Die Antwort

„Und ich frage die Wirtschaftswissenschaftler, die Moralphilosophen, ob sie jemals berechnet haben, wie viele Menschen zu Armut, zu unverhältnismäßig harter Arbeit, zu sittlicher Verwahrlosung, zum Verlust der Kindheit, zu schändlicher Unwissenheit, zu unüberwindbarem Elend, zu absoluter Not verurteilt werden müssen, um einen Reichen hervorzubringen?“

Die Frage, von Almeida Garrett bereits im 19. Jahrhundert gestellt, ohne Antwort durch konkretes Handeln bis herauf in das 21. Jahrhundert.

Aber längst schon beantwortet.

Die Antwort:

Nach der Verursachungsgerechtigkeit, berühmter unter ihrem Synonym Kostenwahrheit als Fetisch gehandelt, sind die Kosten für das Produzieren eines „Reichen“ schlicht wie kurz viel zu hoch, unverantwortlich zu hoch, einfach wie kurz gesagt: absolut unrentabel.

Was noch fehlt, ist das Handeln danach. Die einzige Konsequenz daraus nun endlich prompt zu ziehen:

Die Produktion von Reichen ist umgehend für immer vollständig einzustellen.

We’re all Gates, aren’t we?

Wer eignete sich besser, um das konkret zu veranschaulichen, was mit „Wären wir nicht reich, wärst du arm“ knapp verdichtet gesagt sein will, als Bill Gates?

Zum einen deshalb, weil mit Bill Gates stellvertretend und beispielhaft konkret gezeigt werden kann, wie alle zusammen die Leistung sogar innerhalb kürzester Zeit erbringen, ihn, Bill Gates, zu einem der reichsten Männer in dieser Welt zu machen. Ohne das Produzieren für ihn, ohne das massenhafte Konsumieren der Produkte aus diesem Unternehmen, was wäre Bill Gates heute?

In keinem Fall das, wofür er heutzutage in der Welt bekannt ist.

Tatsächlich gehört auch er zu dem einen Prozent der Abhängigen, dem dessen Reichtum so schnell wieder genommen werden kann, wie dieser ihm gegeben.

Hierzu kann ein weiterer Mann des einen Prozents stellvertretend beispielhaft erwähnt werden, dem ebenfalls in kürzester Zeit ein schier hohes Vermögen gegeben, der aber mit aktuell hohen Verlusten konfrontiert, dessen Vermögen weiter und rasch schmelzen könnte, wenn die 99 Prozent der Unabhängigen sich dafür entscheiden, nicht mehr in seinem Unternehmen zu produzieren.

„Wären wir nicht reich, wärt ihr arm.“ Wie erzählt, geht diese Zeile auf das Gedicht eines Dichters zurück, der vor Jahrzehnten gestorben ist.

Von diesem Dichter gibt es auch das Gedicht mit den vielen Fragen eines lesenden Menschen, der nach den vielen Namen der Menschen fragt, die alles bauen, die alles produzieren, durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende. Und auf das Heute bezogen, kann dieses Gedicht auf eine einzige Frage verdichtet werden …

So viele Berichte.
Und nur eine Frage.
So viel Reichtum –
Warum nur für ein Konto.

So many accounts.
And just a question.

So much wealth –
Why only for one account.

Zum weiteren deshalb, weil Bill Gates stellvertretend und beispielhaft dafür steht, ein großzügiger Spender zu sein. Aber seine Großzügigkeit gibt es nur durch die Großzügigkeit von allen, all das viele Geld auf sein Konto allein nur überweisen zu lassen, das er spenden kann, dafür Lob und Anerkennung erhält. Während er doch bloß weitergibt, was alle erwirtschaften.

Zum weiteren deshalb, weil Bill Gates stellvertretend und beispielhaft im Mittelpunkt von sogenannten Verschwörungstheorien steht, gerade so aktuell in diesen Zeiten von Corona. Statt aber Verschwörungen zu phantasieren, einzelnen Pläne gegen alle Menschen zu unterstellen, sich soher selbst zu einer Masse zu verkleinern, mit der gemacht werden könne, was mit ihr irgendwer zu machen gewillt ist, selbst allen das Bestimmungsrecht zu nehmen, selbst allen das Mitspracherecht abzusprechen, wäre es für alle nützlicher, sinnvoller, in den Mittelpunkt zu stellen, wann und wie es zur stillschweigenden, nie abgesprochenen Verschwörung von allen gegen alle selbst kam, den von allen erwirtschafteten Reichtum, das durch alle gemeinsam angehäufte Vermögen dem Konto von so wenigen gutzuschreiben, zu Lasten von allen. Und warum diese stillschweigende Zustimmung von allen, ohne daß alle selbst von der Existenz dieser Vereinbarung wissen, alle davon auch nicht wissen, stillschweigend zugestimmt zu haben, alle diese Vereinbarung immer noch und weiter einhalten. Noch dringlicher aber dabei, diesen Vertrag gegen alle, dessen Nutznießende uneingeschränkt nur ganz wenige sind, endlich in seinem Gesamten aufzukündigen.

Ein angenehmer Nebeneffekt davon wäre wohl auch das Verschwinden der sogenannten Verschwörungstheorien, denen dann jedwede Voraussetzung zum Ersinnen fehlte.

Zum weiteren deshalb, weil es keinen zweiten Namen als übersetztes Wort im übertragenen Sinn verwendet stellvertretend und beispielhaft gibt, der besser zum Ausdruck bringen kann, was alle zusammen sind, die diesen nicht haltbaren Weltzustand bejahen, aufrechterhalten …

„Da steh’n wir nun, wir armen Toren,
Und sind so klug wie nie zuvor.“

„And here, poor gates, we stand further more,
And smarter than we were before.“

Auch diese Zeilen ein Rückgriff auf Verse von einem Dichter, der in zwölf Jahren zweihundert Jahre tot sein wird.

Zum weiteren deshalb, weil es keinen zweiten Namen als übersetztes Wort stellvertretend und beispielhaft gibt, der im schlimmsten Fall für Beibehaltung und im besten Fall für Veränderung steht. Tore, zum Schließen und zum Öffnen.

Wären wir nicht reich, wärt ihr arm

Es gibt diese Verse eines Dichters, die auch heute noch gerne herangezogen werden, um über Verteilung des Vermögens zu sprechen.

Der Dichter ist seit Jahrzehnten tot.

Und nach wie vor geht es um Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit. Weiter um die Forderung einer gerechten Verteilung des Vermögens.

Um diese Forderung zu bekräftigen, werden gerne die zwei Männer des Dichters zu Auftritten eingeladen. Der eine, reich, der andere bleich und arm. Sie sehen einander an. Und der eine sagt: „Wäre ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Und stets geht es dabei um Solidarität. Dabei, wer leugnet heute noch, nicht solidarisch zu sein? Solidarisch zu sein, behaupten heutzutage schon Menschen, die mit ihrem bildungsbürgerlicherinnen Hintergrund wissen müßten, was es heißt, solidarisch zu sein.

Freilich gibt es auch jene, von denen gemeint werden könnte, aufgrund ihrer beruflichen Stellung, sie müßten wissen müssen, was es heißt, solidarisch zu sein, die das Wort Solidarität selbst gar nicht kennen; wie auch? Ist doch ihr einziger Hintergrund die Styroporwand in Fernsehstudios.

Das Gedicht des toten Dichters hat schon seine Richtigkeit, wenn die einzelne Reiche und die Reiche so da stehen und einander ansehen. Da ist die einzelne Reiche wirklich arm, wenn sie auf ihren Kontoauszug schaut. Es bleibt ihr kein Geld, wenn Miete, Strom, Diesel und Raten gezahlt, es geht sich vielleicht aus, kein Minus am Monatsletzten zu haben, wenn beim Essen gespart.

Aber wenn alle Armen und ein reicher Mann da stehen, einander so ansehen, dann stimmt das Gedicht des toten Dichters nimmer mehr, stimmte sein Gedicht auch damals schon nicht, als er es schrieb.

Hätte der tote Dichter nicht in die Brieftasche, nicht auf das Bankkonto des armen bleichen Mannes gesehen, dann hätte er es vielleicht so geschrieben:

Reiche Menschen und
reicher Mann steh’n

da und sehn sich an.
Da sag’n die reichen
Menschen, und bleich
wird der reiche
Mann: Wären wir nicht
reich, wärst du arm.

Und vielleicht hätte er dann seinem Gedicht diesen Titel gegeben:

Ihr wißt gar nicht, wie reich ihr seid


Reception of a small advertiser

Konzerne haben für alle möglichen Risiken, denen sie irgendwann ausgesetzt sein könnten, wird erzählt, Notfallpläne in ihren Tresoren griff- und einsatzbereit.

Möglicherweise hat das Unternehmen Facebook einen seit langem fertig ausgearbeiteten Plan auch für den Fall, daß eines Tages die Werbeeinnahmen drastisch sinken könnten.

Und möglicherweise gibt es zu diesem Notfallplan für den dramatischen Fall eines enormen Einbruchs bei den Werbeeinnahmen auch einen Präventionsplan, in dem festgeschrieben sein könnte, schon bei Zeiten ist kleinen und kleinsten Werbetreibenden mit Aufmerksamkeit zu begegnen, sind kleine und kleinste Werbetreibende bei Laune zu halten, daß nicht auch noch auf deren Werbeeinnahmen verzichtet werden muß.

Und so kann es erklärlich werden, daß Mark Zuckerberg höchstpersönlich sich am 15. Februar 2020 um einen kleinen Werbetreibenden bemüht, mit diesem eine Diskussion freundlich erduldet.

Der kleine Werbetreibende dürfte davon recht angetan gewesen sein, wurde doch weiter für ihn Werbung geschaltet. Es ist nicht viel, vom März 2019 bis Juni 2020 gerade etwas mehr als 181 Tausend Euro.

Aber, wie es in der tirolerischen Bauernschaft heißt, viele Hühner legen auch genug Eier, um die Familie satt zu kriegen.

Die Tirolerischen kommen deshalb in den Sinn, weil der Empfang des kleinen Werbetreibenden durch Mark Zuckerberg in die Zeit fällt, als in Ibiza der Alpen von D. Covi heftig seine Abreise in die Welt gefeiert wurde. – unvergessliche Feste.

Ebenso unvergesslich wird für den kleinen Werbetreibenden sein Empfang bleiben, darf vermutet werden, schrieb er doch in sein mit Vögelchen verziertes Tagebuch zur Erinnerung an diesen seinen aufregenden Tag:

„Great to meet Mark Zuckerberg for a discussion on a broad range of topics – from combating hate speech online, to finding fair taxation mechanisms for large digital corporations, as well as latest trends & developments in the digital economy. Thank you for an insightful exchange!“

Mark Zuckerberg spricht mit dem kleinen Werbetreibenden über „faire Steuermechanismen“. So ein Tag muß doch in Erinnerung bleiben. Wer sonst spricht schon über „faire Steuermechanismen“? Gar mit einem kleinen Werbetreibenden? Gekannt wird sonst doch nur das harte Wort des Verweises auf die Steuergesetze etwa durch eine Bundeskanzlerin und vor allem durch einen Finanzminister …

Auch das muß ihm unvergesslich bleiben, Mark Zuckerberg teilt ihm mit, wie ihm doch die „Bekämpfung von hate speech“ zur Last falle … Aber auch für Zuckerberg wird der Empfang des kleinen Werbetreibenden vermutlich ein Gewinn gewesen sein. Zum einen die Gewißheit, einen kleinen Werbekunden an sein Haus weiter gebunden zu haben, zum anderen, vielleicht ein deutsches Wort gelernt zu haben. Zuckerberg wird möglicherweise gefragt haben, wie denn zu hate speech im Deutschen gesagt werde, und der kleine Werbetreibende es ein paar Mal wiederholen mußte, bis es Zuckerberg akkurat aussprechen konnte: „Hassreden“. Vielleicht bedankte sich Zuckerberg dafür mit einem deutschen „Danke“ und sprach dann über „trends & developments in the digital economy“, und der kleine Werbetreibende hätte gerne vielleicht noch die eine oder andere Frage beantwortet, wie dies oder das im Deutschen heiße, aber da war die Zeit schon wieder um …

Stop Hate for Parties

Es gibt nun diese Kampagne „Stop Hate for Profit“. Und bereits viele Unternehmen ziehen daraus ihre Konsequenzen, schalten also keine Werbung mehr auf Plattformen, beispielsweise von dem Unternehmen Facebook.

Wie sehr und wie lange schon müßten Parteien diese Konsequenz gezogen haben und keine Parteiwerbung auf solchen Plattformen … Und noch mehr Regierungen, die doch seit einer Internetewigkeit versuchen, bitten, betteln, die Plattformen mögen doch mehr und wenigstens etwas für das Eindämmen von Hetze, Verhetzung, Haß auf ihren Seiten unternehmen …

Möglicherweise ist es, und das wird nur nicht verstanden, kurz gesagt, von höchster politischer Raffinesse, auf diesen Plattformen Werbung um Werbung zu schalten, diesen Plattformen dadurch derart viel Geld zukommen zu lassen, bis der Haß, die Hetze, die Verhetzung, die Fake News im Geldmeer untergehen und ertrinken …

Es ist wohl noch zu wenig Geld auf diese Plattformen gepumpt worden, um das endgültige Absinken von Haß, von Hetze, von Verhetzung, von Fake News auf den Geldmeeresgrund zu bewirken, auf dem Haß, Hetze, Verhetzung und Fake News zerschellen, sich auflösen, für immer.

So kann den Regierungen, beispielsweise der Regierung in Österreich, die mit Hunderttausenden schon sehr engagiert dabei ist, nur zugerufen werden: Weiter so! Noch mehr Geld! Es ist ja genug Steuergeld da! Koste es, was wolle!

Hunderttausende Euro aus Steuergeld aus Österreich allein für Facebook

Während es mittlerweile einen umfassenden und weitreichenden Werbeboykott besonders gegen den Konzern Facebook gibt, schalten politische Parteien nach wie vor Werbung beispielsweise auf Facebook, in Österreich etwa die ÖVP für Sebastian Kurz mit 181.512,00 Euro und für Gernot Blümel mit 29.378,00 Euro …

Die Regierungspartei ÖVP füttert also den Konzern Facebook mit über zweihunderttausend Euro Steuergeld allein für ihr Bewerben von Sebastian Kurz und Gernot Blümel. Und daß dies Steuergeld weiter auch in Zeiten der Corona ist, kann nicht bezweifelt werden, aus der eigenen Tasche werden das weder Kurz noch Blümel bezahlen … Ja, sie spenden in Coronazeiten einen kleinen Teil ihres Gehalts, aber die gesamte Spende der Regierung in Österreich macht nicht einmal 200.000,00 Euro aus, sondern gerade einmal rund 162.000,00 Euro. Haben die Regierungsmitglieder seit der werbewirksamen Ankündigung im April 2020 bereits gespendet, und wenn ja, wofür und vor allem an wen?

Sie werden sagen, ja, aber das machen doch auch die anderen Parteien in Österreich, den Konzern Facebook mit Steuergeld zu versorgen. Das ist wahr, und sie geben ebenfalls nicht wenig Geld für Werbung auf der Plattform des Konzerns Facebook aus.

Sebastian Kurz und Gernot Blümel und deren Partei werden nicht deshalb namentlich genannt, um sie vorzuführen, sondern weil es gerade die ÖVP in Regierungsverantwortung ist, die sich in den letzten Jahren gar so hervorgetan hat, gegen „Haß“, gegen „Verhetzung“ im digitalen Raum aufzutreten, auch Sebastian Kurz höchstselbst …

Es hat dieses Kapitel keinen Neuigkeitswert. Denn vor Jahren wurde bereits ein Kapitel geschrieben, in dem es darum ging, daß Sebastian Kurz Facebook sponsert, die Plattform der Hetze und des Hasses …

Es erstaunt bloß, das trotz der jahrelangen intensiven Beschäftigung mit solchen Plattformen es nicht zur Erkenntnis reichte, daß solche Plattformen eine Kritik nicht ernst nehmen können, wenn sie zugleich reichlich mit Geld versorgt werden, und das Auftreten gegen diese etwas von Bittstellerei hat, die Plattformen mögen doch bitte so gnädig sein, doch ein wenig darauf zu achten, was auf ihren Seiten verbreitet werde …

Und es geht nicht nur um Hetze, Verhetzung und Haß, sondern auch die berüchtigten „Fake News“. Nun, was soll ein Unternehmen wie beispielsweise Facebook von der Kritik an seinem Umgang etwa mit „Fake News“ halten, wenn das Verbreitete der Kritisierenden ebendiese Qualität haben, wie die letzte „Regierungserklärung“ des Sebastian Kurz auf Facebook …

Ein Sommer in Cambridge

Der nächste Schritt, kündigt der Herr Präsident an, werde sein, er persönlich werde das Video „Ein Sommer in Cambridge“ in seiner gesamten Länge im Untersuchungsausschuß abspielen.

Wenn die Abgeordneten im österreichischen Parlament das erfahren werden, um welches Video es sich dabei handelt, werden sie sich darüber mehr als erleichtert zeigen. Denn. Kurz ist das Video. In seiner Gesamtheit weiter kürzer sogar als die bekannten Ausschnitte aus dem Video Ischgl des Mittelmeeres.

Er, der Herr Präsident, werde selbstverständlich eine rechtliche Einschätzung einholen, ob die Vorführung des Videos im Untersuchungsausschuß aus rechtlicher Sicht unbedenklich sei. Es werde ihm die Sauberkeit bestätigt.

Er selbst werde sich auch schon darauf freuen, das Video nicht nur den von ihm äußert hoch geschätzten Abgeordneten im Untersuchungsausschuss vorspielen zu dürfen, sondern es auch selbst wieder einmal sehen zu können. Es zeigt einen sehr sauberen jungen Mann in einer sehr sauberen Umgebung, der in einer Welt des Fleißes lebt,

„Bei den Unis, die ich im Ausland absolviert hab‘, da war immer ein relativ großer Anteil, bei der Uni in Cambridge zum Beispiel auch, von von asiatisch Studierenden, und ich war immer fasziniert davon, daß die sich keine Sekunde Freizeit gegönnt haben, die ganze Nacht oft durchgelernt haben.“

in der es nichts Wichtigeres gibt, als die Bildung, das Absolvieren von einer Universität nach der anderen, dem Nacht für Nacht es davon träumt, sich keine Freizeit zu gönnen, ganze Nächte durchzulernen …

In dem anderen Video, das er, der Herr Präsident, nach rechtlichen Bedenken nicht in den Untersuchungsausschuss bringen kann, soll der für zehn Jahre in Wien gewesene Sportstadtrat, so geht das Gerücht, ebenfalls sehr sentimental davon erzählen,

„Da ich zehn Jahre Sportstadtrat in Wien war, weiß ich, wovon ich spreche.“

wie er in Cambridge in Vorbereitung auf das Boat Race einen Sommerkurs absolvierte, das heißt, wie er diesen Sommerkurs absolvieren wollte und es dann doch nicht tat, aber bei seinem kurzen Aufenthalt doch einmal sogar im Schatten eines Baumes mit dem jungen Mann saß, der ihm seinen ihn so oft heimsuchenden großen Traum erzählte, ganze Nächte keine einzige Sekunde …

Verärgert äußert sich der ehemalige Sportstadtrat in diesem Video, so das Gerücht, noch Jahre später darüber, daß er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Cambridge gelockt worden sei. Denn. Es stellte sich heraus, daß es bei dem Sommerkurs „Boat Race“ nicht um das ging, was er annahm, worum es bei „Boat Race“ nach seinen Vorstellungen nur gehen könne, sondern um die schnöde Vorbereitung auf eine Ruderregatta. Er sei, soll er im Video erzählen, sofort, als ihm das bitter klar wurde, aber stante pede aus Cambridge abgereist, ohne den Sommerkurs zu absolvieren.

Er soll auch, so das Gerücht, vor laufender Kamera seinen Übersetzer, der heute, so ein Gerücht, in Stanford Gebärdensprache lehren soll, ersucht haben, ihn daran zu erinnern, wenn sie aus Ischgl des Mittelmeeres wieder zurück sind, in Wien, den Laptop endlich wieder zu retournieren, seit Jahren vergesse er darauf, den Laptop dem zweiten jungen Mann, den er in Cambridge traf, zurückzubringen. Bei seiner überhasteten Abreise aus Cambridge habe er versehentlich beim kurzen Zusammentreffen in der Mensa, bei dem er bereits sein gesamtes Gepäck bei sich gehabt habe, in der Eile aus Versehen den Laptop des jungen Mannes, der ebenfalls zu dieser Zeit einen Sommerkurs – Painting by numbers – in Cambridge absolvierte, vom Tisch genommen und mitgenommen …

Morgen, am 27. Juni 2020, wie früher gemütliches Spazieren in Favoriten

Christian Schuch hat sich gestern von irgendwo per Video gemeldet, und er hat sehnsüchtig davon gesprochen, wieder einmal gemütlich auf der Favoritenstraße zu spazieren, wieder einmal sich gerne auf dem Reumannplatz aufzuhalten …

Wie gut Christian Schuch verstanden werden kann. Beim Hören seiner Sehnsuchtsworte sofort den Entschluß gefaßt, gleich morgen zum Spazieren auf die Favoritenstraße.

Es ist schade, daß Christian Schuch nicht mitkommen konnte, zum gemütlichen Spazieren auf der Favoritenstraße. Wo immer er jetzt sein mag, es kann ihm versichert werden, das Spazieren auf der Favoritenstraße ist wie früher, und auch, wie früher halten sich Menschen gerne auf dem Reumannplatz auf.

Es kann ihn nur hell erfreuen, wenn er diesen Bericht vom Spazieren durch Favoriten liest, daß es immer noch ist – wie früher.

Der Spaziergang durch Favoriten am frühen Abend des 27. Juni 2020 ist gemütlich, friedlich, es bleibt viel Zeit, um stehen zu bleiben, in aller Ruhe fotografieren zu können, unbehelligt mitten auf der Favoritenstraße sich hinzusetzen, lange darüber nachzudenken, weshalb dieses Gebäude von Günther Domenig ungenutzt ist, das einmal für längere Zeit als Bankfiliale genutzt wurde, später dann für ein Geschäft mit technischen Waren, auch über weitere architektonische Werke von ihm nachzudenken, ob sein Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände inzwischen dasselbe Schicksal erlitten hat, wie sein Gebäude in der Favoritenstraße, zu notieren, Erkundigung darüber einzuholen.

So wie heute muß Christian Schuch sein Spazieren früher auch gewesen sein, rundherum Menschen, die sich hier gerne aufhalten, gemütlich spazieren, Kinder, die spielen, ob in der Favoritenstraße, auf dem Keplerplatz, auf dem Viktor-Adler-Platz, auf dem Columbusplatz, in der Wielandgasse … alle diese Orte wurden heute abgegangen, und wären diese Gassen, Straßen und Plätze von früher her schon bekannt gewesen, sie alle hätten dazu eingeladen, immer wieder stehen zu bleiben, um auszurufen: „Wie früher!“

Wie früher, wie damals also, als Christian Schuch sich in Favoriten aufhielt, ehe er sich entschloss, irgendwo anders zu gehen, ob es dort so recht gemütlich ist, um sich so recht gern dort aufzuhalten …

Es könnte noch viel über diesen heutigen gemütlichen Spaziergang durch Favoriten erzählt werden, was für Gedanken gekommen sind, etwa bei den Wandbildern, aber, die dabei gemachten Fotos erzählen wohl besser davon, was für ein gemütlicher Spaziergang durch Favoriten das heute, am 27. Juni 2020, war.

Vielleicht war auch Sorge in der Sehnsucht nach Favoriten wie früher, als er noch in Favoriten war, von Christian Schuch gemischt, aber diese Bilder, wo immer diese ihn erreichen mögen, werden ihn beruhigen können, es ist in Favoriten wie früher, wie früher, als er noch sich gerne auf dem Reumannplatz aufhielt, wie früher als er noch gemütlich durch die Favoritenstraße spazierte, spazieren heute die Menschen gemütlich durch die Favoritenstraße, halten sich die Menschen gerne auf dem Reumannplatz auf.

Idealistischer Eid, wie früher

„Wir befinden uns nicht gerade im Zentrum einer türkischen Großstadt, einer syrischen Großstadt oder einer marokkanischen Großstadt, nein, wir befinden uns hier mitten im Zentrum von Wien, Favoriten, wo sich heute Abend schier Unglaubliches abgetan hat.

Verfeindete Emigrantengruppen haben sich hier rund um den Reumannplatz eine regelrechte Straßenschlacht geliefert, die Polizei auf Trab gehalten.

Zum einen waren linksextremistische Emigranten beteiligt, aber zum anderen auch türkisch nationalistische Emigranten.

Für uns Freiheitliche hier in Favoriten ist das besonders traurig. Denn wir haben erst gestern im Bezirksparlament einen Antrag gestellt, gegen Linksextremismus in Favoriten. Und dieser Antrag wurde mit fadenscheinigen Argumenten von Rot, Grün und den Neos abgelehnt. Wir Freiheitliche werden jedoch nicht locker lassen, und weiter Anträge in diese Richtung stellen.

Warum? Wir wollen unser Favoriten wieder zurück, wie wir es von früher kennen, ohne importierte Emigrantengewalt, ohne Emigrantenkonflikte, hier um den Reumannplatz. Wir wollen unser Favoriten zurück, wie wir es von früher kennen. Wo man sich auf dem Reumannplatz gerne aufhält, wo man man auf der Favoritenstraße gemütlich spazieren kann. Aber wir wollen das Favoriten nicht, das wir heute vorfinden. Ein Favoriten voller Konflikte. Ein Favoriten voller Gewalt, wie wir es heute am Abend erlebt haben.“

Das ist die gesamte Rede, veröffentlicht als Video am 26. Juni ’20 auf der gesinnungsgemäß zensurierten Website der identitären Parlamentspartei und für kurz wieder gewesene Regierungspartei.

Bemerkenswert an dieser kurzen Rede ist nicht das übliche und sattsam bekannte Gerede von „Emigranten“.

Aufschlußreich an dieser Rede ist die schuchsche Unterscheidung zwischen „linksextremistische“ und „nationalistische“, die daran „beteiligt“ … Die „nationalistisch“ Beteiligten“ mit ihrem „Wolfsgruß“ sind sonst als „Faschisten“ bekannt, werden als „Faschistinnen“ geführt. Für Christian Schuch ist „faschistisch“ also „nationalistisch“. Oder umgekehrt. Schuch bestätigt damit nur, Nationalismus ist Faschismus. Das ist aber keine neue Erkenntnis von Schuch.

Und mehr als bemerkenswert, nämlich aufmerkenswert ist der Antrag der FPÖ im Bezirksparlament: „gegen Linksextremismus in Favoriten“. Schuch will mit seiner Partei weiter Anträge „gegen Linksextremismus“ stellen. Aber, nach seiner Rede, je keinen Antrag zugleich gegen Faschismus oder, wie dieser von ihm genannt wird, zugleich gegen Nationalismus in Favoriten.

Freiheitliche Anträge weiter, so Schuch, „gegen Linksextremismus in Favoriten“, aber je keine zugleich gegen Rechtsextremismus … Wie seltsam und wie aufmerkenswert, gerade in Österreich, wo doch stets alle, kurz gesagt, sich gegen jedweden Extremismus aussprechen, alle sich sofort, wenn es um Rechtsextremismus geht, gegen Rechtsextremismus und zugleich Linksextremismus sind, und doch wieder nicht seltsam, in Österreich, wo sich alle sofort, wenn es um Linksextremismus geht, gegen Linksextremismus sind, ohne zugleich gegen Rechtsextremismus – als wäre dieser mitgemeint, wenn Linksextremismus gesagt wird, wie Frauen mitgemeint sind, wenn von Männern gesprochen wird … Sie werden sich vielleicht wundern, über diesen Zusammenhang, aber am verblichenen Mittwoch begannen in Favoriten die Aufregungen mit einer Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen …

Warum? Weil die FPÖ auch mit Schuch „unser Favoriten wieder zurück wollen, wie wir es von früher kennen“ — ohne „Linksextremismus“, aber mit …

Es ist wohl auch der „Idealismus“, der verbindet und es gar so recht schwer macht, Anträge zu stellen, gegen Linksextremismus und zugleich gegen Faschismus respektive Nationalismus, zugleich gegen Rechtsextremismus …

Die von Christian Schuch so genannten „nationalistischen“ Beteiligten sind doch auch ganz und gar dem Idealismus ergeben, wie dieser auch und vor allem in Österreich von früher gekannt wird, mit ihrem „Wolfsgruß“ und „Idealisten-Eid“ …

Beim Lesen von dem „Idealisten-Eid“, mit dem im Grunde ein Eid gegen sich selbst geschworen wird, fällt doch auch ein weitere Verbundenheit ein, die es wohl verunmöglichkeit, je Anträge gegen Rechtsextremismus und Linksextremismus einzubringen, die Verbundenheit durch das Nichtdenken, wie es etwa Marcus Steinweg treffend beschreibt.



Revisionist Vladimir Putin oder die Hosen von Stalin und Hitler waren noch nicht trocken, als …

„Es ist unmöglich sich vorzustellen, was mit der Welt geschehen wäre, wenn die Rote Armee …“

Und so weiter, irgendwie, Vladimir Putin am 24. Juni 2020 …

„Anlass ist der 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland. ‚Das Volk der Sowjetunion hat einen nicht wieder gutzumachenden Preis für die Freiheit Europas gezahlt‘, sagte Putin. Die Menschen der Sowjetunion hätten die Hauptlast getragen. 27 Millionen Todesopfer zählte das Land im Zweiten Weltkrieg. Das sei die ‚Wahrheit über den Krieg‘, die nie vergessen werden dürfe. Deutschland habe mit seinem Überfall auf die Sowjetunion 1941 mehr als 80 Prozent seiner Streitkräfte gegen das Land gerichtet. Diese ‚unerbittliche Armada‘ und ‚das totale Böse‘ seien aber am Widerstand des sowjetischen Volkes zerbrochen, sagte Putin. Zugleich bot er der internationalen Gemeinschaft einmal mehr an, an einem System für die weltweite Sicherheit zu arbeiten.“

Die Wahrheit, die nie vergessen werden dürfe. Sagt Putin. Er vergißt sie auch nicht. Nur, er will eine Erinnerung an die Wahrheit, die seine Wahrheit ist.

Er, Putin, vergißt nicht, etwa den „Stalin-Hitler-Pakt“. Nur, er relativiert diesen, er verharmlost diesen, ganz einfach wie kurz gesagt: er lügt. Nicht einmal, aber auch eben erst wieder in seinem Aufsatz zum Ende des Krieges von 1939 bis 1945.

Vladimir Putin ist, schlicht wie kurz gesagt, ein Revisionist. Deshalb wohl die recht große Liebe zu ihm außerhalb von Rußland – Revisionismus verbindet eben recht …

Was aber tatsächlich unmöglich ist, sich vorzustellen, was in der Welt geschehen wäre, wenn es nicht die Pakte gegeben hätte, wenn es nicht den „Stalin-Hitler-Pakt“ gegeben hätte, wenn es nicht den Pakt Stalins mit Japan gegeben hätte …

Die Tinte auf dem Stalin-Hitler-Pakt und seinem Zusatzprotokoll war noch nicht trocken — das sich vorzustellen, ist ungustiös: Die Hosen von Hitler und Stalin waren noch nicht trocken, weil sie vor lauter diebischer Kicherei über ihren Pakt mit Zusatzprotokoll in die Hose schifften, da begann auch schon ihr der Krieg von 1939 bis 1945 …

Zum Glück für einen Teil Europas hat ein Diktator verloren, zum Unglück für einen Teil Europas hat ein Diktator gewonnen … Zum Unglück außerhalb von Europa hat noch ein Diktator gewonnen, und in diesem Land herrscht immer noch das System, das in Russland vor bald dreißig Jahren endete …

Und was tatsächlich nicht notwendig ist, sich vorzustellen, was in der Welt geschehen ist, nachdem es die sowjetischen Pakte mit Japan und dem deutschen reich gegeben hat. Dieses Geschehen kann nachgelesen werden, und wer nicht liest, kann täglich stündlich auf vielen Fernsehkanälen Dokumentationen über dieses Geschehen sich ansehen, dieses Geschehen bis herauf zum Ende der Sowjetunion, und weiter bis herauf zum heutigen Tage auch über das in Gang gesetzte Geschehen des Revisionisten Putin.

Der im diktatorischen System großgewordene und für das diktatorische System fleißig arbeitende Revisionist biete der internationalen Gemeinschaft einmal mehr an, an einem System für die weltweite Sicherheit … diesen Unterschied zwischen der stalinistischen Sicherheit und der putinschen Sicherheit möchte kein Mensch Klavier spielen können, der wirklich Klavier spielen können will.

PS Es wird menschgemäß viel darüber spekuliert, was bezweckt Wladimir Putin mit seiner „Geschichtsklitterung“, mit seinem Revisionismus. Zu oft ist nicht viel dahinter, keine großen Ideen, keine beeindruckenden Pläne, sondern nur persönlich Kleinliches. Er, Putin, möchte weiter an der Macht bleiben, bis 2036, dann ist er 84 Jahre. Vielleicht möchte er bloß in 10 oder in 16 Jahren auch so ein personenkultiges Staatsbegräbnis haben wie der für ihn unschuldige Stalin … aber irgendwann später, das vergißt auch er, gibt es beispielsweise einen Film, auch über so ein Begräbnis, und der rückt alles in das richtige Licht, und es bleibt nichts über, außer, kurz gesagt, das Kleinliche von solch kleinen Männern und die schmerzliche Erinnerung an das viele von ihnen verursachte Unglück, Leid und Tod …