„Wenn eine nationale Bosheit ohne Hirn das Talent ersetzt, sah er [Walter Bloem] seine Gelegenheit nahe.“

Es soll nicht gesagt werden können, und darum noch ein Kapitel zu Walter Bloem, es werde verschwiegen, was alles auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu Walter Bloem zu lesen ist. Es ist zu ihm mehr zu lesen als die dürftige, also reich verschwiegene biographische Angabe.

Freilich, dafür muß auf „Projekt Gutenberg-DE“ tief gegraben werden, und das erstaunt nicht, über Jahrzehnte war es opportun, alles, was von einer Person nicht öffentlich gemacht werden sollte, gemeint wurde, es öffentlich nicht zu sagen,, so tief zu vergraben, daß es, so die sonderliche Hoffnung in einer seltsamen Diensteifrigkeit für derartige Personen, auf ewig unauffindbar bleibe, und es ist bis heute herauf so geblieben, bis heute herauf wird das, was von einer Person öffentlich verschwiegen bleiben soll, auch, damit es unterirdisch weiter wirke, tief vergraben, eine leichte Zugänglichkeit verwehrt.

Aber, was vergraben ist, und mag es noch so tief vergraben sein, ist nicht aus der Welt, es ist bloß vergraben, und kann auch wieder ausgegraben werden. Nicht anders ist es mit Walter Bloem. Es müssen nur andere Schreibende, die auf „Projekt Gutenberg-DE“ ebenfalls veröffentlicht sind, gelesen werden, um das zu finden, was „Projekt Gutenberg-DE“ in seiner biographischen Vorstellung von Walter Bloem nicht so leicht zugänglich öffentlich verbreitet haben will.

Mit welcher Ausgrabung beginnen?

Mit dem Ausgraben der Fußnote, im Text von Erich Mühsam:

Wenn man Maaßen hört, müßte überhaupt jetzt ganz England, Frankreich und Rußland deutsch werden (Belgien, selbstverständlich). Aber er ist ein so lieber Kerl und bringt seine blutrünstigen Fanfaren mit so kostbarem Humor und soviel Selbstironie vor, daß man ihn trotz allem gern haben muß. Gestern abend waren wir mit Jodocus Schmitz und Pfenninger im Domhof. Schmitz und Maaßen kämpften gegen mich an, weil ich den Krieg, von allen übrigen Scheußlichkeiten abgesehen, als das Ende aller seit 50 Jahren in Deutschland bestehenden Kultur ansah, Wedekind, behauptete ich, wird Walter Bloem [Fußnote: Walter Bloem (1868-1951), nationalistischer Schriftsteller; Vorsitz des nazifizierten Schriftstellerverbands 1933.] und ähnlichem Kaliber das Feld räumen müssen. Und was war die Antwort? Kritische Nörgeleien gegen Wedekind, also sofort die Bestätigung.

Ausgegraben aus dem „Lächeln der Mona Lisa“ von Kurt Tucholsky:

Unter den Milieuromanen der letzten Jahrzehnte gibt es zwei, die besonders großen Erfolg gehabt haben, wenn ich von dem seligen Stilgebauer absehe, der butterweichen Liberalismus mit angenehm erregender Pornographie zu vereinigen gewußt hat. Das sind Walter Bloems »Krasser Fuchs« und Poperts »Hellmuth Harringa«. Beide Bücher taugen nichts. Sie sind aber als sittengeschichtliche Dokumente nicht unbrauchbar. Bloem, ein überzeugungstreuer Mann, außer Walter Flex einer der ganz wenigen nationalen Literaten, die für ihre Idee im Kriege geradegestanden haben, gibt sanft Kritisches, das er für scharf hält.

„Beide Bücher taugen nichts.“

Also Walter Bloems „Krasser Fuchs“ taugt nichts, so Kurt Tucholsky. „Krasser Fuchs“, ein Roman, der nichts taugt, auf den ein Magazin aus der Gesinnungsschaft einer Partei in Österreich, die sich einen „Volkskanzler“ wieder erträumt, recht, recht viel hält, wie in ihrer Empfehlung zur Wiederlektüre zu lesen ist:

Der Dichter weiß genau, wovon er schreibt. In seiner feinsinnigen Erzählung vom „Krassen Fuchs“ schildert er das Leben der Corpsstudenten in Marburg an der Lahn. In der bezaubernden hessischen Universitätsstadt gehörte er dem Corps Teutonia, in Leibzig dem Corps Lusatia an. Einzelheiten werden hier nicht verraten, um die Spannung nicht zu mindern. Aber die Schilderungen des fröhlichen, manchmal auch schmerzhaften Waffenstudententums und der liebevollen, aber (im Vergleich zur Gegenwart) harmlosen Liebeleien könnten authentischer nicht sein. Nach der Lektüre des ersten Kapitels wird der männliche, jugendliche Leser entweder so begeistert sein, daß er sich an seinem Studienort einen Bund sucht, oder er ist für die nationale Sache verloren.

„Krasser Fuchs“ wird es einem männlichen, jugendlichen Leser weit über einhundert Jahre später vielleicht dermaßen angetan haben, daß er sich sogleich an seinem Studienort einen Bund suchte, und nicht nur einen Bund, sondern auch eine alternative, das heißt, eine parallele Partei suchte und fand, in der er verloren, nicht für die nationale … Wie belesen, dieser männliche, jugendliche Leser ist, kann nicht gesagt werden, eines aber ist gewiß, den von Kurt Tucholsky ebenfalls genannten Walter Flex, den kennt der männliche, jugendliche Leser von der Parallelpartei mit Bestimmtheit, aus seinem Bund.

Ausgegraben bei Klabund:

Vorher waren schon Schwankbücher wie Jörg Wickrams »Rollwagenbüchlein« oder des Bruders Johannes Pauli »Schimpf und Ernst« (1522) Mode geworden: Bücher, die heitere oder moralische Anekdoten erzählen, die sich nicht um einen einzelnen Narren gruppierten: die damalige Reiselektüre, auf den Rollwagen mitzunehmen. Wobei zu bemerken ist, daß diese Reiselektüre unendlich gehaltvoller war als die heute verbreitete. Bruder Johannes Pauli ist ein belesener und witziger Mann, der ausgezeichnet zu erzählen vermag und unsere Stratz und Höcker überragt wie ein Kirchturm eine verkrüppelte Kiefer. Da liest man nun folgendes:

»Man zog einmal aus in einen Krieg mit großen Büchsen und mit viel Gewehren, wie es denn so Sitte ist; da stund ein Narr da und frage, was Lebens das wäre? Man sprach: Die ziehen in den Krieg! Der Narr sprach: Was tut man im Krieg? Man sprach: Man verbrennt Dörfer und gewinnt Städte und verdirbt Wein und Korn und schlägt einander tot. Der Narr sprach: Warum geschieht das? Sie sprachen: Damit man Friede mache! Da sprach der Narr: Es wäre besser, man machte vorher Frieden, damit solcher Schaden vermieden bliebe. Wenn es mir nachginge, so würde ich vor dem Schaden Frieden machen und nicht danach; darum so bin ich witziger als eure Herren.«

Hätten wir Deutschen vor dem Kriege Johannes Pauli als Reiselektüre gelesen an Stelle von Walter Bloems »Eisernem Jahr«: vielleicht wäre es nicht zum Kriege gekommen, und wir hätten uns dieses Narren Meinung zu Herzen genommen.

Franz Blei:

Man kann hundert Verehrer Walter Bloems viel leichter umbringen als überzeugen, daß Bloem keine Kunstwerke schreibt.

Weltbühne, 28. Februar 1933, vor neunzig Jahren, Carl von Ossietzky:

Es sind jetzt mehr als dreißig Jahre vergangen, daß Hermann Sudermann sein berühmtes Pamphlet über die »Verrohung in der Theaterkritik« veröffentlichte. Ein erfolgreicher Autor hatte den Ehrgeiz, auch als künstlerische Erscheinung hundertprozentig gewertet zu werden, und begann unvermittelt auf jene Kritiker loszudreschen, die seinen Anspruch anfochten. Sudermanns grober Vorstoß hatte eine Reihe glänzender Gegenschriften zur Folge; in den Kritiken Siegfried Jacobsohns zitterte noch lange die Erregung jener Auseinandersetzungen um die »Verrohung« nach. Heute sind wir in der glücklichen Lage, diese Kämpfe historisch betrachten zu können. Wir gestehen gern zu, daß die Berliner Theaterkritik damals einen Hitzegrad erreicht hatte, der uns heute unverständlich erscheint. Die Wilhelminische Ära, durch und durch apolitisch, gab ihre großen streitbaren Temperamente an die Sphären der Kunst und des Theaters ab. Das hat sich seitdem gründlich geändert. Heute wird alle polemische Veranlagung von der Politik aufgesogen, und wenn von den jungen Leuten noch welche zur Theaterkritik übergehen, so sind es die nazarenischen Gemüter. Aber seit ein paar Jahren kehren die Anklagen von Anno Sudermann verstärkt wieder. Sie lassen sich dahin zusammenfassen: das deutsche Drama wird von einer Clique machtgieriger und zumeist semitischer Kritiker tyrannisiert, die einen eisernen Ring um die großen Berliner Bühnen bilden und niemanden ranlassen, der ihren exklusiven volksfremden Anschauungen nicht entspricht und, vor allem, ihre Diktatur nicht anerkennt. Als Patrouillengänger in diesem Feldzug betätigt sich seit einiger Zeit der Romanschriftsteller Walter Bloem. Im Feuilleton der »Deutschen Allgemeinen Zeitung«, das ihm dafür zur Verfügung steht, hat er kürzlich einen Aufsatz veröffentlicht, »Wer hat das deutsche Theater ruiniert?«, und vor einigen Tagen hat er seine Behauptungen noch durch ein besonderes Nachwort zu konkretisieren versucht Wir wollen uns an letzteres halten, grade weil es sich bemüht, Belege zu erbringen. Wir halten Herrn Walter Bloem, der im vergangenen Sommer schon durch eine wuterfüllte Attacke gegen Heinrich Mann Aufsehen erregte, für keinen geeigneten Interpreten von Kunstanschauungen, die bisher angeblich niedergehalten wurden. Herr Bloem gehört als Romanautor zu jenen Glücklichen, denen ihre Mittelmäßigkeit nicht schadet, sondern nützt. Ein fleißiger, zäher Arbeiter, um dessen schweißtriefende Stirn die Muse einen Bogen macht. Ein braver Kerl, wird man sagen, wenn man sieht, wie er sich um sein Handwerk müht. Allerdings wird man ihm diese Bravheit nicht mehr zugestehen können, wenn er einen Schriftsteller vom Range Heinrich Manns, dem er nicht wert ist, die Schuhriemen zu lösen, anfällt, um ihn als schlechten Deutschen zu denunzieren. Ebenso wird man Herrn Bloems Anmaßung zurückweisen müssen, als Zensor und Retter des deutschen Theaters aufzutreten. Ihm fehlt dazu das Gewicht einer eignen Leistung. Wenn sich, sagen wir … Thomas Mann auf ein ihm fernes Gebiet begibt, so ist ihm mindestens ein respektvolles Auditorium sicher. Quod licet Jovi, non licet bovi … Herr Bloem begreift das nicht. Anstatt Fortuna, die Dirne, zu preisen, die ihm aus ihrem Füllhorn hunderttausend Leser beschert, während sie für Gottfried Benn zweihundert übrig hat, anstatt also sein freundliches Geschick zu segnen und die Klappe zu halten, gebärdet er sich als freiwilliger Literaturpolizist und strenger Cato. Was hat er vorzutragen? Der böse Internationalismus hat das »volksgemäße deutsche Drama« systematisch ruiniert. »Wer den Irrsinn der abgelaufenen Epoche deutscher Verstrickung nicht selber mit durchlebte, wird es nie begreifen: wir hatten kaum Helfer, am wenigsten in der Sphäre des deutschen Theaters. Für unser Volkstum einsam auf verlorenem Posten zu kämpfen, das war das grausam bittere Los der Ältern unter uns.« Volkstum –? Nun, wenn in »dem Irrsinn der abgelaufenen Epoche deutscher Verstrickung« ein Dichter das Volk gleichsam entdeckt und in seiner Gestik und seinen Reden belauscht hat, so ist das der Dichter des »Fuhrmann Henschel« und des »Hannele«. Was ist jedoch Gerhart Hauptmann für Herrn Bloem? »Zugehöriger des demokratisch-marxistischen Gesinnungskonzerns …« Es ist schwer, mit Cato zu streiten. Gut, der Dichter der »Weber« und des »Florian Geyer« hat nichts mit dem »volksgemäßen Drama« zu tun. Wer aber kann dafür in Anspruch genommen werden? Herr Bloem beschränkt sich Gott sei Dank nicht auf die bloße Behauptung. Er tritt mit einer langen Liste in die Arena und fügt zugleich alte Kritiken von Siegfried Jacobsohn und Alfred Kerr hinzu, um zu zeigen, wie niederträchtig die Kritikastersippe an seinen Dichterfürsten gehandelt hat. Man möchte im eignen Interesse Herrn Bloems seine Beweisführung gern unterdrücken. Indessen – Schonung ist nicht am Platze. Es kann nicht verschwiegen werden, daß die Reihe seiner klagenden Poetenschatten von Ernst von Wildenbruch eröffnet wird. Der alte Wildenbruch ist nicht von jüdisch-gallischen Rezensenten von hinten erdolcht worden, er ist einfach der Zeit erlegen. Er hat einem vorübergehenden Geschmack entsprochen, er hat seine Triumphe genossen – und dann war’s vorbei für immer. Sieht Herr Bloem wirklich die Aufgabe eines »volksgemäßen« Theaters in der Wiedererweckung Wildenbruchs? Herr Bloem ignoriert den erbarmungslos regulierenden Einfluß der Zeit. Die Konservativen von 1933 sind andre als die von 1910. Wir raten ihm dringend, sich doch einmal an den neuen Staatstheater-Dramaturgen Hanns Johst zu wenden und ihn aufzufordern, etwa die »Karolinger« oder die »Rabensteinerin« aus der Mottenkiste zu holen. Wahrscheinlich wird Herr Johst ihm eine Antwort geben, die an die herbe Kraft seiner eignen expressionistischen Frühzeit erinnert. Was aber Wildenbruch angeht, so sollte sein Entdecker vorsichtiger sein. Ernst von Wildenbruch, als Dramatiker von einer bergeversetzenden Naivität, ein leicht begeisterter Rhapsode fürstlicher und besonders hohenzollernscher Moritaten, war außerhalb seiner Kunst alles andre als ein Byzantiner. Er war ein Mann von durchaus liberalen Anschauungen, und wo es um öffentliche kunstpolitische Bekenntnisse ging, stellte er sich unerschrocken an die Seite seiner Kollegen von der »demokratisch-marxistischen« Observanz. Er hat niemals die Meinung vertreten, der Kunst müßten, zur Hebung der allgemeinen Volksmoral, von Staats wegen Daumenschrauben angelegt werden. Er hat den Feldzug gegen die Lex Heinze mitgemacht und eine Bewegung für die Aufhebung des § 175 mit seiner Unterschrift unterstützt also genau das getrieben, was die Rückwärtser von heute »Kulturbolschewismus« nennen. Der alte Wildenbruch würde heute als ein höchst zersetzendes Element gelten. Herr Bloem nennt weiter Joseph Lauff und Eberhard König. Wir wollen sie ruhen lassen, denn es wäre grausam, sie dem Rampenlicht auszusetzen. Wir wollen uns weder um die schwachen Dramen des herrlichen Lyrikers Liliencron streiten noch um Paul Ernsts sterbenslangweilige Tragödien. Es wird ärger, wenn Herr Bloem zu den von den Rezensenten Gemeuchelten auch Ludwig Thoma und Max Dreyer rechnet. So ahnungslos kann Herr Bloem nicht sein, als daß er nicht über das Autorenschicksal beider Bescheid wüßte. Ludwig Thoma, der niemals ein Dramatiker, sondern Novellist und Versemacher mit pamphletistischer Ader war, hat mit seinen Komödien über seinen Tod hinaus Beifall geerntet. Er gehörte als Bühnenschriftsteller zu den Erfolgreichen seiner Zeit, er ist von Unzähligen geliebt und bewundert worden, ein Vertreter der »demokratisch-marxistischen« Fraktion, nämlich Theodor Wolff, war es, der ihn vor rund fünfundzwanzig Jahren feierlich zum »bayrischen Aristophanes« ernannte; selbst Herr Bloem dürfte zugeben, daß das eine sehr milde Art von Befehdung darstellt. Ludwig Thoma hat als Bühnenautor eine Resonanz gefunden, die seinem genialen Zeitgenossen Frank Wedekind ganz und gar versagt geblieben ist. Auch Max Dreyers grobknochige Dramatik hat Reißer geliefert wie den »Probekandidaten«, aber ein hinreißender Appell an das Säkulum, das sind seine Theaterstücke wirklich nicht. Trotzdem sollte man den »Probekandidaten«, eine handfeste Persiflage der Schulreaktion um die Jahrhundertwende, heute ausgraben. Der Erfolg würde ähnlich sein wie der von Ludwig Thomas »Moral« im vergangenen Sommer – er würde Herrn Bloem keine Freude bereiten. Wenn der gemaßregelte Schulamtskandidat, der in einem muffigen Kleinstaat Schiffbruch erlitten hat, am Ende erkläre er würde dorthin gehen, wo Meinungsfreiheit in Wort und Schrift gewährleistet ist, nämlich nach Preußen, so wäre die aktuelle Beziehung zur Eklatanz hergestellt, und das ganze Theater würde vor Freude wiehern. Es hat bis jetzt noch keine klare Antwort gegeben auf die Frage, was »Kunstbolschewismus« eigentlich ist. Die Herren, die es wissen müßten, weichen voneinander ab. In der »Deutschen Zeitung« wird Georg Kaisers »Silbersee« zum Beispiel mit offensichtlichem Bemühen um Objektivität besprochen; aber auch deren Kritiker, Herr Mühr, scheint nicht zuverlässig, denn in Magdeburg protestieren die nationalen Verbände. Wer findet sich da noch zurecht? Auch gegen Justizirrtümer in der Kunst gibt es keine völlige Sicherung. Seit dem Beginn der naturalistischen Ära sind in Deutschland nicht mehr Talente verkannt worden als sonst auch. Und wir können mit einiger Sicherheit konstatieren: ein Genie war nicht darunter. Der »Irrsinn der abgelaufenen Epoche« hat wahrscheinlich weniger verbrochen als andre Zeiten, die Herrn Bloem wohl vernünftiger vorkommen, weil ihm ihr Regierungssystem besser zusagt. Das patriarchalische Regiment hat nicht gehindert, daß Kleist von Kotzebue und den Verfassern elender Ritterdramen gefressen wurde; in den Glanztagen bürgerlicher Tugenden kam Hebbel nicht zur Geltung, weil die Theater von Raupach und der Birch-Pfeiffer okkupiert waren. Wenn Herr Bloem jahrzehntealte Kritiken von Kerr heraussucht, um die ganze Scheußlichkeit des »demokratisch-marxistischen Gesinnungskonzerns« aufzuzeigen, so übersieht er dabei, wo diese Kritiken einmal gestanden haben, nämlich im Scherlschen »Tag«. Früher hatten manche Rechtsblätter, mochten sie sich im politischen Teil noch so orthodox gebärden, doch ein ausgeprägtes Kulturbewußtsein. Sie wollten wenigstens den Zusammenhang mit dem besten künstlerischen Geist der Zeit nicht verlieren. Die alte »Tägliche Rundschau«, die einer wüsten alldeutschen Tendenz verschrieben war, zeichnete sich durch einen besonders gepflegten und fortschrittlichen Theaterteil aus. Herr Bloem und seine Freunde, die es heute so darzustellen belieben, als hätten damals die Kunstbolschewiken Jacobsohn, Harden und Kerr in trauter Gemeinschaft ihre Gifttränke zur Beseitigung volksgemäßer deutscher Dichter gebraut, liefern nur ein albernes Zerrbild dieser Jahre. Der Anteil der Rechtspresse an den damaligen Kämpfen darf nicht verschwiegen werden, ebensowenig, daß ein Chorführer der naturalistischen Zeit der jetzt verstorbene Karl Strecker war, ein Mann von fester konservativer Überzeugung, der viel für Ibsen, Hauptmann und Dehmel getan hat. Aber diese personalen Dinge sind nur historisch beachtlich – sie verblassen neben der größern Frage: Wer hat das deutsche Theater ruiniert? Das behauptet Herr Bloem, nicht mehr und nicht weniger. Es spricht gegen die Zeit, daß man sich mit einer solchen Botokudenlegende ernsthaft auseinandersetzen muß. Mit dem Cato Bloem ist schwer zu disputieren: ihm fehlt jeglicher Sinn für Qualität. Uns liegt jeder Hauptmann-Byzantinismus fern. Aber wenn jemand behauptet: »Stofflich und weltanschaulich gehört er (Hauptmann) einer überwundenen Epoche an«, und wenn das kein junger Mensch schreibt, der sein Lebensrecht gegen die Großen einer schwindenden Zeit durchsetzen will, sondern ein saturierter sechzigjähriger Romanautor, der in jeder Zeile seiner Arbeiten unter der Epoche steht, die er stofflich und weltanschaulich verdonnert, so erübrigt sich weitere Argumentation, und sein substanzloses Gezeter gibt nur Anlaß zu einigen notwendigen Feststellungen. Es ist nicht wahr, daß das deutsche Theater sich heute wieder aus einer Epoche von Ruin und Verfall zu erholen beginnt. Diese letzten vier Jahrzehnte, von Hauptmann bis Brecht, von Rittner bis Krauss, von der Sorma zur Bergner, waren eine Zeit unerhörter Blüte, auf die Deutschland mit bestem Recht stolz sein kann. In dieser Zeit hat das deutsche Theater einen Rang behauptet, der in der Welt einzig war. Wahrscheinlich sind in dieser Zeit keine Dramen von Ewigkeitsbedeutung geschaffen worden – eine solche Bilanz des Bleibenden wird später gezogen werden müssen –, es handelt sich auch nicht darum, sondern um den Willen und das Streben zur höchsten Leistung. Was das deutsche Theater und die Theaterstadt Berlin besonders auszeichnete, das war die freudige Bereitheit, alle sich bietenden Werte aufzunehmen und selbständig zu verarbeiten, die kosmopolitische Aufgeschlossenheit, der Mangel an Borniertheit. Die Berliner Theaterkritik war durch ihre Schärfe oft herzlich unbeliebt, aber sie hat das qualitative Niveau im ganzen mit höchster Gewissenhaftigkeit gewahrt; sie hat immer, im Gegensatz etwa zur Pariser Kritik, die ganz in konventioneller Seichtheit dahintreibt, ein eignes markantes Gesicht gezeigt. Auch wir haben nicht die Verfallserscheinungen der letzten Jahre übersehen – es ist nicht der Zweck dieser Ausführungen zu schildern, wie aus Überreife Fäulnis wurde und warum nicht rechtzeitig genug Ablösung überalterter Menschen und Dinge erfolgte. Es gilt hier nur Zeugnis für eine Zeit abzugeben, die wir zum Teil miterlebt haben, und einen unberufenen Zensor zurückzuweisen, der sein eignes Minderwertigkeitsbewußtsein unter der Toga des Anklägers verhüllt. Die Kunst ist heute in die vierte Reihe gerückt. Die großen Entscheidungen werden auf einem andern Felde erfolgen. Aber es wäre feige und undankbar zugleich, wenn wir eine echte Leistung der jetzt zu Ende gehenden geschichtlichen Phase nicht gegen Schmähung schützen wollten. Herr Bloem kommt sich gewiß als hochnationaler Mann vor, wenn uns auch seine Gründe für diese Annahme verschlossen bleiben. Er teilt mit vielen andern gleicher Couleur die Blindheit für die wirklichen Werte, für die besten Produkte der Nation. Es erleichtert Herrn Bloems Position, daß er heute an der Seite der Mächtigen steht. Aber dadurch werden seine eignen Romane nicht belangvoller, und dadurch werden die Toten, die er herbeiruft, nicht lebendig. Er »grüßt mit erlöstem Aufatmen die Paniere des jungen Deutschland – für die heute Schaffenden«. Ein alter Irrtum, einen politischen Flaggenwechsel für die Eröffnung einer neuen Kunstepoche zu halten. Schließlich kommt es doch immer auf das Können an und nicht auf das Panier, und öfter noch als in den Sonnentagen der Macht ist die große Kunst im Kellerdunkel der Opposition gediehen. Seit zehn Jahren bemüht sich der Nationalismus, einen literarischen Koloß auszubrüten. Die Geduld in allen Ehren – aber herausgekommen ist dabei kein Kleist, sondern nur der fatale O.S.-Roman des Herrn Arnolt Bronnen, der in jeder Beziehung an der Grenze spielt. Herr Bloem sieht jetzt Herrliches heranreifen. Nun gut, bei Philippi sehn wir uns wieder!

„Kulturbolschewismus“ – allein dieses Wort verdient es, den gesamten Artikel aus der „Weltbühne“ zu zitieren, ist doch fünfundachtzig Jahre später eine österreichische Regierung angetreten, einfach wie kurz gesagt, um den „Kulturmarxismus zu überwinden“

Die Antwort darauf, was denn „Kulturbolschewismus“, vor Jahrzehnten gefragt, eigentlich sei, die Antwort darauf, was denn „Kulturmarxismus“, Jahrzehnte später

Harry Graf Kessler, Weimar:

Nachmittags bei Frau Förster-Nietzsche. Das Nietzsche-Archiv ist jetzt, wie sie selbst sagt, ›mitten in der Politik‹. Zu seinem Vorsteher haben sie einen Nazi-Professor Emge aus Jena berufen, einen Professor der Rechtsphilosophie, der sogar als Nazi-Minister in der thüringischen Regierung in Aussicht genommen ist. Im Archiv ist alles vom Diener bis zum Major hinauf Nazi. Nur sie selbst ist noch, wie sie sagt, deutschnational. Sie erzählte, wie Hitler sie besucht hat nach der Premiere von Mussolinis Stück im National-Theater. Während mehrere italienische Korrespondenten bei ihr saßen, habe er sich melden lassen und sei mit einem riesigen Blumenstrauß und begleitet von seinem Stabe bei ihr eingetreten. Es habe sich in Gegenwart der Italiener eine lebhafte politische Konversation entsponnen, bei der Hitler sich, wie sie sagt, in einer für ihr Gefühl unvorsichtigen Weise über Österreich und den Anschluß geäußert habe. Er habe betont, daß er den Anschluß nicht wünsche, weil Wien keine rein deutsche Stadt sei. Sie habe das nicht für richtig gehalten, daß er das vor den Ausländern sagte. In seinem Gefolge befand sich unter andren auch Schulze-Naumburg. Ich fragte sie, welchen Eindruck Hitler menschlich auf sie gemacht habe? Ob er nach ihrem Gefühl Format habe? Sie sagte: aufgefallen seien ihr vor allem seine Augen, die faszinierend seien und einen durch und durch blickten. Aber er habe mehr den Eindruck eines religiös als politisch bedeutenden Menschen auf sie gemacht. Den Eindruck, daß er ein großer Politiker sei, habe sie nicht gehabt. Winifred Wagner, die mit dem italienischen Botschafter Orsini-Baroni während der Goethe-Feiern bei ihr war, stehe auch den Nazis sehr nahe. Kurz, diese ganze Schicht des intellektuellen Deutschlands, das in der mehr goethischen, romantischen Periode seine Wurzeln hat, ist ganz Nazi-verseucht, ohne zu wissen warum. Das Nietzsche-Archiv hat von seinem Faschismus wenigstens einen materiellen Vorteil, indem Mussolini ihm, wie Frau Förster erzählte, gegen Ende des vorigen Jahres zwanzigtausend Lire überwiesen hat.
Am nächsten Donnerstag hat sich die ›Kaiserin‹ Hermine bei ihr zum Tee angesagt; es wird ein ›Dichtertee‹, wie sie sagt: Börries Münchhausen liest Gedichte vor, und Walter Bloem ehrt das Fest durch seine Gegenwart. Man möchte weinen, wohin Nietzsche und das Nietzsche-Archiv gekommen sind! Noch eins: daß dieser alten, sechsundachtzigjährigen Frau der mächtigste Mann Deutschlands und die Frau des früheren Kaisers heute den Hof machen. Letzteres fast grotesk nach der Einstellung S. M. zu Nietzsche vor dem Kriege! Sie erzählt noch zu diesem Umschwung, daß die Offiziere des in Weimar garnisonierenden Reichswehr-Divisionsstabes ihr bei ihrer Herversetzung offiziell einen Antrittsbesuch machen. Wie war es in meiner Jugend in Potsdam, als ich mit Bernhard Stolberg und meinem Kreise Nietzsche las? Stolberg wurde deshalb von seinem Vater aus Potsdam fortgeholt und sechs Monate mit einem Pfarrer eingesperrt. Damals war Nietzsche Revolutionär und fast ebensosehr vaterlandsloser Geselle wie die Sozis. Das Gespräch, das in der kleinen guten Stube im ersten Stock vor sich ging, mit dem Blick durch die offene Verbindungstür nach dem Ecksofa, auf dem ich zum letzten Mal Nietzsche wie einen kranken Adler sitzen sah, machte mir einen tiefen Eindruck. Geheimnisvolles, undurchsichtiges Deutschland.

Robert Musil:

Es ist bei uns ein sonderbares und äußerst gefährliches Verhältnis entstanden: die Respektlosigkeit vor dem Geist im Namen des deutschen Geistes. Weite – und fast möchte man sagen die bestwilligen – Kreise unseres Volks haben es verlernt, eine Leistung nach ihrem Gehalt zu empfinden, und prüfen sie nur nach ihrer Herkunft und darauf, wie sie ins System der Vorurteile paßt; es wird das Weite am Engen gemessen, der mannigfaltige Geist an einer seiner Ausgeburten; die Aufmerksamkeit hat sich von den Werten zu ihren Nebenumständen abgewendet, von der Wirklichkeit zur Hypothese, und es hat sich derer, die zu folgen berufen sind, eine sektiererisch anmaßende Besserwisserei bemächtigt. Da mit etwas so Urtümlichem, wie es die Rasse ist, überdies nur urtümliche Tugenden verknüpft sein können, werden schließlich auch die Geister, welche sich des gleichen Bluts berühmen dürfen wie ihre Richter, nicht mehr ans Ohr der Nation gelassen, falls sie nicht so schreiben wie Herr Walter Bloem […], also nicht treu, tapfer, keusch sind und mit weiteren fünf deutschen Indianertugenden ihr Auslangen finden. Auf diesem Wege des Idealismus ist der Rassengedanke zur deutschen Selbstbeschädigung geworden und saugt der Nation in jahrzehntelangem Mißbrauch das Mark aus.

Das aus einem Essay von Robert Musil wurde bereits zitiert, in einem Kapitel, in dem es nicht um Walter Bloem geht, sondern um die „Tischrassen“, die in der österreichischen Verfassung verkürzt als „Rasse“

Karl Kraus:

Was alles vorkommen kann. Herr Walter Bloem ist – wir haben lange warten müssen – nach Wien zu einer Vorlesung gekommen, die mit einem formvollendeten Überblick über Bloems Leben und Schaffen – denn das gibt es – eingeleitet wurde und zwar von einem deutschen Mann namens Wymetal. Der deutsche Dichter, der als Kompagnie- und Bataillonskommandant den ersten Vormarsch mitmachte, den Sturm auf das Fort Douomont führte, den Sommeübergang als erster forcierte – Wozu? erwuchs vor den Hörern in schöner menschlicher Klarheit. Lebhaft begrüßt, las hierauf Bloem ein Kapitel aus dem Alt-Würzburger Roman »Gottesferne«, der den Kampf eines Herrenmenschen, des Bischofs, gegen die Masse seiner Untertanen, das erwachende Bürgertum, schildert und so. Die eine Probe schon gab Wymetals Behauptung recht, der Bloem als historischen Romancier neben große Tote wie Konrad Ferdinand Meyer stellt. Hierauf zeigte sich Bloem von einer ganz neuen Seite, indem er »Mephisto und alle bösen Dämonen, die das deutsche Volk hart an den Abgrund gebracht« (ohne ‚hat‘), vor uns in furchtbarer, dunkler Gewalt erstehen machte. Denn Bloem, der Epiker, ist auch ein Dichter von hinreißender Rhetorik. Er ist kein in sich versponnener Lyriker. Er ruft sein Bekenntnis: »Ich bin ein deutscher Dichtersmann« aller Welt entgegen. Das kann auf die Entente und vollends auf Wymetal nicht ohne Eindruck bleiben. Wenn er aber auch mir es entgegenrufen wollte, würde ich ihm antworten, daß ich nie daran gezweifelt habe, da ich ja weiß, daß er sich eben dadurch die Freundschaft Wilhelms Il. zugezogen hat. Befremdend ist nur, daß man auf so etwas stolz sein kann und es aller Welt entgegenruft, anstatt in sich zu gehen, wobei man sich ja nicht geradezu in sich verspinnen müßte. Aber so ein deutscher Dichtersmann, der als erster den Sommeübergang forciert hat, ist ja nicht zu halten: Er schloß mit den aus dem Anblick der Ruine Ehrenbreitstein am Rhein, die jetzt das amerikanische Sternenbanner trägt, erwachsene Strophen: »Daß Deutschland wieder werde der Ehren breiter Stein!« Alle fühlten es, daß Bloem keine Zeile geschrieben hat, die er nicht im Innersten erlebte. Dem Dichter und Menschen galt der jubelnde Beifall. Ich frage mich vergebens, wie man es anstellt, im Innersten zu erleben, daß Deutschland wieder der Ehren breiter Stein werden soll. Man könnte doch höchstens schmerzlich bewegt sein, daß es durch die Art seines Kaisers und der ihm nacheifernden Untertanen, der deutschen Handelsmänner und der deutschen Dichtersmänner, zum Stein des Anstoßes in der Welt geworden ist.

Lessing, Theodor: „Feind im Land“:

Das Volk jauchzte zur Altane hinauf. Und wie schrieb unser edler deutscher Dichter Walter Bloem so schön von dieser Stunde? »Das sinkende Rot der Maiensonne spiegelte sich im Nasse der Perlen, emporgeweint aus Herzenstiefen deutscher Jünglinge und Jungfrauen. Klio aber, die Muse im purpurblutigen Gewand, schlug eine neue Seite auf im Schicksalsbuche der Menschheit und schrieb über das neue Blatt mit ehernem Griffel: › Die Wiedergeburt Europas.‹« – Dann verlangte das Volk Emil Blender, den Außenminister, und Sepp Schwarbel, den Kultusminister, zu sehn. Blender war bereit. Aber auch er sollte Brüderlichkeitsbeweise liefern. Er wählte sich Mannheimer zum Gegenspieler und bat diesen, mit auf den Balkon hinauszutreten. Mannheimer aber nahm das schämig auf und sagte: »Ich komme mir vor wie beim Kotillon die liebreizendste Dame, die von allen Seiten Sträußchen empfängt. Ich weiß nicht, warum wählen alle gerade mich. Wählen Sie doch einen Würdigeren. Ich habe schon Kuno Reißer zugesagt.« Blender aber bestand darauf, daß es just Mannheimer sein müsse. Wenn überhaupt schon mal die alberne Küsserei vorm Volke gespielt werden solle, dann sei ihm Mannheimer immerhin am sympathischsten. So hatte denn das Volk das seltene Schauspiel, zu sehen, wie das nationale Bankgeschäft in Gestalt Mannheimers und die nationale Politik in Gestalt Blenders einander küßten. Nur war Mannheimer, selbst bei dieser Gelegenheit, nicht zu bewegen, seine Zigarre aus dem Munde zu nehmen. Danach rief das Volk gebieterisch die Namen Jens Liebrecht und Baldur Tünnes. Aber Liebrecht war nirgends aufzufinden. Und dieser Umstand hätte die staatsrettende Aktion beinahe durchkreuzt. Baldur trat allein hinaus und sagte dem Volke, daß Liebrecht mit Vorbereitungen für die »Diktatur des Proletariates« viel zu beschäftigt sei, um im Augenblick erscheinen zu können. Es gelang ihm denn auch, die gefährlichste Klippe, das Nichterscheinen Liebrechts, mit Rosen zu verdecken, zumal noch viele andere Berühmtheiten, inländische wie ausländische, vor das Volk traten und ihm lebende Bilder der Erlösung und Versöhnung vor Augen stellten. So traten denn in dieser Stunde sämtliche Führer Europas zu Pazifismus und Kommunismus hinüber. Es blieb ihnen auch nichts andres übrig. Denn was sollten sie tun, angesichts der drohenden Gefahr, vom revolutionären Mob zertreten oder aufgeknüpft zu werden?

Mann, Heinrich: „Ein Zeitalter wird besichtigt“, 1923, vor einhundert Jahren:

Aus Anlaß der Kolonialausstellung 1931 wurde von Paris eine deutsche Delegation erbeten. Ihr gesellte sich ein gewisser Bloem, als unberufener Schriftsteller alt geworden, aber wenn eine nationale Bosheit ohne Hirn das Talent ersetzt, sah er seine Gelegenheit nahe. Im Krieg haben die Nationalsozialisten, die seinesgleichen kaltstellten – als nationale und soziale Gottesgeiseln genügten sie sich – ihm endlich doch einen seiner Sätze nachgedruckt: die Russen kämpften fanatisch, weil sie noch unter dem Tier ständen. Mit diesen Begriffen in einem mächtigen Schädel, kam das Individuum nach Paris mit, um mich zu beaufsichtigen, um Verletzungen der nationalen Würde nach Haus zu melden.

Einundfünfzig Funde auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu Walter Bloem, davon sind sehr viele Funde abzuziehen, die Walter Bloem selbst zum Ergebnis haben, mit seinem auf „Projekt Gutenberg-DE“ vorhandenem und veröffentlichten Buch „Mörderin?! – Roman eines Verteidigers“, abzuziehen sind auch die vielen Funde „Rheinisches Dichterbuch – Auszug“: bloße Hinweise Walter Bloems „Streikbrecher“ … So bleiben gerade einmal ein Dutzend Funde zu Walter Bloem über, Funde, die nicht gerade davon erzählen, daß Walter Bloem ein Schriftsteller von herausragender Bedeutung, aber die Funde in der Vergangenheit erzählen von der Gegenwart, aus der Walter Bloem vor zweiundsiebzig Jahren für immer …

Zwei Zitate noch.

Franz Bleibtreu:

Das Gerede von seinem heißen Gefecht bei Schloß Moncaux gehört zu den Phantasten des Romanschriftstellers Bloem, Hauptmann d. R., der nachher die »Trümmer« der 22. R. D. bei Trocy sah, die überhaupt nur 1200 verlor. – Dies Bataillon und Lotterer’s Art. wandten sich südwärts zum Ourcq nach Trocy; vier Bat. der 6. D. standen dort bereits seit 4. bei Betz, die 6. D. blieb dauernd am Ouvry, die 5. D. »nördlich der Marne«, wie ein Heerbericht Moltkes ausdrücklich angibt. Da also die Sage vom 3. K. am Morin erledigt, darf man sich nicht wundern, daß das Phantom des 2. und 4. K. am Gr. Morin gleichfalls sich in Dunst auflöst.

Und:

So sehr die Weite zu begrüßen ist, in die man mit ihr eintritt – selbst Meisterleistungen des Journalismus aus der »Frankfurter Zeitung« und anderen Blättern haben Platz gefunden – so wenig kann man es verstehen, wie Sudermann, Frenssen oder Bloem in eine engere Wahl von noch nicht dreißig deutschen Prosaisten geraten konnten.

Vor neunzig Jahren konnte es Walter Benjamin schon nicht verstehen, wie Walter Bloem in eine „engere Wahl“ geraten konnte, in seiner Kritik zu „Die Meister – deutsches Lesebuch für norwegische Gymnasien“ …

Wie wohl Walter Benjamin,

gestorben auf der Flucht aus dem Deutschland des Österreichers,

neunzig Jahre später darüber geschrieben hätte, daß Bloem,

daß Gustav-„Nationalsozialismus-schönstes-Glück-meines-Alters“-Frenssen nach wie vor …

Selbst das Klima ist dankbar für Möglichkeiten des Wandels

Alles, was da ist, ist zum Nutzen des Menschen erschaffen. Das Singen der Vögel, das Springen der Hirsche, das Blöcken der Schaafe, das Brüllen der Ochsen, die Hitze des Feuers, das Rieseln des Wassers, der Seegen der Felder, der Regen der Wolken, das Licht der Sonne, der Glanz der Sterne, der Schatten der Wälder, das Gras der Wiesen, kurz, alles ist zum Dienst und Nutzen des Menschen bestimmt. Der Mensch ists der Herr der Schöpfung, und alle übrigen Geschöpfe sind ihm unterthan. Verdient diese Gnade keinen Dank gegen den Schöpfer?

Selbst die Thiere sind dankbar für erhaltene Wohlthaten.

[Selbst das Klima ist dankbar für Möglichkeiten der Veränderung.]

Wie erkenntlich, wie anhänglich sind das Pferd, der Hund, und andere Hausthiere, für die Wohlthaten, welche der Mensch ihnen erweißt? Der Mensch allein, dieses mit Vernunft begabte Wesen, sollte undankbar seyn? Der Undank schmerzt sehr.

Hat dir Einer Dienste geleistet, so lohne es ihm mit Dank, und wirf ihn nicht weg, wenn er dir nicht mehr nützen kann, wie eine ausgepreßte Zitrone.

Selbst ein ABraham a Sancta Clara dieser Tage — und es gibt dessen zuhauf dieser Tage — würde an dieser biblischen Unterwerfung, die oben in der Auslegung der dankbar anzunehmenden Untertänigkeit dieses Predigers zitiert ist, gelesen am 5. November 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“, nichts zu ändern haben, es genauso predigen, vielleicht würde sie hinzufügen, einfügen, um recht aktuell und gar recht gegenwärtig sich zu geben:

Selbst das Klima ist dankbar für Möglichkeiten des Wandels.

ABraham a Sancta Clara

Von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse im ersten Bezirk von Wien ist es ein kurzer Fußweg bis zum Stephansplatz im selben Bezirk von Wien in der Republik Österreich, eine schwache Viertelstunde, zu wenig Zeit, um sich auf diesem kurzen Weg darüber im Klaren zu werden, ob es gerechtfertigt ist, zu verlangen, daß ganz Europa seine „Asylpolitik“ umzudenken hat, wie das geprüft werden kann, daß „nur jene Menschen nach Europa“ gelassen werden dürfen, die „sich wirklich an unsere europäischen Werte halten“, wie kann ein Mensch beweisen, sich an „unsere europäischen Werte“ zu halten, wenn er noch gar nicht in Europa ist, und woher kann dieser besonnene Mann, dem Pauschalierungen gewiß ein Greuel sind, der gewiß um die Gefahr der Kollektivhaftung Bescheid weiß, wissen, daß an der Demonstration auf dem Stephansplatz nur Asylantinnen, ausschließlich Asylanten „Tod den Juden“ …

Von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse auf dem viel zu kurzen Fußweg zum Stephansplatz, um sich auf diesem schon darüber im Klaren zu werden, was dieser Mann damit meint, er habe „überhaupt kein Verständnis mehr „für alle diese sogenannten Gutmenschen, die nicht verstehen, dass wir Leute in unser Land lassen, die dann schreien ‚Tod den Juden'“.

Der Weg von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse zum Stephansplatz ist viel zu kurz, um auf diesem Gang schon prüfen zu können, ob die „Asylpolitik“ allein von den von ihm „sogenannten Gutmenschen“ abhängt, ob es denn gar keine entsprechenden nationalen und internationalen Gesetze mehr gibt oder je gegeben hat, die das sogenannte Asylwesen regeln, nach denen Asyl zu gewähren und nicht zu gewähren ist, sondern es ausschließlich der Laune, der Willkür der „sogenannten Gutmenschen“ …

Auf diesem kurzen Fußweg von der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse zum Stephansplatz in Wien im Staat Österreich können nur einige von den vielen Berichten und Kommentaren der letzten Tage einfallen, in denen Klage geführt wird, wie grauslich es nun zugehe, und es ist wahr, es geht tätlich grauslich zu, nicht nur in den sogenannten Social-Media-Kanälen, es geraten wird, „auf manchen Plattformen sogar weniger zu sein und gerade an besonders schlimmen Tagen vielleicht gar nicht reinzuschauen“ …

Der Fußweg ist zu kurz, schon in der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse angekommen, fehlt die Zeit ganz, auch noch zu überlegen, wie können in dieser Welt besonders schlimme Tage von nur schlimmen Tagen oder gar, einfach wie kurz gesagt, gute Tage von weder besonders schlimmen noch von schlimmen Tagen … Der Rat aber würde gerne befolgt werden, sogar überbefolgt werden, auf manchen Plattformen gar nicht zu sein, zum Beispiel auf TikTok, dafür mehr an den Orten des Geistigen, des Wahren, des Schönen, auch an den dem Wahren, Schönen und Guten verpflichteten digitalen Orten sich aufzuhalten — beispielsweise auf „Projekt Gutenberg-DE“. Nichts Schöneres auf der Welt, an jedem Tag, ohne darüber nachdenken zu müssen, ob es ein guter, ob es ein schlimmer, ob es ein besonders schlimmer Tag ist, in der ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse auf „Projekt Gutenberg-DE“ Werke von ABraham a Sancta Clara zu lesen, in der Beruhigung, zu wissen, weder auf der Straße noch auf der Gasse noch im Digitalen ist er vergessen, wird sein Werk gepflegt, gehütet, findet sein Werk Verbreitung, wird vielleicht, wenn des Mannes Forderung nach einem Umdenken erfüllt ward, sogar sein Werk Prüfung für Menschen, die nach Europa kommen wollen, ob sie sich „halten an unsere europäischen Werte“ … und wenn sie seine Fabelpredigten auswendig hersagen können, Beweis, daß sie sich halten an „unsere europäischen Werte“, und so hereingelassen werden dürfen in das Europa der —

Die Lieb ist ein Dieb; ein Dieb ist gewest Judas, weil er Geld gestohlen; ein Diebin ist gewest die Rachel, weil sie ihrem Vatter die goldene Götzen-Bilder gestohlen; ein Dieb ist gewest der Achan, weil er bei Eroberung der Statt Jericho neben anderen einen Mantel gestohlen: aber noch ein grösserer Dieb ist die Lieb / dann dise stihlt denen Menschen gar die Vernunfft / und macht sie zu einem Narren / amantes, amentes. Amnon ein Sohn deß Davids hat sich dergestalten verliebt in sein Schwester die Thamar, daß er vor lauter Lieb ist kranck / und bethlägerig worden; es hat ihme weder Essen noch Trincken geschmeckt; das Gesicht ist ihme gantz und gar eingefallen / daß er ausgesehen / wie ein außgeblassene Sackpfeiffen; Tag und Nacht hat er geseufftzet nicht anderst / als wie ein ungeschmierte Hauß-Thür; er war dergestalten entzündt in der Lieb / daß er ohne Gefahr noch Schaden nicht hette können bei einem Stroh-Dach vorbei gehen; wol recht hat der Poët gesagt: Bacchus und der Weiber Garn/Machen vil zu lauter Narren.

Wie kann „Lieb“ auch anders als so beschrieben werden, die Diebin Liebe muß einfach mit Dieben verglichen sein, wie gut für ABraham a Sancta Clara, dafür jüdische Beispiele gefunden zu haben. Wie gut er doch dabei zu Ammon ist, er erzählt nicht mehr, daß Ammon Thamar vergewaltigte; wahrscheinlich ist für ABraham a Sancta Clara die Vergewaltigung der größte Beweis der „Lieb“ eines Mannes für eine Frau, und von einem Verbrechen will gerade in Wien, in Österreich kein Mensch etwas hören, so hat er es wohl deshalb verschwiegen, und, so wird seine Denke gewesen sein, der „Weiber Garn machen“ viele Männer zu, nein, nicht Narren, sondern zu Verbrechern, der „Weiber“ Eigenschuld an den an ihnen begangenen Verbrechen …

Er hält es überhaupt mit den „Narren“ … In „Ein Verlogner Narr.“ ist zu lesen, auch am 3. November 2023, auf „Projekt Gutenberg-DE“:

Jene Soldaten bei dem Grab deß HErrn / umb weilen ihnen die Juden wacker gespendiert / haben ein unverschambte Lug auff die Bahn gebracht daß nemblich die Jünger hätten den Leichnamb gestohlen / da sie unterdessen erfahren / daß er warhafftig von Todten aufferstanden: dise Gesellen haben umbs Geld gelogen; es seind aber einige so leichtsinnig / daß sie umbsonst / und umb nichts / als wäre es gar kein Sünd / die grösten Lugen aneinander knöpffen / ja sie halten es für ein Kunst / und wol anständige Manier / wann sie zur Vertreibung der Zeit / und zu Erweckung eines ungezähmten Gelächters wacker / und fast ohne Zahl / und ohne Zihl können auffschneiden / dencken aber nicht / was die Göttliche Schrifft sagt: Proverb. c. 12. Abominatio est Domino labia mendacia. Lugenhaffte Mäuler seind GOtt dem HErrn ein Greul.

In der vom Stephansplatz gerade einmal fünfzehn Minuten entfernten ABraham-a-Sancta-Clara-Gasse der Beschluß, sich dafür Zeit zu nehmen, im Forschungsprojektendbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ zu lesen, in dem auch von den Werken zu lesen ist, die auf „Projekt Gutenberg-DE“ zwar nicht vorhanden, aber wohl angeführt, vielleicht um an Brauchbares zu erinnern, an Einsetzbares zu erinnern, auf das zurückgreifen zu können, besonders an Tagen, die besonders —

Seit 1677 war Abraham a Santa Clara Hofprediger. Ernannt wurde er von Kaiser Leopold I., jenem Habsburger, der zehn Jahre davor die Judenvertreibung befohlen hatte.

Nach dem Ausbruch der Pest 1679 in Wien machte Abraham a Santa Clara „Hexen“, Juden und Jüdinnen dafür verantwortlich. (Vgl. Abraham a Santa Clara, Pestpredigt. Merck‘s Wien) Das vierteilige Werk „Judas der Erz‐Schelm“, 1686‐1695, gilt als seinHauptwerk. Darin hetzt er gegen Juden und Jüdinnen, die als „gottlos, ehrlos, gewis senlos, heillos, tugendlos, treulos, vernunftlos, neidig, lasterhaft, unehrlich, sündhaft und als Abschaum“, (Vgl. Pape. In: Benz, Bd. 2/1, 2) bezeichnet werden. Im Zuge der „Zweiten Türkenbelagerung“ Wiens 1683 bezichtigte er abermals die Juden, dies verschuldet zu haben. Die antisemitische Predigt „Huy! Und Pfuy! Die Welt“ schrieb er knapp vor seinem Tod. Merkmal von Abraham a Santa Claras Judenfeindschaft sind die Vorurteile des „jüdischen Brunnenvergifters“ und des „Seuchenverursachers“. Literatur Christian Pape, Abraham a Sancta Clara. In: Wolfgang Benz (Hg.), Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Wolfgang Benz (Band 2/1 Personen A‐K) Berlin 2009.

ABraham a Sancta Clara hätte wohl mit seiner geheiligten Redegabe die Menschen dazu gebracht, in einer gewählteren Sprache das zu skandieren, was jetzt auf den Gassen, auch auf den digitalen Gassen, geschrien wird, das mit dem Jordan, also in lateinischer Sprache:

Flumine Jordani terguntur labe malisque corpora cum cedit, quod latet omnes nefas. Sic flamma assurgens totam furibunda per urbem 1421 Hebraeum purgat crimina saeva canum. Deucalioneis mundus purgatur ab undis Sicque iterum poenas igne furiente luit.

Das ist keine Vernichtungsphantasie, kein Ausrottungswille des ABraham a Sancta Clara, diese zum Skandieren aufgeschriebene Forderung nach der Auslöschung der jüdischen Menschen ist zu lesen, auch heute noch, im Jahr 2023, auf der Mauer des Hauses Jordangasse 2, vom Stephansplatz etwa acht Minuten Fußweg entfernt. Er, ABraham a Sancta Clara, wird diesen Tafelspruch wohl gekannt haben, ihm vielleicht sogar Ansporn für seine Schriften gegen jüdische Menschen gewesen sein, vielleicht in seines Beichtstuhl Holz eingeritzt gehabt haben —

ER, ABraham a Sancta Clara, war durch und durch ein Mann des Geistes, der auch wußte, nicht vergaß, gegen wen noch vorzugehen ist, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert, diese Menschen gemäß „europäischen Werten“ auserwählt zur …

„Dergleichen Lumpen-Gesind auch die Zigeuner seynd, welche nicht ohne großen Schaden und Diebstahl alle Länder ausreisen mit dem gedichten Vorwand, als kommen sie aus Egypten, und müssen 7 Jahr lang hin und her wandern zu einer Buß, weilen sie der seligsten Jungfrauen Mariä mit ihrem göttlichen Kind, als sie in Egypten geflohen, einmal die Herberg geweigert haben. Es ist aber solches ein lauteres Gedicht und bloße Schalkheit; dann diese Leut haben das Egpytenland ihr Lebenlang nie gesehen, sondern ist ein solches zusamm gerottes Lottersgesind von allerlei müssigen Leuten, welche denen armen Bauers-Leuten mehresten Theils sehr überlästig, mit Klauben und Rauben ihren Unterhalt suchen, und mit ihrem Wahrsagen den einfältigen Pöbel bethören. Wessenthalben gar wohl die Satzungen Kaisers Caroli V. zu Augsburg auf dem Reichstag Anno 1549 geboten, daß man dergleichen Müssiggeher in Deutschland auf keine Weis‘ gedulden solle. Diese und alle Müssiggeher ins gemein seynd des Judä Iscarioths des Erz-Schelm nahe Brüder und Anverwandte.“

Vom KL-Platz im ersten Bezirk von Wien ist es ein kurzer Fußweg bis zum Stephansplatz im selben Bezirk von Wien in der Republik Österreich, an die Acht …

„Ich war, ich bin ein Glied“

Wer nach Walter Flex sucht, auch wenn schwer vorstellbar, daß irgendwer noch nach Walter Flex sucht, wird ungewollt auf Walter Flex stoßen, wenn etwa auf der Suche nach „Was keiner wagt“, und wird dann zu lesen bekommen, beispielsweise das von dem „Flex-Kult im Nationalsozialismus“, das von der Anpreisung seines Bruders Konrad Buch „Walter Flex – Ein Lebensbild“,

Walter Flex ein Lebensbild. genannt der Heldensänger des großen Krieges von Bruder Konrad Flex – „walter flex, dichtete und sang als er 1914 in den krieg zog. er dichtete und sang draußen an der front unter donner der kanonen. zwischen den schlachten schrieb er sein ergreifendes buch wanderer zwischen beiden welten, bei seinem heldentode auf der insel desel fand man in seiner kartentasche ein kapitale seines geplanten romanes wolf eschenlohr. der krieg tötete nicht den dichter in ihm , sondern das erlbenis an der front ließ ihn in die höhe wachsen. walter flex wurde heldensänger des großen krieges. das stärkste und schönste aber in ihm blieb auch im kampfgewühl sein reines und reifes menschentum. von diesem menschentum erzählt uns dr. konrad flex , des dichters bruder in seinem lebensbild, warm herzlich und innig im ton. wir erleben den dichter im schoße seiner familie, seiner jugendheimat und begleiten ihn in die berufsausbildung, in den beruf nehmen an seinen dichterischen plänen , hoffnungen, erfolgen teil, gehen mit ihm an die front und werden zeugen seines heldenmütigen sterbens. der dichter und der bruder läßt uns ahnen von den innersten gottgewirkten triebkräften , die für den dichter im soldatengewand maßgebend waren.“

eines Buches, dem die Gunst des Erscheines nur in der Mordszeit der Nationalsozialisten zuteil werden konnte.

Manche, die jetzt den Namen Walter Flex nicht selbst lesen, sondern vorgelesen bekommen, dabei nur so nebenher zuhören, werden nicht an Dichtung denken und fragen: Walter?Flex? Von Walter gibt’s auch eine Flex? Nein, von der in Thüringen gegründeten Waffenfabrik Walther gibt es keine Flex, aber u. v. a. m. die „P38“ … und wenn von dem Unternehmen Walther selbst zu lesen ist, am 1. November 2023, auf seiner Website,

Eine dünne Mappe Alles
Was Fritz Walther aus den
Kriegswirren retten
In der Nähe von Ulm der Neustart
Die Geschichte Fritz Walther wie
Damals sein Vater vor dem Nichts
Eine kleine Schusterwerkstatt

werden manche an Dichtung denken und darangehen, wie es bei Lyrik üblich ist, versuchen zu interpretieren, Fragen zu stellen. Wie groß war das Gebäude, aus dem Walther die „dünne Mappe mit Konstruktionszeichnungen und die Rechte an über 80 Patenten aus den Kriegswirren retten konnte“, war es eines in einem industriellen Komplex, nah oder fern von Ulm, in Neuengamme?

Nun, da es geklärt ist, daß nicht von einer Flex der Walther-Werke mit ihren Pistolen die Rede ist, sondern von Walter-ohne-h-Flex, kann weiter von ihm und seines Bruders Dichtung —

Und dann kommt Walter Flex wieder hervor, Jahrzehnte nach den massenmörderischen Verwüstungen und dem Untergang der Nationalsozialistinnen, wenn von einem per Haftbefehl gesuchten alternativen Budenburschen zu lesen ist, im Oktober 2023,

berichtet wird von dem per Haftbefehl gesuchten Parallelgesellschaftlichen und seiner parallelgesellschaftlichen Burschenschaft, denen Walter Flex —

Wäre Walter Flex nicht 1917 in einem Lazarett gestorben, hätte er gelebt, um irgendwelche Jahre zu nennen, gelebt bis 1945, gelebt bis 1975, und hätte er nach 1917 keine einzige Zeile mehr geschrieben, er wäre wohl dennoch zum lebenden Aushängeschild des deutschen reiches geworden,

wohl auch aufgenommen in Gottes Liste der Begnadeten, ihm treuergeben für alle Zeilen, die er ihm gesinnungsgemäß schrieb bis 1917 —

Aber, das darf durchaus angenommen werden, dieses ihm zugerüstete Deutschland hätte ihn erst so recht zu seiner gesinnungsgemäßen Höchstform auflaufen lassen, zu seinen reifsten Versgeschenken an ihn, seinen Heimatvolke gemachten …

Die Gunst seiner Verbreitung hat Walter Flex nie verlassen, bis zum Heute herauf, wurde ihm nie entzogen, auch mit dem „Projekt Gutenberg-DE“, einem Projekt, das nicht der sogenannten Parallelgesellschaft zugeschlagen werden kann, wird ihm, Walter Flex, die Gunst erwiesen, ihn vor dem Vergessen zu bewahren,

dem Erinnern anheimzugeben, Lesende zu schenken, das, gerade in Österreich, ein Magazin als ihre gesinnungsgemäße Pflicht auf dessen Schild geschrieben hat, seiner gesinnungsgemäß recht liebsten Dichtung weiter die Verbreitung als Beitrag zu sichern, für künftige Wiedertage des …

„Wolf Eschenlohr“, eine der Schriften des Walter Flex, auf „Projekt Gutenberg-DE“ veröffentlicht, zu der sein Bruder Konrad eine Einleitung schrieb, ist zu lesen am 1. November 2023, aus der ein paar Zeilen doch zu zitieren sind:

Die Antwort, die der Dichter damals gab, läßt sich in Verbindung mit späteren Äußerungen wie folgt zusammenfassen: Wie der Einzelne, so sind auch die Völker auf dieser Erde vergänglich. Aber so wenig man von dem Menschen sagen kann, sein irdisches Leben sei zwecklos, weil es nicht ewig ist, so wenig kann man es von dem Volke. Bei den Völkern wie bei den Einzelnen liegt der Wert des Lebens nicht in der Dauer, sondern im Inhalt. Der höchste Lebensinhalt aber besteht für den Einzelnen wie für das Volk, das ja nichts ist als die Vielen in organischer Verknüpfung, in der Hingabe an die Gesamtheit. Der Zweck der Gesamtheit liegt darin, diese Hingabe zu ermöglichen und dadurch dem Einzelnen wie dem Volke den höchsten sittlichen Lebensinhalt zu geben. Die Erreichung dieses Zweckes ist unabhängig davon, daß die irdische Erscheinungsform des Volkes vergänglich ist. Darum behält die Hingabe ans Vaterland ihren Ewigkeitswert für Ich und Volk, ob auch das Vaterland untergeht. Dem gleichen Gedanken wird in der zweiten Bismarcknovelle Ausdruck gegeben: »Umsonst? Es mag enden, wie es will – Ihr werdet Euer Brandenburg! Brandenburg! nicht umsonst gejubelt haben. Hat nicht der tote Begriff Vaterland lebendige Schönheit und Taten gezeitigt? Haben nicht tausend junge Menschen durch tausend Stunden menschlichen Lebens nicht an Leichtes und Leeres und Arges gedacht, sondern sind mit warmen und festen Herzen durch Tage und Nächte gegangen? Kann eine Zeit ›umsonst‹ sein, die aus dem sprödesten der Stoffe, aus dem menschlichen, Kunstwerke gemacht und sie auch denen offenbart hat, die sie wie Barbaren zertrümmern mußten?« Auch diese Ideen gewannen durch den Krieg vertieftes Leben. Schon im »Wanderer« klingt das Wort vom Schwerttod der Völker an. In dem Briefe vom 28. April 1917 heißt es: »Was ich von der ›Ewigkeit des deutschen Volkes‹ und von der welterlösenden Sendung des Deutschtums geschrieben habe, … ist ein sittlicher Glaube, der sich selbst in der Niederlage oder, wie Ernst Wurche gesagt haben würde, im Heldentode eines Volkes verwirklichen kann.« Unter den Notizen zum »Wolf Eschenlohr« aber findet sich die Stelle: »Sieg oder Tod darf keine Phrase sein. Im Kampf um die gerechte Sache muß ein Volk auch den eigenen Tod erleiden können, ohne an der sittlichen Weltordnung irre zu werden.

Der Endsieg des bösen Prinzips ist nur ein scheinbarer, das gute Prinzip hat sich zum Höchsten eben im Tode entwickelt und seine feinste Blüte getrieben, um derentwillen das Volk geschaffen worden war.«

Will man den Gedankeninhalt des »Wolf Eschenlohr« in einen Satz zusammenfassen, so kann man wohl sagen: Er sollte das Siegeslied jenes »unbeugsamen und zu keiner Konzession bereiten Idealismus« werden, der in allem Grauen des Krieges, im Tode und selbst im Gedanken an den Untergang des eigenen Volkes den Ewigkeitsglauben an Gotteskindschaft und Menschenbruderschaft festhält.

Dr. Konrad Flex, im März 1919 in Eisenach

Eisenach, Eisenach,
immer wieder Eisenach
mit seiner Wart
weiter
und weiter rundum
mehr und immer mehr
aufwerfende Hügelchen

Und der in Eisenach Geborene läßt seinen Eschenlohr

Die schwarze Fahne mit dem grauweißen Kreuz war ihm nicht fremd. Er kannte sie gut, die alte Kriegsfahne der Burschenschaft aus verschollenen Revolutionsjahren. Sein Großvater hatte sie den Bundesbrüdern vorausgetragen in den Zeiten, als der Traum vom deutschen Reiche Hochverrat gewesen war. Erzählungen, gierig in frühesten Kindheitstagen aufgesogen, Altmännergeschichten von Bütteldiensten und Brudertreue, Festungshaft und Kerkermauern umwitterten sie wie ein uraltes Schlachtenbanner. Im Geiste sah er den Großvater als Jüngling durch die Straßen von Erlangen schreiten, die schwarzweiße Fahne in Händen und das schwarzrotgoldene Band als ein verbotenes und verhohlenes Heiligtum auf der blanken heißen Brust unter dem kühlen Hemde. Wolf Eschenlohrs Augen hafteten still an der alten Fahne wie in ratloser Verwunderung. Es sah sich an, als fragte er sie schweigsam und dringlich aus: Was willst du von uns? Was willst du heute von mir, du Kampf- und Leidenszeugin verklungener Zeiten? Nur einmal von zehn zu zehn Jahren entfaltete sich die Sturmfahne der Burschenschaft bei den Jubelfeiern des Bundes über der nachwachsenden Jugend als schweigsame Mahnung aus harter Vergangenheit. Alte Fahne, was hat deinen Schlaf mitten zwischen den Festen gestört? Was entrollst du mit einmal in festlosen Tagen Kreuz und schwarze Seide? Was willst du von uns? Wolf Eschenlohr wußte wohl, warum die Burschenschaft ihre Fahnen wie zu einer Jubelfeier entfaltete. Die Erlanger Arminia rüstete den Brüdern das Abschiedsfest, ehe sie zum Kampfe an die Grenzen zögen nach Osten und Westen und auf die Stahlplanken der deutschen Schiffe.

die Fahne befragen, erzählen von —

Wolf Eschenlohr hätte sich am liebsten losgerissen. Aber er fand keinen Vorwand. Der junge jüdische Student mit seiner gutmütigen spöttischen Fistelstimme war vor Jahr und Tag in Sekunda und Prima sein täglicher Umgang gewesen, mit dem er auf dem Schulweg bis in Hausflur und Garten hinein schülerhaft hitzige Streitreden über Gott und Unsterblichkeit getrieben hatte. Heute lüstete es ihn nicht nach Zergliederung und Verteidigung dessen, was er empfand. Aber schon schritt Hirschberg neben ihm auf dem alten Schulweg unter den Kastanien der Wallpromenade und sprach auf ihn ein. »Ich will dir was sagen, Eschenlohr. Ich weiß recht gut, wie’s in dir aussieht. Du bist noch zu heiß für eine kalte Dusche. Aber eins sag‘ ich dir trotzdem: vergiß auch die andern nicht!« »Welche andern?« Hirschberg blieb stehen und blinzelte Eschenlohr durch die verschwitzten Gläser seines schiefsitzenden Goldzwickers an. »Nu,« sagte er behaglich, »die andern eben, die Herrschaften, die sich’s jetzt schon an den Fingern ausrechnen, wieviel sie an dem Zinksarg verdienen, in dem sie uns wieder nach Hause schaffen. Selig sind, die leeren Herzens sind, denn sie werden volle Beutel haben. Selig sind die Kaltschnäuzigen, denn sie sind nicht totzukriegen. Selig sind die Idealisten, denn sie soll der Teufel holen!« »Pfui!« sagte Wolf Eschenlohr. Es war ihm, als hätte er einen Schlag empfangen. Die Augen wurden ihm groß und die Haut spannte sich über seinen Schläfen, daß das blaue Geäder sichtbar wurde. »Püh!« lächelte Hirschberg. »Ihr heizt das Blut jetzt mit Begeisterung. Die andern wissen, daß wir im Winter Wolle brauchen werden. Na, nichts für ungut, Eschenlohr! Ich bin noch der Alte. Du weißt, ich halte mir gern den Kopf kühl und bin auch bei Fieber für kalte Abreibungen.« »Du meldest dich doch auch freiwillig –?« fragte Eschenlohr mit beginnender Streitlust. »Jawohl, Verehrtester. Aber das Notwendige tun und sich dafür begeistern ist zweierlei. Übrigens stände mir das schöne Feuer auch schlecht, wenn ich jetzt da drinnen, hager und haarig, meine Affenähnlichkeit zur Schau stelle. Aber meine Sehnen und Knochen nehmen sie doch. Auf Wiedersehen, alter Junge. Du weißt, ein Schubiak bin ich nicht.

„Goldzwicker“ kosten Geld, wohl viel Geld, und woher es nehmen? Nun, davon erzählt Walter Flex in „Der Wanderer zwischen beiden Welten“, wie auch am 1. November 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu lesen:

Mein Blick fiel zufällig auf Ernst Wurche. Er saß still in seiner Ecke, aber seine hellen, frohen Augen spielten mit der Maisonne um die Wette über die aufgeschlagenen Seiten eines Büchleins, das ihm auf den Knien lag. Es war sein Neues Testament. »Ernstel, schläfst du?« neckte ich ihn, da er’s so ganz verschmähte, an unsern Gesprächen teilzunehmen. Er sah voll und herzlich auf. Dann rückte er mir mit einer raschen, fröhlichen Bewegung das schwarze Bändchen hin und tippte mit dem Finger auf eine Zeilenreihe. »Der mit der Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten«, las ich. Ich glaubte ihn zu verstehen. »Italien?« fragte ich. Er nickte und tippte auf eine andere Stelle. »Da ging hin einer mit Namen Judas Ischarioth und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten . . . .« Ich nickte ihm zu, da warf er rasch ein paar Blätter herum. »Und das wird das Ende sein!« Sein Zeigefinger lag auf dem kläglichen Wort des Verräters: »Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.« Und weiter: » Sie sprachen: Was geht uns das an! Da siehe du zu!« Keine Spur eines finsteren Eiferers lag in seinem offenen Blick und seiner frohen Gebärde. Seine Seele war weit und voll Sonne, und er las die Bibelstellen nicht anders als in dem hellen, starken Geiste, mit dem wir Kriegsfreiwilligen den Mondregenbogen an Gottes Himmel schauten, als wir nach Frankreich hinausfuhren. Sein Christentum war ganz Kraft und Leben. Die religiöse Erweckung aus Feigheit war ihm erbärmlich. Er hatte eine stille, herzliche Verachtung für das draußen und daheim wuchernde Angst-Christentum und die Gebetspanik der Feigen. Von ihnen sagte er einmal: »Sie suchen immer in Gottes Willen hineinzupfuschen. Gottes Wille ist ihnen nicht so heilig wie ihr bißchen Leben. Man sollte immer nur um Kraft beten. Der Mensch soll nach Gottes Hand greifen, nicht nach Pfennigen in seiner Hand.« Sein Gott war mit einem Schwerte gegürtet, und auch sein Christus trug wohl ein helles Schwert. wenn er mit ihm in den Kampf schritt. Zur Stunde sah er seine blanke Schneide gegen die verräterischen Bundesgenossen fliegen.

»Wie es dem Manne geziemt, in kräftiger Lebensmitte zuweilen an den Tod zu denken, so mag er auch in beschaulicher Stunde das sichere Ende seines Vaterlandes ins Auge fassen, damit er die Gegenwart desselben um so inbrünstiger liebe; denn alles ist vergänglich und dem Wechsel unterworfen auf dieser Erde. Oder sind nicht viel größere Nationen untergegangen, als wir sind? Oder wollt Ihr einst ein Dasein dahinschleppen wie der ewige Jude, der nicht sterben kann, dienstbar allen neu aufgeschossenen Völkern, er, der die Ägypter, die Griechen und Römer begraben hat?

Und auch seinen „Kriegsgesängen“ wird auf „Projekt Gutenberg-DE“ die Gunst erwiesen, weiter und wieder veröffentlicht, wie einst und jetzt, so ein Titel von ihm, wie einst und jetzt wieder weiter und weiter, für ein Gedicht, mit dem er sein neues Sein feiert: „Ich bin nicht mehr ich selbst. Ich war, ich bin ein Glied“ …

Die Entscheidung, dies Flex’sche zu ziterieren oder nicht zu zitieren, kann nur so ausfallen, es kann zitiert werden, aber nur noch doppelt durchgestrichen —

„Sie spielen unser Lied“

Es soll für einen Moment angenommen werden, Daniel Halemba habe im Mai 2023 mitbekommen, daß auf dem Heldenplatz in Wien Konstantin Wecker begleitet von den Wiener Symphonikerinnen „Was keiner wagt“ singt, wie schnell würde er dann wohl auf die Bude seiner Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg gelaufen sein, um auszurufen: „Sie spielen unser Lied“ … dabei mit seinem Smartphone fuchtelt, auf dem er das Video der Übertragung vom Heldenplatz wieder und wieder abspielt, es allen, die gerade auf der Bude sind, vorzuspielen, bis alle seine Budenburschen ebenso gerührt wie er — „Sie spielen unser Lied“ …

„Sie spielen unser Lied.“ Und damit hätte Daniel Halemba

und seine Budenburschen ihm recht … sie kennen „Was keiner wagt“, sie kennen es recht gut, schließlich hat es einer von ihnen geschrieben, Walter Flex, jedenfalls für die Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg hat es Walter Flex geschrieben, so verkündet es die Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg, gelesen wieder am 30. Oktober 2023, sie kennen es nur von Walter Flex, für sie hat es Walter Flex geschrieben, für ihre „Ehre – Freiheit – Vaterland seit 140 Jahren“

Und sollte sie, mag das noch so unwahrscheinlich, unmöglich klingen, darüber wer aufklären, „Was keiner wagt“ habe nicht Walter Flex geschrieben, sondern Lothar Zenetti, werden sie, die teutonischen Budenburschen, schon wissen, wie sie bei ihrer Wahrheit bleiben, auf ihre Wahrheit verharren, für ihre Wahrheit fechten, er, Walter Flex, habe das Pseudonym Lothar Zenetti …

Vielleicht haben sie, die Budenburschen, denen die Welt mit Walter Flex aufgehört hat, sich weiterzudrehen, inzwischen die Mädelschaft zu Linz darüber aufgeklärt, daß Lothar Zenetti nur ein Pseudonym und auch sie, die Mädelschaft,

den für sie gesinnungsgemäß wahren Namen Walter Flex für „Was keiner wagt“ anführen sollten …

So unwahrscheinlich mag das gar nicht sein, daß auch ein Daniel Halemba mit rechtem Interesse verfolgt, was auf dem Heldenplatz, was in Wien, was in Österreich geschieht, in der Erwartung eines teutonischen Gebirgsmessias, und sind nicht alle diese Gesinnungsaugen auf Österreich gerichtet, auf das Land, aus dem dem Volke ein Kanzler gemacht werden soll …

Oh, was wäre das ihnen für ein Kanzler, mehr als ein Volkskanzler, noch ein Versekanzler

So unwahrscheinlich mag das gar nicht sein, daß der Schaften größte Sorge, wo in Deutschland gibt es solch einen Balkon wie den in Österreich auf dem Heldenplatzlichen, für ihn, um einst zu verkünden Deutschlands Heimkehr

NS Und jetzt werden sich vielleicht manche fragen, wer ist Daniel Halemba, dieser alternative Budenbursche … Dazu reicht es, ein wenig aus einem Bericht zu zitieren, von „BR24“ vom 30. Oktober 2023:

Der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Halemba ist am Montagmorgen verhaftet worden. Es geht unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung. Inzwischen hat der Ermittlungsrichter den Haftbefehl gegen den 22-Jährigen aber außer Vollzug gesetzt. Er sieht keine Flucht- und Verdunklungsgefahr als gegeben. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Fall im Überblick. Wer ist Daniel Halemba? Daniel Halemba, 22 Jahre alt, wohnt seit 2021 in Würzburg, dort wurde er zum Kreisvorsitzenden der AfD gewählt. Als jüngster Abgeordneter überhaupt zog Halemba bei der Landtagswahl am 8. Oktober im Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld für die AfD in den neuen bayerischen Landtag ein. Halemba studiert derzeit Rechtswissenschaften an der Fernuni Hagen und gehört der umstrittenen Burschenschaft „Teutonia Prag“ in Würzburg an, bei der es im September eine Razzia gegeben hatte. Was wird Halemba vorgeworfen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Mitglieder der Burschenschaft – unter anderem wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Seit Freitag wurde Halemba per Haftbefehl gesucht und am Montagmorgen gegen 8.00 Uhr im Raum Stuttgart, in Kirchheim unter Teck festgenommen. Halembas Anwalt Dubravko Mandić teilte bereits am Samstag mit, an „sämtlichen Vorwürfen gegen die Mitglieder der Prager Teutonia“ sei nichts dran, er habe Beschwerde gegen den Haftbefehl eingelegt. Nach der Verhaftung seines Mandanten am Montagmorgen forderte Mandić vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof per Eilantrag, den Haftbefehl gegen Halemba zurückzuziehen. Halemba müsse die An- und Abreise in den Landtag gewährt werden. Was heißt das für die erste Sitzung des Landtags? Fehlt Daniel Halemba bei der konstituierenden Sitzung im Landtag, hat das für seinen Status als Abgeordneter und Fraktionsmitglied zunächst keine Auswirkung. Auch die Fraktionsstärke der AfD bleibt unverändert bei 32 Mitgliedern. Sollte Halemba aufgrund einer späteren strafrechtlichen Verurteilung sein Mandat verlieren oder zurückgeben müssen, würde ein AfD-Kandidat auf seinen Platz nachrücken. AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner forderte am Sonntag, Halembas Teilnahme an der Sitzung müsse ermöglicht werden. Die AfD-Fraktion habe das Recht, sich „in voller Fraktionsstärke mit allen Mitgliedern zu versammeln“.

Von Herkulesmissionen und Herkuleszielen

Viktor Orbán wußte das schon, ehe er nach Wien zum „Österreicher Karl Nehammer“ auf Besuch kam, er könne ihm, Nehammer, bedenkenlos die Wahrheit über sein Vorgehen ins Gesicht sagen, daß er, Orbán, immer „nach einem kulturellen Konzept“ vorgehe, und die, die es kennen und dafür sind, freuen sich diebisch darüber, daß er es auch von Wien aus weiter widerspruchslos verbreiten kann, im Beisein des … und so viel Diplomat ist Viktor Orbán doch noch, daß er weiß, wo welche Formulierungen zu verwenden sind, es ihm zur weiteren Verbreitung nützlicher ist, sein „kulturelles Konzept“ nicht überall in zwar auch dieser Formulierung enthaltenen Wahrheit so deutlich zu verkünden, wie in Tusnádfürdő.

Kurz ist her, genauer, am 10. Oktober 2023, als Recep Tayyip Erdoğan dem „Österreicher Karl Nehammer“ die Wahrheit persönlich ins Gesicht sagen kann, und der „Österreicher“ darüber wohl erfreut, diese Wahrheit persönlich ins Gesicht gesagt zu bekommen:

„We expect closer cooperation from Austria in the fight against terrorism,” Turkish President Recep Tayyip Erdogan said at a news conference with Austrian Chancellor Karl Nehammer.

Das ist die Wahrheit, die Erdoğan im Beisein von Nehammer sagt, für den Kampf gegen den Terrorismus zu sein, er sich von Österreich eine enge Zusammenarbeit erwarte, im Kampf gegen den Terrorismus. Er, Erdoğan, sagt also ihm, Nehammer, die Wahrheit ins Gesicht, und er, Erdoğan, wird für sich möglicherweise denken, er, Nehammer, wisse, da es ja nicht erst seit kurzem kein Geheimnis ist, gegen wen in enger Zusammenarbeit zu kämpfen sei, also nicht gegen die „Hamas“, weil die ist für Erdoğan keine „Terrorgruppe“, sondern eine „Befreiungsgruppe“ … Was Israel für Erdoğan ist, das hat er am 28. Oktober 2023 auf seiner Demonstration vor Hunderttausenden von Menschen auch in aller Wahrheit ausgesprochen:

„You are an occupier. You are a group, not a state.“

Israel ist für Erdoğan „kein Staat“, sondern eine „Gruppe“. Und das heißt, eine „Terrorgruppe“.

Von Österreich erwarte er sich, eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus, sagt Erdoğan rund zwei Wochen zuvor, als Karl Nehammer

Erdoğan als Vermittler? „Ziel ist es, eine Einflussnahme zu erwirken – insbesondere auf die Hamas, um sich für die Befreiung der Geiseln einzusetzen“, äußerte sich Nehammer im Hinblick auf das militärische und politische Gewicht der Türkei in der Region vor dem Treffen mit Erdoğan.

hofft, daß Erdoğan auf Hamas einwirke. Wer gegen Terrorismus kämpft, kämpft gegen Gruppen, gegen Terrorgruppen, und wer für Erdoğan eine Terrorgruppe und kein Staat ist, das hat er an diesem letzten Samstag wieder mehr als deutlich … Damit wird er auf den Staat Hamas seine enorme Einflußnahme —

Und Karl Nehammer? Nun, Karl Nehammer erwarte sich nicht, daß seine Ziele Wirklichkeit werden, er, Nehammer, hofft, so reflektiert ist Karl Nehammer, daß er weiß, er ist nicht in der Position, sich etwas zu erwarten können, ein Erdoğan kann sich etwas erwarten, ein Putin kann sich etwas erwarten, er, Nehammer, kann sich nur etwas erhoffen, aber die Hoffnung enttäuscht bekanntlich zuerst. Seit dem Besuch von Nehammer im April 2022 führt Putin mit seiner Gefolgschaft weiter Krieg, auch wenn er, Nehammer, hoffte, er, Putin, werde augenblicklich das nehammerische Ziel zu dem seinigen machen, kaum daß er, Nehammer, Putin in seinen Privaträumen sagt, der Krieg ist zu beenden, und den Krieg augenblicklich beenden. Erdoğan werde augenblicklich das nehammerische Ziel zu dem seinigen machen, kaum daß er, Nehammer, Erdoğan in seinem Palast besucht, und auf die Staat Hamas einwirken, wie es sich Nehammer erhoffte, und nun ist Israel für Erdoğan kein Staat, sondern eine Gruppe, gegen die zu kämpfen er, Erdoğan, sich erwarte von …

Am 10. Oktober 2023 spricht Karl Nehammer nicht nur über sein Treffen mit Erdoğan in einem Fernsehinterview, sondern auch von einer Herkules:

Interviewer: Außen- und auch Verteidigungsministerium wollen helfen, es wird u. a. eine Hercules-Maschine auch dann freigegeben, für jene die das Land verlassen wollen.

Karl Nehammer: Es wird eine Evakuierungsmission vorbereitet zwischen Außenministerium und Verteidigungsministerium, die Transportmaschine wird von Seiten des Bundesheeres zur Verfügung gestellt, das Außenministerium organisiert für die Österreicherinnen und Österreicher, die das Land verlassen wollen, diese Möglichkeit von Israel nach Zypern.

Interviewer: Heute steht ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan auf dem Programm […]

Karl Nehammer: […] Präsident Erdoğan war ein wichtiger Mittler […] er hat die Istanbuler Friedensgespräche ins Leben gerufen, er ist nach wie vor ein wichtiger Vermittler, wenn es darum geht das ukrainische Korn aus den Häfen zu bringen, um es eben der Welt zur Verfügung zu stellen. Präsident Erdoğan und die Türkei ist ein wichtiger geostrategischer Partner für Österreich […] daher war es mir jetzt wichtig, diese Beziehungen weiter zu entwickeln, neu zu starten, und es gibt auch gute Anzeichen, daß es gute Fortschritte gibt.

Von der „Hercules“-Maschine brauchte Karl Nehammer nicht zu hoffen, daß sie abhebt, nach Israel fliegt, um von dort Menschen nach Zypern zu fliegen, von der „Hercules“-Maschine konnte sich Karl Nehammer erwarten, daß sie abhebt, fliegt, bei der „Hercules“-Maschine war Karl Nehammer in der Position, sich von ihr etwas zu erwarten, ihr das anschaffen zu können, von ihr konnte Nehammer erwarten, ist er doch auch ihr Bundeskanzler, daß sie sein Ziel zu dem ihrigen macht — aber …

Es wurde in diesem Kapitel nun nicht wenig davon erzählt, was alles Karl Nehammer gesagt werden, etwa von einem Orbán, aber auch davon, wie die Antwort auf das Hoffen von Karl Nehammer ausfällt, etwa von einem Erdoğan, wie auf das Erwarten des Karl Nehammer, wo er etwas erwarten darf, reagiert wird, etwa von einer Hercules … Es wurde auch erzählt von den Missionen und Zielen des Karl Nehammer — Herkulesmissionen und Herkulesziele einer Hercules …

Von Putin allerdings ist keine Antwort auf das ihm von Karl Nehammer gesagte Hoffen bekannt, Putin machte und macht, einfach wie kurz gesagt, weiter wie von ihm bekannt und zu erwarten. Einen Bericht zu dieser von Putin Karl Nehammer gewährten Audienz gibt es, der noch zitiert sein will:

Chancellor Karl Nehammer met with Russian President Vladimir Putin in Moscow on Monday afternoon. “The chancellor, the first European Union (EU) head of government to travel to Russia since the outbreak of war, also wants to address Putin about the “war crimes” in Ukraine during the talks,” reported Austrian media, citing officials. The meeting took place at Putin’s residence in Novo-Ogaryovo (not in Kremlin), Russia’s state agency TASS said. About 60 minutes later, at 3 p.m., the conversation was over. A statement from the Federal Chancellery stated that the talks with Putin were straightforward, open and tough. “I addressed the serious war crimes in Bucha and other places and emphasized that everyone responsible for them must be held accountable,” the Chancellor said in a statement presumably largely written before the talks.
Nehammer then emphasized that the sanctions against Russia would remain in place and be tightened further as long as people died in Ukraine. The politician also called for so-called humanitarian corridors to bring drinking water and food to the besieged cities. “But my most important message to Putin was that this war must finally end.” 
For a country worth mentioning in para above the footnotes of European history and as a Putin critic, Austria’s Chancellor had set himself ambitious goals for his mission. These included a ceasefire and the establishment of exit corridors for Ukrainians affected by the war. Later he admitted that talks are the only way ahead with Kremlin. Austria prides its role as a mediator during the Cold War before 1980. However, analysts doubt whether Austria would still be able to function as a bridge-builder today. Russians know that the small country no longer has any weight in the EU. It is no brainer why Putin did not react.

„It is no brainer why Putin did not react.“ Warum Putin nicht reagierte, das zu verstehen, ist kein Problem, ist ein Klacks, ist ein Kinderspiel, das versteht sich von selbst … In einem deutschsprachigen Bericht in Wien wäre die Nicht-Reaktion von Vladimir Putin auf Karl Nehammer wohl zusammengefaßt worden mit: Net amoi ignorieren

Unzensuriert auf Nehammer-Niveau oder Nehammer auf Unzensuriert-Niveau

Das ist die Frage. Und, wer nun wen inspiriert, Karl Nehammer die identitär gesinnungsgemäß zensurierte Website oder

die identitär gesinnungsgemäß zensurierte Website Karl Nehammer, mußte augenblicklich gedacht werden, als auf ebendieser Website am 25. Oktober 2023 der Kommentar zur „ökologischen ‚Gemeinwohlklausel'“ des Fußballvereins Osnabrück gelesen wurde.

Faßt sie doch alles in ihre Kommentarschlagzeile, das von Karl Nehammer bereits bekannt und ihm wichtig ist, das ihm nicht „bestraft“ werden darf, das ihm im „Autoland“ erlaubt sein muss:

Schnitzel
Auto

Es wird, einfach wie kurz gesagt, eher so sein, daß Karl Nehammer nicht die gesinnungsgemäß zensurierte Website befruchtet und die gesinnungsgemäß identitär zensurierte Website nicht Karl Nehammer befruchtet, sondern Weltanschauliches ihre Formulierungen einander ähneln lassen.

Beinahe wollte als Überschrift geschrieben werden: Unzensuriert auf Bundeskanzler-Niveau oder Bundeskanzlerin auf Unzensuriert-Niveau. Dies jedoch wäre für die gesinnungsgemäß zensurierte Website zu viel des Zutrauens, und für Karl Nehammer zu viel an —

Zum Schluß nur. Es wird Sie nicht überraschen, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website auch diesmal so lange in der „Gemeinwohlklausel“ des Fußballvereins Osnabrück

Dabei fließen in die individuelle Berechnung unter anderem die Länge des Arbeitsweges, wie dieser zurückgelegt wird oder auch Aspekte wie vegane oder vegetarische Ernährungsgewohnheiten ein. Die Kompensation erfolgt, indem der entsprechende monetäre Wert direkt vom Gehalt des Arbeitnehmers abgezogen wird.

herumstochert, bis sie das für sie gesinnungsgemäß Brauchbare aufgabeln kann.

Was für die gesinnungsgemäß zensurierte Website nicht verwertbar ist, ist die Klarstellung vom Geschäftsführer des Fußballvereins Osnabrück:

Wer sich für die Klausel in seinem Arbeitsvertrag entscheidet, erhält bis zu 750 Euro mehr Gehalt pro Jahr. Aus diesem Betrag werden die Co2-Emissionen aus dem Arbeitsweg ausgeglichen – sofern vorhanden. Das Gehalt wird nicht als Extra-Posten ausgewiesen. Die Summe ist Teil des verhandelten Grundgehaltes.

Jeder Mitarbeiter, der die Klausel unterzeichnet hat, kann auf der Webseite des Umweltbundesamtes mit Hilfe eines Rechners seinen persönlichen Co2-Wert errechnen. Wie reise ich zur Arbeit an? Wie wohne und heize ich? Wie sieht meine Ernährung aus? Esse ich viel Fleisch oder Milchprodukte, wenig oder mittel? Abgesehen vom Arbeitsweg, den der VfL erfasst, können die Mitarbeiter freiwillig entscheiden, welche Emissionen sie angeben, welche nicht und ob, beziehungsweise wie viele sie davon kompensieren möchten. Die Mitarbeiter können die Gesamtzahl ihres Co2-Ausstoßes (in Tonnen) eigenständig an die Personalabteilung des VfL weitergeben oder nennen nur den Betrag.

Ein Beispiel, das Welling nennt: „Bewältigt ein Mitarbeiter täglich 20 Kilometer Arbeitsweg mit dem Auto – einem normalen Verbrenner -, ist sein ökologischer Fußabdruck in einem Jahr mit 52 Euro belastet.“ Dieses Geld würde dann von den zusätzlichen 750 Euro des Gehalts abgezogen.

NS Bei Osnabrück muß menschgemäß sofort an Erich Maria Remarque gedacht werden, der vor 125 Jahren in dieser Stadt geboren wurde, der mit einem seiner Romane heute noch weltberühmt ist, dessen dieser weltberühmte Roman eben erst wieder einmal verfilmt wurde, dessen Titel wohl allen geläufig ist, auch wenn sie den Roman selbst nie lasen, ein zur Volksweisheit gewordener Titel: Im Frieden nichts Neues

Kriege, zwei, nur zwei wieder, die momentan alle Aufmerksamkeit bannen, wobei einer schon, so beschränkt ist die Aufnahmefähigkeit der Berichte Erstellenden und der Berichte Konsumierenden, daß einer von diesen beiden Kriegen allmählich in Vergessenheit zu geraten droht

Remarque hat nichts mit dem Fußballverein zu tun und schon gar nicht mit der den „Klimawahn“ gesinnungsgemäß anprangernden Website, aber diese Website gehört zu einer Gesinnungsgemeinschaft, die jene ehrend zu Lesen empfiehlt, die Remarques „Welterfolg als Dreck und Beleidigung des Frontkämpfertums“ beschimpfen.

Und weil dies alles in diesem Gesinnungseintopf der

Schnitzelautoehre,
Kampfesstolz
Freiheitseierei gegen „Zöpferl-Diktatur und Kriegsrecht“

verrührt ist, kann ein Nachsatz zu dem vor 125 Jahren in Osnabrück Geborenen nicht ungeschrieben bleiben.

„Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit – Politik in Österreich“

Am Vorabend der patriotischen Heimatausmärsche

wird über eine Studie berichtet, nach der der „Rassismus in Österreich stark gestiegen“ ist.

Welcher Tag eignete sich daher vortrefflicher für das Erinnern an seinen Essay „Fragen der Zeit – Politik in Österreich“, den Robert Musil vor einhundertzehn Jahren schrieb, als ebendieser 26. Oktober 2023 …

Bloß der Nationalfeiertag eignet sich dafür, aus seinem Essay „Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit“ zu zitieren, aus 1921, den Robert Musil also vor einhundertundzwei Jahren, in diesem schreibt

Robert Musil, dessen Geburtstag am 6. November zu feiern ist, über die „Zeugung von „Tischrassen“, die, in Fortführung seiner Beurteilung des „Rassegedankens“, ebenfalls nichts anderes als Rassismus gebärten.

Und kaum, daß es zum Nationalfeiertag graut,

schreibt schon der gar gegenwärtige Bundespräsident dieses Österreichs eifrig:

Ein großer Tag, ein wichtiger Tag für unser Land und alle, die hier leben. Ich wünsche Ihnen einen schönen, einen friedlichen #Nationalfeiertag!

Wir feiern heute unsere Heimat. Wir feiern Österreich.

Es fällt zu „Tischrassen“ unweigerlich die Bundesverfassung dieses Österreichs ein, in der „Tischrassen“ fehlt, aber nicht „Rasse“, auch weiter an diesem 26. Oktober 2023

Einem weiteren Mann des sogenannten offiziellen Österreichs ist es kein Anliegen, die „Tischrassen“ in die Verfassung zu schreiben, ist er doch von Wichtigkeiten beseelt, die in die Verfassung zu schreiben ihm dringlich — zur „Rasse“ das „Bargeld“ …

Und wem dabei die Bundesverfassung des Landes einfällt, kommt nicht umhin, vor allem den Mann zu würdigen, der wie keine zweite Person in diesem Land in diese Verfassung vernarrt ist, die ihm, steht sie vor ihm, so schön und so elegant dünkt,

aber von ihm ein wenig gekränkt wird sie wohl sein, jedoch, vornehm wie sie ist, wird sie darüber schweigen, daß er sie stets um ein Jahrzehnt älter macht, als sie ist

Nun genug, wesentlich ist, was Robert Musil vor einhundertzehn Jahren über die „Tischrassen“ zu schreiben sich genötigt sah, wohl,

ihm unwohl dabei, in Anbetracht eines noch mehr und mehr um sich greifenden, eines grassierenden, eines gestiegenen und bis in die tiefsten Tiefen weiter und weiter steigenden —

Es ist mir ferne, mich über die Rassenfrage verbreiten zu wollen, aber um zu ihrer ethischen Bedeutung zu gelangen, ist es allerdings nötig, an die theoretische Eigenart des Rassegedankens anzuknüpfen.

Wenn sich von einem bestimmten Augenblick ab die Tische durch Zeugung statt durch Bestellung vermehren würden, so würden wir alsbald aus den jetzt lebenden Tischen (und zwar mit der gleichen Evidenz, mit der wir in einem Friesen den Friesen erkennen) die Rassen der vierbeinig-rechteckigen, der einbeinig-ovalen und dergleichen mehr Tischrassen entstehen sehn. Es wäre gar nichts geschehn, als daß je zwei Tische einen dritten zeugten, der ihnen nach einem bestimmten Mischungsgesetz der Eigenheiten ähnelte und die Eigenschaft besäße, sich in der gleichen Weise weiter fortzupflanzen. Daß dabei ein Teil der Eigenschaften während mehrerer Generationen bloß in den Keimanlagen weitergereicht werden kann, ohne sonst in Erscheinung zu treten, ändert gar nichts daran, daß sich alles nur zwischen und an Individuen abspielt. Bei der ganzen Angelegenheit hat die Rasse nichts zu tun, als daß sie schließlich da ist, weil sie gar nirgends anders sein kann; so wie der Regen da ist, wenn Tropfen vom Himmel fallen. Sie selbst hat keine andere Möglichkeit, in das reale Sein einzutreten, als durch die Individuen, und keine andere[n] Wirkungen als die Wirkungen von Individuen; eine solche Existenz ist aber eben eine nur gedachte, ein Kollektivbegriff. Natürlich gibt es Rassen, aber die Individuen bilden die Rasse.

Ist das der Sachverhalt, so ist seine Umkehrung durchaus nicht berechtigt, und diese fast theologische Verdrehung lautet: das Individuum wird von Rassen gebildet. Bekanntlich ist gerade diese Formel die des Alltagsgebrauchs.

Es bleibt nach ihr von einem Menschen so wenig übrig wie von einem Strumpf nach Abzug der sich verkreuzenden Maschen. Meist mag es ja nur eine Bequemlichkeit der Verständigung sein, wonach ein Mensch zuerst durch seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe gekennzeichnet wird – kann es die Familie X sein, warum also nicht auch die germanische Rasse? –, und es klingt uns heute schon fast natürlich, wenn Bismarck sagt, »das Fällen von Bäumen ist kein germanischer, sondern ein slawischer Zug«, oder ein jüdischer Kritiker von Wassermanns Buch Mein Weg als Deutscher und Jude behauptet, »es ist für einen Juden unmöglich, ein rein deutscher Künstler zu werden«: trotzdem ist es gerade in den harmlosen Fällen ein gefährliches Zugeständnis an eine lasterhafte Denkgewohnheit. Man kennt ja jene Literatur, die sie verursacht hat und von ihr verursacht wurde. Sie hat nicht Schädelindizes, Augenfarbe und Skelettproportionen, was nur wenig Menschen anlockt, zum Gegenstand, sondern Eigenschaften wie religiösen Sinn, Rechtlichkeit, staatsbildende Kraft, Wissenschaftlichkeit, Intuition, Kunstbegabung oder Toleranz des Denkens, von denen wir insgesamt kaum anzugeben wissen, worin sie bestehn, und spricht sie mit Hilfe eines anthropologischen Küchenlateins den angeblichen Rassen zu oder ab, weil sie glaubt, der Nation Würde durchs Ohr flößen zu können, wenn sie mit der Stimme der Jahrtausende vor ihr bauchredet.

Hier muß das Zitieren aus dem Essay von Robert Musil kurz unterbrochen werden, spricht er doch von dem „anthropologischen Küchenlatein“, das über einhundert Jahre später in Österreich immer noch gesprochen wird, am Stammtisch wie im Bundesministerium für „Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz“

Man wird nicht leugnen können, daß ein gut Teil unseres nationalen Idealismus in dieser Denkkrankheit besteht.

Wohin das führen muß, ist nicht schwer zu sehen. Wenn im Guten und Bösen für alles nicht der einzelne verantwortlich gemacht wird, sondern die Rasse, wirkt das genau so, wie wenn man sich immer auf einen anderen ausredet; die Folge ist nicht nur, daß Wahrhaftigkeit und intellektuelle Feinheit abstumpfen, sondern eine Entartung aller Keimzellen der Moral. Wo die Tugend durch Prädestination zum Nationaleigentum erklärt wird, ist der Weinberg des Herrn expropriiert, und niemand braucht fortab in ihm zu arbeiten. Es wird dem einzelnen vorgeschmeichelt, er besitze alles Wünschenswerte, so er sich nur auf die Tugenden seiner Rasse besinne: offenbar ein moralisches Schlaraffenland, unser glückliches Deutschland, wo die gebratenen Tugenden ins Maul fliegen!

Schwieriger scheint sich erkennen zu lassen, woher es kommt. Man sagt Antisemitismus, aber das ist fast nur ein anderes Wort für die Erscheinung selbst; das Wesentliche ist, daß sich hinter ihr ein echter Idealismus birgt, ein typischer Fall jenes regressiven Ideenbedürfnisses, das jeden Gedanken auf ältere, ewige, für erhaben geltende zurückbezieht statt ihn auszudenken; kurz eben das, was hierzulande für Idealismus gilt. Das erzeugt den Menschen mit dem festen Rezept und den erhaben einfachen Regeln, der sich des geistigen Erlebens überhebt, den Pharisäer. Es ist bei uns ein sonderbares und äußerst gefährliches Verhältnis entstanden: die Respektlosigkeit vor dem Geist im Namen des deutschen Geistes. Weite – und fast möchte man sagen die bestwilligen – Kreise unseres Volks haben es verlernt, eine Leistung nach ihrem Gehalt zu empfinden, und prüfen sie nur nach ihrer Herkunft und darauf, wie sie ins System der Vorurteile paßt; es wird das Weite am Engen gemessen, der mannigfaltige Geist an einer seiner Ausgeburten; die Aufmerksamkeit hat sich von den Werten zu ihren Nebenumständen abgewendet, von der Wirklichkeit zur Hypothese, und es hat sich derer, die zu folgen berufen sind, eine sektiererisch anmaßende Besserwisserei bemächtigt. Da mit etwas so Urtümlichem, wie es die Rasse ist, überdies nur urtümliche Tugenden verknüpft sein können, werden schließlich auch die Geister, welche sich des gleichen Bluts berühmen dürfen wie ihre Richter, nicht mehr ans Ohr der Nation gelassen, falls sie nicht so schreiben wie Herr Walter Bloem oder so denken wie Herr Hilthy [= Carl Hilty?], also nicht treu, tapfer, keusch sind und mit weiteren fünf deutschen Indianertugenden ihr Auslangen finden.

Auf diesem Wege des Idealismus ist der Rassengedanke zur deutschen Selbstbeschädigung geworden und saugt der Nation in jahrzehntelangem Mißbrauch das Mark aus.

„… der Michel erwacht …“

Am 1. April 1933 soll er in Wuppertal Mitinitiator einer der ersten Bücherverbrennungen in Deutschland gewesen sein. Als Autor spielte er in der Nazizeit kaum eine Rolle, aber er schrieb den Nazis nach dem Mund. So fabulierte er von der Überlegenheit der weißen Rasse. Seinen Roman „Brüderlichkeit“ verleugnete Bloem fortan und seine veränderte Sicht auf die Juden begründete er 1935 unter anderem folgendermaßen: Juden, für die er sich eingesetzt habe, nämlich „nationaldeutsche Juden“, gebe es nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz. 1921 war er bei einem Treffen einer Burschenschaftsvereinigung noch der einzige gewesen, der dagegen war, Juden auszuschließen.

Vor Hitlers Judenpolitik verschloss er die Augen. Als er in Berlin seinen jüdischen Zahnarzt mit dem gelben Stern auf dem Straßendamm gehen sah, sei er zwar errötet, aber habe sich gedacht: „Der Führer weiß, was er tut.“ Er rechtfertigte „Härte, Grausamkeit und Zerstörungswillen“ der Nazis.

Interessanterweise wurde er erst 1938, auf persönliche Intervention Goebbels, in die NSDAP aufgenommen. 1941 schrieb er in einem Gedicht „Mein Führer! In der Symphonie deines Werkes töne ich mit/so will kein Mißton sein./In der Kraft deines Schwertes bin auch ich enthalten./So will ich ein edles Stahlmolekül darin sein.“ Das Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 nannte er eine „Rattentat“.

Sie waren, wie Bloem, und übrigens auch Leo Weismantel, unter den 88 Schriftstellern, die am 26. Oktober 1933 in der Vossischen Zeitung Hitler „das Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ leisteten. Beschimpfte Erich Maria Remarques Welterfolg „Im Westen nichts Neues“ als Dreck und eine Beleidigung des Frontkämpfertums.

In einem offenen Brief im September 1932 wütete er auch gegen Heinrich Mann. Leute wie dieser sollten sich vorsehen: Michel sei erwacht und schicke sich an, „in seinem Hause Großreinemachen zu veranstalten“. Seine Rhetorik und seine Haltung näherten sich mehr der der Nazis an. Bloem wurde zu einem glühenden Hitler-Verehrer und freute sich auf die Herrschaft der Nazis.

Im Kapitel „Selektion der Geschichte in der freiheitlichen ZZ“ mußte von Walter Bloem schon einmal erzählt werden, so ist das oben Zitierte nichts Neues, sondern schon einmal zitiert worden, in ebendiesem Kapitel „Selektion“ …

Und nun ist Walter Bloem so viele, viele Kapitel später wieder Figur eines Kapitels, nicht aber, weil es von der „freiheitlichen ZZ“ etwas Neues zu berichten geben würde, das gesinnungsgemäß auch nicht möglich ist,

sondern weil von einer weiteren Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu erzählen ist, von dieser seltsamen Auswahl biographischer Angaben auf „Projekt Gutenberg-DE,

und auch das, kann mittlerweile gesagt werden, ist schon, nach etlichen Stichproben auf „Projekt Gutenberg-DE“, nichts Neues …

Wieder eine Selektion, diesmal in der Preisgabe der Biographie des Walter Bloem auf „Projekt Gutenberg-DE“, mehr als dies

Walter Julius Gustav Bloem wurde am 20. Juni 1868 in Elberfeld geboren und starb am 19. August 1951 in Lübeck. Er war ein deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Rechtsanwalt.

wird, ist am 25. Oktober 2023 zu lesen, auf „Projekt Gutenberg-DE“ von Walter Bloem nicht

Ein Nachruf

Sebastian Kurz hat selbstverständlich keinen Nachruf auf sich selbst geschrieben, sondern einen auf Christian Pilnacek. Am 21. Oktober 2023.

Christian Pilnacek war ein Beamter. Er war kein Politiker. Es ist daher bereits der Beginn falsch, der erste Satz „Politik ist …“

Solch ein erster Satz paßte in einen Nachruf auf eine Politikerin, aber nicht in einen Nachruf auf einen Beamten; so liest sich der Nachruf ab seinem ersten Satz bereits, als wäre es ein Nachruf auf einen Politiker, als würde er sich einen solchen Nachruf auf sich selbst wünschen, wenn er dereinst in fünfzig, sechzig, siebzig Jahren gestorben sein wird, den Sebastian Kurz vorsorglich Jahrzehnte zuvor in seinem wesentlichsten Lebensabschnitt selbst schreiben zu meinen muß.

„Er war ein wahrer Diener des Staates.“

„Seine Expertise, sein fundiertes Wissen sowie sein Dienst an der Republik haben …“

„Es ist zu hoffen, dass von […] nicht die falschen Vorwürfe gegen seine Person bleiben, sondern sein großes Wirken […].“

„Wir alle sollten ihm ein ehrendes Andenken bewahren und ihm für seine Verdienste um die Republik immer dankbar sein.“

Der Wunsch nach einem Denkmal klingt da durchaus mit. Und welcher Platz wäre geeigneter, ihm einen Stein aufzustellen, als auf dem Kahlenberg?

Bis es aber soweit ist, in vierzig, in fünfzig, in sechzig, in siebzig Jahren soll ihm sein Nachruf in seiner gegenwärtigen Lage schon einmal nutzbar sein.

Und zugleich ist dieser sein Nachruf sein Vermächtnis, das er bereits jetzt, fünfzig, sechzig, siebzig Jahre vor seinem tatsächlichen Ableben formuliert:

„Politik ist ein herausforderndes Geschäft und bringt viele an ihre Grenzen.“

Sein Vermächtnis also: „Politik ist ein herausforderndes Geschäft.“

Aber auch zugleich seine Bilanz: „Bringt viele an ihre Grenzen.“

Die „menschliche Komponente“, die Sebastian Kurz in seinem Vermächtnis seines geschäftlichen Wirkens, im Eingeständnis seiner „Grenzen“ einmahnt, wohl in der Hoffnung, sie werde ihm gerade jetzt entgegengebracht werden, hat er selbst immer wieder auf eine Weise die „menschliche Komponente“ — Kindern gegenüber etwa

Was für eine „menschliche Komponente“, Kindern in solchen Stätten

Die „menschliche Komponente“ einzumahnen, das mahnen vor allem Menschen der „Politik“ ein, wie etwa Peter Thiel,

mit dem Sebastian Kurz über die „menschliche Komponente“ wohl im recht regen und fruchtreichen Austausch, auf einem derart hohen Niveau, daß es etwa für einen Erhard Busek unmöglich war, dazu eingeladen zu werden, an solch einem thiel’schen politischen und kurz’schen geschäftlichen …

Und auch ein Heinrich Neisser wird auf eine Einladung eines Thiel vergeblich warten, wobei angenommen werden darf, daß er auf eine solche nicht

Und doch braucht gerade die „menschliche Komponente“ viele für sie Streitende, und es gibt, welch ein Segen, eine Person, die sich erst vor Kurzem empfahl, die dritte im Bunde sein, eingeladen zu werden vom politischen Thiel und vom geschäftlichen