Die Cholera in Zeiten der Corona

In Zeiten der Corona wird nun mehr und mehr nach einem sehr alten Rezept die Cholera zubereitet. Die Menschen nehmen sich, bedingt durch Ausgangsbeschränkungen, vermehrt Zeit für aufwendige Gerichte. Sie kaufen auch keinen fertigen Teig mehr. Sogar, bevorzugt wird ein Mürbeteig, den machen sie jetzt selbst, füllen diesen besonders mit den für die Cholera so typischen Schleimflocken.

Wenn nicht hinausgegangen werden darf, ist das Auswalzen der Masse und das anschließende Füllen des Dünnteiges immerhin eine Ablenkung, wenn dabei auch die Zeit objektiv nicht schneller vergeht. Besser wohl, als bloß einfach da zu sitzen. Wenn das Lesen im Freien nicht erlaubt ist. Diese feine Beschäftigung im Freien: beim Lesen frische Luft zu schnappen. Die nun, wie es die Polizei in München verlautbart, nicht erlaubt ist.

In Deutschland also nicht anders als in Österreich. Ein Unterschied doch. In Deutschland kündigt die Polizei das an. In Österreich wird ohne Ankündigung der im Freien lesende Menschen einfach wie kurz nach Hause gescheucht.

Und noch ein Unterschied zwischen Deutschland und Österreich. In Deutschland stellt zumindest ein sogenannter Regierungschef klar, „natürlich kann man ein Buch lesen“, also im Freien. In Deutschland postet die Polizei, was im Freien gestattet: Sport, frische Luft … In Österreich schaltet die Bundesregierung aufwendige Anzeigen in Zeitungen, was im Freien gestattet: Sport, frische Luft

Der Name aber solle nicht ohne Fleisch sein

Das seltsame Anforderungsprofil dieser Anstalt, das Menschen haben müssen, um von dieser zu einem Talg eingeladen zu werden, hat einen Zwilling, das Anforderungsprofil, das Menschen haben müssen, um von dieser Anstalt engagiert zu werden.

Es scheint ein Anforderungsprofil mit nur einem einzigen Kriterium zu sein: die Engagierten müssen einen Namen haben, der mit „Fleisch“ beginnt, vielleicht kann der Name auch auf „fleisch“ enden, wie beispielsweise Hackfleisch. Menschen mit einem solchen Namen, die vielleicht gerade jetzt eine Arbeit, ein Engagement suchen, sollten von sich aus gleich eine Bewerbung an diese Anstalt schicken. Kurz, eine sogenannte Initiativbewerbung also. Eine, die mit einem Satz vollkommen auskommt, in etwa:

Mit meinem Namen Hackfleisch, eine Kopie meines Reisepasses lege ich als Beleg für die Namensechtheit bei, erfülle ich Ihre Anforderung punktgenau und freue mich, von Ihnen engagiert zu werden.

Wie hoch die Chancen eines Engagements sind, wenn „fleisch“ an irgendeiner Stelle im Namen vorkommt, wie zum Beispiel in Rohfleischesser, könnte leicht durch eben eine gleichlautende Initiativbewerbung mit den Namen Rohfleischesserin

Jedenfalls hat es erst kürzlich ein Mann mit dem Namen Fleischhauer geschafft, engagiert zu werden, also wieder einer, dessen Name mit „Fleisch“ beginnt.

„FOCUS-Kolumnist und Autor Jan Fleischhauer spricht darüber was ihn und was Deutschland bewegt. Ein satirischer Wochen-Rückblick auf die Lage in der Bundesrepublik. Brought to you by ServusTV of Fleischhauer – 9 Minuten netto“

Weshalb ein „satirischer Wochen-Rückblick auf die Lage in der Bundesrepublik“ in einem „österreichischen Privatfernsehsender mit Sitz in Wals-Siezenheim“, nun das wird vielleicht Herr Mateschitz noch in einem Talg Herrn Fleischhacker im Beisein von Herrn Fleischhauer …

Bei den allenthalben recht besonderen Talggeladenen aus Deutschland ist es wohl folgerichtig, den Blick gen Deutschland …

„Kolumnist Jan Fleischhauer, der früher für den ‚Spiegel‘ tätig war und aktuell für ‚Focus‘ arbeitet, erhält eine Sendung auf Servus TV. Ab dieser Woche wirft Fleischhauer in ‚9 Minuten Netto‘ einen satirischen Blick auf das aktuelle Geschehen im Nachbarland Deutschland, teilte der Sender mit. ‚Mit Witz, Tempo und einer gehörigen Portion Boshaftigkeit will er dazu anregen, Dinge doch einmal von der anderen Seite zu sehen‘, hieß es in einer Aussendung.“

Bei einem Titel, in dem „netto“ vorkommt, bleibt der Gang in die Küche nicht aus, um die Waage hervorzuholen. Brutto ist „für den Spiegel tätig“. Netto ist „für Focus arbeitet“. Und „9 Minuten“ ist das Leergewicht oder die Tara, die für Gegenstände benötigt wird, die nicht eigenständig gewogen werden können; die Waage zeigt Nullen an.

Nach dem Anhören von 18 Minuten Fleischhauer, also zweimal neun Minuten Fleischhauer vom 7. und vom 16. April ’20. 18 Minuten Fleischhauer zu Corona, zu was sonst denn auch?

Nun. Es soll doch nicht verschwiegen, was in der Bull-Anstalt unter „Witz, Tempo, Boshaftigkeit“ verstanden wird, mit diesem „Witz, mit diesem „Tempo“, mit dieser „Boshaftigkeit“ auch noch dazu „anregen“ soll, „Dinge doch einmal von der anderen Seite …“ Fleischhauer erzählt in diesem seinem unglaublichen „Tempo“, er sitze in Schwabing, von wo aus er die „Dinge doch einmal von der anderen Seite aus“ sieht, er sieht die Dinge also von Schwabing-Freimann mit Blick nach Schwabing-West oder von Schwabing-West mit Blick nach Schwabing-Freimann oder von der Isar zum Schwabinger Bach …

Die für den 20. April 2020 in Deutschland geplanten „Lockerungen der Corona-Regeln“ nennt Fleischhauer „Befreiung“ und als Bildungsbürger weiß er sofort, ach, an diesem Tag war doch, er spricht es aus, des „Führers Geburtstag“. Deshalb regt er an, ganz von der anderen Seite des Eisbachs aus in welche Richtung auch immer gesehen, es doch am „19. April“ …

Nicht hervorgehoben wurde seitens der Bull-Anstalt der fleischhauerische Mut, wenn er beispielsweise eine Impfgegnerin aus Berlin vorführt – „an mein Sarachen laß ich die Spritze nicht ran, Corona hin oder her. Impfen macht Autismus“ -, das ist Mut, hierfür nicht den amerikanischen Großvater im Weißen ….

Ebenfalls nicht hervorgehoben wurde seitens der Bull-Anstalt die fleischhauerische Vergleichssicherheit. Es ist dabei nicht so wichtig, von wo aus Fleischhauer an diesen Vergleich sich zubewegt (es geht um Israel und um einen möglichen Impfstoff aus Israel, wofür doch eine Ausnahme gemacht werden könnte, etwas aus Israel anzunehmen, wie er von einem Gegner Israels sagen hörte): „Liebe Leute, das geht doch gar nicht. Das ist ja so, als ob der Papst in das Bordell gehen würde, weil ihm jemand gesagt hat, daß Sex das Leben verlängere. Gerade in der Krise beweise ich doch Glaubensstärke. Da wirft man doch nicht einfach seine Überzeugung über Bord.“

Nun, bis zum 20. April zurück sattelfest in der Geschichte. Päpste brauchten nie, aus welchen Gründen auch immer, ein Papst brauchte nie in ein Bordell zu gehen, weil … das aber durfte erst vor kurzem in einem Kapitel berichtet werden, in dem es, es gibt in diesen Tagen kein Entkommen, auch um Corona geht, erzählt von Boccaccio …

Ebenfalls nicht hervorgehoben seine Großzügigkeit und Nachsicht, zum Ausdruck gebracht etwa, wenn er sich schützend vor den amerikanischen Großvater setzt, der …

„… in gewisse Schwierigkeiten geraten ist, weil er immer von chinesischem Virus statt von Covid-19 spricht. Das sei total unangemessen den Chinesen gegenüber, heißt es, na ja, ich würd‘ sag, man kann es mit den nationalen Empfindlichkeiten auch ein bisschen übertreiben … und ich glaub‘, man spricht auch noch von der spanischen Grippe …“

Nach dem Anhören von 18 Minuten Fleischhauer, also zweimal neun Minuten Fleischhauer vom 7. und vom 16. April ’20. 18 Minuten Fleischhauer zu Corona, zu was sonst denn auch … kann der Blick nicht und nicht von der Waage abgewendet, so anregend leuchten die …

„Ihr wißt selbst nicht, wie reich ihr seid, über welche gewaltigen Mittel ihr verfügt“

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Es wird sich wohl kaum mehr – dabei ist es kurz erst her – an die für kurz gewesene Ministerin in Österreich erinnern, die meinte zu wissen, wer die Arbeit schaffe

Gerade in der gegenwärtigen Situation ist es nicht verfehlt, ein Buch aufzuschlagen, das vor 117 Jahren veröffentlicht wurde. Geschrieben wurde es von Rudolf Diesel. Sie kennen das Produkt von ihm. Vielleicht haben Sie sogar ein mit seinem Motor ausgestattetes Auto, mit dem Sie zur Arbeit fahren.

1903 veröffentlicht Rudolf Diesel:

„Solidarismus. Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen.“

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Gerade in der gegenwärtigen Situation ist es dringend geraten, dieses Buch von Rudolf Diesel aufzuschlagen. In einer Situation, in der nicht wenige meinen, es ist hoch an der Zeit über eine Änderung der Wirtschaftsordnung nachzudenken, eine Veränderung dringend vonnöten ist.

Mitten in dieser Situation wird aber auch schon erkennbar, wer wieder die Last zu tragen haben wird, wem diese Krise aufgebürdet werden wird, wieder einmal.

Ihre dafür im Voraus schon gegebene Belohnung der Orden des nationalen Kraftaktes für die in dieser, auch in dieser Krise ausgegebene Order des nationalen Kraftaktes. Das wird die gesamte Belohnung also wieder einmal sein, eine Auszeichnung dafür, den Befehl des nationalen Kraftaktes pflichtvereidet wieder einmal erfüllt zu haben. Order und Orden, mit deren Herkunft von einem lateinischen Wort in der Bedeutung von Ordnung, Ruhe. Es muß Ordnung herrschen im Land. Es muß Ruhe herrschen im Land. Ruhe und Ordnung in geschlossener Reihe sind stets die begehrten Ziele des Stands, der Klasse, die zum nationalen Kraftakt vergattert.

Zu welchen Lösungen vor 117 Jahren Rudolf Diesel kommt, nun, als eine der Anleihen für die Gegenwart durchaus eine zu berücksichtigende, eine, die einfließen kann in die längst überfällige Veränderung der Wirtschaftsordnung, nicht nur in Österreich, sondern tatsächlich weltweit.

Die Lösung, wie sie Rudolf Diesel in „Solidarismus“ vorschlägt, ist zum Lesen in ihrer Gesamtheit zu empfehlen. Stoßen Sie sich dabei aber nicht an so mancher Formulierung, es ist ein Buch, das der Sprache vor 117 Jahren verpflichtet ist.

Es ist nicht die Intention, hier die Lösung von Rudolf Diesel zu propagieren, auch wenn „Solidarismus“ reich an Anregungen ist, die für eine dringend notwendige Veränderung der globalen Wirtschaftsordnung nützliche und nutzbringende Anregungen sind.

Im Mittelpunkt sollen hier die von Rudolf Diesel verwendeten Statistiken sein, die er zur klaren und schlüssigen Argumentation seiner Lösung heranzieht.

Es sind Statistiken, die aufzeigen, wie vor rund 120 Jahren es darum bestellt war, beispielsweise um die Verteilung des Vermögens, um die Steuerleistung, um den Konsum, um die Spareinlagen.

Die Statistiken von vor 120 Jahren von Rudolf Diesel beziehen sich auf Deutschland. Werden zu diesen Statistiken als Vergleich die Zahlen der Gegenwart aus Österreich gegenübergestellt, können nur mit größtem Erstaunen Fragen gestellt werden. Beispielsweise.

Wieso wollen die Menschen in Österreich, um bei diesem Land beispielhaft zu bleiben, nicht wissen, über welche gewaltige Mittel sie verfügen, und was sie mit diesen Mitteln für eine für sie positive Wirtschaftsordnung und Gesellschaftsordnung etablieren könnten?

Die gesamten Spareinlagen der Menschen in Österreich übertreffen bei weitem das Vermögen der sogenannten Reichsten in diesem Land.

Zu den von Rudolf Diesel vor 120 Jahren angeführten Statistiken fallen die gegenwärtigen Statistiken aus Österreich ein. Erstaunlich daran, wie die prozentualen Verteilungen einander im Grunde gleichen, in 120 Jahren es nicht zu enormen Verschiebungen, Veränderungen gekommen ist.

Vor 120 Jahren führt bereit Rudolf Diesel diesen einen berühmten Prozentsatz an, von dem heute alle Welt spricht: „1 Prozent der Gesamtbevölkerung im Besitze von 80 bis 85 Prozent des Vermögens“ … Um beim Beispiel Österreich zu bleiben, könnte gesagt werden, was für ein Fortschritt. Denn. Immerhin besitzen nun, 120 Jahre später, rund 10 Prozent, haben 120 Jahre später doch 10 Prozent mehr als die restlichen 90 Prozent gemeinsam, und der Anteil des einen reichsten Prozentes beträgt nur mehr 40 Prozent, und 50 Prozent der Menschen teilen sich gar stattliche 4 Prozent des Vermögens.

All die Chimären, um es kurz zu machen, die heute noch verbreitet werden, hat auch ein Rudolf Diesel bereits vor 117 Jahren als Chimären bloßgelegt.

Etwa die Chimäre über die Steuerleistungen. Wer heute die größten Steuerleistungen zu erbringen hat, sind genau jene, die bereits vor 120 Jahren die größten Steuerleistungen zu erbringen hatten.

Was für eine Einbildung nicht nur der einen für kurz gewesenen Ministerin der absoluten Wichtigkeit und vollkommenen Vorrangstellung der Wirtschaft. Was wäre die Wirtschaft ohne die Menschen, die für die Wirtschaft produzieren und zugleich das von ihnen selber Produzierte konsumieren?

Es gibt all die gegenwärtigen Statistiken auch aus Österreich, die all das belegen, und diese könnten hier auch angeführt werden.

Aber wozu?

Diese sind ohnehin bekannt. Aber diese wollen nicht wahrgenommen werden.

Es werden lieber weiterhin die Kälber der Chimären angebetet.

Es müssen nicht die aktuellen Statistiken angeführt werden, vor allem, weil diese im Grunde nichts anderes enthalten, als das, was diese beispielsweise schon vor 120 Jahre enthielten, belegten, als Grundlage zum Handeln, also zur endlichen Abkehr von den unverständlich nach wie vor geltenden Ordnungen, deren Fundament Chimären sind.

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Als Produzent.

Für die Produktion bedarf diese Behauptung eigentlich keines Beweises; da es Tatsache ist, daß für die große Masse die Familienhäupter unter 3000 Mark Jahreseinkommen haben, so folgt daraus, daß diese 97% der Bevölkerung arbeiten müssen, um zu leben, und daß sie somit mindestens 97% der Gesamtarbeit des Landes wirklich leisten.

Als Konsument.

Nicht ebenso selbstverständlich ist das Verhältnis für den Konsum. Hier herrschte sogar bis in die neuere Zeit hinein die Ansicht, daß der Verbrauch der bemittelten Minorität weit größer sei als derjenige der unbemittelten Massen. Dieser gründliche volkswirtschaftliche Irrtum ist heute widerlegt. R. E. May hat in seinem 1900 erschienenen Werk: ‚Das Verhältnis des Verbrauchs der Massen zu demjenigen der Wohlhabenden und Reichen‘ nachgewiesen, daß der Verbrauch der großen Masse (als welche er alle Einkommen unter 3000 Mark ansieht) sechsmal so groß ist als derjenige der Wohlhabenden und Reichen (über 3000 Mark Einkommen). Würde der Konsum der letzteren plötzlich verschwinden, so würde die Volkswirtschaft das selbstverständlich spüren, aber ein durchgreifender Schaden, ja eine Krisis würde damit kaum verbunden sein. Maßgebend für das Gedeihen einer Volkswirtschaft ist danach der Konsum der großen Masse der Abhängigen. Daraus erhellt die eminente Wichtigkeit der Kaufkraft der untern Einkommensschichten und die ungeheure Macht der vereinten Kaufkraft dieser Schichten; eine verhältnismäßig kleine Verringerung dieser Kaufkraft führt sofort eine schwere Krisis herbei, und eine geringe Erhöhung derselben ist für das Gedeihen der Volkswirtschaft, also für die Gesamtwohlfahrt, unvergleichlich wichtiger als das Ansammeln noch so großer Einzelvermögen oder als das Erschließen noch so großer ausländischer Absatzgebiete; denn auch der Konsum des Außenhandels ist im Verhältnis zum inländischen Verbrauch der großen Masse viel geringer, als man gemeinhin annimmt; so beträgt in Deutschland die Gesamtausfuhr pro Kopf jährlich 70 Mark, der inländische Verbrauch pro Kopf mindestens 200 Mark [23], d. h. mindestens 3 / 4 des ganzen Verbrauchs. (Siehe G. Maier, Soziale Bewegungen, 1902.) Diese Zahlen beweisen, daß die große Masse der Produzenten eines Landes der Hauptsache nach ihr eigener Konsument ist. Möchte doch das Bewußtsein unseren maßgebenden Faktoren in Fleisch und Blut übergehen, daß die Blüte einer Volkswirtschaft direkt proportional ist der Kaufkraft der großen Masse, und daß die Ankündigung des Anwachsens des Durchschnittseinkommens der großen Masse um 5 oder 10% für die Beurteilung der industriellen und landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes ungleich mehr bedeutet als die Aufzählung noch so vieler erstaunlich hoher Steuerzahler.

Als Kapitalist.

Im Anhang 4 wurde bewiesen, daß die Gesamtsumme der Spareinlagen der kleinen Sparer in Deutschland wenigstens 12 bis 14 Milliarden Mark beträgt. Vergleicht man diese Summe mit den Kapitalien der größten amerikanischen Trusts (Anhang 7), so zeigt sich das überraschende Ergebnis, daß die deutschen Kleinsparer dreimal so viel Kapital besitzen als der gewaltigste Trust der Welt, der amerikanische Stahltrust, und siebenmal so viel Kapital wie der allmächtige Petroleumtrust, welcher allen Kulturländern seine Bedingungen diktiert. Es folgt daraus, daß die Kleinsparer eines einzigen Landes als Gesamtheit der größte Kapitalist sind, größer und mächtiger als selbst die gewaltigsten Kapitalvereinigungen, vor denen die ganze Welt das Knie beugt, und denen die Industrien aller Länder tributpflichtig sind.

Als Steuerzahler.

Wie man früher irrtümlich annahm, daß die Wohlhabenden und Reichen die größten Verbraucher seien, so nimmt man heute noch an, daß sie den größten Teil der Steuern eines Landes aufbringen. Die Ansicht, daß die Steuern der Hauptsache nach von den sogenannten »leistungsfähigen Schultern« getragen werden, daß ein großer Teil der Bevölkerung überhaupt steuerfrei sei, ist allgemein verbreitet, und doch ist sie ein schwerer Irrtum. Diese Ansicht trifft einigermaßen zu nur für die direkten Steuern, unter welchen die wichtigste die Einkommensteuer ist. So betrug im Jahre 1901 [24] die Gesamteinkommensteuer der physischen Zensiten in Preußen 168,13 Millionen Mark. Hiervon entfielen auf Zensiten mit über 3000 Mark Jahreseinkommen 114,01 Millionen Mark. Demnach beträgt die Leistung der Zensiten unter 3000 Mark Einkommen 54,12 Millionen Mark. Es bezahlt also von dieser Steuer die große Masse (97% der Bevölkerung) nur rund 1 / 3 , und die übrigen 3% der Bevölkerung 2 / 3 . Ganz anders aber gestaltet sich das Bild, wenn man die zweite wichtigste Steuergruppe, die indirekten Steuern in Betracht zieht; diese sind der Hauptsache nach Verbrauchssteuern, Zölle, in süddeutschen Staaten Weinsteuer, Fleisch- und besonders Biersteuer u. dgl., dieselben hängen nicht vom Einkommen, sondern vom Verbrauch pro Kopf an alltäglichen Lebensmitteln ab, sind also im wesentlichen pro Kopf für alle gleich; allenfalls könnte man annehmen, daß die große Masse hiervon 6 / 7 und der Rest der Bevölkerung 1 / 7 leistet, weil sich der Konsum dieser beiden Gruppen, wie vorhin gezeigt wurde, so verhält. Nach einer Abhandlung des badischen Finanzministers Dr. Buchenberger entfallen nun auf den Kopf der Bevölkerung in den letzten Jahren aus den zwei wichtigsten Steuerarten: in Preußen in Bayern

1. an direkten Steuern 6,07 M. 5,90 M.
2. an Zöllen und Verbrauchssteuern 15,28 “ 21,06 „
zusammen 21,35 M. 26,96 M.

Nimmt man für Preußen heute eine Einwohnerzahl von rund 34 1 / 2 Millionen und für Bayern von 6 Millionen an, so bringen diese beiden Steuerarten ungefähr folgende Summen: in Preußen in Bayern

1. direkte Steuern 210 Mill. M. 36 Mill. M.
2. Zölle und Verbrauchssteuern 530 “ “ 126 “ „
zusammen 740 Mill. M. 162 Mill. M.

Nun entfallen auf die große Masse (unter 3000 Mark Einkommen) wie wir sahen, von der Steuer 1 1 / 3 , von Steuer 2 6 / 7 . Demnach gestaltet sich die Steuerverteilung wie folgt: in Preußen in Bayern

auf die große Masse (unter 3000 M. Einkommen) 70 + 455 = 525 Mill. 12 + 108 = 120 Mill.
auf die Wohlhabenden und Reichen (über 3000 M. Einkommen) 140 + 75 = 215 “ 24 + 18 = 42 „
zusammen740 Mill. 162 Mill.

Die große Masse trägt demnach in Preußen 5 / 6 , in Bayern 3 / 4 der beiden wichtigsten Steuern, trotz der Einkommensteuerfreiheit von 65% der Bevölkerung und trotz der zum Teil bedeutenden Leistungen einzelner sehr bemittelter Steuerzahler. Die Besteuerung der großen Massen ist demnach die wesentlichste, ja die ausschlaggebende Einnahmequelle der Staaten. Diese große Masse als Gesamtheit ist der größte Steuerzahler.

Daß dies auch für die schwerste aller Steuern, den Militärdienst, zutrifft, ist selbstverständlich, da die große Masse, entsprechend ihrer Zahl, auch hierzu 97% der Gesamtlast liefert. Von der großen Masse hängt die militärische Macht des Staates ab. Die große Masse ist also in allen wichtigen Dingen der ausschlaggebende Faktor im Staate und in der Volkswirtschaft. Daß aber der Einfluß dieses größten Teils der Bevölkerung, seine Vertretung im Parlament, seine rechtliche Stellung und sein Anteil an den Segnungen der Kultur nicht dieser maßgebenden Stellung und überwiegenden Leistung entspricht, muß jeder rechtlich Denkende zugeben. Wenn aber diese Masse trotzdem heute eine so durchaus überwiegende Leistung aufweist, wieviel mehr müßte das der Fall sein, wenn man dieselbe durch mehr Anteil an den Segnungen der Kultur geistig und körperlich leistungsfähiger machte. Je höher das Niveau ist, auf welchem die Masse steht, desto höher ist die Leistung, die Macht und das Ansehen des Landes. Das ist der logische Schluß aus diesem nackten Zahlenmaterial.“

Am 1. Mai 2020

Ab 1. Mai 2020 die Wohnungen, die Häuser zu verlassen, hinauszugehen, dafür ist Seb. Kurz.

Und Seb. Kurz mit seinem patriotischem Herzen von unendlichem Auswuchs kennt den österreichischen Kalender gar recht und weiß daher, daß der 1. Mai eines jeden Jahres in Österreich kein Feiertag ist, sondern der 1. Mai ein Tag des Arbeitens und des Einkaufens.

„Unser Ziel ist es, daß mit 14. 4., also mit Dienstag nach Ostern, kleine Geschäfte bis […] wieder öffnen dürfen. Ab dem 1. 5., also ab dem 1. Mai, ist unser Ziel, daß alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen dürfen.“

Das sagt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich wörtlich am 6. April 2020. Es fällt schwer, zu sagen, er habe dies in einer Pressekonferenz wörtlich gesagt, nun öffentlich war es, Mikrofone hörten aufmerksam zu, Kameras nahmen pflichtbewußt seine gefalteten Hände auf, es war eine Pressekonferenz, wie diese zur Norm zu werden scheint in diesem Land, und nicht beschränkt auf eine zeitlich einzugrenzende Situation, mit ihren mehr und mehr „seltsamen Ereignissen“, wie „Die Pest“ beginnt …

Das sagt also der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich, mit Dienstag, 14. April, er sagt nicht ab 13. April, das war ein Montag, ein Feiertag in Österreich, und weil es für ihn ein Feiertag ist, deshalb sagt er ab 14. April, also ab dem nächsten Werktag, und er sagt nicht ab 2. Mai, das wird ein Samstag sein, oder, er sagt nicht ab dem 4. Mai, das wird ein Montag sein, er sagt ab 1. 5., und er sagt das zweimal: ab 1. 5., also ab dem 1. Mai, und so steht es auch auf der Website des Bundeskanzleramtes in Österreich, auch an diesem Werktag, dem 14. April 2020, alle Geschäfte sollen für den zurzeitigen Bundeskanzler an einem Feiertag wieder öffnen dürfen …

Wenn es des zurzeitigen Bundeskanzlers in Österreich Wunsch ist, daß sich am 1. Mai 2020 einander alle begegnen, die in Geschäften, in Einkaufszentren arbeiten, Haare schneiden, die in Geschäften, in Einkaufszentren einkaufen, ihre Haare sich schneiden lassen, so soll ihm dieser Wunsch doch erfüllt werden.

Allerdings mit einer kleinen Veränderung. Da am 1. Mai eines jeden Jahres in Österreich traditionell, weil es eben ein Feiertag ist, alle Geschäfte, alle Einkaufszentren, alle Salons der Friseure und Friseurinnen geschlossen haben, und das auch an diesem 1. Mai 2020 nichts anders sein wird, kann es für die Erfüllung des kanzlerischen Wunsches nur eine Möglichkeit geben.

Treffen von allen am 1. Mai 2020 um 14.00 Uhr auf den traditionellen Plätzen

Ein Treffen von allen auf den Plätzen in ganz Österreich, die traditionell für die Treffen am 1. Mai genutzt werden. Um dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich zu zeigen, wie gerne seinem Wunsch nachgekommen wird, kann es am 1. Mai 2020 in Wien dafür nur einen Platz geben, den Ballhausplatz mit seinem Bundeskanzleramt. Und weil auch der 1. Mai 2020 nach wie vor ein Feiertag ist, mag der zurzeitige Bundeskanzler diesen in seinem Kalender in welcher Farbe auch immer eingefärbt haben, soll der 1. Mai ohne Hast begonnen werden, erst nach einem feiertäglichen Mittagessen zum Ballhausplatz aufgebrochen werden, um vor dem Bundeskanzleramt um 14.00 Uhr …

Die Pest in Zeiten der Corona

Es kann nicht ausbleiben, daß zur Literatur gegriffen wird. In Zeiten der Corona. Zur Literatur aus fernen Tagen.

Das Burgtheater holt hervor: „Das Dekameron“ von Giovanni Boccaccio.

Radio FM4 und Theater Rabenhof kommen mit „Die Pest“ von Albert Camus.

Was für eine vortreffliche Wahl.

Diese Bücher als Durchhalteparolen.

Welch ein Beistand zur seelischen und geistigen Erbauung in Zeiten der Corona.

Während Menschen, die im Freien lesen, von der Polizei in ihre Wohnungen gescheucht werden, vielleicht weil die Gefahr besteht, sie könnten Bücher lesen, die für Zeiten der Corona die falschen Bücher sind, sollen sie auf Zimmer-Küche-Kabinett jenen zuhören und zusehen dürfen, die ihnen in den Tagen der Corona die richtigen Bücher vorlesen …

„Das Dekameron“ aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, aus der Zeit also, als die Pest … und gerade diese Zeit vor rund 670 Jahren bringt den Gedanken hervor, daß für den Kardinal Christoph Schönborn ein falscher Text ausgesucht wurde. Und er wird auch mit einem falschen Hintergrund bei seinem Vorlesen gezeigt.

Die richtige Kulisse für ihn: der Judenplatz in Wien, das Haus mit der Nummer 2.

Während die einen aus „Die Pest“ von Albert Camus vorlesen, hätte es für den leitenden Angestellten des Organisierten Glaubens eine eigene Zusammenstellung von Texten bedurft, als Zwischentexte, die sich in „Die Pest“ hervorragend einfügen lassen. Jeweils vorgelesen von Christoph Schönborn, je nach einem Kapitelende oder vor je einem neuen Kapitel des Romans von Albert Camus.

Der erste Zwischentext dafür muß mit der Gegenwart beginnen, also mit dem April 2020.

Es finden sich Menschen auf den Gassen der Landstraße ein, um das Wort ihres Herrn zu verkünden. Sie überkleben mit den Worten ihres Herrn Plakate. Sie benennen die Schuldigen an der Seuche. Es sind Worte der Hoffnung. Denn. Wenn die Schuldigen verurteilt durch ihren Herrn, den Richter, wenn die Schuldigen zu Tode gebracht, wird die Seuche so rasch aus der Welt wieder sein, wie sie durch die Schuldigen in die Welt gekommen ist.

Der zweite Zwischentext vorgelesen von Christoph Schönborn, wie alle Zwischentexte von diesem leitenden Angestellten vorzulesen sind, ebenfalls ein Zwischentext zur Gegenwart, Frühling 2020.

Wie vor 125 Jahren ein „polnischer Jude“ beschuldigt wurde, eine Seuche gebracht zu haben, wird nun ein „ungarischer Jude beschuldigt, eine Seuche zu bringen. Etwa von einem Mann, zu dem etwas zu sagen, die Zeit fehlt, so kurz sind die Stunden der Zeit der Corona geworden. Aber nicht nur der Mann, von dem nicht gewußt wird, ob er im Grätzel Buda oder im Grätzel Pest wohnt, beschuldigt den „ungarischen Juden“, auch ein Magazin, von dem gewußt wird, es hat ihr Lager im Grätzel Landstraße, verbreitet die Beschuldigung des „ungarischen Juden“, belohnt dafür von der österreichischen Bundesregierung der schwarzgrünen Eintracht durch eine außerordentliche Förderung in Zeiten der Corona.

„Die Pest“ erzählt vom Jahr 1941. Dieses Jahr wird vom Erzähler zwar nicht genannt. Albert Camus erlaubt seinem Erzähler lediglich den vagen Hinweis:

„Die seltsamen Ereignisse, denen diese Chronik gewidmet ist, haben sich 194 . in Oran abgespielt.“

Aber später im Roman läßt eine Jahreszahl darauf schließen, daß sich die seltsamen Ereignisse 1941 abgespielt haben müssen:

„Vor siebzig Jahren waren in Kanton vierzigtausend Ratten an der Pest gestorben, ehe die Seuche sich mit den Menschen befaßte. Aber 1871 gab es keine Möglichkeit, die Ratten zu zählen.“

Was sich 75 Jahre nach dem Untergang des massenmörderischen deutschen reiches abspielt, ist nicht „seltsam“, sondern mannigfach ungustiös, besonders in Österreich …

„Die Pest“ wird von Albert Camus unter ein Motto gestellt, das er seinem Roman durch ein Zitat von Daniel Defoe voranstellt:

„Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgend etwas wirklich Vorhandenes durch etwas, das es nicht gibt.“

Was Albert Camus also tatsächlich erzählen wollte, ist nicht die Geschichte einer Krankheit, sondern die Geschichte von den ersten fünf Jahren der 1940er Jahre, so hat es seine Richtigkeit, daß er seinen Erzähler zu Beginn des Romans nur von „194.“ sprechen läßt.

Er erzählt also von der Hergerichtetheit und Zugerichtetheit der Gesellschaft in diesen Jahren, die über Jahrhunderte darauf vorbereitet wurde, bis schließlich einer von diesen Hergerichteten und Zugerichteten von der „geistigen Pestilenz“ stammeln konnte …

Die vom leitenden Angestellten des Organisierten Glaubens in Österreich zu lesenden Zwischentexte aus diesen Jahrhunderten haben keine Texte zur seelischen und geistigen Erbauung zu sein, sondern haben das Auflisten von Zahlen zu sein, von den Toten, die nicht an einer Krankheit gestorben sind, sondern ermordet wurden.

„Am Ende der Pestpogrome waren 300 jüdische Gemeinden vernichtet, etwa zwei Drittel aller Juden im Reich waren ermordet worden.“

Ein Zwischentext, allein zu Deutschland.

Jedoch, die Gesamtzahl der Ermordeten durch die Jahrhunderte, wer könnte sie nennen? Vielleicht der Herr des leitenden Angestellten, der doch, wie es heißt, alles weiß und alles befiehlt, so auch die „Pestpogrome“ …

Da auch nicht umfassend aufgezählt werden kann, wo überall in Europa die grauslichsten Verbrechen, die blutrünstigsten Morde, kann ein Zwischentext nur beispielhaft aufzählen, beispielsweise ein paar Dörfer in Österreich …

„Seit dem frühen 14. Jahrhundert kam es immer wieder zu lokalen Judenverfolgungen. Besonders schwerwiegend waren jene von 1349, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Pest standen. Unter dem Vorwand, dass die jüdischen BewohnerInnen Brunnen und Quellen vergiftet und damit die Pest verursacht hätten, um die Christenheit auszulöschen, wurden Juden und Jüdinnen in ganz Österreich verfolgt. In Feldkirch, Krems, Salzburg, Hallein, Zwettl und Braunau lassen sich Morde und Plünderungen nachweisen. Derartige Pogrome wurden in vielen Gemeinden vor dem Auftreten der Pest quasi ‚vorbeugend‘ durchgeführt.“

1349. In diesem Jahr soll Boccaccio mit seinem „Dekameron“ begonnen haben, die nun das Burgtheater zur seelischen und geistigen Erbauung …

„Da erinnerte er sich eines reichen Juden namens Melchisedech, der in Alexandrien auf Wucher lieh und nach Saladins Dafürhalten wohl imstande gewesen wäre, ihm zu helfen, aber so geizig war, daß er es aus freien Stücken nie getan hätte.“

Aus der dritten und zweiten Geschichte des ersten Tages nun dargebracht im Frühjahr 2020 …

„Dieser war eng mit einem steinreichen Juden namens Abraham befreundet, der gleichfalls Kaufmann und dabei ehrlich und unbescholten war. Wenn Jeannot nun den tadellosen Lebenswandel seines Freundes betrachtete, so ging es ihm sehr zu Herzen, daß ein so wackerer, verständiger und guter Mann verdammt sein sollte, weil der wahre Glaube ihm fehlte. So bat er ihn denn als Freund, er möge den Irrtümern des jüdischen Glaubens entsagen und zu dem allein wahren christlichen übertreten, dessen Heiligkeit und Güte sich schon durch sein fortwährendes Wachsen und Gedeihen kundgäben, während das Judentum immer mehr verfalle und seinem nahen Ende zueile.
Der Jude erwiderte, daß er keinen Glauben als allein den jüdischen für gut und heilig halte: in dem sei er geboren, in dem gedenke er zu sterben und davon werde ihn nichts jemals abbringen können. Jeannot ließ sich dadurch nicht abhalten, nach Verlauf einiger Tage auf denselben Gegenstand zurückzukommen und ihm, so gut oder auch so schlecht, wie es die Mehrzahl der Kaufleute versteht, auseinanderzusetzen, daß und warum der christliche Glaube besser ist als der jüdische. Der Jude stieg zu Pferde und eilte nach Rom, so rasch er konnte. Am Ziel angelangt, ward er von seinen Glaubensgenossen auf das ehrenvollste empfangen. Er aber begann, ohne über den Zweck seiner Reise jemandem etwas zu sagen, mit aller Vorsicht das Leben des Papstes, der Kardinäle und der übrigen Prälaten und Hofleute zu beobachten. Was er, von einem nicht gewöhnlichen Scharfblick unterstützt, selbst wahrnahm, und was er hier und da von andern erfuhr, überzeugte ihn nun bald, daß sie allesamt der Wollust, und zwar nicht nur der natürlichen, sondern auch der sodomitischen, frönten, ohne sich irgend Zaum und Zügel von Scham oder Schande anlegen zu lassen, so daß in den wichtigsten Angelegenheiten der Einfluß der feilen Dirnen und der Knaben von nicht geringer Wichtigkeit war. Außerdem fand er in ihnen insgeheim Schlemmer, Säufer, Trunkenbolde und Geschöpfe, die nach Art der unvernünftigen Tiere nächst der Wollust mehr dem Bauche als irgend etwas anderem gehorchten. Bei genauerer Betrachtung lernte er sie noch außerdem als so geizig und geldgierig kennen, daß sie mit Menschen-, ja mit Christenblut und mit den heiligsten Dingen, Opfern, geistlichen Pfründen oder welcher Art sie immer sein mochten, um Geld einen abscheulichen Handel trieben. Ärger sah er sie dabei markten und mehr Makler beschäftigen als jemals in Paris beim Verkauf der Tücher oder irgendeiner andern Ware. Offenbare Bestechung hörte er Fürsprache und unverschämte Gierigkeit Diäten nennen, als ob Gott nicht den bösen Willen im verworfenen Herzen, geschweige denn den wahren Sinn der Worte erkennte und nach Art der Menschen sich durch den Namen der Dinge täuschen ließe. Alles dies und noch manches andere, das ich besser verschweige, mißfiel unserem Juden, der ein sittenreiner und gesetzter Mann war, auf das äußerste, und da er genug gesehen zu haben glaubte, beschloß er, nach Paris zurückzukehren, und tat also.“

Zwischentexte können davon erzählen, wie die bloß geschriebenen Gewaltphantasien eines Mannes, dem 225 Jahre vor dem Vatikan die Unzulässigkeit der Todesstrafe klar war, gegen die in Wirklichkeit begangenen Gewalttaten …

„Schon bevor die Pest nach Basel kam, brach sich die Judenverfolgung Bahn. In der Weihnachtszeit 1348 wurde der jüdische Friedhof geschändet, durch den Pöbel, wie es hiess, es waren aber durchaus auch Ritter unter den Vandalen. Im frühen Januar 1349 trafen sich Vertreter der Städte Basel, Freiburg im Breisgau und Strassburg im elsässischen Belfeld, dabei wurde besprochen, wie man die Juden am besten loswerden könne. Die Obrigkeit beschloss, die Unterschicht zu einem Pogrom anzustacheln, was in der Fasnachtszeit damals besonders leicht zu bewerkstelligen war, weil dann ohnehin eine erhöhte Aggressivität herrschte. In Basel kam es zum Massenmord, noch bevor die Pest hier eintraf. Am 16. Januar 1349 trieben Banden, wieder war von Pöbel die Rede, wieder waren auch Ritter involviert, alle jüdischen Gemeindemitglieder zusammen, die sie in der Stadt finden konnten, pferchten sie in eine Holzhütte auf einer Rheininsel, die sie zu diesem Zweck gebaut hatten, und steckten diese in Brand. An die hundert Juden starben an diesem Tag. In Freiburg, Strassburg und vielen anderen Städten kam es zu ähnlichen Massakern.

„Als die Daumenschrauben nicht zu den gewünschten Geständnissen führten, zog man daraus nicht etwa den Schluss, dass die Vorwürfe abwegig, sondern dass die Daumenschrauben unzulänglich waren. Man versuchte es also mit anderen, altbewährten Methoden. So schnitt man den verdächtigen Juden die Waden auf und goss heißes Pech hinein, man verbrannte ihnen die Fußsohlen, „bis das bloße Bein zu sehen war“, wie der Chronist vermerkt, und trieb die Malträtierten unter Hieben durch die Stadt. Kein Wunder, dass die Verhörten dann doch alles gestanden, was man ihnen vorgeworfen hatte: dass sie heimlich die Brunnen vergiftet hatten mit rotem, grünem und schwarzem Pulver, dass sie dazu von einem Rabbiner angestiftet worden waren und dass überhaupt alle Juden im Alter von sieben Jahren in das Geheimwesen der Brunnenvergiftung eingeführt werden.“

Für einen Mann der Ökumene darf ein Mann nicht fehlen, für einen Zwischentext:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

Zu Beginn des Kapitels war die Rede von dem Mann der Hand, dessen Schriften nun auf den Gassen Wiens geklebt werden, wohl zur Vertreibung der Corona, der Mann der Hand ist für den Kardinal ein großer Mann, ein zu verehrender, ein anzubetender Mann. Soher mit einem Zitat für einen Zwischentext dieses Mannes der Hand soll geendet werden.

„Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt, wie auch sie von den Juden, die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind, indem sie – um ihr Sündenmaß stets voll zu machen – uns wehren, zu den Nationen zu reden, damit die errettet werden; aber der Zorn ist endgültig über sie gekommen.“

Der allerletzte Zwischentext für Christoph Schönborn in der Lesung von „Die Pest“ von Albert Camus soll eine Frage sein.

Wann meinet Ihr wurde in das Organisationshandbuch der römisch-katholischen Kirche die Feststellung

„Die Juden sind für den Tod Jesu nicht kollektiv verantwortlich.“ 

aufgenommen, vor 28 Jahren, vor 75 Jahren, vor 559 Jahren, vor 670 Jahren …

Solidarismus statt weiter mit „nationalen Kraftakten“

Beim Beklagen der „Hetze gegen Reiche“ will und kann es die ÖVP mit ihrem leader nicht belassen, es muß ihnen, die so reich der „Hetze“ ausgesetzt sind, auch tatkräftig geholfen werden.

Und wie kann den unter „Hetze“ Leidenden in ihrem Wohlstand am besten geholfen werden? Durch die sofortige Ablehnung von „Einzelmaßnahmen“ für die „Reichen“, bei sofortiger Ausrufung eines „nationalen Kraftaktes“, von dem die armen „Reichen, die ohnehin durch „Hetze“ ein schweres Schicksal zu erleiden haben, auszunehmen sind, wie die türkis getupfte Partei mit ihrem leader in ihrem ewig christlichen Lobbyismus für sie wieder einmal beschließt.

Das heißt. Durch die „nationale“ Vernebelung sollen alle, die das Gesamte wieder einmal zu bezahlen haben werden, nicht merken, daß sie es sind, die es wieder einmal bezahlen werden. Sie sollen es nicht nur nicht merken, sie sollen es auch mit Freude und Stolz und zahlreich danken mit ihrer Stimme in allen folgenden Wahlen for the black party and its leader …

Schließlich wird von der schwarzen Partei ein „Kraftakt des Nationalen“ als das Evangelium in Zeiten der Corona verkündet. Und wer kann sich diesem entziehen, wenn das „Vaterland“, wenn die Partei mit ihrem leader, die das „Vaterland“ ist, ruft zum einig Vaterland

Auch die „Reichen“ entziehen sich nicht der frohen Botschaft ihres Vaterlandes, ihr, so spricht die Partei zu ihnen, aber unter der „Hetze“ gar so Geplagten, habt euer Scherflein mehr schon als genug beigetragen, so gehet hin in Frieden, erfreuet euch eurer Fincas, seiet ohne Furcht, das Vaterland ist mit euch, sorgt für euch, die ihr so schwer beladen, euch zu geben, was des Eures ist, es bleibet genug noch zu nehmen, was des Menschen ist, so spricht zu ihnen der …

Zu nehmen, was der Mensch noch hat. Das ist ein Rätsel seit Menschengedenken. Wie es doch immer wieder möglich ist, daß Menschen, die nichts außer leere Taschen haben, doch immer wieder den schieren Kraftakt vollbringen, die gesamte Zeche jedweder Krise zu bezahlen, während jene, die vor jedweder Krise die Taschen voll haben, während jedweder Krise die Taschen voll haben und nach jedweder Krise die Tasche voll haben …

Statt eines „nationalen Kraftaktes“ endlich einen Akt der Solidarität. Als Auftakt dafür bietet sich der 1. Mai 2020 wie kein anderer Tag in diesem Jahr an. Darum:

Heraus zum 1. Mai!

Ein Heraus zum 1. Mai! kann aber nur der Auftakt sein. Die Gesellschaft auf den Grundlagen eines Solidarismus zu verändern, einen Solidarismus zum zukünftigen Fundament der Gesellschaft zu machen, das ist nicht an einem einzigen 1. Mai zu bewerkstelligen. Aber der 1. Mai, gerade der 1. Mai 2020, kann dafür der Beginn sein. Um es endlich zu einem Ende zu bringen, dieses Vegetieren von einem „nationalen Kraftakt“ zum nächsten „nationalen Kraftakt“, von einer Krise zur nächsten Krise also, unabhängig davon, wodurch Krisen je ausgelöst werden.

Zum Solidarismus könnte jetzt, wo doch alle viel Zeit zum Lesen hätten — aber nur in einem nicht einsehbaren Winkel der Zimmer-Küche-Kabinett-Behausung, denn das Lesen im Freien ist nach der Verhaltensmaßregelung der österreichischen Bundesregierung kein erlaubter Grund für den Aufenthalt im Freien –, sogar ein Buch aufgeschlagen werden, dessen Verfasser Millionen und Millionen von Menschen kennen, dessen Namen sie täglich nennen in den Kathedralen entlang der Autobahnen, entlang der Landstraßen, in den Dörfern …

Übrigens. Der nach wie vor millionenfach bekannte Verfasser des Buches über „Solidarismus“ war nicht Teilnehmer der Sitzung vor der „Krise“. Aber ein anderer Mann, dessen Produkt zu besitzen, heute noch so viele mit Stolz erfüllt. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stand, die Sicherung des Wohlstands der teilnehmenden Konzernvertreter vor der „Krise“, während der „Krise“ und nach der „Krise“. Das ist ihnen bis heute gelungen, mit einem „nationalen Kraftakt“, den nicht sie, auch damals nicht sie zu stemmen …

Tea Party for a national show of feat

Von einem „nationalen Kraftakt“ spricht nun die ÖVP zur Bewältigung, nein, nicht zur Bewältigung der Krise, sondern für das „wirtschaftliche …“

Sie wird wohl schon mit Eifer dabei sein, beim Entwerfen ihres Plans des gerechten Verteilens der Kosten

Bleibt bloß noch die Frage offen. Wo läßt sie den Plan entwerfen? Wer ist von ihr mit dem Planentwurf des „nationalen Kraftaktes“ beauftragt? Was für ein Team schickt sie zum Tee?

Im Grunde ist das keine allzu schwer zu beantwortende Frage, in diesem Land, in dem das Darben gar recht verteilt.

In einer Filiale der Ibizabank der Wirtschaftskammer, auf einer Tea Party … Zu der mit einer sicheren Aufstellung rechnen können, die ganz ohne Förderung durch den Staat …

Nationalnebel

Die sofortige Ablehnung einer Vermögenssteuer, die sofortige Ablehnung einer Erbschaftssteuer durch die ÖVP mit ihrer Beschwörung eines „nationalen Kraftaktes“ …

„Für das wirtschaftliche Comeback Österreichs nach der Krise benötigt es einen noch nie dagewesenen nationalen Kraftakt und nicht irgendeine Einzelmaßnahme.“

Eine „Einzelmaßnahme“ des „nationalen Kraftaktes“, in dem die ÖVP ihr Heil zu suchen gewillt ist, könnte eine „Erbschaftssteuer“ sein, könnte eine „Vermögenssteuer“ sein.

Die Vermögenssteuer als eine „Einzelmaßnahme, die Erbschaftssteuer als eine „Einzelmaßnahme unter den vielen Maßnahmen, die nun zu setzen sind, lehnt die ÖVP rigoros ab. Stets, wenn ein Land dem Dekret eines „nationaler Kraftakt“ unterworfen werden will, muß sofort jedem Menschen klar sein, für wen die Bewältigung der Krise ein enormer „Kraftakt“ zu sein haben wird.

Mit „nationalem Kraftakt“ sind die Erlässe immer dann überschrieben, wie nun von der türkis getupften schwarzen Partei in Vorbereitung, wenn von allen Menschen in einem Land ein außerordentliche Leistungen verlangt, gefordert, aufgezwungen werden.

Kurz ist es her, als von der ÖVP nicht der Nationalnebel versprüht wurde, um gegen eine Vermögenssteuer, gegen eine Erbschaftssteuer zu sein, sondern ihr Benebeltsein von der Null, um den „Wohlstand“ …

Wessen „Wohlstand“ die ÖVP „sichert“, nun, zu dem gehört nicht der Wohlstand der Menschen auf Zimmer-Küche-Kabinett …

In einem Palais war es vor wenigen Monaten, daß ihr Obmann, benebelt von der Null, gegen Vermögenssteuer und gegen Erbschaftssteuer und für den „Wohlstand“ der … Vor 71 Jahren bereits wurde in einem Land die Erbschaftssteuer eingeführt, und es muß hier nicht wiederholt werden, welche großartigen Maßnahmen damit gesetzt werden konnten.

Einig Nationalnebel von ÖVP und FPÖ

Daß auch die FPÖ wie die ÖVP sofort gegen eine Erbschaftssteuer, gegen eine Vermögenssteuer reitet, nun, das kann nicht überraschen, ist sie doch die Partei des kleinen Mannes mit Millionen in den Taschen

Kurz ist es her, als ein für kurz gewesener Finanzstaatssekretär aus der FPÖ den Steuersatz für den kleinen Mann mit Millionen in den Taschen senken wollte, dafür aber für die große Frau mit den Löchern in den Taschen die hohen Steuersätze beibehalten …

Und nun spricht der für kurz gewesene Innenminister von der Partei des arbeitenden Geldes von einer „Todessteuer“ und verbreitet seine „Grauslichkeiten“ gegen Vermögenssteuer und gegen Erbschaftssteuer, wenn er seine Wahrheit verkündet, wer von einer Erbschaftssteuer oder von einer Vermögenssteuer …

Fahrenheit 32

Beinahe wollte Ärger über die Polizei aufkommen, als zwei Polizisten und eine Polizistin einen Menschen, der lesend ganz allein auf einer Wiese saß, in einem Radius von mindestens vierzig Metern um ihn herum kein zweiter Mensch, nur der Mensch mit seinem Buch allein, weit entfernt von allen anderen Menschen im Park, auch kein Hund, keine Katze hielten sich innerhalb dieses Umkreises von vierzig oder gar fünfzig Metern auf, in der Zeit der Beobachtung dieser Szene kam nur ein Insekt einmal bis sieben oder sechs Meter an den lesenden Menschen heran, dazu anhielten, sofort den Park zu verlassen, in der Sekunde nach Hause sich zu begeben, da es nur drei Gründe geben würde, das Haus zu verlassen, nämlich Einkauf, Arbeit und Unterstützung von anderen Menschen.

Lesen ist kein Sport und ein Buch keine frische Luft …

Sie vergaßen dabei allerdings auf zwei weitere Gründe, nämlich auf Sport im Freien und auf das Schnappen von frischer Luft, wie es der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich taxativ aufzählt. Es kam aber kein Ärger über die Polizei auf. Die vergeßliche Polizistin und die zwei vergeßlichen Polizisten zählten zwar nicht alle erlaubten Gründe auf, um die Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung verlassen zu dürfen. Aber in angestrengten Zeiten sollte doch die Nachsicht erste Tugend sein.

Das Lesen von Büchern außerhalb von Zimmer-Küche-Kabinett jedoch gehört nicht zu den erschöpfend aufgezählten Gründen, die es erlauben, in das Freie sich zu begeben.

Die zwei Männer und die Frau der Polizei befolgten also, wie es sich für nehammerische Unterstellte geziemt, bloß die Direktive des zurzeitigen Bundeskanzlers.

Was würde das auch für ein Bild vermitteln, daß es noch Menschen gibt, die lesen, dazu auch noch öffentlich, nicht in einem uneinsehbaren Winkel der Zimmer-Küche-Kabinett-Behausung. Darüber werden die zwei Polizisten und die Polizistin wohl nicht nachgedacht haben bei ihrer Befolgung der Direktiven, die ausgegeben werden von Menschen, die nicht auf Zimmer-Küche-Kabinett wohnen.

Dabei, was für ideale Temperaturen wetterbedingt für das Lesen im Freien, für Bücher aber die Temperatur abgesenkt auf Fahrenheit 32 …

So kam kein Ärger über die drei Amtshandelnden auf, aber Erleichterung.

Erleichterung darüber, daß sie nicht kontrollierten, ob der von ihnen im Auftrage zu verjagende lesende Mensch schon die „Corona-App“ installiert habe. Es gibt dazu zwar noch keine Verpflichtung, aber der zurzeitige Bundeskanzler spricht ständig davon, und auch der Präsident hat bereits seine Liebe zur Coronaappverpflichtung bekundet, unentschieden zwar, aber so ist eben in der Liebe. Wer weiß schon, was Amtshandelnden mit Aussagen von ihren Obersten im Ohr, alles einfällt, aus vorauseilendem Gehorsam, und, wie gewußt wird, der vorauseilende Gehorsam ist ein Hund. Hätten sie es dem lesenden Menschen geglaubt, dass er für das Installieren von sogenannten Apps keine Maschine besitzt? Hätten sie ihn statt nach Hause in ein Geschäft geschickt, zum sofortigen Erwerb einer solchen Maschine, auf eigene Kosten wohl, das wäre nur billig und recht, wenn die Überwachten die Kosten für die Überwachenden …

Im Zusammenhang von Masken, Abstand und auch von Tracking schreibt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich von einem „Kulturwandel“ … Schön, daß es für diesen Mann, der sonst doch stets für das Beharren auf alte Kultur und alte Werte, ein „Kulturwandel“ doch vorstellbar geworden zu sein scheint. Beunruhigend allerdings sein ihm nun doch vorstellbarer „Kulturwandel“ in der Kurzschließung mit „Tracking“ etwa.

Äußerst beunruhigend also, wenn die für wenige Wochen beschränkt notwendigen Maßnahmen blieben, weit darüber hinaus, ohne Notwendigkeit wie jetzt, um eine sogenannte Krise nur von kurzer Dauer sein zu lassen.

Die Einschränkung der Reisefreiheit, von der er auch bereits spricht, fällt für ihn wohl auch unter „Kulturwandel“.

Das wäre dann tatsächlich ein „Kulturwandel“, wenn diese Maßnahmen in einem Jahr, in zwei Jahren und in den Jahren darauf weiter in Kraft blieben, das wäre dann tatsächlich ein „Kulturwandel“, beschönigend gesagt, das richtige Wort dafür wäre Überwachungsausbau.

In Büchern kann gelesen werden, daß es noch kein „Kulturwandel“ ist, wenn Maßnahmen für ein paar wenige Wochen gesetzt werden, wenn Maßnahmen auf ein paar wenige Wochen beschränkt sind.

Er wird „Kulturwandel“ vielleicht beim Sport im Freien, beim Frischluftschnappen aufgeschnappt haben, und es wird ihm das Wort wohl gleich gefallen haben, ohne über dessen tatsächliche Bedeutung … wie er überhaupt gerne aufgeschnappte Wörter in Zusammenhängen verwendet, in denen diese vollkommen fehl am Platz …

Neulich wieder, das Wunder der Auferstehung

War am gestrigen Tage, dem zweiten Tag der Karwoche 2020, mit großem Zweifel angenommen worden, die Auferstehung des Mannes der Hand auf der Landstraße sei seinem unbändigen Willen der Korrektur eines seiner Briefe geschuldet, kann am dritten Tage mit Gewißheit gesagt werden, es ist der aus einem Fenster auf die Gasse blickende Karl Habsburg, der Paulus rief, von den Toten aufzuerstehen, zu kommen zu den Lebenden, denen es dürstet nach der Tinte seiner Botschaft.

Es wird wohl ein Bote, so das innigste Bittgebet, ein recht guter Engel, sich schon auf den Weg gemacht haben, um das Evangelium der Auferstehung, das neuliche Wunder der Auferstehung der Stellvertreterin auf Erden zu berichten, auf daß Karl Habsburg für sein größtes Wunder nach seiner Seligsprechung die Weihe der Heiligsprechung nun recht bald auch erhalten möge.