Wissenshaus Österreich

Kurz ist es her, daß die derzeitige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, auf das „Kaufhaus Österreich“ angesprochen, antwortete, „sie habe auch nie gesagt, dass es eine Amazon-Kopie sei. Sie werde sich auch nicht entschuldigen, eben weil es kein Fiasko gewesen sei.“

„Austria-Forum, das Wissensnetz aus Österreich sieht sich“, nach eigenem ungefragten Bekunden, „nicht als Konkurrent zur Wikipedia: es archiviert sogar die Beiträge der deutschsprachigen Wikipedia mit Österreich-Bezug.“

Was Austria-Forum, das Wissenshaus aus Österreich, kopiert und welches Österreich dieses Kaufhaus des Wissens verkauft, durfte erst kürzlich wieder einmal beim Schlendern durch seine Regale und beim Öffnen seiner Budelschubladen bewundernd bestaunt werden.

Bei dem engagierten Personal wäre außer Bewunderung alles mehr als erstaunlich. Die Anforderung, in dem Wissenshaus Österreich tätig sein zu dürfen, ist die höchste, die Voraussetzung für eine Anstellung, für eine Mitarbeit ist zumindest ein akademischer Abschluß. Wenn das Kaufhaus Österreich dieses Personal gehabt hätte … Aber der Wirtschaftsministerin ist es hoch anzurechnen, daß sie sich vor ihr Personal stellt, es verteidigt, sagt, ihr Personal hätte kein Fiasko …

Vielleicht braucht das Kaufhaus Österreich bloß personelle Unterstützung durch das Wissenshaus Österreich. Vorstandsmitglied Dr. Hermann Maurer ist ja mit dem wissensressortzuständigen Minister Heinz Faßmann in Kontakt, Vorstandsmitglied Dr. Peter Diem bemüht sich um Gespräche mit Maria Großbauer. Beide werden wohl Margarete Schramböck, zumal sie alle aus derselben Partei sind, ein Ersuchen um Amtshilfe nicht abschlagen, Kontakte zwischen dem Personal der beiden Häuser Österreich herzustellen, um auch das Kaufhaus Österreich zum gleichen Erfolg … Sie, Schramböck, könnte sich bei einem Ersuchen um Hilfe auf die Generalverammlung des Wissenshaus Österreich beziehen, sollte sie gefragt werden, woher sie um die Kontakte wisse.

Übrigens. In dieser Generalversammlung wurden einige „Fleißige“ namentlich genannt. Einer leider nicht. Ein sehr „Fleißiger“. Honorarprofessor Dr. Ewald Judt wird noch in einem eigenen Kapitel zu würdigen sein. Das ist nur angemessen. Er ist einer der fleißigsten Bildlaufhänger im Wissenshaus Österreich, auch das Foto der Gedenktafel Franz von Bayros ist von ihm, mit dem wieder einmal bewundernd bestaunt werden durfte, was für eine hervorragende Arbeit das Wissenshaus für …

Nicht nur Soldateska

Bundesheerbauer, wie sich Michael Bauer, Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums selbst nennt, informiert am 1. Februar 2021, daß Johann Gaiswinkler von seiner Verteidigungsministerin suspendiert wurde. Aus der von dem Bundesheerbauer verlinkten Pressemitteilung ist der Grund zu erfahren:

Verteidigungsministerin Tanner: „Ich bin schockiert über die Äußerungen des Brigadekommandanten Gaiswinkler. Seine private Meinung sei ihm unbenommen und steht ihm auch zu. Ein Anstreifen mit nationalsozialistischem Gedankengut werde ich jedoch keinesfalls dulden. Ich habe daher unverzüglich nach Befassung der diesbezüglich relevanten Stellen, die vorläufige Dienstenthebung von seiner Tätigkeit als Brigadekommandant angeordnet.“

Wie streifte der Brigadekommandant am nationalsozialistischen Gedankengut an? Er trug ein Shirt mit einem Gedicht.

Er, Gaiswinkler, folgt damit bloß der Tradition des österreichischen Bundesheeres in seiner Liebe zu Blumen und zur Literatur, von der auch der Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums, der Bundesheerbauer, erfüllt ist, wie er etwa durch seine „Serie #nichtnursoldat“ zum Ausdruck bringt.

Die Serie #nichtnursoldat ist nun zu Ende. Ich habe versucht, in 96 Porträts eine breite Palette von Malern, Komponisten, Wissenschaftern, Schriftstellern, Forschern und Musiker vorzustellen. Alle von ihnen waren auch Soldaten. #Bundesheer

„96 Porträts“, was für eine „breite Palette“: darauf recht viel Habsburg, recht viel Marschmusik, Operette, Rotlicht-Milieu und eben Literatur …

Bundesheerbauer porträtiert sie so, als wären sie die Ehrenwertesten, die es verdienen, ihrer zu treu zu erinnern, Menschen wohl auch dazu zu motivieren, sie wieder zu lesen, dabei vielleicht eine Operette von Lehár zu hören …

Franz Lehár ist einer von den 96.

Unvergessen will dem Bundesheerbauer auch Rudolf Hans Bartsch sein. Unvergessen zu machen, ist eine recht fordernde Aufgabe, ist doch zuerst alles vergessen zu machen, das diesem ehrenreichen Unvergessen zuwidersteht.

B. erschoss seinen des Nachts randalierenden Hausmeister und wurde in Untersuchungshaft genommen. Franz Karl Ginzkey bat Max Stebich, nun Geschäftsführer der RSK Wien, um Hilfe. Stebich kontaktierte Hanns Johst, der wiederum beim Gericht in Wels intervenierte. Ende Juli 1939 wurde B. freigelassen; hier bricht der Vorgang ab. Nach Kriegsende stand der 1915 veröffentlichte Roman Der Flieger auf einer Verbotsliste. Gemeinsam mit Max →Mell erhielt B. 1951 den erstmals vergebenen Peter-Rosegger-Preis des Landes Steiermark.

Auch Franz Karl Ginzkey ist einer der bundesheerbauerischen 96. Von gleicher Gesinnung wie Bartsch …

Ginzkey, Bartsch, als wäre der Herr Bundesheerbauer ein Redakteur der „Zur Zeit“ … Das kommt augenblicklich in den Sinn, nicht nur wegen Ginzkey und Bartsch.

Auch seine Erinnerung an einen Revolutionär, Messenhauser, von 1848, auf das Jahr die identitäre Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei wie keine andere Partei in Österreich sich exklusiv beruft

Es ist vielleicht auch bundesheerbauerischer Ausdruck der Sehnsucht nach Dichtern der Bekenntnisse, wie es noch der von ihm porträtierte Robert Michel einer war, auch Egon Caesar Conte Corti, ebenfalls einer der 96 … Ach, was war das für eine große Zeit der Literatur, als Männer und Frauen der Feder sich nicht scheuten, Bekenntnis abzulegen …

Alois Podhajsky, Leiter der spanischen Hofreitschule von 1939 bis 1964, auch einer der 96, Bundesheerbauer schmückt sein Porträt mit einem Bild, das auch Podhajsky für sein Buch „Ein Leben für die Lipizzaner“ verwendete. Siegfried Stoitzner malte das Porträt von Alois Podhajsky hoch zu Roß … wer hätte ihn treffender malen können, als einer, mit dem die Zeit geteilt wurde, mit dem rechten Gespür, das eben ein Mitglied der NSDAP …

Der Sprecher des österreichischen Verteidungsministeriums ist auch ein Mann, der der Wissenschaft zugetan, das bringt er mit seinen 96 Porträts ebenfalls zum Ausdruck, wenn er etwa Franz Abdon Ulinski vorstellt: Pionier der Raketentechnik und Weltraumfahrt. Mehr muß nicht gewußt werden, scheint Bundesheerbauer zu meinen, beispielsweise das zu wissen, befleckte wohl auch nur das gute Erinnern, daß Ulinski u.a. als Konstruktionsingenieur in den Siebel-Flugzeugwerken in Halle/Saale, Deutschland …

Es wird dem Bundesheerbauer auch nicht vorgehalten werden können, er blende diese Zeit aus, schreibt er nicht klar und deutlich davon, daß einer von seinen 96 Porträtierten 1938 emigrierte, nämlich Hugo von Bouvard …

Seine 96 Porträts scheinen Michael Bauer doch recht gelungen zu sein, darf angenommen werden, bringt er doch das eine oder andere auch lange nach Beendigung dieser seiner Serie „Nichtnursoldat“ allenthalben zur Wiederverbreitung.

Für sein eigenes Porträt auf der Plattform des Unternehmens Twitter, mit dem er sich als derzeitiger Sprecher des von Klaudia Tanner geführten Verteidigungsministeriums vorstellt, reicht ihm ein Zitat von Johann Wolfgang Goethe:

Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat.

Goethe, auch ein Dichter, von dem die identitäre Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei recht gern Gebrauch …

Es heißt, Menschen sind stets auf der Suche nach einem krönenden Abschluß einer Aufgabe. 96 Porträts. Klingt das nicht nach Unvollständigkeit? Nach einer nicht ganz nach einer erfüllten Aufgabe? Ob Michael Bauer ab und an Zweifel kommen, für einen wahren krönenden Abschluß seiner Aufgabe, die er sich mit dieser Serie selbst stellte, fehlten in Wahrheit doch vier Porträts, nur vier Porträts auf einhundert Porträts, um ausrufen zu können: Es ist vollbracht. Aber welche vier Soldaten noch? Dafür kann ein Rat gegeben werden: Schlag nach bei Shakespeare, Andreu

Eine recht besondere Herausforderung stellte wohl das einhundertste Porträt dar, für das ein Mann, um zu noch einem infrage Kommenden zu raten, der in zwei Kriegen Soldat, aber nicht nur Soldat war, sondern Schriftsteller, Maler … Das wäre wohl die absolute Krönung einer solchen Serie der 100, diesen Mann zu porträtieren, ohne davon zu schreiben, daß er …

Er mußte, ist zu hoffen, nicht ohne Abendmal ins Grab

Franz von Bayros starb am 2. April, der im zweiten Coronafrühling ein Karfreitag ist, vor 97 Jahren. Zu welcher Stunde er verstarb, das wird nicht gewußt, aber, so ist zu hoffen, er mußte nicht ohne Abendmahl ins Grab.

Am 2. April 2021, an diesem Karfreitag, vor allem und einzig an diesen Verstorbenen zu erinnern, ist nicht ein Gebot, sondern eine Freude, eine Freude, weil es für ihn in der Tongasse in Wien eine Gedenktafel gibt, in einer sonst beherrschten Gegend von Skulpturen von Müllner, Frass, Hanusch, in einem sonst vom Gedenken an Lueger, Weinheber beherrschten Grätzel, in dem im ersten Coronafrühling, ein Mann auferstand, um seine biblischen Drohungen gegen Menschen zu verkünden, wofür er, der Auferstandene, im zweiten Coronafrühling sich von der Glaubenskongregation als gesegnet

Es könnte aber auch eine Frau sein, um ihre Strafe weiter gegen Menschen zu verkünden, wofür sie, die Auferstandene, im zweiten Coroanfrühling von der Glaubenskongregation gesegnet …

Jedoch, die Gegenwart ist hart und unerbittlich, sie läßt es nicht zu, sich lange an den Verstorbenen gut erinnern zu dürfen.

Verbürgt ist z. B. ein Zusammentreffen des zehnjährigen Franz’ mit einer Gruppe von Zigeunerinnen […] Ein Beispiel für diese Periode sind seine Illustrationen zu Hans Ludwig Roseggers „Von Königen und Jakobinern“. […] Zwar fand er einen neuen Kreis guter und interessanter Freunde, darunter Rudolf Hans Bartsch, Anton Wildgans und Hugo Markus Ganz […]

Die Gegenwart, deren Wissen „Wikipedia“ repräsentiert wie wohl keine zweite Enzyklopädie weltweit, und deren Wissen verbreitet wird auch durch das „Austria-Forum – das Wissensnetz aus Österreich“, oh dieses erhaltenswerte Wissen, daß es „Zigeunerinnen“, daß Rudolf Hans Bartsch unter den „guten und interessanten Freunden“

Rudolf Hans Bartsch, der gute

„Zigeunerinnen“ …

Zu Hugo Markus Ganz gibt es keinen Eintrag, genauer, zu ihm gibt es in der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“ keinen Eintrag, aus der englischsprachigen Ausgabe von „Wikipedia“ ist u.a. zu erfahren:

Dr. Hugo Markus Ganz (April 24, 1862 – January 2, 1922) was a GermanJewish political and literary writer and journalist for the German newspaper Frankfurter Zeitung and Swiss newspaper Neue Zürcher Zeitung.

Das erhaltenswerte Wissen von Austria-Forum über Hugo Markus Ganz ist nur das Wissen der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“, wie es für beide erhaltenswert ist, nur zu wissen, wie gut und interessant Rudolf Hans Bartsch …

Über den Sohn von Peter Rosegger, der auch ein Schriftsteller war, ist das erhaltenswerte Wissen von „Wikipedia“ deutlich:

Hans Ludwig Roseggers eigenes literarisches Werk bestand vorwiegend aus Romanen und Erzählungen, in denen er extrem deutschnationale, antidemokratische und teilweise rassistische Positionen einnahm.

So deutlich will aber „Austria-Forum“ das Wissen über ihn nicht verbreitet wissen:

Sohn von Peter Rosegger. Strebte ursprünglich eine akademische Karriere als Staatsrechtler an, übernahm im Oktober 1910 von seinem Vater die Redaktion der Zeitschrift „Heimgarten“ (bis 1923), die unter seiner Leitung zusehends eine radikale deutschnationale Linie einschlug. Als Romanautor und Novellist konnte er nur bescheidenen Erfolg erringen.

Aber zurück zum Verstorbenen, dessen Todestag in diesem Jahr auf einen Karfreitag fällt, um mit ihm noch einmal zu versuchen, der Gegenwart zu entfliehen. Franz von Bayros war für eine kurze Zeit verheiratet mit der Stieftochter von Johann Strauß, dem unsterblichen Schöpfer des Zigeunerbarons – der Gegenwart zu entfliehen, was für ein heilloses Unterfangen …