Gudrun Harrer schreibt am 15. August 2023 in der Tageszeitung des österreichischen medialen Standards allerlei Lustigkeiten, „was eventuell in die Verfassung aufgenommen werden könnte“. Sie kann Albernheiten schreiben, „was in die Verfassung gehört“, sie, Gudrun Harrer, ist nicht die Bundeskanzlerin.
Als Bundeskanzlerin würde sie wohl nicht mit Albernheiten dafür werben, was „in die Verfassung aufgenommen werden“ soll, wie der zurzeitige —
Journalistinnen können mit Lustigkeiten, Journalisten können mit Albernheiten reagieren auf …
auch für Medien, statt mit Lustigkeiten und Albernheiten auf das zu reagieren, wofür der von der schwarzen Christfraktion in die Bundesregierung entsandte zurzeitige wirbt,
Es muß in österreichischen Behörden, das allerdings bei diesen enormen Geschichtsbildungsanstrengungen in diesem Land kein Wunder ist, enormes Geschichtswissen eingesetzt werden, eine Demonstration ausgerechnet auf dem „Helmut-Zilk-Platz – Mahmal gegen Krieg und Faschismus“ zu genehmigen, am 29. Juli 2023,
Interviewer: Die Frage ist, ob Sie als Innenminister die rechtsextreme Szene in Österreich im Griff haben. […] Müssen wir damit rechnen, daß die rechtsextreme Szene immer stärker wird in Österreich?
Innenminister: Faktum ist, und das habe ich auch klar bei der Präsentation des Verfassungsschutzberichtes gesagt, daß wir unterschiedliche Gefahrenpotentiale haben, wo der Staatsschutz auch entsprechend sensibel […] Das ist der Rechtsextremismus und der islamistische Extremismus und gerade im Rechtsextremismus waren wir zuletzt sehr erfolgreich. Wir haben auch, und das haben Sie gesagt, die Staatsverweigererszene, die sich aus dem ganz rechten und dem ganz linken Lager auch speist, letztendlich, und wir haben auch radikale Klimaaktivisten unter Beobachtung […]
Bist Du noch normal? Jeder von uns kennt diesen Spruch, hat ihn entweder gehört oder sogar selbst einmal gesagt. Was ist eigentlich normal? Darf man überhaupt noch normal sagen? Ich sage Euch, wer nicht normal ist: das sind die Extremen und die Radikalen, seien es Linksextreme, seien es Rechtsextreme. […] Klimakleber oder Linksradikale, genauso wie Rechtsradikale oder Identitäre, es sind islamistische Haßprediger, genauso wie Vandalen oder sonstige Extremisten […]
Diese beispielgebende Idee des Bundespräsidenten zur Nachahmung, die vollkommen durchdacht, wie alles, was Alexander Van der Bellen denkt, vollkommen durchdacht, verdient es, gewürdigt zu werden, mit einigen dies unterstützenden Anmerkungen.
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Aber hat es einen Sinn, daß die Algorithmen ganz automatisch uns nur Meinungen zuspielen, die uns recht geben und in unserer Meinung bestätigen oder anstacheln, ist kein neues Phänomen. Also, die Situaton ist doch so, daß Follower von Herbert Kickl zum Beispiel glauben, in einer ganz anderen Welt zu leben, als Follower von Werner Kogler oder von Beate Meinl-Reisinger oder von Karl Nehammer oder von Andreas Babler oder von Alexander Van der Bellen. Wir können darüber lamentieren oder wir können versuchen, es zu ändern. Also wieso einmal nicht versuchen, die Algorithmen zu verwirren, indem wir auch denen followen — das ist Neudeutsch, tut mir leid –, auch denen followen, deren Meinung vielleicht nicht so ganz unserer Meinung entspricht.
Algorithmen möchte also Alexander Van der Bellen verwirren, aber, wie auch der Instagram-Account von Norbert Hofer beispielhaft zeigt, sind Algorithmen bereits verwirrt, oder, was wahrscheinlicher ist, auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen bedient den gegenwärtigen Mythos der Algorithmen. Denn. Der Algorithmus von Instagram listet gleich„ähnliche Konten“, um diesen bequem und schmerzfrei zu „folgen“, dem „Konto“ von Norbert Hofer „ähnlichen Konten zu folgen“, zum Beispiel Alexander Van der Bellen, Karoline Edtstadler, Red Bull Austria, AfD Fraktion NRW, Heimatliebe Österreich, Polizei Österreich, Exxpress, ORF, Karl Nehammer, Andreas Gabalier, AfD Bund, Servus Formel 1 und so weiter und so fort.
Was also Bundespräsident Alexander Van der Bellen vorschlägt, erledigen bereits Algorithmen, ohne dafür je verwirrt geworden sein zu müssen.
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Auf diese Art bekommen wir dann auch Ausschnitte der Realität zu sehen, die wir anders nie zu Gesicht bekommen hätten. Und auf diese Art bekommen wir vielleicht, auch wieder das Bild einer gemeinsamen Realität. Also als Symbol, ich hoffe, als gutes Beispiel dafür, werde ich ab heute, ab heute dem Instagram-Account von — schon erledigt — von Norbert Hofer folgen. Also die Botschaft ist schon abgesandt, ist schmerzfrei erledigt. Und Herr Hofer, falls Sie zuhören, können Sie ruhig auch, Sie nämlich, dem Account von Greta Thunberg zum Beispiel folgen, followen, zum Beispiel, vielleicht tun Sie es ja eh schon. Und Sie hier alle, in diesem wunderbaren Raum […] ändern Sie die Spielregeln mit einem Wort, bringen Sie Ihre Blase, Ihre Blase zum platzen.
Eine Idee, meine Damen und Herren, vielleicht schaffen wir es dadurch, endlich wieder ein gemeinsames Bild von Wirklichkeit zu bekommen. Lassen Sie uns gemeinsam die Algorithmen verwirren, nämlich die verwirren, und nicht wie heute umgekehrt.
Alexander Van der Bellen spricht dann doch kurz die „sogenannte vierte Gewalt“ an, „die Medien, unabhängige Medien berichten über Inhalte und Fakten und nicht über sich selbst verstärkende fake news aus den Bubbles“. Dies allein reicht schon vollkommen aus, um mehr als nur „Ausschnitte“ der Gesinnungsrealität zu erfahren, ohne aber irgendwelchen Personen auf irgendwelchen Plattformen folgen zu müssen.
Aber, auch das ist bekannt, wie leicht geschieht es, daß solches unüberlegt, ungeprüft rasch geteilt wird, verbreitet und verbreitet und verbreitet wird, ein Wort oft, das gefällt, genügt, um es zu teilen, zu verbreiten.
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Alexander Van der Bellen in seiner durch und durch durchdachten Rede spricht auch ganz kurz vom Zuhören, er wünscht sich, daß einander zugehört wird; in diesem Fall müßte wohl mehr davon gesprochen werden, daß einander gelesen wird.
Er schlägt vor, denen zu folgen, gerade denen, die von den anderen nichts wissen wollen, die die anderen nur dafür gebrauchen, daß diese ihre Gesinnungsrealitäten teilen, verbreiten, selbst nach und nach von diesen infiziert werden.
Es gibt Schriftsteller, auch im kleinen Österreich, und es sind ausschließlich schriftstellernde Männer, die in kleinformatigen Tageszeitungen über Fußball schreiben, über den Fußball der Männer, und daß sie über die Bälle der Männer schreiben, erzählt viel über deren Bedeutung als …
Vor über einer Woche begann die Fußballweltmeisterschaft der Frauen, und stellvertretend ist mit ein paar Stichproben die Berichterstattung über die Fußballweltmeisterschaft der Frauen festzuhalten, anhand der Krone der Schöpfung, oder Schöpfung der Männer Krone …
Der 22. Juli 2023 ein berichtsfreier Tag über die Fußballweltmeisterschaft der Frauen … Dafür, ganz groß, in welchem Trikot Dieter Bohlen sich gefallen würde, im Lusten…
Am 24. Juli 2023 wieder Vermischtes, nichts zu den Spielen selbst, dafür „FIFA stoppt Frage über Sexualität, Brand im Teamhotel“ … Und, mit einem großen Bild einer Frau ganz in Weiß angeschmiegt an den Mann, was Ehefrauen am liebsten an ihrem Sepp …
Am 28. Juli 2023 ein Bericht, wie „Top“ im „Gehaltsranking“ Frauen sind, auf dem ersten Platz eine Fußballerin mit rund 6,5 Millionen Euro, auf dem dritten Platz eine Fußballerin mit 3,6 Millionen Euro – das und mehr sollen fußballernde Männer gar in der österreichischen Gruabnliga erballern, und im Vergleich dazu drei fußballernde Männer mit jeweils 105 Millionen Euro, und auch am 24. Juli 2023 ein Bericht über einen ballernden Mann, der eine Milliarde Euro —
Nicht nur in bezug auf die Berichterstattung sollte der Fußball der Frauen ein Vorbild für das Ballern der Männer sein, auch über dieses einfach unter Vermischtes, Gemischtes zu berichten, sondern vor allem in bezug auf den, und das ist ein allzu hochtrabendes Wort, Verdienst, was sie, die Männer, zutreffender, geldmäßig für das Ballern bekommen sollen, die Männer mit ihren jeweils 105 Millionen so viel wie die Frauen, also etwas zwischen 6,5 und 3,6 Millionen, und menschgemäß auch der eine Milliarde verballernde Mann nicht mehr; für die österreichische Gruabnliga hieße das, vermessen nach ihrer Bedeutung, keine Millionen mehr …
Karl Hohenlohe: Das ist der sogenannte Wehrmann in Eisen, der seine Rüstung der Spendenbereitschaft der Wiener und Wienerinnen für die Witwen und Waisen des ersten weltkrieges verdankt. Man konnte gegen eine kleine Spende einen Nagel einschlagen. Man hat auf der einen Seite etwas Gutes getan, auf der anderen Seite konnte man auch so seine patriotische Gesinnung zum Ausdruck bringen. Fast eine halbe Million Nägel steckt hier in der Skulptur. Für besonders betuchte, reiche Spender gab es sogar Goldnägel. Ich habe sie gesucht, ich habe sie nicht gefunden. Vielleicht schon vor mir jemand anderer.
Karl Hohenlohe, der Rundfunkmoderator, aus der Familie mit dem dazu passenden Wahlspruch „Aus Flammen erhebe ich mich“, erzählt etwas später in dieser Sendung noch etwas Aufmerkenswertes.
Erzählerin: Nach drei Wochen waren mehr als vierzigtausend Soldaten tot, und Wien war in der Hand der roten armee, und die brauchte nicht lange, um ihrer Macht mit einem monumentalen Denkmal Ausdruck zu verleihen. Vier Monate nach dem Ende der Kämpfe stand der stolze Sowjetsoldat auf seinem Sockel.
Karl Hohenlohe: Das ging natürlich nicht ohne Kriegsgefangene und langfristige Planung. Man muß sich das vorstellen, als die rote armee noch in Budapest gekämpft hat, da war man schon am Planen dieses Denkmals, und das Ganze ist nicht nur so eine Art Mahmal für gefallene Soldaten, nein, das ist in Stein gemeißelte Siegesgewißheit. Daß die Sowjets ihre sichtbaren Herrschaftszeichen gerade hier am Schwarzenbergplatz platzierten, hat zwei Gründe. Zum einen erkannten auch sie die Vorzüge barocker Sichtachsen, und der andere Grund, eigentlich ganz banal, der Platz war einfach frei. Das wäre er ohne den latenten Antisemitismus in der Zwischenkriegszeit nicht gewesen. Man hat hier ein großes Denkmal für Gustav Mahler geplant, aber die Stimmung war dagegen, man hat vom Judendenkmalgesprochen, und es wurde nie errichtet.
Geehrter Herr Stocker ! Sie nehmen mit Recht an, dass ich, nachdem die erstmaligen Wahlen vollzogen sind, für die volle Freiheit der Parteibildung bin, und wünsche , dass auf solche Weise alles, was in unserem Volke gedacht und gewollt, offen zum Ausdruck und in allen öffentlichen Angelegenheiten zur Geltung gelangt. Aus diesem Grunde werde ich auch die Neubildung Ihrer Partei begrüssen, obwohl ich persönlich, als Staatsbürger, in vielen Dingen einer anderen und abweichenden Auffassung bin. Als Bundespräsident bin ich allerdings gehalten, den Parteimann auszuziehen und weder für noch gegen eine Partei amtlich Stellung zu nehmen.
Ich kann Ihnen versichern, dass ich bei allen Gelegenheiten, die sich mir bieten, meinen Einfluss dahin geltend machen werde, dass die Freiheit der Parteibildung – im Rahmen der Republikanischen Staatsform und des wahrhaften Bekenntnisses zur Unabhängigkeit Österreichs – praktisch zum Durchbruch kommt. Hochachtungsvoll Renner
Univ.Prof. Dr. Lothar Höbelt hat diese Aktivitäten, die Stocker sogar einige Monate Untersuchungshaft einbrachten, bis sich die gegen ihn erhoben Vorwürfe als haltlos herausstellten, in seinem Werk „Geschichte des VdU“ ausführlich geschildert
Gemäß den Erfordernissen unserer Zeit operieren eigenständige GmbHs unter dem Dach einer Muttergesellschaft. Diese ist nach einem der bedeutendsten römisch-deutschen Kaiser des Mittelalters, dem Hohenstaufen Friedrich I. benannt, und bekennt so die europäisch-christliche Ausrichtung der Verlagsgruppe. Unter Friedrich Barbarossa erlebte die deutsche Kultur des Hochmittelalters ihren Höhepunk.
läßt augenblicklich die Übersetzungen für das englische Wort „Punk“ …
Und da ist ein weiterer Präsident, der nämlich die Gesellschaft anführt, dem sein Amt aber genügend Zeit läßt, Fragen zu stellen, ob „deutsche Dichter als Opfer des Traditionsbruches im 20. Jahrhundert“ …
Und wo stellt er, der Präsident, seine Fragen? In der „Neuen Ordnung“. Diese Zeitschrift heißt inzwischen, genauer, seit 2020, „Abendland“ … Abendland, genausogut hätte diese auf „Alte Ordnung“ umbenannt werden können, so alt und überholt und verbraucht ist das Abendland …
Wilhelm Franke (1901–1979) wurde mit den Gedichtbüchern „Wanderer im Waldland“ (Julius Reich-Preis 1937) und „In dunklen Wäldern, auf silbernen Straßen“ (1939) bekannt. Als moderner Regionalist verschrieb er seine Lyrik fast ausschließlich dem niederösterreichischen Waldviertel, in dem er als Dorfschullehrer lebte. Josef Weinheber wurde früh auf ihn aufmerksam und trat nachdrücklich für ihn ein: „Wilhelm Frankes Gedichte haben die eingeborene, schlichte Größe und Herbheit des Landes, das sie besingen […]“.Von Oktober 1942 bis zum Zusammenbruch im Mai 1945 gehörte Franke als Gefreiter einer Wachkompanie der Wehrmacht an. Entlang des Dnjepr in der Ukraine, später in Rumänien, Ungarn und der Slowakei war sein Trupp im unmittelbaren Hinterland der Front mit der Bewachung von Kraftwerken und Brücken, dem Schutz von Fähren und Zügen und der Sicherung von Pässen betraut. Während dieser Zeit führte er ein Tagebuch, in dem sich poetische Schilderungen der östlichen Landschaften mit nüchternen Berichten über den Alltag des Krieges, das entbehrungsvolle Ausharren auf einsamen, versprengten Posten und das Elend von Flucht und Zerstörung verbinden. Zugleich dokumentiert er das eigene Ringen um das seelische Überstehen auf dieser vom Grauen überschatteten soldatischen Wanderschaft, die auch für sein Künstlertum zur großen Erschütterung wird: „Schwarze Gedanken nisten im Herzen. Gnadenarm huschen die Tage hin.“
„Das Bild, wie ich glaube: das wirklich wahre Bild Ihres Vaters, verehrte gnädige Frau, steht so lebhaft nach einem runden halben Jahrhundert vor mir, daß daneben jedes Zerrbild völlig verblaßt. Eine tröstliche Erkenntnis, da sie uns zeigt, daß Charakterstärke, Mut und mitmenschliches Verständnis allemal spekulativen Opportunismus, hämische Mißgunst und oberflächliche Mißgunst überdauern …“
Ist es legitim, die Geschäfte der „Reichen“ mit Farbe zu besprühen und den Straßenverkehr lahmzulegen, um für Klimaschutz zu „werben“? Muss man, um auf problematische geschichtliche Figuren hinzuweisen, Denkmäler beschmieren und mit Holzgestellen verzieren?
Dies alles aus dem „Leitartikel“ der Martina Salomon, erschienen in der sonntäglichen Ausgabe am 16. Juli 2023, die Leitkultur der Martina Salomon in einen Leitartikel gepreßt. Ihre Leitartikel, eine Leitkultur, ihre Leitkultur, die Leitartikel, die Leitkulturartikel ihrer Schutzbefohlenen.
Gegen ihre Schutzbefohlenen gehen also die ein und dieselben vor, es sind ein und dieselben, die die Geschäfte besprühen, die den Straßenverkehr lahmlegen, die Denkmäler beschmieren, die mit Holzgestellen verzieren, diesen ein und denelben gehören, so in der salomonischen Zusammenfassung, an, auch schon eine Stadträtin, auch schon ein Bezirksvorsteher, die wohl nächtens mit Holzlatten sich aufmachen zur Verzierung … und auch schon das Rathaus, dem bei diesen Attacken in moderner Attackenteilung die wichtige Arbeit zu erledigen hat, die Überschüttung zu belassen, gehört diesen ein und denselben an.
Dabei war der ehemalige Wiener Bürgermeister innovativ und äußerst populär. Er entwickelte Wien zu einer modernen Großstadt, ließ wichtige Sozialeinrichtungen und Infrastruktur wie die Hochquellenwasserleitung […]
Und daraus hätte unweigerlich zu folgen, ein zweiter Spruch, aber das wäre ein Spruch, der in einem anderen Land denkbar, in Österreich undenkbar:
Zeit, alles gerade zu stellen.
Nein, so schaut Fortschritt nicht aus.
Zeit, alles gerade zu stellen. Wie recht Martina Salomon doch hat. So sieht Fortschritt in Österreich wahrlich nicht aus.
Die Klimakleber und Denkmalschmierer drehen gefährlich an der Eskalationsschraube. Sie spalten die Gesellschaft und radikalisieren. Am Ende solcher – scheinbar – gut gemeinter Aktionen steht Gewalt. Das braucht wirklich niemand. Wehret den Anfängen.
Bald werden es, am 29. September 2023, fünfzig Jahre her sein, daß der weltberühmte Dichter verstorben ist. Die Marktgemeinde Kirchstetten im Niederösterreichischen, in der er seine Sommer verbrachte, auf deren Friedhof er begraben ist, wird ihm wohl zu diesem Anlaß, der Wiederkehr seines fünfzigsten Todestages am 29. September 1973, recht groß feiern, von überall her werden sie wohl nach Kirchstetten eilen, um seiner zu gedenken, die Männer und Frauen,
Wie oft in all den letzten Jahrzehnten wurde sein Name, wurden Verweise auf ihn, wurden Zitate von ihm in Büchern gelesen, die allesamt weder in Niederösterreich noch in Österreich geschrieben wurden, in wie viel gesehenen Filmen wurden von ihm Gedichte rezitiert, die allesamt nicht in Niederösterreich noch in Österreich produziert wurden, daß es tatsächlich die Wahrheit ist, er, der in Kirchstetten Begrabene, ist weltberühmt, nicht nur in der Sprachwelt seiner Herkunft, sondern gänzlich unabhängig von Sprache und Land, wer immer zu lesen und zu schreiben vermag, gleich in welcher Sprache, gleich wo auf dieser Welt, ist der in Kirchstetten begrabene Dichter nach wie vor ein Dichter, auf den zu beziehen, auch fünfzig Jahre, nach seinem Tod kein Fehl ist, so meinen es jene, die weltweit —
So viele Bücher in denen sein Name steht und von ihm keines im Regal — rätselhaft wie ein Gedicht enträtselbar
Es heißt, er habe sich vom Preisgeld das Haus in Kirchstetten gekauft, vom Geld des Preises nach einem Künstler, den Jahrzehnte später ein Schriftsteller auf dem Lande, dem Häuser zu erwerben eine Leidenschaft war, ablehnte; müßig zu spekulieren, ob er Jahrzehnte zuvor den Preis aus den Mordhänden der „üble[n] Verführer“ abgelehnt hätte, er sich ebenfalls hätte, wie es im Gedicht des Weltberühmten heißt, das heute noch auf der Website der Gemeinde Kirchstetten zu lesen ist, einwickeln lassen, durch das Anbot, damit auf dem Lande Haus um Haus …
Mit diesem Gedicht ist der Weltberühmte in kirchstetterischer Nachbarschaft seines Grabes in die niederösterreichische und also in die österreichische Falle gegangen, es wurde ihm in Kirchstetten und um Kirchstetten herum erzählt, was alle in Kirchstetten und um Kirchstetten herum und also in ganz Österreich vom „geliebten Hofhund“ nur erzählt werden wollte, nur das, was alle nur hören wollten, nur das, worauf sich alle verständigten, was vom „Hofhund“ nur zu erzählen ist. Und sie werden den Weltberühmten vielleicht auch mit Literatur über den „Hofhund“ versorgt haben, die er dann für dieses Gedicht auch verwenden konnte, mit dem heute noch Kirchstetten hausieren gehen kann. Take you in, who to Goebbels‘ offer of culture countered – in Ruah lossen?
Von der Presse will der Rundfunk nichts anderes als sachlich fundierte Information ihrer Leser und natürlich auch objektive Kritik. Vom Staat und von den Parteien wünschen wir uns die Erfüllung einer Bitte. Es ist heute hier so viel von Alleinherrschaft und Diktatur gesprochen worden; ich darf also zu einer echten Diktatur hinüberwechseln: Es war etwa im Jahre 1938 oder 1939, da wurde der heute schon einmal zitierte unsterbliche Josef Weinheber nach Weimar zu einem Dichtertreffen befohlen. Weinheber – nomen omen: ein Freund des guten Weines – war schon in sehr beschwingter Stimmung. Er war immer ein mutiger und bekenntnisfreudiger Mann von allergrößter Zivilcourage. Er wurde vom allmächtigen Kulturpapst Goebbels angesprochen, und das Gespräch ist als authentisch überliefert: „Was könnte man tun, Herr Weinheber, um die Dichtung in der Ostmark“ – sozusagen – „auf Trab zu bringen ?“ Und Weinheber – das ist ein Männerstolz vor Königsthronen – hat ihn aus verschwimmenden Augen angeschaut und hat dann gesagt: „Herr Minister, in Ruah lassen, in Ruah lassen!“ (Allgemeine Heiterkeit.) Ich möchte auch diese Bitte also an Regierung, an Politik und Parteien richten: Den Rundfunk „in Ruah lassen, in Ruah lassen“, dann wird er schon ein Instrument sein, das uns allen nützt und dem Staat auch im Ausland nur Ehre machen wird.
Als Goebbels bei einem Bankett sprach, hörte ihn Weinheber, die Hand unterm Kinn, aufmerksam, obschon vom Weine beschwingt, an. Gefiel ihm ein Satz, rief er wohlwollend: »Bravo, Josef!,« rief es immer wieder […]. Plötzlich aber trat ein großes Erstaunen in Weinhebers Gesicht, von einer Erleuchtung heimgesucht, hob er das Haupt, blickte herrscherlich rundum und verkündete laut: »Ja, aber – der Josef, der bin ja i!«
vom „Hofhund“ der Vergangenheit Verklärung ganz nach österreichischem Geschmacke …
Spätestens mit der zitierten Rede des Bundesrates der ÖVP ist es unmißverständlich: der Weltberühmte in diesem Kapitel ist nicht Josef Weinheber, der auf seinem Grund, irgendwo im Garten, vor oder hinterm Haus, eingegraben ist —
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