Die freiheitliche ZZ liest wieder den zum Tode verurteilten SS-Obersturmführer Robert Verbelen

Wenn bedacht wird, dafür nur einmal die drei seit dem 7. September 2012 von der freiheitlichen ZZ vorgestellten Autoren vor Augen, wie dieses freiheitliche Magazin Druckerpatrone um Druckerpatrone leert, um ihren zur Wiederlesung empfohlenen Autoren eine geschönte Biographie zu schreiben, wäre es beinahe verlockend, die aktuelle Ausgabe zu kaufen, um zu lesen, wie es der freiheitlichen ZZ diesmal gelingen will, den wegen Mordes in effigie zum Tod verurteilten SS-Obersturmführer Robert Verbelen …

Bei Mirko Jelusich war es der auch heute bei anderen Machenschaften nicht unbeliebte freiheitliche Hinweis, es hätte das Verfahren gegen ihn mangels strafbarer Tatbestände eingestellt werden müssen, bei Rudolf Hans Bartsch die Erwähnung, er sei sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen gewesen -, als ob das schon eine Auszeichnung wäre, vor allem ohne zu nennen, wer ihn denn dafür vorgeschlagen habe … Bei August Kraft ebenfalls die üblichen und erprobten Weglassungen …

Die freiheitliche ZZ wird für ihre Wiederlesungsempfehlung nicht den Text von dem Simon-Wiesenthal-Archiv herangezogen haben, gar zitiert haben …  In der freiheitlichen ZZ wird wohl etwas darüber geschrieben worden sein, wie spannend die verbelenschen Spionageromane seien, vielleicht sogar, besonders für und vor allem männliche Jugendliche … Wie den Texten auf der Ansichtskarte entnommen werden kann, zeigt es sich am Umgang mit Robert Verbelen, wie unbehelligt in Östereich … Aber auch in dieser Hinsicht ist Österreich nicht einzigartig, wie ebenfalls gelesen werden kann, diesmal anhand des Beispielgebers Verbelen …

Die literarische Qualität der von der freiheitlichen ZZ Wiedergelesenen kann es kaum sein, um diese wieder hervorzukramen, die Gründe dafür müssen wohl vor allem außerliterarische sein. Im Fall von Robert Verbelen möglicherweise die Bewunderung dafür, daß dieser von seinem einmal eingeschlagenen Weg nicht abwich, der in Belgien mit dem Ermorden von Zivilisten und Widerstandskämpfern begann, sich fortsetzte bis zu seinem Tod in 1990 mit seinem Engagement in der rechtsextremen Szene von Österreich und Deutschland -, Robert Verbelen also ebenfalls ein „Charaktermensch“ gewesen sein muß … „Charaktermenschen“ bedeuten Freiheitlichen auch in anderen Zusammenhängen sehr viel, wie ein aktuelles Beispiel aus Kärnten … Es gibt menschgemäß immer mehr Gründe. Vielleicht ist es auch oder zusätzlich freiheitliche Dankbarkeit gegen Robert Verbelen, dem doch zu verdanken sei, wie der freiheitliche Abgeordnete Herbert Haupt und seine Kollegen in einer parlamentarischen Anfrage in 1998 schrieben, daß der „von Kommunisten geplante Putsch rechtzeitig bekannt wurde“ … Mag. Herbert Haupt, wenn Sie sich nicht mehr erinnern sollten, war auch einmal dritter Nationalratspräsident, war Vizekanzler, war Obmann der Freiheitlichen … Die Antwort des Innenministers war, es habe sich kein Beitrag von Robert Verbelen zur Niederschlagung des Putsches finden lassen …

Es kann auch und zusätzlich der Versuch einer Wiederherstellung der Ehre, nun wenigstens im Literarischen, sein, einen Versuch hat bereits Herbert Haupt und seine Kameraden für Robert Verbelen unternommen, der nicht seine Schriftstellerei betraf, in einer parlamentarischen Anfrage an den Justizminister, ob denn das Urteil in Belgien überhaupt rechtmäßig sei … Die Antwort des Justizministers kann ebenfalls mit einem Klick hier aufgerufen werden … Freiheitliche nehmen Urteile nicht so einfach hin …

NS Der „Spiegel“ beschrieb 1966 den Umgang der österreichischen Justiz mit Kriegsverbrechern der totalitären nationalistischen Massenmord- und Massenverbrechendiktatur des deutschen Reiches, nicht nur über Robert Verbelen … Es wird auch der von einem freiheitichen Gemeinderat berichtet, der in zweiter Instanz …

Die meisten Nazi-Richter und Staatsanwälte blieben im Dienst oder wurden bald wieder eingestellt (SPIEGEL 44/ 1965). Geschworene bei NS-Prozessen werden nicht nach ihrer NS-Vergangenheit befragt. Als aber in einem Kriegsverbrecherprozeß ein Geschworener mosaischen Glaubens auftauchte, wurde er wegen Befangenheit abgelehnt. So kam es in Österreich zu folgenden Urteilen:

Richard Hochrainer, bei seiner Verhaftung Gemeinderat der rechten „Freiheitlichen Partei“ im salzburgischen St. Michael, wurde 1961 wegen eines nach Kriegsende begangenen Mordes an neun jüdischen Zwangsarbeitern zu sieben Jahren Kerker verurteilt, in zweiter Instanz aber freigesprochen.

Franz Murer, einst Judenreferent im Gebietskommissariat Wilna (Beiname: „Henker von Wilna“), wurde von einem Grazer Geschworenengericht 1963 freigesprochen, obwohl im Wilnaer Getto von 80 000 Juden nur wenige hundert überlebt hatten. Der freigesprochene Hochrainer holte den freigesprochenen Kameraden Murer, der es zum Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer Liezen (Steiermark) gebracht hatte, mit Mercedes und Blumen vom Gericht ab.

Mirko Jelusich oder die Treue der zurzeitigen Freiheitlichen zu nationalistischen Schriftstellern, auch des deutschen Reiches

Ehe Freiheitliche gleich aufheulen wollen, es werde wieder versucht, sie über die nationalistischen Äcker der totalitären Diktatur des deutschen Reiches gehen zu sehen, sollen Freiheitliche die damit verbundenen und einzig relevanten Fragen genau lesen – und endlich einmal beantworten; entscheidender aber: die Wählerinnen und Wähler sollten sich auch diesen Fragen endlich ernsthaft stellen, ehe sie Freiheitliche in jedweder kommender Wahl ihre Stimme …

Was sagt es über eine vor allem Männerriege aus, die einen derartigen Literaturgeschmack hat, die einen derartigen begrenzten literarischen Horizont sich selbst auferlegt? Und nicht nur sich selbst verordnen wollen, sondern diese Literatur auch empfiehlt, der Betätigung geradezu verfallen ist, wieder und wieder derartige Literatur zu empfehlen, unter größten Anstrengungen der schönigendem Darstellung dieser Schriftsteller? Und das nicht vor fünzig oder sechzig Jahren, sondern heutzutage, nach allen wissenschaftlichen Erkenntnisen und Aufarbeitungen? Wie sehr färbt eine derartige Literatur auf ihr Handeln, daß von ihnen als ein „politisches“ verstanden wird, ab? Ist eine derartige Liebe, die sie wohl für sich als selbst als eine sie ehrende ansehen dürften, heututage in Wahlen noch eine belohnbar?

Das sind aber nicht nur Fragen, die in bezug auf die Literatur gestellt werden können, sondern auch in bezug auf Kunst …

Die freiheitliche ZZ ist kein Magazin, das von Wiedergängern der nationalistischen Totaldiktatur des deutschen Reiches gefüllt wird, sondern eines von gewählten freiheitlichenr Mandataren und Mandatarinnen, von einem III. Präsidenten NR Martin Graf abwärts bis zum zurzeitigen Obmann der freiheitlichen Riege, also keines von beispielsweise Gerd Honsik, Gottfried Küssel, von den Machern der eingestellten Website Alpen-Donau-Info …

Allein in diesem Jahr wurde bis jetzt zur Wiederlesung empfohlen, so daß tatsächlich geschrieben werden kann von einer Liebe zu …

Hilferuf der Freiheitlichen: Wählt nicht uns!

AEIOU – Ka Nazi bist Du

Für die freiheitliche ZZ aber sind Wagners Zeilen antisemitismusfrei

Wiederlesung eines Illegalen und Bücherverbrenners

Kampf für einen neuen Aufbruch des Schönen in der Kunst, wie sie von Freiheitlichen geliebt wird

Kein Anstand  und keine Höflichkeit gegen das deutsche Reich und Adolf Hitler

Für Joseph Goebbels ein Gottbegnadeter

Selektion der Geschichte in der freiheitlichen Zur Zeit

Im Teutschgärtlein von Zur Zeit

Robert Hohlbaum, Josef Weinheber

Genug! Genug! Sollten Sie aber noch mehr erfahren wollen, suchen Sie unter „Zur Zeit“ oder „Dr. Martin Graf“  oder „Andreas Mölzer“ oder „Freiheitliche“ weitere Artikel heraus, die …

Wie Sie der Ansichtskarte entnehmen können, erstreckt sich diese freiheitliche Liebe auch auf Soldaten der massenmordenden und massenverbrecherischen Totaldiktatur des nationalistischen deutsches Reiches, wollen von ihnen auch diese dem Vergessen entrissen werden, die totale Niederlage der Wehrmacht geschmälert werden dadurch, daß wenigstens einzelne Soldaten der Wehrmacht „unbesiegt“ -, wie eben dieser Jagdflieger, der durch einen Unfall … Geradeso, als wollten sie der seinerzeitigen Propaganda von der „unbesiegbaren deutschen Wehrmacht“ beistehen, ihr heute bestätigen, nicht gelogen zu haben … Es bleibt aber nicht beim Schreiben, es wird auch recht ordentlich viel Geld ausgegeben, zum Beispiel für Walter Nowotny … Wie sehr diese glücklicherweise besiegte und untergegangene männliche Soldatengesinnungswelt den freiheitlichen Zugang zu heutigen Themen noch bestimmen, dafür gibt auch eine Brigitte Kashofer ein Beispiel …

Es könnte noch sehr viel angeführt werden. Es soll dabei belassen werden …

Außer, eines noch … Es könnte von jenen, die diese Literatur nicht kennen, gesagt werden, vielleicht ist es einfach großartige Literatur, die von Freiheitlichen zur Wiederlesung empfohlen wird … Eine Leseprobe  von einem freiheitlich wiedergelesenen Hermann Löns wird diese Annahme kaum bestätigen können. Es ist ein Auszug aus dem „Wehrwolf“:

Und ich will doch sehen, ob noch Recht und Gerechtigkeit im Lande ist,
und ob wir in einem christlichen Staate leben oder unter Türken und Heiden!«

»Wulfsbauer,« sagte der Engenser, »wir können jetzt die Ohren steifhalten,
wir gemeinen Bauern. Bei uns haben wir das schon abgemacht: Tatern und
anderes fremdes Volk, das sich bei uns sehen läßt, das wird ohne weiteres
mit der Peitsche begrüßt, denn die Bande zeigt den Räubern, denn was
anderes sind doch diese Kriegsknechte nicht, bloß den Weg, wo es was zu
holen gibt. In Ehlershausen haben sie vorige Woche zwei von diesen
Kerlen, die ein Pferd von der Weide geholt hatten, in aller Heimlichkeit
aufgehängt und beigerodet. Und das ist ganz recht so: denn erstens sind es
keine richtigen Menschen, und außerdem, warum bleiben sie nicht, wo sie
hingehören?«

Er hob seinen Stock hoch und zeigte die Kerben daran. »Seht her! ich habe
einhundertundsiebzehn Kerben hier eingeschnitten, zweiunddreißig auf der
einen und die übrigen auf der anderen Seite. Die fünfundachtzig Kerben
bedeuten, daß ich mitgeholfen habe, fünfundachtzig Landstreicher,
Gaudiebe, Tatern und Marodebrüder und einen verräterischen Hund
dahinzubringen, wo sie von Gottes und Rechtes wegen hingehören, unter
die Erde nämlich, daß die Würmer sie fressen, wenn sie sich davor nicht
ekeln. Die zweiunddreißig Kerben aber, meine Freunde, die bedeuten, daß
ich zweiunddreißig Menschen von dieser Art mit meiner eigenen Hand
beiseite gebracht habe.«

Die Marodebrüder und Parteigänger zogen immer noch im Lande um; aber
ihre gute Zeit war vorbei. Wo sie sich blicken ließen, lief das Volk
zusammen und schlug sie tot, und die Tatern und was sonst ohne Haus und
Herd war, desgleichen.

Das half ihnen auf die Dauer aber doch nichts; die fremden Herren nahmen
ihnen mit Gewalt und List ein Recht nach dem andern, und schließlich
wurden sie alle zinspflichtige Lehnsmänner bis auf den Wulfsbauern;

„Tatern“ sind, wie sie heute noch von Freiheitlichen bezeichnet werden: „Zigeuner“ … Für Freiheitliche scheint die Wirklichkeit heute die Literatur zu sein, die sie lesen …

PS Quellen der Zitate auf der Ansichtskarte:

Lexikon nationalsozialistischer Dichter

Rezitationsabend zum 10. Oktober, der heuer auf den ……… fälllt

Gefangen, auch im Erinnern

Zur Zeit, Ausgabe 39/2012, 28. September-4. Oktober 2012

Wirtschaftsmanager Frank Stronach rechnet einfach zum Lebenkönnen Zinsen aus

Anläßich der Vorstellung seiner Person als Team am 27. September 2012 sagte Frank Stronach, dieser Tag werde in die österreichische und in die Geschichte der Welt eingehen -, mit der Teamklonung aber läßt er einen so leisen Pups, daß diesen nicht mal Frank Stronach selbst hört …

Der Tag der Darstellung von Frank Stronach als Team wird nicht einmal in die österreichische Geschichte eingehen, aber die österreichischen Medien werden eingehen – in die Geschichte mit ihrer Berichterstattung dieser Wochen im Jahr 2012, in der sie vollkommen entgrenzt und überschnappend von dem Wirtschaft-Wirtschaft-Werte-Angaberufer Frank Stronach als Team, das bei Wahlen antreten will, schreiben, aus schwer zu argumentierenden und kaum nachvollziehbaren Gründen heraus Frank Stronach aus der Autoersatzwerkstatt herauszerren, um ihn in der Politik zu etablieren, ihm eine politische Bedeutung zu erschreiben, die ihm in keiner Weise zukommt. Die Ursache dafür kann nur sein, daß die österreichischen Journalisten und Journalistinnen Frank Stronach nicht zuhören, sondern einzig damit beschäftigt sind, während Frank Stronach spricht, für sich das Geld von Frank Stronach zu zählen und sie von der errechneten Summe derart erschlagen beeindruckt sind, daß sie nicht anders können, als Frank Stronach wichtig zu nehmen, während Frank Stronach mit seinem Gesagten nicht ernster zu nehmen ist, als beispielsweise der Werte-Werte-Werte-Rufer Rudolf Gehring, und vielleicht, hinzukommend, österreichische Journalistinnen und Journalisten weit mehr rührselig als politisch sind, noch weiter unter Tränen stehen beim Schreiben ihrer Kommentare und Berichte, erweicht von den Schnulzen, die Frank Stronach ihnen aufsagt, über sein Leben, das so arm begann und schließlich sie zum Träumen bringt -, was könnten sie nicht alles schreiben, wenn sie auch so viel Geld hätten wie …

Transparenz, Wahrheit, Fairness sind die von Frank Stronach bevorzugt geleierten Wörter -, also drei weitere Pupse:

Transparenz

Bei Fragen beispielsweise zur Versteuerung seines Geldes ist die äußerst transparente Antwort von Frank Stronach die transparente Frage, ob denn ein „Gesandter der Roten Armee“ …

Wahrheit

Die Wahrheit spricht Frank Stronach, wenn er sagt, es müsse aufgepaßt werden, daß nicht ein Millionär komme und Wahlen kaufe … Wird der nächste Kauf vorbereitet? Der erste Kauf scheint abgeschlossen zu sein,  die Berechtigung, in Wahlen kandidieren zu dürfen. Schon aber mit dem nächsten Ausspruch ist es mit der Wahrheit wieder vorbei, er sei ein Mann des Volkes … Wäre er, wonach immer dieser Pups inhaltlich schmecken mag, tatsächlich ein Mann des Volkes, hätte er sich wohl die Mühe gemacht, die notwendigen Unterschriften für die Wahlzulassung zu sammeln, und nicht dafür bequem ein paar Abgeordnete … Und dann wieder ein Augenblick der Wahrheit, wenn Frank Stronach den Namen eines von ihm erworbenen Abgeordneten nicht weiß. Das hat ihre Logik und Richtigkeit, denn gerade dieser Abgeordnete sprach in einem Interview Tage zuvor mit stronachschen Formulierungen, so daß die korrekte Anrede von Frank Stronach für diesen aber auch für die anderen erworbenen Abgeordneten nur sein kann – Frank Stronach …

Fairness

Frank Stronach sagt von sich, er werde als einer der besten Wirtschaftsmanager angesehen. Wirtschaftsmanager, ob gute oder schlechte, müssen rechnen können. Frank Stronach kann also rechnen. Und er gab auch diese Woche eine Vorstellung seiner -, er sagt, daß jemand, der zwanzig Jahre einfach gelebt und gespart habe, dann so viel Geld auf der Bank haben müßte, um von den Zinsen (zumindest und wieder einfach) leben zu können. Nun, zum Beispiel ein Betriebselektriker oder eine -elektrikerin mit einem Kind: nach dem Kollektivvertrag 2.094,50 € brutto, das sind mit Alleinverdienerabsetzbetrag: 1.500,01 € netto monatlich. Angestellt bei Magna hieße das, wie den Stelleninseraten entnommen werden kann, wohl ein wenig mehr: denn es wird eine marktkonforme Bezahlung nach Abhängigkeit von Qualifikation und Berufserfahrung angeboten. Damit dieser Betriebselektriker oder diese -elektrikerin auch eine Chance hat, einfach zu leben und Geld anzusparen, bietet Magna aus lauter Fairness heuer in der aktuellen Gehaltsverhandlung eine Gehaltsreduktion an, sonst müßte Magna ins Ausland verlagert werden. Magna spricht nicht von Gehaltskürzung, sondern Magna will von seinen Angestellten einen Rabatt, wie auf einem Gebrauchtwagenersatzteilemarkt …

Frank Stronach rechnet …

Es ist nicht das erste Mal, daß Magna Gehaltsverzicht verlangt. Auch unter Frank Stronach setzte Magna Gehaltsverzicht durch. Nach mehrmaligen Gehaltskürzungen darf angenommen, daß der Betriebslelektriker oder die -elektrikerin endlich kollektivvertraglich mit 1.500,01 netto monatlich entlohnt wird – und es kann damit so einfach gelebt werden, daß nach Bezahlung der Kosten für Wohnung, Strom, Lebensmittel, Heizung, Kleidung, Telefon, Fernsehen, Schulausgaben und so weiter und so fort noch (vorausgesetzt,, es müssen keine weiteren Rabatte gewährt werden und es passieren in den zwanzig Jahren auch keine Vorfälle, Unfälle, Krankheitsfälle usw., die nicht kalkulierte enorme Kosten verursachen), 150,00 € Monat für Monat, Jahr für Jahr auf die Bank -, und nach zwanzig Jahren ein einfach schönes Vermögen von 36.000,00 € -, eine Summe, die ausreicht, um von den Zinsen zu leben, selbstverständlich einfach zu leben. Wer kennt nicht die Höhe der Sparzinsen? Möglicherweise meint Frank Stronach, daß Banken die unverschämt niedrigen Überzugszinsen von 12,5 und mehr Prozent für Sparguthaben einräumen, so wie Magna Rabatte auf die Löhne und Gehälter bekommt, als wäre Magna ein auf einem Gebrauchtwagenersatzteilemarkt einkaufender Elektriker und die Elektrikerin eine Verkäuferin von gebrauchten Gebrauchtwagenersatzteilen … Für die Beispielrechnung soll  angenommen werden, auch in der Stronach-Magna-Welt zu leben: mit 12,5 und zusätzlichen 5% Zinsen von 36.000,00 € … Was für eine Fairness gegen die „Arbeiter“, die sonst ja nur (außerhalb der Stronach-Magna-Welt) „verraten“ werden, ihnen derartige Chancen zu bieten zu …

PS Es kann aber auch sein, zugleich sein, daß Frank Stronach ganz genau zugehört wird, und es nicht unvorteilhaft wäre, wenn Frank Stronach als Team einen fulminanten Wahlsieg einfährt, denn das ist die Garantie, daß alles bleibt, wie es ist, daß sich nichts ändert.¹

¹Und Frank Stronach sagt es im Grunde auch jetzt schon, wenn er meint, er würde Karl-Heinz Grasser zurücknehmen, wohin? Oder meint Frank Stronach: mitnehmen -, mitnehmen als Finanzminister zu Frank Stronach als Regierung, der, wie er ebenfalls von sich selber sagt, Karl-Heinz Grasser sei einer, nein sogar der beste² …

² Karl-Heinz Grasser von Jörg Haider zu Frank Stronach zu Wolfgang Schüssel zu nun möglicherweise wieder Frank Stronach hat amtsbekannt bewiesen, was von Männern aus der Stronach-Magna-Welt als sogenannte Volksvertreter nicht zu erwarten ist – u.v.a.m Transparenz, Wahrheit, Fairness …

Umfrage zur Bundesheer-Volksbefragung am 20. Jänner 2013

Sie sind herzlich eingeladen, an dieser Umfrage teilzunehmen, die nicht als eine klassische Umfrage zu verstehen ist, in der ausschließlich die prozentuale Verteilung von Meinungen zu einem bestimmten Thema interessiert, sondern als eine Umfrage, um mit Ihrer Meinungsabgabe vor allem zu bekunden, daß die von SPÖ und ÖVP für den 20. Jänner 2013 festgesetzte Volksbefragung mit den zwei madigen Fragen – entweder Wehrpflicht oder Berufsheer – absolut unvollständig ist.

Es ist nicht nur eine auf zwei Fragen reduzierte und dadurch absolut unzureichende Volksbefragung, sondern auch: Entweder von SPÖ und ÖVP eine als Beleidigung gedachte Volksbefragung, weil beide Parteien den Menschen nicht zumuten, fähig zu sein, sich zwischen mehr als zwei Fragen entscheiden zu können, oder, was zutreffender sein dürfte, beide Parteien nicht mehr fähig sind, als je nur mehr eine Frage zu denken, die sie nun proporzmäßig zusammenschmissen, um eine Volksbefragung zu basteln, die weit unter dem hohen Diskussionsniveau außerhalb von den beiden Parteien der politischen Arrièregarde auch zum Komplex Militär zurückbleibt …

Darüber hinaus sind Sie auch herzlich eingeladen, weitere Fragen in Ihren Kommentaren zu formulieren, denn es geht sehr weit über die zwei von SPÖ und ÖVP hingeschmissenen Fragen und auch weit über die vier hier gestellten Fragen hinaus …

Land unter Trachten

„Tracht ist Uniform“ schrieb vor einigen Tagen die Umsonstzeitung heute, allerdings eingeschränkt auf  Tracht sei die Party-Uniform Nummer 1, noch die Uniform der Feste, die sonst nur halb so lustig, halb so urig -, allerdings bereits ungeschränkt: die Tracht ist absolut alltagstauglich …

Die Umsonst schränkt die trachtenuniformierte Party noch räumlich und zeitlich ein -, allerdings scheint inzwischen das ganze Land eine einzige Trachtenparty geworden zu sein -, wenn an die christschwarzen Trachtner und Trachtnerinnen voran … Es gesellen sich, besser, drängeln sich in der erste Reihe vor allem die freiheitlichen Trachtner …

Welch ein Glück oder welch ein Unglück, 2012 in Österreich zu leben. Weil, es muß nichts Neues geschrieben werden, es muß nicht die Zeit damit verplempert werden, eigene Formulierungen dafür finden zu müssen, was Anton Kuh bereits 1928 schrieb, und der sich ebenfalls nicht die Mühe machenn wollte, alles selbst formulieren zu müssen, was zu Österreich damals zu heute zu sagen war -, der Unterschied höchstens darin, daß es damals um andere Gesetze und Verordnungen ging, und auch wieder nicht, denn in irgendeiner Form ist Überwachung stets dabei. Anton Kuh überließ es also Franz Blei:

Ich beginne mit den Worten eines andern. Nachdrücklich sei die Wiener Öffentlichkeit auf das Feuilleton verwiesen, das Franz Blei kürzlich im „Berliner Tageblatt“ über Wien schrieb. Ich weiß, daß man diesen Schriftsteller gerade in seiner Wiener Heimat wenig kennt und schätzt. Ich weiß auch die Gründe: man ist hierzulande in aktuellen Bildungsdingen auf die Gnade und Informiertheit der Mittler angewiesen; und Blei genießt bei denen keine Sympathie. Nun, ich lasse hier einige Zeilen des Berichtes folgen:

„Und eine Bundeshauptstadt, eines Bundes provinzialer Landschaften, ohne sonderliches, sondern von allgemein alpinen, bauernhaftem Gepräge. Mit den ländlichen Regenten dieses kleinen Bauernstaatswesens zog ein gar nicht in das Format und die Vergangenheit passender Geist in diese Weltstadt und richtete sich da ein. Etwas mit dem Haß und der Verachtung, die der bäuerliche Mensch immer gegen die Stadt und die Städter hat, die er von der Sommerfrische her zu kennen glaubt, und verachten zu müssen glaubt, weil sie sich ‚wurzen‘ lassen.

Dieser Bundesgeist, der nach dem Lande riecht, kann man in Wien überall dort wahrnehmen, wo der Bund verwaltet, sei es in Justiz, sei es in Wehrmacht, sei es das Bildungswesen. Es ist das ein provinzieller etwas stark hinterweltlerischer Geist, der so wenig Geist ist, daß er selbst seinen eigenen noch für zu viel hält. Drastisch gesprochen könnte man sagen, die tierärztliche Hochschule erscheint diesem Geiste wichtiger als die menschenärztliche, weil man vom Gesundbeten der Bäuerin überzeugter ist als vom Gesundbeten der Kuh.“

Wir gehen rigorosen Zeiten entgegen. Und es wird nicht lange dauern, daß man einen neuen Franz Stelzhammer, der den Vers zu dichten wagte: „Ein Östereicher bin i/Aus’m Österreicher Land/Das is zwar ka Unglück/Aber do is a Schand‘!“ im Zeichen der „Rechtsangleichung“ wegen Hochverrats zu fünf Jahren Zuchthaus verdonnert!

Die Woche trug Anton Kuh für seinen Artikel eine Reaktion in Österreich auf eine 700 km entfernte Kriminalbegebenheit zu, die österreichische Reaktion also auf einen Fall in Deutschland, wobei die Angelegenheit, bei der es um Jugend und deren Verführbarkeit ging, selbst nicht von Belang ist, sondern die damalige scharfe Reaktion in Österreich, weil sie vom heutigen Österreich ebenfalls bekannt ist … Es kann darin kein Fortschritt gesehen werden, daß im heutigen Österreich weiter als bis nach Deutschland gesehen wird, sogar bis Norwegen, denn im heutigen Österreich hinkt die Reaktion dem Agieren in Norwegen nach, wie seinerzeit die Reaktion in Österreich den Überlegungen in Deutschland nachhinkten, wo „sogar in rechtsstehenden Blättern die Frage aufgeworfen wurde, ob sich nicht Sport, Studium, Familienzucht, väterliche Kontrolle und staatliche Sittenüberwachung zum Schluß als untaugliche Mittel erwiesen“ … Die Reaktion in Österreich hinkt wohl je, ganz gleich ob auf eine belanglose Kriminalbegebenheit oder auf 77 Morde, nach, weil es eben ein reaktionäres Land ist, und aus diesem Grunde stets seine Reaktion zum Anlaß nimmt, mit weit Entferntem seine Reaktion immer endlich ungeniert wieder ausleben zu können …

Diesen Trachtengeist in der Bundeshauptstadt verströmen nicht nur jene, die in Tracht mit dem Handy telefonieren, das sie als einziges Accessoire der Moderne an ihnen zulassen und an sich heranlassen, sondern schon auch jene, die noch nicht, bis jetzt noch nicht in Tracht gesehen wurden, aber als Mittler ihres Geistes beispielsweise die Umsonst bevorzugen und verhätscheln …

Anton Kuh, Franz Blei und nicht zu vergessen, Hugo Bettauer, der in den 1920er Jahren Wien beschrieb, wie Wien als Stadt in Tracht hergerichtet und zugerichtet war … Und an Thomas Bernhard ist zu erinnern, weil er sich irrte, als er schrieb, in Österreich sei die gegenwärtige Situation noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren, und er bezog sich damals auf das Jahr 1938. Denn schlimmer als das Jahr 1938 konnte kein Jahr in Österreich nach 1945 gewesen sein, auch nicht das Jahr 1988, am Heldenplatz. Aber ein jedes Jahr nach 1945 war schlimmer als die 1920er Jahre, und die gegenwärtige Situation in Österreich ist noch einmal eine viel schlimmere, nicht nur weil alles über die 1920er Jahre gewußt werden müßte, und auch darüber, was danach aus diesen Jahren kroch, sondern auch deshalb, weil nicht einmal mehr die Mühe unternommen wird, für die Politik Menschen zu gewinnen, die wenigstens das geistige Niveau des Jahres 1928 … Vor allem das rechtsstehende Lager beleidigt permanent durch ein Personal, das 1928 nicht einmal eine Anstellung gefunden hätte: weder in einer Partei noch in einem Medium …

Wenn die Party „mit den ländlichen Regenten“ vorüber sein wird, was wird dann sein, was wird kommen? Was wird geblieben sein? Einzig die Tracht -, dann aber nur mehr als reine Uniform, der der Alltag absolut unterworfen sein wird …

Antisemitismus: Wen verachtet Dr. Heinz Fischer (wenn überhaupt) tatsächlich, den Verbreiter oder den freiheitlichen Wiederverbreiter?

Brav hat Herr Bundespräsident Dr. Heinz Fischer gesprochen, aber zu ungenau, und, auch zu beliebig, und, auch zu allen entgegenkommend, und, auch mit falschen Begriffen im falschen Rahmen, und, auch wieder zu interpretierbar  …

Ob die brave Reaktion des Herrn Bundespräsidenten auch viel zu spät erfolgte, Wochen nach der Verbreitung des antisemitischen Cartoons, darüber kann keine endgültige Meinung gebildet werden, denn es könnte sein, daß Dr. Heinz Fischer auf die schnellen ablehnenden Antworten von anderen auf der Staatsspitze Hockenden wartete, um sich nicht selbst dazu äußern zu müssen, was richtig gedacht gewesen wäre, denn eine antisemitische Karikatur auf einer Site des Unternehmens Facebook verdient nicht die Aufmerksamkeit des Bundespräsidenten, sehr wohl aber eine unmißverständliche Zurückweisung durch das Personal der operativen Politik.

Diese unmißverständliche Zurückweisung kam aber nicht … Womit bereits die Ungenauigkeit angesprochen ist in der fischerschen Formulierung „feige Spekulation mit Überresten des Antisemitismus“ … „Überreste des Antisemitismus“: einerseits eine verharmlosende Formulierung in bester also schlechtester österreichischer Tradition, eine typische österreichische Verniedlichung, deren Hochzeit begann mit dem Untergang der nationalistischen Totaldiktatur …

Oder dachte Dr. Heinz Fischer an die Überreste des Antisemitismus im Parlament, wie sie jährlich durch die christschwarze Staatsspitze mit dem Gedenken an den „österreichischen Streicher“ serviert werden -, womit die Interpretierbarkeit angesprochen ist … Es gibt weit schlechtere Redner als Dr. Heinz Fischer (wer dabei vor allem an die Reden im Bundesrat denkt, wird dem beipflichten können), dennoch darf Heinz Fischer nicht glauben, seine Sätze haben die Qualität von beispielsweise eines Imre Kertész und soher das Recht auf Interpretation, und, er kann seinen Zuhörerinnen und Zuhören die Pflicht auferlegen, diese seine Aussagen erst interpretieren zu müssen. Die Reden eines Bundespräsidenten haben klar, deutlich und unmißverständlich zu sein, sie ist nicht dazu gewählt, interpretationsreiche Werke abzuliefern … Oder wollte Dr. Heinz Fischer damit ausdrücken, an der Staatsspitze sei er der letzte Verbliebene, der gegen Antisemitismus …

„Wenn jemand in den politischen Diskurs eine Karikatur einbringt“, sagte Dr. Heinz Fischer -, womit der falsche Begriff und die Beliebigkeit angesprochen sind … Das Posten einer antisemitischen Karikatur auf der Plattform des Unternehmens Facebook ist kein Einbringen von irgend etwas in den politischen Diskurs, sondern die übliche Verwechslung von Politik und Hetze, die Übelkeit erzeugende freiheitlich-akademische Verwechslung von Diskurs und Budengeschnatter. Das Wort von der Feigheit aber dürfte, beinahe, gut gewählt sein, denn es bedarf in diesem Land nach wie vor weiter keines Mutes, um sich antisemitisch zu äußern -, Mut ist das falsche Wort … Es braucht sich in diesem Land Österreich nach wie vor weiter keiner und keine zu sorgen, eine hohe und höchste Staaatsfunktion wegen antisemitischen Äußerungen zu verlieren …

„Jemand“ … Es ist allen klar und es wird von allen so gedeutet, Dr. Heinz Fischer hat das „Jemand“ auf Heinz-Christian Strache bezozgen. Nur, Dr. Heinz Fischer hat nicht den Namen des zurzeitigen freiheitlichen Obmannes genannt … Diese allgemeine Interpretation wird seine Richtigkeit haben, kaum ist es anzunehmen, daß ein Bundespräsident den ursprünglichen Verbreiter der antisemitischen Karikatur tadeln wollte, also in den staatstragenden Augen eines Bundespräsidenten einen Niemand … Dr. Heinz Fischer hätte zur Deutlichkeit, zur genaueren Bestimmung, wen er allgemein verachte, zumindest vom Wiederverbreiter, was der Tatsache mehr entspricht, denn Heinz-Christian Strache hat die antisemitische Karikatur wiederverbreitet, sprechen können. Das „Jemand“ ist für Dr. Heinz Fischer wohl auch die sichere Tür zum Waschraum, sollte es dazu kommen, daß Heinz-Christian Strache von Dr. Heinz Fischer nach der nächsten Nationalratswahl vom Verachteten zum Regierungsmitglied … Aber verachtet Dr. Heinz Fischer tatsächlich wen? Er sagte nicht, er verachte, sondern er sagte, verdiene allgemeine Verachtung -, eine sichere Doppeltür …

Was bleibt noch? Ah, der falsche Rahmen … Ist eine Eröffnungsrede nicht bereits zu viel an Ehre für einen Verbreiter bzw. Wiederverbreiter einer antisemitischen Karikatur?  Und das Entgegenkommen: Dr. Heinz Fischer kann sich Namen merken, mehr noch, er kann auch Namen nennen, wie beispielsweise gleich im Anschluß an sein „Jemand“ den Namen von Armin Thurnher … Und wie werden gerade Freiheitliche den Worten des Bundespräsidenten aus vollem Herzen zustimmen können, wenn Dr. Heinz Fischer von der „zerstörerische[n] Rolle, die verantwortungsloser Journalismus …“ Und das fischersche Entgegenkommen ist ein zweifaches, denn er will nicht allein die Freiheitlichen, die von ihm übrigens in diesem Zusammenahng gar nicht genannt werden, aber Hauptakteure der Verlotterung der politischen Kultur sind, in die Pflicht nehmen, sondern mahnt von allen eine Anstrengung ein, die politische Kultur zu festigen, sogar „überparteiliche Anstrengungen in Österreich und übrigens auch in anderen Demokratien“ … Dachte Dr. Heinz Fischer dabei vor allem an das Zurzeitige in Ungarn, das vor allem für Freiheitliche … Wer kann das wissen?

Womit die Rede des braven Bundespräsidenten Fischer für ein Buch von Imre Kertész wieder zur Seite ….

Hilferuf der Freiheitlichen: Wählt nicht uns!

Karl Kraus habe schon Bessere als Rudolf Hans Bartsch nicht gelesen -, er mußte auch einen Rudolf Hans Bartsch nicht lesen, vielleicht weil Karl Kraus bereits damals ahnte, daß ohnehin andere als die Besten kommen werden, die auch einen Rudolf Hans Bartsch lesen, mehr noch, sogar wiederlesen werden, wie die freiheitliche ZZ …

Über die Wiederlesungen der freiheitlichen ZZ wurde hier bereits nicht wenig geschrieben. Im Grunde wäre es soher nicht mehr notwendig, ein weiteres Mal über die bevorzugte Literatur der Freiheitlichen zu schreiben, um aufzuzeigen, nach welcher Ordnung sich Freiheitliche sehnen. Aber an der Wiederlesung von Rudolf Hans Bartsch  in der aktuellen Ausgabe 36-37/2012 der freiheitlichen ZZ kann nicht vorbeigegangen werden. Was die freiheitliche ZZ über Rudolf Hans Bartsch schreibt, das jedoch wurde nicht gelesen, es reichte die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis: „Wiedergelesen: Brüder im Sturm Seite 39“ …

Es reicht vollauf die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis, um ein wenig über die Beweggründe, weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt dieses Buch wiedergelesen und also empfohlen wird, im Augenblick des zwar bereits wieder Abklingens der Aufregungen um eine antisemitische Karikatur, die Heinz-Christian Strache verbreitete und als antisemitische Karikatur nicht erkennen will können …

Denn schon im Zusammenhang mit „Brüder im Sturm“ gab es eine Auseinandersetzung um eine antisemitische Karikatur … Zu diesem Zeitpunkt allerdings hieß der bartsche Roman noch: „Der letzte Student“. Das auf die Ansichtskarte geklebte Kapitel 26 aus „Literatur und Lüge“ von Karl Kraus erzählt ausführlich davon. Im Jahre 1913 urteilte Rudolf Hans Bartsch streng über eine von ihm 1905 geschaffene Figur und strich diese aus dem Roman,

weil ich sie für eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert halte, die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte. (Die Figur entstand in dem politisch bewegten Jahre 1897 nach der Lektüre des großen Werkes von Chamberlain.)

Aber dieser Roman, 1905 anonym unter dem Titel „Als Österreich zerfiel … 1848“ und 1913 nicht mehr anonym unter dem Titel „Der letzte Student“ veröffentlicht, wurde von Rudolf Hans Bartsch ein weiteres Mal bearbeitet und 1940 noch einmal wiederum nicht anonym unter dem Titel „Brüder im Sturm“ veröffentlicht. Die 1940er Fassung, die nun die freiheitliche ZZ zur Wiederlesung empfiehlt, wurde nicht gelesen. Worin die bartsche Bearbeitung bestand, kann daher nicht gesagt werden, möglicherweise war es einfach die Rückkehr zur ersten Fassung, zur Ausgabe von 1905, die Wiederaufnahme der „gehässigen Karikatur ohne künstlerischen Wert“, aber eben dadurch so massenmörderisch passend zur nationalistischen totalitären Diktatur der …

Weshalb die freiheitliche ZZ gerade die Fassung aus 1940 zur Wiederlesung empfiehlt? Vielleicht auch, um ein wenig und indirekt Werbung für den Leopold-Stocker-Verlag zu machen, für den u.v.a.m. auch als Herausgeber ein III. Präsident NR tätig ist? Vielleicht auch als Versprechen, im Alter erfolgt die Rückkehr zu den theoretischen Positionen des gewesenen jungen Menschen, der diese den bewegten Jahren in den Wäldern …

Im Gegensatz zu Karl Kraus kann nicht dem Luxus gefrönt werden, nicht zu lesen, es müssen auch Schlechtere und eben auch Rudolf Hans Bartsch gelesen werden. Möglicherweise sehnen sich Freiheitliche nicht nach dieser geordneten Welt, wie die von ihnen empfohlenen Männer des Federschwertes repräsentieren, sondern sind auf der Suche nach der Erkenntnis über sich selbst, und sind stets erschüttert und verzweifelt, wenn sie lesen müssen, wie genau etwa auch ein Rudolf Hans Bartsch sie bereits 1905 schon als anonymer Autor erkannte:

Heute aber, wo das politische Leben und das Wesen vieler Volksvertreter in ernsten Menschen einen kräftigen Ekel erzeugt, wendet man sich wieder rückwärts nach idealeren Tagen, welche im blauen Dufte der Entfernung reizvoller aussehen als die heutigen.

Es stehen in der Geschichte jenes Jahres fast nur erbärmliche Namen zu lesen. Wer jedoch danach urteilen wollte, der würde an der wahrhaften Größe jener Zeit ebenso irre werden, wie wenn er die Völker nach einzelnen Vertretern in den Parlamenten beurteilen müßte.

Auch mich habe ich gezeichnet, wie ich war: Der österreichische, leichtbegeisterte und leicht nach allen Seiten zu führende Junge, – als Warnung für all jene, welche nach außen wirken wollen, da ihnen ihre Art doch für ein Leben lang nach innen zu arbeiten gäbe! Solche Menschen sollten sich nicht um Volksvertretung, Partei und Staatsform kümmern, sondern allein um die Läuterung und Stärkung ihrer Seele.

Der Deutsch-Österreicher hat Helden und hatte sie auch damals. Aber es ist der Fluch einer nach dem Äußerlichen strebenden Zeit, daß in diesem Volke wie in einem Sumpfe nur Blasen an die Oberfläche gelangen.

Vielleicht sind es gerade solche Sätze, die die Freiheitlichen dazu bringen, auch einen Rudolf Hans Bartsch zur Wiederlesung zu empfehlen, weil sie sich darin vollkommen erkannt fühlen, darüber erschüttert und verzweifelt sind, verzweifelt, weil sie wissen, sich nicht mehr ändern zu können. Und in dieser Not, mit dem letzten und spärlichen Aufgebot der Anständigkeit, Bücher als Hilferuf empfehlen, die den Wählern und Wählerinnen sagen sollen: wählt nicht uns und wählt uns nicht mehr, entläßt uns vollkommen aus der politischen Verantwortung, der wir unsrem Wesen nach nicht gewachsen sind …