Um es noch einmal zu schreiben, nachdem wieder so viel von Volkskanzl die Rede und Schreibe ist, manche es gar nicht mehr erwarten wollen, wieder Volkskanzldienst zu leisten, Volkskanzlpflicht zu erfüllen, sind die vergangenen Volkskanzln zu erinnern, von dreien österreichischen Volkskanzln zu erzählen.
Im „Verordnungsblatt des Stadtschulrates für Wien“ vom 15. Juni 1938 eine ganzseitige Werbung des Verlags „Deutscher Verlag für Jugend und Volk“: „Neues NS-Schrifttum Für jeden Lehrer! Für jede Lehrerbücherei!“
Und was für Bücher sollte jede Lehrerin erwerben, welche Bücher sollten in jeder Lehrerinnenbücherei stehen? Bücher mit Titeln wie: „Nationalsozialistische Erziehung“; „Die Judenfrage“; „Deutschland in uns!“; „Unser Führer:“ „Der Volkskanzler. Das Leben des Führers für Jugend und Volk erzählt“; „Hitler in seiner Heimat“; „Hitler in seinen Bergen“ …
Wie bescheiden dieser Verlag doch seine Bücher bewirbt, nur „für jeden Lehrer“, nur für jede „Lehrerbücherei“ … Sechsundsiebzig Jahre später lehrt die FPÖ-ZZ, wie Schrifttum zu bewerben, zu empfehlen ist, nicht nur für Lehrerinnen, nicht nur für Lehrerinnenbüchereien, sondern „für jeden Lehrer, jeden Publizisten, jeden Historiker und natürlich auch jeden Politiker“.
Es ist selbstverständlich keine nationalsozialistische Schrift, es ist keine „Festschrift“ für einen „radikalen Antisemiten und Rassentheoretiker“,
sondern eine Schrift für einen „Patrioten“, als „Würdigung eines großen Patrioten“, von „namhaften deutschen Wissenschaftern, Verlegern und Publizisten aus dem gesamten deutschen Sprachraum, aber auch aus Paris“, die eine „Fundgrube für jeden Lehrer, jeden Publizisten, jeden Historiker und natürlich auch jeden Politiker“ —
Zu dieser Zeit, auch die Geschichte der Straßennamen ist immer wieder zu erzählen, hatte der Verlag „Deutscher Verlag für Jugend und Volk“ seinen Gesinnungssitz in „Wien I., Dr. Ignaz Seipel-Ring 1“, der diesen Namen erst am 27. April 1934 erhielt, davor war sein Name „Ring des 12. November“, so benannt nach der Gründung der demokratischen Republik Österreich in 1918. Dann hieß der Ring nach dem Gauleiter und Reichskommissar für die „Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ und Massendeportanten von jüdischen Menschen Josef Bürckel, um dann gleich wieder mit 27. April 1945 zu Dr.-Ignaz-Seipel-Ring zurückgekehrt zu werden.

So sehr war in dieser Zeit in Österreich der Geist ein demokratischer und republikanischer, daß Ignaz Seipel gleich noch einen Dr.-Ignaz-Seipel-Platz hinzubekam, dafür gelöscht wurde „Universitätsplatz“. Seit 1956 gibt es den Dr.-Ignaz-Seipel-Ring nicht mehr, seit diesem Jahr bis heute ist es der Dr.-Karl-Renner-Ring. Der Ignaz-Seipel-Platz allerdings ist dem Seipel geblieben, bis heute.
Dafür gibt es nun seit über einem Jahrzehnt den „Universitätsring“ und keinen „Dr.-Karl-Lueger-Ring“ mehr, aber dem Lueger ist auch ein Platz geblieben, bis heute, und auf diesem Platz
herausgeputzt werden soll, in diesem Jahr, das Denkmal mit seinem Schöpfer …
Was für ein Jahr das Jahr 1956 in Österreich doch war, es wurde schon erzählt, es ist das Jahr, in dem ein Antisemit und Antiziganist, einfach und kurz gesagt, ein juristischer Rassentheoretiker mit staatshöchster österreichischer Auszeichnung geehrt wurde …

Wohin in Österreich gleich nach dem Untergang des letzten österreichischen „Volkskanzlers“, in dem er mit seinem Tod seine einzige gute Tat seines ganzen Lebens setzte, auch zurückgekehrt werden wollte, war zur 1930 in Kraft gesetzten Bundesverfassung, aber die vier alliierten Staaten verweigerten diese Rückkehr zu einer Verfassung, die für eine Demokratie nicht entsprechend ist. Ein paar Jahre später gelang es dann doch, Österreich wieder auf diese Verfassung zurückzukehren …

























Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.