Freiheitliche Unzensuriert.at: „Jeder tote Neger fällt unserem Land zur Last“

Es will nicht soweit gegangen werden, den Freiheitlichen und ihrer Unzensuriert.at tatsächlich zu danken, aber es ist erwähnenswert, daß die Freiheitlichen und ihre Schreibstaffel nahezu täglich daran erinnern, wie notwendig breiteste Aufklärung ist, wie bitter noch mehr breiteste Aufklärung notwendig ist, daß nicht nur Freiheitliche und deren Schreibstaffel der Aufklärung im höchsten Grade bedürftig sind, auch und vor allem Christschwarze mit ihrem „Führer“ Michael Spindelegger, die nach wie vor nicht abgeneigt sind, eine Koalition nach der nächsten Nationalratswahl am 29. September 2013 mit Freiheitlichen bilden zu wollen, wobei in diesem Zusammenhang „bilden“ das falsche Wort ist, „eingehen“ ist das zutreffende und passende Wort, mit dem das Zuerwartende ökonomisch (weil mit einem einzigen Wort) beschrieben werden kann: zuerst wird eine Koalition eingegangen und dann wird eingegangen … Wählen Sie selbst aus den Synonymen aus, Mehrfachnennungen sind nicht zu vermeiden: kaputtgehen, enger werden, verludern …

Notwendig, forciert breiteste Aufklärung darüber, weshalb Menschen emigrieren …

Notwendig, forciert breiteste Aufklärung darüber, wie es tatsächlich um Afrika bestellt ist …

Medium der Blutrünstigkeit - Freiheitliche Unzensuriertat

„Kindermord/ich hoffe sie drohen nicht nur.ich hoffe sie tun es tatsächlich.jeder tote neger fällt unserem,und nicht zuletzt dem europäischen budget zur last.“

Aber auch, forciert breiteste Erinnerung daran, wie viele aus Österreich einst weggingen, weil sie keine Hoffnung mehr hatten, in Österreich überleben zu können, wie groß die Not war, die Menschen dazu zwangen, das Land zu verlassen, um sich zu retten … Aber nicht nur in Österreich war es so, auch in Italien, Irland … in welchem europäischen Land war es anders? Erzählt nicht beispielsweise der amerikanische Kontinent diese Geschichte des europäischen Elends und der damit einhergehenden Emigration eindrücklich?

Aber bitterer und unerträglicher noch als dieser nicht unerwartete denunzierende freiheitliche Kommentar auf Unzensuriert.at, der alle Menschen in Afrika pauschalierend verunglimpft: potentiell zum „Kindermord“ … und die Schreibstaffel zur enthemmten Blutrunstphantasie wieder und einmal mehr anstachelt, ist die Wirklichkeit, in der bereits Tausende Menschen beim Versuch, dem Elend, der Not und der Gewalt zu entgehen, über das Meer nach Europa zu gelangen, ums Leben gekommen sind, ohne jedoch, daß dafür ein Blutrunstplan vorliegen würde, wenn etwas dafür vorliegt, dann ist es die enthemmte Gleichgültigkeit in Europa, die auch enthemmter Eigennutz genannt werden könnte …

Es will nicht soweit gegangen werden, der Schreibstaffel der freiheitlichen Unzensuriert.at zu danken, aber es ist erwähnenswert, daß diese sich nicht selbst zensuriert (insofern hat das freiheitliche Medium einen zutreffenden Namen gewählt), sich ihrer Blutrünstigkeit nicht schämt und nicht geniert, dies alles offen einzugestehen, auch was sie von den in Afrika lebenden Menschen hält, nämlich nichts, und das kann sie schreiben, weil sie weiß, diese ihre Meinung von der Nichtigkeit der Menschen in Afrika teilen viele in Europa, die es nur nicht offen aussprechen … Wie gesehen werden kann, erhält die Schreibstaffel auch unmittelbaren und nicht zu geringen Zuspruch durch das Voten …

Handys und KinderNS Beinahe wollte der Gedanke aufkommen, Kindesliebe hätte die Schreibstaffel derart in Marsch gesetzt … aber beim Lesen der Kommentare mußte schnell festgestellt werden, Kindesliebe ist es nicht, auch Kinder sind ihr egal, können in ihrer Blutrunstphantasie ermordet werden … Auch das teilt sie in Europa mit vielen (um ein konkretes Beispiel herauszugreifen), mit dem Unterschied, der eine oder andere aus der Schreibstaffel verschickt möglicherweise blutrünstige Kommentare an die freiheitliche Unzensuriert.at mit dem Handy, während andere das Handy nicht für solche Kommentare – und sich das hoch anrechnen …

Ach, bettelten bloß Deutsche – Freiheitliche prangerten Rassismus an

Es gibt aber viele Herangehensarten, um Themen zu diskutieren, jedoch die freiheitliche Weise ist bestimmt keine brauchbare, keine förderliche, und vor allem keine wählbare … Das zeigt sich immer wieder, auch und besonders am Beispiel, wie Freiheitliche über das Betteln sprechen, schreiben … genauer und richtiger: gegen Menschen, die betteln … ach, wären doch bloß alle Bettler und Bettlerinnen aus Deutschland, wie anders würden Freiheitliche ihre Weise klingen lassen … Sie, die Freiheitlichen, würden, wie in den verlinkten Texten zu lesen ist, dort Rassismus erkennen, wo tatsächlich … oder, ach, wäre Österreich bloß Südafrika, Freiheitliche sähen es als ihre Ehre und Pflicht an, gegen Rassismus …

Die Kommentare auf der freiheitlichen Unzensuriert.at, die von den freiheitlichen Betreibern dieser Website als Artikel verstanden werden, fördern ein Klima der Blutrünstigkeit, das die Schreibstaffel in ihren Kommentaren zu den Kommentaren …

Freiheitliche Unzensuriert - Blutrünstiges Austoben

„Das wird alles noch sehr, sehr blutig enden.“

Maria Klingler, die als Blutige Maria schreibt, legt nicht nur die Losung wieder nahe, die es einmal  gab, sondern verdreht zusätzlich die historischen Tatsachen, liefert eine ungeheuerliche Erklärung dafür ab, weshalb in der nationalistischen Totaldiktatur des deutschen reiches Menschen massenhaft ermordet werden mußten – die Ermordeten seien einfach zu „frech“ gewesen, und das mußte den „Einheimischen“ einfach zu „bunt“ …

Ungeheuerlich ist menschgemäß auch die Frage von einem weiteren aus der Schreibstaffel, ob denn die „Wache keine Glock“ …, mehr noch, es ist erschreckend, daß hier nach wie vor einem staatlichen und also gesetzlich gedeckten Morden … ja, dann könnte halt wieder bequem bei der „Pflichterfüllung“ Zuflucht gesucht werden … Es könnte diesem Schreibstaffler als Ungeheuerlichkeit vorgeworfen werden, er bezeichne Menschen als „Gemüse“ … Ist dieser Schreibstaffler nicht schon genug damit gestraft, daß er unfähig ist, eine richtige Beschimpfung und Erniedrigung zu finden? Denn Gemüse ist nichts Ungesundes, ganz im Gegenteil. Äußerst ungedeihlich sind bloß seine Vorstellungen für die Gestaltung des Zusammenlebens in einer Gesellschaft … auch das kann keine Verwunderung mehr hervorrufen, auf freiheitlicher Scholle wächst halt nichts anderes …

Unzensuriertat Blutrunst der KommentarstaffelEs verwundert also einmal mehr nicht, daß die Schreibstaffel keine anderen Schlüsse ziehen kann, daß die Schreibstaffel als Reaktion nur eine „blutige“ sich vorstellen kann …

In diesem freiheitlichen Klima der Destruktivität, der Gestaltungslosigkeit und der Politlosigkeit, das freiheitliche Weltanschauung und Gesinnung  …

Erschreckend aber sind nicht nur die Kommentare der Schreibstaffel, die eine zur Kenntlichkeit bringende Weiterschreibung der Kommentare auf Unzensuriert.at sind, sondern auch die Zustimmung, die diese Kommentare erfahren … Wie auf Vorder- und Rückseite der carte postale gelesen werden kann, sind das keine Kommentare, die vor ewiger Zeit geschrieben wurden, sondern in den letzten vier Tagen … Wie oft die Freiheitlichen das Betteln allein in ihren Kommentaren auf Unzensuriert.at ansprechen, nur in den letzten Monaten, darüber wurde eine Suchergebnisliste auf die Karte geklebt …

Ingeborg-Bachmann-Preis – Geriatrie des Erzählens

Die diesjährige Veranstaltung in Klagenfurt regt auf, nicht aber ausgelöst durch die Texte, die in Klagenfurt gelesen werden, auch nicht durch einen literaturtheoretischen Jury-Diskurs, sondern verursacht durch wirtschaftliche Überlegungen eines Generalintendanten, der verantwortlich ist für die Verflachung und die fortschreitende Beliebigkeit des Programms der österreichischen Fernsehanstalt, wodurch es zur paradoxen Situation kommt, daß alle auf der gleichen Seite stehen, die in der aktuellen Aufregung gegeneinander antreten, um je ihre Interessen zu verteidigen …

Auf der gleichen Seite vom Generalintendanten stehen die Jury und die Autoren und Autorinnen, die verantwortlich sind für die Verflachung und Beliebigkeit der – Literatur kann nicht geschrieben werden, denn die Literatur hält das aus, die Literatur ist unsterblich, auch wenn einmal im Jahr in Klagenfurt das Gegenteil erzählt wird, so daß, richtig gesagt, geschrieben werden muß, auf der gleichen Seite stehen Autoren und Autorinnen, Jury und Generalintendant, die ein Auftrag eint, die Verdummung flächendeckend durchzusetzen, wenn auch aus entgegengesetzten Motiven und entgegengesetzten Interessenslagen, wobei angezweifelt werden darf, ob es überhaupt entgegengesetzte Motive und entgegengesetzte Interessenslagen sind, sie also auch in dieser Hinsicht auf der gleichen Seite stehen, von der aus sie für das Wirtschaftliche rennen …

Bachmann-Preis und ORF - Bündnis der VerdummungVerdummung … Groß ist die Aufregung, es könnte der Ingeborg-Bachmann-Preis abgesetzt werden, und diese Einstellung ist vielen ein Beweis dafür, daß der ORF die Verdummung seiner Kundschaft noch weiter vorantreiben will, sie zu ihrer Vollendung jagen … Das ist wahr und dem kann noch will widersprochen werden, bloß der Ingeborg-Bachmann-Preis ist dafür kein Beleg, denn dieser Wettbewerb versucht ebenfalls die Verdummung voranzutreiben, sie zu ihrer Vollendung zu jagen, und ist darin durchaus erfolgreich – nach wie vor wird breitest die Meinung vertreten, der Gegenstand dieses Bewerbes sei die Literatur, während in Wahrheit der Literatur keine Fahrkarte gekauft wird, um nach Klagenfurt … je den Ingeborg-Bachmann-Preis erreichen zu können, die Literatur ist die Nicht-Eingeladene, mehr noch, die Literatur ist die Ausgeladene …

Die Literatur ist die Ausgeladene, schlimmer noch, die Verladene … es sind die Autoren, die Autorinnen und die Jury zu verhören, wohin sie die Literatur verschickt haben, schlimmer noch, deportiert haben, in welchem Lager die Literatur vegetieren muß, während Jury, Autoren und Autorinnen behaupten, die Literatur säße als Ehrengast nicht nur mitten unter ihnen, frecher noch, sie säßen ehrfürchtig und demütig vor der Literatur, die in Klagenfurt erhöht auf einem Thron …

Von Jahr zu Jahr denken sich Autoren, Autorinnen und Jury für die Literatur schlimmere Qualen aus … es ist zu befürchten, daß in diesem Jahr – 2013 – die Literatur nicht in ein Lager verschleppt wurde, sondern in ein finst’res und nasses Kellerloch geworfen wurde … die Aufzeichnungen der Literatur, wenn sie je aus diesem Kerker befreit werden sollte, werden erschüttern … Aber wer wird die Literatur befreien? Wer wird die Klagenfurteingeladenen stoppen, ihnen Einhalt gebieten? Der Generalintendant? Nein. Das ist ihr Verbündeter. Außer der Absetzung dieses Wettbewerbes hat Alexander Wrabetz nichts anzubieten, mit der Absetzung würde der Generalintendant die Literatur nicht nur im Loch lassen, sondern sie umbringen, die Verdummung damit vollendet haben. So wie er in sich selbst bereits die Ideenfähigkeit total ausgelöscht hat, die Fähigkeit vernichtet hat, neue Formate zu entwickeln, auch für die Literatur … Der Generalintendant, nein, er ist ihr Verbündeter, und er wird diesem Bündnis, wie bereits gemunkelt wird, nicht untreu werden und also diesen Wettbewerb nicht absetzen und es weitergehen lassen wie bisher. Für die Literatur heißt das, sie bleibt im Loch, und es wird zu überlegen sein, wie kann der Literatur in das Loch Papier geschmuggelt werden, daß sie ihre Aufzeichnungen … und vor allem, wie ihr Kassiber dann herausgeschmuggelt …

Aber die Literatur selbst muß etwas zu ihrer Befreiung beitragen, mutiger sein, schneller reagieren … sie hat die Chance verabsäumt, sich aus den Fängen zu befreien, zu lange gewartet, ihr klagenfurterischer Oberwärter schlief, das wäre die Chance gewesen, aber der Sprecher der Jury schreckte auf und schleuderte ihr entgegen: „Jetzt bin ich wieder wach!“ … Und Katja Petrowskaja lachte dabei die ganze Zeit stolz die Jury an, sich darüber freuend, daß ihre bedruckten Seiten von der Jury so gut besprochen werden … Gerade ihre Seiten zeigen exemplarisch das Elend dieses Wettbewerbes, stellvertretend für alle 2013 in Klagenfurt vorgelegten Seiten … denn diese ihre bedruckten Seiten waren für die Jury Anlaß über die „Genealogie des Erzählens“ zu reden, hervorzuheben, sie habe auf ihren bedruckten Seiten auch über Poetologie reflektiert … Unheimlich mutet es an, im 21. Jahrhundert zu leben und dennoch Menschen hören und sehen zu können, die im 19. Jahrhundert leben, wie sie über Genealogie des Erzählens und über Poetologie … Aber auch Zeitungen im 19. Jahrhundert lesen zu können, die davon berichten, daß Katja Petrowskaja mit diesen ihren bedruckten Seiten Favoritin für den … Und womit? Ein Paradoxon. Es reicht aus, mit einer im 19. Jahrhundert schon verdächtigen und angezweifelten Erzähltechnik über ein Grauen im 20. Jahrhundert zu berichten, um Favoritin für den Ingeborg-Bachmann-Preis im 21. Jahrhundert …

Noch ein Paradoxon und zugleich kein Paradoxon, Sichselbstverdummende wollen die verdummen, die sich ebenfalls selbst verdummen und weiter noch verdummen lassen wollen … ohne tatkräftige Unterstützung kann das hohe Ziel der größtmöglichen Verdummung eben nicht erreicht werden …

Was für ein Elend, wenn diese Seiten mit dem sogenannten Hauptpreis, mit irgend einem Preis ausgezeichnet werden sollten: Ein bißchen Nazi-Grauen, ein bißchen Antike, ein liebes Großmütterchen mit ihrem lieben Hergottchen, ein bißchen bildungsbürgerliches Zitieren und Hinweisen und sehr viel Geschichtsunkenntnis, die den Historikern angelastet wird: „die wissen es nicht so genau“ und „schweigen“ … die Historikerinnen müssen ohnehin nicht reden, ist doch „meine Familiengeschichte“, „ja, wenn nicht Weltgeschichte“ und hat eine „Hauptfigur“ … aber was für eine – „Ficus“, der seine „Blätter 1941 im Takt der Weltereignisse nicken“ läßt, wie nun, im Jahre 2013, Burkhard Spinnen oder vielleicht nur seine Ohren …

2013 kann nur einer mit allen Preisen ausgezeichnet werden, der Schauspieler mit seinen bedruckten Seiten über den Diebstahl eines Fotobandes. Selbstverständlich sind nicht die bedruckten Seiten selbst allpreiswürdig, sondern der Umstand, daß ein Seitenbedrucker kein anderes Buch unbedingt stehlen will, als ein Buch mit Fotos, selbstverständlich mit Fotos von Berühmtheiten, ein Buch also stiehlt, aus dem das Wort verbannt ist, das Lesen nicht mehr notwendig ist, es ausreicht, schauen zu können, die Apologie der Illiteratur … die bedruckten Seiten des Schauspielers sind das Logo und die Fahne dieser Veranstaltung …

Alexander Wrabetz ist Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2013

Plötzlich erklärt Witold – zur größten Überraschung des Publikums -, mit Alexander Wrabetz steht der Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2013 vorzeitig fest … verstößt zwar gegen die Satzung, nicht aber gegen Geist und Charakter der Literatur, der Hauptdarstellerin dieser Veranstaltung …

Ingeborg-Bachmann-Preis 2013 Alexander Wrabetz

Alexander Wrabetz, Preisträger, Widzim Witold, Sprecher der Jury

Um ja nichts von der Begründung für diese Sensation durch die für eine derartige Veranstaltung üblichen Geräusche zu überhören, werden die Augen geschlossen, weil auf diese Weise, so schreibt es die Erfahrung vor, die Verstehbarkeit einer ausgewählten Stimme in einem Saal jedesmal entschieden gesteigert werden konnte. Es ist nicht notwendig, die ausstehenden Texte noch vortragen zu lassen, und auch nicht notwendig, ist der Sprecher der Jury klar und deutlich weil als einziger noch zu hören, die vorgestern und gestern gehörten Texte zu berücksichtigen … denn Alexander Wrabetz hat mit Gegen die Dichter eine Prosa vorgelegt, die heuer weder von dem Geschriebenen der nach Klagenfurt Eingeladenen noch von dem bislang Veröffentlichten überboten werden konnte noch von dem in den verbleibenden Monaten dieses Jahres zu Erwartenden zu überbieten sein wird. Eine derart alles überragende Erzählung einer Abstimmung zu unterwerfen, sie mit den anderen auf die Waage zu legen, hieße, sie ebenso leicht zu machen. Es könnte zwar von ihm jetzt ausführlich im Namen der gesamten Jury begründet werden, weshalb es zu diesem einstimmigen Beschluß gekommen ist, kaum daß Alexander Wrabetz endete, in der Sekunde jeder und jede noch für sich alleine diese Entscheidung für Gegen die Dichter und gegen eine Abstimmung, gegen ein statutenkonformes Absitzen traf, die auf dem Rückweg vom Studio zur Pension in der Kramergasse alle einander zur je eigenen größten Überraschung bekannten und sofort gemeinsam beschlossen … Trotz höchster Konzentration auf Widzim Witold sind die durch diese Sensation verursachten anschwellenden Nebengeräusche nicht vollständig zu filtern, so daß die Begründung für die satzungswidrige Entscheidung für die Erzählung von Alexander Wrabetz nicht gänzlich gehört werden kann … Die Zeit der Erzählung nicht eindeutig festzumachen … Vieles spräche dafür, daß es keine Erzählung der Gegenwart … vor allem die Herausstreichung der Poesie … der Ich-Erzähler könne kein Zeitgenosse … gerade deshalb aber ein Befund über Gegenwärtiges in einer Art, die bitter und schmerzlich Gegenwart und Wirklichkeit der Literatur … plötzlich überreicht Widzim Witold (ohne die Begründung umfassend abschließen, wird vermutet, diese also bewußt offen halten zu wollen) Alexander Wrabetz – plötzlich mehr durch Ablenkung als plötzlich wahrgenommen denn tatsächlich plötzlich geschehen – die Urkunde seines Preises mit dem Ersuchen, seinen Text ein weiteres Mal nun als einen ausgepreisten …

Gegen die Dichter

Es wäre feinsinniger von mir, einen der wenigen Gottesdienste, die uns noch verblieben sind, nicht zu stören. Mögen wir inzwischen auch fast alles in Zweifel ziehen, den Kult der Dichtung und der Dichter üben wir doch noch immer aus; anscheinend ist sie die einzige Gottheit, die wir noch ungeniert verehren, mit großem Pomp, tiefen Verbeugungen, salbungsvoller Stimme … Ach, ach, Shelley! Ach, ach … Ach, Dichters Wort, Dichters Sendung, Dichters Seele! Und doch muß ich solche Gebete attackieren, nach meinen Kräften dies Ritual verderben im Namen … einfach im Namen der elementaren Wut, die jeder falsche Stil, jeder falsche Ton, jede Flucht vor der Wirklichkeit in uns erweckt. Aber weil ich mich zum Kampf mit einem besonders hochgeschraubten, fast schon himmlischen Gebiet rüste, muß ich achtgeben, daß ich nicht selbst abhebe wie ein Ballon und den festen Boden unter den Füßen verliere.

Die These der vorliegenden Skizze, daß fast niemand Gedichte mag und daß der ganze Bereich der Versdichtung Fiktion und Vortäuschung ist, klingt vermutlich ebenso kühn wie unernsthaft. Und dennoch stelle ich mich hier vor euch hin und erkläre, daß mir Gedichte überhaupt nicht gefallen und daß sie mich sogar langweilen. Ihr wollt sagen, ich sei ein elender Ignorant! Aber ich arbeite doch schon seit langem, in der Kunst, und ihre Sprache ist mir nicht ganz fremd. Ihr könnt mir auch nicht euer Lieblingsargument vorhalten, ich besäße eben keine Empfänglichkeit für Poesie, denn die besitze ich sehr wohl, und zwar in hohem Maße – und wenn Poesie sich mir offenbart, nicht in Versgedichten, sondern gemischt mit anderen, prosaischeren Elementen, z.B. in den Dramen Shakespeares, oder in der Prosa Dostoevskijs und Pascals, oder einfach bei einem gewöhnlichen Sonnenuntergang, dann bebe ich wie andere Sterbliche auch. Wieso langweilt und quält mich dann aber jener pharmazeutische Extrakt mit Namen „reine Poesie“, vor allem wenn er in Versform dargereicht wird? Warum kann ich diesen monotonen, unentwegt erhabenen Gesang nicht ertragen, warum schläfern mich Rhythmus und Reim ein, warum erscheint mir die Sprache der Dichter als die uninteressanteste von allen möglichen Sprachen, warum ist diese Schönheit für mich so wenig verlockend, und warum kenne ich als Stil nichts Schlechteres und Lächerlicheres als die Art und Weise, wie die Dichter von sich selbst und von ihrer Poesie sprechen?

Aber ich wäre vielleicht geneigt, in mir nach einem besonderen Gebrechen in dieser Hinsicht zu suchen … gäbe es da nicht gewisse Experimente … gewisse wissenschaftliche Experimente … Verflixter Bacon – in der Kunst! Ich rate euch, niemals auf dem Boden der Kunst Experimente durchzuführen, das erträgt sie nicht – und alle Deklamationen über die Kunst haben nur unter der Bedingung Bestand, daß niemand so indiskret ist, nachzusehen, inwieweit sie mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Unliebsame Erfahrungen würden wir machen, wenn wir herausfinden wollten, inwiefern eine Bachbegeisterte Person sich überhaupt an Bach zu begeistern vermag, d. h. inwiefern sie fähig ist, etwas von Musik und von Bach zu erfassen. Habe ich nicht zwei Konzerte gegeben (obwohl ich auf dem Klavier nicht einmal Alle meine Entchen spielen kann), und zwar nicht ohne Erfolg – Konzerte, bei denen ich ohne Maß und Ziel auf die Klaviertasten eingedroschen habe, nachdem ich angekündigt hatte, moderne Musik zu spielen und für den Applaus einiger in meine Intrige eingeweihter Kenner gesorgt hatte? Welch ein Glück, daß die Kunsträsoneure im hohen Stil eines Valérys sich nicht zu derartigen Konfrontationen erniedrigen. Wer von dieser Seite aus unsere ästhetische Messe ins Auge faßt, kann unschwer entdecken, daß dieses Reich scheinbarer Reife gerade der unreifste Hinterhof der Menschheit ist, wo der Bluff, die Mystifikation, der Snobismus, die Unaufrichtigkeit und die Dummheit herrschen. Für unser steifgewordenes Denken empfiehlt es sich als gute Gymnastik, daß wir uns hin und wieder Paul Valéry selbst als Kaplan der Unreife vorstellen, als barfüßigen Priester in kurzen Hosen.

Folgende Experimente habe ich durchgeführt: Ich kombinierte einzelne Sätze oder Satzteile aus den Gedichten eines Dichters zu einem absurden Gedicht und las dieses mehrfach in einem Kreis aufrichtiger Liebhaber als neues Werk des Meisters vor – zum allgemeinen Entzücken besagter Liebhaber; oder ich befragte sie nach Einzelheiten dieses oder jenes Gedichttexts und konnte feststellen, daß die „Liebhaber“ diesen nicht einmal ganz gelesen hatten. Wie denn? Kann man sich so begeistern und nicht einmal bis zum Ende gelesen haben? Sich dermaßen an der „mathematischen Präzision“ des poetischen Wortes ergötzen und die radikale Verwackelung der Präzision gar nicht wahrnehmen? So klug daherreden, derartige Deklamationen zu diesen Dingen von sich geben, sich an allerlei Feinheiten und Nuancen delektieren und zugleich so schwere, so elementare Sünden begehen? Natürlicherweise gab es nach allen solchen Experimenten große Proteste und Beleidigungen, und die Liebhaber schworen bei allem was ihnen heilig war, daß es so denn doch nicht sei … daß immerhin … doch waren alle ihre Einwendungen taube Nüsse und prallten am harten Stein des Experimentes ab.

So stand ich einem Dilemma gegenüber: Tausende von Menschen schreiben Gedichte, Hunderttausende verehren diese Poesie, vortreffliche Genies haben sich in Gedichteform ausgesprochen, seit unvordenklichen Zeiten wird der Dichter geehrt – und vor diesem Berg des Ruhms und des Preises stehe nun ich mit meinem Verdacht, daß die poetische Messe in vollkommener Leere vonstatten geht. Oh, wenn ich mich über diese Situation nicht zu amüsieren wüßte, wäre ich gewiß aufs ernstlichste entsetzt!

Dennoch haben mich meine Experimente gewaltig bestärkt, und ich suchte nun unbefangener nach einer Antwort auf die bedrängende Frage: Warum schmeckt mir die reine Poesie nicht? Warum? Vielleicht aus denselben Gründen, aus denen mir Zucker in reinem Zustand nicht schmeckt? Zucker eignet sich zum Süßen des Kaffees, nicht aber dazu, mit dem Löffel vom Teller gegessen zu werden wie Grütze. An der reinen, in Versen geschriebenen Poesie quält mich das Übermaß; das Übermaß an Poesie, das Übermaß an poetischen Wörtern, das Übermaß an Metaphern, das Übermaß der Sublimierungen, endlich das Übermaß der Kondensierung und der Säuberung jeglicher antipoetischer Elemente – Gedichte gleichen derart einem chemischen Produkt.

Der Gesang ist eine sehr feierliche Form der Äußerung … Aber im Lauf der Jahrhunderte vermehren sich die Sänger – die beim Singen dazu gezwungen sind, die Haltung eines Sängers einzunehmen – und diese Haltung wird im Lauf der Zeit immer steifer. Und der eine Sänger regt den anderen an, einer bestärkt den anderen in immer unnachgiebigerer Sangeshingerissenheit, ha, sie nicht mehr für die Menge, sondern einer singt für den anderen; und zwischen ihnen bildet sich in unaufhörlicher Rivalität, in ständiger Vervollkommnung des Gesanges, eine Pyramide, deren Gipfel an das Himmelszelt reicht und die wir mit in die Höhe gereckten Nasen von unten bewundern. Was ein zeitweiliger Höhenflug der Prosa sein sollte, ist zum Programm, zum System, zur Profession geworden – und heute ist man Dichter, wie man Ingenieur oder Arzt ist. Das Gedicht wuchert inzwischen in monströsen Ausmaßen, und es wird nicht mehr von uns beherrscht, sondern wir von ihm. Die Dichter sind zu Sklaven geworden – und wir könnten den Dichter als ein Wesen definieren, das nicht mehr sich selbst aussprechen kann, da es das Gedicht aussprechen muß.

Dabei kann es doch in der Kunst keine wichtigere Aufgabe geben als eben die: sich selbst auszusprechen. Wir sollten nie die Wahrheit aus dem Blick verlieren, daß jeder Stil, jede bestimmte Haltung sich durch Eliminierung formt und im Grunde eine Verarmung ist. Wir sollten daher niemals zulassen, daß irgendeine Haltung unsere Möglichkeiten allzusehr einschränkt und uns knebelt – und was eine so künstliche, ja prätentiöse Haltung anlangt wie die des „Sängers“, müßten wir ganz besonders auf der Hut sein. In der Kunst aber wenden wir bisher viel mehr Mühe und Zeit für unsere Vervollkommnung in diesem oder jenen Stil auf als für das Bestreben, den Stilen gegenüber eine innere Souveränität und Freiheit zu wahren und ein angemessenes Verhältnis zwischen uns und unserer Haltung zu erarbeiten. Manchmal scheint es, die Form sei für uns ein Wert an sich, gleichgültig, wie weit sie uns bereichert oder verarmt. Voller Hingebung vervollkommnen wir die Kunst, scheren uns aber wenig um die Frage, inwieweit die Kunst noch eine Verbindung mit uns hat. Wir hegen und pflegen die Poesie und achten gar nicht darauf, daß, was schön ist, nicht unbedingt auch „kleidsam“ sein muß. Wenn wir also wollen, daß die Kunst nicht alle Verbindung mit dem menschlichen Individuum verliert, müssen wir von Zeit zu Zeit unsere emsige Kunstproduktion unterbrechen und kontrollieren, ob unsere Kunstprodukte uns überhaupt noch ausdrücken.

Es gibt zwei gegensätzliche Arten von Humanismus. Der eine – wir könnten ihn den religiösen Humanismus nennen – will den Menschen vor dem menschlichen Kunstwerk auf die Knie zwingen, er hält uns dazu an, zu lieben und zu ehren – zum Beispiel die Musik, oder die Poesie, oder den Staat, oder die Gottheit. Die andere Strömung unseres Geistes ist die widersetzlichere; sie will gerade dem Menschen seine Souveränität und Unabhängigkeit im Verhältnis zu den Götzen und Musen zurückgewinnen, die letzten Endes seine Geschöpfe sind. In diesem letzteren Fall wird das Wort „Kunst“ mit kleinem K geschrieben. Ganz zweifellos nun hat ein Stil, der diese beiden Tendenzen zu umfassen vermag, mehr Fülle und Authentizität und kann unsere antinomische Natur genauer reflektieren als ein Stil, der mit blinder Übertreibung nur einen dieser beiden Pole unseres Gefühls ausdrückt. Jedoch sind es von allen Künstlern wohl die Dichter, die am inständigsten auf die Kniee fallen und am meisten beten – sie sind Kaplane par excellence und ex professo, und so verstanden wird die Poesie schlichtweg zur Zelebrierung. Diese Ausschließlichkeit bewirkt gerade, daß der Stil und die Haltung der Dichter so drastisch unzureichend, derart durch nichts ergänzt sind.

Sprechen wir noch einen Moment vom Stil. Wir haben gesagt, der Künstler müsse sich selbst aussprechen. Aber indem er sich selbst ausspricht, muß er auch darauf achten, daß die Art seines Sprechens mit seiner tatsächlichen Lage in der Welt in Übereinstimmung steht, er ist gehalten, nicht nur sein Verhältnis zur Welt, sondern auch das Verhältnis der Welt zu ihm darzustellen. Wenn ich als Feigling einen heroischen Ton anschlage, begehe ich einen Stilfehler. Und wenn ich mich so ausdrücke, als würde ich von allen geschätzt und geliebt, während in Wirklichkeit die Menschen mich gar nicht ehren und mögen, begehe ich ebenfalls einen Stilfehler. Wenn wir jedoch unsere tatsächliche Lage in der Welt einbeziehen wollen, kommen wir um eine Konfrontation mit anderen Wirklichkeiten als der unsrigen nicht herum. Ein Mensch, der sich lediglich in Kontakt mit seinesgleichen geformt hat und ausschließlich ein Produkt seines eigenen Milieus ist, wird einen schlechteren Stil haben als der, der unterschiedliche Milieus und Menschen kennengelernt hat. An den Dichtern nun stört mich nicht nur ihre durch nichts kompensierte Frömmigkeit, ihre völlige Hingabe an die Poesie, sondern auch ihre Vogel-Strauß-Politik gegenüber der Wirklichkeit. Da sie sich der Wirklichkeit erwehren, sie weder sehen noch anerkennen wollen, versetzen sie sich bewußt in einen Betäubungszustand, der keine Kraft ist, sondern Schwäche.

Dichten nicht aber die Dichter für die Dichter? Suchen sie nicht lediglich Bekenner, d. h. Menschen ihresgleichen? Sind diese Gedichte denn nicht das Werk einer ganz dünnen Schicht? Sind sie denn nicht hermetisch? Natürlich werfe ich ihnen nicht vor, daß sie „schwierig“ sind – ich verlange durchaus nicht, daß sie „für alle verständlich“ schreiben und in die Bauernstuben und Gesindekammern gelangen sollen. Dies hieße fordern, daß sie freiwillig auf die wesentlichsten Werte wie Bewußtsein, Verstand, stärkere Sensibilität und profunderes Wissen vom Leben und von der Welt zu verzichten hätten, um sich zum Durchschnittsniveau zu erniedrigen – oh nein, darauf läßt sich keine Kunst ein, die auf sich hält! Wer vernünftig, subtil, erhaben und tiefgründig ist, muß vernünftig, subtil und tiefgründig sprechen – denn die Überlegenheit existiert, und sie existiert nicht, um sich zu erniedrigen und herabzulassen. Schlecht ist also nicht, daß die gegenwärtigen Gedichte nicht allen und jedem zugänglich sind, sondern schlecht ist, daß sie aus einseitigem, verengtem Umgang identischer Welten und identischer Menschen hervorgehen. Immerhin bin ich selbst ein Autor, der sein Niveau hartnäckig verteidigt – aber zugleich (ich erwähne das, damit man mir nicht vorwirft, ich betriebe selbst eine Gattung, die ich bekämpfe) sind meine Werke beständig von dem Bewußtsein getragen, daß es jenseits meiner eigenen kleinen Welt noch andere Welten gibt. Und wenn ich nicht für das Volk schreibe, so schreibe ich doch als jemand, der vom Volk bedroht ist, oder der vom Volk abhängt, oder auch der vom Volk geschaffen wird. Niemals ist es mir denn auch eingefallen, die Pose des „Künstlers“, „Schriftstellers“, des reifen, anerkannten Dichters einzunehmen, vielmehr trete ich gerade in der Rolle des Künstler-Kandidaten auf, ich bin derjenige, der reif lediglich sein möchte – in unaufhörlichen und erbittertem Ringen mit allem, was mich in der Entwicklung behindert. Und meine Kunst hat sich nicht im Kontakt mit einer Gruppe von Seelenverwandten herausgebildet, sondern eben im Bezug auf den Feind und in der Berührung mit dem Feind.

Wie verhalten sich dagegen die Dichter? Kann das Gedicht eines Lyrikers bestehen, wenn es nicht in die Hände eines Lyrikers und Freundes fällt, sondern in die eines Feindes, eines Nicht-Dichters? Wie jede andere Äußerung, so muß auch ein Gedicht so empfangen und verwirklicht sein, daß es seinem Dichter selbst dann keine Schande bereitet, wenn es niemanden gefallen sollte. Mehr noch, Gedichte dürften ihrem Dichter auch dann keine Schande machen, wenn sie ihm selbst als dem Dichter nicht gefallen. Denn kein Dichter ist ausschließlich Dichter, und in jedem Dichter wohnt ein Nicht-Dichter, der nicht singt und der den Gesang nicht mag … und der Mensch ist umfassender als der Dichter. Aber ein unter den Bekennern derselben Religion geborener Stil stirbt in der Berührung mit der Menge der Ungläubigen; er vermag weder sich zu verteidigen noch zu kämpfen; er ist unfähig zu wahrem Leben, es ist enger Stil.

Ich will euch einmal folgende Szene zeigen … Stellen wir uns vor, in einem Kreis von einigen Dutzend Personen steht eine davon auf und beginnt zu singen. Dieser Gesang langweilt die meisten Zuhörer, der Sänger will das aber nicht wahrhaben, nein, er verhält sich, als ob er Entzücken hervorriefe, er verlangt, daß alle vor dieser Schönheit auf die Kniee fallen sollen, er fordert absolute Anerkennung für seine Großdichterrolle; und obgleich niemand seinem poetischen Gesang größeres Gewicht beimißt, macht er ein Gesicht, als hätte sein Wort entscheidende Bedeutung für die Welt, und in unerschüttertem Glauben an seine Dichterische Sendung wirft er seine Donnerkeile, lärmt, tönt und wütet in der Leere; aber mehr noch, er will nicht vor den Menschen, aber auch nicht vor sich selbst, zugeben, daß dieser Dichtergesang ihn selbst langweilt, ihm selbst zusetzt, ihn selbst quält – spricht er sich doch nicht frei, natürlich oder unmittelbar aus, sondern in einer von anderen Dichtern ererbten Form, die schon lange die Berührung mit dem unmittelbaren menschlichen Fühlen verloren hat. So verlautbart er denn die Poesie nicht nur, sondern entzückt sich auch an der Poesie; als Dichter verehrt er die Größe des Dichters, er verlangt nicht nur, daß die anderen vor ihm auf die Kniee fallen, sondern fällt vor sich selbst auf die Kniee. Sollte man von einem solchen Menschen nicht sagen können, er lade sich ein zu schweres Gewicht auf die Schultern? Denn er glaubt nicht nur an die Macht der Poesie, sondern er zwingt sich auch zu diesem Glauben, er bringt sich selbst den anderen zum Geschenk dar, aber er zwingt sie auch, diese Gottesgabe wie eine Hostie zu verehren. Wo soll in einem dermaßen hermetischen Geisteszustand jene kleine Spalte entstehen, durch die von außen das Leben einbräche? Und es geht hier nicht um irgendeinen drittrangigen Sänger, nein, dies gilt auch für die berühmtesten, die besten Dichter.

Könnte doch der Dichter seinen Gesang als eine Manie verstehen, als ein Ritual, sängen doch nur die, die singen müssen, obwohl sie wissen, daß sie im luftleeren Raum singen. Wären sie statt ihres stolzen „Ich, der Dichter“ fähig, diese Worte mit Scham oder nur Furcht auszusprechen … oder sogar mit Ekel … Aber nein! Der Dichter muß den Dichter vergöttern!

Diese Ohnmacht gegenüber der Wirklichkeit prägt nun auf ganz verschiedene Weise den Stil und die Haltung der Dichter. Aber der Mensch, der vor der Wirklichkeit flieht, findet an nichts mehr einen Halt …. er wird zum Spielball der Elemente. Seit die Dichter das konkrete menschliche Individuum aus den Augen verloren und nur noch starr die abstrakte Poesie sahen, konnte nichts sie mehr aufhalten auf der schiefen Ebene, die in den Abgrund des Absurden führt. Alles wuchert ihnen nun ganz von selbst. Die Metapher, allen Zaumzeugs ledig, hat sich aufgebäumt und ist dermaßen durchgedreht, daß es heute in den Gedichten nichts als Metaphern gibt. Die Sprache ist rituell geworden – diese „Rosen“, diese „Dämmerungen“, „Sehnsüchte“ oder „Schmerzen“, die einst ihre Frische hatten, sind durch übermäßigen Gebrauch zum leeren Schall geworden – dies gilt auch für die moderneren „Semaphoren“ oder „Spiralen“. Der Verengung der Sprache folgt die Verengung des Stils, und das hat dazu geführt, daß heutzutage Gedichte nicht mehr enthalten als einige Dutzend geheiligte „Erlebnisse“, dargeboten in den aufdringlichen Kombinationen eines dürftigen Wortschatzes. Ist die Verengung immer Enger geworden, so ist die durch nichts gezügelte Schönheit immer Schöner, die Tiefgründigkeit immer Tiefgründiger, das Edle immer Edler, die Reinheit immer Reiner geworden. Einerseits hat sich das durch keine Bremse gebremste Gedicht zum gigantischen Poem aufgebläht (groß wie jene Wüsten, die nur einige Forscher wirklich kennen), andererseits hat es sich auf allzu synthetische und homöopathische Formate konzentriert. Man hat dann auch nur der Grimasse des schaurig Geheimnisvollen hingebungsvoll alle möglichen Erfindungen und Experimente veranstaltet – und dieser langweiligen Orgie läßt sich, ich wiederhole es, gar nicht mehr Einhalt gebieten. Denn es geht hier nicht um Kunst des Menschen für den Menschen, sondern um ein Ritual vor einem Altar. Und auf zehn Gedichte entfällt mindestens eines, welches der Verehrung der Macht des Dichterwortes beziehungsweise der Glorifizierung der Dichterischen Berufung geweiht ist.

Geben wir zu, daß an diesen Gebresten nicht nur die Dichter leiden. Auch in der Prosa hat diese religiöse Haltung große Flurschäden angerichtet, und wenn wir Werke nehmen wie den Tod des Vergil von Broch oder den Ulysses, oder einige Texte Kafkas, erleben wir dasselbe – der „Rang“, die „Größe“ dieser Werke verwirklicht sich im luftleeren Raum, sie gehören zu den Büchern, von denen alle wissen, daß sie groß sind … die uns jedoch auf eine bestimmte Weise fern und unzugänglich sind und uns kalt lassen … denn sie sind in knieender Haltung geschrieben worden, im Gedanken nicht an den Leser, sondern an die Hohe Kunst oder an eine andere Abstraktion. Diese Prosa ist aus demselben Geiste geboren wie die Dichtung der Dichter, sie ist unzweifelhaft in ihrem Wesen „dichterische Prosa“.

Wenn wir einmal die Werke beiseite lassen und uns mit den Personen der Dichter und der kleinen Welt befassen, welche diese Personen gemeinsam mit ihren Bekennern und Vikaren bilden, so fühlen wir uns noch mehr beengt und benommen. Diese Dichter schreiben nicht nur für Dichter, sondern loben sich auch gegenseitig über den grünen Klee und erweisen einander Ehre. Diese Welt, oder eher diese kleine Welt unterscheidet sich wenig von anderen kleinen hermetischen Spezialistenwelten. So halten die Schachspieler das Schachspiel für den Gipfel der menschlichen Geistesarbeit, sie haben ihre eigenen Hierarchien und sprechen von Capablanca mit der gleichen Andacht wie die Dichter von Mallarmée und einer bestärkt den anderen im Gefühl der eigenen Wichtigkeit. Aber die Schachspieler erheben nicht den Anspruch auf eine derart universale Rolle, und was man den Schachspielern zur Not nachsehen kann, wird bei den Dichtern unverzeihlich. Bei solcher Absonderung schwillt hier alles an, und sogar mittelmäßige Dichter blasen sich in apokalyptischem Ausmaß auf, und geringfügige Probleme nehmen ein atemberaubendes Gewicht an. Erinnern wir uns nur an die fürchterlichen Polemiken über die Assonanzen, und an den Ton, in dem diese Debatte geführt wurde – es wollte damals scheinen, das Schicksal der Menschheit hänge davon ab, ob man auf „moga“ reimen kann … Soweit kommt es, wenn der Gruppengeist die Oberhand über den universalen Geist gewinnt.

Nicht weniger kompromittierend ist die große Anzahl an Dichtern. Zu den oben erwähnten Übermäßigkeiten tritt die übermäßige Zahl der Großdichter hinzu. Diese ultra-demokratischen Ziffern sprengen die aristokratische und stolze Festung der Dichtung und Dichter von innen – und in der Tat ist es ganz amüsant, wenn man sie alle miteinander auf einem Kongreß sieht: Welche eine Masse von Ausnahmewesen! Doch ist diese sich im luftleeren Raum zelebrierende Kunst nicht ein idealer Boden für diejenigen, die gar nichts sind, deren leere Perönlichkeit sich hingerissen in diesen reduzierten Formen auslebt? Und vollends lächerlich sind nun diese Kritiken, diese Artikelchen, Aphorismen, Essays, die in der Presse über die Poesie erscheinen. Hier wird noch und noch leeres Stroh gedroschen – und zwar dermaßen bombastisch und zugleich naiv und kindisch, daß man gar nicht glauben mag, wie Menschen der schreibenden Zunft das Lächerliche an dieser Publizistik überhaupt nicht spüren. Diese Stilisten haben bisher nicht begriffen, daß man über Poesie nicht in poetischem Ton schreiben darf, und ihre Gazetten laufen von derartigen poetisierenden Elukubrationen geradezu über. Etwas ungemein Lächerliches haftet auch all den Rezitationen, Wettbewerben und Manifesten an, aber es lohnt sich wohl nicht, näher darauf einzugehen.

Ich glaube, ich habe nun einigermaßen erklärt, warum die Versdichtung bei mir nicht verfängt. Und warum die Dichter, die sich ganz und gar der Dichtung hingeben und die dieser Institution ihre Persönlichkeit ganz und gar unterordnen, indem sie den konkreten Menschen vergessen und die Augen vor der Wirklichkeit verschließen, sich (seit Jahrhunderten) in einer katastrophalen Situation befinden. Trotz ihrer scheinbaren Triumphe. Trotz des ganzen pompösen Zeremoniells.

Aber ich muß noch einen bestimmten Vorwurf zurückweisen. Man kann wohl nur mit freiwilliger Blindheit erklären, mit welch unerhörter Geistesschlichtheit sich die Dichter (immerhin meist keine dummen oder auch nicht naiven Leute) verteidigen, wenn man ihrer Kunst am Zeug flickt. Viele suchen ihr Heil in der Erklärung, sie schrieben Gedichte zu ihrem eigenen Vergnügen – als ob ihre ganze Verhaltensweise diese Behauptung nicht Lügen strafte. Andere behaupten ganz ernsthaft, sie schrieben für das Volk, und ihre raffinierten Scharaden seien Nahrung für die Schlichten im Geiste. Alle aber glauben unverbrüchlich an den gesellschaftlichen Widerhall der Poesie, und es fällt ihnen ungemein schwer zu verstehen, wie man sie von dieser Seite her angreifen kann. Sie würden sagen: „Wie denn? Können Sie zweifeln? Sehen Sie nicht die Massen, die zu unseren Rezitationen kommen? Die vielen Auflagen, die unsere Gedichtbände erreichen? Die Studien, Artikel, Untersuchungen, die über uns geschrieben werden? Die Bewunderung, welche den berühmten Dichtern gezollt wird? Sie selbst wollen die Wirklichkeit wohl gar nicht sehen …“

Was soll ich ihnen antworten? Daß das alles – Illusionen sind. Es ist wahr, Massen eilen zu den Rezitationen, aber wahr ist auch, daß sogar ein sehr gebildeter Hörer absolut nicht imstande ist, das jeweils rezitierte Gedicht zu verstehen. Wie oft nahm ich an diesen hoffnungslosen Veranstaltungen teil, an denen immer noch ein Gedicht rezitiert wurde – und man hätte jedes davon mindestens dreimal mit angespannter Aufmerksamkeit durchlesen müssen, um seinen Inhalt halbwegs entziffern zu können. Was aber die Auflagen betrifft, so wissen wir, daß Tausende von Büchern gekauft werden, um schließlich ungelesen zu bleiben. Und die Bewunderung? Rufen nicht Rennpferde noch weit größeres Interesse hervor? Aber was hat dieses sportliche Interesse, mit dem wir jede Art von Rivalisierung und all diese – nationalen und anderen – Ambitionen, die solchen Rennveranstaltungen eigen sind, zur Kenntnis nehmen, mit echter künstlerischer Rührung zu tun?

Doch eine solche Antwort wäre zwar richtig, aber nicht hinreichend. Das Problem unseres Umgangs mit der Kunst liegt viel tiefer und ist viel schwieriger. Eines steht – zumindest für mich – fest. Wenn wir überhaupt etwas davon verstehen wollen, müssen wir auf die allzu einfache Idee völlig verzichten, die „Kunst begeistere uns“ und „wir ergötzten uns an der Kunst“. Nein, die Kunst begeistert uns nur bis zu einem gewissen Grad, und die Ergötzungen, die sie uns bereitet, sind von zweifelhafter Art … Und kann es denn anders sein, wenn der Umgang mit großer Kunst ein mühsamer und schwieriger Umgang mit Menschen ist, welche reifer sind, weitere Denkmöglichkeiten und machtvolleres Gefühl haben? Wir ergötzen uns nicht, vielmehr bemühen wir uns, uns zu ergötzen … und wir verstehen nicht, vielmehr bemühen wir uns zu verstehen …

Wie oberflächlich ist doch ein Denken, für das sich dieses komplexe Phänomen auf die einfache Formel reduziert: Die Kunst begeistert uns, weil sie schön ist. – Ach, es gibt so viele Snobs … aber ich bin ja gar kein Snob, ich gebe ehrlich zu, wenn mir etwas nicht gefällt, sagt diese Einfalt und meint, damit sei alles geklärt.

Aber deutlich spürbar spielen hier Dinge mit, die mit der Ästhetik nichts zu tun haben. Wenn man uns in der Schule nicht zur Begeisterung für die Kunst gezwungen hätte, denkt ihr dann, wir hätten für sie in höherem Alter genau so viel Begeisterung vorrätig? Meint ihr, wenn uns unsere ganze Kulturorganisation die Kunst nicht aufoktroyierte, wir würden uns so für sie interessieren? Ist es nicht unser Mythen- und Verehrungsbedürfnis, das sich in unserer Kunstbewunderung auslebt – und wenn wir die Höheren vergöttern, erhöhen wir uns damit nicht selbst? Aber vor allem: Gehen diese Bewunderungs- und Begeisterungsgefühle „aus uns“ oder „zwischen uns“ hervor? Wenn in einem Konzert sich ein Beifallssturm erhebt, bedeutet das gar nicht, daß jeder der Beifallklatschenden begeistert wäre. Ein schüchterner Beifall provoziert den zweiten – sie heizen sich gegenseitig auf – und am Ende bildet sich eine Situation heraus, in der jeder innerlich sich dieser kollektiven Emotion anpassen muß. Alle „verhalten sich“, als wären sie begeistert, obwohl niemand „wirklich“, jedenfalls nicht in diesem Maße, begeistert ist.

Es wäre also falsch und beklagenswert naiv, wenn wir von Gedichten oder von irgendeiner anderen Kunst verlangten, sie sollte ohne weitere Umstände, einfach so, Quelle menschlicher Ergötzung sein. Und wenn wir uns von diesem Standpunkt aus in der Welt der Dichter und ihrer Verehrer umsehen, so scheint uns alles Absurde und Lächerliche als berechtigt: Offenkundig soll es so sein und liegt in der natürlichen Ordnung der Dinge, daß die Kunst, wie auch die Begeisterung, die sie hervorruft, eher ein Werk des kollektiven Geistes ist als eine unmittelbare Reaktion des Individuums.

Und dennoch – nein. Auch diese Auffassung kann die Dichter nicht retten und ihre Poesie die Röte des Lebens und der Wirklichkeit auf die Wangen zaubern. Denn wenn dies die Wirklichkeit ist, so nehmen sie sie jedenfalls nicht wahr. Für sie geht alles ganz einfach vor sich: Der Sänger singt, und der Hörer hört begeistert zu. Wenn sie fähig wären, sich diese Wahrheiten zu eigen zu machen, dann müßte sich notwendigerweise ihr ganzes Verhältnis zum Gesang ändern. Da könnt ihr aber ganz ruhig sein. Gar nichts wird sich ändern bei den Dichtern. Wiegt euch nicht in der Illusion, sie würden angesichts jener kollektiven Mächte, die uns unser individuelles Empfinden verfälschen, irgendeinen Widerstandswillen an den Tag leben – und sei es zu dem Behuf, die Kunst nicht mehr eine Fiktion und ein Zeremoniell sein zu lassen, sondern darauf einen wirklichen Umgang des Menschen mit dem Menschen zu machen. Nein, diese Mönche wollen demütig bleiben.

Mönche? Das heißt nicht, daß ich ein Gegner des Lieben Gottes wäre oder seiner zahlreichen Orden. Aber sogar die Religion stirbt mit dem Augenblick, da sie sich in ein Ritual verwandelt. Wahrlich, allzu leicht opfern wir auf diesen Altären die Authentizität und das Gewicht unserer Existenz.

Freiheitliche setzen weltanschaulich motiviertes Trommelfeuer gegen alle ein

Der zurzeitige freiheitliche Obmann beschreibt mit seiner Verteidigungsrede von Dr. Martin Graf sehr genau die freiheitlichen Praktiken, wenn er erklärt:

[E]inem parteipolitisch-ideologisch motivierten Trommelfeuer […] [D]ie Wahrheit leider so gut wie keine Rolle […] [N]ichts unversucht […] anzupatzen. [F]ür eine reißerische Schlagzeile gern den Blick auf den tatsächlichen Sachverhalt außer Acht lassen[.] Was wirklich Sache sei, scheine da niemanden zu interessieren. Dieses System von Vorverurteilung und Fixierung […] ohne Tatsachensubstrat sei eigentlich eine Schande […] und werfe auch kein gutes Bild[.] […] FPÖ genau mit diesen falschen Vorwürfen und Anschüttungen treffen […] damit jede Diskussion über die brennenden Probleme im Land verhindern[.] Nichts sei […] unangenehmer, als über die wirklichen Probleme in Österreich sprechen zu müssen. Deshalb würden Ablenkungsfronten aufgemacht.

Veröffentlicht wurde diese Eigenbeschreibung auf der freiheitlichen Unzensuriert.at … Allein dieses freiheitliche Medium stellt laufend Bestätigungen für diese Eigenbeschreibung aus, wie nachgelesen werden kann – eine Auswahl aus den letzten sechs Wochen:

Freiheitliche Parallelgemeinschaft der Verschwörungen und Anstandslosigkeit

Freiheitliche – Zehn Jahre der Entwicklung hinter nach – Nicht nur bei der Integration

Freiheitliche Unzensuriert.at erklärt, wie Frau und Wahrheit zu schlagen sind

Lügen-, Hetz- und Diffamierungstechnik der Freiheitlichen, gezeigt am englischen Beispiel

Freiheitliche Unzensuriert.at auf Menschenjagd

Freiheitliche müssen so viel vor dem Bürger und der Bürgerin verstecken – Kaum noch ein Nachkommen

Freiheitliche Wahrheitswankelmütigkeit

Freiheitliche Faktenfreiheit zum Beispiel auf Unzensuriert.at, etwa von Norbert Hofer

Freiheitliches TrommelfeuerNS Dr. Martin Graf wird es sich wohl hoch anrechnen, als NR nicht mehr zu kandidieren. Nach wie vor gar nicht hoch wird es den Abgeordneten, die diesen nationalauffälligen Freiheitlichen zu ihrem III. Präsidenten NR wählten und also für eine fast fünfjährige Amtsaffäre hauptverantwortlich sind, angerechnet, wie auch der heutige Zwischenstand der Langzeitumfrage zeigt. Im Gegenteil. Seit dem letzten Zwischenergebnis sind es wieder mehr geworden, die für Rücktritte sind … Und mit Norbert Hofer wollen die Freiheitlichen die Wählerinnen und Wählern überzeugen, jedoch davor müssen ein paar Millionen Wähler und Wählerinnen überzeugt werden, daß Freiheitliche je noch wählbar sind … Ein Unterfangen, das weniger und weniger gelingt, in Kärnten wurde es bereits eindrucksvoll aus bitterer Erfahrung verstanden, daß mit Freiheitlichen lediglich eine galoppierende Inflation der Unschuldsvermutungen …

NNS Sie sind weiter herzlich eingeladen, sich an diesen beiden Langzeitumfragen zu beteiligen.

Beatrix Karl belegt die Notwendigkeit der Umbenennung des Leopold-Kunschak-Preises

Der nun vorliegende Bericht der Historikerkommission über die Straßennamen in Wien, in dem auch Leopold Kunschak seine christschwarzwürdige Erwähnung findet, will als Anlaß genommen werden, wieder einmal zur Notwendigkeit der Umbenennung des Leopold-Kunschak-Preises zu schreiben.

Leopold Kunschak Preis 2014 - Auch nochEs muß nicht noch einmal darauf eingangen werden, wofür der Leopold-Kunschak-Preis gedacht ist, ach, für hehre Werte … Und es könnte angenommen werden, daß Preisträgerinnen und Preisträger einer derartigen Auszeichnung es als eine ihre Verpflichtung ansehen, auch nach einer Zuerkennung diese Werte hochzuhalten, diese als Grundlage ihres Handelns …

Nun, es muß einbekannt werden, nicht nachgeforscht zu haben, wofür Beatrix Karl den Leopold-Kunschak-Preis bekam. Eines aber ist gewiß, Beatrix Karl sieht in dieser Zuerkennung keine Verpflichtung, die hehren Werte in ihr Handeln zu integrieren, wie auch die aktuellen Aufregungen um den Jugendstrafvollzug …

Nun, es kann auch sein, daß Beatrix Karl die Zuerkennung gänzlich mißverstanden oder gänzlich richtig verstanden hat, daß es Kunschak Beatrix Karlbei diesem Preis also ausschließlich um das Gedenken an Leopold Kunschak geht, mehr noch, Leopold Kunschak nachzueifern; ob das der Grund ist, weshalb Beatrix Karl das Bild von Leopold Kunschak in ihrem Justizministerinbüro …

Preise sind wohl generell eine zwiespältige Sache. Zum einen dienen sie oft nur zum Gedenken an äußerst fragwürdige Personen, zum anderen auch dafür, Ausgezeichnete darin zu bestärken, ihren eingeschlagenen guten Weg fortzusetzen. Aber auch dafür, Ausgezeichnete, die einen Preis noch nicht verdienten, das Versprechen abzunehmen, die mit einem Preis verbundenen Werte und die in gesetzten Hoffnungen in der Zukunft zu erfüllen -, aber Ausgezeichnete enttäuschen öfters als sie … Wie der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Barack Obama …

Von Beatrix Karl zu Barack Obama … Ein weiter und unverständlicher Weg, werden Sie sagen … Nein, wenn Beatrix Karl und Leopold Kunschak erwähnt wird, kann Johanna Mikl-Leitner nicht ausgelassen werden, die nicht nur Sicherheitsministerin ist, sondern auch Bundesobfrau des ÖAAB, der den Leopold-Kunschak-Preis …

Und in der aktuellen Aufregung um Edward Snowden versagen sich die Werte, für die der Leopold-Kunschak-Preis angeblich geschaffen wurde, Johanna Mikl-Leitner … Verantwortlich für diesen Skandal ist nicht Johanna Mikl-Leitner, sie ist bloß eine Erfüllungsgehülfin mit abgewetzten Paragraphenschonern von, nein, unter vielen europäischen Gehülfen des Barack Obama, der auch in dieser Affäre eine äußerst unrühmliche Rolle spielt, und das erinnert daran, daß er einst einen Preis bekam, für den er bis zur Auszeichnung nichts tat, um diesen zu diesem Zeitpunkt gerechtfertigt schon zu erhalten, außer: er legte Wahlreden mit Versprechungen vor … Er hält seit Jahren einen Preis in Händen, und meint wohl, mit dem Halten dieses Preises seien seine einstigen Versprechen eingelöst … Aber, Frieden heißt nicht nur, keine Kriege … Frieden heißt auch, die Menschen in Ruhe zu lassen, ihre Grundrechte zu achten, sie nicht zu Verdächtigungsmonstern zu degradieren … In beiden Fällen hat Barack Obama nichts eingelöst, was von ihm erhofft wurde, auch durch die überstürzte und kopflose Verleihung des Friedensnobelpreises … Möglicherweise besitzt der amerikanische Präsident die Preisurkunde gar nicht mehr, weil er auch diese durch Drohnen zerlöchern hat lassen, wie der Menschen Hoffnungen …

Beatrix Karl als Leopold-Kunschak-Preisträgerin, Johanna Mikl-Leitner als für den Leopold-Kunschak-Preis verantwortliche ÖAAB-Bundesobfrau versagen auf der sogenannten nationalen Ebene und auf internationaler Ebene, auf der wieder der mit einem internationalen Preis der hehren Werte ausgezeichnete Barack Obama versagt, wobei menschgemäß das internationale Versagen das weitaus schlimmere … Oder auch nicht, ebenfalls bloß eine Operette, zwar auf einer größeren Bühne, mit mehr Personal …

Nun, die christschwarze Partei wird es sich nicht nehmen lassen, auch 2014 wieder einen Leopold-Kunschak-Preis zu vergeben, aber Wähler und Wählerinnen sollten noch mehr es sich nicht nehmen lassen, keine Stimmen mehr an jene zu vergeben, von denen bisher schon wenig erwartet wurde und nur ein Versprechen einlösten, auch das Wenige nicht zu erfüllen …

Zur Nachlese, eine Auswahl:

Umbenennen des Leopold-Kunschak-Preises

Nicht Asyl, sondern gleich die Staatsbürgerschaft für Edward Snowden

Leopold-Kunschak-Preise  – Auch 2013 kein Verzicht. Dafür wieder ein Wunder von Werner Fasslabend?

Statt Exkursionen nach Mauthausen, sollte Beatrix Karl welche in ihr Justizministerinbüro veranlassen

Die gut schlafenkönnenden Wissen von Johanna Mikl-Leitner und Beatrix Karl

Leopold-Kunschak-Preise

Bundesministerin für Inneres

Bundesministerin für Justiz

NS Es wird nicht verwundern, daß in dem Bericht der Historikerkommission Schriftsteller vorkommen, die in der freiheitlichen ZZ heute noch zur Wiederlesung empfohlen werden, wie Egmont Colerus …

Nicht Asyl für Edward Snowden, sondern gleich die Staatsbürgerschaft

Im Morgenjournal war Johanna Mikl-Leitner, christschwarze Sicherheitsministerin, zu hören …

Und was war heute zu hören … Technokratisches … Amtsstubengestammel einer Erfüllungsgehülfin mit abgewetzten Paragraphenschonern …

Mag es widersprüchlich klingen, zu hören war die absolute Einfallslosigkeit, Politlosigkeit …

Edward Snowden - Passeport européenWie einfach wäre es und was für ein deutliches politisches Zeichen wäre es, Edward Snowden unkompliziert und schnell die Staatsbürgerschaft zu verleihen, um ihn vor dem zu bewahren, was ihm in den Vereinigten Staaten noch alles drohen könnte, ihm dem zu entziehen, was ihm bereits … Jeder konservativen Sängerin mit einer nicht ganz alltäglichen Stimme wird die Staatsbürgerschaft ohne Not nachgeschmissen, als wäre es ein nasser Fetzen, und wofür? Damit sie das Staatsbühnenheer verstärkt, die seit Jahrzehnten das Ewiggleiche vortragen … Aber das Schmettern ginge auch ohne -, nun könnte die Staatsbürgerschaft einen Handlungswert erhalten … Jeder Sportschwimmer, der sich ein bißchen mehr über Wasser halten kann als eine in Österreich geborene Schwimmerin, bekommt leicht die Staatsbürgerschaft, all die Fußballer, die dennoch nicht dazu beitragen können, den österreichischen Fußball zur Weltspitze zu führen, werden rasch mit der Staatsbürgerschaft auf das Feld geschickt … Nun könnte eine Staatsbürgerschaft damit belohnt werden, einen realen Schutzwert auszuüben …

Aber was kann von einer Sicherheitsministerin erwartet werden, die einer Regierung angehört, die in diesem konkreten Skandal der absoluten Menschenverdächtigung durch obsessive weltweite Bespitzelung einen Fragekatalog an den Täter schickt, vom Täter, also von den Vereinigten Staaten, Aufklärung erbittet …

Aber was kann von einer Sicherheitsministerin erwartet werden, die einer Regierung angehört, die selbst Gesetze verabschiedet zum Ausspionieren von allen Menschen in Österreich …

Diese politische Einfallslosigkeit ist jedoch nicht auf Österreich beschränkt, auch im übrigen Europa fehlt ein klares und deutliches Zeichen, die eigenen aber mehr und mehr bloß noch zum Ausgehen angesteckten Orden der Werte der Grundrechte endlich als Auftrag zum Handeln …

Freiheitliche Parallelgemeinschaft der Verschwörungen und Anstandslosigkeit

Wie wenig den Freiheitlichen der Mensch zählt, dessen Wahlstimme die Freiheitlichen aber haben wollen, beweist wieder einmal die freiheitliche Unzensuriert.at mit einem gestern veröffentlichten Kommentar, mit dem ein Buch nicht nur angepriesen wird, sondern auch gleich zum Verlag verlinkt wird, um dieses Buch bequem bestellen zu können.

Womit weiter, mit dem gar nicht begonnen werden will … Weil ein Erzeugnis zu beschreiben ist, das … aber schließlich geht es um eine Gesinnungsgemeinschaft, die bei Wahlen kandidiert, also gibt es kein Vorbei an diesem …

Mit einer neuen Überschrift noch einmal beginnen:

Freiheitliche – Eine Affäre der Wähler und Wählerinnen

Es ist ein Buch, daß die freiheitliche Unzensuriert.at nicht nur empfiehlt, sondern zu diesem Erzeugnis zum bequemsten Bestellen auch gleich verlinkt.

Und dann weiter, doch weiter, mit dem Verlag anfangen …

Weltenwandel UG wurde erst im März 2013 gegründet, mit einem Stammkapital von 300,00 Euro. Wie auf der Website dieses Verlages gesehen werden kann, sind erst zwei Bücher erhältlich, verlegt worden. Das eine Buch „Staatsaffäre …“ von Guido Grandt und Udo Schulze und das zweite Buch von Michael Grandt, dem Bruder. Als Geschäftsführer fungiert Günter Saur – auch über ihn sind Informationen auf die carte postale geklebt …

Freiheitliche - Eine Staatsaffäre 30-06-2013Auf der Website Weltenwandel kann zu dem Buch „Staatsaffäre …“ ein Video abgerufen werden: „Alpenparlament TV“. Interviewer ist Michael Vogt. Ein Burschenschafter, der …

Es wird besonders hervogehoben, daß hier unabhängiger, unzensierter Journalismus betrieben wird. Nun. Michael Vogt interviewt Guido Grandt und Udo Schulze über ihr Buch beim Verlag Weltenwandel, dessen Geschäftsführer Günter Saur ist, mit dem Michael Vogt Geschäftsbeziehungen unterhält. Informationen hierzu ebenfalls auf die carte postale geklebt. Im Grunde aber reicht das Ansehen dieses Interviews vollkommen, um zu wissen, daß dieses Buch ein Aberwitz ist, ein „Scharlatanerieprodukt“, um ein Wort über andere Produkte aus diesem Umfeld zu verwenden. Daß schlampig gearbeitet wurde (Satzfehler beim Umbruch der Druckereidatei), schreibt Guido Grandt selbst in seinem Blog vom 17. Juni 2013, am 4. Juni 2013 muß er sich damit auseinandersetzen, ob Werk und Vertrieb ein „Betrug“ …

Freiheitliche - Eine Staatsaffäre - RückseiteWas für „Enthüllungen“ Guido Grandt sonst auf den Tisch gelegt hat, dafür reicht der Hinweis auf sein Buch über Jörg Haider, der …

Und Udo Schulze? Es mag nicht mehr weiter ausgeführt werden. Recherchieren Sie selbst. Vielleicht noch der Hinweis, Udo Schulze hat auch mit dem Kopp-Verlag zu tun, ein Verlag, der Freiheitlichen nicht unbekannt …

Womit die Freiheitlichen wieder direkt angesprochen sind, um die es hier einzig geht, um die bei Wahlen kandidierenden Freiheitlichen. Es darf nicht vergessen werden, daß die Unzensuriert.at auf der Website der Freiheitlichen als eine der „Initiativen Nationalratsabgeordneter“ geführt wird. Was für eine Empfehlung, Freiheitliche zu wählen …

Während, wie bei Guido Grandt zu lesen ist, im Internet Menschen, die keine Nationalratsabgeordneten sind, längst schon darüber diskutieren, ob denn dieses Buch ein „Betrug“ ist, wird es von Freiheitlichen bedenkenlos nicht nur in ihrem weltanschaulichen und ihrem weltansehenden Sinne positiv besprochen, sondern auch gleich zum bequemen Bestellen verlinkt …

Skrupellos mißbrauchen Freiheitliche einen Menschen, der viel durchmachen mußte, haben vor diesem Menschen, der viel durchmachen mußte, keine Achtung, keinen Anstand, kein Gewissen. Denn, hätten Freiheitliche Achtung vor den Menschen, sie würden genau prüfen, nicht nur in dem hier konkret angesprochenen Fall, ehe sie beispielsweise derartige Machwerke für niedrigste parteipolitische Zwecke … Aber auch darüber will nicht mehr noch ausgeführt werden, als hier ohnehin schon ausgeführt wurde … Geben Sie zum Beispiel als Suchwort „Unzensuriert“ ein, Sie werden auch hier genügend Beispiele finden, um sich zu fragen, können Freiheitliche das Wort Respekt, das Wort Anstand, das Wort Achtung, das Wort Redlichkeit überhaupt fehlerfrei buchstabieren, oder das Wort Wahrheit …

Tea-Party beim Bachmann-Preis

Es wurde gestern wohl zu streng über den „Ingeborg-Bachmann-Preis geurteilt, denn es wurde dabei ganz darauf vergessen, für wen dieser Preis von großer Bedeutung ist, wer sich auch dafür einsetzt … es sind Menschen, die ohne ihnen vorgetragene Literatur haltlos wären, politische Wege beschritten, die … Aber die in Klagenfurt ihnen vorgelesene Literatur lassen sie über die in ihnen selbst angelegten Möglichkeiten erschrecken, veranlassen sie, sich zu besinnen, das Wahre, Schöne und Gute, das in ihnen auch vorhanden ist, erkennen …

Eine Gruppe auf der Plattform des Unternehmens Facebook mit dem Namen „Rettet den Bachmann-Preis!“ überzeugte schließlich, wie wichtig diese Literaturveranstaltung ist, welch einigende Kraft für dieses Land ihr innewohnt …

Was wäre aus diesen Menschen, die sich nun auch für die Rettung des „Ingeborg-Bachmann-Preises“ einsetzen, geworden, ohne die ihnen seit Jahrzehnten vorgetragene Literatur? Was wird aus ihnen werden, wenn es diese Literaturveranstaltung nicht mehr …

Tea Party beim Bachmann-PreisAus dem Gründer dieser Rettungsgruppe, René Cerne? Was für eine gute Begleiterin war ihm bisher die vorgelesene Literatur, zu welch einer Offenheit führte ihn diese: Nicht nur abzulesen an seinen Mitgliedchaften auf der Plattform des Unternehmens Facebook: „Austrian Tea Party“, „Die Freiheitlichen in Klagenfurt“, sondern auch an seinem derzeitigen Beruf: Büroleiter von Landesrat Gerhard Köfer, auch an seiner weltpolitischen Einschätzung, zu der nur ein literaturgeschultes Ohr … Die Literatur wird ihn wohl auch sicher zur österreichischen Tea-Party-Bewegung geführt haben, zu dieser Gruppe mit dem geschulten Auge für Qualität, die sie verbreitet: Andreas Unterberger, Christian Ortner … Mit aus der Tradition hergeleiteten Werten … Mit Mitgliedern, die der sogenannten Meinungselite in diesem Land … Wird daran gedacht, was für Geistesgrößen in den Vereinigten Staaten zur dieser Bewegung gehören, wie Sarah Palin, wird es nicht verwundern, daß auch in Österreich dieser Gruppe vor allem Menschen aus dem universitären Bereich beigetreten sind, etwa Josef Spindelböck … Aber auch Wahlkandidaten mit einer Sendung, wie Rudolf Gehring …

Und weil es bei diesem „Ingeborg-Bachmann-Preis“ um Offenheit, um Weltläufigkeit geht, wie es René Cerne richtig versteht, hat er Menschen zu dieser Rettungsgruppe eingeladen, um sich geschart, die bekannt sind für Offenheit, für Weltläufigkeit, für … beispielsweise Harald Dobernig, unter dessen Landesratsschaft die Kultur in Kärnten einen … Oder Udo Guggenbichler, der mit der Ausrichtung des WKR-Balles wohl die weltoffenste Tanzveranstaltung …

Ach, redet den „Ingeborg-Bachmann-Preis“ nicht schlecht, ohne diesen wäre es … Ohne den „Ingeborg-Bachmann-Preis“ wäre auch dieser Text nicht geschrieben worden, denn Alexander Wrabetz kann es sich nicht und schon gar nicht hoch anrechnen lassen, mit seinem Sparfuchteln für diesen Text verantwortlich zu sein … Vielleicht sollte er sich auch Literatur vortragen lassen, möglicherweise kann er als Oberschüler doch andere Erkenntnisse aus der Literatur ziehen, als …

ORF ist besetzungsreif

Spät im Juni 1979 wurde in Klagenfurt das Gebäude in der Reitschulgasse 4 besetzt. Aufhänger war die sogenannte „Woche der Begegnung“ … Diese einwöchige kulturelle Abspeise, zu der die Menschen in Klagenfurt für eine einzige Woche im Jahr sich anstellen durften. Grund für die Besetzung war auch der damals in dieser Woche abgehaltene „Ingeborg-Bachmann-Preis“, der nicht gewollt wurde … Das Gehabe der eingeflogenen sogenannten Großkritiker … Das Angerührtsein und das nach Anerkenung und Liebe bettelnde Lesepersonal … Dieses unliterarische Verhalten …

Damals war klar, und so wurde auch die Forderung formuliert, daß das für die „Woche der Begegnung“ und für den „Ingeborg-Bachmann-Preis“ hinausgeworfene Geld besser angelegt wäre für die Schaffung und für das ganzjährige Bespielen eines Kommunikationszentrums, das Raum geben sollte der gesamten kulturellen, künstlerischen und literarischen Vielheit nicht nur Klagenfurts und Kärntens, sondern weit darüber hinaus. Im Frühling 1980 war es mit der Besetzung vorbei. Das Haus wurde von den Polit-Verantwortlichen zum Demolieren freigegeben, um eine neuerliche Besetzung zu verhindern.

Was bis heute blieb, ist der „Ingeborg-Bachmann-Preis“. Ein Preis, der für Kärnten nichts brachte. Wird daran gedacht, welche politischen Entwicklungen dann kamen, oder genauer, keine Entwicklungen, sondern der Siegeszug der Freiheitlichen mit ihren Stillständen und Rückgängen und bis zum Erbrechen bekannten Auswüchsen. Ein vom Land und von den Menschen in diesem Land abgekoppelte Literaturveranstaltung, eine unerhebliche, von Jahr zu Jahr lieblicher gewordene Veranstaltung, auf der Texte vorgelesen werden, uninteressant und dem Korrekten bis zur Eintönigkeit verpflichtet. Und um die Literaturkritik, die auf dieser Veranstaltung geboten wird, ist es um keinen Deut besser bestellt. Die Literaturkritik hat auf dieser Veranstaltung mit 2011 völlig abgedankt. Es bedurfte 2011 keiner Literaturkritik mehr, 2011 hätte es auch nicht einmal bedurft, den Text vorzulesen, der 2011 mit dem „Ingeborg-Bachmann-Preis“ ausgezeichnet wurde. Denn es war augenblicklich beim Lesen der Eingeladenen und den Inhaltsangaben ihrer Wett-Texte klar, wer diesen gewinnen wird. Es war lediglich eine kleine Rechnung anzustellen: ein kleines Jubiläum eines nach einer Frau aus Kärnten benannten Preises, dazu noch das Thema des Textes, um zu wissen, wer 2011 gewinnen wird. Und genau diese Nacherzählung wurde dann schließlich auch mit dem „Ingeborg-Bachmann-Preis 2011“ …

Wenn es einen „Ingeborg-Bachmann-Preis“ weiterhin geben soll, dann muß es ein anderer werden. Mit Schreibenden, deren Fadesse ihrer Texte nicht schon von ihrer Ausstrahung und ihrer Bekleidung abgelesen werden kann. Nicht weiter mit einer Jury, die es literaturkritisch nicht einmal mehr schafft, Meterware zu erzeugen, mit einer Jury, die in der Lage ist, mannigfaltige Verbindungen zu den besprochenen Texten herzustellen, die das Sprechen über Literatur spannend machen, das Zuhören zu einem geistigen Erlebnis … Menschgemäß werden dafür aber Texte benötigt, die ein derartiges Niveau fordern …

Die Zeit ist wohl auch wieder reif, nein, überreif, für eine neue Besetzung, aber eine im großen Stil. Der ORF ist besetzungsreif. Nicht das kleine Studio in Kärnten allein ist zu besetzen, sondern das große Gebäude, in dem Alexander Wrabetz sitzt, der überangepaßte Oberschüler der medialen Verflachung und Denovation. Nein, alle Studios sind zu besetzen. Denn, wenn es den ORF weitergeben soll, dann muß es ein anderer werden.

PS Sonderbar mutet es nun an, daß wohl nicht wenige, die damals gegen diese Literaturveranstaltung waren, heute für den Erhalt des „Ingeborg-Bachmann-Preises“ sich einsetzen, also für etwas Erstarrtes sich entscheiden, vielleicht auch deswegen, weil sie auch eine Sehnsucht nach einer Tradition haben, von der sie jedoch fälschlicherweise meinen, es sei eine andere, als jene, gegen die sie politisch korrekt auftreten. Wohl aber auch handfeste wirtschaftliche Gründe …Der eine oder die andere, die eine geschäftliche Verbindung zu dieser Veranstaltung haben, persönliche finanzielle Einbußen befürchten …