„Ihr woken Quälgeister“

Der Volksanwalt reiste im Jänner ’23 eigens nach Wiener Neustadt, der x-te stellvertretende Bürgermeister von Wiener Neustadt mußte, falls er in Wiener Neustadt wohnt, gar nicht eigens nach Wiener Neustadt anreisen, der Landtagsabgeordnete reiste wohl von irgendwoher aus Niederösterreich an, um sich das anzuhören, was Herbert Kickl auszurichten hat: „Ihr woken Quälgeister …“

Aber der Volksanwalt reiste im Jänner ’23 von woher immer auch darum eigens an, nicht nur einziehende Fahnen zu sehen, in Wiener Neustadt nicht nur schwenkende Fahnen wiederzusehen, sondern auch selbst eine Fahne zum Einmarsche zu schwenken, als Fahnenträger dem Kommandanten hinterher, um den Verdienst, hören zu dürfen,

was der Kommandant auszurichten hat: „Ihr woken …“

Das muß ich jetzt in die Kamera hineinsogn, weil ich weiß, sie schaun zu, und drittens, weil ich mir von Euch, Ihr woken Quälgeister, nicht vorschreiben lasse, was ich anziehe, Ihr könnt’s mir den Buckel hinunterrutschen.

Und sofort wird feste applaudiert, in der Arena Nova in der Rudolf-Diesel-Straße, kaum daß der zum Festungskommandanten ausplakatierte kleine Gebirgsjäger

die „woken Quälgeister“

Und damit: Sie beklatschen sich selbst. Denn zu ihrer Gesinnung gehört es seit jeher, sich als Erwachte zu sehen, zu ihrer Gesinnung gehört seit jeher die Parole, die sie jedem Menschen entgegenschleuern: Erwache

Es muß ihnen eine recht besondere Auszeichnung sein, der sie so heftig applaudieren: Erwachte Quälgeister … derart von ihrem plakativen Kommandanten geadelt —

Vielleicht werden sie sich fragen, meinte er mit „Buckel“ einfach wie kurz den Rücken, oder, das bei einem geschichtlich versierten Philosophenfestungskommandanten wie ihm nicht ausschließen ist, stopfte er in den „Buckel“ weitere seiner Bedeutungen, etwa die Kyphose, die Buckelung, die Rückgratverkümmerung, den Schildknauf …

Vielleicht werden sie sich fragen, was er wohl damit gemeint haben könnte: „Ihr könnt’s mir den Buckel hinunterrutschen.“ Sie werden sich, wenn sie sich je etwas erklären, das wohl damit erklären, daß dies eben die seit jeher einem harten Kommandanten innewohnende Herzlichkeit, seine gesinnungsgemäße Weise ist, seinen Wachen seine Liebe zu zeigen. Und schamvoll wie ein Rauhbeiniger nun einmal ist, statt es ihnen direkt ins Gesicht zu sagen, statt ihnen offen seine Gefühle zu zeigen, sagt er es in die Kamera, aber sie wissen, es gilt ihnen, sie sind gemeint.

Ein schelmisches Ihr-woken-Quälgeister – sprach jemals wer liebreicher zu den Seinen?

Derart ausgezeichnet, derart geadelt auf die Straße wieder entlassen, auf die Rudolf-Diesel-Straße

Fällt als Kontrast unweigerlich Rudolf Diesel

Armin Wolf belegt Herbert Kickl, daß der österreichische Bundespräsident sagte: „Stimmt, das war ein Fehler.“

„Stimmt, das war ein Fehler.“

Gesteht Alexander Van der Bellen gegenüber Corinna Milborn am 5. Oktober 2022 ein.

Am 18. Jänner 2023 kommt Armin Wolf, so gut vorbereitet, wie es Journalisten in Österreich auf ihre Interviews vor allem seit dem Aufstieg von Jörg Haider, wie es Journalistinnen in Österreich auf alle ihre Interviews mit Freiheitlichen sind, in seinem Interview mit Herbert Kickl auf diesen von Alexander Van der Bellen eingestandenen „Fehler“ zu sprechen, und er hält Herbert Kickl diesen „Fehler“ vor.

Armin Wolf: Sie haben noch ein Problem. Selbst wenn Sie einen Koalitionspartner finden würden, gibt es einen Bundespräsidenten, der Sie als Innenminister entlassen hat und sagt, auch ihre Angelobung war schon ein Fehler. Der wird Sie wohl kaum als Regierungschef angeloben?

Herbert Kickl: Diesen Satz hätte ich jetzt gerne von Ihnen belegt, den zweiteren.

Armin Wolf: Das kann ich Ihnen jetzt leider nicht vorstellen, vorspielen, aber diese Aussage gibt’s.

Herbert Kickl: Den zweiten Satz, den kenne ich nicht.

Noch in derselben Nacht reicht Armin Wolf nach, was Herbert Kickl nicht kennt, aber er, Armin Wolf um so genauer, weil er, Wolf, einer der journalistisch genauest Arbeitenden im Lande ist, und womit er ein weiteres Mal eindrücklich belegt, wie gründlich er sich auf jedwedes Interview vorbereitet:

Nachtrag zur heutigen #ZiB2: Das Zitat des Bundespräsidenten, das FPÖ-Chef Kickl gezeigt haben wollte: „Es sei ein ‚Fehler‘ gewesen.“

Und damit Herbert Kickl diesen Satz nicht überlesen kann, er endlich auch das kennt, was Armin Wolf kennt, markiert Armin Wolf ihm diesen ganzen einfachen wie kurzen Satz.

Die Bundespräsidentin gestand am 5. Oktober 2022 gegenüber Alexander Van der Bellen ein, daß es ein Fehler gewesen sei, Herbert Kickl als Innenminister anzugeloben.

Corinna Milborn: Bundeskanzler Kurz hat Ihnen damals die Entlassung von Innenminister Herbert Kickl vorgeschlagen, und er hat das damals, zumindest öffentlich damit begründet, daß Kickl als Innenminister nicht die Ermittlungen gegen sich selbst leiten oder verantworten könnte. Sie haben damals gesagt zu diesem ganzen Ibiza-Komplex: „So sind wir nicht.“ Das spiele ich noch einmal kurz ein. Wahrscheinlich Ihr bekanntester Satz aus dieser Amtszeit. Man wirft Ihnen jetzt vor, besonders natürlich vonseiten der FPÖ, daß Sie das zwar zum Ibiza-Video gesagt, wo Strache und Gudenus zwar über Korruption reden, dann aber nicht mehr zu den ÖVP-Chats und auch nie in Frage gestellt haben, ob ein ÖVP-Innenminister für Ermittlungen verantwortlich sein könne, die gegen seine Partei gehen. Was sagen Sie dazu?

Alexander Van der Bellen: Dem einen ist’s zu viel, dem anderen ist’s zu wenig. Für mich ist ganz klar, daß diese Aussagen, die wir in dem Video gesehen haben, an einem Freitag im Mai 2019, derart skandalös waren, eine offene Darstellung von Korruptionsmöglichkeiten, Hintertreibung von öffentlichen Aufträgen zulasten österreichischer Unternehmen zugunsten von Unternehmen, die Strache nahestünden, solche Dinge, daß das Folgen haben wird, war für mich außer Zweifel.

Corinna Milborn: Die Chat-Protokolle sind aber ein ähnliches Bild von –

Alexander Van der Bellen: Sind moralisch ein ähnliches Bild, was strafrechtlich dabei herauskommt, werden wir erst sehen. Da würde ich die Justiz in Ruhe arbeiten lassen, wünsche mir aber auch, daß es rascher geht, damit wir das Problem nicht ewig vor uns hertragen. Daß Kickl und ich keine Freunde sind, tut mir leid, das ist ebenso. Er wird mir das nie verzeihen, daß ich dem Vorschlag von Sebastian Kurz nachgekommen bin.

Corinna Milborn: Sie haben ja, hört man, bei der Angelobung dieser Regierung Vorbehalte gegen Johann Gudenus und Harald Vilimsky geäußert. Bei Herbert Kickl sagen Sie jetzt, sie werden nie Freunde werden, sie sagen auch, das war immer eine Belastung. Wieso haben Sie gegen ihn keine Vorbehalte geäußert damals?

Alexander Van der Bellen: Was glauben Sie, wie oft ich mich danach die genau selbe Frage gestellt habe. Ob das anders ausgegangen wäre, das wissen die Götter. Aber ich habe ihn unterschätzt in seinem konkreten Handeln als Innenminister. Stimmt, das ist aber das Problem. Wie soll ich sagen? Was ist die Rolle des Bundespräsidenten in diesen Fällen, ja? Bei Gudenus wußte ich, daß er, das muß nicht lange vorher gewesen sein, daß er gesagt hat, wenn wir mal in der Regierung sind, heißt das nicht Tischlein deck dich, sondern Knüppel aus dem Sack. Da habe ich signalisiert, diskret, nicht in der Öffentlichkeit, bei der Regierungsbildung, bitte, Gudenus kann nicht Innenminister werden, das werde ich nicht akzeptieren, ja, solche Dinge. So, jetzt sind wir aber bei einer größeren Frage: Und welcher Minister ist jetzt wofür geeignet? Ich bemühe mich, mit jedem Bundesminister, bevor er sein Amt antritt, bevor ich ihn angelobe, wenn ich ihn nicht schon persönlich kenne, wenigstens ein einstündiges Gespräch oder so zu führen, zu sehen, wo kommt er her, wie tickt er usw. Aber Sie werden mir doch recht geben, daß man in einem einstündigen Gespräch keine umfassende letzte Meinung darüber haben kann, wird der oder die das richtig machen oder nicht.

Corinna Milborn: Nur eine Nachfrage, wir sind am Ende der Zeit, mir Ihrer Zeit nämlich […] Jetzt ist Herbert Kickl Parteichef. Wenn nach den nächsten Wahlen die FPÖ eine Koalition bildet. Was machen Sie dann, nach allem, was Sie jetzt gesagt haben darüber, daß es ein

Bundespräsidentin: Fehler war, ihn als Innenminister anzugeloben, oder daß sie darüber nachgedacht haben.

Alexander Van der Bellen: Eine sehr hypothetische Frage, Frau Milborn –

Corinna Milborn: Wieso? Nach den Umfagen ist es durchaus möglich, daß bei den nächsten Wahlen die FPÖ in eine Regierung kommt.

Alexander Van der Bellen: Wie Sie wissen. Nach den Umfragen ist Verschiedenes möglich. Bei den Tiroler Landtagswahlen hat es sich gezeigt, daß die Umfragen alle daneben lagen, die einen mehr, die anderen weniger.

Corinna Milborn: Die FPÖ hat gut abgeschnitten. Das kann man jedenfalls feststellen.

Alexander Van der Bellen: Ich vertraue schon auch auf die Bürger und Bürgerinnen dieses Landes, daß sie auch bei der nächsten Nationalratswahl richtige Entscheidungen treffen. Wie ich mich im Falle des Falles verhalten werde, werde ich Ihnen jetzt nicht verraten, sondern ich werde diese Entscheidung treffen, wie man im Englischen sagt, when I come to this bridge.

Bundespräsidentin: Aber das ist ja dieselbe Person, über die wir sprechen, über die sie gerade gesagt haben, es war ein Fehler, und sie haben oft darüber nachgedacht, ob es richtig war, ihn als Innenminister anzugeloben. Wie gehen Sie mit dem um, wenn er Vizekanzler oder Kanzler?

Alexander Van der Bellen: Wie geht Kickl damit um, daß ich der der nächste Bundespräsident in der zweiten […]

Es könnte menschgemäß gesagt werden, er, Van der Bellen, hat nicht widersprochen, als Corinna Milborn von einem „Fehler“ sprach, und nicht er, sie hat zweimal gesagt, daß es ein „Fehler“ gewesen sei, Herbert Kickl als Innenminister anzugeloben, und er hat eben zweimal dem nicht widersprochen, und darüber hinaus könnte menschgemäß auch noch gesagt werden, er hat nicht von einem „Fehler“ gesprochen, sondern um Verständnis für sich geworben, um vor sich selbst zu entschuldigen —

Wie hätte Alexander Van der Bellen diese Angelobung auch als „Fehler“ bezeichnen können, sagt er doch so richtig, nach einem einstündigen Gespräch kann kein Mensch eine umfassende letzte Meinung haben. Zumal, das dürfte Corinna Milborn, vergessen haben, kein Mensch in Österreich Herbert Kickl bis zum Tag seiner Angelobung kannte, die sogenannten Spitzen seiner Partei werden ihn vielleicht schon am Tag zuvor, an einem Sonntag, eine einfache wie kurze Stunde gekannt haben, er ihnen plötzlich von der Vorsehung eingegeben worden, sie sollen einen bislang unerkannt in seiner Festung allein Wohnenden, ihnen und allen Unbekannten im Land zum Innenminister —

Fünf Tage nach diesem Interview – falsch, ein Jahr und fünf Tage später vor diesem Interview, am 10. Oktober 2021, dankt der Bundespräsident auch Herbert Kickl,

Ich bedanke mich an dieser Stelle auch ausdrücklich bei Werner Kogler, Pamela Rendi-Wagner, Herbert Kickl und Beate Meinl-Reisinger sowie vielen weiteren Entscheidungsträgerinnen und -trägern in Bund und Ländern, die in dieser Situation mit Hochdruck an möglichen Lösungen im Interesse unseres Landes und seiner politischen Stabilität gearbeitet haben.

(ist auf der Website des Bundespräsidenten weiterhin zu lesen ist, an diesem Montag, 23. Jänner 2023) den er bis dahin Zeit genug hatte kennenzulernen, seit dem Montag der Angelobung, sich eine umfassende letzte Meinung zu bilden, die er dann im Dezember 2021, es ging im Grunde schon gegen Wiederwahl, zum Ausdruck brachte

Nicht mit dem Wort „Fehler“, sondern mit dem Wort „Belastung.

Und wie recht doch Alexander Van der Bellen damit hatte, Johann Gudenus zu verweigern, der doch kurz davor sagte, wenn wir in die Regierung … was wäre das für eine gemeingefährliche Koalition geworden, wie gut, daß Alexander Van der Bellen diese Türkis-Gudenusse-Koalition abgewendet und dafür die ÖVP-FPÖ-Koalition angelobt …

Gerade in diesem Interview belegt Alexander Van der Bellen mehrmals, daß er nichts wegredet, nichts abtut, sondern er „Fehler“ eingestehen kann, er keine Scheu hat, das Wort „Fehler“ auch auszusprechen, diese frank und frei zu benennen.

Bundespräsident: Stimmt, das war ein Fehler: Es waren weniger politische Entscheidungen im übrigen, sondern kommerzielle Entscheidungen seitens der OMV, die ich bis zu einem gewissen Grad verstanden habe, wie es sich auch im Video gezeigt hat, und auch heute noch verstehe, nämlich, wenn sie jetzt einen Geschäftspartner haben, mit dem sie über fünfzig Jahre gute Geschäftsverbindungen gehabt haben, der seine Verträge eingehalten hat, und der im Übrigen gutes und billigeres Gas als die Konkurrenz geliefert hat, ja dann denken sie sich, warum soll ich auf Teufel komm raus, neue Lieferanten suchen. Das war ein Fehler. Ein typischer Fehler für einen Ökonomen, auch für mich.

Corinna Milborn: Wenn ich dazwischen fragen darf. So klar haben das Ökonomen nie gesehen, auch der vorige OMV-General hat gewarnt davor, eine so hohe Abhängigkeit zu machen und aus rein ökonomischer Sicht macht es wenig Sinn, sich von einem diktatorisch geführten Regime, wie Sie es jetzt ja auch nennen, abhängig zu machen. Auch als Ökonom hätten Sie das sehen müssen.

Bundespräsident: Hätte ich sehen müssen, ja. Die Nicht-Diversifizierung der Gaslieferungen nach Österreich war ein schwerer Fehler. Stimmt.

Nun, Alexander Van der Bellen ist es wieder geworden, und wie wird Herbert Kickl damit umgehen?

Diese Frage ist Alexander Van der Bellen so einfach wie kurz zu beantworten, gegeben schon vor weit zwanzig Jahren: Susanne, geh du voran! Was ein Sonntagsbergsteiger wie H. J. wußte, wie dann zu handeln ist, damit alle ihre Gesichter nicht verlieren, weiß ein ausgebildeter Gebirgsjäger wie K. H. umso recht erst mehr – er, nun zum Kommandanten aufgestiegen, wird ihnen allen gnädig sein, ihnen allen ihr Gesicht wahren lassen und sagen: „Geh du voran! Welchen Vornamen wird er voranstellen? Vielleicht Michael, vielleicht Walter, vielleicht …

Und dann werden alle, wenn ihnen diese Brücke gebaut, im Chor mit dem Bundespräsidenten anstimmen, wieder anstimmen, in einem Ton wieder, als wäre dies ihnen als ihr Kreuz zu tragen auferlegt: I cross that bridge

Ein tapffeiger kleiner Gebirgsjäger, Parteigänger verlorener Sachen in letzter kärglicher Festung, führt als Kommandant den Kampf gegen den Kommunismus an – in Österreich

„Rechts wird man nicht, wenn man Rechten, sondern wenn man Linken zuhört.“

Das wird das Original sein, das Herbert Kickl zitierte. Seine Quelle nannte er nicht. Vielleicht hat er es auf der Plattform des Konzerns Twitter gelesen, auf der dieser Randspruch auch verbreitet wird, zugeschrieben Nicolás Gómez Dávila.

Weder Twitter noch Dávila aber nannte er, Herbert Kickl sagte bloß ohne Quellenangabe, aber dafür auswalzend

Stimmt schon, stimmt schon, was ein sehr gescheiter Mensch einmal gsogt hot, der sogt, ein Rechter wird man meistens nicht dadurch, daß man einem Rechten zuhört, nein, ein Rechter wird man ganz oft dadurch, daß man einem Linken zuhört oder zuschaut bei dem, wos sie so treiben. Und do is schon wo dran, oder?

Es darf vermutet werden, weshalb er seine Quelle nicht nannte. Twitter allein kann er nicht nennen. Twitter ist kein „sehr gescheiter Mensch“. Als „sehr gescheiter Mensch“, und das muß er sein, denn nur sehr gescheite Menschen zitieren sehr gescheite Menschen, hätte er anders formuliert seine Einleitung zu Rechter wird man nicht

Daß er seine Quelle nicht nannte, kann nur vermutet werden. Gar viel redet er am 14. Jänner ’23 in Wiener Neustadt von Tapferkeit, Mut, Kampf und dabei doch zu feige, einfach wie kurz und also mit oder ohne twitterische Quellenangabe den Namen Nicolás Gómez Dávila oder noch einfacher und kürzer Dávila als seine Quelle zu nennen. Zu feige, weil die Furcht zu groß, es könnte wieder einmal offenbar werden, aus welchen Quellen er seine Gesinnung auch speist,

in welchen Kreisen Dávila Gott ist? Seine Kirchen Namen tragen wie Antaios

Junge Freiheit, Sezession, in denen, wie eine Tageszeitung in Deutschland bereits 2009 berichtete, etwa

Seit knapp einem Jahr lehrt Dr. Till Kinzel an der Technischen Universität Braunschweig. Nun haben Studenten, die journalistische Beiträge Kinzels in der „neu-rechten“ Jungen Freiheit und der Sezession entdeckt haben, bei der Universität nachgefragt. „Leider kann ich nur sagen, dass wir Herrn Kinzel wegen den Vorwürfen um eine Stellungnahme gebeten haben“, sagte eine Pressesprecherin der Universität der taz. Kinzel hält auch Vorträge beim Institut für Staatspolitik. Antimodernismus gehört dort zum Gestus: Es wird die „ausnahmslose Gleichheit“ kritisiert, sich jedoch im Vagen gehalten, wenn Demokratie und Emanzipation angegriffen werden. Der emeritierte Professor Wolfgang Gessenharter bezeichnet diese Szene als „Scharnier“ zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus. Mit seinem Buch „Nicolás, Gómez Dávila – Parteigänger verlorener Sache“ machte Kinzel sich in der „neu-rechten“ Szene 2003 einen Namen. Das Werk über den sich selbst als „Reaktionär“ bezeichnenden kolumbianischen Philosophen erschien bei der „Edition Antaios“ der „neuen Rechten“. Mit großen Worten schwelgt Kinzel über Dávilas „literarische Stahlgewitter im Kampf gegen die Moderne“, in der Paraphrase wird gegen die der „Massengesellschaft“ innewohnenden „ästhetisch und ethisch nivellierenden Tendenzen“ gewettert und beklagt, dass das „aristokratische Prinzip der Rangunterschiede“ nicht mehr anerkannt wird. In Rezensionen für die Sezession diffamiert Kinzel den Islam als den „gefährlichsten Terrorismus“ und klagt über die „Kollektivschuldideologeme“. Multikulturalistische Theorien und das „feministische Establishment“ findet er in „Freiheit der Wissenschaft“ nicht minder gefährlich. Eine Professur Kinzels, so befürchten Studenten, könnte wissenschaftliche Mitarbeiterstellen für „neu-rechten“ akademischen Nachwuchs mit sich ziehen.

Es darf gesagt werden, daß er wohl zu feige, Twitter oder Dávila zu nennen, denn seine anderen Quellen nannte er beim Namen – George Orwell, Hugo Portisch, Schiller

auch Schiller, der in seinem Gesinnungskreis eine besondere Stellung —

Wen er nicht brachte, seinen Hölderlin

Dabei hätte er in Wiener Neustadt viele Gelegenheiten gehabt, etwas von seinem Hölderlin zu zitieren, etwa, als er über Corona … oder als er dem anwesenden Volksanwalt für seinen Kampf im letzten Herbst dankte, der sich dafür wieder aufstehend bei ihm artig bedankte; der Volksanwalt, der mit Wiener Neustadt wohl selbst recht beschauliche Erinnerungen verbinden wird, als er draußen am Platze im Fahnenmeer mit ident…

Aber Herbert Kickl hätte sich nicht fürchten müssen, Dávila zu nennen, Vorhaltungen hätte er beispielsweise mit Botho Strauß oder mit Martin Mosebach entgegentreten können, mit einem Verlag wie Eichborn

Nicolás Gómez Dávila ist in Deutschland viel früher bekannt geworden als in seiner Heimat. […] Der kleine Wiener Karolinger Verlag wagte daraufhin die Veröffentlichung einer größeren Auswahl unter dem Titel Einsamkeiten […] Der Karolinger Verlag paßte glänzend zu Gómez Dávilas Stil der Verborgenheit; seine Geschäftsführer Peter Weiß und Jean-Jacques Langendorf, die von Günter Maschke beraten werden, veröffentlichen nur, was ihnen selber interessant erscheint […] Von Wien aus gelangte Gómez Dávila nach Frankreich und Italien […]

Das schreibt Martin Mosebach in seiner Einleitung „Schöner Zweifel, schönere Wahrheit“, und unmittelbar davor:

Niedermayer veröffentlichte die Übersetzung einer kleinen Auswahl von Escolios in der von Casper von Schrenck-Notzing herausgegebenen Zeitschrift Criticón.

Ein Mann aus Deutschland, der einen sehr gescheiten Menschen in seiner Zeitschrift veröffentlicht, hat selbst auch viel zu schreiben, etwa zur Bildung der „Umerziehung“, und er verdient es, in Österreich aufgenommen zu werden, Heimat zu finden in einem Verlag

Und auch ein Till Kinzel ist in Österreich ein Mann zum Verlegen. Vom Karolinger-Verlag … vielleicht wollte Herbert Kickl nicht auf einen Mann aufmerksam machen, über den Till Kinzel ein Buch schrieb, nicht weil Till Kinzel das Buch schrieb, nicht weil es ein Buch über Gómez Dávila ist, das 2023 in fünfter Auflage erscheinen wird, wie auf der Website Thalia zu lesen ist, sondern weil „Parteigänger verlorener Sachen“ im Titel …

Auf der Website des Verlages Karolinger ist ein Randspruch von Gómez Dávila zu lesen, den Herbert Kickl wohl nie und nimmer zitieren würde, in seiner Festung:

“Die vollständige Ablehnung der demokratischen Doktrin ist die letzte kärgliche Festung der menschlichen Freiheit.”

Parteigänger verlorener Sachen in letzter kärglicher Festung, das macht sich, das weiß der sehr gescheite Mensch Herbert Kickl, in keiner Bewerbung gut, mit solch einer Bewerbung wird Arbeitslosigkeit nicht überwunden.

Aber ein Friedrich kommt doch vor, zwar von Herbert Kickl ungenannt, daß er, Kickl, werden möchte, was Friedrich war, was so manche in Nachfolge von Friedrich auch schon waren

Und ein freiheitlicher Bundeskanzler, das kann ich Euch guten Gewissens versprechen, das wird der erste Diener dieses Volkes sein, der erste Diener. Ich glaub, da haben ein paar eine Vermutung, wie der erste Diener des Volkes heißen könnte mit Vornamen.

Er spricht viel vom „Volk“ in Wiener Neustadt,

Dieser Großauftrag, den wir hier zu erledigen haben, wenn wir das alles umsetzen wollen, was ich jetzt in den Überschriften kurz aufgerissen hob, dann heißt das, daß dafür die Freiheit mehr und nicht immer weniger werden muß. […] Konzept, da ist der Volk, äh, da ist das Volk der Chef und niemand anderer. Das Volk ist der Chef. Und ein freiheitlicher Bundeskanzler, das kann ich Euch […]

und auch der oben zitierte „sehr gescheite Mensch“ schreibt viel zum „Volk“, nicht auf Twitter, zu lesen beispielsweise in Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten, herausgegeben vom Verlag Eichborn …

Das Volk ist weniger pervers als stumpf.

„Volk“ ist die Summe der Mängel des Volkes. Alles andere sind schönfärberische Wahlreden.

Der kleine Gebirgsjäger in seiner Festung, die zu kommandieren ihm in einem Traumplakat erschien, redet auch davon, was alles mit ihm und seiner Kameradschaftspartei „einziehen“ werde, die „Freiheit“ und dies noch und das noch und auch dies noch und das auch noch und … ein in einer Festung Festsitzender möchte also als „Befreier“ sein, und dann einziehen mit … dafür muß er aber zuerst einmal ausziehen, damit er, aber wo, einziehen kann mit Freiheit und und und … in seine Festung?

Das Heil eines „Befreiers“ wird der kleine Gebirgsjäger nicht bringen, dennoch hier soll ein Satz, ein letzter einfacher wie kurzer Satz noch von Gómez Dávila hier festgehalten werden:

Jeder „Befreier“ präsentiert am Ende die Rechnung.

Das Heil kann er nicht versprechen, dafür aber kann er versprechen, daß er es wieder tun werde, seine Jacke anziehen, wenn er in Niederösterreich, in Salzburg, in Kärnten wahlkämpferisch unterwegs sein wird, und in Kärnten besonders in einer Pizzeria in Millstatt, weil es eine Jacke einer kärntnerischen Firma und weil seine Frau ihm sagte, sie, die Jacke, stehe ihm gut, auch wenn es, wie er sagt, keine Uniform —

Wenn man sein Hirn benutzt, den Hausverstand benutzt und ein Herz hot man donn, ein Herz am rechten Fleck und ein Gespür für Zusammenhänge und für Ursächlichkeiten und für Wechselwirkungen, aber alles das, das sind aussterbende Kategorien bei den politisch Handelnden, dafür kommt etwas anderes gerade wieder in einer schrecklichen Ort und Weise zur Welt. Und das ist das Monster des Kommunismus. Und ich sage das ganz bewußt, der Kommunismus erlebt gegenwärtig seine Wiedergeburt, als gutmenschlicher Meinungskommunismus, als Gesundheitskommunismus, als Asylkommunismus und als Ökokommunismus, und das ist die Spaltung der Gesellschaft, dort die selbsternannte Elite als Bonzen dieses neuen Kommunismus und dort das Volk dort unten, das zu kuschen hat und des alles ausbaden soll. Und da weiß ich, wo ich als Freiheitlicher hingehöre, auf welche Seite. Und deshalb ist es so wichtig, daß wir Freiheitliche hier einen umgekehrten Ansatz haben, genau den gegenteiligen […]

Das ist seine Glosse zu einem Text von einem „sehr gescheiten Menschen“ aus dem südlichen Bollwerk, der nicht auf Twitter, sondern vor ihm sitzt, wohl recht zufrieden, daß seine Ausführungen zum Kommunismus von seinem Festungskommandanten anerkannt und fortgeschrieben wird.

Gar recht viele Glossen hat „ein sehr gescheiter Mensch“ mit Namen Gómez Dávila zu einem inexistenten Text geschrieben,

über Kommunismus,

über Marxismus

Doch keine dieser Scholien, keine einzige dieser Randbemerkungen war von Herbert Kickl in Wiener Neustadt zu hören;

Ihr müßt’s entschuldigen, das wor jetzt ein kleiner Exkurs, aber eigentlich wors kein Exkurs, weil wir sind jo mit dem, wos

vielleicht wollte er sich nur nicht noch einmal bei seinen Zuhörenden entschuldigen, seine Hörigschaft in Wiener Neustadt nicht noch einer Abschweifung aussetzen, nach seinem eigentlich keinem Exkurs Rechter wird man nicht …

Österreich schaut hin, und was es sieht, sind seine klaren Worte, von denen „wir nicht wegschauen wollen, wo wir nicht wegschauen werden“

Auch der österreichische Außenminister hat das iranische Regime im Nationalrat klar verurteilt: „Es reicht nicht, daß wir nur klare Worte finden. Das ist etwas, wo wir nicht wegschauen wollen, wo wir nicht wegschauen werden.“

Mit diesen Worten wird Alexander Schallenberg zitiert, in der Nachrichtensendung im österreichischen Rundfunk, am 16. Jänner 2023, um 22.00 Uhr. In einem Bericht über Visa-Verweigerungen anhand einer konkreten Visa-Verweigerung für Eltern, die ihre Tochter in Österreich besuchen wollten.

Es wird auch aus der Begründung der Visa-Ablehnung durch die österreichische Botschaft in Teheran zitiert:

Es bestehen begründete Zweifel an Ihrer Absicht, vor Ablauf des Visums aus dem Hochheitsgebiet auszureisen. Da es seither zu relevanten Veränderungen der Gesamtsituation im Iran kam, kann die damalige Rückkehr nicht als Indiz für das Jahr 2023 herhalten.

Zitiert wird ebenfalls die Antwort des Außenministeriums:

Die Visavergabe erfolgt selbstverständlich nicht nach politischen Gesichtspunkten. Die Österreichische Botschaft in Teheran prüft jeden Visa-Antrag individuell auf Basis der Gesetzeslage. Von Anfang September bis Ende November 2022 hat die Botschaft 1.850 Visa erteilt.

Der Bericht „Weniger Visa-Bewilligungen für Iraner“ schließt mit der Feststellung:

Wie viele Anträge, wie der von […] Eltern abgelehnt wurden, gibt das Außenministerium nicht bekannt.

Die oben zitierten Antworten des österreichischen Außenministers, der österreichischen Botschaft in Teheran und des österreichischen Außenministeriums legen alles bis zur Kenntlichkeit offen, es müßte also nichts kommentiert werden

Es muß auch nichts mehr zu dem Kurzkurzkurzkanzler geschrieben werden, außer dies noch: Sein Hinschauen ist legendär, und was er sieht, wenn er hinschaut, sind Länder an Milch und Honig reich, wie Afghanistan, in die abgeschoben zu werden er selbst wohl als Glück seines Lebens …

Er läßt sich zwar nicht als Festungskommandanten plakatieren,

doch, wo und als was sieht er sich, wenn er in sich hineinschaut

Ach, wäre es nur er, von der sogenannten österreichischen Staatsspitze, es müßte dieses Kapitel nicht geschrieben werden. Und dann gibt es beispielsweise diesen ehemaligen Präsidenten, der noch einmal, spätes Glück, eine Auszeichnung erfahren durfte, im November 2022, bei dem eingeschränkt werden muß, formal gehört er nicht mehr zur sogenannten österreichischen Staatsspitze, aber er selbst wird durch seine eifrigen Auftritte da und hier und wieder da und dort sich selbst noch zu dieser zählen

Und dann gibt es den Präsidenten, der formal sich zur sogenannten Staatsspitze zählen darf

Oh, wie ist alles so gut in Erfüllung gegangen, daß er, die Spitze des Staates, in so herzlichen Worten dem iranischen Präsidenten in geschichtlicher Zeit erst vor kurzem wünschte

Mit einer Redewendung könnte, um zu einem Ende zu kommen, gesagt werden: Die Spitze des Eisbergs – die Spitzen des Staates Österreich. Aber diese Redewendung besagt doch, nur ein kleiner Teil von einer Sache sei erkennbar, augenfällig, und soher ist diese Redewendung von der Spitze des Eisbergs hier gänzlich falsch, es ist in Österreich darunter nichts verborgen, auch nicht, was den Iran betrifft, die recht besondere österreichische Hinwendung zur iranischen Staatsmacht

Aber auch zum Land als recht begehrtes Reiseziel in die Vergangenheit der gesinnungsgemäßen freien Worte selbst, etwa aus dem Gesinnungsfelde der Parlamentspartei, in der ein kleiner Gebirgsjäger zum Festungskommandanten …

Barbara Tóth, das Richtige mit dem Falschen gesagt, Herbert Kickl, vom kleinen Gebirgsjäger zum plakativen Festungskommandanten, und Michael Bauer …

Gesinnungsgemäß, und das hat Barbara Tóth richtig geschrieben, läßt sich Herbert Kickl in einem an das Militärische gemahnende Gewand plakatieren, bloß, um – weil auf seinem paramilitärischen Jackerl ein rot-weiß-rotes Abzeichen – das „österreichische Bundesheer zu vereinnahmen“?

Auf sein Barrasjackerl das

besagtes rot-weiß-rot Abzeichen draufmontiert hat. Die Streifen sind vertikal und nicht horizontal angeordnet. Eigentlich stünde das für Peru.

Die gesinnungsgemäß zensurierte Website rückt aus, um Barbara Tóth zu belehren, zweimal rückt sie gar aus, am 9. Jänner und am 12. Jänner ’23 …

„keine Flagge von Peru“. Woran Barbara Tóth wohl gedacht haben mag, hier auf Peru zu verweisen? Es ist nicht falsch, aber … und beinahe schreibt diesmal die gesinnungsgemäß zensurierte Website etwas Richtiges. Es stimmt, es gibt die peruanische Flagge mit Wappen, aber es gibt auch die peruanische Flagge ohne Wappen, und diese sieht so aus, wie sie von Barbara Tóth beschrieben wurde. Vielleicht hat sie dabei daran gedacht, seit wann es die Flagge ohne Wappen gibt, und wer bestimmte, daß diese Flagge ohne Wappen zur neuen … ein das Land regierender Militär war es, und wie kommen Militärs an die Macht? Diese rot-weiß-rote Flagge ohne Wappen ist auch heute noch im Einsatz, auf der Straße, auf dem Fußballfeld …

Die gesinnungsgemäß zensurierte Website meint, die Wahrheit mit einem Zitat von Herbert Kickl zu verkünden:

Wieder falsch, Frau Tóth! Kickl klärte bereits auf seiner Facebook-Seite auf, dass es eine österreichische Bannnerfahne sei. Wörtlich schrieb er: Meine Frage an diverse „Experten“, die sich aktuell zu Wort melden und meinen, die Fahne auf meiner Jacke am Plakat sei nicht die österreichische, sondern die peruanische: Liebe Fachleute, noch nie etwas von der österreichischen Fahne als Bannerfahne gehört? Viel Spaß beim Googeln.

Eine „österreichische Bannerfahne“, und das, ja, tatsächlich, Herbert Kickl schreibt die Wahrheit. Bei einer mit Flaggenstock aufgezogenen Flagge hängen die rot-weiß-roten Streifen vertikal herunter … Wenn an die Bedeutung des Wortes „Banner“ in der Fahnenkunde gedacht wird, Banner, das Hochheitszeichen, das kennzeichnet das Herrschaftsgebiet eines … dann wird klar, welche Träume sich Herbert Kickl plakatierend erfüllt: Österreich, sein Herrschaftsgebiet, der Soldat, der er war, träumt sich plakatierend hoch vom kleinen Gebirgsjäger zum Festungskommandanten

Tradition über Tradition – Wehrdienst bei den Gebirgsjägern als Einjährig-Freiwilliger, und kann es für eine aus Kärnten etwas Höheres geben, als von der kleinen Gefreitin zur Festungskommandantin aufzusteigen, wie so Ehrenreiche vor ihr …

Und wenn an die Herkunft des Wortes Banner gedacht wird: Heeresfahne … dann bestätigt nicht nur das Plakat, sondern Herbert Kickl selbst, was Barbara Tóth richtig …

Geschrieben hat Barbara Tóth die falsche Frage dem Falschen. Sie hat es Michael Bauer geschrieben, aus dessen Antworten die gesinnungsgemäß zensurierten Website das erst schreiben konnte, was sie schrieb:

Ein Rechtspopulist, der sich als Militär verkleidet in einer österreichischen Heeres-Phantasiekluft. Lässt man das einfach so stehen, @Bundesheerbauer? Ich finde das sehr problematisch.

Bundesheer-Pressesprecher bedauerte fehlendes Wissen
Michael Bauer antwortete umgehend – und stellte das Wissen der Falter-Schreiberin über das Bundesheer bloß. Seine Antwort auf Twitter lautete:

Ihr Tweet zeigt, wie wichtig die Einführung der Umfassenden Landesverteidigung in den Lehrplänen ist; Wenn eine Journalistin eine Uniform des #Bundesheers nicht von einer olivgrünen Jacke mit Abzeichen unterscheiden kann, wie schwer tut sich dann erst die restliche Bevölkerung?

Ja, wenn Barbara Tóth das Wissen hätte, das es im Bundesheer gibt,

das im Bundesheer gelehrt wird,

das Männer des Bundesheeres in ihren Büchern niederlegen,

welch Wissen reich Männer der Landesverteidung, wie ihr Befragter, gar in Serien verbreiten, dann hätte sie den Mann des Ministeriums wohl eher gefragt, wann wird das Bundesheer Herbert Kickl …

Auch für den Einsatz an den Schulen, weil, wie ihr Befragter antwortet, die Einführung der umfassenden Landesverteidigung wichtig … Wie attraktiv und authentisch könnte das Bundesheer den Schülerinnen durch Herbert Kickl vermittelt werden, allein durch seine Karriere: vom kleinen Gebirgsjäger zum Festungskommandanten, und was könnte er nicht alles den Schülern beibringen, wofür ihm wohl auch der Befragte sein Wissen, seine Materialien gerne zur Verfügung stellte, der recht geübt im Antworten auf Fragen, die … wenn zum Beispiel, nur ein Beispiel soll dafür genannt sein, wenn zum Beispiel im Unterricht die Rede auf die Windisch-Kaserne käme, dann könnte er eine Folie an die Wand projizieren mit der schon einmal verbreiteten Antwort des Befragten:

Sie ist benannt nach Alois Windisch. Die militärhistorische Denkmalkommission hat die Namensnennung vor wenigen Jahren überprüft und nicht beanstandet.

Und sollten darauf Schülerinnen auf einen parlamentarischen Beschluss gar zu sprechen kommen, dann könnte der plakativ Aufgestiegene mit von seinen Parteimannen aufbereiteten Materialien antworten, auch ohne auf bundesheerliches Wissen zurückgreifen zu müssen …

Und was für eine Werbung für das Bundesheer müßten erst gemeinsame Auftritte von Herbert Kickl und Michael Bauer in Schulen sein, zum Beispiel oder gerade im Deutschunterricht, wenn Michael Bauer zuerst Biographisches etwa über Franz Karl Ginzkey und dann Herbert Kickl, der Hölderlinverehrer in seiner Festung, aus seinen Werken …

Windisch, mit dem sich seine Kameraden selbst ehrten

Walter A. Schwarz: Generalmajor a. D. Alois Windisch.
Ein Soldatenleben (1892-1958). Mt Meletta/Narvik
Klagenfurt 1996 188 Seiten mit Abbildungen
Der Monte Meletta im Süden und Narvik im hohen Norden Europas waren jene beiden Punkte auf den Landkarten des alten Kontinents, die für Alois Windisch besondere Bedeutung erlangen sollten. Er war einer jener beiden ehemals k.u.k. Offiziere, denen sowohl das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens als auch das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen wurde.

Im Ersten Weltkrieg als Bataillonsadjutant und später als Kompanieführer drei Mal verwundet, erhielt Windisch das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresia-Ordens als Kommandant einer Gefechtsgruppe für die Erstürmung des Monte Meletta im Dezember 1917. Nach der Übernahme in die Deutsche Wehrmacht wurde Alois Windisch bei der Neuaufstellung der 3. Gebirgsdivision des Generals Eduard Dietl Kommandeur des Gebirgsjägerregiments 139, das sich vorwiegend aus Kärntnern und Steirern zusammensetzte und im Polenfeldzug seine erste Feuertaufe erhielt.Während des Norwegenfeldzuges hat Oberst Windisch die Nordgruppe im Raum Narvik unter ständigem persönlichen Einsatz so hervorragend geführt, dass alle Durchbruchsversuche des Feindes abgeschlagen werden konnten, sodass er am 20. Juni 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde.Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft an die Russen überstellt, wurde er von dort nach Jugoslawien ausgeliefert, wo er unter Tito im Kriegsgefangenenlager von Sremska Mitrovica inhaftiert wurde. Im Sommer 1952 wurde er als gebrochener Mann in die Alpenrepublik entlassen und verstarb am 28. Dezember 1958 in Wiener Neustadt.
KALTENEGGER Roland: Generalmajor Alois Windisch.
Vom Ritterkreuzträger des Militär-Maria-Theresien-Ordens im Ersten Weltkrieg zum Ritterkreuzträger im Zweiten Weltkrieg. Flechsig. 1. Auflage 2018

Nachdem der SS-Unterscharführer der Reserve Krombholz den siebten Kriegsreserveführerlehrgang an der SS-Junkerschule im oberbayerischen Tölz erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er in die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgsdivision „Prinz Eugen“ versetzt, mit der er die aufreibenden und verlustreichen Kämpfe gegen die Partisanen auf dem Balkan, insbesondere in Nordserbien bestritt, die in der gegenwärtigen Historiografie wegen vermutlicher Kriegsverbrechen kritisch gesehen werden.
SS-Hauptsturmführer der Reserve Franz Josef Krombholz
Von der SS-Verfügungstruppe zur 7. SS-Freiwilligen Gebirgsdivision ‚Prinz Eugen‘
von Kaltenegger, Roland, Flechsig, erschienen 30.03.2018

Walter A. Schwarz:
Major Johann Charvát (1888-1934).
Ein Soldatenleben auf Abruf – Wehrpolitik in Österreich
Klagenfurt 1999 262 Seiten mit Abbildungen Das Buch schildet den Lebensweg des im ersten Weltkrieg an der Italienfront zweimal mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichneten Johann Charvát. Als 1934 die bewaffnete Macht von der politischen Führung aufgeboten werden mußte, um den Aufstand der Sozialdemokratie und ihres Republikanischen Schutzbundes niederzuschlagen, hatte er ebenso anzutreten wie auch im Juli desselben Jahres, als das Heer einen nationalsozialistischen Putsch verhindern mußte. Dabei verlor Charvát sein Leben.

Menschgemäß kann ein Mann, der, wie Walter Alexander Schwarz, ein Ordensbuch mit dem Titel „Verleihe ich Ihnen …“ schrieb, der Generalsekretär der österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde war, selbst nur mit goldenen und silbernen Auszeichnungen der Republik Österreich, mit goldenen und silbernen Ehrenzeichen der Bundesländer überhäuft werden.

Und, er verdient es.

Was für Leistungen hat er doch im Sinne dieses Österreichs erbracht. Allein für sein Buch über Johann Charvát … das muß doch ein Klassiker der österreichischen Geschichtsschreibung längst sein, wie es bereits die Ankündigung vermuten läßt: „Als 1934 die bewaffnete Macht von der politischen Führung aufgeboten werden mußte, um den Aufstand der Sozialdemokratie und ihres Republikanischen Schutzbundes niederzuschlagen […]“

Ist es Ironie, daß, um aus der Dissertation von Kurt Bauer zu zitieren, ein „überzeugter Nazi“, als er 1934 noch einmal anzutreten hatte, zuerst um den Aufstand der Sozialdemokratie niederzuschlagen, zum Verhindern des nationalsozialistischen Putsches, „sein Leben verlor“? Nein, es ist keine Ironie, er, Charvát hatte anzutreten, seine situationselastische Pflicht zu erfüllen

Was für eine zweite Karriere hätte er, Charvát, schon nur vier Jahre später noch machen können, hätte seine „politische Führung“ ihn nicht auch noch gegen den Nationalsozialismus antreten lassen, und es wäre sich dann wohl auch noch eine dritte Karriere im österreichischen Bundesheer ausgegangen, aber er „verlor sein Leben“ pflichtvereidigt noch auf einen indigenen Führer, im Verhindern seiner eigenen Gesinnung …

Eine dritte Karriere im österreichischen Bundesheer machen zu können, wie diese Kameraden beschieden war, Kameraden von Alois Windisch im deutschen reich. Kameraden, die auf ihren Alois Windisch nicht vergaßen, sie dafür sorgten, daß eine Kaserne nach ihm benannt wird. Vielleicht vergaßen sie doch Alois Windisch, aber sie brauchten seinen Namen für den Kasernennamen, um sich selbst – ihre eigenen Namen, etwa Holzinger, Gerstmann, Bach, konnten sie schlecht für die Kasernenbenennung nehmen, es wäre ihnen wohl Eitelkeit vorgeworfen wurden, es wären ihre Beweggründe zu offensichtlich gewesen, es wäre wohl nicht (aber kann das bei diesem Österreich zu genau gewußt werden) nicht durchgegangen – zu ehren, ihre Taten als untadelige, als erinnerungwürdige, als ehrenhafte, als heldische, als staatswürdige hinzustellen, wofür der Name Windisch ihnen so recht geeignet erschien, sich selbst zu würdigen, sie alle waren Windisch und somit selbstgeehrt durch den Kasernennamen Windisch —

Über die zu schreiben, einem Militärhistoriker geradezu Pflicht der Tradition zu sein schein müsse, auf eine Art, die ihr selbst auf den Weg gebrachtes Andenken nicht — So hat auch Vizeleutnant Walter A. Schwarz ein Buch über Alois Windisch geschrieben. Einfallsreich war er, wie zuvor schon beim Buch Major Johann Charvát, ein Soldatenleben …, bei seiner Titelgebung. Generalmajor Alois Windisch, ein Soldatenleben … verlegt von der österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde, einer Gesellschaft, die, wie sie selbst auf ihrer Website schreibt, „als wissenschaftlich und wehrpolitisch anerkannten Vereinigung, zu den Mitgliedern der ÖGO zählen auch korrespondierende Mitglieder wie z.B. die Österreichische Präsidentschaftskanzlei“ —

Wer alle in Österreich als „wehrpolitisch“ … oh, sicheres Österreich, mit solch „wehrpolitsch anerkannten“ Gesellschaften, erst vor kurzem durfte in einem Kapitel eine weitere „wehrpolitisch relevante“ Vereinigung vorgestellt werden, die sogar gewürdigt dadurch, daß sie die bundesheerliche Ausgehuniform mit ihren eigenen Distinktionen schmücken darf.

Oh, bildungsreiches Österreich, mit solch Gesellschaften, die mit der rechten Bildung im österreichischen Bundesheer betraut sind, wie die „Kameradschaft vom Edelweiß“, von der in einem Kapitel erzählt werden durfte —

Oh, lehrreiches Österreich, niemals werden die Mannen und Frauen der Landesverteidigung müde, ihren eigentlichen Auftrag pflichtgemäß zu erfüllen, für die Bildung in diesem Staat reich zu sorgen, wie der Mann im Ministerium, einfallsreich auch er, etwa mit seiner Serie „Nicht nur Soldat“ —

Ebensoviele goldene und silberne Ehrenzeichen wie Schwarz hätte sich Roland Kaltenegger, der für die Windischen auch ein Buch über ihren Alois schrieb, in dem er schon in der Ankündigung das für die Windischen, wie bereits Schwarz,

Ebenfalls zu dieser Gattung gehört die von Walter A. Schwarz verfasste Soldatenbiografie
über „Generalmajor a. D. Alois Windisch“, die den Beschriebenen mit den Orden der Wehrmacht auf
der Titelseite präsentiert. Anstelle einer Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsführung und
Windischs Rolle dabei – etwa im Kriegsgefangenenwesen – finden sich dort antislawische Klischees.
Schwarz war zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Werkes Mitarbeiter des Heeresgeschichtlichen Museums des BMLV.
Ein Fall besonderer Traditionspflege, Die Windisch-Kaserne, der Narvik-Mythos und das österreichische Bundesheer, März 2021

Wichtigste in den Mittelpunkt stellte: das habsburgische Ritterkreuz und das hitlerische Ritterkreuz, Monte Meletta und Narvik … Bücher, so kann es einfach wie kurz gesagt werden, der Gattung Auslassungskunst, zu der sich der eine selbst ausdrücklich bekennt —

Der Autor hat sie gewidmet den Toten der deutschen Gebirgstruppe zum ehrenden Gedächtnis und den überlebenden und heimgekehrten deutschen Gebirgsjägern zur Erinnerung. Der Verfasser bekannte sich ausdrücklich zur Kunst des Weglassens, angeblich, um den Umfang eines normalen Buches nicht zu überschreiten. Doch dieser Kunst des Weglassens fiel vor allem all das zum Opfer, was die Veteranen bei der Erinnerung an vergangene Heldentaten hätte stören können. Jetzt gibt es eine neue Divisionsgeschichte, und die wird dem Kameradenkreis der Gebirgsjäger wenig Freude machen. Enthält sie doch all das von Kaltenegger Weggelassene: die unzähligen Gräueltaten, die diese Einheit mit dem Edelweißabzeichen zur schlimmsten Truppe neben der Waffen-SS gemacht haben.

Von diesem Buch über „diese Einheit mit dem Edelweißabzeichen“, der „schlimmsten Truppe neben der Waffen-SS“, in der auch ein ehemaliger österreichischer Bundespräsident der Pflichterfüllung vorkommt, wurde bereits erzählt. Wenn dieser Historiker militärgeschichtlicher Themen der Kunst des Weglassens einmal abschwört, dann wird er klar und deutlich, worum es ihm geht: um die Reinwaschung, wie etwa allein schon aus der Ankündigung für sein Buch über den SS-Hauptführer Krombholz, dem es wohl höchster Ehrenstolz war unter dem ehrenreichen Namen Prinz Eugen freiwillig täterisch …

der gegenwärtigen Historiografie wegen vermutlicher Kriegsverbrechen kritisch gesehen werden

hervorgeht. Die SS wird nicht von der „gegenwärtigen Historiografie wegen vermutlicher Kriegsverbrechen kritisch …“, die SS ist seit den Nürnberger Prozessen, also seit Jahrzehnten, insgesamt als „verbrecherische Organisation“. Bei einer verbrecherischen Organisation kann es keine „vermutlichen“ Verbrechen geben, die SS war auch ohne Krieg eine verbrecherische Organisation, ihre Verbrechen waren keine „Kriegsverbrechen“, ihre Verbrechen waren massenmörderische Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die sie, das darf vermutet werden, auch ohne Krieg begangen …

Roland Kaltenegger hätte sich also für seine Leistungen im Sinne dieses Österreich ebenfalls goldene und silberne Ehrenzeichnen verdient, oder, wenigstens so bescheidene Auszeichnungen, wie diese der Schriftsteller der Bücherverbrennung erhielt, der für die Windischen auch ein Buch schrieb: „Offenhausener Dichtersteinschild-Träger, 1967; Ehrenbürger von Sexten (Südtirol), 1976; Ehrenzeichen der Stadt Graz, 1977

Wie der Bücherverbrennungsschriftsteller also, der sein Auslassungs-und-Jubel-Buch über die „Narviksaga“ in einem Verlag veröffentlichte, der für sich ehrenstolz werbend darauf verweisen kann: ein österreichisches Staatsspitzentestimonial —

Ein Verlag, der sich nicht beklagen kann, bei Auszeichnungen und Ehrenzeichen je übergangen worden zu sein. Und, er hat es sich verdient, im Angesicht der unermüdlichen Buchverlegung der besonderen Art

Übrigens, um zu einem Kapitelschluß zu kommen, die oben erwähnten kalteneggerischen Bücher erschienen 2018, und diese müssen nicht in irgendwelchen Bücherkisten gesucht werden, diese können bequem mit ein paar Klicks bestellt werden, etwa bei Morawa, bei Weltbild … und so vieles andere auch, etwa bei Amazon, bei Thalia

Und in diesem Jahr 18 tat sich auch der Mann aus dem Landesverteidigungsministerium besonders hervor mit seiner Serie „Nicht nur Soldat“in einem Jahr, einfach wie kurz gesagt, mit einem besonderen für kurz gewesenen Verteidigungsminister

einem recht besonderen Vizekanzler, der in diesem Jahr 18 seinen Biographie vorstellte, verlegt von dem steiermärkischen Verlag, der zur dieser Zeit wohl auch darauf ehrenstolz …

So ehrenstolz wie auf sein später hinzugekommenes Testimonial

Ob der Lebensaufschreiber des ebenfalls für kurz gewesenen Vizekanzlers auch schon Ehrenzeichen erhielt? Ach, das will nicht nachgeforscht werden, auch deshalb, um einmal zu erfahren, wie das ist, nach der österreichischen Tradition zu agieren: Nur nicht forschen —

Die Sage von Windisch Alois

Sie ist benannt nach Alois Windisch. Die militärhistorische Denkmalkommission hat die Namensnennung vor wenigen Jahren überprüft und nicht beanstandet.
Michael Bauer, @bundesheerbauer, 15. Juni 2020

Erst vor wenigen Monaten wurde im österreichischen Parlament „mit großer Mehrheit“ die Umbennung der Kaserne in Klagenfurt beschlossen, diese soll nicht mehr „Windisch“ heißen. Wer nicht der Umbennung zustimmte, war die eine Parlamentspartei, die sich stattdessen gesinnungsgemäß mit Inbrunst dem Verbreiten der Windisch-Saga hingibt

Unter ihren Kameradinnen wird die Sage von Windisch Alois wohl recht lange schon in Narviksaga umbenannt sein

Wenn an den gerade einmal zwei Jahre und ein paar Monate alten Tweet von Michael Bauer gedacht wird, will nicht daran gedacht werden, wie die Abstimmung über die Umbennung der Kaserne ausgegangen wäre, wären im Parlament nur von so einer recht hervorragend gebildeten Kameraderie geschulte Militärs und eben die Kameraden dieser einen Gesinnungspartei gesessen …

Ob Michael Bauer nun selbst die Gelegenheit ergreifen wird, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Kaserne zukünftig benannt sein soll? Es fielen ihm, dem Mann im Ministerium für Landesverteidigung, auf Anhieb wohl recht viele Namen ein, vielleicht zu viele, um sich für einen Vorschlag zu entscheiden

Er, der Mann im Verteidigungsministerium, wird wohl keinen Vorschlag unterbreiten. Er hätte wohl Skrupel, beispielsweise einen von seinen 96 Porträtierten – ja, es sind alles nur Männer – zu bevorzugen, jeder einzelne von ihnen wohl recht wert, eine Kaserne nach ihm benannt zu bekommen.

Windisch-Saga

Die Wehrmacht war ein Instrument des Deutschen Reiches unter der nationalsozialistischen
Regierung Adolf Hitlers. Aus der Proklamation ergibt sich, daß die Pflege der Tradition der
ehemaligen deutschen Wehrmacht rechtswidrig und staatsgefährlich ist. Eine solche
Traditionspflege gefährdet die öffentliche Sicherheit und das öffentliche Wohl.

Verfassungsgerichtshof, 6.12.1962, B167/62

Allein nach diesem Rechtssatz aus dem Jahr 1962 hätte die Kaserne in Klagenfurt niemals nach Alois Windisch benannt werden dürfen. Es verwundert nicht, wenn an die an der Kasernen-Umbenennung in 1967 beteiligten Täter gedacht wird, Täterinnen werden daran nicht beteiligt gewesen sein, zu dieser Zeit war das Bundesheer reine, die reinste Männersache.

Alois Windisch war ein weiterer „Führer des Narvikkampfes“, von dem ersten „Führer des Narvikkampfes“, Eduard Dietl, wurde im Kapitel „Stockers Testimonial“ erzählt.

Wie die Rechtfertigung, Eduard Dietl in einem Kapitel auftreten zu lassen, einzig in der österreichischen Gegenwart begründet ist, ist die Rechtfertigung, Alois Windisch in einem Kapitel auftreten zu lassen, einzig in der Gegenwart Österreichs begründet, und diese führt mit Alois Windisch zu einer österreichischen Parlamentspartei mit ihrem zurzeitigen Führer, der formal Obmann genannt wird, der sich eben, das kann so gesagt werden, paramilitärisch plakatieren läßt, als wäre er ein „Festungskommandant“

In der Nachfolge, und das liegt bei einem wie diesem Kärntner mit gesinnungsgemäßem Geschichtsbewußtsein nahe, Hans Steinachers, der einst „Festungskommandant“ … Und in der Nachfolge seiner Vorgänger als Obmann dieser Partei, die nicht nur in militärischen Gewändern, sondern auch in paramilitärischen Gewändern steckten – etwa Friedrich Peter, Anton Reinthaller, der für kurz gewesene Vizekanzler

Kurz ist es also her, daß diese Partei Alois Windisch eine Verteidigungsfestung aus Wörtern baute, errichtet auf ihrer Website am 13. Oktober 2022, wie diese auch heute noch, am 9. Jänner 2023, zu sehen ist:

Umstrittene Kasernen-Umbenennung: Alois Windisch war kein Kriegsverbrecher! FPÖ-Parlamentarier

Reifenberger kritisiert „Cancel Culture“ im Verteidigungsministerium.

„Heute müssen wir leider miterleben, dass auch im Verteidigungsministerium die ‚Cancel Culture‘ Einzug hält. Die Grünen sind in der Regierung, und die ÖVP ist zu feige und zu nachgiebig, um sich dem politischen Druck von Links zur Wehr zu setzen“, kommentierte der FPÖ-Abgeordnete Volker Reifenberger heute, Donnerstag, die von allen Parteien mit Ausnahme der FPÖ beschlossene Umbenennung der Windisch-Kaserne in Klagenfurt. Sicher kein rechtsstaatliches Verfahren im Tito-Jugoslwien Reifenberger referierte den auf der offiziellen Webseite des Verteidigungsministeriums bereitgestellten Lebenslauf des Generalmajors Alois Windisch und hob dessen offene Ablehnung des Nationalsozialismus hervor, wegen der er während des Zweiten Weltkriegs von den Machthabern extrem misstrauisch beäugt wurde und ihm sogar immer wieder Kommanden entzogen worden sind. Das gegen ihn ergangene Todesurteil wegen angeblicher Kriegsverbrechen sei Ergebnis eines Schauprozesses im Tito-Jugoslawien, in dem damals Folter und unmenschliche Haftbedingungen herrschten. Es habe dort mit Sicherheit keinen rechtsstaatlichen Prozess gegeben.

Es wird die reifenbergerische Partei sicherlich erklären können, was sie unter einem „rechtsstaatlichen Prozess“ versteht, anhand dieser Beschreibung aus einem Gutachten über den Prozeß von Alois Windisch:

Das Militärgericht von Belgrad klagte Windisch 1947 als Kommandant des Infanterieregiments 383 an. In dieser Funktion habe er bewaffnete Einheiten jugoslawischer Staatsbürger im Krieg gegen das eigene Vaterland befehligt, womit er ein Verbrechen gemäß dem Gesetz über die Straftaten gegen Volk und Staat begangen habe. In dieser und in der Funktion als Kommandant der 264. ID habe er zugelassen, „dass unterstellte Einheiten Kriegsverbrechen begehen – Plünderungen, Ermordung von Bürgern und  Deportationen in Konzentrationslager. Auf diese Weise sei er zum Mittäter geworden. Einige derartige Verbrechen von Angehörigen der 373. ID legte ihm die Anklage konkret zur Last: Einheiten der 373. ID hätten im Juni 1943 im Dorf Kupres 50 Personen festgenommen, einige sofort erschossen, über das Schicksal der anderen sei nichts bekannt. Bei einer Aktion zwischen den Dörfern Medinj [Medini] und [Čardaci] wurden zwei Partisanen getötet, einer verschleppt und das Dorf Medinj wurde gebrandschatzt. Im August 1943 seien im Raum Donji Vakuf 30 Personen verschleppt worden und vermisst geblieben. Beim Rückzug der 264. Division sei in Žitniċi eine alte Frau in ihrem Haus eingesperrt worden, das Haus in Brand gesteckt worden und die Frau sei darin verbrannt. Am 1. Oktober 1944 hätte eine Abteilung der 264. ID im Dorf Bogatić 14 Häuser angezündet. Vier Zeugen hatten zu diesen Verbrechen ausgesagt. In seiner Einvernahme, in der Hauptverhandlung und in den Berufungen gegen die Urteile bestritt Windisch nicht, dass diese Verbrechen geschehen waren, wies aber jede persönliche Verantwortung, jede Schuld und jedes Wissen darüber von sich. Die Aufstellung und Führung des 383. Infanterieregiment sei ihm befohlen worden, Kroatien sei ein souveräner Staat im Bündnis mit Deutschland gewesen. Er und sein Regiment hätte nur den Befehl erhalten, zur Sicherung der Bauxit-Vorkommen zu schießen. Er habe nie Befehle erhalten, auf die Bevölkerung zu schießen, mit seinen Einheiten an keinen „Aktionen“ teilgenommen, kenne die genannten Dörfer nicht und sei mit seinen Truppen woanders gelegen. Auch habe er die „hier gemeinten scharfen Befehle nie erhalten“, auch nicht in diesem Sinne gehandelt. Das Gericht folgte den Einwänden Windischs gegen die Anklage nicht und verurteilte ihn in erster Instanz zu 20 Jahren Freiheitsstrafe. Dem Militärstaatsanwalt war das Urteil zu milde; er forderte die Todesstrafe. Auch Windisch berief gegen das Urteil. Die zweite Instanz, das Militärgericht der III. Armee, wies die Berufung ab und hielt die Schuld von Windisch am Tod von mehr als 80 Menschen für erwiesen. Nun entschied das Gericht auf Todesstrafe durch Erschießen. Windisch schrieb erneut eine Berufung, in der er darlegte, dass die Verbrechen seinen Einheiten nicht eindeutig zugerechnet werden könnten. Er wies den Vorwurf einer faschistischen Gesinnung zurück und betonte, dass seine Grundsätze und Einstellungen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammten. Windischs Argumente stießen beim Obersten Militärgericht der Jugoslawischen Armee zum Teil auf Verständnis. Es wandelte die Todesstrafe in 20 Jahre Freiheitsstrafe mit Zwangsarbeit um. Das folgende Gnadengesuch wurde  abgelehnt. Am 19. Juli 1952 wurde Windisch amnestiert, aus der Haft entlassen und in Rosenbach von Staatssekretär Ferdinand Graf (ÖVP) und ehemaligen Kameraden empfangen. Eine Bewertung des Militärgerichtsprozesses kann hier nicht vorgenommen werden, da die vorhandenen Dokumente unvollständig und die Belgrader Nachkriegsprozesse wenig erforscht sind. Ob das Verfahren wie „eine – schlechte – Filmkomödie“ abgelaufen ist, kann mangels Aufzeichnungen auch nicht beurteilt werden. Festzuhalten ist zunächst, dass im Unterschied etwa zur deutschen Militärjustiz dem Angeklagten ein Verteidiger zur Verfügung stand, drei Instanzen über das endgültige Urteil berieten und zwei Berufungen gegen die Urteile eingebracht werden konnten. Möglich ist außerdem ein Vergleich der Windisch betrifft. Seine Angaben in den selbst verfassten Berufungen können einigen Dokumenten der 373. ID gegenübergestellt werden, die im Bundesarchiv Militärarchiv in Freiburg verwahrt sind. Im Unterschied zu Windischs Aussagen zeigen sie, dass er jedenfalls den Befehl über die „Aktion“ in Čardaci erhalten hatte und genau darüber informiert war. Teile seiner Truppen, wenn nicht er selbst, waren wahrscheinlich daran beteiligt, denn sowohl auf dem Befehl des Divisionskommandanten vom 2. Juli als auch auf dem Gefechtsbericht vom 12. Juli 1943 ist das 383. IR (also Windisch) am Verteiler angeführt. Windischs Aussagen in diesem Punkt entsprachen jedenfalls nicht der Wahrheit.

Name eines verdienten Offiziers wird ausgelöscht „Festzuhalten ist auch, dass laut einer Anfragebeantwortung des seinerzeitigen SPÖ-Verteidigungsministers Norbert Darabos – ein politisch äußerst Unverdächtiger – im Jahr 2011 zur Vergangenheit des Alois Windisch weder eine NS-Nähe , noch Kriegsverbrechen bekannt waren“, betonte Reifenberger

Diese Anfragebeantwortung des seinerzeitigen Verteidigungsministers Norbert Darabos wird die reifenbergerische Partei sicherlich vorlegen können. Auf der Website des österreichischen Parlaments wurde für das Jahr 2011 lediglich diese Antwort gefunden:

Zur Zeit werden weitere Recherchen im Zusammenhang mit einer biographischen Forschung bezüglich des Wirkens der Person Windisch im Zweiten Weltkrieg bis zur Kriegsgefangenschaft 1945 durchgeführt.

Und dann noch eine aus dem Jahr 2012, die sich auf die oben zitierte Beantwortung bezieht:

Zu diesen Fragen verweise ich auf meine Ausführungen in Beantwortung der parlamentarischen Anfrage Nr. 7920/J (Nr. 7830/AB).

und zeigte sich schockiert, dass Windischs Name nun getilgt werden soll, nachdem vor rund 60 Jahren eine Kaserne nach ihm benannt worden ist: „Wer sind wir, dass wir jetzt, viele Jahrzehnte später, diesen historischen Namen auslöschen wollen? Glauben wir besser über einen Offizier urteilen zu können als seine damaligen Zeitgenossen?“

Wie seine „damaligen Zeitgenossen“ über Alois Windisch urteilten, nun, auch das kann aus dem oben zitierten Gutachten entnommen werden:

Windisch bekam vom kommandierenden General des XX. Armeekorps Rudolf von Roman eine Beurteilung, die sich wie der Versuch einer Rehabilitierung liest – erstmals wird Windisch politisch eingeschätzt: „Ausgesprochen soldat. Pers. Überzeugter Nat.Soz. Sehr gewissenhaft, fleißig u. rührig. Vor d. F. voll bewährt. […] sehr energisch und frisch.“ Mehrere Oberbefehlshaber – einer bemerkte, dass sich Windisch zurückgesetzt fühlte – sprachen ihm die Befähigung zum Divisionskommandanten aus. Am Ende eines Divisionsführerlehrgangs versagte ihm der Leiter des Heeres-Personalamts aber die uneingeschränkte Eignung zum Divisionsführer. Dennoch wurde er im August 1944 Kommandant der Sicherungsdivision in Weißrussland. Die Division stand unter starkem Feuer der Roten Armee und Windisch war weder in der Lage – wie befohlen – nach vorwärts zu kämpfen, noch die
Verteidigungslinien zu halten. Windisch bezog Stellungen weiter rückwärts.

„Überzeuger Nat.Soz.“, nun, diese Abkürzung muß der reifenbergerischen Partei nicht ausgeschrieben werden — Und innerhalb dieser Verteidigungsfestung wurde am 14. Oktober 2022 noch eine kleine Verteidigungsfestung für Alois Windisch gebaut, wie sie auch heute noch, 9. Jänner 2023, auf der kärntnerischen Website der reifenbergerischen Partei anzuschauen ist: niedlich, süß, herzig, bei deren Anblick jedenfalls nichts zum Kommentieren mehr überbleibt, außer noch der Hinweis auf den eingangs zitierten Rechtssatz —

Windisch-Kaserne: Geplante Umbenennung soll nur vom Versagen der Bundesregierung ablenken!
Bürger haben ganz andere Sorgen und Nöte
Zum gestrigen mehrheitlichen Beschluss des Nationalrates betreffend eine Umbenennung der Klagenfurter Windisch-Kaserne erklärt FPÖ-Landesparteiobmann NAbg. Erwin Angerer: „Die Bürger haben heute ganz andere Sorgen und Nöte als die Umbenennung einer Kaserne auf Wunsch der Grünen und der Kommunisten – und zwar existenzbedrohende Sorgen. Das ist wieder eine typische Alibi-Aktion der Bundesregierung samt SPÖ und NEOS, um von ihrem Versagen auf ganzer Linie abzulenken, wenn es um die Nöte der Bevölkerung geht. Die Menschen wissen nicht mehr, wie sie sich angesichts der Rekord-Teuerungen das tägliche Leben noch leisten können, aber die Regierung sorgt sich lieber um Kasernennamen“, so Angerer. Die FPÖ habe daher im Nationalrat gegen eine Umbenennung der seit 1967 nach Alois Windisch benannten Klagenfurter Kaserne gestimmt. „Man muss sich auch fragen, wieso sich das Land Kärnten und die Landeshauptstadt Klagenfurt an den Plänen zur Umbenennung der Windisch-Kaserne beteiligen“, erklärt Angerer. Er weist darauf hin, dass nicht jeder, der im 2. Weltkrieg in der Wehrmacht gedient hat, automatisch ein Kriegsverbrecher ist, wie es offenbar die Grünen sehen. Angerer erinnert auch daran, dass auf der offiziellen Webseite des Verteidigungsministeriums auf die von Windisch offen gezeigte Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialismus hingewiesen wird und dass Windisch nach dem Weltkrieg mit Unterstützung des damaligen SPÖ-Bundespräsidenten Theodor Körner von Tito-Jugoslawien nach Folter und Entbehrungen im Jahr 1952 aus der Haft entlassen wurde.

Und wie ging es mit Alois Windisch nach seiner Entlassung weiter? Kehrte er still nach Österreich zurück, wo kein Mensch auf ihn wartete, kein Mensch ihm einen Empfang bereitete? Nein.

Am 19. Juli 1952 wurde Windisch amnestiert, aus der Haft entlassen und in Rosenbach von Staatssekretär Ferdinand Graf (ÖVP) und ehemaligen Kameraden empfangen.

Ein späterer Verteidigungsminister aus der reifenbergerisch-angererischen Partei meinte wohl, in Nachfolge des christschwarzen Graf, das gehöre sich so, solch entlassene Männer müssen mit allen Ehren empfangen werden, wer wären sie, ihnen den Handschlag zu verwehren …

Darin hat sich Karl Springenschmid geirrt, in seinem vor fünfundfünfzig Jahren erschienenen Buch in dem steiermärkischen Verlag mit seinem hochwürdigen Testimonial, daß der „Kampf um Narvik“ einst zur „Narviksaga“

aber, wer weiß, was Springenschmid sich dachte, vielleicht war sein gesamtes Buch dahin ausgelegt, eine windische Dietl-Saga … es wurde eine Windisch-Saga, jedenfalls für diese Partei mit ihren Führern in einstigen Uniformen und jetzigen Pseudouniformen …

Stockers Testimonial

In diesem Dezember ’22, kurz vor dem Jahreswechsel, war es dann soweit, der Entschluß gefaßt, doch einen Wandertag in Kärnten einzulegen, die Verlockung war zu groß, doch einmal die Route abzugehen, die einer Schilderung am Nebentisch in einem Kaffeehaus entnommen wurde, im Sommer ’20.

Ausschlaggebend für die Entscheidung für einen Wandertag, einmal in Kärnten, das muß zugegeben werden, war nicht in erster Linie das belauschte Gespräch am Kaffeehausnebentisch, sondern der Umstand, kurz vor Marias Niederkunft etwas zu Barbarossa gelesen zu haben

Von seiner oberkärntnerischen Schlucht aus loszugehen, und dann bis nach Sachsenburg zu wandern, war die Route für diesen Wandertag, gemäß der Schilderung.

In Sachsenburg angekommen, nach Besichtigung von allem Bedenkenswerten in Sachsenburg, hungrig und durstig geworden, verblieb bis zur Abfahrt des Obmnibusses noch Zeit, um im Lebensmittelgeschäft „Land aufs Herz“ Proviant einzukaufen.

Mag der Hunger noch so groß sein, mag der Durst noch so groß sein, der Durst und der Hunger nach Büchern läßt aber stets die körperlichen Forderungen sofort vergessen, wenn Bücher gesehen werden. Und so konnte es kein Vorbeigehen an der Bücherkiste geben, die im Lebensmittelgeschäft aufgestellt ist, bei Obst und Gemüse. Ohne in der Bücherkiste wühlen zu müssen, um herauszufinden, welche Bücher hier gegen eine Spende von einem Euro überhaupt verschenkt werden, fiel augenblicklich ein Buch auf:

„Narvik 1940“, verziert mit einem Anker, einem Propeller und einem Edelweiß

Dieses Buch zu nehmen, ohne noch in der Bücherkiste zu stöbern, die anderen Bücher je zu beachten, dieses Buch aus der Bücherkiste zu nehmen, dieses Buch mitzunehmen, dieses Buch aus dem Verkehr zu ziehen, dieses Buch wenigstens hier im Landaufsherzgeschäft aus dem Umlauf zu nehmen, dieses Buch wenigstens hier in Sachsenburg keinem weiteren Menschen zur Lektüre zuzuführen, war sofort entschieden, war, wenn es so gesagt werden darf, die augenblicklich zu erfüllende Pflicht, als das Buch aufgeschlagen war:

Karl Springenschmid
Die Männer von Narvik
Das große Abenteuer in der Arktis

Von Karl Springenschmid muß nichts mehr erzählt werden, wessen Gesinnung er diente – zu viele Kapitel … ein Schriftsteller, der, wäre die Gegenwart in Österreich nicht so wie sie ist, in keinem Kapitel je vorzukommen hätte —

Darunter den Namen des Verlags zu lesen,

Leopold Stocker Verlag
Graz und Stuttgart

war nicht das Überraschbare, es war, beinahe könnte gesagt werden, das Erwartbare. Auch wenn das Erscheinungsjahr bei der Angabe zu den Rechten dieses Buches fehlt,

Die auf dem Schutzumschlag dargestellten Gebirgsjäger sind Männer des „Büffelunternehmens“, die eben in Narvik vor General Dietl angetreten sind.
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
Copyright by Leopold Stocker Verlag GmbH
Printed in Austria
Druck: Friedrich Jasper, 1030 Wien

so geht dieses doch aus dem Text hervor, zu lesen auf Seite 298; es muß also kurz vor, um 1970 herum erschienen sein.

„Seither sind nahezu dreißig Jahre vergangen. Die jungen Soldaten Dietls sind reife, erfahrene Männer geworden. Was sie damals in

Es wäre auch dieses Buch, das vor über fünfzig Jahren erschienen ist, in keinem Kapitel zu erwähnen, wenn die Gegenwart in Österreich eine andere wäre, aber der Stocker-Verlag der Gegenwart ist kein anderer Verlag als vor fünfzig,

als vor fünfundachtzig,

als vor einhundert Jahren, und wie in der Vergangenheit gelingt es ihm in der Gegenwart Österreichs, Referenzen und Zeugnisse für seine Ehrenwertigkeit einzuholen, von der höchsten Staatsspitze abwärts,

etwa von dem Präsidenten des österreichischen Parlaments als Stockers Testimonial —

Narvik erlebt haben, ist in weite Ferne gerückt. Jene aber, die den Kampf im hohen Norden an verantwortlicher Stelle geführt haben, sind nicht mehr unter uns. General Dietl kam am 23. Juni 1944 bei einem Flugzeugunglück in den niederösterreichischen Bergen ums Leben.

Das ist auf Seite 300 des Stockers Buch zu lesen, auf der vorletzten Seite des Stockers Buch wird nicht verabsäumt zu berichten, was aus den „Führern des Narvikkampfes“ geworden ist. Aus General Dietl, von dem im Stockers Buch viel erzählt wird, auch „Geschichten und Anekdoten“ – kurzum, all das erzählt wird, was Ehre und Stolz hergeben —

Dietl kannte seine Jäger, die Jäger kannten ihn. Er war ihr General, gewiß. Aber er war zugleich ihr Bergkamerad, das heißt einer von ihnen, einer der mit ihnen lebte, der alle Not, alle Strapazen mit ihnen teilte. Immer war Dietl unterwegs, ja, er war, wie die Jäger sagten, beinahe so allgegenwärtig wie der liebe Gott. Plötzlich tauchte er irgendwo, wo man ihn am wenigstens vermutet hätte, vor ihnen auf. Da stand er in seiner alten, zerschlissenen Windjacke, den Rucksack, von dem er sich niemals trennte, über der Schulter, einer, der nicht anders aussah wie alle anderen. Und immer wußte Dietl das richtige Wort zu finden, wußte Rat und Hilfe. Unzählig sind die Geschichten und Anekdoten über ihn, die in den Stellungen von Mund zu Mund gingen. Ein Beispiel nur: „Einmal hob Dietl die grobe Decke zur Seite, die über den Eingang zu einem Felsenloch hing und sagte in das Dunkel hinein: „No, wie geht’s?“ Ein langer Kärntner kniete da drinnen auf dem Boden, mit dem Rücken zum Eingang und versuchte, Feuer zu machen. „Hob ka Zeit nit“, brummte er, ohne sich umzusehen. „I hätt di aber gern von vorne g’sehn“, meinte Dietl. „Nachher schaust halt du, daß du a Feuer zsommbringst“, rief der Kärntner zornig und stand auf. Da sah er den General vor sich. „Das kann i wohl“, lachte Dietl, kniete hin, „schau, das geht so!“ und blies solange in die schwache Glut, bis das nasse Holz Feuer gefangen hatte. Besonders köstlich waren solche Begegnungen, wenn Dietl, der Urbayer, mit Leuten von der Wasserkannte, den Matrosen, zusammentraf. Einer der Männer von der Marineflak hat dies einmal folgendermaßen geschildert: „Dann kam General Dietl […] ‚Det is’n Jeneral‘, sagte einer von uns, als Dietl nach langer Unterhaltung wieder weitergeradelt war, ‚ick hab mir n‘ Jeneral immer ganz anders vorjestellt, so’n Zugeknöppten bis ohnenhin. Aber ick laß mir jerne bekehren.'“ Als Dietl einmal […]

So wird in dem Stocker Buch, der wehrmachtigen Ehre und dem wehrmachtigen Stolz verpflichtet, über Eduard Dietl geschrieben. Und was Dietl nicht nur einmal tat, davon ist im Stocker Buch nichts zu lesen, was Eduard Dietl tat und wer Eduard Dietl war, dafür müssen andere Schriften aufgeschlagen werden, Bücher, von denen der Stocker-Verlag bis zum Heute herauf wohl meinte, diese zu verlegen, wäre unter seiner Ehre —

Den Sieg der Gebirgsjägertruppen gegen britische und norwegische Truppen im Kampf um die
strategisch wichtige Hafenstadt Narvik schlachtete die NS-Propaganda aber besonders aus, um populäre
Kriegshelden zu schaffen. Zum Volkshelden stilisierte Propagandaminister Joseph Goebbels an erster
Stelle den Befehlshaber der 3. Gebirgsdivision Eduard Dietl, seit 1919 ein enger Wegbegleiter Hitlers.

Die Kärntner Nationalsozialisten versuchten Narvik und das GJR 139 für ihre eigenen Interessen zu nutzen. Die Kärntner Version des Narvik-Mythos verknüpfte die Verherrlichung des „Abwehrkampfes“ von 1919/20 mit den Oden an die Kampfbereitschaft der Gebirgsjäger am Eismeer, im Kaukasus und auf Kreta. Hatten die Kärntner 1919/20 an der Südgrenze des Deutschtums einen „Sieg in deutscher Nacht“ für das Reich erfochten, würden sie nun an seinen äußersten Fronten die „Ehre Kärntens in ihrer Faust halten“, wie SS-Sturmbannführer Karl Fritz postulierte. Die Kärntner NS-Führer erinnerten stets an das Wort Hitlers „Narvik hat mir den Krieg gewonnen“, um zu betonen, dass der „Großteil der Gebirgsjäger aber, die Narvik nahmen, […] Söhne unserer geliebten Heimat“ waren. Ähnliches über die Ausnahmestellung der Kärntner Gebirgsjäger wurde den Schulkindern erzählt. Nach dem Kärntner Geschichtslehrplan vom Jahr 1941 wurden sie über germanische Siege vom „Abwehrkampf“ über die „Befreiung im März 1938“ bis zum Sieg von Narvik unterrichtet: „Als treue Kämpfer des Reiches stehen die Kärntner heute an allen Fronten dieses Krieges. Vor allem haben sie mit den Steirern Narvik dem Reich erkämpft!“ Immer wieder zogen die Kärntner Nationalsozialisten als Kronzeugen für den besonderen Heldenmut der Landessöhne den Befehlshaber der 3. Gebirgsdivision Eduard Dietl heran, der bald nach dem Triumph von Narvik Kärnten einen Besuch abstattete und ein „großes Narvikkämpfertreffen nach Kriegsschluß in Klagenfurt“ ankündigte. Bei einem zweiten Besuch in Kärnten Ende November 1942 wieder mit großen Kundgebungen musste Dietl schon verkünden, dass er an den „Sieg Deutschlands glaube“. Narvik wurde beschworen, um die Soldaten und die Bevölkerung auf die Gewissheit des Sieges in bereits schwieriger Lage einzuschwören. „Dieser Krieg verlangt alles – auch von der Heimat!“ – „Der Tag wird kommen, da wir zurückschlagen werden!“ lauteten die Parolen. Während Dietl in seinen Reden mobilisierte, betrieb Gauleiter Rainer bereits besondere Traditionspflege für das GJR 139: „Und dennoch darf Kärnten für sich ein besonderes Vorrecht beanspruchen: jenes Regiment, das mit Ihnen in Narvik kämpfte und aushielt, ist das Traditionsregiment zweier Kärntner Truppenkörper, das Khevenhüller-Regiment Nr. 7 und das Gebirgsschützen-Regiment 1 – es ist unser heimisches Gebirgsjäger-Regiment. Die ruhmvolle Geschichte dieser Truppenkörper, deren Tradition von dem jungen Kärntner Regiment fortgesetzt und gepflegt wird, ist die Grundlage des Stolzes und des Vertrauens der Heimat auf ihre Soldaten.“ Hoch im Norden zelebrierte das GJR 139 am 10. Oktober die Erinnerung an den „Abwehrkampf“ als Beispiel für den gegenwärtigen Kampf gegen den „Bolschewismus“. Einer der Proponenten dabei war der Propagandaleiter des Abwehrkampfes und NS-Funktionär Hans Steinacher, der nun Festungskommandant von Kirkenes war. Dort schrieb er seine Memoiren „Sieg in deutscher Nacht. Ein Buch vom Kärntner Freiheitskampf“ und pries das „deutsche Schwert“.

Die mit Dietl aufs Engste verbundene reichsweite Version des Narvik-Mythos und seine Anwendung in
der Kriegspropaganda war von Rassismus und Antisemitismus durchdrungen. Dietl agierte nicht aus
Anpassung an das Regime (wie es vielleicht bei […] der Fall war); er war ein Nationalsozialist der
ersten Stunde.

Dietl konnte sein Versprechen vom Dezember 1940, nach dem Krieg ein großes Narvik-Treffen in Klagenfurt zu veranstalten, nicht wahrmachen – er verunglückte im Jahr 1944. Aufgrund des
Ausbleibens des „Endsiegs“ und der alliierten Besatzung war es auch den Veteranen seiner
Truppenkörper bis 1955 versagt, dieses Vorhaben zu realisieren.

Nach dem Ende der Besatzung verging nur kurze Zeit bis der ranghöchste Militär Kärntens Anton
Holzinger als Kommandant der 7. Gebirgsbrigade des Bundesheeres Dietls Versprechen in die Tat
umsetzte und die Traditionslinie, wie sie Gauleiter Rainer gezeichnet hatte, weiterführte, indem er die
Soldaten der 7. Gebirgsbrigade in die Nachfolge des GJR 139 setzte. Er war der maßgebliche Akteur
der großen Gebirgsjägerfeier im Jahr 1959, bei der er den „kühnen Sieg über Norwegens Nordarmee“
pries, von einem der „kühnsten Unternehmen der Kriegsgeschichte“ sprach. Ähnlich schwülstig und
fast wortgleich wie Rainer 1942 meinte er: „Das Regiment, das die Hauptlast des Kampfes trug und dessen Helden die Männer von Narvik waren, war das Kärntner Hausregiment, das wieder unvergänglichen Lorbeer um sein Feldzeichen gewunden hatte.“

Im Gegensatz zu dieser Veteranenliteratur gilt die Schlacht um „Narvik“ in der militärwissenschaftlichen Forschung nicht als heroische militärische Manöverleistung numerisch unterlegener gegen übermächtige Truppen. Sie wird im Hinblick auf die Lehren, die die Wehrmachtsführung aus dem Kampf zog, durchwegs kritisch gesehen. Eine Erkenntnis war, dass die verbissene Kriegsführung Dietls und seiner Regimentskommandanten Hitler von seiner bereits gezeigten Bereitschaft gegen eine Übermacht von feindlichen Truppen zu kapitulieren (er empfahl den Abzug nach Schweden) abgebracht hatte. Hitlers spätere Devise des Kämpfens bis zum letzten Mann wurde als eine Konsequenz der Erfahrung von Narvik verstanden – „die dann Hunderttausenden Soldaten das Leben kosten sollte“. So gesehen führte der Sieg von Narvik in den Untergang von Stalingrad.

Eine andere Relativierung des Heroismus der Gebirgsjäger bringt die Tatsache, dass die Einnahme von Narvik am 8. Juni 1940 wesentlich durch den vorzeitigen Abzug der britischen Truppen an die Westfront erleichtert wurde. Hinzu kam die Einschätzung, dass Dietl insbesondere beim folgenden Angriff auf die Sowjetunion skrupellos große Verluste unter den eigenen Soldaten in Kauf nahm.

Dennoch steht Dietls truppendienstliche Verantwortung für Kriegsverbrechen außer Zweifel. Die von ihm beim Angriff auf die Sowjetunion in Finnland kommandierten Truppenkörper führten den Kommissar-Befehl aus und übergaben Kriegsgefangene zur Exekution an den Sicherheitsdienst der SS. Im Vergleich zu anderen Frontabschnitten machte die Norwegenarmee 1941 nur wenige sowjetische Gefangene – der Grund, warum in den Divisionsakten kaum Exekutionen von Rotarmisten nachweisbar sind. Römer verweist zugleich auf den Feldpostbrief eines Soldaten, in dem es hieß, dass sowjetische Politoffiziere sofort liquidiert würden. Angelastet wurde Dietl auch die Verantwortung für Feldstraflager in Norwegen und Finnland, in die verurteilte Strafgefangene – unter ihnen viele Wehrmachtssoldaten – aus Konzentrationslagern und Wehrmachtsgefängnissen eingewiesen wurden. Hier kam es wiederholt zu Exekutionen von arbeitsschwachen Häftlingen. Der Osttiroler Soldat des GJR 139 David Holzer war 1942/43 an der Front bei Murmansk und nannte als ein Motiv für seine Desertion die unmenschliche Behandlung von sowjetischen Kriegsgefangenen. In einem Interview mit dem Autor schilderte er eine willkürliche Erschießung von sechzig Kriegsgefangenen, nachdem sechs aus einem Kriegsgefangenenlager entwichen waren.

Fast zur gleichen Zeit als […] erstmals als Namenspatron für das ehemalige Kommandogebäude
des GJR 139 in Klagenfurt vorgeschlagen wurde, stellte die deutsche Bundeswehr 1964 eine Kaserne
in Füssen unter die Namenspatronanz von „Generalsoberst Dietl“. Eine zweite Kaserne in Bayern wurde
nach dem Kommandanten der 1. Gebirgsdivision der Wehrmacht Ludwig Kübler benannt. Doch in
Deutschland wurde dieser Art von Traditionspflege weit konsequenter als in Österreich widersprochen.
Nach jahrelangen Protesten von Bürgerinitiativen entschied der damalige Bundesminister der
Verteidigung Volker Rühe (CDU) 1995 gegen den Widerstand von Kameradschaftsverbänden der
Gebirgsjäger beide Kasernen neu zu benennen, weil Dietl und Kübler keine Vorbilder für die Streitkräfte
einer demokratischen Republik sein können. Die Kasernen bekamen unverfängliche topographische
Bezeichnungen.

Dies ist zitiert aus dem Gutachten Ein Fall „besonderer Traditionspflege“ von Peter Pirker.

Im gegenwärtigen Stocker-Programm wird die „Narviksaga“ nicht mehr geführt. Jedenfalls bringt die Suche kein diesbezüglichen Treffer. Als Treffer angeboten wird dafür „Krieg im Eismeer“, in dessen Werbung gleich prominent der Name Eduard Dietl gesetzt ist, und wie recht kritisch die Werbung für Stockers Buch —

Damit war ein neuer Held geboren: General Eduard Dietl erhielt als „Sieger von Narvik“ als erster Soldat der Deutschen Wehrmacht das neu gestiftete Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Nicht weniger als sieben weitere Narvik-Kämpfer des Gebirgsjäger-Regiments 139 wurden mit dem begehrten Ritterkreuz ausgezeichnet. Ein Jahr später hatte Dietl als Kommandierender General des eigens für ihn zusammengestellten Gebirgskorps Norwegen den Auftrag, im Rahmen des Russlandfeldzuges über eine Strecke von rund einhundert Kilometern den sowjetischen Eismeerhafen Murmansk und die Murmanbahn zu erobern, die immer mehr von den alliierten Geleitzügen angesteuert wurden, um die UdSSR mit Kriegsmaterial aller Art zu versorgen. Aber Dietl, der nie eine Generalstabsausbildung durchlaufen hatte, scheiterte an dieser Aufgabe. Als einzigem Kommandierendem General der gesamten Ostfront gelang es ihm trotz wiederholter Angriffe bei allergrößten Verlusten nicht, sein operatives Ziel – Murmansk und die Murmanbahn – zu erreichen. Dieser Misserfolg war neben anderem auch darauf zurückzuführen, dass die besonderen Kampfverhältnisse am Eismeer bei der Vorbereitung der Offensive gegen diesen wichtigen Nachschubweg nicht die notwendige Beachtung gefunden hatten. Der Sieg bei Narvik war Voraussetzung für die Offensive gegen Murmansk. Der Rückschlag an der Murmanbahn degradierte den deutschen Erfolg von Narvik zum Pyrrhussieg. Unter dem Gesichtspunkt dieser Wechselbeziehung wird in diesem Buch erstmals die Schlacht in der Arktis in den Kriegsjahren 1940 bis 1941 zusammenfassend dargestellt.

Dieses Buch ist von einem Autor, der bereits einmal in einem Kapitel erwähnt wurde, in dem es auch um „Gebirgsjäger“ geht, auch um einen General, den alle kannten, ihren General

Stockers Springenschmid läßt sein Buch, das aus dem Landaufsherzgeschäft neben Obst und Gemüse mitgenommen wurde, um es Unbedarften, die unbedarft sein wollen, der Lektüre zu entziehen, wie folgt enden:

Die Kämpfe um Narvik haben, so scheint es, keinen berufenen Sprecher mehr. Auf den Gräbern der Gefallenen blüht, was der kurze arktische Sommer an Blumen schenkt. Aber auch dies sind Blumen des Vergessens. Und doch – je mehr sich der zeitliche Abstand, der uns von jenen Tagen trennt, vergrößert, desto deutlicher treten die Grundlinien dieses Kampfes hervor, des letzten Kampfes, den Soldaten gegen Soldaten geführt haben, ohne daß Material und technische Perfektion das Bild des Kampfes bestimmt hätten. In diesem Sinne wird der Kampf um Narvik immer im Gedächtnis der Welt bleiben.

Noch viel tiefer hat sich die Erinnerung an diesen Kampf dem norwegischen Volke eingeprägt; denn vor dem Hintergrund des permanenten Friedens, in dem die Norweger zu leben gewohnt waren, zeichnen sich die Konturen dieses Kampfes mit besonderer Deutlichkeit ab, auch wenn der Zwiespalt der öfffentlichen Meinung noch immer die Gültigkeit dieses Bildes stört. Doch längst sind die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, vernarbt. Aus Schutt und Asche ist Narvik auferstanden, größer, reicher, schöner denn je, tüchtig und lebensfroh wie immer. Unablässig rollen die langen Erzzüge von den Bergen herab, und im Hafen stehen deutsche Frachtschiffe friedlich neben englischen, um das begehrte Schwedenerz aufzunehmen. Warum dieser Kampf? fragt die junge Generation der Stadt, wenn alles so ist, wie es früher war? Erz genug! Erz für alle! Erz für alle! Die Motive dieses Kampfes sind uninteressant geworden. Die Fragen der Jugend bleiben ohne Antwort. Es ist nicht üblich, über das, was diese Stadt erlebt hat, zu sprechen. Den Menschen des Nordens liegt das Schweigen näher als das Sprechen. Was den Älteren noch Erinnerung ist, ist der jungen Generation Legende geworden. Mag sein, daß in fernen Zeiten der Kampf, den die Männer dieses Landes um dieses Stück Arktis geführt haben, für die Menschen des Nordens, die gewohnt sind, hinter die Dinge zu blicken, aus der geschichtlichen Wirklichkeit in jene geheimnisvolle Welt der Saga emporgehoben wird, in der uns die großen Gestalten dieses Volkes begegnen: Der Kampf um Narvik wird zur Narviksaga werden.

Stockers Buch aus dem Landaufsherzgeschäft war in einem tadellosen Zustand, es muß mit dem Buch über Jahrzehnte sorgsam umgegangen worden sein, behütet worden sein wie ein sachensburgischer Familienerbschatz – es fehlte bloß der Schutzumschlag, dann hätte es als ganz neuwertig feilgeboten werden können. Aber vielleicht wurde es erst viel später, lange nach seinem ersten Erscheinen gekauft. Es kann immer noch gekauft werden, auch jetzt noch, im Jänner 2023, sogar mit seinem Schutzumschlag, auch von einem sachsenburgerischen Zuhause aus kann es bequem bestellt werden, in dem Laden, der alles führt, freilich nicht um eine Spende von einem Euro, sondern um 23,99 Euro – „Sofortversand, sicher und zuverlässig aus Österreich“ …

Es hätte Stockers Buch im Landaufsherzgeschäft – ein Land auf ein Herz legen, was für eine Masse, was für ein Gewicht, das muß doch ein Herz zu einem Lappen plattwalzen, für seine natürlich vorgesehene Funktion nicht weiter zu gebrauchen, vielleicht noch nach seiner Trocknung brauchbar zum Aufwischen des Bodens – liegengelassen bleiben können, wie töricht zu meinen, ein Buch Unbedarften der Lektüre entziehen zu wollen, wenn Unbedarfte, die unbedarft sich geben, jedwedes Buch heutzutage so leicht erwerben können, mit ein paar Klicks, und das nicht nur in diesem Laden, und das nicht nur von Sachsenburg aus …

In diesem Laden ist zu erfahren, wann Stockers Buch zum ersten Mal erschien: 1. Jänner 1968.

Übrigens. Es gibt noch einen „Führer des Narvikkampfes“, der in Stockers Buch einen ehrenstolzen Platz einnimmt, von dem wird doch noch zu erzählen sein, im nächsten Kapitel, aber nicht seinetwegen, sondern wegen der Partei der Vergangenheit in der Gegenwart, die sich um diesen „Führer“ bemüht, die nicht will, daß sein Name ausgetasucht wird, die ihre seine Sage

„Und alle, die in Österreich leben“, haben zu warten, aber nicht darauf, worauf „Österreicherinnen und Österreicher warten – und ich auch“

So schön hat er seine Ansprache begonnen, und so integrativ, alle hat er mit seinen Wünschen von ganzem Herzen für ein gutes neues Jahr bedacht, die lieben Österreicherinnen, die lieben Österreicher, und, ja, auch alle, die in Österreich leben.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle, die in Österreich leben, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein gutes Neues Jahr.

An diesem Sonntag, dem 1. Jänner 2023.

So schön hat er seine Ansprache beendet, und so integrativ, alle hat er mit seinen Wünschen bedacht, alle in sein Herz ganz eingeschlossen, die lieben Österreicherinnen, die lieben Österreicher, und, ja, auch alle, die in Österreich leben.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle, die in Österreich leben, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein gutes Neues Jahr.

An diesem Sonntag, dem 1. Jänner 2023.

Und zwischen Beginn und Ende seiner Ansprache?

Was sprach er zwischen Beginn und Ende?

Und innenpolitisch, als ob das alles noch nicht genug wäre, sehen wir uns nach wie vor mit diesem, wie ich es genannt habe, „Wasserschaden“ konfrontiert: Dem Zweifel an der Integrität der Politik. Und auch da sind entsprechende Schritte noch immer nicht gesetzt. Die Generalsanierung hat noch immer nicht begonnen. Und so viel möchte ich an dieser Stelle sagen: Die Österreicherinnen und Österreicher warten darauf.

Und ich auch.

Das sprach er zwischen Beginn und Ende seiner Ansprache, ebenso schön, so blumig ganz von seinem Herzen weg, nein, zutreffender, um in seinem Bild zu bleiben: so wässrig, und nicht so genau wie zu seinem Beginn und seinem Ende seiner Ansprache. Er zweifelt an der Integrität der Politik, er zweifelt gleich an der Integrität der gesamten Politik, während der Zweifel an der Integrität lediglich bestimmter Politik zu machen meinender Parteien berechtigt ist —

„Die Österreicherinnen und Österreicher warten darauf.“

Auf „die Generalsanierung“.

„Und ich auch“.

So von ganzem Herzen spricht er an diesem ersten Sonntag des Jahres 2023.

Wen werden sie, die bestimmte Politik zu machen meinenden Parteien, warten lassen? Die Österreicherinnen und Österreicher? Und ihn auch, der sich, von ihnen abgesetzt, ich nennt?

Wen die bestimmten Parteien der Parteipoltik nicht warten lassen werden, das ist an diesem ersten Sonntag des Jahres 2023 bereits gewiß: Alle, die in Österreich leben. Die bestimmten Parteien der Parteipolitik werden alle, die in Österreich leben, nicht warten lassen, weil diese alle, die in Österreich leben, auf nichts zu warten haben, es genügt, daß sie alle in Österreich leben dürfen, und das hat er an diesem ersten Sonntag des Jahres 2023 deutlich gesprochen, die Österreicherinnen und die Österreicher und er dürfen auf etwas warten, dürfen sich etwas erwarten, aber nicht alle, die in Österreich leben, alle, die in Österreich leben, hat er nicht in das Warten der Österreicherinnen und Österreicher und auch nicht in sein Warten einbezogen, er hat alle, die in Österreich leben, vom Warten ausgeschlossen

Er spricht menschgemäß von Hoffnung an diesem ersten Sonntag des Jahres 2023. Alle, die in Österreich leben, aber nach seiner Definition, keine Österreicherinnen, keine Österreicher und auch er nicht sind, gehen einem guten neuen Jahr entgegen; sie brauchen auf nichts zu warten, es wird ihnen schon am ersten Sonntag des neuen Jahres vom höchsten Staatsstuhl aus gelächelt bescheinigt, von ihnen allen, die in Österreich leben, wird nicht erwartet, daß sie warten, gar darauf, wie die Österreicherinnen und Österreicher, und er auch …. die Generalsanierung

Sie, alle, die in Österreich leben, werden es deshalb auch im Jahr 2023 besser, schöner haben, sind sie doch des Wartens enthoben, staatsspitzenerlöst von der Teilhabe, auch am gemeinsamen Hoffen, soher gerettet vor Enttäuschung … die Hoffnung enttäuscht doch alleweil zuerst.

So schön also hat er gesprochen, an diesem ersten Sonntag im neuen Jahr, er hat alles aufgeboten, das ein Land zu einem Kulturland macht, und es ist seine Amtspflicht, dieses Land der Kunst und der Kultur so zu präsentieren, daß sofort alle, ob sie in Österreich leben, aber auch alle, die nicht in Österreich leben, daß die lieben Österreicherinnen, daß die lieben Österreicher, und der liebe Er auch, sofort wissen, daß ist das Land, das „unser Land“ ist, ihr Land der Kultur, ihr Land der Kunst, der Musik, der Literatur … und er fand dafür Bilder, Bilder fand er dafür, solche Bilder, charakteristisch für

In diesem Moment wird er sich eins gefühlt haben, und aus diesem Einsgefühl heraus kann er an diesem Sonntag sagen, ihrer Zustimmung gewiß: „Sie kennen solche Bilder. Das ist charakteristisch für …“

Dass man die Hoffnung zulässt. Dass man es zulässt, die guten Dinge zu sehen. Dass man im Kopf die Möglichkeit des Erfolgs zulässt. Dass man trotz aller Schwierigkeiten an einen guten Ausgang glaubt. Auch wenn die Rahmenbedingungen höchst herausfordernd sind. Ein Beispiel: Sportlerinnen und Sportler wissen ganz genau, dass ein guter Wettkampf im Kopf beginnt. Deswegen sieht man Skirennläufer oft vor dem Start in Gedanken die Strecke hinunterfahren. Sie nehmen im Kopf schon jede Kurve und jeden Sprung so, wie es ideal wäre. Sie kennen solche Bilder. Das ist charakteristisch für Leistungssportlerinnen. Manche halten das für ein bisschen seltsam.

So schön hat er gesprochen. An diesem ersten Sonntag im neuen Jahr. Am 1. Jänner 2023. Wo andere nur eine Stirn sehen, sofern sie nicht hinter Helm und Skibrille verborgen ist, sie vielleicht die Spitze der Nase sehen, sieht er die Gedanken im Kopf hinunterfahren

Es wird eine Rede gewesen sein, an diesem ersten Sonntag im Jahr ’23, die nicht ohne Wirkung bleiben wird. In den Schulen, vielleicht sogar schon in den Volksschulen, werden alle, die in die Schule gehen, ihre Lehrer selbst darum ersuchen, sie abzufragen, und die Lehrerinnen werden dies gerne tun:

Wir mögen nicht alle Leistungssportlerinnen- und sportler sein, aber jede und jeder von uns hat jeden Tag Aufgaben zu bewältigen. Wichtige Aufgaben, die in Summe unseren Erfolg als Gemeinschaft ermöglichen.

Und nach dieser kurzen Einleitung, gelernt aus der Sonntagsrede, werden sie ihre Schüler fragen, nun, wer hat welche Aufgaben im Land … und ihre Schülerinnen werden es mit Freuden, wie von ihnen an diesem Sonntag vorgesagt, kanonisch aufsagen, auswendig, von ganzem Herzen, und ohne Schummelzettel

Die Arbeit der alleinerziehenden Mütter.
Die Arbeit in pflegenden und medizinischen Berufen und im ganzen Sozialbereich.
Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer.
Der Schülerinnen und Schüler.
Der freiwilligen Vereine – unserer Zivilgesellschaft.
Der Menschen, die sich politisch engagieren.
Die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten.
Die Arbeit der Beschäftigten in der Wirtschaft.
Der Unternehmerinnen und Unternehmer.
Unseres Mittelstandes.
Der Ingenieurinnen und Ingenieure.
Unserer Bäuerinnen und Bauern.
Die Arbeit im Tourismus.
Die Arbeit der Menschen in Verwaltung,
Exekutive und Bundesheer.
Und natürlich der Beitrag der Pensionistinnen und Pensionisten.
Der Opas und Omas, Mamas und Papas.