FPÖ-NR Gerhard Deimek: „Wenn Gesamtschule“, dann „Militärgymnasium“

Einem NR der identitären Gemein-Schaft scheint die Idee zu gefallen, wenn es denn eine Gesamtschule unbedingt geben müsse, dann solle es ein Militärgymnasium sein. Weshalb sonst verbreitet er es weiter auf der Plattform des Unternehmens Twitter? Weil es eine Gaudi ist? Aber auch eine Gaudi läßt tief blicken. Und bei einem Mandatar der identitären Gemein-Schaft immer in einen Abgrund.

Wenn es also, wird nicht nur von dem NR weiterverbreitet, eine Gesamtschule denn unbedingt geben soll, wenn es für alle gleich gute Voraussetzungen in Sachen Bildung geben soll, dann soll es eine Militärschule sein. Also die Bildung einer durch und durch militarisierten Gesellschaft. Um es auf den Punkt zu bringen, heißt das nichts anderes als: Disziplinierung. Heranzüchtung einer gehorsamst befehlsausführenden Masse. Ein Volk, das folgt in den …

FPÖ NR Gerhard Deimek Gesamtschule ein Militärgymnasium

„Wehrdienst statt Turnstunde.“

Es ist auch nicht uninteressant, wessen Idee das ist, die ein NR der identitären Gemein-Schaft verbreitet, es ist die Idee von einem schlagenden Burschenschafter. Von einem, über dessen Leistungen für die Gesellschaft bereits ein Urteil gesprochen ist, von der einzigen Instanz, die in Österreich zuständig ist, um über Leistungen von Angehörigen dieses Lagers zu befinden. Eine Militarisierung der Gesellschaft kostet auch sehr viel Geld. Ob bei dieser Idee auch schon das viele Geld im Geiste gezählt wurde, die eine Militarisierung der Gesellschaft bringen könnte, gesinnungsgemäß selbstverständlich nicht den Menschen im Land, sondern beispielsweise für einen Wahlkampf … Ach, wie viele Rechnungen könnten dann wieder … Rechnungen, die zu Papierfliegern gefaltet, garantiert fliegen können, und sicher besser und beständiger als jene Fighter, die einmal angeschafft wurden, als die identitäre Gemein-Schaft in der Bundesregierung saß, und über deren Anschaffung noch lange nicht das Urteil gesprochen ist …

PS Überraschend aber ist doch, daß diese Idee der Gesamtschule als Militärgymnasium auch dem Pressesprecher des derzeitigen Verteidigungsministers Gerald Klug eine Weiterverbreitung wert ist, daß im Umfeld eines sozialdemokratischen Ministers …

100 Jahre Welt Krieg

In der Schule staunte das Kind, von einem einhundertjährigen Krieg zu hören. Einhundert Jahre, dem Kind unvorstellbar, daß ein Krieg einhundert Jahre dauern kann, das war für das Kind nicht zu verstehen, und auch, daß Menschen einen einhundertjährigen Krieg so einfach hinnehmen

Für Jahrzehnte aber vergaß das Kind, einst in der Schule von einem einhundertjährigen Krieg gelernt zu haben. Vielleicht deshalb, weil ein Leben zu bewältigen war, oder genauer, die einem Leben diktierten Auflagen … Nun, lange schon kein Kind mehr, alt, krank und hinfällig geworden, vor dem letzten Umzug in ein Zimmer ohne Aussicht und wohl auch weiter ohne Bequemlichkeit, ist zu hören – von dem höchsten leitenden Angestellten eines Organisierten Glaubens, ein dritter Weltkrieg sei mit verschiedenen parallel laufenden Konflikten zurzeit im Gange

Mit dieser Definition eines Weltkrieges ist nicht ein dritter Weltkrieg zurzeit im Gange, sondern, die Wahrheit ist,  seit einhundert Jahren ist auf der Welt Krieg. Ununterbrochen, das ist die Wirklichkeit, seit einhundert Jahren …

Seit 100 Jahren auf der Welt KriegWie seltsam kurzsichtig der Blick eines Mannes einer Organisation, die angeblich in Ewigkeiten denkt, und wie weitsichtig sah es ein anderer Mann vor bald einhundert Jahren. Blaise Cendrars war kein Prophet, kein Hellseher, also kein Scharlatan, aber als Schöpfer, als Phantast war sein Blick auf die Welt von einer realistischen Genauigkeit und Weitsichtigkeit, zu dem nur Menschen mit dieser begnadeten Schöpferkraft, Menschen der Phantasie imstande sind, nur wahren Schöpfern von Welten, die keine erfundenen Figuren sind, ist es gegeben, die Wirklichkeit realistisch zu sehen … Und vor seiner Aufzählung der Jahre, der Jahrzehnte, eines ganzen Jahrhunderts ohne Täuschung, ohne Selbsttäuschung und ohne Aussicht auf ein Enden des Mordens, vor diesem bitteren Gedicht, das die Wirklichkeit zu allen ungehört spricht, seit wann der Weltkrieg tatsächlich schon wütet, versteht plötzlich ein Mensch, was er als Kind nicht verstand, bitter, wie leicht unter Menschen ein Krieg einhundert Jahre dauern kann, wie schnell einhundert Jahre Welt im Krieg vergehen, wie leicht einhundert Jahre Krieg auf der Welt in dieser oder jener Region der Welt weggeredet und Leben in Frieden eingeredet werden können.

Es mutet soher auch gar nicht mehr seltsam an, daß der Mann aus einem Grätzel von Rom nur davon redet, es sei zurzeit ein Weltkrieg im Gange. Hätte er die Aufzählung von Blaise Cendrars vorgelesen und gefragt, in welchem Jahr seit 1914 gab es keine kriegerischen Konflikte auf dieser Welt, er hätte die Antwort geben müssen, in jedem Jahr seit 1914 gab es auf der Welt Krieg. Aber das hätte unweigerlich zur Folge haben müssen, daß die Menschen, die ihm in Redipuglia zuhörten, ihn augenblicklich hätten fragen müssen – wo warst du, Adam? Es wäre für ihn peinlich geworden, nicht für ihn als Menschen, sondern für ihn als höchsten Vertreter einer Organisation, vorbei wäre es gewesen,  mit seiner Glaubwürdigkeit, vorbei mit seinem Recht, für den Frieden zu reden, sein Appell für den Frieden in der Sekunde entlarvt als hohles Gerede … Denn. Gab es in den letzten einhundert Jahren einen kriegerischen Konflikt auf dieser Welt, in dem nicht irgend ein Gott in die Schlachten vorgeschickt wurde? Welcher Krieg kam je ohne religiöses Vokabular aus? In welchem Krieg wurden nicht Waffen geweiht? In welchem Krieg wurde nicht um den Sieg gebetet? Irgend ein Gott angefleht, den Feind zu vernichten? Waren nicht Angestellte von Organisierten Glauben mit religiösen Werkzeugen dabei, um die Kampfmoral zu befeuern? Den Kämpfenden das Sterben und Morden leicht zu machen? Ihnen predigend zu flüstern, Blut ist ihrem Gott sein Lieblingsgetränk und wer ihm reichlich davon zu trinken gibt, kann sich seiner Liebe und seinem Wohlgefallen … Dem Mann aus einem Grätzel in Rom wäre als Antwort nur geblieben, zu verstummen, sein Manuskript in den Ausschnitt seines Kleides zu stecken und augenblicklich die Bühne seiner Selbstbeweihräucherung und Werbeveranstaltung für seine Organisation im Eilschritt zu verlassen …

Das Kind versteht nicht, wie ein Krieg einhundert Jahre wüten kann, das ist dem Kind in der Schule noch unvorstellbar. Und nun versteht der alte Mensch nicht, wie kann, nach einhundert Jahren Krieg in der Welt, immer noch auf das Militär gesetzt werden, immer noch so kurzsichtig gedacht werden, das Militär könne irgend etwas dazu beitragen, daß es je heißen könnte, es je eine Aufzählung geben könnte, je ein Gedicht der Wirklichkeit, seit einhundert Jahren auf der Welt Frieden – Weltfrieden, und der Weltfrieden dauert an …

Eines aber weiß der alte Mensch, weder er noch irgend ein anderer Mensch, geht es im Stillstand, in dem bloß das Blut fließt, weiter wie bisher, wird je eine Aufzählung Der Weltfrieden im Vorausschau auf die nächsten einhundert Jahre und schon gar nicht im Jahr 2114 im Rückblick auf einhundert Jahre schreiben können, nur der Vorspruch zu solch einem Gedicht kann geschrieben werden, als unbedingte und prominente Voraussetzung unter vielen Voraussetzungen und Bedingungen dafür, je noch an eine solche Aufzählung nur denken zu können …

Der Weltfrieden

Als der Mensch durch Religionen sich nicht weiter mißbrauchen ließ …

 

 

Krieg – Eine globale Kollaboration

Gerade die Tage der mannigfachen Erinnerungen an den Beginn des von Monarchien herrschaftlich befohlenen und ausgelösten Krieges von 1914 bis 1918, die vielfach als Mahnungen an das Heute formuliert sind, sind dem Zeitpunkt wieder günstig, über eine weitere Absurdität zu sprechen, über einen Trugschluß, über die falsche Sicherheit, es sei ein Krieg unvorstellbar, gerade in Europa, je dichter etwa die wirtschaftlichen Verflechtungen sind. In diese falsche Sicherheit flüchteten nicht wenige auch vor dem Krieg von 1914 bis 1918, wie es beispielsweise aktuell Christopher Clark in seiner Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele kurz ansprach, als er sagte:

„Viele Zeitgenossen wogen sich in Sicherheit: der große Krieg, also ein Krieg zwischen den Großmächten sei unmöglich geworden. Dafür wäre die moderne Welt zu eng durch Handelsbeziehungen und finanzielle Abhängigkeitsverhältnisse transnational vernetzt.“
Was für ein Trugschluß das bereits damals war, vor einhundert Jahren.
Was für ein Trugschluß, was für eine falsche Sicherheit das erst recht heute ist, in einer Zeit, in der das wirtschaftliche und finanzielle, ja sogar das politische Netz transnational noch dichter geflochten ist.
Krieg - Globale KollaborationDie Absurdität des Krieges besteht darin, daß der Krieg als das Trennende zwischen Menschen, die verschiedenen Nationen angehören, erscheint und wahrgenommen wird, und dabei bestätigt der Krieg doch die globale Kollaboration der Menschen … Während auf den Schlachtfeldern jedwedes Krieges die Menschen sich gegenseitig abschlachten, arbeiten alle Menschen auf dieser Erde zusammen und gemeinsam in weltweiten Kooperationen, um all das herzustellen, was der eine Soldat benötigt, um zu morden, was die eine Soldatin benötigt, um ermordet zu werden, was alle Menschen weltweit, die nicht an den Fronten mit dem Morden und dem Ermordet-werden beschäftigt sind, also nicht benötigen, aber gemeinsam schaffen, um als sogenannte Zivilpersonen in jedwedem Krieg ebenfalls geschlachtet zu werden.
Knapper, anschaulicher und eindringlicher wurde über den Krieg als globale Kollaboration bei keinem anderen als Blaise Cendrars noch gelesen. Über die Ausrüstung eines Soldaten. Er schrieb es in seiner Erzählung „Ich tötete“. In einer Erzählung über das Morden im Krieg von 1914 bis 1918.
„Ich bitte um die Ehre, ein Klappmesser zu bekommen. Man verteilt zehn Stück und ein paar grosse Melinitbomben. Darin also gipfelt diese immense Kriegsmaschine. Frauen verrecken in Fabriken. Eine Horde von Arbeitern rackert in den Minen. Wissenschaftler, Erfinder zermartern sich das Hirn. Das ganze wunderbare Wirken der Menschen leistet Tribut. Die Fülle eines ganzen Jahrhunderts Arbeit. Die Erfahrung mehrerer Zivilisationen. Auf der ganzen Welt müht man sich nur für mich. Die Mineralien kommen aus Chile, die Konserven aus Australien, das Leder aus Afrika. Amerika schickt uns Werkzeugmaschinen. China Arbeitskräfte. Das Pferd der Feldküche wurde in den Pampas Argentiniens geboren. Ich rauche einen arabischen Tabak. Im Beutel trage ich Schokolade aus Batavia. Männerhände und Frauenhände haben all das fabriziert, was ich auf mir trage. Die Kollaboration aller Rassen, aller Regionen, aller Religionen. Die ältesten Traditionen und die modernsten Verfahren. Alles aufgewühlt: die Eingeweide des Globus und alle Sitten und Bräuche; man hat jungfräuliche Landstriche geplündert und friedliebenden Geschöpfen ein schändliches Handwerk beigebracht. Ganze Länder wurden in einem Tag umgepflügt. Das Wasser, die Luft, das Feuer, Elektrizität und Röntgenstrahlen, die Akustik, Ballistik, Mathematik, Metallurige und Mode, die Kunst, der Aberglaube, die Lampe, die Reisen, der Tisch, die Familie, die Universalgeschichte, all das ist in jene Uniform, die ich trage, eingewoben. Frachter überwinden die Ozeane. Unterseeboote tauchen. Züge rollen. Lastwagenkolonnen donnern. Fabriken explodieren. Die Menschenmenge der Metropolen stürzt in die Kinos und reisst sich um Zeitungen. In der Tiefe der Felder säen und ernten die Bauern. Seelen beten. Chirurgen operieren. Financiers raffen. Patentanten schreiben Briefe. Tausend Millionen Individuen haben mir ihr ganzes Geschäft eines Tages gewidmet, ihre Kraft, ihr Talent, ihr Wissen, ihre Intelligenz, ihre Gewohnheiten, ihre Gefühle, ihr Herz.“

Christopher Clark in Salzburg – Eine typische österreichische Besetzung

Allmählich wird begriffen, weshalb Christopher Clark vor allem in gewissen Kreisen einen recht bevorzugten Ruf mittlerweile genießt, er offensichtlich auch schlafwandlerisch als Festredner der heurigen Salzburger Festspiele gefunden und verpflichtet wurde, von dafür verantwortlichen Menschen, die eine österreichische Vergangenheit träumen, die ihnen als Wirklichkeit …

Gavrilo Princip - Stirbt 1918 in Theresienstadt an Tuberkolose und Misshandlung

„Gavrilo Princip starb am 28 April 1918 in Theresienstadt an den Folgen von Tuberkulose und Mißhandlung. Er wog gerade noch 40 Kilogramm.“

Christopher Clark blendet in seiner Festrede alles aus, was unangenehm sein könnte, für Österreich, als wäre er ein Österreicher des Jahres 1945, als ginge es noch einmal darum, die österreichische Unabhängigkeitserklärung in der Blaimschein-Villa zu schreiben, die Österreich bestätigt, für nichts verantwortlich je gewesen und zu sein, nichts gewußt zu haben und je nichts zu wissen …

Von daher freilich war Christopher Clark am letzten Sonntag die idealtypische Besetzung, sonst aber eine Fehlbesetzung. Es wurde auch die falsche Vortragsform gewählt. Statt dem Publikum, unter dem sich die sogenannten hohen und höchsten Spitzen des Staates befanden, eine Rede hören zu lassen, hätte dem Publikum beispielsweise ein Comic gezeigt werden können, menschgemäß nicht von Christopher Clark, sondern die illustrierte Geschichte über Gavrilo Princip von Henrik Rehr.

Aus dieser illustrierten Geschichte hätte das Publikum das erfahren können, was Christopher Clark in seiner Festrede verschwieg, mehr, beschönigte, noch mehr, die Schuld abwälzte, die Schuld abwälzt auf die jungen Männer und

„diese sieben jungen Männer – das waren sehr junge Männer: die alle enthaltsam in ihrem Lebenswandel waren, reich an Idealen und arm an Erfahrung, geprägt von jener naiven Ernsthaftigkeit, die den idealen Nährstoff für alle terroristischen Bewegungen bildet. Radikalisiert wurden diese Männer durch ein irredentistisches Milieu, welches durch einen regelrechten Todeskult gekennzeichnet war, durch eine quasi religiöse Verherrlichung der Selbstaufopferung, der Rache und des Attentats.“

Gavrilo Princip war 1908 gerade einmal vierzehn Jahre alt – von diesem einen Jugendlichen prägenden Vorlauf kein Wort in der festlichen Rede des Christopher Clark -, als Franz Joseph Habsburg sich terroristisch Bosnien-Herzegowina zu seinem sechzigjährigen Amtsjubiläum schenkte. In welchem Milieu wurde etwa ein Franz Joseph Habsburg, ein Oskar Potiorek, ein Franz-Conrad von Hötzendorf radikalisiert, mit deren Verherrlichung der Fremdopferung, der Rache und des Attentats, radikalisiert durch ein Milieu, welches durch einen regelrechten Todeskult gekennzeichnet war, dessen Hohepriester mit Garantie für ihr Leben und für ihre kriegsunversehrten Körper in prachtvollen Schlössern mit übervollen Speisekammern sie waren

„Alle enthaltsam in ihrem Lebenswandel“, so Christopher Clark; wie „enthaltsam“ Gavrilo Princip tatsächlich war, kann heute nicht mehr seriös und redlich beantwortet werden, denn Jelena Milisic kann nicht mehr über ihre Beziehung zu ihm befragt werden …

Diese Festrede bestätigt eindrücklich die Aussage von Gerd Krumeich über Christopher Clark in dieser konkreten Angelegenheit:

„Ich schätze ihn sehr. Er ist ein exzellenter Historiker, aber sein Buch ist eine riesige Entschuldigungsgeschichte für Deutschland und Österreich. Für Clark sind die Serben, die Russen und die Franzosen viel mehr Bösewichte als die Deutschen, für die er sehr viel Verständnis und viele – allzu viele – Entschuldigungen hat. Clark unterschätzt den österreichischen Entschluss, mit Serbien Krieg zu führen, und die deutsche Bereitschaft, die Krise zum Test auf den Kriegswillen Russlands zu nutzen, vollkommen. Deshalb hat er ja so einen Erfolg in Deutschland. Endlich ist jemand gekommen und hat die Deutschen von der Kriegsschuld freigesprochen – so sehen die Reaktionen der Medien und des Publikums leider häufig aus.“

In dieser konkreten geschichtlichen Angelegenheit tritt Christopher Clark nicht nur wie ein Österreicher des Jahres 1945 auf, sondern auch wie ein Geschichtsschreiberlakai der Potioreks, der Hötzendorfs, der Habsburger, mit einem Wort, dieses gesamten Milieus, das den idealen Nährstoff für alle Weltkatastrophen bildet …

Für alle Menscheitskatastrophen, die aber nicht wie eine Naturgewalt über die Welt kommen, sondern von ebensolchen Milieus, damals wie heute, vorbereitet, vorangetrieben werden, von solchen Potioreks, Hötzendorfs und Konsorten also, damals wie heute, und sie finden immer einen Clark, der sich selbst anstellt, um ihre Geschichte zu schreiben, wie sie ihnen angenehm ist …

In seiner Festrede erscheint der Krieg von 1914 bis 1918 aber wie eine unabwendbare Naturkatastrophe, wenn er von der „Urplötzlichkeit“

„Und wir dürfen schließlich auch die Urplötzlichkeit dieses Krieges nicht vergessen. Viele Zeitgenossen wogen sich in Sicherheit: der große Krieg, also ein Krieg zwischen den Großmächten sei unmöglich geworden. Dafür wäre die moderne Welt zu eng durch Handelsbeziehungen und finanzielle Abhängigkeitsverhältnisse transnational vernetzt. ‚Für uns‘ schrieb der Budapester Graphiker Béla Zombory-Moldován, der im Sommer 1914 eingezogen wurde, ‚war der Krieg ein Anachronismus. Bis er uns unmittelbar bevorstand, betrachteten wir ihn als eine Absurdität.’“

„dieses Krieges“ redet und dafür sich einen Zeugen findet. Aber er hätte auch wen anders als Zeugen aufrufen können. Zum Beispiel Viktor Matejka, der einmal davon sprach, als Zeitzeuge, wer genau hinschaute, genau hinhörte, in Österreich, konnte schon das Jahr 1900 als den Beginn der Vorbereitungen auf diesen Krieg von 1914 bis 1918 ausmachen. Freilich, die clarksche Entschuldigungsoffensive wäre damit nicht in Gang zu bringen gewesen …

Um abschließend einen Eindruck zu vermitteln, was am letzten Sonntag dem Publikum in Salzburg entgangen ist, ein paar Bilder noch aus der illustrierten Geschichte von Henrik Rehr, die in diesem Jahr in Belgien erschienen ist. Eine deutschsprachige Ausgabe liegt noch nicht vor. Aber vielleicht findet sich ein Verlag in Deutschland, eher noch als in Österreich, der diese illustrierte Geschichte in deutscher Sprache herausbringt …

Franz Josef Habsburg braucht keinen Beweis

„Ich habe keinen Beweis nötig, nur eine Entschuldigung.“

 

Franz Josef Habsurg schekt sich Bosnien-Herzegowina

„Sarajevo, 7 Oktober 1908. Österreich hat Bosnien-Herzegowina annektiert. Die Österreicher sind schamlos gierig nach Macht und Land. Auf die Straßen!“

Jelena Milisic

„Jelena Milisic überlebte den Weltkrieg und wurde Lehrerin an einem Gymnasium in Sarajevo. Sie sprach selten über ihre Beziehung zu Gavrilo Princip.“

 

Gavrilo Princip und Franz Ferdinand Habsburg werden geboren

„Erzherzog Franz Ferdinand von Habsburg wird am 18 December 1863 als ältester Sohn von Karl Ludwig, dem Bruder des Kaisers, geboren. Der 13. Juli 1894 war der Tag des heiligen Gabriel. Deshalb wurde der Junge Gavrilo genannt.“

 

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Christopher Clark in Salzburg

Henrik Rehr - Krieg 1914-1918

„15.000.000 Menschen starben in dem großen Krieg, von denen waren 1.260.000 Serben oder 28% der serbischen Bevölkerung.“

PS Nach einer heute, 30. Juli 2014, zugegangenen Information, scheint eine deutsche Ausgabe bereits in Vorbereitung zu sein, die ab September 2014 lieferbar sein soll, wie der PPM-Medienvertrieb auf seiner Webpage schreibt: „Wie jemand zum Attentäter wird. Die Welt des Gravilo Princip“.

Wann fragt ORF das Enkelchen von Mao Hitlerstalin, ob er als Diktator im Schloß wohnen wolle

Es ist Karl Habsburg-Lothringen kein Vorwurf zu machen, daß er versucht, seine Vorfahren in einem für sie und dadurch in einem für ihn selbst günstigen Licht darzustellen, er bemüht ist, seine Familie von den Verbrechen reinzuwaschen, ihre Schuld abzuschieben … Wer lebt schon gerne als Kind einer mörderischen Familie unter Menschen? Kaum bis niemand wer. Es ist nicht abwegig, daß zum Beispiel die Verwandten, die Kinder von Herrn Fritzl heute Entschuldigungen für ihn finden, gar manch Gutes über ihn zu berichten wissen, was also sollte Karl Habsburg anderes über seine Vorfahren erzählen, als das Gute? Lebte der Hund von Adolf Hitler noch und könnte er sprechen, er würde Lou Lorenz auch nur erzählen können, wie gut er, Adolf Hitler, ihm war.

Karl Habsburg von Lou Lorenz ehrlich gefragtAber was treibt den ORF an, einem Enkelchen eine derartige Plattform zu bieten? Beim Enkelchen von Adolf Hitler würde getobt werden, Wiederbetätigung, Geschichtsrevisionismus und so weiter und so fort. Lou Lorenz würde mit ihrer „ehrlichen Frage“, ob er denn gerne Diktator von Österreich sein würde, aus dem Land gejagt werden, aber Karl Habsburg darf sie ohne Furcht vor Konsequenzen und wohl noch mit viel Zustimmung aus dem Publikum „ehrlich fragen“, ob er denn gerne Kaiser wäre und das Schloß Schönbrunn als seinen …

Aber was treibt den Radiosender Ö1 an, Karl Habsburg zu einem Gespräch einzuladen, auch in dieser Woche gesendet, um ihm innerhalb von zwei Tagen zwei Plattformen der Familienverteidigung und der Schuldabschiebung und des Geschönten zu bieten? Es mag auf den ersten Blick mutig und toll erscheinen, ihn nach den Kriegsverbrechen  – ach, wie frech und ungezogen – seiner Vorfahren zu fragen, aber letztendlich ist es eine törichte und ungehörige Frage, weil sie nach Sippenhaftung … Aber für das von ihm als gut Dargestellte will und übernimmt er mit flotter Lippe die Haftung für seine Sippe, reklamiert für seine Sippe bruchlose „800 Jahre Berufspolitik“ – eine geteilte Haftung jedoch kann es nicht geben, einen selektiven Familienstolz jedoch kann es nicht geben, also ist er selbst verantwortlich für Fragen nach beispielsweise Kriegsverbrechen seiner angeführten Sippe … Karl Habsburg hat menschgemäß nicht auf die Frage der Kriegsverbrechen geantwortet, ist menschgemäß dieser Frage ausgewichen. Das ist sein Recht als Bürger vor dem Gesetz, niemand muß sich selbst belasten. Was hätte er auch darauf antworten sollen? Etwas zugeben, daß nicht er getan hat, aber ebendiese seine Ahnen? Vielleicht, aber zu welchem Zweck? Die eigenen Vorfahren an den Pranger zu stellen, um sich damit weiter im Gespräch zu halten als nächster Wieder-Kaiser? Weil er, Karl Habsburg, ein Kaiser wäre, der aus der Geschichte gelernt hat?

Aus der Geschichte ist zu lernen, betont Karl Habsburg sehr gerne, für Gegenwart und Zukunft. Aber was hat er und seine von ihm angeführte Familie aus der Geschichte gelernt? Zum Beispiel auch sein Vater? Die Gegenwart so recht nach eigenem Geschmack und Familientradition einzuschätzen? Der afrikanischen Mentalität entspräche am ehesten die Monarchie, die Apartheid in Südafrika hätte Schwarzen Spitzenpositionen  …

Es wird tatsächlich Zeit, daß aus der Geschichte und Geschichte gelernt wird. Es gab einmal eine Familie Habsburg, die regierte in diesem Land diktatorisch und massenverbrecherisch. Und es gibt Nachfahren von dieser Familie, die heute leben, aber die für alle, die nicht zu dieser Familie gehören, die nicht von dieser Familie abstammen, nicht mehr Bedeutung endlich zu haben haben, als jedwede andere heute existierende Familie in diesem Land auch. In den Familienkabinetten können habsburgische Sprößlinge an Gedenktagen, an Geburtstagen ihrer Vorfahren, Geschichte nach Sippenart nachspielen, dazu Uniformen anziehen, Orden anlegen, Gott auftreten lassen, dafür vielleicht einen generellen Familienprojekttitel sich einfallen lassen – dafür böte sich an: „Im von der Vorsehung bestimmten Ruhestand“ …

Zur Nachlese, ein paar Beispiele:

Soldaten sollten morgen Texte von Otto Habsburg Werner Faymann, Heinz Fischer, Norbert Darabos laut aufsagen

Steuergeld für in Afrika lebende Menschen statt als Grabbeigabe für Otto Habsburg

Einerlei, ob ein Habsburg lebt, stirbt, Geistesgrimassen wie von Otto werden immer geschnitten

„Das Parlament solle weiter bestehen“

Karl Habsburg – „Chef des Hauses Österreich“

Franz-Joseph-Habsburg-Ring – Menschheitsmassenverbrecher

Criminalis Mariä Theresiä

Freiheitliche Gemein-Schaft mit der Monarchie auf unzensuriert harmlos gegen bettelnde Menschen

Vor 100 Jahren erschoß ein Tiger einen Procházka in Sarajevo

Prinz Eugen, petite salope

Straßennamen einzig aus heutiger Sicht gerechtfertigt: Franz-Joseph-Habsburg-Ring – Menschheitsmassenverbrecher, Oskar-Potiorek-Gasse – Menschheitsmassenverbrecher

Ehrenbürger Oskar-Potiorek - MenschheitsmassenverbrecherEs gibt diese fortwährende und mehr als leidige Diskussion darüber, ob Straßen, Gassen, Plätze nicht mehr nach gewissen Personen benannt bleiben sollen, oder doch, auch, ob Denkmäler von gewissen Personen geschliffen werden sollen, aber auch, ob Ehrenbürgerschaften gewissen Personen aberkannt werden sollen, oder eben nicht … Diese Diskussion gibt es auch um Ehrengräber, Gedenktafeln und so weiter und so fort.

In der Befürwortung für das Nichtumbenennen, für das Nichtschleifen von Denkmälern und so weiter wird vor allem angeführt, es gehört zur Geschichte, diese gewissen Personen gehören zur Geschichte, und die darf eben nicht vergessen werden, es ist das Erbe, die kulturelle Verpflichtung und so weiter und so fort.

All diese gewissen Personen, die heute noch durch Straßennamen, Gedenktafeln, Ehrenbürgerschaften und so weiter und so fort in ehrender Erinnerung gehalten werden, sollen ihre Gassen und Plätze behalten. Aber mit einem Zusatz, der nicht verschönert, der nicht verschleiert, der die Geschichte und das Denken nicht aus der seinerzeitigen Gegenwart dieser gewissen Personen erklärt und somit verharmlost, der nicht heute noch die Positionen dieser gewissen Personen, mit denen die sich selbst in ein für sie günstiges Licht rücken, einnimmt, sondern mit einem Zusatz, der den heutigen Blick auf die Vergangenheit zum Ausdruck bringt, die heutigen Erkenntnisse über die Vergangenheit formuliert.

Das wird für diese gewissen Personen nicht schmeichelhaft sein, aber sie sind tot, und soher können sie im Grunde froh darüber sein, überhaupt noch erwähnt zu werden und öffentlich vorzukommen. Wie immer diese auch heißen mögen, ob Karl Lueger, Leopold Kunschak, Ottokar Kernstock, Franz-Conrad von Hötzendorf und so weiter und so fort.

Als Beispiele dafür, diesen gewissen Personen ihre Straßennamen, Ehrenbürgerschaften und so weiter zu belassen, aber mit einem eindeutigen und ganz heutigen Zusatz, bieten sich aus Anlaß der Erinnerung an den Weltkrieg von 1914 bis 1918 Personen aus dieser Zeit an.

Franz-Josef-Habsburg-Ring - MenschheitsmassenverbrecherAls Ehrerbietung an das Haus Habsburg soll mit dem Franz-Joseph Habsburg begonnen und eigentlich fortgesetzt werden. Denn am 28. Mai 2014 wurde schon über seinen Neffen geschrieben, oder genauer, über Gravilo Princip, der am 28. Mai 1914 nach Sarajevo aufbrach, um ihn, den habsburgischen Neffen, hinzurichten, wie nachgelesen werden kann in

Vor 100 Jahren erschoß ein Tiger einen Procházka in Sarajevo

und das war am 28. Juni 1914, sein Onkel erklärte dafür am 28. Juli 1914 den Krieg gegen Serbien. Allein der Gedanke, für den Tod eines Verwandten alle Menschen eines Landes büßen lassen zu wollen, ist ein verbrecherischer Gedanke, und für diese Rache die Menschen des eigenen Landes als Mörder zu mißbrauchen, ist noch einmal ein absolut verbrecherischer Gedanke. Das allein genügte bereits für eine Straßentafel „Franz-Joseph-Habsburg-Gasse – Menschheitsmassenverbrecher“. Aber es kommen noch viele weitere Untaten hinzu, wird allein an den Einsatz von Giftgas gedacht, und so weiter und so fort.

Spätestens an dieser Stelle wird wohl der Einwand kommen, es müsse die damalige Zeit berücksichtigt werden, die damalige Zeit müsse von damals her erklärt und verstanden werden. Dieser Einwand kommt stets. Und es ist stets ein Einwand als Entschuldigung. Denn auch damals bereits gab es ein anderes Denken, gab es Vorstellungen von anderen Lösungen, gab es Menschen, die weiter dachten, deren Denken zu viele Menschen von heute noch als im Geistigen ihnen 2014 noch Hinterherhinkende vorführen. Das heißt für Franz Joseph Habsburg, er war zu seiner Zeit schon nicht auf der Höhe des Denkbaren und des Gedachten, also ein im Geistigen Zurückgebliebener, der mit seinem dumpfen Denken abermillionen Menschen Tod und Verderben und Elend … Auch von daher gibt es für den Menschen von heute keinen Grund mehr, nachsichtig mit Franz Joseph Habsburg zu sein, mit einem Mann also, der glaubte, es reiche sein schwaches Denken aus, um ein Land zu regieren, der zu bequem war, um sich fortzubilden, denn es genüge vollauf zum diktatorischen Herrschen die Legitimation durch ein Fabelwesen namens Gott, der meinte, Säbel, Gas und Gebet ersetzen gut das Denken zum Führen eines Landes, der meinte, es reiche als Politik aus, Jugendliche zu Mördern und zu Ermordeten zu machen und so weiter und so fort.

Oskar-Potiorek-Weg - MenschheitsmassenverbrecherUnd wenn Franz Joseph Habsburg und Serbien genannt werden, dann darf, um ein Beispiel noch anzuführen, Oskar Potiorek nicht ungenannt bleiben. Nach wie vor ein Ehrenbürger der Stadt Klagenfurt. Die Urkunde dafür müßte nur leicht umgeschrieben werden: „Oskar Potiorek – Menschheitsmassenverbecher“.  Seine Tagebucheintragung zum Krieg gegen Serbien war: „Mein Krieg hat heute begonnen.“ Er war der habsburgische Oberfehlshaber am Balkan. Während systematische Massaker an den Menschen – an der sogenannten Zivilbevölkerung – in Serbien begangen wurden, verbrannte sich der Massakeroberbefehlshaber einmal mit einem Zündholz, und das war seine einzige Wunde, die er sich selbst durch Unfähigkeit und Ungeschicklichkeit zuzog, während des gesamten Krieges – eine Brandblase von einem Zündholz. Oskar Potiorek starb hochbetagt 1933 in Klagenfurt, also lange nach dem Weltkrieg von 1914 bis 1918.

Vielleicht würden solche Straßennamen wie „Oskar-Potiorek-Weg – Menschheitsmassenverbrecher“ zum Beispiel die Verantwortlichen von dem „Austria-Forum“, gingen sie dann an einer solchen Tafel vorbei, dazu animieren, ihre Eintragung zu Oskar Potiorek zu überprüfen und richtigzustellen. Der Eintrag ist nicht nur nachsichtig geschrieben, sondern enthält auch – ganz wertfrei gesagt – schlicht falsche Angaben, für so einen kurzen Text erschreckend viel ungenaue …

Oskar-Potiorek-Weg - MenschheitsmassenverbrecherWie die Collage zeigt, sind an diesem Lexikon nicht irgendwelche Personen beteiligt, sondern Menschen, die die gutter press wohl als geistige Elite des heutigen Landes bezeichnen würde in einer Schlagzeile …

Gewissen Personen also ihre Straßennamen, ihre Ehrenbürgerschaften und so weiter und so fort zu belassen, könnte also durchaus dazu beitragen, zu einem wahrheitsgemäßeren Umgang mit der Vergangenheit, zu einem Beenden mit schmeichelhaften Darstellungen und so weiter und so fort.

Bevor aber solche Straßenschilder je verwendet werden würden, ist anzunehmen, würde es wohl dazu kommen, nur noch numerische Straßennamen zu haben. Denn die Nachsicht mit gewissen Personen, nach denen Straßen, Gassen und Plätze benannt sind, ist ja immer auch zugleich die Beschönigung der Vergangenheit von allen Menschen in einem Land, auch von den heutigen …

Vor 100 Jahren erschoß ein Tiger einen Procházka in Sarajevo

Dieser 28. Juni 1914 läßt bereits heute an den 28. Juni 2014 denken, also an die Gegenwart, weil gerade drei Tage nach und vor allem wegen einer EU-Wahl, in der in nicht wenigen Staaten der Europäischen Union Menschen nicht davon lassen konnten, Kandidaten und Kandidatinnen mit nationalistischen Parolen zu wählen, und das in einem nicht geringen Ausmaß. Sie wollen sich nicht mehr erinnern, wohin der Nationalismus stets führt, auch nach Theresienstadt. Nicht daran erinnern, wo der Nationalismus stets endet, auch in Theresienstadt. Nicht in der Morgenröte einer besseren Welt, sondern im Rot des Blutes, und das Rot wird wie ehedem gewonnen werden aus dem Blut der Menschen, die nun Re-Nationalismus wählen.

Es war ein bekennender Nationalist, der am 28. Juni 1914 in Sarajevo einen Procházka erschoß. Das darf nicht vergessen werden, auch nicht beim Lesen der Beschreibung von Gavrilo Princip als weltgeschichtliche Betrachtung, wie jener von Johannes Urzidil, der den Todkranken in Theresienstadt sah, und es ihm vorkam, als hätte ihn Rilkes Tiger im Jardin des Plantes gestreift:

„Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.“

Ob es Johannes Urzidil es als Adelung des rilkeschen Panthers ansah, diesen Tiger zu nennen, bleibt sein Geheimnis, aber es ist dennoch hilfreich für den Übergang zu den gestrigen und heutigen Procházkas . Der sarajevanische Tiger starb am 28. April 1918 in Thersienstadt. Er war zu 20 Jahren Kerkerhaft verurteilt worden. Eine Todesstrafe durfte nach geltendem Gesetz nicht verhängt werden, weil er zum Zeitpunkt der Tat noch nicht zwanzig Jahre alt war. Was für eine fortschrittliche Gesetzgebung es damals schon gab im Reich dieses Procházkas. Aber dann der Befehl zum Krieg gegen Serbien. Und dem Procházka war es vollkommen einerlei, wie alt die im Krieg Ermordeten sind, vollkommen gleichgültig war es dem Procházka, wie alt die Mörder im Krieg sind. Procházkas Sohn ward ermordet, und wenn sein Mörder aufgrund seines Alters bloß zu Kerkerhaft verurteilt werden konnte, so mußte eben das Blut anderer junger Menschen fließen, mußten junge Menschen für Procházkas Neffen morden, mußten junge Menschen für Procházkas Neffen mit ihrem Leben büßen, Menschen in Österreich, Menschen in Serbien. Aber es blieb nicht dabei. Die Procházkas der anderen Staaten taten es ihm rasch nach, befahlen gleich dem wienerischen Procházka …

Und wird an die Geschichte vor 100 Jahren gedacht, ersteht augenblicklich die Welt von heute. Wie fortschrittlich und gut ist die Welt, oh, in vielen Staaten gibt es nicht einmal mehr die Todesstrafe. Nur. Wenn es Krieg gibt, wenn es Krieg geben soll, wenn Krieg gewollt wird, dort, wo Krieg ist, ist es weiter wie ehedem, auf dieser Welt, Kinder und Jugendliche, auch Kinder und Jugendliche müssen raus, um zu morden und ermordet zu werden …

hole na procházkuGavrilo Princip starb in Theresienstadt. Zu Sarajevo 28. Juni 1914 fällt am 28. Mai 2014 unweigerlich Theresienstadt ein, nicht das Theresienstadt 1918 mit dem inhaftierten sarajevanischen Tiger, sondern das Theresienstadt der nationalistischen Massenmorddiktatur des deutschen reiches, und an diesem 28. Mai 2014 ganz besonders, so knapp nach dieser EU-Wahl, in der das Nationalistische für so viele in der Europäischen Union ein attraktives und also wählbares Angebot geworden ist. Und es kann nur eines gedacht werden. Keine Stimme für den Nationalismus. Und für die Procházkas von heute: Hole na procházku.

Procházka war, berichtet Johannes Urdizil in einer weiteren Erzählung, der Spitzname für den österreichischen Kaiser. „Während des Kaiserbesuches bot ein fliegender Händler an einer der Prager Hauptstraßenecken Spazierstöcke mit dem Rufe aus „Hole na procházu“, und [in Prag machte sogleich Schule der hämische Doppelsinn von] „Stöcke für Procházka“.

Der Friedensnobelpreis hat mit der Verleihung an Barack Obama seinen Wert total eingebüßt

Aber viel Wert hatte der Friedensnobelpreis schon davor nicht, wird nur daran gedacht, wer diesen bekam, zum Beispiel Henry Kissinger und Lê Đức Thọ, auch, wer diesen nicht bekam, etwa Mohandas Karamchand Gandhi …

Aber mit der Verleihung an Barack Obama ist der Friedensnobelpreis absolut nichts mehr wert, schlimmer, ist dieser zum gemeingefährlichen Preis geworden. Und wer je diesen Preis noch bekommt, muß sich dafür genieren, für diesen ausgewählt worden zu sein, und wer je diesen Preis noch annimmt, muß sich dafür noch mehr genieren, diesen anzunehmen …

Vielleicht war die Verleihung an Barack Obama gedacht als eine Art Ermunterung und eine Form von Unterstützung, sich tatsächlich für den Frieden einzusetzen. Tatsächlich aber war die Verleihung an Barack Obama nichts anderes als eine paradoxe Intervention … Jahre nach der Verleihung soll Barack Obama gesagt haben, er sei wirklich gut im Töten von Menschen

Barack Obama - a cruel record

Jimmy Carter: „Eine grausame Bilanz“ …

Vielleicht wurde vom Nobelpreiskomitee bei der Zuerkennung des Friedensnobelpreises an Barack Obama auch gar nichts gedacht, war das Nobelpreiskomitee ebenfalls nur der zu dieser Zeit noch grassierenden Massenpsychose erlegen – ein Messias, seht! Ein Messias, preiset! Preiset den Messias … Gepreist wurde, aber nicht gesehen … Messiasse enttäuschen immer, wie viele Jahrtausende müssen noch vergehen, bis die Erkenntnis endlich menschliches Allgemeingut geworden sein wird, daß Messiasse immer nur enttäuschen können, und, assassins ihrer eigenen Heilsversprechen sind, und sich dabei zusehends verwandeln, um am Ende nur eines noch zu sein, asses …

Es ist falsch zu sagen, der Friedensnobelpreis habe erst mit der Verleihung an Barack Obama seinen Wert total eingebüßt; denn: eigentlich bereits mit der Verleihung an Henry Kissinger und Lê Đức Thọ, bekamen diese den Preis doch zu einer Zeit, als der Krieg noch dauerte, somit wurde im Grunde ein Kriegsnobelpreis verliehen … Im Unterschied zu Henry Kissinger und auch zu Barack Obama nahm aber Lê Đức Thọ den Preis mit der Begründung, sein Gegenüber, also Henry Kissinger, hätte den Waffenstillstand verletzt, es gäbe keinen Frieden  … Damals schon eine, wenn es als solche gedacht war respektive überhaupt gedacht wurde, eine paradoxe Intervention, die fehlschlug … Le Duc Tho wurde kein Friedensmensch, wie seine weitere kriegerische … Und auch aus Barack Obama wird kein Mensch des Friedens mehr, wie sein forcierter Einsatz von Kampfdrohnen …

… a hitman is a president is a hitman is a president is a hitman …

Sebastian Kurz und Johanna Mikl-Leitner mißbrauchen Behördenschreiben an Zivildienstleistende für Eigenwerbung

Es hängt wohl damit zusammen, daß Regierungsinserate nicht mehr mit den Fotos von Ministerinnen und Ministern geschaltet werden dürfen, wurde damals schon gedacht, als plötzlich amtliche Schreiben an Zivildienstleistende mit dem Foto von Johanna Mikl-Leitner und von ihr unterschrieben versandt wurden.

Das wurde noch übergangen, wer will schon so kleinlich sein, und das gleich als verzweifelte Suche nach neuen Möglichkeiten der Eigenwerbung hinstellen. Auch wurde gedacht, nun gut, Johanna Mikl-Leitner ist für den Zivildienst zuständig, also warum nicht …

Aber jetzt …

Kurz - Mikl-Leitner EigenwerbungZivildienstleistende erhalten nun ihr Zivildienstabzeichen mit einem Begleitschreiben, auf dem nicht nur das Foto von Johanna Mikl-Leitner prangt, sondern auch das von Sebastian Kurz, und beide unterschreiben den Brief …

Die Aufgabenbeschreibung von Sebastian Kurz als Staatssekretär für Integration enthält keinen Hinweis darauf, daß er irgend etwas mit dem Zivildienst zu tun hätte, also kann dieses Begleitschreiben an Zivildienstleistende nur als Eigenwerbung gesehen werden, sowohl für Sebastian Kurz als auch für Johanna Mikl-Leitner …

Und es ist nichts anderes als Eigenwerbung, denn die für den Zivildienst zuständige Bundesbehörde ist die Zivildienstserviceagentur, die von Johanna Mikl-Leitner und Sebastian Kurz dazu degradiert wird, ihre Werbebriefe zu verschicken. Und wie es bei Werbung üblich ist, entspricht es auch nie ganz der Wahrheit, wie gelesen werden kann. Denn Johanna Mikl-Leitner und Sebastian Kurz behaupten in ihrem Werbebrief:

Ihr Einsatz während des Zivildienstes wird Menschen zu Gute kommen, die sich in Notlagen befinden oder auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Und es ist vor allem ein Werbebrief gegen Integration. Denn. Es sind österreichische Staatsbürger, die zum Zivildienst müssen. Mit diesem staatsbürgerlichen Status hat das Gerede von der Integration aber spätestens beendet zu sein, nicht aber für Kurz und Mikl-Leitner … Für Mikl-Leitner und Kurz soll niemand entlassen werden, sondern auf ewig eingesperrt bleiben in einer einmal zugewiesenen Identität

Andererseits kann es auch etwas Gutes haben – so können sich Zivildienstleistende gleich die Gesichter merken, die für die Ungleichbehandlung von Zivildienstleistenden und Soldaten verantwortlich sind. Denn Zivildienstleistende müssen nach wie vor ein paar Monate länger zum Zivildienst als Wehrpflichtige zum Bundesheer …

Übrigens, Bundesheer … Was ist aus den „großen Reformen“ geworden? Auch gut, ein Bild wieder vor sich zu haben, zur Erinnerung an die unselige Volksbefragung vom 20. Jänner 2013 …

Abermillionen für eine „Volksbefragung“ zur Wehrpflicht – Für No-Na-Ergebnisse und No-Na-Erkenntnisse

Abermillionen für No-NaIn den letzten Tagen wurden über die ersten Zwischenergebnisse der Wehrdienstreform berichtet, die Gerald Klug und Johanna Mikl-Leitner präsentierten … Was aber die christschwarze Ministerin und der sozialdemokratische Minister im Berglerischen vorstellten, sind No-Na-Erkenntnisse und No-Na-Ergebnisse, für die es, daran muß erinnert werden, keine „Volksbefragung“ bedurft hätte …

Eine „Volksbefragung“, deren Durchführung allein schon Abermillionen an Steuergeld verschlang …

Wie viel Geld zusätzlich noch verschleudert wurde, um die Bürger  und Bürgerinnen von der Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Teilnahme an einer derartigen „Volksbefragung“ zu überzeugen, wurde nicht recherchiert …

Wie viel steuergeldfinanzierte Arbeitszeit von nicht nur christschwarzen und sozialdemokratischen Mandataren und Mandatarinnen zusätzlich auch noch für deren Einsatz für diese „Volksbefragung“ verplempert wurde, mag gar nicht …

Das Versetzen eines Koches jetzt als Reform aufwendig zu inszenieren, für das Versetzen eines Kellners ein ganzes Land mittels einer „Volksbefragung“ einen ganzen letzten Winter zu beschäftigen … Für einen Bruchteil dieses Aufwandes, hätte diese rein innerorganisatorische Aufgabe des Bundesheeres bereits vor Jahren oder gar vor Jahrzehnten oder wenigstens im letzten Herbst und im letzten Winter …

Jedenfalls, mit dieser zusätzlich unnötigen Präsentation bestätigen SPÖ und ÖVP noch einmal, auch nachträglich noch einmal eindrücklich, wie unnötig tatsächlich diese „Volksbefragung“ war, wie bedenkenlos sie bereit waren und sind, Steuergeldabermillionen zu verbrennen – für ihre nur in finanzieller Hinsicht nicht billigen parteipolitischen Motive …

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Zur Nachlese:

„Volksbefragung“ 20. Jänner 2013