Ausstellung, Saal Neulinggasse

Als Blickfang gleich beim Eingang Neulinggasse steht die „Familie“ von Margarete Hanusch. Als dauerte die „Große Deutsche Kunstausstellung“ an, als wäre Margarete Hanusch nach ’37 und ’38 noch einmal eingeladen worden, auch ’56 auszustellen. Als stünde der sehr alte und noch ein Jahr zu lebende Heinrich Hoffmann mit seinem Auftraggeber davor, der ihm gleich sagte, mache er auch schöne Bilder von der „Familie“, die unerschütterliches Abbild seiner idealistischen Gesinnung …

Als wäre bis heute darauf vergessen worden, den Saal Neulinggasse der „Großen Deutsche Kunstausstellung“ zu schließen …

Vielleicht war das Gottesmodell Hoffmanns zwar beglückt beim Anblick der hanusch’schen „Familie“, aber doch ein wenig unzufrieden; nur ein Sohn, wo er doch Dutzende von Söhnen in jeder Familie bräuchte für seine Opfer, die er dem Tod darzubringen habe … wenigstens statt der Tochter ein zweiter Sohn …

„Ein Drittel der Künstlerinnen gab 1937 München und Umgebung als Wohnort an, etwa jede Fünfte kam aus Berlin. Lediglich die Bildhauerin Margarete Hanusch wohnte außerhalb der Reichsgrenzen, in Wien.“

Da wird sich Margarete Hanusch zwar gesinnungsheimisch gefühlt haben, aber vielleicht doch ein wenig unsicher, fern von Wien.

Wie anders hingegen in Wien, im dritten Bezirk, im Saal „Neulinggasse“. Da sind sie unter sich. Nicht weit nach dem Eingang Wilhelm Frass mit seinen Skulpturen, dann gleich im Modenapark von Josef Müllner eine Figur – ein recht schöner Ort zum Verweilen … Stets dabei im sicheren Schatten der zwei Riesenwächterinnen …

Ach, lebte Margarete Hanusch noch, wie erfreut wäre sie wohl darüber, daß ihre Gesinnungsbotschaft der „Familie“ in Zeiten von Corona verbreitet wird, gerade im Saal „Neulinggasse“, tapfer und gesinnungsreich gegen Männer plakatiert wird, die beieinander liegen …

Das würde Margarete Hanusch nun wohl milde lächeln lassen, daß es einst wenige, aber doch einige Menschen gab, die ihre „Familie“ ablehnten. Und ist nicht gerade heute besonders Partei, kurz gesagt, Abbild ihrer idealistischen Kunst?

„In der Publikumsresonanz zeigt sich die Akzeptanz einer idealistisch-abbildhaften Kunst. An solchen Arbeiten wurde kaum Kritik – außer seitens einiger Künstler und Kritiker – geübt, und sie verblieben als ‚stille‘ Objekte. Zu den Ausnahmefällen gehört die Ablehnung der Skulpturengruppe ‚Familie‘ von Josef Bock und Margarete Hanusch: ‚Wie war es möglich, daß das Malheur mit der Blubo- (Blut-und-Boden-, I. N.) Plastik auf der Landstraßer Hauptstraße passieren konnte? (…) die als Rückfall in Zeiten erscheint, welche wir doch längst überwunden haben sollten.‘“

Sie, Margarete Hanusch, wird kein Smartphone gebraucht haben, um den Weg nach Hause in die Hafengasse zu finden. Wie einfach das Leben da noch war. Sie fand den Weg heim entlang ihrer Werke im dritten Bezirk. Und wen sie wer besuchen wollte, den beschrieb sie den Weg zu ihr einfach wie kurz anhand ihrer Werke. Vom „Mozart“ zur „Familie“ dann zur „Ährenträgerin“, eine kurze Rast auf der „Gänseweide“, dann weiter, ein wenig den „musizierenden Kindern“ zu hören, dann weiter, sich an dem Duett der „Lautenspielerin und Sängerin“ erfreuen und schon …

Ob sie dann bei Kaffee und Guglhupf sentimental erzählte, sie wäre zu spät geboren, um den Karl-Borromäus-Brunnen … wie hätte dieser doch in ihre Wegbeschreibung sich vorzüglich eingefügt, dieser so idyllische Platz mit den Nudelstilknaben zum Andenken an den Bürgermeister, dem es nicht vergönnt war, ihr die Hand zu reichen … ob ihr in München die Hände gereicht wurden von dem Fotografen und seinem Linsenboy …

Wie ist es möglich, daß das passieren konnte, „wegen des schlechten Erhaltungszustandes ausgeschieden“,

„Die ehemaligen städtischen Sammlungen erwarben 1942 Hanuschs Holzplastik Mädchen und 1943 ihre Holzplastik  Kämpfer, die aber wegen des schlechten Erhaltungszustandes inzwischen ausgeschieden wurde;  für das Liesinger Bad schuf die Künstlerin die Steinplastik Badende.“ 

Wien, Stadt der Badenden, die einander grüßen über Zeit und Tümpel hinweg …

Benjamin-„Netanyahu hat mich wachgerüttelt“

Wolfgang Sobotka hat in seiner vorvorvorvorgestrigen Rede im österreichischen Parlament davon, auch davon gesprochen, der Kampf gegen Antisemitismus sei nicht eine Sache des „überzogenen Nationalismus“, sondern „ein Kampf für die Demokratie“ …

Wie wäre es wohl um den „Kampf gegen Antisemitismus“ von der schwarzen Partei bestellt, regierte in Israel nicht Benjamin-„Netanyahu-hat-mich-wachgerüttelt“?

Aber es regiert in Israel nun einmal „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“. Und so bekommt der „Kampf gegen Antisemitismus“ der türkis getupften schwarzen Partei einen Ablaufzeitstempel, der ohnehin nicht ein „Kampf“, sondern Einsatz für „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ ist, eine kurze Episode sein wird, vorbei, wenn „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ nicht mehr regiert, sondern Repräsentantinnen einer liberalen Demokratie in Israel wieder regieren werden.

„Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ ist kein Repräsentant der liberalen Demokratie,

„Noch irritierender ist, dass Netanjahu Israel Stück für Stück aus dem Lager der liberalen Demokratien entfernt und sich immer öfter mit Autokraten und Diktatoren einlässt. Das mag etwa im Falle Russlands unerlässlich sein, weil Moskau inzwischen zum maßgeblichen Machtfaktor im benachbarten Syrien geworden ist.

Aber Netanjahu wirbt auch offensiv um Nationalisten wie Viktor Orban in Ungarn und die PiS in Polen, er unterhält beste Beziehungen zum Hindunationalisten Narendra Modi in Indien und rühmt sich seiner guten Kontakte zum rechtspopulistischen brasilianischen Premier Jair Bolsonaro. Und dann sind da noch die von den Amerikanern deutlich kritisierten chinesischen Investitionen in den Hafen von Haifa, die ein Sicherheitsproblem etwa für die US-Navy darstellen.

Das wirft die Frage auf, wo Israel sich international verortet, im sich zuspitzenden Kampf zwischen liberalen Demokratien und autoritären Regimen. Und ob der jüdische Staat, der seit seiner Geburt von der liberalen Weltordnung profitierte und von der Ordnungsrolle Amerikas wirklich gut beraten ist, auf Nationalisten in den USA und Europa setzen sollte, die offen gegen diese liberale Ordnung zu Felde ziehen.“

und das läßt erhellende Rückschlüsse zu auf das Verständnis von Demokratie der schwarzen Partei mit ihrem Anführer „Sebastian Kurz gratuliert Netanjahu als Erster“.

Um ein von „Sebastian Kurz gratuliert Netanjahu als Erster“ ausgeborgt verwendetes Wort aufzugreifen, es geht wohl in erster Linie um die Herstellung einer „Achse“ des Nationalistischen: „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“„Wer auf Orbán und Salvini herabschaut, zerstört die EU“„Who speaks our language?“„Keine Zeit für Demokratie“kurz gesagt, um die vier an der nationalen Tränke …

Es gehe, sagt Wolfgang Sobotka, nicht um einen „überzogenen Nationalismus“. Vollkommen richtig. Es gibt keinen „überzogenen“ Nationalismus. Denn. Nationalismus ist bereits an und für sich überzogen. Und für diesen will „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ kämpfen, der auch als „Zionismus“ bekannt ist, für den will er kämpfen, „gegen Antizionismus“ anzukämpfen“ … Und das ist auch zum derzeitigen Regierungsprogramm in Österreich erhoben, nicht nur unterschrieben von der türkis getupften schwarzen Partei, sondern auch von der derzeitigen zweiten Regierungspartei …

Wenn also Wolfgang Sobotka von diesem Umfeld, auf dem Nationalistisches gezogen wird, herausschreit, es gehe um „Kampf für die Demokratie“, dann hat er vollkommen recht, wenn er sagt, es gilt aufzustehen, „wir alle dagegen aufstehen“ …

Hof der Geschichte, Waidhofen an der Ybbs

„Ganz besonderer Respekt und Anerkennung gebührt dafür dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, aber auch dem jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie haben die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit gemacht.“

Das wurde zwar schon zitiert. Aber es ist eine derart außerordentliche Passage, daß diese besonders hervorgehoben werden muß, dieser gebührt ein eigenes Kapitel.

Martin Engelberg spricht am 8. Juli ’20 im österreichischen Parlament auch von „Verhöhnung“. Nun, wen will Martin Engelberg verhöhen, wenn er Franz Vranitzky und Sebastian Kurz in einem Satz des Respekts und der Anerkennung gleichauf nennt, und das gerade in diesem besonderen Zusammenhang? Will er damit Franz Vranitzky verhöhnen? Oder doch Sebastian Kurz, der gerade in diesem besonderen Zusammenhang in keiner Weise mit Franz Vranitzky je in einem Atemzug genannt werden kann.

Martin Engelberg spricht in dieser vorvorvorgestrigen Rede im Parlament von Geschichte, von dieser er wohl so viel weiß, daß ihm möglicherweise einiges durcheinander gekommen ist, denn wer zu viel weiß, erliegt ab und an Verwechselungen. Vielleicht wollte er, Engelberg, in Wirklichkeit Wolfgang Schüssel und Sebastian Kurz Respekt und Anerkennung zollen, die beide dem dunkelsten Kapitel der österreichischen Geschichte auf und davon sind, der eine mit Haider im Porsche, der andere mit Strache im Boot

Hingegen setzte Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzy nicht nur Jörg Haider und seine Partei vor die Tür, sondern auch erstmals die wichtigen Worte für einen österreichischen Bundeskanzler im Parlament und auch in Israel.

Dr. Franz Vranitzky wies damit der FPÖ ihren gesinnungsgemäß einzig angestammten Platz als stampfendes Deutschstilzchen draußen vor dem Bundeskanzleramt zu.

Diese besondere engelbergische Passage ist ein Prunkstück vom Hof der Geschichte in Waidhofen an der Ybbs, und wird wohl oft angefragt werden, ob es nicht als Leihgabe in die eine oder andere Ausstellung … ein Museum in Krems soll für seine nächste geplante Schau bereits angefragt haben.

Übrigens, für eine laufende Veranstaltung mit dem schönen Namen Ausschuß der Fragen soll bereits die Immobilienagentur Ibiza angefragt worden sein, ob sie nicht als Leihgabe ihr …

Die Rede in der Schreibtischlade für kommende Generationen

Es ist das Manuskript der Rede, die Wolfgang Sobotka vorgestrig im österreichischen Parlament mit heißem Atem hielt, rasch in Umlauf gebracht worden.

Auch eine Version des Manuskripts mit Korrekturen, wird vermutet, nach dem 8. Juli ’20 erstellt wurde.

Wer die Korrektur der Rede vornahm? Darüber gibt es nur Spekulationen.

Eine Vermutung ist, Wolfgang Sobotka habe die Rede nach eingehender Reflexion selbst einer Korrektur unterworfen. Nicht aber, um selbst die korrigierte Rede irgendwann noch einmal zu halten, sondern sie für spätere Generationen aufzubewahren, als Beleg, wie sehr er um die Geschichte des Landes wußte, wie sehr er ein wacher Mann in den Zeitenläuften gewesen, in denen er, ungenau kurz gesagt, politisch

Eine weitere Vermutung ist, daß eine Rhetoriktrainerin die Rede von Wolfgang Sobotka als Arbeitsunterlage vorbereitete für ihre Seminare: Erfolgreiche Reden schreiben. Hier gehen die Meinungen auseinander. Während einige meinen, die Redetrainerin werde die Originalrede von Wolfgang Sobotka als bestes Beispiel für eine erfolgreiche Rede in ihre Vorträge einbringen, meine andere, sie werde die korrigierte Sobotka-Rede …

Welche Vermutung näher an der Wahrheit ist, ist im Grunde einerlei. Denn wesentlich daran ist nur eines. Die breite und auf so unterschiedliche Art der Beschäftigung mit der Rede des Herrn Sobotka belegt eindrucksvoll, es ist eine bedeutende Rede, die nur ein wahrlich bedeutender Mann halten konnte, und Herr Sobotka ist ein bedeutender Mann.

Und es muß wohl weit in die Geschichte zurückgegangen werden, Jahrhunderte um Jahrhunderte, um einen derart ehrenwerten Mann zu finden, der es wagt, Mitten in der Gesellschaft derart ehrenwerte Reden zu halten, die bis an die Ränder …

Halbe Wahrheit ist null Wahrheit

Wer die Protokolle des gestrigen Waschgangs im österreichischen Parlament auf der Website des österreichischen Parlaments durchsieht, wird Halle erwähnt finden, aber nicht Hanau

„[…] genau an dem Tag, an dem in Halle ein rechtsextremer Terroranschlag auf eine Synagoge verübt wurde.“

Das war 2019.

Und 2020 in Hanau?

In Hanau kein Anschlag auf eine Synagoge, die Ermordeten keine … Und so sind die ermordeten Menschen in Hanau in recht österreichischer Allparteientradition nicht anzuführen, nicht erwähnenswert, wie diese ermordeten Menschen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart noch in der Zukunft so angemessen erwähnt werden, wie sie seit 1945 angemessen zu erwähnen wären, und auch erwähnt werden, aber nicht, kurz gesagt, in Österreich.

Was von diesen Menschen in Österreich sogar staatsrepräsentierend gerne gespielt wird, ist ihre Musik, wenngleich auch das nicht wirklich die Wahrheit ist, daß es nämlich ihre Musik ist, und wo diese Menschen gerne gesehen werden, ist in Österreich auf der Bühne, wenngleich auch das nicht wirklich die Wahrheit ist, daß es bei den Menschen auf der Bühne tatsächlich um diese Menschen handelt, sie werden gespielt von Schauspielern und Sängerinnen, wobei das allerdings kostengünstig ist, da sie sich keine Farbe ins Gesicht schmieren müssen, um diese darzustellen.

Beschlossen auch in diesem Jahr der Bau der „Namensmauer“ in Wien …

Wann wird es in Österreich einen Bundeskanzler wie Franz Vranitzy geben, der für diese Menschen das Wort ergreift, einbekennt die österreichische Schuld vor 1945, eingesteht das österreichische Schweigen und die österreichische Handlungslosigkeit nach 1945?

Den wird es in Österreich, in diesem, kurz gesagt, Portschyland nie geben, und es braucht nicht darauf gehofft zu werden, daß eine österreichische Bundeskanzlerin aus dieser Allparteientradition je ausscheren …

Manchmal ist eine Bescheidenheit einzumahnen, und es ist schlicht wie kurz zu sagen, es ist doch eine erfreuliche Entwicklung, wenn in Österreich nun mit der Namensmauer und mit dem Simon-Wiesenthal-Preis so vollständig die halbe Wahrheit Einzug hält, auch wenn halbe Wahrheit null Wahrheit ist, aber immerhin …

Und die Menschen, die in ganz Europa diffamiert, verfolgt, gejagt, getötet werden, auch noch Jahrzehnte nach 1945, können sich einstweilen weiter daran erfreuen, daß ihre Musik gespielt wird, auch wenn es nicht ihre Musik ist, daran erfreuen, sich auf den Bühnen und im Fernsehen zu sehen, auch wenn es nicht sie sind, die auf den Bühnen und im Fernsehen …

Waschgang in Österreich

„Engelberg zufolge gebührt vor allem dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky und auch dem gegenwärtigen Regierungschef Sebastian Kurz Dank dafür, dass sie den Kampf gegen Antisemitismus zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit erklärt haben.“

Martin Engelberg hat sich an diesem 8. Juli ’20 mit einer recht besonderen Rede im österreichischen Parlament hervorgetan.

Für ihn selbst wird das nichts Besonders sein. Er selbst weiß es besser, wie recht besonders er sich immer hervortut.

In seiner gestrigen Fürrede im Parlament für einen „Simon-Wiesenthal-Preis“ fragt er, Engelberg, „wie wenig Geschichte kann man kennen, daß man so einen Antrag stellt“, der selbst gefragt werden kann: wie wenig Gegenwart könne gekannt werden, daß …

Engelberg spricht Friedrich Peter an, der nicht dritter Nationalratspräsident werden konnte, weil es damals einen Aufstand der Zivilgesellschaft gegeben habe.

Martin Engelberg, seinen Worten folgend, wird vor nicht einmal einem Jahr im Parlament genauso aufgestanden sein, um Norbert Hofer zum III. NR-Präsidenten …

„Gott sei Dank hat sich in den letzten 30 Jahren viel geändert in Österreich, sehr viel und Erfreuliches geändert. Ganz besonderer Respekt und Anerkennung gebührt dafür dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, aber auch dem jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie haben die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit gemacht. Große Anerkennung gebührt heute auch dem ersten Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka für den Einsatz zur Verwirklichung der Idee des Simon-Wiesenthal-Preises und seines Einsatz im gegen Antisemitismus insgesamt.“

Franz Vranitzky wird wohl spätestens nach dieser engelsbergischen Rede sich selbstkritisch fragen, ob er in seinem langen politischen Leben nicht noch mehr hätte tun können, im Angesicht des Umstandes, wie viel in den wenigen Jahren Sebastian Kurz schon nicht nur für die „Aufarbeitung“ getan hat, sondern insgesamt für die demokratische Entwicklung des Landes …

Wie wird doch Franz Vranitzky täglich Sebastian Kurz um seine klare Sprache beneiden, diese seine eindeutige und sich total abgrenzende Sprache von, einfach wie kurz gesagt, dem identitären Gerede.

Und wie wenig muß Franz Vranitzky seine Leistung ihm selbst vorkommen, im Angesicht von Wolfgang Sobotka, der unermüdlich bei Tag und bei Nacht, werk- wie feiertags, Menschen um sich schart, für seinen Kampf für …

Wolfgang Sobotka wird sich während der gestrigen engelbergischen Rede vielleicht gedacht haben, das hätte er schon auch sagen können, nicht um zu schmeicheln, aber doch als Beleg seines Kennens der Gegenwart, wie sehr er, Sobotka, immer schon den nach dem „österreichischen Streicher“ benannten Preis …

Engelberg wird bei seinem Hinweis auf das gar so erfreulich Geänderte vielleicht an seine Spaziergänge durch die Innenstadt der Bundeshauptstadt gedacht haben, in der so viele Plätze davon erzählen, von dem Erfreulichen, das …

Zum Schluß seiner gestrigen Rede im Parlament kommt er, Engelberg, auf die FPÖ und ihren Antrag, diesen Preis doch „Bruno-Kreisky-Preis“ zu nennen, zu sprechen, redet etwas von „Outcasts“ redet etwas davon, mit denen niemand mehr etwas zu tun haben möchte.

Und damit ist Martin Engelberg menschgewordenes Regierungsprogramm der derzeitigen Bundesregierung, in dem festgeschrieben ist, mit dem sich die ÖVP einen koalitionsfreien Raum gemauert hat, um bei Migration und Asyl im Parlament mit einer dritten Partei Mehrheiten bilden kann, selbstverständlich nicht mit der FPÖ, sondern, vielleicht mit der KPÖ.

PS Bis auf eine Partei im Parlament sprechen sich gestrig alle Parteien für die Benennung „Simon-Wiesenthal-Preis“ aus. Es ist aufgrund der Initiative eines schwarzen Mannes ein ÖVP-Waschgang, mehr aber noch, da auch die anderen mitmachen, ein österreichisches Waschprogramm zum Weißen der Gegenwart. Für die Richtigstellung ist Zeit, später dann, viel später dann, das ist die österreichische Zuversicht und die österreichische Furcht, wird es schon wieder einen Franz Vranitzky geben, der die richtigen Worte zur Vergangenheit finden wird.

PPS Ein weiterer Preis also, in der Qualität, einfach wie kurz zusammengefaßt, von Gedenkmessen.

Die Wahrheit der „65 Unwahrheiten“

Dieses Kapitel kann kurz gehalten werden.

Sie ziehen auch ein Kapitel aus dem Roman der Wirklichkeit heran, um gegen „Unwahrheiten“ aufzutreten, die, wie sie meinen, über sie verbreitet werden, wie in diesem Juli ’20 auf ihrer Website zu lesen ist.

Wer allein dieses Kapitel liest, wird leicht die Wahrheit der „65 Unwahrheiten über die IB“ von der IB feststellen können, allein bereits im Abgleich mit „#52/11.04.2019: Gegen Ende schreibt der Artikel der IBÖ einen Sticker mit der Aufschrift “Streetfight Experience since 1529 zu.“

Vor allem werden die Lesenden allein schon beim Lesen dieses Kapitels feststellen können, es geht nicht um sie, aber rührend wie Kinder – obgleich die Frage zu stellen ist, ob Kinder je so eitel sich gebärden – meinen sie, es geht nur um sie, alles dreht sich bloß um sie, während sie tatsächlich nicht mehr Bedeutung haben, als in Romanen Nebenfiguren eben Bedeutung haben können. Menschgemäß darf ihr Auftreten als Nebenfiguren nicht gescholten werden. Sie erzählen doch viel über die Hauptfiguren, über die Zustände in einem Land, zu oft alles …

Freilich ist gerade in einem Land wie Österreich kaum zu unterscheiden, wer sind die Nebenfiguren, wer sind die Hauptfiguren, zu oft scheinen Hauptfiguren aufgrund ihres geistigen Gewichts wie Nebenfiguren, das aber die Nebenfiguren, von denen in diesem Kapitel ein weiteres Mal erzählt wird, nicht zu Hauptfiguren macht. So ist dieser Roman, kurz gesagt, vielleicht der erste Roman ohne Hauptfiguren, der erste Roman bloß mit Nebenfiguren.

Die Antwort

„Und ich frage die Wirtschaftswissenschaftler, die Moralphilosophen, ob sie jemals berechnet haben, wie viele Menschen zu Armut, zu unverhältnismäßig harter Arbeit, zu sittlicher Verwahrlosung, zum Verlust der Kindheit, zu schändlicher Unwissenheit, zu unüberwindbarem Elend, zu absoluter Not verurteilt werden müssen, um einen Reichen hervorzubringen?“

Die Frage, von Almeida Garrett bereits im 19. Jahrhundert gestellt, ohne Antwort durch konkretes Handeln bis herauf in das 21. Jahrhundert.

Aber längst schon beantwortet.

Die Antwort:

Nach der Verursachungsgerechtigkeit, berühmter unter ihrem Synonym Kostenwahrheit als Fetisch gehandelt, sind die Kosten für das Produzieren eines „Reichen“ schlicht wie kurz viel zu hoch, unverantwortlich zu hoch, einfach wie kurz gesagt: absolut unrentabel.

Was noch fehlt, ist das Handeln danach. Die einzige Konsequenz daraus nun endlich prompt zu ziehen:

Die Produktion von Reichen ist umgehend für immer vollständig einzustellen.

We’re all Gates, aren’t we?

Wer eignete sich besser, um das konkret zu veranschaulichen, was mit „Wären wir nicht reich, wärst du arm“ knapp verdichtet gesagt sein will, als Bill Gates?

Zum einen deshalb, weil mit Bill Gates stellvertretend und beispielhaft konkret gezeigt werden kann, wie alle zusammen die Leistung sogar innerhalb kürzester Zeit erbringen, ihn, Bill Gates, zu einem der reichsten Männer in dieser Welt zu machen. Ohne das Produzieren für ihn, ohne das massenhafte Konsumieren der Produkte aus diesem Unternehmen, was wäre Bill Gates heute?

In keinem Fall das, wofür er heutzutage in der Welt bekannt ist.

Tatsächlich gehört auch er zu dem einen Prozent der Abhängigen, dem dessen Reichtum so schnell wieder genommen werden kann, wie dieser ihm gegeben.

Hierzu kann ein weiterer Mann des einen Prozents stellvertretend beispielhaft erwähnt werden, dem ebenfalls in kürzester Zeit ein schier hohes Vermögen gegeben, der aber mit aktuell hohen Verlusten konfrontiert, dessen Vermögen weiter und rasch schmelzen könnte, wenn die 99 Prozent der Unabhängigen sich dafür entscheiden, nicht mehr in seinem Unternehmen zu produzieren.

„Wären wir nicht reich, wärt ihr arm.“ Wie erzählt, geht diese Zeile auf das Gedicht eines Dichters zurück, der vor Jahrzehnten gestorben ist.

Von diesem Dichter gibt es auch das Gedicht mit den vielen Fragen eines lesenden Menschen, der nach den vielen Namen der Menschen fragt, die alles bauen, die alles produzieren, durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende. Und auf das Heute bezogen, kann dieses Gedicht auf eine einzige Frage verdichtet werden …

So viele Berichte.
Und nur eine Frage.
So viel Reichtum –
Warum nur für ein Konto.

So many accounts.
And just a question.

So much wealth –
Why only for one account.

Zum weiteren deshalb, weil Bill Gates stellvertretend und beispielhaft dafür steht, ein großzügiger Spender zu sein. Aber seine Großzügigkeit gibt es nur durch die Großzügigkeit von allen, all das viele Geld auf sein Konto allein nur überweisen zu lassen, das er spenden kann, dafür Lob und Anerkennung erhält. Während er doch bloß weitergibt, was alle erwirtschaften.

Zum weiteren deshalb, weil Bill Gates stellvertretend und beispielhaft im Mittelpunkt von sogenannten Verschwörungstheorien steht, gerade so aktuell in diesen Zeiten von Corona. Statt aber Verschwörungen zu phantasieren, einzelnen Pläne gegen alle Menschen zu unterstellen, sich soher selbst zu einer Masse zu verkleinern, mit der gemacht werden könne, was mit ihr irgendwer zu machen gewillt ist, selbst allen das Bestimmungsrecht zu nehmen, selbst allen das Mitspracherecht abzusprechen, wäre es für alle nützlicher, sinnvoller, in den Mittelpunkt zu stellen, wann und wie es zur stillschweigenden, nie abgesprochenen Verschwörung von allen gegen alle selbst kam, den von allen erwirtschafteten Reichtum, das durch alle gemeinsam angehäufte Vermögen dem Konto von so wenigen gutzuschreiben, zu Lasten von allen. Und warum diese stillschweigende Zustimmung von allen, ohne daß alle selbst von der Existenz dieser Vereinbarung wissen, alle davon auch nicht wissen, stillschweigend zugestimmt zu haben, alle diese Vereinbarung immer noch und weiter einhalten. Noch dringlicher aber dabei, diesen Vertrag gegen alle, dessen Nutznießende uneingeschränkt nur ganz wenige sind, endlich in seinem Gesamten aufzukündigen.

Ein angenehmer Nebeneffekt davon wäre wohl auch das Verschwinden der sogenannten Verschwörungstheorien, denen dann jedwede Voraussetzung zum Ersinnen fehlte.

Zum weiteren deshalb, weil es keinen zweiten Namen als übersetztes Wort im übertragenen Sinn verwendet stellvertretend und beispielhaft gibt, der besser zum Ausdruck bringen kann, was alle zusammen sind, die diesen nicht haltbaren Weltzustand bejahen, aufrechterhalten …

„Da steh’n wir nun, wir armen Toren,
Und sind so klug wie nie zuvor.“

„And here, poor gates, we stand further more,
And smarter than we were before.“

Auch diese Zeilen ein Rückgriff auf Verse von einem Dichter, der in zwölf Jahren zweihundert Jahre tot sein wird.

Zum weiteren deshalb, weil es keinen zweiten Namen als übersetztes Wort stellvertretend und beispielhaft gibt, der im schlimmsten Fall für Beibehaltung und im besten Fall für Veränderung steht. Tore, zum Schließen und zum Öffnen.

Wären wir nicht reich, wärt ihr arm

Es gibt diese Verse eines Dichters, die auch heute noch gerne herangezogen werden, um über Verteilung des Vermögens zu sprechen.

Der Dichter ist seit Jahrzehnten tot.

Und nach wie vor geht es um Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit. Weiter um die Forderung einer gerechten Verteilung des Vermögens.

Um diese Forderung zu bekräftigen, werden gerne die zwei Männer des Dichters zu Auftritten eingeladen. Der eine, reich, der andere bleich und arm. Sie sehen einander an. Und der eine sagt: „Wäre ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Und stets geht es dabei um Solidarität. Dabei, wer leugnet heute noch, nicht solidarisch zu sein? Solidarisch zu sein, behaupten heutzutage schon Menschen, die mit ihrem bildungsbürgerlicherinnen Hintergrund wissen müßten, was es heißt, solidarisch zu sein.

Freilich gibt es auch jene, von denen gemeint werden könnte, aufgrund ihrer beruflichen Stellung, sie müßten wissen müssen, was es heißt, solidarisch zu sein, die das Wort Solidarität selbst gar nicht kennen; wie auch? Ist doch ihr einziger Hintergrund die Styroporwand in Fernsehstudios.

Das Gedicht des toten Dichters hat schon seine Richtigkeit, wenn die einzelne Reiche und die Reiche so da stehen und einander ansehen. Da ist die einzelne Reiche wirklich arm, wenn sie auf ihren Kontoauszug schaut. Es bleibt ihr kein Geld, wenn Miete, Strom, Diesel und Raten gezahlt, es geht sich vielleicht aus, kein Minus am Monatsletzten zu haben, wenn beim Essen gespart.

Aber wenn alle Armen und ein reicher Mann da stehen, einander so ansehen, dann stimmt das Gedicht des toten Dichters nimmer mehr, stimmte sein Gedicht auch damals schon nicht, als er es schrieb.

Hätte der tote Dichter nicht in die Brieftasche, nicht auf das Bankkonto des armen bleichen Mannes gesehen, dann hätte er es vielleicht so geschrieben:

Reiche Menschen und
reicher Mann steh’n

da und sehn sich an.
Da sag’n die reichen
Menschen, und bleich
wird der reiche
Mann: Wären wir nicht
reich, wärst du arm.

Und vielleicht hätte er dann seinem Gedicht diesen Titel gegeben:

Ihr wißt gar nicht, wie reich ihr seid