Es gibt eine Zeit vor und eine Zeit nach der Kandidatur

Efgani Dönmez - Katar und die Türkei - da waren es nur noch zwei

Nun verschickt Efgani Dönmez eine Presseaussendung, mit der er beweisen will, daß er auch Saudi-Arabien scharf kritisiert. Und verweist zum Beleg auf die Pressekonferenz vom 3. Juli 2017 in Berlin.

Und das ist auch wahr. Saudi-Arabien wird neben Katar und die Türkei explizit in dieser Pressekonferenz genannt. Ebenso wahr ist es, auf der Website von „Stop extremism“ kommt Saudi-Arabien nicht vor. Sondern explizit nur die Türkei und Katar.

Nach einem alten Spruch könnte hierzu gesagt werden. Es gibt eine Zeit kurz vor der Kandidatur. Und es gibt eine lange Zeit nach der Kandidatur.

Am 7. Juli 2017 wurde Efgani Dönmez als Kandidat der ÖVP präsentiert.

Am 3. Juli 2017 in Deutschland Kritik auch an Saudi-Arabien. Am 7. Juli 2017 in Österreich Präsentation des ÖVP-Kandidaten … Bleibt nur noch die Frage, seit wann auf der Website von „Stop extremism“ nur noch die Türkei und Katar explizit angeführt werden. Und seit wann Saudi-Arabien nicht mehr? Oder wurde Saudi-Arabien noch nie auf der Website genannt, immer bloß schon Katar und die Türkei?

Efgani Dönmez - Es gibt eine Zeit vor und eine Zeit nach der Kandidatur.png

Aber das ist eigentlich vollkommen belanglos. Und darüber wurde auch schon ausführlich am 4. Oktober 2017 geschrieben: Efgani Dönmez mit dem Gütesiegel

Was aber nicht belanglos ist, das sind die Forderungen von Efgani Dönmez und seinem Verein. Deshalb muß es noch einmal angesprochen werden, was bereits geschrieben wurde im oben verlinkten Kapitel.

Efgani Dönmez - Forderungen stop extremism

Allein die Forderung von Efgani Dönmez und seinem Verein, „bei extremistischem Hintergrund kündigen“ zu können „ohne Anspruch auf Abfertigung“ reicht mit einem Blick gerade auf das neue Abfertigungsgesetz bereits aus, um sich zu fragen, mit diesem Wissen um Gesetze und Arbeitsrecht will dieser Mann tatsächlich Abgeordneter im österreichischen Parlament werden. Dafür wird er höchstens von einem Mann gelobt werden können, von seinem nunmehrigen „Chef“, den er auch zu loben weiß. Zwei Männer, die immerhin das ganz genau wissen, wen sie zu loben haben, nämlich einander.

Es gibt weitere Forderungen von dieser Qualität. Aber es muß auch das nicht wiederholt werden, was bereits im Kapitel Efgani Dönmez mit dem Gütesiegel … aber bedacht werden, nicht nur aber vor allem am 15. Oktober 2017.

Wishing Kurz New Nemesis …

Das wird in Saudi-Arabien von der Königsdiktaturfamilie mit Freuden aufgenommen werden, die Wünsche des Sebastian Kurz. Deren Opferbereitschaft heute noch gelebte Glaubenspraxis ist. Auch an ihr ist die Zeit, wie es so schön heißt, nicht spurlos vorübergegangen. Das Opfern ist moderner geworden: es wird nicht mehr der eigene Sohn geopfert, oder so getan, als würde der eigene Sohn geopfert werden wollen, sondern die Söhne der Anderen. Allerdings beim Opfern der Söhne der Anderen wird nicht nur so getan, als würden sie geopfert werden wollen, sondern sie werden tatsächlich geopfert.

Auch an Sebastian Kurz ist die Zeit, wie es so schön heißt, nicht spurlos vorübergegangen. Ganz modern heißt nun die Opferbereitschaft bei ihm „neue Gerechtigkeit“. Und ganz modern eingraviert in die Monstranz, die er vor sich herträgt, ist: „Abgabenquote“…

Der Akt der Höflichkeit würde es gebieten, daß nun die saudische Königsdiktaturfamilie Sebastian Kurz einen Wunsch übermittelt, vielleicht:

Wishing Kurz blessed New Nemesis celebrations!

Einen solchen Gruß zu entbieten, kann nicht schwerfallen. Gibt es doch bei diesem Opferfest eine gemeinsame Wurzel von den Organisierten Glauben Islam und Christentum. Es reichte ein Tweet, es muß nicht gleich ein Brief sein.

New nemesis, also neue gerechtigkeit, ist auch der saudischen Königsdiktaturfamilie ein gotthoher Wert, den sie, um einen Namen beispielhaft zu nennen,

Abdullah-Zentrum (kurz Kaiciid) – Verbesserung der Situation für Außenminister: Unschuldig im Kerker, aber ohne Auspeitschung

Sebastian Kurz zwischen Saudi-Arabien und Australien der Kerker von Raif Badawi – Ein Amtszeitresümee

Raif Badawi zu Ehren ihres Gottes und als Zeugnis ihrer Opfer vor kurzens Allah angedeihen läßt. Und zu dieser new nemesis kann Sebastian Kurz nur seine Monstranz, die in der Sonne wie eine Karotte funkelt, in die Höhe heben und verklärt gen Himmel sprechen, möge Allah auch ihn bestärken in seinem Ringen um diese gar so neue und gar so moderne – oder heißt es: modernde …

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Remember nothing – Sebastian Kurz and his merits

„Amnesty berichtet von Tausenden Toten bei Massenhinrichtungen“. In Syrien, durch das syrische Regime, dessen Führer Bashar al-Assad ist. Das sind die grausamen Schlagzeilen in der zweiten Februar-Woche des Jahres 2017.

„Ein syrischer Überläufer legt Beweise für systematische Morde in den Gefängnissen des Assad-Regimes vor.“ Das konnte bereits im Jänner 2014 gelesen werden.

„Ein gemeinsames Vorgehen gegen die Extremistenmiliz habe im Moment Priorität, sagte Kurz. ‚Das wird nicht ohne Mächte wie den Iran und Russland gelingen, und insofern braucht es hier einen pragmatischen Schulterschluss und auch eine Einbindung Assads im Kampf gegen den IS-Terror.'“ Das sagte Sebastian Kurz im September 2015.

„SaudiArabien ist wesentl. Player in d Region. Dialog zum Kampf gegen IS, d Syrienkrise, aber auch zur Menschenrechtssituation notwendig!“ Sebastian Kurz am 27. November 2015.

Putin sei einer, mit dem Sebastian Kurz wolle. Dezember 2016.

„Russland lockert Strafen für häusliche Gewalt.“ Vladimir Putin habe ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Februar 2017.

„Die Aufregungskultur bringt uns nicht weiter.“ Das sagte Sebastian Kurz im Jänner 2017.

„Sozialleistungen für diejenigen stark zu kürzen, die die Werteschulungen nicht besuchen wollen oder nicht bereit sind, die gemeinnützige Arbeit zu leisten.“ Ö1, Morgenjournal, 7. Februar 2017. Sebastian Kurz.

„Die Vollverschleierung soll keinen Platz im öffentlichen Raum in Österreich haben. Und religiöse Symbole natürlich in einem religionsfreundlichen Staat schon.“ Auch Sebastian Kurz. Ö1, Morgenjournal, 7. Februar 2017.

„Wir haben die Verpflichtung aus dem Gedenken heraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.“ 20. Jänner 2017. Sebastian Kurz.

sebastian-kurz-we-remember-nothing

Was kann aus dieser obigen zu erinnernden und nur beispielhaften Auflistung abgelesen werden,  die zeigt, mit wem Sebastian Kurz, wen er vorzieht, auf wen Sebastian Kurz … Es kann aus dieser der Wertekanon von Sebastian Kurz, der allen Werte vorhält, destilliert werden. So weit, so schlecht, oder wie dem Heute angepasst auch gesagt werden könnte: so kurz, so sobotka. Kurz und sobotka gesagt: Eine Werteschulung besuchen zu müssen, in der Sebastian Kurz Werte lehrt, kann nur verweigert werden.

Wie in der Collage gelesen werden kann, spricht Sebastian Kurz gerne über das Gedenken, über die aus diesem hervorgehende Verpflichtung, über die aus diesem zu ziehenden Konsequenzen. Das von ihm dazu verwendete Stacheldrahtbildchen erzählt mit Blick darauf, mit wem er will, daß er den Eingang zur Geschichte für sich vollends zugemauert hat … die Konsequenzen, die er zieht, lehrt die Geschichte nicht.

Wer selbst, so wie Sebastian Kurz, mit Geschichte kommt, hält der Geschichte selbst die Wange hin. Ist es bereits um die sogenannte Zeitgeschichte dermaßen sobotka bestellt, so sobotka erst um die gesamte Geschichte, wie es gerade exemplarisch das gewollte Verbot der Verschleierung aufzeigt. Diese „Aufregungskultur“, von der nicht nur Sebastian Kurz infiziert ist, an der, mögen sie sich politisch links, politisch rechts verstehen, so viele in diesem Land akut erkrankt sind, „bringt uns nicht weiter“.

Diese kurzsche Kultur für den Tag oder digital day crop bringt nichts weiter.

„Verschiedene Formen von Rassismus“ heißt ein Kapitel in „Pape Satàn“ von Umberto Eco, und in diesem schreibt er unter der Überschrift „Wer hat das Verschleiern befohlen“:

Über den Schleier ist schon alles und das Gegenteil von allem gesagt worden. Die Position von Romano Prodi kommt mir sehr vernünftig vor: Versteht man unter Schleier jene Art von Kopftuch, bei der das Gesicht unbedeckt bleibt, dann mag ihn tragen, wer will (zumal hier ein unbefangen ästhetisches Urteil erlaubt ist, das Gesicht veredelt und alle Frauen wie Madonnen von Antonello da Messina aussehen lässt). Anders liegt der Fall, wenn die Verschleierung so weit geht, dass sie die Identifizierung verhindert, denn das ist gesetzlich verboten. Natürlich könnte dieses Verbot Anlass zu weiteren Diskussionen geben, denn eigentlich müsste man dann auch die Karnevalsmasken verbieten (und wer sich an Kubricks Clockwork Orange erinnert, weiß, dass man mit einer lustigen Maske grässliche Verbrechen begehen kann). Aber sagen wir ruhig, das sind marginale Probleme.

Wenn von Zeichen die Rede ist, wann immer etwas in einer gewissen Hinsicht oder Funktion anstelle von etwas anderem steht, dann ist der islamische Schleier ein semiotisches Phänomen – wie die Uniformen, deren primäre Funktion ja auch nicht der Schutz des Körpers vor Wetterunbilden ist, oder die Kopfbedeckungen der Nonnen (die ebenfalls oft sehr anmutig sind). Deswegen löst der Schleier so viele Diskussionen aus, während wir niemals über die Tücher diskutiert haben, die sich unsere Bäuerinnen früher um den Kopf banden, denn die hatten keinerlei symbolischen Wert.

Der Schleier wird kritisiert, weil man meint, dass er getragen wird, um eine Identität zu bezeugen. Aber es ist nicht verboten, eine Identität oder Zugehörigkeit zu bekunden, und man tut das, indem man ein Parteiabzeichen trägt, eine Kapuzinerkutte oder ein pinkfarbenes Langhemd und einen Kahlschädel. Interessant ist allenfalls die Frage, ob muslimische Frauen den Schleier tragen müssen, weil der Koran es befiehlt. Gerade ist das Buch Islam von Gabriele Mandel Khân erschienen, dem Generalvikar für Italien der sufischen Bruderschaft Jerrahi Halveti, das mit eine optimale Einführung in die Geschichte, Theologie, Sitten und Gebräuche der islamischen Welt zu scheint. Darin steht, dass der Schleier, der Gesicht und Haare bedeckt, schon in vorislamischer Zeit üblich gewesen sei, oft aus klimatischen Gründen, aber nicht in der immer dafür zitierten Sure 24 des Koran vorgeschrieben werde, die lediglich dazu auffordere, den Busen zu bedecken.

Da ich fürchtete, dass Mandels Übersetzung vielleicht ein bisschen zu modernistisch-gemäßigt ausgefallen sein könnte, habe ich im Internet nach einer offiziell von islamischen Behörden autorisierten Koran-Übersetzung gesucht und die der Union Islamischer Gemeinden und Organisationen in Italien gefunden. Dort heißt es in Sure 24, 31: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon außen sichtbar sein muss, und dass sie ihre Tücher über[] ihren Busen ziehen sollen und ihre Reize vor niemandem enthüllen als vor ihren Gatten oder ihren Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder den Söhnen ihrer Schwestern“ und so weiter bis zu „den Kindern, die von der Blöße der Frauen nichts wissen“. Um sicherzugehen, habe ich schließlich noch die klassische Koran-Übersetzung des großen Iranisten Alessandro Bausani konsultiert, und auch dort fand ich, mit geringen lexikalischen Abweichungen, die Vorschrift „und sollen ihren Busen mit einem Schleier bedecken“.

Für einen wie mich, der kein Arabisch kann, sind drei Zeugnisse so verschiedener Herkunft genug. Der Koran fordert schlicht und einfach zur Schamhaftigkeit auf, und wäre er heute im Westen geschrieben worden, würde er auch dazu auffordern, den Nabel zu bedecken, denn im Westen wird heute auch der Bauchtanz auf offener Straße praktiziert.

Wer also war es, der die Frauen aufgefordert hat, sich zu verschleiern? Mandel enthüllt mit einer gewissen Genugtuung, dass es der Apostel Paulus war (im 1. Korintherbrief, aber Paulus begrenzte diese Pflicht auf Frauen, die predigen und prophezeien. Doch siehe da, immer noch lange vor dem Koran schrieb Tertullian (der zwar ein Sympathisant der Montanistenbewegung, aber trotzdem weiter ein Christ war in seiner Schrift De cultu feminarum („Vom Putz der Frauen“): „Ihr sollt einzig und allein euren Ehemännern gefallen. Und ihr werdet ihnen umso mehr gefallen, je weniger ihr euch bemüht, anderen zu gefallen. Seid unbesorgt, ihr Gebenedeiten, keine Ehefrau gilt in den Augen ihres Mannes als häßlich. […] Jeder Ehemann hält auf Sittsamkeit, aber Schönheit verlangt er nicht, wenn er ein christlicher Ehemann ist. […] Dies sage ich nicht, um euch ein gänzlich wildes und tierisches Aussehen zu empfehlen, auch will ich euch nicht von der Nützlichkeit des Schmutzes und der Unsauberkeit überzeugen, sondern nur von der richtigen Art und Weise, in der ihr euren Körper pflegen sollt. […] Denn Gott ist es, gegen den diejenigen sündigen, die sich ihre Haut mit Salben einreiben, ihre Wangen mit Schminke entstellen und ihre Augenbrauen durch Schwärze verlängern. […] Gott will, dass ihr verschleiert sein sollt, vermutlich damit man die Köpfe mancher Damen nicht sieht.“

Voilà, dies ist der Grund, warum in der ganzen Geschichte der Malerei sowohl die Madonna als auch die frommen Frauen verschleiert sind wie ebenso viele Musliminnen.

16. November 2006

Gott Paulus und der Busen. Saftelnd volkstümlich steht es im Dekret von Hofer, was Frauen bedecket wird, wenn sie es nicht selbst tun: „Brust und Armfleisch“. Das aber nur nebenher.

Worum es tatsächlich geht, ist aber: wenn ein Schriftsteller wie beispielsweise Umberto Eco sich die Mühe machen kann, und das schon vor über einem Jahrzehnt, etwas gesamtgeschichtlich zu betrachten, sich zu informieren, wie viel größer muß erst die Verpflichtung von Menschen sein, die in Regierungen sitzen, die Gesetze verabschieden, alles einer gesamtgeschichtlichen Betrachtung zu unterziehen, sich umfassend zu informieren, und nicht mit dem Tagesmuskelreflex zu regieren, Gesetze zu erlassen, denn schließlich gelten ihre Gesetze, die vom Gehalt her oft nicht einmal Tageswert besitzen, nicht nur für einen Tag.

Es kann verstanden werden, sagte nun wer, das langweilt, es sei im Grunde eine Wiederholung des Kapitel Cabinet: Strangers at Our Door, das von der Frage handelt, ob es denn zu viel verlangt wäre von der österreichischen Regierung auf der Höhe des heutigen Wissens …

Als Türken hätten Assad und Putin in Sebastian Kurz den schärfsten Gegner

Da sie aber keine Türken sind, ist Assad für Sebastian Kurz einer, „der auf derselben Seite steht“, ist Putin für Sebastian Kurz einer, „mit“ dem er, Kurz, und „nicht gegen“ ihn, Putin, will.

Oder es kann gesagt werden, wäre Erdoğan kein Türke, dann wäre er für Sebastian Kurz ein Assad, ein Putin, gegen den er nicht mit dieser Schärfe vorginge, sondern der für ihn wohl auch ein „wichtiger Player“ wäre, wie jener Mann aus Saudi-Arabien ..

Es sind keine schlechten Menschen, zu denen Sebastian Kurz fährt, denn sie haben Werte

Sebastian Kurz zwischen Saudi-Arabien und Australien der Kerker von Raif Badawi – Ein Amtszeitresümee

Oder es kann gesagt werden, wäre der Türke ein Trump aus Amerika, dann bekäme er alle kurzische Nachsichtigkeit und Zuneigung …

Der geschichtevergessene Sebastian Kurz, Donald Trump oder Adolf Hitler hielt nie Wahlkampfreden

Auf das ist kurzische Verbalpolitik schlicht und einfach reduziert. In Anlehnung an eine Bezeichnung von einem Außenminister eines anderen Landes für Sebastian Kurz als „Bonsai-Sarkozy“ kann von ihm auch von einem kleinen Türkei-Basher gesprochen werden, und das kommt in Österreich eben recht, recht gut an, in diesem Land, in dem schon mal recht gerne laut skandiert wird: „Türken raus“.

kurz-sebastian-syrien

Eine Familie schickt Geld, auch nach Österreich

Es wurde gedacht, bereits alles angeführt zu haben, was gegen diesen Personenkulttempel für einen Terrorkönig in Wien spricht. Aber es gibt noch einen Grund für die Unhaltbarkeit dieses Zentrums. Und, es ist zu befürchten, das ist nicht einmal der letzte. Mit diesem Grund wird im Zusammenhang mit dem Abdullah-Zentrum ein weiteres Mal etwas Schäbiges angesprochen, viellleicht das Schäbigste, ein weiteres Mal etwas Verlogenes angesprochen, vielleicht das Verlogenste.

Abdullah-Zentrum 9-11Seit bald vierzehn Jahren gibt es die Vermutungen, daß die tausendfachen Morde in New York auch mit Geld aus Saudi-Arabien finanziert wurden, das saudi-arabische Königshaus mit seinem Geld das Morden mit finanzierte. Und dieser Verdacht erhärtet sich, wie aktuell berichtet wird.

Es könnte angenommen werden, daß – bei dieser großen Ablehnung des Terrorismus – niemand einem Mitglied einer Terrorfinanzierungsfamilie einen Personenkulttempel errichtet, jedenfalls so lange, bis alle Verdachtsmomente ausgeräumt sind, bis klar die Unschuld bewiesen ist. Nicht aber in Österreich, in Österreich wird trotz des Wissens um diesen seit über einem Jahrzehnt bestehenden Verdacht, einem Terrorkönig ein Personenkulttempel errichtet.

Wenn in Österreich aus der Riege der sogenannten hohen und höchsten Staatsspitze, die für die Errichtung dieses Tempels waren und nun für den Beibehalt dieses Tempels sind, gesagt werden würde, je gesagt worden wäre, es gibt Terroristen, die sind realpolitisch zu hofieren, für die müssen alle demokratischen und menschlichen Werte vergessen werden, und es gibt die anderen, die sind zu jagen, weil deren Terror für Österreich keinen Nutzen hat, wer hätte ihnen nicht für diese Ehrlichkeit applaudiert?

Aber – menschgemäß nicht allein – es ist diese Verlogenheit, die aufregt. Wie sehr wird gerade seit den Morden von Paris wieder von sogenannten hohen und höchsten Vertretern und Vertreterinnen der sogenannten Staatsspitze Terror mit ihren Ideen zur Bekämpfung des Terrors ausgeübt, und wie viele machen dabei mit, vor allem die gutter press

Während sich der Verdacht erhärtet, das saudi-arabische Königshaus habe mit seinem Geld das Morden mit finanziert, wird in Österreich von einem Reinhold Mitterlehner über einen Heinz Fischer bis hin zu einem Sebastian Kurz um den Weiterbestand des auch saudi-arabisch finanzierten Personenkulttempels gerungen, wird zugleich in Österreich unter schreibkräftiger Mitwirkung vor allem der gutter press darüber nachgedacht, wie Kinder als Terroristen gejagt werden, wie ganze Familien im Kampf gegen den Dschihadismus geknebelt werden können. Und nicht nur nachgedacht, sondern tatsächlich gejagt und geknebelt. Ein besonders abscheuliches Beispiel dafür ist jenes von einem Buben gerade einmal im Alter von vierzehn Jahren, der in den Verdacht geriet, den Westbahnhof … Was hat er getan? Er soll sich im Internet Bombenbaupläne angesehen haben. Hat er eine Bombe gebaut? Nein. Wurde irgendwer von ihm verletzt, gar getötet? Nein. Und was war die Empörung in Österreich? Die Empörung in Österreich war, daß er gleich wieder freigelassen wurde, daß er nicht im Kerker verblieb, für das was er tat, nämlich nichts. Im großen Kampf der Staatsspitzenkrieger und -kriegerinnen hat die Frage nach dem Wert der Rechtsstaatlichkeit keinen Platz mehr … Und als er, der nicht ein Gymnasium besuchende Vierzehnjährige, dann für ein paar Tage abgängig war, kam auch ein zwölfjähriger Bub, der mit ihm unterwegs gewesen sein soll, auch sofort in den Verdacht, ein Terrorist, ein Dschihadist zu sein. Aber wer hat je öffentlich und breit danach gefragt, weshalb der Vierzehnjährige von Zuhause weglief, wer fragte die Behörden, wie sie mit der Familie umsprangen, weil ein Mitglied aus dieser Familie in den Verdacht geriet, ein Dschihadist

Worüber wird von sogenannten hohen und höchsten Vertreterinnen und Vertretern der sogenannten Staatsspitze derzeit nicht alles nachgedacht … wie können nur alle, die nichts getan haben, die bloß in den Verdacht schon geraten könnten, etwas tun zu können, gesetzlich abgesegnet gejagt und geknebelt werden? Sie sollen beispielsweise zu Staatenlosen gemacht werden können, sie sollen und mit ihnen gleich zusammen ihre gesamte Familien bestraft werden können, wenn sie beispielsweise nicht ihre Integrationswilligkeit beweisen können, sie sollen … und sie müssen … sie müssen und sie sollen … und müssen und müssen und wenn nicht, Strafe, Strafe über Strafe im Namen der Werte, bis auch diese stolz auf die Werte sind, die durch ein gutes Einvernehmen mit dem saudi-arabischen Königshaus, aber nicht nur mit diesem, lukriert werden können …

Die tausendfachen Morde in New York aber sind tatsächlich passiert, und nicht nur die in New York, sondern noch viele und viele mehr weltweit und die Indizien der Verwicklungen des saudischen Königshauses in diese tausendfachen Morde werden erdrückender und erdrückender, aber ein Mitglied dieser Familie ist beispielsweise für Bundespräsident Heinz Fischer „ein großer Staatsmann“, der „wesentlich zur beeindruckenden …“

Bis nach Auschwitz gehts noch, aber von da an zieht sich der Weg

Glücklicherweise ist es Nestroy erspart geblieben, auch von Auschwitz wissen zu müssen. So konnte er noch von Stockerau schreiben, um über die beschwerliche Reise von Wien nach Amerika zu reden …

Heinz Fischer - Abdullah-Zentrum - Auschwitz

Bundespräsident Heinz Fischer: „Ich persönlich möchte zuerst einmal den Bericht lesen, den der Herr Außenminister verfaßt hat, der ist heute dem Ministerrat vorgelegt worden, zu einer Zeit, wo ich schon in Auschwitz war, ich werde das morgen auf meinem Schreibtisch vorfinden.“

Bis nach Auschwitz gehts noch, aber von da an zieht sich der Weg, von der Vergangenheit in die Gegenwart, könnte die gestrige Reise von Bundespräsident Heinz Fischer beschrieben werden. Über Auschwitz, die Vergangenheit, weiß Heinz Fischer klare und eindeutige Worte zu finden – „unauslöschliche Schande“, über Saudi-Arabien, die Gegenwart, weiß Heinz Fischer dampfend schöne Worte zu finden – „beeindruckende Entwicklung des Landes“, „großer Staatsmann“ …

In der Nacht war Heinz Fischer schon wieder zurück – von Vergangenheit nach Vergangenheit gehts ja rasch … im Studio der Zeit im Bild, um zum Abdullah-Zentrum zu sagen, er möchte, wie der Kardinal, dämpfend wirken

Ach, läge Saudi-Arabien bloß auch in der Vergangenheit, was für klare und eindeutige Worte würde dann sogar Heinz Fischer … Wie viele Teile der heutigen Welt müßten in der Vergangenheit liegen, damit eine klare ablehnende Haltung in der Gegenwart und, viel wichtiger noch, ein eindeutiges Widerhandeln, ein klares Handeln gegen alle unauslöschlichen Schanden…

Aber wird Heinz Fischer gesehen, wird nicht nur das Gesicht des österreichischen Seufzerpräsidenten gesehen, sondern auch die Gesichter von so vielen Staatspräsidenten, von so vielen Regierungsverantwortlichen aus der ganzen Welt, über deren Reisen ebenfalls gesagt werden kann, bis nach Auschwitz gehts noch, aber …

Gedenkveranstaltungen sind gut und wichtig. Aber, im Angesicht der heutigen Welt mit all den nach wie vor und nicht weniger werdenden unauslöschlichen Schanden, sollten all die Regierungsverantwortlichen, deren Handeln kein tatsächliches Handeln ist, nicht einmal ein Bemühen um ein tatsächliches Handeln gegen all die unauslöschlichen Schanden ist, nicht mehr zu Gedenkveranstaltungen eingeladen werden, ihnen also nicht weiter eine Plattform geboten werden, auf der sie sich als das präsentieren können, was sie nicht sind, und vor allem, was sie nicht tun, den Grausamkeiten der Gegenwart tatsächlich Einhalt zu gebieten, ganz im Gegenteil, wird etwa an Barack Obama gedacht, dem der kürzlich verstorbene saudische Terrorkönig ein „aufrichtiger Freund“ war, ein „mutiger Führer“ …

Diesem Mißbrauch von Gedenkveranstaltungen durch höchste Regierungsverantwortliche ist Einhalt zu gebieten. Es kann nicht der Sinn von Gedenkveranstaltungen sein, höchsten Regierungsverantwortlichen Trost zu spenden, sie seien auch gute Menschen. Wenn sie dieser Bestätigung bedürfen, sollen sie sich diese von ihren Familien ausstellen lassen. Es darf mit Sicherheit angenommen werden,  das werden sie in ihren Familien ohnehin zu hören bekommen, wie gut und lieb sie sind – auch die Führer hatten und haben ihre Liebsten, die ihnen bescheinigen, gute … Es kann nicht der Zweck von Gedenkveranstaltungen sein, daß höchste Regierungsverantwortliche die Gelegenheit bekommen, sie als Mittel für ihre Zwecke zu mißbrauchen, und dabei auch noch alle zu ermahnen, aus der Vergangenheit ja zu lernen, einer derart grausamen Vergangenheit ihr Niemals wieder! entgegenschleudern zu können, während sie selbst in der Gegenwart …

Saudi-Arabien und Dr. Heinz Fischer – Jetzt ist es ihm schon wieder passiert

Bundespräsident Heinz Fischer hat es also schon wieder getan. Vor zehn Jahren betonte er, mit Fahd habe Saudi-Arabien einen „hervorragenden Regenten“ verloren, zehn Jahre später preist er den verstorbenen Terrorkönig als „großen Staatsmann“, der „wesentlich zu der beeindruckenden Entwicklung des Landes beigetragen“ habe …

Wenigstens scheint Heinz Fischer, soweit es der heutigen Berichterstattung darüber zu entnehmen ist, darauf verzichtet zu haben, zu betonen, Österreich verliere mit Abdullah Ibn Abdulaziz Al Saud „einen großen Freund“ … Es ist zu hoffen, daß er das tatsächlich unterlassen hat, und nicht die Medien bloß darauf verzichtet haben, eine in dieser Art formulierte Verlustanzeige im fischerischen Kondolenzschreiben zu zitieren …

Abdullah Ibn Abdulaziz Al Saud habe also, so Heinz Fischer, „wesentlich zu der beeindruckenden Entwicklung des Landes …“ Wenn ein Mensch stirbt, ist das immer bitter, traurig und grausam für die Zurückgebliebenen, gleich was für ein Mensch der Verstorbene im Leben war, gleichgültig ob gut oder schlecht, eigentlich müßte gesagt werden, gleichgültig ob gut und schlecht … Aber schwerer als der Tod sind oft die Reden auf einen Toten zu ertragen …

Heinz Fischer - Abdullah und die beeindruckende Entwicklung Saudi-ArabiensVon welcher „beeindruckenden Entwicklung“, zu der Abdullah Ibn Abdulaziz Al Saud „wesentlich beigetragen“ habe, spricht Heinz Fischer? Meint er die „beeindruckende Entwicklung“, von der, aber nicht nur Amnesty International berichtet? Meint Heinz Fischer die „beeindruckende Entwicklung“, über die auch die ihm sicher gut bekannte „Neue Kronen Zeitung“ vor rund neun Monaten zu berichten wußte?

Als vor zehn Jahren der Vorgänger des Terrorkönigs starb, gab es ein Hoffen auf Reformen in Saudi-Arabien. Abdullah Ibn Abdulaziz Al Saud hat diese Hoffnung nicht enttäuscht, er hat fast bis zu seinem Ableben reformiert und auch damit „wesentlich zu der beeindruckenden Entwicklung des Landes beigetragen“ … Fast scheint es, als hätte ihm die Eröffnung des Abdullah-Zentrums in Wien, dieses Bollwerk des Dialoges, neuen Aufschwung gegeben, jugendlichen Elan, nicht nachzulassen: beim Reformieren, beim wesentlichen Beitragen zu einer noch beeindruckenderen Entwicklung des Landes

Was für eine beeindruckende Entwicklung in Saudi-Arabien seit der Eröffnung des Bollwerks des Dialoges in Wien in 2012 – das kann u.a. in den Berichten von Amnesty International nachgelesen werden:

„Die Behörden schränkten die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit 2012 empfindlich ein. Andersdenkende wurden rücksichtslos unterdrückt. Regierungskritiker und politische Aktivisten befanden sich ohne Anklageerhebung in Haft oder wurden nach äußerst unfairen Gerichtsverfahren verurteilt. Frauen wurden nach wie vor durch Gesetze und im Alltag diskriminiert. Sie waren außerdem nur unzureichend vor häuslicher Gewalt und anderen Übergriffen geschützt. Ausländische Arbeitsmigranten wurden von ihren Arbeitgebern ausgebeutet und misshandelt. Gerichte verhängten Auspeitschungsstrafen, die auch vollstreckt wurden. Hunderte Menschen saßen Ende 2012 in Todeszellen, und mindestens 79 Personen wurden hingerichtet. (Stand: 31.12.2012)“

Gerade diese beeindruckenden Entwicklungen beispielsweise der Gesetze zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern, oder diese beeindruckenden Entwicklungen etwa für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen müssen besonders einen Sozialdemokraten tief bewegen und mit Dank erfüllen gegen den Verstorbenen für seine …

Als ob der greise Terrorkönig Der Erhabene, Der Allmächtige, Der Gütige bereits eine Ahnung gehabt hätte, mehr als eine Ahnung, es Der Allwissende bereits wußte, es bleibe ihm nicht mehr viel Zeit, er werde sich bald zu sich rufen müssen, ordnete er 2014 sein Erbe, um einen letzten wesentlichen Beitrag zur weiteren beeindruckenden Entwicklung des Landes zu hinterlassen – das „Anti-Terror-Gesetz“, über das in der oben erwähnten Tageszeitung im April 2014 zu lesen war:

„Eine Reihe neuer ‚Anti- Terror- Gesetze‘ in Saudi- Arabien schlägt hohe Wellen. Darin werden nämlich nicht nur Menschen, die sich im Ausland islamistischen Kämpfern anschließen, zu Terroristen erklärt, sondern auch Atheisten und friedliche Demonstranten, berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Der saudi- arabische König Abdullah (Bild) hat mit den neuen Gesetzen fast alle seine politischen Gegner auf einen Schlag zu Kriminellen erklärt schließlich würden sie alle ‚die öffentliche Ordnung stören‘.“

Und damit diese beeindruckende Entwicklung weitergeht, sollte Heinz Fischer sich jetzt – vielleicht mit dem erfolgreichen Instrument der Geheimdiplomatie – rasch darum bemühen, daß das Bollwerk des Dialoges nach dem neuen saudi-arabischen König benannt wird, damit auch dieser trotz seines hohen Alters ebenfalls sich angespornt weiß, mit jugendlichem Elan das Erbe anzutreten, zum Reformieren ebenso motiviert zu werden, wie sein Vorgänger, der ein großer Halbbruder war …