Politik statt konservative Verwaltung der Vergangenheit

Ein Staat braucht keine Regierung, die spendet, sondern eine Regierung der Politik

In dem vorangegangenen Kapitel unter diesem Titel als Maxime für jedes Land wurde gesagt, Politik beinhaltet auch, neue Formen der Wirtschaft zu denken, und es wurde ein Beispiel anhand einer Fluggesellschaft in Aussicht gestellt, was Politik tatsächlich etwa im Bereich der Wirtschaft heißt.

Es wird die Fluggesellschaft Austrian Airlines nicht das einzige Unternehmen sein, das nun auf die Idee kommt, die Gunst der Krise zu nutzen, um auf Kosten ihrer Mitarbeiterinnen …

„Ein paar der Pläne: Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, von Sozialleistungen und Jubiläumsgeldern, Erhöhung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden, Abschaffung kollektivvertraglicher Erfolgsbeteiligungen. Die meisten Einschnitte sollen unbefristet gelten.“

„Einschnitte sollen unbefristet gelten.“ Also nicht nur für eine gewisse und kurze Zeit, um die derzeitige Krise zu bewältigen, sondern „unbefristet“, das heißt, auf Kosten der Mitarbeiter auf immer und ewig — —

Solche Pläne werden wohl – es will gar nicht gewußt werden, wie viele Unternehmen – etliche Unternehmen in ihren Tresoren haben, zum Begrüßen der von ihnen Willkommen geheißenen Krisen … Nur von Austrian Airlines sind diese bereits öffentlich bekannt. Nur, die Austrian Airlines Aktiengesellschaft prescht vor, schreitet dabei voran.

Gleichzeitig aber und zusätzlich will die Austrian Airlines AG eine Staatshilfe in Höhe von 800 Millionen Euro. Verhandlungen darüber soll es bereits mit der Bundesregierung in Österreich geben. 800 Millionen Euro Steuergeld. Das heißt auch, die Fluggesellschaft will ihre Belegschaft zweimal unbefristet schröpfen, einmal durch den direkten Zugriff auf ihr Gehalt, und ein zweites Mal durch den indirekten Zugriff auf ihre Steuerleistung.

Es sollen, wird auch berichtet, zwar Forderungen, Wünsche an die AG gestellt werden, zu welchen Bedingungen die AG die rund 800 Millionen Euro als Staatshilfe bekommen könnte.

Derartige Verhandlungen sind aber keine Politik. Bloße Fortsetzung, wie es immer gemacht wurde. Konservative Verwaltung der Vergangenheit. Denn. Es darf nicht vergessen werden, es sind gerade einmal zehn Jahre her, daß die Austrian Airlines AG 500 Millionen Euro Steuergeld bekommen hat. Kaum zehn Jahre später will sie wieder 800 Millionen Euro Steuergeld, und hat dafür eine willkommene Ausrede, diesmal diese Krise … Wie viele, wie wenige Jahre wird es dann wieder dauern, bis die AG wieder um mehrere Millionen Steuergeld …

Politik hieße in diesem Fall, beispielhaft ausgeführt, nicht mit einem Unternehmen, das ohnehin alle paar Jahre Steuergeld in Millionenhöhe benötigt, über ein neuerliches Steuergeldgeschenk in Millionenhöhe zu verhandeln, sondern Neues zu denken.

Wenn es der Bundesregierung in Österreich dabei tatsächlich auch um die Erhaltung der Arbeitsplätze geht, wie es auch kolportiert wird, von einer Arbeitsplatzgarantie ist die Rede, die die Fluggesellschaft nicht abzugeben gewillt … wäre ein neuer Weg, ein politischer Weg wieder also, nicht mit diesem Unternehmen über ein weiteres Millionengeschenk zu verhandeln, sondern mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Austrian Airlines AG direkt zu sprechen, mit den siebentausend Menschen Neues auf den Weg zu bringen. Das, bei Berücksichtigung der Geschichte diese Fluggesellschaft, ein, wie es heutzutage zu formulieren so beliebt ist, mit Sicherheit nachhaltiger wäre.

Achthundert Millionen Euro nicht der AG zu überweisen, sondern die 800 Millionen Euro direkt an die siebentausend Mitarbeiter zu zahlen. Das wäre für jede Mitarbeiterin ein Startkapital von rund 114 Tausend Euro.

Ein Startkapital, das den Mitarbeitern ermöglicht, sich selbständig zu machen. Es kann davon ausgegangen werden, daß nicht wenige Mitarbeiterinnen Ideen haben, um eine eigene Firma zu gründen. Vorstellbar auch, daß etliche Mitarbeiterinnen sich zusammenschließen, um gemeinsam gleich größere Unternehmen zu gründen.

Firmen, Unternehmen, die nicht nur wieder, nun aber selbständige Arbeitsplätze für siebentausend Menschen sind, sondern Unternehmen, Firmen, die darüber hinaus viele weitere Arbeitsplätze schaffen würden, während das ehemalige Unternehmen, für das die siebentausend Menschen einmal arbeiteten, wohl in ihren Sparplänen auch Abbau von etlichen Arbeitsplätzen …

Vorstellbar auch, daß Vereinbarungen getroffen werden. Das Startkapital, wenn die von den ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin der Austrian Airlines AG gegründeten Firmen und Unternehmen in einigen Jahren liquide Unternehmen und Firmen geworden sind, zurückgezahlt wird, für die Rückzahlungen ein eigener Fonds geschaffen wird, der fortan dafür genutzt wird, Menschen Startkapital einfach und unkompliziert und ebenfalls zinsenlos zur Verfügung zu stellen, die sich selbständig machen wollen, Firmen, Unternehmen gründen wollen, statt weiter in Unternehmen zu arbeiten, die stets nur innovativ sind beim Ausarbeiten von Sparplänen auf Kosten der Belegschaft, die stets nur kreativ sind beim Abholen von Steuergeldgeschenken in regelmäßigen Abständen.

Ein Staat braucht keine Regierung, die spendet, sondern eine Regierung der Politik.

Es haben bereits andere sich dazu geäußert, und gemeint, dies sei eine Vernebelungsaktion der derzeitigen Bundesregierung in Österreich, daß die Regierungsmitglieder je ein Nettogehalt spenden an eine von ihnen selbst ausgewählte Organisation.

Auch der Präsident wird spenden – in Waidhofen.

In Waidhofen, von wo der Präsident herkommt, nun braucht es keine Hellseherei, wer seine Spende bekommen wird, es braucht auch keine Hellseherei, wer die Spenden von den Regierungsmitgliedern bekommen wird …

Darum geht es aber ganz und gar nicht, welche Organisation jeweils die Spende bekommen wird, es wird eine Freundin oder vielleicht auch eine sein, die als Freundin noch gewonnen werden will …

Waidhofen … Es ist keine Nebelspende. Denn. Diese geringe Spendensumme macht noch keinen Nebel. Es ist bloß eine waidhofener Spende. Herzig, rührend, lieb ist so eine waidhofener Spende, das wäre diese, wenn sie bloß eine waidhofener Spende wäre, aber sie ist mehr als eine waidhofener Spende, sie ist die österreichische Politik, das heißt, die waidhofener Spende ist österreichische Politik, also keine Politik, die diese ohnehin nur für Momente war und sonst hauptsächlich Parteipolitik und nun noch tiefer: waidhofener Parteipolitik.

Ein Staat braucht keine Regierung und keinen Präsidenten, die spenden, sondern eine Regierung und einen Präsidenten der Politik.

Diese waidhofener Parteipolitik verströmt auch einen recht, recht alten Duft, und das kann bei diesem zurzeitigen Bundeskanzler nicht überraschen, den recht, recht alten Duft von Kraut und Erdäpfeln, die ein Parteifreund von ihm einst empfahl, Kraut und Kartoffel sind nun die waidhofener Spende als waidhofener Parteipolitik für das gesamte Land, dazu gewedelt die nationalen Fahne …

Ein Staat braucht keine Regierung, die ein paar Tröpfchen, aus denen nicht einmal Nebeltropfen werden, spendet, ein Staat braucht eine Regierung der Politik.

Politik ist umfassend, Politik schließt vieles ein, beispielsweise auch neue Formen des Wirtschaften. Jedoch, wie im nächsten Kapitel an einem Beispiel, gezeigt werden kann, am Beispiel einer Fluggesellschaft, auch im Bereich der Wirtschaft keine Politik, nur das Fortführen des Alten, das Weitermachen des Vorgemachten …

Die größten Leistungen aber von der großen Masse der Unabhängigen

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Eines konnte Rudolf Diesel vor rund 120 Jahren in „Solidarismus“ noch nicht anführen, daß nämlich die „große Masse der Abhängigen“ auch die größte Touristin ist. Einfach wie kurz deshalb, weil um 1900 der Fremdenverkehr nicht in diesem enormen Ausmaß wie heute …

Gerade auch die Zahlen aus dem Tourismus bestätigen zusätzlich den Befund von Rudolf Diesel, der hier um diese aktualisiert werden darf, auch hinsichtlich des grammatischen Geschlechts …

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist die größte Produzentin, die größte Konsumentin, die größte Steuerzahlerin, die größte Kapitalistin und die größte Touristin.

Eine Berichtigung einer Formulierung von Rudolf Diesel ist ebenfalls erlaubt. Es ist zwar nach vor wie so, daß die sogenannte Masse, auch 120 Jahre später, als die „Masse der Abhängigen“ gesehen und geführt wird. Jedoch. Es entspricht ganz und gar nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Nicht die „große Masse“ ist die „Masse der Abhängigen“, sondern die Minderheit der Reichen und Reichsten ist die „Gruppe der Abhängigen“, tatsächlich ist das „eine Prozent“ die tatsächliche „Masse der Abhängigen“.

Was besäßen beispielsweise ein Bill Gates, ein Mark Zuckerberg, ein Jeff Bezos, ein Larry Page ohne die „große Masse“ – vielleicht eine von ihren Eltern geerbte kleine Farm oder auch bloß ein geerbtes kleines Häuschen irgendwo in Iowa … Was für einen Einfluß hätten beispielsweise Microsoft, Facebook, Amazon, Google oder Apple ohne die große Masse der Unabhängigen mit ihrer immensen Kaufkraft, mit ihrer immensen Entscheidungskraft …

Kurz gesagt: Null Einfluß. So stellen sich die Verhältnisse zwischen den „Abhängigen“ und den „Unabhängigen“ weltweit tatsächlich dar. Also auch im kleinen Österreich, der Kleinheit entsprechend, wenn dafür als Beispielgeber der Süßsaftabfüller genannt werden darf.

So darf der Befund von Rudolf Diesel noch eine weitere Anpassung erfahren.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Unabhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist die größte Produzentin, die größte Konsumentin, die größte Steuerzahlerin, die größte Kapitalistin und die größte Touristin.

Wie maßgebend die große Masse der Unabhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung in jedem Land ist, belegen auch die Zahlen aus dem Tourismus. Hierfür als Beispiel genommen die österreichischen Zahlen. Es ist die große Masse der Unabhängigen, die Jahr für Jahr nach Österreich kommen, ihr Geld in Österreich in einem unvorstellbaren Ausmaß ausgibt, sie einen großen Anteil daran hat, daß Österreich zu den reichsten Ländern der Welt zählt. Hingegen, würde es je tatsächlich ins Gewicht fallen, wenn die Minderheit der Abhängigen nicht nach Österreich käme?

„Die direkte und indirekte Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft macht pro Jahr rund 59,2 Milliarden Euro aus, das sind 15,3 % des BIP. Die Gesamtausgaben aller Urlaubsgäste, Geschäftsreisenden und Tagesbesucher in Österreich betragen 42,5 Milliarden Euro. (Zahlen aus 2018 lt. Statistik Austria, WIFI und Tourismussatellitenkonto)“

„Pro Jahr rund 59,2 Milliarden Euro“ … Um dieser enormen Summe einen aktuellen Vergleichswert gegenüberzustellen. Wie stolz stellt sich die derzeitige Bundesregierung hin und verkündet ihr 38-Milliarden-Euro-Hilfspaket … Die große Masse der Unabhängigen stellt sich niemals stolz irgendwo hin und verkündet, sie würde Jahr für Jahr 59,2 Milliarden Euro in Österreich ausgeben, sie gibt es einfach aus. Eben als größte Touristin. Und die 38 Milliarden Euro, von der die Bundesregierung nun so stolz spricht, als wären diese ihre eigenen Milliarden, sind die 38 Milliarden Euro der großen Masse der Unabhängigen. Als eben die größte Steuerzahlerin.

The secret of a typo

Es wird schlicht wie kurz ein Tippfehler sein, daß CNN „Kurtz“ statt „Kurz“ schreibt. Ein bedeutungsloser Tippfehler, weniger nicht.

Und doch kann ein Tippfehler anregen, Überlegungen anzustellen, gerade jetzt, in dieser überreich verordneten Zeit für Nebensächlichkeiten, die Cholera ist wieder früh am Vormittag zubereitet, auch schon in das vorgeheizte Backrohr geschoben

Ein Tippfehler kann bleibenden Wert erhalten. Wie etwa jener Fehler, der einem Drucker passierte, als er einen Vers von W. H. Auden (der übrigens im gleichen Ort lebte wie Josef Weinheber, in einem niederösterreichischen) durch einen einzigen anderen Buchstaben veränderte. Wystan Hugh Auden beließ seinen Vers

„And the poets have names for the sea.“

aber fortan in der Tippfehlerfassung des Druckers:

„And the ports have names for the sea.“

Ob es tatsächlich bloß ein Tippfehler war oder vielleicht doch eine bewußte und vornehm zarte Verbesserung der Zeile von Auden — das wird ein ewiges Geheimnis des Druckers bleiben.

Wie aber kommt es zu Tippfehlern? Schludrigkeit? Ja, durchaus. Gerade von Wien aus ist es aber nicht ungewöhnlich, nach der Bedeutung von „Versprechern“ zu fragen, was sich hinter einer sprachlichen Fehlleistung alles verbergen könne, so kann auch nach der Bedeutung von Vertippern gefragt werden, schließlich können auch diese sprachliche Fehlleistungen sein.

Was brachte CNN dazu, dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich den Namen „Kurtz“ zu geben? Diktierte dem Mitarbeiter von CNN seine in diesem Moment nicht bewußte Erinnerung an seine Lektüre von „Heart of Darkness“ den zusätzlichen, aber falschen Buchstaben im Namen von Kurz, was von der Figur Kurtz aus dem Roman „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad leitete die Mitarbeiterin von CNN beim Schreiben des Namens „Kurtz“ für „Kurz“?

Sind es einzelne Sätze aus dem Roman, die das unbewußt auslösten, „Kurtz“ statt „Kurz“ zu schreiben? Welche Sätze könnten dafür verantwortlich sein? Diese vielleicht, die hier als Ende des Kapitels zitiert werden?

Was auch immer den Tippfehler verursachte, oder, nicht den Tippfehler auslöste, Zeit ist vergangen, bei der Beschäftigung mit einem Tippfehler, einstweilen wird es Mittag, den Nachmittag dann mit dem Hinausschauen auf die Marienthalstraße …

Im Roman heißt es, er, Kurtz habe nicht im geringsten zu schreiben verstanden („that Kurtz really couldn’t write a bit“). Von Kurz kann gesagt werden, er versteht es, auf eine besondere Weise zu lesen; wenn ein Wort nur irgendwie nach seinem Namen aussieht, wird es schon von ihm weiter verbreitet, und er braucht dazu kein einziges Wort zu schreiben.

„This visitor informed me Kurtz’s proper sphere ought to have been politics ‚on the popular side‘. ‚[B]ut heavens! how that man could talk. He electrified large meetings. He had faith – don’t you see? – he had the faith. He could get himself to believe anything – anything. He would have been ap splendid leader of an extreme party.‘ ‚What party?‘ I asked. ‚Any party,‘ answered the other. ‚He was an – an – extremist.‘ Did I not think so? I assented.“

„Dieser Besucher erklärte mir, der Kurtz angemessene Wirkungsbereich sei die Politik gewesen, ‚ihre volkstümlichere Seite‘. ‚[D]och, Himmel! wie dieser Mann reden konnte! Er riß große Versammlungen mit sich fort. Er war erfüllt von Glauben – verstehen Sie? – erfüllt von Glauben. Er brachte es fertig, an alles zu glauben – alles. Er hätte einen glänzenden Führer einer extremistischen Partei abgegeben.‘ ‚Welcher Partei?‘ fragte ich. ‚Jeder beliebigen Partei‘, antwortete der andere. ‚Er war ein – ein – Extremist.‘ Ob ich nicht dieser Ansicht sei? Ich bejahte.“ 

„Tatsächlich sagte der Direktor später, die Methoden des Herrn Kurtz hätten den Distrikt zugrunde gerichtet. Ich enthalte mich einer Meinung in diesem Punkt, aber ich möchte euch darüber nicht im unklaren lassen, daß das Vorhandensein der Köpfe dort nicht eigentlich etwas mit Gewinst zu tun hatte. Sie zeigten nur an, daß Herrn Kurtz jegliche Hemmung in der Befriedigung seiner mannigfachen Lüste abging, daß ihm etwas fehlte – eine Winzigkeit, die, im Ernstfall, unter seiner großartigen Beredsamkeit nicht zu finden war. Ob er selbst um diese Unzulänglichkeit wußte, kann ich nicht sagen. Ich glaube, ihm kam sie zum Schluß doch noch zu Bewußtsein – ganz zum Schluß. Doch die Wildnis hatte ihn früher durchschaut und fürchterliche Rache an ihm genommen für diesen spukhaften Überfall. Ich denke, sie hat ihm Dinge über ihn selber zugeflüstert, die ihm unbekannt waren, Dinge, von denen er gar keinen Begriff hatte, ehe er mit dieser großen Einsamkeit zu Rate ging – und das Geflüster hatte sich als unwiderstehlich bestrickend erwiesen. Es hallte laut in ihm wider, weil er im Innersten hohl war …“


„‚I am not disclosing any trade secrets. In fact, the manager said afterwards that Mr Kurtz’s methods had ruined the disctrict. I have no opinion on that point, but I want you clearly to understand that there was nothing exactly profitable in these heads being there. They only showed that Mr Kurtz lacked restraint in the gratification of his varous lusts, that there was something wanting in him – some small matter which, when the pressing need arose, could not be foundt under his magnificent eloquence. Whether he knew of this defiency himself I can’t say. I think the knowledge had found him early, and had taken on him a terrible vengeance for the fantastic invasion. I think it had whispered to him things about himself which he did not know, things of which he had no conception till he took counsel with this great solitude – and the whisper had proved irresistbly fascinating It echoed loudly within him because he was hollow at the core …“

„The manager came out. He did me the honour to take me under the arm and lead me aside. ‚He is very low, very low‘, he said. He considered it nesessary to sigh, but neglected to be consistently sorrowful. ‚We have done all we could for him – haven’t we? But there is no disguising the fact, Mr Kurtz has done more harm than good to the Company.“

„Der Direktor trat heraus. Er erwies mir die Ehre, seinen Arm unter den meinen zu schieben und mich beiseite zu führen. ›Er ist sehr matt, sehr matt‹, sagte er. Er hielt einen Seufzer für angebracht, versäumte jedoch, eine entsprechend bekümmerte Miene aufzusetzen. ‚Wir haben für ihn alles getan, was in unserer Macht stand – oder nicht? Aber es läßt sich nicht verhehlen, daß Herr Kurtz der Handelsgesellschaft mehr geschadet als genutzt hat.'“

Abgehende Maßnahmen

Am 19. April ’20 kommt die gesinnungsgemäß zensurierte Website der Partei, die für kurz, für recht kurz wieder einmal Regierungspartei war, mit einer Gegenrechnung der Toten.

„Unter der Rubrik ‚Gesundheit‘ finden sich interessante Fakten zu aktuellen Sterbezahlen im Jahr 2020 für die ganze Welt (Stand Sonntag, 19. April, 9.20 Uhr):

Tote durch saisonale Grippe              145.711
Tote durch Krebs                               2.460.184
Tote durch Malaria                            293.822
Tote durch HIV/Aids                         503.561
Tote durch Rauchen                          1.497.460
Tote durch Alkohol                           749.205
Tote durch Selbstmord                      321.223
Tote durch Abtreibung                      12.733.850

Covid-19-Verstorbene im Vergleich

Dazu die offiziellen Zahlen zu den Toten durch Covid-19: 160.818 – weltweit. Dabei muss hinzugefügt werden, dass unklar ist, ob diese Menschen an oder mit dem Coronavirus verstorben sind. In den allermeisten Fällen lagen schwerwiegende Vorerkrankungen vor, die die erwartbare Lebensdauer der Betroffenen jedenfalls stark beeinträchtigten.“

In der Quelle, die von der Website der für kurz gewesenen Regierungspartei und nach wie vor eine der Parlamentsparteien seiende Fraktion gesinnungsgemäß herangezogen wird für ihren Zahlenvergleich wird jedoch nicht geschrieben „Tote durch Abtreibung“, sondern nur „Abtreibungen“, angeführt also, wie viele „Abtreibungen“ es bisher im Jahr 2020 gab.

„Tote durch Abtreibung“, das ist keine falsche Übersetzung von „Abortions“ der Website, das ist ihre Gesinnungsübersetzung. Mehr ist dazu nicht zu schreiben. Zu diesem gesinnungsgemäßen Vergleich, der nicht ein Vergleich genannt werden kann, sondern … das schon ist zu viel an Beachtung für das gesinnungsgemäße Geschwefel der Website der Partei, die sogar wieder einmal für kurz gewesene Regierungspartei …

Jedoch diese von der Website der Parlamentspartei gesinnungsgemäß mißbrauchten Quelle enthält aber Zahlen, an die immer wieder zu erinnern ist, ohne diese aber damit in einen Vergleich mit den „Toten durch Covid-19“ je zu setzen, ohne je die geringste Gegenrechnung anzustellen.

Aufmerkenswert daran ist eines. Was alles auf einmal möglich ist, was für umfassende Maßnahmen in einer Plötzlichkeit und in einer Schnelligkeit gesetzt werden können, wenn es um das Eigene geht, wenn die Furcht, selbst Schaden zu nehmen — —

Es sind Zahlen des Elends, der Not, des Todes, jedoch ohne Maßnahmen in diesem totalen Ausmaß wie jetzt zur Eindämmung der Pandemie Covid-19, keine Maßnahmen in dieser Absolutheit, um das Elend endlich zu beenden, um die Not endlich aus der Welt zu bringen, das durch Elend und Not in Kauf genommene unnatürliche Sterben endlich und endgültig zu beenden.

Ein paar Zahlen dazu, Stand in der Frühe des Tages 20. April 2020, aus der von der gesinnungsgemäß zensurierten Website mißbrauchten Quelle:

„9,663 People who died of hunger today“ – Heute, am 20. April 2020 um 7.15 Uhr, 9.663 an Hunger gestorbene Menschen …

„733 Deaths caused by water related diseases today“ – Heute, am 20. April 2020 um 7.35 Uhr, 733 Tote durch wasserbedingte Krankheiten, durch verseuchtes, krankmachendes Wasser …

„842,410,901 Undernourished people in the world“ – 842.410,901 unterernährte Menschen weltweit im Jahr 2020 mit Stand 20. April 2020 um 7.50 Uhr …

„801,788,523 People with no access to
a safe drinking water source“ – 801.788.523 Menschen mit keinem Zugang zu einer sicheren Trinkwasserquelle, zu sauberem Trinkwasser …

„889 Deaths caused by malaria today“ – 889 Tote durch Malaria allein heute, am 20. April 2020 um 8.00 Uhr, im Laufe dieses Tages werden noch mehr an Malaria sterben. Die davon am meisten betroffenen Menschen leben in Afrika. Rund neunzig Prozent der Malaria-Erkrankungen, Malaria-Todesfälle in Afrika, das weisen die Statistiken der letzten Jahre aus …

„7,318 Deaths of children under 5 today“ – 7.318 tote Kinder unter fünf Jahren heute, am 20. April 2020 um 8.27 Uhr. Es muß nicht besonders ausgeführt werden, wo auf der Welt die meisten Kinder unter fünf Jahren sterben …

„301 Deaths of mothers during birth today“ – 301 Frauen sind bei der Geburt ihres Kindes heute gestorben, am 20. April 2020 um 8.35 Uhr. Wie bei der Kindersterblichkeit muß auch bei der Müttersterblichkeit nicht besonders hervorgehoben werden, wo auf der Welt die meisten Frauen während Schwangerschaft und Geburt sterben …

„12,038 Communicable disease deaths today“ – 12.038 Tote durch Infektionskrankheiten heute, am 20. April 2020 um 8.15 Uhr, zu den mehrere Dutzend umfassenden Infektionskrankheiten zählt auch Covid-19 …

„465 Seasonal flu deaths today“ – 465 Tote durch saisonbedingte Grippe heute, am 20. April 2020 um 8.25 Uhr …

Ach, wie wird bereits davon gesprochen und geschrieben, jetzt, beispielsweise auch in Österreich, wo alle sich von Covid-19 bedroht wähnen, während alle tatsächlich nur betroffen sind von den Maßnahmen der Regierung, aus jeder Krise könne etwas gelernt werden, jede Krise sei auch eine Chance, was werde aus dieser Krise gel

Nun, es muß nichts weiter mehr gelernt werden, es müssen nur die jetzt so plötzlich und so leicht von der Hand gehenden Maßnahmen ebenso rasch und endlich ergriffen werden, auch dann also, wenn es nicht nur um das kleine Eigene geht, das ohnehin viele, wenn nicht aufgepasst wird, noch verlieren werden, aber erst nach der Krise, wenn der Zahltag, der Jahre umspannen wird, für alle ausgerufen werden wird und zum leichteren Schlucken der Krot dem Zahltag der Name „nationaler Kraftakt“ verpaßt ist.


Final funeral for Personenkult

Auf der „Viennale“ die Vorführung von „State funeral“ von Sergei Loznitsa. Auch in Wien also wurde bereits „Staatsbegräbnis“ gezeigt, der gesamte Film nur aus Archivmaterial von den Begräbnisfeierlichkeiten für Josef Wissarionowitsch Stalin.

Ein Film als endgültige Beerdigung jedweden Personenkults.

In Österreich hingegen kommt im Frühjahr 2020 die „Auferstehung“, nein, nicht die Auferstehung, dieser sonderliche Akt eines Organisierten Glaubens, dem ein ebenso sonderlicher und vor allem grauenvoller Akt vorangestellt ist, nämlich das Kreuzigen eines Menschen, sondern im Frühjahr 2020 wird in Österreich der längst schon vergrabene Personenkult wieder ausgebuddelt, aus der nassen, verdreckten, mit totem Gewürm durchmischten tiefen Erde wie die von Hunden abgenagten und verbuddelten Knochen in Österreich der Personenkult im Frühjahr 2020 wieder ausgebuddelt.

Ein Medium gibt Kindern eine „Hausaufgabe“, nämlich „unseren Bundeskanzler zu zeichnen, mit Fahne“ … Im Frühjahr 2020. Die Nase des Herrn Karl riecht nach wie vor gut und genau, woher der … Und so buddelt das Medium den abgenagten, mehrmals gebrochenen, verdreckten Knochen des Personenkults, und das Medium weiß instinktiv, wem der Personenkult zu gelten hat, im Jahr ’20, in Österreich. Einem, der dafür auch viel tut. Denn. Der Personenkult wird nur jenen zuteil, mit autoritärem Gehabe, mit ihrem Hinwegsetzen von Rechten, das könnte mißverstanden werden, Rechte werden nicht weggesetzt, sondern eingeladen, sich dazu zu setzen, Personenkult wird nur jenen zuteil, die ein sehr eigentümliches Verständnis und vor allem eine sehr eigentümliche Auslegung, mehr noch, ein sehr eigenwilliges und eigentümliches Vorgehen in bezug auf neu zu schaffende Gesetze haben.

Diesem also will dieses Medium bereits die Kinder heranführen, die in nicht allzu ferner Zukunft Wählende sein werden, und nur wer Kinder bereits Wählende gewinnen kann, hat Aussicht darauf, beispielsweise ein Kanzler auf Lebenszeit werden zu können. Dieser nun für den neuerlichen Personenkult Ausgesuchte auf der Scholle, die seit 1945 Republik Österreich heißt, beweist nicht zum ersten Mal seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Gesetz, zu der er sich ermächtigt fühlt durch eine Krise, gleichsam, als hätte ihn die Vorsehung selbst … auch in seiner, kurz ist es her, vorherigen kürzesten Amtszeit mußte der Verfassungsgerichtshof die ihm und seiner Klientel genehmen geschaffenen Gesetze reparieren, für die er sich nicht auf eine Krise ausreden konnte …

Einem Kind aber ist die „Hausaufgabe“ auf eine Weise gelungen, wie diese wohl nicht beabsichtigt war, von diesem Medium, wenn dieses Medium überhaupt mit einer durchdachten Absicht die „Hausaufgabe“ erteilt hat, außer der Absicht, ihm aufgedrängt durch das mit der Nase des Herrn Karl Errochene, dieses Mannes Wohlwollen sich zu sichern, den forcierten, massiven und aggressiven Personenkult, den es vor 1945 und auch vor 1938 auf dieser Scholle gab, auszubuddeln,einem Kind ist wohl das endgültige Portrait dieses Personenkults gelungen, das Kind zeichnete ihn mit einem blauen Rumpf, mit einem blauen Mund.

Mit einem blauen Rumpf, aus dem nur Blaues aufstößt zu einem blauen Mund, aus dem nur Blaues quillt …

Daß auch dieses hervorragende und endgültige Portrait dieses Mannes von dem Medium veröffentlicht wurde, wohl mit Stolz, daß Kinder seiner erteilten „Hausaufgabe“ brav nachkamen, dürfte auch fehlendes Nachdenken zurückzuführen sein, und auch darauf, daß die totale Kontrolle noch nicht in seinem Sinne …

Die Cholera in Zeiten der Corona

In Zeiten der Corona wird nun mehr und mehr nach einem sehr alten Rezept die Cholera zubereitet. Die Menschen nehmen sich, bedingt durch Ausgangsbeschränkungen, vermehrt Zeit für aufwendige Gerichte. Sie kaufen auch keinen fertigen Teig mehr. Sogar, bevorzugt wird ein Mürbeteig, den machen sie jetzt selbst, füllen diesen besonders mit den für die Cholera so typischen Schleimflocken.

Wenn nicht hinausgegangen werden darf, ist das Auswalzen der Masse und das anschließende Füllen des Dünnteiges immerhin eine Ablenkung, wenn dabei auch die Zeit objektiv nicht schneller vergeht. Besser wohl, als bloß einfach da zu sitzen. Wenn das Lesen im Freien nicht erlaubt ist. Diese feine Beschäftigung im Freien: beim Lesen frische Luft zu schnappen. Die nun, wie es die Polizei in München verlautbart, nicht erlaubt ist.

In Deutschland also nicht anders als in Österreich. Ein Unterschied doch. In Deutschland kündigt die Polizei das an. In Österreich wird ohne Ankündigung der im Freien lesende Menschen einfach wie kurz nach Hause gescheucht.

Und noch ein Unterschied zwischen Deutschland und Österreich. In Deutschland stellt zumindest ein sogenannter Regierungschef klar, „natürlich kann man ein Buch lesen“, also im Freien. In Deutschland postet die Polizei, was im Freien gestattet: Sport, frische Luft … In Österreich schaltet die Bundesregierung aufwendige Anzeigen in Zeitungen, was im Freien gestattet: Sport, frische Luft

Der Name aber solle nicht ohne Fleisch sein

Das seltsame Anforderungsprofil dieser Anstalt, das Menschen haben müssen, um von dieser zu einem Talg eingeladen zu werden, hat einen Zwilling, das Anforderungsprofil, das Menschen haben müssen, um von dieser Anstalt engagiert zu werden.

Es scheint ein Anforderungsprofil mit nur einem einzigen Kriterium zu sein: die Engagierten müssen einen Namen haben, der mit „Fleisch“ beginnt, vielleicht kann der Name auch auf „fleisch“ enden, wie beispielsweise Hackfleisch. Menschen mit einem solchen Namen, die vielleicht gerade jetzt eine Arbeit, ein Engagement suchen, sollten von sich aus gleich eine Bewerbung an diese Anstalt schicken. Kurz, eine sogenannte Initiativbewerbung also. Eine, die mit einem Satz vollkommen auskommt, in etwa:

Mit meinem Namen Hackfleisch, eine Kopie meines Reisepasses lege ich als Beleg für die Namensechtheit bei, erfülle ich Ihre Anforderung punktgenau und freue mich, von Ihnen engagiert zu werden.

Wie hoch die Chancen eines Engagements sind, wenn „fleisch“ an irgendeiner Stelle im Namen vorkommt, wie zum Beispiel in Rohfleischesser, könnte leicht durch eben eine gleichlautende Initiativbewerbung mit den Namen Rohfleischesserin

Jedenfalls hat es erst kürzlich ein Mann mit dem Namen Fleischhauer geschafft, engagiert zu werden, also wieder einer, dessen Name mit „Fleisch“ beginnt.

„FOCUS-Kolumnist und Autor Jan Fleischhauer spricht darüber was ihn und was Deutschland bewegt. Ein satirischer Wochen-Rückblick auf die Lage in der Bundesrepublik. Brought to you by ServusTV of Fleischhauer – 9 Minuten netto“

Weshalb ein „satirischer Wochen-Rückblick auf die Lage in der Bundesrepublik“ in einem „österreichischen Privatfernsehsender mit Sitz in Wals-Siezenheim“, nun das wird vielleicht Herr Mateschitz noch in einem Talg Herrn Fleischhacker im Beisein von Herrn Fleischhauer …

Bei den allenthalben recht besonderen Talggeladenen aus Deutschland ist es wohl folgerichtig, den Blick gen Deutschland …

„Kolumnist Jan Fleischhauer, der früher für den ‚Spiegel‘ tätig war und aktuell für ‚Focus‘ arbeitet, erhält eine Sendung auf Servus TV. Ab dieser Woche wirft Fleischhauer in ‚9 Minuten Netto‘ einen satirischen Blick auf das aktuelle Geschehen im Nachbarland Deutschland, teilte der Sender mit. ‚Mit Witz, Tempo und einer gehörigen Portion Boshaftigkeit will er dazu anregen, Dinge doch einmal von der anderen Seite zu sehen‘, hieß es in einer Aussendung.“

Bei einem Titel, in dem „netto“ vorkommt, bleibt der Gang in die Küche nicht aus, um die Waage hervorzuholen. Brutto ist „für den Spiegel tätig“. Netto ist „für Focus arbeitet“. Und „9 Minuten“ ist das Leergewicht oder die Tara, die für Gegenstände benötigt wird, die nicht eigenständig gewogen werden können; die Waage zeigt Nullen an.

Nach dem Anhören von 18 Minuten Fleischhauer, also zweimal neun Minuten Fleischhauer vom 7. und vom 16. April ’20. 18 Minuten Fleischhauer zu Corona, zu was sonst denn auch?

Nun. Es soll doch nicht verschwiegen, was in der Bull-Anstalt unter „Witz, Tempo, Boshaftigkeit“ verstanden wird, mit diesem „Witz, mit diesem „Tempo“, mit dieser „Boshaftigkeit“ auch noch dazu „anregen“ soll, „Dinge doch einmal von der anderen Seite …“ Fleischhauer erzählt in diesem seinem unglaublichen „Tempo“, er sitze in Schwabing, von wo aus er die „Dinge doch einmal von der anderen Seite aus“ sieht, er sieht die Dinge also von Schwabing-Freimann mit Blick nach Schwabing-West oder von Schwabing-West mit Blick nach Schwabing-Freimann oder von der Isar zum Schwabinger Bach …

Die für den 20. April 2020 in Deutschland geplanten „Lockerungen der Corona-Regeln“ nennt Fleischhauer „Befreiung“ und als Bildungsbürger weiß er sofort, ach, an diesem Tag war doch, er spricht es aus, des „Führers Geburtstag“. Deshalb regt er an, ganz von der anderen Seite des Eisbachs aus in welche Richtung auch immer gesehen, es doch am „19. April“ …

Nicht hervorgehoben wurde seitens der Bull-Anstalt der fleischhauerische Mut, wenn er beispielsweise eine Impfgegnerin aus Berlin vorführt – „an mein Sarachen laß ich die Spritze nicht ran, Corona hin oder her. Impfen macht Autismus“ -, das ist Mut, hierfür nicht den amerikanischen Großvater im Weißen ….

Ebenfalls nicht hervorgehoben wurde seitens der Bull-Anstalt die fleischhauerische Vergleichssicherheit. Es ist dabei nicht so wichtig, von wo aus Fleischhauer an diesen Vergleich sich zubewegt (es geht um Israel und um einen möglichen Impfstoff aus Israel, wofür doch eine Ausnahme gemacht werden könnte, etwas aus Israel anzunehmen, wie er von einem Gegner Israels sagen hörte): „Liebe Leute, das geht doch gar nicht. Das ist ja so, als ob der Papst in das Bordell gehen würde, weil ihm jemand gesagt hat, daß Sex das Leben verlängere. Gerade in der Krise beweise ich doch Glaubensstärke. Da wirft man doch nicht einfach seine Überzeugung über Bord.“

Nun, bis zum 20. April zurück sattelfest in der Geschichte. Päpste brauchten nie, aus welchen Gründen auch immer, ein Papst brauchte nie in ein Bordell zu gehen, weil … das aber durfte erst vor kurzem in einem Kapitel berichtet werden, in dem es, es gibt in diesen Tagen kein Entkommen, auch um Corona geht, erzählt von Boccaccio …

Ebenfalls nicht hervorgehoben seine Großzügigkeit und Nachsicht, zum Ausdruck gebracht etwa, wenn er sich schützend vor den amerikanischen Großvater setzt, der …

„… in gewisse Schwierigkeiten geraten ist, weil er immer von chinesischem Virus statt von Covid-19 spricht. Das sei total unangemessen den Chinesen gegenüber, heißt es, na ja, ich würd‘ sag, man kann es mit den nationalen Empfindlichkeiten auch ein bisschen übertreiben … und ich glaub‘, man spricht auch noch von der spanischen Grippe …“

Nach dem Anhören von 18 Minuten Fleischhauer, also zweimal neun Minuten Fleischhauer vom 7. und vom 16. April ’20. 18 Minuten Fleischhauer zu Corona, zu was sonst denn auch … kann der Blick nicht und nicht von der Waage abgewendet, so anregend leuchten die …

„Ihr wißt selbst nicht, wie reich ihr seid, über welche gewaltigen Mittel ihr verfügt“

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Es wird sich wohl kaum mehr – dabei ist es kurz erst her – an die für kurz gewesene Ministerin in Österreich erinnern, die meinte zu wissen, wer die Arbeit schaffe

Gerade in der gegenwärtigen Situation ist es nicht verfehlt, ein Buch aufzuschlagen, das vor 117 Jahren veröffentlicht wurde. Geschrieben wurde es von Rudolf Diesel. Sie kennen das Produkt von ihm. Vielleicht haben Sie sogar ein mit seinem Motor ausgestattetes Auto, mit dem Sie zur Arbeit fahren.

1903 veröffentlicht Rudolf Diesel:

„Solidarismus. Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen.“

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Gerade in der gegenwärtigen Situation ist es dringend geraten, dieses Buch von Rudolf Diesel aufzuschlagen. In einer Situation, in der nicht wenige meinen, es ist hoch an der Zeit über eine Änderung der Wirtschaftsordnung nachzudenken, eine Veränderung dringend vonnöten ist.

Mitten in dieser Situation wird aber auch schon erkennbar, wer wieder die Last zu tragen haben wird, wem diese Krise aufgebürdet werden wird, wieder einmal.

Ihre dafür im Voraus schon gegebene Belohnung der Orden des nationalen Kraftaktes für die in dieser, auch in dieser Krise ausgegebene Order des nationalen Kraftaktes. Das wird die gesamte Belohnung also wieder einmal sein, eine Auszeichnung dafür, den Befehl des nationalen Kraftaktes pflichtvereidet wieder einmal erfüllt zu haben. Order und Orden, mit deren Herkunft von einem lateinischen Wort in der Bedeutung von Ordnung, Ruhe. Es muß Ordnung herrschen im Land. Es muß Ruhe herrschen im Land. Ruhe und Ordnung in geschlossener Reihe sind stets die begehrten Ziele des Stands, der Klasse, die zum nationalen Kraftakt vergattert.

Zu welchen Lösungen vor 117 Jahren Rudolf Diesel kommt, nun, als eine der Anleihen für die Gegenwart durchaus eine zu berücksichtigende, eine, die einfließen kann in die längst überfällige Veränderung der Wirtschaftsordnung, nicht nur in Österreich, sondern tatsächlich weltweit.

Die Lösung, wie sie Rudolf Diesel in „Solidarismus“ vorschlägt, ist zum Lesen in ihrer Gesamtheit zu empfehlen. Stoßen Sie sich dabei aber nicht an so mancher Formulierung, es ist ein Buch, das der Sprache vor 117 Jahren verpflichtet ist.

Es ist nicht die Intention, hier die Lösung von Rudolf Diesel zu propagieren, auch wenn „Solidarismus“ reich an Anregungen ist, die für eine dringend notwendige Veränderung der globalen Wirtschaftsordnung nützliche und nutzbringende Anregungen sind.

Im Mittelpunkt sollen hier die von Rudolf Diesel verwendeten Statistiken sein, die er zur klaren und schlüssigen Argumentation seiner Lösung heranzieht.

Es sind Statistiken, die aufzeigen, wie vor rund 120 Jahren es darum bestellt war, beispielsweise um die Verteilung des Vermögens, um die Steuerleistung, um den Konsum, um die Spareinlagen.

Die Statistiken von vor 120 Jahren von Rudolf Diesel beziehen sich auf Deutschland. Werden zu diesen Statistiken als Vergleich die Zahlen der Gegenwart aus Österreich gegenübergestellt, können nur mit größtem Erstaunen Fragen gestellt werden. Beispielsweise.

Wieso wollen die Menschen in Österreich, um bei diesem Land beispielhaft zu bleiben, nicht wissen, über welche gewaltige Mittel sie verfügen, und was sie mit diesen Mitteln für eine für sie positive Wirtschaftsordnung und Gesellschaftsordnung etablieren könnten?

Die gesamten Spareinlagen der Menschen in Österreich übertreffen bei weitem das Vermögen der sogenannten Reichsten in diesem Land.

Zu den von Rudolf Diesel vor 120 Jahren angeführten Statistiken fallen die gegenwärtigen Statistiken aus Österreich ein. Erstaunlich daran, wie die prozentualen Verteilungen einander im Grunde gleichen, in 120 Jahren es nicht zu enormen Verschiebungen, Veränderungen gekommen ist.

Vor 120 Jahren führt bereit Rudolf Diesel diesen einen berühmten Prozentsatz an, von dem heute alle Welt spricht: „1 Prozent der Gesamtbevölkerung im Besitze von 80 bis 85 Prozent des Vermögens“ … Um beim Beispiel Österreich zu bleiben, könnte gesagt werden, was für ein Fortschritt. Denn. Immerhin besitzen nun, 120 Jahre später, rund 10 Prozent, haben 120 Jahre später doch 10 Prozent mehr als die restlichen 90 Prozent gemeinsam, und der Anteil des einen reichsten Prozentes beträgt nur mehr 40 Prozent, und 50 Prozent der Menschen teilen sich gar stattliche 4 Prozent des Vermögens.

All die Chimären, um es kurz zu machen, die heute noch verbreitet werden, hat auch ein Rudolf Diesel bereits vor 117 Jahren als Chimären bloßgelegt.

Etwa die Chimäre über die Steuerleistungen. Wer heute die größten Steuerleistungen zu erbringen hat, sind genau jene, die bereits vor 120 Jahren die größten Steuerleistungen zu erbringen hatten.

Was für eine Einbildung nicht nur der einen für kurz gewesenen Ministerin der absoluten Wichtigkeit und vollkommenen Vorrangstellung der Wirtschaft. Was wäre die Wirtschaft ohne die Menschen, die für die Wirtschaft produzieren und zugleich das von ihnen selber Produzierte konsumieren?

Es gibt all die gegenwärtigen Statistiken auch aus Österreich, die all das belegen, und diese könnten hier auch angeführt werden.

Aber wozu?

Diese sind ohnehin bekannt. Aber diese wollen nicht wahrgenommen werden.

Es werden lieber weiterhin die Kälber der Chimären angebetet.

Es müssen nicht die aktuellen Statistiken angeführt werden, vor allem, weil diese im Grunde nichts anderes enthalten, als das, was diese beispielsweise schon vor 120 Jahre enthielten, belegten, als Grundlage zum Handeln, also zur endlichen Abkehr von den unverständlich nach wie vor geltenden Ordnungen, deren Fundament Chimären sind.

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß die große Masse der Abhängigen im heutigen Staatsleben in jeder Beziehung maßgebend ist, daß sie in allen Erscheinungen der Volkswirtschaft das ausschlaggebende Element bildet; sie ist der größte Produzent, der größte Konsument, der größte Steuerzahler und der größte Kapitalist.“

Als Produzent.

Für die Produktion bedarf diese Behauptung eigentlich keines Beweises; da es Tatsache ist, daß für die große Masse die Familienhäupter unter 3000 Mark Jahreseinkommen haben, so folgt daraus, daß diese 97% der Bevölkerung arbeiten müssen, um zu leben, und daß sie somit mindestens 97% der Gesamtarbeit des Landes wirklich leisten.

Als Konsument.

Nicht ebenso selbstverständlich ist das Verhältnis für den Konsum. Hier herrschte sogar bis in die neuere Zeit hinein die Ansicht, daß der Verbrauch der bemittelten Minorität weit größer sei als derjenige der unbemittelten Massen. Dieser gründliche volkswirtschaftliche Irrtum ist heute widerlegt. R. E. May hat in seinem 1900 erschienenen Werk: ‚Das Verhältnis des Verbrauchs der Massen zu demjenigen der Wohlhabenden und Reichen‘ nachgewiesen, daß der Verbrauch der großen Masse (als welche er alle Einkommen unter 3000 Mark ansieht) sechsmal so groß ist als derjenige der Wohlhabenden und Reichen (über 3000 Mark Einkommen). Würde der Konsum der letzteren plötzlich verschwinden, so würde die Volkswirtschaft das selbstverständlich spüren, aber ein durchgreifender Schaden, ja eine Krisis würde damit kaum verbunden sein. Maßgebend für das Gedeihen einer Volkswirtschaft ist danach der Konsum der großen Masse der Abhängigen. Daraus erhellt die eminente Wichtigkeit der Kaufkraft der untern Einkommensschichten und die ungeheure Macht der vereinten Kaufkraft dieser Schichten; eine verhältnismäßig kleine Verringerung dieser Kaufkraft führt sofort eine schwere Krisis herbei, und eine geringe Erhöhung derselben ist für das Gedeihen der Volkswirtschaft, also für die Gesamtwohlfahrt, unvergleichlich wichtiger als das Ansammeln noch so großer Einzelvermögen oder als das Erschließen noch so großer ausländischer Absatzgebiete; denn auch der Konsum des Außenhandels ist im Verhältnis zum inländischen Verbrauch der großen Masse viel geringer, als man gemeinhin annimmt; so beträgt in Deutschland die Gesamtausfuhr pro Kopf jährlich 70 Mark, der inländische Verbrauch pro Kopf mindestens 200 Mark [23], d. h. mindestens 3 / 4 des ganzen Verbrauchs. (Siehe G. Maier, Soziale Bewegungen, 1902.) Diese Zahlen beweisen, daß die große Masse der Produzenten eines Landes der Hauptsache nach ihr eigener Konsument ist. Möchte doch das Bewußtsein unseren maßgebenden Faktoren in Fleisch und Blut übergehen, daß die Blüte einer Volkswirtschaft direkt proportional ist der Kaufkraft der großen Masse, und daß die Ankündigung des Anwachsens des Durchschnittseinkommens der großen Masse um 5 oder 10% für die Beurteilung der industriellen und landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes ungleich mehr bedeutet als die Aufzählung noch so vieler erstaunlich hoher Steuerzahler.

Als Kapitalist.

Im Anhang 4 wurde bewiesen, daß die Gesamtsumme der Spareinlagen der kleinen Sparer in Deutschland wenigstens 12 bis 14 Milliarden Mark beträgt. Vergleicht man diese Summe mit den Kapitalien der größten amerikanischen Trusts (Anhang 7), so zeigt sich das überraschende Ergebnis, daß die deutschen Kleinsparer dreimal so viel Kapital besitzen als der gewaltigste Trust der Welt, der amerikanische Stahltrust, und siebenmal so viel Kapital wie der allmächtige Petroleumtrust, welcher allen Kulturländern seine Bedingungen diktiert. Es folgt daraus, daß die Kleinsparer eines einzigen Landes als Gesamtheit der größte Kapitalist sind, größer und mächtiger als selbst die gewaltigsten Kapitalvereinigungen, vor denen die ganze Welt das Knie beugt, und denen die Industrien aller Länder tributpflichtig sind.

Als Steuerzahler.

Wie man früher irrtümlich annahm, daß die Wohlhabenden und Reichen die größten Verbraucher seien, so nimmt man heute noch an, daß sie den größten Teil der Steuern eines Landes aufbringen. Die Ansicht, daß die Steuern der Hauptsache nach von den sogenannten »leistungsfähigen Schultern« getragen werden, daß ein großer Teil der Bevölkerung überhaupt steuerfrei sei, ist allgemein verbreitet, und doch ist sie ein schwerer Irrtum. Diese Ansicht trifft einigermaßen zu nur für die direkten Steuern, unter welchen die wichtigste die Einkommensteuer ist. So betrug im Jahre 1901 [24] die Gesamteinkommensteuer der physischen Zensiten in Preußen 168,13 Millionen Mark. Hiervon entfielen auf Zensiten mit über 3000 Mark Jahreseinkommen 114,01 Millionen Mark. Demnach beträgt die Leistung der Zensiten unter 3000 Mark Einkommen 54,12 Millionen Mark. Es bezahlt also von dieser Steuer die große Masse (97% der Bevölkerung) nur rund 1 / 3 , und die übrigen 3% der Bevölkerung 2 / 3 . Ganz anders aber gestaltet sich das Bild, wenn man die zweite wichtigste Steuergruppe, die indirekten Steuern in Betracht zieht; diese sind der Hauptsache nach Verbrauchssteuern, Zölle, in süddeutschen Staaten Weinsteuer, Fleisch- und besonders Biersteuer u. dgl., dieselben hängen nicht vom Einkommen, sondern vom Verbrauch pro Kopf an alltäglichen Lebensmitteln ab, sind also im wesentlichen pro Kopf für alle gleich; allenfalls könnte man annehmen, daß die große Masse hiervon 6 / 7 und der Rest der Bevölkerung 1 / 7 leistet, weil sich der Konsum dieser beiden Gruppen, wie vorhin gezeigt wurde, so verhält. Nach einer Abhandlung des badischen Finanzministers Dr. Buchenberger entfallen nun auf den Kopf der Bevölkerung in den letzten Jahren aus den zwei wichtigsten Steuerarten: in Preußen in Bayern

1. an direkten Steuern 6,07 M. 5,90 M.
2. an Zöllen und Verbrauchssteuern 15,28 “ 21,06 „
zusammen 21,35 M. 26,96 M.

Nimmt man für Preußen heute eine Einwohnerzahl von rund 34 1 / 2 Millionen und für Bayern von 6 Millionen an, so bringen diese beiden Steuerarten ungefähr folgende Summen: in Preußen in Bayern

1. direkte Steuern 210 Mill. M. 36 Mill. M.
2. Zölle und Verbrauchssteuern 530 “ “ 126 “ „
zusammen 740 Mill. M. 162 Mill. M.

Nun entfallen auf die große Masse (unter 3000 Mark Einkommen) wie wir sahen, von der Steuer 1 1 / 3 , von Steuer 2 6 / 7 . Demnach gestaltet sich die Steuerverteilung wie folgt: in Preußen in Bayern

auf die große Masse (unter 3000 M. Einkommen) 70 + 455 = 525 Mill. 12 + 108 = 120 Mill.
auf die Wohlhabenden und Reichen (über 3000 M. Einkommen) 140 + 75 = 215 “ 24 + 18 = 42 „
zusammen740 Mill. 162 Mill.

Die große Masse trägt demnach in Preußen 5 / 6 , in Bayern 3 / 4 der beiden wichtigsten Steuern, trotz der Einkommensteuerfreiheit von 65% der Bevölkerung und trotz der zum Teil bedeutenden Leistungen einzelner sehr bemittelter Steuerzahler. Die Besteuerung der großen Massen ist demnach die wesentlichste, ja die ausschlaggebende Einnahmequelle der Staaten. Diese große Masse als Gesamtheit ist der größte Steuerzahler.

Daß dies auch für die schwerste aller Steuern, den Militärdienst, zutrifft, ist selbstverständlich, da die große Masse, entsprechend ihrer Zahl, auch hierzu 97% der Gesamtlast liefert. Von der großen Masse hängt die militärische Macht des Staates ab. Die große Masse ist also in allen wichtigen Dingen der ausschlaggebende Faktor im Staate und in der Volkswirtschaft. Daß aber der Einfluß dieses größten Teils der Bevölkerung, seine Vertretung im Parlament, seine rechtliche Stellung und sein Anteil an den Segnungen der Kultur nicht dieser maßgebenden Stellung und überwiegenden Leistung entspricht, muß jeder rechtlich Denkende zugeben. Wenn aber diese Masse trotzdem heute eine so durchaus überwiegende Leistung aufweist, wieviel mehr müßte das der Fall sein, wenn man dieselbe durch mehr Anteil an den Segnungen der Kultur geistig und körperlich leistungsfähiger machte. Je höher das Niveau ist, auf welchem die Masse steht, desto höher ist die Leistung, die Macht und das Ansehen des Landes. Das ist der logische Schluß aus diesem nackten Zahlenmaterial.“

Am 1. Mai 2020

Ab 1. Mai 2020 die Wohnungen, die Häuser zu verlassen, hinauszugehen, dafür ist Seb. Kurz.

Und Seb. Kurz mit seinem patriotischem Herzen von unendlichem Auswuchs kennt den österreichischen Kalender gar recht und weiß daher, daß der 1. Mai eines jeden Jahres in Österreich kein Feiertag ist, sondern der 1. Mai ein Tag des Arbeitens und des Einkaufens.

„Unser Ziel ist es, daß mit 14. 4., also mit Dienstag nach Ostern, kleine Geschäfte bis […] wieder öffnen dürfen. Ab dem 1. 5., also ab dem 1. Mai, ist unser Ziel, daß alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen dürfen.“

Das sagt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich wörtlich am 6. April 2020. Es fällt schwer, zu sagen, er habe dies in einer Pressekonferenz wörtlich gesagt, nun öffentlich war es, Mikrofone hörten aufmerksam zu, Kameras nahmen pflichtbewußt seine gefalteten Hände auf, es war eine Pressekonferenz, wie diese zur Norm zu werden scheint in diesem Land, und nicht beschränkt auf eine zeitlich einzugrenzende Situation, mit ihren mehr und mehr „seltsamen Ereignissen“, wie „Die Pest“ beginnt …

Das sagt also der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich, mit Dienstag, 14. April, er sagt nicht ab 13. April, das war ein Montag, ein Feiertag in Österreich, und weil es für ihn ein Feiertag ist, deshalb sagt er ab 14. April, also ab dem nächsten Werktag, und er sagt nicht ab 2. Mai, das wird ein Samstag sein, oder, er sagt nicht ab dem 4. Mai, das wird ein Montag sein, er sagt ab 1. 5., und er sagt das zweimal: ab 1. 5., also ab dem 1. Mai, und so steht es auch auf der Website des Bundeskanzleramtes in Österreich, auch an diesem Werktag, dem 14. April 2020, alle Geschäfte sollen für den zurzeitigen Bundeskanzler an einem Feiertag wieder öffnen dürfen …

Wenn es des zurzeitigen Bundeskanzlers in Österreich Wunsch ist, daß sich am 1. Mai 2020 einander alle begegnen, die in Geschäften, in Einkaufszentren arbeiten, Haare schneiden, die in Geschäften, in Einkaufszentren einkaufen, ihre Haare sich schneiden lassen, so soll ihm dieser Wunsch doch erfüllt werden.

Allerdings mit einer kleinen Veränderung. Da am 1. Mai eines jeden Jahres in Österreich traditionell, weil es eben ein Feiertag ist, alle Geschäfte, alle Einkaufszentren, alle Salons der Friseure und Friseurinnen geschlossen haben, und das auch an diesem 1. Mai 2020 nichts anders sein wird, kann es für die Erfüllung des kanzlerischen Wunsches nur eine Möglichkeit geben.

Treffen von allen am 1. Mai 2020 um 14.00 Uhr auf den traditionellen Plätzen

Ein Treffen von allen auf den Plätzen in ganz Österreich, die traditionell für die Treffen am 1. Mai genutzt werden. Um dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich zu zeigen, wie gerne seinem Wunsch nachgekommen wird, kann es am 1. Mai 2020 in Wien dafür nur einen Platz geben, den Ballhausplatz mit seinem Bundeskanzleramt. Und weil auch der 1. Mai 2020 nach wie vor ein Feiertag ist, mag der zurzeitige Bundeskanzler diesen in seinem Kalender in welcher Farbe auch immer eingefärbt haben, soll der 1. Mai ohne Hast begonnen werden, erst nach einem feiertäglichen Mittagessen zum Ballhausplatz aufgebrochen werden, um vor dem Bundeskanzleramt um 14.00 Uhr …