Wenn Menschen fliehen müssen, dann halte ich die Nachbarstaaten wie die Türkei oder andere sichere Teile Afghanistans definitiv für den richtigeren Ort, als dass …“
Was es wohl mit dieser Gasse in Wien auf sich hat?
Worauf es wohl zurückzuführen ist, daß gerade in dieser Gasse, flankiert vom Ziehrerplatz und dem Arenbergpark mit ihren rundum hochherrschaftlichen Häusern, immer wieder derartige Sprüche geklebt und geschmiert, wie jetzt wieder, Ende August ’21.
Geschmiert „Schwule Sau“ auf das Plakat für Gernot Blümel mit dem Spruch „Daheim in Wien – Im Sommer – Und das ganze Jahr“.
Diesmal ist es fast harmlos, auch wenn es nichts anderes ist und bleibt als eine dümmliche Beschimpfung von Gernot Blümel und zugleich von homosexuellen Menschen – „Schwule Sau“ –, wenn bedacht wird, was in dieser Gasse schon zu lesen war, daß Homosexuelle etwa den „ihnen gebührenden Lohn für ihre Unzucht“ … Und was das für ein gebührender Lohn sein soll, dazu reicht es die gesamte Stelle aus der Bibel zu zitieren, aus dem die für sie geforderte Strafe entnommen wurde:
Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten. 25 Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers – gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen. 26 Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; 27 ebenso gaben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer treiben mit Männern Unzucht und erhalten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung. 28 Und da sie es nicht für wert erachteten, sich gemäß ihrer Erkenntnis an Gott zu halten, lieferte Gott sie einem haltlosen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört: 29 Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden 30 und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, 31 sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen. 32 Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt, verdient den Tod. Trotzdem tun sie es nicht nur selbst, sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln.
Es werden die Plakate gewechselt, an dieser Haltestelle bei den Flaktürmen, aber die Ungeheuerlichkeiten …
Woran das wohl liegen mag, daß gerade in dieser Gasse es zu solchen Manifestationen kommt? Es leben und arbeiten gerade hier so feine Menschen, Schriftsteller, Journalistinnen, Publizisten, Ärztinnen, Verleger, Buchhändlerinnen …
In einem anderen Land als Österreich, in einer anderen Stadt als Wien würde die Antwort darauf, wie sieht ein Mensch aus, der solche öffentliche Beschimpfungen schmiert, so einfach wie kurz sein: So sieht er aus!
Offen bleibt nur, welche Menschenrechte wurden in diesem Telefonat besprochen?
Human rights? Wurden Fragen der Rechte von allen Menschen, gleich welchen Geschlechts, besprochen? Oder:
Rights of men? Fragen der Rechte der Männer?
Es werden wohl Rights of men besprochen worden sein. Da es aber in der deutschen Sprache nur diesen einen Begriff für Menschenrechte gibt, kann das österreichische Bundeskanzleramt auch nur diesen einen Begriff – Menschenrechte – verwenden. Daß die offizielle Website des iranischen Präsidenten die Menschenrechte weder als Human rights noch als Rights of men mit einem einzigen Wort in ihrem Bericht über dieses Telefonat erwähnen, ist so einfach wie kurz zu erklären.
Ayatollahs sind Menschenrechte stets und ausschließlich Rights of men.
Deshalb müssen Ayatollahs auch nie in ihren Berichten Rights of men besonders erwähnen. Denn. Je innewohnend allen Gesprächen, die Ayatollahs führen, sind die Rechte der Männer.
Ayatollah Raisi in a phone call with the Austrian Chancellor:
The 500-year history of friendly relations between the two countries a valuable asset for the future of relations
Speaking with Austrian Chancellor Sebastian Kurz by telephone on Monday afternoon, Ayatollah Dr Seyyed Ebrahim Raisi referred to the 500-year history of friendly and constructive relations between the two countries, saying, „This long history is a valuable asset for the future of relations“.
– Austrian Chancellor: I hope that the friendly and constructive relations between the two countries will continue and develop
The President stated that despite the will and benefit of economic interactions, the reduction of trade between the two countries has no rational basis and justification, saying, „We must protect the interests of the two countries and not allow ill-wishers to influence these relations with various tricks“.
Referring to the Austrian Chancellor’s question on the Islamic Republic of Iran’s approach to the recent developments in Afghanistan, Dr Raisi stated, „If we look at the contemporary history of Afghanistan, we see that Afghanistan has not had a good day since the Americans began interfering in its affairs“.
Referring to the outbreak of the mutated strain of coronavirus, Dr Raisi said, „We welcome cooperation with Austria in the field of providing COVID-19 vaccine and we are ready to work on joint research related to the vaccine“.
In this phone conversation, Austrian Chancellor Sebastian Kurz said, „We hope that the new government of Iran will be more successful in creating economic and social prosperity for the people of the country, and in the international field, the negotiations in Vienna will end successfully“.
Expressing concern over the recent developments in Afghanistan, the Austrian Chancellor thanked the Iranian government and people for showing hospitality towards the Afghan immigrants.
Expressing hope for the continuation of these talks, Kurz thanked Dr Raisi for inviting him to visit Tehran.
The Anti-Defamation League’s CEO ,Jonathan Greenblatt, testified before the House Subcommittee on Intelligence and Counterterrorism in 2020 and said at the hearing that Iran’s regime is the top state-sponsor of Holocaust denial and antisemitism. Greenblatt wrote in Newsweek in late June that “ Raisi, played a hands-on role in promoting The Protocols as part of a sustained campaign to demonize and delegitimize the Jewish people.“ The Protocols of the Elders of Zion was „a 19th century forgery by Russian intelligence services…designed to scapegoat Jews for the empire’s hardships,“ wrote Greenblatt.
Von der Einladung nach Teheran, für die sich Sebastian Kurz bedankt, ist nur aus Medien außerhalb von Österreich zu erfahren.
Bei wem bedankt sich Sebastian Kurz, für eine Einladung?
To be clear, Raisi is far from a humanitarian. He has gotten much attention for reported crimes against humanity. It is well-documented that he was one of four judges who, in the late 1980s, oversaw the execution of thousands of members of Iranian opposition groups, including women and children. One analyst recently wrote that his subdued personality and criminal record evokes Hannah Arendt’s notion of the banality of evil.
In 2016, Raisi was appointed by Iran’s supreme leader to direct the Astan Quds Razavi Foundation, in which capacity he oversaw the production of a 50-episode documentary film promoting The Protocols. The documentary aired on Iranian TV and was distributed to pilgrims at a major religious shrine under his control, the Shrine of Imam Reza in Mashhad, Iran, the resting place of the eighth Shi’ite Imam. The Shrine is a major religious site visited by 20 million pilgrims a year pre-pandemic, according to Iranian records filed with UNESCO.
Ayatollah Raisi fand am 23. August 2021 auch Zeit, Sebastian Kurz in Geschichte zu unterrichten, als er von der „500-jährige[n] Geschichte freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern ein wertvolles Gut für die Zukunft der Beziehungen“ erzählte.
Woran Ayatollah Raisi dabei wohl dachte? In seinem Telefonat mit dem österreichischen Bundeskanzler, in dem er die Einladung nach Teheran aussprach.
Laut Adelaide-Institute und mehreren Zeitungen waren bei dieser Konferenz neben so bekannten Holocaustleugnern wie Fredrick Töben, Robert Faurisson (Frankreich) und Bradley R. Smith (USA) auch drei Österreicher anwesend: Der bedeutendste Neonazi-Anwalt im deutschsprachigen Raum, Herbert Schaller, der erst im heurigen Frühjahr vorzeitig aus der Haft entlassene ehemalige FPÖ-Bezirksrat Wolfgang Fröhlich und Hans Gamlich, der 1999 in Andreas Mölzers Zur Zeit den Holocaust als „Mythos“ bezeichnet und die Unmöglichkeit der Gaskammermorde behauptet hatte. Daneben nahm auch Moishe A. Friedman, der sich als „Oberrabbiner der Orthodoxen Antizionistischen Gemeinde Österreichs“ ausgibt, am „Revisionisten“-Treffen teil. Der militante Israel-Hasser Friedman, dem schon im Februar 2002 von mehreren (ultra)orthodoxen Rabbinern jedes Recht, sich als Vertreter einer jüdischen Gemeinde auszugeben, abgesprochen wurde, wird schon seit längerem von Rechtsextremen und Antiimperialisten instrumentalisiert. Bereits im Frühjahr 2006 nahm er an einer einschlägigen Tagung im Iran teil. Zuletzt trat Friedman als Redner auf einer antiisraelischen Demonstration in Wien am 28. Juli dieses Jahres in Erscheinung. Anfang Juli 2004 veranstaltete Friedman, der im besten Einvernehmen mit der Palästinensischen Gemeinde in Österreich agiert, eine „antizionistische Konferenz“ in Wien, an der u. a. der ehemalige FPÖ-Politiker John Gudenus und der nunmehrige FPÖ-Nationalrat Ewald Stadler teilnahmen.
Sebastian Kurz wird sich, da er sich artig bedankt hat, wohl über die Einladung nach Teheran recht gefreut haben. Teheran wiedersehen zu können, nach so viel Jahren, als er noch das war, was heute Schallenberg ist, und er wird vielleicht gute Erinnerungen an seinen damaligen Besuch in Teheran haben, als er die „Menschenrechte ansprechen“ wollte, wie Medien in Österreich seinerzeit berichteten, genauso wie er im Telefonat vom letzten Montag die Menschenrechte … Ja, es zahlt sich aus,die Menschenrechte nicht aus den Augen zu verlieren, das wird sofort belohnt, beispielsweise mit einer Einladung nach Teheran.
Wer ihn begleiten wird? Nach Teheran. Diese Frage werden sich jetzt wohl schon viele stellen und vielleicht im Bundeskanzleramt bereits vorstellig werden, für einen Platz in der Delegation nach Teheran. Es werden sich möglicherweise, das ist gar nicht abwegig, auch jene um einen Platz in der Delegation bemühen, die Teheran wiedersehen möchten, die Stadt also, mit der sie nur recht Gutes verbinden …
„Das wird es unter meiner Kanzlerschaft nicht geben“, […] Zudem verwies er auf die angeblich „besonders schwierige Integration“ der Bevölkerungsgruppe. „Menschen aufzunehmen, die man dann nicht integrieren kann, das ist ein Riesenproblem für uns als Land.“
Der Regierungschef plädierte deshalb dafür, dass die internationale Gemeinschaft alles dafür tun müsse, um die Situation im Krisenland zu verbessern. Allerdings müsse sich auch Österreich eingestehen, dass vieles in fremden Händen liege. „Es ist nicht alles in unserer Macht.“
Das sagt der zweite Mann, in einem Sommergespräch, im August ’21.
Und jetzt würde ich gerne genau diese Staaten in der Verantwortung sehen. Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können. Ich glaube nicht, daß Österreich jetzt einen effektiven Beitrag leisten kann […] Verdienen Schutz, aber in Lagern zum Beispiel in der Nähe der Krisenregion. […] Nicht noch mehr Menschen, die nicht zu integrieren sind, ins Land zu holen. Das ist ja die Absicht, die die Europäische Union wieder vorantreibt.
Das sagt der erste Mann, in einem Sommergespräch, im August ’21.
„Schockiert“ zeigte sich […]am Wochenende über den Vorschlag von EU-Innenkommissarin Ylva Johansson. Sie sagte, man müsse Fluchtwege aufmachen für Menschen in Afghanistan, die besonders gefährdet sind – etwa Frauen- oder Menschenrechtsaktivisten. Was daran so schockierend ist? Johansson sei von den Innenministern der EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert worden, „keine falschen Signale zu senden“, erklärt […] am Montag im Ö1-„Morgenjournal“. Das vereinbarte Wording lautete: Hilfe vor Ort, Stabilisierung der Region, UNHCR stärken. Die Innenkommissarin habe aber „verwaschene Botschaften“ gesendet, indem sie von „gesicherten Fluchtrouten“ sprach. Die ersten, die von solchen Botschaften profitieren würden, seien Schlepper und die organisierte Kriminalität, mahnte […]
Das sagt der dritte Mann, der zu keinem Sommergespräch im August ’21 geladen.
Drei Männer zwar von zwei Parteien, aber im Grunde die Identität von einem Mann von einer Partei. So würden Menschen, denen es gar wichtig um Identität geht, denen die identitäre Einheit das Höchste ist, vielleicht die oben zitierten sinngleichlautenden Aussagen beurteilen.
Jedoch, alles, was mit Identität zusammenhängt, ist nur Spekulation.
Die oben zitierten derart sinngleichlautenden Aussagen von drei Männern von zwei Parteien werden auf eine viel einfachere Erklärung zurückzuführen sein.
Auf ein Telefonat etwa zwischen zwei Männern von den dreien oder gar auf ein Telefonat zwischen den drei Männern, vielleicht sogar auf eine Telefonkonferenz, an der noch ein vierter Mann …
Jedwede Spekulation aber ist in Wahrheit Humbug. Es muß tatsächlich nicht spekuliert werden, ob die drei oder vier Männer von zwei Parteien miteinander telefonierten, um das Wording abzusprechen, mit sinngleichlautenden Aussagen in die Öffentlichkeit zu treten. Denn. Sie bedürfen weder Telefonate noch Treffen, um als ein Mann von einer Partei keine gespaltene Zunge zu zeigen.
Laut Angaben des Bundeskanzleramts besprachen Raisi und Kurz außerdem „diverse Fragen der bilateralen Beziehungen“, die Bekämpfung der Covid-Pandemie ebenso wie Menschenrechtsfragen.
Teheran/Wien (ParsToday) – Bei einem Telefongespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag betonte der iranische Präsident Ebrahim Raisi, dass die 500-jährige Geschichte freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern ein wertvolles Gut für die Zukunft der Beziehungen sei.
Präsident Raisi sagte, das aufgrund des Willens für wirtschaftliche Interaktionen und deren Nutzen die Reduzierung des Handels zwischen beiden Ländern keine rationale Grundlage habe und fügte hinzu:“Wir müssen die Interessen unserer beiden Länder schützen und dürfen nicht zulassen, dass die Feinde unsre Beziehungen mit verschiedenen Tricks beeinflussen.“
„Iran hat trotz der bedrückenden Sanktionen bisher alle materiellen und immateriellen Kosten für die afghanischen Flüchtlinge getragen. Die Bemühungen Irans um Frieden und Sicherheit in Afghanistan wurden bisher unvermindert fortgesetzt und wir sind bereit, mit jeder Regierung, die Frieden und Sicherheit schaffen will, zusammenzuarbeiten“, ergänzte er.
Eine Liste der „Feinde“ ist in einem persönlichen Treffen in Teheran an einem gemeinsamen grünen Tisch wohl leichter zu erstellen, als in einem Telefonat …
Ayatollah Raisi wird bei seiner Einladung an Sebastian Kurz, nach Teheran zu kommen, vielleicht auch schon eine Idee für ein Geschenk an ihn gehabt haben, mit dem er sich bei ihm, Kurz, recht herzlich persönlich bedanken wird können, ihn als Kooperationspartner an seiner Seite zu wissen, gegen die „bedrückenden Sanktionen“ …
Bei seiner Amtseinführung kündigte der neu »gewählte« Präsident Ebrahim Raisi an, die Islamische Republik werde sich einmischen, »wo immer es in der Welt Unterdrückung und Verbrechen gibt, ob im Herzen Europas, in den USA, Afrika, Jemen, Syrien, Palästina«. Die Botschaft seiner Wahl sei: »Widerstand gegen arrogante Mächte«.
Von den offen terroristischen Hamas und Hisbollah bis hin zu den per Staatsvertrag anerkannten »Dialogpartnern« der Blauen Moschee in Hamburg, vom syrischen Diktator Baschar al-Assad bis zu iranischen Diplomaten und Agenten, die in ganz Europa Mordanschläge gegen Gegner des Regimes verüben, reicht jener »Widerstand«.
Präsident Raisi ist ein Überzeugungstäter. 1988 war er als Mitglied eines Vierertribunals verantwortlich für die Massenhinrichtung linker Gegner des Regimes und trägt seitdem den Spitznamen »Schlächter von Teheran«. 31 Jahre später stand er als Richter an der Spitze der juristischen Verfolgung von Iranern, die im November 2019 gegen das Regime demonstrierten. Amnesty International wirft ihm in diesem Zusammenhang Menschenrechtsverletzungen vor, darunter willkürliche Festnahmen und Folter.
Dann geht es schon weiter zu den nächsten Sommerthemen – und da überrascht Kurz wirklich, als er Bruno Kreisky zu seinen Vorbildern rechnet. (Conrad Seidl, 22.8.2021)
Das sind in Österreich wohl zwei der Malheure, daß weder Kurzzeitgedächtnis noch Langzeitgedächtnis einwandfrei funktionieren. Denn. Nur so ist zu erklären, daß Conrad Seidl im August ’21 sich noch überraschen lassen kann.
Kurz ist es her, lang ist es her, daß dies eine Überraschung gewesen sein könnte; im November ’18 schreibt die Tageszeitung „Die Presse“:
Auch sein Koalitionspartner, ÖVP-Chef Sebastian Kurz, hat nicht nur seinen Parteifreund Wolfgang Schüssel zu seinem Kanzler-Vorbild erkoren, sondern auch den Sozialdemokraten Bruno Kreisky:
Das war vor drei Jahren im Grunde schon keine Überraschung.
Das ist seit langem österreichische Folklore, Bruno Kreisky als Vorbild zu nennen.
Auch, um noch wen beispielhaft zu nennen, für einen Mann, der für kurz Vizekanzler war und heute, 23. August 2021, wieder vor Gericht steht, will Bruno Kreisky ein Vorbild gewesen sein, ja mehr noch, der für kurz und heute vor Gericht stehende gewesene Vizekanzler sah sich als „Nachfolger“ von Bruno Kreisky, ja mehr noch, der für kurz und heute vor Gericht stehende gewesene Vizekanzler sah in Bruno Kreisky gar einen, der ihn, der vielleicht länger vor Gericht stehen wird, als er Vizekanzler war, wählen würde.
Nicht kurz, sondern lang ist es her, daß für manche in Österreich Kreisky-Androsch als Vorbild für Schüssel-Grasser …
Irgendwer träumt jetzt von einem Schüssel-Grasser-Kurs, der Österreich aus dem Wirtschaftstal führen könnte. Vorbilder gibt es. Raab-Kamitz, Klaus-Koren und Kreisky- Androsch. Die missglückte Vorstellung von Schwarz- Blau berechtigt aber nicht zu solchen Hoffnungen. Dieser Mann [Grasser] ist aber noch nie durch demokratiepolitische Vorstöße aufgefallen, geschweige denn durch publizistische. Sein Geschmack ist die Stange, nicht das Experiment. Sein Metier ist der Boulevard, nicht die Qualität. Mit dieser Liaison bewegt sich die ÖVP wieder einen Schritt weg von jener Tradition, die durch Namen wie Neisser, Busek und Riegler gekennzeichnet ist.
Einmal mehr entwickelt sich die Frage von Asyl und Migration zum Stolperstein für die Koalition aus ÖVP und Grünen. Am Wochenende betonte die Volkspartei erneut vehement, dass man auch nach den dramatischen Ereignissen in Afghanistan keine Menschen aus dem Krisenland zusätzlich aufnehmen wolle. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) äußerte sich diesbezüglich im Puls24-„Sommergespräch“, das am Sonntagabend ausgestrahlt wird. Es sprach sich stattdessen dafür aus, Länder in der Region zu überzeugen, mehr Menschen aufzunehmen.
Es wird nur ein Tippfehler sein. Das kann schnell passieren, ein „Es“ zu schreiben, wo ein „Er“ geschrieben hätte gehört. Das kann leicht geschehen, zu meinen, ein „Er“ geschrieben zu haben, aber tatsächlich ein „Es“ geschrieben zu haben. Es kommt nicht selten vor, daß Finger das tippen, wonach ihnen ist.
Es sprach sich stattdessen dafür aus …
In der Lyrik etwa hat das eigenmächtige Tippen der Finger wunderbare Verse geschaffen; Dichterinnen, die die Verbesserung ihrer Gedichte durch Druckfehler erkannten, deshalb diese in ihren Gedichten, ohne diese jemals noch als Druckfehler auszuweisen, fortan beließen.
Was kann also ein derartiger freudscher Tippfehler über einen Mann aussagen, von dem in diesem Bericht geschrieben wird, der in diesem Bericht als „Es“ vorkommt?
Über die grammatikalische Funktion des „Es“ muß nichts gesagt werden. Die wird hinlänglich bekannt sein. Die psychologische Bedeutung des „Es“ wird ebenso bekannt sein, gibt es doch auch zu dieser sehr viel Literatur.
Es sprach …
Manchmal aber kommt es vor, die genauen Bestimmungen nicht gleich abrufbereit im Kopf zu haben. Aus diesem Grund sollen ein paar Definitionen des „Es“ hier wörtlich wiedergegeben werden …
Das Es ist einem Hexenkessel vergleichbar: einem Konglomerat von Triebregungen, Anlagen, Wünschen, Gefühlen, Strebungen ohne Logik, ohne Moral, ohne Sinn für Ordnung und Mass, ohne Rücksicht sogar auf die Selbsterhaltung, einzig dem Bestreben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung verpflichtet. (Stangl, 2021).
Das ES enthält alle Anteile der Persönlichkeit, die triebhaften Charakter haben, also alle Formen von Lust und Unlust. Die vitalen Triebe wie Hunger, Durst, aber auch soziale Bedürfnisse (z. B. nach körperlicher Nähe) sind Abwandlungen dieser fundamentalen Triebe. Später entwickeln sich aus diesen Formen auch wesentliche Anteile des emotionalen Erlebens, also z. B. von Ängsten. Vielleicht sollten wir einmal über die Frage nachdenken, was „die Welt“ eines Neugeborenen oder eines Kindes im ersten Lebensjahr kennzeichnet und wie ein Neugeborenes im ersten Lebensjahr die Welt erfährt oder wahrnimmt. Wir müssen nicht lange nachdenken, um zu erkennen, dass ein Baby in einer ganz anderen Welt lebt als ein älteres Kind oder gar ein Erwachsener.
Für die Tiefenpsychologie, vor allem für die Psychoanalyse, ist das Kind im ersten Lebensjahr ein „Bedürfnisbündel“ ohne Selbst-Bewusstsein. Es kann sich selbst als Person anfangs noch nicht von seiner sozialen Umgebung abgrenzen und erlebt sich in einer dyadischen Einheit mit einer Bezugsperson, meist der Mutter. Es muss erst über viele soziale Lernerfahrungen entdecken, dass es ein eigenständiges, von der Mutter und anderen Bezugspersonen abgegrenztes Lebewesen ist. Ein Kind braucht also – neben der Befriedigung des Bedürfnisses nach Nahrung – für eine gesunde psychische Entwicklung körperliche Nähe, sozialen Kontakt, Ansprache und ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. (Speziell beschäftigt sich mit dieser Thematik auch die so genannte Bindungsforschung, die wichtige Elemente aus der Psychoanalyse aufnimmt und weiterdenkt).
Im Mittelpunkt der Erfahrungswelt eines Neugeobrenen oder eines Babys steht das Bedürfnis nach unmittelbarer Befriedigung elementarer Bedürfnisse oder Triebe. Das Kind kann noch nicht zwischen seinen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der sozialen Umgebung differenzieren und kann daher kein Verständnis für Triebverzicht entwickeln. Das heißt, in seiner psychischen Struktur dominiert das ES, Ansätze eines ICHs sind erst im Entstehen, ein ÜBER-ICH ist überhaupt noch nicht vorhanden. Genau aus diesem Grund kann man ein Kind im ersten Lebensjahr (im Unterschied zu später) auch nicht verwöhnen.
Kinder, deren soziale Bedürfnisse auf eine fundamentale Weise nicht befriedigt werden, entwickeln später teilweise schwere, therapeutisch oft nicht mehr korrigierbare Persönlichkeitsstörungen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Babys Gewalt erfahren, wenn sie keine soziale Nähe erleben oder wenn auf ihre sozialen Signale (Schreien, Lächeln, …) keine Antwort erfolgt. Typische Störungen der Persönlichkeitsentwicklung betreffen dann die Grenzen zwischen dem eigenen ICH und der sozialen Umwelt. Betroffenen Menschen fehlt dann z. B. die Empathie-Fähigkeit, das heißt, sie sind nicht in der Lage, sich in einen anderen Menschen hineinzufühlen.
Das Es folgt dem „LUSTPRINZIP“. Das heißt, es drängt auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung ohne rationale Prüfung und ohne Rücksichtnahme auf die Grenzen der Umwelt, auf ethische Normen u. a. m. (Lustprinzip = Ich WILL)
Das ICH: auf dem Weg zu einer selbst-bewussten Persönlichkeit (ab dem zweiten L.) Oder: „Wo ES war, muss ICH werden“ (Freud)
Eva Menasses neuer Roman ‚Dunkelblum‘ im Vorabdruck
Als in der Tageszeitung des heutigen Tages, 21. August 2021, der unter dieser Überschrift veröffentlichte Text gelesen wurde, wurde gedacht, es handelt sich dabei um eine Zusammenfassung, eine Inhaltsangabe, eine Nacherzählung …
Aber dieser Text ist keine Nacherzählung, keine Inhaltsangabe, keine Zusammenfassung eines Romans, den vielleicht eine Lehrerin als Hausaufgabe – es ist tatsächlich bereits der Romantext, genauer, es sind tatsächlich die ersten sechzehneinhalb Seiten des Romans …
Der Irrtum, der Zeitungstext sei eine Zusammenfassung, eine Inhaltsangabe, eine Nacherzählung eines Romans wurde offenbar, als durch den als Zusammenfassung, Inhaltsangabe, Nacherzählung gelesenen Zeitungstext doch die Neugier geweckt wurde, eine „Leseprobe“ des Romans „Dunkelblum“ zu öffnen.
Bereits mit der ersten Seite des Romans mußte jedoch festgestellt werden: Der Romantext ist der Zeitungstext, der Zeitungstext ist der Romantext. Der Zeitungstext ist also nicht die Veröffentlichung einer besonders gelungenen Hausaufgabe. Es ist der Romantext, einer je nicht gestellten Hausaufgabe.
In einer weiteren Tageszeitung österreichischen Qualitätszuschnitts ist zu diesem Roman an diesem heutigen Tag zu lesen:
Auch in Schweigen wird dafür gesorgt, dass Verbrechen an Zwangsarbeitern ungesühnt bleiben. Lebert lässt es 100 Tage regnen. Wenn es Eva Menasse ebenfalls regnen lässt, sodass auch Dunkelblum zur Mure werden könnte, man steckt im Dreck fest … wenn Menasse ihr Donnerwetter macht, kann man das als Verbeugung vor Lebert sehen. Zumal ein Satz aus der „Wolfshaut“ ein Kapitel von „Dunkelblum“ eröffnet: „An das Sterben ist man hierorts gewöhnt, jedenfalls eher als an das Denken.“
Wäre der erste Satz der „Wolfshaut“ in einer Zeitung gelesen worden, muß nun gedacht werden, wäre dieser Irrtum nicht passiert, zu meinen, es könnte sich um einen Satz aus einer Hausaufgabe –
„Die rätselhaften Ereignisse, die uns vergangenen Winter beunruhigt haben, begannen, wenn wir es näher betrachten, nicht, wie man allgemein annimmt, am neunten, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach schon am achten November, und zwar mit jenem sonderbaren Geräusch, das der Matrose gehört zu haben behauptet.“
„Die Wolfshaut“, ein Roman, veröffentlicht 1960, dessen letzten Sätze lauten: „Und als er hernach in die Morgenhelle hinaustrat und die ausgerauchte Pipe in die Tasche steckte, begann er, irgend etwas vor sich hinzupfeifen; und auf einmal kam ihm bekannt vor, was er da pfiff. Er pfiff den ersten Ton – und wußte es noch nicht; er pfiff den zweiten Ton – und wußte es noch immer nicht – und dann den dritten –! Und da wußte er Bescheid: Das blaue Lied! Es war zurückgekehrt.“
Bis zum heutigen Tag wird das „blaue Lied“ in ganz Rechnitz gesungen, nicht jenes, das dem Matrosen in jungen Jahren eines der Hoffnung war, dessen Melodie er aber sofort bei seiner Ankunft in „Schweigen“ vergaß, sondern jenes „blaue“, das gebrummt wird von Chören in ganz Rechnitz, das auch Österreich heißen kann, die sich durch die Jahrzehnte bis zum heutigen Tag nur durch veränderte Farben ihrer Fahnen, Logos, Blusen, Hemden …
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