a statement presumably largely written before the talks.
Nehammer then emphasized that the sanctions against Russia would remain in place and be tightened further as long as people died in Ukraine. The politician also called for so-called humanitarian corridors to bring drinking water and food to the besieged cities. “But my most important message to Putin was that this war must finally end.” 
For a country worth mentioning in para above the footnotes of European history and as a Putin critic, Austria’s Chancellor had set himself ambitious goals for his mission. These included a ceasefire and the establishment of exit corridors for Ukrainians affected by the war. Later he admitted that talks are the only way ahead with Kremlin. Austria prides its role as a mediator during the Cold War before 1980. However, analysts doubt whether Austria would still be able to function as a bridge-builder today. Russians know that the small country no longer has any weight in the EU. It is no brainer why Putin did not react.

„It is no brainer why Putin did not react.“ Warum Putin nicht reagierte, das zu verstehen, ist kein Problem, ist ein Klacks, ist ein Kinderspiel, das versteht sich von selbst … In einem deutschsprachigen Bericht in Wien wäre die Nicht-Reaktion von Vladimir Putin auf Karl Nehammer wohl zusammengefaßt worden mit: Net amoi ignorieren

Unzensuriert auf Nehammer-Niveau oder Nehammer auf Unzensuriert-Niveau

Das ist die Frage. Und, wer nun wen inspiriert, Karl Nehammer die identitär gesinnungsgemäß zensurierte Website oder

die identitär gesinnungsgemäß zensurierte Website Karl Nehammer, mußte augenblicklich gedacht werden, als auf ebendieser Website am 25. Oktober 2023 der Kommentar zur „ökologischen ‚Gemeinwohlklausel'“ des Fußballvereins Osnabrück gelesen wurde.

Faßt sie doch alles in ihre Kommentarschlagzeile, das von Karl Nehammer bereits bekannt und ihm wichtig ist, das ihm nicht „bestraft“ werden darf, das ihm im „Autoland“ erlaubt sein muss:

Schnitzel
Auto

Es wird, einfach wie kurz gesagt, eher so sein, daß Karl Nehammer nicht die gesinnungsgemäß zensurierte Website befruchtet und die gesinnungsgemäß identitär zensurierte Website nicht Karl Nehammer befruchtet, sondern Weltanschauliches ihre Formulierungen einander ähneln lassen.

Beinahe wollte als Überschrift geschrieben werden: Unzensuriert auf Bundeskanzler-Niveau oder Bundeskanzlerin auf Unzensuriert-Niveau. Dies jedoch wäre für die gesinnungsgemäß zensurierte Website zu viel des Zutrauens, und für Karl Nehammer zu viel an —

Zum Schluß nur. Es wird Sie nicht überraschen, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website auch diesmal so lange in der „Gemeinwohlklausel“ des Fußballvereins Osnabrück

Dabei fließen in die individuelle Berechnung unter anderem die Länge des Arbeitsweges, wie dieser zurückgelegt wird oder auch Aspekte wie vegane oder vegetarische Ernährungsgewohnheiten ein. Die Kompensation erfolgt, indem der entsprechende monetäre Wert direkt vom Gehalt des Arbeitnehmers abgezogen wird.

herumstochert, bis sie das für sie gesinnungsgemäß Brauchbare aufgabeln kann.

Was für die gesinnungsgemäß zensurierte Website nicht verwertbar ist, ist die Klarstellung vom Geschäftsführer des Fußballvereins Osnabrück:

Wer sich für die Klausel in seinem Arbeitsvertrag entscheidet, erhält bis zu 750 Euro mehr Gehalt pro Jahr. Aus diesem Betrag werden die Co2-Emissionen aus dem Arbeitsweg ausgeglichen – sofern vorhanden. Das Gehalt wird nicht als Extra-Posten ausgewiesen. Die Summe ist Teil des verhandelten Grundgehaltes.

Jeder Mitarbeiter, der die Klausel unterzeichnet hat, kann auf der Webseite des Umweltbundesamtes mit Hilfe eines Rechners seinen persönlichen Co2-Wert errechnen. Wie reise ich zur Arbeit an? Wie wohne und heize ich? Wie sieht meine Ernährung aus? Esse ich viel Fleisch oder Milchprodukte, wenig oder mittel? Abgesehen vom Arbeitsweg, den der VfL erfasst, können die Mitarbeiter freiwillig entscheiden, welche Emissionen sie angeben, welche nicht und ob, beziehungsweise wie viele sie davon kompensieren möchten. Die Mitarbeiter können die Gesamtzahl ihres Co2-Ausstoßes (in Tonnen) eigenständig an die Personalabteilung des VfL weitergeben oder nennen nur den Betrag.

Ein Beispiel, das Welling nennt: „Bewältigt ein Mitarbeiter täglich 20 Kilometer Arbeitsweg mit dem Auto – einem normalen Verbrenner -, ist sein ökologischer Fußabdruck in einem Jahr mit 52 Euro belastet.“ Dieses Geld würde dann von den zusätzlichen 750 Euro des Gehalts abgezogen.

NS Bei Osnabrück muß menschgemäß sofort an Erich Maria Remarque gedacht werden, der vor 125 Jahren in dieser Stadt geboren wurde, der mit einem seiner Romane heute noch weltberühmt ist, dessen dieser weltberühmte Roman eben erst wieder einmal verfilmt wurde, dessen Titel wohl allen geläufig ist, auch wenn sie den Roman selbst nie lasen, ein zur Volksweisheit gewordener Titel: Im Frieden nichts Neues

Kriege, zwei, nur zwei wieder, die momentan alle Aufmerksamkeit bannen, wobei einer schon, so beschränkt ist die Aufnahmefähigkeit der Berichte Erstellenden und der Berichte Konsumierenden, daß einer von diesen beiden Kriegen allmählich in Vergessenheit zu geraten droht

Remarque hat nichts mit dem Fußballverein zu tun und schon gar nicht mit der den „Klimawahn“ gesinnungsgemäß anprangernden Website, aber diese Website gehört zu einer Gesinnungsgemeinschaft, die jene ehrend zu Lesen empfiehlt, die Remarques „Welterfolg als Dreck und Beleidigung des Frontkämpfertums“ beschimpfen.

Und weil dies alles in diesem Gesinnungseintopf der

Schnitzelautoehre,
Kampfesstolz
Freiheitseierei gegen „Zöpferl-Diktatur und Kriegsrecht“

verrührt ist, kann ein Nachsatz zu dem vor 125 Jahren in Osnabrück Geborenen nicht ungeschrieben bleiben.

„Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit – Politik in Österreich“

Am Vorabend der patriotischen Heimatausmärsche

wird über eine Studie berichtet, nach der der „Rassismus in Österreich stark gestiegen“ ist.

Welcher Tag eignete sich daher vortrefflicher für das Erinnern an seinen Essay „Fragen der Zeit – Politik in Österreich“, den Robert Musil vor einhundertzehn Jahren schrieb, als ebendieser 26. Oktober 2023 …

Bloß der Nationalfeiertag eignet sich dafür, aus seinem Essay „Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit“ zu zitieren, aus 1921, den Robert Musil also vor einhundertundzwei Jahren, in diesem schreibt

Robert Musil, dessen Geburtstag am 6. November zu feiern ist, über die „Zeugung von „Tischrassen“, die, in Fortführung seiner Beurteilung des „Rassegedankens“, ebenfalls nichts anderes als Rassismus gebärten.

Und kaum, daß es zum Nationalfeiertag graut,

schreibt schon der gar gegenwärtige Bundespräsident dieses Österreichs eifrig:

Ein großer Tag, ein wichtiger Tag für unser Land und alle, die hier leben. Ich wünsche Ihnen einen schönen, einen friedlichen #Nationalfeiertag!

Wir feiern heute unsere Heimat. Wir feiern Österreich.

Es fällt zu „Tischrassen“ unweigerlich die Bundesverfassung dieses Österreichs ein, in der „Tischrassen“ fehlt, aber nicht „Rasse“, auch weiter an diesem 26. Oktober 2023

Einem weiteren Mann des sogenannten offiziellen Österreichs ist es kein Anliegen, die „Tischrassen“ in die Verfassung zu schreiben, ist er doch von Wichtigkeiten beseelt, die in die Verfassung zu schreiben ihm dringlich — zur „Rasse“ das „Bargeld“ …

Und wem dabei die Bundesverfassung des Landes einfällt, kommt nicht umhin, vor allem den Mann zu würdigen, der wie keine zweite Person in diesem Land in diese Verfassung vernarrt ist, die ihm, steht sie vor ihm, so schön und so elegant dünkt,

aber von ihm ein wenig gekränkt wird sie wohl sein, jedoch, vornehm wie sie ist, wird sie darüber schweigen, daß er sie stets um ein Jahrzehnt älter macht, als sie ist

Nun genug, wesentlich ist, was Robert Musil vor einhundertzehn Jahren über die „Tischrassen“ zu schreiben sich genötigt sah, wohl,

ihm unwohl dabei, in Anbetracht eines noch mehr und mehr um sich greifenden, eines grassierenden, eines gestiegenen und bis in die tiefsten Tiefen weiter und weiter steigenden —

Es ist mir ferne, mich über die Rassenfrage verbreiten zu wollen, aber um zu ihrer ethischen Bedeutung zu gelangen, ist es allerdings nötig, an die theoretische Eigenart des Rassegedankens anzuknüpfen.

Wenn sich von einem bestimmten Augenblick ab die Tische durch Zeugung statt durch Bestellung vermehren würden, so würden wir alsbald aus den jetzt lebenden Tischen (und zwar mit der gleichen Evidenz, mit der wir in einem Friesen den Friesen erkennen) die Rassen der vierbeinig-rechteckigen, der einbeinig-ovalen und dergleichen mehr Tischrassen entstehen sehn. Es wäre gar nichts geschehn, als daß je zwei Tische einen dritten zeugten, der ihnen nach einem bestimmten Mischungsgesetz der Eigenheiten ähnelte und die Eigenschaft besäße, sich in der gleichen Weise weiter fortzupflanzen. Daß dabei ein Teil der Eigenschaften während mehrerer Generationen bloß in den Keimanlagen weitergereicht werden kann, ohne sonst in Erscheinung zu treten, ändert gar nichts daran, daß sich alles nur zwischen und an Individuen abspielt. Bei der ganzen Angelegenheit hat die Rasse nichts zu tun, als daß sie schließlich da ist, weil sie gar nirgends anders sein kann; so wie der Regen da ist, wenn Tropfen vom Himmel fallen. Sie selbst hat keine andere Möglichkeit, in das reale Sein einzutreten, als durch die Individuen, und keine andere[n] Wirkungen als die Wirkungen von Individuen; eine solche Existenz ist aber eben eine nur gedachte, ein Kollektivbegriff. Natürlich gibt es Rassen, aber die Individuen bilden die Rasse.

Ist das der Sachverhalt, so ist seine Umkehrung durchaus nicht berechtigt, und diese fast theologische Verdrehung lautet: das Individuum wird von Rassen gebildet. Bekanntlich ist gerade diese Formel die des Alltagsgebrauchs.

Es bleibt nach ihr von einem Menschen so wenig übrig wie von einem Strumpf nach Abzug der sich verkreuzenden Maschen. Meist mag es ja nur eine Bequemlichkeit der Verständigung sein, wonach ein Mensch zuerst durch seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe gekennzeichnet wird – kann es die Familie X sein, warum also nicht auch die germanische Rasse? –, und es klingt uns heute schon fast natürlich, wenn Bismarck sagt, »das Fällen von Bäumen ist kein germanischer, sondern ein slawischer Zug«, oder ein jüdischer Kritiker von Wassermanns Buch Mein Weg als Deutscher und Jude behauptet, »es ist für einen Juden unmöglich, ein rein deutscher Künstler zu werden«: trotzdem ist es gerade in den harmlosen Fällen ein gefährliches Zugeständnis an eine lasterhafte Denkgewohnheit. Man kennt ja jene Literatur, die sie verursacht hat und von ihr verursacht wurde. Sie hat nicht Schädelindizes, Augenfarbe und Skelettproportionen, was nur wenig Menschen anlockt, zum Gegenstand, sondern Eigenschaften wie religiösen Sinn, Rechtlichkeit, staatsbildende Kraft, Wissenschaftlichkeit, Intuition, Kunstbegabung oder Toleranz des Denkens, von denen wir insgesamt kaum anzugeben wissen, worin sie bestehn, und spricht sie mit Hilfe eines anthropologischen Küchenlateins den angeblichen Rassen zu oder ab, weil sie glaubt, der Nation Würde durchs Ohr flößen zu können, wenn sie mit der Stimme der Jahrtausende vor ihr bauchredet.

Hier muß das Zitieren aus dem Essay von Robert Musil kurz unterbrochen werden, spricht er doch von dem „anthropologischen Küchenlatein“, das über einhundert Jahre später in Österreich immer noch gesprochen wird, am Stammtisch wie im Bundesministerium für „Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz“

Man wird nicht leugnen können, daß ein gut Teil unseres nationalen Idealismus in dieser Denkkrankheit besteht.

Wohin das führen muß, ist nicht schwer zu sehen. Wenn im Guten und Bösen für alles nicht der einzelne verantwortlich gemacht wird, sondern die Rasse, wirkt das genau so, wie wenn man sich immer auf einen anderen ausredet; die Folge ist nicht nur, daß Wahrhaftigkeit und intellektuelle Feinheit abstumpfen, sondern eine Entartung aller Keimzellen der Moral. Wo die Tugend durch Prädestination zum Nationaleigentum erklärt wird, ist der Weinberg des Herrn expropriiert, und niemand braucht fortab in ihm zu arbeiten. Es wird dem einzelnen vorgeschmeichelt, er besitze alles Wünschenswerte, so er sich nur auf die Tugenden seiner Rasse besinne: offenbar ein moralisches Schlaraffenland, unser glückliches Deutschland, wo die gebratenen Tugenden ins Maul fliegen!

Schwieriger scheint sich erkennen zu lassen, woher es kommt. Man sagt Antisemitismus, aber das ist fast nur ein anderes Wort für die Erscheinung selbst; das Wesentliche ist, daß sich hinter ihr ein echter Idealismus birgt, ein typischer Fall jenes regressiven Ideenbedürfnisses, das jeden Gedanken auf ältere, ewige, für erhaben geltende zurückbezieht statt ihn auszudenken; kurz eben das, was hierzulande für Idealismus gilt. Das erzeugt den Menschen mit dem festen Rezept und den erhaben einfachen Regeln, der sich des geistigen Erlebens überhebt, den Pharisäer. Es ist bei uns ein sonderbares und äußerst gefährliches Verhältnis entstanden: die Respektlosigkeit vor dem Geist im Namen des deutschen Geistes. Weite – und fast möchte man sagen die bestwilligen – Kreise unseres Volks haben es verlernt, eine Leistung nach ihrem Gehalt zu empfinden, und prüfen sie nur nach ihrer Herkunft und darauf, wie sie ins System der Vorurteile paßt; es wird das Weite am Engen gemessen, der mannigfaltige Geist an einer seiner Ausgeburten; die Aufmerksamkeit hat sich von den Werten zu ihren Nebenumständen abgewendet, von der Wirklichkeit zur Hypothese, und es hat sich derer, die zu folgen berufen sind, eine sektiererisch anmaßende Besserwisserei bemächtigt. Da mit etwas so Urtümlichem, wie es die Rasse ist, überdies nur urtümliche Tugenden verknüpft sein können, werden schließlich auch die Geister, welche sich des gleichen Bluts berühmen dürfen wie ihre Richter, nicht mehr ans Ohr der Nation gelassen, falls sie nicht so schreiben wie Herr Walter Bloem oder so denken wie Herr Hilthy [= Carl Hilty?], also nicht treu, tapfer, keusch sind und mit weiteren fünf deutschen Indianertugenden ihr Auslangen finden.

Auf diesem Wege des Idealismus ist der Rassengedanke zur deutschen Selbstbeschädigung geworden und saugt der Nation in jahrzehntelangem Mißbrauch das Mark aus.

„… der Michel erwacht …“

Am 1. April 1933 soll er in Wuppertal Mitinitiator einer der ersten Bücherverbrennungen in Deutschland gewesen sein. Als Autor spielte er in der Nazizeit kaum eine Rolle, aber er schrieb den Nazis nach dem Mund. So fabulierte er von der Überlegenheit der weißen Rasse. Seinen Roman „Brüderlichkeit“ verleugnete Bloem fortan und seine veränderte Sicht auf die Juden begründete er 1935 unter anderem folgendermaßen: Juden, für die er sich eingesetzt habe, nämlich „nationaldeutsche Juden“, gebe es nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz. 1921 war er bei einem Treffen einer Burschenschaftsvereinigung noch der einzige gewesen, der dagegen war, Juden auszuschließen.

Vor Hitlers Judenpolitik verschloss er die Augen. Als er in Berlin seinen jüdischen Zahnarzt mit dem gelben Stern auf dem Straßendamm gehen sah, sei er zwar errötet, aber habe sich gedacht: „Der Führer weiß, was er tut.“ Er rechtfertigte „Härte, Grausamkeit und Zerstörungswillen“ der Nazis.

Interessanterweise wurde er erst 1938, auf persönliche Intervention Goebbels, in die NSDAP aufgenommen. 1941 schrieb er in einem Gedicht „Mein Führer! In der Symphonie deines Werkes töne ich mit/so will kein Mißton sein./In der Kraft deines Schwertes bin auch ich enthalten./So will ich ein edles Stahlmolekül darin sein.“ Das Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 nannte er eine „Rattentat“.

Sie waren, wie Bloem, und übrigens auch Leo Weismantel, unter den 88 Schriftstellern, die am 26. Oktober 1933 in der Vossischen Zeitung Hitler „das Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ leisteten. Beschimpfte Erich Maria Remarques Welterfolg „Im Westen nichts Neues“ als Dreck und eine Beleidigung des Frontkämpfertums.

In einem offenen Brief im September 1932 wütete er auch gegen Heinrich Mann. Leute wie dieser sollten sich vorsehen: Michel sei erwacht und schicke sich an, „in seinem Hause Großreinemachen zu veranstalten“. Seine Rhetorik und seine Haltung näherten sich mehr der der Nazis an. Bloem wurde zu einem glühenden Hitler-Verehrer und freute sich auf die Herrschaft der Nazis.

Im Kapitel „Selektion der Geschichte in der freiheitlichen ZZ“ mußte von Walter Bloem schon einmal erzählt werden, so ist das oben Zitierte nichts Neues, sondern schon einmal zitiert worden, in ebendiesem Kapitel „Selektion“ …

Und nun ist Walter Bloem so viele, viele Kapitel später wieder Figur eines Kapitels, nicht aber, weil es von der „freiheitlichen ZZ“ etwas Neues zu berichten geben würde, das gesinnungsgemäß auch nicht möglich ist,

sondern weil von einer weiteren Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu erzählen ist, von dieser seltsamen Auswahl biographischer Angaben auf „Projekt Gutenberg-DE,

und auch das, kann mittlerweile gesagt werden, ist schon, nach etlichen Stichproben auf „Projekt Gutenberg-DE“, nichts Neues …

Wieder eine Selektion, diesmal in der Preisgabe der Biographie des Walter Bloem auf „Projekt Gutenberg-DE“, mehr als dies

Walter Julius Gustav Bloem wurde am 20. Juni 1868 in Elberfeld geboren und starb am 19. August 1951 in Lübeck. Er war ein deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Rechtsanwalt.

wird, ist am 25. Oktober 2023 zu lesen, auf „Projekt Gutenberg-DE“ von Walter Bloem nicht

Ein Nachruf

Sebastian Kurz hat selbstverständlich keinen Nachruf auf sich selbst geschrieben, sondern einen auf Christian Pilnacek. Am 21. Oktober 2023.

Christian Pilnacek war ein Beamter. Er war kein Politiker. Es ist daher bereits der Beginn falsch, der erste Satz „Politik ist …“

Solch ein erster Satz paßte in einen Nachruf auf eine Politikerin, aber nicht in einen Nachruf auf einen Beamten; so liest sich der Nachruf ab seinem ersten Satz bereits, als wäre es ein Nachruf auf einen Politiker, als würde er sich einen solchen Nachruf auf sich selbst wünschen, wenn er dereinst in fünfzig, sechzig, siebzig Jahren gestorben sein wird, den Sebastian Kurz vorsorglich Jahrzehnte zuvor in seinem wesentlichsten Lebensabschnitt selbst schreiben zu meinen muß.

„Er war ein wahrer Diener des Staates.“

„Seine Expertise, sein fundiertes Wissen sowie sein Dienst an der Republik haben …“

„Es ist zu hoffen, dass von […] nicht die falschen Vorwürfe gegen seine Person bleiben, sondern sein großes Wirken […].“

„Wir alle sollten ihm ein ehrendes Andenken bewahren und ihm für seine Verdienste um die Republik immer dankbar sein.“

Der Wunsch nach einem Denkmal klingt da durchaus mit. Und welcher Platz wäre geeigneter, ihm einen Stein aufzustellen, als auf dem Kahlenberg?

Bis es aber soweit ist, in vierzig, in fünfzig, in sechzig, in siebzig Jahren soll ihm sein Nachruf in seiner gegenwärtigen Lage schon einmal nutzbar sein.

Und zugleich ist dieser sein Nachruf sein Vermächtnis, das er bereits jetzt, fünfzig, sechzig, siebzig Jahre vor seinem tatsächlichen Ableben formuliert:

„Politik ist ein herausforderndes Geschäft und bringt viele an ihre Grenzen.“

Sein Vermächtnis also: „Politik ist ein herausforderndes Geschäft.“

Aber auch zugleich seine Bilanz: „Bringt viele an ihre Grenzen.“

Die „menschliche Komponente“, die Sebastian Kurz in seinem Vermächtnis seines geschäftlichen Wirkens, im Eingeständnis seiner „Grenzen“ einmahnt, wohl in der Hoffnung, sie werde ihm gerade jetzt entgegengebracht werden, hat er selbst immer wieder auf eine Weise die „menschliche Komponente“ — Kindern gegenüber etwa

Was für eine „menschliche Komponente“, Kindern in solchen Stätten

Die „menschliche Komponente“ einzumahnen, das mahnen vor allem Menschen der „Politik“ ein, wie etwa Peter Thiel,

mit dem Sebastian Kurz über die „menschliche Komponente“ wohl im recht regen und fruchtreichen Austausch, auf einem derart hohen Niveau, daß es etwa für einen Erhard Busek unmöglich war, dazu eingeladen zu werden, an solch einem thiel’schen politischen und kurz’schen geschäftlichen …

Und auch ein Heinrich Neisser wird auf eine Einladung eines Thiel vergeblich warten, wobei angenommen werden darf, daß er auf eine solche nicht

Und doch braucht gerade die „menschliche Komponente“ viele für sie Streitende, und es gibt, welch ein Segen, eine Person, die sich erst vor Kurzem empfahl, die dritte im Bunde sein, eingeladen zu werden vom politischen Thiel und vom geschäftlichen

Nachrichten und Nachrichten

Minuten vor Beginn der Fernsehhauptnachrichtensendung des rechtlich-öffentlichen Rundfunks Österreichs kann in einer Nachrichtensendung eines weiteren Fernsehsenders — ATV — dieses Interview gehört und gesehen werden, in dem der Angeklagte Sebastian Kurz sagt:

„Am heutigen Tag ist es vor allem der Tod von Christian Pilnacek, der mich extrem betroffen macht. Ich habe gestern Abend noch mit ihm telefoniert und wenige Stunden später hat er sich das Leben genommen.“

Das Erstaunen ist sehr groß, davon in der Fernsehhauptnachrichtensendung des rechtlich-öffentlichen Rundfunks Österreichs um 19.30 Uhr am 20. Oktober 2023 nichts zu sehen und nichts zu hören.

Es wird zwar über den Tod von Christian Pilnacek berichtet:

Dieser Prozeß gegen Sebastian Kurz, der ist heute auch durch eine tragische Botschaft überschattet worden. Auf Vormittag ist bekanntgeworden, dass der suspendierte Sektionschef des Justizministeriums, Christian Pilnacek, im Alter von 60 Jahren gestorben ist. Die Polizei hat Ermittlungen zu den näheren Umständen Pilnaceks aufgenommen. In der vergangenen Nacht wurde Pilnacek stark alkoholisiert als Geisterfahrer auf der Stockerauer Schnellstraße angehalten. Er mußte Führerschein und Auto abgeben, dann wurde er privat abgeholt. Was danach geschehen ist, wird nun vom Landeskriminalamt Niederösterreich ermittelt.

Kein Bericht aber von der Aussage des Sebastian Kurz, er, Christian Pilnacek, habe sich das Leben genommen. Auf der Website des rechtlich-öffentlichen Rundfunks Österreichs wird zwar, wie jetzt um 20.30 Uhr zu lesen ist, Sebastian Kurz erwähnt:

Bestürzung im Kurz-Prozess
Der frühere Bundeskanzler Kurz reagierte im Gerichtsprozess gegen ihn am Freitag mit Bestürzung. Vor der richterlichen Befragung bezüglich der Bestellung Thomas Schmids zum ÖBAG-Chef wies Kurz Richter Michael Radasztics auf das Ableben Pilnaceks hin. Er fände es „komisch“, das nicht zu erwähnen, denn „ich habe gestern Abend noch mit Pilnacek telefoniert“, so Kurz. „Ich habe das mit einiger Bestürzung eben auch gelesen“, antwortete der Vorsitzführende.

Und wieder kein Wort davon, daß Sebastian Kurz aussagt, er habe sich das Leben genommen; bloß, er, Kurz, habe gestern Abend noch mit Pilnacek telefoniert —

Ob der Grund des Verschweigens dieser Aussage von Sebastian Kurz durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs darein zu suchen ist, daß Sebastian Kurz für den Rundfunk keine verläßliche Quelle mehr ist? Dabei könnte der Rundfunk diesem Angeklagten doch vertrauen, immerhin war dieser einmal etwas, und er wird wohl immer noch, wie auch diese seine Aussage über einen Tod vermuten läßt, zu vielen Informationen Zugang haben, die in diesem Fall zu einem Wissen führen können, zu dem das Landeskriminalamt Niederösterreich erst nach einer Obduktion und nach langen Ermittlungen gelangen könnte.

Einerlei, welche Gründe der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs haben mag, diese gewichtige Aussage eines Angeklagten zu verschweigen, eines bleibt von dieser Viertelstunde Medienkonsum am Freitagabend über, erinnert wieder einmal daran, wie notwendig es ist, Nachrichten von vielen Medien für die Beurteilung eines Geschehens, eines Falles heranzuziehen, und niemals sich auf eine einzige Quelle zu verlassen.

„Diese Vorposten-Dichtung“

Eine weitere Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ und wieder, es muß wohl nicht mehr wiederholt werden, wie es um die biographischen Angaben auf dieser Website bestellt ist. Auf der zu

Strobl Hans Karl

am 19. Oktober 2023 angeboten ist:

Karl Hans Strobl wurde am 18. Januar 1877 in Iglau, Mähren geboren und starb am 10. März 1946 in Perchtoldsdorf bei Wien. Er war ein österreichischer Schriftsteller. Die Literaturwissenschaft zählt Strobl neben Gustav Meyrink und Hanns Heinz Ewers heute zu den »großen Drei der deutschen Phantastik nach 1900«.

Das Ergebnis der Stichprobe Ewers bereits aufgeschrieben …

Und nun das Ergebnis der Stichprobe Strobl, der ein Rechtfertigungsherz hatte, für den „Attentäter“, für den Mann seiner Gesinnung, der einen vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertierten Schriftsteller ermordet und seitdem als „erstes prominentes Opfer des Nationalsozialismus in Österreich“

Karl Hans Strobl, „Landesleiter der Reichsschrifttumskammer Wien“, wird es wohl recht, so recht recht warm um sein Herz gewesen sein, beim Lesen am 17. Jänner 1942 in den „Innsbrucker Nachrichten“ die deutschehrstolz befohlene Verpflichtung eines „Volkes zu dankbarer Treue“ gegen ihn —

„Ein Vorkämpfer des großdeutschen Gedankens — Zum 65. Geburtstag Karl Heinz Strobls“:

Aus dem Industriestädtchen Iglau, aus dem sudetendeutschen Kulturraum also, hat, unermüdlich für sein Volks- und Deutschtum streitend, der Dichter Karl Hans Strobl mit seinen Werken den Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden. Bei ihm decken sich Tat und Idee vollauf. Aus der alten Idee vom Reich, aus dem Boden der Heimat wuchs ihm die Kraft, das zu sagen, was er sah, erlebte und erlitt. Strobl, am 18. Jänner 1877 geboren, studierte Jura in Prag und schied kurz vor Kriegsausbruch 1914 aus dem Staatsdienst aus, um in Leipzig eine Zeitschrift herauszugeben. Reisen führten ihn in die verschiedensten Länder und Erdteile. Die Tätigkeit als Berichterstatter im Kriege wurde abgelöst durch das Leben als freier Schriftsteller, der unbeirrbar im deutschen Grenzland für sein Deutschtum eintrat. Der ehemalige tschechoslowakische Staat hat den Dichter 1934 aus seiner Heimat wegen „staatsgefährlicher Betätigung“ ausgewiesen. Seitdem lebt Strobl in der Nähe von Wien. Vor fünf Jahren erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Als Strobl 1902 mit seinem Roman „Die Vaclavbude“ zum erstenmal die nationalen Gegensätze der Deutschen und Tschechen gestaltete, als er „Die Flamänder von Prager“ (früher der „Schipkapaß“) und die Geschichte vom „Wirtshaus zum König Przemysl“ schrieb, da spitzten sich die Spannungen immer mehr zu. So ist schon zu frühen Zeiten dieser Dichter ein Vorkämpfer des großdeutschen Gedankens geworden und im gleichen Raum ist Strobls großer Roman „Die Fackel des Hus“ angesiedelt. Ebenso wie der dreibändige Roman „Bismarck“ ein großangelegtes Bekenntnis zum Deutschtum, zum Großdeutschen Reiche darstellt. So hat Strobl aus dem Erlebnis des Weltkrieges in seinem Bismarckwerk die Heraufkunft eines neuen Reiches geahnt, so hat er in vertiefter Form aus den frühen Volkstumskämpfen seiner Jugend- und Mannesjahre seine Erkenntnisse bezogen und folgerichtig danach gehandelt. Seine Erinnerung an diese Spanne in dem Buch „Verlorene Heimat“ geben Zeugnis von dem schweren Kampf des Sudetenlandes in den letzten Jahrzehnten. Neben diesen Dichtungen, die der Heimat und ihrem Lebenskampf dienen, gibt es mannigfache Romane mit überwältigender Fabulierlust und Freude an dem Geschehen erzählt. In die Nachbarschaft E. T. A. Hoffmanns gehören diese psychologisch vertieften Romane, auch die Kriminalromane wie „Prozeß Borowska“. In seinen letzten Dichtungen, dem „Kaiser Rotbart“, hat Strobl der Einheit des Reiches ein Denkmal gesetzt. In dem Roman aus den Bergen „Totenhorn-Südwand“ unterhält der Erzähler durch eine Liebesgeschichte. 1939 schrieb Strobl eine vorzügliche einfühlsame Studie über Schicksal, Gestalt und Seele einer Stadt in dem Essay „Prag“. Karl Hans Strobl, der 65jährige Dichter aus Iglau, hat seinem Volke zu allen Zeiten treu gedient. Seine Dichtungen atmen den Geist des sich selbst bewußten Deutschtums im Kampf an gefährdeter Stelle. Diese Vorposten-Dichtung für den großdeutschen Gedanken verpflichtet das deutsche Volk zu dankbarer Treue dem Dichter gegenüber. Heinz Grothe

Hermann Stehr, „Genius des …“

Vor 85 Jahren verfasste Hermann Stehr diesen recht besonderen Aufruf,

„Uns sollen die Zähne ausfallen und die Zunge im Munde verdorren, wenn wir am 10. April nicht dem Führer und seinen Taten ein begeistertes Ja zurufen.“

für den Anschluss Österreichs an das deutsche reich zu stimmen, dem Österreicher seinen Wunsch zu erfüllen. Oh, was hat der Österreicher bis dahin schon für „Taten“ vollbracht, die wahrlich, wenn ein „begeistertes JA zurufen“ verweigert wird, zu bestrafen sind mit dem „Zähne ausfallen“, mit dem „die Zunge im Munde verdorren“ …

Ja, Hermann Stehr, es ist eine weitere Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“. GDie bisherigen Stichproben auf „Projekt Gutenberg-DE“ haben das Verschweigen, die sonderliche Selektion von biographischen Angaben als Ergebnisse gebracht. Anders wird das bei Hermann Stehr gestaltet. In der Biographie auf „Projekt Gutenberg-DE“ bleibt der Nationalsozialismus nicht ausgespart, wird dieser nicht verschwiegen. Ist am 18. Oktober 2023 auf der Website „Projekt Gutenberg-DE“ zu lesen. Zum Verschweigen, zum Aussparen, zum Selektieren bei Hermann Stehr zusätzlich eine Art des Umgangs mit biographischen Angaben, die mit Schonung, mit Beschönigung beschrieben werden kann. Die von „Projekt Gutenberg-DE“ angegebene Quelle dafür ist ein Autor namens Dr. Stefan Lobe:

1926 wird er Gründungsmitglied der Preußischen Dichterakademie. Es folgen Auszeichnungen wie 1930 der ›Rathenau-Preis‹, 1932, die ›Goethe-Medaille‹, 1933 der ›Goethe-Preis der Stadt Frankfurt‹, 1934 der ›Reichsadlerschild‹.
Seit Mitte der 20er-Jahre nähert sich Stehr zunehmend der deutsch-nationalen Weltanschauung an. Nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten ist er weiterhin Mitglied der »gesäuberten« Dichterakademie. Im August 1934 unterzeichnet er nach Hindenburgs Tod den Aufruf zur Zusammenlegung des Amts des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in der Person Hitlers. Ebenso rechtfertigt er in einem Zeitungsartikel die Legalisierung der Morde anlässlich des sog. »Röhm-Putsches«. Der nationalsozialistische Kulturbetrieb feiert Stehr als »Künder der deutschen Seele« und preist ihn wegen seiner »völkischen Erdverbundenheit«, doch entzieht er sich weitgehend der Vereinnahmung und verfasst auch keine Lobgesänge auf Adolf Hitler.
Hermann Stehr verkörpert mit seinem beachtenswerten Frühwerk (1898-1905) eine besondere Spielart des Impressionismus, die den »Naturalismus des Innenlebens« stofflich mit Themen der Heimatkunstbewegung verknüpft. Dies bleibt auch Grundlage der Werke seiner neuromantischen (ab 1909) und »völkischen« (ab 1926) Phase, die nichts mit der »Blut-und-Boden«-Literatur zu tun haben, weshalb der Autor auch vom dogmatischen Nationalsozialismus abgelehnt wird, während der offizielle NS-Staat ihn gleichzeitig als repräsentativen Dichter feiert.

„Doch entzieht er [Hermann Stehr] sich weitgehend der Vereinnahmung und verfasst auch keine Lobgesänge auf Adolf Hitler“. Nach den literarischen Kriterien der Lobgesänge waren es wohl keine „Lobgesänge auf Adolf Hitler“, aber „Lobzeilen“ auf den Österreicher allemal … Allein, was auf der Website der Stadt Münster“ am 18. Oktober 2023 zu Hermann Stehr zu lesen ist, läßt die auf „Projekt Gutenberg-DE“ geübte Nachsicht, Milde gegen Hermann Stehr, eine besondere Art der Verteidigung von Hermann Stehr —

Ein paar Zitate von dem auf der Website der Stadt Münster Veröffentlichten sollten genügen, daß auch diese Stichprobe nur eines auslösen kann, Verwunderung über den Umgang der Verantwortlichen von „Projekt Gutenberg-DE“ mit biographischen Angaben der von ihnen verbreiteten Schreibenden:

„Der alte Kämpfer Hitler ist mit den Landesverrätern in einer Nacht fertig geworden, der Staatsmann Hitler hat mit der Übernahme der Reichspräsidentschaft auch diese letzte Hoffnung auf die Gefährdung des neuen Reiches zunichte gemacht.“

In einem in seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach befindlichen Text spricht er sich vehement für den Anschluss Österreichs im Jahr 1938 aus: „…so stürmte das neu erstehende Volk einer neuen deutschen Welt trotz Tod und Verderben entgegen, denn ihm war von Gott in Adolf Hitler ein Führer gegeben worden, dem sie vertrauten, wie ihrem eigenen Herzen. […] “
Weiter schwärmte er von den Vorzügen und Erfolgen des neuen Regimes: (Abschrift der Brief-Handschrift, Seite 3 – Bild „Huldigungsbrief Stehrs auf Hitler“)
„Der Hunger floh aus den Hütten der
Armen, die Schlote rauchten wieder, die
Räder sausten. Aus einer erliegenden
wurde eine siegende Wirtschaft. Das
war das Ja der Zuversicht, das Deutsch-
land unter der Führung Hitlers dem immer
betroffener werdenden feindlichen Ausland auf-
drängte.“
Stehr schloss mit einer politischen Aufforderung:
„Und nun, zum letzten, hat er die jahrtausend
alte Sehnsucht der Deutschen nach Wiederver-
einigung mit Österreich erfüllt.
Das einige Großdeutschland ist erstanden
aus Heloten sind Herren geworden.
Uns sollen die Zähne ausfallen und die Zunge
[gestrichen: wenn] im Munde verdorren, wenn wir
am 10. April nicht dem Führer und seinen
Taten ein begeistertes Ja zurufen.“


Anfang April 1934 wird Stehr von der Deutschen Studentenschaft um Unterstützung für „eine vierwöchige Gesamtaktion gegen den jüdischen Zersetzungsgeist und für volksbewußtes Denken und Fühlen im deutschen Schrifttum“ gebeten, die im Mai in öffentlichen Bücherverbrennungen kulminierte. (Erdmann, S. 323f.)

Für seine Anpassung an die NS-Zeit lassen sich etwa in der Veröffentlichung „Das Stundenglas“ (1936) Beispiele finden. In „Über Kunst im heutigen Deutschland“ (Stehr, Stundenglas, S. 83ff.) wandte er sich gegen den „Weltkreuzzug der demokratischen Zivilisation“ und entschied sich für „den deutschen Geist“. Weiter schwärmte er: „Unter dem großen Sachwalter deutscher Kraft und deutschen Sinnes ist vor Jahr und Tag der gewaltige Umschwung gekommen.“ Es begann „die Aufrichtung eines neuen Deutschland“.

Stehr sprach vom „Genius des Führers“ und machte deutlich: „Darauf beruht die Möglichkeit und das Recht dessen, der aus rassischer und geschichtlicher Wirklichkeit Deutscher ist, im Deutschtum erkannt und erhalten zu werden. Hier wird deutlich, daß Volk sich nur unter der Herrschaft eines sinnvollen Willens, als Gefolgschaft des Führers, zu erfüllen und zu erhalten vermag.“

Der Sammelband „Das Stundenglas“ enthält weitere Beiträge, etwa die Ansprache „An die deutsche Jugend“, die erkennen lassen, dass der Autor eine „herrliche Wendung“ sah: „Es ist nicht getan mit dem Ruf ‚Heil Hitler‘ […] dadurch dokumentiert Ihr wohl äußerlich die Bereitwilligkeit zur Hingabe an die Verantwortung, die Ihr nach dem Befehl des Führers auf Euch genommen habt. Allein die Verantwortung muß, bis ins Innerste vertieft, zur Selbstverantwortung werden. […] Dadurch allein wird die Arbeit im Dienst des nationalen Sozialismus zur Weltanschauung vertieft und geweitet.“ (S. 116)

Stehr bediente sich nach 1933 vermehrt des aktuellen NS-Vokabulars, sprach vom „Zwang des Blutes“ und ließ sich offiziell als „Seher und Führer“ des neuen Deutschland feiern. Seine Weltsicht, seine Auffassung von der Gemeinschaft, sein „Glaube an deutsche Art und deutsches Wesen“ seien – so Erich Mühle, 1937 – „ganz deutsch“. (Stroka, S. 104)

„Seine Stellungnahme zum ‚Dritten Reich‘ war, wie die so manchen anderen namhaften deutschen Autors von der Wahnvorstellung durchdrungen, dass Hitler eine deutsche Sendung zu erfüllen hätte.“ So berichtete Alfons Hayduck von einem Besuch bei Stehr kurz vor seinem Tode:
„Hermann Stehr ist voll tiefer Bewunderung für die Waffentaten des erneuerten Deutschland […], für die säkulare Erscheinung des Führers, von dem der Dichter meint, dass die Kernpunkte seiner Kraft […] in der Lösung der sozialen Frage lägen, in der Überwindung der sprichwörtlichen deutschen Zwietracht.“ (Bundesarchiv, RKK, Stehr)

Gesinnungswechsel
„Stehr war ein Autor, dessen Stilmischung […] ihm zwar manchen literaturkundigen Bewunderer […], aber insgesamt nicht die Resonanz eintrug, die der sendungsbewußte Dichter für sich reklamierte.“ Er sah „die große Chance seines Lebens im Machtwechsel von 1933, als er in offizieller Sicht zum ersten Dichter der Nation avancierte“. „Jetzt hast du“, schrieb ihm der ehemalige Sektionssekretär für Dichtkunst Oskar Loerke im Dezember 1933, „mächtigere Freunde.“ (Scholdt, S. 740)

Hermann Stehr wird in den 1920er Jahren noch als progressiver Autor beschrieben. Politisch zeigte er während der Weimarer Zeit Bereitschaft, sich an einem demokratischen Gemeinwesen zu beteiligen. Um 1930/31 tritt eine Wandlung ein. Er wandte sich zunehmend konservativ-nationalen rechtsgerichteten Dichterkreisen zu, die etwa gegen den Import „wesenfremden“ Schriftgutes auftraten. Nach 1933 sollten diese Kreise dann eine wichtige Rolle im Literaturbetrieb des Dritten Reiches spielen. (Kunicki, 2009)

Am 15. März 1933 gehörte Stehr zu den ersten der 27 befragten Mitglieder der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, die eine von den Nationalsozialisten geforderte Erklärung positiv beantworteten, sich „unter Anerkennung der veränderten geschichtlichen Lage“ weiterhin diesem Gremium zur Verfügung zu stellen. Stehr und seine Freunde konnten die durch Ausschaltung sozialistischer und jüdischer Künstlerkollegen „gesäuberte“ Akademie für sich nutzen. Dies beschrieb der abgesetzte Oskar Loerke: „Als die Herrschaften sich selbst überlassen waren, wurde es unangenehm. Die guten alten triumphieren. Strauß, Stehr. Sie fühlen sich jetzt würdig und wichtig. Man hat ihnen Senatsstellen gegeben.“ (Tagebucheintrag Loerkes vom 09.06.1933, EDV-Abschrift DLA Marbach, zit. nach Sprengel, S. 56)

„Nationalsozialismus“ für Gustav Frenssen „schönstes Glück meines Alters“

Den biographischen Angaben zu Gustav Frenssen auf „Projekt Gutenberg-DE“ braucht nur gegenübergestellt zu werden, was die Verantwortlichen dieser Website alles nicht aus der Biographie von Gustav Frenssen erwähnen, um mit dieser weiteren Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu zeigen, wie Biographisches ausgespart, systematisch verschwiegen wird.

Frenssen Gustav

Gustav Frenssen wurde am 19. Oktober 1863 in Barlt, Dithmarschen geboren; er starb am 11. April 1945 ebendort. Frenssen war ein Sohn des Tischlermeisters Hermann Frenssen. Er besuchte nach der Volksschule zunächst das Gymnasium in Meldorf und danach das Gymnasium in Husum. Nach abgelegter Reifeprüfung 1886 nahm er das Studium der Theologie an den Universitäten Tübingen, Berlin und Kiel auf. Frenssen wurde Mitglied in Friedrich Naumanns »Nationalsozialen Verein« und beschäftigte sich mit zeitgenössischen rassebiologischen Schriften.

Das ist am 17. Oktober 2023 zu Frenssen, der mit dem Papalagi im Austausch stand, auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu lesen. Mehr nicht.

Mehr nicht. Nichts von dem, was beispielsweise „Wikipedia“, einer immer wieder auch von „Projekt Gutenberg-DE“ bemühten „Quelle schreibt, gar nichts davon:

Gustav Frenssen […] war ein deutscher Schriftsteller des völkischen Nationalismus, ab 1932 des Nationalsozialismus. Seine Werke gehörten zur Massenliteratur des Kaiserreichs und der NS-Zeit, die damals verbreitete kolonialistische, rassistische und antisemitische Vorstellungen vermittelten. Frenssens politische Haltung während des Kaiserreichs war nationalkonservativ.

Er wurde 1896 Mitglied in Friedrich Naumanns Nationalsozialem Verein und blieb es bis zu dessen Auflösung 1903. Genau wie Naumann sprach er sich für deutsche Kolonien aus, und schon vor Hans Grimm und Adolf Bartels prägte er in seinem Roman Die drei Getreuen (1898) die Parole „Volk ohne Raum“. Er beschäftigte sich mit zeitgenössischen rassebiologischen Schriften.

Nach der Machtübernahme unterstützte er offen die NSDAP. Er unterschrieb 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Hitler, bejahte ab 1938 die Ausgrenzung der Juden und trat für die Euthanasie ein.[4] Hans Sarkowicz und Alf Mentzer werten die nach 1933 veröffentlichten Bücher Frenssens als „fast ausnahmslos übelste nationalsozialistische Propaganda“.[5] Im Oktober 1933 ließ sich Frenssen in die gleichgeschaltete Preußische Akademie der Künste Sektion Dichtung aufnehmen, die sich ab 1939 Deutsche Akademie der Dichtung nannte, und wurde zum Ehrensenator des Reichsverbands Deutscher Schriftsteller, einer Unterabteilung der Reichsschrifttumskammer, ernannt. 1933 erhielt er den Raabepreis. 1938 verlieh ihm Hitler die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Er war Vorstandsmitglied des 1936 gegründeten Eutiner Dichterkreises, einer der bedeutendsten Autorengruppen in Nazi-Deutschland.

1940 erschienen seine Autobiographie Lebensbericht, die von Großstadtfeindlichkeit, Antiintellektualismus und Antisemitismus geprägt ist, sowie Recht oder Unrecht – mein Land!, in dem er die Verfolgung der Juden und das Weltmachtstreben der Nationalsozialisten rechtfertigte. Sein vorletztes Buch Lebenskunde erschien 1942. Es beschäftigt sich u. a. mit dem Thema der „Menschenzucht“. Sein letztes Buch, die Erzählung Der Landvogt von Sylt (1943), handelt eigentlich von zwei Inhabern dieses Amtes: von Uwe Jens Lornsen und seinem Nachfolger Hans Nicolai Frenssen (1798–1833), einem entfernten Verwandten des Autors. In den letzten Kriegsjahren arbeitete Frenssen vorwiegend für den Rundfunk und die Reichspressestelle der NSDAP.

Und die gesinnungsgemäße „alternative …“, ist am 17. Oktober 2023, zu lesen, hält in ihrem Eintrag fest:

Den Nationalsozialismus bezeichnete D. Frenssen in einem Brief als „schönstes Glück meines Alters“.

Der dithmarscher Pastor und Autor Dr. theol. h. c. Gustav Frenssen; von 1933 bis 1945 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin und der Deutschen Akademie der Dichtung. Hitlers Bild hing – neben dem Bismarcks und seines Vaters – stets über seinem Schreibtisch.

Den Wahlsieg des Nationalsozialismus bezeichnete er in einem Brief als „schönstes Glück meines Alters“.[4] Frenssen erfuhr nach 1933 verstärkt Ehrungen und Anerkennungen von zahlreichen Repräsentanten des literarischen und politischen Lebens in Deutschland, was ihn in der Öffentlichkeit zu einer wichtigen Person des nationalsozialistischen Kulturlebens werden ließ. So wurde er unter anderem Ehrensenator des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller und erhielt 1936 den Wilhelm-Raabe-Preis sowie 1938 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. In seinem Werk „Der Glaube der Nordmark“ setzte er sich kritisch mit dem rationalistischen Christusglauben der Kirche auseinander und stellte diesem stattdessen einen neuen völkischen Schicksalsglauben entgegen. Im Jahre 1938 erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Gustav Frenssen starb, schwer erkrankt, im April 1945 kurz vor der endgültigen Zerstörung Deutschlands. Zu den Gratulanten zu seinem 80. Geburtstag gehörte auch der Führer und Reichskanzler Hitler.

Frenssen hielt ein wahres Verständnis zwischen verschiedenen Rassen, Völkern und Kulturen aus biologischen Gründen für unmöglich. Aufgrund der erblichen Verschiedenheit zwischen den verschiedenen Menschentypen bleibe stets eine Differenz des Verstehens, die sich nicht überwinden lasse. Dieser nicht überbrückbare Abstand des Verstehens besteht nach Frenssen nicht nur zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen, sondern auch zwischen „rassisch unterschiedlichen Menschen des gleichen Volkes“ und der gleichen Kultur. So empfand Frenssen, der sich selbst als nordischen Künstler sah, den von ihm zwar in höchster Weise geschätzten, jedoch als stark romanisch beurteilten Goethe als fern: „Goethes lebensfrohe, lebenssichere, sonnige Art ist mir wie aus einem fremden Land und Volk.“

In Theorie und Praxis der Gesellschaft sollten nach Frenssen biologische Gesichtspunkte vorherrschen. Dies habe insbesondere für den Bereich des Rechts zu gelten, dessen herkömmliche Betrachtung er ablehnte. Recht begriff er als einen kosmischen Begriff, aber nicht als einen menschlichen. Dementsprechend forderte er vor allem für das Strafrecht eine radikale Umorientierung an biologisch-medizinischen Gesichtspunkten. Er hielt die Zuchthäusler ganz überwiegend für unheilbar krank und verkrüppelt, aber nicht für moralisch schlecht. Sie gehörten nicht in Strafhäuser, sondern in Krankenhäuser. „Wenn man festgestellt hat, daß ein Mensch eine asoziale oder antisoziale Krankheit hat, so muß er zuerst kastriert und dann in Schutzhaft genommen werden, und zwar zeitlebens.“

So ist Frenssens 1933 in einem Brief an den holsteinischen Schriftstellerkollegen Heinrich Eckmann getroffene Feststellung, er sei schon vor 35 Jahren Nationalsozialist gewesen, durchaus nicht als Anbiederung an die neue Macht zu sehen, sondern als ehrliche und zutreffende Selbstbeschreibung zu werten. Frenssen forderte in seinen Publikationen wiederholt die Entmannung von Volksschädlingen. Zu den nach seiner Vorstellung zu Entmannenden, wie er 1942 in „Lebenskunde“ schrieb, gehörten unter anderem „die in dritter Generation erblich oder seelisch Schwächlichen oder Verkrüppelten. Ferner … die sittlich Verfallenden (Labilen), die in kranken Neigungen (Trunksucht, Perversität, Eigentumsverbrechen) immer wieder die Notwendigkeiten der Gemeinschaft stören“. Er verlangte ein konsequentes Vorgehen gegen die völlig verkrüppelten Neugeborenen, die unheilbaren Idioten, die unheilbar Irren. Ferner die geborenen Mörder, Rohlinge (Gewalttäter), Einbrecher, Diebe, Arbeitsunwillige, Herumtreiber, Volksfeinde aus krankem Willen oder um Geld.

Auf diese Art also „beschäftigte [Gustav Frenssen] sich mit zeitgenössischen rassebiologischen Schriften.“ Er beschäftigte sich bloß, nicht, daß er selber so schriebe. Das also ist für „Projekt Gutenberg-DE“ Festhaltenswertes, wenn wer sich mit „zeitgenössischen rassebiologischen Schriften [beschäftigt]“, nicht aber, wenn wer derartige Schriften selber verfaßt —

Er sei, schreibt Frenssen, schon vor „35 Jahren Nationalsozialist gewesen. Gustav Frenssen war also schon 1898 Nationalsozialist, zu der Zeit war Adolf Hitler mit seinen neun Jahren Volksschüler, und er, Hitler, konnte nicht einmal davon träumen, „Nationalsozialist“ zu werden, wenn er groß ist, war es doch zu dieser Zeit gewiß noch kein Bubentraum.

Was „Projekt Gutenberg-DE“ allerdings nicht verschweigt und zum Lesen bereithält, ist das Buch „Die drei Getreuen“ von Frenssen, in dem er „Volk ohne Raum“ von Hans Grimm …

„Doch ist hier Heimat und dort Fremde … Und die starke Kraft des Volkes geht weg wie aus einer offenen Ader; was dafür herzieht, ist minderwertiges, fremdes Blut.“

Da reiten sie aus der Allee des Strandigerhofs hervor, »die drei Getreuen«. Sie reiten nach dem Seedeich und wollen da oben, auf der Höhe, über die Nordsee Ausschau halten, ob auch feindliche Schiffe in Sicht sind. Denn das Vaterland hat Krieg. Es ist drei Tage nach der Schlacht bei Gravelotte. Das Land und der Strand ist von Mannschaften entblößt; sie sind alle nach Frankreich gezogen. Da muß Jungholstein auf dem Plan sein. »Die drei Getreuen« nennen sie sich. Sie sind alle gleich alt, zehn Jahre.

So ist das Volk, das kein Land hat.

Ja, es kann in der Gegenwart keine recht bessere Literatur für „Lehrer, Studenten, Schüler“, einfach für „alle Menschen“ geben, kostenlos zur Verfügung gestellt, von der „Projekt Gutenberg-DE“ … Und eine solche Literatur wird um so recht besser, je mehr von den Biographien der diese Schreibenden verschwiegen, ausgespart

„Wir und die Welt – Deutsche Kriegslieder“

So viele Kapitel schon, und dabei erst beim sechsten Buchstaben im Alphabet mit den Stichproben, wie viele Kapitel werden es noch werden müssen über die seltsame Selektion der biographischen Angaben durch die Verantwortlichen der „Projekt Gutenberg-DE …

Ewers Hanns Heinz

Das ist am 15. Oktober 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“ von der Biographie zu erfahren:

Geboren am 3. November 1871 in Düsseldorf; gestorben am 12. Juni 1943 in Berlin. Ewers war ein deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Globetrotter und Kabarettist. Ewers’ Geschichten kreisen um die Themen Phantastik, Erotik, Kunst bzw. Künstler und Reisen in exotische Länder. Seine teils äußerst drastischen Darstellungen machten ihn zum skandalumwitterten Bestsellerautor, gleichzeitig mußte er sich immer wieder gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, seine Werke seien trivial, unmoralisch oder pornographisch.
Quelle: Wikipedia

Und wieder als „Quelle Wikipedia“, und wieder die Aussparungen … Aber auch das gehört, was „Projekt Gutenberg-DE“ verschweigt, zur Biographie von Hanns Heinz Ewers, und das von der „Quelle Wikipedia“ nicht ausgespart wird, nicht verschwiegen wird:

Hanns Heinz Ewers (* 3. November 1871 in Düsseldorf; † 12. Juni 1943 in Berlin; gebürtig Hans Heinrich Ewers) war ein deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Globetrotter und Kabarettist. Ewers’ Geschichten kreisen um die Themen Phantastik, Erotik, Kunst bzw. Künstler und Reisen in exotische Länder. Seine teils äußerst drastischen Darstellungen machten ihn zum skandalumwitterten Bestsellerautor, gleichzeitig musste er sich immer wieder gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, seine Werke seien trivial, unmoralisch oder pornographisch. In seinem äußerst bewegten Leben vertrat Ewers auch einander widersprechende Positionen. So setzte er sich für die Gleichberechtigung der Juden ein, trat aber zum 1. November 1931 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 659.057) und engagierte sich in deren Propagandaarbeit. 1934 wurde ihm ein generelles Publikationsverbot erteilt. Eines der wenigen erhaltenen Werke aus dieser Zeit war seine Sammlung Deutsche Kriegslieder (1914). Wilhelm II. soll eines der Gedichte, Wir und die Welt, seinen Generälen begeistert vorgetragen haben. Anschließend ließ der Kaiser das Gedicht drucken und unter den deutschen Soldaten verteilen. Auch in einige Schulbücher wurden einige der Kriegslieder aufgenommen. Ewers war zu dieser Zeit schon Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), allerdings sprach er sich ab etwa 1930 vermehrt für eine faschistische Revolution aus, die er schon bald kommen sah. Dementsprechend wurde er Mitglied der 1931 von Waldemar Pabst gegründeten Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Zu seinen engeren Bekannten gehörten nun Ernst Hanfstaengl, den Ewers noch aus New York kannte und der mittlerweile einer der Geldgeber der NSDAP war, und August Wilhelm von Preußen, ein Sohn von Wilhelm II. Auch hatte er schon erste Kontakte mit führenden NSDAP-Mitgliedern, u. a. dem SA-Führer Ernst Röhm und dem späteren Propagandaminister Joseph Goebbels. Durch endlose Eingaben gelang es Ewers, das Publikationsverbot aufzuheben. Zusammen mit dem Zinnen-Verlag plante Ewers, zwei Erzählungsbände herauszugeben: Die schönsten Hände der Welt erschien kurz nach Ewers’ Tod im Jahr 1943, Der weiße Wolf kam über die Planung nicht hinaus. Die schönsten Hände der Welt enthielt neben schon Veröffentlichtem auch drei neue Texte, die titelgebende Reisenovelle und die beiden Satiren auf den Nationalsozialismus Wir fangen Fische und Der Regenwurmklub.

Gar vieles, sehr vieles veröffentlicht „Projekt Gutenberg-DE“ von Hanns Heinz Ewers, nur, nur jedoch die „Satiren auf den Nationalsozialismus“ werden vergeblich gesucht, die Suchfunktion von „Projekt Gutenberg-DE“ zeigt keine Treffer für die Satiren „Wir fangen Fische“ und „Der Regenwurmklub“ an — ach, warum?

Und die „alternative …“ will gesinnungsgemäß an Ewers erinnert haben, zu lesen am 15. Oktober 2023:

Ewers kam als Sohn des Kunstmalers Heinz Ewers und dessen Frau, der Übersetzerin Maria Ewers aus’m Werth, auf die Welt. Ewers besuchte in Düsseldorf das Gymnasium und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Berlin und Genf. 1914 befand er sich auf Weltreise und wurde für die gesamte Dauer des Ersten Weltkrieges in den VSA interniert. In der Zwischenkriegszeit galt er mit seinen schaurigen Horrorgeschichten als Begründer und führender Vertreter der Schwarzen Romantik. Der bereits vor dem Krieg erschienene Roman „Alraune“ (verfilmt 1928 und 1952) ist sein bekanntestes Werk: Ein künstlich erzeugtes Wesen „aus dem Samen eines Mörders“ und dem „Schoß einer Hure“ wird zum Schrecken der Mitwelt. In „Zauberlehrling“ steigerte er die Schilderung religiösen Wahns und erotischer Ausschweifung bis zum Exzeß. Er gilt als der Erfinder des Wortes „Kintopp“. Ewers arbeitete auch als Übersetzer für Geschichten von Edgar Allen Poe. Weit vor 1933 trat er der NSDAP bei und veröffentlichte in der Weimarer Republik die deutsch-bejahenden Werke „Reiter in deutscher Nacht“ und „Horst Wessel“. 1934 folgte sein Werk „Stürmer – ein deutsches Schicksal“, 1941 „13 Gespenstergeschichten“ und 1943, seinem Todesjahr, „Die schönsten Hände der Welt“. Gemäß offizieller Geschichtsschreibung galt er unter dem Nationalsozialismus als verfemter Autor. Tatsache ist aber, daß Ewers noch in Kürschners Deutscher Literaturkalender 1943 mit all seinen Werken gewürdigt wurde. Verboten wurden hingegen die Werke des 1943 verstorbenen Hanns Heinz Ewers 1945 erst durch die sogenannten „Befreier“.

Auch das, wenn auch nicht für „Projekt Gutenberg-DE“, gehört zur Biographie von Ewers: die Mensuren.

Es wird noch weitere, zumindest ein weiteres Kapitel geben müssen, ist die Stichprobe doch schon gemacht, die zu Gustav Frenssen …

Dieses Kapitel aber soll einfach mit der Feststellung enden, es kann verstanden werden, daß Wilhelm II. das Gedicht „Wir und die Welt“ von Ewers seinen „Generälen begeistert vorgetragen, anschließend ließ der Kaiser das Gedicht drucken und unter den deutschen Soldaten verteilen, auch in einige Schulbücher wurden einige der Kriegslieder“ …

Wir und die Welt Wir haben geschwiegen im Völkerrat, Einmal und zweimal und mehr; Und standen zur Seite und mieden die That — Einmal und zweimal und mehr! Wir haben uns nimmermehr beeilt, Als man die Erde aufgetheilt: Wir hörten der Andern heissen Schrei — Wir wollten den Frieden — und standen dabei Zweimal und dreimal und mehr ! Und dennoch gaben sie keine Ruh‘, Keinen Tag und nimmermehr Und sahen uns scheel und neidisch zu Einmal und zweimal und mehrl Sie haben gehöhnt und haben gehetzt Und Säbel geschliffen und Messer gewetzt, Den Deutschen zu schimpfen war keiner zu faul — Wir wollten den Frieden! — Wir hielten das Maul Einmal und zweimal und mehr ! Sie trieben durch Jahre das frevle Spiel Mehr noch und immer mehr ! Bis der Tag anbrach, der Gott gefiel, Einmal und nimmer mehr. Bis die Erde war von Lügen krank, Bis der Hasser Heulen zum Himmel stank, Bis der Deutsche sprach: „Nun ist es genug, Nun duld ich die Lügen und dulde den Trug Nimmer und nimmermehr I“ Und er fuhr wie ein Wetterstrahl, Und er blickte ringsumher, Und er sah seiner Neider Ueberzahl, Einen und Manchen mehr ! Sah im Ost den Feind und im West den Feind, Mit den Hussen den Franzmann eng vereint; Und den Serben dann, und den Belgier dann, Und den Briten und Alles, was lügen kann, Mehr noch und Manche mehr ! Montenegro noch und Portugal noch, Ist es wirklich keiner mehr ? Die Feinde kriechen aus jedem Loch, Mehr noch und Viele mehr ! Der Lügenbrite ist immer noch feig, Er knetet weiter den Bündnissteig, Hat immer noch Angst vor des Deutschen Sieg, Da hetzt er den Japsen hinein in den Krieg — Den noch und Manchen mehr. Mit Senegalnegern — o schmähliche Zeit, Füllt der Welsche sein zitternd Heer, Mit dem Volk, das die Wüste Sahara ausspeit, Mit dem Turko und manchen mehr ! Und aus Britannia’s Kiesenschoss Bricht der Schwarze, der Braune, der Gelbe los Es tanzt nach dem englischen Dudelsack Fünfhundert Millionen Sklavenpack, Gegen einen — hundertmal mehr! Der Feinde Hohn und der Uebermacht Spott, Rast durch die Welt daher, Und der Deutsche betet : „Nun helfe mir Gott, Einmal, nur einmal mehr!“ Und es fiel seine Faust und es fiel sein Streich, Da sank der Belgier zu Boden gleich. —
Und ein neuer Tag und ein neuer Schlag — Bis dass der Franzos auf den Knie’n lag ! Recht so ! Und mehr noch ! Noch mehr ! Nun zittere, Brite ! Wie ein Taifun stark Ist des Deutschen blanke Wehr, Es trifft sein Schlag und er trifft in’s Mark Einmal und zweimal und mehr! Nun zittere, Kusse ! Und denke daran : Auch deine Stunde naht schon heran. Nur ein Atemholen! Nur Zeit, nur Zeit! Auch dir ist ein heisses Süpplein bereit, Einmal und zweimal und mehr! Ein Schlag ertönt durch die ganze Welt Einmal und zweimal und mehr! Wo der Deutsche trifft — ist ein Heer zerschellt, Eines und noch eins mehr ! Still lauscht die Welt und atemlos, Denn dies Hingen ist so gewaltig gross ; Und in dem wilden, dem letzten Krieg, Pflückt sich der Deutsche den ewigen Sieg: Er allein — und keiner