Di casa in casa: Unweigerlich fällt Österreich ein, etwa beim Lesen über „Faschisten des 3. Jahrtausends“

Ostia - Casa PoundOstia, Strand Roms, ist zur Zeit im medialen Scheinwerfer.

Ob es einem Menschen in Ostia auch so ergeht, wenn er sich vor der bevorstehenden Wahl am Sonntag, 19. November 2017, noch informieren will, weil er noch unschlüssig ist, wem er seine Stimme geben soll, daß ihm, liest er von den „Faschisten des dritten Jahrtausends“, unweigerlich Österreich einfällt und dabei einen Stich im Herzen verspürt?

Weshalb sollte ihm Österreich dazu einfallen? Österreich ist doch weit weg. Er findet es nicht, läuft er dem Stand entlang, dirket vor seinen Füßen angeschwemmt, es ist noch nicht angestrandet im Sand …

Und. Es fällt ja nicht einmal einem Menschen in Österreich ein, läse er von Ostia zur Zeit, wie nah doch die

Casa Pound

Casa Pound …

Was könnte ihm alles einfallen, läse er zur rechten Zeit, es würde dem Menschen in Österreich so vieles augenblicklich hochkommen, was alles wieder hochkommen will, daß er es nicht rechtzeitig schaffte, den Kulturraum in seiner Wohnung aufzusuchen, um eine Sauerei in seinem Wohnzimmer zu vermeiden …

Und eine Casa ist noch näher, sie steht in Österreich, aber im Vergleich zur Casa Pound lieblicher, österreichisch halt, trachtig … Wer aber diese Casa durch den hinteren Ausgang verläßt, befindet sich augenblicklich vor dem Gabentisch mit der recht ordentlich geschriebenen Liste der Verteilungsgeschenke in der Casa …

Eine Zeitung findet ihren Zugang in die Casa Maria blind durch den Hintereingang

„Wiederbeleben des Faschismus“ – Stein antwortet, Hofer nicht

Hofer-Stein: „Jeder Erfolg der FPÖ bringt uns dem Ziel näher: den Faschismus wiederbeleben.“

FPÖ und Antifaschismus – Wenn Herbert Kickl von Norbert Hofer abschreibt, kommt dabei nur recht Unrichtiges heraus

Hofer, Gudenus, Strache und deren Faschismus-Zitat

Hofer-Strache sagen „nicht: Ich bin der Faschismus.“ FPÖ-ZZ schreibt: „Wiederbeleben des Faschismus“

„Ein neuer Eurofaschismus mit Südtirol als symbolischem Startpunkt“ und die Ballpolkarede von He.-Chr. Strache nicht ohne Südtirol

„Pegida: Wir stehen wahrhaftig am Anfang einer neuen patriotischen Bewegung“ – „Faschismus“

FPÖ-ZZ wünscht breiteste Verbreitung der „braunen Festschrift für jeden Lehrer, jeden Publizisten, jeden Historiker und natürlich auch jeden Politiker“

„Fahne für Österreich“, datiert 15. Oktober 2017: Ein Leichengedicht

Österreich

Was je zu erwarten ist, wird gewählt.

Die Wahl am 15. Oktober 2017 bestätigte bloß eines, daß die Flagge von Österreich seit langem schon keine rot/ich/weiß/rot ist, sondern eine schwarz/ich weiß rot/im gsicht/vor lauter blau

Vielleicht war rot/ich weiß/rot von Ernst Jandl aus dem Jahre 1969, um den vielen Interpretationen noch eine hinzuzufügen, ein Gedicht des ungeduldigen Herbeischreibens einer Gegenwart, auf die nicht länger mehr gewartet werden wollte, endlich aus der so fern, fern empfundenen Zukunft ausgegraben wird, für das Hier und Jetzt … Und diese von der Zukunft ersehnten Gegenwart ist dann ja auch bald, zwar nicht zur Gänze, aber doch …

Wäre die Fahne für Österreich nicht aus dem Jahre 1969, hätte Ernst Jandl seine Vier-Wörter-Fahne erst Jahre später geschrieben, dann freilich bliebe nur eine Interpretation im Sinne von Gesellschaft und Politik übrig: melancholisch vorausschauender Abgesang. Und in welchem Jahr hätte Ernst Jandl seinen Abgesang rot/ich weiß/rot schreiben können? Favorit dafür wäre wohl das Jahr 1997, als die Hoffnungen und Erwartungen schrumpften, erfüllt schon gesehen wurden mit einem Ausflug nach Maria Taferl  …

Und hätte Ernst Jandl seine Fahne für Österreich mit 15. Oktober 2017 datiert, eine Leichenrede …

Was in Österreich bloß noch zu erwarten ist, wird gemacht.

Und wenn jetzt nach der Wahl am 15. Oktober 2017 das Feilschen und das Berichten über das Feilschen um eine Regierung beginnt — schwarz/ich weiß rot/im gsicht/ vor lauter blauidentitär …

Wenn die Wirklichkeit in Österreich nichts mehr hergibt, als das Erwartbare, ist die Zeit gekommen, für Gedichte, oder wenigstens das Nachdenken über Gedichte, die nichts zu tun haben mit … Und das wird, mag es paradox klingen, vielleicht das Politischste werden, wenn Österreich in Kulturlosigkeit untergeht

Rot-Blau-Schwarz am 15.10.2017 zu wählen, heißt, Demokratie der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zu wählen.

Auch wenn massenmedial nichts anderes mehr gehämmert wird, nichts anderes mehr im Massenmittelpunkt steht als Rot, Blau und Schwarz, von nichts anderem mehr massenweise gesprochen wird, ob es einen roten, ob es einen schwarzen Mann als Kanzler nach dem 15. Oktober 2017 geben wird, und wie wird es die feudal-christliche Partei mit den Blauen, wie wird es die sozialdemokratische Partei mit den Blauen halten, muß gesagt werden, das alles ist zu vergessen.

Das alles ist ohne Belang. Das ist diesmal, wie nie zuvor, nicht die entscheidende, nicht die wichtige Wahlfrage.

Was tatsächlich am 15. Oktober 2017 gewählt wird, das ist die entscheidende und wichtige Frage: werden Sie die Dreifaltigkeitsdemokratie der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wählen?

Österreich auf dem Weg zur Demokratie der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.png

Und wenn es tatsächlich dazu kommt, wie es die von einer Massenumsonst heute, am 29. September 2017, veröffentlichte Umfrage nahelegt, daß nach dem 15. Oktober 2017 tatsächlich wieder, wie in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, nur drei Parteien im Parlament vertreten sein werden, also die drei Parteien mit den Farben rot, blau und schwarz, dann kann tatsächlich von einer Richtungsänderung, von einer Veränderung, von einer Wende in Österreich gesprochen werden. Von einer Änderung in Richtung 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, von einer Veränderung zurück in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, einer Wende in die tiefste Vergangenheit. Dagegen ist das Geschwefel von den drei Parteien mit den Farben rot, schwarz und blau von Veränderung, Wende, Richtungsänderung tatsächlich nichts anderes als ein, wie es in Österreich und vor allem in Wien heißt, Lercherlschas.

Zwei Wochen vor der Nationalratswahl schreibt der Chefredakteur dieser Massenumsonst zur veröffentlichten Umfrage:

„Gut möglich, dass Österreich nach dem 15. Oktober 2017 ein Parlament aus nur mehr drei Parteien hat. Ich glaube das nicht (Neos, Grüne schaffen es), aber man wird sich noch wundern, was in diesem Land alles möglich ist.“

Nachdem massenmedial vor allem in diesem Jahr alles unternommen wurde, um ein Dreiparteienparlament herbeizuschreiben, soll jetzt wohl ein wenig beruhigt werden, aber nicht davon abgebracht werden, ausschließlich die Parteien mit den Farben rot, blau und schwarz zu wählen. Damit das Parlament aber nach dem 15. Oktober 2017 nicht zu einem blau-schwarz-roten Parlament der 60er des letzten Jahrhunderts zurückgebaut wird, müssen die anderen kandidierenden Parteien massiv gewählt werden, nicht also die Parteien mit den Farben rot, blau und schwarz, wobei zur Farbe blau auch die mit Barbara Rosenkranz zu zählen ist.

Diese Vielfaltverdrängungsberichterstattung zugunsten von den drei Parteien mit den Farben rot, schwarz und blau ist in Österreich nicht nur der gutter press vorbehalten, auch Qualitätszeitungen aber eben österreichischen Zuschnitts haben es allenthalben nicht verabsäumt, beispielsweise die Grünen als eine unwählbare Partei hinzustellen, genauso, als wäre diese um keinen Deut besser oder ebenso schlimm wie die FPÖ. Mit nahezu christlicher Mittelalterhärte werden innerparteiliche Turbulenzen der Grünen zu unverzeihbaren Todsünden erklärt, die nur mit Unwählbarkeit gebüßt werden können, während …

Vor dieser Wahl stehen die Menschen am 15. Oktober 2017 tatsächlich, wollen Sie mit rot und blau und schwarz zurück in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts oder …

Es ist eine Wiederholung, das wird gewußt, das alles wurde bereits geschrieben, aber es ist eine notwendige Wiederholung, und es ist bis zum 15. Oktober 2017 ständig zu wiederholen, von vielen zu wiederholen, aufzurufen: das Parlament nicht zur Dreifaltigkeit der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts verkommen lassen:

Nationalratswahl in Österreich am 15. Oktober 2017 – Kein Zurück zum Dreiparteienparlament, keine Rückwahl zur Dreiparteiendemokratie der 1960er Jahre!

Folge 4: Nationalratswahl 15.10.2017 in Österreich – Nicht die 1960er wählen!

Folge 1: Wahlen in Österreich, Nationalratswahl 15. Oktober 2017: Von der politischen Vielfalt und der medialen Wirklichkeitsarmut.

Wenn Sie die Armut einer Dreifaltigkeitsdemokratie, wie diese in den 60er Jahren des  letzten Jahrhunderts herrschte, nicht wiederauferstehen lassen wollen, wenn Sie nicht in den Schwitzkasten der Dreifaltigkeit der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts genommen werden wollen, dann müssen Sie dafür am 15. Oktober 2017 Sorge tragen, Verantwortung übernehmen, daß es ein starkes Parlament der Vielfalt gibt. Endlich einen Ausbau der parlamentarischen Vielfalt gibt. Es ist ohnehin für eine Demokratie eine äußerst bescheidene Vielfalt, die es bisher in Österreich gab, wenigstens seit Mitte der 1980er Jahre. Und diese bescheidene parlamentarische Vielfalt ist nun enorm gefährdet …

PS Sollten Sie aus eigenem Erleben die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht kennen, ist es nun eine gute Gelegenheit, beispielsweise ihre Eltern zu fragen, wie es vor einem halben Jahrhundert in Österreich war, mit diesem parteienarmen Parlament,  wie es sich spießrutenlaufgemäß lebte, in diesem von diesen drei Parteien mit den Farben schwarz, rot und blau beherrschten Land.

#NRW17