Am 19. Februar ’20 werden in Hanau Menschen ermordet und Menschen verletzt, am 20. Februar ’20 wird in der Staatsoper in Wien, in der der Opernball gegeben wird, andächtig der „Zigeunerprinzessin“gelauscht, am 29. Februar ’20 wird in Wien die durch den Regisseur und durch den Dirigenten windungsreich zur Oper hinaufgehobene Operette „Der Zigeunerbaron“ von der Volksoper mit einer Premiere gewürdigt, am 2. März ’20 muß Bert Brecht für den Strauß-Schnitzer-Baron in der Kritik von Peter Jarolin als Vergleich herhalten …
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Das Schreckgespenst ist nackt.
Wäre Sebastian Kurz nicht zur Zeit Bundeskanzler in Österreich, müßte nach dem, was Erhard Busek in einer Minute und zehn Sekunden über Seb. Kurz umfassend klipp und klar sagt, nichts mehr geschrieben werden.
Nachdem Seb. Kurz aber zur Zeit Bundeskanzler ist, kann nicht darüber hinweggegangen werden, was er verbreitet, wie auch an diesem Sonntag wieder. Am 8. März ’20 in der Pressestunde.
Wie er sich verhält, wie er mit Zahlen umgeht, das ist ein Verhalten, das in Österreich seit Jahrzehnten nur vom Personal der identitären Parlamentspartei und der für kurz gewesenen identitären Regierungspartei gekannt wird.
Allein sein Verhalten, allein schon seine Reaktion auf die Frage von Karin Leitner, ob es denn für einen Regierungschef gescheit sei, so zu übertreiben, es würden Millionen kommen, liefert ein Bild des Abgrunds. Anzusehen sein körperliches Schütteln und anzuhören sein Lachen dabei nach zehn Minuten und vierundvierzig Sekunden der Pressestunde. Kein unbekanntes Verhalten, ein abgeschautes Verhalten gegen Medienmenschen von seinem …
Wie Seb. K. mit Zahlen umgeht.
„Bei insgesamt 100 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, glauben Sie nicht, daß mehrere Millionen, wenn die Grenzen offen sind, Lust haben nach Europa zu kommen. Das ist keine Übertreibung. Das ist Realität.“
Es sind viele, aber nicht einhundert Millionen Menschen Es sind, nach den Zahlen einer seriösen Organisation, rund 70,8 Millionen Menschen, wie vor wenigen Monaten bekanntgegeben. Die rund dreißig Millionen Menschen, die seit dem letzten Juni hinzugekommen sein sollen, nun, die dürften bei Seb. K. exklusiv vorübergezogen und von ihm gezählt worden. Das muß ihm ein weiterer Zählnachmittag voller Lust am Strand von Klagenfurt gewesen sein …
Mit einem genaueren Blick auf die Zahl 70,8 Millionen sind auch noch viele Unterscheidungen (in „41,3 Millionen Binnenvertriebene, 25,9 Millionen Flüchtlinge, 3,5 Millionen Asylsuchende“) zu erkennen, die das Schreckgespenst des blauen Bundeskanzlers noch einmal als das zeigt, was es ist. Das Schreckgespenst hat nicht einmal ein weißes Leintuch an. Des blauen Bundeskanzlers Schreckgespenst ist nackt.
„Das ist ein bißchen unredlich, wie da agiert wird. Oder manche kennen schlicht und ergreifend die Zahlen nicht. Wir haben als Republik Österreich in den letzten fünf Jahren rund 200.000 Menschen aufgenommen. Wir haben damit mehr geleistet als fast alle anderen Länder dieser Welt, als fast alle anderen Länder in der Europäischen Union. Und wenn man 200.000 Menschen aufgenommen hat und wenn jedes Jahr ungefähr tau…, zehn bis fünfzehn Tausend dazukommen, dann verstehe ich die Debatte nicht.“

Und auch das ist uraltbekannt von der identitären Parlamentspartei und von der für kurz gewesenen identitären Regierungspartei, die Anwürfe gegen den ORF, übernommen von Seb. K., wenn er diesmal Hans Bürger vorhält, der ORF würde gewisse Bilder nicht zeigen.
„Ich glaube, es braucht überhaupt keine martialische Sprache und das Schüren irgendwelcher Bilder, die nicht angebracht sind.“
Und dann beschreibt Seb. K. gerne ausführlich die Bilder, die der ORF „nicht so gerne zeigt“ …
Und selbst Seb. K. hat das beherzigt, hört auf sich selbst, „keine martialische Sprache“, sondern Kriegssprache, wenn er etwa von „Grenzsturm“, von „die Grenze fällt“ in dieser Pressestunde am 8. März 2020 …
Erhard Busek fragt sich, um an den Anfang des Kapitels zurückzukehren, mit wem sitze Seb. K. zusammen, wie schaue das in Wirklichkeit aus. Nun, seit dieser Pressestunde hat Erhard Busek seine Antwort: „Ein Priester“ … Der türkis angestrichene blaue Bundeskanzler empfängt von einem Priester … welcher Priester das wohl ist? Wer macht dem zurzeitigen Bundeskanzler den Johannes Hollnsteiner, den Beicht- und Ratvater?
„Die Fassade der Türkisen bröckelt“ seit langem schon, das bemerkte sogar ein Hafenecker, nun ist sie ganz zerbröckelt und gibt den Blick auf eine blaue Fassade frei, zur Hälfte auch gestrichen bereits mit der schwarzen Farbe des politischen Katholizismus, mit Ratvater und Kreuz-Tage-Ministrantinnen …
Die grüne Partei – das Farbenspiel ist erlaubt – muß jetzt nach so kurzen Wochen schon ganz grün …
Erhard Busek verrät über Sebastian Kurz kein Geheimnis: „Daß er goar nix waß!“
Es gibt von Erhard Busek Aussagen zu Sebastian Kurz. Die knappe wie kurze Beschreibung von Sebastian Kurz ist als Video auf einer Plattform abrufbar. Es ist kein altes Video, hochgeladen am 20. Februar 2020.
Erhard Busek, ÖVP: „Alles, was Sie dem Kurz nachsagen, da kann ich Ihnen ganz offen sagen, da verrate ich, nein, kein Geheimnis. Ich habe mich einige Male ganz klar mit Sebastian Kurz […] auseinandergesetzt, auf seine Inhalte. Und da komme ich auf das Jugendthema […] Da bin draufgekommen, ich habe das mehrere Male gemacht. Daß er von bestimmten Dingen gar nichts weiß. Ich habe mehrere Male den Sebastian Kurz […] gefragt, sozusagen: Was ist der Inhalt? Wofür steht er? Da hat er viermal mir nicht geantwortet. Und zweimal hat er mir geantwortet: „Ich weiß, daß ich da ein Problem habe.“ […] Man kann sich darüber erheitern. Ich habe mich nicht erheitert. Ich habe mich gefragt, wie schaut das in Wirklichkeit aus. Möglicherweise, und da bin ich sehr nachdenklich, daß aufgrund seiner Jugend, das Bildungssystem, das wir hatten, eigentlich ihm keine Inhalte vermittelt hat. Er ist in die Schule gegangen. Also dort hat er absolviert, an der Universität nicht. Aber Schule hat er erledigt.“
Das Video dauert eine Minute und zehn Sekunden. In einer Minute und zehn Sekunden ist alles, was zu Sebastian Kurz zu sagen ist, gesagt, von Erhard Busek einfach wie kurz zusammengefaßt.
Nur in einem ist Erhard Busek zu widersprechen. Nämlich darin, daß das Bildungssystem Sebastian Kurz keine Inhalte vermitteln konnte. Das Bildungssystem ist keine Einbahnstraße. Das Bildungssystem vermittelt Inhalte. Aber die Inhalte müssen auch angenommen werden. Von den Schülerinnen. Sebastian Kurz gehört zu den Schülern, die nichts annehmen. Mag die Bemühung der Schulen, Inhalte zu vermitteln, noch so groß sein. Heiter daran ist, daß ein Sebastian Kurz doch auch zu jenen gehört, die stets trommeln, Integration sei keine Einbahnstraße. Die Menschen hätten auch aktiv an ihrer Integration mitzuwirken. Ihm selbst hingegen war das Bildungssystem eine Einbahnstraße, auf der ihm alles entgegengebracht wurde, in seine Hände gelegt wurde, ihm aber fiel alles aus den Händen, nichts, das er behalten konnte …
Müßig ist es, darüber zu spekulieren, weshalb Sebastian Kurz die vermittelten Inhalte nicht aufnehmen konnte. Vielleicht hätte er als Schüler gerne die vermittelten Inhalte aufgenommen. Aber er war wohl damit bereits voll ausgelastet, überfordert, die sogenannten grundlegenden Kulturtechniken zu erlernen, also das Schreiben, das Lesen und das Rechnen, daß für Inhalte in seinem Kopf einfach kein Platz mehr geblieben ist. Obgleich skeptisch gefragt werden könnte, ist ihm wenigstens das gelungen, das Rechnen, das Lesen und das Schreiben einigermaßen zu …
Wenn an seine geographischen Kenntnisse, wenn an seine Kenntnisse der Zahlen gedacht wird, können Zweifel aufkommen …
Das Bildungssystem vermittelt nicht nur Inhalte. Es vermittelt auch, wie es so schön heißt, sogenanntes bildungsbürgerliches Wissen. Dabei ist es bei Sebastian Kurz vollkommen gescheitert, das aber ein Scheitern des Schülers Kurz ist, und nicht des Bildungssystems. Wenn Schülerinnen nicht dazu bereit sind, aktiv mitzumachen, ist jedwedes Bildungssystem zum Scheitern verurteilt.
Es ist erheiternd, daß Österreich zur Zeit mit Sebastian Kurz einen Bundeskanzler hat, der fern jedes bildungsbürgerinnenliches Wissen ist. Heiter ist, daß Sebastian Kurz der Obmann einer Partei ist, die doch stets für sich in Anspruch nahm, die bildungsbürgerliche Partei zu sein. Wer erinnert sich nicht, an den musischen Schüssel, oder an Andreas Khol mit seinen lateinischen Einwürfen … Und nun? Es gibt noch den dirigierenden Präsidenten …
Ob sich wer erinnern kann, daß Sebastian Kurz je etwas Bildungsbürgerliches von sich gegeben hat, etwa durch einen Verweis auf Goethe, Hölderlin, Schiller …
Wie bildungsbürgerinnenlich im Gegensatz zu Sebastian Kurz erscheinen doch jene aus der für kurz gewesenen Regierungspartei, etwa ein Heinz-Christian Strache, der schon mal Goethe zitiert, etwa ein Herbert Kickl mit seinem Lieblingsdichter Hölderlin, etwa ein Harald Stefan mit seinem Schiller, etwa Hofer, Gudenus und Strache gemeinsam mit ihrem Silone, und erst die Mölzers mit Wagner, Verbelen und so weiter und so fort …
Es wurde und es wird weiter viel davon gesprochen und geschrieben, kurz gesagt, das Abendland schaffe sich selbst ab, wenn Menschen nicht aufgehalten werden würden, in das Abendland zu kommen. Dabei kann erlebt werden, wie eine Partei sich als bildungsbürgerliche Partei aufgibt, indem sie einen Mann zu ihrem Führer gemacht hat und weiterhin anhimmelt, der nicht von fern nach Österreich gekommen ist, sondern fern jedweder …
Erheiternd ist es auch, daß es zu einem medialen Staunen kommt, wenn aus der für kurz gewesenen Regierungspartei etwas Bildungsbürgerliches kommt, dabei sollte es ein mediales Staunen darüber geben, daß von einem Führer oder, wie ihn sein Geisteszwilling wohl nennt, Leader einer bildungsbürgerlichen Partei nichts Bildungsbürgerinnenliches …
Lehrerinnen empfehlen ihren Schülern immer mal wieder etwas Gutes, vielleicht hat ein Lehrer einem Schüler wie Kurz sogar einmal den Tipp gegeben, er solle, wenn er in das Strandbad geht, ein Buch mitnehmen. Auch wenn er sich oft im Strandbad aufhält, ein Buch, nicht einmal einen Karl May, wird er nicht …
Sie werden sofort den Namen des Philosophen nennen können, von dem im vorherigen Kapitel, in dem von der Vertreibung aus dem Tempel erzählt wird, ein Zitat gebracht wird, Sie wissen den Philosophen bestimmt in der Sekunde, aber …
„Ich, der ich nicht weiß, daß ich nichts weiß.“

Wachs am Worte sein

„Der Besuch im @HolocaustMuseum in #Washington war sehr bewegend. Die nationale #Gedenkstätte für die Opfer des #Holocaust erinnert eindrucksvoll an die dunkelsten Stunden in unserer #Geschichte und mahnt uns, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“
Karoline Edtstadler also „mahnt uns, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“ … Aus ihren „Worten“ aber, ach, was soll aus diesen werden?
Es kann auch sein, daß sie zwar „uns mahnt“, aber nicht „wachsam zu sein“ – wie schnell kann auf einen Leerraum vergessen werden, oder, wie schnell kann es zu Rechtschreibfehlern kommen, gerade in einen Medium der Eile und Kürze –, sondern „Wachs“ am … Das mag einen rätselhaften Satz ergeben: „Wachs am zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“ Doch genau besehen, ist nicht ihr Leibbuch voller rätselhafter Sätze, die zu deuten, die erst zu übersetzen sind?
Vielleicht ist es nur eine blumige Umschreibung ihrer Essenz: Mahnt uns, Wachs zu sein.
Vielleicht auch eine Mahnung, wenn der Aufforderung nicht nachgekommen wird: Wachs am Worte werden Taten!
Vielleicht auch ein verborgenes Eingeständnis: Wachs am Worte sein …

Kurz, eine Gegenüberstellung

Es genügt vollauf, kommentarlos eine Gegenüberstellung vorzulegen. Auf der einen Seite die Zahlen einer seriösen Organisation, und daneben …
Tausend-Schilling-Sperre
Es wird jetzt DAÖ mit ihrem He.-Chr. Strache bedauerlich finden, daß es nicht mehr den „Schilling“ gibt.
Was wäre das erst für ein griffiger Slogan:
Bis ins Mark des „Despoten“ träfe eine solche „Steuer“, die es schon einmal gab. Damals allerdings gegen den „Despoten“ in Österreich, also gegen einen Vorgänger des zurzeitigen Parteiobmannes …
Das ist ja klar, werden Sie sagen, gleich muß wieder mit dem Nationalsozialismus gekommen werden.
Nein.
Das wird es nicht.
Bloß mit der „Kontinuität“, wie von der FPÖ selbst verkündet, etwa in ihrer „Festschrift“ von 2016 …
„Diese Aussagen Anton Reinthallers könnten zweifellos auch in einer zeitgenössischen Rede von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aufscheinen. Dies beweist, wie groß die ideelle Kontinuität […]“
Es zeigt die „120-Euro-Flugpauschale“ der DAÖ mit ihrem He.-Chr. Strache, deren Mark nichts anderes ist als die einstige „Wirtschaftssanktion“ gegen das schwarze Österreich, eine solche Gesinnung gebiert keine neuen Ideen, sondern eine solchen Gesinnung speist sich stets nur aus dem Kaspel (Koschpl) des Vorvorgestrigen …
Kurz, ein Einschub: Die DAÖ sei auf der Suche nach einem leichter auszusprechenden Parteinamen. Warum nicht dabei behilflich sein? Es böte sich an: DÖP.
Das wäre doch ein sprechender Name: DÖP. Setzte sich, wenn auch nicht gesinnungsgemäß, doch von der Vergangenheit ab, in der es eine DAP gab. Die allerdings nur wegen der einstigen 120-Euro-Flugpauschale einfällt, deren Einführung die Ausweisung eines Mannes von der DAP aus Österreich auslöste.

A. Schalek, Kriegsberichterstatter
Ein Fernsehstudio. Geschmackvoll eingerichtet von dem Herrn Papa, dem Herrn Sohn gefällt es sehr, er fühlt sich wohl in der Inneneinrichtung seines Vaters.
Im März ’20 befragt der Herr Sohn den Kriegsberichterstatter, der eben aus Griechenland zurückgekommen ist. Der Zweck seiner Reise in das Kriegsgebiet ist „Solidarität und Unterstützung“ gewesen. Dafür setzt Schalek die Mittel ein, die ihm gegeben.
Schalek: … mein Besuch war ein … Besuch der Solidarität und Unterstützung, weil Griechenland ist jetzt … wirklich der Frontstaat Europas …

„Stellen wir uns vor, inmitten“ keiner Katastrophe …
„Vielleicht stellen wir uns […] vor, inmitten irgendeiner künftigen Katastrophe würden wir auf Seiten der Retter sein. Doch wenn Staaten zerstört, lokale Institutionen korrumpiert und Marktanreize auf Mord ausgerichtet wären, würden sich nur wenige von uns anständig verhalten. Wir haben wenig Grund zu der Annahme, dass wir den Europäern der 1930er und 1940er Jahre moralisch überlegen oder weniger anfällig für Ideologien sind, wie Hitler sie so erfolgreich propagierte und umsetzte.“
Bei den aktuellen Berichten zu den Zuständen an den Grenzen fällt wie von selbst der von Zygmunt Bauman zitierte Timothy Snyder ein, auf welcher „Seite zu sein stellen wir uns vor inmitten einer Katastrophe“ …
Bei den aktuellen Berichten, wieder einmal aktuellen Berichten, etwa über jene, die ohne Auftrag, ohne Befehl bewaffnet an die Grenzen hetzen, um gegen Menschen zu kämpfen, und sich dabei „anständig“ wähnen im himmlerischen Verständnis, gegen Menschen zu kämpfen, die nicht zum Kämpfen an die Grenzen kommen, sondern …
Bei den aktuellen Berichten etwa über jene, die beispielsweise für kurz Minister gewesen sind, weiterhin treuen Gesinnungsknappen, die vom Warnschießen an den Grenzen sprechen, gegen Menschen, die nicht zum Schießen an die Grenzen kommen, sondern ….
Bei den aktuellen Berichten über jene, die von nichts anderem reden können, als von „Ansturm“, als ginge es um einen Krieg an den Grenzen, für sie von Menschen entfacht, die an die Grenzen kommen, aber die Menschen kommen nicht an die Grenzen, um zu stürmen, sondern …
Es gibt aber auch jene, die sich anders verhalten, die sich „anständig“ verhalten, „anständig“ nicht im himmlerischen Sinn, und sich etwa für eine Öffnung der Grenzen einsetzen, dafür auch auf die Straße gehen, zur Stunde nicht in Wien, aber beispielsweise in Berlin, in Brüssel.
Die Frage ist nur, werden es in der Gegenwart und in der Zukunft, beginnend mit den 20er Jahren, endlich genügend sein. Oder werden wieder zu viele auf keine Seite stehen, nicht auf der Seite der Retterinnen, nicht auf der Seite der Retter, sondern einfach wieder gewähren lassen, wieder alles mitverfolgen auf ihren Smartphones mit größter Anteilnahme für ihre Handys, jene, die vom Schießen reden, die vom Ansturm reden, jene, die sogar ohne Befehl an die Grenzen hetzen, um Menschen …
PS Bauman zitiert Snyder in seinem Buch „Retrotopia“. Ein Buch, kurz zusammengefaßt, das besonders in Österreich zu lesen vonnöten. Ein Kapitel etwa hat den Titel „Zurück in den Mutterleib“, wie passend zum stelzerischen Beharren auf die oberösterreichische Landeshymne; allerdings die Kapitelüberschrift muß ein wenig für dieses Land passender dazu gedacht werden: Nicht heraus aus dem Muaderleib.
PPS Wenn Sie einwenden wollen, ach wieder der Verweis auf die Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus, dann kann es darauf nur die Antwort geben, es ist kein Verweis auf diese schwarze austrofaschistische und nationalsozialistische Zeit, sondern das Einmahnen des Handelns im Sinne des zahlreichen Gedenkens an diese Zeit, auch von denen, die von nichts anderem eifern als von Ansturm, Schießen, Grenzsperrungen …
Le Boulogne blanche
Wolfgang Amadeus Mozart als den weißen Boulogne zu bezeichnen, heißt menschgemäß, dem Rassismus in die Falle zu gehen.
Dennoch soll in diese Falle gegangen werden, nicht aber, um einen sogenannten positiven Rassismus zu verbreiten, sondern sich an dem Bau einer Straße zu beteiligen, die in ein anderes Schreiben von Geschichte und somit von Gegenwart führte …
Joseph Boulogne, Chevalier Saint-Georges, wird mit einer Selbstverständlichkeit und wohl in hehrer Absicht bezeichnet als „Le Mozart noir“, als „The black Mozart“, als „der schwarze Mozart“ …
Nun, die tatsächliche Geschichte hält dem nicht stand, Boulogne, der eine Quelle der Inspiration auch für andere war, die heute noch nicht nur in Österreich größte Verehrung genießen und unablässig gespielt werden, als den „schwarzen Mozart“ zu bezeichnen, diese würde eher die Bezeichnung „der weiße Boulogne“ für Mozart rechtfertigen.
Wolfgang Amadeus Mozart, von dem es heißt, er sei ein rechter Schelm gewesen, hat Boulogne dafür, ein weißer Boulogne geworden zu sein, vielleicht doch gedankt, auf eine seine besondere Weise, dadurch, daß er ihm in seiner „Zauberflöte“ ein Denkmal wohl setzte, mit einer Figur, der nicht zu trauen ist, die, eingeschrieben in ihren von Schikaneder und Mozart gegebenen Namen, allein zu bleiben hat, bereit dazu, die weißschöne Pamina zu vergewaltigen, käme nicht rechtzeitig die weißstrenge Königinmutter hinzu …
Alles fühlt der Liebe Freuden, Schnäbelt, tändelt, herzt und küßt; Und ich sollt' die Liebe meiden, Weil ein Schwarzer häßlich ist! Ist mir denn kein Herz gegeben? Bin ich nicht von Fleisch und Blut? Immer ohne Weibchen leben, Wäre wahrlich Höllenglut! Drum so will ich, weil ich lebe, Schnäbeln, küssen, zärtlich sein! Lieber guter Mond, vergebe, Eine Weiße nahm mich ein. Weiß ist schön! Ich muß sie küssen; Mond, verstecke dich dazu! Sollt' es dich zu sehr verdrießen, O so mach' die Augen zu!
Das darf Monostatos singen in der Musik vom weißen Boulonge, der dem schwarzen Mozart damit wohl ein recht besonderes Denkmal …
Ist nicht gerade die „Zauberflöte“ die Oper schlechthin, in die schon Kinder, kaum daß sie sitzen können, scharenschweise getrieben werden, sogar in für sie eigens aufbereitete Aufführungen? Und hallt es nicht gerade jetzt in Zeiten der sogenannten sozialen Medien massenhaft zurück, was „the black“ ihnen sind?
Der Musikkritiker
„Mit dem ‚Zigeunerbaron‘ ist das bekanntlich so eine Sache. Ja, da reiht sich musikalisch Hit an Hit, Ohrwurm an Ohrwurm. Die Handlung jedoch ist – höflich formuliert – hanebüchen und in Zeiten der auch übertriebenen politischen Korrektheit überaus problematisch. Zwar sind die Zigeuner die Guten; an Klischees inklusive einer Kriegsverherrlichung mangelt es allerdings nicht.
Was also tun mit dieser 1885 uraufgeführten Mixtur aus Operette und Oper, dieser Geschichte rund um die Zigeunerin Saffi […]“
So beginnt der Musikkritiker in der Tageszeitung „Kurier“ am 2. März 20 seine mit „Als wäre es ein bitterböses Stück von Brecht“ überschriebene Premierenkritik. Er wird wohl erst vor kurzem eine recht gute Beurteilung seiner VwA im Fach Brechts Dramaturgie erhalten haben.
Nachdem die Direktion und die Dramaturgie der Volksoper in ihrer Stellungnahme so überzeugend darlegte, weshalb Zigeunerinnen ohne Anführungszeichen gesagt und geschrieben werden könne, weil vor allem Zigeuner keine Fremdbezeichnung sei, ist es nun für den Musikkritiker eine Selbstverständlichkeit, Zigeuner ebenfalls ohne Anführungszeichen zu schreiben,und das wird viele der Lesenden dieser Tageszeitung freuen, daß der Musikkritiker die Bezeichnung Zigeuner für eine Massenzeitung, also nach österreichischen Verhältnissen ist es eine Massenzeitung, zurückerobert zu haben, abgestützt durch die eindrucksvolle Argumentation von Direktion und Dramaturgie der Volksoper, das wird die Lesenden der sogenannten Mehrheitsgesellschaft freuen, daß ihr selbstverständliches Verwenden des Wortes Zigeuner durch ihre Tageszeitung Bestätigung und Anerkennung findet, gerade in diesen „Zeiten der auch übertriebenen politischen Korrektheit“ …
Brechts Dramaturgie mag das Spezialfach des Musikkritikers sein, der Strauß mit seinem Schnitzer hingegen nicht, sonst hätte er Zigeunerin in Anführungszeichen setzen müssen. Denn. Die Zigeunerin Saffi ist keine Zigeunerin. Die Anführungszeichen hätten genügt, um zu verdeutlichen, daß die Saffi von Strauß mit seinem Schnitzer keine Zigeunerin ist. Wann Anführungszeichen zu setzen sind, ist dem Musikkritiker durchaus geläufig. So weiß er „Zigeuner-Romantik“ in Anführungszeichen zu bringen …
Nach den Morden nicht nur im tiefsten Burgenland, nach den Ausschreitungen in so vielen Teilen Europas gegen Menschen, die ohne Anführungszeichen als Zigeuner vorgeführt werden, kann wohl von keiner „übertriebenen politische Korrektheit“ gesprochen und geschrieben werden, sondern nur davon, nicht das Barbarische durch das dermaßen freiwillige, dermaßen unbewußte und dermaßen unreflektierte Verwenden von Wörtern, die weiterhin nichts anderes als Schlachtwörter sind, zu bedienen, gerade in diesem Land …

Übrigens. „Der Musikkritiker“- auch ein Ohrwurm, aber den hat kein Strauß mit seinem Schnitzer g’schriebn …







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