Ausverkauft ist die Wahrheit.

Die Wahrheit ist den Menschen lächerlichWie wird doch bei jeder Gelegenheit noch immer der Satz von Ingeborg Bachmann gespielt, daß die Wahrheit den Menschen zumutbar sei, während in Wahrheit die Wahrheit den Menschen lächerlich ist.

Dieser Satz von Herman Melville über die Wahrheit, die den Menschen lächerlich ist, ist einer, der in allen Zeiten ein wahrer ist. So absolut erfahrbar wahr ist der Satz von der Wahrheit, die den Menschen lächerlich ist, aber jetzt, in dieser Zeit des SM-Hochrausches, der alle nur noch lallen läßt: Lüge, Lüge, Lüge — — als ob die Wahrheit allen ein Anliegen wäre, als ob die Wahrheit von allen wahrgenommen werden wollte, als ob alle die große Sehnsucht nach der Wahrheit hätten, während sie doch von allen nur noch als Widerpart der Lüge bekämpft wird.

Vor allem von allen jenen, die den Bachmannsatz von der Wahrheitszumutbarkeit bei jeder unpassenden (und andere als unpassende haben sie nicht〉 Gelegenheit herunterbeten, und doch nur selber unzumutbar.

Herman Melville schrieb diesen Satz von der Wahrheit, die den Menschen lächerlich ist, in einem Brief an Nathaniel Hawthorne. Von Thomas Bernhard gibt es auch einen immer noch vielzitierten Lächerlichkeitssatz, nämlich den, daß im Angesicht des Todes alles lächerlich sei. Während der Melvillesatz nach wie vor wahr und gültig ist, ist der Bernhardsatz richtigzustellen: Im Angesicht des Menschen ist alles lächerlich. Und dieser Satz von der Lächerlichkeit des Menschen war vielleicht noch nie so absolut erfahrbar als im zurzeitigen SM-Hochrausch.

Die Wahrheit ist verkaufbarPS Wie töricht und wie töricht hoffnungsvoll war es vor langer, langer Zeit, einen Fernsehdirektor sagen zu lassen, die Wahrheit sei verkaufbar. Diesen von ihm zynisch und zugleich ehrlich gemeinten Satz zum Vorspruch einer Filmvorlage mit dem Handlungs- und Tatort Internet zu machen. Heute wird es gewußt, es war nur zynisch, auch wenn er selbst vielleicht noch ehrlich daran glaubte, die Wahrheit den Menschen verkaufen zu können und vor allem zu wollen. Die Wahrheit ist nicht mehr verkaufbar, die Wahrheit ist verkauft. Die Menschen sehen sie nicht mehr als kaufbar, nur noch ihren Widerpart kaufen und verkaufen sie. Wie auch anders. Ausverkauft ist die Wahrheit. Es hätte damals schon, statt sich selbst am Bachmannsatz zu versuchen, den Fernsehdirektor den Melvillesatz sagen lassen müssen. Aber im Angesicht des Menschen ist eben alles lächerlich.

Warum Thomas Bernhard in seiner Sterbeminute schon zum Klassiker wurde, Octave Mirbeau aber sofort mit seinem Tod für Jahrzehnte in den Giftschrank kam

Thomas Bernhard - ein österreichischer KlassikerEs soll nicht ungerecht gegen Thomas Bernhard gesprochen werden. Es war immer ein Spaß. Es war immer eine Gaude, eine Hetz. Als er lebte. Seine Interviews im Fernsehen. Wer zählte diese nicht zu den Sternstunden des Fernsehens. Freilich, im Fernsehen …

Seit er, Bernhard, nicht mehr lebt, ist es vorbei mit dem Spaß, ist es vorbei mit der Gaude, mit der Hetz. Freilich, was geblieben gibt, was bleibt, ist die Schimpferei, das recht konservative und alles wie es je war stützende und verteidigende Granteln von seinen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen, die heute ins Facebook zur Wirtin Unzensurierta gehen, wenn es sie zu ihrem Stammtisch treibt, sie ihren Harmdrang zum Ausspeien nicht mehr zurückhalten … Was es noch gibt, ist sein Werk, das verblaßt, schal und kenntlich in seinem Konservatismus, in seiner Abschreibe und in seiner Nachschreibe. Es langweilt, ganz ohne Fernsehbegleitung. Nicht alle noch, vor allem für die ehrenwerte Lodentrachtjagdgesellschaft auf dem österreichischen Lande ist sein Werk kurzweilig und seine Wiederholungen so passend zu ihren Leben in ihren Wiederholungen, mit dem sie sich auch ein wenig rebellisch empfinden dürfen, freilich österreichisch rebellisch. Eine Rebellion, die sich darin erschöpft, am Sonntag in der Kirchenbank während der Predigt bemerkbar zu flüstern, und dies schon als Revolte gegen den Herrn Pfarrer …

So wird es verständlich, weshalb Thomas Bernhard, kaum daß er tot war, zum Klassiker wurde, freilich zum österreichischen Klassiker. Zugleich wird verständlich, weshalb Octave Mirbeau, kaum daß er tot war, für Jahrzehnte in den Giftschrank gesperrt wurde.

Im Octave Mirbeau ist der gesamte Thomas Bernhard, aber, wie traurig, wie wenig Octave Mirbeau im gesamten Thomas Bernhard ist.

Octave Mirbeau schaffte es punktgenau, daß sein Todestag genau auf seinen Geburtstag fiel. Thomas Bernhard nicht, er verfehlte diesen um drei Tage. Vielleicht wollte Thomas Bernhard den gleichen Todestag wie sein geliebter und unlesbarer Großvater. Auch das schaffte er nicht, er verfehlte diesen um einen Tag.

Und was alles Octave Mirbeau noch schaffte, lange vor Thomas Bernhard, und was Thomas Bernhard nachschaffte, freilich nur in der konservativsten Weise … die Übertreibung, die Beschimpfungen von Städten und Ländern und so weiter.

Octave Mirbeau, der „rote Millionär“, Thomas Bernhard, der Landwirt aus dem Oberösterreichischen … auch das macht verständlich, weshalb Thomas Bernhard sofort ein Klassiker werden konnte, eben ein österreichischer Landwirteklassiker.

Octave Mirbeau war auch ein äußerst erfolgreicher Bühnenschriftsteller. Und wird an Thomas Bernhard als Bühnenschriftsteller gedacht, befällt doch der Verdacht, es muß an seinen Stücken liegen, daß ein Schauspieler des deutschen reiches diese dermaßen hervorragend zu spielen verstand, sich so außerordentlich wohl fühlte in den bernhardschen Figuren. Es will nicht ungerecht gegen Bernhard Minetti gesprochen werden. Wer amüsierte sich nicht köstlich bei seinen bernhardschen Spielereien. Noch heute wird gerne das eine oder andere Stück mit Minetti hervorgeholt, um ihn sprechen zu hören. Freilich auf die bernhardschen Worte wird dabei nicht mehr gehört.

Octave Mirbeau war ein Autofahrer. Thomas Bernhard war ein Autofahrer. In einem Charron war Mirbeau unterwegs, in einem „tannengrünen Mercedes“ Thomas Bernhard. Das macht auch verständlich, weshalb er, kaum daß er tot war, zum österreichischen Klassiker erhoben wurde. Wer verdiente in diesem konservativen Land mehr, zum Klassiker gemacht zu werden, als einer aus der konservativsten Tiefe des Landes: der Landwirt mit seinem grünen, also mit seinem Trachtenlodenmercedes. Wer das Werk von Octave Mirbeau kennt, wird es verstehen, daß die Entscheidung, wenn je eine notwendig war, längst gefällt wurde: niemals in einen Trachtenlodenmercedes einzusteigen, aber immer in den Charron mit dem Kennzeichen 628-E 8. Dazu fällt ein. Thomas Bernhard sprach davon, er sei ein Geschichtenzertrümmerer. Das paßt zu einem Nebenerwerbslandwirten: das Kleinhäuslerische.

Wie verdreckt für Thomas Bernhard die Toiletten von Wien doch waren, für Octave Mirbeau waren die Toiletten des ganzen und ungleich größeren Landes verdreckt. Bernhard wußte über Wien nichts anderes zu sagen, als Mirbeau über Frankreich sagte. Und das ist ein Verdienst von ihm, Bernhard, auch mit ihm sagen zu können, wie töricht es von Menschen ist, auf nationale Unterschiede zu pochen, stolz darauf zu sein, wie besonders und einzigartig ihre Nationen doch wären, während über ihre Heimaten stets nur dasselbe gesagt werden kann, verdreckte Toiletten in der einen Nation, verdreckte Toiletten in der anderen Nation.

Das Kleinhäuslerische. War Thomas Bernhard gemein zu dem kleinen Tonsetzer aus dem kleinen Maria Saal, so war Octave Mirbeau zum großen Balzac aus dem großen Paris  … Freilich, es kann nicht Bernhard angelastet werden, daß er sein Mütchen gefahrlos an einem sozialistischen Höhensonnenkönig … die Zeit der Monarchien war vorbei, und es ist nicht das Verdienst von Mirbeau, daß er eine mehrjährige Gefängnisstrafe riskierte, weil er über einen Kaiser …

Octave Mirbeau zerstörte groß, also gleich den Roman.

Nur wer in Österreich geboren ist, in Österreich aufgewachsen ist, die Fernsehgaude mit Thomas Bernhard miterlebt hat, wird töricht ausrufen können, beim Lesen des ersten Satzes von „Diese verdammte Hand“: Das ist Bernhard. Nein. Das ist Mirbeau. Nur in Österreich kann zu Mirbeau Bernhard einfallen, den Österreich als Klassiker braucht, um zu bleiben, was es ist, ein Land des Konservatismus bis hin zu noch Schlimmeren. Aber Österreich bräuchte einen Mirbeau. Wenn an die Malerei in Österreich gedacht wird, kommt es zwangsläufig, österreichischen Malerinnen und Malern zu empfehlen, „Diese verdammte Hand“ zu lesen. Es ist keine Empfehlung, daß sie sich ebenfalls die Hand abhacken. Das wäre eine zu große Geste, eine, die den Großen vorbehalten ist, etwa einem Vincent van Gogh, der wohl Modell war für den Maler in diesem Buch, und von dem Mirbeau zwei Bilder kaufte, als … zwei Bilder, die heute zu den teuersten … und dann gibt es von Thomas Bernhard einen Roman mit einem Maler, für den, also den Roman, Modell war … die Landwirte in Österreich werden den bernhardschen Titel wissen … Es ist also keine Empfehlung, die Hand …, aber schlicht und ruhig auf…

Haben Sie Michael Gruner gesehen?

Die Bananen der Franz BeckettDie Bananen der Franz Beckett

Eine Liebe zu den Hofratswitwen wird es nicht mehr werden, aber mit Nachsicht wird ihnen im Slugar zugehört werden können, wenn sie wieder einmal fragen, haben sie Oskar Werner gesehen. Und wieder ohne eine Antwort zu erwarten, sie wie stets sogleich zu schwärmen beginnen werden, ihn noch erlebt zu haben, in Wien, in Salzburg, seine Prinzen …

Und wenn Sie vorsorgen möchten, einst doch eine schöne Erinnerung zu haben, an diese Welt, in der es nichts Schönes zum Erinnern gibt, streichen Sie alle Ihre Termine der nächsten Tage bis zum 25. März 2017 aus Ihrem Kalender, und eilen Sie auf den Nestroyplatz, in das Theater Hamakom, um Michael Gruner zu erleben.

Es eilt tatsächlich. Nur eine Woche noch. Um einst selbst fragen zu können, haben sie Michael Gruner gesehen. In Wien, seine …

Wie sehr kann das Wesen als Theatergängerin und Zuschauer, das auch ein philosophierendes ist, darüber ins Grübeln kommen – Rotpeter  und Krapp an einem Abend …

Michael Gruner als Rotpeter Krapp.

Zwei Lebewesen, die nicht nur durch die Banane auf das Engste miteinander verbunden sind. Das eine Wesen, das wohl meint, die Banane hinter sich gelassen zu haben, um doch nur, als das andere Wesen, wieder zur Banane zurückzukehren. Das eine Wesen, das nicht die Freiheit suchte, sondern bloß einen Ausweg. Und sein Ausweg, das andere Wesen zu werden, das für sich meint in Freiheit zu sein, aber ohne Ausweg ist. Dieses Wesen, das meint sich zu bewegen, tatsächlich aber nur bewegungslos daliegt, wie Krapp. Aber alles bewegt sich unter uns, und bewegt uns. Freilich für das Wesen von Beckett gibt es die Gegenwart nicht. Von ihm wird die Vergangenheit geraunt, aber kein Zurück zu ihr beschworen. But under us all moved, and moved us, up and down, and from side to side.

Bah! Nicht weiter. Nichts mehr sagen. Es gibt nichts mehr zu deuten … das Wesen ist entschält.

Gehen Sie nur hin. Eilen Sie auf den Nestroyplatz. Michael Gruner zu erleben.

Und wenn Sie einst gefragt werden: Haben Sie Michael Gruner gesehen?  Seine …

Ja!

Ja.

Es wird der Mühe im Leben nicht wert gewesen sein, alle Fragen nach Identität, alle vergeblichen Antworten darauf. Aber Michael Gruner gesehen zu haben, erlebt zu haben, wird eine Entschädigung für alle Mühe gewesen sein, wenn einst Vergangenheit zurück  als Gegenwart … ah, die Abende am Nestroyplatz, im Theater Hamakom – Ja!

Goethesche Horst-Wessel-Gedichte der Kinder von Wien

Über alle Wipfeln ist Ruh,
in allen Gipfeln spürest du
die Reihen fest geschlossen
SA marschiert die toten
Brüder die Rotfront und
Reaktion in unsern Reihen mit.

Das ist das Horstwesselgedicht. Sagt Ate.

Über allen Gipfeln ist Ruh.
In allen Wipfeln spürest du
kaum einen Hauch.
Die Vögel schweigen im Walde.
Warte nur, bald ruhest du auch.

So geht für Curls das Horstwesselgedicht.

Das sind Kinder aus einer Wiener Kellerruine, die goethesche Horst-Wessel-Gedichte aufsagen …

„Die Kinder von Wien“ nennt Robert Neumann seinen Roman, den er selbst Jahrzehnte nach seiner Niederschrift ins Deutsche übersetzt. Der im deutschsprachigen Wien geborene und für Jahrzehnte im deutschsprachigen Wien lebende Neumann schreibt diesen Roman nicht in der deutschen, sondern in der englischen Sprache. Die Originalfassung eines Romans über Kinder in Wien ist also in englischer Sprache.

Was für ein Sprachengemisch! Und auch die Kinder in diesem Roman sprechen nicht ein sogenanntes reines Deutsch, der gesamte Roman ist in keinem sogenannten reinen Deutsch geschrieben. Wie selbstverständlich die vielen Sprachen. Damals. Wie seltsam und unbehaglich heute das Geplärre nach Deutsch! Deutsch! Deutsch! Aus allen Mündern schreit es: Deutsch! Deutsch! Deutsch! Nicht nur aus wienerischen Mündern, aus allen österreichischen Mündern schreit es: Deutsch! Und wer nicht Deutsch! schreit, denkt für sich zustimmend: Deutsch! Und keiner dieser Münder kann mehr einer bestimmten Weltanschauung mit Gewißheit … bevor der Keller zur Ruine wurde, war es leicht die Weltanschauungszugehörigkeit zu erkennen, es mußte nur in die aufgerissenen Münder geschaut werden, um zu sehen, ob auf der Zunge ein Abdruck einer frisch befeuchteten Parteibuchmitgliedsmarke …

Es gibt Menschen, die sehen in diesem Roman die Gegenwart in vielen, viel zu vielen Ländern beschrieben. Besonders von Kindern. Aber Neumann beschreibt bloß die Gegenwart seiner Zeit, und seine Zeit ist die Allgegenwart der Menschen, besonders von Kindern. Es ist wieder ein Buch, das zu lesen ist, und nicht zu …

Wider die Überfülle von Widerwärtigem.
Es geht nicht an, daß Österreich
widerspruchslos ein Buch akzeptiert, das
für das Land, für die Stadt, ihr
millionenfaches Blutopfer und die
jahrelange Bitterkeit gequälter Menschen
nichts anderes übrig hat als
ein zynisches Kaleidoskop.

Das ist kein Gedicht. So schreibt das Organ der demokratischen Einigkeit Neues Österreich über diesen Roman. Neues Österreich herausgegeben von: Christdemokraten (ÖVP〉, Sozialisten und Kommunisten.

Auch das ist kein Gedicht.

Das ist die ganze Geschichte – zugleich eine krude, verzweifelt radikale, eine beklemmende Parabel über die Zerstörung des Menschen durch Krieg. Alles ist danach kaputt und verdorben – auch die Sprache. Und ebendas wurde einst als unerträgliche Provokation empfunden. Goethes Deutsch wenigstens, so die Lehrmeinung, habe Niedertracht und Grausamkeit unbeschadet überstanden. In Neumanns „Die Kinder von Wien“ ist hingegen die moralische Katastrophe einer Epoche Sprache geworden. Der Pädagoge Hartmut von Hentig hat dieses Buch als „Gedankenexperiment“ gepriesen, „über Fragen wie: Was ist Schuld? Wie kommt sie in die Kinder? Ist ihre Lebenskraft nicht die Amoral? Und wenn das so ist, was ist zu tun?“

Was wird getan? Nach Deutsch! Deutsch! Deutsch! wird geschrien.

Was das für Kinder sind, in der Kellerruine. Sie können Gedichte aufsagen. Auch Jid weiß sofort eines auf die goetheschen Horst-Wessel-Gedichte folgen zu lassen.

Ich weiß ein Gedicht.
Aber es reimt sich nicht.
Wir der President von die United States
und der Erste Minister von was man nennt
the United Kingdom betrachten wir es
als richtig zum Verkünden
gewisse Grundsätze -.

Ewa hat es genommen für den Abort,
aber ich weiß es auswendig.
Erster Paragraf!
Unsere Länder streben nicht
nach neuen Eroberungen –
nein, das laß ich aus, ich fang später an
in dem Gedicht, hör mich aus.
Paragraf sechs.
Nach der Zerstörung von der Tyrannei
hoffen wir, wir machen einen Frieden
was er für alle Nationen die Möglichkeit
geben wird daß sie in Sicherheit leben
in ihren Grenzen und es wird dazu sein
eine fixe Garantie, daß alle Menschen
leben können ihr Leben in alle Länder
frei von Not und Angst.

Das ist kein Gedicht. Sagt Ewa. Damals ist es ein Gedicht. Für Ewa in der Kellerruine freilich nicht. Aber es ist ein Versprechen, für die Menschheit, und als solches schön und also ein Gedicht.

Dhorst-wessel-and-the-children-of-viennaas ist kein Gedicht. Sagt Ewa. Als lebte sie in der Gegenwart, die Robert Neumann vor Jahrzehnten verläßt. Das ist kein Gedicht. Sagt Ewa. Als würde sie die kennen, die es in den Abort – der jetzt President … und nicht nur ihn, nicht nur die United States but Austria and so on.

Kunst- und Kulturschaffende kämpfen um Heumarkterbe

Selbstverständlich nicht: um das Heumarkterbe. Die Kunst- und Kulturschaffenden haben das Große im Auge. Sie kämpfen um das Weltkulturerbe. Sie fürchten, Wien könnte diesen Status verlieren, wenn am Heumarkt ein Haus 66 m in die Höhe  gebaut wird. Der Südturm der Stephanskirche ist 136,4 m hoch, der nicht einmal fertiggestellte Nordturm 68 m, somit zwei Meter höher als das geplante Haus am Heumarkt.

Darum also bangen die Kunst- und Kulturschaffenden, daß  ein geplantes Haus und, wenn es tatsächlich gebaut wird, ein zur Gänze fertiggestelltes Haus gegen das Weltkulturerbe-Regime verstoßen …

Was für eine Vorstellung von Weltkulturerbe. Was für ein Diktat, daß ein Furunkel nach einem Supergau mit einem Turm von 136,4 m und einem nicht einmal fertiggestellten Turm von 68 m einzig in die Höhe ragen dürfen. In diesem Furunkel, in dem Menschen zu sado-masochistischen Erzählungen zu knien haben … das verleitet zu formulieren, und so müssen halt auch die Häuser in mittelbarer und unmittelbarer Umgebung vor diesem Supergaufurunkel auf Knien …

Das ist nicht Weltkultur. Das ist Heumarkt. Die Spreu das Erbe.

(Wenn gerade Kunstschaffende die Sorge um das Weltkulturerbe antreibt, kann geahnt werden, es hat auch etwas mit der Sorge um die eigene Unsterblichkeit als Künstlerin und als Künstler zu tun – notieren, das irgendwann näher ausführen, vielleicht, nein, genügt: die Unsterblichkeit ist tot.)

Die Kunst- und Kulturschaffenden führen weiter an, es werden am Heumarkt, so die Bezeichnung im Aufruf von Gerhard Ruiss, ein „Luxuswohnturm“ errichtet.

Ja, damit kann mobilisiert werden. Und es kann verstanden werden, gegen einen „Luxuswohnturm“ zu sein.

Im Grunde haben die Kunst- und Kulturschaffenden nur Überschriften, die gefallen könnten, wäre das Inhaltliche dazu nicht so dünn, wie es sonst bloß von einer Partei monopolartig in diesem Land gekannt wird. Und es überrascht nicht, daß genau diese Partei auch recht dagegen ist.

heumarkt-und-heumarkt

Wenn der Aufruf von diesen Kunst- und Kulturschaffenden verglichen wird mit dem Prospekt „Heumarkt Neu“ muß gesagt werden, das Inhaltliche ist nicht nur dünn, sondern schlichtweg falsch. So heißt es im Aufruf etwa:

„Für wen wird hier gebaut? Für die Wienerinnen und Wiener jedenfalls nicht. Und auch nicht für Touristinnen und Touristen. Wien dient nur als Kulisse für Luxuslebensgefühle, die hier ausgelebt werden sollen, der Bau ist ein Angebot für den grenzenlosen Reichtum, der auf der Suche nach Luxuswohnraum durch die Weltinnenstädte zieht. Er greift nicht nur massiv in die unmittelbare Bau- und Platzumgebung der dort bestehenden Objekte und Flächen ein, er verändert auch das Erscheinungsbild der Wiener Innenstadt gravierend.“

Forderungen werden aufgestellt, im Aufruf:

„Der öffentliche Raum und die öffentlichen Einrichtungen am und um das Gelände des Wiener Eislaufvereins müssen frei zugänglich und für die Allgemeinheit nutzbar bleiben.“

Skepsis ist stets angebracht. Projektvorstellungen sind kritisch zu beurteilen. Es soll aber nicht gleich alles als Lüge abgetan werden. Die Verantwortlichen für diese Projektvorstellung am Heumarkt sind in die Pflicht zu nehmen und werden die Konsequenzen zu ziehen haben, sollte es nicht so kommen, wie von ihnen versprochen. Und nach dieser Beschreibung ist diese Forderung mehr als erfüllt, so daß gefragt werden muß, wie kann behauptet werden, es käme nicht den Wienern und Wienerinnen zugute, wie kann gefordert werden, der öffentliche Raum müsse frei zugänglich und für die Allgemeinheit nutzbar bleiben.

Das vorgestellte Nutzungskonzept des öffentliches Raumes – mit konsumfreien Zonen, mit Proberäumen für Kunst-Kultur-Ateliers, Turnsaal für umliegende Schulen und Vereine, ein Lebensraum für alle, Musik, Sport, Entspannung und so weiter und so fort – ist eines, gegen das nicht protestiert werden kann. Es ist auch festgeschrieben als „garantierte Verpflichtungen der Projektentwickler“.

Zu ebener Erde sieht es also sehr gut aus. Anders freilich ist es bestellt ab dem ersten Stock. Das Hotelgebäude und das Wohngebäude sehen zwar gezeichnet nicht unhübsch aus, aber sie lassen bereits erkennen, es werden fade, biedere Blöcke sein, wenn sie tatsächlich gebaut und fertiggestellt sein sollten. Wenigstens wird das eine Gebäude mit 66 m ein fertiggestelltes Gebäude sein, im Gegensatz zu den 68 m des Supergaufurunkels …

Sehr überzeugend sind die Einwände nicht. Überschriften, würdig einer Parteizentrale, aber nicht Kunst- und Kulturschaffenden, zu denen abschließend ein paar allgemeine Anmerkungen …

Es verwundert gar nicht mehr, daß in diesem Land eine Partei mit bloßen und trachtigen Überschriften derart erfolgreich sein kann, wenn verfolgt wird, wie sich in diesem Land auch Kunst- und Kulturschaffende präsentieren, wofür, richtiger, wogegen sie sich einsetzen, als trügen sie auch schon im Geiste die Krachlederne … Und der Heumarkt ist hierfür nur ein Beispiel, ein weiteres für deren seltsamen Gang in die …

„Rettet die Karlskirche“

… stets dabei, ob er im Auto von einem zum anderen Anger … jedenfalls, als Künstler  wahrlich einer der hellsten Köpfe in diesem Land …

Und es gibt ein weiteres Beispiel, das erst vor kurzem bekannt wurde, zugetragen im Literaturbetrieb …

Schreib‘ Deitsch!

Mit Blick auf diese Kunst- und Kulturschaffenden ist es womöglich ein unberechtigter Vorwurf an die derzeitige Regierung, daß für sie Kunst und Kultur kein Thema mehr ist, sie sich damit keine Arbeit mehr antun will, andererseits ist es ein Fehler, von diesen Kunst- und Kulturschaffenden auf alle zu schließen …

Tafeln können Ihre Wahrnehmung beeinträchtigen, nicht nur die von Christian Benger

Kärnten - Tafeln können Ihre Wahrnehmung beeinträchtigen.jpg

Die Warnhinweise zu Medikamenten sind nützlich, auch wenn sie viel zu selten aufmerksam gelesen, noch seltener beachtet und kaum beherzigt werden. Vielleicht hätten bei den Tafeln im Kärntner Landhaus angebrachte Warnhinweise, daß also das Lesen und vor allem das oftmalige Lesen die Wahrnehmung beeinträchtigt und am Ende sogar zur völligen Erblindung führt, auf Christian Benger eine positive …

Es darf, um sich eine Spekulation zu erlauben, daran gezweifelt werden. Das ständige berufliche Vorbeimüssen an diesen Tafeln … um negative Wirkungen zu vermeiden, ist es wohl immer noch am besten, etwas nicht mehr anzubieten, oder endlich zu entfernen, wie eben die Tafeln im Kärntner Landhaus. Über die schädliche Wirkung dieser Tafelmedikation gibt es bereits viele Kapitel, so daß es nicht ein weiteres Mal ausführlich zu erzählen ist.

Eisenstadt und Klagenfurt – Ein Vergleich zu Lasten Kärntens

Gerade in Kärnten, nicht nur in Klagenfurt, auch in Villach, um noch eine Stadt zu nennen, ist die Tafelmedikation – genug, es können die Kapitel dazu gelesen werden. Der Einfluß des Geschriebenen darf allerdings auch nicht überbewertet werden. Aber einem einzigen Haus gilt in Österreich die Sorge, das in einem derart kleinen Land auch geographisch nicht weit weg von Kärnten steht.

Als Bernhard C. Bünker über den Geist des Kärntner Anzuges schrieb, war Christian Benger in einem Alter, das von größter Neugier gekennzeichnet ist, und er wird das von Bünker über den braunen Anzug Geschriebene vielleicht ebenfalls gelesen haben. Und wenn noch einmal spekuliert werden darf, daß er das las,

Bernhard C. Bünker und die vierzigste Wiederkehr der Tracht

so muß festgestellt werden, es hatte auf ihn keinen Einfluß. Benger trägt, wie es scheint, recht gern den Anzug.

Das Geschriebene kann nur in einem entsprechenden Umfeld Einfluß nehmen. Das kärntnerische Umfeld ist keines, auf dem ein Text von Bernhard C. Bünker zur Wirkung heranreifen kann, bis zum heutige Tage, wie nun auch Christian Benger bestätigen will.

Worum es aktuell geht? Es geht um die Landesverfassung in Kärnten. Es geht um das Slowenische und das Deutsche. Nun ist zu hören, es soll nach einer Kompromißformulierung, nachdem sich Trachtler Benger gegen die geplante Formulierung vehement zur Wehr setzt, gesucht werden. Eine wird bereits verbreitet:

„Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch- und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen, besonders ersteren.“

Das also wäre ein vorauseilender Kompromiß, weil die vorgesehene Formulierung

„Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch- und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen.“

Benger nicht in seine Trachtentasche hineinbekommen will.

Der Kompromiß , sollte die Formulierung tatsächlich etwa nach dieser getauscht werden, wird einen Menschen in Kärnten besonders recht gefallen, einen Menschen, der zwar schon lange tot ist, aber der Geist, für den er eintrat und stritt, weiter die Grenzen Kärntens eng schreibt. Denn. Dieser Mann schrieb einst:

„Mein Vater konnte slowenisch reden und singen, wie alle Menschen seiner Generation im Rosentale, er sprach gleich ihnen mit Vorliebe slowenisch, er dachte wahrscheinlich auch darin, noch beschied sich die deutsche Sprache mit dem Range eben einer zweiten, nicht aber der einzigen rechtmäßigen. Mein Vater heiratete eine Bauerntochter aus der deutschen Gegend … und so wurde deutsch meine Muttersprache, das Slowenische habe ich erst auf der Gasse gelernt.“

Es kann abschließend nur ein weiteres Mal geschrieben werden:

Für eine „neue Zeit“ sind in Kärnten u.v.a.m. Tafeln auch abzumontieren

Das ist längst nicht mehr und war eigentlich nie nur auf Kärnten zu beziehen, wie etwa die jüngste Geschichte um den Staatspreis es wieder zu deutlich machte, bei der es auch um das Slowenische und das Deutsche ging. An der waren aber keine Trachtler und Trachtlerinnen beteiligt, sondern …

großer österreichischer staatspreis für literatur

großer österreichischer staatspreis für literatur

Schreib’ Deitsch!

großer österreichischer staatspreis für literatur - schreib deitsch.jpgFlorjan Lipuš hat also den großen österreichischen staatspreis für literatur nicht bekommen, weil er nicht auf deutsch schreibe.

So kleinst und engst ist die Welt in österreich. Und um das zu verdeutlichen, ist es nicht anders möglich, als gegen die Rechtschreibung die Preisbezeichnung und alles damit Zusammenhängende kleinzuschreiben.

Und diese österreichische Engwelt wird nicht durch Menschen repräsentiert, die bildungsfern im Gemeindebau leben, sondern durch Friederike Mayröcker, Gerhard Rühm, Josef Winkler, Peter Handke und Peter Waterhouse.

Es hat Jochen Jung, wie in der Collage gelesen werden kann, leider nicht öfffentlich gemacht, wer dieses absonderliche Argument gegen Florian Lipuš in Stellung brachte, wer gegen Florjan Lipuš stimmte. Es kann jetzt nur spekuliert werden, wer sie sind, die mit diesem absonderlichen Argument gegen Florjan Lipuš sich aussprachen.

Das sollte Jochen Jung schleunigst nachholen, um nicht alle der Verdächtigung auszusetzen, Vertreter und Vertreterinnen der österreichischen Engwelt zu sein.

Was für eine Enge in diesem Land herrscht, ist auch daran abzulesen, daß die Zeitschrift „Kosmo“ darüber unter der Schlagzeile „Balkan-Autor wird … versagt“ berichtet. Es erübrigt sich dazu jedwede Äußerung.

Es heißt, künstlerische Menschen wären besonders sensibel, hätten ein feines Sensorium für kommende Zustände, Mißstände. Ist es in österreich wieder soweit? Für die Parole, die einst in Kärnten für Jahrzehnte nach dem Niedergang des deutschen reiches als Tagesbefehl ausgegeben wurde: Red’ Deitsch!

Es heißt auch, künstlerische Menschen sind sehr anfällig, bereits bei Zeiten sich anzubiedern, sich bei Zeiten schon als Dienende von erst die Macht Erringenden zu positionieren. Dieses absonderliche Argument gegen Florjan Lipuš weist die jury als der identitären Parlamentspartei geistig ebenbürtige …

Was ist in Zukunft noch zu erwarten? Es beginnt mit der Verweigerung, und es geht weiter mit der Auslobung von recht echten Pgs. Wird der nächste große österreichische staatspreis für literatur schon, beispielsweise, andreas mölzer verliehen werden? Von dem es heißt, er schreibe auch, also romane.

Kann in österreich überhaupt von einem Beginn gesprochen werden? Es ist im Grunde doch nur eine Fortsetzung, ein unsägliches Weitermachen. Die Verweigerung, Florjan Lipuš diesen preis zuzuerkennen, paßt recht dazu, wem dieser preis schon zuerkannt wurde: in der zweiten republik: max mell, franz karl ginzkey … in der ersten Republik: karl heinrich waggerl, josef friedrich perkonig …

Es gibt auch noch andere große österreichische staatspreise, beispielsweise den für die bildende kunst … für diesen böte sich, wenn es so weitergeht, odin …

PS Ein Titel von Gerhard Rühm: „Botschaft an die Zukunft“. Das ist also die Botschaft, von nicht bildungsfernen und nicht im Gemeindebau lebenden Menschen in österreich und für österreich: auf gegenwart folge vergangenheit …

PPS Wie klein, wie eng, wie billig es in österreich zugeht, zeigt auch dieser Fall einmal mehr auf. Jochen Jung ist der Verleger von Florjan Lipuš. Es ist von ihm wohl nicht uneigennützig. Vielleicht läßt sich Florjan Lipuš nicht so gut verkaufen, wie Jung es erhoffte – Transparenz aus Eigennutz … Transparenz, genauer, halbe Transparenz ist in diesem land nur gegen Marketing zu haben. Möglicherweise stecken auch noch andere Gründe dahinter. Bei österreich können dazu leicht intrigante Gründe – Transparenz, genauer, halbe Transparenz ist in diesem land halt nur gegen Intrigen …

Und was von halben Sachen, einer halben Transparenz zu halten ist, das wird in einem Stück von Botho Strauß schon gesagt: halbe Kraft ist null Kraft.

Thomas More and William Shakespeare celebrate: Prosit, happy old year 2017!

Am letzten Tage eines Jahres, heißt es sentimental, soll auf das mit diesem Tag ausgezählte Jahr zurückgeblickt werden, auch deshalb, damit das kommende Jahr besser werde.

Nun. Es wird stets am letzten Tage auf das Jahr zurückgeblickt, und das nächste Jahr ist stets wie das vergangene. Nicht besser, nicht schlechter. Bloß ein weiteres Beginnen mit dem Zählen von eins bis dreihundertsechs…  nur ein weiteres Jahr, das vergeudet.

Der letzte Tag des Jahres 2016 bietet sich an, nicht auf ein Jahr zurückzublicken, sondern auf fünfhundert Jahre, auf das, was 2017 vor fünfhundert Jahren …

Das Malheur des Menschen ist es wohl, daß er in fünfhundert Jahren nicht gelernt hat, anders zu reden und vor allem anders zu denken.

Das zeigt auch das Büchlein, das 2016 in deutscher Sprache erschienen ist: „Die Fremden. Für mehr Mitgefühl.“ Dieses Büchel zeigt es nicht dadurch, daß vor fünfhundert Jahren mit „Fremden“ nicht anders umgegangen wurde, als beispielsweise im Jahr 2016. Das Bücherl belegt es dadurch, daß 2016 immer noch gedacht wird, wie jeher. Wenn etwa geschrieben wird, in diesem Büchelchen: es bedürfe eines „neuen Thomas Morus“. Der historische Thomas Morus kann kein Geselle sein, den sich ein Mensch fünfhundert Jahre später zurückwünschen kann, ja, nicht einmal der für das Stück erfundene Thomas Morus kann einer sein, der fünfhundert Jahre später noch eine Rolle spielen darf. Auch dann nicht, wenn berücksichtigt wird, daß der Stücke-Morus etwas schafft, das der historische Morus in der Wirklichkeit vor fünfhundert Jahren gar nicht schaffte.

Das Büchlein wird hochgelobt. Es ist die Rede davon, wie aktuell das sei, was in diesem Stück, an dem auch William Shakespeare mitgeschrieben haben soll, gegen „Fremdenhaß“ … ach, wie – müßte es richtigerweise heißen – unaktuell ist der Mensch des Jahres 2016.

Ein wesentlicher Beitrag zur Gegenwart ist dieses Büchlein also nicht. Sie können es schelten, ob der Eitelkeit der an der Herausgabe Beteiligten: etwas Exotisches gefunden zu haben, oh, einzig erhaltene Stückpassagen in der Handschrift von Shakespeare, von dem sonst, wie es heißt, bloß sechs Unterschriften …

Sie können, wenn Sie verzweifeln möchten, vergleichen, was in fünfhundert Jahren sich nicht verändert hat, von den fremdenfeindlichen Flugblättern zu den fremdenfeindlichen Seiten beispielsweise der Unternehmen Facebook, Twitter, von den fremdenfeindlichen Reden auf den Plätzen zu dem Verbreiten von fremdenfeindlichen Redenvideos im Internet.

Im kommenden Jahr 2017 werden es fünfhundert Jahre her sein, daß die Grauslichkeiten passierten, von denen in diesem Büchlein berichtet wird. Aufgestachelt von fremdenfeindlichen Flugblättern, von fremdenfeindlichen Reden. Und 1517 schaffte es Thomas Morus bloß im Stück, als Figur also, die Menge von weiteren Gewaltausbrüchen abzuhalten. In der Wirklichkeit von 1517 hatte Morus dagegen nichts auszurichten. Und im Stück selbst schaffte es Morus nur mit einer äußerst bedenklichen Agitation, mit einer, die für das Jahr 1517 wohl in Ordnung geht, als eine Zwischenrede auf dem Wege zu weiteren Entwicklungen nicht vergessen zu werden braucht, aber mit einer Agitation, die für das 21. Jahrhundert gänzlich obsolet …

Der Untertitel dieses Büchleins lautet: „Für mehr Mitgefühl“.

An Mitgefühl mangelt es wahrlich nicht.

Es gibt so viele, die Mitgefühl mit den „Fremden“ haben, und auch die „Fremdenfeindlichen“ sind von Mitgefühl zerfressen, das sie gesinnungsgemäß nicht für die „Fremden“, sondern für …

Das Malheur ist, in fünfhundert Jahren nicht gelernt zu haben, anders zu denken, um dann anders zu reden und vor allem anders zu handeln.

Epiloge, damit Wahlen keine Prologe in das Unheilvolle werden

Es wurde gedacht, nach Tausenden

Stets bäuchlings, geschrieben in Österreich – Trilogie der Schmutzromane mit Epilogen und Appendix

von Seiten kann endlich aufgehört und diese romanhafte österreichische Wirklichkeit verlassen werden. Aber – falsch gedacht. Seit dem Juni 2015 haben allein die Epiloge zu Prono ever, written in Austria einen Umfang erreicht, der zwei oder gar drei Romane …

WahlenEs scheint die Rede von Berufenen wohl zu stimmen, daß die Figuren eines Romans nicht nur die Geschichte, ihr Auftreten und ihr Sein in dieser bestimmen, sondern auch, wann ein Roman zu Ende ist. Es ist heute ein weiterer Versuch des Aufbegehrens gegen die Figuren, also selbst zu bestimmen, wann es zu Ende ist, den Figuren klar und unmißverständlich zu sagen, es ist aus, es ist zu Ende, es wird jetzt geendet, und es wird nicht ein weiteres Mal geendet werden wollen, es will nicht abermals gescheitert werden wollen, es will nie mehr geendet werden, es will je nicht abermals gescheitert werden, um besser zu scheitern. Das Scheitern war bisher kein gutes. Es kann kein besseres Scheitern je geben.

Es bleibt kaum noch Zeit, für die Hinwendung zu den wirklichen Romanen, diese je noch schreiben zu können.

Es wird seit langem der Eintritt zur Wirklichkeit der wirklichen Romane gesucht, aber kein Satz noch öffnete bislang die Tür. Mehr und mehr aber muß gemutmaßt werden, diesen Eintritt gibt es längst nicht mehr. Und was es noch gibt, ist bloß diese romanhafte Wirklichkeit, aber nicht nur in Österreich. Die nicht lohnt, Romane zu schreiben. Denn ohne die Wirklichkeit der Romane sind Romane keine Romane, sondern bloßer Abklatsch der romanhaften Wirklichkeit, bloße Wiederholung und also solche bloße Farce.

Es mag sein, daß die Figuren ein weiteres Mal siegen, sie es ein weiteres Mal aus ihrer Sicht erfolgreich verhindern können, der romanhaften Wirklichkeit auch dieses Landes mit dem heutigen Tag endgültig entflohen zu sein, auch wenn im Augenblick nicht gewußt wird, wohin geflohen werden könnte, auch wenn gewußt wird, die Türen sind verschlossen, der Zugang zur begehrten Wirklichkeit der Romane vielleicht nie unauffindbar, oder noch besser, der Zugang ist bereits für immer, nicht nur verschlossen, der mit unter Anstrengung doch wieder aufzubrechen wäre, so reicht es für die Sekunde doch, zu wissen, gegen die Figuren gestimmt zu haben, aufgebrochen zu sein.

Die auch von den Figuren aufgezwungenen Epiloge werden eines Tages das sein, was sie sind, Epiloge eben, die absolut nichts dazu beitragen konnten, daß Wahlen wieder Prologe werden könnten für eine dann kommende Zeit, in der niemand bei Verstand zu leben sich ersehnt, erhofft, oder, höchstens jene die von einer Vorsehung um die Vernunft gebracht werden, von ihr geplagt und ihre Getriebenen sind. Und auch die Epiloge werden als Belege Eingang finden in die irgendwann von wieder so vielen zu schreibende umfangreiche Chronik über die gegenwärtigen Jahre von 2015 weg bis -, über die dann wieder viele sagen werden wollen, es gab ja keine Informationen, es wurde halt nichts gewußt. Der einzig zu habende Trost dabei aber ist, zu wissen, diese Zeit, wenn den Nichtsdavongewußthabenwollenden und den Nichtinformiertgewesenseinwollenden die Chronik unter die Nase gehalten werden wird, nicht mehr in dieser Welt zu sein.

Roman en carte postale

Es werden lange, sehr lange Romane geschrieben. Romane, mit Hunderten von Seiten. Der Umfang, Gradmesser der Qualität. Die Schriftsteller, Seitenrenner. Jene mit den meisten Seiten im Ziel ist die Siegerin. Die Weltmeisterin aber jene, der mit seinem Roman die Hürde Tausend weit überschreibt. Einmütig wird die Respektkrone dem gereicht, die so viele Seiten, so viele Seiten schafft zu schreiben. Eine Romanautorin mit einer gestern rekordapplaudierten Seitenanzahl, die heute von einem Romanautor mit noch mehr Seiten überrundet wird, bekommt morgen keine Chance auf ein zweites Rennen.

Roman en carte postale - BKEs werden lange, sehr lange Romane geschrieben, als ob es noch die Zeit gäbe, lange, sehr lange Romane zu schreiben, als ob die Welt noch ewig stünde, lange, sehr lange Romane zu lesen.

Es ist nicht die Welt, der vertraut werden kann, die Zeit zu haben, lange, sehr lange Romane zu schreiben. Es ist nicht das Leben, von dem, wenn es endet, gesagt werden kann, alles getan zu haben, wenn die Welt eines Tages, der heute sein kann, endet, so vorstellbar ist das Enden geworden, und so bitter die Erinnerung an Verse der Einladung, sich vorzustellen, wenn dies alles eines Tages endet, in dieser Zeit nun, in der es keine andere Vorstellung mehr gibt, als jene, die Welt endet eines Tages, der heute sein kann, an dem nicht zu sagen sein wird können, alles getan zu haben, was getan hätte werden müssen. Um diese Bitternis, die ohnehin nicht geschmälert werden kann, nicht noch bitterer zu machen, noch bitterer dadurch, daß ein nicht abgeschlossener Roman neben dem toten Körper liegt, wenn die Welt eines Tages, der heute sein kann, endet, sind die Romane, die noch geschrieben werden können, bloß noch jene, die mit dem Platz auf einer Postkarte ihr Auslangen finden.

Wenn eines Tages, der heute sein kann, die Welt endet, kann gesagt werden, wenn die Sekunde dafür noch gegeben ist, der Roman ist zu Ende gebracht, wenigstens, der Roman ist abgeschlossen. Und “Ein mondialisierter Mann richtet sein Lebensglück” wird, soweit will gehofft werden können, gar noch verschickt werden können, in der ersten Stunde, die nicht mehr zum heutigen Tag gehört. Ob dieser dann noch empfangen, gar noch gelesen werden wird können, wer will darauf noch wetten.

Das Werk ist abgeschlossen, wenigstens dieser Anspruch an das Leben, der Schreibenden lebensausladend ist, ist erfüllt.

Morgen? Wird es das Morgen noch geben, um einen weiteren roman en carte postale zu schreiben, gar abschließen zu können? Wird es ein weiteres Mal in Kauf genommen werden können, der Bitternis die Bitternis hinzuzufügen, wenn die Welt, die eines Tages, der heute sein kann, endet, wenn die Erde, wie der Mensch sie kennt und bewohnt, endet, neben einem unfertigen roman en carte postale nicht leicht zu liegen und, wenn die Sekunde noch gegeben ist, denken zu müssen, nicht einmal für einen roman en carte postale hat es gereicht, das Leben.