Lepanto, Kahlenberg 11817536

Vielleicht haben die um H. Gescharten auch schon einen Entschließungsantrag eingebracht, für die Etablierung eines Gedenktages, für das Schaffen eines Feiertages der Schlacht im Mittelmeer, und es ist bloß nicht darüber berichtet worden.

Vielleicht haben die um den österreichischen H. Gescharten es noch vor, solch einen Entschließungsantrag auch noch einzubringen, und dann nicht nur einen Feiertag für die Schlacht im Mittelmeer, sondern auch gleich, es möge im Europäischen Parlament beschlossen werden, der siegreiche Flottenführer Don Juan de Austria sei zum heiligen Schutzpatron des Abendlands mit einem eigenen Feiertag zu erheben und ihm auf dem Schweinsberg eine Statue zu errichten, in einem solch gigantischen Ausmaß, das den Hügel zu einem wahren Berg …

Als Feiertag für Don Juan de Austria böte sich nach deren Gesinnung der 7. Oktober an, ist es ihnen doch auch ein rechter Tag —

Bis aber die um H. Gescharten solche Entschließungsanträge für die Schlacht im Mittelmeer einbringen, begehen Männer ihren jährlichen Gedenktag, putzen sich Männer jährlich zu ihrem Feiertag heraus, richten sich recht hübsch her in ihrem „Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“. Solch ein Gedenktagsbuch, solch ein Feiertagsbuch wird erst so recht zur hohen Messe, wenn ein Papst

Passend dazu beschäftigt sich auch ein Beitrag von Benedikt XVI., dem früheren Papst, mit der Frage nach Macht und Gewissen

mitten unter ihnen … Das oben Zitierte ist aus der Rezension von Ulrich Kriehn, veröffentlicht in der „Sezession“, 1. Juni 2020, wie am 21. September 2023 gelesen. Der Beitrag von Joseph Ratzinger vulgo Benedikt XVI. im Lepanto-Almanach: „Das Gewissen in der Zeit“ — Und es bestätigt wieder einmal, kein Mensch kann Rezension wahrer schreiben, als der, der selbst Autor des rezensierten Buches ist, in diesem Fall: Ulrich Kriehn …

Ulrich Kriehn, mitten unter ihnen, den Autoren von „Sezession“, die auch dann Autoren sind, wenn sie Frauen sind, wie Caroline Sommerfeld,

die Männer bleiben, was sie sind, Autoren, wie Götz Kubitschek, der mit einem Autor, Ellen Kositza, verheiratet,

bleiben so recht, was sie eben sind, wie Martin Lichtmesz, wie Martin Sellner, wie Erik Lehnert und dergleichen Autoren mehr —

1571 und 1683 sind die Zahlen auf dem Sturmgewehr des Mörders in Christschurch und

auch der Mörder in Norwegen bezieht sich auf 1571 und 1683, auf Zahlen, die in Verbindung mit Lepanto und Kahlenberg nicht mehr bloße Zahlen sind, sondern Blutzahlen …

Mitten unter ihnen, auch schon damals ein Papst, Antonio Michele Ghislieri vulgo Pius V.

Der Papst krempelte Rom nicht zum Kloster um. Dennoch musste besonders die Oberschicht beinharte Strafen fürchten. Erschrocken verfolgten die Römer, wie ein angesehener Bürger wegen Ehebruchs öffentlich ausgepeitscht wurde. Der Papst wollte ein Exempel dafür statuieren, dass die Autorität der Kirche auch in der Sittenlehre galt. Mit spektakulären Prozessen ging Pius gegen prominente „Häretiker“ vor; ein Dutzend rückfällige Bekenner starben für ihren Glauben. Die Juden im Kirchenstaat verbannte Pius ins Ghetto.

Pius‘ beharrlicher Wille brachte ein für unmöglich gehaltenes Bündnis der Seemächte gegen das expandierende Osmanische Großreich zuwege. Die Seeschlacht von Lepanto im Oktober 1571 befreite Europa von Kriegsdruck. Unter Freudentränen konnte der todkranke Papst Gott danken. Er führte das Fest „Unserer Lieben Frau vom Sieg“ ein, das heutige Rosenkranzfest.

Die Marienverehrung erreichte in der Abwehr der Osmanen einen Höhepunkt. Die alte Gebetsbitte im Ave Maria um Fürsprache „jetzt und in der Stunde unseres Todes“ machte Pius kirchenamtlich. Als der Mönchspapst starb, suchten Gläubige seinen Sarg mit ihren Rosenkränzen zu berühren. Die Kirche sprach den Papst von Gegenreformation und Lepanto heilig.

Besonders die Fronleichnamsprozession liebte Pius. Die Römer waren entzückt von der echten Frömmigkeit ihres neuen Papstes, wenn er barfuß und barhäuptig einherschritt, in Andacht des Allerheiligsten versunken.

Ein derart frommer Mann konnte von seiner Kirche nur heiliggesprochen werden …

So einfallsreich mitten unter ihnen war dann auch ein weiterer Mann mit dem Vulgo-Namen Innozenz XI., der es nur zum Seligen brachte, ausgerufen dazu von dem Mann mit dem Vulgo-Namen Pius XII., dem Papst, der in diesen Tagen des Septembers 2023 wegen seiner Rolle während des Holocausts wieder viel Aufmerksamkeit …

Er, Benedetto Odescalchi, hätte es wohl auch verdient,

Am 31. März 1683 gelang es ihm, den polnischen König Jan Sobieski und KaiserLeopold I. zu einem Defensivbündnis zu überreden. Innozenz unterstützte das Bündnis und den Kampf gegen die Osmanen mit 1,5 Millionen Gulden. So gelang am 12. September 1683 die Befreiung Wiens von der Zweiten Wiener Türkenbelagerung.[1] Das türkische Heer wurde vernichtend geschlagen und weit nach Ungarn zurückgedrängt. Sein Einsatz bei der Türkenabwehr brachte ihm später durch Historiker den Beinamen „Verteidiger des christlichen Abendlandes“ ein. Zur Feier dieses Siegs führte er den Festtag Mariä Namen für die gesamte Kirche ein.

heiliggesprochen zu werden, so fromm auch er, und darüber hinaus so überredensreich, so großzügig …

Mitten unter ihnen, die drei Finger — Wie wurde doch ein österreichischer Mann noch bis vor kurzem, dessen Abstieg im Grunde schon am Sauberg begann, für seine drei Finger gescholten, und hat doch nur die drei Finger gezeigt, wie es ihm vor Jahrhunderten etwa die Männer mit Vulgo-Namen Pius V. und Paul V. vorgemacht, sie für sich zum Vorbilde genommen, wer aber seine recht wahren Drei-Finger-Vorbilder waren, das kann nur er selbst offenbaren …

Die Vergessenen der um H. Gescharten

Gesinnungsgemäß wollen ein Haider und die um ihn Gescharten nicht einen Gedenktag am 16. Dezember, nicht einen Feiertag am 16. Dezember zur feierlichen Erinnerung an das Geschehen auf dem Kahlenberg am 16. Dezember ’17: ist es doch der Tag, an dem der Abstieg seiner identitären Partei im Grunde schon wieder begann.

Gesinnungsgemäß wollen die um H. Gescharten einen Feiertag, einen Gedenktag für einen Tag vor etlichen Jahrhunderten, als wer am Kahlenberg das tat, was ein Mensch eben tut, der keinen Menschen zum Reden hat, der zu dienen hat: beten, ministrieren. Für solch einen Tag also wollen die um H. Gescharten einen Feiertag, einen Gedenktag, für einen Tag, von dem heute wohl keiner mehr auf Anhieb wissen wird zu sagen, was für ein Wochentag das war. Und noch weniger auf Anhieb, auf welchem Berg das war, dieser Hügel mit seinen vielen wechselnden Namen durch die Zeit: Sauberg, Schweinsberg, Josephsberg, und für eine gewisse Zeit hieß gar ein anderer Hügel in der Nachbarschaft des Saubergs Kahlenberg —

So geschichtsbesessen wie die um H. Gescharten sich auch geben, so geschichtsvergessen sind sie. Wie sonst können die um H. Gescharten bei ihrer Aufzählung in ihrem Entschließungsantrag auf jene Menschen vergessen,

vor dem Hintergrund, dass sich dort auf christlicher Seite die vereinigte Infanterie und
Artillerie der Allianz aus Österreich, Sachsen, Bayern, Baden und des Kirchenstaats
sowie das polnische Reiterheer und ihnen gegenüber das Wien belagernde osmanische
Heer gegenüberstanden,

die ebenfalls dem „osmanische[n] Heer gegenüberstanden, die ebenfalls zur „Niederlage der osmanischen Armee“ beitrugen.

Auf diese Menschen haben die um H. Gescharten vergessen, auf sie haben die um H. Gescharten wohl nicht ohne Absicht vergessen,

so vergessen wie besessen sind sie nicht, die um H. Gescharten, sie wissen, wem zuliebe sie auf diese Menschen pflichtgemäß zu vergessen haben, ihrem nunmehrig einen Führer pflichtgemäß zuliebe, der es ihnen nicht vergessen würde, hätten sie nicht auf diese Menschen vergessen,

über die Menschen aus dem von ihrem Führer überfallenen Land ihr Führer nichts Positives hören lassen will,

über die Menschen aus dem auf ihres Führers Befehl überfallenen Staat ihr Führer nur das Schlechteste verkündet haben will.

Gedenktag Kahlenberg 16. Dezember ’17

Wenn ein Haider aus der identitären Parlamentspartei mit einen Entschließungsantrag im Europäischen Parlament einbringt, für die Etablierung eines Gedenktages, eines Feiertages, so soll das nicht aufgeregt kommentiert werden, so soll das nicht verdammt werden, sondern, ganz im Gegenteil, oh, ganz im Gegenteil freudig begrüßt, als Gedenktag angenommen und allen berichtet, alle erinnert werden, was am Kahlenberg geschah, würdig dem zu gedenken, der Zukunft Warnung —

Am 16. Dezember ’17 zogen die identitäre Parlamentspartei und die schwarze Christfraktion gen Wiener Kahlenberg, um ihr — und weil es ein Ort der Schlacht ist — Schlachtprogramm zu präsentieren. Einfach wie kurz gesagt, sie zogen in die Schlacht, von Beginn an in den Niedergang, in den Untergang, auf den nicht lange gewartet zu werden brauchte. So ist der 16. Dezember ’17 ein gut gewählter Gedenktag.

Keinen schöneren Tag als diesen 16. Dezember auf dem Kahlenberg konnte Haider erwählen, der für die identitäre Parlamentspartei im Europäischen Parlament seinen Stuhl hat,

und er hat immer noch seinen Stuhl im Europäischen Parlament, auch wenn auf der Website, wie am 18. September 2023 zu lesen, des österreichischen Parlaments er, Haider, als „Abgeordneter zum Europaparlament a. D.“ geführt wird, anläßlich der Überreichung eines Ehrenzeichens an ihn durch den Präsidenten. Wie gut, daß er, Haider, kein Abgeordneter außer Dienst ist, sonst hätte er diesen für Österreich zu wichtigen Gedenktag nicht mit einbringen können.

„Lepanto Almanach – Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“

Bringt man ein „Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“ auf den Weg, geschieht dies im Gegensatz zu den aktuellen Trends und Tendenzen. Christliche Literatur erlebte nach den geistigen und seelischen Verheerungen des Totalirismus[.] Nehmen wir etwa das Werk von Reinhold Schneider, dem ein Schwerpunkt in der ersten Ausgabe unseres Jahrbuchs gewidmet ist. Mit seinem Erzähltext Las Casas vor Karl V. wie auch mit vielen Gedichten und Essays hatte Schneider literarischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet.

Dies ist aus dem Vorwort im ersten Band, geschrieben von Michael Rieger, einem der Herausgeber von diesem „Lepanto-Almanach“. Und er, Rieger, schreibt in seinem Vorwort weiter:

Aber Reinhold Schneider ist nur ein Beispiel für viele weitere Schriftsteller und Denker, von denen hier zu handeln ist. Und er ist eher noch einer der bekannteren. In diesem Sinn muß und will unser Jahrbuch Erinnerungsarbeit leisten, doch kann es dabei nicht stehenbleiben. Vielmehr geht es beim Aufschlagen verblaßter Schriften um eine Wiederaneignung des fast Verlorenen, um ein Steigen und Eintauchen in den Strom der Überlieferung. Denn ohne Geschichte und ohne Tradition wären wir, mit Schneider zu sprechen, nur „Flugsand“. Flugsand im Wind …

Das Vorwort im zweiten Band schreibt Christoph Fackelmann, ebenfalls ein Herausgeber dieses Almanach „Lepanto“. Ein Vorwort, das sich in seiner Botschaft, in seiner gesinnungsgemäßen Verortung erst ganz erschließt im Wissen

So wollen wir die kleineren und größeren Texte dieses Almanachs nicht zuletzt als Anregungen zu jenem zeitgemäß unzeitgemäßen „Bildungswerk“ verstanden wissen, das uns insgesamt vorschwebt.

um die weiteren Tätigkeiten des Christoph Fackelmann, als Präsident der Weinheber-Gesellschaft, als Schreibender der „Neuen Ordnung“.

Till Kinzel, der dritter Herausgeber im Bunde von Michael Rieger, Christoph Fackelmann, schreibt das Vorwort im dritten Band

Der Brustton der Überzeugung verdeckt oft nur die immense Leere und Substanzlosigkeit, die sich bis in diejenigen Institutionen ausgebreitet hat, welche eigentlich die Hüter der Überlieferung und damit der stets neu anzufachenden Glut sein sollten, aus der heraus das Abendland lebt und an der es sich erwärmen kann. So darf auch diese Ausgabe des Lepanto-Almanachs wieder den Blick auf manches vernachlässigte Gute — und Gut — der Tradition lenken.

Das vorliegende Jahrbuch hat darüber hinaus zwei Schwerpunkte, die einer Vertiefung der Auseinandersetzung gewidmet sind. Das Thema nimmt den Faden der Beschäftigung mit Reinhold Schneider wieder auf, verbindet ihn aber diesmal mit der bildenden Kunst und plädiert zugleich für eine neue Würdigung der Inneren Emigration und des christlichen Widerstandes.

Die Anknüpfung an christliche Literatur gewinnt auch da eine höchst aktuelle Bedeutung, wo es darum geht, sich mit dem sogenannten Transhumanismus auseinanderzusetzen. Denn diese Ideologie bringt ein völlig neues Menschenbild ins Spiel, das aber z. B. schon, wie Ulrich Kriehn zeigt, von Autoren wie C. S. Lewis kritisch analysiert wurde — und nicht zuletzt in den phantastischen Romanen, die wie Die böse Macht eine Tyrannis der Wissenschaftler und Technokraten aufs Korn nehmen. Die Literaturgeschichte geht auch in der Gegenwart weiter — davon zeugt nicht zuletzt das Werk von Lyrikern, die sich in immer neuer Form dem Anspruch aussetzen, Wirklichkeitswahrnehmungen Form zu geben, die sich anderen Menschen vermitteln läßt und neue Zugänge zu einer Welt erlaubt, die nicht im Wissenschaftlichen und bloß Faktischen aufgeht. Herausragendes Beispiel ist das lyrische Werk des Dichters und Dissidenten Ulrich Schacht […]

Im Jahr seines Todes hat Ulrich Schacht sein letztes Herausragendes geleistet, mit seiner Unterzeichnung der „Erklärung 2018“,

auch Till Kinzel gehört mit seiner Unterzeichnung dieser Erklärung zu den ersten —

Vielleicht — sind doch, wie gebetet wird, „die Wege des Herrn unergründlich“ — hat ein österreichischer Gebirsjäger sein Zitat von Nicolás Gómez Dávila bei Till Kinzel gefunden, über den er, Kinzel, auch im Lepanto-Almanach …

Unterschrieben hat diese Erklärung sofort auch ein Karlheinz Weißmann, der zur Lektüre der idealisierten Jugend des zurzeitigen Führers einer Parlamentspartei gehört, den sie, kurz ist es her, in einem Video empfiehlt,

in einem Video, das ihr Imam als „großartig“ …

Es ist das von diesem Lepanto-Almanach Eingebrachte aufzugreifen: die „Erinnerungsarbeit“, die „Umschau“, der „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, jedoch nicht in bezug auf die Vergangenheit, sondern die Erinnerungsarbeit in der Gegenwart, die Umschau in der Gegenwart, der Widerstand — „Heimattreue Netzwerke im tiefbraunen Sumpf“, das bringt die Umschau in der Gegenwart zutage, wenn allein schon der Verleger des Lepanto-Almanachs genannt wird: Hans Ulrich Kopp …

Hans Ulrich Kopp, „ein „rechtsextremer Aktivist“ als Verleger von einem „Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“…

Wie gut, von diesen Herausgebern des Lepanto-Almanachs es beherzigt zu haben, Umschau zu halten, Erinnerungsarbeit der Gegenwart zu leisten, und ihr Geschreibe vom „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ als das einzureihen, als das es einzureihen ist, ein Feigenblatt —

„Eine höchst nützliche Zusammenfassung, die wir uns ausschneiden“

Zadie Smith zitiert in ihrem Nachwort zu „Rezitativ“ eine „höchst nützliche Zusammenfassung, die wir uns ausschneiden“,

Ich habe in diesem Essay viel über diskriminierende Strukturen geschrieben. Allerdings nur vage, metaphorisch, so wie heutzutage viele darüber sprechen. In einer Rede an der Howard University im Jahr 1995 wurde Morrison konkreter. Sie hat das Ganze mit wissenschaftlicher Methodik aufgeschlüsselt. Eine höchst nützliche Zusammenfassung, die wir uns ausschneiden und aufheben sollten, um immer wieder darauf zurückzugreifen, denn wenn wir hoffen, die Strukturen der Unterdrückung einmal niederzureißen, kann sie uns auf jeden Fall helfen zu ergründen, wie sie aufgebaut sind:

die ebenso wie „Rezitativ“ alle lesen sollten, nicht nur in den USA,

sondern in vielen, vielen Ländern, weil sie eben auf die zurzeitigen Vorgänge, Machenschaften in vielen,

vielen Staaten,

nicht nur in Österreich, zutrifft:

Wir dürfen nicht vergessen, dass es, ehe es zu einer abschließenden Lösung kommt, eine erste Lösung geben muss, eine zweite, sogar eine dritte. Der Weg zu einer abschließenden Lösung ist kein Sprung. Es braucht einen ersten Schritt und noch einen und noch einen. Eine Folge, etwa wie diese:

1. Konstruiere ein Feindbild, sowohl als Ziel wie zur Ablenkung.

2. Isoliere und dämonisiere diesen Feind, indem du offene und verhüllte Schmähungen in Umlauf bringst und für deren Weiterverbreitung sorgst. Nutze persönliche Angriffe als legitime Mittel im Kampf gegen den Feind.

3. Suche und schaffe Quellen und Verbreiter von Gerüchten, die den Prozess der Dämonisierung vorantreiben, weil es sich für sie lohnt, weil es Macht verleiht und weil es funktioniert.

4. Sichere deine Mittel; überwache, verjage oder diskreditiere alle, die die Prozesse der Dämonisierung oder der Verklärung infrage stellen oder hintertreiben.

5. Unterdrücke und verleumde alle Repräsentanten und Sympathisanten deines konstruierten Feindes.

6. Gewinne Kollaborateure aus den Reihen des Feindes, die den Prozess der Verdrängung unterstützen und als gerechtfertigt erscheinen lassen.

7. Pathologisiere den Feind in wissenschaftlicher und in Unterhaltungsliteratur, z. B. durch Rückgriffe auf pseudowissenschaftlichen Rassismus und die Mythologie rassischer Überlegenheit, um das Krankhafte an ihm selbstverständlich werden zu lassen.

8. Kriminalisiere den Feind. Dann bereite alles — Geld, Planung, Begründung — für seine Internierung in geeigneten Lagern vor. Das gilt besonders für die Männer und unbedingt für die Kinder.

9. Belohne Gedankenlosigkeit und Trägheit mit großen Unterhaltungsspektakeln und mit kleinen Freuden, unmerklichen Verführungen: ein paar Minuten im Fernsehen; ein paar Zeilen in der Zeitung; einem kleinen Pseudo-Erfolgserlebnis; der Illusion von Macht und Einfluss; ein wenig Spaß, ein wenig Style, ein wenig Bedeutung.

10. Bewahre Stillschweigen, um jeden Preis.*

Zu dieser Zusammenfassung führt Zadie Smith aus:

Elemente dieser faschistischen Leitlinien finden sich in der Begegnung zwischen Europa und Afrika, zwischen West und Ost, zwischen Arm und Reich, zwischen Deutschen und Juden, Hutu und Tutsi, Briten und Iren, Serben und Kroaten. Sie liegen im Rahmen der Möglichkeiten, auf die wir Menschen dauerhaft Zugriff haben. Rassismus ist eine Art Faschismus, womöglich die bösartigste und langlebigste. Aber er bleibt doch eine menschengemachte Struktur. Auch die Befähigung zu jeglicher Art von Faschismus ist uns allen zu eigen — man könnte sie als unsere deprimierendste kollektive Identität bezeichnen.

Maggie

Roberta sei die Schwarze, das hätte sofort ein jeder Mensch, der 1983 „Recitatif“ auf der zweiten Seite aufgeschlagen und das

Von Zeit zu Zeit hörte sie nämlich gerade so lang mit dem Tanzen auf, um mir was Wichtiges zu erklären, und unter anderem hat sie mir erklärt, dass die sich nie die Haare waschen und komisch riechen. Wie Roberta. Also, sie roch wirklich komisch. Und darum habe ich, als das Riesenross (kein Mensch redete je von „Mrs. Itkin“, so wie auch kein Mensch je von „St. Bonaventure“ redete) — als es also sagte: „Twyla, das ist Roberta. Roberta, das ist Twyla. Seit nett zueinander“, da habe ich gesagt: „Das wird meiner Mutter aber gar nicht gefallen, dass Sie mich hier unterbringen.“ „Gut“, sagte das Riesenross. „Vielleicht holt sie dich dann ja wieder nach Hause.“ So eine Gemeinheit! Wenn Roberta gelacht hätte, ich hätte sie umgebracht, aber sie lachte nicht.

gelesen hätte, vor vierzig Jahren, in Österreich,

und wohl nicht nur in Österreich, hätte in vollkommener Überzeugng sofort zu sagen gewußt, daß Roberta die Schwarze und Twyla die Weiße — So verbreitet, wie das damals war, vor vierzig Jahren, daß Schwarze „komisch riechen“, und dies war ganz und gar nicht ein Kompliment, Schwarze wurden auch nicht Schwarze genannt, das weithin geläufige Brandmal war „Neger“. „Neger“ war der als normal befundene Begriff, die Norm. „Neger riechen komisch.“

Oder, noch deutlicher, unmißverständlicher rassistisch in einer durch und durch rassifizierten — „Neger riechen schlecht.“

Auf eine Kritik, wie diese vierzig Jahre später in einer deutschsprachigen Zeitung zu lesen ist,

Aber nicht einmal als Roberta dagegen demonstriert, dass ihr Sohn auf eine andere Schule soll – und Twyla das Problem überhaupt nicht versteht –, lässt sich sagen, ob Roberta eine schwarze oder weiße Bürgerrechtlerin und ob Twyla eine schwarze oder weiße Ignorantin ist.

und darauf, was Zadie Smith im langen Nachwort zu „Rezitativ“ schreibt,

Wie genau wir aber auch lesen, wir erfahren nie definitiv, welches der beiden Mädchen schwarz ist und welches weiß.

hätten Menschen vierzig Jahre zuvor, nicht nur in Österreich, gesagt, das lässt sich so doch leicht sagen, daß Twyla die Weiße und Roberta die Schwarze —

Sogar vierzig Jahre später lassen sich im Internet Eintragungen finden, die nicht vor vierzig Jahren geschrieben wurden, sondern in der Gegenwart, daß „Neger riechen […]“. Nicht nur, zum Beispiel, von einem „König“, der sich als „Patriot, Nationalist“ vorstellt, sondern auch, ein weiteres Beispiel, von einem „Basti“, der „Journalist, Dozent, Social-Media-Koordinator“ … Auf einer Frage-Antwort-Plattform, ein weiteres Beispiel, mit der Eigenbeschreibung

Seit 2006 können Nutzer bei uns Fragen zu allen Themen stellen, auf die sie in der Regel bereits in Sekundenschnelle eine Antwort erhalten. So helfen wir Millionen Menschen – ganz nach dem Motto von Usern für User – dabei, Wissen, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen und zu entdecken.

wird die Frage gestellt „Warum riechen dunkelhäutige anders?“ — Als wäre es eine „gute Frage“, auf die es gute Antworten … „dunkelhäutige“, ja, tatsächlich kleingeschrieben, so hat diese „gutefrage“ die Qualität von „Neger […]“

Es ist im Grunde völlig belanglos, ob nun Twyla die Schwarze und Roberta die Weiße oder Roberta die Weiße und Twyla die Schwarze. Es gibt in dieser Erzählung tatsächlich eine Frau, von der nicht gesagt werden kann, ob sie weiß ist, ob sie schwarz ist — Maggie.

Einmal ist Maggie dort gestürzt. Die Küchenhilfe mit den Beinen wie Klammer auf, Klammer zu. Und die großen Mädchen haben sie ausgelacht. Ich weiß schon, wir hätten ihr aufhelfen sollen, aber wir [Twyla und Roberta] hatten Angst vor diesen Mädchen mit ihrem Lippenstift und Kajalstrich. Maggie konnte nicht sprechen. Die anderen Kinder behaupteten, ihr wäre die Zunge rausgeschnitten worden, aber ich glaube, sie war einfach so auf die Welt gekommen: stumm. Sie war alt, hatte eine Haut wie Sand und arbeitete in der Küche. Was weiß ich, ob sie nett war. Ich erinnere mich nur an ihre Beine wie Klammer auf, Klammer zu und dass sie beim Gehen wackelte. Sie arbeitete von morgens früh bis zwei, und wenn sie mal spät dran war, weil sie viel sauber zu machen hatte, und erst gegen Viertel nach zwei wegkam, nahm sie die Abkürzung durch den Obstgarten, um den Bus nicht zu verpassen und eine Stunde auf den nächsten warten zu müssen. Sie trug eine richtig blöde Mütze — so eine Kindermütze mit Ohrenklappen –, und sie war nicht viel größer als wir. Eine richtig scheußliche Mütze. Wirklich blöd, sogar für eine Stumme — rumzulaufen wie ein kleines Kind und keinen Ton zu sagen. „Und wast ist, wenn jemand sie umbringen will?“ Das fragte ich mich damals oft. „Oder wenn sie weinen muss? Kann sie weinen?“ „Klar“, sagte Roberta. „Aber nur Tränen. Töne kommen keine.“ „Sie kann also nicht schreien?“ „Nein. Gar nicht.“ „Kann sie was hören?“ „Glaub schon.“ „Rufen wir sie mal“, sagte ich. Und das taten wir. „Trampel! Trampel!“ Sie wandte nicht mal den Kopf. „O-Bein! O-Bein!“ Gar nichts. Sie wackelte einfach weiter, und die Kinnriemen ihrer Babymütze baumelten hin und her. Ich glaube, wir lagen falsch. Ich glaube, sie hat uns gehört und sich bloß nichts anmerken lassen. Bis heute schäme ich mich, wenn ich mir vorstelle, dass dadrinnnen doch jemand war, unsere Schimpfwörter hörte, und uns nicht verpetzen konnte.“

Um Maggies Willen, um der „Verdammten“ willen, der „Niemanden“ willen, deren Farben nicht gesehen, nicht erinnert werden, ist „Rezitativ zu lesen —

Weit unterhalb der rassifizierten „Schwarz-Weiß-Unruhen“ in den USA hält sich eine weltweitere Unterschicht aus lauter Maggies, die von den engstirnigen amerikanischen Debatten weder gesehen noch bedacht wird, die Verdammten dieser Erde …

Morrison ist die große Meisterin amerikanischer Komplexität, und wenn Sie mich fragen, steht Rezitativ in einer Reihe mit Bartleby, der Schreiber und Shirley Jacksons Erzählung Die Lotterie als die perfekte — und perfekt amerikanische — Story, die jedes Kind in den USA lesen sollte.

Zu Zadie Smith darf hinzugefügt werden, die jedes Kind und jeder Erwachsener auch außerhalb der USA, die jede Erwachsene weltweit, also auch in Österreich, …

Fürstens

Tatsache sei, so Fürst, dass man darüber überhaupt nicht mehr reden sollte. Über die ganzen Folgen und Konsequenzen, die dieser Bevölkerungs-Austausch mit sich bringt, dürfe man nicht reden. Diese Kritik werde sofort als “rechtsextrem” bezeichnet. Fürst weiter: Wie sagen wir denn? Bevölkerungs-Austausch, Überfremdung? Konsequenz der ungeregelten, illegalen Einwanderung?

Das ist am 7. September ’23 auf der gesinnungsgemäß zensurierten einer österreichischen Parlamentspartei zugewandten Website zu lesen. Kritik, die der Verfassungssprecherin auch, werde „sofort als ‚rechtsextrem‘ bezeichnet“, kann aufgegriffen werden und mit ihr gefragt werden:

„Wie sagen wir denn?“

Statt rechtsextrem einfach wie

kurz christschwarz sagen. Vor Jahren bereits hat eine parlamentarische Abgeordnete der schwarzen Christfraktion gesprochen von der „Überfremdung“ …

Es träfe so wohl auch recht auf die österreichische Normalität zu, die in diesem Sommer ’23 im Mittelpunkt einer Streitposse …

Und jene, die mit Fackeln zu ihrer videoesken Matura marschieren, sind, wie sie nun ab und an kritisiert werden, ach

keine rechtsextremistisches Schaften, ach keine identitärer Bünde,

sondern gar normal bloß idealistische Menschen so jung

uralter christschwarzer Normalität Österreichs,

die Tafeln „OPFER DES BEVÖLKERUNGS AUSTAUSCH“ vor sich hertragen, so daß, statt sie zu kritisieren, jubilierend zu rufen wäre:

Seht, sehr nur, seht bloß, hier marschiert — Säumt ihnen die Straßen beflaggt …

Normalitäten

Im Sommer ’23 bricht in Österreich ein Possenstreit über die „Normalität“ aus. Vorneweg, um nicht sagen zu müssen, an der Spitze des Possenstreits, an der Bühnenrampe, auf der die Streitposse gegeben wird,

eine formal an der Landesspitze sitzende Frau

und ein formal an der Staatsspitze sitzender Mann.

Es mengen sich gar viele in die Streitposse „Normalität“ ein, wollen auch einen Platz vorne an der Rampe, schreien aus dem Flüsterkasten … Alle wissen etwas dazu, was denn „normal“ sei, was denn nicht „normal“ sei, wer denn „normal“ sei, wer denn nicht „normal“ sei, wer denn die „Normalität“ vertrete, wer denn nicht die „Normalität“ vertrete, wer für die „Normalität“ eintrete, wer, ist eine der Widerreden, für sich in Anspruch nehme, für „Normaldenkende“ einzutreten und hinzutreten, sei präfa…

Allerdings von Vorgängerinnen kann bei diesem zurzeitigen parteipolitischen Personal nicht gesprochen werden, denn dafür müßte es Visionen haben, müßte es Zukunft denken können, wie die damaligen — auch wenn es Visionen des Untergangs, eine in Untergänge gedachte Zukunft war — Protofaschistinnen oder die damaligen Präfaschisten, die hierfür einen „normalen“ Begriff für sich fanden: „Konservative Revolution“.

Als ob es tatsächlich nur die eine einzige „Normalität“ geben würde, so geht der Possenstreit in diesem Sommer ’23 in Österreich, und dabei, das wird vollkommen ausgeblendet, gibt es nicht die eine einzige Normalität, sondern Normalitäten. Es kommt nur darauf an, in welcher Normalität ein Mensch lebt, inmitten von Menschen, die in ihren Normalitäten leben, dessen Normalität aber nicht eine Abnormalität ist, wie in diesem Sommer auch immer wieder zum Vorwurf gemacht wird, es würden Menschen, die nicht „Normale“ seien, als „Abnormale“ denunziert, diffamiert, ausgegrenzt, gebrandmarkt werden, und das sei, so ein gefallenes Wort: „brandgefährlich“, aber menschgemäß gibt es die Abnormalität nicht, menschgemäß nur Normalitäten.

Von einer dieser menschgemäßen Normalität ist beispielsweise in „V13 – Die Terroranschläge in Paris – Gerichtsreportage“ von Emmanuel Carrère zu lesen:

„Ehrlich gesagt nein, damit hatte ich kein Problem. Das fand ich normal.“ „Und Ihre Onkel, was haben die dort gemacht?“ „Musik. Jean-Michel hat gesungen und Fabien war Tontechniker, glaube ich …“

Unmittelbar davor ist bei Carrère zu lesen:

In Syrien beginnt der Bürgerkrieg, und alle schließen sich ihm an: zuerst Jean-Michel, dann Fabien und dann die ganze Sippschaft, von der Mutter über die Schwester bis zur Nichte Jennifer, die ihre Aussage ebenfalls vom Gefängnis aus macht. Und zwar eine, bei der es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Ohne je die Wahl gehabt zu haben, hat sie ihr Leben ganz dem strengen Islam verschrieben. Mit vierzehn brach sie die Schule ab, mit fünfzehn verheirateten ihre Mutter und ihre Onkel sie mit einem Salafisten aus Bayonne, der genauso jung war wie sie und ihr kurz hintereinander fünf Kinder machte. „Nach Syrien“, sagt sie, „sind wir nicht wegen des Kriegs gegangen, sondern um ein Land aufzubauen und dort unsere Kinder großzuzieheh, um unsere Religion auf islamischen Boden zu leben und nicht in einem Land des Unglaubens. Ich habe Daesch nicht als Terrororganisation betrachtet.“ Zur Veranschaulichung dieser idealistischen Sicht beschreibt sie das Leben in Rakka unter der schwarzen Flagge: die Häuser, in denen Frauen und Kinder eingesperrt werden, den Sklavenmarkt und die Hinrichtungen auf öffentlichen Plätzen, die mitten auf der Straße auf riesigen Bildschirmen übertragen werden … „Haben die Leute das denn gutgeheißen?“ „Ja, alle, die dort lebten, fanden das gut. Und wenn nicht, hätten sie es niemals gesagt, das wäre zu gefährlich gewesen.“ „Was hat Sie denn dann dazu gebracht, Daesch zu verlassen? Die Ausschreitungen? Der jordanische Pilot? Die gefesselten Männer, denen man in aller Ruhe die Köpfe abgeschnitten hat?“ „Ehrlich gesagt nein, damit hatte ich kein Problem. Das fand ich normal.“

Im August 2014 folgt Krayem dem Aufruf von Abu Mohamed al-Adnani, der gerade das Kalifat ausgerufen hat, und fährt nach Syrien, um dort „im humanitären Bereich zu arbeiten“, wie seine Zugehörigkeit zu den fünfzehn bärtigen Männern in Kampfanzügen belegt, die der Hinrichtung jenes jordanischen Kampfpiloten beiwohnen, der bei lebendigem Leib in einem Käfig verbrannt wurde – das grausamste aller grausamen Daesch-Videos.

„Ehrlich gesagt nein, damit hatte ich kein Problem. Das fand ich normal.“

Dass er Krayem als einen nachdenklichen, gleichmütigen jungen Mann erlebt hat, der Wert darauf legt, als zuverlässig und ehrlich zu gelten. Als bemühten Schüler, mit dem er im Laufe des Unterrichts eine Respekts- und Vertrauensbeziehung aufgebaut hat. „Abgesehen von den schrecklichen Taten, die er begangen hat, ist Herr Krayem eine sehr menschliche Person“ — eine Formulierung, die eine Welle der Empörung auslöst. Denn ist die Menschlichkeit eines Mitglieds der grausamsten IS-Brigade nicht die eines Auschwitz-Kommandanten, der ansonsten ein zärtlicher Vater und fürsorglicher Ehemann war? „Vielleicht“, sagt der Lehrer mit unterschütterlicher Sanftmut. „Ich will die Schwere seiner Schuld nicht herunterspielen, ich erzähle Ihnen nur von dem Mann, den ich vier Jahre lang regelmäßig getroffen habe. Er ist vielleicht kein netter Kerl, aber jemand, der anständig und menschlich ist. Wenn wir in einer Demokratie leben wollen, muss es auch Leute geben, die bei einem Prozess zugunsten des Angeklagten aussagen.“ Ja, das muss es.

Was fand dort statt? Wurden dort IS-Videos angeschaut? Ja. Brahim ließ sie in Schleife auf seinem Laptop laufen — und klappte ihn zu, wenn sich mal ein Fremder in seinen Laden verirte. Und die anderen? Schauten sie mit? Gab es — wie es in den belgischen Akten heißt – Videositzungen, in denen diese grausamen Bilder gemeinsam angeschaut wurden: die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley, die Verbrennung des jordanischen Piloten bei lebendigem Leib in einem Käfig, und, ihrer aller Favorit, weil sie den Star kannten: Abdelhamid Abaaoud, ihr Jugendfreund, ihr Bruder, der am Steuer seines Pick-ups eine Traube von Leichen durch den syrischen Staub schleift — und sich mit seiner kleinen Fratze eines psychopathischen Kobols dabei totlacht und dazu aufruft, doch mitzumachen und sich mit ihm totzulachen? Und Mohamed Amri, Hamza Attou, Ali Oulkadi, die im Les Béguines dealten und hin und wieder im Service aushalten, saßen sie mit in diesem Kreis rund um den Computer, um diesen Séancen beizuwohnen — wie es die belgische Wortwahl nahelegt und die Anklage zu beweisen versucht? Oder verrichteten sie hinter der Bar ihre Arbeit und ließen ihren gleichgültigen Blick über den Bildschirm gleiten, so wie Leute, die sich nicht wirklich für Fußball interessieren, über ein Fußballspiel — wie ihre Verteidiger argumentieren?

„Das fand ich normal.“

Viele finden jetzt das Video der Ehrerbietung, das in diesem Sommer ’23 in Österreich veröffentlicht, wohl ebenfalls als normal …

Der Mann, der selbst in diesem Video der Huldigung zu sehen ist, und dieses Video als „großartig“ lobt, findet dies ebenfalls wohl nicht nur normal, sondern gar großartig normal …

Der Mann, der als mitmarschierender Fackelträger in diesem Video zu sehen ist, findet dies ebenfalls wohl als normal …

Es gibt nicht nur die eine einzige Normalität, sondern Normalitäten, und von diesen Normalitäten gar recht viele zur selben Zeit am selben Ort. Es könnten noch weitere Beispiele von Normalitäten gebracht werden, in denen Menschen miteinander nebeneinander leben, gerade und also auch in Österreich — nur eine noch der vielen Normalitäten soll erwähnt werden … Männern vor allem der schwarzen Christfraktion Normalität ist eine, die sie Jahr für Jahr an das Grab eines Diktators zum Gedenken marschieren läßt, Normalität, die sie in ihre sonstigen gelebten Normalitäten integriert haben und ausleben, wenn ihre an der Zeit ist.

Huldigung der sie anführenden Imame

Ein Video sorgt nun seit ein paar Tagen in Österreich für Aufregung … ach, was daran nun das Besondere sei, was daran nun das Neue sei, was wird nun nicht alles gesagt und geschrieben, von Menschen, die, könnte gemeint werden, bis vor wenigen Tagen nicht in Österreich lebten, nichts von Österreich je hörten, je lasen, je wissen …

Es braucht offensichtlich tatsächlich derartige Holzhammervideos, damit begriffen wird, ja was eigentlich begriffen wird? Damit endlich gewußt wird, ja was eigentlich gewußt wird, das nicht ohnehin gewußt wird, seit langer Zeit, nun aber hat die „Jugend“ dieser Partei das in ein Video gepackt, was von dieser „Jugend“ — was sonst soll diese „Jugend in ihr Video packen, als das, was in ihr seit je …

Es wird nun aufgeregt gesagt und geschrieben, auch das, die Sprache erinnere an die „rechtsextreme identitäre Bewegung“ … Welche Sprache soll eine „Jugend“ einer identitären Partei sonst verwenden, als eben die einer identitären Parlamentspartei, die es seit Jahrzehnten in Österreich gibt, und woher kann eine „rechtsextreme identitäre Bewegung“ ihre Sprache haben, als eben von einer identitären Vaterpartei, deren Identität der Idealismus …

Ein konkretes Beispiel für diese Sprache ein Wort aus diesem Video: „Bevölkerungsaustausch“ – aus welchem Stall dieses die „rechtsextremen …“ holten, als wäre es ein Ei, das gelegt wurde von –

aber Hähne legen keine Eier, dennoch scheiden sie aus, auch Wörter wie „Bevölkerungsaustausch“;

eine Antwort darauf, was zuerst da ist, die Henne oder das Ei, in diesem Fall endgültig gegeben: der Hahn zuerst und dann seine Ausscheidungen, gierig eingesogen wie ein

rohes Ei von den „rechtsextremen …“ — Und was für eine Bedeutung wird ihr zuerkannt, von ihr das ihr selbst Zugeschriebene zu übernehmen, ihnen nachzureden, sie seien eine „Bewegung“, und sind tatsächlich nur ein Verein in der Kleinheit eines Schrebergartenvereins, der von sich bewegt verkündet, wo einer im Vereinsregisterauszug gesammelt, da —

Und was für Bücher kann eine solche „Jugend“ in ihrem Video zur Empfehlung nur zeigen? Als eben jene, die in einer solchen Vaterpartei, es brauchen hier die Namen nicht genannt werden, zur Genüge schon von den Parteivätern empfohlen, und nicht nur diese,

sondern weit,

recht weit mehr …

recht weit mehr …

Und das schien noch nie zu ergrimmen, jedenfalls die, denen die Vaterpartei eine koalitionäre Regierungspartei in Vergangenheit und Gegenwart, wenngleich ihr keine Zukunft, aber wer braucht schon eine Zukunft, wenn regiert werden kann,

ach, könnte das Regieren gekonnt werden, ja, wenn das Regieren gekonnt werden könnte, gäbe es diese Vaterpartei als koalitionäre Regierungspartei nie und nimmer.

Die von dieser „Jugend“ vorgelegten Bücher lassen auch die Vermutung zu, sie, diese „Jugend“ hätte damit eine videoske Prüfung abgelegt, und das Abitur bestanden, den Stoff ihrer Imame recht gepaukt, Literatur, die ihren Imamen einzig Kanon ist, so recht intus …

Daß einer ihrer Gebirgsfestungsimame dieses ihr Video „großartig“ findet, wer kann es ihm verhehlen, so von seiner „Jugend“ gehuldigt zu werden, von ihr so angebetet zu werden, was wäre er für ein Führer, fände er für sie kein rechtes Wort …

Und ein weiterer Imam, dem gehuldigt wird, was wäre er für ein Führer, reihte er sich nicht ein, ginge er nicht mit dieser seiner „Jugend“

nächtens im Fackelscheine

durchs Gestrüpp …

Wie aber wird diese „Jugend“ betrachtet? Als Rätsel? Als Gefahr? Es gibt eine Betrachtung, die über diese „Jugend“ zitiert werden kann, zu lesen in „V13“ von Emmanuel Carrère, denn, wie ebenfalls in dieser „Gerichtsreportage“ zu lesen ist: „zwei Seiten derselben Medaille“ … So muß für diese „Jugend“ nichts Neues formuliert werden, trifft doch auf diese „Jugend“ gänzlich zu, was zu dieser „Medialle“ bereits geschrieben:

Einen Dschihadisten betrachten wir als Rätsel, als Gefahr, aber auch als Opfer, als krankes, grausames Produkt einer kranken, grausamen Gesellschaft. Um an diesen Punkt zu gelangen, denken wir, muss man von einem erbarmungslosen sozioökonomischen System abgelehnt, gedemütigt und an den Rand gedrängt worden sein, sodass einem keine andere Wahl bleibt als die Kriminalität, oder eine durchgedrehte Religion.

Micheron bestreitet nicht, dass all das zutrifft und dass manche der Dschihadisten, die er getroffen hat, in diesem Sinn — der sich aus der Idee des Klassenkampfs speist — als Opfer angesehen werden können. Doch darf man nicht vergessen, sagt er, dass sie selbst sich keineswegs als Opfer oder als Sozialfälle sehen. Ganz im Gegenteil, sie sehen sich als Helden, als Vorhut einer großen, unwiderstehlichen, weltweiten Eroberungsbewegung. Die wirklichen Opfer sind in ihren Augen die erbärmlichen „gemäßigten“ Muslime, jene entfremdeten Kollaborateure, die glauben wollen, der Islam sei mit den Werten der korrupten Gesellschaft, in der sie leben, vereinbar.

Die Kuffar halten sich — wie ich und wohl auch Sie, stelle ich mir — für offen und tolerant, doch die einzig respektablen Leute unter ihnen sind die rechtsextremen Identitären, denn sie stimmen mit den Dschihadisten vollkommen überein, dass ihre Zivilisationen radikal unvereinbar sind. Es gibt einen dschihadistischen Stolz und ein dschihadistisches Selbstbewusstsein, die erklären, warum Deradikalisierungsprogramme im Allgemeinen so schlecht verfangen. Wenn das Römische Reich im 1. Jahrhundert Dechristianisierungsprogramme gestartet hätte, wären sie genauso wirkungslos geblieben: sie hätten die angehenden Märtyrer nur noch mehr in Ekstase versetzt. Wenn man sein Leben einem gerechten, ruhmreichen Kampf verschrieben hat, der Leib und Seele durchtränkt und bei dem der Sieg im Himmel wie auf Erden gewiss ist, warum sollte man sich dann überreden lassen, auf die Seite der Verlierer zu wechseln?

Wie betrachtet sich diese „Jugend“ selbst? Im Video selbst gibt sie eine ihrer Antworten, auf eine Tafel gekritzelt: „Opfer“ — „Opfer“, die keine „Opfer“ sind, sondern sich selbst, wie diese „Jugend“ ihre Taten, zumeist und noch zumeist bloß in Wort und Schrift, als Opferungen preisen, machen sich irgendwann auf zum Ausmarsch, und auch davon ist zu lesen, in der nicht letzten zu schreibenden „Gerichtsreportage“:

Dieser Prozess lehrt zweierlei. […] Und zweitens, dass die Bedrohung durch Terrorismus sich derzeit verändert. Der nächste große Anschlag, denn es wird zwangsläufig einen geben, könnte durchaus nicht von Dschihadisten ausgehen, sondern von ihren Nacheiferern und Erzfeinden: weißen Rassisten.

Mittenwald – Mohammed Amin al-Husseini, Islam-Nationalsozialismus, 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Hanjar“: „Sie verfolgte und ermordete Sinti und Roma.“

Sie verfolgte und ermordete Sinti und Roma […]

Im zuletzt am 18. Mai 2023 aktualisierten Eintrag von „Wikipedia“, gelesen am 31. August 2023, steht nichts davon, daß die Islam-Division des Mohammed Amin al-Husseini auch „Sinti und Roma [ermordete]“. Die islamische Division des Mohammed al-Husseini, des von „Himmler zum SS-Gruppenführer [ernannten]“. Daß die islamisch-nationalsozialistische Division auch Sinti und Roma ermordete, das ist im „Report“ in „Das Tier, das man Mensch nennt“ von Hans Joachim Schädlich zu lesen.

Unter dem Kommando deutscher SS-Offiziere bildeten die muslimischen Rekruten einen Verband, aus dem die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Hanjar“ hervorging. Sie wurde Anfang März 1934 im bayrischen Mittenwald aufgestellt […]

Mittenwald. Ein Ort, von dem bereits erzählt wurde. Nicht aber, weil es um die Vergangenheit geht, sondern um die Gegenwart. Mit Mittenwald inmitten der Gegenwart, einer Gegenwart, die kein Gegen zur Vergangenheit; versucht zu sagen, es soll nicht von einer Gegenwart mehr gesprochen werden, ist sie doch keine gegen die Vergangenheit, sondern eine Mittenwart, in der die Vergangenheit, wieder, auch wieder …

In der Mittenwart treten Menschen hin, die Warte der Vergangenheit sind, wie Andreas Kalbitz, von dem am 2. August 2023 zu lesen ist:

Der frühere Brandenburger AfD-Landes- und Fraktionschef Andreas Kalbitz zeigt sich mit Blick auf eine Rückkehr in die Partei optimistisch – trotz mehrerer juristischer Niederlagen um den Entzug seiner Mitgliedschaft. „Ich bin auch weiterhin zuversichtlich hinsichtlich der Frage einer Wiederaufnahme der Parteimitgliedschaft in der AfD, die ich unverdrossen anstrebe“, sagte Kalbitz auf Anfrage.

Seine Aktivitäten und sein Einsatz im Sinne der AfD seien „ungebrochen“. Er freue sich über einen „anhaltend großen Zuspruch aus den Reihen der AfD, weit über Brandenburg hinaus“. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht ihn und Thüringens AfD-Chef Björn Höcke als zentrale […]

Wenn ein afder einen Film über eine Gebirgsdivision macht, den er machte, ist es ein Film, der nicht berichtet, was war, wie es Hans Joachim Schädlich erzählt, wenn er von einer Gebirgsdivision berichtet, sondern er, der afder, propagandiert, worauf er gesinnungsgemäß stolz und was wieder zur Ehre gereichen soll, wie einst, auch mit einem „Ausmarsch in Mittenwald“ …

Sie verfolgte und ermordete Sinti und Roma […]

Bis hierher wurde mit diesem Kapitel unter dieser Überschrift schon einmal gekommen, aber dann nahm das Kapitel einen Verlauf, der nicht beabsichtigt war; nun soll es denn beabsichtigten Verlauf nehmen.

In dem von Nazi-Deutschland und Italien besetzten Jugoslawien warb Husseini Anfang 1943 muslimische Bosnier für den Eintritt in die SS. Bis April meldeten sich über 20 000 muslimische Freiwillige. Es kam Husseini entgegen, daß muslimische Politiker auf einen Anschluß Bosnien-Herzegowinas an das Großdeutsche Reich hofften. Husseini bildete die Imame dieser SS-Truppen aus. Am 13. Jänner 1944 inspizierte Husseini die Hanjar-Division. Er schritt die Front, den Arm zum Hitlergruß erhoben, gemeinsam mit dem Generalmajor der Waffen-SS, Karl Gustav Sauberzweig, ab, der die Division vom August 1943 bis Juni 1944 kommandierte. Im Februar 1944 wurde die Division nach Bosnien verlegt. Himmler ernannte Husseini zum SS-Gruppenführer: Seit dem Sommer 1944 lebte Husseini als persönlicher Gast Hitlers in Oybin, dem Kurort in der sächsischen Lausitz. In Oybin blieb Husseini bis Februar 1945. Bei Kriegsende floh Husseini in die Schweiz. Die Schweizer Behörden lieferten ihn am 8. Mai 1945 an Frankreich aus. 1946 durfte er die französische Haft verlassen. Ägypten gewährte ihm Asyl. Der Führer der Moslembruderschaft, Hassan al-Banna, verkündete 1946: „Der Mufti ist Palästina, und Palästina ist der Mufti … Deutschland und Hitler sind nicht mehr, aber Amin al-Husseini setzt den Kampf fort.

Die Angehörigen der Division trugen schwarze Fese mit Adler und Totenkopf. Der arabische Krummsäbel Hanjar war das Truppenkennzeichen auf dem Kragenspiegel.

Was dieser Gebirgsdivision der Handschar Truppenkennzeichen war, war weiteren Gebirgsdivisionen das Edelweiß, und gemein war diesen Divisonen der Totenkopf —

Husseini bildete die Imame dieser SS-Truppen aus. In einem Vortrag sagte er zu den Imamen: „[…] nähern sich der Islam und der Nationalsozialismus an.“ Am 1. März 1944 rief Husseini die Muslime über den Sender Zeesen auf: „Tötet […] wo immer ihr sie findet. Das gefällt Gott, der Geschichte und der Religion.“

Es ist ein Kapitel, das vom Glück erzählen sollte, vom Glück, daß es diese Kameraderie von Handschar und Edelweiß nicht mehr gibt, deren Wege getrennt sind, sie, getrennt voneinander, aber immer noch, was nicht zum Glück gehört, kämpfen, und von deren Gesinnung her aber es scheinen will, daß es nie zu einer Trennung kam, so sehr ähneln einander ihre Gesinnungen in vielen Belangen, daß es ein Glück für alle, die weder zur einen noch zur anderen Division gehören, ist, daß sie nicht zusammen marschieren, nicht gemeinsam für die ihre Gesinnung hintreten, sondern nur getrennt ihre Gesinnung …

Ach, wie diese benennen? Islamistischer Rechtsextremismus?

Rechtsextremer Islamismus?

Nationalsozialistischer Islamismus?

Islamistischer Nationalsozialismus?

Patriotischer Islamismus?

Islamististischer Patriotismus?

Idealistischer Islamismus?

Islamistischer Idealismus?

Nationalistischer …

Wie unwesentlich Benennungen doch sind, wesentlich nur, daß sie trotz der recht hohen gesinnungsgemäßen Übereinkunft weiterhin daran glauben, gesinnungsgemäß sich nicht zu gleichen.

Da von keinem Glück erzählt werden kann, bleibt für dieses Kapitel nur eines, etwas zu zitieren, aus „V13“ von Emmanuel Carrère:

Einen Dschihadisten betrachten wir als Rätsel, als Gefahr, aber auch als Opfer, als krankes, grausames Produkt einer kranken, grausamen Gesellschaft. Um an diesen Punkt zu gelangen, denken wir, muss man von einem erbarmungslosen sozioökonomischen System abgelehnt, gedemütigt und an den Rand gedrängt worden sein, sodass einem keine andere Wahl bleibt als die Kriminalität, oder eine durchgedrehte Religion.

Micheron bestreitet nicht, dass all das zutrifft und dass manche der Dschihadisten, die er getroffen hat, in diesem Sinn — der sich aus der Idee des Klassenkampfs speist — als Opfer angesehen werden können. Doch darf man nicht vergessen, sagt er, dass sie selbst sich keineswegs als Opfer oder als Sozialfälle sehen. Ganz im Gegenteil, sie sehen sich als Helden, als Vorhut einer großen, unwiderstehlichen, weltweiten Eroberungsbewegung. Die wirklichen Opfer sind in ihren Augen die erbärmlichen „gemäßigten“ Muslime, jene entfremdeten Kollaborateure, die glauben wollen, der Islam sei mit den Werten der korrupten Gesellschaft, in der sie leben, vereinbar.

Die Kuffar halten sich — wie ich und wohl auch Sie, stelle ich mir — für offen und tolerant, doch die einzig respektablen Leute unter ihnen sind die rechtsextremen Identitären, denn sie stimmen mit den Dschihadisten vollkommen überein, dass ihre Zivilisationen radikal unvereinbar sind. Es gibt einen dschihadistischen Stolz und ein dschihadistisches Selbstbewusstsein, die erklären, warum Deradikalisierungsprogramme im Allgemeinen so schlecht verfangen. Wenn das Römische Reich im 1. Jahrhundert Dechristianisierungsprogramme gestartet hätte, wären sie genauso wirkungslos geblieben: sie hätten die angehenden Märtyrer nur noch mehr in Ekstase versetzt. Wenn man sein Leben einem gerechten, ruhmreichen Kampf verschrieben hat, der Leib und Seele durchtränkt und bei dem der Sieg im Himmel wie auf Erden gewiss ist, warum sollte man sich dann überreden lassen, auf die Seite der Verlierer zu wechseln?

Zeitgleich mit dem V13 wird beim Strafgericht von Paris ein anderer interessanter Fall verhandelt. Die Angeklagten sind sechs kleine, arme Weiße aus dem Département Bouches-du-Rhône. Logan Nisin, ihr Boss, der in der Schule wegen seiner Akne und seinen Ticks im Gesicht gehänselt wurde, begann seine Laufbahn erst in der Neonaziszene (seine E-Mail-Adressse lautete klaus-braun, für Klaus Barbie und Eva Braun), danach eröffnete er die Facebook-Seite „Bewunderer von Anders Breivik“ — jenem norwegischen Rassisten, der es 2011 geschafft hatte, 77 junge Sozialdemokraten, die zu einem Seminar auf eine Insel gekommen waren, allein zu töten.

„Für mich ist das kein Terrorist“, sagt Nisin, „sondern ein Widerstandskämpfer.“

Als Anhänger der Theorie vom Großen Austausch (nämlich der einheimischen Bevölkerung durch muslimische Invasoren) gründete der junge Mann im Nachgang des 13. November ein eigenes winziges Grüppchen, die OAS — für „organisation des armées“ und in Hommage an die OAS zu Zeiten des Algerienkriegs, bei der man sich angesichts seines zarten Alters fragen kann, wie er wohl davon gehört hat. Auf seiner Website liest man Dinge wie „Araber, Blacks, Dealer, Migranten, Gesocks, Dschihadisten — wenn auch du sie am liebsten alle hinmachen willst, wie wir es uns vorgenommen haben, komm zu uns.“ Oder kürzer: „Wir rekrutieren Araberjäger.“ Ein halbes Dutzend hat er so rekrutiert und angeführt — was umso überraschender ist, als er selbst über einen außergewöhnlichen Mangel an Charisma klagt. Ein Initiationsritus, den er seinen Rekruten auferlegen wollte, sollte darin bestehen, in den Straßen von Marseille einen zufällig ausgewählten Araber „hochgehen“ zu lassen. Die Sache war allerdings schnell erledigt, denn der Araber entwischte ihnen, ohne die Gefahr, in der er geschwebt hatte, auch nur geahnt zu haben.

Trotz dieser entmutigenden Anfänge hatte Nisin große Pläne und träumte davon, es irgendwann seinen großen Vorbildern gleichzutun, das heißt Breivik, Dylan Roof (North Carolina 2015, 9 Afroamerikaner), Alexandre Bissonnette (Kanada 2017, 6 Muslime) und Brendan Tarrant (Neuseeland 2019, 51 Muslime). Er frisierte sein Jagdgewehr so gut es ging zu einer Kriegswaffe um, versuchte, weitere von serbischen Mafiosi zu kaufen und sich TATP, den Sprengstoff des modernen Dschihadisten, zu besorgen, und plante ein großes Massaker am Ausgang einer Moschee und die Ermordung einiger Figuren des „Islamo-Gauchisme“ — das heißt der angeblich dem Islamismus gegenüber beißgehemmten Linken –, darunter des Politikers Jean-Luc Mélenchon, weshalb dieser im Prozess als Nebenkläger aussagte, auch wenn es nicht einmal einen Entwurf für eine Umsetzung dieses Plan gegegeben hatte. Recht allgemein kann man sagen, dass Nisin und seine Gang viel planten und wenig umsetzten.

Ihre unbestreitbare Gefährlichkeit zeigte sich nur im Stadium der Absicht und des Hasses im Netz. Dennoch wurden sie verhaftet und wegen „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ verurteilt. Die Staatsanwältin, die in ihrer Anklagerede die Gleichzeitigkeit des V13-Prozesses bemühte, hob dabei die Ähnlichkeit ihres Werdegangs mit dem der Dschihadisten hervor, die sie doch angeblich bekämpften — „zwei Seiten derselben Medaille“ –, und ihre zwar nur potenzielle, aber doch extreme Gefährlichkeit. Ihre Verteidiger dagegen prangerten diesen Vergleich und eine präventive Verurteilung als rechtswidrig an. Logan Nisin bekam neun Jahre.

Dieser Prozess lehrt zweierlei. Erstens, dass der V13 eine Funktionsschwäche der Nachrichtendienste aufgedeckt hat, denn man hatte Leute, von denen bekannt war, dass sie radikalisiert, in Syrien ausgebildet und im S-Register verzeichnet waren, unbehelligt gelassen, weil sie noch keine Verbrechen begangen hattten — doch die öffentliche Meinung akzeptierte einen solchen Aufschub qua Gesetz nicht länger und forderte zuzuschlagen, bevor diese zuschlagen.

Und zweitens, dass die Bedrohung durch Terrorismus sich derzeit verändert. Der nächste große Anschlag, denn es wird zwangsläufig einen geben, könnte durchaus nicht von Dschihadisten ausgehen, sondern von ihren Nacheiferern und Erzfeinden: weißen Rassisten.

Auch wenn es heißt, die Hoffnung enttäusche zuerst, auch wenn es heißt, die Hoffnung stürbe zuletzt, ist zu hoffen, daß diese Zwillinge nie wie einst zum gemeinsamen Marschieren, zum gemeinsamen Morden zueinander finden. Aber, das ist gewiß, das Hoffen wird nicht ausreichen, das Hoffen wird zu wenig sein, es wird mehr als bis jetzt getan wurde zu tun sein und es wird verstärkter und breiter als bis jetzt, dieser Zwillingsgesinnung das Fundament zu entziehen sein, diesen Zwillingen eine Welt zu zeigen sein, die ohne deren Gesinnung eine, auch für sie lebbare ist, diesen Zwillingen eine Wirklichkeit zu ermöglichen, in der sie ohne ihre Gesinnung leben, gut leben können.