Gudstjänststrejk för Klimatet

Ist es nicht Aufgabe jedes Gemeinwesens, eines jeden Staates, das Leben zu schützen, ganz gleich, auf welcher weltanschaulichen Grundlage dieser Staat ruht? Wenn dieses Gebot auch immer wieder gebrochen wird. Der Mensch kann nicht über das Leben verfügen. Unser Nein bedient sich daher gar nicht ausschließlich religiöser, sondern vor allem auch menschlicher, medizinischer und wissenschaftlicher Argumente. Eine Gesellschaft, die wirtschaftliche und soziale und menschliche Konflikte mit der Tötung Lebens zu lösen vermag, verdient nicht, eine soziale und humane Gesellschaft genannt zu werden.

Für eine überwältigende Mehrheit der Menschen in der Europäischen Union, über alle Parteigrenzen hinweg, ist für die Bekämpfung des Klimawandels und leisten dafür auch einen persönlichen Beitrag.

Es muß sich ein Weg finden lassen, der das prinzipielle Recht auf Leben schützt. Und vor allem muß die Gesellschaft, die so stolz auf ihre Errungenschaften ist, sich veranlaßt sehen, jedes Leben so anzunehmen, daß ihm ein würdiges Leben gesichert ist.

Wir mahnen, wir legen Argumente vor, wir protestieren. Leben zu schützen, einen anderen Ausweg als klimaschädliches Produzieren, als erdzerstörendes Gewinnmaximieren zu suchen, darf in diesem Land nicht als eine Marotte abgetan werden. In dieser ernsten Stunde wollen wir bezeugen, daß die Menschen sich ihr Mitspracherecht nicht rauben lassen, denn es ist auch unsere Erde. Sie werden verstehen, daß ich wie selten noch besorgt bin und auf die Entscheidung der Abgeordneten im Parlament warte. Es geht mehr als um Wachstum und Gewinne, es geht um die Zukunft des Lebens auf dieser unserer Erde.  

Diese Rede hat der Kardinal nie gehalten. Der Kardinal war je auf keiner Demonstration. Hingegen aber. Der Kardinal macht es sich bequem; er erscheint lediglich auf energiefressenden Displays.

Anstatt sechs Tage in der Woche auf der Straße zu sein. Anstatt sechs Tage in der Woche zu demonstrieren. Anstatt sechs Tage in der Woche auf Demonstrationen zu sprechen.

Dabei wäre das für einen Kardinal nichts Ungewöhnliches. Er könnte sich dafür, sechs Tage in der Woche auf der Straße zu sein, sechs Tage in der Woche zu demonstrieren, sechs Tage in der Woche zu protestieren, sechs Tage in der Woche seine Sicht auf der Straße zu verbreiten, einen Kardinal als Vorbild nehmen, einen Kardinal sogar aus Österreich, der auf die Straße ging, der demonstrierte, der vor bald vierzig Jahren eine Rede hielt, die 37 Jahre später Vorlage für den derzeit den Beruf eines leitenden Funktionärs im Range eines Kardinals dieses Organisierten Glaubens sein kann; freilich angepasst an das schwerwiegende Thema des Klimawandels.

Und mit ihm alle Mitglieder seines Organisierten Glaubens.

Auch das wäre für die Mitglieder des Organisierten Glaubens dieses Kardinals nichts Ungewöhnliches. Ebenso für Angestellte dieses Organisierten Glaubens. Noch heute gehen die Mitglieder auf die Straße, demonstrieren die Mitglieder dieses Organisierten Glaubens, protestieren sie, sehen es als ihre Verpflichtung an, das, was jener Kardinal vor bald vierzig Jahren sprach, weiterzutragen, zu verbreiten, verstehen sich als seine geistigen Erbinnen … nun könnten sie die königliche Rede in inhaltlich angepaßter Form für ein tatsächlich dringendes und lebensförderliches Anliegen als Vorlage nehmen, um zu einem tatsächlichen und lebensbedrohlichen Zustand auch für die menschliche Gemeinschaft auf dieser Erde aktiv Stellung zu beziehen, einen tatsächlichen und lebenserhaltenden Beitrag zu leisten.

Six-Day-Week for Future

Ein leitender Angestellter eines Organisierten Glaubens meint, wenn er zu Neujahr auf den Displays der Menschen erscheint, von „Geschenken“ seines „Schöpfers“ spricht, hat er seinen Teil bereits dazu getan, um eine Umkehr im Umgang des Menschen mit der Erde mit zu erwirken.

Er meint, sein Wort hat nach wie vor Gewicht. Er meint, es reicht vollkommen, wenn er „mahnend und eindringlich“ es spricht. Aber seine Stimme dabei ist dünn. Seine Stimme ist dünn, weil seine Stimme im Gegensatz zu ihm selber um die Dünnheit des Inhalts, die sie für ihn zu sprechen hat, weiß, und sie es müde ist, weiter und weiter inhaltlich Dünnes zu verkünden, sie möchte am liebsten verstummen, auf ewig.

Sie, seine Stimme, weiß, gerade ein leitender Angestellter dieses Organisierten Glaubens darf es nicht mehr dabei bewenden lassen, „mit mahnenden wie eindringlichen Worten vor Klimakatastrophen“ auf den Displays zu erscheinen, sondern er und alle Funktionäre seines Organisierten Glaubens haben auf die Straße zu gehen, nicht nur an einem Tag, nicht nur an einem Freitag, sondern an sechs Tagen in der Woche, statt in den Kirchen Messen abzuhalten mit Lesungen aus Büchern, die für die Welt seit langem schon obsolet, unbrauchbar sind. An sechs Tagen in der Woche, um, in der Diktion dieses Organisierten Glaubens gesagt, Buße zu tun, für die „Schöpfungsgeschichte“ dieses Organisierten Glaubens, die erheblichen Anteil daran hat, an dem heutigen Zustand der Erde, der nichts anderes mehr bleibt, als sich mit einem massiven Klimawandel gegen sie sich zu wehren.

Sechs Tage in der Woche auf der Straße zu sein, statt in Kirchen mit Worten fairs or masses zu zelebrieren, die längst schon inhaltslos geworden sind, die längst schon verblichen sind, sich mit Worten wie mit Heroin niederzuspritzen, hieße auch, tätig reuig zu sein, aktiv zu sein, für die Erde und für alle auf dieser Erde existierenden Lebewesen, für eine Abkehr von diesem unheilvollen Weg, an dessen Beginn, diese, auch diese „Schöpfungsgeschichte steht.

Es mag Sie verwundern, weshalb die Überschrift dieses Kapitels in englischer Sprache gehalten ist. Zum einen, weil die englischen Begriffe deutlicher machen, was Messen in Kirchen sind. Es sind schlicht und nicht mehr als Messen, wie alle anderen Messen auch, etwa Fachmessen für landwirtschaftliche Geräte in Wels oder in Wieselburg, nur werden keine Pflüge, Eggen, Traktoren, Miststreuer ausgestellt, sondern Hostien, Kelche … Gemeinsam haben alle diese fairs, sie sollen Massen anziehen, in die masses sollen Massen …

Und genau das braucht es jetzt, im Angesicht des Klimawandels: Massen, aber die nicht zur Einverleibung von Hostien wie Heroin in Kirchen auf Knien rutschen, Massen, aber nicht in Kirchen, Moscheen, Synagogen und weiteren errichteten Gebäuden für eingebildete Personen, die keiner Wohnstätte bedürfen, sondern Massen auf den Straßen, und das sechs Tage in der Woche, Massen auf den Straßen an sechs Tagen in der Woche, nicht zur Buße, nicht zur Reue, sondern, kurz gesagt, zur absoluten Veränderung des Bisherigen …

Am siebenten Tage aber kann der leitende Angestellte und mit ihm sein oberster Chef und alle Funktionärinnenschaft dieses, auch dieses Organisierten Glaubens ruhen in Reue und Buße auf Knien für zweitausend Jahre …

Gähn Deos

„Mit ebenso mahnenden wie eindringlichen Worten warnt Kardinal Christoph Schönborn in seiner Neujahrsansprache vor möglichen Klimakatastrophen auf der Erde [..] und erinnert gleich an eines seiner liebsten Kirchenlieder, in dem es heißt ‚Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherleih Beschwerden der ew’gen Heimat zu.‘ Und ans Kirchenvolk gerichtet: ‚Es ist nicht selbstverständlich, das wir genügend Wasser haben, dass wir Luft haben und dass der Regen zur rechten Zeit kommt.‘ Das alles seien Geschenke des Schöpfers, für die wir nichts getan hätten. Weiters appellierte Schönborn in seiner Klimapredigt […]“

So wird über die Predigt des leitenden Angestellten eines Organisierten Glaubens berichtet, am 2. Jänner 2020. Er aber richtete seine Predigt nicht an das „Kirchenvolk“, er predigte nicht in einer Kirche vor Mitgliedern seines Organisierten Glaubens, sondern er sprach im Fernsehen zu einem Fernsehpublikum, das längst nicht mehr ein geschlossenes „Kirchenvolk“ ist.

„Wir sind nur Gast auf Erden.“ „[F]ür die wir nichts getan hätten.“ Wie seltsam für einen leitenden Angestellten, sich darauf zu berufen, „nur Gast auf Erden“, eines leitenden Angestellten von einem der Organisierten Glauben, deren Ideologie die Unterwerfung der Erde ist gemäß ihren Sagenbüchern, die für den schönbornschen Glauben nach wie vor gültiges Kirchenrecht sind. Und stets dabei die vorgestellte Unschuldigkeit, „für die wir nichts getan hätten“.

Es gibt von diesem leitenden Angestellten eines Organisierten Glaubens einen Vortrag oder eine Predigt, die er tatsächlich einem „Kirchenvolk“ gehalten hat, weil er diese Predigt oder diesen Vortrag tatsächlich in einer Kirche hielt, am 14. Mai 06: „Macht Euch die Erde untertan“ – Schöpfungsverantwortung … achte Katechese, heißt es im Untertitel. Dieser Schönbornerei oder Schönfärberei, die auch in diesem Vortrag vorherrscht, sind ein paar Sätze aus „Homo Deus“ beizustellen, die bereits genügen, um kenntlich zu machen, was von dieser Schönfärberei respektive Schönbornerei …

„Theistische Religionen wie das biblische Judentum rechtfertigten die Agrarökonomie mit Hilfe neuer kosmologischer Mythen. Animistische Religionen hatten das Universum früher als groß angelegte chinesische Oper mit einer schier unbegrenzten Zahl kunterbunter Akteure dargestellt. Elefanten und Eichen, Krokodile und Flüsse, Berge und Frösche, Geister und Feen, Engel und Dämonen – jeder hatte seine Rolle in dem großen kosmischen Stück. Die theistischen Religionen schrieben den Text neu und verwandelten das Universum in ein düsteres Drama von Ibsen mit nur noch zwei Hauptdarstellern: Mensch und Gott. Engel und Dämonen überlebten diesen Übergang irgendwie und wurden zu Botschaftern und Dienern der großen Götter. Doch der Rest der animistischen Besetzung – all die Tiere, Pflanzen und anderen Naturphänomene – wurden zur stummen Kulisse degradiert.

So vertrat beispielsweise das Christentum die Ansicht, die Menschen sollten über den Rest der Schöpfung herrschen, weil der Schöpfer sie mit der dafür nötigen Macht ausgestattet habe. Überdies gab Gott laut Christentum nur den Menschen eine unsterbliche Seele. Weil das Schicksal dieser unsterblichen Seele den Kern des gesamten christlichen Kosmos bilden und weil Tiere keine Seele haben, sind sie lediglich Komparsen. Die Menschen wurden somit zur Krone der Schöpfung, während alle anderen Organismen an den Rand gedrängt wurden.“

Was für eine Schönbornerei respektive Schönfärberei dieser leitende Angestellte in diesem Ungetüm von einem Kirchenkasten betreibt, kann auch daran ermessen werden, was er nicht vorbringt, im Zusammenhang Gott, Mensch, Tier, Natur, Verantwortung. Deshalb hier noch ein Zitat aus „Homo Deus“:

„‚Da aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis auf das Vieh und bis auf das Gewürm und bis auf die Vögel unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.‘ (1. Moses 6,5-7)

Die Bibel hält es für völlig in Ordnung, sämtliche Tiere als Strafe für die Verbrechen von Homo sapiens auszurotten, so als hätte die Existenz von Giraffen, Pelikanen und Marienkäfern jeglichen Zweck verloren, wenn sie die Menschen danebenbenehmen. Die Bibel konnte sich kein Szenario vorstellen, in dem Gott es bedauert, Homo sapiens geschaffen zu haben, diesen sündigen Affen vom Antlitz der Erde fest und sich dann auf ewig an den Possen von Straußen, Kängurus und Pandabären erfreut.“

Das offenbart unmißverständlich das Wesen des Mannes, den der leitende Angestellte als gütigen, guten Mann in seiner Schönfärberei respektive Schönbornerei verkaufen will. Bei ihm heißt dieser Mann mit dem totalen Ausrottungswillen „Gott“. Zu späterer Zeit heißt dieser Mann beispielsweise Hitler. Auch dieser wollte nicht nur alle jüdischen Menschen, alle Menschen, die heute noch in Österreich zu „Zigeunern“ und „Zigeunerinnen“ degradiert werden, ermorden, ausrotten, auslöschen, sondern am Ende auch alle Menschen „seines eigenen Volkes“, weil sie sich für ihn als unfähig erwiesen, das heißt wohl, für ihn noch viel zu wenig böse waren … Hitler wird hier nicht genannt, weil Hitler immer irgendwie genannt, angeführt werden muß, gerade in diesem Land Österreich, sondern Hitler wird als konkrete Verkörperung des Mannes, der dem leitenden Angestellten Führer ist, genannt, nicht nur wegen der ihnen gemeinsamen Ausrottungsobsession, sondern auch und vor allem, weil Schönborn mit seinem Fernsehvortrag selbst den Nationalsozialismus ins Spiel bringt, indirekt, aber doch auf diese nationalsozialistische Ausrottungszeit verweist durch sein Bekenntnis zu „einem seiner liebsten Kirchenlieder“ …

Es ist eines, das Georg Thurmair 1935 verfaßte. Es heißt, in dem folgenden Zitat von Thurmair war Joseph Goebbels leicht zu erkennen:

„Die Lüge ist gar frech und schreit und hat ein Maul so höllenweit, die Wahrheit zu verschlingen.“ 

In diesem Satz werden sich wohl heute noch viele nicht erkennen wollen, aber, kurz gesagt, viele zu erkennen sein …

„Wenn wir uns als Gäste auf dieser Erde benehmen, dann werden auch kommende Generationen auf dieser Erde Heimat haben können. Es liegt auch in unserer Hand, ganz persönlich.“

Das sagt der leitende Angestellte zum „Fernsehvolk“, zum „Displayvolk“. Als hätten sich Funktionäre (Funktionärinnen anzuführen, das erübrigt sich wohl bei diesem Männerverein) dieses seines Organisierten Glaubens je als „Gäste“ auf dieser Erde benommen …

Es hätte in der Geschichte des Menschen auch alles anders kommen können. Es hätte eine Geschichte ohne „Gott“ mit seinen vielen Namen werden können. Was wäre gewesen, wenn nicht diese Sagenbücher, denen beispielsweise auch dieser leitende Angestellte hörig ist, weltbestimmend geworden wären? Wenn beispielsweise die Lebensweise der Nayakas weltweite Leitkultur der Menschheit …

„Anthropologische und archäologische Belege deuten darauf hin, dass die archaischen Jäger und Sammler Animisten waren. Sie glaubten, dass zwischen dem Menschen und anderen Tieren keine wirkliche Kluft bestand. Die Welt – also das örtliche Tal und die umliegenden Bergketten – gehörte all ihren Bewohnern, und alle folgten einem gemeinsamen Regelwerk. Zu diesen Regeln gehörte das unablässige Gespräch zwischen allen beteiligten Wesen. Die Menschen redeten mit Tieren, Bäumen und Steinen genauso wie mit Feen, Dämonen und Geistern. Auch diesem Kommunikationsnetz entstanden die Werte und Normen, die für Menschen, Elefanten, Eichen und Gespenster gleichermaßen bindend waren. Die animistische Weltsicht bestimmt noch immer das Leben einiger Gemeinschaften von Jägern und Sammlern, die bis heute überlebt haben. Dazu gehört etwas das Volk der Nayaka, das in den Tropenwäldern Südindiens lebt.“

Auch dies aus „Homo Deus“.

Es erheitert die Vorstellung, Christoph Schönborn würde mit einem Baum reden, und er erzählt dem Baum seine Katechesen, oder was er eben erst dem Fernsehpublikum erzählte, und der Baum … die Antwort des Baumes darauf, er läßt einfach ein paar seiner Tannenzapfen auf den Kopf des Kardinals niederprasseln, damit dieser zur …

In „Homo Deus“ wird von den Nayakas erzählt, die nicht Gott respektive Hitler sind, aber von der Welt mehr verstehen als Hitler respektive Gott, der nur auf Bestrafung aus ist, der, Gott, nur auf Ausrottung aus ist, krankhaft fixiert auf das „Böse“, also auf sich selbst, ohne die geringste Befähigung und ohne den geringsten Willen zum Verstehen, ohne die geringste Bereitschaft, sich der Wirklichkeit zu stellen, die Nayakas wären für den schönbornschen Gott ein ideales Vorbild, die der Gott sind, den auch ein Schönborn stets verkaufen will, aber der schönbornsche Gott hat eben nicht das Format in geistiger, in jedweder Hinsicht der Nayakas, von denen dies berichtet wird:

„Einmal wurde ein Nayaka von einem Elefantenbullen getötet, den sie den ‚Elefanten, der immer allein unterwegs ist‘ nannten. Als Beamte des indischen Forstministeriums kamen, um diesen Elefanten zu fangen, weigerten sich die Nayakas, ihnen zu helfen. Gegenüber Naveh erklärten sie, dieser Elefant habe eine sehr enge Beziehung zu einem anderen Elefantenbullen gehabt, mit dem zusammen er immer umhergezogen sei. Eines Tages fing das Forstministerium den zweiten Elefanten ein, und seither war der ‚Elefant, der immer allein unterwegs war‘ wütend und gewalttätig. ‚Wie hättest du dich gefühlt, wenn man dir deinen Gefährten weggenommen hätte? Genauso fühlte sich dieser Elefant. Mitunter trennten sich diese beiden Elefanten bei Nacht, und jeder ging seines Weges, aber am Morgen trafen sie sich stets wieder. An diesem Tag musste der Elefant mit ansehen, wie sein Kumpel zu Boden ging und liegen blieb. Wenn zwei immer zusammen sind, und dann wird auf einen von ihnen geschossen, wie wird sich der andere wohl fühlen?'“

Das Ende von Geschichte, Transparenz und Korruption

1888

Es hat ein Nachrichtensprecher im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich Wendelin, nein Andreas Mölzer gegenüber deutlich gemacht, daß es „Unsinn“ ist, sich auf die Datenschutzgrundverordnung auszureden, wie es zur Zeit die FPÖ tut, um zu erklären, weshalb im Zusammenhang mit ihrem „Weißenbericht“ nicht die Burschenschaften

Menschgemäß ist es „Unsinn“, wenn Hafenecker, Mölzer und also die identitäre Parlamentspartei sich auf die DSGVO ausreden, räumt doch die Datenschutzgrundverordnung gerade historischer und wissenschaftlicher Forschung eine privilegierte Stellung ein. „Unsinn“ und, wird bedacht, wie viele Mängel der Gerichtshof eben erst beheben mußte, verursacht, kurz gesagt, durch die ausgeschiedenen Gesetze dieser Partei, die für kurz Regierungspartei war, gepaart mit Unkenntnis der Gesetze, der Datenschutzgrundverordnung …

Mehr aber noch als Unsinn und Unkenntnis dürfte der identitären Parlamentspartei die Datenschutzgrundverordnung ein eben erst entdecktes Ideal sein.

Das ist nicht ohne Ironie. Ist doch die Datenschutzgrundverordnung eine Regelung der Europäischen Union, die für die identitäre Parlamentspartei nicht eben das gelobte …

Wird dieser massive Verweis der identitären Parlamentspartei auf die DSGVO weitergedacht, kann kurz zusammengefaßt gesagt werden, damit ist von ihr im Grunde das Ende der Geschichte verkündet, nicht aber in dem Sinne, wie sonst die Phrase vom Ende der Geschichte verstanden wird, sondern das Ende der Geschichte durch Schweigen über die Geschichte, da ja die Datenschutzgrundverordnung jedenfalls für diese Partei dies nicht …

Geschichte, wissenschaftliche und historische Forschung ist etwas sehr Akademisches, sehr Abstraktes, etwas sehr Allgemeines. Wie sehr müßte der identitären Parlamentspartei im Konkreten ein Staat unter dem absoluten Diktat der Datenschutzgrundverordnung, jedenfalls wie diese Partei die DSGVO versteht, als für sie ein gelobtes Land vorkommen. Wenn nichts mehr geprüft werden dürfte, beispielsweise Postenbesetzungen, Korruption nicht mehr nachgegangen werden dürfte und so weiter und so fort. Denn das, was nicht untersucht werden darf, das gibt es dann einfach nicht mehr, existiert nicht – auf diese Weise wäre Österreich ein Land beispielsweise ohne Korruption, ohne parteipolitische Postengaben, ohne Überprüfbarkeit von Beauftragungen aufgrund von Ausschreibungen … Die vollständige Vernichtung von Transparenz, gerade für diese Partei wohl erster Paragraph, wie ein Land nach ihrem Gesinnungsgeschmacke zu sein hat. Vielleicht trägt diese Partei nun Trauer, weil Österreich noch kein Land ist und vor allem bis jetzt noch kein Land unter einem solchen absoluten Diktat war. Denn dann wäre einer noch Vizekanzler und ihr Anführer, ein weiterer Infrastrukturminister, ein weiterer Innenminister und so weiter und so fort.

Für einen scheint es dieses gelobte Land mit dem absoluten Regime der Datenschutzgrundverordnung in der Deutung der identitären Parlamentspartei aber bereits zu geben, und das wird wohl, kurz gesagt, der identitären Parlamentspartei noch weiter in die Trauer treiben, in eine uferlose …

1889 …

1890 …

1891 …

Österreich, Aufarbeitungsbedarf

1118

Am Beispiel der identitären Parlamentspartei und deren Bericht an ihrem damit begründeten Heiligabend erzählt kann wieder einmal generell festgestellt werden, welch hohen Aufarbeitungsbedarf das gesamte Land hat, dieses Österreich also.

Es kann verstanden werden, wenn eine identitäre Parlamentspartei über die Biographie eines Mannes schweigt, in ihrem rechten Lichte erscheinen läßt, der ihr, auch er, eine Quelle für ihren Bericht ist. Weshalb aber, auch bei ihm, Austria-Forum genau das auch verschweigt, was eine identitäre Parlamentspartei verschwiegen haben will, nun, das ist bloß ein weiteres Beispiel für den großen Aufarbeitungsnachholbedarf in Österreich …

E. Bruckmüller ist die Quelle für den Eintrag über Wandruszka im Austria-Forum. Das kann der identitären Parlamentspartei nicht vorgehalten werden, sich nicht darum bemüht zu haben, viele Quellen für ihren „Weißenbericht“ ausfindig zu machen, also auch auf Bruckmüller …

1119

Auf ein weiteres Beispiel wurde bereits hingewiesen, auf das Verbotsgesetz respektive Wiederbetätigungsgesetz in Österreich.

Die Geschichte dieses Gesetzes ist noch schreiben. Es geht dabei aber nicht um den Teil des Verbotsgesetzes, von dem immer medial breit zu lesen ist, wenn etwa ein Jugendlicher nach diesem verurteilt wird, wenn etwa wieder eine aus der identitären Parlamentspartei für dessen Abschaffung ist, sondern vor allem um den Teil mit dem „passiven Wahlrecht“ …

Diese Geschichte des Gesetzes und dessen Handhabung und Anwendung respektive Nichtanwendung durch den Staat Österreich, durch die sogenannten Staatsspitzen ist noch zu schreiben.

1120

1121

Vorspruch für einen Bericht: „Die heutige FPÖ als eine identitäre, patriotische Partei.“

888

Was diesem „Bericht der Historikerkommission“ auch fehlt, ist ein Vorspruch, ein vorangestelltes Motto. Und wer wäre geeigneter hierfür zitiert zu werden? Als Wendelin Mölzer. So soll er wenigstens hier mit seiner gesinnungsgemäßen Verortung seiner Partei geehrt werden, hier dieser Vorspruch festgehalten werden, der selbst nicht in dem fehlreichen Bericht …

„Die heutige FPÖ als eine identitäre, patriotische Partei.“

889

„Heute drücke sich das Nationale vor allem im „Österreich-Patriotismus“ aus.“

Wird einer der Beteiligten an dem Bericht anläßlich der Pressekonferenz am 23. Dezember 19 zitiert.

Adorno, von dessen Vortrag in Wien bereits erzählt werden durfte, spricht an einer Stelle von „Nationalismus oder Rechtsradikalismus“ …

„Nationalismus oder Rechtsradikalismus“, eine Gleichsetzung also, die Adorno vornimmt. „Das Nationale im „Patriotismus“ — kein weiteres Mal im Grunde zu zeichnen, der Abgrund, der der „Patriotismus“ dieser identitären Parlamentspartei …

890

891

Des Berichtes Quellen

188

Wahrlich, Andreas Mölzer weiß recht, auf wen nicht vergessen werden darf. Nicht nur von ihm. Nicht nur für ihn ist Adam Wandruszka der „unvergessene Wiener Historiker“, sondern auch für Grischany, für Karner, kurz gesagt, eine unverzichtbare Quelle für den „Bericht der Historikerkommission“…

„Parteigenosse“ Adam Wandruszka, „SA-Obertruppführer Wandruszka. „Besonders hervorgehoben sollen hier die umfangreicheren Arbeiten von“, heißt es in dem Bericht bei Karner, und dann folgt eine Auflistung von Talos über Rathkolb über Weinzierl bis hin zu Wandruszka, bei dem Höbelt „Geschichte studierte“

189

Von einem „Parteigenossen und SA-Obertruppführer“, dessen Schriften der „FPÖ-Historikerkommission“ Quelle sind, der recht positive Erwähnung in diesem Bericht findet, nun noch zu einem SS-Obersturmführer, der in diesem Bericht nicht Erwähnung findet, obgleich das mölzerische Magazin ihn zur Lektüre empfiehlt, und darüber hinaus, das wesentlicher ist, die FPÖ mit diesem SS-Mörder das österreichische Parlament befaßt, als Fürsprecherin dieses Schriftstellers, der für sie gesinnungsgemäß ein zu empfehlender ist.

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Kontinuitäten in Österreich

118

Ach, im „Weißenbericht“ sind die „Lieder der frühen Burschenschaft“ „die idealistischen“ — — die werden sie wohl auch angestimmt haben, etwa auf der Wartburg zum Verbrennen von Büchern und sich dabei recht „idealistisch“ empfunden …

Das ist die eine Stelle, im Beitrag von Mario Strigl, und dann gibt es noch drei Stellen, an denen etwas mit „idealistisch“ in dem „Weißenbericht“ vorkommt, einmal auch im Zusammenhang mit Südtirol; allerdings ein Wort wird vermißt, nämlich „Eurofaschismus“, für den Südtirol ein „symbolischer Startpunkt“ …

Wenn berücksichtigt wird, was für eine zentrale Rolle das „Idealistische“ in diesem Gesinnungsbund durch seine Zeiten hindurch spielt, erstaunt es doch, das nicht entsprechend im „Weißenbericht“ …

FPÖ, 2016: „Idealisten der NS-Bewegung“

Ideelle Kontinuität und Kontinuität fehlender Aufarbeitung in Österreich

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Kurz zum „gemäßigten Flügel“ des Nationalsozialismus

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Im „Weißenbericht“ wird geschrieben von einem „gemäßigten Flügel“ in der NSDAP, im Beitrag von Wladika, Höbelt schreibt von einem „gemäßigten Nazi“, also von Reinthaller … Er schreibt ohne Anführungszeichen von einem „gemäßigten“ … Und das ist bemerkenswert, wie recht leicht sonst auf dieser Gesinnungsscholle Anführungszeichen verwendet werden …

Wie ist das vorzustellen? Ein „gemäßigter Flügel“, ein „gemäßigter Nazi“? Ist unter einem „gemäßigten“ Nationalsozialismus in der geschichtlichen Betrachtung ein Nationalsozialismus ohne Shoah und „nur“ mit einem Porajmos zu verstehen?

Gemäßigt müßte selbst dann unter Anführungszeichen gesetzt werden, wenn es um den Umgang in Österreich mit dem Nationalsozialismus nach 1945 geht, um den also „gemäßigten“ Umgang, der kein „gemäßigter“ war, sondern ein, ganz ohne Anführungszeichen, äußerst nachsichtiger, ein recht zuvorkommender, für den beispielsweise auch der Name Reinthaller …

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„Gemäßigter Flügel“, „gemäßigter Nazi“ auf die Gegenwart übertragen. Wie wäre in der Gegenwart diese Einteilung vorzunehmen? Stellten nach dieser Bestimmung der Gesinnungsflügel beispielsweise die T-Shirt-Verkäufer den „gemäßigten Flügel“ dieser Gesinnung dar und der Runenritzer in Christkirchen den …

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Angestellt bei Lenart & Sellner

Zur Weihnachtszeit zeigt sich die identitäre Parlamentspartei und ihre Gliederungen stets von ihrer besten abendländischen Seite.

Auch zur Weihnacht 19 mit ihrer Legende vom lesenden Knaben, wie zur Weihnacht vor fünf Jahren mit der Präsentation eines Gedenkenberichtes über Kongo-Müller …

Und vor fünfzig und zwei Jahren hielt in Wien Theodor W. Adorno einen Vortrag, in dem er auch Kongo-Müller erwähnte, aber wie anders als das identitäre Magazin der identitären Parlamentspartei …

„Zum Beispiel der berüchtigte Kongo-Müller, ein Mann, der in Deutschland sich aufgehalten hat, ein Deutscher, der unter den Söldnern im Kongo eine offenbar besonders grausliche Rolle gespielt hat, der hat also erklärt, wo immer in der Welt […] zu kämpfen sei, da werde er sich sofort zur Verfügung stellen, denn das sei ja im Sinn der Demokratie.“

Adorno hielt seinen Vortrag „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ in Österreich. Vor über fünfzig Jahren also brachte Adorno, auch Adorno, das Handwerkzeug nach Österreich. Ausgerechnet nach Österreich. Er wird vielleicht das Vertrauen gehabt haben, die Hoffnung, in Österreich werden die Menschen rasch die Handhabe dieses Werkzeugs lernen, für den Umgang mit derartigen Parteien und ihren Gliederungen. Mehr als fünfzig Jahre später muß gesagt werden. Kurz: sie haben es nicht gelernt. In über fünfzig Jahren haben sie nichts gelernt. Einfach wie kurz gesagt: Bildungsresistenz eines ganzen Landes.

Denn. In diesem Vortrag, auch in diesem Vortrag, ist alles enthalten, was zu solchen Parteien und ihren Gliederungen zu sagen, wie mit solchen Parteien und ihren Gliederungen umzugehen ist. Wäre die Anwendung dieses Werkzeugs gelernt worden, in Österreich, die FPÖ wäre heute keine identitäre Parlamentspartei, sondern eine außerparlamentarische identitäre Formation, Hofer und Kickl und Hafenecker T-Shirt-Verkäufer, angestellt bei Lenart & Sellner …

Der Vortrag von Adorno vor über fünfzig Jahren hieß „Aspekte des neuen …“ — So „neu“ ist alles an der identitären Parlamentspartei, daß sie umfassend erklärt werden kann, mit einem über ein halbes Jahrhundert alten Vortrag. In diesem ist alles enthalten, was diese Partei und ihre Gliederungen ein halbes Jahrhundert später von sich geben, wie sie sich geben …

Es ist in Österreich wohl die Bildungsresistenz nicht allein, daß die Mandatarinnen, die Funktionäre der identitären Parlamentspartei nicht dort sind, wo ihr angestammter Platz ist, nicht das tun, was ihren Befähigungen enstpricht, Verkäuferinnnen von Lenart & Sellner, es ist abgründiger

In Wien hielt Adorno den Vortrag, wo fünfzig Jahre später ein Mann zur Zeit wohl schon heftige Träume hat, einst gar Bürgermeister … und was dies hieße, auch im Falle dieses Mannes, nun, auch das wußte bereits Adorno, obgleich viele der Vorderen in dieser Partei und in ihren Gliederungen damals noch gar nicht geboren waren, und dennoch konnte er über den Umgang mit ihnen sprechen, als lebten sie zu seiner Zeit, und sie leben auch tatsächlich zu seiner Zeit, und nicht nur zu seiner Zeit, auch noch viel früher, recht viel früher …

„Schließlich sollte man die Tricks, von denen ich gesprochen habe, dingfest machen, ihnen sehr drastische Namen geben, sie genau beschreiben, ihre Implikationen beschreiben und gewissermaßen versuchen, dadurch die Massen gegen diese Tricks zu impfen, denn schließlich will niemand ein Dummer sein oder, wie man in Wien sagen wird, niemand will die ‚Wurzen‘ sein. Und daß das Ganze auf einen gigantischen psychologischen Nepp herausläuft, das ist wohl durchaus zu zeigen.“