Bringt man ein „Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“ auf den Weg, geschieht dies im Gegensatz zu den aktuellen Trends und Tendenzen. Christliche Literatur erlebte nach den geistigen und seelischen Verheerungen des Totalirismus[.] Nehmen wir etwa das Werk von Reinhold Schneider, dem ein Schwerpunkt in der ersten Ausgabe unseres Jahrbuchs gewidmet ist. Mit seinem Erzähltext Las Casas vor Karl V. wie auch mit vielen Gedichten und Essays hatte Schneider literarischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet.
Dies ist aus dem Vorwort im ersten Band, geschrieben von Michael Rieger, einem der Herausgeber von diesem „Lepanto-Almanach“. Und er, Rieger, schreibt in seinem Vorwort weiter:
Aber Reinhold Schneider ist nur ein Beispiel für viele weitere Schriftsteller und Denker, von denen hier zu handeln ist. Und er ist eher noch einer der bekannteren. In diesem Sinn muß und will unser Jahrbuch Erinnerungsarbeit leisten, doch kann es dabei nicht stehenbleiben. Vielmehr geht es beim Aufschlagen verblaßter Schriften um eine Wiederaneignung des fast Verlorenen, um ein Steigen und Eintauchen in den Strom der Überlieferung. Denn ohne Geschichte und ohne Tradition wären wir, mit Schneider zu sprechen, nur „Flugsand“. Flugsand im Wind …
So wollen wir die kleineren und größeren Texte dieses Almanachs nicht zuletzt als Anregungen zu jenem zeitgemäß unzeitgemäßen „Bildungswerk“ verstanden wissen, das uns insgesamt vorschwebt.
Till Kinzel, der dritter Herausgeber im Bunde von Michael Rieger, Christoph Fackelmann, schreibt das Vorwort im dritten Band
Der Brustton der Überzeugung verdeckt oft nur die immense Leere und Substanzlosigkeit, die sich bis in diejenigen Institutionen ausgebreitet hat, welche eigentlich die Hüter der Überlieferung und damit der stets neu anzufachenden Glut sein sollten, aus der heraus das Abendland lebt und an der es sich erwärmen kann. So darf auch diese Ausgabe des Lepanto-Almanachs wieder den Blick auf manches vernachlässigte Gute — und Gut — der Tradition lenken.
Das vorliegende Jahrbuch hat darüber hinaus zwei Schwerpunkte, die einer Vertiefung der Auseinandersetzung gewidmet sind. Das Thema nimmt den Faden der Beschäftigung mit Reinhold Schneider wieder auf, verbindet ihn aber diesmal mit der bildenden Kunst und plädiert zugleich für eine neue Würdigung der Inneren Emigration und des christlichen Widerstandes.
Die Anknüpfung an christliche Literatur gewinnt auch da eine höchst aktuelle Bedeutung, wo es darum geht, sich mit dem sogenannten Transhumanismus auseinanderzusetzen. Denn diese Ideologie bringt ein völlig neues Menschenbild ins Spiel, das aber z. B. schon, wie Ulrich Kriehn zeigt, von Autoren wie C. S. Lewis kritisch analysiert wurde — und nicht zuletzt in den phantastischen Romanen, die wie Die böse Macht eine Tyrannis der Wissenschaftler und Technokraten aufs Korn nehmen. Die Literaturgeschichte geht auch in der Gegenwart weiter — davon zeugt nicht zuletzt das Werk von Lyrikern, die sich in immer neuer Form dem Anspruch aussetzen, Wirklichkeitswahrnehmungen Form zu geben, die sich anderen Menschen vermitteln läßt und neue Zugänge zu einer Welt erlaubt, die nicht im Wissenschaftlichen und bloß Faktischen aufgeht. Herausragendes Beispiel ist das lyrische Werk des Dichters und Dissidenten Ulrich Schacht […]
Zadie Smith zitiert in ihrem Nachwort zu „Rezitativ“ eine „höchst nützliche Zusammenfassung, die wir uns ausschneiden“,
Ich habe in diesem Essay viel über diskriminierende Strukturen geschrieben. Allerdings nur vage, metaphorisch, so wie heutzutage viele darüber sprechen. In einer Rede an der Howard University im Jahr 1995 wurde Morrison konkreter. Sie hat das Ganze mit wissenschaftlicher Methodik aufgeschlüsselt. Eine höchst nützliche Zusammenfassung, die wir uns ausschneiden und aufheben sollten, um immer wieder darauf zurückzugreifen, denn wenn wir hoffen, die Strukturen der Unterdrückung einmal niederzureißen, kann sie uns auf jeden Fall helfen zu ergründen, wie sie aufgebaut sind:
Wir dürfen nicht vergessen, dass es, ehe es zu einer abschließenden Lösung kommt, eine erste Lösung geben muss, eine zweite, sogar eine dritte. Der Weg zu einer abschließenden Lösung ist kein Sprung. Es braucht einen ersten Schritt und noch einen und noch einen. Eine Folge, etwa wie diese:
2. Isoliere und dämonisiere diesen Feind, indem du offene und verhüllte Schmähungen in Umlauf bringst und für deren Weiterverbreitung sorgst. Nutze persönliche Angriffe als legitime Mittel im Kampf gegen den Feind.
3. Suche und schaffe Quellen und Verbreiter von Gerüchten, die den Prozess der Dämonisierung vorantreiben, weil es sich für sie lohnt, weil es Macht verleiht und weil es funktioniert.
7. Pathologisiere den Feind in wissenschaftlicher und in Unterhaltungsliteratur, z. B. durch Rückgriffe auf pseudowissenschaftlichen Rassismus und die Mythologie rassischer Überlegenheit, um das Krankhafte an ihm selbstverständlich werden zu lassen.
8. Kriminalisiere den Feind. Dann bereite alles — Geld, Planung, Begründung — für seine Internierung in geeigneten Lagern vor. Das gilt besonders für die Männer und unbedingt für die Kinder.
9. Belohne Gedankenlosigkeit und Trägheit mit großen Unterhaltungsspektakeln und mit kleinen Freuden, unmerklichen Verführungen: ein paar Minuten im Fernsehen; ein paar Zeilen in der Zeitung; einem kleinen Pseudo-Erfolgserlebnis; der Illusion von Macht und Einfluss; ein wenig Spaß, ein wenig Style, ein wenig Bedeutung.
Elemente dieser faschistischen Leitlinien finden sich in der Begegnung zwischen Europa und Afrika, zwischen West und Ost, zwischen Arm und Reich, zwischen Deutschen und Juden, Hutu und Tutsi, Briten und Iren, Serben und Kroaten. Sie liegen im Rahmen der Möglichkeiten, auf die wir Menschen dauerhaft Zugriff haben. Rassismus ist eine Art Faschismus, womöglich die bösartigste und langlebigste. Aber er bleibt doch eine menschengemachte Struktur. Auch die Befähigung zu jeglicher Art von Faschismus ist uns allen zu eigen — man könnte sie als unsere deprimierendste kollektive Identität bezeichnen.
Roberta sei die Schwarze, das hätte sofort ein jeder Mensch, der 1983 „Recitatif“ auf der zweiten Seite aufgeschlagen und das
Von Zeit zu Zeit hörte sie nämlich gerade so lang mit dem Tanzen auf, um mir was Wichtiges zu erklären, und unter anderem hat sie mir erklärt, dass die sich nie die Haare waschen und komisch riechen. Wie Roberta. Also, sie roch wirklich komisch. Und darum habe ich, als das Riesenross (kein Mensch redete je von „Mrs. Itkin“, so wie auch kein Mensch je von „St. Bonaventure“ redete) — als es also sagte: „Twyla, das ist Roberta. Roberta, das ist Twyla. Seit nett zueinander“, da habe ich gesagt: „Das wird meiner Mutter aber gar nicht gefallen, dass Sie mich hier unterbringen.“ „Gut“, sagte das Riesenross. „Vielleicht holt sie dich dann ja wieder nach Hause.“ So eine Gemeinheit! Wenn Roberta gelacht hätte, ich hätte sie umgebracht, aber sie lachte nicht.
und wohl nicht nur in Österreich, hätte in vollkommener Überzeugng sofort zu sagen gewußt, daß Roberta die Schwarze und Twyla die Weiße — So verbreitet, wie das damals war, vor vierzig Jahren, daß Schwarze „komisch riechen“, und dies war ganz und gar nicht ein Kompliment, Schwarze wurden auch nicht Schwarze genannt, das weithin geläufige Brandmal war „Neger“. „Neger“ war der als normal befundene Begriff, die Norm. „Neger riechen komisch.“
Auf eine Kritik, wie diese vierzig Jahre später in einer deutschsprachigen Zeitung zu lesen ist,
Aber nicht einmal als Roberta dagegen demonstriert, dass ihr Sohn auf eine andere Schule soll – und Twyla das Problem überhaupt nicht versteht –, lässt sich sagen, ob Roberta eine schwarze oder weiße Bürgerrechtlerin und ob Twyla eine schwarze oder weiße Ignorantin ist.
und darauf, was Zadie Smith im langen Nachwort zu „Rezitativ“ schreibt,
Wie genau wir aber auch lesen, wir erfahren nie definitiv, welches der beiden Mädchen schwarz ist und welches weiß.
Sogar vierzig Jahre später lassen sich im Internet Eintragungen finden, die nicht vor vierzig Jahren geschrieben wurden, sondern in der Gegenwart, daß „Neger riechen […]“. Nicht nur, zum Beispiel, von einem „König“, der sich als „Patriot, Nationalist“ vorstellt, sondern auch, ein weiteres Beispiel, von einem „Basti“, der „Journalist, Dozent, Social-Media-Koordinator“ … Auf einer Frage-Antwort-Plattform, ein weiteres Beispiel, mit der Eigenbeschreibung
Seit 2006 können Nutzer bei uns Fragen zu allen Themen stellen, auf die sie in der Regel bereits in Sekundenschnelle eine Antwort erhalten. So helfen wir Millionen Menschen – ganz nach dem Motto von Usern für User – dabei, Wissen, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen und zu entdecken.
wird die Frage gestellt „Warum riechen dunkelhäutige anders?“ — Als wäre es eine „gute Frage“, auf die es gute Antworten … „dunkelhäutige“, ja, tatsächlich kleingeschrieben, so hat diese „gutefrage“ die Qualität von „Neger […]“
Es ist im Grunde völlig belanglos, ob nun Twyla die Schwarze und Roberta die Weiße oder Roberta die Weiße und Twyla die Schwarze. Es gibt in dieser Erzählung tatsächlich eine Frau, von der nicht gesagt werden kann, ob sie weiß ist, ob sie schwarz ist — Maggie.
Einmal ist Maggie dort gestürzt. Die Küchenhilfe mit den Beinen wie Klammer auf, Klammer zu. Und die großen Mädchen haben sie ausgelacht. Ich weiß schon, wir hätten ihr aufhelfen sollen, aber wir [Twyla und Roberta] hatten Angst vor diesen Mädchen mit ihrem Lippenstift und Kajalstrich. Maggie konnte nicht sprechen. Die anderen Kinder behaupteten, ihr wäre die Zunge rausgeschnitten worden, aber ich glaube, sie war einfach so auf die Welt gekommen: stumm. Sie war alt, hatte eine Haut wie Sand und arbeitete in der Küche. Was weiß ich, ob sie nett war. Ich erinnere mich nur an ihre Beine wie Klammer auf, Klammer zu und dass sie beim Gehen wackelte. Sie arbeitete von morgens früh bis zwei, und wenn sie mal spät dran war, weil sie viel sauber zu machen hatte, und erst gegen Viertel nach zwei wegkam, nahm sie die Abkürzung durch den Obstgarten, um den Bus nicht zu verpassen und eine Stunde auf den nächsten warten zu müssen. Sie trug eine richtig blöde Mütze — so eine Kindermütze mit Ohrenklappen –, und sie war nicht viel größer als wir. Eine richtig scheußliche Mütze. Wirklich blöd, sogar für eine Stumme — rumzulaufen wie ein kleines Kind und keinen Ton zu sagen. „Und wast ist, wenn jemand sie umbringen will?“ Das fragte ich mich damals oft. „Oder wenn sie weinen muss? Kann sie weinen?“ „Klar“, sagte Roberta. „Aber nur Tränen. Töne kommen keine.“ „Sie kann also nicht schreien?“ „Nein. Gar nicht.“ „Kann sie was hören?“ „Glaub schon.“ „Rufen wir sie mal“, sagte ich. Und das taten wir. „Trampel! Trampel!“ Sie wandte nicht mal den Kopf. „O-Bein! O-Bein!“ Gar nichts. Sie wackelte einfach weiter, und die Kinnriemen ihrer Babymütze baumelten hin und her. Ich glaube, wir lagen falsch. Ich glaube, sie hat uns gehört und sich bloß nichts anmerken lassen. Bis heute schäme ich mich, wenn ich mir vorstelle, dass dadrinnnen doch jemand war, unsere Schimpfwörter hörte, und uns nicht verpetzen konnte.“
Um Maggies Willen, um der „Verdammten“ willen, der „Niemanden“ willen, deren Farben nicht gesehen, nicht erinnert werden, ist „Rezitativ zu lesen —
Weit unterhalb der rassifizierten „Schwarz-Weiß-Unruhen“ in den USA hält sich eine weltweitere Unterschicht aus lauter Maggies, die von den engstirnigen amerikanischen Debatten weder gesehen noch bedacht wird, die Verdammten dieser Erde …
Morrison ist die große Meisterin amerikanischer Komplexität, und wenn Sie mich fragen, steht Rezitativ in einer Reihe mit Bartleby, der Schreiber und Shirley Jacksons Erzählung Die Lotterie als die perfekte — und perfekt amerikanische — Story, die jedes Kind in den USA lesen sollte.
Zu Zadie Smith darf hinzugefügt werden, die jedes Kind und jeder Erwachsener auch außerhalb der USA, die jede Erwachsene weltweit, also auch in Österreich, …
Tatsache sei, so Fürst, dass man darüber überhaupt nicht mehr reden sollte. Über die ganzen Folgen und Konsequenzen, die dieser Bevölkerungs-Austausch mit sich bringt, dürfe man nicht reden. Diese Kritik werde sofort als “rechtsextrem” bezeichnet. Fürst weiter: Wie sagen wir denn? Bevölkerungs-Austausch, Überfremdung? Konsequenz der ungeregelten, illegalen Einwanderung?
Das ist am 7. September ’23 auf der gesinnungsgemäß zensurierten einer österreichischen Parlamentspartei zugewandten Website zu lesen. Kritik, die der Verfassungssprecherin auch, werde „sofort als ‚rechtsextrem‘ bezeichnet“, kann aufgegriffen werden und mit ihr gefragt werden:
Im Sommer ’23 bricht in Österreich ein Possenstreit über die „Normalität“ aus. Vorneweg, um nicht sagen zu müssen, an der Spitze des Possenstreits, an der Bühnenrampe, auf der die Streitposse gegeben wird,
Es mengen sich gar viele in die Streitposse „Normalität“ ein, wollen auch einen Platz vorne an der Rampe, schreien aus dem Flüsterkasten … Alle wissen etwas dazu, was denn „normal“ sei, was denn nicht „normal“ sei, wer denn „normal“ sei, wer denn nicht „normal“ sei, wer denn die „Normalität“ vertrete, wer denn nicht die „Normalität“ vertrete, wer für die „Normalität“ eintrete, wer, ist eine der Widerreden, für sich in Anspruch nehme, für „Normaldenkende“ einzutreten und hinzutreten, sei präfa…
Als ob es tatsächlich nur die eine einzige „Normalität“ geben würde, so geht der Possenstreit in diesem Sommer ’23 in Österreich, und dabei, das wird vollkommen ausgeblendet, gibt es nicht die eine einzige Normalität, sondern Normalitäten. Es kommt nur darauf an, in welcher Normalität ein Mensch lebt, inmitten von Menschen, die in ihren Normalitäten leben, dessen Normalität aber nicht eine Abnormalität ist, wie in diesem Sommer auch immer wieder zum Vorwurf gemacht wird, es würden Menschen, die nicht „Normale“ seien, als „Abnormale“ denunziert, diffamiert, ausgegrenzt, gebrandmarkt werden, und das sei, so ein gefallenes Wort: „brandgefährlich“, aber menschgemäß gibt es die Abnormalität nicht, menschgemäß nur Normalitäten.
Von einer dieser menschgemäßen Normalität ist beispielsweise in „V13 – Die Terroranschläge in Paris – Gerichtsreportage“ von Emmanuel Carrère zu lesen:
„Ehrlich gesagt nein, damit hatte ich kein Problem. Das fand ich normal.“ „Und Ihre Onkel, was haben die dort gemacht?“ „Musik. Jean-Michel hat gesungen und Fabien war Tontechniker, glaube ich …“
In Syrien beginnt der Bürgerkrieg, und alle schließen sich ihm an: zuerst Jean-Michel, dann Fabien und dann die ganze Sippschaft, von der Mutter über die Schwester bis zur Nichte Jennifer, die ihre Aussage ebenfalls vom Gefängnis aus macht. Und zwar eine, bei der es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Ohne je die Wahl gehabt zu haben, hat sie ihr Leben ganz dem strengen Islam verschrieben. Mit vierzehn brach sie die Schule ab, mit fünfzehn verheirateten ihre Mutter und ihre Onkel sie mit einem Salafisten aus Bayonne, der genauso jung war wie sie und ihr kurz hintereinander fünf Kinder machte. „Nach Syrien“, sagt sie, „sind wir nicht wegen des Kriegs gegangen, sondern um ein Land aufzubauen und dort unsere Kinder großzuzieheh, um unsere Religion auf islamischen Boden zu leben und nicht in einem Land des Unglaubens. Ich habe Daesch nicht als Terrororganisation betrachtet.“ Zur Veranschaulichung dieser idealistischen Sicht beschreibt sie das Leben in Rakka unter der schwarzen Flagge: die Häuser, in denen Frauen und Kinder eingesperrt werden, den Sklavenmarkt und die Hinrichtungen auf öffentlichen Plätzen, die mitten auf der Straße auf riesigen Bildschirmen übertragen werden … „Haben die Leute das denn gutgeheißen?“ „Ja, alle, die dort lebten, fanden das gut. Und wenn nicht, hätten sie es niemals gesagt, das wäre zu gefährlich gewesen.“ „Was hat Sie denn dann dazu gebracht, Daesch zu verlassen? Die Ausschreitungen? Der jordanische Pilot? Die gefesselten Männer, denen man in aller Ruhe die Köpfe abgeschnitten hat?“ „Ehrlich gesagt nein, damit hatte ich kein Problem. Das fand ich normal.“
Im August 2014 folgt Krayem dem Aufruf von Abu Mohamed al-Adnani, der gerade das Kalifat ausgerufen hat, und fährt nach Syrien, um dort „im humanitären Bereich zu arbeiten“, wie seine Zugehörigkeit zu den fünfzehn bärtigen Männern in Kampfanzügen belegt, die der Hinrichtung jenes jordanischen Kampfpiloten beiwohnen, der bei lebendigem Leib in einem Käfig verbrannt wurde – das grausamste aller grausamen Daesch-Videos.
„Ehrlich gesagt nein, damit hatte ich kein Problem. Das fand ich normal.“
Dass er Krayem als einen nachdenklichen, gleichmütigen jungen Mann erlebt hat, der Wert darauf legt, als zuverlässig und ehrlich zu gelten. Als bemühten Schüler, mit dem er im Laufe des Unterrichts eine Respekts- und Vertrauensbeziehung aufgebaut hat. „Abgesehen von den schrecklichen Taten, die er begangen hat, ist Herr Krayem eine sehr menschliche Person“ — eine Formulierung, die eine Welle der Empörung auslöst. Denn ist die Menschlichkeit eines Mitglieds der grausamsten IS-Brigade nicht die eines Auschwitz-Kommandanten, der ansonsten ein zärtlicher Vater und fürsorglicher Ehemann war? „Vielleicht“, sagt der Lehrer mit unterschütterlicher Sanftmut. „Ich will die Schwere seiner Schuld nicht herunterspielen, ich erzähle Ihnen nur von dem Mann, den ich vier Jahre lang regelmäßig getroffen habe. Er ist vielleicht kein netter Kerl, aber jemand, der anständig und menschlich ist. Wenn wir in einer Demokratie leben wollen, muss es auch Leute geben, die bei einem Prozess zugunsten des Angeklagten aussagen.“ Ja, das muss es.
Was fand dort statt? Wurden dort IS-Videos angeschaut? Ja. Brahim ließ sie in Schleife auf seinem Laptop laufen — und klappte ihn zu, wenn sich mal ein Fremder in seinen Laden verirte. Und die anderen? Schauten sie mit? Gab es — wie es in den belgischen Akten heißt – Videositzungen, in denen diese grausamen Bilder gemeinsam angeschaut wurden: die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley, die Verbrennung des jordanischen Piloten bei lebendigem Leib in einem Käfig, und, ihrer aller Favorit, weil sie den Star kannten: Abdelhamid Abaaoud, ihr Jugendfreund, ihr Bruder, der am Steuer seines Pick-ups eine Traube von Leichen durch den syrischen Staub schleift — und sich mit seiner kleinen Fratze eines psychopathischen Kobols dabei totlacht und dazu aufruft, doch mitzumachen und sich mit ihm totzulachen? Und Mohamed Amri, Hamza Attou, Ali Oulkadi, die im Les Béguines dealten und hin und wieder im Service aushalten, saßen sie mit in diesem Kreis rund um den Computer, um diesen Séancen beizuwohnen — wie es die belgische Wortwahl nahelegt und die Anklage zu beweisen versucht? Oder verrichteten sie hinter der Bar ihre Arbeit und ließen ihren gleichgültigen Blick über den Bildschirm gleiten, so wie Leute, die sich nicht wirklich für Fußball interessieren, über ein Fußballspiel — wie ihre Verteidiger argumentieren?
Ein Video sorgt nun seit ein paar Tagen in Österreich für Aufregung … ach, was daran nun das Besondere sei, was daran nun das Neue sei, was wird nun nicht alles gesagt und geschrieben, von Menschen, die, könnte gemeint werden, bis vor wenigen Tagen nicht in Österreich lebten, nichts von Österreich je hörten, je lasen, je wissen …
eine Antwort darauf, was zuerst da ist, die Henne oder das Ei, in diesem Fall endgültig gegeben: der Hahn zuerst und dann seine Ausscheidungen, gierig eingesogen wie ein
Und was für Bücher kann eine solche „Jugend“ in ihrem Video zur Empfehlung nur zeigen? Als eben jene, die in einer solchen Vaterpartei, es brauchen hier die Namen nicht genannt werden, zur Genüge schon von den Parteivätern empfohlen, und nicht nur diese,
Micheron bestreitet nicht, dass all das zutrifft und dass manche der Dschihadisten, die er getroffen hat, in diesem Sinn — der sich aus der Idee des Klassenkampfs speist — als Opfer angesehen werden können. Doch darf man nicht vergessen, sagt er, dass sie selbst sich keineswegs als Opfer oder als Sozialfälle sehen. Ganz im Gegenteil, sie sehen sich als Helden, als Vorhut einer großen, unwiderstehlichen, weltweiten Eroberungsbewegung. Die wirklichen Opfer sind in ihren Augen die erbärmlichen „gemäßigten“ Muslime, jene entfremdeten Kollaborateure, die glauben wollen, der Islam sei mit den Werten der korrupten Gesellschaft, in der sie leben, vereinbar.
Die Kuffar halten sich — wie ich und wohl auch Sie, stelle ich mir — für offen und tolerant, doch die einzig respektablen Leute unter ihnen sind die rechtsextremen Identitären, denn sie stimmen mit den Dschihadisten vollkommen überein, dass ihre Zivilisationen radikal unvereinbar sind. Es gibt einen dschihadistischen Stolz und ein dschihadistisches Selbstbewusstsein, die erklären, warum Deradikalisierungsprogramme im Allgemeinen so schlecht verfangen. Wenn das Römische Reich im 1. Jahrhundert Dechristianisierungsprogramme gestartet hätte, wären sie genauso wirkungslos geblieben: sie hätten die angehenden Märtyrer nur noch mehr in Ekstase versetzt. Wenn man sein Leben einem gerechten, ruhmreichen Kampf verschrieben hat, der Leib und Seele durchtränkt und bei dem der Sieg im Himmel wie auf Erden gewiss ist, warum sollte man sich dann überreden lassen, auf die Seite der Verlierer zu wechseln?
Dieser Prozess lehrt zweierlei. […] Und zweitens, dass die Bedrohung durch Terrorismus sich derzeit verändert. Der nächste große Anschlag, denn es wird zwangsläufig einen geben, könnte durchaus nicht von Dschihadisten ausgehen, sondern von ihren Nacheiferern und Erzfeinden: weißen Rassisten.
Im zuletzt am 18. Mai 2023 aktualisierten Eintrag von „Wikipedia“, gelesen am 31. August 2023, steht nichts davon, daß die Islam-Division des Mohammed Amin al-Husseini auch „Sinti und Roma [ermordete]“. Die islamische Division des Mohammed al-Husseini, des von „Himmler zum SS-Gruppenführer [ernannten]“. Daß die islamisch-nationalsozialistische Division auch Sinti und Roma ermordete, das ist im „Report“ in „Das Tier, das man Mensch nennt“ von Hans Joachim Schädlich zu lesen.
Unter dem Kommando deutscher SS-Offiziere bildeten die muslimischen Rekruten einen Verband, aus dem die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Hanjar“ hervorging. Sie wurde Anfang März 1934 im bayrischen Mittenwald aufgestellt […]
Mittenwald. Ein Ort, von dem bereits erzählt wurde. Nicht aber, weil es um die Vergangenheit geht, sondern um die Gegenwart. Mit Mittenwald inmitten der Gegenwart, einer Gegenwart, die kein Gegen zur Vergangenheit; versucht zu sagen, es soll nicht von einer Gegenwart mehr gesprochen werden, ist sie doch keine gegen die Vergangenheit, sondern eine Mittenwart, in der die Vergangenheit, wieder, auch wieder …
In der Mittenwart treten Menschen hin, die Warte der Vergangenheit sind, wie Andreas Kalbitz, von dem am 2. August 2023 zu lesen ist:
Der frühere Brandenburger AfD-Landes- und Fraktionschef Andreas Kalbitz zeigt sich mit Blick auf eine Rückkehr in die Partei optimistisch – trotz mehrerer juristischer Niederlagen um den Entzug seiner Mitgliedschaft. „Ich bin auch weiterhin zuversichtlich hinsichtlich der Frage einer Wiederaufnahme der Parteimitgliedschaft in der AfD, die ich unverdrossen anstrebe“, sagte Kalbitz auf Anfrage.
In dem von Nazi-Deutschland und Italien besetzten Jugoslawien warb Husseini Anfang 1943 muslimische Bosnier für den Eintritt in die SS. Bis April meldeten sich über 20 000 muslimische Freiwillige. Es kam Husseini entgegen, daß muslimische Politiker auf einen Anschluß Bosnien-Herzegowinas an das Großdeutsche Reich hofften. Husseini bildete die Imame dieser SS-Truppen aus. Am 13. Jänner 1944 inspizierte Husseini die Hanjar-Division. Er schritt die Front, den Arm zum Hitlergruß erhoben, gemeinsam mit dem Generalmajor der Waffen-SS, Karl Gustav Sauberzweig, ab, der die Division vom August 1943 bis Juni 1944 kommandierte. Im Februar 1944 wurde die Division nach Bosnien verlegt. Himmler ernannte Husseini zum SS-Gruppenführer: Seit dem Sommer 1944 lebte Husseini als persönlicher Gast Hitlers in Oybin, dem Kurort in der sächsischen Lausitz. In Oybin blieb Husseini bis Februar 1945. Bei Kriegsende floh Husseini in die Schweiz. Die Schweizer Behörden lieferten ihn am 8. Mai 1945 an Frankreich aus. 1946 durfte er die französische Haft verlassen. Ägypten gewährte ihm Asyl. Der Führer der Moslembruderschaft, Hassan al-Banna, verkündete 1946: „Der Mufti ist Palästina, und Palästina ist der Mufti … Deutschland und Hitler sind nicht mehr, aber Amin al-Husseini setzt den Kampf fort.
Die Angehörigen der Division trugen schwarze Fese mit Adler und Totenkopf. Der arabische Krummsäbel Hanjar war das Truppenkennzeichen auf dem Kragenspiegel.
Was dieser Gebirgsdivision der Handschar Truppenkennzeichen war, war weiteren Gebirgsdivisionen das Edelweiß, und gemein war diesen Divisonen der Totenkopf —
Husseini bildete die Imame dieser SS-Truppen aus. In einem Vortrag sagte er zu den Imamen: „[…] nähern sich der Islam und der Nationalsozialismus an.“ Am 1. März 1944 rief Husseini die Muslime über den Sender Zeesen auf: „Tötet […] wo immer ihr sie findet. Das gefällt Gott, der Geschichte und der Religion.“
Es ist ein Kapitel, das vom Glück erzählen sollte, vom Glück, daß es diese Kameraderie von Handschar und Edelweiß nicht mehr gibt, deren Wege getrennt sind, sie, getrennt voneinander, aber immer noch, was nicht zum Glück gehört, kämpfen, und von deren Gesinnung her aber es scheinen will, daß es nie zu einer Trennung kam, so sehr ähneln einander ihre Gesinnungen in vielen Belangen, daß es ein Glück für alle, die weder zur einen noch zur anderen Division gehören, ist, daß sie nicht zusammen marschieren, nicht gemeinsam für die ihre Gesinnung hintreten, sondern nur getrennt ihre Gesinnung …
Micheron bestreitet nicht, dass all das zutrifft und dass manche der Dschihadisten, die er getroffen hat, in diesem Sinn — der sich aus der Idee des Klassenkampfs speist — als Opfer angesehen werden können. Doch darf man nicht vergessen, sagt er, dass sie selbst sich keineswegs als Opfer oder als Sozialfälle sehen. Ganz im Gegenteil, sie sehen sich als Helden, als Vorhut einer großen, unwiderstehlichen, weltweiten Eroberungsbewegung. Die wirklichen Opfer sind in ihren Augen die erbärmlichen „gemäßigten“ Muslime, jene entfremdeten Kollaborateure, die glauben wollen, der Islam sei mit den Werten der korrupten Gesellschaft, in der sie leben, vereinbar.
Die Kuffar halten sich — wie ich und wohl auch Sie, stelle ich mir — für offen und tolerant, doch die einzig respektablen Leute unter ihnen sind die rechtsextremen Identitären, denn sie stimmen mit den Dschihadisten vollkommen überein, dass ihre Zivilisationen radikal unvereinbar sind. Es gibt einen dschihadistischen Stolz und ein dschihadistisches Selbstbewusstsein, die erklären, warum Deradikalisierungsprogramme im Allgemeinen so schlecht verfangen. Wenn das Römische Reich im 1. Jahrhundert Dechristianisierungsprogramme gestartet hätte, wären sie genauso wirkungslos geblieben: sie hätten die angehenden Märtyrer nur noch mehr in Ekstase versetzt. Wenn man sein Leben einem gerechten, ruhmreichen Kampf verschrieben hat, der Leib und Seele durchtränkt und bei dem der Sieg im Himmel wie auf Erden gewiss ist, warum sollte man sich dann überreden lassen, auf die Seite der Verlierer zu wechseln?
Als Anhänger der Theorie vom Großen Austausch (nämlich der einheimischen Bevölkerung durch muslimische Invasoren) gründete der junge Mann im Nachgang des 13. November ein eigenes winziges Grüppchen, die OAS — für „organisation des armées“ und in Hommage an die OAS zu Zeiten des Algerienkriegs, bei der man sich angesichts seines zarten Alters fragen kann, wie er wohl davon gehört hat. Auf seiner Website liest man Dinge wie „Araber, Blacks, Dealer, Migranten, Gesocks, Dschihadisten — wenn auch du sie am liebsten alle hinmachen willst, wie wir es uns vorgenommen haben, komm zu uns.“ Oder kürzer: „Wir rekrutieren Araberjäger.“ Ein halbes Dutzend hat er so rekrutiert und angeführt — was umso überraschender ist, als er selbst über einen außergewöhnlichen Mangel an Charisma klagt. Ein Initiationsritus, den er seinen Rekruten auferlegen wollte, sollte darin bestehen, in den Straßen von Marseille einen zufällig ausgewählten Araber „hochgehen“ zu lassen. Die Sache war allerdings schnell erledigt, denn der Araber entwischte ihnen, ohne die Gefahr, in der er geschwebt hatte, auch nur geahnt zu haben.
Ihre unbestreitbare Gefährlichkeit zeigte sich nur im Stadium der Absicht und des Hasses im Netz. Dennoch wurden sie verhaftet und wegen „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ verurteilt. Die Staatsanwältin, die in ihrer Anklagerede die Gleichzeitigkeit des V13-Prozesses bemühte, hob dabei die Ähnlichkeit ihres Werdegangs mit dem der Dschihadisten hervor, die sie doch angeblich bekämpften — „zwei Seiten derselben Medaille“ –, und ihre zwar nur potenzielle, aber doch extreme Gefährlichkeit. Ihre Verteidiger dagegen prangerten diesen Vergleich und eine präventive Verurteilung als rechtswidrig an. Logan Nisin bekam neun Jahre.
Und zweitens, dass die Bedrohung durch Terrorismus sich derzeit verändert. Der nächste große Anschlag, denn es wird zwangsläufig einen geben, könnte durchaus nicht von Dschihadisten ausgehen, sondern von ihren Nacheiferern und Erzfeinden: weißen Rassisten.
Auch wenn es heißt, die Hoffnung enttäusche zuerst, auch wenn es heißt, die Hoffnung stürbe zuletzt, ist zu hoffen, daß diese Zwillinge nie wie einst zum gemeinsamen Marschieren, zum gemeinsamen Morden zueinander finden. Aber, das ist gewiß, das Hoffen wird nicht ausreichen, das Hoffen wird zu wenig sein, es wird mehr als bis jetzt getan wurde zu tun sein und es wird verstärkter und breiter als bis jetzt, dieser Zwillingsgesinnung das Fundament zu entziehen sein, diesen Zwillingen eine Welt zu zeigen sein, die ohne deren Gesinnung eine, auch für sie lebbare ist, diesen Zwillingen eine Wirklichkeit zu ermöglichen, in der sie ohne ihre Gesinnung leben, gut leben können.
Im zuletzt am 18. Mai 2023 aktualisierten Eintrag von „Wikipedia“, gelesen am 28. August 2023, steht nichts davon, daß die Islam-Division des Mohammed Amin al-Husseini auch „Sinti und Roma [ermordete]“. Die islamische Division des Mohammed al-Husseini, dem von „Himmler zum SS-Gruppenführer [ernannten]“. Das, daß die islamisch-nationalsozialistische Division auch Sinti und Roma ermordete, ist in „Report“ in „Das Tier, das man Mensch nennt“ von Hans Joachim Schädlich zu lesen.
Unter dem Kommando deutscher SS-Offiziere bildeten die muslimischen Rekruten einen Verband, aus dem die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Hanjar“ hervorging. Sie wurde Anfang März 1934 im bayrischen Mittenwald aufgestellt […]
Mittenwald. Ein Ort, von dem bereits erzählt wurde. Nicht aber, weil es um die Vergangenheit ging, sondern um die Gegenwart. Mit Mittenwald mitten in der Gegenwart, einer Gegenwart, die kein Gegen zur Vergangenheit, versucht zu sagen, es soll nicht von einer Gegenwart mehr gesprochen werden, ist sie doch kein Wart gegen die Vergangenheit, sondern eine Mittenwart, in der die Vergangenheit, wieder, auch wieder Blockwarte …
In der Mittenwart treten Menschen hin, die Warte der Vergangenheit sind, wie Andreas Kalbitz, von dem am 2. August 2023 zu lesen ist:
Der frühere Brandenburger AfD-Landes- und Fraktionschef Andreas Kalbitz zeigt sich mit Blick auf eine Rückkehr in die Partei optimistisch – trotz mehrerer juristischer Niederlagen um den Entzug seiner Mitgliedschaft. „Ich bin auch weiterhin zuversichtlich hinsichtlich der Frage einer Wiederaufnahme der Parteimitgliedschaft in der AfD, die ich unverdrossen anstrebe“, sagte Kalbitz auf Anfrage.
Es ist löblich, wenn am 2. August 2023 Hans Rauscher auf der ersten Seite des Tageszeitung des österreichischen Standards das schreibt, endlich das schreibt, was wohl weiter nicht breit geschrieben werden würde, hätte nicht die Europäische Kommission …
„Anlässlich des Gedenktags für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma hat die Europäische Kommission zum Minderheitenschutz aufgerufen. Sinti und Roma seien immer noch Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt.“
… dazu aufgerufen, und so kommt Hans Rauscher am 2. August 2023 dem nach, zu schreiben:
500.000 Sinti und Roma wurden von den Nazis umgebracht. Sie sind die zwei großen Gruppen neben den Juden, die vollständig ausgerottet werden sollten (das macht übrigens die Singularität des Holocaust aus: Er ist der einzige Massenmord, bei dem eine bestimmte Population, eben die Juden und die Roma, geplant, systematisch und vollständig vom Antlitz der Erde getilgt werden sollten). Es ist zwar bekannt, dass den Sinti und Roma ein furchtbares Schicksal bereitet wurde, aber sie standen bei der „Aufarbeitung“ immer ein wenig im Hintergrund. Roma-Feindschaft ist immer noch Teil unserer Gesellschaft. Der Briefbombenattentäter Franz Fuchs hat vier von ihnen mit einer Sprengfalle getötet, seine einzigen Todesopfer. Erlebt werden sie oft nur als Bettlerinnen und Bettler aus dem Osten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief alle Mitgliedsländer auf, „Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe“ der Roma zu ermöglichen. Dazu sollten eigene Budgets für die gesellschaftliche Einbindung bereitgestellt werden. Österreich gehört zu den Ländern, die diese Empfehlungen der EU-Kommission nur teilweise umgesetzt haben.
Und ein Wort scheut Hans Rauscher, obgleich er von „Sinti und Roma“ spricht, zu schreiben: „Porajmos“. Er schreibt zwar von der „Singularität des Holocausts“, aber nicht davon, daß der Holocaust „Shoah“ und „Porajmos“ … Was alles hätte im Portschyland bereits vor Jahrzehnten, und das ohne die Europäische Union, politisch und medial passieren müssen? Was politisch und medial in all den Jahrzehnten nicht breit passiert ist, kann leichter aufgezählt werden.
Was es auch bald geben wird, es soll im Frühjahr 2025 abgeschlossen sein, so die Ankündigung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands am 17. August 2023: ein „Handbuch zum Holocaust in Österreich“:
Das DÖW arbeitet in den kommenden zwei Jahren an einer Publikation, die einen Überblick über die Geschichte der Shoah in Österreich samt Zahlen und Fakten zu den österreichischen Opfern geben soll. Die Ergebnisse werden sowohl in Buchform veröffentlicht, als auch auf einer Website einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Kurzbiografien und persönliche Zeugnisse österreichischer Jüdinnen und Juden ergänzen statistische Analysen und Interpretationen.
Ach, was soll denn im Portschyland nicht noch alles für sie getan werden, reicht es nicht, wenn einer der angesehensten Journalisten das am Gedenktag 2023 schreibt, auf der ersten Seite einer Tageszeitung im „Einserkastl“? Damit sind sie doch ein wenig in den Vordergrund, diese Menschen, die als „Bettlerinnen und Bettler [erlebt werden]“ …
Jetzt hat das Kapitel, in dem von der nationalsozialistischen muslimischen Division erzählt werden wollte, einen Verlauf genommen, der nicht beabsichtigt war; wen aber mag das wundern, so mitten im Portschyland. Oder, sollte geschrieben werden: mitten im Portschywald?
Es wird das Kapitel mit der Gebirgsdivision noch einmal zu schreiben begonnen werden müssen …
Flores, the librarian, was surprised a couple of years ago as he saw boys as young as 11 buying books that Milei recommended on television. “It is the first time that I see children buy texts of [Nobel Prize-winning economist Friedrich] Hayek as if they were fanatic philosophy readers,” he said. “These are all dense books, extremely hard to read. I have rarely seen that level of enthusiasm.”
Milei gegen „parasitäre Politikerkaste“ – Das Abschneiden des 52-jährigen Milei, der sich als Anti-System-Kandidat präsentiert und mit einer „parasitären Politikerkaste“ in Argentinien aufräumen will, war mit Spannung erwartet worden. Denn „La Peluca“ – die Perücke, wie Milei wegen seiner unfrisierten Haare genannt wird – steht außerhalb des traditionellen Parteienspektrums des südamerikanischen Landes aus Peronisten und Konservativen. Er selbst bezeichnet sich als „Anarchokapitalisten“ und die Klimakrise als „sozialistische Lüge“. Der Anhänger der österreichischen Schule der Ökonomie will unter anderem die Zentralbank abschaffen und den US-Dollar als Währung einführen, öffentliche Ausgaben kürzen und das Bildungs- und Gesundheitssystem privatisieren. Zudem plädiert er für freie Liebe, gleichgeschlechtliche Ehe und unbegrenzte Einwanderung. Der Staat solle sich nicht in das Privatleben der Menschen einmischen. Bevor er Steuern erhöhe oder einführe, würde er sich „eher einen Arm abhacken“.
„Anarchokapitalismus“, einfach wie kurz gesagt, will die Auslöschung des Staates zum, aus dem Staat einen „Null-Staat“ machen, nur noch Privatrechtsordnung, kein öffentliches Recht mehr, die totale Zerstörung der Demokratie …
Peter Thiel verspricht sich bekanntlich auch viel von der Idee, autonome Ministaaten für Superreiche mitten im Meer zu errichten, eine Art Venedig 2.0 ausserhalb staatlicher Hoheitsgebiete. 2018 machte er Schlagzeilen, als er das anarchokapitalistische Seasteading Institute, das ein entsprechendes Projekt in der Südsee entwickelt, mit Startkapital versorgte. «Das Staatswesen ändert sich gerade auf einer sehr grundsätzlichen Ebene», erklärte Thiel damals, womit er mal eben eine der Grundthesen aus «The Sovereign Individual» nachbetete.
Diese österreichische Schule ist es also, die Weltruf besitzt — bei Figuren wie Pedromelenas, im Deutschsprachigen als Struwwelpeter bekannt, der, wird seine Gesinnung bedacht,
einfach wie kurz gesagt, Pedromelenas Milei nur ein potentieller Angeklagter, von dem das bleiben wird, was von all diesen Gesinnungsfiguren je bleibt —
Gudrun Harrer schreibt am 15. August 2023 in der Tageszeitung des österreichischen medialen Standards allerlei Lustigkeiten, „was eventuell in die Verfassung aufgenommen werden könnte“. Sie kann Albernheiten schreiben, „was in die Verfassung gehört“, sie, Gudrun Harrer, ist nicht die Bundeskanzlerin.
Als Bundeskanzlerin würde sie wohl nicht mit Albernheiten dafür werben, was „in die Verfassung aufgenommen werden“ soll, wie der zurzeitige —
Journalistinnen können mit Lustigkeiten, Journalisten können mit Albernheiten reagieren auf …
auch für Medien, statt mit Lustigkeiten und Albernheiten auf das zu reagieren, wofür der von der schwarzen Christfraktion in die Bundesregierung entsandte zurzeitige wirbt,
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.