„Der Freischütz“ am Jahrestag der Befreiung Europas

Am Jahrestag wurde zur Feier der Befreiung Europas „Der Freischütz“ uraufgeführt.

Es ist also nicht gleichgültig, was an einem bestimmten Tag gegeben wird, was an einem bestimmten Tag mit einer bestimmten Aufführung vermittelt werden will; was wohl die Wiener Staatsoper am Tag der Befreiung vermitteln möchte? „Der Freischütz“ wurde von ihr am Tag der Befreiung nicht aufgeführt, sondern —

„Der Freischütz“ wurde nicht am Tag der Befreiung vom industriellen massenmörderischen Nationalsozialismus gegeben, sondern am 18. Juni 1821 in Berlin, am Jahrestag der Schlacht von Waterloo 1815, als Feier von der Befreiung von einem kriegsmassenmörderischen Diktator. Und mit welcher Oper sonst hätten sie den Jahrestag der Befreiung feiern können, als eben mit dieser Oper, die, so heißt es, die „deutsche Oper“ begründete, die als die „erste deutsche Nationaloper“ bezeichnet wird, zu der vor rund einhundertachtzig Jahren die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ schrieb:

„Kinds und Webers Freischütz ist aber auch eine echt deutsche Oper. Ja, man kann in gewisser Hinsicht sagen, sie hat in sich selbst die erste in jeder Beziehung rein deutsche Nationaloper hingestellt. Die älteren Erscheinungen im Gebiete der deutschen Oper (natürlich ist hier nur von den bedeutenden die Rede) hatten fast alle irgendetwas Fremdartiges, Nichtdeutsches an sich, sei es in der Musik oder in den Büchern.“

Zum „Freischützen“ fällt Ludwig Börne vor rund zweihundert Jahren dies ein:

Es ist eine Deutsche volkstümliche Musik, wie wir doch eigentlich noch gar keine haben.

Wer kein Vaterland hat, erfinde sich eins! Die Deutschen haben es versucht auf allerlei Weise […] und seit dem Freischützen tun sie es auch mit der Musik. Sie wollen einen Hut haben, unter den man alle deutschen Köpfe bringe. Man mag es den Armen hingehen lassen, dass sie sich mit solchen Vaterlandssurrogaten gütlich tun.

Dieses „Vaterlandssurrogat“ wird nun, mehr als zweihundert Jahre später, in Bregenz gegeben, die Premiere war am 17. Juli 2024 — desselben Tages wird der „Welt-Emoji-Tag“ gefeiert …

Es wird vielleicht bald die Zeit kommen, wenn die Volkskanzl hinter verschlossenen Türen ungewählt ausgemacht, in der Carl Maria von Weber selbst

auf der Bühne zu erleben sein wird, wenn die Werke zu Theodor Körner Wiederauferstehung feiern werden,

die namensgleiche Oper in der Wiener Staatsoper,

die namensgleiche „biographische Handlung“ im Burgtheater, in der dann Carl Maria von Weber als eine der „stummen Personen“ —

und das namensgleiche Melodrama in der Volksoper

Carl Maria von Weber als „stumme Person“ in der „biographischen Handlung“ braucht nicht zu reden, es sprechen in dieser für ihn seine Noten, die er geschrieben zum „Schwertlied“; es waren dies nicht die einzigen Noten, die er körnerischen Gedichten beisetzte. Wie er wohl reagiert hätte, wäre er im Melodrama gesessen und hätte seine „Schwertlied“-Noten gesungen gehört, aber ungenannt, nicht einmal als „stumme Person“ angeführt, hätte er die Bühne gestürmt, unter Rufen „Das Schwertlied bin ich!“?

Vielleicht hätte er, Carl Maria von Weber, auch geklagt, seine „Lützows wilde Jagd“ fehle in diesem Melodrama der Reiter, Lützows reitenden Jägern

Zuschauerraum und Scene gleichen genau dem Burgtheater zu Wien am Abend des 31. Dezember 1812 bei der historischen ersten Vorstellung von Körner’s „ Zriny „. Man giebt, möglichst treu und Art nachahmend, gerade die letzte (siebente) Scene des letzten Aktes. Man hat sich vorzustellen, dass die Tragödie zum ersten Male aufgeführt wird. Die vorhergehenden Akte haben die volle Symphathie des erwartungsvollen Publikums gefunden, das bereits bewegt und zum Enthusiasmus angeregt ist. Unter grösster Stille hebt sich der Vorhang.

So beginnt die „biographische Handlung“. Und wenn es wieder aufgeführt wird, wird wohl bald die Forderung erhoben werden, den ganzen „Zriny“ auch zu geben, statt das Stück von einem späteren Dichter, der die

Anna und Olga gehen nach dem Begräbnis des Vaters nachhause; Professor Robert Schuster, ihr Onkel, bleibt im Hintergrund, ist noch nicht zu sehen; aber man sieht das Burgtheater im Nebel

Burg bloß von außen — Aus dem Burgtheater ist er, Körner, gekommen, oder, wie es in der „biographischen Handlung“ geschrieben, in seinen Worten:

Ich bin aus Oestreich’s Kaiserstadt gekommen, so wie ich dorten Lützows Ruf vernommen, dem Freiheitskampfe hab‘ ich mich geweiht, in ihm zu sterben seht Ihr mich bereit.

Zu was er gerufen, das verschweigt er nicht.

Und daß, wenn Deutschland einig blieb, es einer Welt Gesetze schrieb“. Doch wollen wir im Tod und Leben des eignen Muthes uns erfreu’n. „Und mögen gold’ne Schurken beben, und sich vor Kraft und Tugend scheu’n und mit der Feigheit Schwindeldreh’n vor dem erwachten Volke steh’n – es kommt die Zeit zur guten Sache, zur Freiheit, zum Tyrannnentod. Du wirst die Feinde doch erschlagen, dein deutsches Land befrei’n! Liegt auch der Tag noch Jahre weit,“ es kommt die Zeit, die rechte Zeit, „die rechte Zeit zur guten Sache“, zur Freiheit, zum Tyrannentod. Du treuer Gott, verwalt‘ es gut!“ „Und färbt die deutschen Ströme roth mit Sclavenblut und freiem Blut im Kampfe für das höchste Gut! Du treuer Gott, verwalt‘ es gut.“

Kaum daß die Rede von der bregenzerischen Bühne herab beginnt, ist es auch schon vorbei mit dem Zuhören, verleitet die Vorfreude auf den „Freischützen“ am „Welt-Emoji-Tag“dazu, mit Carl Maria von Weber und Theodor Körner in die Vergangenheit der Gegenwart … Von der Rede aber wird doch etwas im Gedächtnis bleiben: „Das mit dem Dirigenten. Das hat schon was. Wenn man da am Pult steht und alle machen genau das, was sie machen sollen.“ Und auch das, die Einführung des Redenden durch den „Teufel“: „Doch wen sehe ich denn dort? Ist das der neue Dirigent? Ach quatsch, der Bundespräsident.“

„Entdeutschen“

Was für ein Witz!

Was für ein Witz auch dieser Ein-Satz-Witz doch ist. Der unbedingt zu erzählen ist:

Harald Vilimsky liest Gerald Grosz, um „seinen Horizont doch deutlich zu erweitern“.

Die Pointe in diesem einsätzigen Witz

„seinen Horizont doch deutlich zu erweitern.“

ist von Hararld Vilimsky selbst, so viel Ehre, ihn als Urheber zu nennen, darf ihm unumwunden zugestanden werden.

Ein Meister des Witzes ist gesinnungsgemäß Gerald Grosz,

der Brunnen des Witzes, aus dem ganze Bücher des Witzes, dessen Pointen er mit seinem Knicker zuspitzt, heraussprudeln, hochgepumpt vom Wolfgang Dvorak-Stocker, der die hochgepumpten Witze eimerweise in Bücher gießt, und wenn

Wolfgang Dvorak-Stocker mal keine Eimer voll Bücherwitze aus dem Brunnen zieht, versucht er sich selbst als Witzeschreiber

daß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.

mit einem Horizont, der an den von Harald Vilimsky nicht heranreicht, obgleich sie beide, Vilimsky wie Dvorak-Stocker aus demselben Brunnen der Horizonterweiterung schöpfen, aber Dvorak-Stocker dürfte im Gegensatz von Vilimsky Nietzsche gar nicht kennen, gar nie gelesen haben, der schreibt:

Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen. —

Das, worin man die nationalen Unterschiede findet, ist viel mehr, als man bis jetzt eingesehen hat, nur der Unterschied verschiedener Culturstufen und zum geringsten Theile etwas Bleibendes (und auch dies nicht in einem strengen Sinne). Deshalb ist alles Argumentiren aus dem National-Charakter so wenig verpflichtend für Den, welcher an der Umschaffung der Überzeugungen, das heißt an der Cultur arbeitet. Erwägt man zum Beispiel was Alles schon deutsch gewesen ist, so wird man die theoretische Frage: was ist deutsch? sofort durch die Gegenfrage verbessern: „was ist jetzt deutsch?“ — und jeder gute Deutsche wird sie practisch, gerade durch Überwindung seiner deutschen Eigenschaften, lösen.

Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedesmal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab: bleibt es bestehen, verkümmert es, so schliesst sich ein neuer Gürtel um seine Seele; die immer härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Hat ein Volk also sehr viel Festes, so ist dies ein Beweis, daß es versteinern will, und ganz und gar Monument werden möchte: wie es von einem bestimmten Zeitpuncte an das Ägypterthum war. Der also, welcher den Deutschen wohl will, mag für seinen Theil zusehen, wie er immer mehr aus dem, was deutsch ist, hinauswachse. Die Wendung zum Undeutschen ist deshalb immer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes gewesen.

1879, vor einhundertundvierundfünfzig Jahren schrieb dies Friedrich Nietzsche in seinem Buch, das von ihm bestimmt „für freie Geister“ … Es ist menschlich, allzumenschlich, als Freier von Geist kein Buch, das für freie Geister ist, je in die Hand nehmen zu wollen und noch weniger, es zu lesen.

Harald Vilimsky hingegen hat einen Merchandisingartikel erworben: die Nietzsche-Peitsche, die er als seine Zunge sich hat einsetzen lassen, und ganz in Bewunderung dieser von ihm selbst vorgenommenen Transplantation kann Petra Steger ihn dafür nur mit einem „Danke, lieber Harald!“ grüßen, und die der Zungenpeitscherei beiwohnenden Journalisten darüber ganz und gar in Wunderung erstarrend verbleibt den Journalistinnen nur eines, ergriffen dazu zu schweigen, der Peitschennummer angemessen dem Zungenpeitschenakrobaten und seiner ihn dabei assistierenden Truppe ernsthafte Fragen zu stellen.

Hans Rauscher hätte das als Rezension der Zungenpeitschennummer gar nicht mehr fragen müssen: „Was tun mit Vilimsky?“ Und auch seine Antwort hätte er nicht mehr schreiben müssen: „Frauenhasser mit Kalkül gehören konsequent bekämpft – nicht nur von den Frauensprecherinnen anderer Parteien.“ Am 19. Juli 2024. Denn. Auf die Frage wurde ja im Angesicht der Zungenpeitsche von den Journalistinnen unmißverständlich reagiert. Die Antwort gaben ja im Angesicht der Zungenpeitsche eindrucksvoll die Journalisten.

Es ist, und auch das ist Harald Vilimsky zuzugestehen, eine wahre Horizonterweiterung, den Untertanen zu lesen, eine wahre Quelle der Erkenntnis, Absatz für Absatz, Kapitel für Kapitel … Petra Steger würde wohl Gerald Grosz nach seiner Lesung einer Passage aus dem Untertanen mit seiner Hauptfigur als Vorgestalt und Nachgestalt mit Danke, lieber Gerald! zuwinken …

Allein schon der Beginn, nicht nur erkenntnisreich, nicht nur horizonterweiternd, sondern auch eine Freude des Lesens:

Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gnom und schielte her!

Leitformel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“

In der Pressekonferenz von Susanne Raab, Wolfgang Mazal und Johannes Klotz um ihre für sich genannte „österreichische Leitkultur“ wurde u. v. a. m. die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ sehr betont, deshalb wohl wird in dieser Vorstellung Susanne Raab von Elisabeth Wenger-Donig, Leiterin „Abteilung V/B/10 (Rückkehr, Reintegration und Qualitätsentwicklung)“ im Bundesministerium für Inneres, ständig als Frau „Bundesminister“ angesprochen, an diesem 25. Juli 2024.

Elisabeth Wenger-Donig, für die eine Bundesministerin ein „Bundesminister“ ist, spricht in dieser raabischen Vorstellung viel von Integration und mehr noch von Verpflichtung. Beim Lesen ihres Aufgabenbereiches aber stellt sich die Frage, wo soll die Integration, gar die „Verpflichtung Integration“ denn erfüllt werden? In Österreich selbst nicht, jedenfalls nach ihrem Aufgabenpflichtenheft, in dem „Rückkehr und Reintegration“ festgeschrieben .– in anderen Staaten also hat, sofern „Rückkehrende“ in diesen je schon einmal integriert gewesen sein sollten, und wenn sie nicht integriert gewesen sein sollten, dann wäre die „Reintegration“ eine Integration; soher ganz im Sinne von „Bundesminister“ Raab, soher hätte „Bundesminister“ Raab, wenn in der raabischen Veranstaltung von „Integration“ gesprochen wird, keine falsche Begrifflichkeit angewandt.

„Integration“ somit auf den Punkt gebracht, zu berechnen nach der wissenschaftlich erstellten christschwarzen Formel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“.

Für „Rückkehr“ wird jetzt oft ein Fremdwort verwendet, und das steht diesem Land gut an, ist es doch, wie Kunschaks Andenkenmann in dieser raabischen Vorstellung sagt, eine Tradition in diesem Land, offen zu sein für Neues, und wie offen es in diesem Land zugeht, das belegt das nun oft verwendete Fremdwort „Remigration“ … Für Neues offen zu sein, nachgerade ein Brauchtumsfest in diesem Land, wie etwa das Martinsfest, von dem der Andenkenmann in dieser raabischen Vorstellung auch erzählt.

Aufgaben
1. Leitlinien, Grundsätze und Koordination in Angelegenheiten der Rückkehr, einschließlich freiwilliger Rückkehr und Reintegration;
2. Fachaufsicht in Rückkehr- und Qualitätsfragen gegenüber dem BFA
3. Interministerielle Koordination einer gesamtstaatlichen Rückkehrpolitik
4. EU-Acquis im Bereich Rückkehr, einschließlich Koordination der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben und Zusammenarbeit mit EU-Mitgliedstaaten, Partnerstaaten, Agenturen und internationalen Organisationen in Rückkehrangelegenheiten sowie Kooperation mit GDISC
5. Fachliche Vertretung in nationalen, europäischen und internationalen Gremien und Arbeitsgruppen im Zusammenhang mit Rückkehrangelegenheiten
6. Angelegenheiten der Auswanderung von Fremden, Asylwerbern, Flüchtlingen und Kriegsvertriebenen

„Bundesminister“ Susanne Raab hat sich für diese Vorstellung den rechten Mann zur Seite gestellt. Wolfgang Mazal, der viele, viele Jahre „Vorsitzender der Wissenschaftlichen Begutachtungskommission beim Leopold-Kunschak-Preis“ – und wer,

wer könnte besser als er ein handelnder Zeuge gegen den Antisemitismus sein?

Denn auch der „Kampf gegen den Antisemitismus“ wurde in dieser Vorstellung von „Bundesminister“ Raab recht betont. Leopold Kunschak, der „österreichische Streicher“, Inbegriff der Antisemitin

Aber nicht nur dafür wird „Bundesminister“ Raab sich Wolfgang Mazal zur Seite geholt haben. „Bundesminister“ Raab ist ein umsichtiger, ein österreichisch brauchtumsgeeichter „Bundesminister“. Und wenn es um „Kürzungen“ geht, braucht ein „Bundesminister“ eine Expertin an der Seite, und es geht um „Kürzungen“, „Kürzungen“, „Kürzungen“ …

Auch dafür ist Wolfgang Mazal eine rechte Expertin, sozusagen eine Leitkulturfrau des Sozialen, wie erinnert werden darf, die auch schon beratend tätig für kurz gewesene Bundeskanzlerin war: „Um der Kürzung der Mindestsicherung in Österreich zu entgehen – Ein Rat“

Das Verhalten der Menschen wird in der Vorstellung der Leitkultur doch sehr betont, und Wolfgang Mazal auch dafür eine Expertin, eine gar weise Expertin, die mit Rat zur Seite stehen kann, wenn es darauf ankommt, wie einst unter der für kurz gewesenen Regierung: „Für mich wäre es wichtig, daß auch alle arbeitsrechtlichen Kollegen ein bißchen leiser treten.“

Und wer leiser tritt, braucht auch kein „Fleisch“, dann reichen auch „Kraut und Kartoffeln“, wie schon, und das gehört wohl zum bewahrenden Leitbrauchtum, Leopod Kunschak gütig riet.

Und nicht zu vergessen, Wolfgang Mazal mit einer sagenhaften Breite der Wissenschaftlichkeit, mit der Mazal die Regierungsverhandlung begleitete, jene die kurz —

Und was wäre eine Bioethik-Kommission denn für eine Bioethik-Kommission ohne Wolfgang Mazal?

So wie heutzutage gewußt wird, daß Streicher für Rabauken-Antisemitismus steht, wird heutzutage auch gewußt, daß nur ein Name genannt zu werden braucht, um zu wissen, daß es sich hierbei um Antisemitismus …

Und ein Mann, diesmal nicht in Österreich, tut sich dabei recht hervor, und zu dem Mann ist in diesen Tagen ein Mann aus Österreich,

Herr Bundesministerin, Chefin der Leiterin der Abteilung für Rückkehr und Reintegration, auf dem Weg, zu einem Mann, der, es ist noch nicht so lange her, in Wien zu Besuch war, um Herrn Bundeskanzlerin das Leitkulturelle zu erklären, ihm das „Gemischtrassige“ zu interpretieren.

Abschließend soll doch Wissenschaftlerin Mazal zitiert werden, mit dem was sie u. a. m. in dieser Pressekonferenz sagt:

Andere Orte des öffentlichen Raums sind aber auch Plätze im Stadtgebiet, wo man sich aufhält, sind Wälder, wo man als Jogger usw. sich mit einem gewissen Verhalten anderer rechnen können muß, damit das Zusammenleben funktioniert. […] Die Zivilgesellschaft ein ganz wichtiger Punkt, wo Werte erfahren werden. […] Primär zunächst einmal in der Familie transportiert werden, in einem weiteren Sinn Familie, das ist nicht nur Vater, Mutter, Kind, das ist von Großeltern, Onkel, Tanten, was auch immer dazugehört.

Die Olympe aus der patriotischen Mannschaft für die Nationalratswahl wird hierzu wohl nur zustimmend nicken können, daß zur Familie nicht nur „Vater, Mutter, Kind“ gehören, sondern auch „Großeltern, Onkel, Tanten“ und sich selber bestätigen, wie sehr ihr, Herrn Klubdirektorin, die Ehe aus 1811 besser gefalle als die jetzt „privilegierte Ehe“

Alles hin

Mit einem kleinen Gebirgsjäger präsentiert an diesem 24. Juli ’24 die patriotische Parlamentspartei Österreichs ihre „Mannschaft“ für die Nationalratswahl am 29. September 2024 in Österreich, und sie spricht dabei von einer „Wende“, daß gefragt werden kann: „Wende wohin?“ Die Antwort gibt sie selbst, so einfach wie kurz: „Wende hin“ …

In Österreich drückt „hin“ nicht die Richtung aus, weder räumlich noch zeitlich noch inhaltlich, sondern wie es in seiner gar nicht so geheimen Hymne „O, du lieber Augustin“ besungen wird: „Alles ist hin“. „Hin“ steht umgangssprachlich für: „verloren, weg, defekt, kaputt, unbrauchbar, erschöpft, tot“. Damit ist im Grunde alles gesagt, was diese „Mannschaft alles zu geben“ hat, jeher ihr Versprechen, „alles dafür zu geben“.

Dafür stehen namentlich, um lediglich einige aus dieser zwanzigköpfigen Mannschaft stellvertretend, exemplarisch vorzustellen.

Eine als Gebirgsjäger sie anführende Spitze, die eine compacte Verteidigerin der Festung auf dem Flachlande …

Hinter ihr gleich die Parteipolitkommissarin mit der für sie geforderten Sonderaufgabe Remigration.

Hinter ihr gleich einer, der recht weiß, wer Verantwortung und Schuld, wenn es darauf ankommt, auf sich zu nehmen hat.

An vierter Stelle schon die Parteipolitsagerin: „Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“

Hinter ihr gleich der Willkommensgrüßer

An sechster Stelle schon die Alles-für-den-freien-Markt, deren Team meint, sie klinge wie Zarah Leander, vielleicht zu oft auf Teeparties gewesen, auf denen vielleicht zu heiß diskutiert, wer die „wahren Barbaren“

An neunter Stelle ein Olympe, ein Solidarisierer, einer, dem die „Rechtslage aus 1811 besser gefällt„, der auch schon bei der letzten „Wende hin“ dabei war, mit am Verhandlungstisch saß, als eine, einfach wie kurz gesagt, Regierung der Veränderungen ausgemacht wurde.

An elfter Stelle ein Spitzensteuersatzmeister

An dreizehnter Stelle Der-von-der-identitären-Fahne-Begrüßte, der als ein so recht, recht Liberaler sie „erfrischend charmant“ findet, er eben einfach ein Spaziergänger der alten Mannschaft wenn die Korona bei Sonnenfinsternis

Gleich hinter ihm die Moderatorin am Meer, wo ihr der Gebirgsjäger ein „Fels in der Brandung“ …

An siebzehnter Stelle nicht der Umvolkungsvater, der Sohn, der Sohn … der Sohn, der recht mehr noch als sein Tate weiß über seine Parlamentspartei, die schon gewesen für kurz Regierungspartei

Es wird
Was es war
Die Wende
Alles hin

Patriotische Parlamentspartei zwischen „Haxenspreizer“ und „Peitsche“ – „Sollen sie alleine mit der Glocke bimmeln.“

Was war das noch für eine patriotische Parlamentspartei, die vor zehn Jahren, angeführt von Dagmar Belakowitsch, einen Entschließungsantrag im österreichischen Parlament einbrachte,

der „Haxenspreizer“ solle nicht mehr beworben und ausgeschenkt werden.

Zehn Jahre später enthält sich das patriotische Trio, angeführt von Harald Vilimsky, bei der Verabschiedung eines Gesetzes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen,

und das ist authentischer Patriotimus — wer mit der „Peitsche“ knallen will, kann nicht für ein Gesetz zur Bekämpfung von Gewalt stimmen. Einerseits.

Andererseits hätte das patriotische Trio dem Gesetz zur Bekämpfung von Gewalt durchaus zustimmen und dabei mit überkreuzten Fingern den Leitsatz ihrer Dagmar Belakowitsch beschwören können: „Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“

Was war das noch für eine patriotische Partei vor zehn Jahren,

als sie im österreichischen Parlament gegen den „Haxenspreizer“ auftrat,

es war die patriotische Partei zehn Jahre später, die nicht einen Entschließungsantrag für Frauen einbrachte,

es war die patriotische Partei, wie sie heute weiter gekannt wird, die vor zehn Jahren im österreichischen Parlament die Gewerkschaft mit „Haxenspreizer“ anschüttete …

Wolfgang Dvorak-Stocker: „[D]aß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.“

Der Mann, der am vorgestrigen 20. Juli in langen Hosen die touristische Gruppe auf dem Platz mit dem antifaschistischen Mahmal befehligte, dankte am 3. April ’24 artig Dr. Wolfgang Dvorak-Stocker vom

staatlich höchst ausgezeichneten Leopold-Stocker-Verlag in Österreich für die Besprechung des Buches

von dem Mann in langen Hosen als Reiseführer, dessen Namen belanglos ist, im Gegensatz zu dem steiermärkischen Verlagsmann, der nicht nur in das österreichische Parlament eingeladen wird, sondern für dessen Bücher auch der Präsident des Parlaments wirbt.

Es ist die gesinnungsgemäße Besprechung des Buches von einem bedeutungslosen Mann, die Dr. Wolfgang Dvorak-Stocker in seinem „Abendland“ unter Verwechslung von alt und neu der „neue[n] Ordnung“, auf die nicht weiter eingegangen zu werden braucht, abliefert, der selbst,

wenn es ihn zu einem Spaziergang drängt, ausgerüstet mit Regenschirm, sich solchen Gruppen anschließt, wie der vorgestrigen auf dem Platz mit dem antifaschistischen Mahnmal, der wohl gänzlich geschichtsvergessen

oder gänzlich absichtlich oder gänzlich absichtlich einer eigenen Geschichte frönend am 20. Juli der Platz mit dem antifaschistischen Mahnmal für ihre Demonstration genehmigt wurde, weil die für diese Genehmigung verantwortlichen Genehmigenden in der zuständigen österreichischen Behörde möglicherweise der Meinung sind, diese Gruppe präsentiere den neuen Antifaschismus, ganz nach dem tiefen Worte des für kurz gewesenen Innenministers …

Eines aus der Besprechung des Wolfgang Dvorak-Stocker ist doch zu zitieren, weil er damit doch noch einmal bestätigt, daß von dem reiseführenden Mann in langen Hosen nicht von einem „Vordenker“ gesprochen werden kann, wie erst unlängst eine Tageszeitung des österreichischen Medienstandards es tat, sondern er bloß ein Nachhechelnder ist.

Dabei ist die „Remigration“ bereits seit langem eine stehende Forderung rechter Parteien. Nicht nur die FPÖ und die AfD benutzen den Begriff, auch von Zeitungen und Zeitschriften wie „ZurZeit“, „Freilich“ oder den „Burschenschaftlichen Blättern“ (die von vielen CDU-Mitgliedern gelesen werden) wurde die Idee der Remigration bereits mehrfach aufgegriffen und präsentiert.

Wolfgang Dvorak-Stocker schreibt mit seiner Besprechung gegen das Berichtete an

[…] schreibt weiter: „Remigration ist, anders als von Medien und Altparteien-Politikern behauptet, kein Deportationsprogramm. Es finden keine Vertreibungen oder Willkürmaßnahmen statt. […]

und bestätigt unmittelbar anschließend zitierend, deshalb ist es zu zitieren, zugleich das Berichtete:

Abschiebungen finden ausschließlich bei ausreisepflichtigen Staatsbürgern statt.“

Der bedeutungslose Mann in langen Hosen als Reiseführer dankt untertänigst für die „interessanten Ergänzungen“ des Wolfgang Dvorak-Stocker, der „denkt auch einige Schritte weiter“ … Weiter als ein Nachhechelnder zu denken, sogar mehr als einige Schritte, nun ja, Wolfgang Dvorak-Stocker wird auch weiter denken als jener Mann, von dem er wieder ein Buch herausbrachte, über den seinen perfekten Untertanen

Man kann auch einen Schritt weiter über den von […] vorgestellten Plan hinausgehen und fordern, daß Personen, die sich legal in Deutschland oder Österreich aufhalten und sogar die hiesige Staatsbürgerschaft erworben haben, […] Schon diese Gedanken gehen weiter als der von […] vorgestellte und von Alice Weidel unterstützte Remigrationsplan –

daß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.

Ein „Vordenker“ ist Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker ebenfalls nicht zu nennen, aber auch nicht ein Nachdenker, wenn es u. v. a. m. um „deutscher werden“ geht, worauf in einem weiteren Kapitel noch zu sprechen kommen sein wird, ein Nachhechelnder, gerade einmal ein wenige Schritte Vorhechelnder für einen Mann ohne Bedeutung (for a man with no importance) als Reiseführer in langen Hosen, der vor allem Männern in kurzen Hosen vorsteht …

20. Juli in Wien – Demonstration der touristischen Vielfalt

Es bot sich an, an diesem Samstag, dem 20. Juli ’24, einen Spaziergang durch die Innere Stadt Wiens, durch den ersten Bezirk der Bundeshauptstadt Österreichs zu machen, einfach nur, wieder einmal zu schauen, was für Menschen Wien besuchen.

Es lohnte. Denn es gab viel zu sehen. Es war eine Demonstration der touristischen Vielfalt und scheinbar neuer touristischer Moden.

Alte Männer und alte Frauen, mit grauen langen Haaren und schon schwer zu Fuß, in Jacken mit der Aufschrift „Jesus Christus – Weg Wahrheit Leben“, erschöpft von der langen Anreise wohl auf Motorrädern, und wer weiß, von wo weit sie herkamen, wie weit ihr Fußmarsch in die Innere Stadt schon war, von dem Platz, auf dem sie ihre Maschinen abstellten. Sie gingen still vor sich hin, keine Gesänge, keine Sprüche.

Und dann gab es die Männer und Frauen einer Gruppe, die gemeinschaftlich angereist war, offensichtlich aus Deutschland, in einem Bus, vielleicht auch in einer Motorradkolonne oder in einem Konvoi kleiner Personenkraftwagen in Fahrgemeinschaften; eine Gruppe, die recht lange braucht, um sich zu akklimatisieren, sich zu orientieren, wo sie sind. Denn. Sie hielten sich schon längere Zeit in der Inneren Stadt Wiens auf und waren doch noch ganz in Deutschland: „Faeser raus“ riefen die Männer und Frauen dieser Gruppe, immer wieder „Faeser raus“, als wäre sie eine Demonstration, in Deutschland.

Es wurde leider verabsäumt, eine Frau oder einen Mann dieser Gruppe zu fragen, ob es sich bei einem solchen Ruf um eine neue touristische Mode handeln würde, um einander nicht zu verlieren, um sich in der besuchten fremden Stadt nicht zu verlieren. Der Mann in kurzen Hosen mit seinem akkuraten Scheitel und seinem abgeschirmten Unterleib hätte gefragt werden können, aber er hätte wohl geschwiegen. Denn. Das muß auch so eine neue touristische Mode sein, daß der Reiseführer, und es war ein Mann, sogar in langen Hosen, verkündet, ehe die Gruppe zur touristischen Besichtigung der ihr unbekannten Stadt aufbrechen, die Gruppe anweist, nicht zu sprechen, mit den Medien, das sei einzig wenigen Auserwählten der Gruppe vorbehalten, und der junge Mann in kurzen Hosen wäre wohl in Verlegenheit geraten, dürfe er mit keinem Menschen sprechen, der nicht zur Gruppe gehört, oder nur mit keinem Menschen der Medien. Auch das eine ganz neue Erfahrung, daß eine touristische Gruppe oder die Reiseführerin einer touristischen Gruppe meint, Medien würden sich für sie interessieren, sie bei ihrem touristischen Gang begleiten.

Der junge Mann in kurzen Hosen mit dem gescheitelten Kopf wäre wohl gleich zu seinem Reiseführer gelaufen, um sich zu erkundigen, ob er darf oder nicht. Es war gut, ihn nicht zu fragen, es ihm erspart zu haben, ihn in einen Gewissenskonflikt zu bringen. Aber auch etwas zu lange überlegt, ihn zu fragen oder ihn nicht zu fragen, denn schon ist sein Reiseführer da, nimmt ihm den Regenschirm ab, wirft diesen auf die Ladefläche, gibt dafür dem Mann in kurzen Hosen einen mit einem gelben Fetzen umwickelten Stock, betraut ihn offensichtlich mit einer neuen Aufgabe. Jetzt war klar, der Mann in kurzen Hosen kann nicht befragt werden. Es wäre zu viel für ihn gewesen, eine neue Aufgabe und dann auch noch eine Frage eines Menschen, von dem er nicht weiß, ist dieser von einem Medium oder wie er ein zum ersten Mal diese Stadt besuchender, jedenfalls keiner, das hätte er vielleicht selbst gleich erkannt, aus der Gruppe „Jesus Christus – Weg Wahrheit leben“

Der Regenschirm auf der Ladefläche des mitgeführten Kleinlastwagens bringt die Vermutung auf, ob diese Gruppe gemeinschaftlich eng beieinander hockend auf der Ladefläche ihres Kleinlastwagen nach Wien angereist waren, mit diesem direkt in die Innere Stadt geführt worden waren, um ihnen den langen Fußmarsch zu diesem Platz in die Innere Stadt zu ersparen, es ihnen leicht zu machen, verlangen doch touristische Menschen, ist neuerdings öfters zu hören, die größte Bequemlichkeit.

Mit dieser letzten Vermutung endete der Spaziergang durch die Innere Stadt Wiens am 20. Juli ’24; es war alles in allem ein doch recht kurzer Spaziergang – genug gesehen von scheinbar neuen touristischen Demonstrationsmoden. Mit der Vermutung wurde der Spaziergang beendet, diese Gruppe mit dem Kleinlastwagen müsse von ihrem Reiseführer wohl recht auf ihren Wienbesuch vorbereitet worden sein, denn sie schwenkten nur gelbe und schwarzen Fetzen, nackte schwarze und gelben Fetzen, auf denen kein einziges Symbol.

Wie lange sich — ein letzte Frage zu dem vor kurzem in der Innenstadt Gesehene, dabei längst schon wieder daheim in Ottakring — wohl diese touristische Mode halten wird, daß nicht die Reiseführerin einen Regenschirm in die Höhe hält, um die Gruppe beieinander zu halten, sondern die Geführten Fetzen auf Stöcken schwenken, um den Reiseführer nicht den Anschluß — —

„Zeit im Bild“

„Ich hätte gerne Tantiemen von der ZiB für den Titel! Dabei ist der Name wirklich nichts Besonderes. Ich habe ihn mir damals kaum vorzuschlagen getraut, weil er so altvaterisch klingt. Fernsehchef Freund meinte: Na ja, gut ist er nicht, aber lassen wir ihn einstweilen einmal. Und wie man sieht: Ein österreichisches Provisorium hält lange.“
– Teddy Podgorski: Interview in der Wiener Zeitung, Februar 2012

Die Tantiemen, wenn der 1936 geborene Teddy Podgorski diese je bekommen hätte, wären ihm nicht geblieben, er hätte sie gleich weiter überweisen müssen, an die Illustrierte „Zeit im Bild“, die ab 1946 in der sowjetischen Besatzungszone und dann in der DDR erschien. Aber auch der „Zeit im Bild“ wären die Tantiemen nicht geblieben, die „ZiB“ hätte sie ebenfalls gleich weiter überweisen müssen, an „Die Zeit im Bild“, illustrierte Wochenschrift ab 1903 …

Als in diesem März 2024 Teddy Podgorksi starb, mußte augenblicklich an die „Zeit im Bild“ gedacht werden, in der ab dem 1. Jänner 1914 „Der Unteran“ von Heinrich Mann in Fortsetzung erschien, aber nur bis zum 13. August 1914, der Kriegsausbruch verhinderte einen vollständigen Abdruck des „Untertanen“ in der „Zeit im Bild“ als Fortsetzungsroman.

Es ward aber auch gleich wieder vergessen, bis zum Juli ’24, als auf der Konzernplattform X einer Lesung aus dem „Untertanen“ zugehört wurde.

Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gnom und schielte her!

Der Mann in seinem Garten, auf seiner Bank, liest seinen „Untertanen“, in Fortsetzung.

„Hurrah!“, schrie Diederich, denn alle schrien es; und inmitten eines mächtigen Stoßes von Menschen, der schrie, gelangte er jäh bis unter das Brandenburger Tor. Zwei Schritte vor ihm ritt der Kaiser hindurch. Diederich konnte ihm ins Gesicht sehen, in den steinernen Ernst und das Blitzen; aber ihm verschwamm es vor den Augen, so sehr schrie er. Ein Rausch, höher und herrlicher als der, den das Bier vermittelt, hob ihn auf die Fußspitzen, trug ihn durch die Luft. Er schwenkte den Hut hoch über allen Köpfen, in einer Sphäre der begeisterten Raserei, durch einen Himmel, wo unsere äußersten Gefühle kreisen. Auf dem Pferd dort, unter dem Tor der siegreichen Einmärsche und mit den Zügen steinern und blitzend, ritt die Macht! Die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen! Die über Hunger, Trotz und Hohn hingeht! Gegen die wir nichts können, weil wir alle sie lieben! Die wir im Blut haben, weil wir die Unterwerfung darin haben! Ein Atom sind wir von ihr, ein verschwindendes Molekül von etwas, das sie ausgespuckt hat! Jeder Einzelne ein Nichts, steigen wir in gegliederten Massen als Neuteutonen, als Militär, Beamtentum, Kirche und Wissenschaft, als Wirtschaftsorganisation und Machtverbände kegelförmig hinan, bis dort oben, wo sie selbst steht, steinern und blitzend! Leben in ihr, haben teil an ihr, unerbittlich gegen die, die ihr ferner sind, und triumphierend, noch wenn sie uns zerschmettert: Denn so rechtfertigt sie unsere Liebe! … Einer der Schutzleute, deren Kette das Tor absperrte, stieß Diederich vor die Brust, dass ihm der Atem ausblieb; er aber hatte die Augen so voll Siegestaumel, als reite er selbst über alle diese Elenden hinweg, die gebändigt ihren Hunger verschluckten. Ihm nach! Dem Kaiser nach! Alle fühlten wie Diederich. Eine Schutzmannskette war zu schwach gegen so viel Gefühl; man durchbrach sie. Drüben stand eine zweite. Man musste abbiegen, auf Umwegen den Tiergarten erreichen, einen Durchschlupf finden. Wenige fanden ihn; Diederich war allein, als er auf den Reitweg hinausstürzte, dem Kaiser entgegen, der auch allein war. Ein Mensch im gefährlichsten Zustand des Fanatismus, beschmutzt, zerrissen, mit Augen wie ein Wilder: Der Kaiser vom Pferd herunter, blitzte ihn an, er durchbohrte ihn. Diederich riss den Hut ab, sein Mund statt weit offen, aber der Schrei kam nicht. Da er zu plötzlich anhielt, glitt er aus und setzte sich mit Wucht in einen Tümpel, die Beine in der Luft, umspritzt von Schmutzwasser. Da lachte der Kaiser. Der Mensch war ein Monarchist, ein treuer Untertan! Der Kaiser wandte sich nach seinen Begleitern um, schlug sich auf den Schenkel und lachte. Diederich aus seinem Tümpel sah ihm nach, den Mund noch offen.

Es ist nicht von Heinrich Mann, das der Mann auf seiner Gartenbank liest, er liest aus einem Buch, dessen Titel ebenfalls „Untertan“ enthält, aus einem Buch, das nicht in der „Zeit im Bild“ abgedruckt wurde, sondern von einem Verlag vertrieben, dessen Qualitätsnamen compacte Mannen wie Jürgen Elsässer auf ihrer Brust als Orden tragen.

Und dann fällt doch noch einmal Teddy Podgorski ein, in seiner Zeit, in der er noch berufstätig war. Es gab damals eine Sendung mit einer Signation, in der über lange Zeit ein recht lieb und freundlich lächelnder Mann gezeigt wurde — in der Art, wie in diesem Land ein jeder Mensch die Macht sich erträumt — mit seinem Modigruß.

Arbeitnehmer der patriotischen Partei haben für ihr Elitensystem, Arbeitnehmerinnen der patriotischen Partei haben für ihre Systemelite Verantwortung und Schuld auf sich zu nehmen

Die Berichte über den Tathergang, der nun zu einem Schuldspruch für Christian Hafenecker führte, zu lesen, lassen nicht zu, der Vorstellung sich erwehren können, was das für eine Volkskanzl, die diese Partei errichten will, werden wird, in der eine tragende Rolle, darf angenommen werden, auch

Christian Hafenecker … Ein Tathergang, der an Aberwitz kaum zu überbieten ist,

der nun zu einem Schuldspruch von Christian Hafenecker führte. So ein Aberwitz kann und wird, sollte die Volkskanzl je Wirklichkeit werden, die Volkskanzl sein, nur nicht so harmlos und von den dann verursachten Schäden her, der dann zu Verurteilungen wohl auch führen wird, derart geringfügige.

Und es werden dann, wenn auch die Volkskanzl vor Gericht aufzuarbeiten sein wird, wieder Angestellte der patriotischen Partei sich einfinden müssen, um Verantwortung zu übernehmen, um Schuld auf sich zu nehmen. Denn. Es hat System in dieser Partei, daß Angestellte dieser Partei für ihre Elite einstehen muß.

Diese Verurteilung von Christian Hafenecker ruft wieder einmal das System dieser patriotsozialistischen Partei in Erinnerung, in dem die Angestellten die Volkstribune ihrer Elite zu sein haben, wenn es gilt, Verantwortung zu übernehmen, Schuld für ihre Elite auf sich zu nehmen, statt, daß ihre Elite, die sich sonst als Volkstribunin von deren System versteht, den Angestellten von ihr beisteht, für ihr Wohlergehen sorgt.

All das ist schon lange bekannt. Dieses System der Elite dieser Partei. So bekannt, daß jetzt nicht mehr groß darüber zu schreiben gebraucht wird. Es braucht nur noch auf einige Kapitel hingewiesen werden, etwa auf das

„Bei Freiheitlichen als Arbeitnehmer aber ein armes Schwein“ oder auf das

„Hofer-FPÖ: Auf den Knecht hinhauen, damit der Herr ihn schützen kann“ oder auf das

„FPÖ unzensuriert – Österreichischen Medien groß über ihre Seiten geschrieben: Es ist der Graf und nicht der Höferl“ …

Wie aber aus diesen Kapiteln auch zu erfahren ist, das System der Elite dieser Partei spiegelt bloß die Einstellung gegen Angestellte in diesem Land wider, in der die Elite,

gegen die und deren System gerade diese Partei dieses Systems und dieser Elite so recht das kühne Wort führt, freilich stets nur, wenn sie nicht zur Verantwortung gezogen wird, und wenn sie zur Verantwortung gezogen wird, nur noch Elite und System sind,

alles für sich beansprucht, bis auf Verantwortung und Schuldeinbekenntnis.

Die compacte Susanne W. und der patriotische Nachläufer Martin S. der hafeneckerischen Parlamentspartei

Es könnte jetzt einiges darüber geschrieben werden, daß Christian Hafenecker in „Info-Direkt“ in Stellung geht vor dem Verbot von dem Magazin „Compact“,

daß darüber die gesinnungsgemäß zensurierte Website berichtet, im Verbot „Zensur“ und „Anschlag auf die Pressefreiheit“ — wo sonst als in der gesinnungsgemäßen „Info-Direkt“ und wer sonst als die gesinnungsgemäß zensurierte Website … Es könnte jetzt einiges darüber geschrieben werden, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website dazu Stefan Magnet in ihrem Bericht über das Verbot des Magazins Compact am 17. Juli 2024 — wen sonst, ist er doch ein Mann, der stets zur Stelle, auch dann, wenn verurteilten Urgroßmüttern juristisch beizuspringen ist

Es könnte jetzt einiges darüber geschrieben werden, daß der compacte Jürgen Elsässer ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ares“ trägt —

wen sonst als Ares sollte er auf seiner Brust zur Wehr tragen: „Ares“, der auch der Name eines in Österreich hoch staatsausgezeichneten Verlages ist …

Und es könnte jetzt auch einiges über das Magazin Compact selbst geschrieben werden, das aber lediglich eine Wiederholung dessen wäre, was zu diesem Magazinmann bereits geschrieben

der offensichtlich nun auch von sich ein ikonisches Foto haben möchte wie jener hinter dem großen Teich

Worüber aber tatsächlich zu schreiben ist, wie die Tageszeitung des österreichischen Medienstandards am 17. Juli 2024 darüber berichtet unter dem Titel

„Compact“-Chef Jürgen Elsässer: Pöbler, Putin-Fan und Geschäftemacher
Das rechtsextremistische Magazin wird in Deutschland verboten. Dessen Chefredakteur bot eine Melange aus Rassismus, Putin-Verherrlichung und Hass auf den Westen

Beinahe kommt Hansjörg Friedrich Müller ohne Österreich-Bezug aus, sein Fokus Deutschland. Nur um einen Satz mit Österreich-Bezug kommt er nicht umhin …

Martin Sellner, der österreichische Vordenker der Identitären Bewegung, hatte bei Compact eine Kolumne.

Und auf diesen Bezug hätte er leicht verzichten können. Ein unnötiger Österreich-Bezug. Und noch dazu, Martin Sellner als „Vordenker“ zu verkaufen, der nichts weiter ist als ein patriotischer Nachläufer der hafeneckerischen Parlamentspartei.

Er hätte sich auf Susanne Winter beziehen können, die von der hafeneckerischen Partei zum Magazin Compact wechselte,

er hätte sich auf den für kurz gewesenen Vizekanzler und auch auf Harald Vilimsky beziehen können, dessen Wahrheit in der hafeneckerischen Partei recht geschätzt,

er hätte sich auf den für kurz gewesenen Innenminister beziehen können, der mit dem Compactmann so recht großmütig sich schon mal eine Bühne teilt, nicht nur mit ihm,

sondern auch mit Höcke, von dessen „Taler“ er, Hansjörg Friedrich Müller, so kenntnisreich zu schreiben weiß,

er hätte also über das „rechtsextremistische Magazin“ berichten können, gänzlich ohne deren Verflechtungen in Deutschland, dafür aber sehr viel über deren Verbindungen zu einer österreichischen Parlamentspartei, die auch schon mal für kurz Regierungspartei und nun wieder,

ach, wieder davon träumt sich zu betätigen, gar als eine volkskanzliche Regierungspartei