Kurz ist es her, daß die derzeitige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, auf das „Kaufhaus Österreich“ angesprochen, antwortete, „sie habe auch nie gesagt, dass es eine Amazon-Kopie sei. Sie werde sich auch nicht entschuldigen, eben weil es kein Fiasko gewesen sei.“
Was Austria-Forum, das Wissenshaus aus Österreich, kopiert und welches Österreich dieses Kaufhaus des Wissens verkauft, durfte erst kürzlich wieder einmal beim Schlendern durch seine Regale und beim Öffnen seiner Budelschubladen bewundernd bestaunt werden.
Bei dem engagierten Personal wäre außer Bewunderung alles mehr als erstaunlich. Die Anforderung, in dem Wissenshaus Österreich tätig sein zu dürfen, ist die höchste, die Voraussetzung für eine Anstellung, für eine Mitarbeit ist zumindest ein akademischer Abschluß. Wenn das Kaufhaus Österreich dieses Personal gehabt hätte … Aber der Wirtschaftsministerin ist es hoch anzurechnen, daß sie sich vor ihr Personal stellt, es verteidigt, sagt, ihr Personal hätte kein Fiasko …
Vielleicht braucht das Kaufhaus Österreich bloß personelle Unterstützung durch das Wissenshaus Österreich. Vorstandsmitglied Dr. Hermann Maurer ist ja mit dem wissensressortzuständigen Minister Heinz Faßmann in Kontakt, Vorstandsmitglied Dr. Peter Diem bemüht sich um Gespräche mit Maria Großbauer. Beide werden wohl Margarete Schramböck, zumal sie alle aus derselben Partei sind, ein Ersuchen um Amtshilfe nicht abschlagen, Kontakte zwischen dem Personal der beiden Häuser Österreich herzustellen, um auch das Kaufhaus Österreich zum gleichen Erfolg … Sie, Schramböck, könnte sich bei einem Ersuchen um Hilfe auf die Generalverammlung des Wissenshaus Österreich beziehen, sollte sie gefragt werden, woher sie um die Kontakte wisse.
Bundesheerbauer, wie sich Michael Bauer, Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums selbst nennt, informiert am 1. Februar 2021, daß Johann Gaiswinkler von seiner Verteidigungsministerin suspendiert wurde. Aus der von dem Bundesheerbauer verlinkten Pressemitteilung ist der Grund zu erfahren:
Verteidigungsministerin Tanner: „Ich bin schockiert über die Äußerungen des Brigadekommandanten Gaiswinkler. Seine private Meinung sei ihm unbenommen und steht ihm auch zu. Ein Anstreifen mit nationalsozialistischem Gedankengut werde ich jedoch keinesfalls dulden. Ich habe daher unverzüglich nach Befassung der diesbezüglich relevanten Stellen, die vorläufige Dienstenthebung von seiner Tätigkeit als Brigadekommandant angeordnet.“
Er, Gaiswinkler, folgt damit bloß der Tradition des österreichischen Bundesheeres in seiner Liebe zu Blumen und zur Literatur, von der auch der Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums, der Bundesheerbauer, erfüllt ist, wie er etwa durch seine „Serie #nichtnursoldat“ zum Ausdruck bringt.
Die Serie #nichtnursoldat ist nun zu Ende. Ich habe versucht, in 96 Porträts eine breite Palette von Malern, Komponisten, Wissenschaftern, Schriftstellern, Forschern und Musiker vorzustellen. Alle von ihnen waren auch Soldaten. #Bundesheer
„96 Porträts“, was für eine „breite Palette“: darauf recht viel Habsburg, recht viel Marschmusik, Operette, Rotlicht-Milieu und eben Literatur …
Bundesheerbauer porträtiert sie so, als wären sie die Ehrenwertesten, die es verdienen, ihrer zu treu zu erinnern, Menschen wohl auch dazu zu motivieren, sie wieder zu lesen, dabei vielleicht eine Operette von Lehár zu hören …
Franz Lehár ist einer von den 96.
Unvergessen will dem Bundesheerbauer auch Rudolf Hans Bartsch sein. Unvergessen zu machen, ist eine recht fordernde Aufgabe, ist doch zuerst alles vergessen zu machen, das diesem ehrenreichen Unvergessen zuwidersteht.
B. erschoss seinen des Nachts randalierenden Hausmeister und wurde in Untersuchungshaft genommen. Franz Karl Ginzkey bat Max Stebich, nun Geschäftsführer der RSK Wien, um Hilfe. Stebich kontaktierte Hanns Johst, der wiederum beim Gericht in Wels intervenierte. Ende Juli 1939 wurde B. freigelassen; hier bricht der Vorgang ab. Nach Kriegsende stand der 1915 veröffentlichte Roman Der Flieger auf einer Verbotsliste. Gemeinsam mit Max →Mell erhielt B. 1951 den erstmals vergebenen Peter-Rosegger-Preis des Landes Steiermark.
Auch Franz Karl Ginzkey ist einer der bundesheerbauerischen 96. Von gleicher Gesinnung wie Bartsch …
Alois Podhajsky, Leiter der spanischen Hofreitschule von 1939 bis 1964, auch einer der 96, Bundesheerbauer schmückt sein Porträt mit einem Bild, das auch Podhajsky für sein Buch „Ein Leben für die Lipizzaner“ verwendete. Siegfried Stoitzner malte das Porträt von Alois Podhajsky hoch zu Roß … wer hätte ihn treffender malen können, als einer, mit dem die Zeit geteilt wurde, mit dem rechten Gespür, das eben ein Mitglied der NSDAP …
Der Sprecher des österreichischen Verteidungsministeriums ist auch ein Mann, der der Wissenschaft zugetan, das bringt er mit seinen 96 Porträts ebenfalls zum Ausdruck, wenn er etwa Franz Abdon Ulinski vorstellt: Pionier der Raketentechnik und Weltraumfahrt. Mehr muß nicht gewußt werden, scheint Bundesheerbauer zu meinen, beispielsweise das zu wissen, befleckte wohl auch nur das gute Erinnern, daß Ulinski u.a. als Konstruktionsingenieur in den Siebel-Flugzeugwerken in Halle/Saale, Deutschland …
Es wird dem Bundesheerbauer auch nicht vorgehalten werden können, er blende diese Zeit aus, schreibt er nicht klar und deutlich davon, daß einer von seinen 96 Porträtierten 1938 emigrierte, nämlich Hugo von Bouvard …
Seine 96 Porträts scheinen Michael Bauer doch recht gelungen zu sein, darf angenommen werden, bringt er doch das eine oder andere auch lange nach Beendigung dieser seiner Serie „Nichtnursoldat“ allenthalben zur Wiederverbreitung.
Für sein eigenes Porträt auf der Plattform des Unternehmens Twitter, mit dem er sich als derzeitiger Sprecher des von Klaudia Tanner geführten Verteidigungsministeriums vorstellt, reicht ihm ein Zitat von Johann Wolfgang Goethe:
Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat.
Es heißt, Menschen sind stets auf der Suche nach einem krönenden Abschluß einer Aufgabe. 96 Porträts. Klingt das nicht nach Unvollständigkeit? Nach einer nicht ganz nach einer erfüllten Aufgabe? Ob Michael Bauer ab und an Zweifel kommen, für einen wahren krönenden Abschluß seiner Aufgabe, die er sich mit dieser Serie selbst stellte, fehlten in Wahrheit doch vier Porträts, nur vier Porträts auf einhundert Porträts, um ausrufen zu können: Es ist vollbracht. Aber welche vier Soldaten noch? Dafür kann ein Rat gegeben werden: Schlag nach bei Shakespeare, Andreu …
Franz von Bayros starb am 2. April, der im zweiten Coronafrühling ein Karfreitag ist, vor 97 Jahren. Zu welcher Stunde er verstarb, das wird nicht gewußt, aber, so ist zu hoffen, er mußte nicht ohne Abendmahl ins Grab.
Jedoch, die Gegenwart ist hart und unerbittlich, sie läßt es nicht zu, sich lange an den Verstorbenen gut erinnern zu dürfen.
Verbürgt ist z. B. ein Zusammentreffen des zehnjährigen Franz’ mit einer Gruppe von Zigeunerinnen […] Ein Beispiel für diese Periode sind seine Illustrationen zu Hans Ludwig Roseggers „Von Königen und Jakobinern“. […] Zwar fand er einen neuen Kreis guter und interessanter Freunde, darunter Rudolf Hans Bartsch, Anton Wildgans und Hugo Markus Ganz […]
Die Gegenwart, deren Wissen „Wikipedia“ repräsentiert wie wohl keine zweite Enzyklopädie weltweit, und deren Wissen verbreitet wird auch durch das „Austria-Forum – das Wissensnetz aus Österreich“, oh dieses erhaltenswerte Wissen, daß es „Zigeunerinnen“, daß Rudolf Hans Bartsch unter den „guten und interessanten Freunden“ …
Zu Hugo Markus Ganz gibt es keinen Eintrag, genauer, zu ihm gibt es in der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“ keinen Eintrag, aus der englischsprachigen Ausgabe von „Wikipedia“ ist u.a. zu erfahren:
Dr. Hugo Markus Ganz (April 24, 1862 – January 2, 1922) was a German–Jewish political and literary writer and journalist for the German newspaper Frankfurter Zeitung and Swiss newspaper Neue Zürcher Zeitung.
Über den Sohn von Peter Rosegger, der auch ein Schriftsteller war, ist das erhaltenswerte Wissen von „Wikipedia“ deutlich:
Hans Ludwig Roseggers eigenes literarisches Werk bestand vorwiegend aus Romanen und Erzählungen, in denen er extrem deutschnationale, antidemokratische und teilweise rassistische Positionen einnahm.
Sohn von Peter Rosegger. Strebte ursprünglich eine akademische Karriere als Staatsrechtler an, übernahm im Oktober 1910 von seinem Vater die Redaktion der Zeitschrift „Heimgarten“ (bis 1923), die unter seiner Leitung zusehends eine radikale deutschnationale Linie einschlug. Als Romanautor und Novellist konnte er nur bescheidenen Erfolg erringen.
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