Theater sollen eigene Regeln treffen

Nun wurden also in Österreich wieder einmal in einer prächtigen Inszenierung die Maßnahmen für den sogenannten zweiten Lockdown präsentiert. An diesem Samstag, 31. Oktober ’20.

Was alles ab Mitternacht des ersten Dienstags im November nicht mehr erlaubt ist, und vor allem, wer ab dieser Mitternacht nichts mehr tun darf, außer das hochheitliche Vorgeschriebene, wer ab dieser Mitternacht zu Bundesregierungshandpuppen zu werden hat. Mit einer einzigen Ausnahme, und das sind die „Religionsgemeinschaften“ …

„Religionsausübung: Bleibt erlaubt. Die Religionsgemeinschaften sollen eigene Regeln treffen.“

Es könnte dabei rasch in den Sinn kommen, wie viele Infizierungen mit dem Coronavirus es schon in Veranstaltungen von Organisierten Glauben gab. Das allein wäre schon ein treffendes Argument, es den Organisierten Glauben nicht allein zu überlassen, Regeln zu treffen.

Die Kirchen sollen also ihre „eigenen Regeln“ treffen. Wenn das nicht eine klassische Ungleichbehandlung von allen anderen im Land gegenüber den Organisierten Glauben darstellt. Nein. Klassisch ist das nicht. Das ist Tradition. Nur eine weitere Bevorzugung der Organisierten Glauben, es ihnen selbst zu überlassen, wie sie etwas zu regeln meinen nach eigenen Regeln. Kurz dabei nur erinnert an die Gleichbehandlung. Alle im Staat haben sich an das Gleichbehandlungsgesetz zu halten, nur die Kirchen nicht.

Ab dieser Mitternacht verordnet die Bundesregierung viele Veranstaltungsverbote, verordnet die Bundesregierung viele Schließungen, verordnet die Bundesregierung, daß Theater beispielsweise, weil diese mit Kirchen zum Verwechseln ähnlich, zu schließen sind.

Und Theater sind Kirchen. Wie es Professor Schuster bereits so trefflich auf den Punkt brachte, und dabei auf den Heldenplatz hinuntersah:

„Außer der Kirche gibt es ja kein Theater auf dem Land.“

Was also für die Kirchen als Theater gilt, weiter offen zu bleiben nach eigenen Regeln, auch nach dieser Mitternacht, hat ebenso unbedingte und ungeteilte Geltung für alle Theater im Land, die es noch gibt: weiter offen zu bleiben über die Mitternacht hinaus nach eigenen Regeln, die die Theater zu treffen haben.

Zu dem wird es aber nicht kommen. Die Theater werden es nicht wagen, sich der ungleichbehandelnden Verordnung von Theater und Theater zu widersetzen.

Zu was es aber kommen wird, wenn das medizinische Problem kein medizinisches Problem mehr sein wird, ist, einfach wie kurz gesagt, daß die Kirche nicht nur auf dem Land das einzige Theater noch sein wird, es im ganzen Land, auch in allen Städten des ganzen Landes außer der Kirche kein Theater mehr geben wird.

Hurry up! Come to bed, honey!

Wenn Mehmet Muhammet, der Zeitungsverkäufer, am Abend müde nach Hause kommt, würde er immer am liebsten gleich in das von seinem Recep stets so fein vorgewärmte Bett fallen, zu seinem süßen Engel.

Aber seine Arbeit ist noch nicht getan. Das Magazin, das er verkauft, gefällt ihm gar so gut. Um sich und seinen Recep durchzubringen, muß er aber alle Exemplare verkaufen. Keines kann er für sich behalten.

Das wäre für Mehmet sein ganzes Glück, einmal nur, ein einziges Exemplar einmal ganz für sich behalten zu können. Mehr Luxus erhofft er sich nicht für sein Leben. Bis ihm aber eines Tages dieses Glück beschieden sein wird, er mit diesem Luxus für sein hartes Leben belohnt sein wird, schreibt Mehmet Ausgabe für Ausgabe noch nach eines langen Tages Mühsal fein säuberlich ab; gefällt ihm doch das Magazin gar so gut. Er möchte wenigstens alle Ausgaben von ihm selbst abgeschrieben gesammelt haben. Das ist sein Schatz, der ihm das Leben ein bisschen leichter ertragen läßt.

Dafür nimmt er es gerne in Kauf, beim Abschreiben von Recep gestört zu werden, der immer wieder von der Bettnische ungeduldig ruft, er solle sich beeilen, er solle endlich zu ihm ins Bett kommen. Es ist nicht so, daß Recep unbedingt etwas von ihm will, er noch irgendetwas Großartiges vorhätte. Aber Recep ist eifersüchtig auf diesen Charlie, mit dem Mehmet ohnehin den ganzen Tag zusammen ist, und Recep kann nicht verstehen, warum Mehmet jetzt auch noch mit Charlie rumtun muß, statt gleich zu ihm ins Bett zu kommen.

Und dann geschieht es, daß Recep die ganze Nacht wachliegt, dabei so tut, als schliefe er, wenn Mehmet endlich spät in der Nacht zu ihm ins Bett steigt, dabei grübelt er, wer ist dieser Charlie, was hat dieser Charlie, ob Charlie für Mehmet jetzt das hat, was er, Recep, selbst einmal für Mehmet hatte, im Anfang ihrer Beziehung, als nicht er auf Mehmet warten mußte, sondern Mehmet schon im von ihm so fein vorgewärmten Bett ungeduldig auf ihn …

Midnight interlude by front men of hand sign

Wie bereits berichtet werden konnte, hat sich der Ausschuß des ersten Mudraballs in der Hofburg zu Wien recht viel einfallen lassen.

Auch bei der Mitternachtseinlage will der Ausschuß sich nicht lumpen lassen. War es ursprünglich noch geplant, für die Mitternachtseinlage nur geheimnisvoll anzudeuten, diese werde von einem Überraschungsgast getanzt werden, setzte sich letztlich doch die Einsicht durch, gerade in Zeiten wie diesen der Transparenz es nicht zu verschweigen.

Daher gibt der Ausschuß schon jetzt mit Stolz und Ehre bekannt:

Die Mitternachtseinlage auf dem ersten Mudraball wird gemeinsam von Proud Wolves und Grey Boys dargeboten werden, angeführt von ihren Solotänzern Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan.

Dem aber nicht genug.

Für die heitere Note in der Mitternachtseinlage hat sich ihr Eleve, the disciple of the front men of hand sign, etwas recht Belustigendes einfallen lassen, das er bereits unermüdlich probt.

„Wiener Akademikerball“

Der „Wiener Akademikerball“ in der Wiener Hofburg findet am Freitag, dem 29. Jänner 2021, statt.

In Zeiten wie diesen vielleicht besonderen, die von einem recht besonderen Mann auf eine recht besondere Weise der permanenten Analyse unterzogen wird, kann der Ausschuß des Balles mit Stolz und Ehre verkünden, der Ball am 29. Jänner 2021 wird ein Ball der Überraschungen sein. Denn dem Ausschuß ist recht klar, eine Zeit wie diese schreit nach Veränderungen.

Mit Stolz und Ehre kann daher der Ausschuß verkünden:

Der „Wiener Akademikerball“ heißt nicht länger „Wiener Akademikerball“.

Am 29. Jänner 2021 wird der „Wiener Akademikerball“ erstmals unter seinem neuen Namen stattfinden.

Der Ausschuß lädt soher zum ersten Wiener Mudraball in die Wiener Hofburg am 29. Jänner 2021 ein!

Damit aber der Veränderungen nicht genug.

Als Vorturner auf diesem ersten Mudraball in der Wiener Hofburg kann ein Mann verpflichtet werden, dessen terminleerer Kalender ab November 2020 zum Stolz und zur Ehre des Ausschusses es ihm ermöglicht, am 29. Jänner 2021 in der Wiener Hofburg das recht geschätzte Publikum in die zwei hochkomplexen Mudras einzuweisen, sie zu den Klängen von Johann Strauß zu unterrichten. Dabei assistiert von einem recht jungen Mann aus Österreich, dessen er sich jetzt noch mehr annehmen kann, um aus ihm sein ganzes Potential herauszuholen.

Der Ausschuss verkündet mit Stolz und Ehre: Auf diesem ersten Mudraball in der Wiener Hofburg am 29. Jänner 2021 wird so zum recht ersten Male front man of hand sign Donald Trump sein.

Prophet der „Kollektivpsychose …“

„Aufgrund der vielerorts beobachteten Verharmlosung von NS-Gedankengut (Schilder der Teilnehmer zeigten etwa Bilder des Konzentrationslagers Ausschwitz mit der Aufschrift ‚Impfen macht frei‘) waren auch antifaschistische Gruppierungen vor Ort, um ihren Unmut auszudrücken. Diese wurden kurzerhand von Polizeibeamten umstellt und schließlich nach der Abreise in der U-Bahn-Station Karlsplatz gezielt kontrolliert.“

Das Coronavirus trägt nicht dazu bei, daß zu anderen Bildern, zu anderen Sprüchen, zu etwas Neuem also, gegriffen wird. Wie gedacht werden könnte. Daß auf etwas Neues, wie es doch von dem Coronavirus behauptet wird, etwas Neues zu sein, mit etwas Neuem also reagiert wird.

Es wird aus dem modrigen Keller geholt, was im nässenden Keller seit einer Ewigkeit modert, und ein bißchen überkritzelt, zur Zeit halt beispielsweise mit „Impfen macht frei“.

Auch das Coronavirus bringt also nichts Neues hervor.

Einer aber muß sich nun wohl wie der Prophet von Corona vorkommen, der vor Jahren schon weissagte, daß „Austria is morphing in a syndicalistic dictatorshop“ und nun am letzten Montag des Oktobers ’20 vor der Kirche zum heiligen Engelbert der Schwärze … wie muß er sich dort gefühlt haben, für sich gewahr, daß seine Worte mehr waren als nur Worte — eine Prophezeiung … also das Nichts.

Und nicht unweit von seiner Veranstaltung vor der Kirche zum heiligen Engelbert der Schwärze marschieren desselben Tages Menschen, auf die herabgesehen wird, denen jedwede Bildung abgesprochen wird, während er, der Mann weder des Neuen noch des Alten, sondern des Nichts, aber ein Mann der recht besonderen Gebetsliga, allenthalben von Medien zu Diskussionen eingeladen wird, der Mann des „Akademikerbundes“, zu dem sich beispielsweise auch ein Armin Thurnher zu einer gar kultivierten, so gar akademischen Diskussion schon mal setzt …

Österreich, in dem dieser Mann als „Experte“ gilt …

Diesen Experten Österreichs kennzeichnet das aus, was eine Prophetin ausmacht, einen zum Propheten macht, an jedem Tag der Woche, des Monats, des Jahres, an jedem Tag eines Lebens am Morgen als Experte für je ein anderes Fachgebiet zu erwachen, so beispielsweise am 24. Mai 2020 zu erwachen zum Experten für „Kollektivpsychose in der Corona-Diktatur“ und gleich auch, das muß ihm ein recht fruchtbarer Tag gewesen sein, für, einfach wie kurz gesagt: alles“:

„Viele Menschen hätten ihr Geld verloren, wenn sie gewettet hätten, dass es unmöglich wäre, ein Land wie Österreich innerhalb von wenigen Wochen in eine autokratische Kommando-Gesellschaft zu transformieren. Nicht, dass es um die Grundrechte und um den Rechtsstaat in Österreich und in Europa in den letzten Jahren allzu gut bestellt gewesen wäre – die verbreitete Beseitigung der Meinungsfreiheit (Stichwort: Migrationskritik) sowie die in Schlüsselbereichen vorangetriebene Umsetzung einer politisierten Justiz (Stichwort: Auseinandersetzung mit dem Islam) seien beispielhaft in Erinnerung gerufen. Doch blieb zumindest der Schein einer demokratischen Ordnung gewahrt und wurde von den politischen Eliten eifrig gepflegt. Diese Pflege erfolgte zuletzt besonders penetrant mit der ritualisierten 8.-Mai-Folklore zum ‚Sieg über den Nationalsozialismus‘, während gleichzeitig für das Heute, Hier und Jetzt selbst der bloße Schein von Freiheit und Bürgerrechten mehr oder weniger achselzuckend aufgegeben wurde und dem Diktat des Absolutheitsanspruchs der angeblichen Rettung von Menschenleben weichen mußte.“

An einem anderen Tag etwa wiederum, der ihm wohl nicht so fruchtbar, erwacht er bloß zum Experten für „Kultursozialismus“ …

„Die Kurz-Reaktion hat in leidgeplagten konservativen Kreisen und Foren Freudenstimmung, ja geradezu Euphorie aufkommen lassen. Viele warten darauf, dass der Schmerz über die wertepolitischen Fehlleistungen der ehemaligen großen christdemokratischen Partei nachlassen möge.“

Und auch das kennzeichnet einen Propheten, selbst Jünger einer Prophetin zu sein, die ihn kommen läßt, mit Freudenstimmung, Euphoriezu dem nur ein gesegneter Prophet in der Lage …

Kurz zu den Männern, die tatsächlich den „Marsch der Patrioten“ am 26. Oktober organisieren, zu diesem aufrufen und zudem Reden schwingen

Auch an diesem 26. Oktober wieder ein „Marsch der Patrioten“ in Wien, vor dem Einlaß zur Hofburg, vor der Kirche mit ihrem Dollfuß, vor dem Haus, in dem einst für ein paar madige Jahre eine Hitlerbüste stand …

An diesem 26. Oktober also der dritte „Marsch der Patrioten zwischen dieser Kirche und diesem Haus vor dem Einlaß zur Hofburg.

Zu diesem „Marsch der Patrioten“ gibt es im Grunde nichts mehr zu schreiben, das nicht schon geschrieben wurde, das Wesentliche, wer diesen organisiert, seit ’18, wer diesen ’19 organisierte, wer diesen auch in diesem Jahr organisierte:

„Der erste Marsch der Patrioten fand […] Nationalfeiertag […] Organisiert wurde die Demo vom Verein OKZIDENT mit Hilfe der Freien Heimatlichen Bewegung. Hunderte Leute, vielleicht sogar 1000 Personen, befanden sich am Michaelerplatz in Wien und lauschten den Reden. Ab jetzt wird es jedes Jahr so eine Demonstration geben […]“

Wäre da nicht in diesem Jahr der Bericht einer Umsonst

„In der näheren Umgebung fand auch ein ‚Marsch der Patrioten‘ statt. Rund 50 Anhänger folgten dem Aufruf des Identitären-Chefs Martin Sellner, um am Michaelerplatz im Zuge des Nationalfeiertages einige Österreich-Fahnen zu schwenken. Journalisten wurde dabei mit aufgespannten Regenschirmen die Sicht genommen und das Fotografieren verhindert.“

Nun, Martin Sellner ist nicht der Organisator dieses „Marsches der Patrioten“, Martin Sellner ist nicht der Aufrufer zu diesem „Marsch der Patrioten“, die Organisierenden, die Aufrufenden, die Redner sind seit drei Jahren bekannt: Zeitz vom Wiener Akademikerbund, Zakrajsek der Waffengesetzschreiber der einen für gar kurz gewesenen Kurz-Regierung, Nagel der, nun ja, Nagel, der jeden Menschen sich ob seiner Ausführungen auf den Kopf greifen läßt … Und der Verein, der für die Website zu diesem „Marsch“ verantwortlich ist, hat seinen Sitz, in der Fuhrmanngasse 18, in der Fuhrmanngasse, wo sonst als in der Fuhrmangasse, wohin alle eilen, die in Österreich recht angesehene Namen haben, in die Fuhrmanngasse …

Martin Sellner ist nicht der Organisator, nicht der Aufrufer, beim „Marsch der Patrioten“ ein Mitläufer, der wohl glaubt, es stünde ihm recht zu Gesicht, auch für diesen „Marsch“ zu werben, wie er halt überhaupt glaubt, überall dabei sein zu müssen, mitlaufen zu müssen, bis nach Griechenland sogar, etwa in diesem Jahr, einem österreichischen Minister nach, oder ist der Minister dem Martin Sellner nach, ihm ein Mitläufer …

Vielleicht ist Martin Sellner einer ganz recht ohne Gesinnung und läuft nur verzweifelt Spenden hinterher, besonders seit einer ihm nichts mehr … Aber Martin Sellner ist im Zusammenhang mit dem „Marsch“ und im Grunde in jedem Zusammenhang vollkommen belanglos, unwichtig. Zu spekulieren wäre allenfalls, weshalb medial nur er mit dem „Marsch“ in Verbindung gebracht wird, weshalb die tatsächlichen Organisierenden und Aufrufenden zum Marsch medial nicht vorkommen, die so nah …

Wichtig ist also, daran zu erinnern, wer tatsächlich seit drei Jahren zu diesem „Marsch“ aufruft, wer tatsächlich seit drei Jahren diesen „Marsch“ organisiert, das sind eben die, die auch seit drei Jahren auf diesem Platz jedes Jahr zwischen Dollfuß und dem entsorgten Hitler reden: Christian Zeitz vom Wiener Akademierbund, Georg Zakrajasek der Waffenparagraphenschreiber der Ibiza-Regierung und Nagel, der, nun ja, Nagel …

grey boys and proud wolves

Was für Aufregungen und Empörungen stets um Handzeichen, um Gesten etwa von trumps proud boys und erdoğans grey wolves

Dabei. Schlicht wie kurz gesagt.

Sie praktizieren bloß ein einfaches Yoga.

Ein sehr simples Yoga. Das einfachste Yoga, reduziert auf je eine Mudra.

Sie wollen sich jedoch vervollkommnen. So der Plan. Grey wolves und proud boys werden untereinander die Mudras tauschen, einander zuschauen und voneinander abschauen, so daß proud boys mit Karana-Mudra und Chin-Mudra dann ihre Übungen abwechslungsreicher, grey wolves mit Chin-Mudra und Karana-Mudra ihre Übungen dann reichhaltiger — ihre Finger sind recht willig …

In einer gemeinsamen Veranstaltung wollen sie, proud boys and grey wolves, dann ihre Yoga-Fortschritte vorführen, zwei Mudras hintereinander praktizieren zu können. Wann das sein wird? Das kann sehr lange dauern. Vielleicht kommt es nie zu dieser Veranstaltung. Denn. Sie, grey wolves and proud boys, zweifeln recht an ihren Befähigungen, zwei Gesten sich zu merken, und diese dann gar noch hintereinander abwechselnd vorzuführen …

Sie, proud wolves and grey boys, werden jetzt auch oft gemeinsam im Zirkus gesehen, recht ordentlich staunend und sich gar recht wundernd, wie das Pferd das nur mit dem Rechnen schafft.

trump’s proud boys and their sign to demonstrate white power

Wer erinnert sich noch an die Aufregungen um die gespreizten drei Finger von dem für kurz gewesenen Vizekanzler in Österreich?

Wohl kaum noch wer.

Wie war damals die Aufregung groß.

„Bundeskanzler Gusenbauer liegt hier falsch, wenn er nur von einer Jugendtorheit spricht“, so Van der Bellen am Samstag in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“. Die SPÖ wolle offensichtlich die Tür zur Strache-FPÖ nicht zuschlagen und sich diese Option offen lassen – „

Gerade einmal zehn Jahre später schlägt Van der Bellen die „Tür zur Strache-FPÖ“ weit auf, öffnet dieser identitären Partei alle Türen der Republik Österreich — freilich wenn auch, das aber er sich nicht als Verdienst anrechnen kann, nur für kurz …

Wer von Alterstorheit sprechen wollte, läge ebenso falsch.

Gerade einmal zehn Jahre später fordert die ÖVP von der FPÖ nur noch eines, mit ihr zu teilen …

Was für eine unnütze Aufregung also um ein Handzeichen. Eine Aufregung, die selbst nicht mehr war als ein Handzeichen, schnell gemacht, schnell vergessen, und vor allem ohne Verpflichtung zum konsequenten Handeln, wie es eigentlich die Aufregung hätte erwarten lassen.

Dieses Handzeichen ist nun kein Thema mehr. Verursacht keine Aufregung mehr. So geschichtlich bewandert wie die Mannen und Frauen der identitären Parlamentspartei sind, hat die Erklärung des für kurz gewesenen Vizekanzlers, vielleicht habe er mit seinen gespreizten drei Fingern Bier bestellen wollen, doch verwundert, er hätte auch sagen können, er wollte nur einen fernen Gruß an den Papst in Rimini schicken, wo seit vierhundert Jahren eine Statue eines Papstes steht, der mit drei Fingern …

Dies aber ist nun alles belanglos, der Drei-Finger-für-kurz-Vizekanzler ist, nein, nicht Geschichte, sondern erledigt, hat sich selbst ein für alle Mal erledigt. Und dazu hat die Aufregung um dieses Handzeichen nichts beigetragen.

Nun ist ein anderes Handzeichen in den Mittelpunkt gerückt, zur Aufregung geworden. Rund zwölf Jahre nach der Aufregung um die gespreizten drei Finger. Weltweit. Auch durch den Mörder, den vor seinen Morden seine Bildungsreise auch in den kärntnerischen Wappensaal führte, in Neuseeland, der dieses Handzeichen auch noch in Handschellen zeigte.

Es ist das Handzeichen, mit dem ausgedrückt wird, daß alles in Ordnung ist, alles gut ist, es ist das Handzeichen, das auch aus der Yoga-Praxis bekannt ist, die Jnana- und Chin-Mudra. Es soll bedeuten, die Übenden soll diese Mudra innerlich friedlicher und harmonischer werden lassen und soll durch regelmäßige Meditation die intuitive Weisheit stärken.

Was für ein falsches Zeichen, was für eine falsche Geste haben sich nun jene für sich ausgesucht, um ihre white power zu demonstrieren, wie, exemplarisch genannt, der Mörder in Christchurch, trumps proud boys und viele weitere … Ist doch alles, was sie mit dem von ihnen gestohlenen und mißbrauchten Handzeichen ausdrücken: Nichts ist in Ordnung, nichts ist gut, nichts ist friedlich, nichts ist harmonisch, keine Weisheit. Einzig das Intuitive rechtfertigte noch ihr Verwenden dieses Handzeichens in seinen ursprünglichen Bedeutungen, wenngleich auch das sehr eingeschränkt. Was sie tun, tun sie intuitiv, das heißt, alles von ihnen basiert auf Vermutungen. Von der ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes im Lateinischen ist aber bei ihnen nichts vorhanden: Beurteilung. Sie sind instinktiv, das für sie passendere Wort, gelenkt. Das heißt. Alles, was sie tun, tun sie ohne zu überlegen, ohne zu überlegen lassen sie sich in jedweder Situation in ein falsches Tun führen.

Es wäre nicht wert, sich mit diesen gestohlenen und mißbrauchten Gesten zu beschäftigen, die Aufregungen verursachen, aber eben nur Aufregungen, die nichts ändern, wie schon das Beispiel mit den gespreizten drei Fingern es vorzeigte. Und auch die Aufregungen und Empörungen um diese gestohlene und mißbrauchte Mudra werden nichts ändern, zu nichts führen, außer zu nächsten Aufregungen und Empörungen, wenn dieses Handzeichen abgelöst werden wird durch ein nächstes gestohlenes und mißbrauchtes Zeichen. Das wird vielleicht schon bald sein, in etwas mehr als einer Woche, wenn Donald Trump nicht mehr zum Präsidenten gewählt sein wird, die Mudra seiner proud boys zum Zeichen der Niederlage geworden ist, und sie sich um ein anderes Zeichen auf Diebstour begeben müssen, um vor sich selbst nicht eingestehen zu müssen, verloren zu haben.

Über die Aufregungen und Empörungen über die gestohlenen und mißbrauchten Zeichen zu sprechen ist aber notwendig, aus einem einzigen Grund, weil die Aufregungen und Empörungen mit verheerenden Folgen einhergehen, nicht für trumps proud boys etwa, sondern für jene, die so ein Zeichen nach wie vor verwenden, nicht aber weil sie white power anhängen, sondern das Zeichen in seinen ursprünglichen Bedeutungen verwenden. Sie sind Verdächtigungen ausgesetzt. Die Menschen, die sich über derartige Zeichen aufregen und empören, gehen, um bei den trumps proud boys exemplarisch zu bleiben, ihnen, den proud boys, in die Falle, und verdächtigen wie sie alle. So war vor einigen Tagen, um es an einem konkreten Beispiel festzumachen, in Wien vor einer Schule eine laut schimpfende Passantin zu hören, die diese Schule in der Ungargasse bezichtigt, eine Nazischule, ein Hort des Faschismus … Und warum? Einzig deshalb, weil die Passantin auf die Werbetafel der Schule starrt, auf der eine junge Frau zu sehen ist, mit diesem Handzeichen, das in diesem Zusammenhang wohl dafür werben soll, daß es eine tolle Schule ist, eine Schule, die Okay ist, eine Schule, die super ist.

Es soll und darf nicht sein, daß Zeichendiebstahl und Zeichenmißbrauch noch dadurch belohnt wird, daß gestohlene und mißbrauchte Zeichen, daß gestohlene und mißbrauchte Gesten nicht mehr in ihren ursprünglichen Bedeutungen verwendet werden, und das nur wegen diesen Instinktgelenkten. Nur wegen diesen Instinktgeführten soll und darf es nicht sein, daß alle, die die gestohlenen und mißbrauchten Zeichen und Gesten in ihren ursprünglichen Bedeutungen verwenden, verdächtigt werden, zu den Instinktgelenkten zu gehören und deren Gesinnung zu teilen.