„Fahne für Österreich“, datiert 15. Oktober 2017: Ein Leichengedicht

Österreich

Was je zu erwarten ist, wird gewählt.

Die Wahl am 15. Oktober 2017 bestätigte bloß eines, daß die Flagge von Österreich seit langem schon keine rot/ich/weiß/rot ist, sondern eine schwarz/ich weiß rot/im gsicht/vor lauter blau

Vielleicht war rot/ich weiß/rot von Ernst Jandl aus dem Jahre 1969, um den vielen Interpretationen noch eine hinzuzufügen, ein Gedicht des ungeduldigen Herbeischreibens einer Gegenwart, auf die nicht länger mehr gewartet werden wollte, endlich aus der so fern, fern empfundenen Zukunft ausgegraben wird, für das Hier und Jetzt … Und diese von der Zukunft ersehnten Gegenwart ist dann ja auch bald, zwar nicht zur Gänze, aber doch …

Wäre die Fahne für Österreich nicht aus dem Jahre 1969, hätte Ernst Jandl seine Vier-Wörter-Fahne erst Jahre später geschrieben, dann freilich bliebe nur eine Interpretation im Sinne von Gesellschaft und Politik übrig: melancholisch vorausschauender Abgesang. Und in welchem Jahr hätte Ernst Jandl seinen Abgesang rot/ich weiß/rot schreiben können? Favorit dafür wäre wohl das Jahr 1997, als die Hoffnungen und Erwartungen schrumpften, erfüllt schon gesehen wurden mit einem Ausflug nach Maria Taferl  …

Und hätte Ernst Jandl seine Fahne für Österreich mit 15. Oktober 2017 datiert, eine Leichenrede …

Was in Österreich bloß noch zu erwarten ist, wird gemacht.

Und wenn jetzt nach der Wahl am 15. Oktober 2017 das Feilschen und das Berichten über das Feilschen um eine Regierung beginnt — schwarz/ich weiß rot/im gsicht/ vor lauter blauidentitär …

Wenn die Wirklichkeit in Österreich nichts mehr hergibt, als das Erwartbare, ist die Zeit gekommen, für Gedichte, oder wenigstens das Nachdenken über Gedichte, die nichts zu tun haben mit … Und das wird, mag es paradox klingen, vielleicht das Politischste werden, wenn Österreich in Kulturlosigkeit untergeht

Literatur und Parteipolitik – Nationalratswahl Oktober ’17, Österreich

Nationalratswahl Österreich - Wenn das Weinen zu spät ist

Es ist tatsächlich aufmerkenswert, wenn einmal im Zusammenhang mit der bevorstehenden Nationalratswahl Literatur vorkommt, wie gestern, am 30. September 2017, als Flic im Mittagsjournal gefragt wurde, ob er denn Romane lese.

Die Antwort darauf von Flic:

„ich les‘ immer wieder, meistens sind es nicht romane, eher sachbücher, biographien und relativ viele akten und unterlagen für meinen job.“

Ehe auf das Verhältnis, richtiger wohl, Nicht-Verhältnis von Literatur und Parteipolitik in Österreich eingegangen wird, stellt sich die Frage, welche Sachbücher von Flic wohl gelesen werden. Es würde hier zu weit führen. Aber es darf die Vermutung geäußert werden, es werden beispielsweise keine Schriften von dem österreichischen Philosophen Franz Fischer bisher dabei gewesen sein. Als Stichworte hierzu seien nur genannt „Proligion“ und „Proflexion“. Es würden sonst die Diskurse, richtiger wohl, die Meinungsaustausche in Österreich anders, besser verlaufen, auch die Meinungen von einem Flic gehaltvoller sein.

Und daß Flic bei der Frage zur Literatur sofort einfällt, er lese Akten und Unterlagen, was er sich selbst wohl hoch anrechnen wird, läßt tief blicken. Es scheinen ihm Akten und Unterlagen Literatur zu sein, jedenfalls in dieser Hinsicht, Akten und Unterlagen wie Literatur zu interpretieren, also daraus, um ein derzeitiges Modewort zu verwenden, fake news zu produzieren.

Ohne den geringsten Willen zur Verklärung soll an eine Fotographie erinnert werden, die Bruno Kreisky zeigt, wie er sich von seinem Sitz erhebt, um Peter Handke die Hand zu schütteln, es sieht wie eine Verneigung aus, der Staatsmann verneigt sich vor dem Dichter. Bruno Kreisky ist zu erwähnen, weil er nicht nur Namen von Schriftstellerinnen kannte, sondern Literatur wohl auch einen Einfluß hatte auf seine Politik, vor allem auf seine Sozialpolitik. Etwa die Lyrik des von ihm genannten Theodor Kramer. Wie anders könnten die Pläne für Menschen mit „kleinen Einkommen“ und das Reden über „Gerechtigkeit“ von Flic sein, läse er etwa Kramer … Aber nicht nur in dieser Hinsicht wäre Kramer eine heilsame Lektüre in diesem Land, also auch für Flic; es sollten vor dem 15. Oktober 2017 Wählerinnen und Wähler lesen, wer an Ihrer Tür läutet, wem Sie mit Ihrem Kreuz die Tür aufsperrten …

Wer läutet draußen an der Tür?
Die Fuchsien blühn so nah –
und wein‘ nicht, sie sind da

Und nun, wie oben versprochen, das Eingehen auf Literatur und Parteipolitik. Mit dem Wort „Nichtverhältnis“ ist  darauf schon erschöpfend eingegangen. Es könnte noch hinzugefügt werden, in den Wahlprogrammen der Parteien kommt Literatur nicht vor; einmal doch, im Flic-Programm:

„Gerade im Ausland wird man häufig auf die großartigen Errungenschaften in Musik, Literatur, bildender Kunst oder Architektur angesprochen.“

Das ist es dann auch schon, im Ausland angesprochen zu werden auf … Wie gut, daß nicht einmal im Ausland gefragt wird, was zu tun gedacht wird, daß es großartige Errungenschaften weiterhin …

Es ist also insgesamt in Österreich weiterhin schlecht bestellt, also nicht nur um die Literatur. Hierzu darf auf die Zusammenfassung von Patrick Kwasi zu den Programmen von einigen Parteien verwiesen werden

Wie schlecht es schon bestellt war, von dieser Regierung mit den Farben rot und schwarz, darf verwiesen werden:

Kunst und Kultur machen keine Arbeit. Endlich.

„Plan A für Kunst und Kultur, wenn ein nächster Termin dazu ansteht.“ 

Und wie die Partei und mögliche nächste Regierungspartei mit der Farbe blau es bestellen will — erst gestern wieder einmal ein Ausblick …

Ohne „entartete Kunst“ kann Kunst gar nicht in den Sinn kommen

Vielleicht fragen Sie sich, weshalb nicht geschrieben wurde: Literatur und Politik … Es wäre zu schmeichlerisch gewesen, österreichische Parteipolitik Politik zu nennen.

Ohne „entartete Kunst“ kann FPÖ unzensuriert Kunst gar nicht in den Sinn kommen

Aber das ist gar nicht mehr erwähnenswert. Es bekommt nur vor der bevorstehenden Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 eine Bedeutung, genauer, für die Zeit danach, wenn aus der identitären Parlamentspartei eine identitäre Regierungspartei gemacht werden wird, vielleicht von Flic …

Ist das von Flic gemeint, wenn er sagt, Österreich an die Spitze? Auf dem rechten Bergrücken zur Spitze der Abgründe und hinunter in den Abgrund …

Was kommt wohl FPÖ unzensuriert in den Sinn, wenn sie die Kommentare dazu von der ihrer Schreibstaffel liest? Ein Recht so!? Nicht wenige haben der Schreibstaffel gesinnungsgemäße Vorschläge positiv bewertet. Es will weder aus dem Kommentar der FPÖ unzensuriert noch aus den Kommentaren der Schreibstaffel etwas zitiert werden; es ist in der Collage nachzu…

Nach so vielen tiefen Gedanken in den Kommentaren unzensuriert werden wohl alle, die sie schreiben und die sie positiv bewerten, recht zufrieden sein und je vielleicht zu einem Verslein von Weinheber greifen …

NS Ach, was wird das wohl für eine gute Zeit gewesen sein, als ein Volk in seiner überwiegenden Mehrheit „verhaltensauffällig“ war, und nicht wie heutzutage, in dieser fürchterlichen Zeit, in der sich also auch „Transgender-Künstler immer verhaltensauffälliger gebärden“ … als „entartete Kunst“ kein „verpönter Begriff“ war, sondern ein gesinnungsgemäßer korrekter war und es kein Herumschlagen damit gab, was und was nicht „politisch korrekt“ …

fpö unzensuriert - kunst

 

Tanja Playner und was wirklich wichtig ist – das offene Ohr von Sebastian Kurz

Tanja Playner schreibt, Sebastian Kurz habe ein offenes Ohr … Ob sie sich auch über Kunst unterhalten haben?  Über die Situation von Künstlerinnen und Künstlern? Wie es um sein Programm für Kunst und Kultur? Darüber ist von ihr nichts zu erfahren.

Wahrscheinlich hat Sebastian Kurz gar nicht gewußt, daß er mit einer Künstlerin spricht. Vielleicht hat sich Tanja Playner auch nicht als Künstlerin sich ihm vorgestellt, sondern als

Modern, elegant, luxuriös

Es kann gut verstanden werden, daß Tanja Playner nun Sebastian Kurz unterstützt. Weil auch sie an die „Zukunft unserer Kinder“ … wie Sebastian Kurz, der eben erst präsentiert hat, wie steuerlich gesorgt werden könnte, mit dem „Kinderbonus“ für den Mann …

Da wird auch in Reichenberg das Lachen vergangen sein, vor so viel kurz’schem Können und Wissen …

Vielleicht hat Sebastian Kurz doch gewußt, daß er mit einer Künstlerin spricht. Und das wird ihn wohl besonders gefreut haben können – eine „heterosexuelle Künstlerin … Bezüglich Kunst habe er dann vielleicht, ob von Tanja Playner gefragt oder nicht, auf die Großbauerin verweisen können, die für ihn alles weiß, was zu Kunst … So blieben Playner und Kurz recht viel Zeit, um zu besprechen, was wichtig ist, sein offenes Ohr

Abschließend kann nur einmal mehr festgestellt werden, es finden Menschen zueinander, mit denen Österreich wieder Weltspitze … Zu dieser Aussicht wird in Reichenberg auch nicht gelacht werden.

Tanja Playner und Sebastian Kurz - Was wichtig ist - das offene Ohr von Sebastian Kurz

Mit einem Kanzler Sebastian Kurz Weltspitze in Kunst- und Kulturlosigkeit

Nun will Sebastian Kurz also die erst im letzten Jahr von seiner Partei erhöhte Umsatzsteuer für Beherbergung wieder reduzieren. (Das zeugt eindrucksvoll von der Fähigkeit der kurz’schen Partei, so richtig langfristig, gar weit in die Zukunft hinein zu denken, zu planen …)

Eine Rücknahme der ebenfalls erst im letzten Jahr von seiner Partei erhöhten Umsatzsteuer im kulturellen Bereich, eine Rücknahme der ebenfalls erst im letzten Jahr von seiner Partei und also auch von ihm erhöhten Umsatzsteuer für „Künstler“ fällt Sebastian Kurz nicht ein.

Wie auch?

Es darf mit Recht gefragt werden, ob Sebastian Kurz die Wörter Kunst und Kultur überhaupt geläufig sind.

Denn.

Zu Kunst und Kultur ist von Sebastian Kurz nichts bekannt. Bis auf die Präsentation der Großbauerin, die für ihn, Kurz, stehe für …

Zur Kultur gehört auch die Rede. Und wenn die gar vielen Aussagen von Sebastian Kurz an der Kultur der Rede gemessen werden, begreift Sebastian Kurz von Kultur die Kulturlosigkeit. Und bei der Kunst in jedweder Form gibt es von Sebastian Kurz nichts, mit dem eine Messung möglich wäre.

Es ist für dieses Land auch bezeichnend, daß Kunst und Kultur keine Themen sind, zu denen es mediale Fragen an Kandidaten und Kandidatinnen der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 gibt. Sebastian Kurz nicht danach zu fragen, nun, bei ihm mag dafür christliche Nächstenliebe ausschlaggebend sein, nach dem Bibelwort: Schonet aber die mit Überforderung Beladenen …

Es richten sich bereits viele, viel zu viele darauf ein, es ergeben sich bereits viele, viel zu viele schicksalshörig einer Vergangenheit, die in der Wahlreklame Zukunft genannt wird, daß Sebastian Kurz der nächste Bundeskanzler … kann ein Land aber wie Österreich, das gar so stolz darauf sein möchte, ein Kunst- und Kulturland zu sein – für den Tourismus gewiß ein hergerichtetes ist, im Verkehr mit Fremden gewiß keines – sich tatsächlich einen Bundeskanzler leisten, dem Kunst und Kultur gar nichts sagen, nichts bedeuten, dem Kunst und Kultur so unverständlich sind wie wohl den meisten Menschen die schwarzen Löcher im Universum, sein gesamtes Universum der Kunst und Kultur Finsternis …

Was für Senkungen neben der Umsatzsteuer fallen Sebastian Kurz noch ein? Es sind die Förderungen. Welche Förderungen zu senken es sein werden, auch sein werden, dazu bedarf es keiner Phantasie. Einem Menschen wie Kurz, dem zu Kunst und Kultur nichts einfällt, kann nur eines sofort einfallen, im Bereich von Kunst und Kultur die Förderungen …

Hierzu paßt auch das von der kurz’schen Partei ebenfalls erst im letzten Jahr mitbeschlossene Auslaufen der Bildungsfreibeträge, der Entfall der Bildungsprämie …

Vor langer Zeit wurde gerne die Formulierung für Unentdecktes verwendet: es gäbe weiße Flecken auf der Landkarte. Im Fall der kurz’schen Partei könnte nach dem 15. Oktober 2017 eine neue Formulierung sich durchsetzen: Dank der kurz’schen Partei ist Österreich heute ein schwarzer Fleck auf der Landkarte, was Kunst, Kultur, Bildung … so ein schwarzer Fleck, wie das kurz’sche Programm bereits jetzt ist. Und wie schwarz die kurz’sche Schwärze ist, Sie sich davon eine Vorstellung machen können, wie schwarz die Zukunft in Österreich werden – ein Blick genügt: Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei …

Und wenn Sie einen Blick auf die kurz’sche Finsternis werfen, denken Sie dabei unbedingt auch daran, wie noch schwärzer es werden könnte, mit seiner identitären Partnerin in der Regierung, mit dieser Parlamentspartei mit ihrem recht ausgeprägten … das muß gar nicht weiter, nicht wieder groß ausgeführt werden, eine Zeile von Josef Weinheber bringt es auf den Punkt, seine Bestellung in einem Kaffeehaus …

PS Wie seltsam doch Künstlerinnen und Künstler sind. Sie dienen sich auch jenen an, denen sie vollkommen egal sind, wollen sie nach wie vor Knechte und Mägde der Macht sein und sogar von jenen, von denen sie sich dafür in günstige Position bringend meinen, sie werden die Macht erlangen, und sei es auch nur eine klitzekleine Macht in einem klitzekleinen Staat. Wie Jiny Lan, die Sebastian Kurz malt, mit dem Parlament als Hintergrund; zutreffender allerdings als Hintergrund wäre der unweit vom Parlament gelegene Volksgartentempel, vor dem eine Figur von Josef Müllner steht zur Kenntlichkeit der geistigen Verfaßtheit in diesem Land damals wie heute …

Jiny Lan malt Sebastian Kurz mit falschem Hintergrund

DADA? — TATA? — OPAPA!

Jonathan Meese oder Jens Friedbert BotheZurück in der hellen Wohnung im einundzwanzigsten Stockwerk mußte vor der Neugier kapituliert werden, vor der Frage nach dem Einfluß des Jonathan Meese …

Und?

Ja. Eine Kunsthistorikerin würde vielleicht bereits von einer Schule des Jonathan Meese sprechen. Sie würde oder könnte auf Vorträge verweisen, ebenfalls beispielsweise auf der Plattform des Unternehmens Youtube zu finden, von sogenannten Reichsbürgern und Staatsverweigerinnen, die ebenso talentiert und ebenso inhaltsreich wie Meese zu referieren, sich darzustellen wissen … Eine Kunsthistorikerin, ein Kunsttheoretiker wie beispielsweise Bazon Brock, könnte profund darlegen, ob es sich etwa bei Rüdiger Hoffmann von dem Staatenlos oder bei Monika Unger von dem Staatenbund Österreich um Schüler und Schülerin des Jonathan Meese … oder ob es sich hierbei um eine unabhängig voneinander sich entwickelnde Kunst handelt … Ein Kunstphilosoph könnte das Gemeinsame herausarbeiten, auch die Unterschiede, etwa in bezug auf „Naturrecht“, oder auf die Anklage, wie sehr alle, also die anderen, in „ideologischen Glaubensrichtungen stecken“  und so weiter und so fort. Welchen Stellenwert hat das „eiserne Kreuz“ bei Meese, im Gegensatz beispielsweise bei Jens Friedbert Bothe von dem Sonnenstaatland … Wie auch immer das Urteil einer Kunsttheoretikerin ausfallen könnte, eines eint diese Künstlerinnen und Künstler, das kann bereits jetzt gesagt werden, es eint sie eine glasklare Argumentation, es eint sie, beeindruckbare Theorien vorzulegen, die ihnen unwiderlegbar sind und so weiter und so fort.

Im Angesicht von solchen Künsten wird es immer wieder schmerzlich. Schmerzlich, kein Mensch der professionellen Kunstkritik zu sein. Wie schön wäre es jetzt, auf diese drei Blätter zu zeigen und auf Anhieb sagen zu können, das ist ein Bothe, das ist ein Meese …

Und ihre Ahninnen — DADA?

Ja. Es könnte durchaus, für Meese allein wäre es wohl angebrachter zu sprechen, von DADA zu MAMA … das aber ließe die anderen unberücksichtigt … ein Kunstheoretiker würde es von DADA herleiten und schließlich für sie den Begriff TATA — — vielleicht doch eher OPAPA … ist ja doch ziemlich tatterig heutzutage noch so etwas  …

Ach, wieso kann die Kunst nicht schon seit gestern regieren! Geduld, ja, das wird gewußt, ist eine Tugend. Geduld, wie leicht es zu sagen, wie schwer sie zu leben. Aber eines Tages wird die Kunst herrschen, werden nicht nur Meese, Bothe, Unger, sondern alle, alle  für die Kunst marschieren, der Kunst gehorchen, der Kunst dienen, und dann wird die Zukunft so sein, wie sie Meese herbeiredet, so sein, wie Meese die Zukunft klar und deutlich malt, so klar, als wäre sie bereits Wirklichkeit, seine Worte über die Zukunft so klar, als wären seine Worte die Zeitmaschine, mit der bereits jetzt in diese Zukunft … Oh, wie gut, dass es weitere Künstler und Künstlerinnen gibt, die – und das ist einerlei – ob als seine Schülerinnen und Schüler, ob als seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen oder ob gänzlich unabhängig voneinander der Zukunft …

Jonathan Meese - Schule der erzreichsbürgerlichen Kunst

Alle Religionen sind Kunst

Jesus Christus Mischwesen

Es ist doch erheiternd zu lesen, daß die identitäre Parlamentsparteiwegen eines Kunstprojektmischwesens an Kardinal Christoph Schönborn sich schriftlich wendet, an den Vertreter einer Organisation also, somit ausgerechnet an den höchsten Vertreter einer Kunstorganisation in diesem kleinen Land, das stets Staunen hervorruft, wie in einem derart kleinen Land all das Kunstzeug der schönbornschen Organisation Platz finden kann, Werner Neubauer mit einem offenen Brief einen Kunstfabrikangestellten um Meinung anfleht, deren erste Anbetungsmarke ja ein Mischwesen ist.

Und was ist Jesus Christus anderes als ein Mischwesen: ein Teil Mensch, ein Teil Gott. Es ist eine Mischkulanz, die nur nach einer Nacht der größten Ausschweifung unter Verteilung ganzer Jahresdrogenernten gebraut werden konnte, die zu inszenieren etwa ein Hermann Nitsch mit seinem Puppenschloßorgienmysterientheater nicht einmal träumen kann. Denn. Mischwesen Jesus Christus ist zusätzlich auch noch ein Teil von Gott, der oder die oder das oder geschlechtslos ein Mischwesen aus dem Mischwesen Jesus Christus und einer Taube, die auf den Namen „Heiliger Geist“ hören soll, wobei äußerst fraglich ist, ob sie, die Taube, auf ihren Namen auch wirklich hört.

Und Jesus Christus ist nicht anders gezeugt worden, als es nun Maja Smrekar mit ihrem Mischwesen aus Hund und Mensch versucht. Mit einem Unterschied freilich, als das Mischwesen Jesus Christus gezeugt wurde, war es eine bloße schriftliche Zeugung. Denn. Damals gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten einer unbefleckten Empfängnis, die heute Maja Smrekar zur Verfügung stehen, um eine unbefleckte Empfängnis wirklich wahrwerden zu lassen.

Es ist vielleicht nicht von ungefähr, daß es gerade eine Frau ist, die wieder ein Mischwesen gebären will, mit dem Vornamen Maja: die „Hehre“, die „Höhere“. Wird nicht so ihre Kollegin Maria angebetet, vor der zu viele Ehrfurcht haben, und sie, Maria, deshalb nicht beim Kosenamen Maja angekniet wird.

Ja, das Kunstprojekt von Maja Smrekar erinnert wieder einmal daran:

Alle Religionen sind Kunst.

Alle Religionen sind bloße Kunst. Denn. Es ist in jedweder Religion alles vorhanden, was Kunst definiert, Kunst ausmacht, kurz und schlecht gesagt, nur für die Kunstrichtung Religionen aufgezählt: es ist Phantasie dabei, es ist Märchen dabei, es ist der Luxus, der für das nackte Leben nicht gebraucht wird, dabei, es ist Ausschweifung dabei, es sind Halluzinationen dabei, es ist Wirklichkeitsfremdes dabei, es ist Wahn dabei, es ist Begierde dabei, es ist Lust dabei, es ist Krankhaftes dabei, es sind Versteigungen dabei, es sind Irrtümer dabei,  es sind psychische Mängel dabei, und so weiter und so fort.

Alle Religionen sind Kunst, wobei die Kunstsparte Religionen wohl die schwärzeste, die negativste Kunstsparte ist, aber auch die je erfolgreichste Kunstrichtung, die je einflußreichste und damit die je schrecklichste, die je tödlichste Kunst ist, die je alles vernichtende Kunst ist, die der Mensch je ersann und ausübte.

Und als Einschub, weil einer aus der FPÖ und bezeichnenderweise jener mit dem Namen Rosenkranz klagte:

„Wenn es um Mohammed und den Islam geht, trauen sich die Künstler eh nicht mehr“,

kann besonders ihm gesagt, Mohammed war ein schwacher, armer und phantasieloser Künstler, bei dem es nicht einmal dazu reichte, eine solche Mischkulanz an Mischwesen zu ersinnen, dabei hätte er nur die mit Rosenkränzen in den Händen angebetete Mischkulanz abkupfern müssen, aber die Einfalt seines Herzens, das ihm Kunstgeist war, verwehrte ihm den Aufstieg zum großen Künstler …

Und was der Kunstsparte Religionen grundsätzlich ist und diese unverwechselbar macht, ist die Heilserwartung. Maja Smrekar ist eine Vertreterin der Kunstrichtung Religionen. Denn. Auch sie erwartet sich von ihrem Mischwesen im Grunde das, was besonders das Mischwesen ihrer Kollegin seit zweitausend Jahren nicht und nicht erfüllt und auch je nicht mehr erfüllen wird, in bezug auf die Heilserwartung an ein Mischwesen hat das Mischwesen Jesus Christus nicht einmal das zusammengebracht und wird es auch nicht mehr zusammenbringen, was ein Mensch in einer halben Minute unter dem Nagel seines kleinsten Fingers an Schmutz sammeln kann.

Und das wird Maria Smrekar nicht unbekannt sein, die Heilserwartungsenttäuschung des Mischwesensprototyps. Und dennoch ist sie voller Zuversicht, ausgerechnet ihr Mischwesen werde … betet mit ihrer Kunst den Rosenkranz der Heilserfüllung:

„ARTE_mis ist das vierte Projekt der Reihe, bei dem eine Eizelle der Künstlerin eine somatische Zelle ihres Hundes in sich aufgenommen hat. Ergebnis ist eine hybride Zelle, der ein dystopisches Szenario innewohnt, die gleichzeitig aber eine neue Species schaffen könnte, deren Überlebenschancen auf dem Planeten Erde besser sind als unsere – nicht zuletzt deswegen, weil dieses Mischwesen seine Umwelt humaner behandeln würde als wir das tun.“

Alle Religionen sind Kunst. Und was bei einer Aufzählung gerade zur Kunstrichtung Religionen nicht fehlen darf, ist die Fälschung. Über die hat erst vor kurzem Kunstkritiker Schönborn geschrieben, als er eine fromme Rezension des Grabtuches von dem Mischwesen …