Aber siehe, ein Mann ist auferstanden

Viel ist in diesen Tagen von der Auferstehung zu lesen. Kein Wunder, werden Sie sagen. Schließlich.

Ostern steht draußen vor der Tür.

Sie kennen die Geschichte von Ostern. Ein Mann wird ermordet. Der tote Mann wird in ein Grab gelegt. Dann, plötzlich, seine Leiche ist verschwunden. Der Mann soll sich Menschen, die sehr an ihm hängen, einmal noch zeigen. Lebend. Für ein paar Momente. Sie sehen ihn. Die, die an ihm gar so hängen, meinen, er sei von den Toten auferstanden. Wenn ein Verlust derart schmerzt, bleibt als Rettung – um nicht wie Ziegen zur Zeit des Vulkanausbruches auf Lanzarote mit dem Kopf gegen Felsen zu rennen, immerzu den Kopf gegen Felsen zu schlagen, so lange, bis endlich die Erlösung durch den freiwillig gesuchten Tod – nur die kollektive Schaffung einer eigenen Wirklichkeit. Sie aber wählen das Sehen des ermordeten als auferstandenen Mannes.

Seit diesen Tagen vor, mit dem Daumen gerechnet, zweitausend Jahren sah kein Mensch mehr diesen ermordeten Mann lebend. Alle Achtung, wenn es ihm gelang, für ein paar Momente aufzuerstehen, von den Toten zu den Lebenden zurückzukehren. Eine beachtliche Leistung war ihm dennoch mit dieser einmaligen Auferstehung gelungen. Auch wenn es keine Auferstehung für ewig war, das ewige Leben ein Traum der Menschen, die an ihm …

Eine Auferstehung für ein paar Momente zu nehmen, um Zuversicht zu verbreiten, wie nun in Österreich ein Mann etwa im Alter des seinerzeit am ewigen Leben Gescheiterten es mit der Auferstehung versucht, nun, das ist eine Zuversicht, mit der mit Bangen in die Zukunft …

„Die Osterwoche wird eine entscheidende Woche für uns sein. Entscheidend dafür, ob die Wiederauferstehung nach Ostern, wie wir sie uns alle so wünschen, so möglich sein kann.“

Denn. Es darf dabei nicht übersehen werden. Der Auferstehung für Momente geht ein Mord voraus. Ein Mord zwar, der durch ein Urteil gedeckt zu sein scheint. Durch eine Verhandlung aber, die nur jenen ein ordentliches, ein rechtsstaatliches Gericht ist, weil es recht nach deren Geschmack und Gesinnung ist, ihr Begehren nach Willkür gänzlich befriedigt.

Aber es gibt Zuversicht. Weil das Wunder der Auferstehung passiert ist. Ohne Mord davor. Das darf angenommen werden, weil es eben nicht gesichert ist, wie sein Leben tatsächlich endete. Es ist zwar nicht der Ermordete auferstanden, aber einer, der ihm nachfolgte. Und dieser Mann hatte es mit seiner Auferstehung eilig. Er wartete nicht ab. Er wartete nicht den Jahrestag der Ermordung ab. Er wartete nicht den Jahrestag der Auferstehung für ein paar Momente ab. Er wählte für seine Auferstehung bereits den Montag vor den Jahrestagen.

An diesem 6. April ’20 hinterließ des Ermordeten Nachfolger sichtbare Zeichen seiner Auferstehung. Auf der Landstraße. Unweit der Türme, von Gescheiterten einst für die Ewigkeit gebaut.

Nun, was den letzten Ausschlag gab, daß ihm die Auferstehung gelang, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht war sein Ärger, genährt über Jahrhunderte und Jahrhunderte, über eine seiner Formulierungen, die er seinerzeit verfaßte, so übermächtig geworden, sein Wille zur Korrektur dermaßen übermenschlich, überleichlich, daß ihm nun endlich die Auferstehung auf der Landstraße gelang. Er ist als Mann der Hand bekannt. Und so ist nicht verwunderlich, daß er nun auf der Landstraße seine Korrektur mit der Hand schrieb, wie er einst seine Briefe mit der Hand schrieb.

„27 Die Männer gaben den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Unzucht. (Römer)“

Was aber für eine beachtliche Leistung von diesem Mann. Kaum auferstanden als Mann der Handschriftkultur lernt er rasch die neuen Techniken. Schreibt den Auszug aus einem seiner Briefe mit einer Schreibmaschine, oder gar mit einem Computer. Mit einem Computer. Zur bequemeren Vervielfältigung. Um es gleich noch auf weiteren Säulen auf der Landstraße zu kleben. Seine Auferstehung dürfte ihn doch sehr ermüdet, erschöpft haben. Denn. Es fehlt ihm offensichtlich die Kraft, seine Korrektur abzutippen. So kurz erst unter den Lebenden und schon beherrscht er die Technik des 21. Jahrhunderts: copy and paste

Die Korrektur seines einstigen Briefes dürfte ihm doch nicht so ein großes Anliegen gewesen sein. Sonst hätte er kaum auf die seit Jahrhunderten bekannte Fassung zurückgegriffen, die er mit copy and paste sich herrichtete für das Überkleben von vielen Plakaten auf der Landstraße.

Einem Mann, der unweit von der Landstraße wohnt, wird die Auferstehung des Mannes in der Nachfolge des gescheiterten Ermordeten wohl ganz das Herz mit Licht ausstrahlen, ist dieser doch dem Auferstandenen auf der Landstraße im besonderen Maße verbunden. Diese ihre Verbundenheit zeigt sich auch gerade jetzt in den Zeiten der Corona so anrührend, beide bestätigen das alte Wort: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“

Auslandvernaderer

„Die Reisefreiheit der Österreicher soll diesen Sommer stark eingeschränkt bleiben. Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte am Samstag gegenüber mehreren Zeitungen, darunter den ‚Oberösterreichischen Nachrichten‘: ‚Solange es keine Impfung oder keine wirksamen Medikamente gibt, wird uns diese Krankheit begleiten. So lange wird es auch die Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben, nicht geben.‘ Man könne die Krankheit nicht besiegen, nur um sie dann fahrlässig aus anderen Ländern wieder zu importieren, sagte der Kanzler.“

Erklärt der zurzeitige Bundeskanzler am Samstag.

Am 4. April ’20.

„Nur 3,5 Prozent der bisher in Österreich festgestellten Infektionen haben ihre Quelle wahrscheinlich im Ausland, insgesamt 306 Personen.“

Erklärt Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), am Donnerstag. In einer Pressekonferenz im Beisein von Gesundheitsminister R. Anschober.

Am 2. April ’20.

Nur zwei Tage später also ist dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich klar, die „Reisefreiheit soll eingeschränkt“ werden, um nicht „die Krankheit“ fahrlässig“ …

… „fahrlässig aus anderen Ländern wieder zu importieren“ …

Unklar an der Aussage vom zurzeitigen Bundeskanzler ist bloß eines, von welchem Land aus spricht er, wenn er von einer Einschränkung der Reisefreiheit spricht? Von beispielsweise Dänemark aus, oder von Norwegen aus, von Schweden aus oder von … dann allerdings käme nur ein Land in Frage, in das in nächster Zeit zu reisen, dreimal überlegt werden sollte, nämlich das Land Tirol. Das Land Tirol, in dem es nach wie vor die meisten Infizierungen gibt. Das Land Tirol, in dem die schwarze Partei des zurzeitigen Bundeskanzlers federführend regiert, erfüllt in dieser Hinsicht die Vorgabe, das Land an die Spitze zu führen, zwar nicht an die Weltspitze, aber mit einem beeindruckend enormen Abstand zum zweitplazierten und drittplazierten Land an die Spitze der Länder in Österreich. Ein dreifacher Sieg der Partei des zurzeitigen Bundeskanzlers. Regiert doch seine Partei auch im Land Oberösterreich und im Land Niederösterreich federführend.

In anderen Ländern in Europa Menschen zu empfehlen, es sich doch vielleicht genauer als bisher zu überlegen, wohin sie im Sommer reisen möchten, ist eine durchaus verantwortungsvolle Empfehlung, sie zu informieren, ohne Androhung behördlicher Einschränkung der Reisefreiheit, daß das Land Tirol für diesen Sommer ein nicht unbedingt ideales Reiseziel …

Es ist nicht unklar, von welchem Land aus der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich spricht. Er spricht von Österreich aus. Wie von ihm seine Kompetenz im Fach Geographie recht bekannt ist, dürfte er diesmal seine Reifeprüfung in Fach „Staatsbürgerkunde“ abgelegt haben -als er von seiner Phantasie der Macht sprach, die Freiheit und die Unfreiheit des Reisens allein verteilen zu können, als wäre er ein … – und an der Unterscheidung zwischen Land und Staat gescheitert sein.

Es war wohl von ihm als eine patriotische Ablenkung gemeint gewesen, nachdem mitgeteilt wurde, daß „nur 3,5 Prozent der Infektionen in Österreich aus dem „Ausland“, damit aber 96,5 Prozent der Infektion aus dem „Inland“ in Österreich … Das ist einerseits zwar rührend, andererseits aber doch nichts anderes als das Vernadern des Auslandes.

Die Anregung des zurzeitigen Bundeskanzlers wird aber doch gerne bei der diesjährigen Sommerreiseplanung aufgenommen werden. Diese seine Anregung erleichtert die Planung auch ungemein. Es muß jetzt gar nicht mehr überlegt werden, den heurigen Sommer im Land Tirol zu verbringen, vom Burgenland in das Land Tirol zu reisen, es bleibt bloß noch zu entscheiden, ob es diesmal Dänemark oder doch Island wird.

Keine Sekunde zum Nachdenken zu nutzen

„Immer wieder werde ich in diesen Tagen gefragt: Ist Corona eine Strafe Gottes? Schickt uns Gott dieses Virus als Vergeltung für all unsere schlechten Taten? Rechnet Gott ab mit seiner Welt? Erleben wir gerade so etwas wie die ägyptischen Plagen, von denen die Bibel berichtet? Ein Strafgericht Gottes? Natürlich bewegen solche Fragen auch mich. Welche Antwort finde ich selber? Zuerst versuche ich es mit einem nüchternen Blick: Seuchen hat es immer gegeben, sie gehören zur Natur. Und dank medizinischer Forschung und Entwicklung können heute Seuchen besiegt werden. Wir hoffen alle, dass das auch mit Corona gelingen wird. Gott hat uns Verstand und Willen gegeben, damit wir mit den Herausforderungen der Natur gut umgehen. Dann aber stelle ich mir eine weitere Frage: Will Gott uns durch Corona etwas sagen? Ich glaube nicht, dass Corona eine Strafe Gottes ist. So kann ich mir Gott nicht vorstellen. Aber dass Gott durch Krisen bei uns anklopft und uns zum Nachdenken einlädt, das glaube ich fest. So habe ich meine eigenen Erkrankungen letztes Jahr erlebt. Jetzt kommt bald Ostern, Gottes großes Ja zum Leben. Daher glaube ich: Es wird gut werden!“

Das steht heute in der Umsonst, am 3. April ’20. Christoph Schönborn glaubt also nicht, „dass Corona eine Strafe Gottes ist“. Er glaubt damit den gültigen Schriften seines Organisierten Glaubens nicht. Denn zum Schriftkanon seiner Organisation gehört auch das „Alte Testament“, das

„ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift.
Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen 
dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.“

Also auch, wie Schönborn sie in seinem für welches Heute geschriebenen Beitrag nennt, die „ägyptischen Plagen“, die, genaugenommen, keine „ägyptischen Plagen“ sind, sondern es sind Gottes Plagen, gehören zum Schriftkanon seiner Organisation. Und diese seine abgeschriebene Verkehrung, diese seine nachgeschriebene Schuldabschiebung auf die Opfer erinnert wenigstens an das Heute, etwa an die Morde in Deutschland, die rasch wie kurz „Kebabmorde“ genannt wurden, obgleich nicht ein Kebab mordete. Und auch das ist aus dem Heute bestens bekannt, die beschönigende Sprache der Massentäter, der Massenmörderinnen. Von ihm selbst werden die „Plagen“ nicht „Plagen“ genannnt, sondern „Wunder“.

Das also ist der nach wie vor gültige Kanon der Organisation des Christoph Schönborn, an dem er ja selbst mitgewirkt hat, in seiner Funktion als Sekretär.

Die Plagen Gottes sind tatsächlich keine „Strafen“, wie Schönborn glaubt zu meinen. Sondern Erpressungen der abgefeimtesten Art. Erpressungen auf die krankeste Weise. Es will aber gar nicht darauf eingegangen werden, woran dieser Führer mit Rufnamen Gott gelitten hat, welchen psychischen Störungen er in seinem Erdensein ausgesetzt war, welche seelischen Verwundungen er erlitten hat, um eine derartig abwegige, abgründige, krankhafte Phantasie bei seinem Erpressen freigesetzt zu bekommen. Der Führer mit dem Rufnamen oder Spitznamen interessiert bei diesen Schriftkanonplagen absolut nicht, aber seine „willigen Vollstrecker“.

Obgleich ihr Führer es ihnen offen sagt, mehr als einmal offen sagt: „Geh hin zum Pharao; denn ich habe sein und seiner Großen Herz verhärtet“. Zugleich tischt er ihnen auf: „Das Herz des Pharao ist hart“. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken. Etwa darüber, daß der Pharao ihren Wunsch nicht erfüllen kann, weil sein Herz hart ist, deswegen hart ist, weil ihr Führer es ihm verhärtet hat. Etwa darüber, daß sie gegenüber dem Pharao einen Wunsch äußern, der nicht ihr Wunsch ist, sondern der von ihrem Führer ihnen eingeredete Wunsch, der nur ein Wunsch des Führers ist. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken. Daß ihre Forderungen an den Pharao nicht ihre Forderungen sind, sondern nur die Forderungen ihres Führers, der nur für sich diese Forderungen erfüllt haben will, auf die krankeste Art, auf die abgefeimteste Weise, durch Erpressung. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken, daß sie nur „willfährige Vollstrecker“ der abgründigsten Phantasien ihres Führers sind. Denn. Es ist nicht er, ihr Führer, der die Untaten ausführt, sie sind es, die seine Befehle willfährig umsetzen, für ihren Führer zu willfährigen Ausführenden der zehn Untaten werden, von der eine die „Viehpest“ ist — die „Pest“, eine, auf die immer wieder mit großem Glaubenseifer …

Keine Sekunde nachzudenken, das, wenn schon davon gesprochen werden will, ist die Strafe. Die selbstauferlegte Strafe der Vollstreckenden. Was für eine Zugerichtetheit, was für eine Hergerichtetheit der Vollstreckenden, seit dem ersten Aufkommen von einer Plage Gottes durch alle Zeiten bis zur Gegenwart von …

Untaten – im Schriftkanon des Christoph Schönborn „Wunder“ genannt – enden mit einer ewig gültigen Beschreibung von Führern und Führerinnen. Sie verlangen alles, versprechen alles. Sie verpflichten zum totalen Dienen. Aber sie erfüllen nichts. Hinterlassen nur Schuld und Schulden. Zurückbleiben ihre willfähigen Vollstreckerinnen, ihre willfähigen Vollstrecker, mit unerfüllten Wünschen, mit unerfüllten Forderungen, die nicht ihre Forderungen sind, die nicht ihre Wünsche sind.

„Und Mose ging vom Pharao mit grimmigem Zorn. Der HERR aber sprach zu Mose: Der Pharao wird nicht auf euch hören, auf dass meiner Wunder noch mehr werden in Ägyptenland. Und Mose und Aaron haben diese Wunder alle getan vor dem Pharao; aber der HERR verstockte ihm das Herz, sodass er die Israeliten nicht ziehen ließ aus seinem Lande.“

Karge Gerechtigkeit

Es sollte durchaus Seb. Kurz zum Vorbild genommen werden, sich also mit „anderen Sorgen“ zu beschäftigen, als ständig auf das Coronavirus zu starren, das ohnehin mit dem berühmten freien Auge nicht zu sehen ist, aber nicht, wie er, Seb. Kurz, um das total Fernliegende eines vollkommen Danebenliegenden, sondern tatsächlich um Naheliegendes, etwa darum, „Gerechtigkeit zu schaffen“.

„Gerechtigkeit zu schaffen ist uns als neue Volkspartei ein zentrales Anliegen. Darum wollen wir die Pflege langfristig sichern und das Gesundheitssystem stärken. Gerechtigkeit heißt aber auch, dass wir jene, die viel für unser Land leisten, entsprechend entlasten. Und ist es ein Anliegen, dass die Familien echte Wahlfreiheit und Frauen die gleichen Chancen haben.“

Dieses Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“, wie es auf der Website des Seb. Kurz steht, sagt bereits mehr als die berühmten tausend Worte.

Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ kann nur in einer für das Geisthaltige besonderen Umgebung gezeichnet worden sein, wie so vieles, das …

Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ aber zu diesem Bild sagt nicht mehr als tausend Worte, sondern alles. Das Bild zeigt keinen Boden für Gerechtigkeit. Sondern Wasser, in das die Gerechtigkeit …

Es gibt auf der Website des Seb. Kurz doch auch ein Bild mit festem Boden. Es ist ein Bild des Ausblicks für Österreich. Wohin Seb. Kurz Österreich „bringen“ möchte. Wo für ihn Österreich „vorne“ sein soll. Es ist ein fester Boden, aber ein karger Boden. Auf dem nichts wächst. Geröll. Nur Geröll. Nackter Schutt. Ein Untergrund, auf dem voranzukommen, ein vergebliches Unterfangen.

Statt in Gerechtigkeit zu schwimmen, wie von der Zukunft einst erträumt, wird das Glück der Menschen sein, dem Ertrinken entgangen, für ein fortan karges Leben.

Heinz-Kettenbrief Strache in Zeiten von Corona

N. Fellner: „Jetzt hat die Bundesregierung diese Woche wieder neue Maßnahmen verkündet, u. a. eine Maskenpflicht in Supermärkten […] Noch härtere, noch schärfere Maßnahmen. Wie sehen Sie denn diese neuen Maßnahmen, sind diese Ihrer Meinung nach notwendig oder kommen die gar vielleicht zu spät oder hätte man schon früher diese Maßnahmen setzen müssen?“

H.-Kbr. Strache: „Wir erleben eine noch nie dagewesene Ausnahmesituation und natürlich kann man jetzt im Rückblick da oder dort vielleicht festhalten, daß nach den italienischen Entwicklungen, wenn es darum geht, die Grenzen auch wirklich zu schließen und dicht zu machen, wenn es darum geht, so wie auch in Tirol, wo ja Coronafälle evident gewesen sind, und man erleben mußte, daß Politiker, nämlich Verantwortungsträger, unverantwortlicherweise weggesehen haben und fahrlässig mit ihrem Verhalten zugelassen haben, dass es zu Ansteckungen gekommen ist. Wir hätten natürlich von Beginn an rasch die Risikogruppen speziell auch schützen und separieren können.“

Und so weiter und so fort.

So beginnt das Interview am 31. März ’20. Es gehört schon viel Abgründiges dazu, einen Mann fast eine halbe Stunde zu befragen, über die richtig oder nicht richtig, rechtzeitig oder nicht rechtzeitig gesetzten Maßnahmen, einen Mann mit dieser seiner Vergangenheit, einen Mann, der im Mai ’19, also vor nicht einmal einem Jahr, Österreich in eine „noch nie dagewesene Ausnahmesituation“ brachte, einen Mann, kurz ist es her, als Maßnahme gegen das Corona-Virus einen Kettenbrief empfahl.

Bei derart Abwegigem fällt es schwer, die richtige Antwort darauf zu finden, wird hier ein Helmut Pilhar interviewt oder interviewt ein Helmut Pilhar einen …

H.-Kbr. Strache kandidiert wieder. Nicht einmal ein Jahr nach der von ihm verursachten „Ausnahmesituation“ verkündet er unter größter medialer Aufmerksamkeit, mit einer weiteren Partei, diesmal mit der DÖP, sich der Wahl in Wien im Herbst ’20 zu stellen.

Es ist in Österreich aber nicht das einzige Medium, das sich als Wahlhilfeanstalt für ein derartiges Personal mit der einzigen Kompetenz, „Ausnahmesituationen“ zu verschulden, versteht. Wie, um ein Beispiel noch zu bringen, ein weiteres Medium am 11. Februar ’20 veranschaulicht. Dieses Medium der Sorte Umsonst bringt nicht den Eurofighter-Fall als Aufmacher, sondern sein Aufmacher auf der ersten Seite ist „Strache nach Unfall auf Krücken“ …

Der Bericht, wenn überhaupt von einem Bericht gesprochen werden kann, über den Eurofighter-Fall irgendwo in der Umsonst, drei kurze Sätze, leicht zu übersehen, leicht zu überlesen. Es könnte von der Unfähigkeit gesprochen werden, die Wertigkeit und die Wichtigkeit von Aufmachern bestimmen zu können, an diesem Tag hätte der Eurofighter-Fall der Aufmacher sein müssen, und nicht die Krücke des … Aber es ist nicht Unfähigkeit, sondern der Abgrund österreichischer Medien, aus dem solche Aufmacher kriechen, als Wahlhilfe für Männer und Frauen von der Zugerichtetheit eines …

Im Hinterhof von Orbán

Am 30. März ’20 sagt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich zu Hans Bürger, er habe, ehrlich, nicht die Zeit, im Moment habe er, ganz ehrlich, andere Sorgen, als sich mit Ungarn – ganz recht ehrlich …

Was für „andere Sorgen“ der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich hat, verrät der zurzeitige Bundeskanzler nicht Hans Bürger, aber dem Unternehmen Twitter, es ist seine tatsächliche Sorge, wie eine „Regierung der nationalen Einheit“ installieren, in Venezuela …

… dem zurzeitigen Bundeskanzler ist dies seine recht, recht große und recht wirkliche Sorge, geplagt von dieser ihn überwältigenden Sorge erwacht er aus christlichen Träumen frühmorgens des 31. März ’20 und muß sich augenblicklich dadurch erleichtern, seine Sorge um eine „Regierung der nationalen Einheit“ sogleich mit Tweet zu teilen …

In Venezuela wird es vielleicht von einigen mit recht großem Dank aufgenommen werden, daß dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich seine tatsächliche Sorge der Installierung einer „Regierung der nationalen Einheit“ gilt, und in Venezuela wird es diesen vielleicht ebenso verlockend erscheinen, dergestalt diese auf dem kürzesten Weg zu erreichen, indem als erste Maßnahme unumgänglich, das Coronavirus türkis anzustreichen …

Orbán und sein Hof

Das Kapitel

Corona 1421, Pest 2020

wird nun nach der eingelegten Pause fortgesetzt, und zwar nach dem Absatz, der zum leichteren Zurechtfinden hier wiederholt wird …

Ein eigene Studie für Österreich, insbesondere Oberösterreich, zu erstellen, erübrigt sich wohl, das Zitat von Adolf Hitler aus „Mein Kampf“ als dem Anführer aus dem Mittelalter im Mittelalter in das Mittelalter … wie es in Österreich, in Oberösterreich zur Zeit der Pest ist, davon erzählen beispielsweise die „Heimatgaue“ des Landtagsabgeordneten der „Vaterländischen Front“, das ist die von der Regierung des kleingebliebenen Kanzlers und für kurz mit Notverordnung regierenden Diktators einst …

… wie Viktor Orbán jetzt, wie vor ihm beispielsweise Adolf Hitler in Deutschland, der Kurzgebliebene am Machthof in Österreich, wie Miklós Horthy in Ungarn mit seinem recht besonderen Verständnis und recht besonderem Gebrauch von Demokratie und von einem Parlament, das ab und auch zu verlängern hatte …

Die Demokratie, das Parlament wird Orbán nun noch recht mehr als seinen Hof, seinen Hinterhof ansehen, auf dem er walten und …

Wie im Mittelalter die antisemitische Menschen findet Viktor Orbán mit seiner Bürgerinnenbundpartei nun in Zeiten der Pest 2020 einen einzelnen Menschen stellvertretend, um diesen die Seuche anzulasten, und auch die Menschen zu beschuldigen, schuld an der Pandemie zu sein, die er und seine nicht aus der EVP (Europäische Volkspartei) ausgeschlossene Partei als „Flüchtlinge“, als „Ausländer“ …

Bei einem Rundgang auf dem Judenplatz in Wien, mit seinen Gedenktafeln, ist die, besonders in dieser Zeit, Ungewißheit groß, fällt es von Tag zu Tag schwerer, dem Kalender zu glauben, im 21. Jahrhundert sich zu bewegen, nicht nur wegen Viktor Orbán, auch wegen der wieder einmal grassierenden Denunzierungen, den Diffamierungen, den massiv verbreiteten Glauben an gar recht tiefdunkle Mächte, die die Pandemie aus abgründigen Absichten über alle Menschen überall auf der Welt freisetzten, über die wieder massiven Errichtungen von Prangern, um Menschen, die sich scheinbar nicht an die verordneten Maßnahmen gegen die Pandemie halten würden, in die Öffentlichkeit, oh, Fortschritt, in digitalen öffentlichen Raum zu schleifen, sie in diesem wieder zum Bespucken anzuketten, die wieder einsetzende Gier nach Strafgesetzen, nach Strafgesetzen, wie nun in Ungarn, nach denen wohl die ersten Verurteilten Viktor Orbán und geführten Partei Fidesz sein müßten, sollten Sie der Meinung sein, solche Strafgesetze aus einem Anlaß heraus wären berechtigt, solch eine Anlaßgesetzgebung aufgrund einer Situation, die in drei Wochen, vielleicht in vier Wochen nicht mehr gegeben sein wird, in zwei Monaten, in drei Monaten nur noch Vergangenheit, aber die …

Corona 1421, Pest 2020

Es war 1421 in Wien nicht die Pest, die dafür herhalten mußte, damit antisemitische Menschen wieder einmal ihre willkommene Gelegenheit erhalten, ihren Pogrom zu veranstalten, mit der von den antisemitischen Menschen wohl als Höhepunkt ihres Pogroms empfundenen Verbrennung von zweihundert Menschen, in Erdberg auf einem Scheiterhaufen lebendig verbrannt, ermordet wurden …

Die Fackel zum Massenmord wurde bereits ein Jahr zuvor, 1420, also vor sechshundert Jahren, entzündet, von Albrecht Habsburg.

Es will nicht groß in die Geschichte gegangen werden, mit der erzählt werden kann, zutreffender wohl, wieder erzählt werden muß, wie die Pest beispielsweise im 14. Jahrhundert antisemitischen Menschen ihr Medikament gegen die Pandemie des schwarzen Todes war, eine tödliche Medizin, die antisemitische Menschen Tausenden und Tausenden Menschen in ganz Europa in Pogromen zu schlucken zwangen …

Es könnte jetzt auch noch darauf eingegangen werden, wie es nach diesem 14. Jahrhundert weiterging, beispielsweise in Deutschland, als die Nationalsozialisten dieses Medikament aus ihrem Massengiftschrank holten, wo in Deutschland die Nationalsozialistinnen statistisch recht …

„How persistent are cultural traits? This paper uses data on anti-Semitism in Germany and finds continuity at the local level over more than half a millennium. When the Black Death hit Europe in 1348-50, killing between one third and one half of the population, its cause was unknown. Many contemporaries blamed the Jews. Cities all over Germany witnessed mass killings of their Jewish population. At the same time, numerous Jewish communities were spared. We use plague pogroms as an indicator for medieval anti-Semitism. Pogroms during the Black Death are a strong and robust predictor of violence against Jews in the 1920s, and of votes for the Nazi Party. In addition, cities that saw medieval anti-Semitic violence also had higher deportation rates for Jews after 1933, were more likely to see synagogues damaged or destroyed in the ‚Night of Broken‘ Glass in 1938, and their inhabitants wrote more anti-Jewish letters to the editor of the Nazi newspaper Der Stürmer.“

Es soll hier nur kurz auf die Studie Verfolgung verewigt – Die mittelalterlichen Ursprünge antisemitischer Gewalt in Nazideutschland“ der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Joachim Voth und Nico Voigtländer verwiesen werden, deren Interesse zuerst der Pest und deren Einflüsse auf die Wirtschaft im europäischen Mittelalter war.

„Das war Pestilenz, geistige Pestilenz, schlimmer als der schwarze Tod von einst, mit der man da das Volk infizierte. Und in welcher Menge dabei dieses Gift erzeugt und verbreitet wurde!“

Ein eigene Studie für Österreich, insbesondere Oberösterreich, zu erstellen, erübrigt sich wohl, das Zitat von Adolf Hitler aus „Mein Kampf“ als dem Anführer aus dem Mittelalter im Mittelalter in das Mittelalter … wie es in Österreich, in Oberösterreich zur Zeit der Pest ist, davon erzählen beispielsweise die „Heimatgaue“ des Landtagsabgeordneten der „Vaterländischen Front“, das ist die von der Regierung des kleingebliebenen Kanzlers und für kurz mit Notverordnung regierenden Diktators einst …

Gegenwart und Vergangenheit, nirgendwo sonst auf einem einzigen Platz derart kenntlich zusammengeführt, wie in Wien, auf dem Judenplatz, mit seiner Inschrift zur seelischen Erbauung von antisemitischen Menschen auf dem einen Hause, mit seiner Gedenktafel mit dem Freispruch der Päpste des Mittelalters auf dem anderen Hause … mit seinem Lessing, freigestellt auf dem Platze …

Damit soll in diesem Kapitel einmal eine Pause eingelegt werden, ehe es fortgesetzt wird, mit der Notverordnung, mit den Ausstrahlungen vom Mittelalter

Gasmaske …

Was die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei und für kurz ein weiteres Mal gewesene Regierungspartei damit wohl ausdrücken will, daß sie ihren Kommentar „Kommt bald Schutzmaskenpflicht für alle Personen im öffentlichen Raum?“ mit einer russsischen GP-5-Gasmaske bebildert?

Zu erfahren ist, daß es eine ABC-Schutzmaske, produziert zwischen 1962 und 1990, an die sowjetische Zivilbevölkerung zum Schutz gegen chemische und biologische Kampfstoffe ausgegeben, mit einem Gewicht von 1,1 kg, und mit Aspest …

Ist es von der gesinnungsgemäß zensurierten Website als Empfehlung gemeint, sich mit einer russischen Gasmaske mit gesundheitsförderlichem Aspest vor dem Coronavirus zu schützen? Also eine weitere Empfehlung auf dem Niveau des für kurz gewesenen Vizekanzlers, für einen eigenen Infektionstest nicht zu atmen?

Ach, es wird nur eine gedankenfreie Bebilderung sein, gezogen auf einer Gesinnungsscholle, auf der nichts anderes wächst, vor allem nichts Neues, auf der nichts wächst, die bloß mit Vergangenheitsgestrüpp überwuchert ist.

Die Denunziation in Zeiten der Corona

„Man fühlt sich in [Gestapo]-Zeiten zurückversetzt, wenn man das aktuellen Behörden-Aktivitäten im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise mitverfolgt.“

Selbstverständlich schreibt die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei nicht, die Gestapo würde grüßen lassen, sondern „Metternich lässt grüßen …“

Weshalb sie dabei auf den vor 247 Jahren geborenen Metternich zurückgreift und nicht auf die Gestapo, deren „Macht-Phantasien“ heute lebende Menschen selbst noch erlebt haben, zu erleiden hatten, von diesen „Macht-Phantasien“ der Gestapo noch erzählen können, die „Macht-Phantasien“ der Gestapo also tatsächlich noch lebendige Erinnerung sind, hingegen die von Metternich …

Nun, ohne groß in die Geschichte gehen zu wollen, wird der Grund wohl darin zu finden sein, daß Metternich ihr kein Freund, daß Metternich zu jenen gehört, die zu stürzen und zu verjagen sind, wie einst Metternich gestürzt und verjagt …

Was den Menschen, die die „Macht-Phantasien“ der Gestapo noch erlebten, zu erleiden hatten, sofort bedrückend auffallen wird, in diesen Tagen des Frühjahrs ’20, sind die, wie sie auch bereits genannt werden, „Corona-Blockwarte“ – die Denunziation in Zeiten der Corona …

Aber das würde, fürchten sie wohl, recht an sie selber erinnern, wie sie Menschen denunzieren, ach, bloß aus Eintritt für ihre „Volksangehörigen“ …

Was für eine Fixierung auf die Vergangenheit.

Dabei müßte gerade für die Überwachung in Zeiten der Corona nicht in die Vergangenheit, in keine Vergangenheit, weder in die von Metternich noch in die der Gestapo, abgetaucht werden, es kann ganz in der Gegenwart geblieben werden, in China, das nun die Bühne ist, auf der die Welt ihre Probe hält …