Ungustiöses

Identitärer Zeitgeist

Die FPÖ versucht, mit der Coronavirus-Krise politisches Kleingeld zu sammeln.

In einer Zeit, in der alle in Österreich eine schwere Krise durch das Coronavirus überstehen müssen, macht die FPÖ geschmacklose Parteipolitik. Die FPÖ-Organisation in St. Dionysen (Stadtteil von Traun, Bezirk Linz-Land, Oberösterreich) veröffentlichte auf Facebook dieses in der Zwischenzeit anscheinend gelöschte Posting:

„Unser Tipp zur aktuellen Situation: IMMER so Händewaschen, als hätte man gerade Kurz, Hofer oder Kickl die Hand gegeben.“

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie genau die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei und kurz gewesene Regierungspartei weiß, was, wie in diesem Fall, „ungustiös“ ist, wie sie in anderen Fällen genau weiß, was Verbrechen, was Rassismus, was Hetze, sie aus dieser Partei fragen können, warum dieser Haß

…aber die Gesinnung, die Gesinnung ist nun nicht mal so, und so hat die gesinnungsgemäß zensurierte Website den ihren oben kursiv gesetzten Kommentar auch diesmal nicht über die FPÖ, sondern diesmal über die SPÖ geschrieben, das Posting als „ungustiös“ verurteilt, während sie einen Tag davor ein ebenso „ungustiöses“ Posting als, ach als so gar nicht „ungustiös“ empfindet, sondern von ihr zu loben ist, als nur „eine Frage“, als nur eine „Kritik“ und vor allem so gar kein Begehren danach, mit diesem „politisches Kleingeld zu sammeln“.

No way

„Der Coronavirus wird in einigen Wochen wieder verschwunden sein, aber was ist mit der illegalen Zuwanderung?“

Das nennt eine „Frage“, eine „Kritik“ die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei, die für kurz auch wieder eine identitäre Regierungspartei

Und der für kurz gewesene Innenminister meint, wenn er sein „No Way“ als ein „australisches No Way“ verkauft, dann ist sein „No Way“, kurz gesagt, schon etwas Hochanständiges, schon etwas Nachahmenswertes.

Es ist so hochanständig und so nachahmenswert wie, kurz gesagt, das „No Way“ von Der in der Hofburg tanzt …

Schwarze Entwicklung hin zum blauen Obmann in fünfzig Jahren

Nachdem auch auf der Plattform des Unternehmens Twitter Vermutungen geäußert wurden, es könnte das Video mit den Aussagen von Erhard Busek über Sebastian Kurz, daß dieser, Kurz, „goar nix waß“, eine Fälschung sein, und auch manche ihren Tweet,

„Parteifreund“ – Erhard Busek über Sebastian Kurz pic.twitter.com/kwjPjjSWx8

mit denen sie das Video verbreiteten, offensichtlich wieder löschten (jedenfalls nicht mehr verfügbar sind), vielleicht aus der Befürchtung heraus, es könnte eine Fälschung sein, weil das Wesentlichste fehlte, nämlich, wann sprach Erhard Busek so über Sebastian Kurz, kann nun geschrieben werden, es ist keine Fälschung.

Erhard Busek sprach so über Sebastian Kurz.

Und zwar am 24. September 2019.

Im Rahmen einer BSA-Diskussionsrunde.

Der Titel dieser Diskussion am 24. September 2019, in der Erhard Busek so über Sebastian Kurz sprach, war: „Der Wille zum aufrechten Gang und der FPÖ-Historikerbericht“.

„Am 24. September diskutierten unter der Leitung des BSA-Vorsitzenden Matthias Vavra

Dr. Brigitte Bailer-Galanda (Historikerin)
Dr. Helmut Brandstätter (NEOS-Politiker und langjährige Journalist)
Dr. Erhard Busek (Ex-ÖVP Chef und Ex-Vizekanzler)
Dr. Caspar Einem (Ex- Innen-, Verkehrs- & Infrastrukturminister)
Robert Wiesner (ORF-Journalist & Dokumentarfilmer)

u.a. die bisherigen Erkenntnisse zum FPÖ-Historikerbericht und die Frage in wie weit der Wille zu einer schonungslosen Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit in Bezug auf den Nationalsozialismus bei den Freiheitlichen, aber auch bei anderen österreichischen Parteien, besteht.

Dr. Erhard Busek begrüßt grundsätzlich die Bereitschaft von Parteien und Organisationen sich mit den dunklen Flecken Ihrer Vergangenheit zu befassen und erzählt, dass es auch in der ÖVP nicht immer leicht war dem rechten Flügel der Partei klar zu machen, dass es für eine konservative Partei wichtig ist sich schonungslos mit ihrer eigenen Vergangenheit zu befassen.“

In dieser Diskussion vom 24. September 2019 also machte Erhard Busek seine Aussagen über Sebastian Kurz, mit dem zu beschäftigen es gilt, jedenfalls so lange er in Österreich Bundeskanzler ist, aber keine Sekunde länger, auf politischer Ebene jedenfalls …

Erhard Busek sagte in dieser Diskussion noch mehr, als es in diesem verbreiteten Zusammenschnitt in der Kürze von einer Minute und zehn Sekunden zu hören ist.

Erhard Busek sagte u.v.a.m. auch das, er kam dabei auf Josef Klaus zu sprechen:

„Was uns angenehm überrascht hatte, muß ich sagen, war 1970, daß er [Klaus] , als die Wahl verloren wurde, nicht mit der FPÖ eine Koalition gemacht hat. Das hat ihn unterschieden von Bruno Kreisky. Das muß man ganz deutlich sagen. Die Versuchung hat es sicher gegeben, aber das ist massiv abgelehnt worden, innerhalb der Volkspartei.“

Das ist interessanter als das, was er über Sebastian Kurz selber sagte, das ohnehin keinen Neuigkeitswert besitzt, weil er, Busek, damit etwas über die Entwicklung der ÖVP in diesen fünfzig Jahren erzählt. Hin zu einem Wolfgang Schüssel, von dem Busek in dieser Diskussion sagte, es sei „der Wille zur Macht“ gewesen, der ihn, Schüssel, eine Koalition mit der FPÖ eingehen ließ, zu einem Sebastian Kurz,

„Die freiheitliche Partei hat sich durch das Lehrbeispiel der Schüssel-Koalition verändert. Die hat heute einen harten Kern. Das muß man ganz nüchtern zur Kenntnis nehmen. Das merkt man ganz deutlich. Das ist keine historische Betrachtung. Ich habe einmal ein Gespräch geführt mit einem ehemaligen freiheitlichen Abgeordneten, der hier eine gewisse Rolle spielt. Dem habe ich einmal nach einer Fernsehdiskussion gesagt, wenn ihr in die Regierung wollt, ihr habt ja nicht einmal die Leute dafür. Da hat er gesagt, da irren sie sich, wir trainieren die Schlagenden schon die längste Zeit.“

der dann wieder mit einer FPÖ eine Koalition schmieden ließ, zu einem blauen Bundeskanzler mit Priester, der Türkis trägt.

Daß Josef Klaus 1970 damit „angenehm überraschte“, so Erhard Busek, „nicht mit der FPÖ eine Koalition“ einzugehen, ist wohl zum Teil dem geschuldet, wie vor 1970 auch von einem schwarzen Obmann und Bundeskanzler nationalsozialistischen Höchstrangigen und somit der FPÖ zugearbeitet wurde; und in diesen Fällen noch der Umgang des österreichischen Staates mit seinem eigenen Gesetz der Aufklärung harrt, die Aufarbeitung noch fehlt.

Wiederkehr

Vielleicht gibt es noch Menschen, die sich fragen, wo ist Firas H. abgeblieben, was ist aus ihm geworden, ist er tot, lebt er noch.

Vielleicht kann dieses Kapitel ein wenig zur Aufklärung des Verbleibs von Firas H. beitragen.

Vor fünf Jahren im März berief sich eine Tageszeitung in Österreich, am 20. März 2015, auf einen Rückkehrer, der bezeugte, Firas H. sei tot.

Nach dem Glauben des Stammes der Weißknie ist aber kein Mensch je wirklich tot, kehrt ein jeder Mensch in das Leben zurück. Nach einiger Zeit der Abwesenheit die Wiederauferstehung. Die Zeit der Abwesenheit soll dazu dienen, zu klären, in welcher Gestalt ein Mensch wiederkehren soll.

Im Falle von Firas H. soll die Klärung, in welcher Gestalt er wiederkehren soll, ungewöhnlich rasch, meinen die einen, üblich rasch, meinen wieder die einen, vonstatten gegangen sein.

Firas H. kehrte wieder als Der in der Hofburg tanzt.

Wiederkehrende aus dem jenseitigen Reich bekommen zwar eine neue Gestalt, aber sie bleiben, was sie waren, sie müssen tun, was sie je taten. So ist es erklärlich, daß es Firas H. im Körper des Der in der Hofburg tanzt sogleich wieder fortzog, diesmal nicht nach Syrien, sondern nach Griechenland.

Der Rückkehrer vor fünf Jahren könnte auch ein falsches Zeugnis abgelegt haben. Und Firas H. noch am Leben sein, und zurückgekehrt sein, mit gewandeltem Aussehen. Die Wandlung der Gestalt, für die einen wäre das ein Wunder, für die aus dem Stamm der Weißknie, die reichlich von ihrem Glauben mit Wundern Verwöhnten, jedoch die Wirklichkeit, in der sie werk- wie feiertags …

Es kann auch sein, daß Firas H. nicht nur in einer Gestalt wiedergekehrt ist. Nach dem Glauben des Stammes der Weißknie ist die gleichzeitige Wiederkehr, und das ist das absolute Heilversprechen dieses Glaubens, in drei Gestalten gar möglich. So könnte Firas H auf einem fernen Eiland noch in einer weiteren Gestalt wiedergekehrt sein.

Menschen, die der Propaganda verfallen sind, sind zur ewigen Anstrengung verdammt, der Wirklichkeit ihre Gestalt zu geben. So war es bei Firas H. als Firas H., und so ist es bei Firas H. in der Gestalt des Der in der Hofburg tanzt. Ungewöhnlich kurz war sein Aufenthalt in Griechenland. Für seine rasche Rückkehr nach Österreich brachte er folgende Erklärung mit.

„Ich selbst bin übrigens nicht mehr vor Ort. 1. Weil ich gesehen habe, dass es dort für zivile Freiwillige tatsächlich keine Möglichkeiten zur Mithilfe gibt. 2. Weil ich dort nicht sinnlos Polizeikräfte binden will, die sich wegen diesem Medientrubel mit uns befassen müssen.“

Tatsächlich jedoch drängte es ihn nach Hause, zum Schoße seiner Mutter, weil er trostbedürftig war. Die Landwirte, die Bäuerinnen befanden seine „Solidarität“ und seine „Unterstützung“ für wertlos, unnütz, unbrauchbar. Er hatte einfach wie kurz nicht verstanden, seinen Urin in den Güllestreuer zu entleeren. Vor dem Güllestreuer stehend ging ihm alles in die Hose. Vielleicht aus Verzweiflung darüber, zu ungeschickt zu sein, zu klein zu sein, zu leer zu sein, um den Güllestreuer zu befüllen. Sie schickten ihn weg. Er behinderte bloß, so wie er da stand auf dem Acker, in seiner nassen Hose. Sie schickten ihn einfach wie kurz weg, wohl auch zu seinem Schutz, damit er nicht unter die Güllestreuerräder kommt.

Auf der Rückreise zum Schoße seines Vaters aber soll er bereits ein wenig Trost im Spiel mit seinen Fingern gefunden haben. Zumindest war es ihm eine Ablenkung. Denn. Es war keine leichte Aufgabe für ihn, mit seinen Fingern das Zeichen darzustellen, das er seinem gesinnungsgemäßen Spender einst abschaute.

An der Grenze finden die Stämme zueinander

Der in der Hofburg tanzt, der Höchste des Stammes der Weißknie traf sich mit den Höchsten des Stammes der Schwarzen mit den Türkisfedern, um sich auf eine gemeinsame Sprachregelung zu verständigen.

Und es scheint, kurz gesagt, eine Einigung erzielt worden zu sein. Wie anhand einiger Signalwörter beispielhaft recht leicht feststellbar ist.

So spricht Der an der Grenze Reitende aus dem Stamm der Schwarzen mit den Türkisfedern ebenso von „Solidarität“ und „Unterstützung“ wie Der in der Hofburg tanzt aus dem Stamm der Weißknie.

So spricht Der Schutz Verweigernde aus dem Stamm der Schwarzen mit den Türkisfedern ebenso wie Der in der Hofburg tanzt aus dem Stamm der Weißknie davon, daß man mit den „Kindern“ auch …

Die Daheimzubleibenden aus dem Stamm der Schwarzen mit den Türkisfedern sind ebenfalls bereit, Mannen und Frauen an die Grenze zu schicken, nachzuschicken den Frauen und Mannen aus dem Stamm der Weißknie.

So zeigen in diesen furchentiefen Tagen, kurz zusammengefaßt, die Stämme der Weißknie und der Schwarzen mit den Türkisfedern geeint in Solidarität und Unterstützung Flagge.

Der Bundeskanzler trägt Türkis

Die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei, die auch eine für kurz gewesene Regierungspartei war, beginnt ihren Kommentar über die „Landwirte“, die die „Grenzschützer unterstützen“, mit:

Der Sturm tausender gewaltbereiter […]

Und schreibt nach, wie in Österreich der zurzeitige blaue Bundeskanzler mit Priester spricht, etwa einen Tag davor, in der Pressestunde, wenn er die Bilder der Gewalt beschreibt, die, so er, der ORF nicht so gerne zeige, wenn er von „Grenzsturm“ und „wenn die Grenze fällt“ spricht …

Das wird die gesinnungsgemäß zensurierte Website freuen. So viele Jahre hat die identitäre Partei das vorgesprochen und vorgeschrieben, und nun spricht der zurzeitige blaue Bundeskanzler es nach, und nun bleibt der gesinnungsgemäß zensurierten Website nur noch eines, dem blauen Bundeskanzler es nachzuschreiben. Aber Wehmut wird dabei sein. Es ist zwar ein blauer Bundeskanzler, aber der blaue Bundeskanzler mit Priester trägt Türkis.

Voll der Freude werden aber der Innenminister und die Verteidigungsministerin sein, die je nichts selbst formulieren müssen, je nichts vorsprechen müssen, sondern nur nachsprechen, ihrem blauen Bundeskanzler. Aber ohne Wehmut. Denn. Ihr blauer Bundeskanzler trägt Türkis.

„Wir werden keine […] gelernt“, sagte Tanner. Zu diesem Zweck wurde der […] verlängert. Tanner und Nehammer […] Grenze treibt und sie dazu animiert, nach […] gelangen.

Tanner sprach von einem „dramatischen und verwerflichen“ […] Missbrauch von Menschen durch die […] Nehammer. Die Lage […] „keine zufällig entstandene humanitäre Krise“, sondern […] der Innenminister. Die Bilder von […]

ÖVP […] Einsatztaktik […] Nehammer. „Wir sind aber in engem Kontakt […] holen will, bekräftigte Nehammer einmal mehr […] der ÖVP […] Widerspruch. Österreich habe mehr […] als die meisten […]

In Wien auf die Bühnen getrieben, in Hanau …

Am 19. Februar ’20 werden in Hanau Menschen ermordet und Menschen verletzt, am 20. Februar ’20 wird in der Staatsoper in Wien, in der der Opernball gegeben wird, andächtig der „Zigeunerprinzessin“gelauscht, am 29. Februar ’20 wird in Wien die durch den Regisseur und durch den Dirigenten windungsreich zur Oper hinaufgehobene Operette „Der Zigeunerbaron“ von der Volksoper mit einer Premiere gewürdigt, am 2. März ’20 muß Bert Brecht für den Strauß-Schnitzer-Baron in der Kritik von Peter Jarolin als Vergleich herhalten

Zu Opfern in Hanau werden auch Menschen, die nach wie vor in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft so leicht hin „Zigeuner“ genannt werden, aber ohne Anführungszeichen, wie vom Musikkritiker – seit den Morden in Hanau sind nicht einmal vierzehn Tage vergangen – der Tageszeitung „Kurier“, der weiter unbeirrt, als wäre nichts geschehen, als wäre wieder einmal nichts geschehen, „Zigeuner“ ganz ohne Anführungszeichen

Wie recht zur Zeit in Wien, abschließend wie kurz zitiert, nicht nur eine Ministerin zu haben, die „mahnt, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“

Das Schreckgespenst ist nackt.

Wäre Sebastian Kurz nicht zur Zeit Bundeskanzler in Österreich, müßte nach dem, was Erhard Busek in einer Minute und zehn Sekunden über Seb. Kurz umfassend klipp und klar sagt, nichts mehr geschrieben werden.

Nachdem Seb. Kurz aber zur Zeit Bundeskanzler ist, kann nicht darüber hinweggegangen werden, was er verbreitet, wie auch an diesem Sonntag wieder. Am 8. März ’20 in der Pressestunde.

Wie er sich verhält, wie er mit Zahlen umgeht, das ist ein Verhalten, das in Österreich seit Jahrzehnten nur vom Personal der identitären Parlamentspartei und der für kurz gewesenen identitären Regierungspartei gekannt wird.

Allein sein Verhalten, allein schon seine Reaktion auf die Frage von Karin Leitner, ob es denn für einen Regierungschef gescheit sei, so zu übertreiben, es würden Millionen kommen, liefert ein Bild des Abgrunds. Anzusehen sein körperliches Schütteln und anzuhören sein Lachen dabei nach zehn Minuten und vierundvierzig Sekunden der Pressestunde. Kein unbekanntes Verhalten, ein abgeschautes Verhalten gegen Medienmenschen von seinem …

Wie Seb. K. mit Zahlen umgeht.

„Bei insgesamt 100 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, glauben Sie nicht, daß mehrere Millionen, wenn die Grenzen offen sind, Lust haben nach Europa zu kommen. Das ist keine Übertreibung. Das ist Realität.“

Es sind viele, aber nicht einhundert Millionen Menschen Es sind, nach den Zahlen einer seriösen Organisation, rund 70,8 Millionen Menschen, wie vor wenigen Monaten bekanntgegeben. Die rund dreißig Millionen Menschen, die seit dem letzten Juni hinzugekommen sein sollen, nun, die dürften bei Seb. K. exklusiv vorübergezogen und von ihm gezählt worden. Das muß ihm ein weiterer Zählnachmittag voller Lust am Strand von Klagenfurt gewesen sein …

Mit einem genaueren Blick auf die Zahl 70,8 Millionen sind auch noch viele Unterscheidungen (in „41,3 Millionen Binnenvertriebene, 25,9 Millionen Flüchtlinge, 3,5 Millionen Asylsuchende“) zu erkennen, die das Schreckgespenst des blauen Bundeskanzlers noch einmal als das zeigt, was es ist. Das Schreckgespenst hat nicht einmal ein weißes Leintuch an. Des blauen Bundeskanzlers Schreckgespenst ist nackt.

„Das ist ein bißchen unredlich, wie da agiert wird. Oder manche kennen schlicht und ergreifend die Zahlen nicht. Wir haben als Republik Österreich in den letzten fünf Jahren rund 200.000 Menschen aufgenommen. Wir haben damit mehr geleistet als fast alle anderen Länder dieser Welt, als fast alle anderen Länder in der Europäischen Union. Und wenn man 200.000 Menschen aufgenommen hat und wenn jedes Jahr ungefähr tau…, zehn bis fünfzehn Tausend dazukommen, dann verstehe ich die Debatte nicht.“

„Zweihunderttausend Menschen aufgenommen“, sagt Seb. K. Nun, die Zahlen von einer seriösen Organisation hingegen …

Und auch das ist uraltbekannt von der identitären Parlamentspartei und von der für kurz gewesenen identitären Regierungspartei, die Anwürfe gegen den ORF, übernommen von Seb. K., wenn er diesmal Hans Bürger vorhält, der ORF würde gewisse Bilder nicht zeigen.

„Ich glaube, es braucht überhaupt keine martialische Sprache und das Schüren irgendwelcher Bilder, die nicht angebracht sind.“

Und dann beschreibt Seb. K. gerne ausführlich die Bilder, die der ORF „nicht so gerne zeigt“ …

Sein Außenminister hat das schon beherzigt, daß es „keine martialische Sprache“ braucht, sondern das Gebet der Stunde ist die Sprache des Krieges, wenn er von „Frontstaat“ spricht …

Und selbst Seb. K. hat das beherzigt, hört auf sich selbst, „keine martialische Sprache“, sondern Kriegssprache, wenn er etwa von „Grenzsturm“, von „die Grenze fällt“ in dieser Pressestunde am 8. März 2020 …

Erhard Busek fragt sich, um an den Anfang des Kapitels zurückzukehren, mit wem sitze Seb. K. zusammen, wie schaue das in Wirklichkeit aus. Nun, seit dieser Pressestunde hat Erhard Busek seine Antwort: „Ein Priester“ … Der türkis angestrichene blaue Bundeskanzler empfängt von einem Priester … welcher Priester das wohl ist? Wer macht dem zurzeitigen Bundeskanzler den Johannes Hollnsteiner, den Beicht- und Ratvater?

„Die Fassade der Türkisen bröckelt“ seit langem schon, das bemerkte sogar ein Hafenecker, nun ist sie ganz zerbröckelt und gibt den Blick auf eine blaue Fassade frei, zur Hälfte auch gestrichen bereits mit der schwarzen Farbe des politischen Katholizismus, mit Ratvater und Kreuz-Tage-Ministrantinnen …

Die grüne Partei – das Farbenspiel ist erlaubt – muß jetzt nach so kurzen Wochen schon ganz grün …

Erhard Busek verrät über Sebastian Kurz kein Geheimnis: „Daß er goar nix waß!“

Es gibt von Erhard Busek Aussagen zu Sebastian Kurz. Die knappe wie kurze Beschreibung von Sebastian Kurz ist als Video auf einer Plattform abrufbar. Es ist kein altes Video, hochgeladen am 20. Februar 2020.

Erhard Busek, ÖVP: „Alles, was Sie dem Kurz nachsagen, da kann ich Ihnen ganz offen sagen, da verrate ich, nein, kein Geheimnis. Ich habe mich einige Male ganz klar mit Sebastian Kurz […] auseinandergesetzt, auf seine Inhalte. Und da komme ich auf das Jugendthema […] Da bin draufgekommen, ich habe das mehrere Male gemacht. Daß er von bestimmten Dingen gar nichts weiß. Ich habe mehrere Male den Sebastian Kurz […] gefragt, sozusagen: Was ist der Inhalt? Wofür steht er? Da hat er viermal mir nicht geantwortet. Und zweimal hat er mir geantwortet: „Ich weiß, daß ich da ein Problem habe.“ […] Man kann sich darüber erheitern. Ich habe mich nicht erheitert. Ich habe mich gefragt, wie schaut das in Wirklichkeit aus. Möglicherweise, und da bin ich sehr nachdenklich, daß aufgrund seiner Jugend, das Bildungssystem, das wir hatten, eigentlich ihm keine Inhalte vermittelt hat. Er ist in die Schule gegangen. Also dort hat er absolviert, an der Universität nicht. Aber Schule hat er erledigt.“

Das Video dauert eine Minute und zehn Sekunden. In einer Minute und zehn Sekunden ist alles, was zu Sebastian Kurz zu sagen ist, gesagt, von Erhard Busek einfach wie kurz zusammengefaßt.

Nur in einem ist Erhard Busek zu widersprechen. Nämlich darin, daß das Bildungssystem Sebastian Kurz keine Inhalte vermitteln konnte. Das Bildungssystem ist keine Einbahnstraße. Das Bildungssystem vermittelt Inhalte. Aber die Inhalte müssen auch angenommen werden. Von den Schülerinnen. Sebastian Kurz gehört zu den Schülern, die nichts annehmen. Mag die Bemühung der Schulen, Inhalte zu vermitteln, noch so groß sein. Heiter daran ist, daß ein Sebastian Kurz doch auch zu jenen gehört, die stets trommeln, Integration sei keine Einbahnstraße. Die Menschen hätten auch aktiv an ihrer Integration mitzuwirken. Ihm selbst hingegen war das Bildungssystem eine Einbahnstraße, auf der ihm alles entgegengebracht wurde, in seine Hände gelegt wurde, ihm aber fiel alles aus den Händen, nichts, das er behalten konnte …

Müßig ist es, darüber zu spekulieren, weshalb Sebastian Kurz die vermittelten Inhalte nicht aufnehmen konnte. Vielleicht hätte er als Schüler gerne die vermittelten Inhalte aufgenommen. Aber er war wohl damit bereits voll ausgelastet, überfordert, die sogenannten grundlegenden Kulturtechniken zu erlernen, also das Schreiben, das Lesen und das Rechnen, daß für Inhalte in seinem Kopf einfach kein Platz mehr geblieben ist. Obgleich skeptisch gefragt werden könnte, ist ihm wenigstens das gelungen, das Rechnen, das Lesen und das Schreiben einigermaßen zu …

Wenn an seine geographischen Kenntnisse, wenn an seine Kenntnisse der Zahlen gedacht wird, können Zweifel aufkommen …

Das Bildungssystem vermittelt nicht nur Inhalte. Es vermittelt auch, wie es so schön heißt, sogenanntes bildungsbürgerliches Wissen. Dabei ist es bei Sebastian Kurz vollkommen gescheitert, das aber ein Scheitern des Schülers Kurz ist, und nicht des Bildungssystems. Wenn Schülerinnen nicht dazu bereit sind, aktiv mitzumachen, ist jedwedes Bildungssystem zum Scheitern verurteilt.

Es ist erheiternd, daß Österreich zur Zeit mit Sebastian Kurz einen Bundeskanzler hat, der fern jedes bildungsbürgerinnenliches Wissen ist. Heiter ist, daß Sebastian Kurz der Obmann einer Partei ist, die doch stets für sich in Anspruch nahm, die bildungsbürgerliche Partei zu sein. Wer erinnert sich nicht, an den musischen Schüssel, oder an Andreas Khol mit seinen lateinischen Einwürfen … Und nun? Es gibt noch den dirigierenden Präsidenten …

Ob sich wer erinnern kann, daß Sebastian Kurz je etwas Bildungsbürgerliches von sich gegeben hat, etwa durch einen Verweis auf Goethe, Hölderlin, Schiller …

Wie bildungsbürgerinnenlich im Gegensatz zu Sebastian Kurz erscheinen doch jene aus der für kurz gewesenen Regierungspartei, etwa ein Heinz-Christian Strache, der schon mal Goethe zitiert, etwa ein Herbert Kickl mit seinem Lieblingsdichter Hölderlin, etwa ein Harald Stefan mit seinem Schiller, etwa Hofer, Gudenus und Strache gemeinsam mit ihrem Silone, und erst die Mölzers mit Wagner, Verbelen und so weiter und so fort …

Es wurde und es wird weiter viel davon gesprochen und geschrieben, kurz gesagt, das Abendland schaffe sich selbst ab, wenn Menschen nicht aufgehalten werden würden, in das Abendland zu kommen. Dabei kann erlebt werden, wie eine Partei sich als bildungsbürgerliche Partei aufgibt, indem sie einen Mann zu ihrem Führer gemacht hat und weiterhin anhimmelt, der nicht von fern nach Österreich gekommen ist, sondern fern jedweder …

Erheiternd ist es auch, daß es zu einem medialen Staunen kommt, wenn aus der für kurz gewesenen Regierungspartei etwas Bildungsbürgerliches kommt, dabei sollte es ein mediales Staunen darüber geben, daß von einem Führer oder, wie ihn sein Geisteszwilling wohl nennt, Leader einer bildungsbürgerlichen Partei nichts Bildungsbürgerinnenliches

Lehrerinnen empfehlen ihren Schülern immer mal wieder etwas Gutes, vielleicht hat ein Lehrer einem Schüler wie Kurz sogar einmal den Tipp gegeben, er solle, wenn er in das Strandbad geht, ein Buch mitnehmen. Auch wenn er sich oft im Strandbad aufhält, ein Buch, nicht einmal einen Karl May, wird er nicht …

Sie werden sofort den Namen des Philosophen nennen können, von dem im vorherigen Kapitel, in dem von der Vertreibung aus dem Tempel erzählt wird, ein Zitat gebracht wird, Sie wissen den Philosophen bestimmt in der Sekunde, aber …

„Ich, der ich nicht weiß, daß ich nichts weiß.“

Wachs am Worte sein

„Der Besuch im @HolocaustMuseum in #Washington war sehr bewegend. Die nationale #Gedenkstätte für die Opfer des #Holocaust erinnert eindrucksvoll an die dunkelsten Stunden in unserer #Geschichte und mahnt uns, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“

Karoline Edtstadler also „mahnt uns, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“ … Aus ihren „Worten“ aber, ach, was soll aus diesen werden?

Es kann auch sein, daß sie zwar „uns mahnt“, aber nicht „wachsam zu sein“ – wie schnell kann auf einen Leerraum vergessen werden, oder, wie schnell kann es zu Rechtschreibfehlern kommen, gerade in einen Medium der Eile und Kürze –, sondern „Wachs“ am … Das mag einen rätselhaften Satz ergeben: „Wachs am zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“ Doch genau besehen, ist nicht ihr Leibbuch voller rätselhafter Sätze, die zu deuten, die erst zu übersetzen sind?

Vielleicht ist es nur eine blumige Umschreibung ihrer Essenz: Mahnt uns, Wachs zu sein.

Vielleicht auch eine Mahnung, wenn der Aufforderung nicht nachgekommen wird: Wachs am Worte werden Taten!

Vielleicht auch ein verborgenes Eingeständnis: Wachs am Worte sein