Wie Jedermann es schafft, das dem Magistrat lange nicht gelingt, Karl Kraus endlich aus der Kirche zu vertreiben.

Es muß doch einmal, weil es gar zu köstlich ist, erzählt werden, wie es dazu kam, daß Karl Kraus wieder aus der römisch-katholischen Kirche austrat. Der gefundene Anlaß dafür ist weniger köstlich. Aber, wie es so schön heißt, der eine ist so gut wie der andere schlecht. Die Copysite der identitären Parlamentspartei lobt an diesem Sonntag im Juli 2017 die Salzburger Sommerfestspiele. Und wenn an so einiges gedacht wird, darf vermutet werden, um vor allem wieder und ein weiteres Mal ihren Dichter mit dem „ausgeprägten Patriotismus“ unterzubringen.

An diesen „ausgeprägten Patriotismus“ sollen die Wählerinnen und Wähler vor allem am 15. Oktober 2017 denken, wenn sie zur Wahl gehen. Das hier aber nur nebenher. Denn es geht ja um das Köstliche von Karl Kraus. Wie der Magistrat es schafft, ihn länger in der Kirche zu halten, als er, Kraus in diesem Organisierten Glauben eigentlich bleiben wollte.

Wie dem immer sei, ich wurde Katholik und ich blieb es wunderbarer Weise noch während des Weltkriegs, was sich aber der erklärenden Vernunft aus der einfachen Tatsache erschließt, daß man hierzulande, um eine Angelegenheit der Weltanschauung in Ordnung zu bringen, zum Magistrat gehen muß und ich, der bis in den Morgen zu arbeiten pflegt, die Amtsstunden verschlafe. Nun aber habe ich nicht nur erfahren, daß die Menschheit durch die von der katholischen Kirche gesegneten Waffen zugrundegegangen ist und dieser nichts übrig blieb, als für das Ergebnis die Muttergottes mit der Tapferkeitsmedaille auszuzeichnen, sondern ich weiß auch, daß der überlebende Teil der Menschheit vor dem Verrecken bewahrt werden könnte, wenn die Muttergottes sich entschließen wollte, ihre Schmeichler zur Auslieferung der Gold- und Silbervorräte, zu nichts nütze als gehabt und vor den Augen des Hungers ausgestellt zu werden, zu überreden. Aber nicht genug an dem: die katholische Kirche, die nicht einmal zu einem kostenlosen Bannstrahl gegen die Dynasten zu haben war, welche den Völkern das Ultimatum der Pest und der Syphilis überbracht haben, die größte Hiobspost seit Erschaffung der Welt, doch die einzige, die zugleich die Entschädigung bot, ein Uriasbrief ihrer Verfasser zu sein — die katholische Kirche, die nicht fluchen, nur segnen konnte, hat zum Schaden den Spott gefügt, indem sie sich herbeiließ, das große Welttheater der zum Himmel stinkenden Kontraste, wo die Komödianten nicht spielen können und von den Pfarrern gelehrt werden müssen, in eigene Regie zu übernehmen und jenen Hofmannsthal aufs Repertoire zu setzen, der sich auf das Leid der Kreatur einen gottgefälligen Vers machen kann und dessen Schwager, ein Pater namens Benvenuto Schlesinger, im Vatikan ein- und ausgeht. Angesichts aller dieser Umstände und weil ein Salzburger Hotelgeschäft wie der Wiener Literatur zugutekommt und weil es der Fürsterzbischof gewollt hat, daß Ehre sei Gott in der Höhe der Preise, sehe ich mich genötigt, aus der katholischen Kirche auszutreten, nicht nur aus Gründen einer Menschlichkeit, die bei den Hirten in so schlechter Obhut ist …

So also hielt der Magistrat Karl Kraus länger in der Kirche, als er in der Kirche sein wollte. Aber Jedermann vor der Pforte schaffte es schließlich, Kraus aus dem Bett und aus der Kirche zu vertreiben.

Das Urteil von sogenannten zeitgenössischen Menschen ist nicht selten falsch, nicht selten ungerecht, nicht selten erkennen sie den Wert eines Werkes nicht und erst spätere Generationen … im Falle von dem Jedermann hat sich Karl Kraus in keiner Weise geirrt. Jedermann wird immer noch gespielt, er ist aufgestiegen zum österreichischen Heiligen, und wer ihn spielen darf, ist nicht nur mit höchster österreichischer Ehre geweiht, er darf sich fortan als auserwählt fühlen, der alles spielen kann, selbst Gott, freilich seine österreichische Ausgabe, aber Österreich ist Österreich die Welt …

Und soher kann generell gesagt werden: Was aber gestiftet, in Österreich bleibet davon stets das Schlechteste.

Übrigens, den recht geliebten Dichter mit dem „ausgeprägten Patriotismus“ der identitären Parlamentspartei erwähnt Karl Kraus in „Vom großen Welttheaterschwindel“ nicht. Weshalb sollte auch ein Karl Kraus sich mit einem abgeben, der damals und vor allem heute ohne jedwedes Bleibendes ist, außer gesinnungsgemäß für die identitäre Parlamentspartei mit ihrem rechten Hang zum Wiederbeleben eines „ausgeprägten Patriotismus“.

Als Jedermann Karl Kraus aus der Kirche vertrieb - Salzburger Festspiele.jpg

 

Werte, Töchter der Zeit

Wertekompass - Werte Töchter der Zeit

Wie gut, daß es nun einen Wertekompaß der Sozialdemokratie gibt. Nach diesem Kriterienkatalog kann es wohl nie eine Koalition mit der identitären Parlamentspartei geben, wenigstens nicht auf Bundesebene.

Mit einer Partei, deren Copysite am 18. Juni 2017 Franz Karl Ginzkey gesinnungsgemäß feiert, der für sie ein „Patriot und politisch nicht korrekt“ ist. Sie stellt heraus:

Einige seiner Werke zeugen von Ginzkeys ausgeprägtem Patriotismus. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang „Den Herren Feinden“, „Die Front in Tirol“, oder auch „Heimkehr des Panzerschützen“.

Als Franz Karl Ginzkey seinen Panzerschützen heimkehren ließ, prangte darüber „Bekenntnis …“, und das war in einer Zeit, als „ausgeprägtem Patriotismus“ ein anderer Name gegeben war. Es war 1943. Nur zwei Jahre später war auch den Menschen in Deutschland und in Österreich breitest klar, wohin dieser „ausgeprägte Patriotismus“ führt: in den eigenen Untergang, in die eigene Vernichtung.

Die Copysite der identitären Parlamentspartei scheut den Namen zu nennen, den damals der „ausgeprägte Patriotismus“ führte. Sie kann auch nicht benennen, was damals Franz Karl Ginzkey war. Wie auch? Weiß doch heutzutage ein jeder Mensch, was der „ausgeprägte Patriotismus“ war, der ihr so wichtig ist, den zu feiern sie nicht aufgeben will. Und es hat auch etwas Besonderes mit diesem „ausgeprägten Patriotismus“ auf sich. Es ist ihm ein recht besonders Gesetz in Österreich gewidmet.

Und auch im Juni 2017 die ehrenreiche Erinnerung an Josef Weinheber, der ebenfalls ein recht stimmkräftiger Sänger des „ausgeprägten Patriotismus“ war:

Das Kleid des Kaisers ist durchsichtig.

„Der bedeutendste österreichische Lyriker seiner Zeit“ ist Weinheber für FPÖ unzensuriert – „seiner Zeit“ hatte damals denselben Namen wie der „ausgeprägte Patriotismus“ … Wie leicht nun der identitäre Literaturkanon mit dem Werbekompaß abzugleichen ist, und dann ist die Antwort einfach, mit wem und mit wem nicht.

Manfred Haimbuchner und der recht besondere Literaturkanon der FPÖ

Kriterienkatalog auf Kärntnerrotrealismusart

Wie gut, daß es nun einen Wertekompaß der Sozialdemokratie gibt. Nach diesem Kriterienkatalog kann es wohl nie eine Koalition mit der identitären Parlamentspartei geben, wenigstens nicht auf Bundesebene.

Denn. Kaum ist der Wertekompaß der Sozialdemokratie veröffentlicht, zeigt die identitäre Parlamentspartei wieder einmal, was sie unter „sozial“ versteht, diesmal in Graz, gemeinsam mit der christschwarzen Partei. Was die zwei Parteien in Graz nun vorhaben, ist, kurz gesagt, nichts, das mit dem Namen „soziale Gerechtigkeit“ in die Geschichte eingehen wird. Es braucht gar nicht gefragt zu werden, welche Partei hier die andere aufstichelt. Die ÖVP ist nur, was ihre Regierungspartnerin ist. Das jüngste Beispiel: die ÖVP in Oberösterreich ist nun mit der identitären Parlamentspartei auch eine andere, als sie davor mit anderen Regierungspartnerinnen war. Und wenn sich die Sozialdemokratie an ihren Wertekompaß hält, dann, ja dann, dann, ja dann, was dann, es ist eine Scheu, ein Wort der Hoffnung zu schreiben, zu sehr ist die österreichische Realpolitik dagegen, zu schreiben, so ist es sicher, daß es keine Koalition mit der identitären Parlamentspartei je geben wird.

Andreas Khol hat den Satz von der Wahrheit, die eine Tochter ihrer Zeit sei, noch selbst gesagt. Das ist von ihm geblieben. Was wird von Peter Kaiser im Kern bleiben? Ein Satz vielleicht, den er nicht einmal selbst gesagt hat:  Werte, Töchter der Zeit.

Was für einen Wert jetzt schon die Sozialdemokratie und auch die kurzschwarze Partei der identitären Parlamentspartei mit den Werten ihrer Zeit zugesteht, kann auch an der Überlegung der Presseförderung

Thomas Drozda

Wolfgang Brandstetter

für solche Copysites des „ausgeprägten Patriotismus“ abgelesen werden. Um Werte aufzugeben, müssen diese zuerst einmal festgeschrieben werden.

Steppenwolf – auch einer, der lange schon für FPÖ unzensuriert … – teilt diesen „ausgeprägten Patriotismus“, wie schön würde Paula Wessely seine Worte sprechen können, wären diese ihr doch nicht unbekannt, war sie doch geübt, die Werte ihrer Zeit eindringlich zu sprechen, wie sie heute eindringlich auf der Copysite der identitären Parlamentspartei geschrieben werden:

Bin derzeit im Ausserland – da ist Österreich noch in Ordnung
Keine Moslems, keine Neger, keine Zigeuner – welch ein wunderbarer Kontrast zu den grauen Kopftuchweibern – unsere Tracht! Fröhliche Menschen, alle sprechen deutsch, ja Kleider machen Leute

Im Wertekompaß wird etwas vom „Antifaschismus“ geschrieben. Nun, auch dieser Wert ist weit auslegbar. Auch die identitäre Parlamentspartei hält dem Antifaschismus die Stange, mehrere Stangen sogar. Was für eine Hilfe wird das sein für die Sozialdemokratie, wenn es sein wird müssen, wie sie meint, eine Stange wird sie ergreifen können.

FPÖ und Antifaschismus – Wenn Herbert Kickl von Norbert Hofer abschreibt, kommt dabei nur recht Unrichtiges heraus

„Wiederbeleben des Faschismus“

NS Zum „ausgeprägten Patriotismus“ des Franz Karl Ginzkey und zur weinheberischen Zeit gehörte, was auf FPÖ unzensuriert genau gewußt wird, aber der Sozialdemokratie und der Partei des Kurzschwarzen wieder eindringlich in Erinnerung zu rufen ist, auch Buchenwald und

FPÖ-Unzensuriert: „Nach der Wende für … jeweils einen eigenen Steinbruch reservieren“

FPÖ-Unzensuriert: „Schickt die Lesben, Schwulen und Perversen in den Steinbruch!“ – Das Märchen vom raschen Löschen

und und und vieles mehr, von dem vor allem  Franz Dinghofer für seine heutige Zeit

Die Hymnen der österreichischen Bundesländer – Eine Schbeibgarantie

Es sei ein miserables Gedicht, der Text der oberösterreichischen Landeshymne, sagt Klaus Albrecht Schröder, und der freiheitliche Funktionär Manfred Haimbuchner verlangt die sofortige Ablösung von Klaus Albrecht Schröder als Direktor der Albertina … Wegen einer Aussage über ein Gedicht, wegen einer einzigen Aussage über ein paar Reimzeilen aus dem Jahr 1841 …

Österreichische Landeshymnen - Eine Schbeibgarantie

Was Manfred Haimbuchner nicht kritisiert: acht offizielle Landeshymnen. Freilich, Kritik wäre Arbeit. Hingegen sind Rücktrittsforderungen Muskelreflexe, ohne Aufwand zu haben.

Das läßt wieder einmal tief blicken, in den freiheitlichen Kropfjodlerschlund. Ach, legten bloß alle Wählerinnen und Wähler die mannigfachen Aussagen von freiheitlichen Funktionären und Funktionärinnen ihren Wahlentscheidungen zugrunde – nie hätte die freiheitliche Gemein-Schaft je nur eine einzige Stimme in irgendeiner Wahl erhalten.

Aber es ist ja nicht nur die offizielle oberösterreichische Landeshymne, auch die weiteren offiziellen Hymnen sind miserabel, schlimmer, grauslich. Wer alle offiziellen Landeshymnen, die es in Österreich gibt, hintereinander liest, kann nur von Übelkeit geplagt … Wer sich einmal so richtig übergeben möchte, aber davor zurückschreckt, dafür einen Finger tief in den Rachen … Dafür sind in die Collage die offiziellen acht Landeshymnen – Wien hat keine offizielle Landeshymne – geklebt …

Alle acht Hymnen sind derart miserabel, mehr noch, grauslich, daß es im Grunde gar nicht erwähnt werden muß, und es wohl gar nicht verwundert, daß auch Reimer und Reimerinnen der nationalistischen Massenmorddiktatur des deutschen reiches mit ihren Strophen ebenfalls den Schbeibgarantieschein

Wer aber vermeiden möchte, tagelang ununterbrochen erbrechen zu müssen, ist geraten, nicht alle acht Hymnen auf einmal zu lesen. Destilliert hören sich diese acht offiziellen Landeshymnen in etwa wie folgt an, das höchstens noch zum Lachen reizt …

Landeshymne - Bundeshymne - Österreich - Ein DestillatEine Hymne fehlt noch, die der freiheitlichen Gemein-Schaft. Es kann vermutet werden, daß diese so manche inoffizielle Hymne ohnehin hat, aber eine offizielle? Es gibt, wie bekannt, in der freiheitlichen Gemein-Schaft begnadete Reimer, die es ja einmal mit einer Hymne versuchen könnten, eine treureiche Aufgabe, auch eine Herausforderung, einmal nicht nur kurze Sprüche für Werbeplakate zu … Und die freiheitlichen Reimer bräuchten sich den Hymneninhalt nicht einmal auszudenken, sondern es nur noch in Reime zu bringen. Vieles aus dem Leben von Franz Stelzhammer würde sich dafür anbieten. Ludwig Laher hat aus dem stelzhammerischen Leben einiges zusammengefaßt, wie gelesen werden kann: „Vom Aussaugen und Kopfabschlagen, Ergänzende Bemerkungen zu Franz Stelzhammer“ … Im folgenden ein paar Sätze von Ludwig Laher über Franz Stelzhammer, als Beispiele … daraus müßte sich doch eine freiheitliche Hymne reimen lassen.

„Er steht eben auch in den unrühmlichsten Bereichen für eine Variante des hier heimischen Menschenschlages. Die Liebe zur Heimat, zum Landschaftsdetail, zu Flora und Fauna, zu ihm – regional und individuell – vertrauten und sympathischen Menschen, der genaue, behutsame Blick auf die kleinen alltäglichen Dinge zeichnet seine Arbeit genauso aus wie sträfliche Verallgemeinerungen, unhaltbare Vorurteile, intellektuelle Anämie, wenn es um größere Zusammenhänge geht.

Dabei ist ihm keine noch so kühne Verallgemeinerung zu blöd, keine physiognomische Gemeinsamkeit zu platt und vordergründig.

Besonders, scheint’s, gegen ihr genetisches Eindringen in für das Deutschtum reklamierte Landstriche.

Stelzhamers fatale Neigung, vom Individuellen aufs Völkische zu schließen.

Mein Schrecken über sein hirnverbranntes Geschwafel so groß.

Unfertig, geschmacklos und schülerhaft erschienen ihm viele von Stelzhamers Texten.

Komplexe Themen schamlos zu vereinfachen, lächerliche Behauptungen, wilde Gerüchte als Prämissen einzuführen und selbstgewiß Urteile daraus abzuleiten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Als Held und Vorbild taugt er schlecht, als personifiziertes Problem.“

PS Die österreichische Bundeshymne wurde nicht in die Collage zu den acht Landeshymnen geklebt, weil es bliebe nicht beim Erbrechen allein, Durchfall käme auch noch hinzu … Und außerdem, über diese wurde schon geschrieben.

Die von Freiheitlichen umbullte Frau Deutschtum Reich ist sehr lange schon tot

Es ist noch Wahlkampf. Und wenn Sie jetzt noch immer meinen, die Freiheitlichen buhlen um Ihre Stimme, weil die Freiheitlichen sich dann für Sie einsetzen werden, für Ihr Wohlergehen ihre Kraft … Dann irren Sie sich. Die Freiheitlichen wollen Ihre Stimme, um diese ihrer angebeteten Dame als Geschenk darzureichen, um von ihr erhört zu werden, von der für Freiheitliche „edelsten Dame“ mit Namen „Deutschtum Reich“, wobei versucht wird zu behaupten, es seien sogar zwei Damen … Dann jedoch „dienen“ sie ohne Herz, oder sie haben drei Herzen, eines für jede Dame und eines, steht geschrieben, haben sie auch noch für das „Volk“ … Eine derartige anatomische Anomalie aber ist nicht bekannt. Sie haben menschgemäß ein Herz, und dieses ganz ihrer Frau Deutschtum Reich verpfändet – allerdings könnte Reich auch der Vorname sein, das ist bei diesen als Namen eingesetzten sächlichen Hauptwörtern nicht eindeutig zu bestimmen …

Frau Deutschtum Reich - Von Freiheitlichen umbuhltEs irren sich aber die Freiheitlichen ebenfalls, oder sie irren sich auch nicht, und sie haben bloß eine ganz eigene Wahrnehmung von der Welt. In der ganz eigenen freiheitlichen Wahrnehmung der Welt ist das Tote lebendig und das Lebendige tot. Sonst in der Welt, zu der Freiheitliche keinen Zugang haben und finden, wird schon lange gewußt, daß die von Freiheitlichen umbullte Frau sehr lange schon tot ist …

Aber Freiheitliche lesen so viele alte und das heißt tote Bücher, in denen ihre Frau Reich Deutschtum als Lebende geführt wird, daß beinahe Verständnis aufgebracht werden könnte, wenn Freiheitliche das Tote und das Lebendige nicht zu unterscheiden vermögen, aber auch, daß Freiheitlichen die Zeiten durcheinanderkommen, sie nicht mehr wissen können, in welcher Zeit sie …

Freiheitliche lesen also die Bücher, die in der wirklichen Welt auf Dachböden, in Kellern, in Antiquariaten vermodern, es sogar immer seltener wird, daß Historiker oder Literaturhistorikerinnen noch das Erbarmen aufbringen, den Schreien dieser Bücher nach Lesenden nachzugeben …

Aber die Freiheitlichen kriechen durch diesen Bücherschlamm und holen eines nach dem anderen hervor. Wie auch wieder in der aktuellen Ausgabe der freiheitlichen ZZ. Diesmal ist es Franz Karl Ginzkey – unnötig zu schreiben, wessen Reich auch er Sänger war

Freiheitliche haben aber nicht nur eine ganz eigene Welt, die sonst für alle schon lange untergegangen ist, in der sie, die Freiheitlichen, nur von Totem umgeben sind, in der sie, die Freiheitlichen, nur Zwiesprache mit Toten halten, um eine tote Frau bullen – was für eine gespenstische Welt … Freiheitliche suchen aus ihren toten Büchern auch stets mit größter Zielsicherheit die Stellen heraus, die … Möglicherweise besitzen Freiheitliche aber die größte denkbare Sehschwäche, und es ist ihnen durch dieses psychosomatische Leiden gar nicht möglich, beispielsweise das zu erlesen, was auch ihr Franz Karl Ginzkey geschrieben hat, als er noch kein Reichssänger war, in seinem von der freiheitlichen ZZ zur Wiederlesung aus dem Schlamm gezogenen Buch „Der von der Vogelweide“:

Er kenne nur einen Gott, das sei die Vernunft, und ein vernünftiges Wort an den Sultan werde ihm größeren Vorteil bringen, als jegliches Litaneien und Heidenabschlachten.

Anderseits, wie können Freiheitliche, die von der Vernunft nur und auch nur vielleicht lesen, an die Vernunft glauben, wenn schon Franz Karl Ginzkey, der die Vernunft schreibend zum einzigen Gott erhob, die Vernunft vergaß, um alsbald Sänger des Reiches zu werden …

NS Im christschwarzen regierten Niederösterreich singt wohl ein Erwin Pröll heute noch die Landeshymne laut und vielleicht falsch mit, gedichtet von Franz Karl Ginzkey – „Getreu dem Geist der Ahnen“ … Die Christschwarzen, und ihnen voran Michael Spindelegger, klopfen wieder um Einlaß in die Tradition, aber in der wohnt die Zukunft ebenso wenig, als in der Welt der Freiheitlichen, an deren Budentor sie auch in verzweifelter Suche nach …

NNS Und was noch in der aktuellen Ausgabe der freiheitlichen ZZ steht, in dieser ganz im Wahlkampfeinsatz stehenden Ausgabe, die die „wahre Alternative“ anpreist … Es ist diesmal tatsächlich wahr, was die freiheitliche ZZ schreibt, aber ungewöhnlich bescheiden formuliert das die freiheitliche ZZ … Die freiheitliche ZZ hätte ohne weiteres schreiben können, sie, die Freiheitlichen, seien alternativlos – in ihrer Welt … Das hätte ihre Dame erwecken können, und was wäre das für die Freiheitlichen für ein schöner Wahlerfolg am kommenden Sonntag geworden: eine einzige Stimme, aber was für eine, das erfolgreiche Ende eines jahrzehntelangen Umbullens …

NNNS In einem Nach-Nach-Nachsatz findet sich der Platz, um Erich Körner-Lakatos zu sagen, üben Sie, Erich Körner-Lakatos, üben Sie weiter, noch sind Sie bei der Satire nicht angelangt – aber nicht öffentlich … Was Sie diesmal ablieferten, kann – um Ihnen Hoffnung zu machen, soll Ihnen aus dem Wort Satire das „i“ zugestanden werden – genannt werden: Verharmloserei, Verfälscherei, Aufwiegelei