Beim Lesen „Ruhe in der Unruhe“ in der Wochenendausgabe der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards an diesem letzten Sonntag im Mai 2024 setzte rasch eine Ablenkung ein, ein Abschweifen zu einer Erinnerung an einen Abend vor Jahren am Radetzkyplatz, als von Franzobel, so hell erleuchtet war der Schanigarten, eine Falte gesehen wurde … nun beim Lesen seines Essays in Erinnerung an diesen Abend stellt sich von selbst die Frage ein, die menschgemäß sonst gestellt wird, wenn ein Mensch beispielsweise der Literatur gestorben ist, was wird von diesem Menschen bleiben, aber es eine Frage, die durchaus und vielleicht klugerweise schon zu Lebzeiten eines sogenannten schöpferischen Menschen gestellt werden sollte, und Franzobel mit seinem Essay eignet sich dafür hervorragend, damit zu beginnen, zu fragen, bei Lebzeiten von Franzobel zu fragen, was wird von ihm bleiben —
Und weil es eine Frage zu Lebzeiten ist, was wird von ihm bleiben, kommt von selbst die Frage hinzu: Was kann aus ihm noch werden? Darum ist es schlecht bestellt, mit einem Blick in seinen Essay …
[W]er im Ukrainekrieg die russsische Seite verstehen will, ist ein Putin-Troll, und wenn man die Folgen der Migration anspricht, gilt man ungeschaut als Rechtsradikaler.
Als Aschermittwochschreiber wird der kleine Gebirgsjäger Franzobel nicht brauchen können, das schreibt er sich schon lange selbst, und bei so einem wie den oben zitierten Satz könnte gemeint werden, er, Franzobel, schreibe vom Gebirgsjäger ab.
Es ist nicht nur dieser Satz in seinem Essay, es könnte sein Essay Satz für Satz durchgegangen werden, ein jeder Satz aufgelöst werden, bis von keinem Satz etwas überbleibt, damit wäre aber zugleich der Eindruck vermittelt, von ihm bliebe doch etwas, zum Beispiel sein Essay, sein Essay bleibt auch — zum Vergessen. Natürlich schreibt Franzobel nicht dem Gebirgsjäger nach, sein Koordinatensystem ist vielleicht ein in Villach weltberühmter Filosof …
Viele Menschen wissen nicht, wie sie Minderheiten benennen sollen, ohne als Rassist zu gelten. In Grönland ist das Wort Eskimo zum Beispiel kein Zeichen für koloniale Ignoranz […]
Wie in Österreich, in dem zum Beispiel das Wort „Zigeuner“kein Zeichen für koloniale Ignoranz ist, wer kann in diesem Portschyland Rassistin genannt werden, wenn sie bloß ein Wort verwendet, mit dem sich manche Menschen dieser „Minderheit“ gar selbst benennen, und, ach die armen Menschen, die nicht wissen, wie sie Minderheiten benennen sollen, kann denn „Rassist“ überhaupt ein Vorwurf sein, ist doch „Rasse“ ein Wort der österreichischen Bundesverfassung …
Mit jedem Satz in seinem Essay schreibt Franzobel im Grunde sich selbst die mündliche Beurteilung; Lehrerinnen freuten sich wohl sehr, hätten sie solche Schüler, die ihnen diese aufwendige Arbeit abnähmen.
Beste Voraussetzungen, um in einen neuen Faschismus zu geraten. Er wird anders aussehen, aber genauso intolerant sein und mit allen Freiheiten aufräumen wie der vor hundert Jahren.
Unlängst hat man mich gefragt, warum die Kulturschaffenden gerade so ruhig sind. […] Aber warum sind die Kulturschaffenden gerade so leise?
Das wird Franzobel vielleicht ein Mensch gefragt haben, der sich nach Grönland zurückgezogen hat, zu einem Leben ohne alles, auch ohne „Fußball, Thermomix, iPhone, Tupperware, Taylor Swift“ … Ein Mensch, der nicht in seinem Grönland ohne alles lebt, wird das je nicht gefragt haben können, und er selbst, wäre er außerhalb seines Grönlands unterwegs, könnte diese Frage je nicht stellen, sogar Taylor Swift, das wissen Menschen mit „Fußball, Thermomix, iPhone, Tupperware“, meldet sich politisch zu Wort, auch in diesem Jahr 2024 weiter, wie sie es auch beispielsweise schon 2020 tat, als sie schrieb: „We will vote you out in November.“
Das Wort „Kulturschaffende“ wird vielleicht einigen sauer aufstoßen, aber das muß Franzobel nicht bekümmern, diesen Kulturschaffenden, der sich zu Wort meldet, der nicht leise ist, er selbst also kein Zeuge dafür ist, daß die Kulturschaffenden gar so leise seien, dabei, was für eine Karriere als Kronzeuge stünde ihm offen, meldete er sich nicht zu Wort, bliebe er leise —
Es ist vielleicht das Plakat eines Kandidaten zur EU-Wahl 2024, auf dem patriotisch, was steht, das „Was wo“ von Samuel Beckett einfallen läßt, in „What Where“ sind vier Gesichter in totaler Finsternis zu sehen, die Gesichter von Bam, Bom, Bim und Bem, sie erscheinen, sie erscheinen wieder, das Gesicht von Bum ist nicht zu sehen, von Bum ist die Stimme zu hören, mutmaßlich Bam, ob es nun vier sind, ob es nun fünf sind, behauptet wird jedenfalls: „Wir sind nur noch fünf“.
Jedenfalls, Bum: das ist Bam, dann wären es doch nur noch vier, gesagt aber wird: „We are the last five.“
Verstehe, wer kann.
„Patriotisch, was“ — wo … Zu viel der Ehre für „Patriotinnen“, bei „Patrioten“ an Samuel Beckett zu denken, vielleicht aber deshalb, weil sie nicht politisch, hingegen Beckett auch mit „What Where“, auch mit „Catastrophe“ … vielleicht aber deshalb, um die Moscowboys nicht namenlos zu lassen: Bam, Bom, Bim, Bem, Bum.
Bum, Bem, Bim, Bom, Bam – Namen und zugleich, einfach wie kurz gesagt, Comicsprache: Bim — Bom — Bem — Bam — Bum …
Bum mit dem Mund von Bam, wie Gott mit dem Mund von Paul Goodman, Pastor und Gott wie Bam und Bum
Donald Trump war der 45. Präsident unseres Landes, ein kraftvoller Patriot und engagierter Christ.Teilen Sie das inspirierende Leben eines mächtigen Führers mit jungen Menschen in „Donald Trump, American Patriot“. Entdecken Sie in dieser klaren Erzählung für junge Leser die bemerkenswerte Reise und den unerschütterlichen Glauben, die ein entscheidendes Kapitel unserer Geschichte geprägt haben. Mit Dutzenden ergreifender Zitate des Präsidenten strahlt jede Seite Weisheit und Hoffnung aus. Begleitet von 44 exquisiten Aquarellillustrationen der talentierten Karen Whitehead werden Kinder in die Geschichte des Präsidenten eintauchen und jungen Geistern die Möglichkeit geben, die Bedeutung dieser historischen Ära zu erfassen. „Donald Trump, amerikanischer Patriot“ ist mehr als eine Biografie; es ist ein Tor für die nächste Generation, um die bleibenden Werte, Herausforderungen und Erfolge zu erkunden, die diesen Präsidenten geprägt haben. „Eine fesselnde Reise voller Belastbarkeit und Führung, perfekt konzipiert für junge Herzen und neugierige Köpfe.“ – Randal Alderson, Gründer der Heritage Campaign „In diesem kulturellen Moment ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die großartige Geschichte, die sich in unserem Land abspielt, mit dem Lernen und der Vorstellungskraft unserer Kinder verbinden. ‚Donald Trump, amerikanischer Patriot‘ tut genau das und legt in Bildern und Worten dar, wie Gott durch diesen bemerkenswerten Mann gewirkt hat.“ sorgfältig ausgearbeitet, um die Aufmerksamkeit junger Denker zu fesseln. – Pastor Paul Goodman
What Where zu lesen, instead of leafing through the Moscowboys‘ pulp comics, wieder zu lesen What Where von Samuel Beckett, auch in der Übersetzung von Elmar Tophoven …
we are the last five in the present as where we still it is spring time passes first without words i switch on
so on
i am alone it is spring time passes
i am alone it is summer time passes
nothing he didn’t say what no you gave him the works yes and he didn’t say what no he didn’t say where no you gave him the works yes and he didn’t say where no he wept yes screamed yes begged for mercy yes but didn’t say where no and why stop he passed out and you didn’t revive him i tried well i couldn’t it’s a lie he said where to you confess he said where to you you’ll be given the works until you confess
i am alone it is autumn times passes
nothing he didn’t say where no so on
it’s a lie he said where to you confess he said where to you you’ll be given the works until you confess what must I confess that he said where to you is that all and where is that all yes then stop yes
it is winter time passes in the end i am alone in the present as where i still it is winter without journey time passes that is all makes sense who may i switch off
wir sind nur noch fünf im präsens als wären wir noch es ist frühling die zeit vergeht zuerst stumm ich mache an
usw
ich bin allein es ist frühling die zeit vergeht
ich bin allein es ist sommer die zeit vergeht
na nichts er hat nicht gesagt was nein du hast ihn gut bearbeitet ja und er hat nicht gesagt was nein er hat nicht gesagt wo nein du hast ihn gut bearbeitet ja und er hat nicht gesagt wo nein er hat geweint ja geschrien ja um gnade gefleht ja aber hat nicht gesagt wo nein warum dann aufhören er reagierte nicht mehr und du hast ihn nicht wiederbelebt ich habe es versucht na und ich konnte nicht du lügst er hat dir gesagt wo gesteh daß er dir gesagt hat wo man wird dich bearbeiten bis du gestehst
ich bin allein es ist herbst die zeit vergeht
na nichts er hat nicht gesagt wo nein
usw
du lügst er hat dir gesagt wo gesteh daß er dir gesagt hat wo man wird dich bearbeiten bis du gestehst was soll ich gestehen daß er dir gesagt hat wo das ist alles und wo das ist alles ja dann aufhören ja
es ist winter die zeit vergeht ich bin allein im präsens als wäre ich noch es ist winter ohne reise die zeit vergeht das ist alles verstehe wer kann ich mache aus
Die Wiener Staatsoper kann tatsächlich ein Vorbild darin genannt werden, mit ihrem Umgang, mit ihrem Wissen darum, wie als besondere ausgewiesene Tage im Jahr festlich zu begehen sind, Geschichte kurz gehalten werden kann.
den 8. Mai 2024. Ein derart traditionsreiches Haus wie die Wiener Staatsoper ist wohl auch dazu verpflichtet, besondere Tage wie eben den 8. Mai auf seine besondere Art im Bewußtsein seiner Aufführungsgeschichte zu begehen, in der beispielsweise der 8. Mai 1941 in den unmittelbaren Abschluß der Vorbereitungen für das „Unternehmen Barbarossa“ fiel, das etwas mehr als einen Monat später seiner „Bewährungsprobe“ in der Wirklichkeit ausgesetzt wurde, mit „Lohengrin“ an der „Heimatfront“ gen Osten …
„Lohengrin“ bewährt sich, wie die Geschichte der Wiener Staatsoper eindrucksvoll belegt, auch als Geburtstagsgeschenk, als, schließlich ist ein Geburtstag ein Tag der Freude, ein Fest der Freude und „Lohengrin“ selbst ist schon das ganze Fest,
die Freude des Geburtstagskinds wird an diesem Tag vielleicht ein wenig getrübt gewesen sein, vor fünfundachtzig Jahren, seine Freude keine totale gewesen sein, mußte doch der „Schützer“, wie ihn Katharina Wagner in ihrer Umbenennung fortan gesungen haben will, mußte der „Schützer“ doch auf die Übergabe seines Geschenkes bis zum 1. September 1939 warten, beinahe vier Monate auf ein Geschenk warten zu müssen, eine Tortur auch für das geduldigste Geburtstagskind, und dann mußte er für die Geschenksüberreichung auch noch um 4.45 Uhr schon aufstehen, für einen Langschläfer, wie der „Schützer“ einer gewesen sein soll, eine Pein …
Auch für das Jahr 2025 hat die Wiener Staatsoper im Bewußtsein ihrer Tradition und Geschichte besondere Tage der Lohengrinfeste reserviert, den 1. Mai, der unter „Schützer“ vor neunzig Jahren, 1934, zum gesetzlichen Feiertag der „nationalen Arbeit“ befreit von Gewerkschaften mutierte,
unterstützt von so begnadeten Sängerinnen, wie leicht werden doch schwere Zeiten beim selbstvergessenen Lauschen beispielsweise des Gesangs einer Evain den Meistersingern von Nürnberg
Es kann nur ermahnt werden, die Wiener Staatsoper wirklich endlich als Vorbild zu nehmen, wie lange allein dieser Text über „Lohengrin“ das Fest in der staatsoperlichen eigen‘ Tradition doch wieder geworden ist, mit so vielen Absätzen, der Wiener Staatsoper hingegen reicht in etwa ein Fünftel eines Absatzes für die gesamte Zeit des „Schützers“ …
Wie einfach kurz Geschichte also abgehandelt werden kann, darin ist die Wiener Staatsoper eine wahre Meisterin mit ihrem Lehrstück auf ihrer Website, von dem heute, am 20. Mai 2024 gelernt werden darf:
Ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Hauses sind die Jahre von 1938 bis 1945, als im Nationalsozialismus viele Mitglieder des Hauses verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, zahlreiche Werke nicht mehr gespielt werden durften. Am 12. März 1945 wurde das Haus am Ring durch Bombentreffer weitgehend verwüstet, doch bereits am 1. Mai 1945 wurde die »Staatsoper in der Volksoper« mit einer Aufführung von Mozarts »Le nozze di Figaro« eröffnet, am 6. Oktober 1945 folgte die Wiedereröffnung des in aller Eile restaurierten Theaters an der Wien mit Beethovens »Fidelio«. Damit gab es für die nächsten zehn Jahre zwei Spielstätten, während das eigentliche Stammhaus mit großem Aufwand wiedererrichtet wurde. Schon am 24. Mai 1945 hatte der Staatssekretär für öffentliche Bauten, Ing. Julius Raab, den Wiederaufbau der Wiener Staatsoper verkündet. Nur die Hauptfassade, die Feststiege und das Schwindfoyer waren von den Bomben verschont geblieben – mit neuem Zuschauerraum und modernisierter Technik wurde die Wiener Staatsoper glanzvoll mit Beethovens »Fidelio« unter Karl Böhm am 5. November 1955 wiedereröffnet. Die Eröffnungsfeierlichkeiten wurden vom Österreichischen Fernsehen übertragen und in der ganzen Welt zugleich als Lebenszeichen der neuerstandenen 2. Republik verstanden.
die sich einbrannte unauslöschlich, zum Aufsagen mit feststolzer Stimme zu jedweder Nachtzeit, wenn vom Schein der Fackeln in wehenden Fahnen aus dem Schlaf gerissen, zur Proklamation gerufen auf den Balkon …
Zu End ist nun die Frist, der Zins versagt, mit wildem Drohen rüstet sich der Feind. Nun ist es Zeit, des Reiches Ehr zu wahren; ob Ost, ob West, das gelte allen gleich!
Was deutsches Land heisst, stelle Kampfesscharen, dann schmäht wohl niemand mehr das Deutsche Reich!
Hört auch, ihr Streiter vor Gericht! Gewahrt in Treue Kampfes Pflicht!
Du kündest nun dein wahr Gericht, mein Gott und Herr, drum zag ich nicht! Ich geh in Treu vor dein Gericht! Herr Gott, nun verlass mein Ehre nicht!
Sieg! Sieg! Sieg! Heil! dir, Held!
O fänd ich Jubelweisen, deinem Ruhme gleich, dich würdig zu preisen, an höchstem Lobe reich! In dir muss ich vergehen, vor dir schwind ich dahin, soll ich mich selig sehen, nimm alles, was ich bin!
Nun hört, dem Lande will er uns entführen! Gen einen Feind, der uns noch nie bedroht? Solch kühn Beginnen solle ihm nicht gebühren! Wer wehret ihm, wenn er die Fahrt gebot?
Ich! Ha! Wer bist du?
Friedrich! Seh‘ ich recht? Du wagst dich her, zur Beute jedem Knecht?
Gar bald will ich wohl weiter noch mich wagen, vor euren Augen soll es leuchtend tagen! Der euch so kühn die Heerfahrt angesagt, der sei von mir des Gottestrugs beklagt! War hör‘ ich? Rasender! Was hast du vor? Verlorner du, hört dich des Volkes Ohr!
Heil König Heinrich! König Heinrich Heil! KÖNIG (unter der Eiche stehend)
Habt Dank, ihr Lieben von Brabant! Wie fühl ich stolz mein Herz entbrannt, find ich in jedem deutschen Land so kräftig reichen Heerverband! Nun soll des Reiches Feind sich nahn, wir wollen tapfer ihn empfahn: aus seinem öden Ost daher soll er sich nimmer wagen mehr!
Für deutsches Land das deutsche Schwert! So sei des Reiches Kraft bewährt!
Für deutsches Land das deutsche Schwert! So sei des Reiches Kraft bewährt!
Wo weilt nun der, den Gott gesandt zum Ruhm, zur Grösse von Brabant?
O bleib, und zieh uns nicht von dannen! Des Führers harren deine Mannen! O König, hör! Ich darf dich nicht geleiten! Des Grales Ritter, habt ihr ihn erkannt, wollt er in Ungehorsam mit euch streiten, ihm würde alle Manneskraft entwandt! Doch, grosser König, lass mich dir weissagen: dir Reinem ist ein grosser Sieg verliehn! Nach Deutschland sollen noch in fernsten Tagen des Ostens Horden siegreich nimmer ziehn!
Wer gehaßt wird, thut im Grunde dabei nichts. Der Jude ist ihnen nur eben bequem. Die Franzosen haben dafür der Reihe nach zuerst den Preußen und dann den Juden und neuestens den Bankier gebraucht und
es hat sich ihnen nicht um den Preußen und nicht um den Juden und nicht um den Bankier gehandelt: es handelt sich immer nur um den Haß, um die starken Aufregungen, die er gewährt. Wenn es keine Juden gäbe, müßten die Antisemiten sie erfinden. Sie wären sonst um allen Genuß der kräftigen Erregungen gebracht. Das scheint mir die Psychologie des Antisemitismus bei der Masse. Bei den „Führern“ kommt wohl noch etwas dazu. Es giebt kein handlicheres Instrument des Demagogen. Ich plauderte einmal mit Maurice Barrès und er begeisterte sich für Rochefort. Ich mußte über den seltsamen Bund des Schwärmers für Wagner mit dem Hetzer gegen Lohengrin lachen. Aber er verteidigte den Freund: „Glauben Sie mir, er schätzt die Würde und den Wert von Wagner so gut wie Sie oder ich; aber er findet nicht leicht etwas, das ihm besser die Massen in die Hand geben würde – wer die Massen meistern will, darf keine Gelegenheit der Leidenschaft versäumen.“
Die antisemitischen Führer, denen es nicht bloß um das Geschäft zu thun ist, sind Prätendenten um die Gunst des Pöbels, die herrschen wollen. Sie möchten in ihrem kleinen Kreise so eine Art von Nietzsche’schen Übermenschen werden, die durch alle Mittel den Genuß der Macht erwerben. Es kitzelt sie, auf den Instinkten und Begierden der Massen wie auf beweglichen Tasten zu spielen, die ihrem leisesten Drucke gehorchen. Das meine ich über den Antisemitismus und meine deswegen, daß man mit Gründen gegen ihn nichts richten kann. Wer Antisemit ist, ist es aus der Begierde nach dem Taumel und dem Rausche einer Leidenschaft. Er nimmt die Argumente, die ihm gerade die nächsten sind. Wenn man sie ihm widerlegt, wird er sich andere suchen. Wenn er keine findet, wird es ihn auch nicht bekehren. Er mag den Rausch nicht entbehren. Heilen könnte ihn nur ein edlerer Taumel, wenn den Massen wieder ein Ideal, ein sittliches Pathos gegeben würde. Vielleicht ist so der Sozialismus der einzige Arzt des Antisemitismus. Ich will also keineswegs den Antisemitismus „widerlegen“, was tausendmal geschehen und immer vergeblich ist.
Einmal sind es fünf Jugendliche, die in einem Supermarkt „Tod den Juden skandieren“, in der einen Umsonst, die sich auf eine bestimmte Quelle beruft,
In einem koscheren Supermarkt in Wien kam es zu unheimlichen Szenen nachdem fünf Jugendliche dort rein stürmten, berichtet der einstige Chef der jüdischen Hochschüler Bini Guttmann. Demnach seien mitten in Wien fünf Jugendliche heute in einen „koscheren Supermarkt“ gestürmt und hätten „Tod den Juden“ skandiert. Danach seien diese aus dem Supermarkt geflüchtet. „Angegriffen oder verletzt wurde niemand“, berichtet Guttmann. Mittlerweile seien die Jugendlichen „von der Polizei angehalten“ worden, so Guttmann auf X. oe24, 16. Mai 2024
einmal sind es vier Jugendliche, in der zweiten Umsonst,
In der Heinestraße im 2. Wiener Bezirk befindet sich ein Supermarkt, der seine Produkte den strengen koscheren Richtlinien für Angehörige des jüdischen Glaubens anpasst. Das Geschäft steht für Vielfallt, steht auch Nichtjuden offen. Vier Jugendlichen schien dies aber gar nicht gepasst zu haben. Sie stürmten am Mittwoch gegen 13 Uhr das Geschäft, riefen lauthals „Tod den Juden“. Die Wiener Polizei bestätigte den Vorfall gegenüber „Heute“. Die vier Jugendlichen betraten demnach den Supermarkt – einer der Antisemiten, ein 14-jähriger syrischer Staatsangehöriger, soll sich unangemessen gegenüber Juden geäußert haben. Laut Augenzeugen soll er „Tod den Juden“ gerufen haben – ein Zeuge sprach mit „Heute“, zeigte sich schockiert über die unschönen Szenen. Der 14-jährige Syrer wurde wegen des Verdachts der Verhetzung angezeigt. Das Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung wurde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Der Supermarkt wollte sich gegenüber „Heute“ nicht zu dem antisemitischen Vorfall äußern. Heute, 17. Mai 2024
der die „Wiener Polizei bestätigte den Vorfall“ und „laut Augenzeugen soll“ ein Jugendlicher „Tod den Juden gerufen haben und dieser eine 14-Jährige „wurde wegen des Verdachts der Verhetzung angezeigt“.
Was für ein medial dramaturgischer Aufbau: fünf Jugendliche „stürmen“ und „skandieren“ „Tod den Juden“, vier Jugendliche „stürmen“ und „rufen lauthaus“ „Tod den Juden“, und der Höhepunkt am Ende: ein Jugendlicher „soll sich unangemessen gegenüber Juden geäußert haben“ und „soll“ „Tod den Juden“ „gerufen haben“ …
Und auch, was für eine Genauigkeit.
Wenn das Foto in der einen Umsonst tatsächlich die Jugendlichen zeigt, von denen einer das gerufen haben soll, bringt dieses Foto es zum Eigentlichen, warum diese Berichte zu diesem Vorfall zu erwähnen sind; ein Jugendlicher trägt das Shirt „Qatar Airways – Paris Saint Germain“ …
Es muß zu dem, was von Qatar bereits erzählt wurde, nichts mehr hinzugefügt werden …
Oh, Qatar, Land des Fernsehsenders, das alles fällt zu einem Jugendlichen ein, der ein Shirt „Qatar Airways – Paris Saint Germain“ trägt, dem nicht unterstellt wird, Anregungen für seinen Ruf in der Wiener Staatsoper …
Al-Jazeera ist 1996 in der katarischen Hauptstadt Doha lanciert worden, der Sender erreicht ein Millionenpublikum. Seine Berichte beeinflussen das Denken nicht nur in arabischen Staaten, sondern auch in Afrika oder im Westen, wo unter anderem auf Englisch gesendet wird.
Acht Jahre nachdem al-Jazeera in Doha auf Sendung gegangen war, tötete Israel den Hamas-Gründer Scheich Ahmad Yasin mit einem Raketenangriff in Gaza. Yasin gehörte der antisemitischen Muslimbruderschaft an, die einen islamischen Gottesstaat anstrebt. In der Gründungsakte der Hamas liess sich der Scheich von Verschwörungstheorien wie den «Protokollen der Weisen von Zion» leiten, die auch Adolf Hitler inspirierten. Er selber war in Morde an Israeli und Palästinensern verwickelt und rief zu Selbstmordattentaten auf.
In den Nachrufen auf Yasin, die al-Jazeera im März 2004 auf Englisch veröffentlicht, ist nichts vom rabiaten Antisemitismus des Scheichs zu lesen. Stattdessen wird «sein Leben» gewürdigt, mit Sätzen wie: «Er verteidigte nachdrücklich das Recht des palästinensischen Volkes auf Widerstand gegen die Besatzung.»
Der Al-Jazeera-Autor Faisal Bodi erinnert sich an «mein Treffen mit Scheich Yasin». Dieser möge für manche der Inbegriff des Bösen sein. «Aber der Mann, den ich traf, war die Verkörperung eines der ungleichsten Kämpfe unserer Zeit.» Ein Kämpfer wider die Unterdrückung also, der im Gespräch mit al-Jazeera betont habe, die militaristische Gesellschaft Israels sei schuld, wenn die Hamas die Grenze zwischen Zivilisten und Soldaten verwische. Denn damit sei das gesamte israelische Volk als militärischer Feind zu betrachten. Yasin, so schreibt Bodi, habe davon geträumt, dass alle muslimischen Gläubigen auf der Welt erweckt würden, um den Jihad gegen Israel zu führen. Bodis Kommentar: «Sein Tod hat ihn dieser Freude beraubt, aber sein Vermächtnis des unbeugsamen Widerstands wird in den kommenden Jahren Tausende inspirieren.» Er sollte recht behalten.
1996 erhielt Karadawi dort seine eigene Sendung: «Die Scharia und das Leben». Mit seinen Botschaften erreichte der «globale Mufti» Millionen Muslime auf der ganzen Welt. Als Unterstützer der Hamas befürwortete Karadawi den heiligen Krieg gegen Israel, und Juden hatten seiner Meinung nach keine Existenzberechtigung, genauso wenig wie Homosexuelle und Glaubensabfällige. Im Januar 2009 erklärte er auf al-Jazeera: «Während der Geschichte hat Allah das jüdische Volk wegen seiner Verkommenheit gestraft. Die letzte Strafe wurde von Hitler vollzogen. (. . .) So Gott will, wird sie das nächste Mal durch die Hand der Gläubigen erfolgen.» NZZ, 6. November 2023
Oh, Land des Fußballs —
WM 2022: Israelische Reporter antisemitisch angefeindet und bedroht – das steckt dahinter
Denn: „Israelhass und Antisemitismus sind in Katar Staatsdoktrin.“ Das Emirat finanziere die antisemitische Terrororganisation Hamas, für die die Vernichtung des einzigen jüdischen Staates Existenzgrundlage sei. Kaminski führt aus: „Der staatliche TV-Sender Al Jazeera ist eine antisemitische Propagandamaschine. Da liegt es auf der Hand, dass jüdische Israelis dort nicht willkommen sind.“
„Viele der mit der Kamera dokumentierten Fälle der Existenzleugnung Israels, der verbalen Entmenschlichung von Israelis und anderer Boshaftigkeiten gegenüber den israelischen Journalisten gehen nicht von Kataris, sondern ausländischen Besuchern aus.“
„Vielleicht wähnen sie sich im israelfeindlichen, antisemitischen Katar so sicher, dass sie ihrem Hass freien Lauf lassen können. Wahrscheinlicher ist, dass sie sich als WM-Gäste genauso verhalten, wie sonst auch. Denn Hass auf Israel und auf Jüdinnen und Juden ist zwar nicht überall Staatsdoktrin, aber doch weltweit normal.“ Watson, 3. Dezember 2022
Wenn man sich anschaut, ja, Menschen die Schweinefleisch in Österreich essen, neigen halt weniger dazu, sich in die Luft zu sprengen, als andere Menschen, ja, das muß man halt auch festhalten, ja, wenn ich mir eine Amokfahrt, ah, in Graz anschaue, ja, wenn ich mir, wenn ich mir, einen verheerenden Terroranschlag in Wien anschaue, ja, dann waren das halt nicht die Christlichen oder Katholiken, jo
Das sagte Stabsunteroffizier der Militärpolizei in Lend,
Und sind sie aus dieser recht besonderen Bildungsanstalt in ihre Berufe, von denen der eine oder die andere auch in dieser Anstalt einen Arbeitsplatz findet, in die Parteipolitik entlassen, hören sie nicht auf, schlagen sie einen weiteren Bildungsweg ein, den ihnen recht besondere Medien selbstlos, wie es für eine Kameraderie geziemt, bieten, und das recht umfänglich, nichts wird ausgelassen, sie weiter zu bilden, nichts ist zu gering, sie zu lehren, ob Geschichte, ob Küche, ob die Verzehrlehre des Schweinefleisches …
Und eines weiß ein Stabsunteroffizier recht, mit der recht besonderen Bildung kann nicht früh genug begonnen werden, so ist es ihm gewiß recht eine Ehre, diese Bildung, die er selbst von frühester Jugend an erfahren, weiterzugeben, den Menschen auf ihrem ersten Bildungsweg, wie jetzt in Lend — wohl
auch in wehrhafter Bewahrung des Erbes eines Hans Kloepfer,
dem seine soldatische Referenz zu erweisen, auch ein Stabsunteroffizier sich nicht verwehren kann, diesem Arzt der Lyrik, der auch um die Erziehung schon wußte, was den Kindern zu lehren ist, daß auf musische Art ihre Herzen leichter zu erreichen sind, und wenn sie zur großen Armee abberufen,
Wenn Sie das lesen, ob schnell oder ebenso langsam, gar ganz langsam, Wort für Wort sogar, Sie würden selbst auch nur zu einem Schluß kommen, zu demselben Schluß nämlich, der gezogen wurde, als das am 7. Mai 2024 zum Lesen vorgesetzt bekommen wurde, und käme es mit Ihnen zu einem Treffen, es müßten die Schlüsse einander nicht erzählt werden, zu offensichtlich ist der Schluß, der einzig daraus nur gezogen werden kann, ein Lächeln reichte, um einander zu versichern, zu demselben Schluß –
Und wenn Sie im Anschluß daran lesen, was Omri Boehm am 7. Mai 2024 auf dem Judenplatz sprach, und es käme mit Ihnen zu einem nochmaligen Treffen, es müßten die Schlüsse einander nicht erzählt werden, zu offensichtlich ist der Schluß, der einzig daraus gezogen werden kann –
Unmittelbar davor schreibt Jan Philipp Reemtsma, und Sie lesen weiter:
In welcher Form und in welchen notwendigen Grenzen man auch immer das Auftreten staatlicher Autorität bei der Bekämpfung des Antisemitismus für richtig hält, am Anfang sollte stehen, dass staatliche Repräsentanten in den Kundgebungen ihres guten Willens sich nicht selbst lächerlich machen. Die Phrase, Antisemitismus habe in Deutschland „keinen Platz“, ist von abgründiger Dummheit. Auch wenn sie die Umformung eines Satzes mit „sollen“ oder „dürfen“ in eine verstärkende Aussage mit „sein“ oder „haben“ sein soll (Prototyp ist die Verwandlung von „soll nicht sein“ in „kann nicht sein“), dokumentiert diese Verstärkung bloß die Transformation empfundener Hilflosigkeit in kindischem Trotz. Eine Art Mit-dem-Füßchen-Aufstampfen. Denn es geht ja darum, dass manifeste antisemitische Agitation sich ihren Platz geschaffen hat. Gleichfalls ist der Satz „Nie wieder!“ dann eine Manifestation von Geistlosigkeit, wenn er in dem Augenblick gesagt wird, in dem es gerade wieder oder erneut geschieht.
Als Lessing in seinem Stück Die Juden dessen Hauptfigur und Sympathieträger am Ende als Juden offenbart, trägt ihm das die Kritik ein, ein Jude könne kein so symphatischer Mensch sein, müsse er doch wegen der Behandlung, die Juden christlicherseits erlitten, voller Ressentiment sein. Der deutsche Historiker Heinrich von Treitschke, der den Satz „Die Juden sind unser Unglück“ geprägt hat, warnte 1879 vor der jüdischen Einwanderung aus Polen mit dem Argument: „Wir Deutschen haben mit jenem polnischen Judenstamme zu thun, dem die Narben vielhundertjähriger christlicher Tyrannei sehr tief eingeprägt sind“ und der darum dem „germanischen Wesen“ fremd gegenüber stehe. Als Theodor Herzl die Unterstützung von Papst Pius X. für seine Idee eines Judenstaates in Palästina suchte, beschied ihm dieser, die Juden hätten Jesus nicht als Gottes Sohn anerkannt, er könne die Juden nicht als ein Volk anerkennen. Das alles heißt so viel wie: Die Juden werden uns Antisemiten wahrscheinlich hassen, weshalb wir etwas gegen sie unternehmen müssen.
Der Antisemitismus gewährt durch die Jahrhunderte eine klassische Lizenz zu Brutalität und Vulgarität. Das geht von Darstellungen wie auf dem Relief der Wittenberger Stadtkirche, wo Juden von einem Schwein gesäugt werden, dem ein Rabbiner in den After schaut, bis zu der Bereitschaft von Menschen, die sich durch wachsame Empfindlichkeit für Gender-Diskriminierung auszeichnen möchten, eine Organisation, die offen Vergewaltigungen und Schändungen nackter Frauenkörper als Teil ihrer Mordexzesse demonstriert, als Freiheitskämpfer legitimieren.
Sie winken ab, Sie wollen nicht abbrechen, sondern selbst weiter vorlesen, aus dem Nachwort von Jan Philipp Reemtsma.
Und während Sie von der „antisemitischen Welle“, die vor fünfundsechzig Jahren begann, lesen, werden Sie vielleicht an die gegenwärtige Welle denken und Ihren Schluß daraus ziehen, der weder für die Vergangenheit noch für die Gegenwart ein positiver sein wird.
Der Antisemitismus im Nach-1945-Deutschland bekam Ende des Jahres 1959 eine alarmierende Gegenwärtigkeit. In Köln wurden am 24. 12. eine Synagoge und ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus mit antisemitischen Parolen beschmiert. Danach „verging über Wochen hinweg kein Tag, an dem nicht zwischen Flensburg und Oberstdorf Hakenkreuzschmiereien entdeckt und Parolen wie „Deutschland erwache!“, „Es lebe Hitler-Deutschland“ und „Das Hitler-Reich kommt bald wieder, Nieder mit den Juden!, Juden raus!“ und „Ab in die Gaskammern!“ zu lesen gewesen wären“. Die Reaktion des damaligen Innenministers Gerhard Schröder (CDU) entsprach etwa der Idee, die der Pädagogen-Konferenz von 1962 zu Grunde lag: „Wir haben [uns] zu fragen, was wir alle noch mehr als bisher tun können, um einige dunkle Vorurteile auszurotten, die immer noch in einigen alten Köpfen spuken und von dort her in einige jüngere Köpfe gepflanzt werden. Das ist es, was uns noch gründlich beschäftigen wird.“ In einer späteren Stellungnahme spricht Bundeskanzler Konrad Adenauer allerdings abwiegelnd von „Flegeleien ohne politische Grundlage“.
Abwiegeln, werden Sie vielleicht denken, das ist es, was nun in Jahrzehnten die gründliche Beschäftigung zwischen den Wellen und in jedweder Welle der Aufruf, noch mehr als bisher … In der Welle vor fünfundsechzig Jahren also die Parole von dem Österreicher Reichund in der nunmehrigen Welle hinzu die Parole vom Reich des Nachfolgers …
Das führt zu der Frage, wie antisemitische Einstellungen mit anderen verbunden und überhaupt charakteristisch für eine bestimmte Mentalität sind. Adorno greift dabei einmal auf die Studien zum autoritären Charakter zurück, die das Institut für Sozialforschung im US-amerikanischen Exil begonnen und nach seiner Rückkehr in der Bundesrepublik Deutschland fortgefürht hatte. Aus dieser Studie stammt die Analyse von antisemitischen und anderen Haltungen als Teil eines „Tickets“ oder, wie Adorno auch sagt, „Planke in einer Bühne“. Ressentiments sind selten isoliert von anderen Ressentiments. Wer die eine Minderheit abwertet, wird auch eine andere nicht gelten lassen, wer Frauen für minderwertig hält, wird Homosexuelle verabscheuen, der Ku-Klux-Klan verfolgt Afroamerikaner und Juden. Eine frappierende Bestätigung dieser Beschreibung aus den 1940er Jahren lieferte der US-amerikanische Soziologe Mark Juergensmeyer in seinen Studien zum internationalen Terrorismus [„Terror in the Mind of god, Oakland 2017.]: Wo immer sich radikale, gewaltbereite Gruppen fanden – in den USA, in Europa, in arabischen Ländern, in Israel, in Japan –, hassten sie dieselben Gruppen: Homosexuelle, Frauen, Schwarze, Juden, Amerikaner [„Die israelischen Terrorbereiten hassten Tel Aviv, die US-amerikanischen Washington“].“
Sie bemerken vielleicht, es will doch auch gehört werden, was Theodor W. Adorno selbst vortrug, und Sie lesen vor:
Sie dürfen nicht annehmen, der Antisemitismus sei ein isoliertes und spezifisches Phänomen. Sondern er ist, wie Horkheimer und ich das seinerzeit in der „Dialektik der Aufklärung“ ausgedrückt haben, der Teil eines „Tickets“, eine Planke in einer Plattform. Überall dort, wo man eine bestimmte Art des militanten und exzessiven Nationalismus predigt, wird der Antisemitismus gleichsam automatisch mitgeliefert. Er hat sich in solchen Bewegungen bewährt als Mittel, das die sonst divergierenden Kräfte eines jeden Rechtsradikalismus auf die gemeinsame Formel zu bringen geeignet ist. Dazu kommt, daß das Potential durchaus überlebt hat. Sie brauchen sich dazu nur die rechtsradikale Presse in Deutschland anzusehen, von der es eine erkleckliche Anzahl von Repräsentanten gibt[.]
Man sollte nicht vor anti-intellektuellen Argumenten zurückweichen, ihnen irgend etwas vorgeben, sondern in ihrem Angesicht zu militanter Aufklärung sich stellen, das heißt, sagen, daß in einer Gesamtverfassung der Menschheit und auch der deutschen Nation, in der das Bewußtsein der Menschen nicht länger mehr gefessselt und durch alle möglichen Beeinflußungsmechanismen verstümmelt wird, intellektuell zu sein nicht länger ein beneidetes und darum diffamiertes Privileg wäre, sondern daß im Grunde alle Menschen das sein können und eigentlich das sein sollten, was man im allgemeinen den Intellektuellen vorbehält.“
„Auch der sogenannten positiven Stereotypenbildung wäre entgegenzuwirken, hinter der die negativen Stereotype dicht lauert. Sagt einer: „Die Juden sind alle so gescheit“, dann ist er, auch wenn er es lobend sagt, schon nahe bei „nun ja, und deshalb wollen sie uns betrügen“. Auch die Formen „Die Juden sind ein so merkwürdiges, besonderes, tiefes Volk“ ist nicht über den Weg zu trauen. Mein Freund Nevitt Sanford hat auf das antisemitische Stereotyp „Some of my best friends are Jews“ lustig geantwortet: „Some of my worst enemies are Jews“. Durch Emanhzipation von der Stereotypenbildung für die Gruppe als Ganzes wird wahrscheinlich dem Vorurteil wirksamer entgegengearbeitet, als wenn man ein negatives Vorurteil mechanisch durch ein positives ersetzt. Gerade die Kollektivurteile als solche, wie sie in Deutschland verhängnisvoll, und zwar gegen alle möglichen Gruppen verbreitet sind, sind abzubauen; keinesfalls ist ein falsches Kollektivurteil durch ein ebenso falsches anderes zu berichtigen.
Sie stehen vor dem Haus mit dem Relief mit dessen Adresse „Jordangasse 2“, Sie stehen also auf dem Judenplatz und schauen auf das Haus mit dem Relief und lesen aus „Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute“ vor, eine Stelle noch, im Nachklang zur Rede von Omri Boehm auf dem Judenplatz und den Aussagen von …
In Österreich war das ganz besonders markant: wer dort weder christlich-sozial noch Sozialdemokrat war, tendierte fast automatisch zum Deutschvölkischen und damit zum Antisemitismus. Von dieser Mentalität würde ich annehmen, daß sie auch heute weiterexistiert.
Und der christlichsoziale Schreiber aus Österreich bringt Sie zum Nachwort zurück, zu der Stelle, an der Jan Philipp Reemtsma Hermann Bahr und Jean Paul Sartre zitiert:
„Der Antisemitismus will nur sich selber.“ So der Schriftsteller Hermann Bahr 1894 in einem Interview. Und er fährt fort, als hätte Sartre ihn zitiert: „Wenn es keine Juden gäbe, müßten die Antisemiten sie erfinden.“
Abgesehen davon haben die Menschen verlernt, billig und gesund zu kochen, statt sich nur mit Fertigpizza und Energy Drinks bzw. mithilfe von Lieferando zu versorgen. „Keine Zeit“ ist da oft eine Ausrede. Wer stundenlang streamt oder im Internet surft, kann daheim Nudeln oder Kartoffeln mit Butter fabrizieren. Einige Supermärkte vergeben zu Billigstpreisen Obst und Gemüse, das nicht mehr hübsch genug ist. Klingt zynisch? Keineswegs. Jeden Tag Fleisch/Wurst zu essen, macht Gesundheitsprobleme. Ein Drittel aller Volksschulkinder ist bereits übergewichtig. „Essensarmut“ ist daher mehr politischer Kampfbegriff, denn Realität. Auch für das Wohnen ist in anderen Ländern ein viel höherer Einkommensanteil aufzubringen. 60 Prozent der Wiener wohnen im geförderten Wohnbau, und bei Bedarf wird Wohnbeihilfe ausbezahlt. Ja, es gibt Armut in Österreich. Das beste Rezept dagegen ist Erwerbsarbeit.
Seine Rezepte als Leitrezepte für die Gegenwart, salomonisch verfeinert, Kraut, Kartoffeln, Obst, Gemüse und Erwerbsarbeit, und wenn die Erwerbsarbeit die Butter nicht löhnt, sind Gerichte mit Kartoffeln, Obst und Gemüse hübsch genug …
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