Was alles ab Mitternacht des ersten Dienstags im November nicht mehr erlaubt ist, und vor allem, wer ab dieser Mitternacht nichts mehr tun darf, außer das hochheitliche Vorgeschriebene, wer ab dieser Mitternacht zu Bundesregierungshandpuppen zu werden hat. Mit einer einzigen Ausnahme, und das sind die „Religionsgemeinschaften“ …
„Religionsausübung: Bleibt erlaubt. Die Religionsgemeinschaften sollen eigene Regeln treffen.“
Es könnte dabei rasch in den Sinn kommen, wie viele Infizierungen mit dem Coronavirus es schon in Veranstaltungen von Organisierten Glauben gab. Das allein wäre schon ein treffendes Argument, es den Organisierten Glauben nicht allein zu überlassen, Regeln zu treffen.
Ab dieser Mitternacht verordnet die Bundesregierung viele Veranstaltungsverbote, verordnet die Bundesregierung viele Schließungen, verordnet die Bundesregierung, daß Theater beispielsweise, weil diese mit Kirchen zum Verwechseln ähnlich, zu schließen sind.
Und Theater sind Kirchen. Wie es Professor Schuster bereits so trefflich auf den Punkt brachte, und dabei auf den Heldenplatz hinuntersah:
„Außer der Kirche gibt es ja kein Theater auf dem Land.“
Was also für die Kirchen als Theater gilt, weiter offen zu bleiben nach eigenen Regeln, auch nach dieser Mitternacht, hat ebenso unbedingte und ungeteilte Geltung für alle Theater im Land, die es noch gibt: weiter offen zu bleiben über die Mitternacht hinaus nach eigenen Regeln, die die Theater zu treffen haben.
Zu dem wird es aber nicht kommen. Die Theater werden es nicht wagen, sich der ungleichbehandelnden Verordnung von Theater und Theater zu widersetzen.
Aber seine Arbeit ist noch nicht getan. Das Magazin, das er verkauft, gefällt ihm gar so gut. Um sich und seinen Recep durchzubringen, muß er aber alle Exemplare verkaufen. Keines kann er für sich behalten.
Das wäre für Mehmet sein ganzes Glück, einmal nur, ein einziges Exemplar einmal ganz für sich behalten zu können. Mehr Luxus erhofft er sich nicht für sein Leben. Bis ihm aber eines Tages dieses Glück beschieden sein wird, er mit diesem Luxus für sein hartes Leben belohnt sein wird, schreibt Mehmet Ausgabe für Ausgabe noch nach eines langen Tages Mühsal fein säuberlich ab; gefällt ihm doch das Magazin gar so gut. Er möchte wenigstens alle Ausgaben von ihm selbst abgeschrieben gesammelt haben. Das ist sein Schatz, der ihm das Leben ein bisschen leichter ertragen läßt.
Dafür nimmt er es gerne in Kauf, beim Abschreiben von Recep gestört zu werden, der immer wieder von der Bettnische ungeduldig ruft, er solle sich beeilen, er solle endlich zu ihm ins Bett kommen. Es ist nicht so, daß Recep unbedingt etwas von ihm will, er noch irgendetwas Großartiges vorhätte. Aber Recep ist eifersüchtig auf diesen Charlie, mit dem Mehmet ohnehin den ganzen Tag zusammen ist, und Recep kann nicht verstehen, warum Mehmet jetzt auch noch mit Charlie rumtun muß, statt gleich zu ihm ins Bett zu kommen.
Und dann geschieht es, daß Recep die ganze Nacht wachliegt, dabei so tut, als schliefe er, wenn Mehmet endlich spät in der Nacht zu ihm ins Bett steigt, dabei grübelt er, wer ist dieser Charlie, was hat dieser Charlie, ob Charlie für Mehmet jetzt das hat, was er, Recep, selbst einmal für Mehmet hatte, im Anfang ihrer Beziehung, als nicht er auf Mehmet warten mußte, sondern Mehmet schon im von ihm so fein vorgewärmten Bett ungeduldig auf ihn …
Auch bei der Mitternachtseinlage will der Ausschuß sich nicht lumpen lassen. War es ursprünglich noch geplant, für die Mitternachtseinlage nur geheimnisvoll anzudeuten, diese werde von einem Überraschungsgast getanzt werden, setzte sich letztlich doch die Einsicht durch, gerade in Zeiten wie diesen der Transparenz es nicht zu verschweigen.
Daher gibt der Ausschuß schon jetzt mit Stolz und Ehre bekannt:
Die Mitternachtseinlage auf dem ersten Mudraball wird gemeinsam von Proud Wolves und Grey Boys dargeboten werden, angeführt von ihren Solotänzern Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan.
Der Ausschuss verkündet mit Stolz und Ehre: Auf diesem ersten Mudraball in der Wiener Hofburg am 29. Jänner 2021 wird so zum recht ersten Male front man of hand sign Donald Trump sein.
„Aufgrund der vielerorts beobachteten Verharmlosung von NS-Gedankengut (Schilder der Teilnehmer zeigten etwa Bilder des Konzentrationslagers Ausschwitz mit der Aufschrift ‚Impfen macht frei‘) waren auch antifaschistische Gruppierungen vor Ort, um ihren Unmut auszudrücken. Diese wurden kurzerhand von Polizeibeamten umstellt und schließlich nach der Abreise in der U-Bahn-Station Karlsplatz gezielt kontrolliert.“
Das Coronavirus trägt nicht dazu bei, daß zu anderen Bildern, zu anderen Sprüchen, zu etwas Neuem also, gegriffen wird. Wie gedacht werden könnte. Daß auf etwas Neues, wie es doch von dem Coronavirus behauptet wird, etwas Neues zu sein, mit etwas Neuem also reagiert wird.
„Viele Menschen hätten ihr Geld verloren, wenn sie gewettet hätten, dass es unmöglich wäre, ein Land wie Österreich innerhalb von wenigen Wochen in eine autokratische Kommando-Gesellschaft zu transformieren. Nicht, dass es um die Grundrechte und um den Rechtsstaat in Österreich und in Europa in den letzten Jahren allzu gut bestellt gewesen wäre – die verbreitete Beseitigung der Meinungsfreiheit (Stichwort: Migrationskritik) sowie die in Schlüsselbereichen vorangetriebene Umsetzung einer politisierten Justiz (Stichwort: Auseinandersetzung mit dem Islam) seien beispielhaft in Erinnerung gerufen. Doch blieb zumindest der Schein einer demokratischen Ordnung gewahrt und wurde von den politischen Eliten eifrig gepflegt. Diese Pflege erfolgte zuletzt besonders penetrant mit der ritualisierten 8.-Mai-Folklore zum ‚Sieg über den Nationalsozialismus‘, während gleichzeitig für das Heute, Hier und Jetzt selbst der bloße Schein von Freiheit und Bürgerrechten mehr oder weniger achselzuckend aufgegeben wurde und dem Diktat des Absolutheitsanspruchs der angeblichen Rettung von Menschenleben weichen mußte.“
„Die Kurz-Reaktion hat in leidgeplagten konservativen Kreisen und Foren Freudenstimmung, ja geradezu Euphorie aufkommen lassen. Viele warten darauf, dass der Schmerz über die wertepolitischen Fehlleistungen der ehemaligen großen christdemokratischen Partei nachlassen möge.“
„Der erste Marsch der Patrioten fand […] Nationalfeiertag […] Organisiert wurde die Demo vom Verein OKZIDENT mit Hilfe der Freien Heimatlichen Bewegung. Hunderte Leute, vielleicht sogar 1000 Personen, befanden sich am Michaelerplatz in Wien und lauschten den Reden. Ab jetzt wird es jedes Jahr so eine Demonstration geben […]“
Wäre da nicht in diesem Jahr der Bericht einer Umsonst …
„In der näheren Umgebung fand auch ein ‚Marsch der Patrioten‘ statt. Rund 50 Anhänger folgten dem Aufruf des Identitären-Chefs Martin Sellner, um am Michaelerplatz im Zuge des Nationalfeiertages einige Österreich-Fahnen zu schwenken. Journalisten wurde dabei mit aufgespannten Regenschirmen die Sicht genommen und das Fotografieren verhindert.“
Wichtig ist also, daran zu erinnern, wer tatsächlich seit drei Jahren zu diesem „Marsch“ aufruft, wer tatsächlich seit drei Jahren diesen „Marsch“ organisiert, das sind eben die, die auch seit drei Jahren auf diesem Platz jedes Jahr zwischen Dollfuß und dem entsorgten Hitler reden: Christian Zeitz vom Wiener Akademierbund, Georg Zakrajasek der Waffenparagraphenschreiber der Ibiza-Regierung und Nagel, der, nun ja, Nagel …
Ein sehr simples Yoga. Das einfachste Yoga, reduziert auf je eine Mudra.
Sie wollen sich jedoch vervollkommnen. So der Plan. Grey wolves und proud boys werden untereinander die Mudras tauschen, einander zuschauen und voneinander abschauen, so daß proud boys mit Karana-Mudra und Chin-Mudra dann ihre Übungen abwechslungsreicher, grey wolves mit Chin-Mudra und Karana-Mudra ihre Übungen dann reichhaltiger — ihre Finger sind recht willig …
In einer gemeinsamen Veranstaltung wollen sie, proud boys and grey wolves, dann ihre Yoga-Fortschritte vorführen, zwei Mudras hintereinander praktizieren zu können. Wann das sein wird? Das kann sehr lange dauern. Vielleicht kommt es nie zu dieser Veranstaltung. Denn. Sie, grey wolves and proud boys, zweifeln recht an ihren Befähigungen, zwei Gesten sich zu merken, und diese dann gar noch hintereinander abwechselnd vorzuführen …
Sie, proud wolves and grey boys, werden jetzt auch oft gemeinsam im Zirkus gesehen, recht ordentlich staunend und sich gar recht wundernd, wie das Pferd das nur mit dem Rechnen schafft.
Wer erinnert sich noch an die Aufregungen um die gespreizten drei Finger von dem für kurz gewesenen Vizekanzler in Österreich?
Wohl kaum noch wer.
Wie war damals die Aufregung groß.
„Bundeskanzler Gusenbauer liegt hier falsch, wenn er nur von einer Jugendtorheit spricht“, so Van der Bellen am Samstag in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“. Die SPÖ wolle offensichtlich die Tür zur Strache-FPÖ nicht zuschlagen und sich diese Option offen lassen – „
Was für eine unnütze Aufregung also um ein Handzeichen. Eine Aufregung, die selbst nicht mehr war als ein Handzeichen, schnell gemacht, schnell vergessen, und vor allem ohne Verpflichtung zum konsequenten Handeln, wie es eigentlich die Aufregung hätte erwarten lassen.
Dieses Handzeichen ist nun kein Thema mehr. Verursacht keine Aufregung mehr. So geschichtlich bewandert wie die Mannen und Frauen der identitären Parlamentspartei sind, hat die Erklärung des für kurz gewesenen Vizekanzlers, vielleicht habe er mit seinen gespreizten drei Fingern Bier bestellen wollen, doch verwundert, er hätte auch sagen können, er wollte nur einen fernen Gruß an den Papst in Rimini schicken, wo seit vierhundert Jahren eine Statue eines Papstes steht, der mit drei Fingern …
Nun ist ein anderes Handzeichen in den Mittelpunkt gerückt, zur Aufregung geworden. Rund zwölf Jahre nach der Aufregung um die gespreizten drei Finger. Weltweit. Auch durch den Mörder, den vor seinen Morden seine Bildungsreise auch in den kärntnerischen Wappensaal führte, in Neuseeland, der dieses Handzeichen auch noch in Handschellen zeigte.
Es ist das Handzeichen, mit dem ausgedrückt wird, daß alles in Ordnung ist, alles gut ist, es ist das Handzeichen, das auch aus der Yoga-Praxis bekannt ist, die Jnana- und Chin-Mudra. Es soll bedeuten, die Übenden soll diese Mudra innerlich friedlicher und harmonischer werden lassen und soll durch regelmäßige Meditation die intuitive Weisheit stärken.
Es wäre nicht wert, sich mit diesen gestohlenen und mißbrauchten Gesten zu beschäftigen, die Aufregungen verursachen, aber eben nur Aufregungen, die nichts ändern, wie schon das Beispiel mit den gespreizten drei Fingern es vorzeigte. Und auch die Aufregungen und Empörungen um diese gestohlene und mißbrauchte Mudra werden nichts ändern, zu nichts führen, außer zu nächsten Aufregungen und Empörungen, wenn dieses Handzeichen abgelöst werden wird durch ein nächstes gestohlenes und mißbrauchtes Zeichen. Das wird vielleicht schon bald sein, in etwas mehr als einer Woche, wenn Donald Trump nicht mehr zum Präsidenten gewählt sein wird, die Mudra seiner proud boys zum Zeichen der Niederlage geworden ist, und sie sich um ein anderes Zeichen auf Diebstour begeben müssen, um vor sich selbst nicht eingestehen zu müssen, verloren zu haben.
Über die Aufregungen und Empörungen über die gestohlenen und mißbrauchten Zeichen zu sprechen ist aber notwendig, aus einem einzigen Grund, weil die Aufregungen und Empörungen mit verheerenden Folgen einhergehen, nicht für trumps proud boys etwa, sondern für jene, die so ein Zeichen nach wie vor verwenden, nicht aber weil sie white power anhängen, sondern das Zeichen in seinen ursprünglichen Bedeutungen verwenden. Sie sind Verdächtigungen ausgesetzt. Die Menschen, die sich über derartige Zeichen aufregen und empören, gehen, um bei den trumps proud boys exemplarisch zu bleiben, ihnen, den proud boys, in die Falle, und verdächtigen wie sie alle. So war vor einigen Tagen, um es an einem konkreten Beispiel festzumachen, in Wien vor einer Schule eine laut schimpfende Passantin zu hören, die diese Schule in der Ungargasse bezichtigt, eine Nazischule, ein Hort des Faschismus … Und warum? Einzig deshalb, weil die Passantin auf die Werbetafel der Schule starrt, auf der eine junge Frau zu sehen ist, mit diesem Handzeichen, das in diesem Zusammenhang wohl dafür werben soll, daß es eine tolle Schule ist, eine Schule, die Okay ist, eine Schule, die super ist.
Es soll und darf nicht sein, daß Zeichendiebstahl und Zeichenmißbrauch noch dadurch belohnt wird, daß gestohlene und mißbrauchte Zeichen, daß gestohlene und mißbrauchte Gesten nicht mehr in ihren ursprünglichen Bedeutungen verwendet werden, und das nur wegen diesen Instinktgelenkten. Nur wegen diesen Instinktgeführten soll und darf es nicht sein, daß alle, die die gestohlenen und mißbrauchten Zeichen und Gesten in ihren ursprünglichen Bedeutungen verwenden, verdächtigt werden, zu den Instinktgelenkten zu gehören und deren Gesinnung zu teilen.
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