Von der freiwilligen Vollstreckung

Kurz nannte Russland eine „Supermacht“. Russland habe eine große Bedeutung in Krisenherden wie Syrien und der Ostukraine, aber auch eine „starke Verantwortung“: „Wir hoffen und erwarten uns auch, dass Russland seinen Beitrag leistet, dass die Menschen dort endlich das erleben können, was sie sich so sehnlich wünschen, nämlich Frieden“, betonte Kurz. Er sprach von nötigen Lösungen am Verhandlungstisch und nicht durch kriegerische Auseinanderaussetzung.

Das sagte der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler, im Juni 2018. Als auch Staatsoberhaupt Vladimir Putin Blumen streute – zum Anlaß der Unabhängigkeit der Ökonomie von der Ökologie.

Das im Juni 2018 von der sogenannten Staatsspitze in Österreich Verbreitete ist einfach wie kurz zusammenzufassen: Willige Vollstreckung der putin’schen Propaganda. Die „große Bedeutung“ von dem putinisch geführten Rußland in der Ostukraine kann beispielsweise im Jahresbericht 2013/2014 der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland gelesen werden:

Ukraine / Russland Seit Ende November 2013 kommt die Ukraine nicht zur Ruhe. Die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch gegen das Assoziierungs-/Freihandelsabkommen mit der EU führte zu monatelangen Protesten in der Ukraine, insbesondere auf dem Kiewer Maidan-Platz. Nach der Ablösung Janukowitschs im Frühjahr 2014 folgte erst die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und seit dem Sommer gewalttätige Auseinandersetzungen im Osten des Landes. Durch Russland auch militärisch unterstützte Separatisten suchen die Abspaltung dieses Landesteils und den Anschluss an die Russische Föderation. Der Abschuss einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 298 Todesopfern über der Ostukraine am 17. Juli hat die Situation weiter verschärft. Die EU und die internationale Gemeinschaft begegnen Russland mit einer Politik aus Dialog und Sanktionen. In einer Vielzahl von Gesprächen und Telefonaten hat die Bundesregierung gemeinsam mit europäischen Partnern darauf hingewirkt, Staatspräsident Putin zu einer konstruktiven Haltung gegenüber der Ukraine zu bewegen. In der Folge gab es eine Reihe von Fortschritten, wie die Durchführung der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine im Mai, die Anerkennung des neu gewählten ukrainischen Präsidenten durch Moskau oder die Einrichtung von zwei Beobachtungsmissionen der OSZE. Dennoch hat die Destabilisierung der Ukraine durch Russland angehalten. Deshalb hat die EU in mehreren Stufen Sanktionen verhängt: Nach der Aussetzung des EU-Russland-Gipfels, der Verhängung von Einreise- und Kontensperrungen für einzelne Personen und Unternehmen, der Aussetzung von EU-Projektförderungen in Russland und Handelssanktionen gegenüber der Krim beschloss die EU am 31. Juli 2014 sektorale Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland und verstärkte sie am 12. September. Die Lage in der Ukraine bleibt Ende 2014 angespannt. Die am 5. September 2014 in Minsk von der Ukraine und den prorussischen Separatisten unter Vermittlung der OSZE vereinbarte Waffenruhe ist brüchig. Zusätzlich destabilisierend wirkte die positive Reaktion Russlands auf die illegalen „Parlaments- und Präsidentschaftswahlen“ in den ostukrainischen Regionen Lugansk und Donezk am 2. November 2014.

Mit Verständnis für das Völkerrechtswidrige zog Staatsoberhaupt zwei Jahre später, als es ihm noch nicht mehr als ein Traum war, sich einst Staatsoberhaupt zu rufen, in den Wahlkampf und weitere zwei Jahre später, als ihm der Traum erfüllt, sich Staatsoberhaupt zu rufen, verkündet Staatsoberhaupt, es gibt keine Vertrauenskrise mit dem von Putin geführten Rußland.

Der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler, und das nur nebenher noch zur Erinnerung gesagt, streicht auch hervor die „große Bedeutung“ des Führers Rußlands in Syrien – als wäre es der Staatsspitze in Österreich eine von der Dreifaltigkeit auferlegte Pflicht der „Führer“ willige …

„Krisenherde“, ach, die stehen einfach wie Herde in Wohnungen, von denen je nicht gesagt werden kann, wie diese in die Wohnungen kamen, wer die Ofenbauenden waren, wie Nachmietende von Wohnungen auf dem Einzugsfest nur sagen können, der Herd sei schon in der Wohnung gewesen, wer aber diesen gebaut, wer aber diesen zum ersten Mal eingeheizt, kann nicht gesagt werden, bloß, es ist ein Herd der Marke Krise, die bekannt für ihr zuverlässiges Brennen …

Die „Führer“, und das scheint das große Lernen aus der Geschichte zu sein, werden nicht mehr „Führer“ genannnt, sondern, wie von dem Zweimaligen, „Player“, die „einzubinden“ sind, nachgerade so, als wären die „Player“ nicht die, die das Feuer entfachen, sondern …

Und was den Zweimaligen mit Staatsoberhaupt, der auch davon träumt, ein Zweimaliger zu werden, auch eint, ist ihr Wunsch nach „Frieden“ für die Menschen. Für Staatsoberhaupt, dem, wie es scheint, sein Traum in Erfüllung gehen wird, ebenfalls ein Zweimaliger zu werden, kann dem Volk, wie Staatsoberhaupt die Menschen nennt, den „Frieden“ nur bringen ein „Player“ —

Welches zweite Land auf dieser Welt könnte noch so selig stolz wie Österreich auf seine über alle Parteigrenzen hinweg gelebte Willigkeit verweisen, der „Player“ Vollstreckungsinstrumente … Auch in diesem Juni 2018 bewies die dritte Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei ein weiteres Mal, williges Instrument für den Player zu sein, mit dem er spielen kann, was ihm in seinen Ohren die süßeste Melodei …

Putin war auch mit Vizekanzler Christian Strache (FPÖ) zu einem Gespräch zusammengekommen. Strache postete im Anschluss Fotos des „persönlichen Gedankenaustauschs im Österreichischen Bundeskanzleramt“ auf Facebook. Im Vorfeld des Treffens hatte er sich für eine Aufhebung der „leidigen“ Sanktionen ausgesprochen. Seine Partei hat seit 2016 einen Freundschaftsvertrag mit der Kreml-Partei Einiges Russland.

Willig sind in Österreich nicht nur die Männer der Parteien als Vollstrecker des Players Propaganda, sondern auch die Frauen der Parteien, soweit gediehen ist in Österreich die Gleichberechtigung,

Am Abend legte Putin am Schwarzenbergplatz einen Kranz nieder, um an die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung von Wien im April 1945 zu erinnern. Begleitet wurde Putin von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) sowie der Staatssekretärin im Innenministerium, Karoline Edtstadler (ÖVP). Nach kurzem Innenhalten brach Putin zum nächsten Termin Richtung Wirtschaftskammer auf.

Wenn wer aus der Geschichte etwas gelernt hat, genauer, wer es aus dem Gedenken gelernt hat, dann sind es die „Player„, die wissen, es muß mit der Propaganda frühzeitig begonnen, es muß die Propaganda ständig betrieben werden, es muß die Proganda bei jeder sich bietenden Gelegenheit eingesetzt werden, damit sie ihre volle Entfaltung erreicht, wenn sie gebraucht wird, so wie jetzt in der Ukraine, wenn es gilt zu verbreiten, es gehe um die „Befreiung vom Nationalsozialismus“.

Und so standen im Juni 2018 dem Player willig zur Seite zwei Parteifrauen, die eine, die mit ihm in Sulz tanzte, die andere, die auch keine Gelegenheit ausläßt, sich als eine zu präsentieren, die aus der Geschichte das gelernt hat, was für die Gegenwart zu lernen Gebot, für seine Inszenierung als „Befreier vom Nationalsozialismus“

Staatsoberhaupt, von dem gewußt wird, daß er ein Freund der Lyrik, könnte dem Lande Österreich eine neue Hymne schreiben, gibt es doch nicht wenige, die nicht so recht zufrieden sind mit der jetzigen – einen ersten Vers für seine hat er schon gedichtet, einen tief aus der Tradition des Landes empfundenen — oh, was für eine wunderbare Hymne könnte diese werden, steuerte die Melodey auch noch bei der Mann der poetischen Töne …

Mag schon sein, aber was bringt das jetzt?

Blumen für Putin zur Unabhängigkeit der Ökonomie von der Ökologie

Martin Thür: Aber Sie wollen die großen Leitlinien im Blick haben. Verstehen Sie die da Enttäuschungen einiger, daß ausgerechnet ein grüner Bundespräsident nicht vor diesen katastrophalen Auswirkungen gewarnt hat, vor der großen Abhängigkeit Österreichs vor russischer Energie, die dazu führt, daß Putin diesen Angriffskrieg führen konnte.

Der Wiederkandidat: Ich bitte Sie. Seit 40 Jahren beschäftige ich mich mit den Folgen der Klimakrise, seit 25 Jahren ungefähr bin ich in der Politik und habe unermüdlich dafür gearbeitet, daß wir diese Klimakrise ernstnehmen […] Also mir vorzuhalten, daß ich die Energiekrise nicht ernstgenommen hätte […]

Am 5. Juni 2018 muß Staatsoberhaupt befunden haben, vierzig Jahre mit den Folgen der Klimakrise sich zu beschäftigen, fünfundzwanzig Jahre dafür unermüdlich zu arbeiten, sind mehr als genug.

„Genug ist genug“, wie es der Mann ausdrückte, so einfach und kurz ausdrückte, für den Staatsoberhaupt „Bundespräsident“ war, der mit der umfassendsten Expertise, die sich denken läßt, eben wußte: „Wir hatten die Klimakrise“ … Vielleicht hatte er Staatsoberhaupt darüber schon lange davor in Kenntnis gesetzt, ehe er es öffentlich kundtat, hinter der Tapetentür, wo das Refugium der Vertraulichkeit

Van der Bellen sagte auf eine Journalistenfrage, ob es Druck von Seiten des Westens gäbe: „In letzter Zeit gibt es Vorhalte mancher US-Politiker, dass die Abhängigkeit der EU in dieser Beziehung von Russland zu groß ist. Es wird dabei übersehen, dass der Preis für amerikanisches Flüssiggas zwei- oder dreimal höher ist.“ Aus ökonomischer Sicht mache ein Wechsel des Gaslieferanten „wenig Sinn“.

Nach dem die Klimakrise gemeistert, in diesem Land, in dem gar so recht vieles gemeistert, macht ein Sichtwechsel von der Ökologie zur Ökonomie menschgemäß Sinn, ist die unabhängige Hinwendung zu Lieferländern, von denen nicht zu erwarten ist, daß sie Kriege führten, so nah, wie Bregenz Wien nah, von denen nicht zu erwarten ist, zu überraschen, daß sie „unsere Werte“ je bedrohten, so daß Staatsoberhaupt zum Handeln gezwungen, Panzer der Type Edelweiß in das Wien nahe Bregenz zur …

Staatsoberhaupt hat seine Pflicht getan.

Martin Thür: Kommen wir zum weiteren großen Thema dieser Tage, dem Ukraine-Krieg. Sie warnen heute auch davor, daß – Zitat – Putin-Freunde versuchen würden nach der Macht zu greifen, aber wie paßt das denn zusammen, daß Sie selbst immer wieder in der Vergangenheit auch Verständnis für Wladimir Putin aufgebraucht haben, so wie auch die Bundesregierungen zu dieser Zeit. Können Sie da glaubwürdig vor Putin-Freunden warnen?

Der Wiederkandididat: Ich bin ja kein Putin-Freund nur deswegen, weil ich meine Pflicht als Staatsoberhaupt und Bundespräsident wahrnehme und selbstverständlich auch zum Präsidenten der Russischen Förderation Kontakte hatte.

Martin Thür: Aber Sie haben ja auch zum Beispiel gesagt, es gäbe keine Vertrauenskrise mit Rußland, Sie haben 2016 im Wahlkampf Verständnis für die Annexion der Krim geäußert. Also Sie haben schon Dinge gesagt, die Sie nicht unbedingt hätten sagen müssen.

Der Wiederkandididat: Hätte ich nicht unbedingt sagen müssen. Und ich habe auch schon zugegeben, auch ich, auch ich, bin von den Ereignissen seit dem 24. Februar dieses Jahres überrascht worden. Das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Auch their best man, once more, their best man, wurde überrascht von den Ereignissen, die acht Jahre zuvor schon hätten passieren können – hätte dann zwei Jahre später der Kandidat im Wahlkampf Verständnis für die Auslöschung der Ukraine gezeigt? Sechs Jahre nach diesem österreichischen Wahlkampf um das Amt der Bundespräsidentin gibt es nur eine Person, nicht auch noch eine Person, sondern nur eine Person, die überrascht sein kann, nämlich Putin, nur Putin darüber überrascht sein kann, nicht in zwei Wochen Kiew einnehmen zu können

Was ist das nur für eine Seltsamkeit mit der Pflicht in diesem Land Österreich, daß zuletzt alle, gleich welcher Weltanschauung sie anhängen, bloß ihre Pflicht gegenüber diktatorischen Regimen …

„Staatsoberhaupt“ scheint ein Spitzname zu sein, der dem Wiederkandidaten selbst allzu gut zu gefallen scheint, wenn er sich selbst so nennt. In der auch in diesem Interview von ihm wieder einmal ob ihrer Schönheit, ihrer Eleganz, ob der Klugheit der sie Schaffenden gelobten österreichischen Verfassung wird so schlicht wie kurz der „Bundespräsident“ „Bundespräsident“ genannt, ein „Staatsoberhaupt“ kommt in ihr nicht vor, dafür – wenn das Alter der Verfassung bedacht wird, ist es keine Überraschung – ein anderes Wort, das auch Staatsoberhaupt bei jeder ihm gebietenden Gelegenheit gar so eindringlich beschwört, gegen das zu sein, was dieses Wort gebiert, was mit diesem Wort bis heute weiter angerichtet wird … Der Wiederkandidat, der derzeit den Beruf des Bundespräsidenten ausübt, ruft sich selbst beim Spitznamen Staatsoberhaupt, oder der derzeit den Beruf des Bundespräsidentenden Nachgehende meint einer Doppelbelastung durch zwei Berufe ausgesetzt zu sein, die des Staatsoberhauptes und die des Bundespräsidenten, wobei es nach der Verfassung nur den Beruf des Bundespräsidenten … wenn das Alter der Verfassung bedacht wird, überrascht es nicht, daß in dieser der Bundespräsident nur ein Mann ist, daß in dieser nicht festgelegt ist, daß auch eine Frau dieses Amt innehaben kann. Und für Staatsoberhaupt als Fan der Verfassung, die vierundzwanzig Jahre vor seiner Geburt eingesetzt wurde, ist eines klar beantwortet: „Es braucht ihn“. Also den Mann als Bundespräsidenten.

Das ist auch so eine Seltsamkeit in diesem Land Österreich. Es wird schon brav und ordentlich gegendert, wie es modern heißt – öffentlich; es will ganz und gar nicht gehört werden, was dazu gedacht wird … Aber es wird gemacht, das Gendern. Nur, wenn es um das Amt des „Staatsoberhauptes“ geht, sprechen doch alle nur vom „Bundespräsidenten“, vom Mann, der einzig dieses Amt … Auch in diesem Interview beispielhaft Bundespräsident und Interviewer. Sonst ist auch der derzeitige Bundespräsident, auch er, ein geübter, braver und fleißiger Genderer. Wie es „ihn“, meint Staatsoberhaupt am Strand mit dem Horizont vor ihm, braucht, braucht es die Frauen, so ist es nach der nun hundertundzwei Jahre alten Verfassung in Österreich abgesegneten Verteilung, bloß, um zu wählen

PS Es hätte das Kapitel einen anderen Verlauf nehmen sollen, aber es hat sich selbständig gemacht, es hat wohl befunden, es ist wichtiger, darüber zu schreiben, wie die Rollen der Geschlechter in diesem Land seit Gottes Griff in die Mannesbrust … Und das Kapitel will auch nicht, daß es mit dem, was in diesem Kapitel eigentlich geschrieben werden wollte, fortgsetzt wird. Das kann auch, so essentiell es ist , in einem weiteren Kapitel —

Arbeitsprofit

Martin Thür: Eine ganz essentielle Aufgabe des Bundespräsidenten ist die Angelobung. Hundertsechsundfünfzigmal mußten Sie bereits Personen angeloben, in unterschiedlichsten Funktionen. Ein recht ordentlicher Wert. Die hundertsiebenundfünfzigste wird vermutlich Martin Kocher werden. Er soll mit dem neuen Ministeriumsgesetz Arbeits- und Wirtschaftsminister werden. Ist das vernünftig, diese Ministerien zusammenzulegen?

Der Wiederkandidat: Es ist nicht das erste Mal, daß das passiert.

Martin Thür: Sie haben das damals schon kritisiert. Ich habe mir das herausgesucht. Haben Sie gesagt: „Wer bei dieser Politik draufzahlt, liegt auf der Hand“. Und haben das sogar eine „feindliche Übernahme“ genannt, als damals Schwarzblau das Arbeits- und Wirtschaftsministerium zusammengelegt hat.

Der Wiederkandididat: Aber wir haben’s jetzt mit Martin Kocher zu tun. Martin Kocher war vorher Arbeitsminister, nicht Wirtschaftsminister. Martin Kocher, finde ich, weiß sehr genau, was er macht. Er kennt die Mechanismen am Arbeitsmarkt sehr gut. Wenn er jetzt die Wirtschaftsagenden dazubekommt, finde ich persönlich keine Bedenken, was da alles passieren kann.

Their best man on the sea schaut auf den Horizont hinaus, konzentriert auf das Mittelfristige, überlegt das Langfristige. Das Kurzfristige vor ihm auf dem Boden ist nur vom Horizont aus zu sehen, wenn von dem aus auf das Angestrandete —

Wer kommt kurzfristig in diesem kurzsichtigen Land nach der hundertsiebenundfünfzigsten als hundertachtundsiebenfünfzigste Person in das Amt des Arbeitswirtschaftsministeriums? Die Weitsichtigkeit des am Strand am Steuerrad stehenden Kandidaten eine nicht hoch genug einzuschätzende Eigenschaft der Elastizität, die er sich selbst wohl hoch anrechnen wird, erlaubt diese ihm doch, in Situationen, die das opportun erfordern, am Steuerrad herumzureißen, den einst eigenen Kurs … es kann doch nie und nimmer eine „feindliche Übernahme“ mehr sein, wenn das Wirtschaftsministerium von der Person übernommen wird, die vorher nicht Wirtschaftsministerin war, sondern Arbeitsminister —

Es muß tatsächlich keine Bedenken geben, daß kurzfristig eine Person Martin Kocher als Wirtschaftsarbeitsministerin ablösen könnte, die für eine Politik steht, bei der es auf der Hand liegt, wer draufzahlt

Martin Kocher könnte durchaus bis zum Ende dieser Bundesregierung in diesem Amt der Wirtschaftsarbeit bleiben – das nicht ein mittelfristig, nicht ein langfristig, sondern ein kurzfristig eintretendes …

Their best man führt gegenüber dem Interviewenden aus, er, Martin Kocher, sei vorher Arbeitsminister gewesen. Aber war er vorher Arbeitsminister? Freilich, dem Titel nach war es Martin Kocher, aber war er vorher schon ein Wirklicher Arbeitsminister oder nur einer, dem in diesem hofrätlich mit Titeln reichlich gesegnetem Land der Ehrentitel Arbeitsminister verliehen wurde? Martin Kocher kenne, sagt their best man, die Mechanismen am Arbeitsmarkt sehr gut, er wisse sehr genau, was er macht, und, das kann hinzugefügt werden, er, Kocher, weiß ebenso sehr genau, was er mag: Profit.

Es ist in so harten Zeiten mehr als opportun, eine Bundesregierung mit geballter „Wirtschaftsbildung“, um ein Wort eines Mannes aus Steyr zu verwenden, zu haben, nicht nur der Arbeitsminister weiß sehr genau um die Opportunitätskosten, auch der kurz gewesene Innenminister und für kurzfristig eingesprungene Bundeskanzler etwa wäre selbst ein ausgewiesen befähigter Wirtschaftsarbeitsminister, der sehr genau den Profit aus Arbeit zu berechnen weiß.

Ball the bubble

Martin Thür: Sie haben mit Herbert Kickl auch erstmals einen Minister dem Amt enthoben. Sie haben später gesagt, Zitat: er sei eine Belastung gewesen. Aber warum eigentlich, gegen ihn wurden ja keinerlei Vorwürfe im Rahmen von Ibiza erhoben.

Their best man: Darf ich Sie daran erinnern, daß ich Herbert Kickl nicht einfach entlassen habe. Das darf ich nämlich gar nicht, das könnte ich gar nicht.

Martin Thür: Auf Vorschlag des Bundeskanzlers.

Their best man: Auf Vorschlag des Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Und diesem Vorschlag bin ich nachgekommen.

Martin Thür: Aber Sie empfanden ihn eine Belastung, also zu dieser Entlassung stehen Sie nach wie vor?

Their best man: Nach wie vor.

Martin Thür: Öffentlich haben Sie Sebastian Kurz nach den Hausdurchsuchungen vom 6. Oktober des letzten Jahres ja nie zum Rücktritt aufgefordert. Haben Sie damals eigentlich hinter den Kulissen gemacht?

Their best man: Was hinter den Kulissen, das heißt, im diskreten Rahmen hinter der Tapetentür –

Martin Thür: Im persönlichen Gespräch.

Their best man: Persönlichen Gespräch besprochen wird, bleibt, ist vertraulich und bleibt vertraulich.

Martin Thür: Aber hätte Sebastian Kurz nach dem 6. Oktober Ihr Vertrauen gehabt?

Their best man: Nach dem 6. Oktober letzten Jahres?

Martin Thür: Nach den Hausdurchsuchungen, nach den ganzen Vorwürfen.

Their best man: Er hat die Konsequenzen gezogen und das ist seine persönliche Entscheidung. Ich habe dann gedacht, wenn Sebastian Kurz ins Parlament geht, als Abgeordneter, als Klubobmann, das wird nicht lange dauern, weil das Parlament ist nicht seine Bühne, das war offenkundig.

Sebastian Kurz, zweimal für kurz gewesener Bundeskanzler, schlägt dem Kandidaten als Bundespräsidenten, das ist auch die Aufgabe einer Bundeskanzlerin, Herbert Kickl als Minister vor, und der Bundespräsident als Wiederkandidat hievt Herbert Kickl in das Amt einer Ministerin. Sebastian Kurz, zweimal für kurz gewesener Bundeskanzler, schlägt dem Kandidaten als Bundespräsidenten vor, Herbert Kickl als Minister zu entlassen, und der Bundespräsident als Wiederkandidat enthebt Herbert Kickl seines Amtes als Minister — ein Ball in diesem nicht videogefilmten Spiel des Sebastian Kurz, des zweimal für kurz gewesenen Bundeskanzlers, das findige Programmierende vielleicht genannt hätten: Ball the bubble.

Der Spielverlauf hätte aber auch dieser sein können, wenn Sebastian Kurz, der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler, sein Spiel gewonnen hätte. Dann hätte Sebastian Kurz als Bundeskanzler Herbert Kickl noch einmal dem Bundespräsidenten für das Amt eines Ministers vorgeschlagen, jedoch für ein anderes Ressort, und der Bundespräsident hätte Herbert Kickl wieder in das Amt einer Ministerin gehievt, wie segensreich das gewesen wäre, das hätten alle Menschen in Österreich kurz darauf erfahren, Österreich coronaerstrahlt —

Und der Wiederkandidat hätte an diesem letzten Montag, 23. Mai 2022, gesagt, wenn er dann je zur Angelobung gefragt worden wäre, er stünde nach wie vor zur Angelobung von Herbert Kickl als Sozialminister

Das Spiel ging anders aus. Das lag nicht am Wiederkandidaten. Der Spieler konnte darauf Vertrauen, bis zuletzt, auch noch bis nach dem 6. Oktober, daß dieser auf der vorgeschlagenen Bahn … Nur, der Spieler brachte nicht mehr alle seine aufgeschlagenen Bälle … Es gab also keinen weiteren Vorschlag, Herbert Kickl erneut in ein Amt eines Ministers zu heben, aber sein Trost für spätere Zeiten wird sein, einst zu seiner Ehr‘ stolz erzählen zu können, der Herr Bundespräsident habe ihm gedankt …

Gespielt aber muß werden, und es wird weiter gespielt, und jetzt will der Kandidat selbst spielen, nicht mit Bällen, sondern mit Karten

Die erste Karte spielte er kurz vor den letzten Weihnachten aus und gleich den Joker als große Ansage in großer Zuversicht, wieder damit …