Arno Breker, der gewaltigste Auftragnehmer aller Zeiten, erzählt Ernst Fuchs von seinem „Krach“ mit …

Arno Breker: Ich hatte ja so gewaltige Aufträge, wie nie ein Künstler aller Zeiten jemals gehabt hatte.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und ich hab zuerst mal mit ihm Krach bekommen. Nach der Olympiade war ich für die Goldmedaille vorgeschlagen und

Ernst Fuchs: 1936?

Arno Breker: 1936.

Ernst Fuchs: Ja. Jaja.

Arno Breker: Breker, der kriegt die Silbermedaille, die Italiener, unsere Freunde, die haben nichts gemacht, und die können wir nicht mit nackten Händen nach Hause schicken. Und der italienische Bildhauer bekommt die Goldmedaille, nicht.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und dann hat er sämtliche Preisträger ein halbes Jahr später eingeladen.

Ernst Fuchs: Warst Du zu diesem Zeitpunkt schon in Deutschland tätig oder noch in Frankreich?

Arno Breker: In Deutschland tätig.

Ernst Fuchs: Und in welchem Jahr bist Du aus Frankreich weggegangen?

Arno Breker: 33.

Ernst Fuchs: 33

Arno Breker kehrt heim, 1933, oder, wie Ernst Fuchs es einmal in diesem Gespräch mit ihm ausdrückt, er sei ins Reich heimgeholt wie die Ostmark … Das erinnert an einen weiteren Bildhauer, aus Österreich, der, als ihm sein kranker Herr gestorben war, 1938 heimkehrte zu seinem nächsten kranken Herrn, und über den eine österreichische Tageszeitung vor einem Jahr, im Februar 2022, berichtete, unter der Schlagzeile: „Staatsaffäre um rot-weiß-rote …“

Ernst Fuchs erfährt von Arno Breker, daß er Picasso nicht besuchte, weil er „wußte, daß er ein Menschenquäler war“

Arno Breker: Picasso hat ja gemacht, was er wollte, und er hat gesprochen, was er wollte. Und da sagte jemand zu ihm, wenn sie so weitermachen, dann sind sie bald geliefert.

Ich habe ihn nicht besucht, weil ich wußte durch Cocteau, daß er ein Menschenquäler war, und ich wollte mich seinen Launen nicht aussetzen. Aber ihm ist nichts passiert. Dafür habe ich meine Hand ins Feuer gelegt.

Ernst Fuchs: Ja.

Von Ernst Fuchs erfährt Arno Breker, daß er „eine scapegoat“, darauf der „Sündenbock“: „Man könnte ja annehmen, daß eine Bewegung sich meldet, die auch unsere Sache reinigt von der Vergangenheit.“

Ernst Fuchs: Du hast unglaublich viel gearbeitet, Dein Leben lang, ungeheuerlich viel gemacht.

Arno Breker: Jaja.

Ernst Fuchs: Wenn man das durchblättert …

Arno Breker: Stell Dir das mal vor, ich habe neunzig Prozent meiner Arbeiten eingebüßt. Neunzig Prozent! Was das bedeutet! Nicht.

Als die Amerikaner Deutschland besetzten, als sie gewonnen hatten, da kam zu mir der Chef der Armee, der sprach fließend deutsch und war ein großer Verehrer meiner Arbeit …

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: … und sah, unter welchen Umständen ich da hauste, schon rausgeschmisssen aus allen Sachen, nicht.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Er sagte, ist ja unmöglich, wie sie leben, steigen sie in mein Auto, ich bin der König von Bayern, wir suchen jetzt für sie eine Wohnung, nicht. Da hat er einen ganzen Tag geopfert, da sind wir rund um München gefahren und haben die Schlösser aufgesucht.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und er wollte mich in die großen Schlösser unterbringen, nicht. Und ich wußte ja, wenn er weg ist, bin ich der erste, der rausfliegt, nicht. Denn ich flug ja aus der bescheidensten Wohnung heraus, als die Besatzungstruppe kam, nicht.

Ernst Fuchs: Es ist ja wirklich unerklärlich, nicht. Was ich vorher meinte, auf der einen Seite spielte man Brecht und vieles andere ging einfach weiter und auf Dich hat sich alles konzentriert. Ja, ich glaube, daß Du das, was man in Englisch eine scapegoat nennt, wurdest. Der Sündenbock.

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Aber ich meine, es ist und bleibt unerklärlich, warum gerade Du? Das ist mir …

Arno Breker: Die Deutsche Bank hat ja auch mitgearbeitet.

Ernst Fuchs: Aber alle, das ist, das unerfindlich letzten Endes.

Arno Breker: Wie gesagt, man könnte ja annehmen, wo jetzt Deutschland wieder zusammengewachsen ist, daß eine Bewegung sich meldet, die auch unsere Sache reinigt von der Vergangenheit, nicht. Aber mitnichten, es geschieht nichts …

Ernst Fuchs: Nein, weiß Du, dazu müßte jemand darüber stehen können, mit großem Überblick, so wie Dalí, der doch, ich meine, ich habe doch mit Dalí, eh, ich, sagen wir, das Treffen damals.

Ernst Fuchs erzählt Arno Breker von der „kleinen Familie“, zu der er gehört

Arno Breker: Wir haben im falschen Zeitalter gelebt. Ich hätte unter Alexander arbeiten …

Ernst Fuchs: Ja.

Ja und nein. Schau, wenn Du bedenkst, wie viele Jahrhunderte liegen zwischen einem Polyklet, Phidias und einem Michelangelo …

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: … einem Donatello, nicht wahr, da ist ein Jahrtausend dazwischen, und dann sind es wieder mal dreihundert Jahre bis zu einem Canova ….

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: … und dann wieder hundert und mehr noch Jahre bis zu Dir, bis zu Deiner Blüte, nicht, wenn man das sieht, jenseits der Geschichtlichkeit, die wir immer nur linear verfolgen können, wenn wir sie betrachten, dann ist das eine kleine Familie, die über die Zeiten hinaus einfach hervorragt, und die für sich selbst eigentlich eine zeitlose Geschichte darstellt.

Arno Breker: Und die doch so viel hinterläßt, daß die Zeit erfüllt ist.

Ernst Fuchs: Ja.

Für jene, die die Kunst lieben, hast Du recht. Für all jene, die die Kunst immer nur politisch interpretieren können, weil sie sie als Kunst …

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: … nicht erleben, für die ist das alles ohne jeden Wert, wenn das Politikum nicht ablesbar ist, nicht, im journalistischsten Sinn.

Arno Breker: Eine Groteske, daß ein Mann wie ich ohne einen Pfenning Beistand jetzt fünfzig Jahre gelebt hat, nicht.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker erfährt von Ernst Fuchs: „Jahrzehntelang war das Andenken an so großartige Bildhauer … Du zum Beispiel, nicht wahr, völlig verschüttet, weil verdrängt …“

Ernst Fuchs: Aber das Trocadéro ist ja auch ein typisches Beispiel dafür, daß das, was man den Nazi-Stil nennt, überhaupt nicht auf Deutschland beschränkt war, sondern ebenso in Frankreich, in Spanien, in Italien.

Arno Breker: Ich war in der Jury der Weltausstellung damals. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Ernst Fuchs: Sag, hat damals Bourdelle noch gelebt?

Arno Breker: Jaja, natürlich.

Ernst Fuchs: Jaja. Ich glaube auch, daß Deine frühe Plastik, was das Heroische darin anbelangt,

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: zu Bourdelle eine gewisse Beziehung hat, und zu Meštrović.

Arno Breker: Ich habe ihn mit beerdigt, als er starb

Ernst Fuchs: Ja, jaja.

Arno Breker: in den zwanziger Jahren.

Ernst Fuchs: Und hast du Meštrović gekannt?

Arno Breker: Nein.

Ernst Fuchs: Ivan Meštrović.

Arno Breker: Die Frau von Bourdelle war Griechin, wie meine Frau.

Ernst Fuchs: Aha.

Arno Breker: Du kannst Dir ja vorstellen, wie ich zum ersten Mal das Atelier da besuche, mit meiner Frau, da war sie die Witwe,

Ernst Fuchs: Aha.

Arno Breker: die haben sich ja sofort in die Arme gefallen. Nicht? Waren Freunde bis zum letzten Atemzug.

Ernst Fuchs: Mhm.

Ernst Fuchs: Auch Bourdelle. Ich habe unlängst erst gehört, daß diese ganze Periode jetzt erst entdeckt wird, jetzt.

Arno Breker: Jetzt, ja, sie ist jetzt aufgestellt … wie zuvor.

Ernst Fuchs: Ja, man kann sagen, jahrzehntelang war das Andenken an so großartige Bildhauer wie Szukalski, der Pole, großartiger Mann, nicht wahr, oder Bourdelle, Du zum Beispiel, nicht wahr, völlig verschüttet, weil verdrängt und man wollte sich allgemein mit dem Phänomen dieser Kunst nicht befassen.

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Es liegt im Zeitgeist, und ich hoffe, daß das nun sich ändert und daß man einfach nur von der Kunstbetrachtung ausgeht, all das, was da geschaffen wurde, ganz vorbehaltlos betrachtet.

Arno Breker: Das tun sie noch nicht bei mir.

Ernst Fuchs: Na. Aber ganz besonders nicht bei Dir.

Arno Breker: Weil ich den falschen Auftraggeber hatte.

Ernst Fuchs: Aber den hatten doch so viele.

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Warum gerade Du?

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Verhältnismäßig … unbeteiligt an all dem, als …

Arno Breker: … geistig absolut selbständig …

Ernst Fuchs: Während Speer doch, kann man wirklich sagen, absolut involviert war, organisatorisch und in jeder Hinsicht.

Arno Breker: Nachdem ich Hitler Paris gezeigt hatte, da, abends, wir sind draußen, herrliches Wetter … da kommt Hitler aus dem Bunker und sieht mich, winkt mir zu und ich soll zu ihm kommen. Und wir gehen stumm, bis uns der Wald verschluckt hatte. Da blieb er stehen, nahm mit seinen beiden Händen meine rechte Hand und sagte: „Breker, ich muß mich in aller Form bei Ihnen entschuldigen, weil ich Sie falsch gesehen habe.“ Nicht? Er hatte mich falsch gesehen, weil er mich zu spät eingesetzt hatte. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Nachdem, äh, Fauxpas, wo ich ihm sagte, äh, äh, als, wegen der Olympiade. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja. Daß du ein Antikisierender wärst, ja.

Arno Breker: Der hat mich scharf angesehen, hat sich auf dem Absatz umgedreht, da war ich aus. Da habe ich zwei Jahre, war ich im Untergrund, kein Mensch wollte was von mir wissen, wie abgeschnitten war alles. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und jetzt baut er die Reichskanzlei. Er hat ja auch seine Bildhauer und gibt denen die Aufträge, die Modelle zu machen. Und die lehnt er alle ab, ohne Ausnahme. Da sagt Speer, jetzt weiß er nicht, wie das weitergehen soll. Die Zeit drängt. Da sagt er zu ihm: „Versuchen Sie es mal mit Breker.“ Speer war genauso gegen mich eingestellt. Speer. Nicht? Später. Und er rief mich denn an, sehr unhöflich, äußerst unhöflich, empfing mich äußerst unhöflich, es war nur zwei, drei Minuten. Ich kam in den Raum hinein, wo die Modelle für die Reichshauptstadt stehen, phantastische Gipsmodelle und in der Steinfarbe bereits getönt. Also ein Wunder an Können.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und da war so der Ehrenhof, wurde mir gezeigt, der Haupteingang zur Reichskanzlei, neben der Treppe zwei Blöcke, die auf eine Figur warteten. Und wie ich davor stand, hatte ich sofort meine Idee. Nicht? Da kommt nur etwas in Frage, was eine Beziehung zum Reich hat. Also, ein Mann, der das Reich schützt, ein Mann mit dem Schwert und ein Mann mit der Fackel, also ein Mann des Geistes, der die Partei symbolisiert. Nicht? Ich sagte dem Speer nichts. Nach zwei Minuten war ich draußen, und er fragte nur, wann sehe ich sie wieder, sagte ich, in vierzehn Tagen. In vierzehn Tagen komme ich hin mit meinen zwei Figuren. stell sie auf den Sockel, heil Hitler, raus, ich war kam zu Hause wieder Telefon, wieder Speer, sagt, sie müssen noch einmal zurückkommen. Da war inzwischen Hitler da gewesen und war hell begeistert, und wie er den Mann mit dem Schwert sieht, sagt er, das ist die Wehrmacht. Nicht? Der Mann mit der Fackel, das ist die Partei. Und dann gab er dem Speer den Auftrag, was ich alles zu machen hatte. Der … Platz, der schon vergeben war, wurde dem Bildhauer entzogen.

Ernst Fuchs: Wer war das? Erinnerst Du Dich noch?

Arno Breker: Ich weiß es nicht mehr. Aber stell Dir mal vor, nur ein Beispiel.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: … Das war dieselbe Situation wie in Paris in Berlin, eine ansteigende …Während ich in die Erde ging … Habe ich das Symbol „Die ewige Wiederkehr“ darstellen wollen … Der Apoll ist acht Meter hoch, die Pferde sechs Meter und … sah toll aus.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Das war alles fertig.

Ernst Fuchs: Wie Du sagst, das sind siebzig Prozent Deines Werkes und es ist alles weg.

Arno Breker: Alles weg. Habe nicht einmal mehr Fotos davon.

Ernst Fuchs: Was ist das für ein Schicksal, da hineingeboren zu sein,

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: mit all dem Können, mit all den Möglichkeiten.

Arno Breker: Ja. Ich habe mich kaputtgearbeitet.

Ernst Fuchs: Ja. Und dann ist.

Arno Breker: Kurz darauf der Zusammenbruch …

Ernst Fuchs: Ja. Der Künstler ist doch wie ein Sisyphus.

Arno Breker: Als der Russe, der Stalin, war hell begeistert. Und, ich war ja in der amerikanischen Besatzungszone, als Stalin mich haben wollte …

Ernst Fuchs: Schreckliche Zeiten waren das, ich kann mir das gut vorstellen. Kurz nach dem Krieg, nichts zu fressen,

Arno Breker: und kein Geld …

Ernst Fuchs erfährt: „Da wußte ja niemand, wer das gemacht hatte.“

Ernst Fuchs: Hattest Du um diese Zeit, Du warst doch ein sehr junger Mann, einen politischen Weitblick, sozusagen für Dich selbst, vorherzusehen, was aus diesem Wahnsinn werden könnte? Hattest Du eine Idee, eine Ahnung, daß daraus nix wird.

Arno Breker: Also da war ich positiver wie Du denkst, weil ich wußte, daß er keine krummen Sachen machen würde, nicht wahr, mit Ausnahme der Juden-Geschichte. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und darüber habe ich mit ihm nicht gesprochen, ich habe das mal angedeutet, er hat nicht darauf reagiert, er hat auch niemals etwas gesagt. Verstehst jetzt, in seiner Umgebung. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Beispielsweise bei der Kristallnacht.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Da war ich bei ihm. Nicht? Da wußte ja niemand, wer das gemacht hatte.

Ernst Fuchs: Nein, das gibt’s doch nicht.

Arno Breker: Er ist nämlich in der Nacht ist er mit dem Zug, im Zug gewesen von München nach Berlin.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Er und Goebbels.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Nicht. Und beide wurden überrascht. Und als das passierte, kam meine Frau weinend in das Atelier […]

Arno Breker „war“ — „bei der Kristallnacht“ — „bei ihm“, also bei Hitler, der, also Hitler, mit Goebbels „im Zug von München nach Berlin und beide wurden überrascht, da wußte ja niemand, wer das gemacht hatte“ „und als das passierte, kam meine Frau“, also Frau Breker, „weinend in das Atelier“ …

Ernst Fuchs erfährt von der „großen Geste des Führers“

Es ist nicht bekannt, daß Ernst Fuchs, „Maler und Genie“, diese „große Geste des Führers“ in einem Gemälde verewigte, bekannt aber ist, daß er, Ernst Fuchs, „Maler und Genie“, Arno Breker zeichnete, während sie miteinander sprechen, Ernst Fuchs, „Maler und Genie“, Arno Breker interviewt wurde.

In diesem Kapitel hätte erzählt werden sollen von Gerhard Schumann und Ernst Dombrowski, die nicht nur weinseliger Umgang miteinander verband, nicht nur, daß beide Preisträger von recht bedeutenden Auszeichnungen geehrt, Ernst Dombrowski mit dem „Dichtersteinschild“ 1976, Gerhard Schumann mit der Ulrich-von-Hutten-Medaille 1981, die 1980 auch Arno Breker erhielt, und damit gehören Schumann und Breker zu dem recht exklusiven Medaillenbund, dem auch Ilse Dvorak-Stocker angehört, die die Ulrich-von-Hutten-Medaille 2002 erhielt, aber, das wird nicht nur in Österreich verstanden werden, sondern in der ganzen Welt, daß ein „Maler und Genie“ Vorrang hat vor einem SS-Obersturmführer wie Gerhard Schumann, der dazu Dichter und kein Genie war.

So sind die nächsten Kapitel Ernst Fuchs, dem „Maler und Genie“ gewidmet, der aus dem Munde von Arno Breker die Wahrheit erfährt, wie es war, als er, Bildhauer und Genie, mit ihm, dem „Führer“, wie er ihn nennt, in Paris war, und Ernst Fuchs, Maler und Genie, darüber nur mitfühlend verwundert sein kann, im November 1990, daß diese „große Geste des Führers“ „keine Erwähnung bei den Historikern“ —

Es muß den anschaulichen Schilderungen des Arno Breker, die Ernst Fuchs wohl ebenso anschaulich gleich zeichnerisch festhielt, keine Erklärung hinzugefügt werden, außer, vielleicht, wie sein „Führer“ alles zu „steigern“ vermochte, sogar die Zeit verändern konnte, Monate vergingen, wie Breker erzählt, in „vierzehn Tagen“, auch den Kalender zu Blitztempo steigern vermochte; es war Juni, als er den Befehl gab, und schon, noch im Juni, war der 14. Dezember da, als der Sohn zum Vater

Ernst Fuchs: Und Deine Gespräche mit dem Führer, wie Du ihn heute noch nennst, ist interessant, wie waren die, waren die steif, waren die formell oder waren die ganz locker?

Arno Breker: Ganz locker. Ich war der einzige Mensch, der ein Gespräch unter vier Augen hatte mit ihm.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Das war eine riesige Auszeichnung. Das war, nachdem ich ihm Paris gezeigt hatte.

Ernst Fuchs: Mhm.

Arno Breker: Als der Waffenstillstand mitternachts um 12 durch Hornsignale bekanntgemacht wurde, ich war im Hauptquartier, wußte auch nicht warum, und da stand Keitel auf und hielt eine Rede auf Hitler, auf den Führer, der den Krieg gegen Frankreich gewonnen hatte. Und Hitler hörte sich das an, am Schluß sagte er: „Mein Führer, ich möchte Sie bitten, daß das Hauptquartier die Reise nach Paris morgen mit ihren drei Künstlern antritt. Er wollte Paris sehen nur als Privatmann, als Bewunderer der französischen Kultur, als Bewunderer der Architektur, und die Dinge, die er vorhatte, noch steigern zu können. Nicht? Denn er war mit vielen gar nicht zufrieden. Ich saß in seinem Wagen hinter ihm und erklärte ihm Paris, erklärte ihm die Bauten usw. Und er sprach nicht ein einziges Wort mit den Leuten des Hauptquartiers, nur mit mir und hie und da mit Speer. Wir sind im Dôme des Invalides. Ich stehe neben ihm, er hat die Mütze in der Hand und schaut auf Napoleon. Und da spricht er vor sich hin: Daß der Sohn an der Seite seines Vaters ruhen müßte.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und wurde Bormann zitiert. Er gab dem Bormann den Befehl, das sofort in die Wege zu leiten. Und dann habe ich in Paris vierzehn Tage später erlebt, wie nachts um 12.00 Uhr die Leiche ankommt, da wird ein Fackelzug gemacht vom Gare de l’est bis zum Dôme des Invalides. Nicht? Und die Tat, daß nun der Sohn neben seinem Vater, hattte nicht die geringste Bedeutung für das französische Volk gehabt.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Oder die geringste Aufmerksamkeit. Also, das war doch eine große Geste. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja, das ist, dazwischen waren mehrere entscheidende Einschnitte in das politische Leben Frankreichs.

Arno Breker: Ja, ja, ja.

Ernst Fuchs: Und, ich glaube, bis heute gibt es keine Erwähnung dieses Umstands bei den Historikern.

Arno Breker: Ja. Er hat mir gesagt, ich hätte ja an der Spitze der siegreichen Truppe die Champs Élysées heruntermarschieren können. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Aber ich habe es nicht gemacht, weil ich die Seele des französischen Volkes nicht, nicht bedrücken wollte.

Ernst Fuchs: Ja.

„Der Kanzler arbeitet für Österreich – Du bist blockiert.“

Kinder haben, trotz der Digitalisierungen, nach wie vor eine Freude am gerätelosen Spiel:

„Ich mach‘ meine Augen zu, Du siehst mich nicht.“

Kinder können

„Ich mach‘ meine Augen zu. Ätsch bätsch, Jetzt siehst Du mich nicht!“

ganze Nachmittage spielen, und das überall, auf den Spielplätzen, in den Wäldern, auf den Rücksitzen im Auto …

Du bist blockiert
Du kannst @karlnehammer nicht folgen und die Tweets dieses Nutzers nicht sehen.

Es ist ein Spiel, das auf den digitalen Spielplätzen, in den digitalen Wäldern ebenfalls großer Beliebtheit sich erfreut, mit ebenso großer Leidenschaft gespielt wird, in dem „Autoland“ ganz natürlich im Auto zuallererst, aber, es hat sich weiter entwickelt, das menschgemäß verständlich ist, kommt nun doch hinzu die Technik, so etwas Erwachsenes

„Ich blockier‘ Dich. Ätsch bätsch …“

Einfallsreich, wie sonst nur das Kind sein kann, gibt es Varianten von diesem digitalen Spiel:

„Ich blockier‘ Dich. Ich blockier‘ Dich nicht. Mußt erst sagen: …“

Darauf darf aber beispielsweise nicht „fpoe_nein_weil“ gesagt, sondern muß gerufen werden:

„FPÖ-JA.“

Das genügt ihm dann, auch ganz ohne einem „Weil“, vollauf, um zu entblocken.

Das ist die, einfach wie kurz gesagt, demokratische Variante dieses technofizierten Kinderspiels, gewinnen bei dieser, was das Wesen der Demokratie ist, doch alle, die Kinder, die wieder ihm sehend folgen dürfen, und das Kind, das meint, mit geschlossenen Augen je ungesehen, unverfolgt wieder mit aufgekrempelten Ärmeln wie bei der Arbeit —

Sondereinsatztage in Österreich, des Gedenkens wert

HASLACH, WIEN. Es war noch dunkel, als heute Morgen die Polizei anrückte und die […] Familie […] abholte. Um fünf Uhr früh hätten Polizisten, laut Bericht von Zeugen, die Tür des Wohnhauses aufgebrochen und die Wohnung gestürmt. Die 40-jährige […] sowie ihr 15-jähriger Sohn […] wurden festgenommen. Kurze Zeit später wiederholte sich laut eines anderen Zeugen das gleiche Schauspiel wieder, bei der Wohnung der 21-jährigen Tochter […], die zur Untermiete lebte. Alle drei wurden in Schubhaft genommen. In Haslach herrscht Unverständnis und Aufregung aufgrund der durchgeführten Abschiebung. Waren doch […] und ihre zwei Kinder in der Gemeinde gut integriert, wie die BezirksRundSchau schon am 10. Februar berichtete.

Und der Vermieter berichtet über den nächtlichen Auftrittseinsatz der österreichischen Polizei:

Schlußendlich haben sie das Schloß geknackt und dann haben sie das ganze Haus auf den Kopf gestellt, sie haben die Bettwäsche durchwühlt, sie haben ein Chaos hinterlassen. Das hat mich schockiert, weil ich dachte, in Österreich macht die Polizei so etwas nicht. Und sie haben mich immer wieder gedrängt zu verraten, wo […] ist. Ich habe sie aufgefordert, mein Haus zu verlassen, weil ich sie gar nicht reinlassen wollte. Ich wollte die Papiere sehen, welche sie dazu befähigt, in mein Haus einzudringen. Sie haben gesagt, sie brauchen keine Papiere. Ja, sie haben sie in ein großes Auto gesetzt und mitgenommen. Als das Auto weggefahren ist, haben sich die restlichen acht Polizisten high fives gegeben, sie haben sich gesagt, sie hätten einen guten Job gemacht. Und das macht mich wütend, das ist jetzt das Bild, das ich im Kopf habe. Ich meine, acht Polizisten, was soll das? Diese Person hat nichts falsch gemacht, sie ist nicht jemand, der abhaut. Ihr Name steht auf dem Türschild ihrer Wohnung. Sie wußten, wo sie wohnt. Sie hätten eine Polizistin schicken können, vielleicht ein bißchen später, vielleicht um 6.30 Uhr in der Früh. Sie hätten einfach sagen können, sie suchen […], würden sie bitte mitkommen und natürlich wäre […] mitgekommen.

Es scheint, daß die für Österreich geschichtlich zu nennenden Daten von christschwarzer Partei geführten Regierungen obsessiv zum Anlaß genommen werden, diese auf eine recht besondere Art unbedingt begehen zu wollen, wie auch nun wieder, in der Nacht vom 10. auf den 11. April 2023.

Am 10. April vor 85 Jahren brach „legitimiert durch eine Volksabstimmung“ die reichsdeutsche Nacht über die seit fünf Jahren währende österreichische Nacht herein …

Der 27. Jänner nicht nur für Österreich ein geschichtlich zu bedenkender Tag, der von der christschwarzen Partei geführten Regierung in der Nacht vom 27. auf den 28. Jänner 2021 auf ihre rechte Art begangen wurde, wie jetzt in der Nacht vom 10. auf den 11. April 2023, mit dem Stürmen und Herausholen von Menschen aus ihren Betten

Der 9. November 2020, begangen von einer christschwarzen Partei geführten Regierung, damals einfallsreich genannt „Operation Luxor“ …

Operation Luxor: Nehammers Debakel

Die „Operation Luxor“ gegen angebliche Mitglieder der Muslimbruderschaft im November 2020 war eine der größten Polizeiaktionen der letzten Jahrzehnte – und in Wahrheit ein Polit- und Behördenskandal. Recherchen legen nahe, dass sich Österreich als williger Spielball fremder Mächte missbrauchen ließ. Von Anna Thalhammer 02.04.23, Profil

… die mit Operation Luxus zutreffender … Denn. Aufwendig war diese, recht aufwendig wurde dieser besondere Gedenktag 9. November begangen.

Der damalige christschwarze Polizeiminister konnte den 9. November nur so luxuriös begehen, weil er nach dem 2. November 2020 nicht gegangen ist.

Den 8. Mai begeht eine Partei, die für kurz in der Bundesregierung von der christschwarzen Partei geführt wurde, auf ihre eigene rechte Art,

und sie ist nun wieder ein weiteres Mal in einer von der christschwarzen Partei geführten Regierung auf dem Lande, und die Ankündigung der bevorstehenden Einigung auf eine „Koalition“, die für den damaligen Polizeiminister „keine Koalition“, berichtet eine Tageszeitung am 12. März 2023,

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner will sich bis Mitte der Woche
mit Udo Landbauer einigen, Abgrenzung zu Grün im Bund
Von Martin Gebhart, Johanna Hager
12.03.2023, 19:00

an einem 12. März, der ebenfalls geschichtlich für Österreich

Historische Tage scheinen von christschwarz geführten Regierungen in Österreich als Sondereinsatztage verstanden zu werden, an denen sie, mit denen sie die österreichische Nacht

Stiftung von Ernst und Rosa Dombrowski – Gerald Grosz,

wie brav er da sitzt, wie gesittet, ach, wie jung und hübsch, und still, wie warm muß es seinem nicht nur mit seinem Auto, auch mit seiner Politik verunglückten „Mitstreiter“ stets um sein Herz geworden sein, sah er in sein Antlitz, wie ihm es da steht, brav, gesittet, und wie sitzt es nun da, an der Sitzbar der Fellners, ebenso brav, gesittet, nur eben fünfzehn Jahre später, und so brav und gesittet, wie es Reden zuhören kann, so brave und gesittete Reden kann es auch selbst halten, fünfzehn Jahre später, gelernt wohl auch an diesem Tag des Jahres ’08, als es brav und gesittet zuhörte, im Meerscheinschloß zu Graz, als die Preisverleihung „in Erinnerung“, wie eine österreichische Tageszeitung pflichtgemäß berichtet, an den Holzschneider“ …

Im letzten Oktober, vierzehn Jahre nach seiner braven und sittsamen Beisitzung, werden sie wohl gefiebert haben, ihm und sich selbst die Daumen fest in die Faust gedrückt haben, daß er werde, was ihnen noch fehlt, eine mitstreitende Bundespräsidentin,

ach, so einen mitstreitenden Bundespräsidenten zu haben, das wäre schon was, so recht zum Glücklichsein, wird vielleicht auch beim gemütlichen Beisammensein im Meerscheinschloß oder im Raiffeisenhof, wo die Preisverleihungen abwechselnd stattfanden, vielleicht nach wie vor abwechselnd stattfinden, einmal im Raiffeisen…, andermal im Meerschein…, geträumt worden sein und weiter geträumt …

Was hätten sie wohl zuerst ausgerufen, wenn er, der so hübsch brav, gesittet unter ihnen sitzt, gewählt worden wäre, zu dem, was er meinte, geworden zu sein, was würden sie wohl zuerst ausrufen, wenn eine, die so brav hübsch gesittet unter ihnen gewählt werden würde, zu dem, was sie meinen, es stünde ihnen zu, auch dieses Amt:

„Zeit für Sauberkeit!“