Noch ein Kapitel darüber oder dazu zu schreiben? Im Grunde, auserzählt. Aber, weitermachen. Schließlich ist es ein Roman der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit, der Roman. Auserzählt erzählen.
Die identitäre Parlamentspartei im Haus der Usancen wird es nicht zu überdenken brauchen, ob sie statt Martin Graf eine weitere ehrenwerte Person aus ihrer Reihe nominiert, sie wird ohne denken zu müssen, sogleich eine Person aus ihrer Gesinnungsgemeinschaft nominieren können, eine ehrenwerte Person aus ihrer Reihe, die ebenso gewichtig ist, die ebenso international erfahren ist, wie Martin Graf. Sie wird sofort zum Beispiel Axel Kassegger oder auch sofort Christian Hafenecker nominieren können, zwei Männer, die mit Martin Graf nach Paraguay reisen, in ein Land, das Martin Graf gut kennt, in das er mehr als zweimal reiste, und als kunstsinniger Mensch auch einmal mit einem begnadeten Maler an seiner Seite.
Für eine Nominierung von Axel Kassegger spräche, daß er es den anderen Parteien im Haus der Usancen die Entscheidung, ihn zu wählen, wohl leicht machte, gemäß den österreichischen Usancen.
Er, Kassegger, gilt als „liberal“ – in einer Partei in Paraguay, wie ihm anläßlich eines weiteren Aufenthalts in Paraguay von Fernando Silva Facetti am 2. November 2022
Hoy me visitaron dos buenos amigos de #Austria, los diputados Dr MARTIN GRAF y el Dr Axel KASSEGGER , ambos colegas LIBERALES. Acompañados por el encargado de negocios del Consulado se AUSTRIA, Jan Paessler
Was auf Axel Kassegger zutrifft, also ein liberaler Amigo zu sein, trifft auf Martin Graf recht zu, also ein liberaler Amigo zu sein. Soher hätte bereits Martin Graf am 30. November 2022 in den Nationalfonds gewählt werden können …
Aber das scheint so eine Usance im Haus der Usancen zu sein. Eine Person nicht zu wählen, in der Vertagung einen Akt des ehrenwerten Widerstands zu sehen, um dann eine Person zu wählen, als Zeichen der ehrenwerten Haltung, die eine ebenso liberale Amiga —
Die gesinnungsgemäß zensurierte Website läßt einem Mythos gedenken, der auch ihr ein Mythos sein wird, sonst würde sie wohl kaum, mit Menno Aden einstimmen in das Gedenken an den Schwertvollbärtigen in der Schlucht
Keine Schriftenreihe adelt Menno Aden mehr als diese, keine Schriftenreihe ist mehr das Rechtbeste für Menno Aden als diese, aber auch die Schriftenreihe selber kann sich geehrt fühlen, mit Stolz verkünden, Produkte des Menno Aden verkaufen zu dürfen, dadurch von ihm ebenfalls geadelt zu werden, diese für Menno Aden selber das Rechtbeste …
Gemeinnützlich wie die gesinnungsgemäße Website ist, unterstützt sie, daß das Produkt von Menno Aden und der österreichischen Landsmannschaft verkauft wird, was ja der Zweck von der österreichischen Landsmannschaft und Menno Aden ist: zu verkaufen. Sie schreibt gesinnungsgemäß wohlwollend über dieses Produkt und verlinkt auch zum Marktplatz der österreichischen Landsmannschaft, um ihrer Schaft der Lesenden das Kaufen so bequem wie möglich —
Was aber verkauft Nationalrat Axel Kassegger?
Auf einem Marktplatz mit seinen Ramschkörben kann schon einmal etwas durcheinanderkommen, von Kaufwütigen auf der panischen Suche nach Billigem durcheinander geschmissen; so dürfte es auch auf diesem Marktplatz geschehen sein, dessen Ramschkorb den Eindruck vermittelt, das alles hätte Karl May geschrieben:
und vielleicht birgt das in Ramschkörben Durcheinandergebrachte doch eine Wahrheit, die sonst nicht so offensichtlich …
Auch bei den Kommentaren, wie beispielhaft an einem unter der Eckartschriftsverkaufhilfe zu erkennen ist, geht es um das Verkaufen von unterschiedlichen Produkten einer Firma in Hohenzell im Bezirk Ried im Oberösterreichischen. Das legt der Link nahe, mit dem bequem kfzteilemann aufgerufen werden kann, um Reifen, Uhren, Immobilien —
„!!Bitte überall verteilen!!“
Der anschließende Kommentar selbst hat nichts mit den Produkten dieses Unternehmens zu tun … es scheint sich dabei um eine äußerst innovative Werbung zu handeln —
Was eigentlich verkauft Axel Kassegger?
Dann gibt es, wie gesehen werden kann, eine ausgewiesene Werbung. Wodurch sofort gewußt wird, ja, es will etwas verkauft werden. Der Auf 1 Shop will verkaufen, auch Bücher, wie dieses: „Transhumanismus – Krieg gegen die Menschheit – Die Spritze war nur der Anfang“ …
Auf der Website von Auf 1 Shop schreibt Sigurd Ragnar Lothbrok, dem auf Erden schon das ewige Leben beschieden, denn er lebt seit der Wikingerzeit, das altnordische Dichtung belegt:
„Erstklassig! Ein Augenöffner für die Menschheit! Was ich mir seit Jahren denke in diesem Buch bestens und absolut verständlich zusammengefasst! Möge es viele Menschen erreichen und wieder zum Denken verhelfen. Absolut empfehlenswert. Danke für dieses Meisterwerk an Stefan Magnet und sein Team.
Jedoch, es gibt bei ihm, Kassegger, keinen Webshop, wie bei der österreichischen Landsmannschaft, wie beim Auf 1 Shop, wie beim KFZTeilemann, um bequem etwas in den Warenkorb werfen zu können, mit dem dann bequem zur Kasse … Das geht auch nicht. Es werden keine Produkte angeboten.
Axel Kassegger stellt zwar inmitten von digitalen Verkaufsbudeln sein Wünscheplakat auf, aber es kann doch nur der Schluß gezogen werden:
Axel Kassegger verkauft nichts, nichts …
Sein Wünscheplakat ist wohl nur zur Zierde aufgestellt, so wie im Advent beispielsweise die Weihnachtsmarktstände verziert sind, mit Glühsternbirnchen …
Es hätte ein Kapitel eingeschoben werden sollen, in dem etwas über die gesinnungsgemäß zensurierte Website erzählt wird, wieder einmal, obwohl vor langer Zeit schon gedacht wurde, an diese kein Kapitel mehr zu verschwenden —
Ehe also ein weiteres Kapitel zu dieser gesinnungsgemäßen Website doch noch eingeschoben wird, ist diesem ein Kapitel über den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus voranzustellen oder in dieses einzuschieben.
Es geht dabei um die Wahl der Mitglieder.
Am 30. November 2022 gab es im Hauptausschuss im österreichischen Parlament eine Aufregung. Die identitäre Parlamentspartei vulgo FPÖ wollte Martin Graf in den Nationalfonds bringen.
auch Martin Graf wurde einst im österreichischen Parlament mit einer beeindruckenden oder bedrückenden Mehrheit zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt, und
wenn der Name Martin Graf fällt, kann der steiermärkische Verlag nicht unerwähnt bleiben, mit dem unweigerlich an den ersten Nationalratspräsidenten zu erinnern ist, der seit dem Dezember 2017 Vorsitzender des Kuratoriums des Nationalfonds – wohl ein rechter Anlaß, ihm zum Jubiläum fünf Jahre Vorsitz ein goldenes Ständchen im Parlament —
In der noch am selben Tag ausgeschickten Presseaussendung des Pressediensts der Parlamentsdirektion ist über die Vertagung zu lesen, am 30. November 2022:
Wahl eines Mitglieds für das Kuratorium des Nationalfonds vertagt
Als Nachfolger des bisherigen FPÖ-Mitglieds im Kuratorium des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus Dagmar Belakowitsch haben die Freiheitlichen den Abgeordneten Martin Graf nominiert. Der formal von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka eingebrachte Wahlvorschlag (208/HA) wurde vom Hauptausschuss mit breiter Mehrheit vertagt.
Für die Sozialdemokrat:innen sei diese Nominierung – bei allem Respekt für die gewöhnliche Vorgangsweise, dass jede Fraktion selbstständig Mitglieder nominieren könne – eine Provokation und nicht akzeptabel, sagte Jörg Leichtfried (SPÖ). Er sah darin eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus und ihrer Angehörigen. Leichtfried appellierte an die FPÖ, in sich zu gehen und eine andere Person vorzuschlagen. Dagmar Belakowitsch (FPÖ) ortete einen Bruch mit den Usancen des Hohen Hauses. Sie verstehe nicht, wo die Provokation liege. Martin Graf sei schließlich einer der erfahrensten Abgeordneten im Parlament und bereits von 2008 bis 2013 Mitglied im Kuratorium des Nationalfonds gewesen. Martin Graf sei Mitglied der schlagenden Burschenschaft Olympia, wo regelmäßig Rechtsradikale, Neonazis und Geschichtsrevisionist:innen zu Gast seien, hielt Martin Engelberg (ÖVP) entgegen. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) habe die Burschenschaft als rechtsextrem eingestuft. Ein freiheitlicher Mandatar sei gar aus der Verbindung ausgetreten. Ihm sei unerklärlich, warum die FPÖ nicht die Sensibilität habe, zu verstehen, dass es ein No-Go sei, jemanden wie Martin Graf für den Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus zu nominieren, sagte Engelberg.
Eva Blimlinger (Grüne) erläuterte wie Nikolaus Scherak (NEOS), dass Martin Graf in der Vergangenheit aufgrund seiner Rolle als Dritter Nationalratspräsident Kuratoriumsmitglied im Nationalfonds gewesen sei. Als Reaktion darauf habe der damalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde seine Funktion im Kuratorium ruhend gestellt. Für Blimlinger sei es den Opfern des Nationalsozialismus und ihren Hinterbliebenen nicht zumutbar, dass ein „mit Rechtsextremismus erfahrener“ Abgeordneter im Nationalfonds eine Stimme habe. Scherak äußerte sich auch zum Umgang mit Usancen im Haus. Er sei zwar grundsätzlich dafür, diese einzuhalten. Die Abgeordneten sollten aber auch die Eignung von Nominierten bewerten, weil sonst Wahlen ad absurdum geführt werden würden.
Meisterin und Meister der Usancen. Ein kluges Wort, das Nikolaus Scherak einbringt: Usancen … Usancen, die auch dann, wenn die Eignung bewertet wird, eingehalten werden, in diesem hohen Haus der österreichischen Usancen, die auch österreichische Traditionen genannt werden können. Allerdings. Mehr als die Wahl ist deren Vertagung dazu angetan, auch mit Blick auf so manches Mitglied des Nationalfonds, ad absurdum —
Christian Hafenecker (FPÖ) sprach sich gegen eine pauschale Verurteilung von Personen oder Vereinen aus. Den Hintergrund der Diskussion vermutete er darin, dass sich die Grünen-Abgeordnete Blimlinger für die Koalition mit der ÖVP schäme, die er mit Korruption in Verbindung brachte. Für diese Äußerung erteilte ihm Ausschussvorsitzender Wolfgang Sobotka einen Ordnungsruf. Das komme zum ersten Mal im Hauptausschuss vor, so Sobotka. Einen weiteren Ordnungsruf kassierte Dagmar Belakowitsch (FPÖ) für die Aussage, dass der „Gesinnungsterror mittlerweile wichtiger als die Usancen im Haus“ seien. Belakowitsch betonte, dass Graf ein unbescholtener Mensch sei. Eva Blimlinger (Grüne) konterte, dass in dieser Frage nicht das Strafrecht die Richtschnur sein dürfe. Wenn alle Menschen mit antisemitischer Einstellung verurteilt würden, wären die Gefängnisse übervoll, sagte sie.
Die FPÖ zeigte sich über diese Aussage empört und forderte einen Ordnungsruf ein. Wolfgang Gerstl (ÖVP) betonte, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, entgegen der üblichen Vorgangsweise im Parlament zu verfahren. Immerhin werde der Wahlvorschlag aber nicht abgelehnt, sondern lediglich vertagt. Damit wolle man der FPÖ die Möglichkeit geben, ihre Nominierung zu überdenken.
„Immerhin werde der Wahlvorschlag aber nicht abgelehnt, sondern lediglich vertagt.“ Das wird wohl recht die Mannenschaft und Frauenschaft im steiermärkischen Verlag freuen, die auch mit dem Nominierten in der Gesinnungsschaft … Die identitäre Parlamentspartei wird die Großzügigkeit des Wolfgang Gerstl, der sich keine Entscheidung leicht macht, der auch stets die rechten Worte, als wäre er ebenfalls mit einer Engelszunge gesegnet, zu sprechen weiß, zu danken wissen, und also ihre Nominierung überdenken, und wenn sie alles recht überdacht haben wird, wird sie vielleicht Christian Hafenecker nominieren, oder vielleicht diesen Abgeordneten aus der Gesinnungsschaft, von dem noch zu erzählen sein wird.
Wer immer auch nominiert werden wird, vielleicht doch wieder Martin Graf, vielleicht Christian Hafenecker, vielleicht auch dieser Abgeordnete, von dem noch zu erzählen sein wird, es wird im Haus der Usancen Zufriedenheit darüber herrschen, vertagt zu haben, es wird im Haus der Usancen alle es sich hoch anrechnen, vertagt zu haben, widerständig gewesen sein, in der Vertagung Widerstand — und dann die Wahl gemäß den Usancen im Haus der Usancen von … mag es Christian Hafenecker sein, mag es der Nationalrat sein, von dem noch zu erzählen sein wird, es wird eine Entscheidung sein, die sich alle nicht leicht gemacht haben werden, und manche aus dem Haus der Usancen werden späterhin vielleicht mit Stolz erzählen, es sich zu Ehre gereichen lassen, wie es war, dabei gewesen zu sein, damals, als im Haus der Usancen Widerstand
Es muß eingestanden werden, auf das Überfälligste, auf das Selbstverständlichste, also auf das Einfachste, zu kommen, ist nicht immer das Leichteste.
Dabei hätte das Einfachste, was mit dem Überfälligsten auf das Selbstverständlichste zu geschehen hat, schon vor langer, langer Zeit sich wie von selbst einstellen müssen, bei all den vielen, abervielen Gelegenheiten, bei all den vielen, abervielen Stellen —
Nun hat sich das Einfachste endlich von selbst eingestellt, es hat, das muß zugegeben werden, gedauert, um genau zu sein, bis zu diesem Advent ’22 hat es gedauert, um auf das Einfachste, was mit dem Überfälligsten auf das Selbstverständlichste längst schon passieren hätte müssen, zu kommen – durch die Verkündigungen am Adventfeiertag,
nicht mehr zu gebrauchen, nicht weiter zu verwenden. Sie werden selbst nur zu gut weitere Wörter wissen, die aus dem breiten Gebrauch bereits genommen sind, das eine und andere Wort menschgemäß noch aus dem Gebrauch zu nehmen ist,
Neger, Zigeuner sind je als ganzes Wort gestrichen, und nicht nur je die Hälfte des Wortes, es wird von Neger nicht weiter Ne oder ger verwendet, es wird von Zigeuner nicht weiter Zig oder euner verwendet. So also sind diese Bücher genauso wie Neger, Zigeuner insgesamt aus dem Gebrauch zu nehmen.
Um endlich Schluß, mit diesem Gebrauch zum Mißbrauch der Menschen, endlich Schluß, endlich kein Weitermachen, endlich enden ihres Gebrauchs zum Mißbrauch der Welt.
Aber, wie lange schon, wie lange, aberlange wird das gewußt, daß Bücher nicht brennen, sie, die Bücher, brennen nicht, auch dann brennen sie nicht, wenn sie noch ungedruckt, bloß Manuskripte sind.
Bücher brennen nicht, aber sie nehmen sich selbst aus dem Gebrauch, wie eben die Bücher, von denen hier die Rede ist, sich selbst schon lange, aberlange aus dem Gebrauch genommen haben, nur, das hat noch nicht alle erreicht, viele, aberviele meinen nach wie vor, sie, die schon aberlang unbrauchbaren Bücher, sind weiter brauchbar, und sie sind doch bar jedweder Brauchbarkeit – eingefrorenes Brauchtum, von dem durchaus noch gemeint werden will, es, das Brauchtum, ist doch für die Tourismusindustrie gar so recht wertschöpfend.
So wie die Brauchtumstourismusindustrie aber nicht unter den geringsten Einbußen durch das Verschwinden von Zigeuner, Neger aus dem Gebrauch litt, wird sie auch nicht unter den geringsten Einbußen durch das Verschwinden von Bibel leiden …
Adam und Eva haben von den Früchten vom Baum der Erkenntnis gegessen. Die Folgen sind schwerwiegend. Gott vertreibt die Menschen aus dem Paradies. Die Geschichte vom Sündenfall ist eine Ätiologie, das heißt, eine Erzählung über die Ursachen für die Verfaßtheit des menschlichen Lebens, das von Leid, Last und Tod geprägt ist. Aber warum tut Gott das den Menschen an? Diese Frage stelle ich mir unweigerlich.
Eine jüdische Sicht kann beim Verständnis helfen. Das Essen vom Baum der Erkenntnis gilt auch im Judentum als Sünde. Aber zugleich schenkt es dem Menschen die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Dies verändert die Beziehung zu Gott grundlegend. Der Mensch verliert zwar seine paradiesische Unschuld, aber er wird frei und erwachsen.
Ach, hätte es doch nur diesen Baum gegeben, und hätte von diesem Baum der Mensch doch nur reichlich und vor allem genug gegessen, was für ein erwachsener Mensch der Erkenntniswäre gerade der an Erkenntnis bedürftigste Menschdoch geworden, und da es diesen Baum nicht gibt, und folglich der Mensch von diesem Baum der Erkenntnis nicht und schon gar nicht reichlich und vor allem genug essen kann, bleibt den Menschen weiter nichts, als weiter zu nagen am Brot des Heil…
Ein Geschöpf, das wählen und entscheiden kann. Das macht ihn zu einem ernst zu nehmenden Gegenüber Gottes. Freilich verliert er dabei seine Unsterblichkeit, denn wie Gott kann und darf er als Geschöpf Gottes nicht sein. Im Christentum entwickelt sich aus dieser Geschichte die Lehre von der Erbsünde.
Auch diese Lehre beschreibt die biblische Erfahrung, daß das Verhältnis des Menschen zu Gott von der Sünde geprägt, das heißt, von einer fundamentalen Beziehungsstörung, von Angst und Mißtrauen gegenüber Gott und von der Neigung zum Bösen. Aber während aus jüdischer Sicht der Mensch durch die Treue zu den Geboten Gottes diese Neigung kontrollieren und überwinden kann, bedarf es aus christlicher Sicht der Erlösung durch Jesus Christus, der durch sein Leben, Sterben und Auferstehen den Menschen Orientierung gibt und die Angst vor dem Tod nimmt. In diesem Kontext ist auch das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria zu verstehen, das die katholische Kirche heute feiert. Im Zentrum steht dabei der Glaube, daß Maria von Beginn ihres Lebens an von aller Erbsünde frei war. Das bedeutet, daß ihre Beziehung zu Gott ungebrochen und frei war. Deshalb kann sie ohne Angst die Verheißung des Engels annehmen, den Sohn Gottes zu gebären.
Verheißung, lockendes Befehlen …
Es muß für diese Frau doch zu verlockend gewesen sein, von einem Mann, den sie nicht kennt, von einem Mann, der sie sich willkürlich aussucht, ein Kind zu bekommen, dem eine tolle Karriere verheißen wird, und das schon vor seiner Zeugung:
„Der Engel sagte zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“
Welche Eltern wünschten sich nicht ein Kind, dem eine solch strahlende Zukunft versprochen wird? Maria wird ein Kind empfangen, Maria wird einen Sohn gebären, Maria soll ihm den Namen Jesus geben … Das klingt ganz und gar nicht danach, eine Frau, die ungebrochen und frei ist, zu fragen, ihr die Entscheidung zu überlassen, ob sie das je will … nur Befehl über Befehl, du wirst, du sollst, du bist geheißen zu gehorchen … und sie gehorchte, wie ihr vom Herrn befohlen, daß der Mensch über die Frau herrscht …
Die katholische Tradition bezeichnet Maria deshalb auch als neue Eva. Maria macht sichtbar, wie die Beziehung zu Gott sein kann. Als Jüdin weiß sie, daß den Willen Gottes, also das Gute, zu tun, das Wichtigste im Leben ist. So erinnert mich der heutige Feiertag daran, dass ich – biblisch gesprochen – Eva bin und Maria sein kann. Ich kann nicht mehr in den Zustand kindlich-naiver Unschuld zurückkehren. Aber ich kann mich in Freiheit für Gott und das Gute entscheiden. Das gefällt mir besser, als in ethischer Gleichgültigkeit im Paradies zu leben.
Sie, Regina Polak, ist also „Eva“ von der – ein weiterer Herr, Moses benannt, sagte dies, nach Behauptungen – es heißt:
„Dann formte Gott, der Herr, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte.“
Sie „kann Maria sein“. Und sie kann nicht mehr zurückkehren … eine Rückkehr kann es ja auch nur geben, wenn es zuvor einen Weggang gab. In Unschuldnaiv Welt zu denken, ist aber nur Kindern gegeben, deren phantastischen Welterzählungen gerne zugehört wird. Entscheiden kann sie sich in Freiheit, die Eva und Maria … und das gefällt ihr besser als in ethischer Gleichgültigkeit im Paradies zu leben —
Und lebt sie nicht doch in einem Paradies, in dem es sogar einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, der ausstrahlt ihre Welterzählung, als wäre sie ein Essay …
Das ihr gefällt, also in ihrem Paradise der Sendungswilligen, das ein Paradies in ethischer —
Die Schuldlosen … wird von „ethischer Gleichgültigkeit“ erzählt, kommen unweigerlich die Schuldlosen in den Sinn, zu denen Hermann Broch schrieb, was ihm beim Schreiben seines Romanswichtig war:
Politische Gleichgültigkeit nämlich ist ethischer Gleichgültigkeit und damit im letzten ethischer Perversion recht nahe verwandt.
Naiv und unschuldig sind auch der Kinder Erzählungen nicht immer, auch in ihren kommen trotz Bemühungen, es zu verstecken, mehr und weniger offen Vorwürfe, Beschuldigungen, Anschuldigungen, Anwürfe vor, auf naive Weise und in recht unschuldiger Manier unterstellen sie allen, die an ihrer Weltbastelei nicht mitmachen wollen, unterstellen sie allen, die erkennen, daß aus ihren Basteleien keine Welt entsteht, mit harmlos klingenden Formulierungen Perversionen —
Und damit kommen wir jetzt direkt zum Bibelessay. Zu Maria Empfängnis feiert die katholische Kirche die Empfängnis der Mutter Jesu, Maria aus Nazareth, durch ihre Mutter Anna. Ein Tag der somit neun Monate vor der Geburt Marias stattfindet, die am 8. September gefeiert wird. Seit dem neunten Jahrhundert gibt es Liturgien zur Empfängnis Marias. Seit dem fünfzehnten Jahrhundert einen Festtag. Am 8. Dezember 1854 hat Papst Pius der neunte die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariä als Glaubenssatz erklärt. Maria gilt im Christentum als neue Ära, die einst mit Adam ihre paradiesische Unschuld verloren hat. Davon erzählt auch ein Bibeltext aus dem alttestamentlichen Buch Genesis, der heute am 8. Dezember in katholischen Kirchen gelesen wird.
„Heute am 8. Dezember in katholischen Kirchen gelesen wird.“
Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs „hören Sie gleich Gedanken dazu von der katholischen Theologin Regina Polak, und zuvor noch Judith Fürst mit dem Bibeltext.“
Nachdem der Mensch vom Baum gegessen hatte, rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach:
Wo bist du?
Er antwortete:
Ich habe deine Schritte gehört im Garten und da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin und versteckte mich.
Darauf fragt er:
Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen?
Der Mensch antwortete:
Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, so habe ich gegessen.
Gott, der Herr, sprach zu der Frau:
Was hast du getan?
Die Frau antwortete:
Die Schlange hat mich verführt, so habe ich gegessen.
Was für eine schöne Idee des Herrn, gerade in Österreich, wo das schon verlorengegangen zu sein schien, daß der Mensch, der österreichische Mensch ganz Unschuld ist, nur getan und tut, was ihm gesagt ward und wird, nur verführt, ach, nur verführt, von einer Schlange, die von weit her nach Österreich kam, um des österreichischen Menschen Idealismus zu mißbrauchen.
Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange:
Weil du das getan hast, bist du verflucht, unter allen Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinen Nachkommen und ihren Nachkommen, er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Zur Frau sprach er:
Viel Mühsal bereite ich Dir, und häufig wirst du schwanger werden, unter Schmerzen gebierst du Kinder. Nach deinem Mann hast du Verlangen, und er wird über dich herrschen.
Zum Menschen sprach er:
Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und vom Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen, ist der Erdboben deinetwegen verflucht, unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln läßt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes wirst du essen. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen. Staub bist du und zu Staub kehrst du zurück.
Was für eine schöne Idee der Herr in die Welt brachte: die Gleichberechtigung. Allen Frauen, die ein Verlangen nach ihren Männern haben, brachte er die Gleichberechtigung unter ihnen, daß über sie die Männer herrschen, den Männern die Gleichberechtigung unter ihnen, daß sie über die Frauen, die ein Verlangen nach ihren haben, herrschen.
Und der Mensch, der herrscht, gibt denen, über die er herrscht, ihren Namen, damit die Beherrschten niemals vergessen, auf ewig wissen, Beherschte zu sein, und die Herrschenden niemals vergessen, auf ewig wissen, über wen sie zu herrschen.
Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. Gott, der Herr, machte den Menschen und seiner Frau Gewänder von Fell, und bekleidete sie damit. Dann sprach Gott, der Herr:
Sehe, der Mensch ist einer wie von uns geworden, daß er gut und böse erkennt, aber jetzt soll er nicht seine Hand ausstrecken, um auch noch vom Baum des Lebens zu nehmen, davon zu essen und ewig zu leben.
Da schickte Gott, der Herr, ihn aus dem Garten Eden weg, damit er den Erdboben bearbeitete, von dem er genommen war. Er vertrieb den Menschen und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubin wohnen, und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.
Aus dem Buch Genesis, Kapitel drei, die Verse neun bis vierundzwanzig.
So ist nichts in der Welt verlorengegangen, wie es Irene Suchy am 8. Dezember 2022 wehmütig scheinen will.
Auch an diesem 8. Dezember 2022 wurde der Akt der Bestätigung der Gleichberechtigung des Herrn öffentlich – in den Kirchen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs – unterschrieben, der Schwur auf die Gleichberechtigung und auf die Sippenhaftung erneut geleistet, auf daß die Gleichberechtigung und die Sippenhaftung ewiglich —
Auch anno 1938 gingen die Menschen nicht verloren. Sie wurden, in Erfüllung des Herrn Auftrages der Sippenhaftung, vertrieben, gejagt, deportiert, ermordet …
Alles Moderne ist dazu verurteilt, rasch wieder unmodern zu werden. Wahre Musik hingegen ist immer zeitlos, nie modern. Wer hat das gesagt? Ach, der Franz, der Franz Schmidt.
Musik vom guaten, alten Franz, ach, vom Franz, vom Franz Schmidt, dessen Musik für sie zeitlos, und seine Musik nicht nur für sie allein zeitlos, von annus zu annus seit anno … gespielt auch in der Kirche zum Musikverein —
Und welche Musik ehrte die weiße Frau mehr, als die Musik vom Franz,
Und auch Irene Suchy weiß, was diesem Land aufzulegen ist, und sie weiß, was zu erzählen sich gehört, ach, wie es war, oh anno …
Kärntner Straße Nr. 11. Dort befand sich das Kaufhaus Zwieback. Ella Zirner-Zwieback hat es von ihrem Vater Ludwig geerbt. Einen Teil dieser Immobilie nahmen dann drei Husaren-Offiziere unter der Federführung eines Grafen Pálffy zu einem Restaurant: zu den drei Husaren. Später wurde es dann eine Konditorei. Die gibt es heute noch. Ella Zirner-Zwieback, die Erben, war eine beeindruckende Frau, selbstbewußt, mondän, stark, früh emanzipiert. Sie war nicht nur eine erfolgreiche Geschäftsfrau, sondern auch eine begabte Pianistin. Sie hatte immer eine Reiseklaviatur dabei. Sie ermöglichte es ihren Angestellten, in einer guten Atmosphäre zu arbeiten, und sie hatte einen Frauenfußballverein gegründet. Die musikalische Karriere blieb ihr verwehrt, sie hatte das Kaufhaus zu führen und folgte dem Wunsch des Vaters mit großem Geschick. Was nicht alles verlorenging, an Menschen, an Gütern, aber vor allem an Ideen zur Gleichberechtigung. Denn auch Ella Zirner-Zwieback mußte 1938 Österreich verlassen. In die Musikgeschichte ist sie eingegangen, weil sie eben mit Franz Schmidt Klavier vierhändig gespielt hat, und man kam sich näher, als die Klaviersesseln es zuließen. Eine Ehe mit dem unbekannten Wiener Musiker Franz Schmidt war nicht standesgemäß für die Kaufhauserbin. Und so erfuhr August Zirner erst spät, daß er der Enkel des Komponisten Franz Schmidt ist.
Jörg Demus gab Weihnachtspastorale von Franz Schmidt.
Wir sind noch immer auf der Kärntner Straße, in jenem Kaufhaus, das einst Ella Zirner-Zwieback gehört hat, das heute ein Computer-Geschäft beherbergt. August Zirner, der Enkel, kämpfte lange darum, daß der Name der Großmutter im ehemaligen Café in der Weihburggasse, das heute eine Konditorei ist, genannt wird, vergeblich. Er wurde sogar übermalen. oder dessen Initialen ZZ. Im Buch Ella und Laura, von den Müttern unserer Väter, erzählt August Zirner in assoziativer Weise von Telefongesprächen mit der Großmutter, wie sie hätten sein können. Ella Zirner, die also das Modehaus führte, obwohl sie gerne Pianistin geworden wäre, man führte das Modehaus, man nahm Bestellungen entgegen und führte sie aus, man verkaufte nicht. Ella Zirner über modern. Modern, was ist denn eigentlich modern? Modern ist zum Beispiel ein Hut, den man heuer trägt, eben weil er modern ist, den man aber ein Jahr darauf nicht mehr aufsetzen kann. Alles Moderne ist dazu verurteilt, rasch wieder unmodern zu werden. Wahre Musik hingegen ist immer zeitlos, nie modern. Wer hat das gesagt? Ach, der Franz, der Franz Schmidt.
Willkommen. Heute ist ein Festtag der katholischen Kirche. Erst im 15. Jahrhundert festgelegt als Hohefest, als Tag der Empfängnis der allerheiligsten Gottesmutter durch Anna, und dann später genannt Marä Empfängnis, erst im Jahr 1708. Auch in Österreich gab es immer diesen Festtag. Über die Nazi-Zeit wurde er verboten. Und es war dann ein Volksbegehren, das ihn wieder auf den Festtagsplan setzte. Ein Festtag, ein Feiertag mit einer besonderen Einkaufserlaubnis.
Das ist keine Einleitung einer Sendung, ausgestrahlt am 8. Dezember 2022, von einer Rundfunkanstalt, die sich zum Beispiel Radio Maria nennt.
Das ist am 8. Dezember 2022 verbreitet von dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreich, von Österreich 1, um 8.05 Uhr, Pasticcio, gestaltet von und mit Irene Suchy.
„Jenseits von Eden“, auch am 8. Dezember 2022, um 7.05 Uhr, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs, Österreich 1, gestaltet von Doris Appel und Karoline Thaler:
Österreichs hat der Feiertag am 8. Dezember – genau neun Monate vor dem Fest „Mariä Geburt“ am 8. September – eine besondere Bedeutung. 1647 ließ Kaiser Ferdinand III. zum Dank für die Errettung Wiens aus den Gefahren des 30-jährigen Kriegs die Mariensäule auf dem Wiener Platz „Am Hof“ errichten und führte den Marien-Feiertag ein. Das NS-Regime hob den Feiertag auf. 1955 wurde der 8. Dezember aufgrund einer breiten Volksbewegung wieder zum Feiertag erklärt.
Was eine „breite Volksbewegung erklärt“, ward also augenblicklich Gesetz, und im österreichischen Parlament mußte am 18. November 1955 kein Gesetz mehr beschlossen werden, dem österreichen Parlament war nur eines noch zu tun überlassen, ihm von der „breiten Volksbewegung“ aufgetragen, am 7. Dezember 1955 der „breiten Volksbewegung“ Erklärung, das ihm Gesetz, schriftlich niederzulegen …
Konkordat (Heiliger Stuhl) Kundmachungsorgan BGBl. II Nr. 2/1934 Typ Vertrag – Heiliger Stuhl §/Artikel/Anlage Art. 9 Inkrafttretensdatum 01.05.1934 Außerkrafttretensdatum Index 79/06 Kirchen, Religionsgemeinschaften Text Artikel IX. Die Republik Österreich anerkennt die von der Kirche festgesetzten Feiertage, diese sind: alle Sonntage; Neujahrstag; Epiphanie (6. Jänner); Himmelfahrtstag; Fronleichnam; Fest der heiligen Apostel Peter und Paul (29. Juni); Mariä Himmelfahrt (15. August); Allerheiligen (1. November); Tag der unbefleckten Empfängnis 8. Dezember); Weihnachtstag (25. Dezember). Zuletzt aktualisiert am 26.05.2020
… wobei allerdings, wie am 7. Dezember 2022 auf der Website des Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich zu lesen ist, kein Außerkrafttretensdatum festgehalten ist —
Kann es sein, daß die „breite Volksbewegung“ einen Tag zum Feiertag erklärte, der als Feiertag nie außer Kraft gesetzt wurde?
Was für ein Feiertag, mit einer „besonderen Einkaufserlaubnis“, ein Tag der Erlaubnis, wie muß der allerheiligsten Gottesmutter gedankt werden, daß sie eine breite Volksbewegung gebar, dieser ein Volksbegehren empfangen ließ, ihre Zeugungsminute zum Verschnaufen vom Gehorchen …
Barbara Stöckl braucht am 6. Dezember 2022 gerade drei Sekunden nach einer halben Minute ihrer Einleitungspredigt, um die
und der traditionelle Hoffnungsträger Kirche verliert seine Gläubigen
Kirche ins Spiel und dann gleich auch
Ja, bevor wir dann gleich in die Runde gehen, hier noch ein kurzer Film als Impuls für unser Gespräch.
hauptrollend in Szene …
Wir haben im Film Bilder gesehen, ja, von meist jungen Menschen, die im Moment sehr deutlich ihr Mißtrauen der Politik gegenüber zeigen. Sie kleben sich an den Straßen fest, sie beschütten Bilder, um aufzufallen, ihr Thema deutlich zu machen. Was bedeutet dieser große Vertrauensverlust in die Politik, die Herr Liessmann auch schon skizziert hat, was bedeutet das für eine demokratische Geselllschaft?
Vor sechzig, fünfzig Jahren war es gang und gäbe, eine Frau mit dem Titel, mit dem Beruf ihres Mannes anzusprechen, es war eine Selbstverständlichkeit, daß sie beispielsweise im Lebensmittelgeschäft, in der Dorffleischerei mit Frau Doktor angesprochen wurde, vor allem dann, wenn nicht sie, sondern ihr Mann Doktor, Arzt war. Heutzutage, moderner geworden, würde vielleicht der Mann einer Frau, von der letztlich im Dorf doch nicht ganz genau gewußt wird, was für einen Titel sie hat, was für einen Beruf sie ausübt, aber priesterlicher als ein Priester auftritt, im Dorfbioladen mit Herr Pfarrer —
Homo faber, ein Begriff, der auf Menschen, von denen Barbara Stöckl – um aufzufallen, ihr Thema – spricht, zutreffen könnte, nicht aber mehr im Sinne von Einsatz der Technik zur Naturbewältigung und also Naturvernichtung, sondern die handeln, zur Rettung der Natur, die jetzt handeln, um zu retten, was noch zu retten ist. Und dieses Handeln zur Naturrettung ist ein Handeln, das gänzlich ohne die Frage nach dem Vertrauen auskommt, bei dem die Frage nach dem Vertrauen die überflüssigste ist.
Darauf unmittelbar antwortet Lisz Hirn, die wurde, was ihr Name ist,
Ich glaube, je stärker dieser Vertrauensverlust auch fortschreitet, desto radikaler werden auch die Aktionen werden. Das wäre jetzt einmal meine Prognose, aber da sollte man vorsichtig sein. Philosophisch gesehen ist eher interessant, wen man überhaupt einmal Vertrauen entgegenbringt. Also vertrauen wir nicht mehr oder vertrauen die Jungen nicht mehr den Politikerinnen und Politikern oder vertrauen sie dem politischen System nicht. Also daß Politikerinnen und Politikern nie zu trauen war, das belegt die Geschichte. Daß jetzt so viele Menschen nicht mehr dem politischen System vertrauen, zu dem wir übrigens alle gehören, also auch die Zivilgesellschaft, die Medien etc., das halte ich für das bedenklichere. Also die Frage ist tatsächlich, was läuft in diesem System falsch, daß dieses Vertrauen nicht mehr aufgebaut werden kann. Weil Vertrauen muß man nur dem gegenüber bringen, wo man nicht sicher ist, daß es die richtigen Entscheidungen oder lebenswerten Entscheidungen trifft, oder wo man nicht mehr das Vertrauen haben, sozusagen, daß dieser Wohlstand, diese Ressourcen so zur Verfügung stehen, daß sie sagen, na gut, dann investieren wir halt mal. Jetzt muß sozusagen mit dem gearbeitet werden, was da ist. Das könnte knapp werden.
Ein weiterer Philosoph in dieser Nachtrunde, die mit „Katholisches Forum“ zutreffender bezeichnet wäre, meint gleich zu Beginn, in seiner ersten Meinungsverkündung, er habe „Vertraue niemandem!“ nicht als „Imperativ, gleichsam als moralische Maxime“, sondern als „Zustandsbeschreibung gewählt“, ein Mann, der dem herrisch zu brüllenden Imperativ seines Namens treu: Liess! Mann!
„Wir suchen andere Begriffe, die Skepsis ist gefallen, die Vorsicht, brauchen wir eigentlich den mißtrauischen Bürger? Ist das der gesunde Zugang, der gesunde Bürger, die gesunde Bürgerin?“ Auf diese stöckl’sche Frage weiß er profund zu antworten:
Ich weiß nicht, ob wir ihn brauchen, er ergibt sich gleichsam, wie von selbst, genau dann, wenn Vertrauen enttäuscht wird. Also, ich glaube, wir können wirklich nur davon ausgehen, wir können nur gemeinsam leben und in Gemeinschaften leben, wenn wir alle Menschen gleichsam mit einem gewissen Vertrauensvorschuß ausstatten, ja. Ich kann nicht als Baby auf die Welt kommen und der Mutterbrust mißtrauen. Da werde ich nicht lange leben. Das heißt, der Vortrauensvorschuß, das Urvertrauen, wie es einmal […] genannt hat, muß da sein. Und Erwachsenwerden, Lebenserfahrung machen, heißt unter Umständen vielleicht nichts anderes, als die Erfahrung zu machen, wo dieses Vertrauen enttäuscht wird. Da geht es schon, sowohl im Kleinen als auch jetzt im großen politischen Maßstab, geht es sehr wohl um Vertrauen, Wenn die Ukraine, oder dieser Krieg Rußlands gegen die Ukraine kurz erwähnt wurde, natürlich hatten sehr viele westliche Politiker ungemeines Vertrauen in den Satz: Wandel durch Handel. Wenn man mit jemandem derart eng ökonomisch verquickt ist und jeder von den anderen abhängig ist, wechselseitige ökonomische Abhängigkeit schien uns die Garantie dafür, daß man nicht kriegerisch übereinander herfällt. Dieses Vertrauen ist ganz brutal gestört worden. Und natürlich fangt man jetzt an, sich zu überlegen, kann ich dann, kann ich so einem Prinzip noch vertrauen. Und wir haben jetzt die Debatte, wie intensiv dürfen die Handelsbeziehungen mit China sein. Das ist auch ein autoritärer Staat, ist auch eine Diktatur, hat auch aggressive Pläne gegenüber Taiwan. Kann ich mich jetzt auf Gedeih und Verderb technologisch, gerade was alternative Technologien betrifft, solch einer Gesellschaft, solch einer Diktatur ausliefern? Oder wird dieses Vertrauen, das wir jetzt notgedrungen China gegenüber an den Tag legen, wird das in wenigen Jahren genauso enttäuscht werden, fundamental enttäuscht werden, wie das Vertrauen, daß sehr viele Politiker gegenüber Rußland und Putin hatten.
Nur das Vertrauen ist es also, das das Baby sich ernähren läßt … was für ein entzückend kleiner Film wäre das, in dem ein Baby gezeigt wird, wie es mißtrauisch die Mutter beäugt, tagelang, und sich dann doch dazu entschließt, Vertrauen in die Mutter zu haben – na gut, dann wird halt von Mutters Brust getrunken …
Lisz Hirn fehlt das „Mißtrauen gegen uns selbst und unseren eigenen Meinungen und Positionen, da würde ich gar nicht Skepsis sagen, sondern ein bissel so im nietzscheanischen Sinn, sich selber zu hinterfragen, warum folge ich welchen Meinungen“; das ist für den Selbsterhaltungsexperten ein „interessanter Widerspruch: Selbstmißtrauen versus Selbstvertrauen“ … worauf Barbara Stöckl, „auch wenn es schon heiß hergeht“, gerne einen kurzen Zwischenschritt machen möchte, um die Begriffe zu klären, was ist überhaupt das Vertrauen, von dem wir reden, Urvertrauen, Gottvertrauen, alles ist durcheinander gefallen, können wir es ein bißchen ordnen“.
Wenn ich das Vertrauen in die Politik verliere, dann, denk ich mir, wozu brauche ich einen Rechtsstaat. Ich mache jetzt die Klimaaktion, von der ich glaube, daß sie richtig ist, denn dieser Institution ist nicht mehr zu trauen. Auf der anderen Seite, ich wäre überfordert Rachefeldzüge durchzuführen, ich bin auch überfordert, das Klima zu retten. Also mich wundert nicht, daß dieses Mißtrauen seinen eigenen Fähigkeiten gegenüber korreliert mit dem Vertrauensverlust in Institutionen, die genau deshalb geschaffen worden sind, damit ich entlastet bin. Wenn ich das Vertrauen in das Bildungssystem verliere, ich kann meine Neffen, meine Kinder nicht alle selber erziehen, aber was mache ich denn dann.
In dem sehr „kurzen Film als Impuls“ ist ein Transparent zu sehen, das leicht übersehen werden kann, so viele Pfarrer verstellen die Sicht, auf dem zu lesen ist:
Für Frau Pfarrer steht gesinnungsgemäß das „Gottvertrauen“ im Mittelpunkt, auf das sie immer wieder zu sprechen kommt: „Ist denn, Herr Filipovic [„auch Theologe“], die Vertrauenskrisen, die wir gerade erleben, auch mit der Glaubenskrise zu tun?“ – „Das mag sicher sein …“
„Welche Auswirkungen hat das zunehmende Wegbrechen des Glaubens nun auf die Gesellschaft“, fragt Frau Pfarrer, „wer oder was tritt da ein, Herr Filipovic? Sind sogar die Klimaaktivisten von Apocalypses, ist, so, wird so oft geredet, und zwar nicht nur von den Aktionisten, sondern auch von politisch Verantwortlichen wie […]“.
„Mit einem Klick kann man sich heute jedes, auch jedes verquere Weltbild bestätigen lassen.“ Diese tiefe Einsicht kann nur von einem Menschen kommen, der aus der Geschichte seinen Glaubens weiß, mit einem Kreuzkuß kann man vom Herrn seit Urgedenken alles bestätigen lassen, das jeder Frau und jedes Herrn Pfarrer Bild der Welt …
Es fällt unweigerlich auch die Erwähnung einer Umfrage, nach der „erstmals hat da keine Mehrheit mehr die Frage nach einem, die Forderung nach einem starken Mann abgelehnt. Was schließen sie daraus?“ Bemerkenswert darauf die Antwort von dem „Gastgeber“ des Katholischen Forums:
Es ist schon eine, wie soll ich sagen, eine reflexionsbedürftige Untersuchung bzw. reflexionsbedürftiges Ergebnis. Es käme jetzt auch auf die genaue Fragestellung darauf ein, weil ich denke, wir sind hier auch sehr ambivalent. Auf der einen Seite diese Frage, Menschen wollen einen starken Mann, dann glauben wir sofort, die sind jetzt alle in ein, meistens sagen wir dann, rechtspopulistisches oder rechtsradikales Lager übergewechselt. Wir haben aber nicht gefragt, ob sie nicht lieber einen Stalin hätten, ja. Es könnten genauso, also die Linken haben mit Diktaturen genauso immer kokettiert und sie auch durchgeführt wie die Rechten. Warum man das immer gleich mit politisch rechts assoziiert […] mit dem starken Mann, also Stalin, Mao Tse-tung, Pol Pot, Gorbatschow, waren lauter starke Männer, ja, also, und Linke […]
Wie läßt sich Vertrauen wiedergewinnen? Wie läßt es sich wieder herstellen?
Das Format dieser Sendung wäre also mit „Katholisches Forum“ zutreffender benannt. Und die Verkündigung der Botschaft des katholischen forums vom 6. Dezember 2022 ein Imperativ: Gehorche!
Aber diesem Forum ist eines durchaus bewußt, das Gehorchen funktioniert nicht mehr so einfach, wie etwa zur gottergebenen Zeit eines Prälaten, und vor allem von alleine, so muß mit dieser Frage, wie läßt sich Gehorchen wieder zur moralischen Maxime erheben, herumgeschlagen werden, es bedarf Anstrengungen, jedwedes Medium muß dafür genutzt werden, Gehorchen wiederzugewinnen, Gehorchen wiederzuherstellen, statt wie früher einfach wie kurz den Befehl Gehorche! von der Domkanzel herunter …
Die Botschaft der Biene Dem Volksmund nacherzählt von Max Mell
Als Gott die Welt erschaffen hatte, sandte er die Biene an den Teufel ab, damit sie diesen um Rat frage, ob er den Menschen erschaffen solle oder nicht. Die Biene flog zum Teufel und trug ihm die Frage des Herrn vor. Der Teufel fühlte sich hochgeehrt und wollte eine Antwort geben, die den Herrn zufriedenstellen sollte, aber er wollte seinen Gewinn dabei haben, und so dachte er angestrengt nach, wie er das wohl anstellte, und wurde immer nachdenklicher und versonnener. Die Biene aber hatte sich inzwischen auf seinen Kopf gesetzt, weil sie seine Gedanken belauschen wollte.
Des Teufels Kopf muß ein offenes Ding gewesen sein, damit die Biene, wenn für einen Moment mit aller Nachsicht zugestanden werden will, daß Gedanken belauscht werden können, sofern die Schädeldecke dafür auch offen, seine Gedanken belauschen wollte, aber, sie wollte, sie wollte Teufels Gedanken belauschen, jedoch, belauschte sie tatsächlich Teufels Gedanken, und waren Teufels Gedanken, damit die Biene diese, so denn sie tatsächlich belauschte, auch verstehen konnte, ein Summen im Summen der Bienen
Ja, was haben die Bienen nicht für feine Sinne! Du weißt es, hast dich doch oft genug gewundert, wie sie beim Einsammeln des Honigs weit und breit jede Blüte erspähen und dabei weiß der Himmel wie weit kommen und doch immer nach dem Stock zurückfinden, in dem sie zu Hause sind. Der Teufel aber dachte das folgende: Es ist gut, wenn der Mensch ist. Denn des Menschen Herz ist schwach, und ich kann darin mein Reich aufschlagen, und es wird unendlich groß darin sein. Es ist gut, wenn der Mensch ist.
Ein Schriftsteller von solch einem Rang wie Max Mell wußte stets, was er nachzureden, was er vorzureden, das er nicht nur vom Volke, sondern vor allem von seines Herrn Lippen gelesen, und was er vorredete, was er nachredete, was er vorschrieb, und was er nachschrieb, war stets vom Größten und vom Klügsten, wie dies in dieser seiner nachgeschriebenen Erzählung. Teufel mußte ein Prophet wie beispielweise Jesus gewesen sein, wußte Teufel doch bereits, als der Mensch noch gar nicht geschaffen ward, als das kleinste Kügelchen für des Menschen Körper noch nicht einmal auf den Küchentisch gelegt und also noch weit enfernt davon, je noch zum winzigsten seiner Fingerchen geknetet zu werden, daß des Menschen Herz schwachist
Der Teufel dachte aber auch das folgende: Jedoch das Herz des Menschen ist ein offenes Ding. Und es wird ein Glanz von der Glorie des Allmächtigen darin einziehen und dort eine reine Stätte haben, daß es wird wie ein Spiegelbild des Himmelreiches. Es ist gut, wenn der Mensch nicht ist. Danach dachte der Teufel wieder: Er wird aber davon abfallen und seine Taten werden wie Finsternis sein, und er wird dessen inne werden und sich gegen sich selbst wenden in Grauen und Verzweiflung. Er wird verdammt sein und unsäglich mir gehören. Es ist gut, wenn der Mensch ist.
Es kann durchaus sein, daß Teufel beispielsweise wie Jesus bereits so viele bittere und also äußerst schlechte Erfahrungen mit dem Können Gottes gemacht, die eigene offene Schädeldecke Teufel daran gemahnt, daß Teufel es augenblicklich klar ist, was immer noch Gott zu machen gedenkt, am Küchentisch zu kneten und zu basteln beabsichtigt, kann nur ein weiteres Montagsprodukt sein. Der Mensch mußte also für Teufel noch gar nicht geschaffen sein, um zu wissen, was für Mängel der geschaffene Mensch, was für Mängel der von Gott erst zu knetende und zu bastelnde Mensch nur haben wird können: ein schwaches, offenes Ding
Danach dachte der Teufel wieder: Nein! Der Herr wird sich des Elends der Menschheit erbarmen und wird sie erlösen. Und da wird im Menschen das gewaltige Geschehen der Gnade vor sich gehen und ein Erzittern seiner Seele sein wie niemals der Erdboden erzittert, und ein Umkehren und ein Hingeworfensein: und dies zu erschauen, wie die Seele wie in einem Strahl erglüht und schmilzt, das wird es sein, was die himmlischen Heerscharen zum Jubeln bringen wird. Und es überwältigte den Teufel der Neid und seine Verworfenheit und er sagte laut als seinen Ausspruch: „Sage dem Herrn meinen Rat — wo bist du, kleiner Bote? — der Mensch soll nicht sein.“ Die Biene, die seine Gedanken belauscht hatte, flog auf seinem Kopf, und da er an ihrem Summen gewahrte, wo sie gesessen hatte, und begriff, warum sie das gemacht hatte, ergrimmte er und schlug mit seiner Peitsche nach ihr. Und er erreichte sie und hätte ihr mit dem Hieb beinahe den Leib durchgetrennt. Und seit damals ist sie in der Mitte so tief eingeschnitten.
Seit damals, wann immer das war, ist die Biene am Leben, ist sie nicht gestorben, und lebt sie noch heute, hat sie das ewige Leben, die Unsterblichkeit, ohne aber je sterben zu müssen, um dann aufzuerstehen, wie es angeblich ein einziger Prophet bis zum heutigen Tage je geschafft haben soll; freilich ist es ein behindertes ewiges Leben, der tiefe Einschnittin ihrer Leibesmitte wird sie ihr Leben nicht als leicht, angenehm und gut empfinden lassen, auch wenn sie sich damit wohl abgefunden haben wird müssen, ein Gram auf Gott wird geblieben sein, auf die Unfähigkeit Gottes, ihre Wunde ordentlich zu versorgen, sie ohne bleibenden körperlichen Schaden zu heilen, und zu dieser Gottes Unfähigkeit noch, das wird die Biene bis heute vielleicht am meisten erzürnen, Gottes Gleichgültigkeit ihr und ihrem Leid, ihrem Schmerz, ihrem fast entzweiten Körper gegenüber, so besessen wie Gott davon gewesen sein muß, von ihr Teufels Antwort endlich zu erfahren, endlich einen Rat zu bekommen, was Gott, dieses ratlose, ratabhängige Wesen, tun soll, mit all den aus Krämpfen herausgewundenen Ideen gegen peinigende Launen, gegen die zerrüttende Langeweile, ohne dabei aber zu überprüfen, ob sie, die Biene, Teufels Gedanken tatsächlich hörte und wirklich verstand, diese in ihre Sprache übersetzen konnte, oder ihr nur ihr Wollen einflüsterte, Teufel Gedanken gehört zu haben, und in welche Sprache mußte sie, die Biene, die tatsächlich gehörten oder die doch nur eingebildet gehörten Gedanken Teufels für Gott übersetzen, oder verstand Gott das Summen der Biene auf Anhieb, weil auch Gottes erste und vielleicht einzige Sprache das Summen …
Sie überbrachte dem Herrn den Rat des Teufels, und berichtete ihm‚ die Gedanken, die sie in seinem Kopfe wahrgenommen hatte. Und da erschuf Gott den Menschen.
Aus Unschlüssigkeit kann nichts Vollendetes entstehen. Und Gott muß unschlüssig, wankelmütig, unsicher, den eigenen Plänen, wenn es denn überhaupt Pläne und nicht nur Ideen aus Launen heraus, der Langeweile Schuld, mißtrauen, wenn Gott die eigene Entscheidung, ob der Mensch geschaffen werden soll oder nicht, von der Antwort Teufels, von einem also selber schon zu Mängeln geknetetes und gebasteltes Wesen, abhängig macht, von einem weiteren dem Menschen, wenn für einen Moment eine zeitliche Aufeinanderfolge angenommen werden will, vorangehendes Montagsprodukt Gottes
Der Mensch hat die Biene gern. Das kommt daher, weil er ihr, auch ohne recht davon zu wissen, dankbar ist, daß sie die Botschaft überbrachte, durch die er am Ende richtig erschaffen wurde. Du meinst, du hättest die Biene einzig wegen des Honigs gemocht? Aber, mein Lieber, der Honig ist ja ein Sinnbild für den treuen klugen Botendienst, den sie vollbracht hat: so mußt du schon ein Mehreres von ihr wissen und es recht bedenken. Alle Tiere haben irgendeine Botschaft dem Herrn zu überbringen und haben ihre Gestalt davon.
Dieser Volksmundsteller ist aber weit über die Grenzen Österreichs hinaus nach wie vor einer der Ersten …
Den Weltkrieg und den Zusammenbrach der Donaumonarchie erlebte er als Einbruch des Chaos. Dem Schriftsteller, der seit Jahrzehnten unvermindertes literarisches Ansehen genießt, das teils auf früher Anerkennung durch bedeutende Gönner (wie etwa Hugo von Hofmannsthal), teils auf dem festen Grund seiner christlichen Anschauung basiert, sind zahlreiche Ehrungen zuteil geworden und Preise verliehen worden, so der Große Österreichische Staatspreis (1954), die Stiftermedaille (1957) u. a. Zu den Werken Max Mells gehören: „Lateinische Erzählungen“ (1904), die Novellen „Die drei Grazien des Traums“ (1907), „Jägerhaussage“ (1910), „Morgenwege“ (1924), „Mein Bruder und ich“ (1934), die Gedichte „Das bekränzte Jahr“ (1911), „Gedichte“ (1919), die Erzählungen „Barbara Naderer“ (1914), „Das Donauweibchen“ (1937), „Gabe und Dank“ (1949), die Dramen „Das Apostelspiel“ (1922), „Das Nachfolge-Christi-Spiel“ (1927), „Das Spiel von den deutschen Ahnen“ (1935), die Trauerspiele „Die Sieben gegen Theben“ (1932), „Der Nibelunge Not“ 1 u. 2 (1944-1951). Prosa, Dramen und Verse erschienen 1962 in 4 Bänden. Max Mell gab zahlreiche Bücher heraus, u. a. „Das Wunderbrünndl“, „Deutsche Volksbücher“ (1922-1927), ein „Hausbuch deutscher Erzählungen“ (1936), ein „Alpenländisches Märchenbuch“ (l 946), u. a. Zu den letzten seiner Werke gehören „Vergelt’s Gott“ (1950), und „Aufblick zum Genius“, Reden (1955).
… für die „Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung“, in Bonn, in der, ebenfalls am 5. Dezember 2022 auf ihrer Website zu lesen ist,
„seit Einstellung der institutionellen Förderung keine Benennung: Vertreter der Regierung der Bundesrepublik Deutschland“
so kann auch ein Unterschied zwischen Deutschland und Österreich anhand von Förderung und Nichtförderung einfach wie kurz erklärt werden. Treu und stolz verweist die Kulturstiftung auf den gerade einmal acht Jahre älteren Gönner von Max Mell, für die Kulturstiftung wäre es wohl ehrlos zu zitieren, was Arthur Schnitzler, zwanzig Jahre älter als der Volksmundsteller, über Mell, der sich Schnitzler andienerte, notierte, nachdem er doch das Wesen von Mell, den er zu Beginn „sympathisch, begabt“ durchaus fand, erkannte:
„Max Mell, wie immer der gehässigste“
„Respektlos natürlich vor allem die Lausbuben […] Max Mell u. dergl.“
„Ein Schriftsteller dritten Ranges, insbesondre, bei techn. Qualitäten dürftige Persönlichkeit jesuitischer Couleur;– noch kein nennenswerther Erfolg;– früher meine Nähe, zum mindesten meine Zustimmung suchend; und von mir fallen gelassen;– und Trabant Hugos – keiner kann sich mir gegenüber mit Sympathie, ja nur objektiv behaupten, der von ihm influenzirt wird.–
„Der frechste und verlogenste (ganz wie erwartet) Max Mell“
Das „Gehässigste“, das „Frechste“, das „Verlogenste“, zu dem ist ein Mensch erfolgreich nur fähig in einer dafür hergerichteten und zugerichteten Umgebung, die also die frechste, gehässigste Verlogenste ist, und in der darüber hinaus alle in „Lausbuben“ sich verschauen.
Was sich im Rückblick nur mehr schwer nachvollziehen lässt, ist die allgemeine Begeisterung für Mells heute kaum mehr konsumierbare Mysterienspiele. Raoul Auernheimer nannte in der Neuen Freien Presse vom 1. Juli 1928 Mells Nachfolge Christi-Spiel einen der beiden Höhepunkte der Burgtheater-Saison. Schon die Premiere dieses „dramatischen Altarbilds“ aus der Zeit der Bauernaufstände hatte er am 22. Jänner 1928 ausführlich gewürdigt, auch wenn er die antisemitischen Spitzen sehr wohl registrierte. Das tat auch Alfred Polgar in der Weltbühne vom 31. Januar 1928 – „Fräulein Wilke als hochprozentige Jüdin, bei deren Anblick das Kreuz eigentlich einen Haken machen müßte“, –, bescheinigt aber dem Stück, das „seinem Dichter verdiente Ehren“ brachte, eine starke Wirkung. „Dichtkunst reinsten – ja modernen Geistes“, fand Soma Morgenstern in der Frankfurter Zeitung vom 14. März 1928. Schnitzler war bei der Generalprobe im Burgtheater und urteilte differenzierter: „Begabt und mir widerwärtig. […] Welch ein trauriger Gott wird von dieser Art Legendendichtung aufgestellt … Ein böser Troll, der probirt und ,prüft‘ – und foltert und nach Laune waltet (sie nennens ,Gnade‘) – und zum Schluss ,zaubert‘ er (wie Jupiter donnert oder ein Theaterarbeiter ans Becken schlägt – es ist keine Kunst für sie) – und alles ist wieder in Ordnung.–“
Die Akteure der autoritären Regime des Austrofaschismus und Nationalsozialismus haben sich mit ihrer Ehrungs- und Förderpolitik tief und nachhaltig in die Annalen eingeschrieben. Und die kulturpolitische Dominanz der Täter oder doch sehr aktiven Mitläufer des NS-Regimes wie Max Mell ergab zugleich ein effektives Netzwerk der Exklusion. Zum Beispiel all jener Autorinnen und Autoren, die von eben jenem Regime verfolgt, vertrieben oder ermordet worden waren.
Evelyne Polt-Heinzl, VOLLTEXT 3/2018 – 12. Oktober 2018
Max Mell fragte einst, in seinem Bekenntnis zum Herrn:
„Gewaltiger Mann, wie können wir dir danken?“
Er fragte, was längst beantwortet, geklärt war. Es wurde ihm bereits gedankt. Aber das summte ihm der Volksmund nicht, oder Max Mell überhörte, als er in der Furche lag, dies beim Belauschen …
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