„Für das wirtschaftliche Comeback Österreichs nach der Krise benötigt es einen noch nie dagewesenen nationalen Kraftakt und nicht irgendeine Einzelmaßnahme.“
Eine „Einzelmaßnahme“ des „nationalen Kraftaktes“, in dem die ÖVP ihr Heil zu suchen gewillt ist, könnte eine „Erbschaftssteuer“ sein, könnte eine „Vermögenssteuer“ sein.
Beinahe wollte Ärger über die Polizei aufkommen, als zwei Polizisten und eine Polizistin einen Menschen, der lesend ganz allein auf einer Wiese saß, in einem Radius von mindestens vierzig Metern um ihn herum kein zweiter Mensch, nur der Mensch mit seinem Buch allein, weit entfernt von allen anderen Menschen im Park, auch kein Hund, keine Katze hielten sich innerhalb dieses Umkreises von vierzig oder gar fünfzig Metern auf, in der Zeit der Beobachtung dieser Szene kam nur ein Insekt einmal bis sieben oder sechs Meter an den lesenden Menschen heran, dazu anhielten, sofort den Park zu verlassen, in der Sekunde nach Hause sich zu begeben, da es nur drei Gründe geben würde, das Haus zu verlassen, nämlich Einkauf, Arbeit und Unterstützung von anderen Menschen.
Lesen ist kein Sport und ein Buch keine frische Luft …
Sie vergaßen dabei allerdings auf zwei weitere Gründe, nämlich auf Sport im Freien und auf das Schnappen von frischer Luft, wie es der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich taxativ aufzählt. Es kam aber kein Ärger über die Polizei auf. Die vergeßliche Polizistin und die zwei vergeßlichen Polizisten zählten zwar nicht alle erlaubten Gründe auf, um die Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung verlassen zu dürfen. Aber in angestrengten Zeiten sollte doch die Nachsicht erste Tugend sein.
Das Lesen von Büchern außerhalb von Zimmer-Küche-Kabinett jedoch gehört nicht zu den erschöpfend aufgezählten Gründen, die es erlauben, in das Freie sich zu begeben.
Die zwei Männer und die Frau der Polizei befolgten also, wie es sich für nehammerische Unterstellte geziemt, bloß die Direktive des zurzeitigen Bundeskanzlers.
Äußerst beunruhigend also, wenn die für wenige Wochen beschränkt notwendigen Maßnahmen blieben, weit darüber hinaus, ohne Notwendigkeit wie jetzt, um eine sogenannte Krise nur von kurzer Dauer sein zu lassen.
Das wäre dann tatsächlich ein „Kulturwandel“, wenn diese Maßnahmen in einem Jahr, in zwei Jahren und in den Jahren darauf weiter in Kraft blieben, das wäre dann tatsächlich ein „Kulturwandel“, beschönigend gesagt, das richtige Wort dafür wäre Überwachungsausbau.
In Büchern kann gelesen werden, daß es noch kein „Kulturwandel“ ist, wenn Maßnahmen für ein paar wenige Wochen gesetzt werden, wenn Maßnahmen auf ein paar wenige Wochen beschränkt sind.
Sie kennen die Geschichte von Ostern. Ein Mann wird ermordet. Der tote Mann wird in ein Grab gelegt. Dann, plötzlich, seine Leiche ist verschwunden. Der Mann soll sich Menschen, die sehr an ihm hängen, einmal noch zeigen. Lebend. Für ein paar Momente. Sie sehen ihn. Die, die an ihm gar so hängen, meinen, er sei von den Toten auferstanden. Wenn ein Verlust derart schmerzt, bleibt als Rettung – um nicht wie Ziegen zur Zeit des Vulkanausbruches auf Lanzarote mit dem Kopf gegen Felsen zu rennen, immerzu den Kopf gegen Felsen zu schlagen, so lange, bis endlich die Erlösung durch den freiwillig gesuchten Tod – nur die kollektive Schaffung einer eigenen Wirklichkeit. Sie aber wählen das Sehen des ermordeten als auferstandenen Mannes.
Seit diesen Tagen vor, mit dem Daumen gerechnet, zweitausend Jahren sah kein Mensch mehr diesen ermordeten Mann lebend. Alle Achtung, wenn es ihm gelang, für ein paar Momente aufzuerstehen, von den Toten zu den Lebenden zurückzukehren. Eine beachtliche Leistung war ihm dennoch mit dieser einmaligen Auferstehung gelungen. Auch wenn es keine Auferstehung für ewig war, das ewige Leben ein Traum der Menschen, die an ihm …
Eine Auferstehung für ein paar Momente zu nehmen, um Zuversicht zu verbreiten, wie nun in Österreich ein Mann etwa im Alter des seinerzeit am ewigen Leben Gescheiterten es mit der Auferstehung versucht, nun, das ist eine Zuversicht, mit der mit Bangen in die Zukunft …
„Die Osterwoche wird eine entscheidende Woche für uns sein. Entscheidend dafür, ob die Wiederauferstehung nach Ostern, wie wir sie uns alle so wünschen, so möglich sein kann.“
Denn. Es darf dabei nicht übersehen werden. Der Auferstehung für Momente geht ein Mord voraus. Ein Mord zwar, der durch ein Urteil gedeckt zu sein scheint. Durch eine Verhandlung aber, die nur jenen ein ordentliches, ein rechtsstaatliches Gericht ist, weil es recht nach deren Geschmack und Gesinnung ist, ihr Begehren nach Willkür gänzlich befriedigt.
An diesem 6. April ’20 hinterließ des Ermordeten Nachfolger sichtbare Zeichen seiner Auferstehung. Auf der Landstraße. Unweit der Türme, von Gescheiterten einst für die Ewigkeit gebaut.
„27 Die Männer gaben den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Unzucht. (Römer)“
Was aber für eine beachtliche Leistung von diesem Mann. Kaum auferstanden als Mann der Handschriftkultur lernt er rasch die neuen Techniken. Schreibt den Auszug aus einem seiner Briefe mit einer Schreibmaschine, oder gar mit einem Computer. Mit einem Computer. Zur bequemeren Vervielfältigung. Um es gleich noch auf weiteren Säulen auf der Landstraße zu kleben. Seine Auferstehung dürfte ihn doch sehr ermüdet, erschöpft haben. Denn. Es fehlt ihm offensichtlich die Kraft, seine Korrektur abzutippen. So kurz erst unter den Lebenden und schon beherrscht er die Technik des 21. Jahrhunderts: copy and paste …
Die Korrektur seines einstigen Briefes dürfte ihm doch nicht so ein großes Anliegen gewesen sein. Sonst hätte er kaum auf die seit Jahrhunderten bekannte Fassung zurückgegriffen, die er mit copy and paste sich herrichtete für das Überkleben von vielen Plakaten auf der Landstraße.
„Die Reisefreiheit der Österreicher soll diesen Sommer stark eingeschränkt bleiben. Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte am Samstag gegenüber mehreren Zeitungen, darunter den ‚Oberösterreichischen Nachrichten‘: ‚Solange es keine Impfung oder keine wirksamen Medikamente gibt, wird uns diese Krankheit begleiten. So lange wird es auch die Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben, nicht geben.‘ Man könne die Krankheit nicht besiegen, nur um sie dann fahrlässig aus anderen Ländern wieder zu importieren, sagte der Kanzler.“
Erklärt der zurzeitige Bundeskanzler am Samstag.
Am 4. April ’20.
„Nur 3,5 Prozent der bisher in Österreich festgestellten Infektionen haben ihre Quelle wahrscheinlich im Ausland, insgesamt 306 Personen.“
Erklärt Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), am Donnerstag. In einer Pressekonferenz im Beisein von Gesundheitsminister R. Anschober.
Am 2. April ’20.
Nur zwei Tage später also ist dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich klar, die „Reisefreiheit soll eingeschränkt“ werden, um nicht „die Krankheit“ fahrlässig“ …
… „fahrlässig aus anderen Ländern wieder zu importieren“ …
In anderen Ländern in Europa Menschen zu empfehlen, es sich doch vielleicht genauer als bisher zu überlegen, wohin sie im Sommer reisen möchten, ist eine durchaus verantwortungsvolle Empfehlung, sie zu informieren, ohne Androhung behördlicher Einschränkung der Reisefreiheit, daß das Land Tirol für diesen Sommer ein nicht unbedingt ideales Reiseziel …
Es war wohl von ihm als eine patriotische Ablenkung gemeint gewesen, nachdem mitgeteilt wurde, daß „nur 3,5 Prozent der Infektionen in Österreich aus dem „Ausland“, damit aber 96,5 Prozent der Infektion aus dem „Inland“ in Österreich … Das ist einerseits zwar rührend, andererseits aber doch nichts anderes als das Vernadern des Auslandes.
Die Anregung des zurzeitigen Bundeskanzlers wird aber doch gerne bei der diesjährigen Sommerreiseplanung aufgenommen werden. Diese seine Anregung erleichtert die Planung auch ungemein. Es muß jetzt gar nicht mehr überlegt werden, den heurigen Sommer im Land Tirol zu verbringen, vom Burgenland in das Land Tirol zu reisen, es bleibt bloß noch zu entscheiden, ob es diesmal Dänemark oder doch Island wird.
„Immer wieder werde ich in diesen Tagen gefragt: Ist Corona eine Strafe Gottes? Schickt uns Gott dieses Virus als Vergeltung für all unsere schlechten Taten? Rechnet Gott ab mit seiner Welt? Erleben wir gerade so etwas wie die ägyptischen Plagen, von denen die Bibel berichtet? Ein Strafgericht Gottes? Natürlich bewegen solche Fragen auch mich. Welche Antwort finde ich selber? Zuerst versuche ich es mit einem nüchternen Blick: Seuchen hat es immer gegeben, sie gehören zur Natur. Und dank medizinischer Forschung und Entwicklung können heute Seuchen besiegt werden. Wir hoffen alle, dass das auch mit Corona gelingen wird. Gott hat uns Verstand und Willen gegeben, damit wir mit den Herausforderungen der Natur gut umgehen. Dann aber stelle ich mir eine weitere Frage: Will Gott uns durch Corona etwas sagen? Ich glaube nicht, dass Corona eine Strafe Gottes ist. So kann ich mir Gott nicht vorstellen. Aber dass Gott durch Krisen bei uns anklopft und uns zum Nachdenken einlädt, das glaube ich fest. So habe ich meine eigenen Erkrankungen letztes Jahr erlebt. Jetzt kommt bald Ostern, Gottes großes Ja zum Leben. Daher glaube ich: Es wird gut werden!“
Das steht heute in der Umsonst, am 3. April ’20. Christoph Schönborn glaubt also nicht, „dass Corona eine Strafe Gottes ist“. Er glaubt damit den gültigen Schriften seines Organisierten Glaubens nicht. Denn zum Schriftkanon seiner Organisation gehört auch das „Alte Testament“, das
„ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.“
Die Plagen Gottes sind tatsächlich keine „Strafen“, wie Schönborn glaubt zu meinen. Sondern Erpressungen der abgefeimtesten Art. Erpressungen auf die krankeste Weise. Es will aber gar nicht darauf eingegangen werden, woran dieser Führer mit Rufnamen Gott gelitten hat, welchen psychischen Störungen er in seinem Erdensein ausgesetzt war, welche seelischen Verwundungen er erlitten hat, um eine derartig abwegige, abgründige, krankhafte Phantasie bei seinem Erpressen freigesetzt zu bekommen. Der Führer mit dem Rufnamen oder Spitznamen interessiert bei diesen Schriftkanonplagen absolut nicht, aber seine „willigen Vollstrecker“.
Obgleich ihr Führer es ihnen offen sagt, mehr als einmal offen sagt: „Geh hin zum Pharao; denn ich habe sein und seiner Großen Herz verhärtet“. Zugleich tischt er ihnen auf: „Das Herz des Pharao ist hart“. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken. Etwa darüber, daß der Pharao ihren Wunsch nicht erfüllen kann, weil sein Herz hart ist, deswegen hart ist, weil ihr Führer es ihm verhärtet hat. Etwa darüber, daß sie gegenüber dem Pharao einen Wunsch äußern, der nicht ihr Wunsch ist, sondern der von ihrem Führer ihnen eingeredete Wunsch, der nur ein Wunsch des Führers ist. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken. Daß ihre Forderungen an den Pharao nicht ihre Forderungen sind, sondern nur die Forderungen ihres Führers, der nur für sich diese Forderungen erfüllt haben will, auf die krankeste Art, auf die abgefeimteste Weise, durch Erpressung. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken, daß sie nur „willfährige Vollstrecker“ der abgründigsten Phantasien ihres Führers sind. Denn. Es ist nicht er, ihr Führer, der die Untaten ausführt, sie sind es, die seine Befehle willfährig umsetzen, für ihren Führer zu willfährigen Ausführenden der zehn Untaten werden, von der eine die „Viehpest“ ist — die „Pest“, eine, auf die immer wieder mit großem Glaubenseifer …
Keine Sekunde nachzudenken, das, wenn schon davon gesprochen werden will, ist die Strafe. Die selbstauferlegte Strafe der Vollstreckenden. Was für eine Zugerichtetheit, was für eine Hergerichtetheit der Vollstreckenden, seit dem ersten Aufkommen von einer Plage Gottes durch alle Zeiten bis zur Gegenwart von …
„Und Mose ging vom Pharao mit grimmigem Zorn. Der HERR aber sprach zu Mose: Der Pharao wird nicht auf euch hören, auf dass meiner Wunder noch mehr werden in Ägyptenland. Und Mose und Aaron haben diese Wunder alle getan vor dem Pharao; aber der HERR verstockte ihm das Herz, sodass er die Israeliten nicht ziehen ließ aus seinem Lande.“
Es sollte durchaus Seb. Kurz zum Vorbild genommen werden, sich also mit „anderen Sorgen“ zu beschäftigen, als ständig auf das Coronavirus zu starren, das ohnehin mit dem berühmten freien Auge nicht zu sehen ist, aber nicht, wie er, Seb. Kurz, um das total Fernliegende eines vollkommen Danebenliegenden, sondern tatsächlich um Naheliegendes, etwa darum, „Gerechtigkeit zu schaffen“.
„Gerechtigkeit zu schaffen ist uns als neue Volkspartei ein zentrales Anliegen. Darum wollen wir die Pflege langfristig sichern und das Gesundheitssystem stärken. Gerechtigkeit heißt aber auch, dass wir jene, die viel für unser Land leisten, entsprechend entlasten. Und ist es ein Anliegen, dass die Familien echte Wahlfreiheit und Frauen die gleichen Chancen haben.“
Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ aber zu diesem Bild sagt nicht mehr als tausend Worte, sondern alles. Das Bild zeigt keinen Boden für Gerechtigkeit. Sondern Wasser, in das die Gerechtigkeit …
Statt in Gerechtigkeit zu schwimmen, wie von der Zukunft einst erträumt, wird das Glück der Menschen sein, dem Ertrinken entgangen, für ein fortan karges Leben.
N. Fellner: „Jetzt hat die Bundesregierung diese Woche wieder neue Maßnahmen verkündet, u. a. eine Maskenpflicht in Supermärkten […] Noch härtere, noch schärfere Maßnahmen. Wie sehen Sie denn diese neuen Maßnahmen, sind diese Ihrer Meinung nach notwendig oder kommen die gar vielleicht zu spät oder hätte man schon früher diese Maßnahmen setzen müssen?“
H.-Kbr. Strache: „Wir erleben eine noch nie dagewesene Ausnahmesituation und natürlich kann man jetzt im Rückblick da oder dort vielleicht festhalten, daß nach den italienischen Entwicklungen, wenn es darum geht, die Grenzen auch wirklich zu schließen und dicht zu machen, wenn es darum geht, so wie auch in Tirol, wo ja Coronafälle evident gewesen sind, und man erleben mußte, daß Politiker, nämlich Verantwortungsträger, unverantwortlicherweise weggesehen haben und fahrlässig mit ihrem Verhalten zugelassen haben, dass es zu Ansteckungen gekommen ist. Wir hätten natürlich von Beginn an rasch die Risikogruppen speziell auch schützen und separieren können.“
Es ist in Österreich aber nicht das einzige Medium, das sich als Wahlhilfeanstalt für ein derartiges Personal mit der einzigen Kompetenz, „Ausnahmesituationen“ zu verschulden, versteht. Wie, um ein Beispiel noch zu bringen, ein weiteres Medium am 11. Februar ’20 veranschaulicht. Dieses Medium der Sorte Umsonst bringt nicht den Eurofighter-Fall als Aufmacher, sondern sein Aufmacher auf der ersten Seite ist „Strache nach Unfall auf Krücken“ …
Am 30. März ’20 sagt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich zu Hans Bürger, er habe, ehrlich, nicht die Zeit, im Moment habe er, ganz ehrlich, andere Sorgen, als sich mit Ungarn – ganz recht ehrlich …
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