Dirk Stermann, Christoph Grissemann: Meine Damen und Herren! Ein großer Applaus für Paulus Manker!
Grissemann: Lieber Paulus! Paulus Manker! Lieber Paulus!
Grissemann: Dieses Buch hat Paulus Manker herausgebracht. Alma-Mahler-Album. Es ist wirklich ein prachtvoller Bildband. Weihnachten steht mehr oder weniger vor der Tür. Ist ein tolles Geschenk, oder, kann man sagen.
Grissemann: Du gilst natürlich, ich habe das vorher schon angedeutet, als schwierig, als einer, der mit seinen Schauspielern auch nicht immer nobel umgeht. Wieso hat Dich eigentlich der Woke-Wahnsinn und die Cancel-Culture-Diktatur noch nicht niedergestreckt?
Paulus Manker: Ich gehe phantastisch mit meinen Schauspielern um.
Grissemann: Man hört, Du schreist herum, schlägst Leuten, die zu Besuch sind, Handys aus der Hand, weil sie nicht telefonieren sollen.
Manker: Das Publikum behandle ich schlecht.
Grissemann: Du bist ein interessanter Tyrann.
Manker: Das stimmt. Da muß man eingreifen, wenn die Leute während der Vorstellung ihre Aufnahmen machen oder dazwischen reden oder es kommt auch Nacktheit vor und sie machen blöde Bemerkungen, gibt’s ein paar auf die Finger.
Grissemann: Genau, gewalttätig.
Manker: Wie in amerikanischen Filmen die Brille aus dem Gesicht reißen und draufsteigen.
Grissemann: Wurde der Spiegel schon einmal aufmerksam auf diese Zustände am Set? Du bist geliefert jetzt.
Manker: Dein Bruder, sein Bruder, der behauptet, daß er Kulturchef vom Profil ist, traut sich nicht über Ulrich Seidl kritisch zu schreiben, weil er mit ihm seit Jahren verbandelt ist. Jetzt bist Du dran!
Grissemann: Ich gebe Dir hier das Forum, etwas Kritisches über Ulrich Seidl zu sagen. Was hat er sich denn zu Schulden kommen lassen?
Manker: Es ist ein zweischneidiges Schwert.
Manker: Ich habe auch einmal mit ihm eine Theaterproduktion abgebrochen.
Grissemann: Was kann man ihm vorwerfen, dem Sparta-Dreh?
Manker: Ich weiß es nicht.
Grissemann: Ich weiß es nicht. Interessante Antwort. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Manker.
Manker: Ich war nicht in Rumänien, ich kann jetzt weder was Schlechtes noch was Gutes sagen. Die haben eine große Besonderheit und Qualität, die Filme vom Seidl.
Grissemann: Das habe ich nicht gefragt. Ich habe gefragt, welche Vorwürfe.
Manker: Er ist schon in der österreichischen Filmlandschaft ein ganz Besonderer. Man muß ihn nicht mögen, aber der internationale Success und die Bedeutung, die er für unser Land bringt, ist beachtlich.
Grissemann: Das waren also die Vorwürfe gegen Ulrich Seidl, während des Sparta-Drehs.
Manker: Ich habe Seidl nichts vorzuwerfen, er ist kontroversiell, der Künstler hat kontroversiell zu sein.
Stermann: Du bist selber kontroversiell. Ich wollte Dich was fragen. Ich bin seit 35 Jahren in Wien, ich weiß nicht wie oft ich gelesen habe, daß Dun ein Enfant terrible bist.
Manker: Irgendein blöder Journalist hat das erfunden, alle anderen haben es abgeschrieben, weil sie zu blöd sind, sich was Neues auszudenken.
Das sind Zitate aus dem Geplänkel Grissemann-Stermann-Manker vom 13. September 2022. Willkommen Österreich. Daß es hierbei nicht nur, einfach wie kurz gesagt, um „Gags, Gags, Gags“ geht, offenbart vor allem der Teil über den Bruder des einen Moderators. Es wird ernst, wenn es um Verwandschaftliches, wenn es um Verbandelungen geht. Wenn das angesprochen wird, was in Schweigen, Österreich nicht anzusprechen ist, vor allem dann, wenn dabei Verbandelungen, Verwandschaftliches … Es darf lustig zugehen, wenn es gegen Dritte geht, was für ein „Gag“, er gehe phantastisch mit seinen Schauspielern um, nur das Publikum behandle er schlecht …
Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film: Paulus Manker scherzt öffentlich unverhohlen über seinen Umgang mit Schauspielenden.
Grissemann: 60 ist er vor kurzem geworden. Hier ist der phantastische Paulus Manker.
Grissemann: Du bist eigentlich ein sehr liebenswerter Mensch, wie wir vorher erwähnt haben.
Grissemann: Und die Schauspieler, die mit Dir gearbeitet haben, berichten davon, daß es phantastisch war, daß Du natürlich ein Besessener bist, daß es auch viele blaue Flecken gibt. Du verlangst den Schauspielerinnen
Manker: Nur auf der Seele.
Grissemann: Na, auch an den Armen.
Stermann: Ist das weniger schlimm?
Manker: MeToo ist an mir spurlos vorübergegangen.
Grissemann: Ja, das hat mich auch gewundert, daß Dein Name nie auftaucht.
Manker: Nicht der Funke eines Verdachts.
Stermann: Warst du enttäuscht oder warst Du
Manker: Bissel schon. Ich habe mir schon etwas erhofft, daß man
Grissemann: Ja.
Stermann: Aber Du hast zum Beispiel mit der
Manker: Aber ich habe sehr viel Geld und habe das natürlich so erledigt.
Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film: Am Ende lehnt Paulus Manker ein Interview erneut ab. Wir senden Paulus Manker daher per Mail Fragen und eine Liste mit allen Vorwürfen. Daraufhin antwortet sein Anwalt. Selbstverständlich werde sich seine Mandantschaft zu unseren entbehrlichen und völlig unangemessenen Fragestellungen nicht äußern. Und er schreibt: Ich ersuche um Verständnis, daß meine Mandantschaft kein Interesse daran hat, offensichtlich provokative Anfragen zu beantworten. Er kündigt stattdessen eine Rufschädigungsklage an.
Am 20. Februar 2024 dankt Gerald Grosz auf oe24.tv Moderator Fellner für sein Entgelt:
Gerald Grosz: Ich muß ehrlicherweise sagen, selbst wir in diesem Zwetschkensender haben mehr Marktanteil als der Herr Böhmermann im Öffentlich-Rechtlichen. Das mußt auch einmal zusammenbringen. Nur der Herr Böhmermann verdient Millionen. Wir, wie gesagt, Zwetschken – Danke, Niki!
Als was könnte die Arbeit mit fester Arbeitszeit, die von dieser Anstalt wie von jeder Fernsehanstalt durch ihre Programmsendeleiste vorgegeben sein wird, wie in einem Dienstverhältnis er es sich also nicht frei einteilen wird können, wann er zur Arbeit aufbricht, wann er mit seiner Arbeit aufhört, von ihm und den weiteren bei den Fellners bezeichnet werden? Als Stellenbeschreibung kann die Bezeichnung „Kommentator“, mit der heute, am 28. Februar 2024, Karl Wendl Peter Westenthaler vorstellt, genommen werden, und auch eine weitere, die von Peter Westenthaler ebenfalls unwidersprochene von Karl Wendl mehrmals vorgebrachte Bezeichnung: „Kolumnist“ —
Karl Wendl: Auf dem Ticket der FPÖ am Küniglberg künftig tätig sein. Ehrenamtlich. Peter Westenthaler ist unser erfolgreicher Kolumnist hier bei uns oe24.tv und jetzt das Engagement beim ORF. Peter Westenthaler: Zunächst ist mir einmal wichtig, alle Seher von oe24.tv zu beruhigen, ich bleibe euch erhalten, also die Sendung ist davon nicht berührt. Mittwoch Fellner-Live Cap-Westenthaler, Donnerstag Wahlbarometer, das geht so weiter. Es ergänzt sich sogar ganz gut, weil dann kann ich immer gleich aus den Sitzungen des Stiftungsrates berichten.
Mein damaliger Kabinettschef Bernhard Bonelli ist auch verurteilt worden. Das ist ein vierfacher Familienvater, der, der einer der gläubigsten Menschen ist, die ich kenne […]
„Was dir gefallen könnte“, schlägt auf der Konzernplattform X, um diese Mär mit einem Beispiel von diesem Tag, 25. Februar 2024, zu veranschaulichen, dessen Algorithmus „Christian Hafenecker, Harald Vilimsky, FPÖ-TV“ vor,
Was sagte, um es mit einem Beispiel zu veranschaulichen, Christian Hafenecker, versuchte etwa der Algorithmus der Konzernplattform Eks ihm einzureden, es könnte ihm fpö nein, weil gefallen?
Javier Milei reist also nicht in das Mekka seiner Ökonomie nach Österreich zuerst, sondern nach Hamburg, Deutschland, um dort …
Die Friedrich August v. Hayek-Gesellschaft verleiht in diesem Jahr die Hayek-Medaille an Javier Milei, der im vergangenen Dezember mit großer Mehrheit zum Staatspräsidenten der Argentinischen Republik gewählt wurde. Der Preisträger wird die Ehrung am 22. Juni im Rahmen der Hayek-Tage in Hamburg entgegennehmen. Der Vorsitzende der Hayek-Gesellschaft, Prof. Dr. Stefan Kooths, würdigt ihn als ambitionieren Reformer im Sinne Hayeks und der österreichischen Schule der Ökonomie. Mit seinem freiheitlichen […]
Die Hayeks vergeben recht ordentlich viele Preise — Award, Medaille, Münze … Und immer an recht verdiente Personen. So erhielt am 16. November 2023 Dr. Markus Krall die Ehrenmünze des Hayek-Vereins Dresden e. V.
Und darüber wird Markus Krall ebenso recht alles wissen, wie der nunmehrige Glanz der Hayeks.
Markus Krall bekam die Ehrenmünze des Hayek-Vereins Dresden für „seine Verdienste um die Österreichische Schule der Nationalökonomie“ … Markus Krall ist wie der nunmehrige Glanz der Hayeks für viele Preise wert, sind doch seine Verdienste unzählig, es soll nur dies hervorgehoben werden, seine Gedanken zur Reform des Wahlrechts, was heißt Reform, seine Revolution des Wahlrechts; das Wahlrecht tiefer gedacht hat wohl noch … in einem Gespräch mit Roland Tichy hat Markus Krall seine tiefsten Gedanken, die er wohl je gedacht hat, zum Wahlrecht und zu den Bonobos so recht uneigennützig unter dem Titel „Aufruf zur bürgerlichen Revolution“ heraufgeholt …
Krall: Unsere Demokratie, so wie sie als Parteiendemokratie konstruiert ist, davon lebt, daß die Politik als Karrieresystem gewählt wird, indem sie das Geld anderer Leute nimmt und umverteilt. Also man kauft eine Gefälligkeit, nämlich die Wahlstimme Dritter durch das Geld anderer Leute. Und das ist eigentlich, wenn man es ganz brutal formuliert, die Grunddefinition von Korruption. Wenn ich mit dem Geld anderer Leute Dritte zu einem Wohlverhalten im meinem Sinne bewegen möchte. Das ist Stimmenkauf mit anderer Leute Geld. Das ist das, was passiert. Und das läßt das System entgleisen. Das ist der Motor der ständig steigenden Transfers. Und dieser Wählerstimmenkauf ist aus politischer Sicht und aus Sicht der Politiker natürlich rational. Weil denen geht es natürlich nicht um die Transferns. Die Transfers sind ihnen herzlich egal, wenn Sie mich fragen. Die Transfers sind für die ein Mittel zum Zweck, nicht um den Leuten irgendwelche vermeintliche oder tatsächliche Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, sondern weil sie gewaltige Ströme an Geld in Gang setzen. Tichy: Das ist auch eine klassische Position, die kennen wir seit Jahrzehnten. Aber was ist jetzt konkret […] Krall: Wenn man das verhindern will, daß die Politik quasi es sich zum Geschäftsmodell macht, an diesen Strömen von Geld, die sie selbst in Gang setzt unter dem Motto Gerechtigkeit, obwohl es nicht um Gerechtigkeit geht, den Löffel da reinhält und dann sich selbst korrumpiert, bereichert, dann muß man ans Wahlrecht ran. Und dann muß man dem Mechanismus, der dazu führt, daß man überhaupt Menschen dazu bringen kann, ihre Wählerstimme gegen Gefälligkeiten zu verkaufen, und nichts anderes passiert da ja, wenn ich also jemanden wähle, weil er mir Transfers verspricht, dann verkaufe ich mein demokratisches Wahlrecht fürn Linsengericht. Das ist das, was da passiert. Also schlage ich vor, das Wahlrecht zu erweitern, und zwar jede Legislaturperiode. Daß jeder für eine Legislaturperiode sich aussucht, was will ich? Will ich wählen oder will ich Transfers? Also wenn der Unternehmer eine Subvention haben will oder ich sag mal auch, wenn ich ein Transfer haben will, weil ich ein Bauherrenmodell fahr oder weil ich eine Windmühle kauf und daran Rendite erwirtschafte und es dann subventioniert wird, wenn ich also das möchte, so ein Transfer, dann darf ich nicht wählen. Das ist ganz brutal. Das ist die klare Ansage. Entweder wähle ich oder ich bekomme Transfers. Ich kann einmal in einer Legislaturperiode entscheiden. Wenn ich wählen will, dann kriege ich keine Transfers, dann werden die einfach nicht auszbezahlt. Dann darf ich auch keine Geschäfte machen, die dazu führen, daß sie mir zufließen. Oder ich wähle. Tichy: Also Studenten, die BAföG beziehen, nicht wählen? Krall: Nein. Tichy: Oder eben auf BAföG verzichten. Krall: Auf BAföG verzichten. Tichy: Sozialhilfeempfänger? Krall: Das gleiche. Tichy: Auf Sozialhilfe verzichten? Krall: Ja. Tichy: Wählen oder Sozialhilfe? Krall: Genau. Entweder oder. Tichy: Joe Kaeser von Siemens? Krall: Das kannst du vergessen, der wählt 300 Jahre lang nicht, soviel Subventionen wie der bekommt. Tichy: Seine Mitarbeiter auch oder nur er als Person? Krall: Das müßte man noch diskutieren, wem sie zugute kommen. Aber letzten Endes, wenn ich für ein Unternehmen arbeite, das von Subventionen lebt, dann erhalte ich Subvention. Tichy: Dann darf die Belegschaft nicht wählen. Krall: Dann muß ich mir aussuchen, wo ich arbeite, will ich in einem Unternehmen arbeiten, das von Subventionen lebt, oder will ich in einem Unternehmen arbeiten, das vom Markt lebt. Tichy: Das kann man dann jede Legislaturperiode neu? Krall: Jeder entscheidet für sich neu, will ich das, will ich das nicht. In der Legislaturperiode gilt das dann und in der nächsten Legislaturperiode wird die Uhr sozusagen zurückgestellt. Was ist das Ergebnis von so einer Politik oder so einem System? Tichy: Dann laß ich mir doch meine Wahlstimme abkaufen. Krall: Ne, das können Sie dann nicht mehr. Im Moment ist das so, sie können ihre Wahlstimme verkaufen für ein Transfer. Tichy: Ich wähle halt nicht, dann kriege ich Geld. Krall: Ja, das ist die Frage. Wie viel Geld kriegen sie dann noch. Wenn nur noch die wählen dürfen, die keine Transfers wollen, dann werden die sparsamer damit umgehen, das heißt, Transfers werden im jeden Fall schrumpfen. Und wenn die Transfers schrumpfen, dann werden viele in das kalte Wasser geworfen. Dann müssen sie sich neu orientieren und aus ihrem Transferleben aussteigen. Das wird am Anfang hart für den einen oder anderen, aber am Ende wird es so sein, daß die Leute, wenn sie nicht mehr abhängig sind vom Staat, nach meiner persönlichen festen Überzeugung, glücklicher sein, als wenn sie abhängig sind. Tichy: Das würde z. B. bedeuten, daß die die noch wählen dürfen, die Sozialhilfe halbieren? Krall: Nehmen wir das einmal als Beispiel her. So, das würde dann bedeuten, daß wir sehr viel weniger Transferempfänger haben, da würden dann sehr viele Leute sagen, Okay, das ist jetzt nicht mehr so bequem, diese Hängematte ist jetzt sehr fadenscheinig, da will ich nicht mehr darin liegen, die ist jetzt auch naß und kalt, und das ist alles nicht mehr so das Wahre, also werde ich hart arbeiten, um da rauszukommen, so wie man es früher in den 50er, 60er und 70er Jahren auch gemacht hat. Das war ja nicht so, daß das jetzt etwas völlig Neues wäre, daß die Leute mit harter Arbeit auch aus einer Notsituation herauskommen. Es ist nur so, daß wir uns einbilden, wir hätten die Ressourcen, daß das nicht mehr notwendig wäre. Aber wir werden demnächst feststellen, daß wir diese Ressourcen nicht mehr haben, und sofern ist es normal zu sagen, man muß den Leuten starke Anreize geben, um aus der Abhängigkeit rauszukommen, und wenn dann also nur noch die wählen dürfen, die keine Transfers beziehen, dann werden die sparsamer damit umgehen, dann wird das Thema Sanktionen, ob das Bundesverfassungsgericht dann sagt, daß die Kürzungen gegen die Menschenwürde verstoßen oder nicht, spielt in diesem System dann keine Rolle mehr. Im Übrigen ist das Transfersystem der eigentliche Angriff auf die Menschenwürde, weil er den Menschen in eine Abhängigkeit führt, im Grunde in eine Sklaverei. Was das mit Menschenwürde zu tun haben soll, ihm Anreize zu geben, aus dieser Abhängigkeit auszubrechen, das wird sich mir in diesem Leben nicht mehr erschließen. Tichy: Das heißt, sie würden sagen und schreiben dies auch, wir sind eine halbfreie Gesellschaft. Krall: Das ist so. Tichy: Weil wir gekauft sind? Krall: Nicht nur deswegen. Wir sind eine halbfreie Gesellschaft, weil wir durch die Transfermentalität in Abhängigkeit gehalten werden, wir sind in einer Art, wenn man so will, Bevormundungsstaat, bei dem die Politik uns sagt, uns Wohlverhalten abringt, mit Hinweis auf die Transfers, die wir von ihr bekommen. Wir haben gleichzeitig eine Situation, daß die Politik sich einen Propagandaapparat zugelegt hat, von gigantischen Ausmaßen, der sehr einseitig operiert und in einer Gesellschaft, die einseitig informiert wird, ist sowieso die Frage des Werts des Wahlrechts in Frage gestellt, und zwar nicht von denen, die sagen, wir müssen die Gesellschaft befreien, sondern von denen, die auf den Sesseln sitzen und sagen, wir manipulieren die Gesellschaft, mit Notching, Framing und mit dem ganzen neun Milliardenbudget des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und mit der Gleichschaltung von Medien, die alle in eine Richtung laufen, wie sollen wir da eine freie Gesellschaft sein? Tichy: Niemand wird gezwungen zu schreiben […] Krall: Niemand wird gezwungen, es ist nur so, daß die Medien es geschafft haben, das sich selbst anzutun. Na ja, mit den Wölfen heulen, ist einfacher als gegen den Strom schwimmen. Es ist natürlich so, daß, die meisten Medien sind heute ganz klar, im besten Falle, sag ich mal, links orientiert und im üblichen Falle eigentlich sozialistisch, also nicht nur einfach ein bisschen links, sondern richtig sozialistisch orientiert, in unterschiedlicher Verkleidung. Und wir bekommen eigentlich einen Einheitsbrei an Kommunikation serviert, also wie sollen wir da frei sein. In anderen Ländern, wenn sich Staaten sich erlauben, quasi die Information für den Bürger zu monopolisieren oder stark zu steuern, sagen wir auch, das kann ja nicht sein. Ja, aber bei uns würde das plötzlich alles in Ordnung sein. Das Thema Medien und einseitige Information macht uns zu einer halbfreien Gesellschaft. Dann haben wir den Versuch. Tichy: Ein entscheidender Punkt, weil wer nicht informiert ist, kann nicht wählen. Krall: Wer nicht informiert ist, kann jedenfalls nicht informiert wählen. Wählen kann er wohl, aber die Frage ist, wählt er informiert. Wie will er in der Lage sein, seine eigenen Interessen richtig zu analysieren. Ich bezweifle, daß der Transferempfänger, der für Transfers stimmt, wirklich für seine langfristigen Interessen stimmt. Er stimmt für seine kurzfristigen Interessen. Damit kommen wir zurück zu dieser Frage der kurzfristigen und langfristigen Interessen des Menschen. Wenn der Zins auf null ist, dann sind langfristige und kurzfristige Interessen identisch. Und es gibt eine Tierart, bei der das der Fall ist. Das sind die Bonobos. Bei den Bonobos, die wirtschaften, als gäbe es kein Morgen. Genau. Bei denen gibt es kein Morgen. Es wird nicht gespart, zurückgelegt oder sowas. Der Zeithorizont ist ganz ganz kurz. Und in dem Ökosystem, in dem sie leben, geht das auch. Aber da wirds natürlich keinen gesellschaftlichen Fortschritt geben. Die werden in einer Million Jahre noch Bonobos sein. Und deswegen führt diese Zeitgleichschaltung der Konsumpräferenz durch den Nullzins, die macht uns eigentlich zu einer Bonobo-Gesellschaft
Kathrine Kressmann Taylor läßt in ihrem Briefroman Martin Schulse am 12. Februar 1934 an Max Eisenstein schreiben: „Max, mein alter Freund“ …
Nun ist Max wieder sein „alter Freund“, nachdem er von Max nichts mehr wissen wollte, Max verboten hat, ihm weiter Briefe zu schreiben, nachdem er der Schwester von Max, mit der Martin einmal eine „stürmische Affäre“ hatte, nicht geholfen hat, die Schwester von Max ermordet ist, schreibt Martin Schulse am 12. Februar 1934:
Max, mein alter Freund, mein Gott, Max, weißt Du überhaupt, was Du anrichtest? […] Ich schreibe diese Bitte an Dich aus einer Verzweiflung heraus, die Du Dir nicht vorstellen kannst. […] Diese Briefe, die Du mir geschickt hast. Ich werde ihretwegen zur Rechenschaft gezogen. Die Briefe werden mir nicht zugestellt, sondern ich werde aufs Amt zitiert. […] Wie kannst Du, ein langjähriger Freund, mir das antun? Begreifst Du eigentlich, hast Du irgendeine Vorstellung davon, daß Du mich zugrunde richtest? Schon jetzt zeitigt Dein Wahnsinn schreckliche Folgen. Ich bin harsch aufgefordert worden, von meinem Amt zurückzutreten. […] Und Elsa, der ich nicht ein Wort davon zu sagen wage, ist bestürzt, weil die Parteimitglieder ihre Einladungen ablehnen und Baron Freische nicht mit ihr spricht, wenn sie sich auf der Straße begegnen. Ja, ja, ich weiß, warum Du so handelst – aber verstehst Du denn nicht, daß ich nichts machen konnte? Was hätte ich tun können? Ich habe mich nicht einmal getraut, es auch nur zu versuchen. Ich bitte Dich inständig, nicht meinethalben, aber wegen Elsa und der Kinder – denk daran, was es für sie bedeutet, wenn ich verhaftet werde und sie im ungewissen sind, ob ich lebe oder tot bin. Weißt Du, was es heißt, in ein Konzentrationslager gebracht zu werden? Willst Du, daß ich vor die Wand gestellt werde und sich die Gewehrläufe auf mich richten? Ich flehe Dich an, hör auf damit. Mach dem ein Ende, solange noch nicht alles zerstört ist. Ich fürchte um mein Leben, Max, um mein Leben. Bist Du es, der das tut? Das kannst nicht Du sein. Ich habe Dich wie einen Bruder geliebt, mein alter Max. Mein Gott, hast Du kein Mitleid? Ich bitte Dich, Max, hör auf damit, hör auf damit! Beende es, solange es mich für noch Aussicht auf Rettung besteht. Ich bitte Dich von ganzem Herzen und aus alter Freundschaft darum.
Wer da um sein Leben fleht, ist ein Nationalsozialist. Aber er fleht den falschen Menschen an, er fragt den falschen Menschen, ob er wisse, was er anrichte, er appelliert an den falschen Menschen, damit aufzuhören, das zu beenden. Denn. Max schickt bloß Briefe an Martin nach Deutschland, aus Kalifornien. Wer aber Martin in das Konzentrationslager nur bringen kann, wer aber Martin nur umbringen kann, das ist einzig seine Kameraderie der Partei des Österreichers, so wie sein nationalsozialistischer Haufen die Schwester von Max umgebracht hat. Darüber schreibt Martin am 8. Dezember 1933 an Max:
Heil Hitler! Ich bedaure sehr, Dir schlechte Nachrichten übermitteln zu müssen. Deine Schwester ist tot. Unglücklicherweise war sie – so wie Du selbst gesagt hast – wirklich verrückt. Vor knapp einer Woche kam sie hier an, verfolgt von einem Haufen SA-Leuten. Bei uns ging es sehr hektisch zu – seit der Geburt des kleinen Adolf im letzten Monat steht es um Elsas Gesundheit nicht zum besten. […] Wie der Zufall es will, bin ich es, der die Tür öffnet. Erst denke ich, eine alte Frau stünde vor mir, doch dann schaue ich ihr ins Gesicht, und dann sehe ich, daß die SA gerade durch das Parktor gerannt kommt. Kann ich sie verstecken? Die Chancen stehen eins zu tausend. Jeden Moment kann einer der Angestellten herbeieilen. Kann ich es verantworten, daß das Haus durchsucht wird, während Elsa krank im Bett liegt? Kann ich es wirklich riskieren, festgenommen zu werden und alles zu verlieren, was ich hier aufgebaut habe, weil ich einer Jüdin Unterschlupf gewähre? Natürlich habe ich als Deutscher eine unmißverständliche Pflicht. Sie hat auf der Bühne ihren jüdischen Körper vor reinen, jungen deutschen Männern zur Schau gestellt. Ich sollte sie festhalten und dem SA-Trupp übergeben. Aber das bringe ich nicht über mich. „Du wirst uns alle ins Verderben stürzen, Griselle“, sage ich zu ihr. „Lauf zurück, tiefer in den Park hinein.“ Sie schaut mich an, lächelt (sie war immer ein tapferes Mädchen) und trifft ihre eigene Entscheidung. „Ich will dir keinen Schaden zufügen, Martin“, sagt sie und rennt die Stufen hinunter und dann auf die Bäume zu. Aber sie muß müde gewesen sein. Sie läuft nicht sehr schnell, und die Männer der SA haben sie entdeckt. Ich bin hilflos. Ich gehe ins Haus, und nach wenigen Minuten hört sie auf zu schreien. Am nächsten Morgen habe ich den Leichnam ins Dorf zur Beisetzung bringen lassen. Es war verrückt von ihr, [von Wien] nach Deutschland zu kommen. Arme kleine Griselle. Ich trauere mir Dir, aber wie Du sehen kannst, war ich außerstande, ihr beizustehen. Ich muß Dich nun ernsthaft bitten, keinen Kontakt mehr mit mir aufzunehmen. Jedes Schreiben, das zu Hause eintrifft, wird von der Zensur geprüft, und ich vermag nicht zu sagen, wann sie beginnen, auch die Briefe an die Bank zu öffnen. Und ich werde auch keine Geschäfte mehr mit Juden machen, mit Ausnahme der Geldeingangsbestätigung [aus der in den USA gemeinsam betriebenen Kunstgalerie]. Es ist für mich nicht gut, daß eine Jüdin zu mir geflüchtet ist, um Unterschlupf zu finden. Weitere Verbindungen sind inakzeptabel. Ein neues Deutschland beginnt Gestalt anzunehmen. Unter unserem glorreichen Führer werden wir der Welt bald großartige Dinge zeigen.
Wie schnell Freundschaften zerbrechen. Der erste Brief von Max Eisenstein an Martin Schulse ist datiert mit dem 12. November 1932, der letzte von Martin Schulse an Max Eisenstein mit dem 12. Februar 1934. Wie schnell Freundschaften zerbrechen, auch solche, die durch ein gemeinsames Geschäft mehr abgesichert zu sein scheinen, sogar solche, die dem Freundschaft aufkündigenden Menschen Geldeinnahmen bescheren, auf die er trotz aufgekündigter Freundschaft dennoch nicht verzichten will …
Mehr als die zerbrochene Freundschaft, mehr als die ermordete Griselle, mehr als der Mord an Martin durch seine Partei, deren österreichischer Anführer, ein kleiner Gefreiter und Namensgeber für Martins Sohn, ist in diesem Briefroman von Interesse, wie rasch es dazu kam, ist von Interesse, weil es nicht zu diesen Morden hätte kommen müssen. Wenn —
Am 10. Dezember 1932 schreibt Martin in seinem ersten Brief an Max:
Hochwertige Lebensmittel sind ausgesprochen teuer, und es gibt politische Unruhene, selbst jetzt noch, unter der Präsidentschaft Hindenburgs, eines feinsinnigen Liberalen, den ich sehr bewundere.
Diese Fehleinschätzung, diese Täuschung, wohl auch willkommene Selbsttäuschung, zu was „feinsinnige Liberale“ imstande und nicht imstande sind, sie werden „großartige Dinge“ zu verhindern wissen, und wohl auch schon gepaart mit Verlockungen zum eigenen Fortkommen. Martin schreibt unmittelbar anschließend an seine Bewunderung für den „feinsinningen Liberalen“:
Alte Bekannte beginnen mich bereits zu bedrängen, ich solle mich für ein Amt in der Stadtverwaltung zur Verfügung stellen. Dieses Ansinnen will ich gern bedenken, denn es könnte uns hier von Nutzen sein, wenn ich mich in öffentlichen Angelegenheiten engagierte. Was Dich angeht, mein guter Max, wir haben Dich allein gelassen, aber Du darfst kein Misantrhop werden. Sieh zu, daß Du schnell eine nette, dicke, kleine Frau findest, die sich um Dein Wohlergehen kümmert und Dich fleißig bekocht, bis sich Deine Laune wieder aufheitert.
Martin ermahnt Max, er dürfe kein „Misantrhop“ werden, und Martin weiß zu diesem Zeitpunkt schon, adressiert nicht an sich selbst, was aus ihm werden wird, in kürzester Zeit: ein Menschenfeind … Und wie hergerichtet und zugerichtet Martin und seine Frau zu diesem Zeitpunkt schon für die Gesinnung des Österreichers sind, schreibt er im selben Brief. Martin und Elsa wollen „noch fünf Jungen mehr“ … Im Brief vom 10. Dezember 1932 schreibt Martin auch dies:
Ach, Max, wie immer verrate ich mich selbst. Obwohl du während unserer stürmischen Affäre geschwiegen hast, weißt Du, daß mir die Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Du hast mir, Deinem Freund, nie einen Vorwurf gemacht, während Deine kleine Schwester litt. Und ich hatte immer das Gefühl, Du wußtest, daß auch ich litt, ganz furchtbar sogar. Was konnte ich denn tun? Da waren Elsa und meine kleinen Söhne. Es gab keine andere Möglichkeit. Dennoch empfinde ich eine Zärtlichkeit für Grisellle, die auch dann noch andauern wird, wenn sie längst einen viel jüngeren Mann gefunden hat, der sie lieben und heiraten wird. Die alte Wunde ist verheilt, aber die Narbe juckt zuweilen, mein Freund. Ich bitte Dich, ihr unsere Adresse zu geben. Wir sind so nah an Wien, daß sie das Gefühl haben kann, nicht weit von ihr sei ein Zuhause für sie. Elsa weiß nichts von der alten Leidenschaft zwischen uns, und du kannst Dir vorstellen, mit welcher Wärme sie Deine Schwester willkommen hieße — so, als hieße sie Dich willkommen. Ja, Du mußt ihr sagen, daß wir hier wohnen, und dränge sie, so bald wie möglich mit uns Kontakt aufzunehmen. Gratuliere ihr bitte recht herzlich von uns zu ihrem Erfolg.
Am 21. Januar 1933 schreibt Max:
Mein lieber Martin, ich war froh, daß ich Griselle Deine Anschrift geben konnte. […] Was für ein fröhliches Fest wird das, wenn sie Euch alle wiedersieht. […] Wer ist dieser Adolf Hitler, der in Deutschland augenscheinlich an die Macht strebt? Was ich über ihn höre, mag ich gar nicht.
Martin antwortet am 25. März 1933.
Lieber alter Max, du hast bestimmt von den neuen Ereignissen in Deutschland gehört und wirst wissen wollen, wie es sich für uns aus der Innensicht darstellt. Um die Wahrheit zu sagen, Max, ich glaube, daß Hitler in einiger Hinsicht gut für Deutschland ist, aber sicher bin ich mir nicht. Er führt nun als Kanzler die Regierungsgeschäfte, und ich denke, selbst Hindenburg könnte ihn jetzt nicht mehr stürzen, da er ja gewissermaßen gezwungen war, ihn an die Macht zu bringen. Der Mann ist wie ein elektrischer Schock, so stark, wie nur ein begnadeter Redner oder ein Fanatiker es sein kann. Aber ich frage mich, ob er richtig im Kopf ist. Seine Braunhemden sind nichts als Pöbel. Sie plündern und haben mit böser antijüdischer Hetze begonnen. Aber vielleicht sind dies nur Nebensächlichkeiten, der leichte Schaum an der Oberfläche, der entsteht, wenn eine große Bewegung zu siegen beginnt. Denn ich sage Dir, mein Freund, da ist eine Woge — eine mächtige Woge. […] Ein Führer ist erkoren! Gleichwohl stelle ich mir selbst vorsichtig die Frage, ein Füher wohin? […] Vor andren Leuten äußere ich selbstverständlich keine Zweifel. Ich bin jetzt im öffentlichen Dienst und arbeite in der neuen Regierung. Also zeige ich mich lauthals erfreut. Von den Beamten treten alle, die ihre heile Haut zu schätzen wissen, schleunigst den Nationalsozialisten, der NSDAP, bei. Das ist der Name von Herrn Hitlers Partei. Aber das geschieht nicht nur aus Berechnung, da ist mehr, ein Gefühl, daß wir Deutschen unsere Bestimmung gefunden haben und die Zukunft in einer überwältigenden Welle auf uns zurollt. Wir müssen mit ihr gehen. Auch jetzt geschieht noch Unrecht. Die SA-Truppen feiern im Augenblick Siege; blutig geschlagene Gesichter und gebrochene Menschen legen davon ein trauriges Zeugnis ab. Aber diese Dinge gehen vorüber. Wenn das Ziel am Ende richtig ist, verschwinden sie und sind vergessen. Die Geschichte wird auf ein weißes, neues Blatt geschrieben werden. Die einzige Frage, die ich mir stelle — und nur Dir mitteile, niemand anderem hier kann ich mich anvertrauen –, lautet: Ist das Ziel richtig? Ist die Leitidee, der wir folgen, besser als eine andere? […] Dem Herrn sei Dank, daß es ein wahrer Führer ist und nicht ein Engel des Todes, dem sie so freudig folgen. Max, nur Dir allein kann ich eingestehen, daß ich zweifle. Ich hege Zweifel, aber ich hoffe.
Am 18. März 1933 antwortet Max:
Lieber Martin, ich bin in Sorge über die Flut der Presseberichte über Dein Vaterland, die zu uns herüberschwappt. Da wir lauter widersprüchliche Geschichten erfahren, wende ich mich natürlich mit der Bitte um Aufklärung an Dich. Ich bin mir sicher, die Dinge können nicht so schlimm sein, wie sie dargestellt werden. Ein schrecklicher Pogrom, so lautet die übereinstimmende Meinung der amerikanischen Zeitungen. Ich weiß, Daß Du ein liberaler Geist und Dein mitfühlendes Herz keine Bösartigkeiten tolerieren würde und daß ich von Dir die Wahrheit erfahren werde. […]
Am 9. Juli 1933 schreibt Herr Schulse:
Lieber Max, wie Du sehen kannst, schreibe ich auf dem Geschäftspapier meiner Bank. Dies ist notwendig, denn ich habe eine Bitte an Dich und möchte dabei die neue Zensur umgehen, die äußerst streng ist. Wir müssen für den Augenblick aufhören, uns zu schreiben. Selbst wenn ich kein offizielles Amt bekleidete, wäre es für mich unmöglich, mit einem Juden zu korrespondieren. Sollte ein Kontakt unumgänglich sein, dann lege den Brief den Bankauszügen bei. Schreibe mir nicht mehr an meine Privatadresse. […]
Max am 1. August 1933:
Ich finde nach dem letzten Brief, den Du mir geschickt hast, keine Ruhe mehr. Diese Worte klangen so wenig nach Dir, daß ich den Inhalt nur Deiner Angst vor der Zensurstelle zuschreiben kann. Der Mann, den ich wie einen Bruder geliebt habe, dessen Herzen immer vor Sympathie und Freundschaft übersprudelte, kann doch unmöglich, und sei es in untätiger Mitläuferschaft, an der Abschlachtung eines unschuldigen Volkes teilhaben. Ich vertraue Dir und bete, daß ich Deine Lage richtig verstehe. Ich erwarte keine ausführliche Erklärung von Dir, die Dich in Schwierigkeiten bringen könnte — nur ein einfaches „Ja“. Das wird mir sagen, daß Du den notwendigen opportunistischen Part spielst, aber daß Dein Herz sich nicht gewandelt hat, daß ich mich nicht in meinem Glauben getäuscht habe. Du seist immer ein Mann von feinem, liberalem Geist gewesen, für den das Falsche falsch bleibt, in wessen Namen auch immer es verübt wird. Diese Zensur, diese Verfolgung aller Menschen mit liberalen Ansichten, die Bücherverbrennungen und die Korruptheit der Universitäten hätten Deinen Widerspruch hervorgerufen, auch wenn keinem einzigen Angehörigen meiner Rasse ein Haar gekrümmt worden wäre. Du bist ein Liberaler, Martin. Du hast immer mit Weitblick gedacht. Ich weiß, daß Du Dich in Deiner klaren Geisteshaltung nicht von einer populistischen Strömung mitreißen läßt. Diese Volksbewegung hat, so stark sie auch sein mag, etwas abgrundtief Schlechtes an sich. Ich verstehe wohl, warum die Deutschen Hitler zujubeln. Sie reagieren auf die Ungerechtigkeiten, die sie seit dem Desaster des Krieges erlitten haben. Aber du, Martin, hast seit dem Krieg im Grunde wie ein Amerikaner gelebt. Ich weiß, es war nicht mein Freund, der mir diesen Brief geschrieben hat. Es wird sich herausstellen, daß es nur die Stimme der Vorsicht und des Opportunismus war. Ungeduldig erwarte ich dieses eine Wort, das meiner Seele ihren Frieden zurückgeben wird. Schreibe schnell Dein „Ja“.
„Nein“.
Ist die Antwort von Herrn Schulse am 18. August 1933. Und er schreibt weiter:
Aber Du täuschst Dich. So, ich soll also ein amerikanischer Liberaler sein? Nein! Ich bin ein deutscher Patriot. […] Ich muß darauf bestehen, daß Du mir nicht mehr schreibst. Wir sind keine Freunde mehr, das müssen wir beide anerkennen.
Ein „Ja“ von Martin Schulse zu Max Eisenstein wäre ein Ja zu seinem Leben gewesen, ein „Nein“ von Martin Schulse zur Partei des Österreichers, ein Nein zum Österreicher wäre ein Nein zu seiner Ermordung —
Max Eisenstein am 5. September 1933:
Lieber Martin, beigelegt findest Du Deinen Kontoauszug und die Monatsabrechnungen. […] Ich nehme an, es wird Dir mißfallen, daß ich mich gezwungen gesehen habe, Deinen Namen aus dem Galerienamen zu entfernen. Aber Du weißt, wer unsere wichtigsten Kunden sind. Sie würden jetzt niemals etwas anrühren, das aus einer Firma mit deutschen Namen kommt. Über Deine neue Haltung kann ich nicht diskutieren. Aber Du mußt mich verstehen. Ich hatte nicht erwartet, daß Du für mein Volk zur Waffe greifen würdest, weil es mein Volk ist, sondern weil Du ein Mann warst, der die Gerechtigkeit liebte. Ich vertraue Dir meine unbesonnene Griselle an. Das Kind sieht nicht, in welche Gefahr es sich begibt. Ich werde Dir nicht mehr schreiben. Auf Wiedersehen, mein Freund.
Am 5. November 1933:
Martin, ich schreibe Dir noch einmal, weil mir kein anderer Ausweg bleibt. Eine dunkle Vorahnung hat von mir Besitz ergriffen. Sobald ich wußte, daß Griselle in Berlin angekommen war, habe ich ihr geschrieben. Sie antwortete auch kurz, die Proben verliefen hervorragend und das Stück habe bald Premiere. Mein zweiter Brief war aufmunternder Natur, ohne ängstliche Warnungen, und er wurde mir ungeöffnet, mit einem Stempel „Adressat unbekannt“ zurückgesandt. Welche Dunkelheit diese Worte bergen! […] „Adressat unbekannt“. Martin, muß ich Dich ausdrücklich bitten, sie zu finden, ihr beizustehen? Du hast ihre Anmut gekannt, ihre Schönheit und Zartheit. Sie hat Dir ihre Liebe geschenkt, keinem anderen Mann außer Dir. Versuche nicht, mir zu schreiben. Ich weiß, ich brauche Dich um Deine Hilfe noch nicht einmal zu bitten. Es genügt, Dir zu sagen, daß etwas Schlimmes passiert ist, daß sie in Gefahr schwebt. Ich gebe sie in Deine Hände, denn ich kann ihr nicht zur Seite stehen.
Einen mit 18. März 1934 gestempelten Brief erhält Max Eisenstein noch, aus Deutschland, ungeöffnet — „Adressat unbekannt“.
Neunzig Jahre später sind die Adressatinnen bekannt, zu denen „Nein“ zu sagen ist. Auch von jenen zu ihnen „Nein“ zu sagen ist, die noch meinen, diese Adressatinnen, die nichts senden, bloß empfangen, wären ihre Rettung, ihr Heil, aber am Ende werden sie selbst Opfer ihrer Empfängerinnen sein, von ihnen zum eigenen Wohl in ihren Ruin getrieben sein, in manchen Ländern auch um ihr Leben gebracht sein, ermordet wie Martin Schulse,
ein „Nein“, das nicht einmal geschrieben werden muß, ein „Nein“, das einfach dadurch zum Ausdruck schon zu bringen ist, indem diese Parteien nicht gewählt werden,
und das Nichtwählen dieser Parteien ist, so weit müßte der wenn schon nicht Weitblick, doch zumindest der Selbsterhaltungsblick reichen, ein „Ja“ zum eigenen Wohlergehen.
einmal zum Hayek-Institut, genauer, der Nachruf auf den Mann auf der weißen Couch auf der Website von
„frank & frei“, der Nachruf auf den Mann auf der weißen Couch von diesem Verlag mit seiner hochgradigen Schreibstaffel, der Männer und Frauen angehören, mit so recht klingenden Namen wie Christian Hafenecker,
Von diesem Verlag werden auch Bücher verlegt, in denen manche gemeinsam schreibend vorkommen, etwa Christian Hafenecker, Prof. David Engels, Michael Brückner, Andreas Tögel, Ronald F. Schwarzer in “Klimareligion – Auf dem Weg in den Öko-Totalitarismus” oder Andreas Tögel, Andreas Mölzer, Georg Zakrajsek u. a. in „Eskapismus – Die Flucht vor Realität und Verantwortung“ oder
Gerald Hauser und Hannes Strasser in „Die gestohlene Normalität – WHO-Diktatur stoppen […]“, denen es wohl zu Stolz und Ehre gereichte, daß sie ihr Buch gemeinsam mit dem ihrem kleinen Gebirgsjäger präsentieren durften,
Es ist kein langes Kapitel, aber durch die vielen Namen ein erschöpfendes, durch die vielen Verzahnungen ein ermüdendes, es soll deshalb jetzt einfach, kurz gesagt, abgebrochen werden. Es wird eine Fortsetzung des Kapitels zu schreiben sein, der Titel, ausgeborgt vom Magazin „Republik“, für dieses Kapitel steht aber schon fest:
„Es kann ja nicht sein, dass unsere Kinder nach Wean fahren und als Grüne zurückkommen. Wer in unserem Hause schlaft und isst, hat auch die Volkspartei zu wählen“, hatte Wöginger bei einer Veranstaltung gesagt. In der ORF-Sendung „Hohes Haus“ am Sonntag meinte er, sein Ansatz sei es gewesen, „dass man mit den eigenen Kindern immer in Kontakt bleibt“, damit auch in Zukunft die Jungen die ÖVP wählen. „Bei uns im Innviertel versteht man das, in Wien wird es manchmal anders aufgefasst.“
Oe24, 12. Jänner 2020, vierundzwanzig Stunden in Österreich Christschwarzes an sieben Tagen, daran mußte sofort gedacht werden, an diesen von Oe zum „Kultsager“ erhobenen,
als am 12. Februar 2024 das gelesen wurde, das nicht in einer Veranstaltung gesagt, das nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunks Österreichs bekräftigt, das nicht von einem Abgeordneten des österreichischen Parlaments gesagt, das nicht vom sozialsprechenden christschwarztürkisen Klubobmann gesagt wurde, sondern von einem bis zu diesem seinem Sager gänzlich unbekannten Zwitscherer und nun zum Xler aufgestiegenen Julian Reichelt auf der Konzernplattform Twitter X geposteten:
Das stabile Wahlergebnis der Grünen in Berlin ist ein Migrationsproblem: Deutsche Wohlstandskinder aus der Provinz ziehen nach Berlin, um an antisemitischen Unis ihren Gender Studies Lehrgängen nachzugehen und Critical-Race- sowie Achtsamkeitstrainings zu belegen und toben ihre grünen Ansichten an den Wahlurnen der Stadt aus.
Vor bald zwanzig Jahren sprach Harald Stefan in der Hofburg zu Wien in Österreich in einem Kommers wie in einer spiritistischen Sitzung, in der die Gesinnung selbst durch ihn als Medium —
Bald zwanzig Jahre später fragt Robert Misik auf der Konzernplattform X am 10. Februar ’24: „Was braucht es eigentlich noch?“
An einem einzigen Tag: (Ex?)-Identitäre, die Hetzjagd gegen Föderl-Schmid mitbetrieb, wird von FPÖ Parlamentsklub bezahlt. FPÖ-Vize-Chef macht als Notar die Verträge für Identitäre Immo-Deals. Was braucht es eigentlich noch?
Was braucht es nicht mehr? Das ist die eigentliche Frage. Dieses Überraschtsein, diese immer schon im Enstehen verpuffenden Aufregungen. Nun sind es die Aufregungen um die sogenannten Identitären, um die Drittidentitären, für die ohne Not Gratiswerbung geschalten …
Und was wird es dann in Österreich weiter geben? Das, was es jetzt mit den Bübelein und Mädelein gibt, beispielsweise mit den stellvertretenden Gebirgsfestungsjägerkommandanten …
Der Vorsitzende der österreichischen Sozialdemokratie kann menschgemäß den fulminanten Wahlsieg der FSG in Salzburg zurecht feiern, plus 4,1 %, und verkünden: „So schaut das #Comeback der Sozialdemokratie aus!“
Aber es liegt nun nicht nur das Ergebnis der AK-Wahl in Salzburg vor, sondern es liegen auch die Ergebnisse der AK-Wahlen in Tirol und in Vorarlberg auf dem Tisch. In Tirol ein Minus von 0,9 % für die FSG, in Vorarlberg ein Minus von 2,05 % für die FSG. Bei einer Wahl in allen Bundesländern, sind jedoch alle Ergebnisse zu addieren. Und nach drei AK-Wahlergebnissen ist das Ergebnis für die Sozialdemokratie ein Plus von 1,06 %.
Nach drei AK-Wahlgängen fahren die Freiidentitären ein Plus von 8,29 % ein. In Tirol ein Plus von 3,8 %, in Vorarlberg ein Plus von 6,57 % und in Salzburg ein Minus von 2,08 %.
Es sind noch sechs AK-Wahlgänge ausständig. Wenn die Ergebnisse dieser sechs AK-Wahlen in ihren Verlusten und Zugewinnen in etwa diesen drei AK-Wahlen nach den derzeit vorläufigen Auszählungsständen gleichen, dann wäre das Comeback das je bescheidenste …
Sozialdemokratie, noch eine Anstrengung, wenn sie ein wirkliches Comeback will, eine tatsächliche Wahlgewinnerin sein will.
Und die Christschwarztürkisen? Die Christschwarztürkisen feiern „starke Ergebnisse“, und müssen dafür recht, recht selektiv vorgehen, um „starke Ergebnisse“ feiern zu können. Denn.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.