Wessen Wille soll dieser österreichischen Parlamentspartei geschehen? Auch das spart diese Partei bereits ein, den Namen zu nennen, dessen Willen sie will erfüllen. Denn sie, die Partei, kennt die Namen, und meint, das genügt, wenn sie allein die Namen kennt, deren Wille zu geschehen habe, Namen, die bereits durch „Euer Wille geschehe“ offenbart. Durchlauchten sind mit „Euer“ untertänigst anzusprechen, sie, die Partei, erbittet also von Hochherrschaftlichen mit geziemender Unterwürfigkeit, daß ihr Wille geschehe, der Wille auch von August von Hayek geschehe, in den himmlischen Bergen so in den erdigen Tälern.
Manche vor solch einem auf der Straße abgestellten „Euer Wille geschehe“-Plakat werden wohl ins Grübeln kommen und meinen, es sei etwas Religiöses dabei, und wahrlich, es ist, einfach wie kurz gesagt, etwas Religiöses dabei. Ein Jünger auf einer „bemerkenswerten Reise des Glaubens und der Einheit, in diesem Sommer an einer bedeutenden Pilgerreise durch die Vereinigten Staaten“ …
Diese Wallfahrt, die Teil des Nationalen Eucharistischen Kongresses 2024 ist, zielt darauf ab, das Land wieder Christus in der Eucharistie zu weihen. Die Pilger legen dabei Tausende Kilometer zurück, um das Allerheiligste in verschiedene Gemeinden zu bringen. [K. W.], der derzeit ein Studium in Washington, D.C. absolviert, verkörpert den Geist der Hingabe und Liebe zur Eucharistie: Er stammt aus Bayern — einer Region in Deutschland, die für ihre eucharistischen Prozessionen bekannt ist — und freut sich, dass diese Tradition in den USA Fuß fasst. „Es ist eine Freude zu sehen, wie sich dieses Konzept hier durchsetzt, wo es meiner Meinung nach viel nötiger ist“, sagte er gegenüber EWTN. Die Pilgerreise erstreckt sich über 10.000 Kilometer auf vier verschiedenen Routen, die auf den entgegengesetzten Seiten des Landes beginnen und in Indianapolis zum National Eucharistic Congress vom 17. bis 21. Juli zusammenkommen. [W.] geht die Marianische Route, die am Oberlauf des Mississippi in Minnesota beginnt und sich durch mehrere Staaten zieht. [K. W.], der von sich sagt, ein großer Liebhaber des Wanderns und Reisens zu sein, fand die Idee, ein dauerhafter Pilger zu werden, „von Anfang an ideal“. Besonders begeistert ist er vom Potenzial dieser Reise, die Menschen in einem umstrittenen und von Spaltung geprägten Wahljahr zu vereinen. „Jesus im Sakrament erwartet uns alle, unabhängig davon, welche Partei wir wählen oder woher wir kommen“, stellte er fest. „Diese Pilgerreise ist ein verbindender Moment, der dem Land Heilung bringen kann.“
Und wenn der Jünger Abkühlung meint zu brauchen, eine Heilung von der Hitze, wird er auf seiner dauerhaften Pilgergasse fern von seinem Swimming-Pool wohl zu seinem iPhone greifen, einen Apostel oder eine Jüngerin anrufen, um sich anzukündigen, er werde gleich vorbeikommen, um sich in dessen eigenen Swimming-Pool oder gar in deren Schwimmbad zu erfrischen, so wie es auf der Website des Hayek-Instituts am 27. August 2024 und wohl für alle Ewigkeit festgehalten, geschrieben von ihm selbst:
Ich weiß nicht wie es Ihnen dabei geht, aber ich fühle mich plötzlich ganz wohl in unserer Lage. Doch die Frage ist, wieso wir solche Katastrophen nicht mehr erleben – und aller Wahrscheinlichkeit nie wieder erleben werden? Wieso bringen unsere Hitzewellen, auch wenn mit negativen Folgen behaftet, nicht mehr solch extreme Konsequenzen mit sich? Natürlich war der Sommer 1540 schlimmer als alles, was wir in unserer Lebzeit durchgemacht haben, doch trotzdem ist es schwer vorstellbar, dass in der heutigen Zeit wieder eine Million Menschen wegen des Wetters sterben würden. Tatsächlich sterben – obwohl Klimatologen meinen, dass es zunehmend mehr Hitzewellen gibt – immer weniger Menschen aufgrund von warmen Temperaturen. Die Todesfälle aufgrund von Hitze in den USA sind seit 1960 dramatisch gefallen, von jährlich vierzig Menschen pro einer Million Menschen zu nur mehr zehn. Von einem Ausgehen des Wassers sind wir in der westlichen Welt weit entfernt – tatsächlich sind wir an einem Punkt, wo wir bei warmen Wetter einfach unseren Wasserkonsum erhöhen. Dass Wasserknappheit zu Essensknappheit führen könnte ist auch schon lange nicht mehr der Fall: die meisten unserer Energiequellen sind nicht mehr von Wasser abhängig und in einer globalen Weltwirtschaft können notfalls woanders die nötigen Lebensmittel eingekauft werden, sollten sie in der Heimat wirklich ausgehen. Der Grund dafür ist, ganz einfach, eben jener freie Markt und jenes kapitalistische Denken, das Handel vereinfacht und neue Technologien hervorbringt. Statt den rigiden Systemen des staatlichen Interventionismus, wo ein Ausscheren kaum möglich ist, kann auf dem freien Markt jeder Mann und jede Frau Innovationen hervorbringen, wenn er oder sie will und eine gute Idee hat. Der Unternehmer sieht eine Nachfrage für etwas und nutzt sodann seine Ressourcen, um die Lücke, die sonst niemand sieht, zu schließen und damit Profit zu machen. Dieser Prozess hat nicht nur immensen und niemals vorstellbaren Wohlstand hervorgebracht, sondern auch neue Technologien und die Möglichkeiten, sich ändernden Bedingungen anzupassen. Eine Hitzewelle lässt sich eben doch deutlich leichter leben, wenn man in einem klimatisierten Haus sitzt, Wasser im Supermarkt einkaufen (oder den Wasserhahn aufdrehen), sich per Uber Essen holen und für Strom (damals, anno 1540, noch nicht mal in Träumen vorstellbar) einfach die Steckdose verwenden kann. Mit seinem iPhone kann man derweil seine Bekannten anrufen und sich zusammen im Schwimmbad oder dem eigenen Swimming-Pool erfrischen. Und wenn man schon keine Klimaanlage hat, ist man zumindest für den Ventilator dankbar. Keine dieser Möglichkeiten stand den Menschen von 1540 zur Verfügung. Sich dies immer wieder bewusst zu machen – die Tatsache, dass es materiell gesehen noch nie eine Zeit in der Geschichte der Menschheit gab, wo das Leben besser und einfacher war – und sich auch immer wieder bewusst zu machen, wieso das der Fall ist, ist von essenzieller Bedeutung. Mit dem Aufstieg des Kapitalismus und der Industrialisierung vor etwas mehr als zwei Jahrhunderten begann dieser Prozess und hat sich seither stetig fortgesetzt. Selbst das Leben mit der Hitze hat dies zutiefst beeinflusst.
Und nach der Erfrischung im klimatisierten oder mit voll aufgedrehten Ventilatoren vollgestelltem Haus stets bei Wasser aus dem Supermarkt und Essen, das Uber bringt, vielleicht von einem anderen Kontinent, wenn die Lebensmittel doch auf dem Pilgerreisekontinent ausgegangen sein sollten, das Anstimmen der Lobgesänge auf Kapitalismus und Industrialisierung — selbst das Leben mit der Hitze zutiefst …
Was wohl in jener vergangenen Zeit Menschen ohne Swimming-Pools, ohne Ventilatoren, ohne Essen, ohne eigenen Wasserhahn und ohne eigene Steckdose in ihre Tagebücher über ihr Leben in diesen Tagen schrieben, wenn sie überhaupt noch Tagebücher besaßen, als wieder einmal Euer Wille geschah …
Und diese hayeksche Jüngerin arbeitete, es heißt „federführend“, mit an dem Wirtschaftsprogramm dieser Partei, für die sie kandidiert und hofft, nach der Nationalratswahl am 29. September 2024 einen Stuhl im österreichischen Parlament zu bekommen, vielleicht träumt sie gar von einem Stuhl als Ministerin … Das Wirtschaftsprogramm liege, so sie am „Dienstag bei einer Pressekonferenz“, vor und werde „derzeit noch etwas feingetunt“. „Die ehemalige Vizepräsidentin des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) kandidiert auf Platz sechs der Bundesliste und in Tirol auf Platz zwei.“ Die für diese Partei „frühere Innsbrucker Gemeinderätin, die nach Jahrzehnten ein politisches Comeback feiere, arbeitete an dem neuen Programm mit.“ „Sie nehme an,“ ihr „Bundesparteiobmann“ werde in seinem ORF-‚Sommergespräch‘ am 19. August bereits das ein oder andere daraus präsentieren und dann beim offiziellen“ „Wahlkampfauftakt Anfang September in Graz auch daraus referieren“, so sie „bei dem Pressegespräch in Innsbruck“.
Zur Jüngerin Hayeks fällt unweigerlich ein weiteres Land Lateinamerikas ein – Honduras, in der sie eine Rolle innehatte. Und nur zur und doch nicht unwichtigen Erinnerung soll ein wenig aus einem Artikel aus „amerika21“ vom 29. Dezember 2022 zitiert werden:
Ohne die Narco-Diktatur hätten die ZEDE niemals eingerichtet werden können. Das Projekt trat 2013 mit der Veröffentlichung des Gesetzes 120-2013 im Amtsblatt La Gaceta in Kraft. Ein weiteres Gesetz installierte das Komitee für die Übernahme bewährter Praktiken (CAMP), das ist die Regierung der ZEDE. Darin sollten 21 Personen zusammenarbeiten, von denen nur vier aus Honduras stammen, die übrigen kamen aus anderen Ländern, vor allem aus Europa. Das CAMP wurde von [Jüngerin] aus Österreich, der Präsidentin des dortigen Hayek-Instituts, geleitet. Außerdem wurde per Gesetz die Gestalt des Technischen Sekretärs der ZEDE etabliert. Mit diesen Komponenten wurde 2017 die erste ZEDE gegründet, ZEDE Próspera. Sie verfügt über ein eigenes Gebiet auf den Bay Islands [vor der honduranischen Nordküste] und strebt derzeit den Aufbau von elf weiteren ZEDE-Projekten in Honduras an. Anfang 2023 präsentierten sie ihren ersten Wohn- und Bürokomplex: das Projekt Duna Ressorts.
Der Staat Honduras ist eine freie, souveräne und unabhängige Republik. Auf der Grundlage der Verfassung der Republik Honduras ist es unmöglich, die nationale Souveränität, das Territorium, die Grenzgebiete, die Küstengebiete, die Gebiete indigener Völker oder die Gebiete nicht-indigener Bevölkerung in irgendeiner Form abzutreten. Verfassungsrechtlich ist es völlig inakzeptabel, die nationale Souveränität in all ihren Dimensionen aufzugeben. Dazu gehören unter anderem wirtschaftliche, politische, territoriale und kulturelle Souveränität und die Souveränität über die Staatssymbole. Für die ZEDE wurde deshalb 2012 die Verfassung der Republik geändert, um gegen alles, was ich erwähnt habe, verstoßen zu können. Das bedeutet, dass die ZEDE alle Formen der Souveränität in Honduras mit legalen, aber keineswegs legitimen, Argumenten angreifen können. Denn die Bevölkerung von Honduras wurde bei der Durchsetzung dieses Projekts niemals konsultiert.
Aus diesem Grund hat Arcah erklärt, dass die ZEDE das größte extraktivistische Projekt des Kontinents sind, denn sie können alles enthalten, vom Bergbau bis zu agroindustriellen Parks, privaten Städten, internationalen Logistikzentren und allem, was in Artikel 2 des Gesetzes über die ZEDE steht. Damit könnten sie 65 Prozent des Staatsgebiets für sich beanspruchen und in Zukunft ihre Unabhängigkeit als ein weiteres Land erklären, wodurch der Staat Honduras allmählich verschwinden würde. Die Vorgehensweise ähnelt dem, was ein Parasit in einem Körper tut, indem er ihn von innen auffrisst, bis er stirbt. Es handelt sich um kleine Territorien, die wachsen, und am Ende wird die gesamte honduranische Bevölkerung als solche aufhören zu existieren. In den ZEDE geht nämlich auch die Nationalität verloren. Es gibt dort ein neues System von Dokumenten, Ausweispapieren, Geburtsurkunden, Zollunterlagen und Steuerunterlagen, die nichts mehr mit Honduras zu tun haben.
Grundlegend für die ZEDE ist auch, dass es sich um autonome Zonen handelt, die nicht mehr zum honduranischen Staat gehören. Dort haben weder die Vereinten Nationen, noch ein Parlament oder ein internationales Gericht etwas zu sagen, weil es sich um ein völlig privates Gebiet außerhalb des honduranischen Territoriums handelt.
Das Projekt der Privatstädte wurde 2010 in Honduras von transnationalen Investoren vorgestellt. Ausgehend von dem Gedanken, dass Honduras ein extrem verarmtes Land ist, schlugen sie eine Art Motor vor, der die Wirtschaft und den industriellen Produktionsprozess in Honduras beschleunigen soll. Honduras ist kein Industrieland, sondern ein Agrarland. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass das ZEDE-Projekt im Zusammenhang mit dem Staatsstreich von 2009 ins Leben gerufen wurde. Die honduranischen Privatstädte sind Laboratorien für Governance, für politische und wirtschaftliche Modelle, die in anderen Teilen der Welt noch nie ausprobiert wurden. Sie gehen sogar über den kapitalistischen Ansatz hinaus und sprengen die bisherigen Grenzen und Möglichkeiten des Handels und des Marktes. Ein klares Beispiel dafür ist das europäische libertäre Modell, das auf Murray Rothbard zurückgeht. Er schlägt unter anderem vor, dass alles um uns herum zu Geld gemacht werden kann. Alles um uns herum kann verkauft werden, und alles um uns herum kann gehandelt werden. Das ist der Grundgedanke der privaten Städte.
Die rechten Regierungen in Honduras förderten die Gründung von „libertären“ Unternehmerstädten, den sogenannten „Zonen für Beschäftigung und Entwicklung“ (ZEDE). Nach massiven Protesten der Bevölkerung gegen diese totalkapitalistischen Enklaven wurde Anfang 2022 unter der neuen progressiven Regierung von Xiomara Castro ein Sonderbeauftragter für die Abwicklung der ZEDE ernannt und der Nationalkongress hob das ZEDE-Gesetz von 2013 auf.
Und wie wird „ZEDE“ in Österreich recht gar philosophisch dargestellt? Auf der Website von „Philosophicum Lech“, dessen Intendanz Österreichs gar bedeutsamster Philosoph innehat, ist am 23. August 2024 zu lesen über die Vortragende, über die Jüngerin, sie ist
Vorsitzende des Board of Trustees von ZEDE, Honduras, einer NGO für die Etablierung von Wirtschaftszonen zur Schaffung von Arbeitsplätzen.
Und es wird zu erleben sein, kaum daß der September 2024 vorüber sein wird, daß wieder mitgespielt und wieder zugesehen werden wird — bei der Wende zu alles hin …
Berichtsstimme aus dem Off: Als sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die russischen Soldaten durch das von der deutschen Armee verwüstete Osteuropa Loosdorf näherten, um auch Österreich vom Nationalsozialismus zu befreien, versuchte der Großvater des heutigen Besitzers, Ferdinand Piatti, die Sammlung zu verstecken, wie sich sein Sohn in einer Willkommen-Österreich-Sendung 1996 erinnert:
Manfred Piatti: Man kann sich vorstellen, daß hier im Frontgebiet einiges passiert ist. Die Rote Armee hat hier sofort die Wehrmacht vertrieben und ein Divisionsstab hat sich hier eingenistet. Mein Vater hat, bevor er weg ist, durch belgische Kriegsgefangene im Keller das Porzellan in Kisten verpacken lassen, diese Kisten vergraben lassen. Die Russen haben das nach einiger Zeit gefunden und aus Wut und Zorn, daß der Besitzer nicht zu finden war, haben sie die Porzellansammlung, das was man hier sieht, ist der Rest davon, eben zu Scherben zertrümmert.
Karl Hohenlohe: Wer hat das dann ins Leben gerufen?
Verena Piatti: Das war der Großvater von Alfons, Ferdinand Piatti. Er hat nach dem Krieg das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Museum eingerichtet.
Karl Hohenlohe: Das ist er?
Alfons Piatti: Das ist er zum Beispiel ja. Auf dem Bild sieht man, er hat ja auch schon mit Afrika zu tun gehabt.
Karl Hohenlohe: Wer ist das?
Alfons Piatti: Das war irgendein Häuptling oder König, den er empfangen hat, weil mein Großvater war sehr politisch tätig, gesellschaftlich tätig […]
Karl Hohenlohe: Warum hat dein Großvater mitten im Weinviertel plötzlich, er macht ein Museum? Das ist ja ein Entschluß, du mußt quasi dein privates Haus aufmachen, du mußt Leute herlocken. Wieso, war das auch eine finanzielle Überlegung, warum hat er das gemacht?
Alfons Piatti: Eine finanzielle Überlegung war es ganz sicher nicht, ist es auch bis heute gar nicht wirklich. Aber er hat es gemacht, er war Soldat, also Offizier im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Und wie er zurückgekommen ist, nach dem oder während des Zweiten Weltriegs, war Loosdorf verwüstet, zerstört, kaputt, er hat ein Zimmer so belassen, wie er es vorgefunden hat, da wurde nichts restauriert, alles was kaputt war, Boden, Decke, und alles so gelassen. Und das war so die Grundidee, das zu transportieren, an Leute, die das sehen wollen, wie hat das ausgeschaut damals, damit das nicht vergessen wird.
Karl Hohenlohe: Das heißt, das ist wie ein bissel eingefrorene Zeit.
Alfons Piatti: Ja. Das hast du schön gesagt, genau. Eingefrorene Zeit. So kann man das sagen.
„Belgische Kriegsgefangene“ haben also für den „sehr politisch“ und „gesellschaftlich“ tätigen Großvater sein Familienporzellan verpackt und vergraben. „Damit das nicht vergessen wird“, wie das Enkelkind des Offiziers in zwei Weltkriegen sagt, also die Verwüstung, Zerstörung, die Familienporzellanscherben, Wut und Zorn von den Eingenisteten … „Damit das nicht vergessen wird.“ Das „Scherbenzimmer“ der …
Auf der Website der Piatti ist am 22. August 2024 hierzu zu lesen:
Die Familie musste im 2. Weltkrieg vor den Russen fliehen. Vorher wurde das wertvolle Porzellan im Keller von Schloss Loosdorf als Versteck eingemauert. Das Versteck wurde an die russischen Besatzer verraten und daraufhin mit unvorstellbarer Zerstörungswut in tausende Scherben zerschlagen. Alle Scherben wurden nach Rückkehr der Familie eingesammelt und in dem sog. „Scherbenzimmer” im Museum aufgelegt.
Wie recht doch das Enkelkind des Ferdinand Piatti hat, damit das nicht vergessen wird, etwa das, auf das auf der Website vergessen wird, daß „belgische Kriegsgefangene“ …
Ferdinand Piatti schrieb einen Brief an seinen Freund, den Staatssekretär der „Vaterländischen Front“, Guido Zernatto, in welchem er vorschlug, die Idee des Heimatschutzes wieder entstehen zu lassen: „In den Wehrformationen lag echte Begeisterung, ein wesentlicher Teil der Jugend von 17-30 Jahren stand in ihnen und schließlich habe der Hasch. (Anm.: Heimatschutz) alle politischen Schattierungen angezogen. Ich halte die heutige Form der V.F. (Anm.: „Vaterländische Front“) mit ihren 3,000.000 Mitgliedern für die Durchführung absolut ungeeignet, es sei denn es würde sich aus dieser unförmigen, unbeweglichen & unzuverlässigen Masse, ein Kern von verhältnismässig wenigen Männern herausschälen lassen, welche die Eigenschaften der alten Wehrformation aufweisen. Nicht das ich für das Wort Wehrformation eintrete (die Zeit ist für Waffen ausserhalb des Militärs auf jedenfall ungeeignet) nur auf den Geist, die Idee, den Elan lege ich Wert. War es nicht ganz etwas einzigartiges um diese prachtvolle Gesinnung dieser Männer? Alles hätten diese Leute hergegeben für die Idee & diese Menschen sind zum überwiegenden Teil noch immer zu haben, die Verbindung hat man ja noch immer mit ihnen … Es ist jammerschade, dass diese Bewegung nicht in vollster Blüte ist. Ich glaube, dass wenn sich dieser Geist voll erhalten hätte, würde der Naz. Sozialismus nicht annähernd diese Rolle spielen, diesen Anhang haben. So wie in Italien der Faschio, in Deutschland der Naz. Soz., wäre hier der Heimatschutz & es würden die meisten keine Veranlassung haben einer neuen Form des „Neuen“ nachzulaufen, respektive der Nachbar (Anm.: Italien, Deutschland) sich nicht verpflichtet fühlen uns eine für unser Land niemals passende Art der autoritären Führung aufoktruieren zu sollen. Gibt es die Möglichkeit noch einmal von Frischen diese 3 notwendigen Voraussetzungen zu schaffen?
Wie heutig schlägt Ferdinand Piatti „Heimatschutz“ und nicht „Faschismus“ vor, will dem „Faschismus“ die Maske „Heimatschutz“ überziehen, „Heimatschutz“, für das weiter und wieder ein Wort des „Richtigen“ gesucht wird, und manche scheinen es wieder gefunden zu haben: „sichere Heimat“ etwa … Heimatsicherheit ist dem Großvater nicht eingefallen, oder Heimatsicherung, vielleicht, weil Sicherungen durchbrennen können und zu viele doch, die Befürchtung, wissen, was dann passiert, wenn Sicherungen durchgebrannt sind — Dunkelheit, Finsternis …
Rudolf Hoyos, Ferdinand Piatti und Georg Thurn-Valsassina waren miteinander durch viele Netzwerke, die eng geknüpft waren, verbunden: Verwandtschaft, Freunde, Heimwehren, „Vereinigung katholischer Edelleute in Österreich“, „Vaterländische Front“ und „Österreichische Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“. Hoyos und Piatti waren Mitglieder im Malteser-Ritter-Orden. Rudolf Hoyos hatte noch Mitgliedschaften im „Jockey-Club für Österreich“, in der „Viribus unitis“, im „Reit- und Polo-Klub“ und in der „Leo-Gesellschaft“. Ende der 1920er Jahre waren die drei Grafen als Kommandanten in den Heimwehren, Hoyos und Piatti in Niederösterreich, Thurn-Valsassinain Kärnten, zu finden und schließlich an den Februarkämpfen und an der Niederschlagung des NS-Putsches 1934 beteiligt. Nach dem Ersten Weltkrieg waren sie christlichsozial, ab ihrem Eintritt in die Heimwehren faschistisch orientiert. In der „Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“ fanden Rudolf Hoyos und Ferdinand Piatti ein reiches Betätigungsfeld. In dieser Gesellschaft bekleideten sie mehrere Funktionen und veröffentlichten in den„Mitteilungen der Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“zahlreiche Artikel. Politische Aufgabengebiete bekamen Hoyos, Piatti und Thurn-Valsassinac innerhalb der „Vaterländischen Front“: Rudolf Hoyos hatte hier die höchsten Funktionen als Vorsitzender des Staatsrates und Präsident des Bundestages inne. Ferdinand Piatti war Bundeswirtschaftsrat in der Sektion Land-und Forstwirtschaft, Mitglied des Bundestages, des Budget-und Finanzausschusses und des Sozialpolitischen Ausschusses. Georg Thurn-Valsassina war Staatsrat, im Außenpolitischen Ausschuss und Bundesjugendführer von „Jung-Vaterland“. In dieser Funktion veröffentlichte er auch zahlreiche Artikel in den Organen der Arbeitsgemeinschaften der österreichischen Jugendverbände. Rudolf Hoyos war Legitimist. Piatti und Thurn-Valsassina standen den legitimistischen Organisationen nahe. Beim „Anschluss“ sprachen sich Hoyos und Piatti für die Vereinigung mit dem Deutschen Reich aus. Rudolf Hoyos und Georg Thurn-Valsassina wurden mehrmals von der Gestapo verhaftet. Ferdinand Piatti wurde nicht verhaftet, da er politisch im „Ständestaat“ nicht so exponiert gewesen war. Piatti nahm als Offizier der Deutschen Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil (bis Sommer 1943). Auch Rudolf Hoyos wurde zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und war für die Assentierung von Pferden zuständig (bis Juli 1944). Hoyos und Piatti hatten im Krieg den Tod ihrer Söhne zu beklagen (Hoyoseinen, Piatti zwei Söhne). Im adeligen Widerstandsnetzwerk fanden sich Ferdinand Piatti und seine Frau Anna („Widerstandsgruppe Helfenberg“ von Peter Revertera).
Angesichts der Weltwirtschaftskrise und den daraus resultierenden Problemen, wäre eine Zusammenarbeit der beiden Großparteien von größter Wichtigkeit gewesen. Mit den Arbeitslosen stiegen die Zahl der Unzufriedenen und das soziale Elend. Wirtschaft und Industrie drängten auf Lösungen. Die von der österreichischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen (Großbauprojekte und Stützung der Preise für landwirtschaftliche Produkte) zur Bewältigung der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit blieben wirkungslos, da man an der Hartwährungs-und Sparpolitik festhielt. Dass es durchaus auch anders gegangen wäre, haben Länder, wie Großbritannien, Schweden und die USA vorgezeigt. Mussolini hatte mit dem italienischen Faschismus einen politischen „Erfolgsweg“ (Vernichtung des politischen Gegners, Wirtschaftsaufschwung) eingeschlagen, der vielen Staaten Europas mit instabilen politischen Verhältnissen und wirtschaftlichen Problemen nachahmenswert schien, so auch Österreich. Der „Duce“ hatte, seine politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgend, zunehmend in der österreichischen Innenpolitik mitgemischt und Dollfuß gedrängt, sein Erfolgsmodell auch in Österreich zu installieren, damit die Demokratie zu beenden und die Sozialdemokratie zu zerschlagen. Die Auflösung des Parlaments und die Februarkämpfe hatten Dollfuß dabei in die Hände gespielt. Die Heimwehren waren, zusammen mit Einheiten des Bundesheeres und der Exekutive, an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt. Sie (die Heimwehren) und die in ihnen wirkenden Adeligen vertraten einen faschistischen Kurs („Korneuburger Eid“). Dieser wurde nun auch eingeschlagen.
so nur höchstens in einer Hinsicht, daß es nicht vergessen wird, damit es nicht vergessen ist, womit die Forderung seines Enkelkindes erfüllt sein sollte.
Bei dem einen und anderem oben erwähnten Land setzt sich, auch in Österreich, die Begrifflichkeit durch, von „illiberalen Demokratien“ zu sprechen, wie zur Eigenberuhigung, „illiberal“ aber doch weiter „Demokratien“, mit denen sich zu verbinden, „Demokratien“ aber noch „liberale“ keine Verbiegung ihrer Demokratien, deren Gewissen weiter unbefleckt bleiben können. Von „liberaler Demokratie“ zu sprechen ist zum einen ein gedankenloses Nachsprechen der „Illiberalen“, die die Marke „illiberale Demokratie“ aufbrachten, eine „illiberale Demokratie“ ist keine Demokratie, und das hilflose Entgegentreten mit „liberaler Demokratie“ ist im Grunde schon die Aufgabe der Demokratie.
Denn. Demokratie ist Demokratie, ohne Beiwort, ohne Beschränkung, ohne Einhegung, sonst ist sie keine Demokratie.
aber wenn die Volkskanzl kommen sollte, wieder gemacht und wieder nicht gewählt, dann könnte es auch zu Pflichtlektüren kommen; von den möglichen Spielplänen wurde schon erzählt …
Wenn dies eines Tages, stellen Sie sich vor, dies eines Tages an österreichischen Schulen, stellen Sie sich vor, Pflichtlektüre, dann ist es nicht unvorstellbar, daß es in Österreich so weit kommen kann, wie es jetzt schon in den illiberalen und also demokratielosen Staaten gekommen ist, auch in den Schulen …
Oberjäger. (Wickelt sich fest in seinen Mantel und legt sich bei dem Wachtfeuer nieder.) Der Lieutenant hat Recht ! Schlaft, daß morgen die Schwerter nicht bleiern wiegen. Gute Nacht ! Einzelne Reiter. (Durcheinander.) Gute Nacht ! Körner. (Tritt, sobald die Musik verklungen, vollständig gerüstet aus der letzten Coulisse links, geht, die Arme verschränkt, langsamen Schrittes zum Wachtfeuer, wo er im tiefsten Ernste die Schläfer betrachtet.) Wie sie so ruhig schlafen ! — — — — — — — Ehe die Sonne ihre Höhe erreicht, ist Mancher der Erde entrückt ; Mancher steht vor seinem Richter, — Mancher ! – Mancher ! — — — — — Die üppige Blüthe kraftvoller Jugend ist für Viele zum Grabe gereift ; — Mancher, den jetzt ich noch, ein Bildnis der Vollendung, schaue, wird morgen verstümmelt auf dem Felde liegen, und unter den Hufen unserer Rosse den erlösenden Tod herbeisehnen ! — — — — — Und sie schlafen ! — — — — —
Hier schaue her, armes Vaterland, suche Hoffnung auf der Stirne dieser Schläfer ! Tritt her, herzlose Tyrannei, tritt her und zittere vor der strafenden Nemesis : Schau‘ auf diesen Mund, der eine Stunde vor der Schlacht lächend köstlicher Küsse gedenkt, sieh‘ diese Linke die gramgebeugte Eltern von sich drängt, während die tapfere Rechte an Schwertesgriff sich trotzend ballt !
Nein, nein, das willst Du nicht, Schöpfer des Löwen ; Du hast auch diese Brust geschaffen, Du kenn’st ihr Drängen und richtest nicht, wenn für Freiheit und Recht alle Saaten mit Blut getränkt, Du richtest nicht, selbst wenn eine Welt darüber zu Schanden ginge. — — — — — — — — — — — Dem großen Werke habt Ihr Euch geweiht, frei wollt Ihr leben oder sterben den Helden auf den Trümmern einer Nation : So kämpfet denn, wie Männer, siegt oder fallet als Helden, und Euer Schlaf wird der der Unschuld sein, möge er auch währen bis zu dem jüngsten Tag ; — Ihr lebt und werdet ewig leben in dem Herzen einer dankbaren Nachwelt !
(Kleine Pause, während welcher Körner tief ergriffen nach dem Vordergrunde geht.)
Die Nacht ist schon weit vorgerückt und noch finde ich keine Ruhe !
(Setzt sich an den Fuß der Eiche und legt den Ezakow ab.)
Das Herz ist mir so voll, trübe Bilder beengen die Brust : Ich weiß nicht was, aber ich fühle ein Etwas in mir, das mich zur Wehmuth stimmt. — — Ist es Furcht ? — — Nein, nein: Bis jetzt habe ich sie nicht gekannt, warum sollte sie denn heute Raum gewinnen ? — — — Ist es der Gedanke an das Elternhaus ? — — Was mögen sie machen ? Wird der Vater, wie sonst, noch bei der Lampe sitzen und in Büchern und Acten sich vertiefen, oder ist er im Geiste bei seinem Theodor?
Wird die Mutter die Sorge um den Sohn im Schlafe vergessen haben, oder sitzt sie weinend auf ihrem Lager ? — — — Und Toni ? — — (Starrt gedankenvoll vor sich hin, fährt dann plötzlich betroffen in die Höhe.) Wer ruft ? Wer nennt meinen Namen ? — — — — — Niemand ? — — — Ich hörte deutlich „Theodor“ rufen und, wie mir schien, von lieber Stimme ! — — Giebt es Ahnungen ? (Kleine Pause, dreht sich dann erschrocken rasch um.) Ich komme ! Wer ruft ? (Geht suchend nach dem Hintergrunde, kehrt dann in den Vordergrund zurück; erschrickt plötzlich und ruft mit schmerzvoller Sehnsucht.) Toni ! — — — — — — (Mit unheimlichem Gefühle.) Keine Antwort ? — — — — Sollte es ein Lebewohl gewesen sein ? — — — — Dunkle Gottheit, darf die Seele den Leib verlassen, um den Geliebten zu umschweben ? — — — — — Giebt es Ahnungen ? — — — — — — — —
(Gefaßt, mit Gefühl.) Sollte es ein letzter Gruß gewesen sein, so lebet wohl, alle meine Lieben, lebt wohl und zürnt mir nicht : Ich konnte euch den Schmerz nicht sparen ! – Nicht jugendlicher Uebermuth zwang mir aus Euren Armen, nicht war es die Ehrfurcht, die mir die Leyer entriß und mit dem Schwerte mich waffnete, nein, es war ein heiliges Drängen, es war die Vaterlandsliebe, die mich in’s Feld geführt !
(Der Morgen dämmert.)
Die Erde, die unseren Hermann trug, war deutsche Erde, und deutsch soll sie sein, so lange ein deutscher Arm noch ringen kann : Für Deutschlands Freiheit zerschellte ich die Leyer, für Deutschlands Freiheit muß ich siegen oder bluten !
(Klopft auf die Brust.) Es ist hinweg, ich athme wieder frei ! (Setzt sich wieder an den Fuß der Eiche, und blickt gedankenvoll in die nach und nach emporsteigende Sonne.)
„Ahnungsgrauend, todesmuthig; „Bricht der große Morgen an ; „Und die Sonne kalt und blutig, „ Leuchtet uns’rer blut’gen Bahn. „In der nächsten Stunde Schooße „Liegt das Schicksal einer Welt : „Und es zittern schon die Loose, „Und der eh’rne Würfel fällt !“
(Kleine Pause.)
Jetzt brichst du dir Bahn, hehres Licht ; rein, wie die Gottheit selbst, tritt’st du aus dem Nebelschleier neidischer Wolken und kündigst uns so freundlich die Gnade der allwaltenden Liebe ; doch, wenn dein Lauf vollendet, wirst du trüben Blickes scheidende Grüße auf ein Feld der Verwüstung senden, trauernd wirst du bleiche Lippen zum Abschiede küssen, um dann mit dem Schleier der Nacht das blutige Werk der eitlen Welt zu decken` — — — — — Vielleicht sind es auch meine Lippen, die du küssest ! — — — — —
(Er lehnt sich gegen den Eichbaum und nimmt aus der Brusttasche ein Notizbuch, in dem er liest und blättert; nach kleiner Pause schreibt er mit mehrfachen Unterbrechungen:
(Körner wird weder durch das Signal, noch durch die Unterhaltung der erwachenden Reiter gestört, und dichtet ruhig weiter.)
Oberjäger. Heda ! Auf ! Der Hahn hat gekräht ! Alle. (Erheben sich dehnend und streckend.) 2 r Reiter. Das war ein göttlicher Schlaf ! 4 r Reiter: Davon weiß ich just nichts zu sagen : Meine Knochen sind wie gerädert ! 3 r Reiter: Das gewöhnt sich, Kleiner ! Der Schlaf war prächtig, nur ein Bischen kurz ! 1 r Reiter. Gar nicht des Niederlegens werth ! Oberjäger. Kein Wunder, wenn man bis gegen Morgen tollt ; — doch jetzt zur Fütterung : Erst das Pferd und dann der Mann, das ist Reiter-Manier. Alle. (Durch die letzte Coulisse links ab.) (Kleine Pause, während welcher die Melodie des Schwertliedes von oben sich wiederholt ; nach einem Verse schweigt die Musik.)
„Der Freischütz“ wurde nicht am Tag der Befreiung vom industriellen massenmörderischen Nationalsozialismus gegeben, sondern am 18. Juni 1821 in Berlin, am Jahrestag der Schlacht von Waterloo 1815, als Feier von der Befreiung von einem kriegsmassenmörderischen Diktator. Und mit welcher Oper sonst hätten sie den Jahrestag der Befreiung feiern können, als eben mit dieser Oper, die, so heißt es, die „deutsche Oper“ begründete, die als die „erste deutsche Nationaloper“ bezeichnet wird, zu der vor rund einhundertachtzig Jahren die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ schrieb:
„Kinds und Webers Freischütz ist aber auch eine echt deutsche Oper. Ja, man kann in gewisser Hinsicht sagen, sie hat in sich selbst die erste in jeder Beziehung rein deutsche Nationaloper hingestellt. Die älteren Erscheinungen im Gebiete der deutschen Oper (natürlich ist hier nur von den bedeutenden die Rede) hatten fast alle irgendetwas Fremdartiges, Nichtdeutsches an sich, sei es in der Musik oder in den Büchern.“
Zum „Freischützen“ fällt Ludwig Börne vor rund zweihundert Jahren dies ein:
Es ist eine Deutsche volkstümliche Musik, wie wir doch eigentlich noch gar keine haben.
Dieses „Vaterlandssurrogat“ wird nun, mehr als zweihundert Jahre später, in Bregenz gegeben, die Premiere war am 17. Juli 2024 — desselben Tages wird der „Welt-Emoji-Tag“ gefeiert …
und das namensgleiche Melodrama in der Volksoper —
Carl Maria von Weber als „stumme Person“ in der „biographischen Handlung“ braucht nicht zu reden, es sprechen in dieser für ihn seine Noten, die er geschrieben zum „Schwertlied“; es waren dies nicht die einzigen Noten, die er körnerischen Gedichten beisetzte. Wie er wohl reagiert hätte, wäre er im Melodrama gesessen und hätte seine „Schwertlied“-Noten gesungen gehört, aber ungenannt, nicht einmal als „stumme Person“ angeführt, hätte er die Bühne gestürmt, unter Rufen „Das Schwertlied bin ich!“?
Vielleicht hätte er, Carl Maria von Weber, auch geklagt, seine „Lützows wilde Jagd“ fehle in diesem Melodrama der Reiter, Lützows reitenden Jägern —
Zuschauerraum und Scene gleichen genau dem Burgtheater zu Wien am Abend des 31. Dezember 1812 bei der historischen ersten Vorstellung von Körner’s „ Zriny „. Man giebt, möglichst treu und Art nachahmend, gerade die letzte (siebente) Scene des letzten Aktes. Man hat sich vorzustellen, dass die Tragödie zum ersten Male aufgeführt wird. Die vorhergehenden Akte haben die volle Symphathie des erwartungsvollen Publikums gefunden, das bereits bewegt und zum Enthusiasmus angeregt ist. Unter grösster Stille hebt sich der Vorhang.
So beginnt die „biographische Handlung“. Und wenn es wieder aufgeführt wird, wird wohl bald die Forderung erhoben werden, den ganzen „Zriny“ auch zu geben, statt das Stück von einem späteren Dichter, der die
Anna und Olga gehen nach dem Begräbnis des Vaters nachhause; Professor Robert Schuster, ihr Onkel, bleibt im Hintergrund, ist noch nicht zu sehen; aber man sieht das Burgtheater im Nebel
Burg bloß von außen — Aus dem Burgtheater ist er, Körner, gekommen, oder, wie es in der „biographischen Handlung“ geschrieben, in seinen Worten:
Ich bin aus Oestreich’s Kaiserstadt gekommen, so wie ich dorten Lützows Ruf vernommen, dem Freiheitskampfe hab‘ ich mich geweiht, in ihm zu sterben seht Ihr mich bereit.
Zu was er gerufen, das verschweigt er nicht.
Und daß, wenn Deutschland einig blieb, es einer Welt Gesetze schrieb“. Doch wollen wir im Tod und Leben des eignen Muthes uns erfreu’n. „Und mögen gold’ne Schurken beben, und sich vor Kraft und Tugend scheu’n und mit der Feigheit Schwindeldreh’n vor dem erwachten Volke steh’n – es kommt die Zeit zur guten Sache, zur Freiheit, zum Tyrannnentod. Du wirst die Feinde doch erschlagen, dein deutsches Land befrei’n! Liegt auch der Tag noch Jahre weit,“ es kommt die Zeit, die rechte Zeit, „die rechte Zeit zur guten Sache“, zur Freiheit, zum Tyrannentod. Du treuer Gott, verwalt‘ es gut!“ „Und färbt die deutschen Ströme roth mit Sclavenblut und freiem Blut im Kampfe für das höchste Gut! Du treuer Gott, verwalt‘ es gut.“
Kaum daß die Rede von der bregenzerischen Bühne herab beginnt, ist es auch schon vorbei mit dem Zuhören, verleitet die Vorfreude auf den „Freischützen“ am „Welt-Emoji-Tag“dazu, mit Carl Maria von Weber und Theodor Körner in die Vergangenheit der Gegenwart … Von der Rede aber wird doch etwas im Gedächtnis bleiben: „Das mit dem Dirigenten. Das hat schon was. Wenn man da am Pult steht und alle machen genau das, was sie machen sollen.“ Und auch das, die Einführung des Redenden durch den „Teufel“: „Doch wen sehe ich denn dort? Ist das der neue Dirigent? Ach quatsch, der Bundespräsident.“
Was für ein Witz auch dieser Ein-Satz-Witz doch ist. Der unbedingt zu erzählen ist:
Harald Vilimsky liest Gerald Grosz, um „seinen Horizont doch deutlich zu erweitern“.
Die Pointe in diesem einsätzigen Witz
„seinen Horizont doch deutlich zu erweitern.“
ist von Hararld Vilimsky selbst, so viel Ehre, ihn als Urheber zu nennen, darf ihm unumwunden zugestanden werden.
Ein Meister des Witzes ist gesinnungsgemäß Gerald Grosz,
der Brunnen des Witzes, aus dem ganze Bücher des Witzes, dessen Pointen er mit seinem Knicker zuspitzt, heraussprudeln, hochgepumpt vom Wolfgang Dvorak-Stocker, der die hochgepumpten Witze eimerweise in Bücher gießt, und wenn
mit einem Horizont, der an den von Harald Vilimsky nicht heranreicht, obgleich sie beide, Vilimsky wie Dvorak-Stocker aus demselben Brunnen der Horizonterweiterung schöpfen, aber Dvorak-Stocker dürfte im Gegensatz von Vilimsky Nietzsche gar nicht kennen, gar nie gelesen haben, der schreibt:
Das, worin man die nationalen Unterschiede findet, ist viel mehr, als man bis jetzt eingesehen hat, nur der Unterschied verschiedener Culturstufen und zum geringsten Theile etwas Bleibendes (und auch dies nicht in einem strengen Sinne). Deshalb ist alles Argumentiren aus dem National-Charakter so wenig verpflichtend für Den, welcher an der Umschaffung der Überzeugungen, das heißt an der Cultur arbeitet. Erwägt man zum Beispiel was Alles schon deutsch gewesen ist, so wird man die theoretische Frage: was ist deutsch? sofort durch die Gegenfrage verbessern: „was ist jetzt deutsch?“ — und jeder gute Deutsche wird sie practisch, gerade durch Überwindung seiner deutschen Eigenschaften, lösen.
1879, vor einhundertundvierundfünfzig Jahren schrieb dies Friedrich Nietzsche in seinem Buch, das von ihm bestimmt „für freie Geister“ … Es ist menschlich, allzumenschlich, als Freier von Geist kein Buch, das für freie Geister ist, je in die Hand nehmen zu wollen und noch weniger, es zu lesen.
Hans Rauscher hätte das als Rezension der Zungenpeitschennummer gar nicht mehr fragen müssen: „Was tun mit Vilimsky?“ Und auch seine Antwort hätte er nicht mehr schreiben müssen: „Frauenhasser mit Kalkül gehören konsequent bekämpft – nicht nur von den Frauensprecherinnen anderer Parteien.“ Am 19. Juli 2024. Denn. Auf die Frage wurde ja im Angesicht der Zungenpeitsche von den Journalistinnen unmißverständlich reagiert. Die Antwort gaben ja im Angesicht der Zungenpeitsche eindrucksvoll die Journalisten.
Allein schon der Beginn, nicht nur erkenntnisreich, nicht nur horizonterweiternd, sondern auch eine Freude des Lesens:
Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gnom und schielte her!
In der Pressekonferenz von Susanne Raab, Wolfgang Mazal und Johannes Klotz um ihre für sich genannte „österreichische Leitkultur“ wurde u. v. a. m. die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ sehr betont, deshalb wohl wird in dieser Vorstellung Susanne Raab von Elisabeth Wenger-Donig, Leiterin „Abteilung V/B/10 (Rückkehr, Reintegration und Qualitätsentwicklung)“ im Bundesministerium für Inneres, ständig als Frau „Bundesminister“ angesprochen, an diesem 25. Juli 2024.
Elisabeth Wenger-Donig, für die eine Bundesministerin ein „Bundesminister“ ist, spricht in dieser raabischen Vorstellung viel von Integration und mehr noch von Verpflichtung. Beim Lesen ihres Aufgabenbereiches aber stellt sich die Frage, wo soll die Integration, gar die „Verpflichtung Integration“ denn erfüllt werden? In Österreich selbst nicht, jedenfalls nach ihrem Aufgabenpflichtenheft, in dem „Rückkehr und Reintegration“ festgeschrieben .– in anderen Staaten also hat, sofern „Rückkehrende“ in diesen je schon einmal integriert gewesen sein sollten, und wenn sie nicht integriert gewesen sein sollten, dann wäre die „Reintegration“ eine Integration; soher ganz im Sinne von „Bundesminister“ Raab, soher hätte „Bundesminister“ Raab, wenn in der raabischen Veranstaltung von „Integration“ gesprochen wird, keine falsche Begrifflichkeit angewandt.
„Integration“ somit auf den Punkt gebracht, zu berechnen nach der wissenschaftlich erstellten christschwarzen Formel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“.
Aufgaben 1. Leitlinien, Grundsätze und Koordination in Angelegenheiten der Rückkehr, einschließlich freiwilliger Rückkehr und Reintegration; 2. Fachaufsicht in Rückkehr- und Qualitätsfragen gegenüber dem BFA 3. Interministerielle Koordination einer gesamtstaatlichen Rückkehrpolitik 4. EU-Acquis im Bereich Rückkehr, einschließlich Koordination der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben und Zusammenarbeit mit EU-Mitgliedstaaten, Partnerstaaten, Agenturen und internationalen Organisationen in Rückkehrangelegenheiten sowie Kooperation mit GDISC 5. Fachliche Vertretung in nationalen, europäischen und internationalen Gremien und Arbeitsgruppen im Zusammenhang mit Rückkehrangelegenheiten 6. Angelegenheiten der Auswanderung von Fremden, Asylwerbern, Flüchtlingen und Kriegsvertriebenen
Abschließend soll doch Wissenschaftlerin Mazal zitiert werden, mit dem was sie u. a. m. in dieser Pressekonferenz sagt:
Andere Orte des öffentlichen Raums sind aber auch Plätze im Stadtgebiet, wo man sich aufhält, sind Wälder, wo man als Jogger usw. sich mit einem gewissen Verhalten anderer rechnen können muß, damit das Zusammenleben funktioniert. […] Die Zivilgesellschaft ein ganz wichtiger Punkt, wo Werte erfahren werden. […] Primär zunächst einmal in der Familie transportiert werden, in einem weiteren Sinn Familie, das ist nicht nur Vater, Mutter, Kind, das ist von Großeltern, Onkel, Tanten, was auch immer dazugehört.
Mit einem kleinen Gebirgsjäger präsentiert an diesem 24. Juli ’24 die patriotische Parlamentspartei Österreichs ihre „Mannschaft“ für die Nationalratswahl am 29. September 2024 in Österreich, und sie spricht dabei von einer „Wende“, daß gefragt werden kann: „Wende wohin?“ Die Antwort gibt sie selbst, so einfach wie kurz: „Wende hin“ …
In Österreich drückt „hin“ nicht die Richtung aus, weder räumlich noch zeitlich noch inhaltlich, sondern wie es in seiner gar nicht so geheimen Hymne „O, du lieber Augustin“ besungen wird: „Alles ist hin“. „Hin“ steht umgangssprachlich für: „verloren, weg, defekt, kaputt, unbrauchbar, erschöpft, tot“. Damit ist im Grunde alles gesagt, was diese „Mannschaft alles zu geben“ hat, jeher ihr Versprechen, „alles dafür zu geben“.
Dafür stehen namentlich, um lediglich einige aus dieser zwanzigköpfigen Mannschaft stellvertretend, exemplarisch vorzustellen.
Dabei ist die „Remigration“ bereits seit langem eine stehende Forderung rechter Parteien. Nicht nur die FPÖ und die AfD benutzen den Begriff, auch von Zeitungen und Zeitschriften wie „ZurZeit“, „Freilich“ oder den „Burschenschaftlichen Blättern“ (die von vielen CDU-Mitgliedern gelesen werden) wurde die Idee der Remigration bereits mehrfach aufgegriffen und präsentiert.
Wolfgang Dvorak-Stocker schreibt mit seiner Besprechung gegen das Berichtete an
[…] schreibt weiter: „Remigration ist, anders als von Medien und Altparteien-Politikern behauptet, kein Deportationsprogramm. Es finden keine Vertreibungen oder Willkürmaßnahmen statt. […]
und bestätigt unmittelbar anschließend zitierend, deshalb ist es zu zitieren, zugleich das Berichtete:
Abschiebungen finden ausschließlich bei ausreisepflichtigen Staatsbürgern statt.“
Der bedeutungslose Mann in langen Hosen als Reiseführer dankt untertänigst für die „interessanten Ergänzungen“ des Wolfgang Dvorak-Stocker, der „denkt auch einige Schritte weiter“ … Weiter als ein Nachhechelnder zu denken, sogar mehr als einige Schritte, nun ja, Wolfgang Dvorak-Stocker wird auch weiter denken als jener Mann, von dem er wieder ein Buch herausbrachte, über den seinen perfektenUntertanen —
Man kann auch einen Schritt weiter über den von […] vorgestellten Plan hinausgehen und fordern, daß Personen, die sich legal in Deutschland oder Österreich aufhalten und sogar die hiesige Staatsbürgerschaft erworben haben, […] Schon diese Gedanken gehen weiter als der von […] vorgestellte und von Alice Weidel unterstützte Remigrationsplan –
daß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.
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