Land unter Trachten

„Tracht ist Uniform“ schrieb vor einigen Tagen die Umsonstzeitung heute, allerdings eingeschränkt auf  Tracht sei die Party-Uniform Nummer 1, noch die Uniform der Feste, die sonst nur halb so lustig, halb so urig -, allerdings bereits ungeschränkt: die Tracht ist absolut alltagstauglich

Die Umsonst schränkt die trachtenuniformierte Party noch räumlich und zeitlich ein -, allerdings scheint inzwischen das ganze Land eine einzige Trachtenparty geworden zu sein -, wenn an die christschwarzen Trachtner und Trachtnerinnen voran … Es gesellen sich, besser, drängeln sich in der erste Reihe vor allem die freiheitlichen Trachtner

Welch ein Glück oder welch ein Unglück, 2012 in Österreich zu leben. Weil, es muß nichts Neues geschrieben werden, es muß nicht die Zeit damit verplempert werden, eigene Formulierungen dafür finden zu müssen, was Anton Kuh bereits 1928 schrieb, und der sich ebenfalls nicht die Mühe machenn wollte, alles selbst formulieren zu müssen, was zu Österreich damals zu heute zu sagen war -, der Unterschied höchstens darin, daß es damals um andere Gesetze und Verordnungen ging, und auch wieder nicht, denn in irgendeiner Form ist Überwachung stets dabei. Anton Kuh überließ es also Franz Blei:

Ich beginne mit den Worten eines andern. Nachdrücklich sei die Wiener Öffentlichkeit auf das Feuilleton verwiesen, das Franz Blei kürzlich im „Berliner Tageblatt“ über Wien schrieb. Ich weiß, daß man diesen Schriftsteller gerade in seiner Wiener Heimat wenig kennt und schätzt. Ich weiß auch die Gründe: man ist hierzulande in aktuellen Bildungsdingen auf die Gnade und Informiertheit der Mittler angewiesen; und Blei genießt bei denen keine Sympathie. Nun, ich lasse hier einige Zeilen des Berichtes folgen:

„Und eine Bundeshauptstadt, eines Bundes provinzialer Landschaften, ohne sonderliches, sondern von allgemein alpinen, bauernhaftem Gepräge. Mit den ländlichen Regenten dieses kleinen Bauernstaatswesens zog ein gar nicht in das Format und die Vergangenheit passender Geist in diese Weltstadt und richtete sich da ein. Etwas mit dem Haß und der Verachtung, die der bäuerliche Mensch immer gegen die Stadt und die Städter hat, die er von der Sommerfrische her zu kennen glaubt, und verachten zu müssen glaubt, weil sie sich ‚wurzen‘ lassen.

Dieser Bundesgeist, der nach dem Lande riecht, kann man in Wien überall dort wahrnehmen, wo der Bund verwaltet, sei es in Justiz, sei es in Wehrmacht, sei es das Bildungswesen. Es ist das ein provinzieller etwas stark hinterweltlerischer Geist, der so wenig Geist ist, daß er selbst seinen eigenen noch für zu viel hält. Drastisch gesprochen könnte man sagen, die tierärztliche Hochschule erscheint diesem Geiste wichtiger als die menschenärztliche, weil man vom Gesundbeten der Bäuerin überzeugter ist als vom Gesundbeten der Kuh.“

Wir gehen rigorosen Zeiten entgegen. Und es wird nicht lange dauern, daß man einen neuen Franz Stelzhammer, der den Vers zu dichten wagte: „Ein Östereicher bin i/Aus’m Österreicher Land/Das is zwar ka Unglück/Aber do is a Schand‘!“ im Zeichen der „Rechtsangleichung“ wegen Hochverrats zu fünf Jahren Zuchthaus verdonnert!

Die Woche trug Anton Kuh für seinen Artikel eine Reaktion in Österreich auf eine 700 km entfernte Kriminalbegebenheit zu, die österreichische Reaktion also auf einen Fall in Deutschland, wobei die Angelegenheit, bei der es um Jugend und deren Verführbarkeit ging, selbst nicht von Belang ist, sondern die damalige scharfe Reaktion in Österreich, weil sie vom heutigen Österreich ebenfalls bekannt ist … Es kann darin kein Fortschritt gesehen werden, daß im heutigen Österreich weiter als bis nach Deutschland gesehen wird, sogar bis Norwegen, denn im heutigen Österreich hinkt die Reaktion dem Agieren in Norwegen nach, wie seinerzeit die Reaktion in Österreich den Überlegungen in Deutschland nachhinkten, wo „sogar in rechtsstehenden Blättern die Frage aufgeworfen wurde, ob sich nicht Sport, Studium, Familienzucht, väterliche Kontrolle und staatliche Sittenüberwachung zum Schluß als untaugliche Mittel erwiesen“ … Die Reaktion in Österreich hinkt wohl je, ganz gleich ob auf eine belanglose Kriminalbegebenheit oder auf 77 Morde, nach, weil es eben ein reaktionäres Land ist, und aus diesem Grunde stets seine Reaktion zum Anlaß nimmt, mit weit Entferntem seine Reaktion immer endlich ungeniert wieder ausleben zu können …

Diesen Trachtengeist in der Bundeshauptstadt verströmen nicht nur jene, die in Tracht mit dem Handy telefonieren, das sie als einziges Accessoire der Moderne an ihnen zulassen und an sich heranlassen, sondern schon auch jene, die noch nicht, bis jetzt noch nicht in Tracht gesehen wurden, aber als Mittler ihres Geistes beispielsweise die Umsonst bevorzugen und verhätscheln …

Anton Kuh, Franz Blei und nicht zu vergessen, Hugo Bettauer, der in den 1920er Jahren Wien beschrieb, wie Wien als Stadt in Tracht hergerichtet und zugerichtet war … Und an Thomas Bernhard ist zu erinnern, weil er sich irrte, als er schrieb, in Österreich sei die gegenwärtige Situation noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren, und er bezog sich damals auf das Jahr 1938. Denn schlimmer als das Jahr 1938 konnte kein Jahr in Österreich nach 1945 gewesen sein, auch nicht das Jahr 1988, am Heldenplatz. Aber ein jedes Jahr nach 1945 war schlimmer als die 1920er Jahre, und die gegenwärtige Situation in Österreich ist noch einmal eine viel schlimmere, nicht nur weil alles über die 1920er Jahre gewußt werden müßte, und auch darüber, was danach aus diesen Jahren kroch, sondern auch deshalb, weil nicht einmal mehr die Mühe unternommen wird, für die Politik Menschen zu gewinnen, die wenigstens das geistige Niveau des Jahres 1928 … Vor allem das rechtsstehende Lager beleidigt permanent durch ein Personal, das 1928 nicht einmal eine Anstellung gefunden hätte: weder in einer Partei noch in einem Medium …

Wenn die Party „mit den ländlichen Regenten“ vorüber sein wird, was wird dann sein, was wird kommen? Was wird geblieben sein? Einzig die Tracht -, dann aber nur mehr als reine Uniform, der der Alltag absolut unterworfen sein wird …

Travestie einer Volksbefragung über die Transe mit dem Kosenamen Bundesheer

Dr. Michael Spindelegger sagte zum medial eingeleiteten Sommerende:

Machen wir ein Beispiel für direkte Demokratie – und jetzt haben wir

Den Salat … Der abgedankte Vizekanzler und Parteiobmann sagte „Beispiel“, aber als persönliche Referenz an die Zeit vor dem eigenen Pflichtschulbesuch, in der Soldaten, die zu Übungszwecken über die Felder liefen, vom Kind mit dem Ausruf entdeckt wurden, die Salaten kommen, scheint der Ausruf sehr passend:

„Und jetzt haben wir“ den Salat!

ÖVP und SPÖ spielen: Werd‘ den Rucksack los!

… aber es wäre eine Geringschätzung des Salates. Was jetzt tatsächlich gehabt wird, ist weder ein Beispiel noch ein Salat, sondern schlicht Gatsch. Vergatscht darin sind Demokratie und direkte Demokratie. Andererseits läßt sich in diesem Gatsch dennoch klar die Einstellung auch des Parteipolitfunktionärs Michael Spindelegger zur angewandten Demokratie durch diese Gegenstellung von Demokratie und direkte Demokratie erkennen … Denn eine Demokratie enthält bereits alle Formen der Teilhabe, die nun als die der „direkten Demokratie“ verkauft werden wollen. Auch ein Michael Spindelegger möchte „direkte Demokratie“ lediglich als Beispiele machen -, das nächste Beispiel dann wieder in, vielleicht, fünf, in neun Jahren oder gar in drei Jahren? Es ist das Modell einer Drei-Klassen-Demokratie: die erste Klasse ist die Demokratie, wie sie auch von einem Michael Spindelegger verstanden und gelebt wird, die dritte Klasse ist die direkte Demokratie, die alle paar Jahre eine Teilhabe vorsieht, während zwischenzeitlich auf überfüllten Gängen darauf gewartet werden darf, in die Demokratie eingelassen zu werden, wenn auch jeweils nur für eine kurze Frage …

Was aber für eine Teilhabe darf bei dem Eintritt alle paar Jahre in die Demokratie erwartet werden? Für die Teilhabe wird, um beim Beispielmacher Michael Spindelegger zu bleiben, angeboten das für eine Demokratie im Grunde selbstverständlich zu seiende Instrument der Volksbefragung … Schon dieses spindeleggersche Beispiel zeigt auf, daß aus den überfüllten Gängen zwar in die Demokratie der Einlaß gewährt wird, aber nur in eine streng abgegrenzte und streng bewachte Ecke der Demokratie, in der die dritte Klasse sich für einen Moment als zweite Klasse und für einen Augenblick, wenn die Augen ganz fest zugemacht werden, behandelt fühlen darf, wie die erste Klasse, auf der aber auch ein Michael Spindelegger nur gnadenhalber mit Sicht auf St. Pölten lie…

Und dieses spindeleggersche Beispiel ist in Wahrheit die Travestie einer Volksbefragung. Es wird keine wesentliche Frage gestellt. Es wird kein visionäres Modell zur Befragung gebracht, es werden Schuldige gesucht. Und die Schuldige, das ist jetzt schon klar, wird die dritte Klasse sein, der dann angelastet werden wird, für die enormen Kosten verantwortlich zu sein. Denn im günstigsten Fall wird sich die dritte Klasse, ganz egal welches Modell sie vorziehen wird, für gleichbleibende Kosten, oder im schlimmsten Fall, wie befürchtet wird, bei der Bevorzugung des Berufsmodells mit noch weit höheren Kosten, verantworten müssen. Die dritte Klasse wird dann von den gewählten Verantwortungsträgern und gewählten Verantwortungsträgerinnen verantwortlich gemacht werden für in diesem Bereich steigende Staatsausgaben, für die Verschwendung von Steuergeld …

Und die zehn Millionen teure (aber ohne Einrechnung der zu erwartenden enormen Ausgaben der christschwarzen und der sozialdemokratischen Partei für das Bewerben ihrer jeweiligen „Modelle“) Travestie einer Volksbefragung wird gegeben über die „Bundesheer“ gerufene Transe … Zum einen kann die Bundesheer von sich nicht sagen, sie sei Armee, vor allem weil für ihre Existenzberichtigung seit Ewigkeiten vorgebracht wird – der Katastrophenschutz, zum anderen kann die Bundesheer von sich nicht sagen, sie sei Katastrophenschutz, dagegen spricht die Statistik ihrer Einsätze bei Katastrophen … Die Bundesheer kann auch nicht sagen, sie sei nur Wehrpflicht, denn bereits jetzt gibt es alle Modelle, die in dieser Travestie vorgetanzt werden … Die Wehrpflicht kann nicht als Argument der Garantie für den Zivildienst herhalten, denn dieser ist ein Bereich, der ebenfalls neu gedacht und vor allem von der Bundesheer entkoppelt zu denken ist, und bei dem auch zu vergessen ist, daß dieser aus Verlegenheit geschaffen wurde, aber geschuldet einem nationalen Weltbild und der Vorstellung, es müsse dem Staat unbedingt gedient werden, mit der Waffe oder mit der Urinflasche in der Hand -, wobei noch zu beantworten wäre, ob die Bundesheer weiß, was sie mit ihren Fingern umklammert

Die Bundesheer ist eigentlich, mit einem empathischen Blick auf sie, die ärmste wenn auch äußerst teuer zu stehen kommende Transe im Land, weil keine oder zu viele Identitäten, und darüber hinaus, wie schon mehrfach berichtet, vielleicht gerade deshalb so gefährlich vor allem für sich selbst und für die Menschen, für deren Sicherheit sie …

„Machen wir ein Beispiel“, sagte Michael Spindelegger und sagte in Wahrheit: Gatschen wir weiter so!

Es ist auch deshalb eine Travestie einer Volksbefragung, weil es das Wesen einer Show ist, alles auszublenden, was ein Umdenken, ein Neudenken erforderte, vor allem den Willen zur Umgestaltung, mehr noch, Neugestaltung der Gesellschaft, die ohne Militär auskommt. Das Wesen einer Show ist es auch, Tatsachen auszublenden. Nicht nur die Tatsache, daß das Militär weder zum Friedenserhalt noch zur Friedenssicherung noch zum Frieden überhaupt etwas beitragen kann, wie weltweit geschichtlich und gegenwärtig belegt ist, sondern auch die Tatsache, daß das Militär der größte Förderer krimineller Machenschaften ist, etwa der Korruption, sogar die Bundesheer, wird an die noch immer nicht gänzlich geklärten Machenschaften allein beim Ankauf der Flieger …

Die Umfrage, zu der Sie abschließend herzlich eingeladen sind, sich zu beteiligen, ist nicht als eine Umfrage im herkömmlichen Sinn anzusehen, sondern  um auch diese Frage in die Debatte einzubringen und diese nicht gänzlich unterm Tuchent wieder einmal verschwunden zu wissen, und auch als Ihre Selbstbefragung, mit der Sie zugleich auch einem Michael Spindelegger ein Beispiel dafür geben können, was es heute oder vor allem heute heißt, das „Hirn einzuschalten“, in dem Sie in Kommentaren ihre Ideen, ihre Visionen hinzufügen, die auch ein Michael Spindelegger schmerzlich weil zukunftsschädigend vermissen läßt. Es wird nicht nach der Abschaffung der Bundesheer gefragt, sondern nach dem Abschaffen des Militärs an sich, womit im Bereich des Militärs die engen und vollkommen bedeutungslosen Grenzen Österreichs verlassen werden, was aber nicht ausschließt, daß auch in Österreich ein Beispiel gegeben werden kann, für eine im Grunde Erstgestaltung des Zusammenlebens in einem dauergesicherten Frieden …

PS Es wurde schon einiges über das Militär geschrieben. Zum Nachlesen klicken Sie die Stichwörter „Militär“ oder auch „Bundesheer“ an.

PPS Weshalb, werden Sie sich vielleicht fragen, so stark auf Michael Spindelegger Bezug genommen wurde? Und nicht etwa auf Norbert Darabos, den derzeitigen Verteidigungsminister? Nun, wohl deshalb, weil Michael Spindelegger in dem gleichen Gespräch nicht nur mit seinem Machen dieses Beispieles vorführte, was es heißt, wenn er „sein Hirn einschalte“, sondern auch mit einem weiteren Beispiel …

PPPS Zum Erfüllungsgehilfen Norbert Darabos muß nicht ein weiteres Mal das geschrieben werden, was schon geschrieben wurde …

Antisemitismus: Wen verachtet Dr. Heinz Fischer (wenn überhaupt) tatsächlich, den Verbreiter oder den freiheitlichen Wiederverbreiter?

Brav hat Herr Bundespräsident Dr. Heinz Fischer gesprochen, aber zu ungenau, und, auch zu beliebig, und, auch zu allen entgegenkommend, und, auch mit falschen Begriffen im falschen Rahmen, und, auch wieder zu interpretierbar  …

Ob die brave Reaktion des Herrn Bundespräsidenten auch viel zu spät erfolgte, Wochen nach der Verbreitung des antisemitischen Cartoons, darüber kann keine endgültige Meinung gebildet werden, denn es könnte sein, daß Dr. Heinz Fischer auf die schnellen ablehnenden Antworten von anderen auf der Staatsspitze Hockenden wartete, um sich nicht selbst dazu äußern zu müssen, was richtig gedacht gewesen wäre, denn eine antisemitische Karikatur auf einer Site des Unternehmens Facebook verdient nicht die Aufmerksamkeit des Bundespräsidenten, sehr wohl aber eine unmißverständliche Zurückweisung durch das Personal der operativen Politik.

Diese unmißverständliche Zurückweisung kam aber nicht … Womit bereits die Ungenauigkeit angesprochen ist in der fischerschen Formulierung „feige Spekulation mit Überresten des Antisemitismus“ … „Überreste des Antisemitismus“: einerseits eine verharmlosende Formulierung in bester also schlechtester österreichischer Tradition, eine typische österreichische Verniedlichung, deren Hochzeit begann mit dem Untergang der nationalistischen Totaldiktatur …

Oder dachte Dr. Heinz Fischer an die Überreste des Antisemitismus im Parlament, wie sie jährlich durch die christschwarze Staatsspitze mit dem Gedenken an den „österreichischen Streicher“ serviert werden -, womit die Interpretierbarkeit angesprochen ist … Es gibt weit schlechtere Redner als Dr. Heinz Fischer (wer dabei vor allem an die Reden im Bundesrat denkt, wird dem beipflichten können), dennoch darf Heinz Fischer nicht glauben, seine Sätze haben die Qualität von beispielsweise eines Imre Kertész und soher das Recht auf Interpretation, und, er kann seinen Zuhörerinnen und Zuhören die Pflicht auferlegen, diese seine Aussagen erst interpretieren zu müssen. Die Reden eines Bundespräsidenten haben klar, deutlich und unmißverständlich zu sein, sie ist nicht dazu gewählt, interpretationsreiche Werke abzuliefern … Oder wollte Dr. Heinz Fischer damit ausdrücken, an der Staatsspitze sei er der letzte Verbliebene, der gegen Antisemitismus …

„Wenn jemand in den politischen Diskurs eine Karikatur einbringt“, sagte Dr. Heinz Fischer -, womit der falsche Begriff und die Beliebigkeit angesprochen sind … Das Posten einer antisemitischen Karikatur auf der Plattform des Unternehmens Facebook ist kein Einbringen von irgend etwas in den politischen Diskurs, sondern die übliche Verwechslung von Politik und Hetze, die Übelkeit erzeugende freiheitlich-akademische Verwechslung von Diskurs und Budengeschnatter. Das Wort von der Feigheit aber dürfte, beinahe, gut gewählt sein, denn es bedarf in diesem Land nach wie vor weiter keines Mutes, um sich antisemitisch zu äußern -, Mut ist das falsche Wort … Es braucht sich in diesem Land Österreich nach wie vor weiter keiner und keine zu sorgen, eine hohe und höchste Staaatsfunktion wegen antisemitischen Äußerungen zu verlieren

„Jemand“ … Es ist allen klar und es wird von allen so gedeutet, Dr. Heinz Fischer hat das „Jemand“ auf Heinz-Christian Strache bezozgen. Nur, Dr. Heinz Fischer hat nicht den Namen des zurzeitigen freiheitlichen Obmannes genannt … Diese allgemeine Interpretation wird seine Richtigkeit haben, kaum ist es anzunehmen, daß ein Bundespräsident den ursprünglichen Verbreiter der antisemitischen Karikatur tadeln wollte, also in den staatstragenden Augen eines Bundespräsidenten einen Niemand … Dr. Heinz Fischer hätte zur Deutlichkeit, zur genaueren Bestimmung, wen er allgemein verachte, zumindest vom Wiederverbreiter, was der Tatsache mehr entspricht, denn Heinz-Christian Strache hat die antisemitische Karikatur wiederverbreitet, sprechen können. Das „Jemand“ ist für Dr. Heinz Fischer wohl auch die sichere Tür zum Waschraum, sollte es dazu kommen, daß Heinz-Christian Strache von Dr. Heinz Fischer nach der nächsten Nationalratswahl vom Verachteten zum Regierungsmitglied … Aber verachtet Dr. Heinz Fischer tatsächlich wen? Er sagte nicht, er verachte, sondern er sagte, verdiene allgemeine Verachtung -, eine sichere Doppeltür …

Was bleibt noch? Ah, der falsche Rahmen … Ist eine Eröffnungsrede nicht bereits zu viel an Ehre für einen Verbreiter bzw. Wiederverbreiter einer antisemitischen Karikatur?  Und das Entgegenkommen: Dr. Heinz Fischer kann sich Namen merken, mehr noch, er kann auch Namen nennen, wie beispielsweise gleich im Anschluß an sein „Jemand“ den Namen von Armin Thurnher … Und wie werden gerade Freiheitliche den Worten des Bundespräsidenten aus vollem Herzen zustimmen können, wenn Dr. Heinz Fischer von der „zerstörerische[n] Rolle, die verantwortungsloser Journalismus …“ Und das fischersche Entgegenkommen ist ein zweifaches, denn er will nicht allein die Freiheitlichen, die von ihm übrigens in diesem Zusammenahng gar nicht genannt werden, aber Hauptakteure der Verlotterung der politischen Kultur sind, in die Pflicht nehmen, sondern mahnt von allen eine Anstrengung ein, die politische Kultur zu festigen, sogar „überparteiliche Anstrengungen in Österreich und übrigens auch in anderen Demokratien“ … Dachte Dr. Heinz Fischer dabei vor allem an das Zurzeitige in Ungarn, das vor allem für Freiheitliche … Wer kann das wissen?

Womit die Rede des braven Bundespräsidenten Fischer für ein Buch von Imre Kertész wieder zur Seite ….

Hilferuf der Freiheitlichen: Wählt nicht uns!

Karl Kraus habe schon Bessere als Rudolf Hans Bartsch nicht gelesen -, er mußte auch einen Rudolf Hans Bartsch nicht lesen, vielleicht weil Karl Kraus bereits damals ahnte, daß ohnehin andere als die Besten kommen werden, die auch einen Rudolf Hans Bartsch lesen, mehr noch, sogar wiederlesen werden, wie die freiheitliche ZZ

Über die Wiederlesungen der freiheitlichen ZZ wurde hier bereits nicht wenig geschrieben. Im Grunde wäre es soher nicht mehr notwendig, ein weiteres Mal über die bevorzugte Literatur der Freiheitlichen zu schreiben, um aufzuzeigen, nach welcher Ordnung sich Freiheitliche sehnen. Aber an der Wiederlesung von Rudolf Hans Bartsch  in der aktuellen Ausgabe 36-37/2012 der freiheitlichen ZZ kann nicht vorbeigegangen werden. Was die freiheitliche ZZ über Rudolf Hans Bartsch schreibt, das jedoch wurde nicht gelesen, es reichte die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis: „Wiedergelesen: Brüder im Sturm Seite 39“

Es reicht vollauf die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis, um ein wenig über die Beweggründe, weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt dieses Buch wiedergelesen und also empfohlen wird, im Augenblick des zwar bereits wieder Abklingens der Aufregungen um eine antisemitische Karikatur, die Heinz-Christian Strache verbreitete und als antisemitische Karikatur nicht erkennen will können …

Denn schon im Zusammenhang mit „Brüder im Sturm“ gab es eine Auseinandersetzung um eine antisemitische Karikatur … Zu diesem Zeitpunkt allerdings hieß der bartsche Roman noch: „Der letzte Student“. Das auf die Ansichtskarte geklebte Kapitel 26 aus „Literatur und Lüge“ von Karl Kraus erzählt ausführlich davon. Im Jahre 1913 urteilte Rudolf Hans Bartsch streng über eine von ihm 1905 geschaffene Figur und strich diese aus dem Roman,

weil ich sie für eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert halte, die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte. (Die Figur entstand in dem politisch bewegten Jahre 1897 nach der Lektüre des großen Werkes von Chamberlain.)

Aber dieser Roman, 1905 anonym unter dem Titel „Als Österreich zerfiel … 1848“ und 1913 nicht mehr anonym unter dem Titel „Der letzte Student“ veröffentlicht, wurde von Rudolf Hans Bartsch ein weiteres Mal bearbeitet und 1940 noch einmal wiederum nicht anonym unter dem Titel „Brüder im Sturm“ veröffentlicht. Die 1940er Fassung, die nun die freiheitliche ZZ zur Wiederlesung empfiehlt, wurde nicht gelesen. Worin die bartsche Bearbeitung bestand, kann daher nicht gesagt werden, möglicherweise war es einfach die Rückkehr zur ersten Fassung, zur Ausgabe von 1905, die Wiederaufnahme der „gehässigen Karikatur ohne künstlerischen Wert“, aber eben dadurch so massenmörderisch passend zur nationalistischen totalitären Diktatur der …

Weshalb die freiheitliche ZZ gerade die Fassung aus 1940 zur Wiederlesung empfiehlt? Vielleicht auch, um ein wenig und indirekt Werbung für den Leopold-Stocker-Verlag zu machen, für den u.v.a.m. auch als Herausgeber ein III. Präsident NR tätig ist? Vielleicht auch als Versprechen, im Alter erfolgt die Rückkehr zu den theoretischen Positionen des gewesenen jungen Menschen, der diese den bewegten Jahren in den Wäldern …

Im Gegensatz zu Karl Kraus kann nicht dem Luxus gefrönt werden, nicht zu lesen, es müssen auch Schlechtere und eben auch Rudolf Hans Bartsch gelesen werden. Möglicherweise sehnen sich Freiheitliche nicht nach dieser geordneten Welt, wie die von ihnen empfohlenen Männer des Federschwertes repräsentieren, sondern sind auf der Suche nach der Erkenntnis über sich selbst, und sind stets erschüttert und verzweifelt, wenn sie lesen müssen, wie genau etwa auch ein Rudolf Hans Bartsch sie bereits 1905 schon als anonymer Autor erkannte:

Heute aber, wo das politische Leben und das Wesen vieler Volksvertreter in ernsten Menschen einen kräftigen Ekel erzeugt, wendet man sich wieder rückwärts nach idealeren Tagen, welche im blauen Dufte der Entfernung reizvoller aussehen als die heutigen.

Es stehen in der Geschichte jenes Jahres fast nur erbärmliche Namen zu lesen. Wer jedoch danach urteilen wollte, der würde an der wahrhaften Größe jener Zeit ebenso irre werden, wie wenn er die Völker nach einzelnen Vertretern in den Parlamenten beurteilen müßte.

Auch mich habe ich gezeichnet, wie ich war: Der österreichische, leichtbegeisterte und leicht nach allen Seiten zu führende Junge, – als Warnung für all jene, welche nach außen wirken wollen, da ihnen ihre Art doch für ein Leben lang nach innen zu arbeiten gäbe! Solche Menschen sollten sich nicht um Volksvertretung, Partei und Staatsform kümmern, sondern allein um die Läuterung und Stärkung ihrer Seele.

Der Deutsch-Österreicher hat Helden und hatte sie auch damals. Aber es ist der Fluch einer nach dem Äußerlichen strebenden Zeit, daß in diesem Volke wie in einem Sumpfe nur Blasen an die Oberfläche gelangen.

Vielleicht sind es gerade solche Sätze, die die Freiheitlichen dazu bringen, auch einen Rudolf Hans Bartsch zur Wiederlesung zu empfehlen, weil sie sich darin vollkommen erkannt fühlen, darüber erschüttert und verzweifelt sind, verzweifelt, weil sie wissen, sich nicht mehr ändern zu können. Und in dieser Not, mit dem letzten und spärlichen Aufgebot der Anständigkeit, Bücher als Hilferuf empfehlen, die den Wählern und Wählerinnen sagen sollen: wählt nicht uns und wählt uns nicht mehr, entläßt uns vollkommen aus der politischen Verantwortung, der wir unsrem Wesen nach nicht gewachsen sind …

Dr. Michael Spindelegger – Ein Vizekanzler dankt ab

Was alle Welt, kleiner, die österreichische, für einen Scherz hält, meint Dr. Michael Spindelegger ernst. Einen letzten und genaueren Beleg darüber, was es heißt, wenn Dr. Michael Spindelegger „sein Hirn einschalte“, kann nach ihm niemand mehr ausstellen und vorlegen. Das spindeleggersche Hirn wird heilfroh sein, auch im Dunklen die automatisch ablaufenden innerkörperlichen Vorgänge regeln zu können; denn sonst müßte es fortwährend schreien: „Mehr Licht!“

Aber um Beleuchtungsstärken geht es hier nicht.

Es geht darum, daß Dr. Michael Spindelegger mit seinem Frank Stronach solle die ÖBB kaufen und sanieren als Vizekanzler aber auch als Parteiobmann abgedankt hat. Dafür müssen ihm die Wähler und Wählerinnen eigentlich danken. Eine weitere Partei kann dadurch von der Liste der wählbaren gestrichen werden. Zu den unter mehreren Namen auftretenden in ihrer Gesamtheit unwählbaren Freiheitlichen kommt nun die christschwarze Partei hinzu. Das wird in jedweder kommenden Wahl die Stimmabgabe ungemein erleichtern, Christschwarze und Freiheitliche nicht mehr in die Entscheidung, wen wählen, einbeziehen zu müssen …

Als Vizekanzler hat Dr. Michael Spindelegger abgedankt, weil er offenbart, kein Konzept, geschweige denn ein seriöses, gerade für diesen in vielerlei Hinsicht wichtigen Bereich des Verkehrs zu haben, vorlegen zu können, sondern verantwortungslos einen äußerst wichtigen Betrieb dem nächstbesten Milliardär in den … Eigentlich dem nächstschlechtesten Milliardär, denn Frank Stronach wird wohl kaum die Mittel haben, um die Eisenbahn eines ganzen, wenn auch sehr kleinen Landes … Frank Stronach tritt nun groß als Käufer der ÖBB auf, und das kann er wohl deshalb, weil er weiß, es wird dann doch wieder Steuergeld für ihn geben, der Staat, dem er alles Schlechte und sich selbst alles Gute unterstellt, für ihn da sein …

Als Vizekanzler hat Dr. Michael Spindelegger auch wegen seiner falschen und verantwortungslosen Einschätzung von Frank Stronach abgedankt. Michael Spindelegger meinte im heutigen „Morgenjournal“, in vermeintlicher Argumentation und Bekräftigung seines -, Frank Stronach solle das tun, was er am besten könne … Wie in der Collage gelesen werden kann, ist das, was Frank Stronach am besten kann, Autoteile zu verkaufen. Möglicherweise kennt Michael Spindelegger den Unterschied zwischen Auto und Zug nicht, einen gefährlicheren Vizekanzler hat es noch nicht gegeben, in diesem an Gefährlichen reichen Land. Und noch etwas kann Frank Stronach gut, sich durch Staaten retten zu lassen …

Als Parteiobmann hat Dr. Michael Spindelegger abgedankt, weil er durch sein Wie-kann-es-Genannt-werden-ohne-das-Wort-Idee-oder-Vorschlag-verwenden-zu-müssen daran erinnerte, daß seine Partei in langen sieben Jahren nichts zur Sanierung der ÖBB beitrug. Wie in der Collage gelesen werden kann, es waren freiheitliche Verkehrsminister und eine freiheitliche Verkehrsministerin, doch auch ein christschwarzer Staatssekretär … Es hätten die ÖBB längst schon … Und die ÖVP stellte lange sieben Jahre sogar den Kanzler, war die sogenannte große Regierungspartei … Es führt auch unweigerlich zur Frage, was hat die christschwarze Partei in diesen langen sieben Jahren überhaupt getan, außer heute noch Gerichte und Ausschüsse zu beschäftigen? Wolfgang Schüssel würde, sagte er etwas, vielleicht „Pensionsreform“ sagen, aber diese ist, wie allenthalben zu hören ist, auch schon wieder zu sanieren … Und was tut seit 2007 bis zum heutigen Tag die ÖVP? Als Regierungspartei? Und Dr. Michael Spindelegger, christscchwarzer Spitzenmandatar seit über einem Jahrzehnt, selbst?

Als Parteiobmann hat Dr. Michael Spindelegger auch deshalb abgedankt, weil er einem politischen Konkurrenten zwar irrtümlich aber doch die Kompetenz der Sanierung der ÖBB einräumt und die Verantwortung für diesen ökonomischen und ökologischen wichtigen Bereich auf einen politischen Konkurrenten abschieben will, statt hervorzustreichen, daß die eigene Partei die Kompetenz und die Verantwortung … Ob es Ehrlichkeit ist, sei dahingestellt, aber vor allem die Jahre 2000 bis 2007 haben bewiesen, daß die christschwarze Partei als federführende Regierungspartei weder die Fähigkeiten noch die Verantwortung … Und seit 2007 beweisen die Christschwarzen bloß weiter …

Ob „Mehr Licht“ tatsächlich die letzten Worte des Johann Wolfgang von Goethe waren, ist nicht mehr festzustellen, hingegen aber mit Blick auf Michael Spindelegger und seine Partei können eindeutig und unmißverständlich die ebenfalls Goethe angedichteten letzten Worte den Christschwarzen und Freiheitlichen zugeordnet und ausgerufen werden: Mehr Nicht!

PS Dieses spindeleggersche Vorgehen in Sachen ÖBB steht exemplarisch, um nicht für das Wirken schreiben zu müssen, für das Spindeleggersche und Christschwärzliche …