Eine Meinung beleidigt niemanden

Das darf einer Initiative, die die Diskussion forciert über Organisierte Glauben und deren nach wie vor existierenden gesellschaftlichen und politischen Überstellungen mit verbrieften Sonderrechten, nicht passieren, selber wie ein Organisierter Glaube zu reagieren – auf die Meinung eines einzelnen … Also gleich davon zu schreiben, der Kommentar eines einzelnen beleidige 17.000 Wienerinnen … Weshalb aber dieser Kommentar in der Wochenzeitung „Falter“ für die Initiative gegen Kirchenprivilegien lediglich die beleidigt, die in Wien das Volksbegehren unterschrieben, mag einer noch sympathischen Bescheidenheit geschuldet sein, oder, was wahrscheinlicher ist, der ihrer Sichtweise, daß ein regionales Medium nur regional beleidigen kann …

Und noch etwas darf einer solchen Initiative nicht passieren, gleich der unseligen Art der Organisierten Glauben wegen der Meinung eines einzelnen sofort alle in Sippenhaftung zu nehmen, im konkreten Fall also die gesamte Zeitung für die Meinung eines einzelnen …

Damit ist auch schon das Wichtigste zu diesem Kommentar im „Falter“ geschrieben, genauer, zur Reaktion auf diesen Kommentar, der selber aber nicht …

Oder nur mit äußersten Vorbehalten ringt der Kommentar von Joseph Gepp selbst eine Notiz …

Ein Gepp macht noch keine BeleidigungAuffällig ist auch an der Meinung von Joseph Gepp, daß die Beiknieer (da es mehrheitlich Männer sind, kann auf das Anführen der weiblichen Form verzichtet werden) der Organisierten Glauben stets auf Formuliertes zurückgreifen müssen, das vor einer Ewigkeit geschrieben wurde, um heutzutage noch Prediger der Organisierten Glauben sein zu können … In dieser Hinsicht ist Joseph Gepp, beispielsweise im Vergleich zu Rudolf Langthaler, nahezu ein Moderner, denn er braucht nur einhundert Jahre in die Vergangenheit zurückzugehen, um den Organisierten Glauben das Brot zu brechen …

Wenn es eine „verdiente Niederlage“ war, ist Joseph Gepp zu fragen, wer hat dann einen Sieg errungen? Wer nach wie vor bei Max Weber nachschlägt (welche Seiten und vor allem wie werden diese gelesen?), ist nicht nur demokratiepolitisch nicht unbedingt ganz im Heute, auch wenn er meint, vom Heute aus sich zu äußern … Was ist aber tatsächlich passiert? Es konnten 100.000 Menschen nicht überzeugt werden, dieses Volksbegehren zu unterschreiben … Was wäre aber geschehen, hätten tatsächlich 100.000 Menschen es unterschrieben? Nichts, oder das Übliche in Österreich: das Ignorieren eines demokratischen Instruments, also eine neuerliche Niederlage der Demokratie ….

Genug, oder zusammenfassend: Würde Joseph Gepp diesen seinen Kommentar in einem Wirtshaus mündlich von sich geben, wäre die Reaktion wohl, schon noch den ersten paar seiner Sätze, sich zu einem anderen Stammtisch zu setzen, um nicht unhöflich aber unvermeidbar zu gähnen …

Statt zu schreiben, Joseph Gepp habe mit seinem Kommentar 17.000 Wiener beleidigt, hätte es gereicht, diesen Kommentar für das Wirtshaus unerwähnt zu lassen, oder, eine andere Möglichkeit, schlicht anzumerken, wer beleidigen will, muß dafür auch etwas Profundes vorbringen …

Strache – Schnell, Kickl, tausche „Umvolkung“ aus

Es könnte ein gutes Land, dieses Österreich, sein, würden alle in diesem Staat mit dieser Nachsicht und dieser Großzügigkeit und vor allem mit dieser unentwegten Belohnung mit Wahlstimmen behandelt werden, wie die Freiheitlichen, denen nicht pauschal etwas vorgeworfen wird, bei denen sehr differenziert wird, über die also beispielsweise nicht gesagt wird, die Freiheitlichen reden von „Umvolkung“, sondern eben genau und sorgsam namentlich angeführt wird, wer was sagt und schreibt, wie aktuell eben Karl Schnell, dem rasch Herbert Kickl mit einer Erklärung beimarschiert …

Aber es will ein Land der Nichtlesenden und der Nichtzuhörenden bleiben, weil in diesem Land beispielsweise der Satz, daß die Freiheitlichen von der „Umvolkung“ reden, nicht formuliert werden will, in der breiten medialen Berichterstattung und in der breiten öffentlichen Diskussion … Und das wäre weit anderes als eine Pauschalierung, sondern lediglich ein Zitat eines freiheitlichen ZZlers, lediglich die Wiederholung, was Freiheitliche selbst bestätigen …

Aber es verwundert in diesem Land immer wieder die Aufregung, die es geben kann, wie beispielsweise die aktuelle um die Aussage von Karl Schnell über die „Umvolkung“ … Es ist ein Freiheitlicher, was soll ein Freiheitlicher sonst sagen, wurde schon wieder vergessen, daß Karl Schnell ein Freiheitlicher ist, wurde schon wieder vergessen, was Freiheitliche sagen, was Freiheitliche nur sagen können?

Herbert Kickl - UmvolkungNS Bemerkenswert allerdings, das muß hinzugefügt werden, ist die Presseaussendung von Herbert Kickl, in der er von der Kriminalisierung von Worten spricht … Es dürfte das Buch über das Verbotsgesetz von Wilfried Grießer mit dem Titel „Die verurteilte Sprache“ in diesem Lager mit Wohlwollen und Nutzwert gelesen werden … Bemerkenswert an dieser Presseaussendung ist ebenfalls, daß Herbert Kickl für „Umvolkung“ das Wort „Bevölkerungsaustausch“ einführen will … „Austausch“ muß für Herbert Kickl also total negativ besetzt sein, denn „Austausch“ im Sinne von Dialog scheint Herbert Kickl zu scheuen wie Gott den denkenden Menschen, sonst könnte er für „Umvolkung“ nicht „Austausch“ …

NNS Und da Freiheitliche nichts Neues bieten, gibt es keine Bedenken, hier einen Text zu wiederholen, der am 22. August 2010 geschrieben wurde, und es ist eigentlich eine Notwendigkeit, auch diesen Text zu wiederholen, wird doch bei jeden neuen Aufregung vergessen, wen die Aufregung betrifft, es ist die freiheitliche Bewegung, und nicht nur einzelne Freiheitliche als Ausnahme von der freiheitlichen Regel, wobei die freiheitliche Ausnahme von der freiheitlichen Regel, beispielsweise mit Nachsicht und Großzügigkeit und ohne Pauschalierung Menschen, die nach Österreich zuwandern, zu begegnen, bis heute noch nicht festgestellt werden konnte …

UmvolkungMartin Graf warnt vor der „Umvolkung“

Freiheitliche Politiker warnen vor der »Umvolkung«.
Martin Graf ist ein freiheitlicher Politiker.
Martin Graf warnt vor der »Umvolkung«.

Diesem Schluß liegen die Ausführungen von Helge Morgengrauen in der aktuellen Ausgabe von Zur Zeit zugrunde: »[D]ie Warnungen freiheitlicher Politiker vor der Umvolkung […]«.

Mehr ist dazu nicht zu schreiben,  denn auch diese Zeitung berichtet ohnehin alles, was diese Partei …

Eines aber doch, weil Martin Graf, III. Präsident NR, seine Verteidigung eines Plakates mit dem Satz beginnt:

Es ist recht schade, wie sehr sich manche Leute über den Nationalsozialismus definieren, wo doch so viele aktuelle Probleme unserer Gesellschaft ungelöst vor uns liegen, die mit der Vergangenheit reichlich wenig zu tun haben.

Die Zeitung, für die der III. Präsident NR schreibt, belegt selbst, wie unheutig in dieser Partei gedacht wird, wie unbrauchbar deren Zugänge zu heutigen Gegebenheiten sind, wenn etwa, um als Beispiel die Bildung herauszugreifen, Helge Morgengrauen, ebenfalls in dieser Ausgabe veröffentlicht, unter der Überschrift Ein Schulgipfel droht schreibt:

Das Elend der Schule im besonderen und der Erziehung im allgemeinen kommt freilich nicht von ungefähr, ist vielmehr auch eine Folge zweier verlorener Weltkriege.

Bis in die Wörter hinein ist alles ungegenwärtig. Wer verwendet heute noch außerhalb geschichtlicher Werke beispielsweise die Wörter – alle nicht nur aus der aktuellen Ausgabe von der Zeitung, in der ein III. Präsident NR schreibt – Umvolkung? Endlösung? Judenfrage? Zigeuner? Neger?

Genug.  Zu viel  …

Umfrage Rücktritte – Martin Graf allein oder …

Martin Graf verteidigt sein ….

Martin Graf schaut vorbei, auch in Belgien

In den Kellern des Internets die akademischen Flecken

Claus Nordbruch überreicht ein Telegramm und gibt Bernhard Tomaschitz ein Interview

Die Tore von Auschwitz und Zur Zeit

»Eine Hure, die es mit jedem treibt, ist ein emanzipiertes Klasseweib«

Neger– Deutscher Charakter Österreichs – Grafland

NS Etwas Heutiges muß es doch auch in dieser Partei geben? Ja, heutig an dieser Partei, deren Personal FPÖ, BZÖ, FPK betreibt, sind einzig die Taten, die in medialen Berichten stets den Satz enthalten müssen: Es gilt die Unschuldsvermutung

Thomas Chorherr kandidiert nicht auch noch – Ein Glück

Ein zweiter ehemaliger Chefredakteur und Herausgeber der Tageszeitung „Die Presse“ meint auch noch einen wesentlichen Beitrag liefern zu können und schreibt ebenfalls schnell noch etwas zum Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien aber auch zu Frank Stronach, zum Lateinunterricht, zu Aufführungen auf dem Domplatz in Salzburg, zu Sokrates …  Thomas Chorherr mischt also Themen, die nicht zueinander gehören, das heißt, Thomas Chorherr schreibt so, wie am Stammtisch geredet wird, an dem zwischen den Bestellungen von zumeist alkoholischen Getränken von einem Thema zum anderen willkürlich gesprungen wird, Themen oft genug sogar innerhalb eines einziges Satzes abenteuerlich, um nicht unfreiwillig kabarettistisch zu schreiben, vermischt werden – und dabei aber von keinem Thema so genau etwas recht gewußt …

Thomas Chorherr kandidiert nicht auch noch - Ein GlückDer gesamte Artikel von Thomas Chorherr ist um die zentrale Frage des politischen Zufalls gebaut. Aber es ist eine völlig falsche Frage. Denn die festgesetzten Termine von Volksbegehren haben absolut nichts mit Politik zu tun. Es gibt für Volksbegehren einfach gesetzlich vorgeschriebene Fristenläufe. Thomas Chorherr weiß also nicht zu unterscheiden zwischen Politik und gesetzliche Fristen …

Es stellt sich daher die Frage, ob Thomas Chorherr überhaupt weiß, was Politik ist, wird hierzu zusätzlich bedacht, daß der Minister für Inneres nach den Fristen im Volksbegehrensgesetz darüber zu entscheiden hat, und im konkreten Fall hat Sicherheitsministerin Johanna Mikl-Leitner über den Termin zu entscheiden gehabt, womit eigentlich auch die Frage beantwortet ist, was Thomas Chorherr von Politik versteht … Ebendieser Thomas Chorherr, der in diesem Land allenthalben als großer Publizist … Einer mit Auszeichnungen, beispielsweise mit dem Leopold-Kunschak-Preis …Es ist aber nicht nur eine Qualität der Tageszeitung „Die Presse“, derartige Geistesgrößen als … Über eine zweite durfte vorgestern -, Andreas Unterberger, ob er den Leopold-Kunschak-Preis für das sein bürgerliches Gewissen

Eines der von Thomas Chorherr zu einer Mischung versprudelten Themen sollte doch, gerade vor all den heuer fixierten Wahlen auf Landes- und Bundesebene, separiert und besonders hervorgehoben werden … Es ist ein Unglück, daß nicht wenigen in diesem Land Frank Stronach als wählbare Alternative gilt, allerdings es ist ein Glück, daß nicht auch noch Thomas Chorherr kandidiert …

Wenn Andreas Unterberger das bürgerliche Gewissen ist, dann gibt es in Österreich weder Bürgertum noch Gewissen noch Publistizik

Es ist von den „Salzburger Nachrichten“ eine gute Idee, gegensätzliche Meinungen auf einer Seite gleichzeitig zu veröffentlichen, soher dem Leser und der Leserin die Möglichkeit zu bieten, sich je zu einem bestimmten Thema aus dem Pro und dem Contra eine eigene Meinung zu destillieren … Jedoch, es wäre wünschenswert, würden die „Salzburger Nachrichten“ Andreas Unterberger zu mehr – um nicht pathetisch von Wahrheit zu schreiben – Genauigkeit verpflichten, gerade auch und vor allem deshalb, weil Andreas Unterberger von den „Salzburger Nachrichten“ vorgestellt wird als

„für viele das bürgerliche Gewissen der österreichischen Publizistik.“

Wer immer die vielen sein mögen, für die Andreas Unterberger das bürgerliche Gewissen der österreichischen Publizistik ist, provozieren damit, danach zu fragen, ob es überhaupt eine Publizistik in Österreich gibt, die so genannt werden kann, ob das bürgerliche Gewissen eine Tugend ist oder doch mehr ein Freibrief zur Ungenauigkeit, um nicht pathetisch vom Freibrief zur Lüge zu schreiben …

Andreas Unterberger - Am StammtischWie sorgfältig und genau Andreas Unterberger arbeitet, beweist er auch diesmal mit seinem Beitrag zum Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien … Es könnte zu jedem seiner unhaltbaren Sätze etwas geschrieben werden, aber das würde hier zu weit führen …

Lesen Sie daher bitte selbst dieses neuerliche unterbergerische Genauigkeitsbeispiel und informieren Sie sich gleich anschließend umfassend dazu im Vergleich zum Unterbergerischen, beispielsweise:

Die Wohltätigkeitskonzerne – Wie Kirchen wirtschaften

Dauerskandal Kirchenfinanzen

Wie großzügig Andreas Unterberger mit Zahlen umgeht, darüber wurde auch schon geschrieben:

Andreas Unterberger liest den Freiheitlichen dankend eine Studie

In bezug auf Mißbrauch behauptet Andreas Unterberger, die Republik würde sich um eine Kommission herumdrücken, während die Kirche … Das Land Wien hat eine Kommission eingesetzt und Entschädigungszahlungen beschlossen, das Land Tirol hat eine Kommission …

Was Andreas Unterberger auch verschweigt, ist beispielsweise die zweimalige einhundertprozentige Erhöhung der Kirchensteuerabsetzbarkeit innerhalb kurzer Zeit

Und so weiter und so fort …

Andreas Unterberger an seinem StammtischDa es aber eher unwahrscheinlich ist, Andreas Unterberger zu mehr Genauigkeit noch verpflichten zu können, kann ein weiter Vorschlag unterbreitet werden. Vielleicht finden die „Salzburger Nachrichten“ doch noch einen Publizisten für diese an sich gute Idee der Kolumne „Kontroverse“, bei dem im Gegensatz zu Andreas Unterberger nicht zuerst noch nachgeprüft werden muß, stimmen die Fakten und Daten denn überhaupt, sondern gleich mit Gewißheit der Richtigkeit der Fakten und Daten über die Argumente nachgedacht werden kann. Damit will aber nicht geschrieben werden, die „Salzburger Nachrichten“ sollen Andreas Unterberger abberufen …

A UnterbergerEs könnte mit Andreas Unterberger eine weitere Kolumne geschaffen werden: „Am Stammtisch“. Unter diesem Titel ist dann erstens sogleich klar, auf die am Stammtisch vorgebrachten Daten und Fakten muß nicht geachtet werden, die können in der Regel aufgrund ihrer Falschheit übergangen werden, und zweitens ist es menschgemäß nicht uninteressant zu erfahren, was denkt der gewöhnliche Stammtischler … Anderseits Andreas Unterberger an zwei Stammtischen …

Abermillionen für eine „Volksbefragung“ zur Wehrpflicht – Für No-Na-Ergebnisse und No-Na-Erkenntnisse

Abermillionen für No-NaIn den letzten Tagen wurden über die ersten Zwischenergebnisse der Wehrdienstreform berichtet, die Gerald Klug und Johanna Mikl-Leitner präsentierten … Was aber die christschwarze Ministerin und der sozialdemokratische Minister im Berglerischen vorstellten, sind No-Na-Erkenntnisse und No-Na-Ergebnisse, für die es, daran muß erinnert werden, keine „Volksbefragung“ bedurft hätte …

Eine „Volksbefragung“, deren Durchführung allein schon Abermillionen an Steuergeld verschlang …

Wie viel Geld zusätzlich noch verschleudert wurde, um die Bürger  und Bürgerinnen von der Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Teilnahme an einer derartigen „Volksbefragung“ zu überzeugen, wurde nicht recherchiert …

Wie viel steuergeldfinanzierte Arbeitszeit von nicht nur christschwarzen und sozialdemokratischen Mandataren und Mandatarinnen zusätzlich auch noch für deren Einsatz für diese „Volksbefragung“ verplempert wurde, mag gar nicht …

Das Versetzen eines Koches jetzt als Reform aufwendig zu inszenieren, für das Versetzen eines Kellners ein ganzes Land mittels einer „Volksbefragung“ einen ganzen letzten Winter zu beschäftigen … Für einen Bruchteil dieses Aufwandes, hätte diese rein innerorganisatorische Aufgabe des Bundesheeres bereits vor Jahren oder gar vor Jahrzehnten oder wenigstens im letzten Herbst und im letzten Winter …

Jedenfalls, mit dieser zusätzlich unnötigen Präsentation bestätigen SPÖ und ÖVP noch einmal, auch nachträglich noch einmal eindrücklich, wie unnötig tatsächlich diese „Volksbefragung“ war, wie bedenkenlos sie bereit waren und sind, Steuergeldabermillionen zu verbrennen – für ihre nur in finanzieller Hinsicht nicht billigen parteipolitischen Motive …

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Zur Nachlese:

„Volksbefragung“ 20. Jänner 2013

Helmut Qualtinger liest Jorge Mario Bergoglio: „Das Kreuz läßt nicht mit sich reden.“

In der Sendung „Orientierung“ des österreichischen Rundfunks wurde, wie nachgelesen werden kann, die Frage gestellt, was eine kluge Religionskritik denn sein könneHelmut Qualtinger liest Papst FranziskusUnd Helmut Qualtinger setzt sich einfach, unaufgeregt und bescheiden zur besten Antwort hin, die auf diese aus allzu durchschaubaren Motiven gestellte Frage gegeben werden kann … Er nimmt die Tageszeitung „Die Welt“ vom 16. April 2013 zur Hand, um den von diesem Medium veröffentllichten Auszug aus dem Buch von Jorge Mario Bergoglio vorzulesen … Ohne Einleitungsworte der dazu ohnehin nicht notwendigen Erläuterung beginnt Helmut Qualtinger mit seiner Lesung in seiner alles zur Kenntlichkeit bringenden Art, die er vor langer Zeit bereits einmal mit einem Buch eines anderen Heilsverkünder unter Beweis stellte … Damals allerdings mußte Helmut Qualtinger zum Buch greifen, weil die Zeit vorüber war, daß Zeitungen aus diesem Auszüge veröffentlichten …

Unsere Zugehörigkeit zur Kirche gründet wesentlich genau dort, wo die Kirche entsteht: am Kreuz. Dort wurde das definitive „Ja“ des Gehorsams gesprochen, das den anfänglichen Ungehorsam besiegt, dort wurde die „alte Schlange“ des sündigen Aufbegehrens ein für alle Mal in den Abgrund gestürzt. Dort ist unsere Zugehörigkeit zugleich Kindschaft, weil wir im Sohn Kinder werden.

Und dort steht, aufrecht im Verlust, die Mutter, die uns in diese Kindschaft gebiert. Dasselbe geschieht, wenn wir unser Herz in einer erneuerten Zugehörigkeit zur Kirche verankern wollen. Und weil die Kirche am Kreuz entsteht und im Kreuz gründet, ist auch unser Ankergrund die Teilhabe am Kreuz. In jeder kirchlichen Grundlegung gibt es ein Kreuz. „Die Geburtsstunde der Kirche fällt zusammen mit der Stunde der Totenwache.“

Die Schlacht ist kein Schaukampf

Das Kreuz ist Jesu „letzte Schlacht“: Dort erringt er seinen endgültigen Sieg. Im Licht dieses Gotteskrieges, der am Kreuz entschieden wird, wollen wir uns in die Lehre vom Kampf als dem eigentlichen Sinn unseres dem Herrn hingegebenen Lebens vertiefen. Ohne diese Dimension des Kampfes ist das „Mark“ unseres Christusdienstes nicht zu verstehen. Wir werden in unserer Arbeit als Seelsorger immer versucht sein, den Kampf nicht aufzunehmen oder ihn nur vorzutäuschen oder das „Warum“ oder „Wozu“ wir kämpfen müssen durcheinanderzubringen, das „Wann“ oder das „Wie“.

Wie viele Männer und Frauen sind in ihrem pastoralen Wirken in die Irre gegangen, weil sie nicht „nach der Art Gottes“ zu kämpfen verstanden! Wie viele haben die Schlacht mit einem Schaukampf verwechselt! Und wie viele haben im Staub des Alltags den Feind nicht erkannt und sich am Ende gegenseitig verletzt! Andere haben aus Angst vor dem Kampf einen falschen Frieden gesucht und ihr Leben mit einer ebenso unfruchtbaren wie wirkungslosen Harmoniesucht vergeudet.

Die kämpferische Dimension unseres Lebens

Bitten wir den Herrn heute um die Gnade, zu verinnerlichen, dass der Sinn unseres apostolischen Lebens im Kampf besteht; eine Gnade, die uns davor bewahren möge, wie törichte Kinder „Frieden zu spielen“ und „mit dem Krieg zu spielen“.

Um die kämpferische Dimension unseres apostolischen Lebens zu begreifen, müssen wir zunächst anerkennen, dass, wenn wir Gott dienen wollen, in unserem Herzen zwangsläufig ein Kampf stattfinden wird: das Ringen um das Kreuz als die einzige theologische Siegesstätte. Dieser Kampf setzt Urteilsvermögen und die großzügige Bereitschaft voraus, die schwerste und unangenehmste Arbeit auf sich zu nehmen.

Wer diesen Weg geht, den führt er wie unseren Herrn nach Jerusalem. Jesus selbst weist uns darauf hin, dass der christliche Modus Vivendi eine gewisse Feindseligkeit erntet (zumal für einen Mann oder eine Frau, die dem Herrn aus noch größerer Nähe nachfolgen will): Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.

Kein idyllisches Hirtenleben

Wer sein Leben gefunden hat, der wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden (Mt 10,37–39). Hinter der Nachfolge Jesu steht die Entscheidung, seinen Weg zu gehen, der unweigerlich ans Kreuz führt. Das ist etwas völlig anderes als die Zugeständnisse eines geteilten Herzens, das von einer friedlichen Koexistenz zwischen dem Herrn der Herrlichkeit und dem Geist dieser Welt träumt!

Die Feindseligkeit, unter der jeder zu leiden hat, der sich entschließt, den Weg Christi, unseres Herrn, zu gehen, bricht sich in den verschiedenen Arten der Verfolgung Bahn, die wir erleben werden. Der christliche Dienst fegt, wenn er authentisch ist, sämtliche nostalgischen Vorstellungen von einem idyllischen Hirtenleben zur Seite. Ich erlaube mir, den heiligen Ignatius zu zitieren: „Dass man Schwierigkeiten hat, ist nichts Neues, sondern im Gegenteil in den Dingen, die für Gottes Dienst und Ehre von großer Wichtigkeit sind, etwas ganz Alltägliches …“

„Die Widersprüche, die es gegeben hat und noch immer gibt, sind für uns nichts Neues; im Gegenteil, unsere andernorts gemachten Erfahrungen lehren uns, dass, je mehr wir darauf hoffen, dass Christus unserem Herrn in dieser Stadt besser gedient werde, der Feind, der seinen Dienst immer zu behindern sucht, uns desto mehr Hindernisse in den Weg stellen wird, und zu diesem Zweck bewegt er die einen und die anderen, nämlich dazu, in gutem Glauben, aber schlecht informiert das zu verwerfen, was sie, weil sie es nicht verstehen, für verwerflich halten.“

Verfolgung als Normalzustand

Zuweilen gehen solche Schwierigkeiten über ein bloßes „Hindernis“ hinaus und wachsen sich zu einer echten Verfolgung aus: Die Verfolgung ist ein Normalzustand im Leben eines Christen; er muss sie mit der Demut des unnützen Dieners leben und darf sie sich nicht als Verdienst anrechnen, denn das wäre vermessen.

Die frühen Christen haben, was ihre Interpretation der Verfolgung betrifft, eine Läuterung durchgemacht. In einer ersten Phase stellten sie die Verfolgungen, die sie mit dem Ausschluss aus den jüdischen Synagogen trafen, in eine Reihe mit den Sanktionen, die die Boten des Herrn auch in früheren Zeiten erfahren mussten (Mt 23,29–36; Apg 7,51f).

Später verortete man die Christenverfolgung dann in einem eschatologischen Kontext und gab ihr damit eine Bedeutung, die sie zuvor nicht besessen hatte: Sie macht das Maß voll (1 Thess 2,15f), und das just in dem Augenblick, da der Menschensohn als Richter kommt, um die Guten von den Ruchlosen zu scheiden (vgl. Mt 5,10–12). Die Verfolger richten sich mit ihren Werken selbst.

Der Tod hat nicht das letzte Wort

In einer dritten Phase entwickelte sich das Denken weiter: Die Verfolgten werden dazu aufgerufen, „um des Menschensohnes willen“ (Lk 6,22; vgl. Mk 8,35; 13,8–13; Mt 10,39) zu leiden und zu sterben und, mehr noch, ihm auf seinem Leidensweg nachzufolgen (vgl. Mt 10,22–23; Mk 10,38). Dieser letztgenannten Vorstellung entspricht das Martyrium des Stephanus, das wir heute im Laufe des Tages in einem ruhigen Moment noch einmal lesen sollten (Apg 6,8–7,60).

Stephanus stirbt nicht nur für Christus, sondern wie Christus und mit Christus, und diese Teilhabe am Mysterium des Leidens Jesu Christi trägt den Glauben des Märtyrers: Mit einem solchen Tod verkündet er auf seine Weise, dass der Tod im Leben Jesu nicht das letzte Wort gehabt hat. Auch wir lernen im Lauf unseres Erdenlebens diese drei Arten kennen, mit Schwierigkeit und Verfolgung umzugehen.

Wenn wir die dritte Stufe erreicht haben, sind wir Christus am nächsten. Deshalb ist der Tod Christi gleichsam das grundlegende „A priori“ jeder christlichen Einstellung: Denn die Liebe Christi drängt uns, wenn wir dies bedenken: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Und zwar ist er für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferweckt worden ist (2 Kor 5,14–15).

Danksagung mit dem eigenen Leben

Wenn wir Christus am Kreuz betrachten, wird uns bewusst, dass wir ihm unser Leben verdanken, weil – und nur deshalb! – er das seine für das unsere hingegeben hat. Und die Dankbarkeit wird uns, wenn sie echt ist, ebendort verorten: in der Hingabe des Lebens nach dem Beispiel unseres Herrn. Genau an diesem Punkt lösen sich alle „behavioristischen“ Erklärungsversuche der christlichen Haltung und Lebensweise in nichts auf.

Auf die Großzügigkeit Christi kann man nicht mit einem konventionellen und wohlerzogenen „Vielen Dank!“ antworten: Die einzige Antwort, die man geben kann, ist das eigene Leben, und diese Antwort wird gegeben, seit der Herr uns in seiner Einsamkeit am Kreuz den Weg gezeigt hat. Bei dieser Antwort müssen wir, muss unser ganzes Wesen Dankbarkeit sein.

Diese „Danksagung“ mit dem eigenen Leben wird Tag für Tag Gegenwart in der „Danksagung“ schlechthin: der Eucharistie, die zugleich Gedächtnis des Herrnleidens ist. Die Eucharistie legt den Grund der Kirche, nährt sie und erhält sie am Leben. Denn sooft wir von diesem Brot essen und aus dem Becher trinken, verkünden wir den Tod des Herrn, bis er kommt (vgl. 1 Kor 11,26). In der Feier der Eucharistie wird die Geburtsstunde der Kirche gegenwärtig, die mit der Todesstunde des Herrn zusammenfällt. Und unsere Art, Dank zu sagen, besteht darin, diesen Tod anzunehmen, uns ihm anzugleichen. Hier wurzelt die tiefste Wesensform unserer Zugehörigkeit zur Kirche.

Wenn das Weizenkorn nicht stirbt, bleibt es allein

Andererseits ist der Tod Christi der Beginn der wahren Herrlichkeit. Musste nicht der Messias alles dies erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen (Lk 24,26)? Die Herrlichkeit, die Stephanus vor seinem Tod erblickte (Apg 7,55), die uns verheißen ist und mit der verglichen das, was wir in diesem Leben erleiden, jede Bedeutung verliert (vgl. Röm 8,18). Es ist die Herrlichkeit, die Jesus ersehnte und um die er den Vater mit diesen Worten bat: Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst (Joh 17,5).

Die Herrlichkeit Jesu ist die Stunde seines Kreuzes: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird … Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht (Joh 12,23–24); und damit wirklich niemand mehr daran zweifeln kann, dass zwischen dieser Herrlichkeit und dem Verlust des Lebens ein Zusammenhang besteht, fährt der Herr fort: Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt hasst, wird es für das ewige Leben bewahren.

Das Kreuz war die Herrlichkeit Jesu

Die Apostel begriffen, dass die Herrlichkeit Jesu sein Kreuz war … allerdings erst später …, deshalb schreibt Johannes über die Jünger: Als Jesus verherrlicht war, erinnerten sie sich, dass dies über ihn geschrieben war und man es so für ihn ausgeführt hatte (Joh 12,16). Der heilige Paulus wird diese Herrlichkeit des Kreuzes ohne Umschweife zum Ruhm seines Lebens machen: Ich aber will mich nicht rühmen, außer im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt (Gal 6,14).

Sich im Kreuz Jesu Christi rühmen, sich des Herrn rühmen (2 Kor 10,17) ist Lobpreis und zugleich die beste Verteidigung gegen die Feinde des Kreuzes Christi, gegen die Klugheit dieser Welt, gegen die, die in eigener Verantwortung sprechen und ihre eigene Ehre suchen (Joh 7,18), die Ehre voneinander annehmen (Joh 5,44) und das Ansehen bei den Menschen mehr lieben als das Ansehen bei Gott (Joh 12,43). Der Herr sagt selbst, dass ihm an dieser menschlichen Ehre nichts liegt: Ehre von Menschen nehme ich nicht an (Joh 5,41).

Diese so unendlich wichtige Zustimmung zum Kreuz wird in letzter Instanz das Kriterium sein, das darüber entscheidet, ob wir unserem Meister wirklich treu nachgefolgt sind. Die christliche kaúchesis, das „Sich-Rühmen“ im Herrn, wird, gerade weil sie über das Kreuz führt und sich ganz an diesem ausrichtet, von jeglicher Eitelkeit geläutert – denn sie ist keine eitle Ruhmsucht – und findet ihre Mitte im allerreinsten Ursprung ihres Urhebers, den sie gerne den Herrn der Herrlichkeit nennt (1 Kor 2,8).

Das Gedenken an das Kreuz kann trösten

Sich im Kreuz des Herrn zu rühmen setzt ein lebendiges und immerwährendes Gedenken an das Kreuz voraus. Denk an unseren Herrn Jesus Christus (vgl. 2 Tim 2,8), diesen Rat werden die Jünger lieb gewinnen, und der Herr selbst sagt ihnen, nachdem er ihnen sein Kreuz angekündigt hat: Schon jetzt habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt (Joh 14,29). Das Gedenken an das Kreuz des Herrn tröstet und bestärkt uns im Frieden und im Dienst an Gott.

Dieser Herrlichkeit des Herrn zu gedenken und sich darin zu rühmen setzt nicht nur voraus, dass wir alle eitlen und nichtigen Herrlichkeiten vergessen, sondern auch, dass wir aus dieser tröstenden Erinnerung Kraft schöpfen für den Augenblick, da meine grundsätzliche Zustimmung zum Kreuz sich in der Prüfung bewähren muss …

Das Gedenken an das Kreuz ist sozusagen der Schauplatz des christlichen Daseins. Abseits dieses Schauplatzes werden wir weder was die Ausübung unseres Dienstes noch was unsere pastoralen Methoden betrifft, die richtigen Entscheidungen treffen: Wir laufen Gefahr, Lösungswege zu suchen, auf denen wir das Kreuz umgehen können. Dann führen wir eines dieser lauen Leben (sind „nicht Fisch und nicht Fleisch“) oder werden einer dieser Seelsorger, deren Tun weder menschlich noch göttlich grundgelegt ist.

Bereit sein, verlassen zu werden

Wenn wir uns dagegen für den Weg Jesu entscheiden, müssen wir uns ganz auf den Vater verlassen und bereit sein, vom Vater verlassen zu werden. Das Bewusstsein der rückhaltlosen Hingabe an den Vater und das Gefühl, vom Vater verlassen zu sein, das jedes Kreuz mit sich bringt, verweisen auf den eschatologischen Charakter dieses „Ecksteins“ unseres christlichen Lebens.

Wir müssen am Kreuz alles verlieren, um alles zu gewinnen. Wer das Kreuz nimmt, verkauft alles, um die eine kostbare Perle oder den Acker zu kaufen, in dem der Schatz vergraben ist. Alles verlieren: Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden (Mt 16,25; Mk 8,34f; Lk 17,33). Wir verlieren alles, um das neue Leben zu suchen; ein neues Dasein wird uns geschenkt werden, doch zuvor müssen wir alles verlieren.

Das Kreuz lässt nicht mit sich reden

Hier gelten keine Klauseln oder Rückversicherungen wie die, zu denen Hananias und Saphira ihre Zuflucht nahmen (Apg 5,1–11): Niemand zwingt uns. Wir sind eingeladen. Doch bei dieser Einladung geht es um „alles oder nichts“: keinen Schlafplatz sein Eigen zu nennen, obwohl selbst die Füchse ihre Höhlen haben; die Toten ihre Toten begraben zu lassen; und sich tagtäglich neu bewusst zu machen, dass es nicht der Herrlichkeit des Herrn entspricht, wenn wir die Hand an den Pflug legen und zurückblicken (vgl. Lk 9,57–62).

Das Kreuz ist das Zeichen für den Kampf, der der Sinn unseres Daseins ist. Mit dem Kreuz verhandelt man nicht, das Kreuz lässt nicht mit sich reden: Man umarmt es oder man weist es zurück. Wenn wir es zurückweisen, dann haben wir unser Leben selbst in der Hand, dann bleibt es eingezwängt in die Enge unseres kleinlichen Horizonts.

Wenn wir uns aber entscheiden, das Kreuz zu umarmen, verlieren wir noch im selben Moment unser Leben, wir lassen es los und geben es hinein in die Hände Gottes, in die Zeit Gottes, und wir werden es zurückerhalten, aber auf andere Weise.

Freiheitlicher ZZler führt neuen Begriff für nationalistische Totalmassenmorddiktatur des Deutschen Reiches ein: „Später“

Aktuell wird Freiheitlichen ihre Liebe und ihre Tradition zu alten Wörtern vorgehalten, wobei aber nicht gewürdigt wird, daß sie auch imstande und recht aufgeschlossen sind, neue Begrifflichkeiten zu schaffen, wie etwa Helge Morgengrauen in der Ausgabe Nr. 15/2013 der freiheitlichen ZZ, der für die Zeit der nationalistischen Massenmordtotaldiktatur des Deutschen Reiches einen neuen geschichtlichen Terminus kreiert: „Später“ …

Freiheitliche Geschichtsschreibung - Später und Früher„Später“ schrieb Erwin H. Rainalter für den „Berliner Lokal-Anzeiger“ und „später“ war Erwin H. Rainalter auch „zeitweise“ Chefredakteur des „Neuen Wiener Tagblattes“ … „Später“ schrieb Erwin H. Rainalter – darüber allerdings informiert der freiheitliche ZZler nicht – auch für den „Völkischen Beobachter“. Und früher, um in der geschichtlichen Einteilung von Helge Morgengrauen zu bleiben, gehörte er, worüber Helge Morgengrauen ebenfalls vornehm treu schweigt, zu den Mitbegründern des nationalsozialistischen Rings nationaler Schriftsteller … Nach Jahreszahlen ist „Später“ und Früher eingespannt zwischen 1933 und 1939 … Geschichten von später und heute hätte Erwin H. Rainalter sein 1943 in Berlin veröffentlichtes Buch auch benennen können, wäre damals schon die morgengrauensche geschichtliche Zeitbestimmung bekanntgewesen … Erwin H. Rainalter blieb ohne die freiheitliche Zeitrechnung aber nichts anderes über, als zu einem traditionellen Titel zu flüchten: „Geschichten von gestern und heute“ …

Um eine Empfehlung zur Wiederlesung durchzubringen, ist also höchste Kreativität gefragt, die ein freiheitlicher ZZler wieder einmal unter Beweis stellt …

NS Da in dieser Ausgabe der freiheitlichen ZZ auch Dr. Martin Graf wieder einmal schreibt, fällt noch ein, daß es morgen zwei Jahre gewesen sein werden, daß mit der Langzeitumfrage, würden Sie einen wie Martin Graf beispielsweise zum Dritten Nationalratspräsidenten wählen, gestartet wurde … Je näher das Ende seiner Amtszeit rückt, desto weniger kann auch dieser Freiheitliche überzeugen, je ein Wählbarer gewesen zu sein, je ein Wählbarer zu werden … Auch an dieser Umfrage teilzunehmen, sind Sie weiter herzlich eingeladen, denken Sie bei einer Teilnahme aber schon an den nächsten Freiheitlichen, etwa an Norbert Hofer, den derzeit etwa Barbara Prammer für einen Wählbaren hält …

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Zur Nachlese, eine Auswahl:

„Später“ und früher – Von der Treue zu den Schriftstellern

„Umvolkung“

„Ring“

Vom präpotenten Anspruch, Kritik an Religionen müsse klüger sein als diese selbst

Seit gesten gibt es in Österreich die Möglichkeit, ein Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien zu unterschreiben. Und das wird breit diskutiert, es werden viele Argumente dafür und viele Argumente dagegen vorgebracht. Die  gegen dieses Volksbgehren argumentieren, müssen allerdings mehr und mehr in das Theoretische ausweichen, müssen mehr und mehr in die Spekulation über ein sogenanntes Höchstes gehen, die Wirklichkeit und die Praxis also meiden …

Das ist verständlich und nachvollziehbar …

Wer will ihnen das Übel nehmen, wer will ihnen das vorhalten, zu versuchen, Bürger und Bürgerinnen davon abzuhalten, dieses Volksbegehren zu unterzeichnen?

Niemand.

Kluge Religionskritik trotz dieser Organisierten Glauben

Verurteilung von Gerhard Haderer in 2005, Verurteilung von Fazil Say am 15. April 2013 …

Ebenso aber darf nicht darauf verzichtet werden, ihnen zu antworten. Mehr noch. Es muß ihnen geantwortet werden. Noch mehr. Es muß ihnen erklärt werden, die mit Transzendenz tapezierte Nebelwand mit dem Spiritualitätsvorhang vor dem Fenster will ihnen niemand abtragen, sondern daß es nur um eines geht, um die Praxis der Organisierten Glauben in der Wirklichkeit, darum also, daß die Zeit der Allüberstelllung und der Eigenzuschreibung der Allüberlegenheit der Organisierten Glauben endlich endgültig vorbei sein muß. Und es muß dazu gesagt werden, daß das Antworten nicht verwechselt werden darf mit einem Aufruf, dieses Volksbegehren zu unterschreiben, auch wenn ohne viel Aufheben zugegeben werden kann, wer dieses Volksbegehren auf das Eigentliche, auf die Praxis, auf das Wirkliche zurückführt, also auf das, worum es tatsächlich geht, wird nicht umhin kommen, es zu unterschreiben: beispielsweise mit Blick auf die überreichlichen gesetzlichen Sonderstellungen der Organiserten Glauben, beispielsweise mit der nach wie vor praktizierten Herabwürdigung des Menschen durch Organisierte Glauben …

Diese Herabwürdigung ist auch dem präpotenten Anspruch eingeschrieben, Kritik an Religionen müsse klüger sein, als diese es selbst sind …

Zwei aktuelle Beispiele dafür …

Es wurde zwar bereits gestern über den Zitatesammler Rudolf Langthaler erschöpfend geschrieben, aber eine Erwähnung noch soll er finden. Rudolf Langthaler erneuert mit Immanuel Kant „die Hoffnung

eines künftigen Lebens, und das Dasein Gottes wegdemonstriert haben solle, so bin ich begierig, das Buch zu lesen, denn ich erwarte von seinem Talent, daß er meine Einsichten weiterbringen werde. Das weiß ich schon zum voraus völlig gewiß, daß er nichts von allem diesem wird geleistet haben[.]

In der Sendung „Orientierung“ des österreichischen Rundfunks vom 14. Februar 2013 wird die Frage gestellt: „Was ist kluge Religionskritik?“ Wer diesen Beitrag sich ansieht, wird nicht umhin kommen, zu sagen, es ist Propaganda, konkret eine Propaganda für den Organisierten Glauben des römisch-katholischen Kleinststaates in einem Grätzel von Rom … Es wird etwa der Ausspruch von Juri Gagarin, er habe Gott im Weltraum nicht gesehen, als Beispiel für dumme Religionskritik gebracht. Zum einen ist ein solcher Ausspruch nicht als Religionskritik zu werten, zum anderen ist dieser Ausspruch aber als Spruch ein den religiösen Sprüchen vollkommen gleichwertiger … Ach, was haben Religionen nicht schon für Sprüche als unfehlbare Lehrsätze festgeschrieben und diese werden heutzutage noch in den Messen der Organisierten Glauben auswendig vorgetragen. Ein Gagarin heute würde nach der letzten Papstwahl vor einigen Wochen vielleicht noch hinzugefügt haben: auch den Teufel nicht … Es könnte auch vieles zu dem von Franz Schuh in diesem propagandistischen Beitrag Geäußerten geschrieben werden; aber wer will und wer wird Franz Schuh schon leugnen können, was er glaubt denken zu müssen …

Es reicht zu diesen beiden aktuellen Beispielen aber eigentlich völlig die Antwort, eine kluge Religionskritik kann es im Grunde nur geben, eine solche kann nur gefordert werden, wenn es kluge Religionen gibt. Wobei die Antwort auf die Frage längst überfällig ist, wie konnte es je und wie es kann nach wie vor eine dermaßen mannigfaltige kluge Religionskritik geben, ist doch ihr Gegenstand einer, vom dem nicht gesagt werden kann, für diesen wurde das Werkzeug der Vernunft je entwickelt …

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Zur Nachlese, eine Auswahl:

Die Helfer der Organisierten Glauben – Teil 2

Die Helfer der Organisierten Glauben – Teil 1

Jorge Mario Bergoglio

ORF und Religion

Diakonie hatte eine Erscheinung – Jungweib Maria mit dem Verbotsgesetz

Christoph Schönborn: „Ich protestiere gegen Gerhard Haderer“

Den Milden ihren Glauben – den Glauben ihre Endlösungen

Geltendes Regelwerk des Kleinststaates in einem Grätzel von Rom

Christen haben das eigene Vaterland aber wie Fremde zu bewohnen

Evangelium – Weisung zur Nichtbefolgung staatlicher Vorschriften

Die Helfer der Organisierten Glauben – Teil 2

Rudolf Langthaler muß beim 21. Jahrhundert vorbei, nicht genug, auch beim 20. Jahrhundert muß Rudolf Langthaler schnell vorbei, um nach einer langen langen Tunnelfahrt ohne die geringste Beachtung der zahlreichen Hinweisschilder zu den Abfahrten in diese zwei Jahrhunderte endlich im 19. Jahrhundert und im 18. Jahrhundert anzukommen, in denen er die Zitate vermeint zu finden, mit denen es ihm möglich sein wird, einen Artikel mit der Überschrift „Die Religionsverächter“ zu schreiben … Und dann schreibt Rudolf Langthaler diesen Artikel. Aber was für einen Artikel! Einen Artikel, dessen Schlagzeile einer Ergänzung würdig ist:

Die Religionsverächter – Eine Themaverfehlung

Dieser langthalerische Artikel ist ein Beitrag in der aktuellen Debatte um das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien, das ab heute unterschrieben werden kann, und eben als Beitrag zu diesem Volksbegehren ein verfehlter … Denn es geht bei diesem Volksbegehren nicht um Theorie, nicht um Aufklärung, es geht um die Praxis, es geht um die vielen besonderen Erwähnungen der sogenannten anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften in österreichischen Gesetzen, es geht um die vielen den Organisierten Glauben eingeräumten gesetzlichen Sonderstellungen … Möglicherweise wäre ein Volksbegehren in bezug auf diese gesetzlichen Sonderstellungen gar nicht notwendig und es reichte aus, alle diese gesetzlichen Sonderstellungen dem österreichischen Verfassungsgerichtshof zur Prüfung vorzulegen … Wie viele von den gesetzlichen Sonderstellungen würden vor dem Verfassungsgerichtshof bestehen können? Aber dieses Volksbegehren geht noch über diese gesetzlichen Sonderstellungen hinaus, die ebenfalls nichts mit Aufklärung, mit Theorie zu tun haben, sondern mit Praxis, beispielsweise auch mit verbrecherischen Praktiken, mögen von diesen auch viele unter die gesetzliche Verjährung fallen …

Mit diesem Absatz ist der langthalerische Beitrag zur aktuellen Debatte um das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien vollständig als das erklärt, was er ist, eine Themaverfehlung.

Rudolf Langthaler - Zitate und deren VerfügbarkeitAber Rudolf Langthaler hat mit seiner Themaverfehlung dermaßen für Heiterkeit gesorgt, daß er sich ein Leckerli verdient hat …

Die Heiterkeit bei dieser Themaverfehlung setzt bereits mit dem ersten Absatz ein, in dem Rudolf Langthaler davon schreibt, daß Mangel an Bildung für verschiedene Formen des Aberglaubens … Was für ein Mangel an Bildung muß geherrscht haben, an den Höfen, in der päpstlichen Kurie, unter den Kardinälen und Päpsten, die sich beispielsweise astrologisch …

Noch erheiternder sind die vielen vielen Zitate, die Rudolf Langthaler in seinen Schaukasten der Bildung legt, um was mit diesen belegen zu können, um was mit diesen beweisen zu wollen … Nur eines, Zitate sind wie Statistiken, denen nur vertrauen kann, wer sie selbst erstellt hat –, im Falle von Zitaten muß, um genau zu sein, geschrieben werden, zu jedem Zitat läßt sich ein gegensätzliches Zitat finden, zu jedem Zitat einer bestimmten Person läßt sich ein anderes Zitat sogar von ebendieser Person finden … Die Frage nach der Bonität des Zitatenzusammenstellers ist nicht nur dadurch beantwortet, daß er bis ins 18. und ins 19. Jahrhundert muß, um Zitate zu finden, von denen er meint, sie dienen seinem Zweck am besten, sondern die von Rudolf Langthaler Zitierten beantworten selbst zusätzlich die Frage nach der Kreditwürdigkeit von Rudolf Langthaler endgültig, und sie stellen damit den „Religionsverächtern“ und den Religionsverächterinnen kein schlechtes Zeugnis aus …

Die Forderung und die Praxis von Organisierten Glauben ist nach wie vor der unbedingte Gehorsam … Es ist bereits Jahrzehnte her, daß sich einer auf Immanuel Kant berief, es war Adolf Eichmann, der aber hier nur aus einem Grund erwähnt wird, weil er die Bedenken von Miguel de Unamuno gegen Kant nachträglich bestätigte, der bereits 1916 schrieb:

War es denn nicht Kant, der mit dem ewigen Frieden, der da sagte, wenn die Menschheit als Ganzes im Begriffe wäre unterzugehen und es gäbe einen vom Gericht zum Tode Verurteilten, so müßte man ihn noch vor dem allgemeinen Untergang hinrichten? Ja, so sprach der gestrenge Mann, der kein Mitleid kannte. Und dann gab es Schüler von ihm, die sogar vom Recht auf Strafe sprachen.

Einem Religionsverächter oder einer Religionsverächterin könnte bei den von Rudolf Langthaler Genannten einfallen, hinkünftig genau von diesen Zitate anzuführen, etwa von Georg Christoph Lichtenberg:

Daß ich etwas, ehe ich es glaube, erst durch meine Vernunft laufen lasse, ist mir nicht ein Haar wunderbarer, als daß ich erst etwas im Vorhof meiner Kehle kaue, ehe ich es hinunterschlucke. Es ist sonderbar, so etwas zu sagen, und für unsere Zeiten zu hell, aber ich fürchte, es ist für zweihundert Jahre von hier ab gerechnet zu dunkel.

Ist es nicht sonderbar, daß jedermann sein eigener Arzt, auch sein eigener Advokat sein darf, sobald er aber sein eigener Priester sein will, so schreit man Jammer und Weh über ihn, und die Götter der Erde mischen sich darein.

[M]ischt sich doch offenbar eine große Menge von frommem, unphilosohischem Unsinn. Der Auswurf, was muß das für ein Wesen sein, das das alles gemacht hat! ist doch nicht viel besser als der, was mag das für ein Bergwerk sein, in welchem der Mond ist gefunden worden.

Vielleicht begeht oft ein katholischer Beichtvater größere Sünden im Beichtstuhle als er zu vergeben hat.

Und ebenfalls von Jean Paul, der über das Treiben in den sakralen Bauten beispielsweise nicht erst bei Karl-Heinz Deschner nachlesen mußte:

Die Missionare fischen lieber Perlen als Menschen.

Die Theologie gestattet der Vernunft nur Fastenspeisen.

Der „Weg zum Himmel“, bei dem „die neuen Teologen“, wie Jean Paul noch zu beobachten imstande war, „eine Wegreparatur vorgenommen“ haben,  ist wieder sehr sanierungsbedürftig –, das aber sieht Rudolf Langthaler vor angestrengter Suche nach den „geistigen Wegbereitern“ der Religonsverächter und Religionsverächterinnen nicht, und, seine Suche bleibt auch eine erfolglose, vor allem deshalb, weil keine „geistigen Wegbereiter“ nötig sind, um beispielsweise das Gerechtfertigte von gesetzlichen Sonderstellungen der Organisierten Glauben in einem Volksbegehren abzufragen … Ein Nein auf die Frage von Lichtenberg, ob geglaubt werde, daß Schlehenhecken Orangen getragen haben, kann als Antwort darauf auch von einem Rudolf Langthaler vermutet werden, ebenso ein sein Ja auf die unmittelbar darauf von Lichtenberg gestellte Frage, ob geglaubt werde, daß es Menschen gab, die Gottes Sohn waren … Womit die „geistigen Webgereiter“ von (auch) Rudolf Langthaler identifiziert sind, jedoch die Wege, die sie bereitet haben, waren von Beginn an mangelhaft, nur, wenn überhaupt, stolpernd, auf allen Vieren und letztlich immer nur auf den Knien …

Zitate, Zitate, Zitate – die Worte, die Worte, die Worte … Womit W. C. Williams die Freundlichkeit besitzt, mit seinem Titel eines Gedichtbandes zum auch von Rudolf Langthaler genannten Gottfried Keller zu kommen, um mit einem seinem Gedicht zu schließen, das hier nicht einfach als ein weiteres Zitat …

Ich hab in kalten Wintertagen

Ich hab in kalten Wintertagen,
In dunkler, hoffnungsarmer Zeit
Ganz aus dem Sinne dich geschlagen,
O Trugbild der Unsterblichkeit.

Nun, da der Sommer glüht und glänzet,
Nun seh ich, daß ich wohlgetan!
Aufs neu hab ich das Haupt bekränzet,
Im Grabe aber ruht der Wahn.

Ich fahre auf dem klaren Strome,
Er rinnt mir kühlend durch die Hand,
Ich schau hinauf zum blauen Dome
Und such – kein beßres Vaterland.

Nun erst versteh ich, die da blühet,
O Lilie, deinen stillen Gruß:
Ich weiß, wie sehr das Herz auch glühet,
Daß ich wie du vergehen muß!

Seid mir gegrüßt, ihr holden Rosen,
In eures Dasein flücht’gem Glück!
Ich wende mich vom Schrankenlosen
Zu eurer Anmut froh zurück!

Zu glühn, zu blühn und ganz zu leben,
Das lehret euer Duft und Schein,
Und willig dann sich hinzugeben
Dem ewigen Nimmerwiedersein!

PS Für einen Moment war daran gedacht, auch den Beitrag von Norbert Leser in der Tageszeitung „Die Presse“ mit der Schlagzeile „Bruno Kreisky, Franz Olah und die heutigen Religionshasser“ -, aber es setzte sich doch raschest die Überzeugung durch, zu Norbert Leser nicht mehr schreiben zu wollen, als bereits geschrieben wurde: Diskursniveau von Norbert Leser jenes von Karl Tropper?

Platz für das Zitate-Spiel: „Du sagst eines, ich sage eines, er sie es sagt eines, wir ihr sie sagen eines“:

Keine Prüfung der Aufnahme von Datenverarbeitungen durch Kirchen und Religionsgesellschaften

Es wollte eigentlich nur die Information unkommentiert veröffentlicht werden, wie es um das Verfahren zur Vorratsdatenspeicherung aktuell bestellt ist …

Jedoch ganz unkommentiert ist dies nicht möglich. Auch wenn es nicht unmittelbar etwas mit den Vorratsdaten zu tun hat, so doch mit der Möglichkeit, ab 15. April 2013 das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien zu unterschreiben, also mit der aktuellen und breiten Debatte darüber, wie sehr in Österreich den sogenannten anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften besondere Stellungen in den Gesetzen eingeräumt werden …

Datenschutzgesetz - Besondere Bestimmungen für Religionsgesellschaften

„Meldepflichtige Datenanwendungen, die weder einer […] entsprechen, noch innere Angelegenheiten der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften […]“

Es war nicht die Absicht, nach weiteren besonderen gesetzlichen Erwähnungen und Stellungen der Religionsgesellschaften zu suchen, sondern ein Zufall, oder, wird an die Fülle der gesetzlichen Erwähnungen gedacht, ein nicht zu entgehender Zufall … Es war nicht die Neugier in bezug auf Religionsgesellschaften, sondern die Neugier darauf, ob der Zugriff auf Vorratsdaten durch das Bundesheer inzwischen aus dem Ministerialentwurf wie angekündigt tatsächlich entfernt wurde, verleitete dazu, auch einen Blick in das Datenschutzgesetz zu werfen, weil in der neuen Vorlage die Beschwerdemöglichkeit wegen Verletzung datenschutzrechtlicher Bestimmungen statt an das Bundesverwaltungsgericht nun an die Datenschutzbehörde zu erheben ist …

Und kaum war das Datenschutzgesetz aufgeschlagen, mußte über Religionsgesellschaften auch in diesem Gesetz gelesen werden … Im gültigen Datenschutzgesetz wird Religionsgesellschaften eine rechtliche Bevorzugung eingeräumt, an der auch durch die aktuell geplante Novelle nichts geändert werden will …

Um aber die aktuellen Informationen über die Vorratsdatenspeicherung nicht weiter zu verzögern, lediglich noch der Hinweis, daß die entsprechende Passage aus dem Datengeschutzgesetz zur werten Lektüre auf die carte postale geklebt wurde.

AKVorrat übermittelt Stellungnahme im Verfahren beim EuGH zur Vorratsdatenspeicherung

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat im Dezember 2012 dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) die Frage der Vereinbarkeit der Vorratsdatenspeicherung (VDS) mit der EU Grundrechte-Charta (GRC) vorgelegt. Im Ausgangsverfahren haben insgesamt 11.139 Personen, organisiert durch denAKVorrat.at, im Juni 2012 beim VfGH einen Antrag zur Aufhebung der VDS eingebracht (www.verfassungsklage.at). Nun hat der AKVorrat.at im Namen der AntragstellerInnen fristgerecht bis zum 10. April 2013 eine Stellungnahme beim EuGH in Luxemburg vorgelegt. Der Schriftsatz steht unter http://unurl.org/AKVorratEuGH zum Download bereit.

Die Stellungnahme bringt auf 21 Seiten pointiert die Argumente vor, warum die Garantien der EU Grundrechte-Charta durch die VDS im Sinne der Richtlinie 2006/24/EG verletzt werden. Im Wesentlichen orientiert sich der Schriftsatz am Vorbringen im Antrag an den VfGH, allerdings reduziert auf die rein EU-rechtliche Dimension, da die spezifisch österreichischen Aspekte bei den vorgelegten Fragen keine Rolle spielen. Der Schriftsatz steht unter www.akvorrat.at sowie www.verfassungsklage.at zum Download bereit.

Nun liegt die Hoffnung beim EuGH, der mit Wirksamkeit für die gesamte EU klarstellen kann, dass die Vorratsdatenspeicherung den Grundrechten und Grundwerten Europas widerspricht und daher aufzuheben ist. Bis zu einer Entscheidung wird es aber wohl noch zumindest ein Jahr dauern. Die primäre Verantwortung liegt bei den demokratisch gewählten Volksvertretern. Säumig bleibt die Politik aber mit der längst versprochenen Überarbeitung der VDS-Richtlinie. Man will angeblich erst den Ausgang der aktuellen Reform des Datenschutzrechts auf EU-Ebene abwarten. BürgerInnenbeteiligung ist auch hier gefragt – siehe dazu die Initiative https://wirwollendatenschutz.at/.

Die beste Überarbeitung der VDS-Richtlinie wäre jedenfalls deren Abschaffung! Der AKVorrat.at wird daher seine Aufklärungsarbeit fortsetzen. Schließlich sollten die Grundsätze der Freiheit und Rechtsstaatlichkeit vor allem von einer mündigen Zivilgesellschaft getragen werden und nicht nur davon abhängen, dass einige Richterinnen und Richter alleine einer überschießenden Politik der Sicherheit Grenzen ziehen müssen.

Weitere Informationen:
www.akvorrat.at
www.zeichnemit.at
www.verfassungsklage.at
http://unurl.org/AKVorratEuGH
https://wirwollendatenschutz.at/