Mit dem Autobus zur Arbeit zu fahren, mit der Straßenbahn die zu erledigenden Wege zurückzulegen, ist nicht nur eine feine, weil bequeme Art des täglichen Fahrens, sondern auch eine sehr informative.
Ohne Ablenkung durch das eigene Lenken eines Fahrzeuges kann entspannt in einer absoluten Schutzzone den kostenlosen Nachrichten auf dem Monitor gefolgt werden.
»Artfremdes Blut ist alles Blut, das nicht deutsches Blut noch dem deutschen Blut verwandt ist. Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und Zigeuner.«
Das ist aus den „Kommentaren zur deutschen Rassengesetzgebung“ von Hans Globke und Wilhelm Stuckart.
Auszeichnungen sind Furunkeln und Karbunkeln als Trost im Alter, da diese als einzige nicht schmerzen. Und Hämorrhoiden, die früher oder später, so Billy Wilder, jedes Arschloch bekommt.
„Bei dem im März 1938 vollzogenen „Anschluss“ Österreichs musste Globke die Vertretung des Verfassungsreferenten übernehmen. […] So war Globke auch an der Ausarbeitung von Verordnungen im Zusammenhang mit der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich beteiligt.“
Und lange davor die „Kommentare“ bereits ein juristisches Nachschlagewerk für die Oberstaatsanwaltschaft Wien …
Als Blickfang gleich beim Eingang Neulinggasse steht die „Familie“ von Margarete Hanusch. Als dauerte die „Große Deutsche Kunstausstellung“ an, als wäre Margarete Hanusch nach ’37 und ’38 noch einmal eingeladen worden, auch ’56 auszustellen. Als stünde der sehr alte und noch ein Jahr zu lebende Heinrich Hoffmann mit seinem Auftraggeber davor, der ihm gleich sagte, mache er auch schöne Bilder von der „Familie“, die unerschütterliches Abbild seiner idealistischen Gesinnung …
Als wäre bis heute darauf vergessen worden, den Saal Neulinggasse der „Großen Deutsche Kunstausstellung“ zu schließen …
Vielleicht war das Gottesmodell Hoffmanns zwar beglückt beim Anblick der hanusch’schen „Familie“, aber doch ein wenig unzufrieden; nur ein Sohn, wo er doch Dutzende von Söhnen in jeder Familie bräuchte für seine Opfer, die er dem Tod darzubringen habe … wenigstens statt der Tochter ein zweiter Sohn …
„Ein Drittel der Künstlerinnen gab 1937 München und Umgebung als Wohnort an, etwa jede Fünfte kam aus Berlin. Lediglich die Bildhauerin Margarete Hanusch wohnte außerhalb der Reichsgrenzen, in Wien.“
Da wird sich Margarete Hanusch zwar gesinnungsheimisch gefühlt haben, aber vielleicht doch ein wenig unsicher, fern von Wien.
„In der Publikumsresonanz zeigt sich die Akzeptanz einer idealistisch-abbildhaften Kunst. An solchen Arbeiten wurde kaum Kritik – außer seitens einiger Künstler und Kritiker – geübt, und sie verblieben als ‚stille‘ Objekte. Zu den Ausnahmefällen gehört die Ablehnung der Skulpturengruppe ‚Familie‘ von Josef Bock und Margarete Hanusch: ‚Wie war es möglich, daß das Malheur mit der Blubo- (Blut-und-Boden-, I. N.) Plastik auf der Landstraßer Hauptstraße passieren konnte? (…) die als Rückfall in Zeiten erscheint, welche wir doch längst überwunden haben sollten.‘“
Sie, Margarete Hanusch, wird kein Smartphone gebraucht haben, um den Weg nach Hause in die Hafengasse zu finden. Wie einfach das Leben da noch war. Sie fand den Weg heim entlang ihrer Werke im dritten Bezirk. Und wen sie wer besuchen wollte, den beschrieb sie den Weg zu ihr einfach wie kurz anhand ihrer Werke. Vom „Mozart“ zur „Familie“ dann zur „Ährenträgerin“, eine kurze Rast auf der „Gänseweide“, dann weiter, ein wenig den „musizierenden Kindern“ zu hören, dann weiter, sich an dem Duett der „Lautenspielerin und Sängerin“ erfreuen und schon …
Wie ist es möglich, daß das passieren konnte, „wegen des schlechten Erhaltungszustandes ausgeschieden“,
„Die ehemaligen städtischen Sammlungen erwarben 1942 Hanuschs Holzplastik Mädchen und 1943 ihre Holzplastik Kämpfer, die aber wegen des schlechten Erhaltungszustandes inzwischen ausgeschieden wurde; für das Liesinger Bad schuf die Künstlerin die Steinplastik Badende.“
Aber es regiert in Israel nun einmal „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“. Und so bekommt der „Kampf gegen Antisemitismus“ der türkis getupften schwarzen Partei einen Ablaufzeitstempel, der ohnehin nicht ein „Kampf“, sondern Einsatz für „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ ist, eine kurze Episode sein wird, vorbei, wenn „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ nicht mehr regiert, sondern Repräsentantinnen einer liberalen Demokratie in Israel wieder regieren werden.
„Noch irritierender ist, dass Netanjahu Israel Stück für Stück aus dem Lager der liberalen Demokratien entfernt und sich immer öfter mit Autokraten und Diktatoren einlässt. Das mag etwa im Falle Russlands unerlässlich sein, weil Moskau inzwischen zum maßgeblichen Machtfaktor im benachbarten Syrien geworden ist.
Aber Netanjahu wirbt auch offensiv um Nationalisten wie Viktor Orban in Ungarn und die PiS in Polen, er unterhält beste Beziehungen zum Hindunationalisten Narendra Modi in Indien und rühmt sich seiner guten Kontakte zum rechtspopulistischen brasilianischen Premier Jair Bolsonaro. Und dann sind da noch die von den Amerikanern deutlich kritisierten chinesischen Investitionen in den Hafen von Haifa, die ein Sicherheitsproblem etwa für die US-Navy darstellen.
Das wirft die Frage auf, wo Israel sich international verortet, im sich zuspitzenden Kampf zwischen liberalen Demokratien und autoritären Regimen. Und ob der jüdische Staat, der seit seiner Geburt von der liberalen Weltordnung profitierte und von der Ordnungsrolle Amerikas wirklich gut beraten ist, auf Nationalisten in den USA und Europa setzen sollte, die offen gegen diese liberale Ordnung zu Felde ziehen.“
„Ganz besonderer Respekt und Anerkennung gebührt dafür dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, aber auch dem jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie haben die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit gemacht.“
Das wurde zwar schon zitiert. Aber es ist eine derart außerordentliche Passage, daß diese besonders hervorgehoben werden muß, dieser gebührt ein eigenes Kapitel.
Hingegen setzte Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzy nicht nur Jörg Haider und seine Partei vor die Tür, sondern auch erstmals die wichtigen Worte für einen österreichischen Bundeskanzler im Parlament und auch in Israel.
Dr. Franz Vranitzky wies damit der FPÖ ihren gesinnungsgemäß einzig angestammten Platz als stampfendes Deutschstilzchen draußen vor dem Bundeskanzleramt zu.
Diese besondere engelbergische Passage ist ein Prunkstück vom Hof der Geschichte in Waidhofen an der Ybbs, und wird wohl oft angefragt werden, ob es nicht als Leihgabe in die eine oder andere Ausstellung … ein Museum in Krems soll für seine nächste geplante Schau bereits angefragt haben.
„Engelberg zufolge gebührt vor allem dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky und auch dem gegenwärtigen Regierungschef Sebastian Kurz Dank dafür, dass sie den Kampf gegen Antisemitismus zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit erklärt haben.“
Martin Engelberg hat sich an diesem 8. Juli ’20 mit einer recht besonderen Rede im österreichischen Parlament hervorgetan.
In seiner gestrigen Fürrede im Parlament für einen „Simon-Wiesenthal-Preis“ fragt er, Engelberg, „wie wenig Geschichte kann man kennen, daß man so einen Antrag stellt“, der selbst gefragt werden kann: wie wenig Gegenwart könne gekannt werden, daß …
Engelberg spricht Friedrich Peter an, der nicht dritter Nationalratspräsident werden konnte, weil es damals einen Aufstand der Zivilgesellschaft gegeben habe.
„Gott sei Dank hat sich in den letzten 30 Jahren viel geändert in Österreich, sehr viel und Erfreuliches geändert. Ganz besonderer Respekt und Anerkennung gebührt dafür dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, aber auch dem jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie haben die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit gemacht. Große Anerkennung gebührt heute auch dem ersten Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka für den Einsatz zur Verwirklichung der Idee des Simon-Wiesenthal-Preises und seines Einsatz im gegen Antisemitismus insgesamt.“
Zum Schluß seiner gestrigen Rede im Parlament kommt er, Engelberg, auf die FPÖ und ihren Antrag, diesen Preis doch „Bruno-Kreisky-Preis“ zu nennen, zu sprechen, redet etwas von „Outcasts“ redet etwas davon, mit denen niemand mehr etwas zu tun haben möchte.
PS Bis auf eine Partei im Parlament sprechen sich gestrig alle Parteien für die Benennung „Simon-Wiesenthal-Preis“ aus. Es ist aufgrund der Initiative eines schwarzen Mannes ein ÖVP-Waschgang, mehr aber noch, da auch die anderen mitmachen, ein österreichisches Waschprogramm zum Weißen der Gegenwart. Für die Richtigstellung ist Zeit, später dann, viel später dann, das ist die österreichische Zuversicht und die österreichische Furcht, wird es schon wieder einen Franz Vranitzky geben, der die richtigen Worte zur Vergangenheit finden wird.
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