Courtshop gangbang at the Vatican

„In der Erzdiözese Wien sorgen Nacktbilder im Rahmen der Ausstellung des Künstlers August Zoebl im Curhaus, dem Pfarrhof der Pfarre des Wiener Stephansdoms, für Verwunderung und Diskussionen bei Katholiken. Die Ausstellung lief seit einigen Wochen und wurde am 7. Januar beendet. Die Bilder waren im Pfarrhof so ausgestellt, dass diese jeder, auch Kinder, sehen konnte. Unter anderem wurde ein Bild von zwei Lesben gezeigt, die sich vor einer Kirche küssen. Auf einem anderen Bild war eine halbnackte Frau zu sehen, die vom Künstler als ‚Das erste Licht im Felsengrab: Ein Mensch‘ beschrieben wird. Das Bild, welches man um 25.000 Euro kaufen konnte, nennt sich ‚Pietá‘. In der Eigenschreibung heißt es dazu noch: ‚Zur Kommunikation der unerhörten Botschaft Auferstehung.‘ kath.net hat gestern die Erzdiözese Wien um eine Stellungnahme ersucht, bis jetzt aber noch keine Antwort erhalten.“

Selbstverständlich kann es ohne einen Kommentar zusätzlich durch die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Regierungspartei in Österreich nicht abgehen. Ist August Zoebl für die Kathnet ein Künstler ohne Anführungszeichen, so ist er für die gesinnungsgemäß zensurierte Website kein Künstler, das sollen die Anführungszeichen wohl zum Ausdruck bringen.

„In aktuellen Debatte rund um die katholische Kirche sorgt nun eine Aktion im Stephansdom für die nächste Aufregung. Eine Ausstellung von halbnackten, obszönen und teils homosexuell dargestellten Menschen stößt nicht nur konservativen Kirchenvertretern sauer auf, sondern auch etlichen Katholiken. Verantwortlich zeichnet sich für die fragwürdige Aktion der ‚Künstler‘ August Zoebl.

Erzdiözese schweigt

Er sorgt mit seinen Bildern von nackten Frauen aber auch sich küssenden Lesben derzeit für Kopfschütteln unter Besuchern des Curhauses im Pfarrhof des Stephansdoms. Doch nicht nur die seltsam titulierten Bilder wie etwa ‚Das erste Licht im Felsengrab: Ein Mensch‘ ärgern die Besucher, sondern auch die dafür verlangten Preise. So ist eben jenes Bild etwa ab 25.000 Euro zu haben.“

Preise von Künstlerinnen können nicht ärgern, ein jeder Künstler kann für seine Werke Preise ansetzen, die er eben hoffnungsfroh ansetzt, wie es ihr beliebt, er sich selber mit seinen Werk einschätzt, das durch den Preis Ausdruck finden soll. Freilich überschätzen viele Künstler den Wert ihrer Werke und ihren Wert als Künstlerinnen.

Vielleicht rechtfertigt das Material den Preis von 25.000,00 Euro; ist doch in der Beschreibung irgendwas von „Rand 24 Kt Reingold“ angeführt … denn sonst ist es ein Bild eines Künstlers, das selbst in einem 1-Euro-Geschäft ein Ladenhüter zum Ärger der 1-Euro-Geschäftsinhaberin, es je eingekauft zu haben, nur sein kann, oder nicht zum Ärger, wenn sie es bloß auf Kommission übernommen hat.

Was für abenteuerliche Interpretationen. Von Kathnet und der gesinnungsgemäß zensurierten Website: „Lesben, die sich küssen, halbnackte Frauen, von halbnackten, obszönen, teils homosexuellen dargestellten Menschen, dass diese jeder, auch Kinder, sehen konnte.“

Ein Kuß macht noch keine „Lesbe“.

Vielleicht sind es einfach Frauen, geflüchtet vor ihren Ehemännern und vor deren blutiger Liebe, in einem Moment der Trostsuche, in einem Moment der Sehnsucht nach Zärtlichkeit, die nicht messerkalt wie die ihrer Männer ist.

Was müssen Menschen, auch Kinder, sich in Kirchen seit Jahrhunderten an Nacktheit ansehen. Auch an Obszönität. Vor allem an Obszönität der Gewalt.

Was allein, um ein Beispiel zu nennen, ist in der Hauptkapellenfiliale alles werbend.

„Das jüngste Gericht“.

Wie könnte das ein Mensch, der niemals die Bibel las und deshalb ein glücklicher Mensch genannt werden kann, dieses Deckengemälde interpretieren? Noch nie gelesen. Sagt plötzlich wer, und drängt sich damit selbst als dritte Figur in das Kapitel.

Vielleicht so.

Sagt die ungebetene Figur. Ob gebeten oder ungebeten, soll sie halt trotz ihrer Aufdringlichkeit sprechen.

Vielleicht ist das Gemälde so zu interpretieren. Der angesagteste Koch in einer Stadt serviert seine neueste Essenskreation und nennt diese „Das jüngste Gericht“. Nachdem die Abendgesellschaft es verspeist hat, angeregt und mehr und mehr enthemmt durch die triebfördernden Zutaten seines jüngsten Gerichts, reißen sich Männer wie Frauen ihre Kleider vom Leibe und stürzen sich aufeinander. Eine halbnackte Frau wird von einer vor ihr knieenden Frau betatscht, schickt sich energisch an, sie weiter auszuziehen, drängt heftig vor zu ihrer Scham, um sie endlich mit der … und so weiter und so weiter.

Aber es ist bei weitem nicht das einzige Bild für das eine Interpretation als bibelunkundige Betrachterin … es gibt Bilder, die beispielsweise Männer beim Peitschen zeigen, in einem Outfit, die nur eine Interpretation zulassen, hier finden sich Männer in bestimmten Lokalen zum gemeinsamen Ausflug auf einen Berg ein, um ihre Sado-Maso-Triebe zu befriedigen, und der Triebhafteste unter ihnen ist wohl der Mann mit den geschulterten vernagelten Brettern, der sich von vielen Männern mit Peitschen bedienen läßt.

Es muß der Figur Einhalt geboten werden, ihre Interpretation dieses Gemäldes hier noch weiter auszubreiten. Es braucht keine weitere Figur, die abenteuerliche Interpretationen absondert. Es ist bereits mit den zwei Figuren Kathnet und zensurierte Website hinlänglich erklärt, daß Interpretationen nichts mit den betrachteten Bildern zu tun haben, sondern ausschließlich die Interpretation der Betrachterinnen und also die Betrachterinnen selbst interpretieren, ihre Abgründe offenbaren. Abgründe, aus denen sie nicht herauskommen, es für sie kein Entrinnen aus ihren Abgründen gibt, sie sind in ihren Abgründen begraben, ohne jedwede Aussicht auf Auferstehung.


„Direkte (demokratische) Kunst“

In der Ausstellung muß plötzlich beim Lesen von „Direkte (demokratische) Kunst“ innegehalten werden, es drängt sich die Frage auf, die zum Stehenbleiben zwingt, was ist aus all dem geworden, dem „direkt“ schon vor über vierzig Jahren vorangestellt war.

Damals, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, in Wien, mit dem 1968 gehabten Höhepunkt im Hörsaal, von dem heute, vierzig Jahre später, in Österreich immer noch gezehrt wird, von einem einzigen je gehabten Höhepunkt.

Und dann fällt die Zeile auf: „direct art happing – Die happening-Päpste von Wien BRUS & MUEHL …“ — „Päpste“ … Hätte Otto Mühl zu dieser Zeit in sich hineingehört, hätte er bereits wissen können, was aus ihm werden wird, und was er war, ist er dann geworden, alles, nur eines nicht, ein herzeigbarer Repräsentant für „direkte (demokratische) Kunst“. Es hat schon die Richtigkeit gehabt, unfreiwillig oder, wie es auch gesagt werden kann, unbewußt formuliert, das demokratische von Klammern eingesperrt …

So lange also geht es schon um mit „direkte …“ — Und was ist daraus geworden? Wer trat die Nachfolge an? Wer lutscht immer noch an der „direkten“ Möhre, hält sie zwischen den wölfischen Zähnen dem sogenannten Volke vor die lange, lange Nase?

In Österreich ist es – wozu noch nennen, das jedem Menschen ohnehin bekannt …

Und es fällt noch ein „Aufruf“ auf, von damals, von 1969.

Wenn an die ganzen Ferkeleien mit den völlig wirren Kommentaren gedacht wird, die heutzutage, Jahrzehnte später, in den Dunkelkammern von SM gelesen werden können, gedacht wird, gerade und vor allem auf der Website …, erscheinen plötzlich die Männer von damals, und es waren auch nur Männer, als Vorläufer, als Zeitgenossen von den heutigen Männern, und es sind wieder vor allem Männer, vielleicht mit dem Unterschied, daß heute ein paar Frauen mehr dabei sind, als damals … nein, die heutigen SM-Männer sind die Zeitgenossen von damals, sind in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen Männer wie Wiener, Brus, Nitsch, Bauer …

„Aufruf

klaus und kreisky haben mit ihren organisierten schlägerbanden die macht in österreich an sich gerissen. ihre feile gerichtsbarkeit, diese feme des österreichischen frührentners, hat es zuwege gebracht, alle aufrechten österreicher über die grenzen ihrer heimat zu jagen. in bolzano fand sich ein häuflein der versprengten und beschloß, unter hintansetzung persönlicher interessen, gut und leben für die befreiung der gesamten österreichischen bevölkerung vom terror der austro-terroristen zu befreien. diese männer beschlossen, die österreichische exilregierung zu errichten.“

Von gestern zu gestern … es haben sich seither nur die Namen geändert. Josef Klaus und Bruno Kreisky sind schon lange nicht mehr im Amt. Aber sonst? Ein Inhalt wie 2018, und ist doch schon aus 1969.

Wie rührend sich 1969 die Herren „unter hintansetzung persönlicher interessen“ Ministerstühle zugeschoben haben. Nein, nicht Ministerstühle, sie alle wollten „Kaiser“ sein, „Kaiser für Volksgesundheit“, Militärkaiser“ und so weiter.

Freilich die Vorstellung, bereits im Weitergehen erstmals der perverse Gedanke, sich in eine Zeit der Vergangenheit, in die Zeit vor vierzig Jahren zurückzuwünschen, als es die Ferkeleien nur von einer Handvoll Männer gab, als solche „Aufrufe“ so selten waren, wie die Höhepunkte in den österreichischen Schlafzimmern es heute noch sind. Solche Ferkeleien es nicht in dem Ausmaß einer Sintflut, oder zeitgemäßer, wenn es denn zeitgemäßer ist, solche Ferkeleien es nicht in dem Ausmaß von Postinggushes gab wie heute, in den SM-Kammern.

Und noch etwas verleiht dem perversen Gedanken, in einer, in dieser Vergangenheit der 60er Jahre  des letzten Jahrhunderts zu sein sich zu wünschen, Charme. Diese Männer, nicht alle, sind etwas geworden, haben Karrieren gemacht, im künstlerischen Bereich. Eines jedoch sind sie nicht geworden: Minister, Kaiser, nie sind sie als Regierung angelobt worden – mit ihren Ferkeleien, was für ein bewundernswerter Gegensatz zu den 10er Jahren dieses Jahrhunderts, in denen Menschen mit ihren Ferkeleien jedweder und vor allem moralischer und ethischer Art auf Regierungsstühle gehievt …

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Um sich Regierungsumsatzsteuergunst zu verdienen, kann in Österreich nur eines empfohlen werden: Künstler werdet Hotels, Künstlerinnen werdet Campingplätze, kurz gesagt, Tourismusbetriebe.

Tourismusministerin verteidigt Zurücknahme erhöhter Mehrwertsteuer

Im Morgenjournal von diesem Dienstag, 27. Februar 2018, verteidigte der diesmal mit der Stimme von Elisabeth Köstinger sprechende Sebastian Kurz die „Zurücknahme der Mehrwertsteuer für Tourismusbetriebe.“

Österreich will im Tourismus noch wettbewerbsfähiger werden. Hotels, Pensionen und Betreiber von Campingplätzen könnten mit einer Senkung der Umsatzsteuer auf Nächtigungen von 13 auf zehn Prozent rechnen, sagte Tourismusministerin Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag in Krumpendorf. Die entsprechende Vorlage werde am Mittwoch im Ministerrat behandelt. Das Gesetz solle zum 1. November in Kraft treten. Das Volumen der Entlastung für die Betriebe bezifferte die Ministerin mit 120 Millionen Euro jährlich. Trotz Rekordzahlen bei den Gästen seien die Gewinne seit Jahren rückläufig.

Weiterhin aber wird es die erhöhte Umsatzsteuer für Künstler geben. Künstlerinnen müssen demnach enorme Gewinne machen. Denn. Wären die Gewinne auch bei ihnen seit Jahren rückläufig, die Ministerin, die so viel von Sebastian Kurz spricht, läßt keinen anderen Schluß als den zu, in Wahrheit ist sie Sebastian Kurz, würde sofort die Umsatzsteuer für Kunstschaffende senken.

Wenn Kunstschaffende also auch die Regierungsumsatzsteuergunst erlangen wollen, kann ihnen nur eines geraten werden: Werdet Hotels, werdet Campingplätze, werdet Pensionen, kurz, Tourismusbetriebe.

Damit ist aber nicht gemeint, die Kunst aufzugeben. Malerinnen etwa könnten aus ihren Ateliers kleine, aber feine Pensionen machen, mit ein zwei oder drei, vier Betten. Und Gäste zahlen für ihre Übernachtungen den Quadratzentimeterpreis, den sie für ihre Bilder festgelegt haben, und sie, die Gäste, bekommen zur Erinnerung an Atelierpensionsübernachtung das Bild, das sie sich ausgesucht haben.

Das könnte der Kunst in Österreich einen neuen Auftrieb geben. Allein schon die dafür zu findenden Namen für die Atelierhotels könnten eine neue Kunstrichtung begründen: Atelier zur schönen Aussicht und so weiter und so fort.

Soher kann erst so recht verstanden werden, wenn der zurzeitige Bundeskanzler als Tourismusministerin davon spricht, Österreich wieder zur Spitze – das geht eben nur mit der Kunst

Österreich ist, heißt es immer wieder bei seinem ergebensten Kritiker als Schriftsteller, also bei Thomas Bernhard, ein kunstfeindliches, ein kunstzerstörendes Land, oder so ähnlich, wer will sich schon seiner Wörter genau erinnern. Das Gegenteil ist der Fall. SPÖ und ÖVP haben 2016 diese Kunstmotivation durch die Erhöhung der Umsatzsteuer aus reiner Liebe zur Kunst in Gang gebracht, und FPÖ und ÖVP gehen diesen Weg aus reiner Liebe zur Kunst unbeirrt weiter, ihr größtes Anliegen, Kunstschaffende zu motivieren, sie derart herausfordernd zu fördern …

 

 

Mann alleen

avenidas y ramas 18 - BK
Im Prater wichsen wieder die Bewunderer

Ein Gedicht von Eugen Gomringer ist zum Mittelpunkt eines Disputes um Kunst und deren Freiheit geworden, es hat nun sogar die Philosophie, zu großes Wort, Konrad Paul Liessmann bewogen, etwas zu diesem Disput beizutragen.

„Die Barbaren sind mitten unter uns. Sie lauern nicht am rechten oder unteren Rand der Gesellschaft, sie gehören nicht zu den Bildungsfernen und Bildungsverlierern, sie kommen nicht aus unterentwickelten Regionen, sondern sie sitzen an den Schaltstellen von Kunst und Wissenschaft, schreiben in Qualitätsmedien, diskutieren an Universitäten, leiten Gemäldegalerien, dominieren die Talkshows. Barbaren sind sie dennoch. Denn im Grunde ihres Herzens verachten sie die Kunst. Unter dem Vorwand, gegen Sexismus und Rassismus zu kämpfen, übermalen sie Gedichte.“

So beginnt Konrad Paul Liessmann seinen Beitrag am 8. Februar 2018 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ …

Vollkommen unverständlich, derart zu beginnen. Denn. Gesinnungsgemäß kann es nicht der „rechte Rand“ sein. Diesem würde das dem Gedicht Vorgeworfene gar nicht stören, im Gegenteil, diesem wäre es, in dieser Interpretation gelesen, ein Gebet der gesinnungsgemäßen Männlichkeit. Gesinnungsgemäß kann es nur dann der „rechte Rand“ sein, wenn es gegen die sogenannte Moderne in Literatur und Kunst geht, die Werke also nicht reaktionär blümeln …

Vollkommen richtig. „Die Barbaren sind mitten unter uns.“ Ein Barbar ist ein Mensch, so wurde es einst verstanden, der die Sprache eines anderen nicht versteht, nur, sollte ihm dieses Glück beschieden sein, seine eigene Sprache. Konrad Paul Liessmann versteht die Sprache der Frauen nicht.

Im Prater blühn wieder die Bäume

Konrad Paul Liessmann versteht nicht, wenn Frauen davon sprechen, daß das Gedicht von Eugen Gomringer sie an sexistische Übergriffe, an sexistische Belästigungen erinnert, sie, die Frauen, zum Objekt des Begaffens verpflanzlichen.

Im Gedicht kommen Alleen vor.

avenidas y flores y mujeresIm Gedicht kommen Blumen vor. Und Frauen kommen im Gedicht vor. Auf einer Stufe. Zusammen an den Wegesrand gestellt, zum Bewundern, aber es kann ein abgründiges …

Wie leicht wäre es doch zu verstehen, daß Frauen von Männern nicht mit Blumen in Alleen in eine Reihe gestellt sich sehen wollen.

Aber Konrad Paul Liessmann versteht die Sprache der Frauen nicht. Wie sollte er erst tonlose Blumen verstehen können, die ihm einiges über Männer erzählen könnten. Sie könnten ihm erzählen, daß ihnen Männer wie Basho vielleicht lieber sind als Männer wie Goethe, Männer wie Tennyson ganz und gar ein Greuel, eine tödliche Gefahr, die sich in Gedichten mit ihnen … obgleich Basho, anders übersetzt, auch ein „Bewunderer“, letztlich ein Vereinigungsbegehrer … das könnten die am Rand auf der Prater Hauptallee ihm nicht erzählen, es treibt die Männer nicht die Wissenschaft, nicht die Dichtung in die Alleen, wo sie unruhig wichsen, wenn die Blätter treiben, wenn die Blätter nicht treiben.

Wie oft haben Frauen schon erzählt, auf der Prater Hauptallee an wichsenden Männern vorbeilaufen zu müssen, wenn sie die Prater Hauptallee zur sportlichen Ertüchtigung aufsuchen. (Es erschließt sich nun wie von selbst die tiefe Bedeutung des beliebten Liedes: „Im Prater blühn wieder die Bäume.“)

Es mag Konrad Paul Liessmann ein Kunstfreund sein, ein Gegner der Kunstzensur, aber ein Gegenwartsfreund, ein Fortschrittsfreund, ein Zukunftsfreund kann er nicht genannt werden, und er wird sich viele Freunde gemacht haben, unter den Bewunderern mit den Barbareneiern auf der Prater Hauptallee, mit seiner Unterzeichnung des „Briefes der 800“,

Heinz Mayer bestätigt die Notwendigkeit der Binnen-I-Schreibung – Teil 8 der Komödie in Fortsetzung

mit dem im Grunde nichts anderes gefordert wurde, als die Zensur der Sprache.

Dem Gedicht von Eugen Gomringer gebührt aber die höchste Auszeichnung. Es zieht Konrad Paul Liessmann die Hose aus, und zum Vorschein kommen …

Avenidas y gachósEin Elend ist aber stets das Interpretieren von Gedichten. Wer wird das Gedicht noch übermalen wollen, wenn dabei an die „Bewunderer“ auf der Prater Hauptallee gedacht wird, wie sie hinter Bäumen versteckt ihr kümmerliches und stets nur für Sekunden steifes Glied wichsen und wichsen, die ärmliche Hugo-Boss-Hose bis zu den Wadeln hinuntergelassen, mit ihren entblößten Bierschwangerschaftsstreifenbäuchen  – wer wollte dann nicht auch dieses Gedicht in Goldlettern in einem Goldrahmen an der Wand im besten Zimmer der Wohnung haben.

Männer in Alleen allein. In Berlin – und der Disput geht um das Gedicht auf einer Mauer in Berlin. Stehen sie auch wichsend in den Alleen, und nicht nur in Wien, kann das Gedicht gerade in Berlin auch Erbarmen mit dem „Bewunderer“ hervorrufen, so „alleen“, das Kümmerliche in der Hand, mit sorgenvollem, einsamkeitsgefurchtem Gesicht, das können die Mimik der unverschämten Überlegenheit und die Posen der geilen Frechheit nicht verbergen, mit hilfloser Tonlosigkeit nach Aufmerksamkeit, nach einer Geste, mag diese auch ablehnend sein, der Zuneigung, mit dem Wichszeichen ständig den Satz „Lass mir nicht so alleene da stehn!“ …

Und ob Konrad Paul Liessmann wirklich ein Kunstfreund ist? Vielleicht von sehr alter Kunst. Es wäre stimmig. Kommt er doch auch bei der Philosophie nicht so recht an die Gegenwart heran, bleibt Jahrzehnte davor stehen, wie er so eindrücklich in Salzburg …

„Doch das ist nichts Neues“

… wo er gerade einmal bis …

Alleen und Männer

Übrigens, beim „Brief der 800“ war gesinnungsgemäß die FPÖ die treibende Kraft, also die Partei, in der die Männer meinen, Eier wie Odin (falls dieser überhaupt Eier haben kann) zu haben, und weil es ebenfalls sehr aktuell ist, dürfen die Burschenschaften nicht unerwähnt bleiben. Wie sehr würde sich wohl gerade in diesen Tagen die montagsgemachte identitäre Regierungspartei wünschen, es wäre die heutige Zeit noch eine so recht gute alte Zeit, in der ein Wortführer (gesinnungsgemäß ein Mann) einmal sagt, eine Debatte um die Burschenschaften brauche es jetzt nicht, und augenblicklich ist die Debatte beendet. Wie lange ist das schon her, daß Konrad Paul Liessmann

Rund um und aus Odin Wiesinger dampft es

genau das sagte, in einer Fernsehdiskussion – aber wer hört schon auf …

Das wäre jetzt ungerecht, zu sagen, er werde nicht gehört … es könnte ihm noch ein großer Aufstieg bevorstehen, zum ersten Philosophen, kein zu großes Wort, der FPÖ und der AfD …

Konrad Paul Liessmann - Aufstieg zum führenden Philosophen

„Fahne für Österreich“, datiert 15. Oktober 2017: Ein Leichengedicht

Österreich

Was je zu erwarten ist, wird gewählt.

Die Wahl am 15. Oktober 2017 bestätigte bloß eines, daß die Flagge von Österreich seit langem schon keine rot/ich/weiß/rot ist, sondern eine schwarz/ich weiß rot/im gsicht/vor lauter blau

Vielleicht war rot/ich weiß/rot von Ernst Jandl aus dem Jahre 1969, um den vielen Interpretationen noch eine hinzuzufügen, ein Gedicht des ungeduldigen Herbeischreibens einer Gegenwart, auf die nicht länger mehr gewartet werden wollte, endlich aus der so fern, fern empfundenen Zukunft ausgegraben wird, für das Hier und Jetzt … Und diese von der Zukunft ersehnten Gegenwart ist dann ja auch bald, zwar nicht zur Gänze, aber doch …

Wäre die Fahne für Österreich nicht aus dem Jahre 1969, hätte Ernst Jandl seine Vier-Wörter-Fahne erst Jahre später geschrieben, dann freilich bliebe nur eine Interpretation im Sinne von Gesellschaft und Politik übrig: melancholisch vorausschauender Abgesang. Und in welchem Jahr hätte Ernst Jandl seinen Abgesang rot/ich weiß/rot schreiben können? Favorit dafür wäre wohl das Jahr 1997, als die Hoffnungen und Erwartungen schrumpften, erfüllt schon gesehen wurden mit einem Ausflug nach Maria Taferl  …

Und hätte Ernst Jandl seine Fahne für Österreich mit 15. Oktober 2017 datiert, eine Leichenrede …

Was in Österreich bloß noch zu erwarten ist, wird gemacht.

Und wenn jetzt nach der Wahl am 15. Oktober 2017 das Feilschen und das Berichten über das Feilschen um eine Regierung beginnt — schwarz/ich weiß rot/im gsicht/ vor lauter blauidentitär …

Wenn die Wirklichkeit in Österreich nichts mehr hergibt, als das Erwartbare, ist die Zeit gekommen, für Gedichte, oder wenigstens das Nachdenken über Gedichte, die nichts zu tun haben mit … Und das wird, mag es paradox klingen, vielleicht das Politischste werden, wenn Österreich in Kulturlosigkeit untergeht

Literatur und Parteipolitik – Nationalratswahl Oktober ’17, Österreich

Nationalratswahl Österreich - Wenn das Weinen zu spät ist

Es ist tatsächlich aufmerkenswert, wenn einmal im Zusammenhang mit der bevorstehenden Nationalratswahl Literatur vorkommt, wie gestern, am 30. September 2017, als Flic im Mittagsjournal gefragt wurde, ob er denn Romane lese.

Die Antwort darauf von Flic:

„ich les‘ immer wieder, meistens sind es nicht romane, eher sachbücher, biographien und relativ viele akten und unterlagen für meinen job.“

Ehe auf das Verhältnis, richtiger wohl, Nicht-Verhältnis von Literatur und Parteipolitik in Österreich eingegangen wird, stellt sich die Frage, welche Sachbücher von Flic wohl gelesen werden. Es würde hier zu weit führen. Aber es darf die Vermutung geäußert werden, es werden beispielsweise keine Schriften von dem österreichischen Philosophen Franz Fischer bisher dabei gewesen sein. Als Stichworte hierzu seien nur genannt „Proligion“ und „Proflexion“. Es würden sonst die Diskurse, richtiger wohl, die Meinungsaustausche in Österreich anders, besser verlaufen, auch die Meinungen von einem Flic gehaltvoller sein.

Und daß Flic bei der Frage zur Literatur sofort einfällt, er lese Akten und Unterlagen, was er sich selbst wohl hoch anrechnen wird, läßt tief blicken. Es scheinen ihm Akten und Unterlagen Literatur zu sein, jedenfalls in dieser Hinsicht, Akten und Unterlagen wie Literatur zu interpretieren, also daraus, um ein derzeitiges Modewort zu verwenden, fake news zu produzieren.

Ohne den geringsten Willen zur Verklärung soll an eine Fotographie erinnert werden, die Bruno Kreisky zeigt, wie er sich von seinem Sitz erhebt, um Peter Handke die Hand zu schütteln, es sieht wie eine Verneigung aus, der Staatsmann verneigt sich vor dem Dichter. Bruno Kreisky ist zu erwähnen, weil er nicht nur Namen von Schriftstellerinnen kannte, sondern Literatur wohl auch einen Einfluß hatte auf seine Politik, vor allem auf seine Sozialpolitik. Etwa die Lyrik des von ihm genannten Theodor Kramer. Wie anders könnten die Pläne für Menschen mit „kleinen Einkommen“ und das Reden über „Gerechtigkeit“ von Flic sein, läse er etwa Kramer … Aber nicht nur in dieser Hinsicht wäre Kramer eine heilsame Lektüre in diesem Land, also auch für Flic; es sollten vor dem 15. Oktober 2017 Wählerinnen und Wähler lesen, wer an Ihrer Tür läutet, wem Sie mit Ihrem Kreuz die Tür aufsperrten …

Wer läutet draußen an der Tür?
Die Fuchsien blühn so nah –
und wein‘ nicht, sie sind da

Und nun, wie oben versprochen, das Eingehen auf Literatur und Parteipolitik. Mit dem Wort „Nichtverhältnis“ ist  darauf schon erschöpfend eingegangen. Es könnte noch hinzugefügt werden, in den Wahlprogrammen der Parteien kommt Literatur nicht vor; einmal doch, im Flic-Programm:

„Gerade im Ausland wird man häufig auf die großartigen Errungenschaften in Musik, Literatur, bildender Kunst oder Architektur angesprochen.“

Das ist es dann auch schon, im Ausland angesprochen zu werden auf … Wie gut, daß nicht einmal im Ausland gefragt wird, was zu tun gedacht wird, daß es großartige Errungenschaften weiterhin …

Es ist also insgesamt in Österreich weiterhin schlecht bestellt, also nicht nur um die Literatur. Hierzu darf auf die Zusammenfassung von Patrick Kwasi zu den Programmen von einigen Parteien verwiesen werden

Wie schlecht es schon bestellt war, von dieser Regierung mit den Farben rot und schwarz, darf verwiesen werden:

Kunst und Kultur machen keine Arbeit. Endlich.

„Plan A für Kunst und Kultur, wenn ein nächster Termin dazu ansteht.“ 

Und wie die Partei und mögliche nächste Regierungspartei mit der Farbe blau es bestellen will — erst gestern wieder einmal ein Ausblick …

Ohne „entartete Kunst“ kann Kunst gar nicht in den Sinn kommen

Vielleicht fragen Sie sich, weshalb nicht geschrieben wurde: Literatur und Politik … Es wäre zu schmeichlerisch gewesen, österreichische Parteipolitik Politik zu nennen.

Ohne „entartete Kunst“ kann FPÖ unzensuriert Kunst gar nicht in den Sinn kommen

Aber das ist gar nicht mehr erwähnenswert. Es bekommt nur vor der bevorstehenden Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 eine Bedeutung, genauer, für die Zeit danach, wenn aus der identitären Parlamentspartei eine identitäre Regierungspartei gemacht werden wird, vielleicht von Flic …

Ist das von Flic gemeint, wenn er sagt, Österreich an die Spitze? Auf dem rechten Bergrücken zur Spitze der Abgründe und hinunter in den Abgrund …

Was kommt wohl FPÖ unzensuriert in den Sinn, wenn sie die Kommentare dazu von der ihrer Schreibstaffel liest? Ein Recht so!? Nicht wenige haben der Schreibstaffel gesinnungsgemäße Vorschläge positiv bewertet. Es will weder aus dem Kommentar der FPÖ unzensuriert noch aus den Kommentaren der Schreibstaffel etwas zitiert werden; es ist in der Collage nachzu…

Nach so vielen tiefen Gedanken in den Kommentaren unzensuriert werden wohl alle, die sie schreiben und die sie positiv bewerten, recht zufrieden sein und je vielleicht zu einem Verslein von Weinheber greifen …

NS Ach, was wird das wohl für eine gute Zeit gewesen sein, als ein Volk in seiner überwiegenden Mehrheit „verhaltensauffällig“ war, und nicht wie heutzutage, in dieser fürchterlichen Zeit, in der sich also auch „Transgender-Künstler immer verhaltensauffälliger gebärden“ … als „entartete Kunst“ kein „verpönter Begriff“ war, sondern ein gesinnungsgemäßer korrekter war und es kein Herumschlagen damit gab, was und was nicht „politisch korrekt“ …

fpö unzensuriert - kunst