Erhard Busek verrät über Sebastian Kurz kein Geheimnis: „Daß er goar nix waß!“

Es gibt von Erhard Busek Aussagen zu Sebastian Kurz. Die knappe wie kurze Beschreibung von Sebastian Kurz ist als Video auf einer Plattform abrufbar. Es ist kein altes Video, hochgeladen am 20. Februar 2020.

Erhard Busek, ÖVP: „Alles, was Sie dem Kurz nachsagen, da kann ich Ihnen ganz offen sagen, da verrate ich, nein, kein Geheimnis. Ich habe mich einige Male ganz klar mit Sebastian Kurz […] auseinandergesetzt, auf seine Inhalte. Und da komme ich auf das Jugendthema […] Da bin draufgekommen, ich habe das mehrere Male gemacht. Daß er von bestimmten Dingen gar nichts weiß. Ich habe mehrere Male den Sebastian Kurz […] gefragt, sozusagen: Was ist der Inhalt? Wofür steht er? Da hat er viermal mir nicht geantwortet. Und zweimal hat er mir geantwortet: „Ich weiß, daß ich da ein Problem habe.“ […] Man kann sich darüber erheitern. Ich habe mich nicht erheitert. Ich habe mich gefragt, wie schaut das in Wirklichkeit aus. Möglicherweise, und da bin ich sehr nachdenklich, daß aufgrund seiner Jugend, das Bildungssystem, das wir hatten, eigentlich ihm keine Inhalte vermittelt hat. Er ist in die Schule gegangen. Also dort hat er absolviert, an der Universität nicht. Aber Schule hat er erledigt.“

Das Video dauert eine Minute und zehn Sekunden. In einer Minute und zehn Sekunden ist alles, was zu Sebastian Kurz zu sagen ist, gesagt, von Erhard Busek einfach wie kurz zusammengefaßt.

Nur in einem ist Erhard Busek zu widersprechen. Nämlich darin, daß das Bildungssystem Sebastian Kurz keine Inhalte vermitteln konnte. Das Bildungssystem ist keine Einbahnstraße. Das Bildungssystem vermittelt Inhalte. Aber die Inhalte müssen auch angenommen werden. Von den Schülerinnen. Sebastian Kurz gehört zu den Schülern, die nichts annehmen. Mag die Bemühung der Schulen, Inhalte zu vermitteln, noch so groß sein. Heiter daran ist, daß ein Sebastian Kurz doch auch zu jenen gehört, die stets trommeln, Integration sei keine Einbahnstraße. Die Menschen hätten auch aktiv an ihrer Integration mitzuwirken. Ihm selbst hingegen war das Bildungssystem eine Einbahnstraße, auf der ihm alles entgegengebracht wurde, in seine Hände gelegt wurde, ihm aber fiel alles aus den Händen, nichts, das er behalten konnte …

Müßig ist es, darüber zu spekulieren, weshalb Sebastian Kurz die vermittelten Inhalte nicht aufnehmen konnte. Vielleicht hätte er als Schüler gerne die vermittelten Inhalte aufgenommen. Aber er war wohl damit bereits voll ausgelastet, überfordert, die sogenannten grundlegenden Kulturtechniken zu erlernen, also das Schreiben, das Lesen und das Rechnen, daß für Inhalte in seinem Kopf einfach kein Platz mehr geblieben ist. Obgleich skeptisch gefragt werden könnte, ist ihm wenigstens das gelungen, das Rechnen, das Lesen und das Schreiben einigermaßen zu …

Wenn an seine geographischen Kenntnisse, wenn an seine Kenntnisse der Zahlen gedacht wird, können Zweifel aufkommen …

Das Bildungssystem vermittelt nicht nur Inhalte. Es vermittelt auch, wie es so schön heißt, sogenanntes bildungsbürgerliches Wissen. Dabei ist es bei Sebastian Kurz vollkommen gescheitert, das aber ein Scheitern des Schülers Kurz ist, und nicht des Bildungssystems. Wenn Schülerinnen nicht dazu bereit sind, aktiv mitzumachen, ist jedwedes Bildungssystem zum Scheitern verurteilt.

Es ist erheiternd, daß Österreich zur Zeit mit Sebastian Kurz einen Bundeskanzler hat, der fern jedes bildungsbürgerinnenliches Wissen ist. Heiter ist, daß Sebastian Kurz der Obmann einer Partei ist, die doch stets für sich in Anspruch nahm, die bildungsbürgerliche Partei zu sein. Wer erinnert sich nicht, an den musischen Schüssel, oder an Andreas Khol mit seinen lateinischen Einwürfen … Und nun? Es gibt noch den dirigierenden Präsidenten …

Ob sich wer erinnern kann, daß Sebastian Kurz je etwas Bildungsbürgerliches von sich gegeben hat, etwa durch einen Verweis auf Goethe, Hölderlin, Schiller …

Wie bildungsbürgerinnenlich im Gegensatz zu Sebastian Kurz erscheinen doch jene aus der für kurz gewesenen Regierungspartei, etwa ein Heinz-Christian Strache, der schon mal Goethe zitiert, etwa ein Herbert Kickl mit seinem Lieblingsdichter Hölderlin, etwa ein Harald Stefan mit seinem Schiller, etwa Hofer, Gudenus und Strache gemeinsam mit ihrem Silone, und erst die Mölzers mit Wagner, Verbelen und so weiter und so fort …

Es wurde und es wird weiter viel davon gesprochen und geschrieben, kurz gesagt, das Abendland schaffe sich selbst ab, wenn Menschen nicht aufgehalten werden würden, in das Abendland zu kommen. Dabei kann erlebt werden, wie eine Partei sich als bildungsbürgerliche Partei aufgibt, indem sie einen Mann zu ihrem Führer gemacht hat und weiterhin anhimmelt, der nicht von fern nach Österreich gekommen ist, sondern fern jedweder …

Erheiternd ist es auch, daß es zu einem medialen Staunen kommt, wenn aus der für kurz gewesenen Regierungspartei etwas Bildungsbürgerliches kommt, dabei sollte es ein mediales Staunen darüber geben, daß von einem Führer oder, wie ihn sein Geisteszwilling wohl nennt, Leader einer bildungsbürgerlichen Partei nichts Bildungsbürgerinnenliches

Lehrerinnen empfehlen ihren Schülern immer mal wieder etwas Gutes, vielleicht hat ein Lehrer einem Schüler wie Kurz sogar einmal den Tipp gegeben, er solle, wenn er in das Strandbad geht, ein Buch mitnehmen. Auch wenn er sich oft im Strandbad aufhält, ein Buch, nicht einmal einen Karl May, wird er nicht …

Sie werden sofort den Namen des Philosophen nennen können, von dem im vorherigen Kapitel, in dem von der Vertreibung aus dem Tempel erzählt wird, ein Zitat gebracht wird, Sie wissen den Philosophen bestimmt in der Sekunde, aber …

„Ich, der ich nicht weiß, daß ich nichts weiß.“

Wachs am Worte sein

„Der Besuch im @HolocaustMuseum in #Washington war sehr bewegend. Die nationale #Gedenkstätte für die Opfer des #Holocaust erinnert eindrucksvoll an die dunkelsten Stunden in unserer #Geschichte und mahnt uns, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“

Karoline Edtstadler also „mahnt uns, wachsam zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“ … Aus ihren „Worten“ aber, ach, was soll aus diesen werden?

Es kann auch sein, daß sie zwar „uns mahnt“, aber nicht „wachsam zu sein“ – wie schnell kann auf einen Leerraum vergessen werden, oder, wie schnell kann es zu Rechtschreibfehlern kommen, gerade in einen Medium der Eile und Kürze –, sondern „Wachs“ am … Das mag einen rätselhaften Satz ergeben: „Wachs am zu sein, denn aus Worten können Taten werden!“ Doch genau besehen, ist nicht ihr Leibbuch voller rätselhafter Sätze, die zu deuten, die erst zu übersetzen sind?

Vielleicht ist es nur eine blumige Umschreibung ihrer Essenz: Mahnt uns, Wachs zu sein.

Vielleicht auch eine Mahnung, wenn der Aufforderung nicht nachgekommen wird: Wachs am Worte werden Taten!

Vielleicht auch ein verborgenes Eingeständnis: Wachs am Worte sein

Tausend-Schilling-Sperre

Es wird jetzt DAÖ mit ihrem He.-Chr. Strache bedauerlich finden, daß es nicht mehr den „Schilling“ gibt.

Was wäre das erst für ein griffiger Slogan:

„Tausend-Schilling-Sperre“ …

Bis ins Mark des „Despoten“ träfe eine solche „Steuer“, die es schon einmal gab. Damals allerdings gegen den „Despoten“ in Österreich, also gegen einen Vorgänger des zurzeitigen Parteiobmannes …

Das ist ja klar, werden Sie sagen, gleich muß wieder mit dem Nationalsozialismus gekommen werden.

Nein.

Das wird es nicht.

Bloß mit der „Kontinuität“, wie von der FPÖ selbst verkündet, etwa in ihrer „Festschrift“ von 2016 …

„Diese Aussagen Anton Reinthallers könnten zweifellos auch in einer zeitgenössischen Rede von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aufscheinen. Dies beweist, wie groß die ideelle Kontinuität […]“

Es zeigt die „120-Euro-Flugpauschale“ der DAÖ mit ihrem He.-Chr. Strache, deren Mark nichts anderes ist als die einstige „Wirtschaftssanktion“ gegen das schwarze Österreich, eine solche Gesinnung gebiert keine neuen Ideen, sondern eine solchen Gesinnung speist sich stets nur aus dem Kaspel (Koschpl) des Vorvorgestrigen …

Kurz, ein Einschub: Die DAÖ sei auf der Suche nach einem leichter auszusprechenden Parteinamen. Warum nicht dabei behilflich sein? Es böte sich an: DÖP.

Das wäre doch ein sprechender Name: DÖP. Setzte sich, wenn auch nicht gesinnungsgemäß, doch von der Vergangenheit ab, in der es eine DAP gab. Die allerdings nur wegen der einstigen 120-Euro-Flugpauschale einfällt, deren Einführung die Ausweisung eines Mannes von der DAP aus Österreich auslöste.

A. Schalek, Kriegsberichterstatter

Fade in.

Ein Fernsehstudio. Geschmackvoll eingerichtet von dem Herrn Papa, dem Herrn Sohn gefällt es sehr, er fühlt sich wohl in der Inneneinrichtung seines Vaters.

Im März ’20 befragt der Herr Sohn den Kriegsberichterstatter, der eben aus Griechenland zurückgekommen ist. Der Zweck seiner Reise in das Kriegsgebiet ist „Solidarität und Unterstützung“ gewesen. Dafür setzt Schalek die Mittel ein, die ihm gegeben.

Schalek: … mein Besuch war ein … Besuch der Solidarität und Unterstützung, weil Griechenland ist jetzt … wirklich der Frontstaat Europas …

Fade out.

„Stellen wir uns vor, inmitten“ keiner Katastrophe …

„Vielleicht stellen wir uns […] vor, inmitten irgendeiner künftigen Katastrophe würden wir auf Seiten der Retter sein. Doch wenn Staaten zerstört, lokale Institutionen korrumpiert und Marktanreize auf Mord ausgerichtet wären, würden sich nur wenige von uns anständig verhalten. Wir haben wenig Grund zu der Annahme, dass wir den Europäern der 1930er und 1940er Jahre moralisch überlegen oder weniger anfällig für Ideologien sind, wie Hitler sie so erfolgreich propagierte und umsetzte.“

Bei den aktuellen Berichten zu den Zuständen an den Grenzen fällt wie von selbst der von Zygmunt Bauman zitierte Timothy Snyder ein, auf welcher „Seite zu sein stellen wir uns vor inmitten einer Katastrophe“ …

Bei den aktuellen Berichten, wieder einmal aktuellen Berichten, etwa über jene, die ohne Auftrag, ohne Befehl bewaffnet an die Grenzen hetzen, um gegen Menschen zu kämpfen, und sich dabei „anständig“ wähnen im himmlerischen Verständnis, gegen Menschen zu kämpfen, die nicht zum Kämpfen an die Grenzen kommen, sondern …

Bei den aktuellen Berichten etwa über jene, die beispielsweise für kurz Minister gewesen sind, weiterhin treuen Gesinnungsknappen, die vom Warnschießen an den Grenzen sprechen, gegen Menschen, die nicht zum Schießen an die Grenzen kommen, sondern ….

Bei den aktuellen Berichten über jene, die von nichts anderem reden können, als von „Ansturm“, als ginge es um einen Krieg an den Grenzen, für sie von Menschen entfacht, die an die Grenzen kommen, aber die Menschen kommen nicht an die Grenzen, um zu stürmen, sondern …

Es gibt aber auch jene, die sich anders verhalten, die sich „anständig“ verhalten, „anständig“ nicht im himmlerischen Sinn, und sich etwa für eine Öffnung der Grenzen einsetzen, dafür auch auf die Straße gehen, zur Stunde nicht in Wien, aber beispielsweise in Berlin, in Brüssel.

Menschen, die sich „anständig“ verhielten, „anständig nicht im himmlerischen Sinn, gab es auch in den 1930er und 1940er Jahren. Es waren zu wenige.

Die Frage ist nur, werden es in der Gegenwart und in der Zukunft, beginnend mit den 20er Jahren, endlich genügend sein. Oder werden wieder zu viele auf keine Seite stehen, nicht auf der Seite der Retterinnen, nicht auf der Seite der Retter, sondern einfach wieder gewähren lassen, wieder alles mitverfolgen auf ihren Smartphones mit größter Anteilnahme für ihre Handys, jene, die vom Schießen reden, die vom Ansturm reden, jene, die sogar ohne Befehl an die Grenzen hetzen, um Menschen …

PS Bauman zitiert Snyder in seinem Buch „Retrotopia“. Ein Buch, kurz zusammengefaßt, das besonders in Österreich zu lesen vonnöten. Ein Kapitel etwa hat den Titel „Zurück in den Mutterleib“, wie passend zum stelzerischen Beharren auf die oberösterreichische Landeshymne; allerdings die Kapitelüberschrift muß ein wenig für dieses Land passender dazu gedacht werden: Nicht heraus aus dem Muaderleib.

PPS Wenn Sie einwenden wollen, ach wieder der Verweis auf die Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus, dann kann es darauf nur die Antwort geben, es ist kein Verweis auf diese schwarze austrofaschistische und nationalsozialistische Zeit, sondern das Einmahnen des Handelns im Sinne des zahlreichen Gedenkens an diese Zeit, auch von denen, die von nichts anderem eifern als von Ansturm, Schießen, Grenzsperrungen …

Le Boulogne blanche

Wolfgang Amadeus Mozart als den weißen Boulogne zu bezeichnen, heißt menschgemäß, dem Rassismus in die Falle zu gehen.

Dennoch soll in diese Falle gegangen werden, nicht aber, um einen sogenannten positiven Rassismus zu verbreiten, sondern sich an dem Bau einer Straße zu beteiligen, die in ein anderes Schreiben von Geschichte und somit von Gegenwart führte …

Joseph Boulogne, Chevalier Saint-Georges, wird mit einer Selbstverständlichkeit und wohl in hehrer Absicht bezeichnet als „Le Mozart noir“, als „The black Mozart“, als „der schwarze Mozart“ …

Nun, die tatsächliche Geschichte hält dem nicht stand, Boulogne, der eine Quelle der Inspiration auch für andere war, die heute noch nicht nur in Österreich größte Verehrung genießen und unablässig gespielt werden, als den „schwarzen Mozart“ zu bezeichnen, diese würde eher die Bezeichnung „der weiße Boulogne“ für Mozart rechtfertigen.

Wolfgang Amadeus Mozart, von dem es heißt, er sei ein rechter Schelm gewesen, hat Boulogne dafür, ein weißer Boulogne geworden zu sein, vielleicht doch gedankt, auf eine seine besondere Weise, dadurch, daß er ihm in seiner „Zauberflöte“ ein Denkmal wohl setzte, mit einer Figur, der nicht zu trauen ist, die, eingeschrieben in ihren von Schikaneder und Mozart gegebenen Namen, allein zu bleiben hat, bereit dazu, die weißschöne Pamina zu vergewaltigen, käme nicht rechtzeitig die weißstrenge Königinmutter hinzu …

Alles fühlt der Liebe Freuden,
Schnäbelt, tändelt, herzt und küßt;
Und ich sollt' die Liebe meiden,
Weil ein Schwarzer häßlich ist!
Ist mir denn kein Herz gegeben?
Bin ich nicht von Fleisch und Blut?
Immer ohne Weibchen leben,
Wäre wahrlich Höllenglut!
Drum so will ich, weil ich lebe,
Schnäbeln, küssen, zärtlich sein!
Lieber guter Mond, vergebe,
Eine Weiße nahm mich ein.
Weiß ist schön! Ich muß sie küssen;
Mond, verstecke dich dazu!
Sollt' es dich zu sehr verdrießen,
O so mach' die Augen zu!

Das darf Monostatos singen in der Musik vom weißen Boulonge, der dem schwarzen Mozart damit wohl ein recht besonderes Denkmal …

„Black is ugly“, ach das singt doch ein Schwarzer selbst, dann wird es wohl stimmen, so wie, weil eben wieder einmal der „Zigeunerbaron“ auf einer wienerischen Bühne, „Zigeuner keine Fremdbezeichnung“ sei, da doch, so die Direktion und Dramaturgie, da doch die „Zigeuner“ sich selber als „Zigeuner“ bezeichnen, auf der Bühne, die „Zigeuner“ Strauß und Schnitzer …

Ob „Black is beautiful“ eine späte, sehr späte Antwort auf „black is ugly“ ist, kann nicht gesagt werden, aber eines kann gesagt werden, was einmal in die Welt getragen, wirkt lange nach, sehr lange, und es wird auch alles dazu getan, daß es weiter wirkt und wirkt …

Ist nicht gerade die „Zauberflöte“ die Oper schlechthin, in die schon Kinder, kaum daß sie sitzen können, scharenschweise getrieben werden, sogar in für sie eigens aufbereitete Aufführungen? Und hallt es nicht gerade jetzt in Zeiten der sogenannten sozialen Medien massenhaft zurück, was „the black“ ihnen sind?

Der Musikkritiker

„Mit dem ‚Zigeunerbaron‘ ist das bekanntlich so eine Sache. Ja, da reiht sich musikalisch Hit an Hit, Ohrwurm an Ohrwurm. Die Handlung jedoch ist – höflich formuliert – hanebüchen und in Zeiten der auch übertriebenen politischen Korrektheit überaus problematisch. Zwar sind die Zigeuner die Guten; an Klischees inklusive einer Kriegsverherrlichung mangelt es allerdings nicht.

Was also tun mit dieser 1885 uraufgeführten Mixtur aus Operette und Oper, dieser Geschichte rund um die Zigeunerin Saffi […]“

So beginnt der Musikkritiker in der Tageszeitung „Kurier“ am 2. März 20 seine mit „Als wäre es ein bitterböses Stück von Brecht“ überschriebene Premierenkritik. Er wird wohl erst vor kurzem eine recht gute Beurteilung seiner VwA im Fach Brechts Dramaturgie erhalten haben.

Nachdem die Direktion und die Dramaturgie der Volksoper in ihrer Stellungnahme so überzeugend darlegte, weshalb Zigeunerinnen ohne Anführungszeichen gesagt und geschrieben werden könne, weil vor allem Zigeuner keine Fremdbezeichnung sei, ist es nun für den Musikkritiker eine Selbstverständlichkeit, Zigeuner ebenfalls ohne Anführungszeichen zu schreiben,und das wird viele der Lesenden dieser Tageszeitung freuen, daß der Musikkritiker die Bezeichnung Zigeuner für eine Massenzeitung, also nach österreichischen Verhältnissen ist es eine Massenzeitung, zurückerobert zu haben, abgestützt durch die eindrucksvolle Argumentation von Direktion und Dramaturgie der Volksoper, das wird die Lesenden der sogenannten Mehrheitsgesellschaft freuen, daß ihr selbstverständliches Verwenden des Wortes Zigeuner durch ihre Tageszeitung Bestätigung und Anerkennung findet, gerade in diesen „Zeiten der auch übertriebenen politischen Korrektheit“ …

Brechts Dramaturgie mag das Spezialfach des Musikkritikers sein, der Strauß mit seinem Schnitzer hingegen nicht, sonst hätte er Zigeunerin in Anführungszeichen setzen müssen. Denn. Die Zigeunerin Saffi ist keine Zigeunerin. Die Anführungszeichen hätten genügt, um zu verdeutlichen, daß die Saffi von Strauß mit seinem Schnitzer keine Zigeunerin ist. Wann Anführungszeichen zu setzen sind, ist dem Musikkritiker durchaus geläufig. So weiß er „Zigeuner-Romantik“ in Anführungszeichen zu bringen …

Nach den Morden nicht nur im tiefsten Burgenland, nach den Ausschreitungen in so vielen Teilen Europas gegen Menschen, die ohne Anführungszeichen als Zigeuner vorgeführt werden, kann wohl von keiner „übertriebenen politische Korrektheit“ gesprochen und geschrieben werden, sondern nur davon, nicht das Barbarische durch das dermaßen freiwillige, dermaßen unbewußte und dermaßen unreflektierte Verwenden von Wörtern, die weiterhin nichts anderes als Schlachtwörter sind, zu bedienen, gerade in diesem Land …

Übrigens. „Der Musikkritiker“- auch ein Ohrwurm, aber den hat kein Strauß mit seinem Schnitzer g’schriebn …

„Aula“ ist zu buchstabieren wie „Zur Zeit“ und „Zur Zeit“ wie „Kurze Regierung“

Seit 18 liege der österreichischen Behörde, ist nun im Februar 2020 zu lesen, eine „Sachverhaltsdarstellung mit einem umfangreichen Dossier“ vor, ein „historischer Sachverständiger“ sei mit der Analyse der Texte beauftragt, und bis zum Sommer 2020 solle es eine Entscheidung geben, ob es zu einer Anklage komme oder nicht, zu einer Anklage auch gegen Martin Pfeiffer, gegen den „Aula-Chefredakteur“.

Es geht also ausschließlich um die Texte in der „Aula“.

Nach der Tafel ist „Aula“ wie folgt zu buchstabieren: „Au“ wie „Zur“ und „la“ wie „Zeit“ – „Zur Zeit“.

Und „Zur Zeit“ wie „Regierung“. Und das war die türkis getupfte schwarz-blaue Regierung, die viele für kurz gewesene Mitglieder hatte, deren Kompetenzen eine war, für die „Zur“ wie „Au“, „Zeit“ wie „la“ Beiträge zu liefern. Gesinnungsgemäß auch und das recht regelmäßig wie Martin Pfeiffer.

Und was Martin Pfeiffer für Beiträge liefert für „Zur Zeit“ wie „Aula“ und „Aula“ wie „Zur Zeit“ inmitten seiner Kameraderie, die für kurz gewesene Regierungskameraderie, nun, der beauftragte „historische Sachverständige“ würde nicht herausfinden können, welche Texte von Pfeiffer für „Aula“, welche Texte von Pfeiffer für „Zur Zeit“, würden alle Hinweise entfernt werden, in welchem Magazin welcher Text beispielsweise von Pfeiffer veröffentlicht.

Seit 18 liege der österreichischen Behörde, ist nun im Februar 2020 zu lesen, eine „Sachverhaltsdarstellung mit einem umfangreichen Dossier“ vor, ein „historischer Sachverständiger“ sei mit der Analyse der Texte beauftragt, und bis zum Sommer 2020 solle es eine Entscheidung geben …

Jahre vergehen also, bis überhaupt eine Entscheidung gefällt wird, ob je eine Anklage erhoben wird oder nicht, und was für ein Aufwand betrieben wird, „ein historischer Sachverständiger“ wird beauftragt … es geht auch schneller, aber nur wenn es nicht um die Magazine der für kurz gewesenen Regierungsmitglieder geht, sondern um …

Dann wird nicht entschieden, sondern angeklagt und verurteilt

Es wird nicht entschieden, sondern angeklagt, aber unterschieden, wer beispielsweise gesinnungsgemäße Tattoos … und wenn ein akademischer Körper mit gesinnungsgemäßen Tattoos, dann wird nicht angeklagt, sondern …

Maria Theresia und ihre Familie gegen die „Zigeuner im knallharten Verteilungskampf“

Von einem Parteipolitiker gibt es den Witz, er habe nur ein Buch gelesen.

Kein Witz ist es hingegen: Ganz Österreich kommt mit einem Buch aus. Mit noch weniger als einem ganzen Buch, ganz Österreich kommt mit dem Titel des Buches allein aus.

Wie auch vorgestern wieder. Morgenjournal. 7.27 Uhr. Christa Maier. Peter Lund. Sie, die Journalistin. Er, der Regisseur. Gesprochen wurde über die gestrige Premiere in der Volksoper.

Stenogramm des Vorgestrigen:

„Der Zigeunerbaron um 1740 … zur Zeit Maria Theresias … schon während der Ouvertüre historische Fakten und zeitgeschichtliche Vorurteile gegen Zigeuner vermittelt … Originalzitate aus der Zeit, was den Zigeunern alles unterstellt … unchristlicher sowieso, Klauen und Dieberei, aber eben auch, daß sie von den Türken ausgesandt wurden, um uns zu verderben, das finden wir sehr spannend, weil das, da die Geschichte spielt, gleich nach den Türkenkriegen, schlägt ihnen gleich noch mal eine ganz andere Form von Haß entgegen, es geht richtig um was … und dementsprechend zeigt Regisseur Peter Lund in seiner Textfassung als Zusammenprall bzw. Kampf der Kulturen … weil natürlich geht es um einen knallharten Verteilungskampf … ist eine märchenhafte Geschichte … die Polarität von arm und reich sowie die gegensätzliche Normen und Werte illustriert Peter Lund ganz deutlich … die Zigeuner haben wir ein bisschen entkitscht … nicht dauernd die Fröhlichsten … wenn du immer Hunger hast, und nie was zu essen, natürlich bist du dann fröhlich, wenn du mal was …“

Eigentlich müßte hierzu nichts mehr angemerkt werden, es reicht ein Verweis auf das Programmheft „Ihre Dienste werden weiter benötigt – Auf die Bühne getrieben“, das nicht von Lund, nicht von der Direktion Meyer und der Dramaturgie der Volksoper, nicht vom Animationsgrafiker zusammengestellt …

Weil aber „historische Fakten“, „zeitgeschichtliche Vorurteile“ und auch die Habsburg in diesem morgendlich gesendeten Gespräch angesprochen wurden, ist doch noch einmal hervorzuheben, was für einem „knallharten Verteilungskampf“ die arme Habsburg in ihrer armselig windschiefen und nur mit dem Kreuze möblierten Hütte im sumpfigen Banat ausgesetzt war, daß sie einzig in der ethnischen Auslöschung der „Zigeuner“ ihre Rettung sah, sie darin ihre einzige Möglichkeit sah, wenigstens ein wenig von den knapp zu verteilenden Gütern abbekommen zu dürfen, und auch ihrem Sohne war dieser „knallharte Verteilungskampf“ nicht erspart geblieben

Nur der Hunger ist steter Gast in der habsburgischen Hütte, die Fröhlichkeit macht stets um solch eine Hütte einen weiten Bogen, denn sie weiß, wo der Hunger Dauergast, ist sie fehl am Platz, an solchen Hüttentüren klopft ohnehin Gevatter Rosenkranz …