„Under his leadership the US military was finally able to capture Osama bin Laden“

So wird es im Video erzählt, zum Buch von Tucker G. FitzGerald von seinem „Patrioten“, bebildert von Karen Whitefield, in einem über Amazon zu beziehenden Buch für Menschen von acht bis sechzehn Jahren, in einem Buch „für deine Familie“

Entweder ist Donald Trump, was außerhalb seiner Kirche nicht gewußt wird, bereits 2011 Präsident der Vereinigten Staaten, so ist es verkündet, „under his leadership the US military was finally able to capture Osama bin Laden“, oder Gott hat die Bitten des Osama bin Laden erhört und ihn irgendwann nach 2011 auf die Erde hinuntergelassen, für eine kurze Zeit, bis irgendwann nach 2017, um dann endgültig unter der trumpischen „Führerschaft“ von Allah …

Frage zu Lebzeiten

Beim Lesen „Ruhe in der Unruhe“ in der Wochenendausgabe der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards an diesem letzten Sonntag im Mai 2024 setzte rasch eine Ablenkung ein, ein Abschweifen zu einer Erinnerung an einen Abend vor Jahren am Radetzkyplatz, als von Franzobel, so hell erleuchtet war der Schanigarten, eine Falte gesehen wurde … nun beim Lesen seines Essays in Erinnerung an diesen Abend stellt sich von selbst die Frage ein, die menschgemäß sonst gestellt wird, wenn ein Mensch beispielsweise der Literatur gestorben ist, was wird von diesem Menschen bleiben, aber es eine Frage, die durchaus und vielleicht klugerweise schon zu Lebzeiten eines sogenannten schöpferischen Menschen gestellt werden sollte, und Franzobel mit seinem Essay eignet sich dafür hervorragend, damit zu beginnen, zu fragen, bei Lebzeiten von Franzobel zu fragen, was wird von ihm bleiben —

Und weil es eine Frage zu Lebzeiten ist, was wird von ihm bleiben, kommt von selbst die Frage hinzu: Was kann aus ihm noch werden? Darum ist es schlecht bestellt, mit einem Blick in seinen Essay …

[W]er im Ukrainekrieg die russsische Seite verstehen will, ist ein Putin-Troll, und wenn man die Folgen der Migration anspricht, gilt man ungeschaut als Rechtsradikaler.

Als Aschermittwochschreiber wird der kleine Gebirgsjäger Franzobel nicht brauchen können, das schreibt er sich schon lange selbst, und bei so einem wie den oben zitierten Satz könnte gemeint werden, er, Franzobel, schreibe vom Gebirgsjäger ab.

Es ist nicht nur dieser Satz in seinem Essay, es könnte sein Essay Satz für Satz durchgegangen werden, ein jeder Satz aufgelöst werden, bis von keinem Satz etwas überbleibt, damit wäre aber zugleich der Eindruck vermittelt, von ihm bliebe doch etwas, zum Beispiel sein Essay, sein Essay bleibt auch — zum Vergessen. Natürlich schreibt Franzobel nicht dem Gebirgsjäger nach, sein Koordinatensystem ist vielleicht ein in Villach weltberühmter Filosof

Mehrmals in seinem Essay erwähnt er Grönland, oh Grönland, das „ein Land des Weinanbaus“ einst, jedenfalls für einen, der abgelöst wurde und ihm nun vielleicht ein Sehnsuchtsland, einst in Grönland als Weinbauer —

Viele Menschen wissen nicht, wie sie Minderheiten benennen sollen, ohne als Rassist zu gelten. In Grönland ist das Wort Eskimo zum Beispiel kein Zeichen für koloniale Ignoranz […]

Wie in Österreich, in dem zum Beispiel das Wort „Zigeuner“ kein Zeichen für koloniale Ignoranz ist, wer kann in diesem Portschyland Rassistin genannt werden, wenn sie bloß ein Wort verwendet, mit dem sich manche Menschen dieser „Minderheit“ gar selbst benennen, und, ach die armen Menschen, die nicht wissen, wie sie Minderheiten benennen sollen, kann denn „Rassist“ überhaupt ein Vorwurf sein, ist doch „Rasse“ ein Wort der österreichischen Bundesverfassung

Viel schreibt Franzobel von Orientierungslosigkeit, ja wie wahr, wohin das Orientierungslose führt, immer schon führte, eindrücklich führt er das vor, etwa in den „Dreißigjährigen Krieg“ …

Ein Satz muß doch noch zitiert werden, als Zeugnis für seinen Essay:

Mit der Entwicklung atomarer Waffen kam die Friedensbewegung.

Was für ein Segen die „Entwicklung atomarer Waffen“ doch war, ohne diese Entwicklung hätte vor zehn Jahren nicht zweihundert Jahre Friedensbewegung gefeiert werden können, ohne diese Entwicklung hätte vor einhundertfünfundreißig Jahren nicht „Die Waffen nieder! veröffentlicht werden können, geschrieben von einer Österreicherin, die damit einen Weltbestseller schrieb, ohne die „Entwicklung atomarer Waffen“ hätte es beispielsweise 1914 keine Weltfriedenskonferenz gegeben, ohne diese Entwicklung wäre 1913 der Friedenspalast in Den Haag nicht fertiggestellt worden, der heute Sitz des Internationalen Gerichtshofs …

Sein „gescheiterter Künstler“, auch das wieder vom „gescheiterten Künstler“ muß Franzobel für seinen ihm bekannten Österreicher anführen, hingegen schrieb nur einen „Bestseller“, aber wie viele Direktiven waren, als er endlich dazu in der Lage war, dafür notwendig, daß dieser zu einem tatsächlichen „Bestseller“ …

Mit jedem Satz in seinem Essay schreibt Franzobel im Grunde sich selbst die mündliche Beurteilung; Lehrerinnen freuten sich wohl sehr, hätten sie solche Schüler, die ihnen diese aufwendige Arbeit abnähmen.

Beste Voraussetzungen, um in einen neuen Faschismus zu geraten. Er wird anders aussehen, aber genauso intolerant sein und mit allen Freiheiten aufräumen wie der vor hundert Jahren.

Das wird den Gebirgsjäger wohl recht freuen zu lesen, muß er doch ab diesem Wochenende nicht mehr auf einen ausländischen Schriftsteller, wenn er vom „neuen Faschismus“ spricht, sondern kann auf einen Einheimischen zurückgreifen, und vielleicht gelingt es ihm mit dem Einheimischen, einmal etwas nicht falsch zu zitieren.

Unlängst hat man mich gefragt, warum die Kulturschaffenden gerade so ruhig sind. […] Aber warum sind die Kulturschaffenden gerade so leise?

Das wird Franzobel vielleicht ein Mensch gefragt haben, der sich nach Grönland zurückgezogen hat, zu einem Leben ohne alles, auch ohne „Fußball, Thermomix, iPhone, Tupperware, Taylor Swift“ … Ein Mensch, der nicht in seinem Grönland ohne alles lebt, wird das je nicht gefragt haben können, und er selbst, wäre er außerhalb seines Grönlands unterwegs, könnte diese Frage je nicht stellen, sogar Taylor Swift, das wissen Menschen mit „Fußball, Thermomix, iPhone, Tupperware“, meldet sich politisch zu Wort, auch in diesem Jahr 2024 weiter, wie sie es auch beispielsweise schon 2020 tat, als sie schrieb: „We will vote you out in November.“

Das Wort „Kulturschaffende“ wird vielleicht einigen sauer aufstoßen, aber das muß Franzobel nicht bekümmern, diesen Kulturschaffenden, der sich zu Wort meldet, der nicht leise ist, er selbst also kein Zeuge dafür ist, daß die Kulturschaffenden gar so leise seien, dabei, was für eine Karriere als Kronzeuge stünde ihm offen, meldete er sich nicht zu Wort, bliebe er leise —

Moscowboys

Es ist vielleicht das Plakat eines Kandidaten zur EU-Wahl 2024, auf dem patriotisch, was steht, das „Was wo“ von Samuel Beckett einfallen läßt, in „What Where“ sind vier Gesichter in totaler Finsternis zu sehen, die Gesichter von Bam, Bom, Bim und Bem, sie erscheinen, sie erscheinen wieder, das Gesicht von Bum ist nicht zu sehen, von Bum ist die Stimme zu hören, mutmaßlich Bam, ob es nun vier sind, ob es nun fünf sind, behauptet wird jedenfalls: „Wir sind nur noch fünf“.

Jedenfalls, Bum: das ist Bam, dann wären es doch nur noch vier, gesagt aber wird: „We are the last five.“

Verstehe, wer kann.

„Patriotisch, was“ — wo … Zu viel der Ehre für „Patriotinnen“, bei „Patrioten“ an Samuel Beckett zu denken, vielleicht aber deshalb, weil sie nicht politisch, hingegen Beckett auch mit „What Where“, auch mit „Catastrophe“ … vielleicht aber deshalb, um die Moscowboys nicht namenlos zu lassen: Bam, Bom, Bim, Bem, Bum.

Bum, Bem, Bim, Bom, Bam – Namen und zugleich, einfach wie kurz gesagt, Comicsprache: Bim — Bom — Bem — Bam — Bum

Bum mit dem Mund von Bam, wie Gott mit dem Mund von Paul Goodman, Pastor und Gott wie Bam und Bum

Donald Trump war der 45. Präsident unseres Landes, ein kraftvoller Patriot und engagierter Christ.Teilen Sie das inspirierende Leben eines mächtigen Führers mit jungen Menschen in „Donald Trump, American Patriot“.
Entdecken Sie in dieser klaren Erzählung für junge Leser die bemerkenswerte Reise und den unerschütterlichen Glauben, die ein entscheidendes Kapitel unserer Geschichte geprägt haben. Mit Dutzenden ergreifender Zitate des Präsidenten strahlt jede Seite Weisheit und Hoffnung aus. Begleitet von 44 exquisiten Aquarellillustrationen der talentierten Karen Whitehead werden Kinder in die Geschichte des Präsidenten eintauchen und jungen Geistern die Möglichkeit geben, die Bedeutung dieser historischen Ära zu erfassen.
„Donald Trump, amerikanischer Patriot“ ist mehr als eine Biografie; es ist ein Tor für die nächste Generation, um die bleibenden Werte, Herausforderungen und Erfolge zu erkunden, die diesen Präsidenten geprägt haben.
„Eine fesselnde Reise voller Belastbarkeit und Führung, perfekt konzipiert für junge Herzen und neugierige Köpfe.“ – Randal Alderson, Gründer der Heritage Campaign
„In diesem kulturellen Moment ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die großartige Geschichte, die sich in unserem Land abspielt, mit dem Lernen und der Vorstellungskraft unserer Kinder verbinden. ‚Donald Trump, amerikanischer Patriot‘ tut genau das und legt in Bildern und Worten dar, wie Gott durch diesen bemerkenswerten Mann gewirkt hat.“ sorgfältig ausgearbeitet, um die Aufmerksamkeit junger Denker zu fesseln. – Pastor Paul Goodman

einen Comic preist: „Donald Trump — American Patriot“ von Tucker G. FitzGerald (Psalms), Karen Whitefield (Icons) …

„Those were the days“, gesungen von den Leningrad Cowboys, ein Song, der auf einem russischen Lied basiert: „Entlang der langen Straße“, ein passend gewähltes Lied zur pulp fiction mit dem Moscowboy with his speech bubbles

What Where zu lesen, instead of leafing through the Moscowboys‘ pulp comics, wieder zu lesen What Where von Samuel Beckett, auch in der Übersetzung von Elmar Tophoven …

we are the last five
in the present
as where we still
it is spring
time passes
first without words
i switch on

so on

i am alone
it is spring
time passes

i am alone
it is summer
time passes

nothing
he didn’t say what
no
you gave him the works
yes
and he didn’t say what
no
he didn’t say where
no
you gave him the works
yes
and he didn’t say where
no
he wept
yes
screamed
yes
begged for mercy
yes
but didn’t say where
no
and why stop
he passed out
and you didn’t revive him
i tried well i couldn’t
it’s a lie
he said where to you
confess he said where to you
you’ll be given the works
until you confess

i am alone
it is autumn
times passes

nothing
he didn’t say where
no
so on

it’s a lie
he said where to you
confess he said where to you
you’ll be given the works
until you confess
what must I confess
that he said where to you
is that all
and where
is that all
yes
then stop
yes

it is winter
time passes
in the end
i am alone
in the present
as where i still
it is winter
without journey
time passes that is all
makes sense who may
i switch off

wir sind nur noch fünf
im präsens
als wären wir noch
es ist frühling
die zeit vergeht
zuerst stumm
ich mache an

usw

ich bin allein
es ist frühling
die zeit vergeht

ich bin allein
es ist sommer
die zeit vergeht

na
nichts
er hat nicht gesagt was
nein
du hast ihn gut bearbeitet
ja
und er hat nicht gesagt was
nein
er hat nicht gesagt wo
nein
du hast ihn gut bearbeitet
ja
und er hat nicht gesagt wo
nein
er hat geweint
ja
geschrien
ja
um gnade gefleht
ja
aber hat nicht gesagt wo
nein
warum dann aufhören
er reagierte nicht mehr
und du hast ihn nicht wiederbelebt
ich habe es versucht
na und
ich konnte nicht
du lügst
er hat dir gesagt wo
gesteh daß er dir gesagt hat wo
man wird dich bearbeiten
bis du gestehst

ich bin allein
es ist herbst
die zeit vergeht

na
nichts
er hat nicht gesagt wo
nein

usw

du lügst
er hat dir gesagt wo
gesteh daß er dir gesagt hat wo
man wird dich bearbeiten
bis du gestehst
was soll ich gestehen
daß er dir gesagt hat wo
das ist alles
und wo
das ist alles
ja
dann aufhören
ja

es ist winter
die zeit vergeht
ich bin allein
im präsens
als wäre ich noch
es ist winter
ohne reise
die zeit vergeht
das ist alles
verstehe wer kann
ich mache aus

Patriotic, what

Um solche höchsten – „in the Name of God, the Most Beneficent, the Most Merciful“ – Wünsche eines „Patrioten“ zu erhalten, zum „National Day of the Federal Republic of Austria“, zum Nationalfeiertag Österreichs am 26. Oktober 2021, muß menschgemäß auch die bewünschte Seite etwas tun, und löblicherweise hat die österreichische Seite das getan, namentlich der derzeitige Bundespräsident Österreichs, der in seiner Weisheit und mit seinem ganzen weltpolitischen Wissen dem iranischen Präsidenten, der nun von seinem Gott in einem Hubschrauber zu sich geflogen, seine Glückwünsche zu dieser „wichtigen und herausfordernden Position“ sandte,

und so kann nur ein amtierender Präsident wünschen, der um Wichtigkeit und Herausforderungen der Position einer Präsidentin weiß.

Aber nicht nur ein Bundespräsident hat um die Gunst des „Patrioten“ geworben, auch der Bundeskanzler in seiner Weisheit und mit seinem ganzen weltpolitischen Wissen wußte um den Wert des persönlichen Gesprächs, und griff beherzt zum Telefonhörer, der jetzt bekannt als Smartphone, um vom „Patrioten“ in Dankbarkeit sogleich eine Einladung nach Teheran erhielt.

Nach Teheran, oh, Teheran, Hauptstadt der lebendigen Vergangenheit, Teheran, das „Patriotinnen“ in aller Welt verheißene Paradies …

Wie hat doch der iranische Präsident, von dem auf Erden nun nur ein zerstörter Hubschrauber und ein toter Körper zurückblieb, aber Gott in seiner Wundertätigkeit flog ihn im Hubschrauber heim, ins Reich, ins Paradies, die Wünsche aus Österreich zu Herzen genommen,

Wir hoffen, dass es Ihnen gelingt, die Hoffnungen und Sehnsüchte des iranischen Volkes nach Frieden zu verwirklichen, gute Beziehungen zwischen Iran und der Welt aufzubauen, insbesondere Spannungen zu deeskalieren und die Region zu stabilisieren,

bis beinahe noch zu seinem letzten irdischen Atemzuge, als am 14. April 2024 sein von ihm regiertes Land Friedensdrohnen und Friedenraketen nach Israel fliegen ließ …

Jetzt in der schmerzvollen Stunde des Todes brauchen die zurückgebliebenen „Patrioten“ Trost und Zuspruch zu dem Trost, den sie sich ohnehin selbst zusprechen werden, von Bruder zu Bruder,

ihr „Patriot“ sei nun in der Seligkeit, seinen Gott von Angesicht

zu Angesicht zu schauen und 144 Augen der „Huris“ auf ihn gerichtet,

Auch Außenminister Lawrow bezeichnete Raisi sowie seinen ebenfalls bei dem Absturz ums Leben gekommenen iranischen Amtskollegen Hossein Amir-Abdollahian als „verlässliche Freunde“ Russlands. Sie seien „Patrioten“ gewesen, welche die Interessen ihres Staates „entschlossen verteidigt“ hätten.

auch wenn dem iranischen Präsidenten beim Anblick der gänzlich enthüllten „72 Huris“ selbst die Sehnsucht nach dem Irdischen übermannen mag, den Frauen gänzliche Verhüllung zu seinen seinen höchsten erotischen Gelüsten zu gebieten, ihm auf Erden nichts erotischer war, als die total verhüllte Frau,

ihm die Fetischisierung der verhüllten Frau sein absoluter ihn gänzlich erfüllender Lebenssinn auf Erden war,

und er in seinem Schmerz des Verlustes seines Fetischs, seiner erotischen Praktik des Verhüllens am liebsten seinen Gott bäte, im Hubschrauber wieder auf die Erde zurückkehren zu dürfen,

auch zu seinen „Patriotinnen“, diesen soll ein weiterer Trost Zuspruch sein, dem „Patrioten“ Sergei Wiktorowitsch Lawrow mit seinem patriotischen Herrn Präsidenten, seid alle ihr getröstet, ihr „Patrioten“,

es gibt noch „Patriotinnen“ zuhauf auf Erden,

zuhauf in Österreich …

zuhauf in Österreich, die ebenfalls nur zu recht wissen, wer ihrer Stimme bedarf, welche Menschen ihnen dankbar zu sein haben, wenn sie, die „patriotischen“ Hundeführer, sich enthalten —

Wiener Staatsoper, Vorbild in ihrem Umgang mit Tagen der Freudenfeste im besonderen und mit Geschichte im allgemeinen

Die Wiener Staatsoper kann tatsächlich ein Vorbild darin genannt werden, mit ihrem Umgang, mit ihrem Wissen darum, wie als besondere ausgewiesene Tage im Jahr festlich zu begehen sind, Geschichte kurz gehalten werden kann.

Vorbildhaft begeht die Wiener Staatsoper den 8. Mai,

den 8. Mai 2024. Ein derart traditionsreiches Haus wie die Wiener Staatsoper ist wohl auch dazu verpflichtet, besondere Tage wie eben den 8. Mai auf seine besondere Art im Bewußtsein seiner Aufführungsgeschichte zu begehen, in der beispielsweise der 8. Mai 1941 in den unmittelbaren Abschluß der Vorbereitungen für das „Unternehmen Barbarossa“ fiel, das etwas mehr als einen Monat später seiner „Bewährungsprobe“ in der Wirklichkeit ausgesetzt wurde, mit „Lohengrin“ an der „Heimatfront“ gen Osten …

„Lohengrin“ bewährt sich, wie die Geschichte der Wiener Staatsoper eindrucksvoll belegt, auch als Geburtstagsgeschenk, als, schließlich ist ein Geburtstag ein Tag der Freude, ein Fest der Freude und „Lohengrin“ selbst ist schon das ganze Fest,

die Freude des Geburtstagskinds wird an diesem Tag vielleicht ein wenig getrübt gewesen sein, vor fünfundachtzig Jahren, seine Freude keine totale gewesen sein, mußte doch der „Schützer“, wie ihn Katharina Wagner in ihrer Umbenennung fortan gesungen haben will, mußte der „Schützer“ doch auf die Übergabe seines Geschenkes bis zum 1. September 1939 warten, beinahe vier Monate auf ein Geschenk warten zu müssen, eine Tortur auch für das geduldigste Geburtstagskind, und dann mußte er für die Geschenksüberreichung auch noch um 4.45 Uhr schon aufstehen, für einen Langschläfer, wie der „Schützer“ einer gewesen sein soll, eine Pein …

Auch für das Jahr 2025 hat die Wiener Staatsoper im Bewußtsein ihrer Tradition und Geschichte besondere Tage der Lohengrinfeste reserviert, den 1. Mai, der unter „Schützer“ vor neunzig Jahren, 1934, zum gesetzlichen Feiertag der „nationalen Arbeit“ befreit von Gewerkschaften mutierte,

und den 27. April, der in Österreich der erste Festtag der Freude genannt werden kann, wurde doch vor achtzig Jahren, das 2025 zu feiern sein wird, die Unabhängigkeitserklärung Österreichs unterzeichnet.

Wie verpflichtet auch die Staatsoper der Leitkultur dieses Landes bei der Bestellung der Direktionsmannen … ach, es sind halt doch Schützer, oder mit einem weiteren Wort, Tröster in schweren Zeiten,

unterstützt von so begnadeten Sängerinnen, wie leicht werden doch schwere Zeiten beim selbstvergessenen Lauschen beispielsweise des Gesangs einer Eva in den Meistersingern von Nürnberg

oder einer Elsa im Lohengrin

Es kann nur ermahnt werden, die Wiener Staatsoper wirklich endlich als Vorbild zu nehmen, wie lange allein dieser Text über „Lohengrin“ das Fest in der staatsoperlichen eigen‘ Tradition doch wieder geworden ist, mit so vielen Absätzen, der Wiener Staatsoper hingegen reicht in etwa ein Fünftel eines Absatzes für die gesamte Zeit des „Schützers“

Wie einfach kurz Geschichte also abgehandelt werden kann, darin ist die Wiener Staatsoper eine wahre Meisterin mit ihrem Lehrstück auf ihrer Website, von dem heute, am 20. Mai 2024 gelernt werden darf:

Ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Hauses sind die Jahre von 1938 bis 1945, als im Nationalsozialismus viele Mitglieder des Hauses verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, zahlreiche Werke nicht mehr gespielt werden durften. Am 12. März 1945 wurde das Haus am Ring durch Bombentreffer weitgehend verwüstet, doch bereits am 1. Mai 1945 wurde die »Staatsoper in der Volksoper« mit einer Aufführung von Mozarts »Le nozze di Figaro« eröffnet, am 6. Oktober 1945 folgte die Wiedereröffnung des in aller Eile restaurierten Theaters an der Wien mit Beethovens »Fidelio«. Damit gab es für die nächsten zehn Jahre zwei Spielstätten, während das eigentliche Stammhaus mit großem Aufwand wiedererrichtet wurde. Schon am 24. Mai 1945 hatte der Staatssekretär für öffentliche Bauten, Ing. Julius Raab, den Wiederaufbau der Wiener Staatsoper verkündet. Nur die Hauptfassade, die Feststiege und das Schwindfoyer waren von den Bomben verschont geblieben – mit neuem Zuschauerraum und modernisierter Technik wurde die Wiener Staatsoper glanzvoll mit Beethovens »Fidelio« unter Karl Böhm am 5. November 1955 wiedereröffnet. Die Eröffnungsfeierlichkeiten wurden vom Österreichischen Fernsehen übertragen und in der ganzen Welt zugleich als Lebenszeichen der neuerstandenen 2. Republik verstanden.

Fest der Wiener Staatsopernfreude am 8. Mai: „Sieg! Heil! dir, Gottfried – Zum Führer sei er euch ernannt! Mit Gott für Deutschen Reiches Ehr!“

An diesem Sonntag, 19. Mai 2024, in der Wiener Staatsoper andächtig Beckmesser zu lauschen, was für ein Opernhochamt wird das wieder sein, von solch einer Erhabenheit wie am 8. Mai 2024 wieder, als die Wiener Staatsoper an diesem besonderen Tag das rechte Zeichen

Wie erfüllt noch von den wagnerischen Versen des 8. Mai in diesem wunderbarsten wienerischen Staatsopernmai 2024 in hellster Vorfreude,

die „Meistersinger von Nürnberg“ nicht nur am 19., sondern auch noch am 23. und am 26. und am 30. Mai 2024 andächtig lauschen zu dürfen, in größter Dankbarkeit gegen die Staatsoper, die wagnerische Verkündigung am 8. Mai so klar und deutlich verlautbart bekommen zu haben,

die sich einbrannte unauslöschlich, zum Aufsagen
mit feststolzer Stimme zu jedweder Nachtzeit,
wenn vom Schein der Fackeln in wehenden Fahnen
aus dem Schlaf gerissen, zur Proklamation
gerufen auf den Balkon

Zu End ist nun die Frist, der Zins versagt,
mit wildem Drohen rüstet sich der Feind.
Nun ist es Zeit, des Reiches Ehr zu wahren;
ob Ost, ob West, das gelte allen gleich!

Was deutsches Land heisst, stelle Kampfesscharen,
dann schmäht wohl niemand mehr das Deutsche Reich!

DIE SACHSEN UND THÜRINGER (an die Waffen schlagend)
Wohlauf! Mit Gott für Deutschen Reiches Ehr!

Hört auch, ihr Streiter vor Gericht! Gewahrt in Treue Kampfes Pflicht!

Du kündest nun dein wahr Gericht, mein Gott und Herr, drum zag ich nicht!
Ich geh in Treu vor dein Gericht! Herr Gott, nun verlass mein Ehre nicht!

Sieg! Sieg! Sieg! Heil! dir, Held!

O fänd ich Jubelweisen, deinem Ruhme gleich, dich würdig zu preisen, an höchstem Lobe reich! In dir muss ich vergehen, vor dir schwind ich dahin, soll ich mich selig sehen, nimm alles, was ich bin!

Ertöne, Siegesweise, dem Helden laut zum höchsten Preise!
Ruhm deiner Fahrt! Preis deinem Kommen!
Heil deiner Art, Schützer der Frommen!

Und weiter kündet euch der König an, dass er den fremden,
gottgesandten Mann, den Elsa zum Gemahle sich ersehnt,
mit Land und Krone von Brabant belehnt;
doch will der Held nicht Herzog sein genannt, 
ihr sollt ihn heissen: Schützer von Brabant!

Hoch der ersehnte Mann! Heil ihm, den Gott gesandt!
Treu sind wir untertan dem Schützer von Brabant!

Nun hört, dem Lande will er uns entführen!
Gen einen Feind, der uns noch nie bedroht?
Solch kühn Beginnen solle ihm nicht gebühren!
Wer wehret ihm, wenn er die Fahrt gebot?

Ich!
Ha! Wer bist du? ­ 

Friedrich! Seh‘ ich recht? Du wagst dich her, zur Beute jedem Knecht?

Gar bald will ich wohl weiter noch mich wagen, vor euren Augen soll es leuchtend tagen! Der euch so kühn die Heerfahrt angesagt, der sei von mir des Gottestrugs beklagt! War hör‘ ich? Rasender! Was hast du vor? Verlorner du, hört dich des Volkes Ohr!

Heil König Heinrich! König Heinrich Heil!
KÖNIG (unter der Eiche stehend)

Habt Dank, ihr Lieben von Brabant! Wie fühl ich stolz mein Herz entbrannt, find ich in jedem deutschen Land so kräftig reichen Heerverband!
Nun soll des Reiches Feind sich nahn, wir wollen tapfer ihn empfahn:
aus seinem öden Ost daher soll er sich nimmer wagen mehr!

Für deutsches Land das deutsche Schwert!
So sei des Reiches Kraft bewährt!

Für deutsches Land das deutsche Schwert!
So sei des Reiches Kraft bewährt!

Wo weilt nun der, den Gott gesandt zum Ruhm, zur Grösse von Brabant?

O bleib, und zieh uns nicht von dannen! Des Führers harren deine Mannen! O König, hör! Ich darf dich nicht geleiten! Des Grales Ritter, habt ihr ihn erkannt, wollt er in Ungehorsam mit euch streiten, ihm würde alle Manneskraft entwandt! Doch, grosser König, lass mich dir weissagen: dir Reinem ist ein grosser Sieg verliehn! Nach Deutschland sollen noch in fernsten Tagen des Ostens Horden siegreich nimmer ziehn!

Die weisse Grals-­Taube schwebt über dem Nachen herab.
Lohengrin erblickt sie; mit einem dankbaren Blicke springt er auf und löst dem Schwan die Kette, 
worauf dieser sogleich untertaucht. An seiner Stelle hebt Lohengrin einen schönen Knaben in glänzendem Silbergewande ­ Gottfried ­aus dem Flusse an das Ufer.

Seht da den Herzog von Brabant!
Zum Führer sei er euch ernannt!

Als vom „Zeichen des bösen Willens“ auf dem Judenplatz erzählt wurde, fand „Der Antisemitismus – Ein internationales Interview“, vor einhundertdreißig Jahren veröffentlicht, Erwähnung. Und darin schreibt Hermann Bahr, es wird auch „Lohengrin“ angesprochen, deshalb ist es passend mit dem Befund von Hermann Bahr, geschrieben vor einhundertundeinunddreißig Jahren, dieses Kapitel zu beenden.

Wer gehaßt wird, thut im Grunde dabei nichts. Der Jude ist ihnen nur eben bequem. Die Franzosen haben dafür der Reihe nach zuerst den Preußen und dann den Juden und neuestens den Bankier gebraucht und

Beinahe, dieser Einschub scheint angebracht, einhundertzwanzig Jahre später weiß Maria Fekter, sie war Ministerin, gar Kluges über Banken und Reiche und Vermögende als gerade eben aufzubauende enorme Feindbilder verbreiten zu lassen, die, so läßt es Maria Fekter wissen, schon einmal verbrämt gegen Juden

es hat sich ihnen nicht um den Preußen und nicht um den Juden und nicht um den Bankier gehandelt: es handelt sich immer nur um den Haß, um die starken Aufregungen, die er gewährt. Wenn es keine Juden gäbe, müßten die Antisemiten sie erfinden. Sie wären sonst um allen Genuß der kräftigen Erregungen gebracht. Das scheint mir die Psychologie des Antisemitismus bei der Masse. Bei den „Führern“ kommt wohl noch etwas dazu. Es giebt kein handlicheres Instrument des Demagogen. Ich plauderte einmal mit Maurice Barrès und er begeisterte sich für Rochefort. Ich mußte über den seltsamen Bund des Schwärmers für Wagner mit dem Hetzer gegen Lohengrin lachen. Aber er verteidigte den Freund: „Glauben Sie mir, er schätzt die Würde und den Wert von Wagner so gut wie Sie oder ich; aber er findet nicht leicht etwas, das ihm besser die Massen in die Hand geben würde – wer die Massen meistern will, darf keine Gelegenheit der Leidenschaft versäumen.“

Einzufügen an dieser Stelle ist doch auch, daß Maurice Barrès nationalistisch und antisemitisch, daß Henri Rochefort mit antisemitischen Unterstellungen in der Verleumdung von Alfred Dreyfus … Zu der Zeit gab es auch andere Schreibende in Frankreich, zum Beispiel jenen, der für Émile Zola die Geldstrafe zahlte, als dieser für „J’accuse…! verurteilt wurde, und der mit seinem Automobil auch durch Österreich kommt und zu erzählen weiß:

An dem Tag, als ich endlich über die triste Sankt Pöltner Landstraße und die trübseligen Öden des kreuzbuckeligen Waldviertels von meiner Reise zurückkehrte, da sah ich zwischen Stiftmelken, Heiligenkreuzerhof

Es mag Ihnen wie eine Abschweifung erscheinen, von des Schreibenden Reise auch durch Österreich etwas einzufügen, aber in diesem „Autoland“ begegnet Ihnen auf den tristen Landstraßen so manches, das bei genauer Betrachtung sich nicht als Abschweifung herausstellt, sondern als zugehörig

Hermann Bahr schreibt weiter:

Die antisemitischen Führer, denen es nicht bloß um das Geschäft zu thun ist, sind Prätendenten um die Gunst des Pöbels, die herrschen wollen. Sie möchten in ihrem kleinen Kreise so eine Art von Nietzsche’schen Übermenschen werden, die durch alle Mittel den Genuß der Macht erwerben. Es kitzelt sie, auf den Instinkten und Begierden der Massen wie auf beweglichen Tasten zu spielen, die ihrem leisesten Drucke gehorchen. Das meine ich über den Antisemitismus und meine deswegen, daß man mit Gründen gegen ihn nichts richten kann. Wer Antisemit ist, ist es aus der Begierde nach dem Taumel und dem Rausche einer Leidenschaft. Er nimmt die Argumente, die ihm gerade die nächsten sind. Wenn man sie ihm widerlegt, wird er sich andere suchen. Wenn er keine findet, wird es ihn auch nicht bekehren. Er mag den Rausch nicht entbehren. Heilen könnte ihn nur ein edlerer Taumel, wenn den Massen wieder ein Ideal, ein sittliches Pathos gegeben würde. Vielleicht ist so der Sozialismus der einzige Arzt des Antisemitismus. Ich will also keineswegs den Antisemitismus „widerlegen“, was tausendmal geschehen und immer vergeblich ist.

Qatar

Einmal sind es fünf Jugendliche, die in einem Supermarkt „Tod den Juden skandieren“, in der einen Umsonst, die sich auf eine bestimmte Quelle beruft,

In einem koscheren Supermarkt in Wien kam es zu unheimlichen Szenen nachdem fünf Jugendliche dort rein stürmten, berichtet der einstige Chef der jüdischen Hochschüler Bini Guttmann. Demnach seien mitten in Wien fünf Jugendliche heute in einen „koscheren Supermarkt“ gestürmt und hätten „Tod den Juden“ skandiert. Danach seien diese aus dem Supermarkt geflüchtet. „Angegriffen oder verletzt wurde niemand“, berichtet Guttmann. Mittlerweile seien die Jugendlichen „von der Polizei angehalten“ worden, so Guttmann auf X.
oe24, 16. Mai 2024

einmal sind es vier Jugendliche, in der zweiten Umsonst,

In der Heinestraße im 2. Wiener Bezirk befindet sich ein Supermarkt, der seine Produkte den strengen koscheren Richtlinien für Angehörige des jüdischen Glaubens anpasst. Das Geschäft steht für Vielfallt, steht auch Nichtjuden offen. Vier Jugendlichen schien dies aber gar nicht gepasst zu haben. Sie stürmten am Mittwoch gegen 13 Uhr das Geschäft, riefen lauthals „Tod den Juden“. Die Wiener Polizei bestätigte den Vorfall gegenüber „Heute“. Die vier Jugendlichen betraten demnach den Supermarkt – einer der Antisemiten, ein 14-jähriger syrischer Staatsangehöriger, soll sich unangemessen gegenüber Juden geäußert haben. Laut Augenzeugen soll er „Tod den Juden“ gerufen haben – ein Zeuge sprach mit „Heute“, zeigte sich schockiert über die unschönen Szenen. Der 14-jährige Syrer wurde wegen des Verdachts der Verhetzung angezeigt. Das Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung wurde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Der Supermarkt wollte sich gegenüber „Heute“ nicht zu dem antisemitischen Vorfall äußern.
Heute, 17. Mai 2024

der die „Wiener Polizei bestätigte den Vorfall“ und „laut Augenzeugen soll“ ein Jugendlicher „Tod den Juden gerufen haben und dieser eine 14-Jährige „wurde wegen des Verdachts der Verhetzung angezeigt“.

Was für ein medial dramaturgischer Aufbau: fünf Jugendliche „stürmen“ und „skandieren“ „Tod den Juden“, vier Jugendliche „stürmen“ und „rufen lauthaus“ „Tod den Juden“, und der Höhepunkt am Ende: ein Jugendlicher „soll sich unangemessen gegenüber Juden geäußert haben“ und „soll“ „Tod den Juden“ „gerufen haben“ …

Und auch, was für eine Genauigkeit.

Wenn das Foto in der einen Umsonst tatsächlich die Jugendlichen zeigt, von denen einer das gerufen haben soll, bringt dieses Foto es zum Eigentlichen, warum diese Berichte zu diesem Vorfall zu erwähnen sind; ein Jugendlicher trägt das Shirt „Qatar Airways – Paris Saint Germain“ …

Es muß zu dem, was von Qatar bereits erzählt wurde, nichts mehr hinzugefügt werden …

Fußballbegeistert scheint der Jugendliche zu sein, und wenn er dazu noch ein Scheich wäre, er bekäme höchsten Besuch, auch aus Österreich

Wenn er als Syrer einen anderen gesellschaftlichen Hintergrund hätte, dann wäre er auch ein einzubindender „Player“

Wäre der Jugendliche eben erst ein Präsident geworden, er bekäme die herzlichsten Glückwünsche zu seiner Bestellung, auch aus Österreich …

Oh, Qatar, Land des Fernsehsenders, das alles fällt zu einem Jugendlichen ein, der ein Shirt „Qatar Airways – Paris Saint Germain“ trägt, dem nicht unterstellt wird, Anregungen für seinen Ruf in der Wiener Staatsoper

Al-Jazeera ist 1996 in der katarischen Hauptstadt Doha lanciert worden, der Sender erreicht ein Millionenpublikum. Seine Berichte beeinflussen das Denken nicht nur in arabischen Staaten, sondern auch in Afrika oder im Westen, wo unter anderem auf Englisch gesendet wird.

Acht Jahre nachdem al-Jazeera in Doha auf Sendung gegangen war, tötete Israel den Hamas-Gründer Scheich Ahmad Yasin mit einem Raketenangriff in Gaza. Yasin gehörte der antisemitischen Muslimbruderschaft an, die einen islamischen Gottesstaat anstrebt. In der Gründungsakte der Hamas liess sich der Scheich von Verschwörungstheorien wie den «Protokollen der Weisen von Zion» leiten, die auch Adolf Hitler inspirierten. Er selber war in Morde an Israeli und Palästinensern verwickelt und rief zu Selbstmordattentaten auf.

In den Nachrufen auf Yasin, die al-Jazeera im März 2004 auf Englisch veröffentlicht, ist nichts vom rabiaten Antisemitismus des Scheichs zu lesen. Stattdessen wird «sein Leben» gewürdigt, mit Sätzen wie: «Er verteidigte nachdrücklich das Recht des palästinensischen Volkes auf Widerstand gegen die Besatzung.»

Der Al-Jazeera-Autor Faisal Bodi erinnert sich an «mein Treffen mit Scheich Yasin». Dieser möge für manche der Inbegriff des Bösen sein. «Aber der Mann, den ich traf, war die Verkörperung eines der ungleichsten Kämpfe unserer Zeit.» Ein Kämpfer wider die Unterdrückung also, der im Gespräch mit al-Jazeera betont habe, die militaristische Gesellschaft Israels sei schuld, wenn die Hamas die Grenze zwischen Zivilisten und Soldaten verwische. Denn damit sei das gesamte israelische Volk als militärischer Feind zu betrachten. Yasin, so schreibt Bodi, habe davon geträumt, dass alle muslimischen Gläubigen auf der Welt erweckt würden, um den Jihad gegen Israel zu führen. Bodis Kommentar: «Sein Tod hat ihn dieser Freude beraubt, aber sein Vermächtnis des unbeugsamen Widerstands wird in den kommenden Jahren Tausende inspirieren.» Er sollte recht behalten.

1996 erhielt Karadawi dort seine eigene Sendung: «Die Scharia und das Leben». Mit seinen Botschaften erreichte der «globale Mufti» Millionen Muslime auf der ganzen Welt. Als Unterstützer der Hamas befürwortete Karadawi den heiligen Krieg gegen Israel, und Juden hatten seiner Meinung nach keine Existenzberechtigung, genauso wenig wie Homosexuelle und Glaubensabfällige. Im Januar 2009 erklärte er auf al-Jazeera: «Während der Geschichte hat Allah das jüdische Volk wegen seiner Verkommenheit gestraft. Die letzte Strafe wurde von Hitler vollzogen. (. . .) So Gott will, wird sie das nächste Mal durch die Hand der Gläubigen erfolgen.»
NZZ, 6. November 2023

Oh, Land des Fußballs —


WM 2022: Israelische Reporter antisemitisch angefeindet und bedroht – das steckt dahinter

Denn: „Israelhass und Antisemitismus sind in Katar Staatsdoktrin.“ Das Emirat finanziere die antisemitische Terrororganisation Hamas, für die die Vernichtung des einzigen jüdischen Staates Existenzgrundlage sei. Kaminski führt aus: „Der staatliche TV-Sender Al Jazeera ist eine antisemitische Propagandamaschine. Da liegt es auf der Hand, dass jüdische Israelis dort nicht willkommen sind.“

„Viele der mit der Kamera dokumentierten Fälle der Existenzleugnung Israels, der verbalen Entmenschlichung von Israelis und anderer Boshaftigkeiten gegenüber den israelischen Journalisten gehen nicht von Kataris, sondern ausländischen Besuchern aus.“

„Vielleicht wähnen sie sich im israelfeindlichen, antisemitischen Katar so sicher, dass sie ihrem Hass freien Lauf lassen können. Wahrscheinlicher ist, dass sie sich als WM-Gäste genauso verhalten, wie sonst auch. Denn Hass auf Israel und auf Jüdinnen und Juden ist zwar nicht überall Staatsdoktrin, aber doch weltweit normal.“
Watson, 3. Dezember 2022

Stabsunteroffizier

Wenn man sich anschaut, ja, Menschen die Schweinefleisch in Österreich essen, neigen halt weniger dazu, sich in die Luft zu sprengen, als andere Menschen, ja, das muß man halt auch festhalten, ja, wenn ich mir eine Amokfahrt, ah, in Graz anschaue, ja, wenn ich mir, wenn ich mir, einen verheerenden Terroranschlag in Wien anschaue, ja, dann waren das halt nicht die Christlichen oder Katholiken, jo

Das sagte Stabsunteroffizier der Militärpolizei in Lend,

einem Bezirk von Graz, zur EU-Wahl

zu jungen Menschen, die in die Schule gehen, soweit der gesamte Mittschnitt des Auftritts des „Stabsunteroffiziers bei der Militärpolizei, BMLV seit 1999“, der auf der Website des österreichischen Parlaments als seinen Bildungsweg auch angibt: „Ausbildung (Abschluss: Unteroffizier) Heeresunteroffiziersakademie 2000-2001, Ausbildung (Abschluss: Stabsunteroffizier) Heeresunteroffiziersakademie 2008“ …

Unweigerlich kann wieder einmal festgestellt werden, was ist das Bundesheer Österreichs doch für eine recht besondere Bildungsanstalt mit ihrer Bildungsreliquie, aus der Männer so gebildet wie ein Bundesrat in ihre Berufe entlassen werden, auch in die Parteipolitik …

So eine recht besondere Bildungsanstalt ist das Bundesheer Österreichs, die für ihre recht besondere Lehre recht besondere Unterstützung findet

Wie würde wohl in Österreich die Parteipolitik sich gestalten, würde der eine und die andere nicht in dieser recht besonderen Bildungsanstalt erstes Wissen gelehrt bekommen,

zum Beispiel ein parteipolitischer Gebirgsjäger

Und sind sie aus dieser recht besonderen Bildungsanstalt in ihre Berufe, von denen der eine oder die andere auch in dieser Anstalt einen Arbeitsplatz findet, in die Parteipolitik entlassen, hören sie nicht auf, schlagen sie einen weiteren Bildungsweg ein, den ihnen recht besondere Medien selbstlos, wie es für eine Kameraderie geziemt, bieten, und das recht umfänglich, nichts wird ausgelassen, sie weiter zu bilden, nichts ist zu gering, sie zu lehren, ob Geschichte, ob Küche, ob die Verzehrlehre des Schweinefleisches …

So lernen sie, es gibt die Menschen, die Schweinefleisch essen, wie nun dieser Stabsunteroffizier, der meint, reif genug zu sein, um selbst ein Unterrichtender zu sein, lehrt, und es gibt die Menschen, die kein Schweinefleisch essen, wie ein Nachhilfelehrer auf der recht besonderen Bildungsplattform des dritten Bildungsweges lehrte, nämlich, daß Menschen, die kein Schweinefleisch essen, in Kriege hineinzerren

sekundiert dabei von einem recht besonderen Unterrichtenden, der zu lehren weiß, wer in 1933 Deutschland den Krieg erklärte, wer in 1939 Deutschland den Krieg erklärte …

Und eines weiß ein Stabsunteroffizier recht, mit der recht besonderen Bildung kann nicht früh genug begonnen werden, so ist es ihm gewiß recht eine Ehre, diese Bildung, die er selbst von frühester Jugend an erfahren, weiterzugeben, den Menschen auf ihrem ersten Bildungsweg, wie jetzt in Lend — wohl

auch in wehrhafter Bewahrung des Erbes eines Hans Kloepfer,

dem seine soldatische Referenz zu erweisen, auch ein Stabsunteroffizier sich nicht verwehren kann, diesem Arzt der Lyrik, der auch um die Erziehung schon wußte, was den Kindern zu lehren ist, daß auf musische Art ihre Herzen leichter zu erreichen sind, und wenn sie zur großen Armee abberufen,

es ihnen die Lyrik leichter macht, andere in die Luft zu sprengen, und auch sich in die Luft sprengen zu lassen,

um endlich Gott zu schauen in zauberhafter christlicher oder katholischer Montur —

„Zeichen des bösen Willens“

Boehm, der in seinen Büchern für einen gemeinsamen Staat von Juden und Palästinensern eintritt, vertrete weder Israelis noch Juden und würde „Antisemiten in aller Welt den Weg ebnen“, sagte Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Dass die Festwochen trotz aller Proteste an der Rede auf dem symbolträchtigen Judenplatz festhielten, sei ein „Zeichen des bösen Willens“. Er frage sich, warum die Stadt Wien, der Sponsor der Festwochen, dies zulasse.

Dass Boehm jüdisch sei, ändere nichts, sagte Deutsch und zog einen Vergleich mit dem einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger, einem radikalen Antisemiten, der dennoch mit Juden befreundet war und dies mit dem kolportierten Satz rechtfertigte: „Wer a Jud ist, bestimme ich.“ Deutsch schloss seine Konferenzrede mit den Worten: „Wir können nicht akzeptieren, dass jene eingeladen werden, die Hass gegen Israel und Juden schüren.“

Wenn Sie das lesen, ob schnell oder ebenso langsam, gar ganz langsam, Wort für Wort sogar, Sie würden selbst auch nur zu einem Schluß kommen, zu demselben Schluß nämlich, der gezogen wurde, als das am 7. Mai 2024 zum Lesen vorgesetzt bekommen wurde, und käme es mit Ihnen zu einem Treffen, es müßten die Schlüsse einander nicht erzählt werden, zu offensichtlich ist der Schluß, der einzig daraus nur gezogen werden kann, ein Lächeln reichte, um einander zu versichern, zu demselben Schluß –

Und wenn Sie im Anschluß daran lesen, was Omri Boehm am 7. Mai 2024 auf dem Judenplatz sprach, und es käme mit Ihnen zu einem nochmaligen Treffen, es müßten die Schlüsse einander nicht erzählt werden, zu offensichtlich ist der Schluß, der einzig daraus gezogen werden kann –

Sie griffen vielleicht auch zu einem Vortrag von Theodor W. Adorno, den dieser 1962 hielt, weil es Ihnen ungehörig erschien, die Rede des Omri Boehm mit den Aussagen von Oskar Deutsch und Ariel Muzicant in einen qualitativen Vergleich zu bringen, Sie stattdessen lieber mit einem Zitat aus dem Nachwort von Jan Philipp Reemtsma zum Vortrag von Theodor W. Adorno „Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute“, der in diesem Jahr 2024 wieder aufgelegt wurde, zu beginnen:

Niemandem kann immer etwas Kluges einfallen. Sprachlosigkeit ist keine Tugend und ihre öffentliche Beschwörung nicht mehr als eine Sentimentalität. Aber wenn man etwas sagen muss, gibt es eine Pflicht, nachzudenken und sich nicht der Dummheit und der Phrase gedankenlos und gleichzeitig mit selbsterbaulichem Tremolo zu überlassen.

Unmittelbar davor schreibt Jan Philipp Reemtsma, und Sie lesen weiter:

In welcher Form und in welchen notwendigen Grenzen man auch immer das Auftreten staatlicher Autorität bei der Bekämpfung des Antisemitismus für richtig hält, am Anfang sollte stehen, dass staatliche Repräsentanten in den Kundgebungen ihres guten Willens sich nicht selbst lächerlich machen. Die Phrase, Antisemitismus habe in Deutschland „keinen Platz“, ist von abgründiger Dummheit. Auch wenn sie die Umformung eines Satzes mit „sollen“ oder „dürfen“ in eine verstärkende Aussage mit „sein“ oder „haben“ sein soll (Prototyp ist die Verwandlung von „soll nicht sein“ in „kann nicht sein“), dokumentiert diese Verstärkung bloß die Transformation empfundener Hilflosigkeit in kindischem Trotz. Eine Art Mit-dem-Füßchen-Aufstampfen. Denn es geht ja darum, dass manifeste antisemitische Agitation sich ihren Platz geschaffen hat. Gleichfalls ist der Satz „Nie wieder!“ dann eine Manifestation von Geistlosigkeit, wenn er in dem Augenblick gesagt wird, in dem es gerade wieder oder erneut geschieht.

Am 7. Mai 2024 auf dem Judenplatz hat Omri Böhm während seiner gesamten Rede die Statue von Lessing vor Augen.

Als Lessing in seinem Stück Die Juden dessen Hauptfigur und Sympathieträger am Ende als Juden offenbart, trägt ihm das die Kritik ein, ein Jude könne kein so symphatischer Mensch sein, müsse er doch wegen der Behandlung, die Juden christlicherseits erlitten, voller Ressentiment sein. Der deutsche Historiker Heinrich von Treitschke, der den Satz „Die Juden sind unser Unglück“ geprägt hat, warnte 1879 vor der jüdischen Einwanderung aus Polen mit dem Argument: „Wir Deutschen haben mit jenem polnischen Judenstamme zu thun, dem die Narben vielhundertjähriger christlicher Tyrannei sehr tief eingeprägt sind“ und der darum dem „germanischen Wesen“ fremd gegenüber stehe. Als Theodor Herzl die Unterstützung von Papst Pius X. für seine Idee eines Judenstaates in Palästina suchte, beschied ihm dieser, die Juden hätten Jesus nicht als Gottes Sohn anerkannt, er könne die Juden nicht als ein Volk anerkennen. Das alles heißt so viel wie: Die Juden werden uns Antisemiten wahrscheinlich hassen, weshalb wir etwas gegen sie unternehmen müssen.

Unter hinter Lessing, über der Statue das antisemitsche Relief, und Sie lesen aus dem Nachwort die Stelle vor:

Der Antisemitismus gewährt durch die Jahrhunderte eine klassische Lizenz zu Brutalität und Vulgarität. Das geht von Darstellungen wie auf dem Relief der Wittenberger Stadtkirche, wo Juden von einem Schwein gesäugt werden, dem ein Rabbiner in den After schaut, bis zu der Bereitschaft von Menschen, die sich durch wachsame Empfindlichkeit für Gender-Diskriminierung auszeichnen möchten, eine Organisation, die offen Vergewaltigungen und Schändungen nackter Frauenkörper als Teil ihrer Mordexzesse demonstriert, als Freiheitskämpfer legitimieren.

Sie winken ab, Sie wollen nicht abbrechen, sondern selbst weiter vorlesen, aus dem Nachwort von Jan Philipp Reemtsma.

Man darf also nicht versuchen, dem manipulativen Appell einen ebenso manipulativen Gegenappell entgegenzusetzen: „Keine mögliche Haltung gegen das antisemitische Potential, die nicht selber mit Aufklärung sich identifizieren müßte. Den Antisemitismus kann nicht bekämpfen, wer zu Aufklärung zweideutig sich verhält.“ Nicht immer, aber hier gewiss, gilt der Zusammenklang von Botschaft und Medium: Wer gegen Slogans auf Slogans setzt, bleibt in der Arena, die der, den man bekämpfen will, gewählt hat. Das ist einer der Gründe, warum manche Gegenprogramme so hilflos wirken. Wer die Parole „Juden raus!“ mit etwas wie „Rechtsradikalismus ist uncool“ begegnen will, hat schon verloren.

Und während Sie von der „antisemitischen Welle“, die vor fünfundsechzig Jahren begann, lesen, werden Sie vielleicht an die gegenwärtige Welle denken und Ihren Schluß daraus ziehen, der weder für die Vergangenheit noch für die Gegenwart ein positiver sein wird.

Der Antisemitismus im Nach-1945-Deutschland bekam Ende des Jahres 1959 eine alarmierende Gegenwärtigkeit. In Köln wurden am 24. 12. eine Synagoge und ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus mit antisemitischen Parolen beschmiert. Danach „verging über Wochen hinweg kein Tag, an dem nicht zwischen Flensburg und Oberstdorf Hakenkreuzschmiereien entdeckt und Parolen wie „Deutschland erwache!“, „Es lebe Hitler-Deutschland“ und „Das Hitler-Reich kommt bald wieder, Nieder mit den Juden!, Juden raus!“ und „Ab in die Gaskammern!“ zu lesen gewesen wären“. Die Reaktion des damaligen Innenministers Gerhard Schröder (CDU) entsprach etwa der Idee, die der Pädagogen-Konferenz von 1962 zu Grunde lag: „Wir haben [uns] zu fragen, was wir alle noch mehr als bisher tun können, um einige dunkle Vorurteile auszurotten, die immer noch in einigen alten Köpfen spuken und von dort her in einige jüngere Köpfe gepflanzt werden. Das ist es, was uns noch gründlich beschäftigen wird.“ In einer späteren Stellungnahme spricht Bundeskanzler Konrad Adenauer allerdings abwiegelnd von „Flegeleien ohne politische Grundlage“.

„Flegeleien ohne politische Grundlage“, das wird ihm sein Staatssekretär des Vertrauens möglicherweise eingesagt haben, vielleicht sogar aufgeschrieben haben, wie so vieles, daß er schreib, das ihn Österreich lieb und teuer machte mit einer Auszeichnung von höchster …

Abwiegeln, werden Sie vielleicht denken, das ist es, was nun in Jahrzehnten die gründliche Beschäftigung zwischen den Wellen und in jedweder Welle der Aufruf, noch mehr als bisher … In der Welle vor fünfundsechzig Jahren also die Parole von dem Österreicher Reich und in der nunmehrigen Welle hinzu die Parole vom Reich des Nachfolgers

Das führt zu der Frage, wie antisemitische Einstellungen mit anderen verbunden und überhaupt charakteristisch für eine bestimmte Mentalität sind. Adorno greift dabei einmal auf die Studien zum autoritären Charakter zurück, die das Institut für Sozialforschung im US-amerikanischen Exil begonnen und nach seiner Rückkehr in der Bundesrepublik Deutschland fortgefürht hatte. Aus dieser Studie stammt die Analyse von antisemitischen und anderen Haltungen als Teil eines „Tickets“ oder, wie Adorno auch sagt, „Planke in einer Bühne“. Ressentiments sind selten isoliert von anderen Ressentiments. Wer die eine Minderheit abwertet, wird auch eine andere nicht gelten lassen, wer Frauen für minderwertig hält, wird Homosexuelle verabscheuen, der Ku-Klux-Klan verfolgt Afroamerikaner und Juden. Eine frappierende Bestätigung dieser Beschreibung aus den 1940er Jahren lieferte der US-amerikanische Soziologe Mark Juergensmeyer in seinen Studien zum internationalen Terrorismus [„Terror in the Mind of god, Oakland 2017.]: Wo immer sich radikale, gewaltbereite Gruppen fanden – in den USA, in Europa, in arabischen Ländern, in Israel, in Japan –, hassten sie dieselben Gruppen: Homosexuelle, Frauen, Schwarze, Juden, Amerikaner [„Die israelischen Terrorbereiten hassten Tel Aviv, die US-amerikanischen Washington“].“

Sie bemerken vielleicht, es will doch auch gehört werden, was Theodor W. Adorno selbst vortrug, und Sie lesen vor:

Sie dürfen nicht annehmen, der Antisemitismus sei ein isoliertes und spezifisches Phänomen. Sondern er ist, wie Horkheimer und ich das seinerzeit in der „Dialektik der Aufklärung“ ausgedrückt haben, der Teil eines „Tickets“, eine Planke in einer Plattform. Überall dort, wo man eine bestimmte Art des militanten und exzessiven Nationalismus predigt, wird der Antisemitismus gleichsam automatisch mitgeliefert. Er hat sich in solchen Bewegungen bewährt als Mittel, das die sonst divergierenden Kräfte eines jeden Rechtsradikalismus auf die gemeinsame Formel zu bringen geeignet ist. Dazu kommt, daß das Potential durchaus überlebt hat. Sie brauchen sich dazu nur die rechtsradikale Presse in Deutschland anzusehen, von der es eine erkleckliche Anzahl von Repräsentanten gibt[.]

Gespielt wird, wohl auch in Flüsterpropaganda, auf dem alten Instrument: „Wir werden verraten, wir werden im Stich gelassen.“ Der Ruf „Verrat, Verrat“ ist dieseits wie jenseits des Rheins demagogischen außerordentlich bewährt.

Im übrigen sind, und keineswegs primär in Deutschland, die Hetzbilder gegen den Intellektuellen, mit denen viele Massenmedien operieren, oft nur leise verschleierte Stereotype des Antisemitismus. Man sollte bei der Filmindustrie vorstellig werden, daß sie derlei anti-intellektuelle Stereotype wegen jener Implikationen vermeidet. Allerdings sind sie keineswegs bloß auf die Kulturindustrie beschränkt, sondern geistern auch in der sogenannten hohen Kultur. Ich habe seinerzeit entwickelt, daß in einem der berühmtesten Werke des deutschen Operntheaters, den Meistersingern, die kraß negative Figur Beckmesser, obwohl er als Zunftangehöriger natürlich kein Jude sein kann, doch so charakterisiert ist, daß alle erdenklichen antisemitischen Stereotype wiederkehren. Zumal einer bestimmten traditionellen, etablierten deutschen Kultur gegenüber wäre es notwendig, das auszusprechen und zu entgiften. Welches Unheil etwa heute noch durch die Lektüre von Büchern wie „Soll und Haben“ von Gustav Freytag angerichtet wird, wage ich kaum auszudenken. Der Respekt vor dem sogenannten kulturellen Erbe sollte nicht verwehren, es von nahe zu besehen. Der Antisemitismus ist nicht erst von Hitler von außen in die deutsche Kultur injiziert worden, sondern diese Kultur war bis dorthinein, wo sie am allerkultiviertesten sich vorkam, eben dohc mit antisemitischen Vorurteilen durchsetzt.

Ein rationales Verhältnis zu den weltpolitischen Fragen anstelle eines ideologischen und von Rancune erfüllten Nationalismus ist wohl die wesentliche Voraussetzung fürs Bessere. Damit eng zusammen hängt in der gegenwärtigen Periode das Wiedererwachen des Anti-Intellektualismus. Man kann ihm heute auf Schritt und Tritt begegnen, keineswegs nur bei Rechtsradikalen, sondern bis tief in die Manifestationen eines sogenannten maßvollen Konservatismus hinein.

Man sollte nicht vor anti-intellektuellen Argumenten zurückweichen, ihnen irgend etwas vorgeben, sondern in ihrem Angesicht zu militanter Aufklärung sich stellen, das heißt, sagen, daß in einer Gesamtverfassung der Menschheit und auch der deutschen Nation, in der das Bewußtsein der Menschen nicht länger mehr gefessselt und durch alle möglichen Beeinflußungsmechanismen verstümmelt wird, intellektuell zu sein nicht länger ein beneidetes und darum diffamiertes Privileg wäre, sondern daß im Grunde alle Menschen das sein können und eigentlich das sein sollten, was man im allgemeinen den Intellektuellen vorbehält.“

„Auch der sogenannten positiven Stereotypenbildung wäre entgegenzuwirken, hinter der die negativen Stereotype dicht lauert. Sagt einer: „Die Juden sind alle so gescheit“, dann ist er, auch wenn er es lobend sagt, schon nahe bei „nun ja, und deshalb wollen sie uns betrügen“. Auch die Formen „Die Juden sind ein so merkwürdiges, besonderes, tiefes Volk“ ist nicht über den Weg zu trauen. Mein Freund Nevitt Sanford hat auf das antisemitische Stereotyp „Some of my best friends are Jews“ lustig geantwortet: „Some of my worst enemies are Jews“. Durch Emanhzipation von der Stereotypenbildung für die Gruppe als Ganzes wird wahrscheinlich dem Vorurteil wirksamer entgegengearbeitet, als wenn man ein negatives Vorurteil mechanisch durch ein positives ersetzt. Gerade die Kollektivurteile als solche, wie sie in Deutschland verhängnisvoll, und zwar gegen alle möglichen Gruppen verbreitet sind, sind abzubauen; keinesfalls ist ein falsches Kollektivurteil durch ein ebenso falsches anderes zu berichtigen.

Sie stehen vor dem Haus mit dem Relief mit dessen Adresse „Jordangasse 2“, Sie stehen also auf dem Judenplatz und schauen auf das Haus mit dem Relief und lesen aus „Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute“ vor, eine Stelle noch, im Nachklang zur Rede von Omri Boehm auf dem Judenplatz und den Aussagen von …

In Österreich war das ganz besonders markant: wer dort weder christlich-sozial noch Sozialdemokrat war, tendierte fast automatisch zum Deutschvölkischen und damit zum Antisemitismus. Von dieser Mentalität würde ich annehmen, daß sie auch heute weiterexistiert.

Theodor W. Adorno starb vor fünfundfünzig Jahren und vor dem vulgären Relief auf dem Judenplatz fragen Sie, ob er Thomas Bernhard zugestimmt hätte, wäre er in der Uraufführung vor sechsunddreißig Jahren gewesen, genauer, ob er Professor Schuster in seinem Urteil zugestimmt hätte: „In Österreich mußt du entweder katholisch oder nationalsozialistisch sein, alles andere wird nicht geduldet, alles andere wird vernichtet.“ Katholisch und nationalsozialistisch schließen menschgemäß antisemitisch ein.

Ob Theodor W. Adorno zu wenig über das Spezifische christlich-sozialer österreichischer Prägung wußte, oder, gegenüber christlich-sozialer österreichischer Provinienz Milde walten lassen wollte?

Vor siebenundfünfzig Jahren, fällt Ihnen an dieser Stelle ein, hat Theodor W. Adorno einen Vortrag gehalten, über „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“, in Österreich; wo sonst, sagen Sie, in Wien konnte nur und mußte Adorno diesen Vortrag halten, als in Österreich,

in diesem Land, in dem Jahrzehnte nach diesem Vortrag die medialen Staffeln der Parlamentspartei Männern gedenken, denen auf diese Art zu gedenken nur Patriotinnen von diesem identitären Schlag …

Jedenfalls, Adorno ist zuzustimmen, Antisemitinnen haben viele Ressentiments, wie nicht zuletzt ein christlichsozialer Schreiber beispielhaft …

Und der christlichsoziale Schreiber aus Österreich bringt Sie zum Nachwort zurück, zu der Stelle, an der Jan Philipp Reemtsma Hermann Bahr und Jean Paul Sartre zitiert:

Vielleicht ist dies der Ort, ein weiteres Zitat aus Sartres Überlegungen zur Judenfrage anzuführen (ebd., S 16): „Glauben sie nicht, die Antisemiten würden sich […] etwas vormachen. Sie wissen, daß ihre Reden oberflächlich und fragwürdig sind; doch darüber lachen sie, ihrem Gegner obliegt die Pflicht, die Wörter in ernster Weise zu verwenden, da er an die Macht des Wortes glaubt; sie haben das Recht zu spielen. Sie spielen sogar gern mit dem Diskurs, denn indem sie lächerliche Gründe nennen, diskreditieren sie den Ernst ihres Gesprächspartners; sie sind genußvoll unaufrichtig, denn ihnen geht es nicht darum, durch gute Argumente zu überzeugen, sondern einzuschüchtern oder irrezuleiten.

„Der Antisemitismus will nur sich selber.“ So der Schriftsteller Hermann Bahr 1894 in einem Interview. Und er fährt fort, als hätte Sartre ihn zitiert: „Wenn es keine Juden gäbe, müßten die Antisemiten sie erfinden.“

Sie wiederholen prüfend den darauf spontan gesagten Satz, ohne Zustimmung, ohne Ablehnung: Es müßten, als wenn es noch nicht genügend Antisemitinnen gebe, noch weitere Antisemiten erfunden werden.

Die Interviews die Hermann Bahr führte, vor einhundertdreißig Jahren unter dem Titel „Der Antisemitismus – Ein internationales Interview“ erschienen, wollen Sie nach dem Besuch der Wiener Staatsoper lesen, in der am 19. Mai 2024 wieder der Beckmesser singen wird, und Sie wollen in die Meistersinger, um selbst zu erleben, wenn jüdische Zuschauerinnen, ob jüdische Zuschauer wieder protestierten, wie vor einhundertvierundfünfzig Jahren in der Wiener Staatsoper gegen das sie Karikierende protestierten. Was nicht zu erfahren sein wird, wenn sie in der Wiener Staatsoper protestieren, wie viele Nationale danach in der Nachfolge der Witwe des Komponisten in ihr Tagebuch schreiben würden: „Vollständiger Sieg des Deutschen.“

Butter aus Erwerbsarbeit

Abgesehen davon haben die Menschen verlernt, billig und gesund zu kochen, statt sich nur mit Fertigpizza und Energy Drinks bzw. mithilfe von Lieferando zu versorgen. „Keine Zeit“ ist da oft eine Ausrede. Wer stundenlang streamt oder im Internet surft, kann daheim Nudeln oder Kartoffeln mit Butter fabrizieren. Einige Supermärkte vergeben zu Billigstpreisen Obst und Gemüse, das nicht mehr hübsch genug ist. Klingt zynisch? Keineswegs. Jeden Tag Fleisch/Wurst zu essen, macht Gesundheitsprobleme. Ein Drittel aller Volksschulkinder ist bereits übergewichtig. „Essensarmut“ ist daher mehr politischer Kampfbegriff, denn Realität. Auch für das Wohnen ist in anderen Ländern ein viel höherer Einkommensanteil aufzubringen. 60 Prozent der Wiener wohnen im geförderten Wohnbau, und bei Bedarf wird Wohnbeihilfe ausbezahlt. Ja, es gibt Armut in Österreich. Das beste Rezept dagegen ist Erwerbsarbeit.

Martina Salomon schreibt dies in ihrem „Leitartikel“ am 11. Mai 2024. Erst durch sie wird jetzt verstanden,

was der christlichsoziale „Streicher aus Österreich“ tatsächlich meinte,

als er sagte, die Arbeitenden sollen sich an Kraut und Kartoffeln gütlich tun, wenn das Geld für Fleisch nicht reiche, es ging ihm um das gesundheitliche Wohlergehen, und auch die ökologischen Notwendigkeiten wird er dabei schon mitgedacht haben.

Seine Rezepte als Leitrezepte für die Gegenwart, salomonisch verfeinert, Kraut, Kartoffeln — und Butter aus Erwerbsarbeit

Lebenskundliche Beratung von Martina Salomon hätte auch der zurzeitige Bundeskanzler mehr denn je schon benötigt, er hat zwar bereits das Einsehen, das Essen sei nicht gesund, aber mit salomonischer Lebenskundberatung hätte er nicht für dieses geworben, sondern für das, was gesund und biligst nicht mehr hübsch genug

Und es wird ihm, dem Zurzeitigen, nun vielleicht als Fehler dünken, eine Ministerin ziehen gelassen zu haben, die gar so gesundheitsförderliche Rezepte in ihrer aktiven Zeit schon empfahl … Mit Martina Salomon hätte er aber eine Kandidatin für eine Umbildung, die beide Ressorts der zwei ehemaligen —

Seine Rezepte als Leitrezepte für die Gegenwart, salomonisch verfeinert, Kraut, Kartoffeln, Obst, Gemüse und Erwerbsarbeit, und wenn die Erwerbsarbeit die Butter nicht löhnt, sind Gerichte mit Kartoffeln, Obst und Gemüse hübsch genug …

Dank Martina Salomon kann einer ehemaligen Ministerin nun auch Abbitte geleistet werden, diese hat nicht einfach ins Blaue hineingesprochen, als sie sagte, einhundertfünfzig Euro im Monat seien genug, sie hatte Grundlagen, Berechnungen dafür …

und damit 150 Euro im Monat tatsächlich genug sind, müssen jetzt nur noch, dafür auch noch war ihr die Zeit als Ministerin zu kurz, die Löhne für Erwerbsarbeit auf diese Höhe angepaßt werden, dann sind die Mieten kein Problem mehr, das gesundheitsgefährdende Übergewicht Vergangenheit und darüber hinaus als nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt ein nicht geringer ökologischer Beitrag der Arbeitenden …