Stefan Magnet kann darauf vertrauen, daß immer noch so viel Bildung auch in bezug auf geschichtliches Wissen vorhanden ist, es also verstanden wird, wenn er am 12. Jänner 2025 auf der Konzernplattform X von „industriellem …“
Es muß daher seine Gleichsetzung nicht ausführlich erklärt werden, um nachvollziehen zu können, was für einen Zweck er damit verfolgt, wenn er dieses Mittel einsetzt, er schreibt von INDUSTRIELLEM AUSMASS —
Was ihn zu dieser geschichtlichen Bezugnahme in einem nicht zu vergleichenden Fall treibt, kann wohl nur darin die Ursache haben, daß es ihn gesinnungsgemäß schmerzt, quält, wem bis heute noch nicht die Verbrechen in „industriellem Ausmaß“ die Absolution erteilt wurde, die er und seine Gesinnungskameraderie so sehnlichst herbeiwünschen, nicht aufhören können, herbeizureden, herbeizuschreiben.
seine gesinnungsgemäße Weltvorstellungsarmut es ihm gerade noch vorzustellen erlaubt, heute sprechen, was jetzt gesinnungsgemäß für die Nacht, für die eine nächste Nacht feststeht, aber nicht darüber hinaus, nicht, was ihnen nach dem „Beschuss“–
Es ist nicht das erste Mal, daß Parsifal am 20. April in der Wiener Staatsoper zu hören ist, aber in diesem Jahr ’25 ist es für den Österreicher ein besonders Geschenk zum Geburtstag in zeitlich unmittelbarer Nähe zu seinem achtzigsten Selbstmordtag.
Die Wiener Staatsoper weiß eben, wie des Österreichers recht wichtige Tage zu begehen sind, nicht nur der 20. April, auch der 8. Mai —
Lorenz’s interpretative move in identifying Hitler as Parsifal in his Parsifal book was not an original idea but an assimilation of propaganda in broader circulation, propaganda that Houston Stewart Chamberlain helped set into motion by hailing Hitler as a “god-sent benediction” to Germany nine years earlier. For Chamberlain, Hitler was a rare example of
symbolic qualities reflected in the poster in the form of the downward-streaming light and the massive community of brown-shirted followers bearing Nazi flags and placed in a landscape suggestive of the Rhine Valley.
William Kinderman
According to the controversial biography of Wagner by Robert W. Gutman1, Parsifal, more than the Ring, was the gospel of National Socialism. Gutman interpreted this work in terms of Wagner’s later writings, the so-called regeneration essays. He writes, surveying the world from the heights of Monsalvat, the Grail community in Parsifal was alarmed to observe natural selection working against its distinctive Aryanism… The knights were confronted with an enemy gaining upon them every day. Here was the decisive racial crisis that grew into an uncompromising struggle for power….
Gestern abend: ‚Salome‘ von Strauss … Abscheuliche romantische Musik, von einer Rhetorik des Orchesters, die Sehnsucht nach Bellini weckt. Ebenso die Meistersinger – gleiche Ursachen auch der Schwächen: Indiskretion der Mittel und Eintönigkeit der Effekte, aufdringliches Insistieren, offenbare Unaufrichtigkeit … Von Grund auf unkünstlerisch, so etwas.
Rundfrage des ‚Berliner Tageblatts‘ Es handelt sich darum, anläßlich des fünfundzwanzigsten Jahrestages von Wagners Tod die ‚führenden Künstler und Intellektuellen ganz Europas nach ihrer Meinung über den Einfluß Wagners, insbesondere in Frankreich‘ zu befragen. Ich antworte: ‚Ich verabscheue die Person und das Werk Wagners, diese leidenschaftliche Abneigung ist seit meiner Kindheit nur noch gewachsen. Dieses erstaunliche Genie erhebt weniger als es vernichtet. Es hat zahllosen Snobs, Literaten und Dummköpfen erlaubt zu meinen, sie liebten die Musik, und einigen Künstlern zu glauben, Genie läßt sich erlernen. Deutschland hat vielleicht nie etwas gleichzeitig so Großes und Barbarisches hervorgebracht.‘
Am 25. Jänner vor 117 Jahren spricht André Gide, als er zu Richard Wagner befragt wird, bereits vom Barbarischenund damit auch von André Gide der Werkkern erkannt, Jahrzehnte vor der Realisierung des Barbarischen in der Wirklichkeit —
Politik als große Opernregie wurde Markenzeichen deutscher Weltmission, in der sich jeder einen Platz an der Sonne sichern konnte, der bereit war, bedingungslos mitzuspielen. Der Gröwaz, der größte Wagnerkenner aller Zeiten, liefert bis heute die Rechtfertigung für Untergänge als imposante Götterdämmerungen – überzeugend verwirklicht von 1939 bis 1945 im Weltformat.
Auch zu Kaiser Wilhelms Zeiten lag schon der Gedanken nahe, Wagners Opern als reales Weltgeschehen mit dezenten Hinweisen auf die Ideologie des großen Musikmythologen zu etablieren – beispielsweise als Festungsanlage „Siegfriedlinie“ gegen die Kräfte des europäischen Westens im Ersten Weltkrieg.
Einen ganz eigentümlichen Typus heutige Wagnerbehuldigung […] Einerseits protestiert sie in Kassel vehement gegen antisemitische Äußerungen von Künstlern, um andererseits anschließend in festlicher Pelle nach Bayreuth zu pilgern und dort dem Radikalsten aller deutschen Antisemiten zu huldigen. Zu verstehen ist das nur, wenn man voraussetzt, dass […] jegliche historische Kenntnisse zum Werkschaffen von Wagner fehlen. Derartige Ahnungslosigkeit durch mangelnde Bildung kennzeichnet einen großen Teil heutige linker, grüner, roter und schwarzer Positionäre.
Die willentliche, intentionale Rebarbarisierung ist leider kein einzigartiger Unfall deutscher Geschichte. Wäre sie das, bräuchte man das Wissen um die Bedrohung nicht ständig wachzuhalten. Offenbar zwingt die innere Dynamik von Machtregimes, totalitär zu werden, alle Gesellschaften wenigstens einmal, hoffentlich nur einmal das Schicksal Deutschlands selber durchzustehen. Das ist ja bereits unübersehbar. Der deutschen Ideologie wird heute weltweit auch von kleineren Potentanten gehuldigt – in einem Ausmaß, dass demokratisch, liberal und rechtsstaatlich verfasste Gesellschaften weltweit nur noch eine rare Minderheit sind. Was tun? Wir Deutschen jedenfalls sollten das deutsche 20. Jahrhundert widerrufen und die von Nietzsche formulierte Aufgabe einer schweren Entdeutschung auf uns nehmen.
Es ist nicht verwunderlich, dies nur nebenher gesagt, daß das Attentat auf den Österreicher nicht gelang, lief es doch unter der wagnerisch-hitlerischen Parole „Unternehmen Walküre“, und ein Unternehmen mit einer übernommmenen Parole ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, einem solchen Unternehmen fehlt von Anfang an der absolute Wille zum Erfolg.
lange davor kommende Entwicklungen zu erahnen, zu erfüllen, was herrschaftlich gewünscht sein wird, und dementsprechend rechtzeitig zu programmieren, nicht nur zu erahnen, nicht nur zu erfühlen, sondern stets auch
Es gibt nun bereits viele Befürchtungen, was sich alles ändern wird, wenn es zu dieser identitärschwarzen Regierung denn kommen sollte, die Wiener Staatsoper braucht sich nicht zu fürchten, die Wiener Staatsoper wird nicht über Nacht ihr Programm ändern müssen, sie wird nicht gleich Körner in ihr Programm aufnehmen müssen, von einem Tag auf den anderen,
mit Richard Wagner hat die Wiener Staatsoper bereits und lange schon auch für solch eine Regierung das größte Programm aller Zeiten …
Bei Kleinkindern wird, vor allem wenn sie ein sogenanntes unanständiges Wort sagen, gleich gefragt, woher haben sie das bloß. Erziehungsberechtigte von Unmündigen sagen, wenn diese ein sogenanntes unanständiges Wort sagen, sofort, jedwede Schuld von sich weisend, von ihnen, ihren Erziehungsberechtigten, hätten sie das nicht …
Fast elf Jahre war Alice Weidel, also in der AfD, als
Weidel zitiert Ignazio Silone: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘ Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus'“.
Als Zusammenfassung am Ende kann gesagt werden, die Partei dieser Kameradinnen und dieser Kameraden hat in diesen zwölf Jahren seit ihrer Gründung alles, was sie an Stoff brauchte, aus Österreich bekommen, besonders von einer Partei, und sie kann mittlerweile den Stoff derart in- und auswendig, daß sie sich mit Stolz erste Wiedergängerin auf ihren Ehrenschild schreiben darf,
in dem, so die Befürchtung, noch und nur das gehört werden wird, was am 1. Jänner 2025 im Musikverein zur Mittagsstunde gespielt wurde, während das Orchester gemäß Programmzettel u. a. „Die Planeten“ spielt,
Es war der Gebirgstraumgänger, der am 4. Jänner 2021 auf der Konzernplattform Meta schreibt:
Mein Kampfauftrag für 2021 lautet: „K[…] muss weg“! Es hat schon viel zu viele totalitäre Entwicklungen und autoritäre Anwandlungen gegeben.
Wenn der von einer Haus- und Hofkanzlerei Träumende sich selbst ernst nimmt, und einmal wirklich ganz ehrlich sein will, dann kann er nur eines tun, sich selbst und allen zurufen: „Ich muß weg!“
Aber es darf menschgemäß nicht nur beim Zurufen bleiben, wenn es von ihm tatsächlich ehrlich sein soll, dann muß er auch selbst weggehen, sich selbst entfernen, und es können ihm, so viel Empathie muß ihm entgegengebracht werden, dabei alle helfen, das „Ich muß weg“ rasch zu verwirklichen.
Was wäre das doch für ein heroischer „Kampfauftrag“ für 2025 an ihn selbst, wenn er das „Ich muß weg!“ für sich real umsetzte, vier Jahre später endlich realisierte, wer würde ihm nicht dafür Tribut zollen, und noch mehr Tribut, wenn es noch und schon im Jänner 2025 von ihm getan werden würde, er weg wäre, ein neues Leben begänne, vielleicht in den Bergen, als Bewohner eines Berghofs, mit all den schönen Aussichten auf Almen und Berge ringsum sein Steinhaus, endlich ohne lange Anfahrten, um in die Bergwände zu steigen. Vielleicht wäre das für ihn kein Ändern seines Lebens, kein Beginnen eines neuen Lebens, sondern, einfach wie kurz gesagt, eine Rückkehr in ein für ihn von ihm selbst als passend empfundenes Dasein …
An Selbstbewusstsein mangelt es dem FPÖ-Chef jedenfalls nicht, in seinem Auftritt ließ er verbal die Muskeln spielen, und es passt zum Bild eines Menschen mit autoritären Anwandlungen, dass keine Fragen zugelassen waren. Es gilt, was er spricht, daran soll niemand rütteln.
Das schreibt am 8. Jänner 2025 in der Tageszeitung des österreichischen Qualitätsstandards Michael Völker.
Das darf wohl als scharfe Kritik an diesem Menschen verstanden werden.
Nur, was für Anwandlungen sonst als autoritäre soll dieser Mensch in Österreich haben? Wurden nicht gerade in den letzten Jahren vermehrt Auftritte vor Medien von Menschen mit der Direktive „Keine Fragen zugelassen“ erlebt, deren Gesprochenes zu gelten hat, daran niemand zu rütteln hat?
Etwa im Mai 2022: „Köstinger war da seltener genannt worden, seit sie den Umstieg von Kurz zu Nehammer politisch überlebt hatte. Heute betonte sie in einer „persönlichen Erklärung“, bei der keine Fragen zugelassen waren[.]“
Etwa im Mai 2019: „Kanzler Kurz bleibt Antworten schuldig – keine Fragen zugelassen“ —
Etwa am 3. Jänner 2025: „Nach der Pressekonferenz mit Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger in der Parteizentrale am Wiener Heumarkt waren zwar keine Fragen zugelassen –“
Etwa im Jänner 2023, Franz Schnabl: „Fragen waren im Anschluss an die Erklärung nicht erlaubt.“
Etwa im November 2024, Georg Dornauer: „Der Noch-Landeshauptmannstellvertreter machte in dem Statement, nach dem keine Fragen zugelassen waren[.]“
Etwa im Mai 2019, Rubina Möhring: „Derzeit ist die Empörung sehr groß, dass bei den Pressekonferenzen keine Fragen gestellt werden durften. Das ist schon sehr autoritär und geht einfach gar nicht. Kurz macht das genauso wie Strache, Hofer und Kickl. Und das ist das Gefährliche an dieser Praxis: Diese Überheblichkeit von Politikern gegenüber demokratischen Grundrechten. Ungarn ist sehr nahe.“
Und wurde nicht gerade in den letzten Tagen das „Keine Fragen“ zur Staatsdoktrin, wenn der Hofburginformationsbote zwar freundlich seine Verkündigungen den Medien diktierte, jedoch Fragen zu stellen nicht gewährt wird, ganz nach der scharfen Kritik von Michael Völker: „Es gilt, was er spricht, daran soll niemand rütteln.“
Es werden Ihnen selbst wohl noch viele weitere Auftritte von Menschen in hohen und höchsten verantwortungsvollen Positionen vor Medien einfallen, von denen Ihnen in Erinnerung geblieben sein wird, als das Bleibende, es waren keine Fragen zugelassen.
„Keine Fragen zugelassen“, auch ein Kriterium, das verstehen läßt, welchen Platz Österreich in puncto Pressefreiheit inzwischen international einnimmt, wie im Mai 2024 zu erfahren war: „Österreich steigt in puncto Pressefreiheit in Europa weiter ab“ —
Und ohne daß der Gebirgeläufer bereits in die Position gelangt ist, der Pressefreiheit in Österreich gänzlich den Garaus in orbánischer Manie zu machen —
Bei all dem ihm zum Vorbild in Österreich Vorgelebte, ist die Versuchung groß, das von Michael Völker heute Geschriebene ein wenig anzupassen, für Österreich passender zu formulieren — Patinnen dafür sind auch und nicht nur die oben erwähnten Beispielgeber:
An Selbstbewusstsein mangelt es dem Österreich jedenfalls nicht, in seinem Auftritt läßt es verbal die Muskeln spielen, und es passt zum Bild eines Österreichs mit autoritären Anwandlungen, die keine Fragen zulassen. Es gilt, was es spricht, daran soll niemand rütteln.
96jährige Ursula Haverbeck verstorben — unmittelbar vor Haftantritt Haverbeck wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, weil sie laut Gericht „Volksverhetzung begangen“ habe. Das Gericht warf ihr vor, den Holocaust zu leugnen. Jetzt ist Ursula Haverbeck tot. Sie verstarb, noch ehe sie die Haft antreten musste. Sie hatte mir ein Interview zugesagt, es hätte unmittelbar vor Haftantritt stattfinden sollen. Es sollte bei dem Interview nicht um verbotene Inhalte oder Geschichte gehen. Ich wollte als Journalist jene 96-Jährige sprechen lassen, der gerichtlich das Sprechen verboten wurde und die aufgrund der ihr attestierten Gefährlichkeit wiederholt ins Gefängnis sollte. Mich beschäftigt die Frage, die seit der Inquisition an Aktualität nicht verloren hat: Warum schwört der als Ketzer verfolgte nicht ab, um sein Leben zu retten? Warum setzte sich die als „Nazi-Oma“ (so titelte „Der Stern“) verspottete Frau dieser Verfolgung in vollem Bewusstsein aus? Haverbeck sagte schon 2007 vor dem Landgericht in Dortmund: „Wir leben gar nicht in einer echten Demokratie, was man schon daran erkennen kann, daß alle Angst haben. Die Herrscher haben vor dem Volk Angst, deshalb gibt es Maulkorbgesetze, und das Volk hat vor den Regierenden Angst, deshalb wagt es nicht zu sagen, was es denkt.“ Wie sehr die Justiz instrumentalisiert ist, sieht man auch daran, dass in anderen Fällen unverständliche Milde angewandt wird. Etwa bei Vergewaltigern, Mördern… oder beim Hamburger Cum-ex-Bankier Christian Olearius. Er soll einen Steuerschaden von 280 Millionen Euro verursacht haben. Das Gericht stellte das Verfahren einfach ein, weil der Mann zu hohen Bluthochdruck hätte…. bei Haverbeck war man nicht so gnädig. Ich wollte herausfinden, warum? Jetzt kann sie nicht mehr für sich sprechen und das Gericht kann beruhigt die Akten schreddern.
Ursula Haverbeck, habe ihm, Stefan Magnet, ein Interview zugesagt, aber der Tod, so gütig dieser gegen Ursula Haverbeck war, sie vor dem „Knast“ zu retten, so ungerecht war dieser zu Stefan Magnet, der von ihr keine Antworten mehr bekam, auf die ihn gar recht beschäftigenden Fragen zu „Inquisition“, „Ketzer“ …
Da Stefan Magnet dies von Ursula Haverbeck zitiert, darf angenommen werden, es findet seine ungeteilte Zustimmung: „„Wir leben gar nicht in einer echten Demokratie, was man schon daran erkennen kann, daß alle Angst haben.“
das Ende in Österreich der für viele, viele Illusion einer Bundesregierung, die das von dem Bundespräsidenten gemalte Bild in ein wirkliches verwandeln sollte —
wird Österreich eine Bundesregierung gemacht werden, von der von Anfang an, seit dem Ergebnis der Nationalratswahl am 29. September 2024, klar war, daß am Ende all der Gespräche Österreich keine andere Bundesregierung als diese bekommen wird,
als diese, die jetzt gebastelt werden wird, ab heute, dem 6. Jänner 2025, einem Montag, nach Beendigung des für elf Uhr angesetzten Hofburgstermins,
Die wirkliche Vielfalt in Österreich, einfach wie kurz gesagt, ist die Vielfalt, aus einer schwarzblauen Bundesregierung eine schwarzidentitäre Bundesregierung und nun eine identitärschwarze Bundesregierung —
Kein Partner Die Freiheitlichen sind nicht regierungsfähig. Das gilt mit den Ereignissen über die Osterfeiertage nun als hinlänglich bewiesen. In Summe fehlt es der FPÖ an den geistigen und moralischen Voraussetzungen für eine vertrauenswürdige Rolle im Staat. Das wird nichts mehr.
Was eines Haus- und Hofkanzlers höchste Pflicht im Land, vordringlichste Aufgabe im Staat, kaum daß er in den Palast hineingelobt werden wird, wird sein, dem Land eine neue Hymne zu schenken, die nach seiner und seiner Partei Gesinnung erfüllt, wovon der Bundespräsident am 5. Jänner 2024 in seiner gar so schönen und kurzen Rede spricht, worauf er weiter nach bestem Wissen und Gewissen achten will, auf die Grundpfeiler einer „liberalen Demokratie: Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Menschenrechte- und Minderheitenrechte, freie und unabhänige Medien, EU-Mitgliedschaft“ …
Das Kloster Mayerling, idyllisch gelegen in Niederösterreich, etwa 25 Kilometer südwestlich von Wien, ist ein Ort der Stille und des Gebets. Gegründet wurde die Stätte im Jahr 1889 von Kaiser Franz Joseph I., um für die Tragödie seines Sohnes Kronprinz Rudolf und dessen Gelilebter Mary Vetsera zu sühnen. Seither leben und beten hier die Karmelitinnen.
Der Kaiser wollte, dass hier die Schwestern nach dem Tod von Rudolf und Marie Vetsera Sühne leisten. Stille ist quasi die oberste Regel.
Die heilige Nacht als Symbol für Ruhe und Besinnlichkeit. Doch in unserer Hektik ist das schwer. Die „Krone“ war im Kloster Mayerling, wo Schweigen Teil des Weges zu Gott ist.
Rudolf Habsburg war für seinen Mord niemals hinter Gittern, er entzog sich der Strafe durch seinen Selbstmord. Das sind die Morde von Mayerling. Von den Morden schreibt die „Krone“ am 24. Dezember 2024 nichts. Ganz der Regel verpflichtet: Schweigen, Gottes Weg auf Erden. Die „Krone“ verschweigt am 24. Dezember 2024 die Morde von Mayerling, berichtet nur vom „Tod von Rudolf und Marie Vetsera“, als wären die zwei Menschen bloß eines sogenannten natürlichen Todes gestorben, eine „Tragödie“ durch die unerforschlichen Wege Gottes: die mit 17 Jahren minderjährige Mary Vetsera und der mit über 30 Jahren volljährige Rudolf Habsburg viel zu früh …
„Trotz der strikten Regeln des Klosters und der zahlreichen Stunden des Betens und des Schweigens hat die engagierte Frau eine ganze Liste an Dingen, die sie ihrem Beichtvater erzählen will. Es reicht vom zu langen Lüften bis zum Vergessen der gefüllten Wasserkrüge für die Mitschwestern.“
Martina Winkelhofer: Die Tatsache, daß ein Sohn eines katholischen Kaisers Selbstmord begangen hat, ist so unglaublich, das wäre vorher, vor dieser Tat so unvorstellbar gewesen, daß das überhaupt sein könnte, daß das allein schon eine unglaubliche Schockstarre ausgelöst hat.
Männliche Erzählstimme: Der Tod des Kronprinzen Rudolfs sollte die erste in einer Reiher von schweren Rückschlägen sein, die Franz Josephs letzte Jahrzehnte und das nahende Ende der Monarchie prägten.
Martina Winkelhofer: Ich denke, daß man man nicht vergessen darf, daß Kronzprinz Rudolf seine Kindheit mit sich getragen hat. Es ist auch ganz spannend zu sehen, daß all diese kindlichen Dramen, die einen Menschen später beeinflußen können, auch in höchsten Kreisen und in Kreisen vorkommen können, wo man meint, daß alles da ist. Wir sprechen von einem Kind, daß mit einem, eineinhalb Jahren seine Mutter lange Zeit nicht gesehen hat. Mit sehr, sehr vielen frühkindlichen Verletzungen, Kränkungen. Das ist ein Kind, das einen ganz, ganz schwierigen Erzieher hatte, also der ihn zu Tode geänstigt hat, der gemeint hat, man muß ein Kind abhärten, von einem Kind, das zwar von Bezugspersonen umgeben war, aber ein Kind das trotzdem immer auf einen Sockel gestellt wurde, mit einem Glassturz drüber, das einfach nie diesen menschlichen Austausch hatte, den jedes andere Kind auch zu dieser Zeit gehabt hätte. Und das sind all diese Dinge, die man nicht vergessen darf, wenn man 1888 den dreißigjährigen Rudolf sehen. Im Nachhinein betrachtet, kann man durchaus sagen, daß dieses Weihnachten 1888 so der Wendepunkt in der kaiserlichen Familie war. Da hätte alles noch gut ausgehen können, weil es waren ja alle Protagonisten auf den Sprung in ein vermeintlich besseres, freieres Leben, aber zum damiligen Zeitpunkt hätte keiner der Anwesenden bei diesem kaiserlichen Weihnachten geahnt, was da auf sie zukommt.
Martina Winkelhofer, eine Historikerin, die auch weiß, wie es damals Kindern erging, gleich in welchen Kreisen, Schichten, Milieus; so weiß sie auch über die Ehefrau des Mörders und Selbstmörders Rudolf Habsburg zu berichten:
Stephanie von Belgien war wahrscheinlich eine schwierige Persönlichkeit, wobei man auch bei ihr nicht außer acht lassen darf, daß sie eine unglaublich schwierige Kindheit hatte. Ihr Vater war der berühmte Leopold II. von Belgien.
Es gibt aber auch die oberste Regel, wann nicht zu schweigen ist, und so unerforschlich sind Gottes Wege nicht, zu ergründen, wann zu schweigen und wann nicht zu schweigen das Gebot ist. Für Amstetten gilt das Gebot, zu schweigen, nicht, an das Verbrechen in Amstetten ist in jedem Bericht zu erinnern, der Mord in Amstetten muß stets genannt werden, auch wenn es kein mit einer Waffe verübter Mord war, wie jener von Rudolf Habsburg, sondern eine „unterlassene Hilfeleistung“, die gerichtlich als Mord …
„Warum bekommt Josef Fritzl einen Platz für betreubares Wohnen und ich nicht? Muss man ein Mörder sein, um Anspruch zu haben?“,
läßt die „Krone“ am 10. Februar 2024 eine Frau fragen. Am 25. Jänner 2024 erinnert die „Krone“ an das Verbrechen des Mannes, der ihr ein „Kellermonster“ …
Fast jeder kennt den schrecklichen Inzestfall von Amstetten. Ein Vater, der seine Tochter fast 24 Jahre lang in einem Kellerverlies eingesperrt hielt, mit ihr sieben Kinder zeugte. Josef Fritzl wurde 2009 einstimmig im Landesgericht St. Pölten wegen Mordes durch Unterlassung, Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, schwerer Nötigung und Blutschande zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Und wegen seiner geistigen Abnormität in eine Anstalt eingewiesen – die strengste Strafe, die es in Österreich gibt.
Am 12. März 2024 erinnert die „Krone“ an das Verbrechen, der ihr ein „Horror-Vater“ …
Fast jeder kennt den schrecklichen Inzestfall von Amstetten. Ein Vater, der seine Tochter fast 24 Jahre lang in einem Kellerverlies eingesperrt hielt, mit ihr sieben Kinder zeugte. Josef Fritzl wurde 2009 einstimmig im Landesgericht St. Pölten wegen Mordes durch Unterlassung, Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, schwerer Nötigung und Blutschande zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Am 18. Jänner 2024 „das freie Wort“ der „Krone“, erteilt Josef Fuhrmann, der weiß, was dieser Mann ist: „Bestie“, „Unmensch“:
Der nächste Justizskandal
Allein der Gedanke, die Bestie Josef Fritzl auf Grund einer Begutachtung einer angeblichen Sachverständigen nach 14 Jahren Haft wieder auf freien Fuß zu lassen, ist für den Normalbürger nicht zu begreifen und der nächste, unverständliche Skandal der Justiz. Während seine Kinder 24 Jahre unter menschenunwürdigen Verhältnissen in einem Kellerverlies ausharren mussten, soll dieser Unmensch nach 14 Jahren freikommen? Aus Gründen der Menschenwürde! Wo war die Würde seiner Kinder während der Gefangenschaft? Abgesehen davon, dass diese Menschen ihr Leben lang ständig an dieses Martyrium erinnert werden! Wie müssen sie sich fühlen, sollte ihr Peiniger tatsächlich wieder die Freiheit erlangen? Egal, wie alt und dement diese Person ist – wegsperren für immer! Hoffentlich sieht die Justiz diesen Fall genauso.
Die mit dem reißerischen Titel „Zita: Mayerling war Mord!“ auf fünf Fortsetzungen ausgedehnte Serie der „Neuen Kronenzeitung“ hat zunächst im In- und Ausland ein ungeheures Aufsehen erregt, obwohl schon nach der ersten Fortsetzung zu erkennen war, daß diese „Enthüllungen“ weder neue Fakten noch gar Beweise enthalten würden, sondern nur die im Hause Bourbon-Parma und in der Familie des Erzherzogs Karl Ludwig schon immer in verschiedenen Versionen verbreiteten Gerüchte. Tatsächlich wurde der Inhalt der Serie von einer Fortsetzung zur anderen immer dünner, bis die letzte Fortsetzung nur mehr die Vermutung der Oberin des Klosters in Mayerling brachte, die sich auf die längst durch einwandfreie Dokumente widerlegte Erzählung des Sohnes jenes Tischlers Wolf stützt, der nicht, wie behauptet, „wenige Tage nach dem Drama“, sondern erst zwei Wochen später das Sterbezimmer betrat. Was aber die angeblichen ausländischen Auftraggeber der „internationalen Verschwörung“ betrifft, so endete die Serie mit dem geradezu eine Verhöhnung der Leser darstellenden Versprechen, die Namen zweier Persönlichkeiten, die Kaiserin Zita genannt habe, würden „im Herbst veröffentlicht werden, wenn es gelingt, den Verdacht durch neue Geheimakten zu erhärten“. Der äußere Hergang der Tragödie ist bekanntlich bereits durch das noch immer nicht überholte Buch des ehemaligen Direktors des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Oskar Freiherr von Mitis „Das Leben des Kronprinzen Rudolf“ (1928) bekannt geworden, das von mir 1971 mit einer ausführlichen, die seit 1928 erschienenen Werke und Quellenfunde kritisch würdigenden Einleitung und ergänzt durch Rudolfs Briefe an Theodor Billroth neu herausgegeben wurde. Die von Mitis publizierte Denkschrift des Grafen Hoyos (S. 341-353 der Neuauflage) ist ein absolut zuverlässiger Bericht, der durch alle später aufgefundenen Zeugnisse bestätigt wurde, so daß der Hergang der Tat (Tötung der Baronesse Vetsera auf deren Verlangen in Rudolfs Schlafzimmer nach Mitternacht, Selbstmord des Kronprinzen durch den in der Gerichtsmedizin wohlbekannten „Selbstmord vor dem Spiegel“ zwischen 6.30 und 7.30 Uhr des 30. Jänner 1889) unwiderleglich feststeht. Was das Motiv der Tat betrifft, so hat man lange an die von interessierter Seite (Gräfin Larisch) in die Welt gesetzte Theorie von einer „ungarischen Verschwörung“ geglaubt, in die der Kronprinz verwickelt gewesen sei; und der getreue Mitarbeiter und publizistische Gehilfe des Kaisers Karl, Baron Karl von Werkmann, hat in den „Innsbrucker Nachrichten“ vom 17. November 1928 unter Hinweis auf Mitteilungen des Kaisers Karl, der sich auf Kaiser Franz Joseph berufen habe, die These vertreten, Rudolf habe sich „in ungarische Abenteuer eingelassen“, aus denen er in geistiger Verwirrung keinen anderen Ausweg gefunden habe, „als den Tod durch eigene Hand“. Nun aber sollen wir glauben, Kaiser Karl habe schon immer von der „Ermordung des Kronprinzen“ gewußt! Das angebliche „Zweitausend-Worte-Tele- gramm“ Franz Josephs an Papst Leo XIII. aber hat, wie Fritz Judt- mann überzeugend nachweisen konnte, nie existiert und ist wahrscheinlich die Erfindung des römischen Korrespondenten der Londoner Zeitung „The Standard“. Der Abschiedsbrief Rudolfs an seine Frau Stefanie wurde von dieser 1935 in Faksimile in ihren Erinnerungen und seither noch mehrmals in anderen Büchern publiziert. Die sehr präzise letztwillige Verfügung Rudolfs mit dem Verzeichnis der verschickten Abschiedsbriefe und den Begleitbrief an den Sektionschef Ladislaus von Szögyeny-Marich („Ich muß sterben, das ist die einzige Art, zumindest wie ein Gentleman diese Welt zu verlassen“) hat Rudolf Neck, der derzeitige Generaldirektor des österreichischen Staatsarchivs, 1958 veröffentlicht.
Medienpolitisch war es vielleicht geschickt, mitten im Wahlkampf etwas ganz anderes, nämlich „Enthüllungen über Mayerling“, zu veröffentlichen, seriös war es aber sicher nicht.
Ein nach wie vor gültiger, zeitloser Satz, ein besserer könnte auch gar nicht mehr gefunden werden, um dieses Kapitel zu schließen: „Seriös war es aber sicher nicht.“
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