Herbert bringt Kannibalismus ins Leben

Zigeunerräder

Es ist einfach und rasch erzählt, aber die Geschichte ist kompliziert.

Jemand schreibt an die Firma Kelly und erhält diese Antwort:

„Vielen Dank für Ihr Mail, bezugnehmend darauf möchten wir natürlich gerne Stellung nehmen.
Unser Produkt Zigeunerräder wurde bereits in den 50er Jahren erstmals verkauft.
Der Name und die Vermarktungsstrategie ergibt sich damals wie heute  aufgrund der feurigen Paprikawürzung. Über Jahrzehnte sind Zigeunerräder ein vom Konsumenten „gelerntes“ Produkt und eine Namensänderung hätte ganz sicher einen Kaufrückgang zur Folge. Der Kunde verbindet seit Jahren mit diesem Namen ein Kelly’s Produkt mit würzigem Paprikageschmack.
Nach wie vor wird im deutschen Sprachgebrauch und vor allem in der Küchensprache das Wort Zigeuner verwendet (z.B. Zigeunersauce, Zigeunerschnitzel usw.), auch da bedarf es keiner großen Erklärung, sondern der Konsument weiß sofort, dass es sich um ein Produkt mit einer gewissen Schärfe und Paprika handelt.
Nicht zu vergessen ist auch die Operette der Zigeunerbaron von Johann Strauss. Es wäre kaum vorstellbar, diese Operette umzutaufen.
Wir können Ihnen versichern, dass wir mit dem Produktnamen Zigeunerräder, weder einer Randgruppe zu nahe treten, noch jemanden beleidigen wollen oder politisch Stellung nehmen wollen. Uns liegt viel an der Tradition unseres Unternehmens und auch unserer Produkte, weshalb sie immer noch den Namen Kelly’s Zigeunerräder Paprikan Style tragen. Genau wie sie unsere Kunden kennen und lieben.“

So rasch und einfach ist es erzählt, wie es zu dieser Antwort aus der Firma Kelly kommt.

Und dann wird die Geschichte kompliziert.

„Zigeunerräder“ würden, schreibt die Firma Kelly, schon seit den 1950er Jahren … wie frisch muß damals noch der Schmerz gespürt worden sein, in Österreich, nicht nur den Krieg von 1939 bis 1945 verloren zu haben, sondern es auch nicht geschafft zu haben, alle Menschen, die mit dem Stempel „Zigeuner“ zur Vernichtung selektiert, zu ermorden.

Die Firma Kelly hätte auch Rast heißen können. Kelly klingt halt gar so amerikanisch, und es ist doch eine österreichische Firma. Es war ja auch ein Amerikaner beteiligt. Wie ehrlich, eben österreichisch. Kelly klingt doch recht unverfänglich, mehr noch, offen, weltläufig, so gar nicht nach engem Gebirgsland, dunklen Tälern, schweren Trachten, harten Kartoffeln. Kelly klingt auch gar so dynamisch. Werbetechnisch ein äußerst dankbarer Name. Wie fade hingegen klänge ein Werbespruch wie „Rast bringt Knabberspaß für jeden“ … oder „Herbert bringt K…

Herbert Rast, reifenschlitzender Unternehmer – das ist so ein Gschichtl aus den Gründungstagen, einfach, nicht kompliziert, eben eine über brutale Geschäftsmethoden, wie sie gang und gäbe waren und in verfeinerter Form sind …

„Zigeuner…“: ein „gelerntes Produkt“, schreibt die Firma Kelly vulgo Rast. Das könnte genannt werden: Vollkommener, vollendeter Rassismus … Das Kennzeichen eines vollendeten Rassismus ist, die Lehrenden wissen bewußt nicht mehr, daß sie Rassismus verkaufen, und die Lernenden wissen bewußt nicht mehr, daß sie Rassismus kaufen.

Soweit wäre es noch eine unkomplizierte Geschichte zu nennen.

„Nach wie vor wird im deutschen Sprachgebrauch und vor allem in der Küchensprache das Wort Zigeuner verwendet“, schreibt die Firma, die auch Herbert hätte heißen können, wäre der Firmengründer weniger einfallsreich gewesen.

Weshalb das Wort „Zigeuner“ gerade im „deutschen Sprachgebrauch“? Aus christlicher Tradition wohl auch … hat doch Martin Luther schon gewußt, soll einem Menschen etwas Schlechtes gewünscht werden, schreibe, es solle ihm wie den „Zigeunern“ ergehen …

Es ist im Grunde keine komplizierte Geschichte, sondern erschreckend einfach, einfach erschreckend.

Ein Mann aus Österreich, also Herbert Rast, erlebt den Krieg von 1939 bis 1945, bringt ein paar Jahre danach „Zigeunerräder“ in die Verkaufsregale, unbewußt wohl geprägt von der kollektiven Schande, nicht nur einen Krieg verloren zu haben, sondern auch die Vernichtung der zur vollkommenen Vernichtung selektierten Menschen trotz größtmöglicher Konzentration auf die Vernichtung nicht vollkommen geschafft zu haben.

Und was nicht geschafft wird, muß menschgemäß eine Wandlung erfahren. Der symbolische Kannibalismus wird seit einer Ewigkeit täglich in den christlichen Kirchen zelebriert. In dieser christlichen Tradition heißt das also nichts anders, als alle, die nicht mehr ermordet werden konnten und können, müssen verspeist werden. Und dann ausgeschieden … Um wenigstens symbolisch die kollektive Schande zu tilgen.

Das heißt aber nicht, daß sich alle mit dem symbolischen Kannibalismus begnügen …

Europa der Nacht

Plauen

Der Kannibalismusspeiseplan im „deutschen Sprachraum“ ist reichhaltig: „Zigeuner…“, „Neger…“, „Mohr …“

„Wir können Ihnen versichern, dass wir mit dem Produktnamen Zigeunerräder, weder einer Randgruppe zu nahe treten, noch jemanden beleidigen wollen oder politisch Stellung beziehen“. Schreibt die Firma Herbert.

Eine „Randgruppe“? Gemessen an der Zahl sind in Europa, um diesen furchtbaren Terminus von Herbert zu verwenden, im Vergleich Österreicherinnen und Österreicher eine „Randgruppe“, und nicht …

Herbert kann das tatsächlich geglaubt werden, nicht „beleidigen“ zu wollen, nicht „politisch Stellung“ beziehen zu wollen … Herbert liefert ja nur den „Knabberspaß“. Was wohl beispielsweise auf den Buden

Mädelschaften singen auch

so recht hungrig vertilgt wird, zwischen den spaßigen Strophen?

Herbert bringt KnabberspaßAch, wie treuherzig, wie ehrenvoll von Herbert, nicht beleidigen zu wollen … Zum Kannibalismus gibt es noch eine einfache und rasch erzählte Geschichte:

Er habe, erzählt Sarközi, vor vielen Jahren wegen der finanziellen Notlage des Kulturvereins versucht, einige der Unternehmen, die mit dem Wort ‚Zigeuner‘ werben, als Unterstützer zu gewinnen. Ohne Erfolg. ‚Man hat uns zum Fressen gern, aber wir sind ihnen nicht mal ein Blatt Papier wert.'“ 

Ob Sarközi auch Herbert gefragt hat, wird nicht gewußt, wurde nicht recherchiert. Vielleicht erklärt sich die Firma Kelly aber ungefragt bereit, als Unterstützerin … Allerdings könnte eine solche Unterstützung, das wäre keine unberechtigte Befürchtung im Hause Rast, für die Firma Kelly die gleiche unerfreuliche Wirkung haben, wie „eine Namensänderung hätte ganz sicher einen Kaufrückgang zur Folge.“ Da ist es unternehmerisch gedacht doch viel klüger, weiterhin die europäische „Randgruppe Österreich“ mit Knusprigem auf ihren Buden zu versorgen …

MarchfelderPS Ja, wie ehrenvoll, Herbert will nicht „beleidigen“, aber auch nicht loben, hervorheben. Dabei hat Rast doch Produkte, die könnten auch anders genannt werden als beispielsweise „Sunland Farm“. Von der Produktbeschreibung her – „Kartoffeln für Chips nur durch ehrliche Arbeit und die Hilfe von Mutter Natur. Österreichische Qualität“ –, was für Namen böten sich da an – Tiroler Erdäpfel, Kärntner Knollen, Marchfelder

PPS Ja, niemand beleidigt, niemand wird beleidigt, niemand bezieht politisch Stellung, und weil alles so heiter und fröhlich und unschuldig und ehrlich ist, muß auch niemand darüber berichten, darüber reden, erinnern und vor allem breit aktiv …

Österreich: „Antiziganismusbericht“ und „Antisemitismusbericht“

Und was, Alexander Van der Bellen, ist mit dem Antiziganismus?

Gedenkt der Staatsspitze in Österreich – Ohne Sinti und Roma, aber wer will schon neben ihr sitzen

 

Und was, Alexander Van der Bellen, ist mit dem Antiziganismus?

Neujahrsansprache 2018 von Alexander Van der Bellen - Was es in Österreich alles nicht gibt - Antiziganismus etwa

Wie schön er gesprochen hat, am 1. Jänner 2018, Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Inmitten von Kindern und Jugendlichen stehend, wie rührend, wie österreichisch sentimental, die Hofburg als weinseliger Heuriger, in dem es menschelt, und dabei vergessen werden kann, wie es draußen zugeht, wie gemein die Welt ist, aber hier im Heurigen Österreich, da gibt es nichts Gemeines, nichts Böses … es fehlte nur noch, daß er gesagt hätte, der Kinderpräsident, Österreich sei das erste Opfer von Nazi-Deutschland gewesen. Mit ihm lebt die Tradition des Verdrängens auf, er ist gewillt, diese erneut zum Blümeln, mehr, zur neuen Blüte zu treiben.

Es hätte dazu gepaßt, wenn er gesagt hätte, Österreich sei das erste Opfer gewesen, dazu gepaßt zu seiner Aussage:

Es jährt sich aber auch der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland zum 80. Mal: „Erinnern wir uns, dass Österreicherinnen und Österreicher während der Nazi-Diktatur Opfer und Täter waren. Diese Erinnerung muss wach bleiben“, sagte Van der Bellen. Rassismus, Antisemitismus und zerstörerischer Nationalismus dürfen nie mehr wiederkehren, forderte der Bundespräsident.

In Österreich dürfe „Rassismus, Antisemitismus nie mehr wiederkehren“ … Oh, Österreich, glückliches Österreich, frei von Rassismus, frei von Antisemitismus, oh Österreich, glückliches Österreich, einen Bundespräsidenten zu haben, der in seiner Altjahresrede gegen die Wiederkehr von „Rassismus, Antisemitismus …“

Und was ist, Alexander Van der Bellen, mit dem Antiziganismus? Dieser braucht gar nicht erwähnt zu werden. Denn. Was es nicht gibt, muß nicht einmal angesprochen werden. So frei Österreich von Rassismus, so frei Österreich von Antisemitismus ist, so gar nicht tut es in Österreich einen Antiziganismus geben.

Und daß es in Österreich keine Wiederkehr von Rassismus und Antisemitismus geben wird können, dafür hat Alexander Van der Bellen am Vorabend des Gedenkjahres 2018 recht vorsorgliche Maßnahmen getroffen, mit seiner Montagsangelobung von, kurz gesagt, der nächsten Regierung der österreichischen Traditionsscholle. Kinderpräsident ist nicht genau getroffen. Passend mehr: Alexander Van der Bellen, President of the squirts of her time …

Oh, Österreich, ach, glückliches Österreich, einen Bundespräsidenten zu haben, der zum Erinnern das entsprechende Handeln weiß …

Ja, keine Wiederkehr des Antisemitismus, was für ein hehrer Vorsatz für das Gedenkjahr 2018, damit Österreich weiter frei von Antisemitismus bleibt, so frei von Antisemitismus wie jede Zeile von Richard Wagner antisemitismusfrei in der Lesung der freiheitlichen ZZ

Oh, Österreich, ach, glückliches Österreich, wiege Dich beschützt vor Rassismus, vor Antisemitismus und auch vor Antiziganismus, den es freilich in Österreich nach 1945 noch nie gab, soher es nie eine Wiederkehr geben kann, gegen eine Wiederkehr nicht gesprochen zu werden braucht, und darüber hinaus, glückliches Österreich, dein Bundespräsident hat dafür zukunftsreich Vorsorge getroffen gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, mit seiner Montagsangelobung …

Im Gedenkjahr 2018 eine ÖVP-FPÖ-Regierung: Schaften, geht voran!

Schöne neue Zukunft, voran die Schaften, begleitet von Kinderchören, fröhlich und hell singend die Lieder, die einst schon des Weinhebers Gemüt gar menschlich …

Oh, Österreich, ach, glückliches Österreich, einen Bundespräsidenten zu haben, der weiß, daß es einen „zerstörerischen Nationalismus“ gibt, gegen dessen Wiederkehr er, der Bundespräsident, das gewichtigste Gegenwort der Welt ist. Und gegen einen „Nationalismus“, ach, gegen einen „Nationalismus“, gegen den kann doch kein Mensch etwas haben, ist doch, wie vom Bundespräsidenten gelernt werden darf, „Nationalismus“ kein Synonym für „Zerstörung“.

Der Landeshauptmann von Burgenland ist in der Welt berühmt

Täglich hebt irgendwer in Österreich zur Klage an, Österreich habe in der Welt keine Bedeutung, Menschen aus Österreich würden von der Welt nicht beachtet werden, so klein, so unbedeutend sei Österreich der Welt.

Aber dem ist nicht so.

Wer beispielsweise nach Riga fährt, wird, kaum in Riga angekommen, sogleich eines besseren belehrt. So wichtig wird Österreich in der Welt genommen, daß sogar der Landeshauptmann vom kleinsten Bundesland Beachtung findet.

Es dauert zwar, bis ein Landeshauptmann des Burgenlandes etwa zu Ausstellungswürden kommt, aber dann ist er der Welt unvergessen, wie Dr. Tobias Portschy

Landeshauptmann von Burgenland - Unvergessen in der WeltEs wird Tobas Portschy wohl dauern, daß von ihm in Österreich selbst, außer in recht gewissen Kreisen, nicht mehr so gern gesprochen, an ihn erinnert wird, aber es wird ihm wohl ein recht großer Trost sein, der Welt unvergessen zu sein, die Welt von ihm immer noch spricht.

Vielleicht wird der jetzige Landeshauptmann in manch stiller Stunde die Befürchtung hegen, es wird von ihm einst, von dem jetzt doch viel gesprochen wird, in Österreich, wenn er nicht mehr Landeshauptmann ist, dasselbe Schicksal erleiden wie Portschy, also an ihn in Österreich nicht mehr erinnert werden wird wollen, von ihm lieber geschwiegen werden wird wollen, er in Österreich das Vergessen erleiden werden wird. Ihm kann zum Troste gesagt werden. Die Welt wird ihn nicht vergessen. Es wird vielleicht ebenfalls lange dauern, bis er beispielsweise zu Ausstellungswürden kommt. Der Trost ist nicht unbegründet. Denn. Er trägt selbst viel dazu bei, mit seiner Koalition mit der FPÖ, also mit der identitären Parlamentspartei, im kleinsten Bundesland. Denn. Wenn es einst irgendwo auf der Welt, beispielsweise in Riga, eine Ausstellung geben wird, in der daran erinnert werden wird, wie es den Menschen, die dieser Ethnie zugeordnet werden, nach 1945 ergangen ist, etwa einschließlich des Jahres 2017, so wird die Landesregierungspartnerin des jetzigen Landeshauptmannes nicht unbeachtet bleiben; trägt diese doch viel dazu bei, daß diesen Menschen die Gegenwart weiter ein Greuel sein muß. Und in solch einer Ausstellung irgendwo auf der Welt wird dann auch der jetzige Landeshauptmann des Burgenlandes seine Erinnerungstafel haben und lesen können, er, der mit solch einer Partei sich als erster wieder verbündet, sein Burgenlandregierungsmodell für ganz Österreich

PS Wie sehr es für die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen keine Ungleichbehandlung im schlechtesten Sinn und auf barbarischste Art gab, auch davon erzählt die Ausstellung in Riga.Gypsy question - in the same way as the national socialist state has solved the Jewish questionGovernor of the Reichsgau Wien

Trotz Toiletten wird auf die Unzensuriert gegangen

Trotz Toiletten wird auf die Unzensuriert gegangen.jpg

Wie in der Collage im Vergleich gelesen werden kann, hinterläßt die Copysite der identitären Parlamentspartei wieder einmal eine gesinnungsgemäß ausgedruckte Kopie.

Das muß  nicht besonders ausgeführt werden. Es kann in der Collage gelesen werden, im Vergleich zwischen der gesinnungsgemäßen herausgepreßten Kopie und dem Artikel der „Oberösterreichischen Nachrichten“, den die Copysite der identitären Parlamentspartei eindeutig und unmißverständlich als einziges Mittel eingenommen hat.

Es ist bloß, wie übelich, das gesinnungsgemäß Erwartbare.

Und trotzdem muß erneut darauf hingewiesen werden. Es sind, das muß einmal betont werden, aber keine fake news. Denn. Es ist erstens keine News. Die News schrieb die „Oberösterreichische Nachrichten“. Die Copysite der identitären Parlamentspartei kopiert die News bloß und kopiert die News bloß gesinnungsgemäß um. Daher können es auch keine fake news sein. Es ist nur eine Fäkalie. Und zwar in dem Sinne, daß ein Artikel aufgenommen, verdaut und dann gesinnungsgemäß wieder ausgepreßt wird.

Wenn die Copysite der identitären Parlamentspartei schreiben kann, „mobile Toilettenanlagen werden oft gar nicht in Anspruch“ … kann auch geschrieben werden, trotz stationärer Toiletten wird recht oft auf die Unzensuriert gegangen.

NS Was diesmal, wie übelich, die Schreibstaffel der Copysite der identitären Parlamentspartei zu dieser Fäkalie in die Unzensuriert hinzu aus ihren Trachtenbäuchen herausdrückt, will gar nicht mehr … es haben nicht alle solch einen Saumagen, um das ohne sofortiges Erbrechen …

Schließlich leben neben Martin Luther und den M. T. Habsburgs Menschen

Schließlich leben neben den Roma Menschen.“

Diese zitierte Äußerung ist keine aus der sogenannten Nazi-Zeit, ist keine von einem sogenannten bildungsfernen Menschen, ist keine von einem mit Mindestsicherung in einem Gemeindebau lebenden Menschen, es ist eine Äußerung aus dem Juni 2017, getätigt von der „frühe­ren Regierungs­spre­che­rin der Nea Dimokratia, der Jour­na­lis­tin, Heraus­gebe­rin und Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten“ …

Wieder einmal, Juni 2017, „Pogromstimmung“ gegen Roma und Sinti, diesmal Griechenland, diesmal Athen …

„Schließlich leben neben den Roma Menschen“ … Das ist der Geist in Europa auch noch 2017, der Geist, der zugleich jedwede Gelegenheit nutzt zum pathetischen „Nie wieder“, wenn es um den Nationalsozialismus, um den Faschismus geht.

Was für eine ungeheuerliche Aussage das ist, kann mit einer Gegenprobe leicht untermauert werden. Es könnte irgendein Beispiel genommen werden, aber 2017 bietet sich Österreich an, in dem Maria Theresia Habsburg bejubelt wird, als lebte sie, und vor allem als regierte sie. Die Habsburg mit ihrem frommen Antiziganismus. Was gäbe es für einen Aufschrei, schriebe wer: Schließlich leben neben der Maria Theresia Habsburg Menschen.

Nicht minder wohl der Aufschrei, schriebe wer: Schließlich leben neben Martin Luther Menschen. Mit Luther kann auf Österreich als Beispiel verzichtet werden, wie überhaupt mit Luther auf ein Beispielland verzichtet werden kann.

Und in was für einem Europa Roma und Sinti nach wie vor leben müssen, im Jahr 2017, und ein Ende ist nicht abzusehen, kann mit einer weiteren Gegenprobe leicht, und es soll beim Beispiel Österreich geblieben werden, zu verdeutlichen. Niemand in Österreich käme auf die Idee, wenn etwa ein Niederösterreicher ein Kind aus Wien entführt, einen Pogrom gegen alle Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher …

Europa 2017 für Roma und Sinti kein Europa 2017

 

Soziale Kompetenz und Ursachenerkennung von FPÖ unzensuriert

FPÖ unzensuriert taucht im Internet stets in das Tiefste vor, um immer wieder etwas zu finden, um für „Weiße“ … etwas gegen „Zigeuner“ vorbringen zu können, also dafür findet sie immer wieder etwas, sogar seriöse Berichte kann sie hierfür einsetzen. Sie nimmt dafür weite Tastaturwege auf sich. Diesmal bis nach Redbridge, London.

Wie sich FPÖ unzensuriert diesen seriösen Bericht aus Redbridge gesinnungsgemäß zurechtschreibt, darauf will gar nicht eingegangen werden. Denn das hieße, sich mit ihr das Unwesentlichste zu konzentrieren. Wer aber diese gesinnungsgemäße Schreibe der FPÖ unzensuriert mit dem seriösen Bericht aus Redbridge unbedingt vergleichen will, kann es tun: die gesinnungsgemäße Schreibe der FPÖ unzensuriert ist in der Collage zu lesen, der seriöse Bericht aus Redbridge kann hier zum Lesen geöffnet werden.

Das Wesentliche an dieser Schreibe der Copysite der identitären Parlamentspartei ist aber, was diese aus dem serösen Bericht aus Redbridge nicht anführt, und das verrät einmal mehr sehr viel über die soziale Kompetenz. Es kann gesagt werden, wer bei Kindstod obsessiv fixiert ist, bei welchen sogenannten Ethnien komme es durch „Inzucht“ … die obsessive Sorge umtreibt, die sogenannten Weißen könnten in einem Bezirk von London …, dessen soziale Kompetenz ist nicht vorhanden, hat keine soziale Herangehensweise, kann keine soziale Politik je erwartet werden …

Und auch das bekommt nur Bedeutung vor dem Hintergrund, daß eben die Sozialdemokratie dabei ist, sich die identitäre Parlamentspartei sozial schönzurichten, wenn etwa davon gesprochen wird, eine Rot-Blaue Koalition wäre „weniger unappetitlich“, ein Hans Sallmutter überrascht sei über so manche Position der FPÖ im Sozialbereich …

Schönreden geht noch leichter mit Musik. Die fehlt noch. Vielleicht aber komponiert der Sozialdemokratie schon wer einen Schlager mit dem Refrain: „Über diese rote Brücke mußt du gehen“ …

NS Amüsiert hat doch eines. FPÖ unzensuriert verweist auf eine Aufklärungsbroschüre, die sie zum Herunterladen bereitstellt. Es gehe dabei, wie sie schreibt, „um dem Problem der Inzucht zu begegnen“. Es wird auf dieser von FPÖ unzensuriert verlinkten Site als Beispiel die Ehe mit einem Cousin angeführt. Und das ist das Amüsante daran, wird dabei an Österreich gedacht, aber gar nicht an niederösterreichische Keller, sondern lediglich an das Eherecht in Österreich, das Cousine und Cousin nicht die Ehe verbietet …

Und im Zusammenhang mit dem Eherecht in Österreich kann amüsiert festgestellt werden, es ist doch ein Land der rechten Tradition:

„Die Reichsregierung hat vorbehaltlich einer abschließenden Neuordnung des gesamten Eherechts zur Vereinheitlichung des Rechts der Eheschließung und der Ehescheidung im Lande Österreich und im übrigen Reichsgebiet das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:“

So viele Änderungen des Eherechts gab es seit 1938, aber das mit der „Reichsregierung“ und „im übrigen Reichsgebiet“ wurde nicht geändert. Ja, es scheint sich ein weiteres Mal zu bewahrheiten: der Traum stirbt nicht aus, der Traum stirbt zuletzt … und wenn die Hoffnung auf solche Parteien wie die identitäre Parlamentspartei gesetzt wird, bewahrheitet sich stets: die Hoffnung enttäuscht zuerst. Zumeist schon mit der Wahl einer solchen Partei.

FPÖ unzensuriert - Inzucht

 

Elende Praxis des Übersehens

„Zu unterstellen, es sei meine Absicht gewesen, den Antiziganismus von Maria Theresia übersehen zu haben, ist infam. Diese elende Praxis bedarf keiner Auseinandersetzung. Sie speist sich rein aus dem Ressentiment, das ich aus Hundert Meter Entfernung riechen kann. Darauf bin ich geeicht. Wer so schreibt, kann sich trollen. Aber ohne mich.“

Es wurde ihm, Rabinovici, bereits einmal gedankt, wie gelesen werden kann. Es ist ihm noch einmal zu danken, nämlich für seine zweite Reaktion. Diese rundet das Bild noch mehr ab, bis zur Kenntlichkeit.

Wie richtig schreibt er, der Antiziganismus wird „übersehen“, nicht nur der von Maria Theresia Habsburg, sondern von viel zu vielen in Österreich, nicht nur der in der Vergangenheit, sondern auch der in der Gegenwart. Der ist tatsächlich „infam“. Diese „elende Praxis“ jedoch bedarf, wenn ein Einwand ihm vorgebracht werden darf, der „Auseinandersetzung“.

Der Antiziganismus „speist sich aus dem Ressentiment“, das seit Jahrhunderten fortgeschrieben wird. Er ist dermaßen fester Bestandteil der sogenannten österreichischen Seele geworden, daß er nicht einmal mehr von jenen wahrgenommen wird, die den Antiziganismus wahrnehmen. Es kann direkt neben ihm gestanden werden, so sehr ist er zum österreichischen Duft geworden, und er ist nicht zu „riechen“.

Das Land ist „darauf geeicht“. Die Menschen in Österreich sind durch die Jahrhunderte „geeicht“ worden, die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, zu „übersehen“. Doron Rabinovici hat damit zum richtigen Wort gefunden. Es wurde ihm nicht unterstellt, „übersehen“ zu haben; es wurde lediglich festgestellt, etwas nicht geschrieben zu haben. Er hat sich damit als guter oder, wie es in diesem Land gerne gesagt wird, „echter Österreicher“ hingestellt, geschrieben seinen Teil, und den anderen ihre Plätze zugewiesen, also wann wer wo vorkommen darf. Als wäre es ein ewiges Gesetz, das dem österreichischen Menschen zur ersten Haut gewachsen ist, und nicht aus dem seit Jahrhunderten gespeisten Ressentiment, wird es, ohne darüber je noch bewußt  entscheiden zu müssen, befolgt, etwa das in keinem Buch festgehaltene, aber auf die Seelentafel geritzte Gebot: je feierlicher, je offiziöser, je prominenter der Platz, desto mehr sind die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, desto mehr sind diese nicht nur zu „übersehen“, sondern gänzlich zu verschweigen.

Wann und wie und wo aber über die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, nicht geschwiegen wird, konnte auch in diesem Mai 2017 gelesen werden. „Wer so schreibt, kann sich trollen.“ Aber, Doron Rabinovici, wohin?

Doron Rabinovici - Antiziganismus - Ressentiment 24-05-2017Zu der einen Umsonst?

Zu der zweiten Umsonst?

Was die zwei Umsonste in Österreich heute auch verbindet, ist die Überlegung eines Ministers, der es sich wohl auch hoch anrechnen wird, stets korrekt über die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, zu sprechen, ihnen eine Presseförderung …

Es hätte gedacht werden können, ein Schriftsteller wie Doron Rabinovici weiß darum Bescheid, daß in einem Roman Figuren die Trägerinnen sind, um etwas darzulegen, mittels einer konkreten Figur eine allgemeingültige Aussage zu treffen, die Zustände in einem Land etwa durch eine Figur konkret erfahrbar werden zu lassen.

Was Lesern eines Romans nicht erklärt werden muß, weil sie es auf Anhieb verstehen, muß – das ist für die Zukunft zu notieren – dem Personal eines Romans doch genauer erläutert werden. Leserinnen verstehen es wohl deshalb auf Anhieb richtig, weil sie nicht involviert sind, sich nicht betroffen fühlen. Figuren eines Romanes hingegen, wer will es ihnen verübeln, wollen sich auch im besten Licht präsentieren, besonders wohl heutzutage, in dieser Zeit der größten Blendung; aber ihnen ist zu sagen, sie werden nicht um ihrer Selbstwillen in den Roman gezerrt, sondern um die Zustände in einem Land, in diesem und nicht nur in diesem Fall Österreich, das jedoch auch bloß stellvertretend  …

Schelten Sie die Figuren eines Romans aber nicht, lächeln Sie milde, etwa darüber wie durchsichtig sie sind. Schelten Sie den Menschen, der den Roman schreibt, keine raffiniertere Figuren … üben Sie aber Nachsicht, in einem Roman der Wirklichkeit können keine anderen …

Wo das noch immer gerochen werden kann, was Doron Rabinovici meint „aus Hundert Meter Entfernung riechen“ zu können, ist vor einem Bild eines Christschwarzen, dem mit größter Nachsicht und größter jährlich wiederkehrender Ehrerbietung begegnet wird, für den Entschuldigungen gefunden werden, wie, er sei halt ein „Kind seiner Zeit“ …

Ein Schriftsteller wie Doron Rabinovici weiß, oder er nimmt es an, wie seine Lesenden das von ihm verwendete Wort „Ressentiment“ übersetzen werden. Sie werden „Ressentiment“, vielleicht so seine Hoffnung, als „Antisemitismus“ lesen, aber Lesende dieses Romans wissen, wie unhaltbar …

Das mit den Übersetzungen ist so eine Sache, und besonders in Österreich, wo auf eine recht besondere Art übersetzt wird, etwa Cordon sanitaire

Aber, wie gleichgültig das doch ist, was haltbar ist, was unhaltbar ist, es kommt wesentlich darauf an, was aufhaltbar ist: Antisemitismus und das Halsbandmaß des Sebastian Kurz …

Was nicht gleichgültig ist, sind also Wahlen, wobei das Wichtigste ist, auf diese sich umfassend informiert vorzubereiten … den Märchen eine Absage zu erteilen, vor allem denen der identitären Parlamentspartei